Nr. 170 Eriche,«, ,»glich außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfllchen Landwirt die eichener Familien» Hättet viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'schen Unlvers.-Buch-u. Stein* brudetti. 9t Langem Redaktion, E^vedMorr und Druckerei: Schulfteatze 7. Adresse für Devefchen: Anzeiger Gieße». FernsprechantchlußNr 61. Erste? Blatt. 164. Jahrgang Freitag »». Juli 1904 Gietzener Anzeiger ** General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen monatlich 7b P1^ viertel» jährlich ®IL L20. durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel» fährl. au6fcf)L Beslellg. Annahme von Anzeigen für bte Tage-nummer bis Vormittage 10 Uhr. ßeilenpretB: lokal 12 «ueivärte 20 Psg. Verantwortlich tüt den polit und allgem. teil; P. Wtttko: für .Stadt und Land^ und .GenchtSsaal": August Goetz; tot den Anzeigenteil: tzanS Beck. Sie yentige Kummer umfaßt 10 Seite«. Hailer Gedanken-AuStau zöfische Negierung wirke auf liche Lösung des Valitilche Taaeslchan. Zustizminister Dr. Schönstedt. Reform der St Einflüsse-' für d Sinne nü(Utd) i । den Dampfer einer befreundeten Nation nicht mit der Durchsicht der Post an Bord des „Prinz Heinrichs aufhalten wollen, daher habe er sie an seinen eigenen Bord genommen, dort durchgesehen und weiterbefördert. Der Unwille der deutschen Presse über den Vorfall sei daher völlig unbegründet (?), denn die Ueberführung der javanischen Post auf dem Dampfer „Smolensk" sei einzig erfolgt, um die Dampfer einer befreundeten Macht nicht unnötigerweise auszuhalten. den z u b e s ch w ö r e n. Der „91. ftr. Pr." wird an« Pari« telegraphiert: Zwischen der französischen Negierung und den Negierungen von Rußland und England hat ein leb- ijaflcr Gedanken-Au-tausch statt gesunden. Die frait- Gießen, den 19. Juli 1904. Vetr.: Die regelmäßigen Ergänzungskosten deS Gemeinderats pro 1904. Das KroKlierzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landaemeiude« des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 30. Juni dS. IS. (Kreisblatt Nr. 85) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung mit Frist von 8 Tagen erinnnert. Wir brachten gestern die kurze Nachricht, dost brr -veubische Justizminister im Herbst dieses Jahres aus dem Dienst scheidet Die „91 A. Zt^ " k.......----- nicht. Dr. Schönstedt erlebt af tg" dementiert die Nachriciu rlso im toi nicht mehr bw fgeset-gebung. Cb die Entziehung dieses oi laliung bei Ne sonn in volkstümlichem laßt sich erst sagens menn man den Nach- rv kennt. Dv.r lumc Chef kann vieUeichL Zum englisch-russtschen Streitfall. Der kritische Ernst der durch das Vorgehen Rußlands im Roten Meer geschaffenen Lage findet seinen markanten Ausdruck in der gezwungenen Mäßigung, mit der die englische Regierungspresse sich dazu äußert. Das Organ des PT^mierministers Balfour, der „Daily Telegraph", und der in enger Fühlung mit Lord Lansdowne stehende „Daily Graphic" sprechen übereinstimmend die zuversichtliche Hoffnung auf eine Einlenkung Rußlands und im Anschluß daran auf eine gütliche Beilegrrng des Streitfalles aus. Richt nur die „Times" als Vertreterin des aggressiven Imperialismus Ehamberlain'scher Observanz, auch der gemäßigt konservative „Standard" verlangt, falls Rußland die „M a l a c c a" nicht unverzüglich freigibt oder den Dampfer gar in einen russischen Prisenhafen schleppt, die Mobilmachung der englischen Flotte. Daß die englische Regierung zu einer solchen die englische Nation Mann für Marrn hinter sich habe, steht fest. Die Wogen der Erregung gehen in der Bevölkerung Londons sehr hoch. Im englischen Unterhause erklärte Laurie, er stelle seine Anfrage betreffend Beschlagnahme englischer Dampfer bis Montag zurück, weil ihn der Unterstaatssekoetär desAeußcrn darum ersuchte. Gibfon Bowies fragte an, ob die „Ma- lacca" von Port Said im Besitze einer russi» sch en Prisenmannschaft abgesegelt sei und ob Balfour vor Ende der Session eine Erklärung über die ganze Frage geben könne. Balfour erwiderte, er glaube, daß die „Malaeca" tatsächlich im Besitze einer Prisenmannschaft von Port Said abgesegelt sei. Er müsse zweifellos vor Ende der Session dem Hause eine Erklärung über die sehr ernste Frage der Beschlagnahme englischer Dampfer durch Schiffe der russischen Freiwilligenflotte geben, indessen halte er eine verfrühte Erklärung nicht für wünschenswert. ~ Tatsache ist, daß von Port Said der Dampfer „Malakka" abgcgangen ist; ein Bestimmungsort ist nicht angegeben, wahrscheinlich ist es der französische Hafen Cherbourg oder der ruffische Hafen Li bau. Der russische Botschafter in London, der eine lange Besprechung mit dem Staatssekretär des Aeustern Lord Lansdowne halte, kam am Donnerstag Wachmittag nach dem Auswärtigen Amte und hatte dort eine weitere Untere vedung vermutlich über die .Angelegenheit des Dampfers „Malakka" . Der englische Botschafter in Paris hatte eine längere Unterredung mit Delcassä und verhehlte ihm nicht, daß seine Negierung den Fall sehr ernst nehme. Er verlangte zwar kein Eingreifen Frankreichs, doch schien Delcassö den Eindruck empfangen zu haben, daß die englische Regierung glaube, hier sei für Frankreich eine ausgezeichnete Gelegenheit, durch eine geeignete vertr an liche Einwirkung in Petersburg eine Gefahr für den Weltfrie- Z>er Krieg zwiseKen Japan und Kußlaud. Vom Kriegsschauplätze. London, 21. Juli. „Daily Chronicle" meldet a«S General Kurokis Hauptguartier am Motienpaß, daß am 19. b§. bie Japaner einen neuen Angriff auf den Paß erwarteten. Da die Rusten nicht angriffen, ergriffen die Japaner auf dem äußersten rechten Flügel die Initiative. Sie stießen bei Zankan auf den Gegner. Die Rusten gingen hierauf zurück, erhielten aber Verstärkungen und der Kamps entbrannte aufs neue. Bei Abgang der Meldung wurde noch gekämpft. Petersburg, 21. Juli. Ein Telegramm deS Generale Kuropatkin an den Kaiser vom 20. Juli besagt: Im Bereich der Armee sind keine besonderen Veränderungen eingetreten. In der Nacht auf den 19. Juli machten eine Freiwilligenabteilung und Kosaken einen UeberfaH auf eine japanische Feldwache, die sich in einem Hause bei dem Dorfe Hudiansa, 16 Werft südöstlich von Thawuan, befand. 21 Japaner wurden durch Bajonettstiche niedergemacht. Ein kleiner Teil der Feldwache entkam und floh inS Gebirge, wurde aber vom Feuer einer japanischen Kompanie empfangen, die zur Hilfe herbeigeeilt war. Nach den erbeuteten Mützen und anderen Gegenständen bestand die Feldwache auS Mannschaften des 4. Garderegiments. Auf unserer Seite ein Schutze getötet, vier verwundet. Tientsin, 21. Juli. Hier geht das Gerücht, daß bie Japaner gestern Port Arthur heftig beschossen haben. Mukden, 21. Juli. (Rust. Telegr.-Agentur.) Unter den Chinesen geht das noch der Bestätigung bedürfende Gerücht, in der Gegend von Hsinmintun werde gegenwärtig eine 2000 Mann starke Abteilung Chunchusen unter Anführung von 12 verkleideten japanischen Offiziere« zusammengezogen. Die Aufgabe der sogenannten Truppe sei eine plötzliche Bewegung in der Richtung auf Mukden und Tieling, um die Bahnlinie zu beschädigen und dadurch bte Rerbindung der russischen Armee mit ihrer Basis zu beeinträchtigen. Die Abteilung sei bereits vor kurzem in ber Mongolei bei Kouls erschienen und habe für die Mandschurei bestimmtes Vieh weggenommen. Neber ein Beileidstelegramm deS Kaisers Wilhelm für einen japanischen Marine-Offizier wird berichtet: Der Kapitän des Kanonenboots .Chokai", Hayashi, der mit seinem Schiff in der Kintschoubucht den Angriff auf Kintschou unterstützt hatte, war bei dieser Aktion gefallen. Hayasi war längere Zeit der japanischen Gesandtschaft ht Berlin als Marine-Attachö zugeteilt und von diesem Poste» erst kurz vor Ausbruch des Krieges abberufen worden. Kaiser Wilhelm hat nun Gelegenheit genommen, als er den Tod HayashiS erfahren, dem japanischen Militärattache Oi fein Beileid zu dem Verlust eines so wackeren Kameraden auS- zusprechen. Rom, 22. Juli. Wie Privatmeldunqen auS Tokio besagen, ist ber Hauptsturm der Japaner auf Port Arthur durch die Verletzung des Generals Nodzu, welcher am 12. b. M. ht- dolge Sturzes mit dem Pferde einen Armbruch erlitten, verzögert. Der General ist nunmehr jedoch soweit wiederhergestellt, daß er das Kommando hat wieder übernehmen können, und man erwartet daher den endgiltigen Sturm auf Port Arthur Ende dieser Woche. London, 21.Juli. Ter Sonderberichterstatter des »Stand/ im Hauptquartier der ersten javanischen 9Irmee drahtet am 19. Juli: Unser rechter Flügel ist seit Tagesanbrttch engagiert in einem Angriff. 91 m 17. Juli bedrängte der Feind unsere rechte Flanke sieben Meilen nordöstlich vom M o t i e n l i n g p a ß. Eine Kompagnie verhinderte bie Umgehungsbewegung, indem sie sechs rufftc che Kompagnien engagierte und alle ihre Offiziere ver- l o r. Der russisch Rückzug wird dem Erscheinen einer kleinen Streitkraft zugeschrieben, die über das Gebirge marschierte und die Ruffen auf der rechten Flanke im Rücken bedrohte. Die Lage am Motienlingpaß ist unverändert. Tokio, 21. Juli. Die Nuss en haben ans der Höbe der Insel Hokkaido ein kleines japanisches Handelsschiff in den Grund gebohrt. Paffagiere unb Mannscktaft sind geborgen. Paris, 21. Juli. Rach dem „Petit Paristen" soll Admirm Togo in Wei-Hai-Wei einige englische Keu -er erhalten tmb in bemselben englischen Hafen seine defekten Schiffe zurück- gelassen haben. Aach den letzten Nachrichten auL Liaujang leisteten >ie Ruffen 20 Kilometer von Liauiang den Kurokischen Truppen Widerstand. Meldungen über die russischen Aussichten daselbst lauten wenig zu versittlich Kelranntnmchmrg. Ketr.: Neubau einer Brücke über die Lumda bei Treis. Die Gemeinde Treis a. d. Lda. beabsichtigt, im Zuge ber Straße nach dem Bahnhof an Stelle der seitherigen steinernen Brücke eine neue zu erbauen unter Verbreiterung des Wehrs und Höherlegung der anschließenden Straßen. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Treis a. d. Lda. zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meibung des Ausschlußes bei Großherzoglicher Bürgermeisterei Treis a. d. Lda. vorzubringen. Gießen, den 20. Juli 1904. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J.V.: Haberkorn. Konffiktrs hin. In Wiener parlamentcrrischen Kreisen glaubt man, , daß es gelingen werde, Rußland zu dem Geständnis seines Irrtums zu bewegen und daß sich kein weiterer Konflikt aus dem Zwischenfall ergeben werde. Lord Curzon erUärte dagegen, daß im Fafle des Ausbruches eines Weltkrieges die Entscheidung nicht bei Dover oder London, sondern in A s ie n erfolgen werde. Lord Kitchener dürfte noch für wichtige Aufgaben gebraucht werden. Er glaube, daß man sehr ernsten Ereignissen entgegen gehe. An der Schifssbörfe in Cardiff haben die Geschäfte eine bedeutende Einschränkurrg erfahren, da Londoner Nachrichten diplomatische Verwickelungen in Aussicht stellen. Dem Reuterschen Bureau wird aus Alexandrien gemeldet, daß die englischen Kreuzer „Furious" und „Venus" dort eingetroffen sind. Die englischen Kreuzer „Leander^ und „Lancaster" und drei Torpedojäger verließen Malta, um sich dem Mittelmeergeschwader, welches sich voraussichtlich nach Mexandrien begibt, anzufchließen. Ein Dampfer der französischen GeseUschaft Messaaerics Maritimes passierte die Dampfer der russischen Freiwilligen-Flotte Petersburg" und „Smolensk", die sich noch in derselben Gegend (im Roten Meere) aushalten. Ebenso wurde der Dampfer „Palawan" der englischen „Peninsular and -Oriental-Line" nicht angehalten. (Also ad notam haben sich die russischen Herren Piraten das stramme Vorgehen Englands schon genommen.) In Malta sind außer dem Torpedo-Depotschiff „Vulkan und dem Kreuzer „Pyramus" auch die Torpedokanonenboote „Speeds und ,parier" in See gegangen, um zum Mittelmeergeschwa^r zu stoßen. In Suez ist der Dampfer der egyptischen Regierung ^.Abbas", wie jetzt bekairnt wird, am Montag nach dem Roten Meere ausgelaufen, wie man annimmt, um zu verlangen, daß die von den ruffischen Schiffen „Smolensk und „Petersburg" zur Fahrt durch das Rote Meer genommeTten Lotsen diese Schiffe verlassen. Aus Port Said wird telegraphiert, daß bei Ankunft der „Malacca" im dortigen Hafen der Kommandant desselben gegen das Vorgehen der Russen protestierte und sich weigerte, die britische Flagge herabzulassen. Er ließ dieselbe am Mast festnageln. Die russischen Seeleute rissen dieselbe jedoch herab, worauf der Kommandant der „Malacea" aufs neue protestierte. Wie es heißt, befanden sich an Bord der „Malacca" namentlich auch Teile von Schiffskrahnen, welche für den japanischen Hasen von Mozi bestimmt waren. ♦ DaS sind die heutigen wesentlichen Meldungen der Depeschen-Bureauß. Wenn Rußland den englischen Dampfer wirklich nach seinem KriegShafen Libau schleppt, kann man tatsächlich auf Schlimmes gefaßt sein. Zweifellos würde bann England mit Gewalt die Ruffen an ber Ausführung ihrer Absicht hindern, zumal es an der Auffassung festhält, daß dem Vorgehen des ^Petersburg" jede rechtliche Grundlage fehlt, daß vielmehr die Wegnahme der ^Malakka" sich geradezu als Seeraub qualifiziert. Wenn man sich also in Petersburg nicht noch in zwölfter Stunde eines befferen besinnt, so ist ein bewaffneter Zusammenstoß zwischen englischen Kriegsschiffen und dem ,Petersburg" zu gewärtigen. Die Engländer haben schon so manches Mal bewiesen, daß sie nicht viel Federlesens machen, wenn es sein muß; und wenn die russische Regierung nicht chleunigst Kontreordre giebt, können die Kanonen der englischen Kriegsschiffe gesprochen haben, ehe sich die Ruffen eS versehen. Noch können wir eß allerdings nicht glauben, daß Rußland in seiner ohnehin überaus kritischen Lage eS auch noch auf einen Krieg mit England ankommen kaffen sollte. Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Diesmal ist Frankreich dieser Dritte. Minister DelcaffS beschäftigt sich bereits mit der Vermittlerrolle, zu der er die Qualifikation auS dem französisch - englischen Schiedsgerichtsvertrag entnimmt. Die Gelegenheit für Delcaffs, sich verdient zu machen, st in der Tat günstig, und Rußland würde eine Vermittlung durch den Bundesgenossen wohl auch schwerlich ablehnen, chon weil es auf diese Weise Zeit gewänne und den üblen Eindruck abzuschwächen vermöchte, den fein, gelinde gesagt, gemächliches Verhalten gegenüber dem völkerrechtswidrigen Treiben feiner Kapitäne allenthalben hervorruft. Die Frage st aber, ob England eine französische Vermittlung wünscht. ES wird die Gelegenheit, dem alten Gegner die Zähne zu j eigen, nicht vorübergeheu lasten wollen. Im deutsch-russischen ; Streitfall wegen Beschlagnahme der Postsäcke deS »Prinz Heinrich" kommt eine Vermittlung wohl nicht in Frage. * < Eine materielle Antwort der russischen Regierung auf die deutsche Beschwerde wegen der Beschlagnahme deutscher Postsäcke durch einen russischen Hilfskreuzer liegt immer noch nicht vor. Gegenüber den Angaben, wonach die deutsche Regierung eS an ber erforderlichen Schleunigkeit habe fehlen lasten, wird daraus hingewiesen, daß die delcksche Regierung der englischen mit ihrer Beschwerde zuvor- gekominen ist. Die nissische Zeitung »Rowoje Mremja" bemerkt zu der Konfiskation ber Post auf dem „Prinz Heinrich", daß auß den Grundsätzen, welche Rußland am 27. Februar über den Begriff ber KriegSkondrebanbe als die (einigen publiziert unb allen neutralen Mächten mitgeteilt hat, klar hervorgehe, daß ei übliche Depesche n unb Korrespondenzen ber Konfiskation unterliegen. Der russische Kapitän habe ______________I. V.: Haberkorn. Gießen, ben 15. Juli 1904. Betr.: Die Ausführung deS Reichsfleischbeschaugesetzes; hier: Die Freibänke unb Bestellung von AuShauem. Das Großherzagliche Kreisamt Gießen an die Großh. Vürgermeistereien des Kreises. Soweit Sie unserer Auflage vom 6. Juni l. I. (Amtsblatt ohne Nr.) noch nicht nachgekommen sind, werden Sie wiederholt an deren Erledigung erinnert. I. V.: Hechler. rin noch größerer (vreunD M '^'frvbenben tit her Rechts rftegr fein, noch mehr ^ebeirfen Haven gegen einfd)ncibenbc '?lb?nbenm^ch habe, jo sagt der Minister, mit einer Aeußerung zurückgehalten, da die Beilegung von Ehrenhändeln aur triedlrchem Wege ja doch nicht gedulde t w erden kann. Ich kann aber auch nicht an* ordnen, day zwei fick schlagen müssen, denn ich kann mich mit den Gesetzen nicht m Widerspruch setzen. Ter Erlaß ist an das Generalkommando gegangen und es muß diesem überlassen werden, so vor^ugehen, wie es von ihm für aut Blunden wird. Major Seitz hat den Abschied genommen und daran eine Forderung an den Leutnant Pfeiffer gerichtet, was dann zu dem traurigen Ausgang führte Wenn das Kriegsministerium, wie es heißt, den Zweikampf wollte so kann es doch nicht denselben zu verhindern gesucht haben denn das wäre ja ein Widerspruch in sich. Ich hätte ja sagen könnsn, daß die Sache so weit zurückliegt, daß ich mich an sie nicht mehr erinnere. (Gelächter.) Wenn ich mich eines Urteils nicht enthalte, so ist es das, daß mir Tr. Heim ein Bein stellte und daß ich auch gefallen bin. Wufe: Aha.) Es wäre doch besser gewesen zu sagen: Wie steht eS mit dem Erlaß? Aber er hat mir eine Frage gestellt, die ich nicht beantworten konnte und als ich endlich antwortete, hat es geheißen: Das ist wfa wahr, der Kriegsminister hat gelogen Man schreibt Brandschriften über kleine Garnisonen, man spricht vom Znrückgehen des LffftierkorpS in moralischer Bezieh, ung. Wenn aber etwas mit ruhiger Hand angegriffen wird, fönnen solche Tinge nicht Vorkommen wie in den letzten Togen Um einen «-nf'liebigen Mii i'ter beseitigen zu fkirnen, schreckt man von keinem Mittel zurück. 3u ^egmn der Sitzung erklärte der Kriege Minister auf n’trag» nxid die Ernennungen im bayerischen Senate Recchsmilctargerichls betreffe, so stehe das Ernennungs- rccht mir dem Könige von Bayern zu. Lediglich bei her Ernennung des Militäranwalts müsse die Zustimmung deS deutschen Kaisers nachgesucht werden. Dentkches Keich. Berlin, 21. Juli. Der Kaiser besuchte, wie miß Drontheim gemeldet wird, heute die Domkirche und wurde am Eingang von dem Konsul Ienffen und einigen anderen Herren empfangen. Nach einer eingehenden Besichtigung der Kirche begab sich der Monarch nach dem Landsitz deS Konsuls Ienssen, wo daß Frühstück eingenommen wurde. — Ter Präsident deß russischen Ministerkonüteeß von Witte ist heute hier eingetrofsen, worauß zu entnehmen sein dürste, daß die Hauptverhandlungen Über den deutsch-russischen Handelsvertrag abgeschlossen sind. Wie die „Post" erfährt, werden die Verhandlungen durch Kommissare in Berlin fortgesetzt werden. Wie eß scheint, hofft man in den beteiligten Kreisen, im Laufe der nächsten Woche zu einem Abschluß zu gelangen. Vor der Abreise Wittes miß Norderney ist noch gestern und vorgestern den ganzen Tag zwischen dem Reichskanzler, Witte, Graf PosadowSky und Timiriasefs verhandelt worden. Die gestrige Konferenz hat 5 Stunden gedauert. — Die ,N. Fr. Pr." erhält auß Norderney folgende Depesche: Meystomicz, Gehilfe in der russischen Finanzagentur, ist miß Berlin hier zur Schlußverhandlung über den Zolltarif und Handelsvertrag eingetroffen. Eine Verständigung soll bereits erfolgt fein. Rußland akzeptiert die deutschen Minimalzöllß für Getreide, Deutschland gewährt veterinäre Erleichte- tun gen im Viehverkehr. — Die Auflösung des H oflagerS in (Sabinen ist vorläufig auf den 25. b. M1S. festgesetzt. An diesem Tage wird die Kaiserin mit ihren Kindern voraussichtlich von dort nach Schloß WilhelmShöhe zu weiterem Somniermifenthalt übersiedeln. — Der 8-Uhr-Ladenschluß für Berlin wird aller Voraussicht nach schon am 1. Oktober in Kraft treten. — Der »ReichSanz.* veröffentlicht den stenographischen Bericht der Verhandlungen über ben Verband deutscher Drahtwalzwerke und den Verband deutscher Dra ht- stistsabrikanten vom 30. Juni. Kiel, 21. Juli. Hebet die Kaifer-Man över berichten die Kieler Neuesten Nacht.: An der Parade deß 9. Armeekorps vor dem Kaiser bei Altona am 5. und 6. September wird auch dSS LcmdungSkorpS der Schlachtstotille lcil- nehmen. Am 7. September fährt der Kaiser zur Flotte und nimmt die Flottenparade ab. Am 8. und 9. September sinden die Flotten-Manöoer statt, am 10. und 11. die Besprechung der Flotten-Manöver und die Fahrt deS Kaisers nach Kiel. Am 12. September begiebt sich der Kaiser nach dem Manöver-Hauptquartier, dann erfolgen vom 13. bis 15. September die Feldmanöver deß Garde-KorpS und deS 9. Armeekorps unter Beteiligung der Schlachtflotte. Ausland. Rom, 22. Juli. Im Vatikan glaubt man, der Bruch mit Frankreich werde noch in dieser WockM vollzogen werden. Man sieht ihm mit großer Ruhe entgegen und sagt, eS werde damit der Kirche besser gedient, alS mit Per Politik des sckpvächlichen RachgebenS, welche die letzten Jahre des Pontifikats Leos XIII. kennzeichnete. Ter Papst könne nicht seine geistlichen Rechte preiSgeben, ohne an der Kirche zum Verrarer zu werden Combos habe einen Vorwand, um das Konkordat mit einem Scheine von Rocht zu lösen, gefunden. Die Verantwortung für die Folgen werde er allein tragen. (Na, na ft Budapest. 21. Juli. (Abgeordnetenh au S.) Die Debatte über die Erhöhung der Zivilliste wurde heute geschlosseii, nachdem noch Lengyel unter anderem ausgefiihrl hatte, der deutsche Kaiser habe in seinem Budapester Toast mehr Sinn für Ungarns Aspirationen bekundet, als alle Habsburger in vierhundert Jahren und er komme auch oft nach Un» garn,ohnegleichseineRechnungein zureichen. Graf Apponhi machte vom Schlußwort Gebrauch und erklärte, der uirgarische Hosiialt fließe aus der Souveränität Ungarns und müsse daher verwirklicht loordon, wenn auch kein Gesetz ihn vorschreibe Man dürfe der Krone gegenüber nicht aus Zartgefühl schweigen, sondern müsse auf die bestehenden Fehlet und Mängel offen Hinweisen Gras Tisza erklärte, mit dem Wunsch nach einem ungarischen Hofhalt fei jedermann einverstanden, doch dürste man denselben nid)t erzwingen wollen, da dies nur schädlich sei. Auf btc an ti dynastisch en Angriffe ber Opposition wolle er überhaupt nicht eingehen, da sie bei dem Zartgefühl unb der Ritterlichkeit der ungarischen Nation ohnehin wirkungslos bleiben werden. Tie Opposition mache sich übrigens durch die Nachahmung der 1848er Allüren nur lächerlich. Ueber den Gesetzentwurf wird morgen namentlich abge- stimmt werden. Aus Sladl und Land. Gießen, den 22. Juli 1904. ** Eine BiSmatcksäule bei Gießen. Wie wir hören, hat der Ausschuß der Studentenschaft unserer Ludoviciana beschloßen, aus einer zu bestimmenden Anhöhe in der Umgebung von Gießen eine BiSmarcksänle zu errichten; die Kosten für die Säule sollen durch Beitrage von der Studentenschaft aufgebracht werden. Die Vorarbeiten sollen demnächst schock in Angriff genommen werden und mein hofft, die Säule in einigen Jahren vollendet zu sehen. Wir wünschen dem schönen Unternehmen den allerbesten Erfolg. " Ober ft a. D. Otto Haupt, ber heute nachmittag zu Grabe getragen wird, wurde am 7. April 1841 in Zürich geboren als Sohn des damaligen Oberlehrers an der Kanton- schule zu Zürich, nachmaligen Pfarrers in Rimhorn i. O. unb Gronau a. d. B. Dr. Friedrich Haupt, der 1890 in Wieften starb. Nachdem er die Gymnasien zu BenSheim und Büdingen bis zur Prima absolviert hatte, trat er am 16. Oktober 1858 in die hessische Armee ein. Am 6. Mai 1863 wurde er zum Leutnant befördert. Als Leutnant nahm er an dem kurzen Feldzuge von 1866 teil. 1868 wurde er nach Suhl abfommanbiert, um die neuen Gewehre (Zünd- nabelgewehce) abziinckmien. Am Tage dcS AuSmarlcheS'gegen Frankreich, am 21. Juli 1870, wurde er zum Oberleutnant beförbert und machte als solcher den ganzen Feldzug mit; er wurde mit der Führung bet 8. Kompagnie unseres Regi- mentS betraut. Bei Grcwelotte am 18. August 1870 im Gesicht verwundet, mußte Oberleutnant Haupt zur Heimat zurückkehren (am 30. August 1870 wurde ihm das Eiserne Kreuz verliehen); nach drei Monaten ging et jedoch wieder inß Feld, machte die Belagerung unb Kapitulation von Metz mit und nahm an dem Loire-Feldzuge teil. Bei Btiare wurde Haupt am 31. Dezember 1870 am Oberschenkel verwundet und mußte abermals nach Deutschland zurück. Am 11. Januar 1876 wurde er zum Hauptmann und am 13. Oktober 1887 zum Major befördert. Im Jahre 1889 wurde Major Haupt von Gießen nach Schweidnitz versetzt, wo er daß detachierte 2. Bataillon deS 38. Füsiliet- Regimentß „Graf Moltke" erhielt. Etwa zwanzig Jahre hatte der Verstorbene dem hiesigen Regiment angehört. Am 25. März 1893 wurde er Oberstleutnant und nach Metz zum 131. Infanterie-Regiment versetzt. Am 19. März 1896 wurde er zum Oberst unb zum Kommandeur deß 140. Jn- santcrie-Regimentß in Inowrazlaw ernannt. Arn 20. Mai 1897 nahm Oberst Haupt den Abschied und siedelte nach seiner alten Garnison Gießen über, wo er biß zu seinem Tobe lebte. Er war unverheiratet geblieben. Daß jähe, unerwartete Enbe deß vortrefflichen Mannes, dem jeber, der mit ihm zusammentraf, herzlichste Verehrung entgegen bringen mußte, hat in weiten Kreisen unserer Stadt auffällige Trauer heroorgerusen. ** Besitzwechsel. Das Zöckler'sche Anwesen, West- Anlage 36, ging für den Preis von 41500 Mk. an daS Spezial-Grvßgcfchäft für Ännalbau und Jnstjallationsartikel von Ringel & Walther in Gießen über. ** N och eine gute Schwimm lei st ung. Ein Ser* geant vom hiesigen Regiment legte bie Strecke von ber Lchwimmanstalt bis zmn Felsen, von da bis zum Bootshaus und von hier bis zur Schwimmanstalt, schwimmend, ohne Unterbrechung, in 1 Stunde 50 Min. zurück. Die Strecke umfaßt chva 3600 Meter. Die Leistung wurde von einem Unteroffizier, der in einem Boot nebenher fuhr, mit der Uhr kontrolliert. ** Das finanzielle Ergebnis des nationalen Gesangswettstreites. Eine vorläufige Zusammenstellung von Einnahmen und Ausgaben für ben ..Nationalen Gesangswettstreik", der zu Pfingsten in unserer Stadt abgehalten wurde, hat, so schreibt m 3U «riat Ur, V* ,ft- LUnb a« V?” 188S '6?rfe6t, . Alilin. ni'8 3«btt an9'bört $leb 1896 I4°- 3n. ' ** M°! fö Ei- #> engen Zh- tet, innigiri : htf Äufü* •hingen ver- iflbetmet TT. UrtMt SLKend wr ar Manb s Ä-i M -«sionenen ibt einge* ,f gerieten ren fort* t siL W* rfmerten. '.«numnebr , gub der «sT.en und i?aff im vr hjf fffnf' v^ftt , L früheren v kfr liup* Bnb bett r o. Marr Bennett* . l»| sich l’dj kr- ,k ufli den m bie M* * Ahlbeck, 21. Juli. Bei einer Wohltätigkeitsvorst ellunq für die Feuerwehr fingen gestern in der Garderobe des Kurhauses zwei Berliner Künstlerinnen mit ihren Kleidern an einer Spiritusflamme Feuer. Alb sie zur Buhne eilten, geriet das Publikum in große Verwirrung, schlug die Fenster entzwei und stürzte aus dem Saat, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Die beiden Künstlerinnen trugen unerhebliche Brandwunden davon. • Freiburg, 21. Juli. Bei Denzlingen überfuhr ein Schnellzug ein Bauernfuh rwerk. Zwei darin- sihende Dienstmägde wurden getötet. • Freiburg i. Br., 21. Juli. Im Mooswalde, der die Rheinebene bei Freiburg i. Br. durchzieht, ist, wie drahtlich schon gemeldet worden, am Sonntag in früher Morgenstunde ein Radfahrer ermordet worden. Der Ermordete ist der etwa 36 Jahre alte Maschinenführer Karl Wittwer, der mit etwa 4 Mark in der Tasche und mit einem Jagdgewehr nach dem Kaiscrstuhlgebirge am Rhein radeln wollte, wo er bei Verwandten öfter der Jagd beizuwohnen pstegte. Um 4 Uhr morgens hatte er am Sonntag seine Familie oerlaffeu, und schon eine halbe Stunde später wurden von einem Mititärposten nnd von einem Bahnwärter 4 bis 5 Schüsse gehört, die, wie ein Jagdaufseher bald nachher feststellte, dem Leben des Maschinenführers ein Ende gemacht hatten. Durch eine Blutlache beim Waldausgange auf die Spur gewiesen, fand der Jagdaufseher im Gebüsch den toten Mann mit blutendem Haupte, auf der Brust den Hut, daneben das Jagdgewehr des Toten. Sein Fahrrad, die Uhr und der Geldbeutel fehlten. Bei der Leichenöffnung sand sich ein Geschoß in der Schadelhöhle, die Brust wies zwei Schüsse auf, von denen einer den ganzen Körper durchbohrt und das Herz verletzt hatte. Ein vierter Schuß ist in die Bauchhöhle gedrungen, der fünfte hat den Vorderarm zerschmettert. Wahrscheinlich hat der Täter in dem herankommenden Jäger ein gewinnbringendes Opfer vermutet, aber die ganze Beute betrug, wie gesagt, kaum 4 Mark. Auf die Ergreifung des Mörders setzte die Staatsanwaltschaft eine Belohnung bis 500 Mark aus. • London, 21. Juli. Eine Anzahl amerikanischer Millionäre beabsichtigt im Herbst eine amerikanische Ausstellung in London zu veranstalten. Zu diesem Zweck wurde von ihnen eine halbe Million Pfund Sterling gezeichnet. * Budapest, 21. Juli. Wie der „Pester Lloyd" auS Bad Schmecks berichtet, stürzten von dec Patrigs- spitze in der Tatra zweiBerlinerTouristen ab. Einer ist tot, der andere schwer verletzt. — Aus mehreren Orten Ungarn? werden mehr oder weniger große Brände gemeldet: Im Dorf Vaidej (Comitat Hunyad) sind 43 Häuser zerstört, wobei eine Frau mit ihren beiden Kindern um kam. In Bereg (Comitat BaeS-Bodrog) sind 80 Wohnhäuser mit Nebengebäuden eingeäschert. Die Leiche eines kranken Greises wurde aus den Trümmern hervorgezogen, eine alte Frau erlitt schwere Brandwunden. Das Feuer wurde erst in den heutigen Morgenstunden durch herbeigeeilte Feuerwehrleute auS den nächstliegenden Ortschaften auf seinen Herd beschränkt. In Csongrad im Comitat gleichen NamenS, sind große Mengen Getreides bei einer Feuersbrunst vernichtet worden. — Mit Rücksicht auf vereinzelte Fälle von Maul- nnd Klauenseuche im Nutzviehmarkt ist der Markt für Melkkühe vorläufig eingestellt, jedoch liegt kein Grund zu weiteren Bedenken vor. ES ist deshalb der Verkauf und Versandt von Schlachtvieh nicht behindert. "Die gewaltige Hitze, unter der wir in diesen Sommertagen schmachteten, veranlaßt uns, Trost in der Vorstellung zu suchen, daß es in anderen Ländern noch heißer ist. Nach Kapitän Sturt betrug im Sommer 1845 in Mittelaustralien die Wärme der Luft täglich in maximo 44.4 bis 46.6 Grad C. im Schatten und 60 bis 65.4 Grad C. in der Sonne. Unter 30 0 50* südlicher Breite und 141° 18* östlicher Länge wurden sogar an einem Tage um ein Viertel nach drei Uhr nachmittags nicht weniger al§ 55 Grad im Schatten and 67.8 Grad in der Sonne gemessen. In einem wasser- arinen Lande unter den glühenden Qualen des Durstes auf schattenlosen Wegen marschieren zu müssen, ist eine Pein, der nur wenige Entdeckungsreisende standgehalten haben. In Hookers Himalayan Journals wird mitgeteilt, daß im Himalaja in einer Höhe von 10,000 Fuß das Thermometer in der Sonne auf 55.5 Grad C. stieg, während die Temperatur des auf dem Boden liegenden Schnees — 5.6 Grad C. betrug. Und es war nicht einmal Sommer, sondern Dezember, neun Uhr morgens. Ueberhaupt vermag der Mensch ein gehöriges Maß von Wärme zu ertragen. Es ist erwiesen, daß er ohne üble Folgen für den Körper die Hitze eines Raumes aushalten kann, die genügend ist, um ein Ei zu kochen oder ein Beefsteak zu braten. In dieser Beziehung sind sehr bezeichnend die Versuche von Blagden und Chantrey. Beide Gelehrte krochen in einen Backofen, dessen Hitze allmählich gesteigert wurde. Sie bewiesen, daß ein gesundes menschliches Wesen sich noch in einer Temperatur aufhalten kann, die beträchtlich höher als der Siedepunkt des Wassers ist. Die Annahme, daß eine solche Hitze das Körpergewebe der beiden Gelehrten gänzlich hätte zerstören müssen, trifft aber nicht zu. Es liegt die Sache nämlich wesentlich anders. Die gewaltige Wärme erhöht nicht die Temperatur des menschlichen Körpers, sondern ändert lediglich den Aggregatzustand innerhalb seiner Bestandteile; sie treibt das Wasser des Körpers energisch durch die Poren der Haut und verwandelt es hier in Dampf. Dadurch wird die Wärme verbraucht und in Arbeit verwandelt. Auf diese Weise wird der Ueberfluß an Wärme aus dem Körper, ohne diesen zu schädigen, entfernt. Herichtssaak. |] Marburg, 21. Juli. Eine besonders Kaufleute mtb Beamte interessiierende Verhandlung beschäftigte heute daß Schöffengericht. Kurz nach der letzten Stadtverordnetenwahl gründete sich hier ein allgemeiner großer B e a m t e n v e r e i n, der schon oft Gegenstand der Erörtenmgen mar. Als nun vor einiger Zeit den Geichästsbesitzern ein vertrauliches Zirkular in die Hände fiel, in weichem den Mitgliedern de« Vereins eine Anzahl Geschäfte, die besondere Vergünstigungen aus Vorzeigung der Mitgliedskarte gewährten, zum Einkaul emplohlen wurde, gabS ,'ine hochgradige Erregung, die auf Grund irgend eines Ibn* standeS sogar eine stürmische Tebatte in der Stadtverordnetenver- sanmpung zeitigte. Heute beschäftigte sich das Schöffengericht eben* falls wieder mit einer Lache, die damit in engstem Zusammenhang stand. Ein Kohlenhändler, der auch Mitglied des Kaufmännischen Verem- war, machte dessen Vorsitzenden eine Offerte zur Kohlen- lielerung per Zentner zu 1,10 Mk., während er mt Zirkular der Beamten nur 1,03 Mk. verlangt hatte. Ter Kaufmann sandte ibm hieraus einen Bries, in welchem er den Kohlenhändler aus diesen Umstand aufmerksam machte und auch einiges hinzufügte, was beute den Grund zu einer Beleidigungsklage bildete. Ter Beklagte machte geltend, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, denn der höchste Grundsatz des kaufmännischen Vereins sei, die Standesintereffen zu wahren und die Käufer gleichmäßig zu behandeln. Tas Gericht ließ diese Entschuldigung nicht gelten und verurteilte den Dereinsvorsitzenden wegen Beleidigung des mittlerweile ausgetretenen Kohlenhändlers zu 15 Mk. Geldstrafe oder einen Tag Halt und Tragung der Kosten. Wil Helms Haven, St. Juli. Tas Kriegsgericht der 2. Marineinivektion verurteilte die Matrosen Giebel und Drewinq wegen militärischen Aufruhrs und Ungehorsams gegen einen Vorgesetzten elfteren zu 5 wahren 6 Monaten und 10 Tagen Zuch tha us. unter Ausstoßung aus der Marine und letzteren zu einer Gefängnisstrafe von der gleichen Tauer unter Versetzung in die 2. Klaffe des Soldatensiandes. Tie beiden Ma- trolen batten in angetrunkenem Zustande ihren Stubenältesten, einen Obermatrosen, als er ihnen Ruhe gebot, geschlagen. Ein Lehrer, der seinen Schüler zum Zweikampf fordert. Degen Herausforderung zum Zweikampf sollte sich der B a r o u R u d o l f v. B o d u n g e n aus Berlin vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts zu Braunschweig verantworten. Ter Angeklagte war seinerzeit an der dortigen Hilde- brandtschen landwirtschaftlichen Lehranstalt als Lehrer tätig und geriet zu wiederholten Malen mit einem älteren Schüler der gleichen Anstalt in Konsiikt, der schließlich dahin ausartete, daß Baron von Bodungen, der noch in jugendlichem Alter steht, jenen Schüler forderte. Als einziger Zeuge war Polizeiwachtmeister Rübland erschienen. Ter Angeklagte, Baron von Bodungen, war nicht zur Stelle. Auf Antrag des Vertreters der Staatsanwaltschaft beschloß das Gericht, gegen den Angeklagten einen Haftbefehl zu erlaßen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 8. Sonntag nach Trinitatis, den 24. 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Der Borftaud.