Nr. LS3 Erstes Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 22. September 1N04 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 3 - Orl4)an* Deck. 5>ie öeuiige Kummer umfaßt 8 Seilen. Kelranntmnchung. Betr.: Beginn der landw. Winterschule zu Büdingen. An der landwirtschaftlichen Winterschule zu Büdingen beginnt der Lehrgang 1904/1905 am 7. November, vormittags 10 8/4 Uhr. Die Anmeldungen haben rechtzeitig schriftlich oder mündlich, und zwar spätestenS bis zum 15. Oktober bei dem Vorsteher der Schule, Großh. Landwirtschaftslehrer Andrae in Büdingen, zu erfolgen, von welchem der Unterrichtsplan und Jahresbericht unentgeltlich bezogen und jede gewünschte Auskunft eingeholt werden kann. Büdingen, den 7. September 1904. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der landw. Winterschule Büdingen. I. V.: Dr. Bernbeck. Volitische Tagesschau. Auf dem absteigenden Ast. R. Berlin, 21. Sept. Nach den vom sozialdemokratischen Parteitag bisher bekannt gewordenen Schilderungen mutet diese Veranstaltung einigermaßen „spießbürgerlich" an. Man merkt nichts von dem Wehen kraftvoller Siegeszuversicht, das die rote Fahne rauschen machen sollte. Ist denn im Grunde auch Anlaß zu gehobener Stimmung? Tie Führer können an der Tatsache unmöglich vorübergehen, daß die nach dem Dreimillionensieg stattgehabten Ersatzwahlen zum Reichstag für die Sozialdemokratie Mandatsverlust oder Stim men - rückgang zur Folge gehabt haben. Und auch bei Wahlen zu Einzellandtagen mußte Bebel die Partei schlecht abschneiden sehen. Man könnte meinen, daß der Sozialdemokratie durch den unwürdigen Verlauf des Dresdener Parteitages zahlreiche „Mitläufer entfremdet worden sind. Doch diese Erscheinung zeigt sich auch in anderen Ländern. In demselben Holland, in dem vor wenigen Wachen Bebel seinen papiernen Sieg über Jaurös errang, legt sogar der Begründer der dortigen Sozialdemokratie, Nreuwenhuys, in einer Reihe von Artikeln freimütig dar, daß durch die sozialistische Bewegung wohl eine Besserung der Lage der Arbeiterführer, nicht aber der Arbeiter erreicht sei. Die Konseauenz aus dieser Erkenntnis werden die holländischen Arbeiter vermutlich mit derselben Beschleunigung ziehen, wie die Arbeiter Belgiens, als sie im vorigen Jahre das Fia sko sozialistischer Kommunalverwaltungen vor Augen sahen. Die belgischen Arbeiter gingen scharenweiseinsLager der bürgerlichen Parte, über, und so endeten die Gemeinderats- wie in diesem Frühjahr die Kammer- Wahlen mit einer Niederlage der Sozialdemokratie. Ueber das NiedcrdrüLende solcher Vorgänge können kouragierte Reden und Begrüßunastelgramme nicht Hinweghelfen. Die „Völker" sind je länger, umsoweniger erpicht darauf, durch die internationale Sozialdemokratie „befreit" zu werdenj Wenn also nicht Zwischenfälle sich ereignen, wird der Bremer Parteitag wohl sang- und klanglos ausgehen. Die Sozia l dem okratie'beiindet sich auf dem absteigenden Ast. Es würde nichts törichter sein, als durch geseh.geb^rische Experimente in diese Entwickelung der Dinge einzugrcifen. * Werftarbeiter und Flottenfordernngen. -tt- B er l i n, 21. Sept. Von einer Kürzung der Arbeitszeit auf den Kais. Werften ist unlängst berichtet worden. Es fehlt an ausreichender Beschäftigung. Auch die Entlassung von Arbeitern soll in Erwägung genommen sein. Aller Voraussicht nach wird sich die Situation zum Winter hin noch verschärf n, denn von den in der Herstellung besiud- lichen acht Schifssneubauten *liegen nur drei auf Kaiserl. Werften, wahrend die übrigen fünf an Privatwersten ver- geb.u sind. Sonst sind die kaiserlichen Werften nur poch mit dem Ausbau von bereits zu Wasser gelassenen Schiffen beschäftigt, eine Ausgabe, durch die sämtliche Mteilungen der Werft in Anspruch genommen werden. So bedaiier- lich der Verlust an Verdieustgelegenheit für die Werftarbeiter sein mag, es ist keine Aussicht, daß in Anbetracht dessen die Einbringung der neuen Flottenvorlage beschleunigt werden wird, selbst wenn auf feiten der Regierung Geneigtheit bestände. Für den Reichstag ist dieses Moment nicht entscheidend. Er hat vor zwei Jahren, als eine Rate von zwei Millionen Mark für einien Kreuzer- umbau gefordert wurde, seine Zustimmung verweigert^ obgleich Staatssekretär v. Tirpitz ein ihm zugegangetres Telegramm des Werftdirektors zur Verlesung brachte des Inhaltes, daß bei Nichtbewilligung der Umbaurate Arbeiter- entlassungcn vorgenommcn werden müßten. Für die Volksvertretung war die Rücksicht auf die finanzielle Lage des Reiches bestimmend, und sie wird auch entsprechend einwirken auf die Beschlußfassung über daS künftige Schiffsbauprogramm. Auch das Arbeiterpersonal der. Privat- werften, denen überhaupt erst aus Anregung des Reichstages vermehrte Aufträge zum Bau von Kriegsschiffen zugewendet tvurden, leidet unter dem Wechsel der Konjunktur. Deutsches Deich. Berlin, 21. Sept. Ter Kaiser ist heute früh, die Kalserin mit der Prinzessin Viktoria Luise heute nachmittag inRominten (Westpr., ein getroffen. In dem Dorfe Szitt- kehmen hatten die Schüler des Realprogymnasiums aus Goldap Aufstellung genommen. — Der Kronprinz wird, dem Vernehmen nach, in nächster Zeit mit seiner Braut, der Herzogin Cecilie zu Mecklenburg, in Baden-Baden eintreffen, um dem Großvater der Braut, dem zurzeit dort weilenden Großfürst enMichaelNikolaje witsch von Rußland, einen kurzen Besuch abzustatten. — Zu dem angeblich bevorstehenden Ministerwechsel schreibt die „Nordd. Reichskorr.": Trotz aller ofsiziösen Dementis und trotz der Erklärung des Frhrn. v. Hammerstein selbst, müssen wir dabei bleiben, daß ein Wechsel im Ministerium des Innern nahe bevor steht. Zum Nachfolger des Herrn v. Hammerstein ist Frhr. v. Wilma wski, der derzeitige Oberpräsident von Schleswig-Holstein, bestimmt, dessen Name unter den Kandidaten bisher nicht genannt wurde. Der Kaiser hat Herrn v. Wilmowski von seiner bevorstehenden Berufung persönlich Kenntnis gegeben. — Das „Berl. Tgbl." erfährt aus angeblich zuverlässiger Quelle, diese Meldung entbehre jeglicher Begründung. — Die „Nationalztg." hört, in dem Ministerium des Innern werde eine umfangreiche Denkschrift ausgearbeitet, in welcher Frhr. v. Ha mm er stein die Resultate seiner Studienreise nach London und Paris mitteilt. — Der „Berl. Karr." zufolge bringt der Minister der öffentlichen Arbeiten einen Erlaß aus dem Jahre 1902 in Erinnerung. Infolge der andauernden Trockenheit und der dadurch verursachten Behinderung der Binnenschiffahrt befinden sich zahlreiche Gütermengen seit längerer Zeit auf dem Wasserwege, ohne weiterbefördert werden zu können; der Erlaß enthält Bestimmungen über die Anwendung der Frachtsätze widerruflich im Wege der Frachterftattung. Ferner meldet die Korrespondenz: Das Ergebnis der Untersuchung des Brandes in den Primkeuauer Forsten veranlaßt den Eisenbahnminister, die Eisenbahndirektionen, wiederholt auf die genaue Einhaltung der für die Unterhaltung der Feuerschutzstreifen in den Wäldern gegebenen Vorschriften hinzuweisen. Jnowra zlaw, 21. Sept. Die Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Anträge des Magistrats auf Abänderung des Namens der Stadt in Hohensalzv zu. Die Polen stimmten dagegen. Dresden, 21. Sept. Die Handelskammer bedauerte in ihrer heutigen Sitzung die merkwürdige Haltung der Regierung zu den industriellen Notstandstarifen; dadurch scftn berechtigte Erwartungen getäuscht und die Industrie schwer geschädigt worden. Die Regierung habe die Gelegenheit versäumt, zu zeigen, welchen Wert die Selbständigkeit der Sächsischen Staatsbahnen habe. Tie verschiedenartige Behandlung der Industrie und der Landwirtschaft müsse die schwersten Bedenken Hervorrufen. — Von einem Landwirt, der von den Notstandstarifen keineswegs entzückt ist, wird aus Sachsen berichtet : Oekonomierat Kasten, Mitglied der 1. Ständekammer und Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisvereins im Vogtlande, hat sich zwar, nachdem einmal der Landwirtschaft Notstandstari'e gewährt worden sind, dafür, ausgesprochen, daß der Billigkeit halber solche auch der Industrie hätten zugesprochen werden müssen, aber er ist der lleberzeugung, daß für die Landwirtschaft der Nutzen solcher Notstandstarife sehr illusorisch fei. Sie verschöben plötzlich den regulären Markt, und wo sie auf der einen Seite Vorteile brächten, schädigten sie auf der anderen Seite wieder die Händler sowohl wie die Landwirte, welche Futtermittel zu verkaufen haben. Auch der direkte Nutzen für die Landwirtschaft sei sehr gering; in Preußen habe er sich 1901 nach den Ermittlungen Posadowskys nur auf 140 000 Mk. belaufen. Das Benefizium, das jetzt den sächsischen Landwirten gewährt werde, stelle sich natürlich noch erheblich niedriger. Da solle man wirklich nicht soviel Geschrei um die Sache machen. Ausland. London, 21. Sevt. Wie der „Morning ^oft* aus Washington berichtet wird, werde die amerikanische Armee gegenwärtig mit einem neuen Feldgeschütz ausgerüstet, welches an Leistungsfähigkeit die von den übrigen Mächten verwendeten Geschütze übertreffen soll. Das Geschoß des neuen dreizölligen Geschützes wiegt 15 Pfund und erreicht eine Geschwindigkeit von 1700 Fuß in der Sekunde, die Tragweite beträgt 5 Meilen. 208 dieser Geschütze sind augenblicklich in Arbeit- Haag, 21. Sept. Exvräsident Steijn wird in den nächsten Tagen auf der hiesigen britischen Gesandtschaft dem König Eduard den Untertane neid leisten. Die Leiche des Präsidenten Krüger dürfte im November in Kapstadt eintreffen, wo sie während einer vollen Woche zur öffentlichen Aufbahrung gelangen soll. -Konstantinopel, 20. Sept. Am Samstag wurden in Kokoschinse, 13 Kilometer südöstlich von Kumanowo im Wilajet Uest'üb neun der Serbenpartei angehürende Einwohner, darunter ein Priester und ein Lehrer, von einer angeblich 30—40köpfigen Bulgare'-bande getötet. Aer Krieg zwisSen Japan und Zlußland. Vor der Schlacht. Mukden, 21. Sept. (Reuter.) Eine Schlacht steht unmittelbar bvvor. Tie Japaner rücken in Stärke von 8 bis 9 Divisionen au. Das hohe Getreide ist überall gemäht und es bietet sich daher ein weites Schußfeld über der flachen Ebene. Direkt vor der Front der russischen Stellungen befindet sich der Hunfluß. Tokio, 21. Sept. (Reuter.) Das Hauptguartier det mandschurischen Armee telegraphiert heute: Teile der russischen Streitkräfte, bv3 bei Rekognoszierungen am 17. September in ein Gefecht verwickelt wurden, ziehen sich titm Pintsaitsu zurück. Tie japanischen Armeen setzen den Marsch auf den Straßen nach Mukden und Fuhsu fort. Am 18. September sand kein Gefecht statt. Petersburg, 21. Sept. Ein Telegramm desGeuerak- adjutanteu Kuropatkin an den Kaiser vom 20. d. M. lautet: In dem Bereiche der Armee sind keine Veränderungen eingetreten. Am 19. September wurde die Verschiebung einer feindlichen Abteilung nach der Gegend östlich vom Dalinpasse, südöstlich von Mukden, bemerkt. Am 20. September griff der Feind zweimal die Stellung, die unsere Truppen auf diesem Paß innehatten, an und versuchte mit vier Kompagnien unseren linken Flügel zu umgehen. Beide Angriffe wurden zurückgeschlagen. Ter Umgehungsversuch wurde durch Kavallerie, die Masck^nen- gewehre mit sich führte, vereitelt. London, 21. S-ept. Nack, einer Petersburger Meldung soll Kuropatkin seit dem 9. d. M. 75000 Mann, und zwar meist Kerntruppen aus Westrußlond, sowie 170 Geschütze aI5 Verstärkung erhalten haben. Aus E«'arbin gingen drei Panzerzüge nach Süden; einer ist jetzt in Tieling, zwei sind in Muk>en. Paris, 21. Sept. Der Kriegsberichterstatter Nemirowitsck Dantschenko ist aus dem Hauptquartier Kuropatkins ausgewiesen worden. Die Ursache ist in einer von ihm abgesandten Meldung zu suchen, daß die russische Armee 48 Stunden nach der Llsfäre von Liaujang nicht einmal mehr Kommisbrot zu essen hatte. Port Arthur. Tschifu, 20. Sepchr. (Reuten.) Die Jvparrer haben' während der letzten 19 Tage Vorbereitungen für bcw gegenwärtigen Angriff auf Port Arthur getroffen, der sich gegen die Nordostftont richtet. Den Japanern kommt eS darauf an, das Rikwanschan- und das Erlunschan-^Fort sowie die Zwischenforts zu nehmen. Der Angriff gegen Ende August dauerte in Wirklichkeit 10 Tage. Obgleich die Japaner auf d er ganzen Linie zurückgetrieben wurden^- behielten sie doch vier kleine Befestigungen tm! Nord osten. Zwei davon liegen nur 50 Meter von dem Erlum- schanfort entfernt. Die Russen verschießen, täglich 1000 Granaten, hauptsächlich gegen die vier erwähnten Schanzen. Wie die „Nowi Krai" berichtet, stnden nachts Ausfälle gegen diese Schanzen statt. Tschifu, 20. Sept. (Reuter.) Die aus Dalny ein- treffenden Japaner legen große Achtung vor der. Widerstands kra ft der Russen in Port Arthur ait den Tag. Der Ende August gemachte Versuch, das Riklvan- schan-Fort zu stürmen, kostete den Japaner» ein ganzes Regiment. Tas baltische Geschwader. Aus einer besonderen Quelle erfährt der Kieler Korrespondent der „Franks. Ztg.", daß bei der Indienststellung des baüitöen Geschwaders fest^estellt wurde, daß zwischen die reibenden Teile der Maschinen Sand gestreut worden war, wodurch umfangreiche Reparaturen nötig wurden, die den ,Abgang der Schiffe verzögerten. China rüstet! Berlin, 21. Sept. Daß die Neutralität Chinas verdächtiger Art ist, daß die Chinesen den Japanern vielfach Ssnonendienste leisten usw., weiß man zur Genüge aus verläßlick^n Berichten. Tie chinesische Regierung, von der es kürzlich hieß, sie brauche Geld, richtet sich auf kommende Ereignisse ein. Wie wir von informierter Seite erfahren, sind soeben ganz bedeutendeAuf- träge an große Berliner Firmen seitens dieser Regierung erteilt worden, Aufträge, die nur Kriegszwecken dienen können. So hat eine Berliner Firma für iy8 Millionen Mark Werkzeugmaschinen für die Waffen- und Mtmitionsfabrd- kation zu liefern; bei anderen Firmen sind Ausrüstungsgegenstände, Konserven usw.. in großen Posten bestellt wotchen. Drese Rührigkeit kann wohl die Vermutung unterstützen, daß China Vorbereitungen trifft, um, falls es zum äußersten kommt, falls int Minterfeldzug sich das Waffenglück wenden sollte, den Japaner» Beistand zu leisten. Ans ütiwt und Land. Gießen, den 22. September 1904. '* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Direktor des Nealaymnasiums, der Oberrealschnle unb der höheren Handelsschule zu Mainz Geh. Schulrat Dr. Friedrich Schön aus Anlaß seiner Versetztmg in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. --Der Abg. Ulrich hat bekanntlich vor einigen Monaten im Finanzausschüsse der Zweiten Kammer eine Erhöhung der Progression der Einkommen von 6000 Mk. an in Vorschlag gebracht. Diese Vorschläge veranlagten, wie erinnerlich, den Frhrn. v. Heyl zrt heftigen Angriffen im Reichstage, worauf eine nickst minder scharfe Antwort Ulrichs im Landtage erfolgte. Die Regierttng hat nunmehr der Kammer eine Aufstellung ,machen lassen, au9 welcher die Wirkungen der Ulrichfchen -Lkala auf die Besteuern na der Einkommen zu ersehen sind. Danach würden sich die Steuersätze progressiv aus 9,9 Prozent erhöhen, ivährenb die Grenze in Hessen bisher 4,95 Prozent ist. Die höchste Belastung mit staatlicher Einkommensteuer S. u. H. B rem kn, 21. Sept. heute zunächst mit blondem Schnurrbart Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 30936 56013 81187, Ge> roinne von je 2000 Mk. auf Nr. 806 826 2861 3146 7671 Nachdem die Festlegung der B. B. Darmstadt, 21. Sept. Einer der früheren 'annt wurde, sei die Fraktion außer sich gewesen; es 31803 46345 81846 39978 62866 95100 weiter auS: Bei dem Umstand, daß die Gemeinden zum großen Teil über 1000 Prozent Zuschlag zur staatlichen Einkommen- und 200 Prozent zu den Realsteuern erheben und hierzu noch die nach Maßgabe der Staatssteuern auSgeschlagene allgemeine und nach den Gemeindemnlagen erhobene lokale Kirchensteuer kommt, würde sich nach den Ulrichschen Vorschlägen die höchste Gesamtbelastung an direkter Staats-, Gemeinde- und Kirchensteuer auf über 40 Prozent des Einkommens stellen. Daß Hessen schon mit Rücksicht auf die 38292 48781 81926 39479 61598 89050 13132 22529 22700 30502 40449 42305 43876 45776 66534 69744 71177 81301 98791. (Ohne Gewähr.) Ulrich-Offenbach hält dafür, daß die Affäre Schippet nicht wie das Hornberger Schießen auslaufen dürfe. Bebel betont, daß es sich nickst um Unterdrückung der Meinungsfreiheit handle. Als das Referat über Schippels Vortrag bekannt wurde, sei die Fraktion außer sich gewesen; es herrschte die Empfindung, daß Schippel beabsichtige, von der- Partei loszukommen, daß er aber hinausgeworfen werden wolle. (Sehr richtig!) Ter Parteitag sei zu einem endgiltigen Urteil durchaus kompetent. Schippel sollte Jsegrimm als richtigen Familiennamen annehmen. (Heiterkeit und Zustimmung.) Er habe der Partei stets Verlegenheiten gemacht, bei den Berliner Stadtverordnetenwahlen, bei der Maifeier, auf dem Partei- Urg in St. Gallen und schließlich sein mehr als merkwürdiges Verhalten in der Agrarfrage in Breslau. Und immer die höhnende, herabsetzende Weise gegen das, was er am Tage vorher Unter lautloser Spannung bestieg Schippel, ein wohlgenährter, mittelgroßer Mann und goldener Brille, die Rednertribüne. bctragi m Preußen 4 Prozent, tn Württemberg 5 Prozent, m Sachsen 5 Prozent, in Baden 3V.? Prozent und in Hessen 5 Prozent; nach den Vorschlägen der Sozialdemokraten würde sie sich somit verdoppeln. Der Finanzminister rechnet Sozialdemokratischer Parteitag (Nac^nick verboten.) Abg. Schippel, der meint, daß nach seinen umfassenden mündlichen und schriftlichen Erklärungen jedes Wort überflüssig sei. Ter Vorwurf, daß er Moral mit doppeltem Boden treibe, weil er in kleinerem stTetie sich freimütig anders äußere über eine Frage, der gegenüber die offizielle Parteitaktik eine andere Haltung diktiere/ sei unberechtigt, das bitt andere Genossen auch (Widerspruch) Für Agrarzölle einzutreten, sei ibni nie eingefallen; er be» kampse |te m und mit der Partei. Eine llarere Stellung könne unmöglich jemand verlangen. Dadurch, daß man diese Erklärung nicht gelten lassen und glauben wolle, untergrabe man: mutwillig den Wert einer solchen und liefere den Gegnern eine (3. Verhandlungstag. Vormittagssitzung.) projektierten Straßenfluchtlinie zwischen der TaunuS- imb der Hochweiselerstraße, worüber seit Anfang Marz d. I Verhandlungen schwebten, nunmehr ihre Erledigung gefunden hat, beabsichtigt der hiesige gemeinnützige Bau verein vorerst auf seinem dort erworbenen Baugelände zwei Doppelwohnhäuser zu erbauen. Das gesamte im Besitz genannten Vereins befindliche Gelände ist etwa 5000 Quadratmeter groß und es sollen hierauf noch weitere Wohnhäuser errichtet werden. (B. Z.) sd. Darmstadt, 22. Sept. (Eigener Draht- 5ericht.) Die Maschinenfabrik von Busch bäum in der Kahlertstraße wurde heute nacht ein Raub der Flammen. Das Feuer fand in der Holzkonstruktion der Fabrik reiche Nahrung; es ist wohl im Maschinenhaus ent-! 'landen. Das ganze Maschinenlager wurde vernichtet und j der Betrieb einstweilen eingestellt. Der Schaden ist groß, obwohl der Kaflenschrank unbeschädigt blieb, er ist indessen! durch Versicherung gedeckt. Menschen waren nicht bedroht. Die Fabrik besteht schon 54 Jahre. Er spricht mit sächsischem Akzent und ziemlich schnell, manchmal in überhastendem Tone und ohne manche Satze zu Ende zu führen, dabei aber äußerst Nar durchdacht und oft mit beißender Ironie. Bebel sitzt luähTcnb seiner Rede mit gesenktem Kopf in seiner unmittelbaren Nähe. noch die ichllmmsten Tinge erleben. (Sehr richtig!) Wenn mau sagt: So geht es nicht weiter? dann gibt man auch gleich ein paar anderen Genossen einen Wink, den sie> hoffentlich beachten werden. (Lebh. Beifall.) Nunmehr wird ein Schlußantrag angenommen. Indessen bekommt das Wort noch einmal Butzbach, 21. Sept. Mitinhaber der weltbekannten Firma E. Merck, ist gestern im nahe gelegenen Kurort Jugenheim plötzlich gestorben. Der Verblichene war schon seit langer Zeit kränklich und hatte sich deshalb vor mehreren Jahren gänzlich ans dem Geschäft zurückgezogen. Gestern weilte er noch in Darmstadt bei seinen Verwandten, auf der Rückfahrt wurde er von einem starken Unwohlsein befallen, dem wahrscheinlich ein Schlaganfall folgte. Der Kranke, den ein Freund aus Darmstadt begleitete, starb, noch ehe er seine Besitzung in Jugenheim^ erreicht hatte. I. H. Merk hat nur ein Alter von 53 Jahren erreicht. r. Mainz, 21. Sept. Der 12. Telegiertentag der Vereinigung deut scher Hebammen ist heute hier zujammengetreten. Die Vereinigung deutscher Hebammen hat sich da§ Ziel gesetzt, die berufliche Tüchtigkeit des Standes zu ent-1 roiefefn und ihm auf diese Weise die Achtung und die soziale Stellung zu verschaffen, die er bei seiner Bedeutung für das Volkswohl verdient. Tas Programm der diesmaligen Tagung ist im Rahmen dieser Aufgabe gehalten, es beschäftigt sich einerseits mtt der Frage der beruflichen Fortbildung der Hebammen, über die der Direktor der Mainzer Hebammenlehranstalt, Geh. Medizinalrat Tr. Krug, referieren wird, wobei er sich auf die Erfahrungen im Großherzogtum Hessen Nützen wird, und anderseits werden fachwiffenschaftliche Vorträge über Fortschritte der Desinfektion, der Säuglingser- nährmng und Pflege gehalten und endlich wird über die Einführung einer eigenen Atters- und Invalidenversicherung beraten. Außer Direktor Krug werden Geh. Medizmalrat Dr. Psannenstiel-Gießen, Dr. Th. Zlocsti-Berlin, Kupferberg-Mainz und Prof. Dr. Walther-Gießen w.nen^chaftliche^ Vorträge halten. Mit der Tagung, während welcher ein^Besuch^ der hiesigen Entbindungsanstalt stattfindet, m eine Fachausstellung verbunden, auf der namentlich Neuerungen auf dem gesamten Gebiete der Wochenbetts- ??6lene, der Sauglmgsernährung und Kinderpflege vorge- vlTrbeiL Samstag nach Schluß der Tagung machen die Hebammen gemeinschaftlich eine Rheinfahrt nach Rüdes- heun zu dem Niederwalddenkmal. ' Mainz, 21 Sept Der Prozeß gegen die „Mainzer Volkszeitung" wegenVeröfsentlichung derKretsch- mannbrr-s- ist vertagt worden. Er kommt am Montag gegen den damals Redakteur Doller zur Verhandlung Landtagsabgeordneten Adelung in Ä * 9etre-nnt unb k°mmt wegen derzeitiger Abwesenheit deSstlben ent spater zur Verhandlung. Lst Mainz, 22 Sept (Eigener Dra htb-ri cht.) Im Alter von 91 Jahren ,st der Ehrenbürger der Staet Mainz, der stühere Chefarzt des Rochusspitals/ Medizinal- rat Dr. Hochgesand, gestorben. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Landwirt Adam Marsteller aus Grü- nrngen schreibt uns, daß er als .Feind' des Bürgermeisters nur in dem Sinn gelten wolle, daß er im Gemeinderat gegnerische Ansichten verfechte und „dem Bürgermeister und seinem Anhang oftmals Verlegenheiten zu bereiten qed zwungen war. — Die allerncueüe deutsche Orthographie weist der Briefkasten auf, den die Reichspost vor dem Kreishaus n Hanau hat anbrmgen lassen. Tort lieht groß und deutsch in eisernen Buchstaben zu lesen: „EIN W U R V*. , rr - „ ■ v , Y .. । Schippel führte aus: Parteigenossen ! Ick iverbc Sie viel- ^teueriatze der benachbarten Bundesstaaten stch solche lteuer- feiert in gewissem Sinne enttäuschen, wenn Sie eine große Ver liche Erperimente nicht gestatten darf, liegt auf drr Hand. teidigilngsrede ertvarten. Vielleicht werde ich nicht einmal die Di- Ulrichschen Vorschläge sind deshalb ernstlich volle Stunde, die Sie mir bewMAen, -uSnuheu Wenn man •.xx -,, ' < <; A ss. „t -- lechs ,Monate IN einem etreite steht, wenn man Erllärnng auf nicht yU erörtern, und die Regierung lehnt e. Qrrnänntg abgegeben hat, die dahin gingen, daß die Beschul- ab, ihnen naher zu treten. I dignn g en gegen mich falsch sind, daß ich in Zollfragen auf dem •* Milit är isch es. Im Hotel .Großherzog* waren ! Standpunkte der Partei stehe und .weiter bereit bin, ihn zu ver- gestern folgende Offiziere abgestiegen: der Dioisionskomman- ^s^n, dann dürfen >Lie mir das nicht übel nehmen. Wie kommen hJtr sPr J 11711 bann überhaupt zu einem Ende, wenn btc alten Beschuldig- beur der 2o. Dwlsion ^rhr. von Gall, der Bngadek^mman ungcn nneber erlwben werden. (Vereinzeltes: Sehr richtig!) Aber deur der oO. Jns.-Bngade yri). von Ledebour, Generalmaior ich lwbe die Pflicht, Sie noch einmal zu orientieren über das, von Kanitz und die Obersten Scholtz und Dietlein, General- was geschehen ist. (Unruhe.) Tie Hauptsackte ist, daß wir zum stabsoffizier Major Graf v. Waldersee u. a. Schluß kommen. (Sehr richtig!) Ich will Ledebour keinen Vor- — a macf>en' aber em obiektives Referat übet das, nne es in Heisls ch - huringlsche Staats lotterte. Bel Fraktion gelaufen ist, war es nickst. Wenn Ledebour objektiv oer heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klape wurden folgende referieren wollte, hätte er niwt das Recht gehabt, immer von Gewinne gezogen: 10 000 Mk. auf Nr. 99225 (nach Mainz), Fraktion zu sprechen. (Sehr richttg!) Wo ist denn die Ent- “ * "" 'rüstung a m größten gewesen? In Ehemnitz nicht. Ta etwa, wo meine Ärttkel erschienen fnti>, oder da, wo die Chemnitzer „Volksstimme" verbreitet ist und gelesen wird? Mit großer Aufmerksamkeit sind gerade die Artikel gelesen worden. Ist da die Entrüstung aufgeschäumt, hac da die Entrüstung gekocht? Nein,! die Chemnitzer „Volksstimme" hat eine sehr große Verbreitung, sie wird gelesen im Wahlkreise 10 Dobeln, 15 Mittweida, 16 Chemnitz, 17 Glauchau-Meerane, 19 Stolberg-Schneeberg, 20 Tschoppau- M arienbu rg, 21 Ann aber g-Schwarzberg. Ich lese die Zeitung sehr aufmerksam, auch alle Bersammlungsberichte, weil es das Blatt ist, das in meinem Wahlkreise verbreitet ist. Also da, wo! , beiterzeitung": „Schippel macht sich nichts daraus. Es ist ihm überhaupt alles egal. Tas Gefühl der allgemeinen Wurstigkeit beseelt ihn. Man weist ihm nach, daß er alte agrarische Laden- hüter produziert, deren Richtigkeit längst aufgedeckt, von ihm selbst erkannt ist, daß er Zitate fälscht. (Ruf: Sehr richtig! Helterkeit.) Nun, Zitate fälschen wir ja alle, Zitate i wüsten immer im Zusammenhang betrachtet werden — „das; et die Unwahrheit sach, — das rührt ihn nicht. Er ist unverletzbar, denn er hat jedes moralische Empfinden verloren. lHeiter" leit) Man kann ihm, wie dem unverwundbaren Ali im Variätä Stricknadeln durch die Mangen ziehen und brennendes Werg bi ! den Mund stecken. (Stürmische Heiterkeit.) Er fühlt nichts. WaZ man auch, über ihn schreibt, er liest es nicht. Alles ist nichtig. Er ist jenseits von Gut und Böse, er lebt in einem Nirwana, zu deutsch in einem Dusel. (Große Heiterkeit.) Mit halbge- schlossenen, verschlafenen Augen sieht er sich die Welt an — sie erscheint ihm klein, unbedeutend, und was wir anderen treiben, wofür wir uns, ereifern, erhitzen, unnütz und erbärmlich Wahrheit, Wissenschaft — alles ist unsicher, schrankend, vergänglich Revolution, Sozialismus, politisck?e Macht, Meltumwälzung, alles Hallunzinationeu, Utopien, Zeitvertreib.' (Heiterkeit.) Tritt man ihm entgegen, sucht man, ihn zu überzeugen, so hört man bloß: das alles kann er ebensogut, wie wir, und wenn wir es wünschen, könne er es auch anders darstellen. (Rus: Leider! Sehr richtig!) Er zeichnet eine Karikatur der Volksmiliz und agitiert mit uns gegen das stehende Heer; er schreibt ein schutzzöllnerisches Buch und agitiert mit uns gegen die Schutzzölle. Er glaubt weder an das Eine noch an das Andere: weder an das, was wir hin, noch an das, was er schreibt; er ist zu bedauern. Er kannte einst bessere Zeiten." (Heiterkeit.) Und bet anderer Gelegenheit schreibt dasselbe Blatt: „Schippel hat den ehernen Boden der Marxistischen Denkweise verlassen, und nun hat er gar keinen Boden mehr unter den Füßen, er sinkt, sinkt ins Bodenlose. Gerade am Fall Schippel zeigt sich aufs neue deutlich, wie selbst die größte Begabung und die mnfastendsten Spezialkenntnisse nicht vor völligem politisch-wissenschaftlichem Schiffbruch lSehr richttg!) schützen, wemt man nicht geleitet wird von dem Kompaß einer fest fundierten Theorie, wenn man nicht unverwandt blickt auf den Leuchtturm eines zielttaren Programmes. Tas erlaubt sich hier dem Genossen. Max Schippel jemand zu sagen, der es weder an Begabung, noch an Spezialkenntnissen mit ihm aufnimmt, der weder „allweise" noch ein „Parteilicht" ist, der aber vor Schippel einen großen Vorzug voraus hat, den nämlich, I---- MM — m vuuuuu in. vu, juuift ein klassen- und zielbewußter Sozialdemokrat die Genossen am meisten hatten aufschäumen müsten, ist nichts (Verfett) Habe ich angesichts solcher Auslassungen nicht davon zu sehen gewesen, nichts von Entrüstung über mein Tun. ich menten Ton um em paar Nuancen verschärfe? I Zn Hamburg hat man einen Beschluß gegen mich gefaßt, dort 5? e l) che R e i o l u ti on enthält eine Stelle, die Sie «hat man verlangt, daß gegen mich vorgegangen werde. In dem "^utWltch so^annehmen können. Es heißt da: „Wenn schließlich 17. Wahlkreise, wo Auer gcwähll ist, hat Genosse .Knauf folgcnbc PcL„J°1'e durch die Fraktion zu Rarer Stellungnahme Ausführungen gemacht mit bezug auf den Fall Schippel: „Tie geprangt, erllarte,. daß er Gegner der Agrarzölle sei . . ." Zu Haupstache ist, daß die Verhandlungen sachlich geführt werden. £?™^^en 'bin tch durchaus nicht gedrängt worden. Vor allen Dingen dürfe man bei abweichenden Meinungen nid}t .'eIkr habe mich freiwillig bereit erllärt, eine versöhnliche immer gleich das schlimmste befürchten. Tie Meinungsfrei- abzuaeben. Tazu kommt die Stelle über den Ton. beit müsse unter allen Umständen hochgehalten den -r-on der einen Sette kritisieren, dann sollten Sie, werden. Parteigenoffen, legen Sie die Hand aufs Herz: 23ie 1071 ^nen Streit hin und her gehandelt hat, entweder viele von Ihnen, die bereit sind, mich zu verurteilen, haben bic r™ der anderen Leite auch kritisieren. (Sehr richtig!), oder Artikel gelesen, wie viele haben Nummer für Nummer verfolgt, Wllten dies Moment weglaisen, denn das führt in der Außenwelt ob mein Ton schlechter war oder der Ton der Gegner. Tenn das ücn® ranmen Vorstellungen. Niemand hat bereitwilliger die müssen Sie doch auch bedenken, beim Hobeln fallen immer Spähne, seines ^tandvunktes in gewissen Fragen zugegeben die Abwehrmaßregeln richten sich doch auch nach dem Verhalten lch.^,(Hört! Hort!) Wenn enter so offen ausspricht, daß er der Gegner. Wenn Sie ernst an die Tinge Herangehen wollen, Standpunkt geändert hat, dann sollen wir auch hier nicht so wird es Ihnen gehen, wie es den Hornbergern gegangen istt cl -^ux^uug annageln wollen, als wenn sie einen Vorwurf ido man sich sagen mußte: Was eigentlich los ist, wissen wir , eutet. (Zuruf von Bebel.) Sie haben von meiner Zweideutig- nicht, darüber sind wir nicht orientiert. (Heiterkeit und Unruhe)IN lkesprochen. (Mit erhobener Stimme): Nun, Genossen, wenn Im Reichstage ist Hoch entzüat von meinem Buche gewesen. Aber das durch das Amendement bezwecken, was Schörflin ganz | über meine Rede im dritten Wahlkreise entrüstet er sich, obwohl dlbstcht ausgesprochen hat, dann haben Sie heute mal Kautsky nachgewiesen hat, daß genau dasselbe, was ich da gesagt r™ Mut, Jtann seien Sie nickt zweideutig, dann verlangen Sie habe, in meinem Buche steht. An dem Buch hat man seine mollen. Und verlangen Sie das, was Sie wollen, Freude, unb bann steigt man hier auf die Tribüne und hält wir uns weiter sprechen! die Anllagerede. Das reimt sim nicht zusammen. (Vereinzeltes- .. M schippel geendet hatte, ertönte nur vereinzeltes Klatschen, Sehr richttg!) Ich kann mir meine Anschauungen nicht von Genossen verharrten in eisigem Schrveigen. Der nächste den Gegnern vorschreiben lassen, ick kann mir doch nicht, h>enn mrirner mm: i n b e r m a n n = ^eSben, der Schippel ganz äußerste mich flohen, flugs eine andere Anschauung bilden. ~ '*'*’'*** Sdtes: Sehr richtig! Unruhe.) Das Buch soll eine der handelspolitischen Strömungen im Laufe des 19. Jahrhunderts < m ,. r .r . , - I fein. Im vierten Kapitel wird die Frage erörtert: Vie kommt es, er die Notwendtgkert der heuttgen Zollpoltttk wtfienschaftlich zu daß wir feit dem Ende der 70er Jahre allüberall einen so ge- rEserttgen versuchte, den Gegirern der Partei die gefähr- waltigen Umschwung aller Anschauungen über die ganze Handels- Waffen gegen seine Parteigenossen Politik wahmehmen, daß die früher von den bürgerlichen Parteien , ... „ . . so verfehmten Agrarzölle jetzt trotz aller Ueberliefemngen ' w;c" " ' akzeptiert werden? Tas muß eine Ursache haben! Wir Sozial- | demokraten sollten uns eigentlich freuen, wenn einer sagt: Hier liegen ganz neuartige Erscheinungen vor, die wir auf absehbare Seit nicht ändern können. Und ba habe ich allerbings die Anschauung vertreten: So leicht wird diese Sckntzzoll- mauer nicht Umfallen. Tas Buch, das den Mittelpunkt der Anklage bildet, ist 'vor drei Jahren erschienen. .Das geht bei jedem Buck so. Es gibt auch Artikel, bei denen der Autor gar nicht bekehren will, unb es gibt auch Artikel, die nur geschrieben sind, um einen Autor zu diskreditieren. Solche Artikel, Genossen, liest man nicht. (Lho! Große Unruhe.) Ich habe sie nickt gelesen, bis beute noch nicht. (Hört.' Hört!) Und ich verbitte mir das (Bebel: Na, na!), daß mir zugemutet wird, ich hätte diese Artikel lesen müssen. (Andauernde Unruhe und Zn-i.^^- - , ----- — —. — rufe.) Wenn Leute, die mten gar nicht gelesen haben, trotzdem ^wst geglaubt hat. (eebr richtig!) Solange die Partei be- über mich urteilen, bann werbe ich sagen dürfen: die betreffenden '^bt, l'1 unser Programm Derartiges von einem Parteikritischen Artikel habe ich auch nicht gelesen. (Zurufe.) In bei genoßen noch nicht gesagt worben, wie von Schippel gelegentlich Partei haben sie aiuh gar keine Wirkung gehabt. (Na nu! Hört' ^^r Stuttgarter Zoll-, seiner Hamburger Kanonenrede. Lieb- Hört!) Wissen Sie etwas davon, daß einer aufgeftanben wäre ^nht unb ich waren so naiv, Schippel in Schutz zu nehmen, unb gesagt hätte (um einen Auerschen Ausdruck zu gebrauchen)- >^«4: Leider!) ?lls wie Sckippel die Ausarbeitung des „Lasten Sie Schippel die Klinke von außen zumachw'"^ Ich habe I ^^^^^^ndbuches, das meist unbrauchbar und irreführend nichts davon gehört. Ich gebe zu, die Partei kann verlangen toax’ brachte er uns über Militär- und Marinesragen ein Manu- baß ein Genosse zeitweise beiseite geht, wenn er mit der An- Aript pon 57 Seiten, von dem 4 ohne Quellenangabe au£ sckauung der Mehrheit nicht übereinftimmt. Aber ich mar gar Richters Abc abgeffchrieben waren. Richter hatte auch das nicht der Meinung, daß der Fall vorlag (Oho!), daß daraus sanze Manuskript geliefert haben können. .Als Fischer und ich für mich ein Kamps entstehen müsse zum Biegen oder Brechen unannehmbar erklärten, lieferte er nach ein paar Wochen (Unruhe.) Ich bin bis an die Grenze des Möglichen gegangen' emen Arttkel, der allen Anforderungen enthpraa>. (Hört! hört! vielleicht noch darüber hinaus. (Hört! Hört?) Trotzdem ift ber ^1^11.) ^un gebe jn, day der Ton rn Parteibebatten Streit weiter gegangen. Ick wende mich deshalb der Resolution ?fi unangenehm ift, rch will auch gar nicht beftreiten, daß ich Bebel zu. Welche Stellung Sie dazu nehmen werden, ist Ihre Et in der Ditzv des Kampses gegen^einen Parteigenossen einmal Sache. (Sehr richtig!) Tn wird mir mein Ton vorgeworfen, ^er die schnür ^hauen habe, (^ehr richttg!) Aber es ist Ein Jahr nach dem Dresdener Parteitag derjenige zu sein, dem l^?^ etwas anderes, wenn man m der Ruhe zu Hause sich in erster Linie in der Partei der schlechte Ton vorgeworsen wird, ^nsetzt und tchreibt, was die ganze Partei^ in den Augen der das habe ich nicht erwartet. (Große Heiterkeit. Sehr richtig' Gegner fcrabW. Um diese anarchstttschen Zustände nicht weiter-- Widerspruch und Unruhe.) Ich glaube nicht zu denjenigen au lassen, M es notwendig, hier unbedingt eine klare gehören, die sich am lautesten gegen Parteigenossen äußern. Aber I ^lellungnahme der höchsten partennstanz herbeizuführen, bedenken Sie: ich habe auch eine Leber, über die mal eine Laus I . läuft. (Heiterkeit.) Wenn Sie meinen Ton tadeln, warum nehmen I , Nachmtttagssihung Die den Ton der anderen nickt mtt hinein? (Sehr richtig!) Da lag eine weitere Schippel-Resolution des Genossen Katzen st ei st gibt der Genosse Parvus eine Korrespondenz heraus. Darin vor, in der Schippel zur Niederlegung seines Reichs- schreibt er: „Schippel hielt in Berlin eine große Rede über tagsMandats aufgefordert wird; dieselbe wurde aber nicht Handelspolitik. Ter „Vorwärts" brachte einen langen Bericht genügend unterstützt. (Bewegimg.) darüber. Tieser ^Bericht enthielt von der ersten bis zur letzten Schöpf! in-Leipzig: Wenn die Genossen bic volle Kemtt- Zeile nichts als stockagrarische Ausführungen (Ruf: Sehr richtig')! nis der Dchippelschen Arttlel lstitten, sie würden noch viel un- über Agrarzölle, über Landwirtschaftsnot, über Handelsverträge, günstiger urteilen. (Heiterkeit.) Wenn es Schippel gestattet sein Ganz und gar im Sinne eines Grafen Kanitz (Heiterkeit.) Tann I würde,. fein Verhalteir weiter beizubehalten, so würde die Partei Publizierte Schippel eine Berichtigung im „Vorwärts", wonach ** * 4 it.- Dann heißt cs in bet „Tvrtm. Ap- (Verein- ordentlich heftig angriff. . Oieickickte Bernstein wendet sich gegen Bebels Resolution. J Jen sch-Berlin wirft Schippel vor, daß er dadurch, daß Waffe. Gnade Parteigenossen aber, sÄliekt fmb es gewesen die die Gegner immer wieder mit der Na)e daraus gestossen haben. ,Wenn diese Art des Kampfes aufhört, werde id) und die Partei immer noch mit einander auskommen. .(Lebhafter Beifall.) . Tie Hauptresolution Bebel wurde mit 234 gegen 44 Stimmen in folgender Fassung angenommen: „Ter Parteitag mißbilligt auf das schärfste die Unklarheit und Zweideutigkeit, jnit welcher der Genosse Schippel seit langem in Wort und Schrift sich gegenüber der Frage der Lebensmittclchlle verhalten und dadurch unseren Feinden Material gegen die Partei geliefert hat. Wenn schließlich der Genosse Sanppel, durch die Fraktion zu klarer Stellungnahme gedrängt, erklärte, daß er Gegner der Agrarzölle sei und in der Zolltaris- srage die Stellung der Partei teilte, so war cs um so unbegreiflicher und unverzeihlicher, daß er seit Jahren seinen ganzen Scharfsinn und sein-ganzes Können aufbot, um zu beweisen, daß vom agrarischen Standpunkt aus die Forderung der Agrar- zölle gerecAertigt sei, eine Aufgabe, die wahrlich nicht die- ienige eines Sozialdemokraten sein kann. Ter Parteitag mißbilligt aber auch entschieden den häßlichen und hochfahrenden Ton, in dem der Genosse Schippel die Polemik gegen die Partei führte, ein Verfahren, das sich um so weniger rechtfertigt, als er seinen Standpunkt in der Agrarfrage von Grund aus gewechselt hat." . Gegen diese Resolution stimmten u. a.: Aba. Dr. Heinrich Braun-Frankfurt a. O., Eduard Bernstein, Abg. Dr. Gradnauer- Tresden, Tr. Michels-Marburg, Frau Kähler-Magdeburg, Katzenstein, Abg. Tr. Südekum-Tresden und v. Vollmar. Tas Amendement zur Resolution Bebel (von Frehthalcr und Genoffen): „Ter Parteitag erklärt weiter, daß das Vertrauen, desien ein Genosse zur Bekleidung von Vertrauensstellungen in der Partei unbedingt bedarf, gegenüber dem Genossen Schippel aufs tiefste erschüttert ist, und daß, wenn Schippel fortfährt, in der bisherigen Weise zum Schaden der Partei zu wirken, er gezwungen sein wird, die Konsequenzen seines Verhaltens zu ziehen" . wurde mit schwacher Mehrheit angenommen. Damit ist der Fall Schippel erledigt. Inzwischen war, von Bebel und Bernstein gemeinsam unterzeichnet, folgender Antrag vorgelegt worden: „Ter Parteitag ersucht die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, einen Gesetzentwurf einzubringen zur Schaffung eines der modernen Kultur entsprechenden Rechts ter Fremden iw Deutschen Reiche und insbesondere zur Sicherung von Ausländern gegen die seit längerer Zeit befolgte und neuerdings verschärfte Praxis der Auswandererpolizei, sie durch Nötigung zum Lösen von Fahrkarten nach bestimmten Ländern bestimmten Reedern in die Hande zu spielen und sie im Falle der Weigerung ihrem Heimatslande auszuliefern." vermischtes. • Spelterinis Fahrt über die Jungfrau ins Wallis muß als mißglückt gelten. Der Ballon flog gegen das Bödeli, dann zurück über das Schilthorn, die Blümtisalp, Wildtrubel nach Adelboden. Er landete dort um 5.30 Uhr wohlbehalten bei starkem Nebel. Die Temperatur betrug im Minimum — 5 Grad C. • Unfälle. Bei einer Tour über den Brenner stürzte der Tourist Domenig ab und blieb tot. — In Wil helmsaue bei Angermünde hatten einige Knaben einen Stall bestiegen, um von einem daneben stehenden Baume Obst zu pflücken. Einer der Knaben stürzte herab und fiel auf ein Eisengitter, dessen Spitzen ihm in den Leib drangen. Erstarb bald darauf. — In Bütten i. Els. legte im Scherz ein lOjähriges Mädchen die geladene Flinte auf den zwölfjährigen Sohn eines Försters an. Die Waffe entlud sich und der Schuß traf den Knaben in den Mund. Er war sofort tot. * Brande. Die große Spinnerei und Weberei der Firma Wolsker Manufakturen in Myschkyn, Gouvernement Jaroslaw, ist niedergebrannt. Der Fabrikdirektor und mehrere Fabrikbeamte kamen in den Flammen um. Tausend Arbeiter sind brotlos. — In Lintenau (Schlesien) vernichtete Feuer, das durch Funken aus einem Schornstein des Bergwerkes „Glückauf" bei starkem Stnrme entstanden war, fünf Häuser und sämtliches Besitztum der Bewohner derselben. * Mordtaten. Ein blutiges Familiendrama trug sich in Schriesheim bei Mannheim bei dem Fleischbeschauer Nassauer zu, indem der Vater seinen Sohn im Streite erstach. — In Mainfurt wurde der Bauer Siegerhuber von Thonhausen von einem Metzgerburschen angefallen, ermordet und beraubt. Siegerhuber hatte 2000 Mk. bei sich. Der Mörder wurde verhaftet. — In dem Dorfe Schnett (Thüringen) erschlug ein Holzschnitzer seinen Vater. Der Mörder wurde verhaftet. ♦ Von seinen Kindern geköpft. Aus Newyork wird geschrieben: Einem Verbrechen fürchterlicher Art ist man in Texas auf die Spur gekommen. Am Morgen des 18. September sand man in einer Farm die Leiche eines Farmers namens Martin. Der Kopf war durch Hiebe nut einer scharfen Axt vom Rumpfe getrennt worden. Die beiden Töchter des Ermordeten, Mädchen von 11 bis 13 Jahren, erzählten, daß ihr Vater während der Nacht ermordet worden sei, und daß sie weiter über den Fall nichts wüßten. Da man aber Blutspuren an ihren Kleidern fand, stellte man mit den Mädchen ein Verhör an, und sie gestanden, den Mord begangen zu haben. Sie hatten m Abwesenheit des Vaters einen an diesen adressierten Brief aeöffnet und daraus ersehen, daß ihr Vater im Begriff stand, sich wieder zu verheiraten. Sie wollten aber keine Stief- m utter baben und machten dem Vater heftige Vorwürfe, dieser suchte die Kinder dadurch einzuschüchtern, daß er sagte, er müsse sie dann töten. Während der Nacht bewaffneten sich die Mädchen, die sich der Tragweite ihres Verbrechens aar nicht bewußt zu sein scheinen, mit einer Axt, schlichen sich an das Bett des schlafenden Vaters und schlugen diesem mit mehreren Hieben den Kopf ab. cherichtssaal. tst Gießen, 20. Sept. (Strafkammer.) Der Dach? deckeraeselte Georg P. aus Lick), zuletzt in Gießeu in Arbeit, ift ein unverbesserlicher Betrüger. Erst im vergangenen! ^abre wurde der schon vielfach Vorbestrafte aus dem Zucht- liause entlassen. Trotzdem man die Vergangenheit des Mannes kannte, fand er in Gießen doch Arbeit; doch mißbrauchte er das Vertrauen, welches der Arbeitgeber in ihn setzte iinb saß gestern deswegen auss der Anklagebank. Er war geständig, den früheren Forstgärtner Törmer durch ailf den Namen seines eigenen Vaters gefälschte Briefe um den Betrag von 25 Mark betrogen zu haben. In einem, weiterm Fall fälschte P. eine Rechnung seines Meisters und erhob von einem Kunden 20 Mark, und schließlich borgte er aus den Wanten seines Arbeitgebers, auf Vorschuß für eine «gerade in Arbeit befindliche Dachldeckerreparatur, eine Witwe um 10 Mark an. P. bestritt, die Betrügereien begangen $n haben und suchte sich vergeblich mit allen möglichen Ausreden, ja selbst durch einen vom Gericht geladenen Zeugen reinzuwaschen. Er wurde zu drei Jahren Zuchthaus und zehnjährigem Ehrverlust, sowie Zahlung einer Geldstrafe von 450 Mark, eventuell für je 5 Mark ein Tag Zuchthaus verurteilt. Kunst und Wissenschaft. Breslau, 21. Sept. Auf dem Naturforscher- und Aerztetag konstiturierte sich gestern das deutsche Reichskomitee für den ^.internationalen medizinischen Kongreß, der im Jahre 1906 inLissabon stattfinden soll. Zum Vorsitzenden wurde Geheimer Rat Professor Bergmann-Berlin gewählt, zum stellvertretenden Vorsitzenden Professor Bernhard Fränkel-Berlin, zum Geschäftsführer Professor Posner-Berlin. Nniversttäts-Machrichten. — Ter Privatdozent in der Juristischen Fakultät der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin, Dr. Burchard, ist zum Professor an der Königlichen Akademie zu Posen ernannt worden. — Dem ordentlichen Professor in der Philosophischen Fakultät der Universität zu Königsberg Dr. Pape, ist der Charakter als Geheimer Regierungsrat verliehen worden. — Der a. o. Professor in der Juristischen Fakultät der Uiüversität zu Königsberg Dr. Alfred M a n i a k, ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. — Ter bisherige Privatdozent Dr. Gierke zu Göttingen ist zum außerordentlichen Professor in der Juristischen Fakultät der Universität zu Königsberg ernannt worden. . MchknWkWrrNtdtt Todkssiiüt inderKlMVießkn, 37. Woche. Bom 4. bis 10. September 1904. (Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 linkst 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 18,90 nach Abzug von 3 Ortsfremden: 13,23 Vro. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Tuberkulose der Lungen 9 2 — Keuchhusten 1 — 1 — Krebs 2 2 —— — Gallensteinen 1 (1) KD — -— Starrkrampf 1 (1) —— —- 1 (1) Empyem KD — 1 (1) Lebensschwäche 1 — 1 — Herzfehler 1 1 — — Summe 10 (3) 6 (1) 2 2(2) Anm.: Die in Klanunern gesetzten Zissem geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 23. September: Vorwiegend trüb, etwas milder, irrt Süden Regenfälle, im Norden nur stellenweise leichte Niederschläge. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Kirchliche Nachrichten. Israelitische ReligionsgeseUschaft. Gottesdienst. Samstag den 24. rmd Sonntag den 25. September 1904. Hütten-Fest. 1. Tag: Vorabend: 5.45 Vormittag 8.00 Predigt. Nachmittags 4.00. 2. Tag: Vorabend 7.00. Vormittags 8.00, nachmittags 4.00. Festesausgang 7.00. Wochengottesdienst: morgens 6.15, abends 6.00. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers.' Darmstadt, 22. Sept. Heute früh 6 Uhr entgleisten auf der Verbindungsbahn in der Nähe von Station Krcmichstein 3 Wagen von einem Güterznge. Die Be- triebsstöruttg war nur eine momentane, Schaden ist nicht entstanden. Berlin, 22. Sept. Zum Bremer Abschluß schreibt der Vorwärts: So hat nun der Parteitag den Fall Schippel glücklich überstanden. Es ist einmütig festgestellt — denn niemand hat das Verhalten Schippels gebilligt — daß es die Lebensfrage der Sozialdemokratie ist, daß die Männer ihres Vertrauens nicht von schwankender Zerissen- heit der Ueberzengung und von zweideutiger Unsicherheit in der Aktion sein dürfen. Aber er hat auch zugleich die Hoffnung nicht aufgegeben, daß Schippel nicht der Partei verloren zu gehen braucht. Friedrichsru h, 22. Sept. Wie in der fürstlich Bismarckschen Verwaltung verlautet, wird einstweilen nichts an der Ordnung der Dinge geändert Die Fürstin behält ihren Wohnsitz in Friedrichsruh. Königsberg (Preußen), 22. Sepst In tat Marktflecken Friedrichshof bei Ortelsburg brannten 11 Gebäude nieder. Die Löschungsarbeiten sind durchjWassermangel erschwert. London, 22. Sept. Einer „Dailv Mail"-Meldttng aus Kapstadt zufolge haben die Deutschen die Linien der Herero durchbrochen. Die Menschenverluste seien bedeutend, da die Deutschen weder Frauen noch Kind er und G r e i sev er scho n t hätten. (Diese Meldung bedarf noch der Bestätigung!) Belgrad, 22. Sept. Bei der K rönungstafel brachte ErbprinzDanilo von Montenegro einen poetischen Trinkspruch auf König Peter aus, indem er zunächst betonte, daß die Krone aus einfachem Material durch die Pietät des Serbenvolkes ihren wahren Wert erhalte. Er fuhr fort: Mein Vater und die montenegrinischen Serben senden Ihnen durch mich ihre herzliche Gratulation mit dem Wunsche, daß die Krone noch lange Jahre auf Ihrem Haupte glänzen, stets auf die fähigsten Köpfe Ihrer Familien übergehen und endlich, daß Serbien unter dieser Krone immer glücklicher werde. Diese Wünsche gehen aus den Beziehungen unserer Häuser hervor, denn diese Beziehungen waren schon unter Karageorg und Peter von Montenegro sehr freundschaftliche und sind durch Blutsverwandtschaft für immer besiegelt. Petersburg, 22. Sept. . Rußland bereitet eine diplomatische Note vor, um gegen den Abschluß des englischen Tibetve rtrages zu protestieren. Petersburg, 22. Sept. In dem transkaspischen Gc biete nahm die Cholera in der Woche vom 11. bis 18. September im Vergleiche zu der vorhergegaugeneu Woche stark ab. In Baku erkrankten mit 12. September drei, am 17. September eine Pepsin. Muk den, 21. Sept. Gestern griffen die Japaner den Dalingpaß an, 75 Werst südöstlich von Mukden. Einzelheiten dieses Gefechtes liegen noch nicht vor. Es handelt sich offenbar um Vortruppenkampfe, wie sie auch der Schlacht bei Liaoyang vorausgingen. Die gewaltsamen Erkundungen der Generale Nennenkamp und Grekow ergaben, daß die Japaner hinter dem Schleier ihrer Vorposten die Truppen in östlicher Richtung vorschieben. Hier werden die Sanitätsanstalten stark vermehrt, da bald blutige Zusammenstöße erwartet werden. Die ganze Lage läßt vermuten, daß die Japaner ihrer Vorliebe für das Festhalten an den Gebirgshängen auch diesmal treu bleiben werden. Ein aufgefangener Brief eines japanischen Offiziers sprich; die Ueberraschung der Japaner über den russischen Rückzug bei Liaoyang aus. Die Armee Kurokis habe starke Verluste erlitten und'am 1. September habe man dort keineswegs den Eindruck eines Sieges gehabt. T s ch i f u , 22. Sept. Eine Dschunke, welcher es gelungen war, die Blokade zu durchbrechen, überbringt wichtige Telegramme des Generals Stössel für Petersburg. Die japanischen Truppen vor Port Arthur haben bedeutende Verstärkungen erhalten. Tschifu, 21. Sept. i'Reutermeldung.^ Die Frau eines russischen Offiziers, eine geborene Engländerin, die mit dem russischen Tepeschenträger, Prinzen Rab- ziwilt, Won Port Arthur nr.ch Tschifu reiste, berichtete in einer Unterhaltung, daß die Hospi t ä l e r in P o r t Arth ur großartiges leisteten. Auf 1000 Mann kamen 30 Wärterinnen. Die Damen beschäftigten sich! mit der Anfertigung von Kleidern für die Soldaten, »während die ärmeren Frauen die Wache besorgten. Ansteckend« Krankheiten herrschen nicht. Die von japanischer Gewehr- und Maschinengewehrschüssen Getroffenen genäsen, schnell. Viele Leute stürben an den Stichen großes Fliegen, die das Leichengift auf die Lebenden übertrügen. Ein Arzt, der von einer solchen Fliege gestochen wurde, starb, trotzdem er st ch sofort den Daumen abschnitt., Die Altstadt von Port Arthur ist fast gänzliche zerstört. Die Verluste an Menschenleben sind verhältnismäßig gering. Die, Japaner hätten einmal 57 Granaten gegen eine russische Batterie verschlossen, ohne daß eine einzige getroffen hätte. Die Garnison sei guten Mutes; die Verteidiger hätten das' unbeschränkteste Vertrauen, daß sich die Festung halten könne. TeSegshomscher Kursbericht F «nkfnrt a. 22. September. 28.50 104.20 62.90 61.70 . 101.80 . 89.70 . 101.90 . 89.90 . 100.05 . 98.70 . 90.10 . 117.30 . 106 00 . 206.80 . 191.20 . 141.70' . 155.60 . 160.80 . 139.00 . 18.10 . 189.20 . 248.50 . 206.40 . 215.05 372°/o 3% 3V,% 3% 372% Reichsanleihe do. Konsole . do . . Hessen Oberhessen 3% Mexikaner . . 4%% Chinesen . . Electric. Schlickert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . • - • Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum..... Harpener . . Tendenz: ruhig. 4% linear. Goldrente . . 4°/ Italien. Rente , . . 47, % Portugieser , . . 30/ Portugiesen. . . 1% C. Türken . . . < Türkenlose ...... 4°/o Grieoh. Monopol.-Anl. 41/, % äussere Argentiner 131.20 48.00 44.10 47.56 Oesterr. Silberrente 100.40 ' ~ ~ ” ■ . 100.00 3V3% 4% Oesterr. Goldrente . . 101.70 Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarberten wird die Nordanlage, zwischen Asterweg und Schottstraße, von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 22. September 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. __________________I. V.: Rotb._________________ Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Garteustratze 2 (Bürgermeistereigebäilde) Ziurmer Nr. 14» Der Arbeitsnachweis hat die Ausgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dieustbote« mrd Lehrlinge«) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis X Uhr und von 8 bis 6 Uhr geöffnet. ES können eingestellt werde«: B”/» 1 landwirtsch. Arbeiter, 1 Pferdeknecht, 1 Schrnied rmd Schlosser, 2 Schmiede, 3 Wagner, 6 Schreiner, 3 Schneider, 1 Friseur, 2 Weißbinder, mehrere Erdarbeiter, Taglöhner und Handlanger, 1 Glaser, 1 Fabrikarbeiter, 6 Hcmsburschen, 1 Pierdebursche, 1 Zimmermädchen, 1 Küchenmädchen, 9 Dienstmädchen, 2 Lauffrauen. Lehrlinge: 1 Installateur. ES suchen Arbeit: 1 Bauschloffer, 1 Schmied od. Bauschlosser, I Maschinenschlosser, 1 Wagner, 1 Buchbinder, 1 Friseur, 1 Kellner' od. Portier, 1 Kaus- mann, 1 Lagerist oder Kassierer, 1 Verkäuierin, 2 Fabrikarbeiter, 1 Ausläufer,' 2 Hausburschen, 1 Schreiber, 1 Wasch- und Putzfrau, 3 Lauffrauen. _ _ MWn UmMjmiS Siejtt Gartenstratze 2, Zimmer 9h?. 14. (Geschäftsstunden von 8—1 und von 3—6 Uhr.) Es sind zu vermieten: 36 Wohnungen von 1—7 Zimmern. Zu mieten gesuchte 25 Wohnungen von 1—10 Zimmern. Die Vermieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten «nh -war sür eine Wohnung mit einem jährlichen Mietwerr bis 300 Mk. einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 Mk. einschließlich 0,50 Mk., und von mehr als 500 Mk. 1 00 Mk.: außerdem ist sür jede Wohnungsanmeldung 1,00 Mk. zu hinterlegen. Für die Wohnungssuchenden erfolgt die Vermittelmrg un- entgeltlich.___________ Arbeits-Vergebung. Die Pslasterarbeiten für den Neubau der NniversitätS- Vibliothek sollen auf Grund des Ministerialerlasses vom 16. Juli 1893 öffentlich vergeben werden, und zwar: ca. 550 qm KLeinPftaster und Kieswege in 2 Losew Die Angebotstinterlagen liegen auf unserem Amte, Wil- helinstraße 21, zur Einsicht offen und kömren von dort zum Selbstkostenpreis bezogen werden. .. Angebote mit genau bezeichnender Aufschrift smd bn Montag den 26. d. Mts., vormittags 11 llhr, dcm> Eröffnungstermin, bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. g Gießen, den 14. September 1904. E1** Großherzoglichc Baubehörde für die llntverfiM^Neubautcu. Becker» 04606 3 Zimmer 7391 Mehrere p.crd ä 5U Pfg. bei 7488 Darrnfladt, im September 1904. *3 Zimmer 1 In Giessen zu haben bei: /Liu Arbeiter ioiovi gejucht. 05422 L ich er -2:raue 9. L. und dessen Filiale, Lieh. Gutgehende 7495 Scltcrswcg 70. 7489 stall. Der Vorstand.— Zu dem am SamS SCry Bi 1N stallfindenden vermieten. Kreuzplatz 1. js. Stal, raftitraabea irisch eingetroffen. 7497 rönnen eintreien bei 7494 statt. Anfang 8 Uhr. va7. Der Vorstand. | M'öbl. Zimmer gelegentllchst c8,3 Georg WallenieU ; Marllplat;21. Telephon 46. ** •4 Zimmer reundl. möbl. Zimmer zu 6': Hammiirane 10. Dciinieicn Llerlchredenes z _ ■ f{iuifO)erndjc 7490| SU. möbl. Zimmer m. fep. Eigang zu verm. Alieesiraste 27. den 24. September 4 auf der Hardt Adolf Bieler, Marktstr. 5. Ohr. Bieker, Neustadt 55. C. Roth II. Nachf.,WaUthorstr.5 Rohstoff-Verein, Wetzsteing. 5 Carl Seibel. Frankfurterstr. 76 L. Steinhäuser, Neuenbäue 18. Rod. Stuhl, Neustadt 21 23. Aug. Wallenfels, Marktplatz 15 Georg Wallenfels, Marktplatz 21 Engros-Lager: G. J. Kahn. Menges X., Alleinverkauf. ^eL‘ Gesamt-Auflage unserer heutigen 9lununer liegt ein Prospekt der Firma Udols Rochol, £iiOC(t, bei, worauf wir unsere Leser besonders »^”8* aufmertjam machen. 81% & d o H Bieler* Drogerie, Marklüraße 5. Lndw. Bernhardt. Neuenbäue lo. L Dort, Wallthoretr. 45. Ad. Geisse, Seltersweg 2. H. Gern,nagel. Neuenbäue 10. Rod. Hecker, Brandgasse 4. Wito. Haas, Bleicnstr. 18. Wilh. Kinzenbach. 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