Dienstag, 23. Februar 1904 154. Jahrg. OiKhLj rüg lich etif BüBnubro M Sanntas^ ••lt|er ^auit! kn blätter* »erbet »em Mujetgec r rmo rvöcbenthcb »etgelegt Dei tÄtiOot* ** erschein, menatltxfc einmal Eiehener Anzeiger BiM’iiiiMvfTliJ 'fc N» Bettag Nr ttBtnerfb4t4An*t»x«H CBtetk» tdtaQ tt*N» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Glehen. Abfl. Dove (freif. Vgg.) führt aus, daß seine Fi Antrag Liebermann zustimmen, aber dann gegen d, würden. Daß die Ostmarkenpolitik Fiasko gemacht habe, habe neulich selbst Graf Kanih zugegeben, denn er sagte, daß die Ansiedelungs- Politik das Gegenteil von dem, was sie beabsichtigte, erreicht hatte. Solche Zulagen seien im Interesse der Würde der Beamten sehr bedenklich, denn sie erweckten den Anschein, als ob sie gegeben würden nach dem Grundsatz: Do ut facias. Die Beamten müßten pflichtgetreu ihre Funktionen ausüben und nicht danach fragen, ob ein Deutscher oder ein Pole vor ihnen stände. Hiermit schließt die Diskussion. Der Antrag Liebermann, die Zulage zu einer unwiderruflichen zu machen, wrrd angenommen, nur die Reichspartei freunde zwar dem gegen den Titel stimmen war, diese Forderung hier zu erheben. (Heiterkeit.) Damit bat nur hier eine Polen debatte provoziert, die man sonst immer ms preußische Abgeordnetenhaus verweist. Die Regierung hat eben den staatsrechtlich korrekten Weg beschreiten wollen. Und aus dem nämlichen Grunde treten meine Freunde dafür ein. Wenn der Abg. Fritzen von einer Diskrepanz gesprochen hat, so entsteht eine solche bnrÄ die Ablehnung dieser Forderung noch weit mehr. Es wird setzt heißem der Reichstag $abe versucht, das preußische Abgeordnetenhaus zu desavouieren. (Zuruf: Allerdings! Heiterkeit.) Die Polenpolitik ist eine überaus schwierige Sache. Die Negierung hat schon verschiedene Wege eingeschlagen Alle stich fruchtlos ge* wesen Und ist denn je ein größerer Mißerfolg erzielt worden, als K der Polenpottttk des ?ent^ms? .(sehr gut!) Hat n cht mne Posensche Leitung ausdrücklich geschrieben, die Wahl des Abg. KarfanÜ; sei ein Faustschlag in das Gesicht des Zentrums? (Unruhe^ beim Zentrum.) Das Ziel der Regierung ist etn starkes Abg. von Tiedemann (Reichsp.) hält die Gewährung der Ost- markenzulage für ein Gebot der ausgleichenden Gerechtigkeit. Alle preußischen Beamten haben sie bereits, und die Postbeamten sollten sie nicht haben? Das führt doch zu den sonderbarsten Konsequenzen. §toci Beamte, ein Postschaffner und ein Eisenbabnbeamter, reisen i selben Zuge, und der eine hat die Zulage, der andere nicht. Das geht doch einfach nicht. Was dem Eisenbahnbeamten recht ist, muß dem Postbeamten billig sein. Den Antrag Liebermann werde ich ablehnen, mit Rücksicht auf die Parität mit Preußen. Sollte die Ostmarkenzulage abgelehnt werden, so könnte die preußische Regierung vielleicht diese Zulage an die Reichspostbeamten zahlen. Das wäre gar kein so ungewöhnlicher Vorgang. Aehnliches ist auch schon bei Garnisonen (Dreschen und Schrimm) geschehen. ' Abg. Fritzen-Düsseldorf (Zentr.): Geht der letztere Vorschlag Durch, so würde das eine grelle Dissonanz zwischen dem Reichstage und dem preußischen Abgeordnetenhause geben. Redner kritisiert sodann die preußische Polenpolitik. Meine Partei wird gegen die Ostmarkenzulage stimmen. Auch für die Beamten ist sie keine Wohltat. Sie schwebt wie ein Damoklesschwert über ihren Häuvten, sie macht sie unfrei auf Schritt und Tritt, in ihrem öffentlichen Verhalten, in der Wahl ihres Umganges usw. Stets müssen die Aermsten fürchten, daß die Zulage ihnen wieder entzogen wird. Wird sie aber hier unwiderruflich gemacht, so wird die Diskrepanz zwischen dem Reich und Preußen noch größer. Glauben Sie übrigens nicht, daß unsere Partei gegen die Ostmarkenzulage aus besonderer Freundlichkeit für die Polen ist. Dazu haben wir aar keine Veranlassung. (Sehr wahr!) Wir sind von den Polen in der allerheftigsten Weise bekämpft worden. Nur aus Gerechtigkeitsgründen sind wir gegen jene Forderung. Verwahren muß ich meine Partei gegen den Vorwurf, nicht genügend nationale Gesinnung zu besitzen. Wir verlangen von den Polen, daß sie gute Preußen werden. Aber wir verlangen auch von der Regierung, daß ste die Polen nicht als Staatsbürger zweiter Klasse behandelt. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Mg von Staudy (kons.) befürwortet seinen Antrag. Die Ausführungen des verehrten Vorredners haben mich nicht überzeugen können. Es handelt sich hier nicht um eine politische, sondern um eine rein wirtschaftliche Forderung. UebrraenS bestreite ich auch, daß die preußische Polenpottttk Fiasko gemacht hat. Auch ich verlange absolute Gerechtigkeit in der Behandlung der Polen. Wo aber die öffentliche Ordnung gestört wird, da muß ste gejcW werden In Preußen ist die Ost marke Zulage politischer Natur (hört hört!), die Ausdehnung auf die Reichsbeamten ist aber rem sachlich geboten, ist rein finanzieller Art. Eine andere Frage rst übrigens die, ob es von den verbündeten Regierungen taktisch richtig -----(Heiterkeit.) Damit hat die man sonst immer ins und die Konservativen stimmen dagegen. Ter Titel selbst wird jedoch entsprechend dem Kommissionsbeichluß gestrichen, da nur die Rechte, die National-Liberalen und die Antisemiten dafür stimmen. Ter Nest der dauernden Ausgaben wird ohne wesentliche Debatte bewilligt. Es folgen die einmaligen Ausgaben. Für die Herstellung einer Telegraphenlinie im Innern von Deutsch-Ostafrika hon Ujiji als Fortsetzung der bereits bestehenden Linie von Dar-eS- Salaam über Mpapua nach Tabora hat die Regierung als erste Nate 300 000 Mk. verlangt. Die Kommission hat die Position g e st r i ch e n. Abg. Tr. Spaim (Zentr.) meint, daß einmal diese Forderung gar nicht in den Postetat, sondern in den Kolonialetat hineingehöre. Zudem sei die Begründung der ganzen Position eine höchst mangelhafte. In Ujiji hätten wir keine großen Interessen, unsere Hauptinteressen lägen in Muanza. Staatssekretär Kraetke: Es handelte sich darum, einen Anschluß an den Ueberlandstelegraphen zu erreichen. Indessen gebe ich zu, daß es keine große Gefahr ist, wenn die Sache noch eine Weile hinausgeschoben wird. Wenn keine Stimmung für die Linie Tabora-Ujiji vorhanden ist, so würde ich bitten, diesen Betrag für eine Linie Tabora-Muanza auszusetzen. Für diese 300 000 Mk. würde man den größten Teil der Strecke, nämlich bis nach Sankt Michael, ausbauen können. Abg. Dr. Spahn (Zentr.) beantragt nunmehr. die Position wieder herzustellen, aber mit der Aenderung, daß die Linie nicht nach Ujiji, sondern über St. Michael nach Muanza gehen soll. Abg. von Böhlendorfs (kons.) gibt zu, daß diese Linie größere Vorteile biete, als die anfänglich verlangte. Kolonialdirektor Stübel: Gewiß handelt es ,sich um ein Interesse der Kolonialverwaltung. Ich wäre schon in der Kommission bei der Sache zugegen gewesen, wenn ich davon benachrichtigt worden wäre. Es liegt hier einfach ein Versehen vor. Zur Sache selbst ist zu betonen, daß in dem betreffenden Gebiet ein wirtschaftlicher Aufschwung zu konstatieren ist. Die Einwohnerzahl hat, daher auch schon um 50 Köpfe zugenommen. In Ermangelung einer Eisenbahn ist dort jedenfalls ein großes Bedürfnis nach einem Telegraphen vorhanden. Muanza selbst ist schon ein lebhafter Handelsplatz geworden. Auch kommen dort wichtige Missionsinteressen in Frage. (Aha! Zuruf: Merkst du was? Heiterkeit.) Bieten Sie die Hand dazu, die Kolonie mit besseren Mitteln auszustatten. Tun Sie das! Abg. Dr. Sattler (nl.) beantragt Rückverweisung des ganzen Titels an die Budgetkommission. Die Sache würde doch sonst einen zn überraschenden Eindruck machen. Abg. Dr. Müller (Sagau, fteis. Vp.) findet gleichfalls die An- gelegelenheit sehr ungewöhnlich. Was würde man wohl sagen, wenn man statt der Linie „Tabora—Ujiji" eine neue Linie „Berlin—Königsberg" einsetzen wollte? (Heiterkeit.) Abg. Dr. Stockmann (Rp) empfiehlt den Antrag Sattler. Die i Kosten der Gesamtünie würden sich doch nunmehr anders stellen, daher sei eine nochmalige Kommissionsverhandlung notwendig. Abg. Singer äußert sich in demselben Sinne. Abg. Dr. Arendt (Rp.) bemerkt, die ganze Sache wäre ander- gekommen, wenn man seinen Antrag in der Budgetkommisston, die Sache mit dem Kolonialetat zu verbinden, angenommen hätte. Dies habe aber die Linke durch Schluß der Debatte unter Führung der Sozialdemokraten unmöglich gemacht. Er stelle dies fest, weil die Sozialdemokraten beim Zolltarif über Vergewaltigung geklagt hätten, wenn in der Kommission Schiußanträge angenommen wurden. Der Antrag Sattler wird nunmehr einstimmig a n • genommen; somit ist der Titel an die Kommission zu ruckverwiesen. Der Rest der einmaligen Ausgaben wird bewilligt. Bei den Einnahmen befürwortet Abg. Gröber (Zentr.) eine Resolution, in der für Postsendungen von Soldaten Portofreiheit verlangt wird. Staatssekretär Kractke: Die Vostverwaltung ist selbstredend jederzeit bereit, eine solche wichtige Frage in Erwägung zu ziehen. Ich mache aber darauf aufmerksam, daß kein Land so weit geht, wie es in der Resolution verlangt wird. Abg. Günther (nl.): Ich will nur eine Forderung auSgleichen- der Gerechtigkeit bei den Telephongebühren Vorbringen. Gegen das Prinzip, die Gebühren nach der Entfernung abzustufen, habe ich nichts, dagegen sehr viel gegen den engherzigen Bureaukratismus, der dabei zu Tage tritt. Von Berlin nach München kostet ein Gespräch 1 Mk., von Berlin nach Königsberg 1,50 Mk., obgleich die erste Strecke um 50 Km. länger ist. Wer z. V. von Berlin nach Pillau telephonieren will, muß nur 1 Mk. zahlen. Der Verkehr wird aber über Königsberg geführt und die Strecke ist um 55 Kilometer länger als die Strecke Berlin—Königsberg, die 1,50 Mk. kostet. Auch nach Karlsruhe kostet das Telephonieren 1,50 Ml., wer aber nach Wannsee fährt, hat von dort aus nur 1 Mk. nach Karlruhe zu zahlen. (Lehaster Beifall.) Unterstaatssekretär ^ijboro: Wir hatten schon einmal den Einheitstarif. Und dahei haben die Nähergelegenen sich beschwert. Daher wurde 1899 der abgestufte Tarif eingeftihrt. Natürlich hat jede Abstufung die Eigentümlichkeit, daß bei den Uebergangspunkten bei einem geringen Unterschied in der Entfernung ein großer Sprung im Tarif zu Tage tritt. Das ist nun einmal nicht zu ändern. Das System beruht auf den sogenannten Taxquadraten; es hat sich bei den Paketen schon 40 Jahre lang bewährt. Kleine Unstimmigkeiten lassen sich natürlich nicht vermeiden. Die Soldaten-Resolution des Zentrums gelangt hierauf zur Annahme, ebenso der R e ft des Etats. Hierauf gibt Staatssekretär Krnetke folgende Erklärung ab: In der Sitzung des Reichstags vom 19. Januar 1904 ist die Postverwaltung durch den Abg. Haase bezichtigt worden, dasBriesgeheimnis verletzt zu haben. Damals ist von dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts dem Abg. Haase anheimgegeben worden, bei der Beratung des Postetats die Sache zur Sprache zu bringen. Ich habe darauf gewartet, es ist nicht geschehen. Ich stelle das fest. Desgleichen stelle ich fest, daß ich Untersuchungen angestellt habe, aus denen sich ergeben hat, daß kein Anlaß zu derartigen Beschuldigungen vorliegt. (Hort, hört! und Beifall.) Die zu dem Etat vorliegenden Petitionen werden entsprechend oen Beschlüßen der Kommission teils durch U e Hergang zur Tagesordnung erledigt, teils durch die bisherigen Beschlüsse für erledigt erklärt, teils zur Berücksichtigung überwiesen. Hierauf vertagt das Haus sich auf Dienstag 1 Uhr. (Etats des Reich? eisenbahnamts, der Reichs eisen- bahnen in Elsaß-Lothringen, vorher Gesetz betr. Musterschutz auf Ausstellungen.) Schluß Uhr. Deuffcktum in den Ostmarken. Erst dann wird man Frieden haben. (Beifall rechts.) Staatssekretär Kraetke dankt dem Vorredner für seine warmen Worte. Es ist nirgends bestritten worden, daß die Lage der deutschen Beamten in den Ostmarken eine sehr schwierige sei, schwieriger noch, als die der preußischen Beamten dort, weil sie sich auf alle kleinen Orte verteilen, wo gar keine Gelegenheit ist, etwas einzukaufen, wenn man nicht polnisch sprechen will. Man muß sich die Sachen schon schicken lassen, also höhere Preise bezahlen. Ebenso sind dort die Mieten teurer. Kurz, die Reichs- beamten werden dort höher besteuert, als die anderen. Was die Zulage betrifft, so seben die Beamten selbst darin keine Gefahr, obgleich sie wissen und an ihren preußischen Kollegen sehen, daß sie widerruflich ist. Und daher bitte ich das hohe Haus, sie zu bewilligen. Abm Dr. von Jazdzewski (Pole): Die preußische Regierung hat den Polen gegenüber stets die Zwecke verfolgt, die sie heute verfolgt. Ganz sonderbar war die Berufung darauf, daß der Reichstag das preußische Abgeordnetenhaus nicht desavouieren möge. Man kann doch nicht verlangen, daß der Reichstag die Konsequenzen einer Politik zieht, die er für unheilvoll und verderblich hält! Dem Abg. Fritzen, der sich über die Haltung der Polen gegenüber dem Zenttum beschwerte, erwidere ich: peccatur intra muros et extra! Es ist wahr: in Oberschlesien haben die Polen, dem Zenttum übel mitgespielt. Ebenso aber ist das Zenttum in unseren Heimatsprovinzen den Polen gegenüber aufgetreten. Eine Anzahl von Mandaten haben wir dadurch verloren, daß das Zentrum die polnischen Kandidaten nicht unterstützt hat. (Abg. Gamp: Welche?) Lissa-Fraustadt, Schwetz und beinahe auch Thorn .... Vizepräsident Graf Stolberg (unterbrechend) ersucht den Redner, nicht allzu ausführlich auf den Zwist zwischen Zenttum und Polen einzugehen. Abg. Jazdzewski spricht die Hoffnung aus, daß das Verhältnis zwischen Zenttum und Polen sich wieder bessern werde. Abg. Singer (Soz.): Die Taffachen sprechen so deutlich, daß die preußische Regierung von der Dummheit ihrer Politik sich selber endlich überzeugen sollte .... Vizepräs. Gras Stolberg (unterbrechend): Es ist nicht zulässig, daß Sie hier von der Dummheit der Politik der preußischen Regierung sprechen. (Stürmische Heiterkeit, die immer mehr anwächst und minutenlang anhält.) Abg. Singer (fortfahrend) bekämpft die Ostmarkenzulage. Abg. Dr. Sattler (nat.-lib.): Ich will^eine lange Rede halten, ich will nur kurz die Stellung meiner Freunde der Ostmarkenzulage gegenüber barlegen, lieber das was kommen wird, wenn diese Position abgelehnt wird, wollen wir uns den Kopf nicht zerbrechen. Ich will zugeben, daß die Behauptung, die Maßnahme sei nur eine wirtschaftliche Folge der Maßnahmen für die preußischen Beamten, zutreffend ist. Aber sie ist auch in der Tat eine Folge der preußischen Polenpolittk überhaupt, und ich werde das ganz gewiß nie leugnen. Gewiß ist die Polenpolitik nicht Reichssache, aber hier greift sie auf das Reich über. Die Politik, welche die preußische Regierung nicht dem Polentum, sondern der polnischen Agitation gegenüber verfolgt, unterstützen wir, und wir halten es daher auch für unsere Pflicht, auch hier dafür einzutteten. Erfreulicherweise verfolgt die Regierung jetzt eine konsequente, energische Politik zum Schutze des Deuffchtums in den Ostmarken, keine Angriffspolitik, sondern eine Verteidigungspolitik gegen die polnische Agitation, welche sich schon lange vor dieser Politik gegen das Deutschtum geltend gemacht hat. Denn die Behauptung, die Mißsttmmung der Polen sei gerade hervorgerufen durch die Maßnahmen der Reaie- runa, ist vollständig unrichtig. Umgekehrt ist es eine, Reaktion gegen die schon vorher bestehende polnische Agitation, daß sich das Deutschtum auf sich selbst besonnen hat und daß die deutsche Regierung ihre Aufgabe richtig erfaßt hat. In weiten Kreisen, nicht bloß bei den National-Liberalen, ist man zu der Ueberzeugung gelangt, daß die polnische Agitation einen sehr gefährlichen Charakter angenommen hat. Zum Beweise dafür brauche ich mich nur auf eine Rede zu berufen, welche ein früheres Mitglied des Zenttums im Herrenhaufe gehalten hat. Und darum war es Pflicht der preußischen Staatsregierung, endlich Front zu machen gegen den Ansturm des Polonismus. Und nach dieser Richtung hin bewegen sich ihre Maßnahmen. Eine andere Frage ist die, ob die Verleihung einer Zulage gerade ein hervorragendes Mittel dazu ist. Aber ich glaube: Dadurch, daß es gelungen ist, einen außerordentlich scharren Gegensatz hervorzurufen zwischen der preußischen und polnischen Bevölkerung, sind Die Verhältnisse für die Beamten dort sehr schwierige und unangenehme geworden. Und deshalb ist es richtig, wenn man versucht, besonders tüchtige Beamte dorthin zu sehen. Das ist der Grund für die Zulage. Daß sie widerruflich ist, haben meine Freunde bereits int preußischen Abgeordnetenhause bedauert. Heute, wo der Anttag vorliegt, an stelle der Widerruflichkeit die Unwider- ruflichkett zu setzen, werden meine Freunde für diesen Antrag stimmen und ebenso dann für die ganze Maßnahme, weil wir uns für verpflichtet halten, in jenen schwierigen Gegenden einen besonders hervorragenden Beamtenstand heranzuziehen und festzuhalten. (Beifall bei den National-Liberalen.) Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antts.) begründet feinen Anttag. Der Anttag sei Wohl gemeint und sehr versöhnlich und, wolle das Politische aus dieser Angelegenheit entfernen. Leider wisse er wohl, daß er seinem Anträge nur eine Grabrede halte. Der-Kampf im Osten müßte mit Ruhe, Würde und Gerechtigkeit geführt werden, man dürfe keine befonbere Prämie auf befonbere Schwierigkeit fetzen. Der Kampf fei nötig, benn bie Zeiten, wo ber Pole Koszielski sich ben Namen Admiralski verdient habe, seien vorbei. Abg. Gamp (Rp.) polemisiert gegen die Abgg. Singer und von Jazdzewski. Er (Redner) sei für die Zulage aus Gerechtigkeitsgründen, ein Volenkämpfer fei er, nie gewesen, dazu fei er eine viel zu friedliche Natur. (Große Heiterkeit.) Wenn die Beamten die Zulage bekämen, würden sie gegen die Polen gewiß ganz besonders liebenswürdig fein. (Erneute große Heiterkeit.) Charakteristisch sei das Vorgehen der Sozialdemokaten, sie segelten unter falscher Flagge, dad fei ihm auch fchon passiert. (Heiterkeit.) Die Beamten im Osten müßten schon deshalb mehr haben, weil sie es weit schlechter hätten, als die im Westen, denn diese lockten schöne Gegenden und billige Weine. (Hetterkett.) Parlamentarische rrerhandinngen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 39. Sitzung vom 22. Februar. 1 Uhr. Tas Haus ist sehr schwach besetzt. Am Bundesratsttsch: Kraetke u. a. Eingegangen ist die Novelle zum Börsengesetz. Zunächst wird entsprechend dem Bericht der Geschäftsordnungs- Kommission die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung der Abgg. K r ö s e l l (Anttf.), Fusangel (Ztr.) und Gerstenberger (Ztt.) nicht erteilt. Sodann wird die zweite Beratung des Post-Etats bei den Dauernden Ausgaben fortgesetzt. Eine große Reihe von Titeln wird ohne wesentliche Debatte genehmigt. Beim Titel „Postmuseum" wünscht Abg. Eickhoff (fteis. 23p.) Auskunft darüber, was au? den ausländischen Marken wttd, die auf den Postanweisungen und Paketadressen ankommen. Staatssettetär Kraetke erwidert, daß diese ausländischen Marken nicht an Händler verkauft, sondern zur Vervollständigung der Sammlung des Postmuseums benutzt würden. Eine Anzahl weiterer Titel werden debattenlos erledigt, die dazu gemeldeten Redner verzichten unter großer Heiterkeit des Hauses aufs Wort. Beim Titel „Post- und Telegraphen-Gehilfinnen" tritt Abg. Singer (Soz.) für Aufbesserung und kürzere Dienstzeit der Telephonistinnen ein. Ferner frägt Redner an, ob es wahr sei, daß diese Damen, wenn sie einmal das Dienstzimmer verlassen wollten, dies unter Angabe des Grundes in ein Buch eintragen müßten. (Heiterkeit.) Unterstaatssekrerär Sydow erwidert, daß die Dienstzeit der Damen geringer sei, als die der andern Beamten und nur wenig mehr als 7 Stunden täglich betrage. Das (Einträgen in ein Buch beim Austteten aus dem Tienftzimmer sei in einigen Aemtern einmal eingeführt, aber sofort, nachdem die Zenttalstelle davon Kenntnis erhalten, abgeschafft worden. Auf diverse Anfragen des Abg. Dr. Müller-Sagan (freif. Vp.) erwidert Staatssekretär Kraetke, er könne nicht auf jede Kleinigkeit antworten ; er bittet aber, aus seinem Schweigen nicht zu schließen, daß er stets zufttmme. (Große Heiterkeit.) Abg. Dr. Müllcr-Sagan (freif. Vp.) interpelliert den Staats- fehretär über die Zentralheizung des Postvorstehers in Lippstadt. Staatssettetär Kraetke gesteht, daß er darüber nicht erschöpfend orientiert fei. Beim Titel „Landbriefträger" tritt Abg. Böckler (Antts.) für besiere Besoldung der Landbriefttäger ein. Abg. Patzig (nat.-lib.) erklärt, seine Partei habe mit Rücksicht auf die Geschäftslage davon Abstand genommen, Einzelwünsche vorzubringen. Er bitte auch die andern Herren, die gleiche Zurückhaltung sich aufzuerlegen. Der Titel, der die widerrufliche Gewährung der sog. O st - Markenzulage enthält, ist von der Kommission bereits gestrichen. Die Konservativen v. Normann, v. Staudy il Gen. beantragen, diesen Titel wieder herzustellen. Der Antisemit Liebermann v. Sonnenberg beantragt, bie Ostmarkenzulage unwiderruflich zu gewähren. Aer Krieg zwischen Japan und Rußland. Vom Kriegsschauplatz. Die „Köln. Ztg." meldet aus Petersburg vom 22. Febr.: Nach Meldung aus P o r t Ar t h ur vom 21. Febr. morgens waren schwache Schüsse vom Meer her vernehmbar. Wahrscheinlich versuchten japanische Torpedoboote sich dem Lasen zu näyern. — Die Erklärung Japans, es betrachte Kohlen und Lebensmittel durchaus als Kriegs- 'kontrebande, wird als Willkür bezeichnet. Das Blatt Les russ. Statthalters fordert, daß die Engländer russischen Schiffen gestatten, sich in Singapore und Hongkong mit Kohlen zur Fahrt bis nach Port Arthur zu versorgen, das heißt auf zwölf Tage, und den japanischen Schiffen für die Fahrt bis Formosa, das heißt für z w ei T a g e. — Die russ. Hnuptposwerwalt- ung traf Maßnahmen, um einer Wiederholung von Feldpostdienstunordnungen, wie sie im rusjisch-türkischssn Kriege vorgekommen sind, vorzubeugcn. Zum Zweck der Durch? führung solcher Maßnahmen ist als besonderer Bevollmäcy^ tigter Stenkowitsch zur aktiven Armee abgesandt worden, der zwanzig Jahre in Turkestan tätig war. Die Mannschaften und Passagiere des in der Meerenge von Tsugaru durch die Russen zum Sinken !g eb rächt en japanischen Dampfers „Nakanon- ^ramaru" sind, ausgenommen' zwei Mann, von den russischen Kriegsschiffen vor dem Ertrinken gerettet und ausgenommen worden. Sie trafen am 22. ds. mit einem deutschen Dampfer von Wladiwostok in Nagasaki ein. Das russische Kreuzer-Geschwader scheint, wie aus Tokio gemeldet wird, W l ad i w ost o k wieder v e r Lassen zu haben. Es soll am Samstag bei Tobishima an der Nordwcstküste der japanischen Hauptinscl gesehen worden sein. Aus Tokio wird gemeldet, ein russischer Kreuzer sei auf der Höhe von Hoffe, v gesehen worden, wo er sich bemühte, der Insel das Kabel abzuschneiden. Aus Tientsin wird gemeldet: 500 Brig anten hätten am Samstag den russischen Posten in Futschau angegriffen. Ter Taotai von Shanghai hat auf Grund einer Aufforderung der japanischen Regierung ein im Hafen liegendes russisches Kanonenboot aufgefordert, den Hafen am Samstag abend vor 5 Uhr zu verlassen. Ta das Kanonenboot dem Befehl nicht nach gekommen ist, so wurde das P a i t a n a - G e s ch w a d e r n a ch S h a n g- haibeordert, um dem Befehl des Taotai mehr Nachdruck zu geben. Tas Erscheinen von zwei Abteilungen russischer Kosaken wird aus On-Tschin gemeldet. Nusfische Vorbereitungen. Eine Werft in Newski erhielt Befehl, schleunigst zehn Unterseeboote zur Verstärkung der r u s s. Kriegsflotte zu bauen. — Tie russische Kaufmannschaft spendete 50 Millionen für Kriegszwecke. Tie sibirische Bahn befördert nunmehr täglich 3G00 Soldaten nach Ostasien. Aus Petersburg wird berichtet: Dem russischen Roten Kreuz sind bedeutende Summen überwiesen worden. U. a. spendete der Gras Olsro eine Million Francs. Ter russische Botschafter in Paris, Baron Nelidow, dankte im Namen der russischen Regierung dem Präsidenten der französischen Gesellschaft vom Roten Kreuz für das Anerbieten, sofort eine französische Ambulanznach der Mandschurei zu entsenden, fügte jedoch hinzu, daß die Kriegs Operationen zu Lande erst in einigen Wochen beginnen würden, sodaß erst dann die Hilfsmaßnahmen praktisch organisiert werden könnten. \wostok. Ostasien TeagscTu SOJtlfra. Maj&th Mo, 6oto/& A aDochs fy Kriegsh %EMerideppts r. looo'i +unterS00. T Schnelle < Die bayerische WahLreform. München, 22. Febr. Bei der fortgesetzten Beratung der Wahlreformvortage in der Kammer der Abgeordneten erklärt Abg. Wagner (lib.), die ganze liberale Partei bekämpft die Sozialdemokraten, die früher jeden Kompromiß verspottet, sich aber öcmn mit der atlerreaktionär- sten Parteiverbündet hätten. Die Sozialdemokraten iiätten keine positive Arbeit geleistet, wohl aber dafür ge- orgt, daß das Zentrum im bayrischen Landtag die Ma- orität behielt. Der vorliegende Entwurf sichere dem Zentrum 83 von den vorgesehenen 163 Sitzen und erfülle auch sonst nicht alle freiheitlichen Hoffnungen. Trotzdem gäben die Sozialdemokraten jetzt die früheren Forderungen auf und sicherten den: Zentrum eine dauernde Röehrheit. Bleibt die relative Mehrheit im Gesetz, so gewinnt das Zentrum zu jenen 83 Mandateri noch weitere 12 Sitze dauernd. Wir bekämpfen die Wahltreiseinteilung, weil wir die großen Gefahren einer dauernden Zentrumswirtschaft kennen. Die Erklärung der Regierung geschah auf Grund eines Verlangens des Zentrums, war eure Drohung gegen uns, eine Kapitulation vor dem Zentrum und eine Beleidigung unserer Partei. Abg. Ehr hart (Soz.) bekämpft daZ Verhalten der Liberalen. Das Volk werde die Liberalen verfluchen, weil sie ihm ein freiheitlicheres Wahlrecht vorenthielten. Ministerpräsident Frhc. v. V o d e w i l s: Niemand wird alles bei uns gut und gesund finden, aber so schlimm, wie man es darstellt, ist es nicht. Man mißt dem Ministerium die Schuld an allem bei, was bei uns für schlecht gehalten wird, und sucht dabei die Uebel möglichst zu übertreiben. Ich habe weise Männer gefragt, worin eigentlich meine Schuld bestehe, aber eine klare Antwort habe ich nicht gefunden. Ich habe tatsächlich eine Unterredung mit Zentrumsabgeordneten gehabt, aber an demselben Tage habe ich auch den Abg. Easselmann um eine Besprechung gebeten. Menn das Wahlgesetz falle, müßten die Wahlen nach dem alten Wahlgesetz stattfinden. Aber cs sei nicht nötig, daß die alte Wayltrels^inteilung bleibe. Wir haben gerade bei den jetzigen Verhandlungen des Wahlgesetzes so viele Erfahrungen über die Notwendigkeit der Reform gemacht, daß die Regierung diese allseitig gewünschten Verbesserungen ihrerseits vornehmen muß. Abg. Nißler tfrs. Verg.) legt dar, daß seine Partei bas Gesetz ablehne, da die ländliche Bevölkerung gegenüber den Städten nicht hinreichende Berücksichtigung finde. Ten Vorteil von dem Gesetz hätten hauptsächlich die Sozialdemokraten. Sie Regierung beuge sich jetzt immer mehr vor dem Zentrum. In protestantischen Kreisen sei wachsende Erbitterung wahrzunehmen. Karlamenlarijches. Berlin, 22. Febr. Im Se.nioren-Konoent des Reichstages wies Graf Ballestrem auf die trostlose Geschäftslage hm, weiche eine rechtzeitige Fertigstellung des Etats als ausgeschlossen erscheinen lasse, wenn die Redner sich nicht Beschränkungen auferlegten. Es stünden noch 24 Sitzungstage zur Verfügung und eine Reihe sehr wichtiger Etats sei noch zu erledigen. Er bitte die Fraktionen, höchstens zwei Redner zu jedem Etat sprechen zu lassen, da er keine Mittel in der Hand habe, die Ausdehnung der Debatte zu verhindern. Weiter erklärte sich Präsident Ballestrem gegen Abendsitzungen sowie gegen einen früheren Beginn der Plenarberatungen. Würde der Etat nicht fertig gestellt, so müßte eventuell die Reichsregierung mit einem Notgesetz einspringen, welchem juristische Hindernisse entgegenständen. In der Diskussion wurde eine Abänderung der Geschäftsordnung angeregt. Indessen machte der Präsident darauf ailfmerksam, daß eine solche Abänderung einen großen Zeitaustvand zur Beratung erheische. (Ganz wie bei uns m Darmstadt. D. Red. d. Gieß. Anz.) Berlin, 22. Febr. Das preuß. Abgeordnetenhaus beriet hellte den Etat der Justizverwaltung. Hierbei wurde die Ausweisung russischer Staatsbürger und der Königsberger Geheim bund-Prozeß eingehend behandelt. Der Justiz Minister suchte das Verhalten der Behörden zu rechtfertigen. Die Einsicht in die beschlagnahmten Schriften ließe sofort erkennen, daß sie zum Teil hochverräterischen anarchistischen Inhalts seien. Der Minister verliest eine lange Reihe von Auszügen aus den beschlagnahmten Schriften. In diesen Schriften sei die Aufforderung zum Fürstenmord, zur Revolution, zum Umsturz der bestehenden Verhältnisse enthalten. Nachdem die Sache zu seiner (des Ministers) Kenntnis gekommen, habe er das Auswärtige Amt davon unterrichtet, welches seinerseits die russische Regierung informierte. An der Bekämpfung des Anarchismus hätten alle zivilisierten Staaten ein gemein» sames Interesse. Es sei ferner eine umfangreiche Korrespondenz beschlagnahmt worden, qii§ der hervorzugehen scheine, daß der ganze Schriftenschlnuggel als sozialistische Parteisache behandelt werde und datz sogar die Berliner Parteileitung der Sache nicht vollkommen fern stehe. — Der Minister des Innern führte aus, es sei nicht richtig, daß auch deutsche Untertanen von russischen Agenten beobachtet lverden. Die im Reichstag aufgestellte Behauptung von angeblichen Uebergriffen russischer Polizeiagenten hätten sich nach den angestellten Ermittelungen als haltlos erwiesen. — Hierauf wurde zu der Sache von Abgeordneten aller Parteien das Wort genommen. Chemnitz, 22. Febr. An Stelle des verstorbenen Wbg. Rosenow soll Göhre als sozialdemokratischer Kandidat im 20. sächsischen Wahlkreise wieder aufgestellt werden. A.r Ausland in Kcutsch-Südwestafrika. G-v.'r, ui.ur Leutwein m.... - U'.'ii 22. o. M., daß in 2 (c; anri.l vc: j7. d. M. Li. t ein C c s: cht der Kompagnie Fischet insofern em Irrtum vorgerommen jet, als nicht der Seesoldat Heupe aus Ostdorf,, sondern der Seesoldat H a a n s e aus Sachsendorf (Sachsen) schwer Oer- wundet wurde. Aus Stadt und Land. Gießen, den 23. Februar 1904. Sprechstunden der Redaktion: 12—1 Uhr vormittags, i/il—1/iS Uhr abends. ** Evang. Bund. Trotz des schlechten Wetters und der zahlreichen anderen Vorträge und Veranstaltungen in der letzten Zeit war der Familienabend des hiesigen Zweigvereins des Evangelischen Bundes am vergangenen Sonntag im Neuen Saalbau aufs beste besucht. Der Redner des Abends, Privatdozent Dr. Köhler von hier, gab in seinem Vortrag: „Friedrich II., ein Aufklärer im Mittelalter" in fesselnden Worten ein Bild jenes Herrschers, des Aver- rhoi'sten auf dem Throne der Hohenstaufen, dessen Lebensauffassung, dessen „Aufklärung" wir indessen nicht durchf- aus zu der unserigen machen möchten. Für den unterhaltenden Teil des Abends hatte der Gesangverein des Evangelischen Arbeitervereins unter der bewährten Leitung des Herrn Gernhardt gesorgt. Großen Beifall fand Herr Bell off, der mit seiner prächtigen Tenorstimme mehrere Lieder sang, zu welchen sich die Zitherbegleitung des Herrn Gernhardt sehr gut ausnahm. Wie sehr aber alle Anwesenden durch Professor Dr. Krüger mit seinem Violinspiel (Larghetto von Mozart, Sarabanda von Bach und Träumerei von Schumann- erfreut wurden, bedarf feiner besonderen Hervorhebung. (!) Friedberg, 22. Febr. Am hiesigen Lehrerseminar hat heute die Schluß Prüfung begonnen, welcher sich 35 Sck-ulamtskändioaten unterziehen. Tie feierliche Entlassung ist nächsten Freitag in Anwesenheit des Regierungsvertreters in der Turnhalle des Lehrerseminars. Abends findet Scblußlommers in den „Trei Schwertern" statt. Zur Neuaufnahme ins Seminar haben sich viel junge Leute gemeldet, sodaß möglicherweise zwei dritte Klassen (Parallelklassen) gebildet werden. f Aus der Wetterau, 22. Febr. Tie kaum zurück- gegangenen Fluten der Nidda, Wetter und Horloff beginnen wieder zu steigen, da seit Freitag Regenwetter herrscht. Tie Landwirte hegen Befürchtungen für die Winter s aa ten, denen anfangs Januar die große Kälte und jetzt die Nässe sehr geschadet hat. sc. Aus Starkenburg, 22. Febr. Kürzlich gingen einige Burschen abends von Steinau nach Brandau. Der eine hatte einen Hund bei sich. Tiefer sprang plötzlich in den Straßengraben und fing dann an fürchterlich zu heulen. Aus feinem Rücken saß ein Tuchs und zerfleischte ihn. Ein Bursche trat hinzu und machte dem Raubtier durch einen Messerstich den Garaus. Ten toten Tuchs brachte man dem Waldhüter. Wie erstaunten die Burschen, als sie bald darauf wegen Jagdvergehens vor Gericht geladen wurden! Ter Richter sprach sie frei. fc. Frankfurt a. Vä, 22. Febr. Einen tollen Sprung tat gestern abend ein 23jähriger Bursche aus Unterliederbach. Er fuhr mit dem letzten Zuge um 10 Uhr von Königstein ab, und da dieser Zug in Unterliederbach nicht hält, sprang der Bursche während der Fahrt aus dem Abteil. Er flog ungefähr 10 Meter weit ins Feld, nahm aber feinen ernstlichen Schaden. Das Gesicht war allerdings arg geschunden. vermischte». * Krefeld, 22. Febr. Auf jeUfame Weise ist im benachbarten Anrath gestern nachmittag ein Kohlenhändler nrns Leben gekommen. Er fuhr mit seinem Wagen die Dorfstraße entlang, als eine wild gewordene Kuh auf ihn zustürzte und mit den Hörnern aufspießte, sodaß der Tod alsbald eintrat. * Posen, 22. Febr. Die Warthe steigt und ha! gegenwärtig eine Höhe von 1,88 Meter erreicht. Aus Pogorzelice wird rapides Steigen gemeldet. Die dortige Höhe beträgt 1,75 Nieter (gestern 1,57 Meter). * Kaiserslautern, 22. Febr. In Dürkheim erschoß heute Nacht der Metzger Sauter die Dien st - magd Schönleber und bann sich selbst, weil das Mädchen seine Heiratsanträge zurückgewiesen hatte. * Tientsin, 21. Febr. Aus Tsinanfu wird gemeldet, daß der Hoanghodamm gebrochen ist. Hunderte von Menschen sind um gekommen. Mehrere Dörfer wurden verwüstet. * Verunglückt. Vor kurzem kam nach der Hotel- Revue", im Hotel Germania in Osnabrück ein sehr bedauerliches Unglück vor. Die Haushälterin des Hotels war mit dem Bohnern des Saales beschäftigt und hatte den Topf mit Bohnerwachs auf einen Gaskocher gesetzt. Während sie das Wachs umrührte, schlug die Gasflamme in den Topf und der Inhalt ergoß sich über den ganzen Körper der Unglücklichen, die nun schon seit mehreren Wochen danieder liegt. Man glaubt, daß sie nicht wieder vollständig hergestellt werden kann. Es ist dies eine Warnung für alle, die mit solcher Arbeit zu tun haben. Erst kürzlich wurde über ein ähnliches durch Benzin verursachtes Unglück berichtet. Kunst und Wissenschaft. — Tie tetzle Arbeit des kürzlich verstorbenen Bildhauers Professor R u d o l s M a i s o n in München war em Guß seiner Statuette des sitzenden Wotan, den dessen Verleger für den Dichter Felix Dahn in Breslau als Gabe zu dessen 70. Geburtstag bestellt hatten. Felix Dahn hat das Werk als schönste und sinnigste Zierde seines Arbeitszimmers bezeichnet — eine Anerkennung, die der Künstler selber leider nicht mehr hören sollte. Paris, 22. Febr. Ter bekannte Chirurge Doyen überreichte der Akadenile der Wissenschaften eine Arbeit über Krebsbehandlung. Doyen behauptet, er habe mittels Einspritzungen eines Toxins (Gistswffes)^ das aus dem in bösartigen Neubildungen seit langen Jahren konstatierten Mikrokokkus neofonnans stammt, eine größere Anzahl von Heilungen erzielt. Zplioeisttüts Nachrichten. Tü b i n g e n, 22. Febr. Die Universität beging heute die H u n d e r t j a h r s e i e r des Geburtstages des schwäbischen Theologen Tobias Beck mit einer Gedächtnisrede seines Schülers, des Theologieprofessors Schlatter. Gerichtssaal. Leipzig, 22. Febr. Der kaiserliche Disziplinarhof verwarf die Berufung des Obe rpo st Praktikanten Richard Wagner in Hanau, gegen den am 24. Dezember 1903 von der Disziplmarkammer Kajiel aus A m t s e n t s e tz u n g ohne Pension erkannt mar, weil er in einer öffentlichen Bersamm- ung em Hoch auf die Sozialdemokratie ausgedrachl hatte. Ier Arie flr. , ÄÖS <Ä'« »1 w“« bruderel. 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