Samstag 23. Januar 1904 154. Jahrgang Erstes Blatt Die ymttge Mmmer Umfaßt 18 S-itm. VolMsche Tagesschau. Der Rezitationsabend von Irene Triesch, Rußland und Japan. Folgende Drahtberi mittag zu: mt London 23 Jan. Der „Standard" meldet aus Tientsin: Dornröschen, Schneewittchen und die Zwerge, Frau Holle, «onöon, jd. jan. v " bewilligte Aschenbrödel und rote te alle heißen, ferner den attaxjöerg» TXtUtnwn. keift Rübezahl, Till Eulenspiegel, die Loreley, Kobolde, Wasier- Rußland j P » sandeten in "ixen und dergleichen mehr. Unterbrochen wird dte Auf- Tschuftt, 23. Januar. 12 000 Japaner landeten m passend eingelegte Neigen, von welchen rote tvorsen. Schalsteatz- 7. Bfrrtflt Kh Depttchen» «uzetgrr Sieben. Aeenwrecdantchlutzdir 51. zur Aufführung gelangende Festspiel »Im Märchenreich" von E. Gerharts führt uns in wechselndem Bilde und glanzvoller , Darstellung die alten deutschen Märchen- und Sagengestalten, chte gingen uns heute vor- wie sie die Phantasie unserer Kindheit belebten, vor Augen. I So erblickt der Zuschauer in angenehmer Abwechslung u. a. Nr. 19 Brldteint täglich außer Sonntags. Dem Gteßener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Lamilten« blätter viermal tn der Woche betgelegL AouMoaSdruct u. Verlag bei Vrühl 'sehen llnwtts^Buch- u. Stein- krude tri (Pietsch (fcrbai) nur den Elfen- und Frühlingsreigen, getanzt von 28 Damen des Vereins, erwähnen wollen. Die Einstudierung und Inszenierung des Festspiels liegt in bewährter Hand. •• Kanarien-Ausstellung. Die erste große AuS* stellung des Vereins Kanaria im Restaurant „Postkeller reiht sich würdig an alle größeren Ausstellungen ande^r Städte an. Sie ist mit 160 edlen Konkurrenzsängern beschickt, und niemand sollte versäumen, die AussteOung zu besuchen. Auch für die Jugend ist viel Interessantes geboten, indem Herr K. Müller aus Frankfurt eine große Anzahl auswärtiger Vögel, u. a. verschiedene Finken, chines. Nachtigallen, verschiedene Arten Papageien, Zebratäubchen u. s. w. aus- Anstand. Brüssel, 22. Jan. htönig Leopold will, wie es tzeißt, zu Kaisers Geburtstag nach Ber lrn rerjen Masampo. Tie beiden Nachrichten widersprechen einander nur scheinbar. Tie bisher immer noch anhaltende^Konzentrierung von japanischem Militär sich die Zuverlässigkeit der ersten Nachricht herausstellt nachlassen, entspricht aber dem alten Grundsätze: Sr vis pacem para bellum. Man meldet aus Wien: Tte Htr- tenberger Patronenfabrik verhandelt mit Japan wegen einer neuen großen Patronenbestell un g. Eine Bestellung von über 5 Millionen Patronen ist bereits abgeschlossen. — Japan läßt ferner m Tschemulpo beträchtliche Mengen Kriegsmaterial landen; mehrere hundert Kisten Artilleriematerial wurden bereits dort an Land gebracht Ueber die japanische Garnison tn Soeul, 800 Mann Infanterie, 50 Kavalleristen und Vatterten, wurd^ in der Nähe der Stadt eine Parade abgehalten, an dte sich Schießübungen anschlossen. Wie weiter auS So^il gemeldet wird, schaffen die Japaner dorchtn über Tschemulpo Geschütze, Kriegsvorräte und Proviant. Unter den Koreanern ^rrsast eine starre Garung. . Ter Ausstand der Tonghats wird angeblich von den Javanern geleitet, r.m einen Grund zur Emmtschung zu Ä" Äcfcr.bfc der bereinigten Staaten tn Soeul telegraphiert dem Staatsdeiiartement, i’t Korea drohte st a r ke Unruhen. Die Japaner seren an vielen Plätzen angegriffen. Man befurchtet m Washington, Vaß Japan Unruhen an der japanischen Eisenbahn öCÄttfleprettt monatlich 75 Pi^ otertel .ährtich 'litt. 2L0. Vurch Addoie- u. groctgfleOer monatlich 6o Pt., durch biePott *1)11.2.—otertel» jäbrl austcbl Betlellg. 2lnnat|mc von »nzelgea üi oic ixmeeiiummet jtS oormtiiagfl 10 Uhr. telUnprtt« total 13*UU auärodttl 80 lüg. tüt den pvttt. ant adgrm. Teil P Witiko tüt .Stadl unt tantr und .«Aerrchtstaaf August Gütz den un- sciaenteil C>ani HecL gestellt hat. ** Kinderkrankheiten treten tn unserer Umgegend in der letzten Zeit auf, wie Tivhtheritis, Masern und Röteln. In Lützellinden sind so viele Kinder erkrankt, daß der Unterricht geschlossen wurde. In Leihgestern herrschte seither Tiphtheritis, welche mehrere Opfer forderte. )( Klein-Lind en, 21. Jan. In tiefe Trauer wurde eine hiesige Familie versetzt, deren einziger, hoffnungsvoller Sohn plötzlich infolge Gehirnlähmung verschied. Er hatte sich freiwillig zur Marine gemeldet und sollte demnächst einrücken. Tie ganze Gemeinde nimmt Anteil an dem schweren Schicksalsschlag. Turn- und Ge- unb an den dortigen Festen teilnehmen. Diese Reise ist selbstverständlich durch bedeutsame politische Motive veranlaßt. Die Verhandlungen bei diesem Anlaß werden wohl noch andere Punkte berühren, aU nur die beiderseitigen Interessen in Zentralafrika. Der Besuch Leopolds N. am <öofe Kaiser Wilhelms wird vermutlich als Zeichen der notgedrungen anti-englischen Wendung in der Polttik Leopolds II. gedeutet werden. Ob der Besuch des holländischen Ministerpräsidenten in Brüssel mit der kurz darauf- folgenden Reise des Königs nach Berlin in Verbindung steht, wird schwer zu beurteilen sein. Jedenfalls ist diese Reise ein erfreulicher Beweis dafür, daß die Spannung, die Jahre hp« beiden Höfen bestand, nunmehr Völl Paris 22. Jan. Deputiertenkamm er. Saal i. Teil: Aus dem Hohenlicde Salomows, Kapitel b,— und Tribünen find dicht besetzt. Corrard des Essarts (Na-! Triumphgesang der Deborah, aus dem Buch der Richter, tionalist) begründet seine Interpellation über dte Kapitel 4 und 5, — Der gefangenen Juden Jammerlied. Ausweisung des deutschen Reichstagsabg. mwlm 137, — alles in der Uebersetzung von Luther, — Abb s Delsoraus Luneville. In der langen, sehr heftigen L § Buch Ruth als Paraphrase von Otto Erich Hartleben. Debatte, in dem die ganze elsaß-lothrtngtfchel Teil- Die Magd" von Dehmel, — »Der Gott und Frage aufgerollt wurde, spendete man viel Lob und Mel " ^etbe bes annimmt, in dem Sinne, daß die Kammer ebenso tote ift Kunst- und Wettlauf vorgesehen. Das im vergangenen die Regierung dem ganzen Zwischenfall nur eine g erm g e Jghre zur Feier des 20jährigen Bestehens de§ Vereins vor- Bedeutung beilegen wolle. Schließlich wird dte em- gesehene und des eingettetenen Tauwetters wegen ausgefallene fache Tagesordnung mit 295 gegen 243 Stimmen angenom- @ig^t roenn ber Frost anhält, am kommenden Montag men. Die Regierung hat also eine Mehrheit von o2 ftatt^nöen> Außer Konzert, bengalischer und elektrischer Be- Stimmen. reier Grenzdivisionen. Tie Pulverfabriken und Artillerie-> Reise ins badische Unterland an treten, um dort einrge Werkstätten arbeiten Tag und Nacht mit verstärkter Arbeiter- Reinere Getreidelagerhäuser im Betriebe ^an^usehen. Wir zahl. Tie Wege des Grenzgebietes werden für die Artillerie tz^gen in der nächsten Nummer des „&uwtorrt' erneu befahrbar gemacht. Der Grenztelegraph ist längeren Artikel über Lagerhäuser. , Ueferall werden Vorbereitungen für Fahrzeugrequisitionen „ Gießener Radfahrer-Verein 1885. Wre be* getroffen. Regimentstrains und Artillerietrains werden 1.^8 vor einigen Tagen berichtet wurde, feiert der vorbereitet. Das Reglement für die Berch legungsrequi- zz. 85" kommenden SamStag, den 30. d. MtS. tm fttionen sei ausgearbeitet der au^rordentliHe Kredit ^uen Saalbau, früher SteinS Garten, seine diesjährige den Kriegsfall fet 6etorI^gt. ©ine jr™», ^interfeÜIi^^re^t in Gestatt eines ^Kostüm-FesteS-. Dec uub b« e sFfeftUun?enI"be Verlaus des vorjährigen Winterfestes wird allen der^Gr^en^aebiete werden errichtet und Brücken, Sportskameraden und Gästen 5er ,85 er' noch ^Hafter namentlich die Maritzäbrücke, erneuert. Säbel und Bajo- Erinnerung fein, und einem allseitigen ©unfdje entfprecfyenb, nette wurden geschliffen. Die Mitteilung schließt damit, ^t der Verein beschloßen, sein diesjähriges Winterfest im Geld wird öffentlich verteilt, den Offizieren ist der Ueber- glei$en Rahmen abzuhalten. Das von annähernd 90 Personen tritt zu den Insurgenten gestattet. - _ - 1 Eichener Anzeiger General-Anzeiger v Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Zur Lage in Krimmitschau. Immer noch, so schreibt man von hmworragendster Seite in Krimmitschau, läuft die Arbeiterschaft bestürzt in den Straßen umher; eine solche plötzliche Wendung der Tinge hatte sie jedenfalls nicht erwartet. An demselben Tage, an welchem die Arbeiter auf gefordert toui> den, bedingungslos in die Fabriken zu gehen, stand noch in den sozialdemokrattschen Zeitungen: „Arbeiter Krnn- mitschau's, werdet keine Streikbrecher, werdet kerne ehrlosen Mchte. Haltet aus, die Unterstützung ist noch bis Ostern vorhanden." Tie Arbeiter haben sich nunmehr zum weitaus größten Teile zur bedingungslosen: Wiederaufnahme der Arbeit gemeldet, können aber bei weitem nicht alle eingestellt werden, da es einmal an Aufträgen mangelt, imv demnach die nötigen Vorbereitungen ftir die Wiederinbetriebnahme der Maschinen getrosten werden müssen Hoffentlich, so schreibt einer der bekanntesten Fabrikanten, werden die Arbeiter einsehen, daß ste von den Führern einfach an der Nase u m h er g e zo g en werden und keinerlei eigenen Willen haben dürfen. Von anderer Seite teilt man mit, daß vorlauftg nur ein ganz geringer Teil der Arbeiter einaestellt wurde; zurzeit sind immer noch 4000 Streikenoe arberts'' los; selbstverständlich wird sich m den nächsten Wochen diese Zahl ganz bedeutend verringern; Gerdas steht schon fest' daß weit über tausend Arbeiter hier nicht mehr Arbeit finden können. Tas Gefühls von den Führern sinnlos itt ern en aussichtslosen Streik, ins Elend hrnerngetrieben zu sein, bricht sich immer mehr Bahn und mancher Fluch überdieHetzer soll aus Arbeitermunde gekommen snn. , Saran ist natürlich nichts zu ändern, die Hetzer und diejenigen Elemente, welche in den Versammlungen dre Fabm- . kanten mit nicht wiederzugebenden Ausdrucken besck)impft haben, werden unter allen Umständen Nicht mehr etn-- oestellt Tie Sozialdemokratie muß sicherlich ftlr die Unterstützung dieser Elemente noch etliche Hunderttausend Mark flott machen; gekostet wird der Streik den Arbeitern bis letzt 1 oOOOU Mark haben, abgesehen natürlich von dem verloren ge» gangenen Arbeitsverdienst_____ Deutsches Reich. Berlin, 22. Jan. Der Kaiser unternahm heute /einen gewöhnlichen Spaziergang Tiergarten, begleitet von Prinz Eitel Friedriai. Spater horte der Kaiser die Vorträge des Reichskanzlers Grafen Vulow und des Kultusministers Tr. Studt. Heute abend horte der Kaiser in der Kriegsakademie einen Vortrag des Obersten und Abteilungschef im großen Generalstab von Lindert au über die Schlacht bei K'esseldorf. . — Qroei dem Andenken der Königin Viktoria von England und der Kaiserin ^5"^>rich geweihte große Bronzetafeln wurden m ^Ewart des Kai fers in der englischen St. Georgs-Kirche im öon Monbijou feierlich enthüllt. Der Kaiser, welsher eng- Usche Generalsuniform trug, wurde vom großbritanmichen Botschafter Sir Frank Lascelles empfangen. — Ueber den ersten Besuch des Prinzen Adalbert v o n P r e u ß e n in T s i n g t a u wird folgendes mitgeteilt Ter Prinz ging am 11. Dezember nach langer Seefahrt zum ernftenmal an Land und wurde von dem Gouverneur, der Zivilgemeinde und dem Chinesenlomitee empfangen. Beim Frühstück im Gouverneurs Haus dankte Prinz Adalat für den ihm in der Kolonie zuteil gewordenen^m£ fang. Nach längerer Reise wieder auf deutschem Grund und Boden, möchte er die Gelegenheit benutzen, den Gruß seines kaiserlichen Vaters den anwesenden Herren 'auszurichten. „Seien Sie gewiß ftihr der Pnnz for^ , hai Seine Majestät der Kaiser das regfte Antei^ste^ an unserer ostasiatischen Kolonie nimmt? Er kaßt Ihnen sagen, daß er von Ihnen erwartet daß Sie alle fest zusammenhalten, einerlei welcher Kon- 'session und welchen Ranges, nur das etne große 2iel vor Augen, die Entwickelung des Schutzgebietes zum Wohle des Vaterlandes". Tie Rede klang in em Hoch auf das Blühen, Wachsen und Gedeihen der Kolonie aus. — Tem preuß. Abgeordnetenhause ging ein Gesetz- Entwurf über ärztliche Ehren g erich te zu. — Wie aus Köln gemeldet wird, erklärten m der /testern abend stattgehabten Einigungs-Verhandlung zwischen den Krankenkassen und den Aerzten ine Vertreter der Aerzte, daß diese an weiteren Verbandlun^n nicht mehr teilnehmen würden. Taraufhm teilte der Jte- gieiungsvertreter mit, daß sich die Aufsichtsbehörde nunmehr gezwungen sehe, einzuschreiten, da in Nicht genügender Weise für ärztliche Hilfe gesorgt seu (Stuttgart, 22. Jan. In der vom Konrg zur Auf- üelluna eines Bauprogramms für die Stadtentwill l u n g 0 eingesetzten Kommission wurde von dern Fmunz- minister ^r v Zeyer mitgeteilt, daß neben den ftuher bezeichneten Gebääen auch ein Künstlerausstellungsgebaude, ein Museum für vaterländische Altertümer und für ethno- aravbische Sammlungen, sowie ein neues Standehau^ für oeide Kammeni in Betracht kommen. Es werden nun zunächst von den Technikern der Kommission Vorprozekte ent- anzettelte, nm einen Grund zu haben, die Bahnlinie mit einer starken Truppenmacht zu besetzen. Ter „Köln. Ztg." wurde von ihrem Petersburger Korrespondenten telegraphiert, wie ihm von nissischer amtlicher Stelle mitgeteilt werde, sei die Ueberreichung der russischen Antwort an Japan nicht vor Sonntag zu er- waicken. Aus Stadt und Saud. Gießen, den 23. Januar 1904. fangvereine gaben dem allzufrüh Entschlafenen das letzte Geleite. B. L a u t erb a ch, 21. Jan. Die Leiche des v er st o r- benen Majors Frhrn. v. Riedesel wurde bereits gestern nachmittag 5 Uhr in feier ichem e i ch e n k o n d 11 k t nach Schloß Eisenbach übergeführt und in der dortigen Schloßkirche vor dem Altar zwischen Blumen unb brennenden Kerzen aufgebahrt. Heute nachmittag 2 Uhr wurde in der Kirche der feierliche Trauergottesdienst ab^e^ast n^nachdem ein von der Freiherclichen Familie zur Verfügung gestellter Extrazug die zahlreichen Teilnehmer von Lau e - back heraufgebracht hatte. Ter Louterbackier G sanaverein eröffnete die Feier mit einem Gesang worauf Pfar e Müller-Lauterbach in seiner Rede die edlen Tugenden des Entschlafenen hervorhob. Rach dem Gottesdienst setzte sich der Trauerzug nach dem Friedhöfe in Bewegung. Einige Kriegervereine, darunter auch der Lauterbacher, lesen Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen war eröf'netcn den Zug, dann folgten 2 Offiziere mit den Orden des Heimgegangenen, darauf unmittelbar hinter den amtierenden Geistlichen der mit Bärenmütze, Pallasch und Schärpe des Entschlafenen gezierte Sarg, von Freiherrlichen Forst- beamten getragen. Dem Sarge folgten zunächst die Patronatsgeistlichen im Ornat, dann die Witwe des En'schlafe- nen und die anderen Mitglieder der F^eiherrlick e i Familie, die zahlreich erschienen waren. Ihnen schlos'en sich die Freiherrlichen Beamten und die große Meng" tc erschienenen Leidtragenden in langem Zuge an. Auf dem Fried- Hofe trug, nachdem der Sarg in die Gruft versenkt war, der Gesangverein wieder ein Grablied vor, worauf der Ortsgeistliche, Pfarrer Türck-Frischborn, nach Verlesung einiger Schriftworte die Bestattung vornahm. Zahlreiche Kränze wurden am Grabe niedergelegt, u. a. von Bürgermeister Stöppler im Namen der Stadt Lauterbach und B'zirkskassier Fricß im Namen des Kriegervereins Lauterbach. Um 3.40 Uhr brachte der Extrazug ldie Teilnehmer wieder nach Lauterbach zurück. Darmstadt, 22. Jan. Den „N. Hess. Volksbl." wird von unterrichtetster Seite auf das bestimmteste mitgeteilt, daß Se. Königl. Hoheit der Großherzog Beyerleins „Zapfenstreichs weder gelesen noch dessen Aufführung gewünscht hat. Ebensowenig hat der Großherzog einer Aufführung oder Probe der Novität beigewohnt. Wiesbaden, 22. Jan. Die Frau eines gewissen Deichmann hatte einen hiesigen Handwerksmeister zu einem Schäferstündchen verführt. Im „richtigen" Moment erschien der entrüstete Ehemann, erpreßte von dem Räuber seiner Hausehre eine Anweisung aus 300 Mk. und stahl ihm nebenbei die Uhr. Ter Hereingefallene schöpfte Verdacht und erstattete Anzeige bei der Polirei. Dadurch hat sich herausgestellt, daß dem sauberen Pärchen schon eine ganze Anzahl von Personen verschiedener Berufsstände ins Garn gegangen war, die willig bezahlten und geschwiegen batten. Hanau, 22. Jan. In der gestrigen Stadtv erord- netensitzung wurde über das Mainhafenprojekt der Stadt beraten. Im Falle der Mainkanalisierung sind die Stadtverordneten einstimmig prinzipiell für Errichtung von Lösch- und Ladeeinrichtungen. Nach der Vorlage des Mastrats soll der Bau eines Hafens nach dem verkleinerten Entwürfe des Regierungs-Baumeisters Landsberger und der Ankauf von rund 84 000 Quadratmeter Gelände von Privaten und der eventuelle Ankauf von rund 35000 Quadratmeter vom Fiskus, sowie die Hergabe des städtischen Grundbesitzes in der Größe von etwa 22 500 Quadratmeter wird grundsätzlich genehmigt werden. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Wie wir erfahren, ist der Gastwirt Schneider in Wies eck für die Kandidatur Heyliqenstaedt bei der letzten Reichstagswahl lebhaft eingetreten. Das kam dem sozialdemokratischen Wahlverein zu Ohren, und deshalb erfolgte der Ausweisungsbeschluß, über den zu Tode betrübt zu sein Herr Schneider wahrlich keinen Grund hat. — Auf dem Heufelderhof in Wüstensachsen a. der Röhn erschoß ein Bruder den anderen im'Streit. — Die Lackfabrik Roßbach in Friedberg beabsichtigt, für ihre Arbeiter Arbeiterwohnungen zu erbauen. — Auf dem Gehöfte Haselhecke am Winterstein ist wiederum die Schweinepest ausgebrochen, die dort bereits voriges Jahr den größten Teil des Schweinebestandes vernichtete. Sonst ist die Schweinepest 'in der Wetterau im Erlöschen begriffen. — In Pfaffen- Schwabenheim fand ein Zirkusbesitzer, der sich seit einigen 'Tagen dort aufhielt, morgens sein erst drei Monate altes Kind tot im Bette liegen. Das dreijährige Schwesterchen, das bei dem Kinde schlief, hatte sich auf sein Schwesterchen gelegt, und so mußte das arme Wesen in seiner hilflosen Lage ersticken. Kurst und Wissenschaft. Prozessor v. Behring über die Sanierung der Milch. Die schon erwähnten Pläne Prof. v. Behrings für die Sanierung der Milch laufen darauf hinaus, das Jungvieh bis zum Alter von drei Monaten mit besonders präparierten menschlichen Tuberkelbazillen zu impfen, um dadurch den Tierbestand von der Perlsucht zu befreien. Die Einführung dieses Systems durch ein Reichsgesetz rotrb erstrebt, lieber den in seinem Vorträge ausgesprochenen Gedanken, Form al in der Milch zuzusetzen, hat Herr v. Behring dem Kultusministerium ebenfalls weitere Aufschlüsse gegeben. Er ist der Ueberzeugung, daß die eben der Kuh entnommene Milch bakterientolende Elemente besitzt und so auch die Keime zu andern Krankheiten zu vernichten vermag. Aber diese Eigenschaft der Milch verschwindet sowohl durch Hitze, wie durch Kälte, sowie unter der Einwirkung längeren Stehens. Durch For- inalin in Menge von 1 :10 000, das sind auf 10 Liker Milch ein Gramm Formal in, glaubt Behring der Milch ihre volle bakterientötende Eigenschaft erhalten zu können. — Der fünfte internationale Dermatologenkongreß findet vom 15. bis 17. September unter dem Präsidium des Professor Lesser in Berlin statt. — P r o f e s s o r v. B e h r i n g in B e r l i n veröffentlicht in der „Berl. Klin. Wocheusch/ 41 Thesen über seine Anschauungen bezüglich der Entstehung der Tuberkulose beim 9)1 e n - schen und beim Tier. Er wendet sich wieder geqeii die Annahme der Einatiiiungstiiberkiilose, wofür kein einwandsfreier Beweis erbracht sei. Die Entstehung der tuberkulösen Lungenschwindsucht sei vorwiegend auf tuberkitlöse Ansteckung im Kindes- oder Säuglingsalter ztirückzilführen. — Tie Zeitschrift „Tie Zutuns t", Herausgeber Maximilian Harden, ist für die Lesesäle der köiiigl. Bibliothek verboten worden wegen eines Artikels „Saint Louis", in dem über die bekannten, in der Budgetkommission bereits erörterten Kunstverhnltniffe gesprochen wird. ~^atiDroirtptidff- — Tie Getreideeinkaufsgenoffenschaft. Unter dem Vorsitz des Anwalts des „Allgemeinen Verbandes landwirtschaftlicher Genossenschaften". Geh. Regierungsrat Haas (Darmstadt), wurde am 20 d. Mts. in Berlin eine qut besuchte Konferenz der Vertreter der deutschen Getreideeinkaufs-Genossenschaften abqe- halten. Der Hauptpuiikt der Tagesordnung betraf den heutigen Stand und die Zukitnft der deutschen Kornhausbewegung. Hierzu wurde nach längerer Anssprache folgeiide Resolution angenommen: „Die im Fyrtschreiten der deutschen Kornhausbewe- gung eingetretenen Schwierigkeiten und im Verhältnis zu den erzielten wirtschaftlichen Vorteile relativ geringen Mißerfolge geben nicht im entferntesten einen Grund ab, die Bestrebungen auf diesem genoffenschaftlichen Arbeitsgebiete einzustellen oder auch nur ein zu- schränken. Die Sache des genossenschaftlich organisierten Getreideverkaufs hat ffch im Gegenteil als eine fo durchaus gesunde, volkswirtschaftlich wichtige und entwickelungsfähige erwiesen, daß die beteiligten Organe, ohne durch die seitherigen, zum Teil nicht durch- weg erfreulichen Erfahrungen des Anfangsstadiums der Bewegung entmutigt zu fein, dieselbe mit allen Mitteln weiter zu fördern, und auf ihre Ausbreitung hinwirken werden. Sie werden sich hierbei der ivirksamen und energischen Unterstützung der großen landwirtschaftlich-genossenschaftlichen Körperschaften als Träger der Bewegung erfreuen, deren unveränderliche Absicht es ohne Rücksicht auf Angriffe aller Art ist, das Ziel einer umfassenden Organisation des Kornhauswesens in Deutschland beharrlich zu verfolgen und mit verneinter Kraft zu erreichen." Weiter sprach u. a. Ingenieur Krukenberg-Hannover über Erfahrungen beim Bau und bei der maschinellen Einrichtung der Kornhäuser. Wetterbericht vom 22. Januar 1904. Verlauf der Witterung von Donnerstag bis Freitag. Ein im Westen Europas lagerndes Hoch erstreckt sich ostwärts über unser Gebiet. Tiefs lagern im Norden und Süden, durch das Hoch voneinander getrennt, ohne uns daher zu beeinfluffen. Es herrscht demnach ruhiges, trübes Frostwetter. Tas Hoch scheint sich weiter ostwärts auszudehnen. Daher voraussichtliche Witterung für Samstag und Sonntag: Fottdauemd trübes Frostwetter. Wetterdienst in Gießen: A. Peppler. Vermischtes. • Ess en q. d. R., 22. Jan. Infolge strenger Kälte sind 3 Personen erfror-n, eine bei Halver, zwei bei Blankenstein. • Kiel, 22. Jan. Der hiesige Agent Meyer, der nach Unterschlagung von 16000 Mark nach Amerika entflohen ist, wurde bei seiner Ankunft in New - Port verhaftet. * Dresden, 22. Jan. In der Wohnung eines Hut-- macherS verbrannte bei einem Schadenfeuer ein fünfjähriges Kind, ein anderes wurde schwer verletzt. • Magdeburg, 22. Jan. Gestern abend wurde auf der EbenSdorfer Chauffee der Kartoffelbändler Pfeiffer auf seinem Gemüsewagen ertnorbet und seiner Baarschast von 106 Mark beraubt. Der Täter ist unbekannt. • Petersburg, 22. Jan. Der Leiter eines russtschen StaatSlaboratoriumSfürPe st-Forschung ist infolge einer Infektion gestorben. * New-Pork, 22. Jan. Ein heftiger Wirbel- wind suchte die Stadt MoundSville in Alabama heim. 37 Personen wurden getötet, 300 Privathäuser und sämtliche Geschäfte sind vernichtet. Viel Vieh ist mnqefommcn. Nnieste ItielTmnoen. Lriginatdrahtmeldungeit des Gießener Anzeigers. Berlin, 23. Jan. Eine Panik unter den Zuschauern verursachte gestern abend ein kleiner Brand im Passage-Theater. Infolge elektrisch-'n Knrz- schlusses geriet ein kinematograhbischer Apparat in Brand. Es gelang jedoch mit einigen K "b'ln Was'er d'e Flammen zu löschen. Als das Publikum merkte, daß ferne Gefahr mehr vorbanden war, kehrte es auf seine Plätze zurück. — Zu den Meldungen Frankfurter Blätter über ein dortiges Tbeaterprojekt des Direktors Neumann-Hofer erführt der „Lok.-Anz.", daß derselbe immer noch bif* Verwirklichung seines Berlin er Projektes erhofft, zu dem die Pläne bereits ausgearbeitet sind und der B^lwrde vorliegen. Ferner beratet dasselbe Blatt, daß das Berliner Projekt des T resors Bruck vom Franks-rte" O"pbenm recht fragwürdig erscheint, da das in Aussicht genommene Grundstück, die Kaiser Wilhelm-Akademie, vom Fiskus nicht veräußert wird. Halle a. d. S., 23. Jan. Der Restaurateur Liebau feuerte auf seine Frau und seinen Schwager mehrere Revolverschüsse ab. Die Frau wurde lebensgefährlich verletzt, der Schwager, namens Wer, getötet. Tie Ursache der Tragödie waren Streitigkeiten wegen der Schankkonzession. Liebau wurde verhaftet. Dessau, 23. Jan. (Eigener Drahtbericht.) Prinz Friedrich wurde gestern auf Schloß Ballenstädt von einem neuen Schlaganfall betroffen. Das Bewußtsein ist getrübt, der Zustand bedenklich. Rom, 23. Jan. Laut Nachrichten von der Bema- dierküste sind nur die Stationen Prava und Dschumbo ausreichend gesichert. In B rbera hofft man, die Ruhe wieder herstellen zu können. Merka und Mogdischu find von aufrühr ergeben St "mm en b.d'oht, die die Herausgr.be der zahlreichen nach der Küste geflohenen Haussklaven verlangen. Wien, 23. Jan. In unterrichteten Kreisen gilt daZ Heiratsprojekt des Erzherzogs Ferdinand Karl mit der Tochter des Professors Czuber keineswegs als aufgegeben. Es verlautet, daß der Erzherzog auf dem Vollzug der Heirat bestehe und daß diese am 13. Februar in Dresden stattsinden werde. Budapest, 23. Jan. Zwischen dem Sekretär Gro- m o n aus dem Landesverteidigungs-Ministerium und dem Sekretär Jekel aus dem Finanz-Ministerium wurde ein Säbelduell ausgetragen. Gromon wurde durch einen Stich in die rechte Hand kampfunfähig gemacht. — Tie Gemeinde Boeza im Kommitat Lipto wurde von hoch angeschwollenen Wildbächen vollständig überschwemmt. Viele Häuser find eingestürzt. Mehrere Personen fanden den Tod in den Fluten. — Bei einer Fußball-Partie, welche zwischen Mitgliedern des hiesigen Athleten-Klubs ausgefochten wurde, erhielt der Spieler Stephan Tavit von seinem Gegner Weinbeer einen derartigen Schlag auf den Unterleib, daß er verstarb. Telephonischer Kursbericht» Frnnkfnrt ». tt.. 23. Jauuar 191'4 3l/a°/o Reichsanleihe . . 102 90 8<»/, do. ... 92.10 3*/,% Konsole .... 102.70 so/n do.....92.05 8*/fc% Hessen .... 101.50 37, % Oberheseen . . . 99.50 4% Oesterr. Go'drente . 102.90 4’ Oesterr. Silberrente 101.10 4% Unerar. Goldrente . . 100.50 4°' Italien. Rente , . . 103.90 4*/32f> Portugieser , . . 62.85 8°/ Portugiesen.....32.00 1 % C. Türken .... —.— Türkenloso...... 138 20 4% Orieoh. Monopol.-Anl. 43.75 41/.% äussere Argontiner 43.05 8% Mexikaner . . . 26 8b 4Ve"/ bei Minüei ungleich j Höhle; da- Tarnt aus stadt eine Deteranen-Derein .IM Hießen ‘ Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren innig st geliebten Sohn, Bruder, Bräutigam, Schwager und Onkel PMlipp Bürr, Sjrditt nach langem, schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden im beinahe vollendeten 25. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzurufen. Gießen (Wagengasse 8), Lollar, den 23. Januar 1904. Kalbfleisch Keule und Nierenbraten 62 Pfg. per Pfd. empfiehlt 0380 S. Rothschild Marklstr. 18. Marktstr. 18. N,ch-ini« $ie > Anzeiger j 3X 2 1 bo. : ; Würtleinb * Bremen v. bambg. v llUBluiltj U/V05»*« . u ' ■'« ®ntd). Mitner i 1*;.. . * Vottug. Karneval - Konzert der Kapelle Jnfanter:e-Regiments (Kaiser Wilhelm) Nr. 116 . am 24. Imar, akllds 8 Uhr, im Saale ks Cafe Leib. Eintrittskarten im Vorverkauf bei den Herrn Bourgeois, Schreibwarenhandlung, Markt, Herr, Chemische Waschanstalt, Seltersweg 14, Jmheuser, Modewaren, Niarltplatz, bei den Herren Friseuren Koch, Bahnhoistr. 62, Conrad, Aiarktplatz 5, Stier, Neuenbäue, Reis, Schuhwaren, Mäusburg, Metts er, Hotel Rappen, Wagner, Solmser Hof, Weiler, Eigarrenhaus, Marktplatz. Damcnkarteu bei Herrn Teipel Marktplatz, und beim 1. Vorsitzenden, Herrn I. Weisel, Sonnenslr. Afitglieder frei gegen Vorzergung der neuen Mitgliedskarte. Wer etwas wirklich Schönes und Feines sehen will, der scheue nicht die etwas erhöhten Preise und komme am 24. 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