Nr. 144 Viertes Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch 22. Juni 1904 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener LamilienblStter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hessische Landwirt erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brühllchen UniversitätSdruckeret. R. Lauge, Gießen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.?. Tel. Nr. 5L Telegr^-Adr.: Anzeiger Gießen. General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen. Vortrag des Herrn Oberbaurat Schmick-Darmstadt über Die Kaualifatrou der Stadt Gießen. (Gießen, den 8. Juni 1904.) (Original-Artikel des „Gieß. Anz.") Meine Herren! Die Gesundheitspflege der Neuheit hat tn immer steigendem 97iaße erkannt, tote wichtig Die Beschaffenheit des Bodens, d .h. des Untergrundes einer Stadt für die Gesundheit der Bewohner ist. Bei dem engen Zu- sammenivoynen einer großen Anzahl von Menschen auf einem beschränkten Raum dringen im Laufe der Jahre Unreinlichkeiten aller Art in den Boden ein, und wenn man bedenkt, daß die meisten unserer Städte (auch Gießen) eine vielhundertjährige Geschichte haben, läßt sich leicht ermessen, daß durch das wiederholte Eindringen von Unreinlichkeiten in bett Boden dieser Untergrund eben allmählich verseucht. Menn dann noch das Grundwasser in diesem Boden verhältnismäßig flach unter der Oberfläche steht und wenn es — namentlich durch die Einflüsse der Jahreszeiten bedingt — steigt und fällt, dann sind die Verhältnisse gesundheitlich besonders ungünstig. Denn es ist nachgewiesen, daß gerade der Wechsel in dem Stand des Grundwassers in einem verunreinigten Untergrund sehr leicht die Bedürgungen zur Verbreitung ansteckender Krankheiten aiiei Art liefert. Auch in Gießen hat man erkannt, wie notwendig es war, die hier insbesondere in der Altstadt äußerst gesundheitsschädlichen Verhältnisse zu bessern. Die Geschichte der Kanalisation Gießens spielt lange zurück. Bereits Ende der 80er Jahre haben sich die städtischen Behörden damit befaßt, und im Laufe der 90er Jahre sind dann alle verschiedenen Systeme der Kanalisation erwogen worden. Es ist untersucht worden, inwieweit die getrennte Kanalisation oder die gemeinsame Kanalisation anwendbar sei hier in der Stadt. Es sind zwei Projekte über gemeinsame Kanalisation und ein Projekt über getrennte Kanalisation ausgearbeitet und unter dem Vorsitz des früheren Oberbürgermeisters, jetzigen Finanzministers Gnauth sind eingehende Verhandlungen über all diese Fragen geführt worden. Herr Geheimrat Gaffky, unterstützt in technischen Dingen durch den früheren Stadtbaurat Schmandt, hat dann ein Gutachten über alle diese Projekte ausgearbeitet und ist in diesem Gutachten wesentlich zu folgenden Schlüssen gekommen: Die Kanalisation von Gießen soll ausgeführt werden und zwar nach folgender Art: 1. Die Entwässerung der Altstadt soll nach dem kombinierten System, die der übrigen Stadtteile nach dem Trennsystem erfolgen; eine Vereinigung der Schmutzwassersiele der äußeren Stadtteile mit dem Hauptsiel der Altstadt zwecks Reinigung und zeitweiser künstlicher Hebung des Sielinhalts vor Einleitung in die Lahn ist vorzusehen. Dann sollte berücksichtrgt werden, daß auch bei der Entwässerung der Altstadt, soweit es tunlich ist, getrennte Ableitung der Regenwässer erfolgen soll. 2. Der Anschluß der Klosetts an die Schmutzwasserkanäle und die Beseitigung der Gruben und Tonnen ist unter Gewährung einer angemessenen Frist obligatorisch zu machen und eine mechanische Reinigung der Schmutzwässer vor ihrer Einführung in die Lahn vorzunehmen. Meine Herren! Bei diesen Grundsätzen ist in erster Linie die Rede von einem getrennten System und dem kombinierten oder gemeinsamen System der Kanalisation. Ehe ich hierauf weiter eingehe, möchte ich diese Begriffe kurz !klarlegen. Die abzuführenden Wässer einer Stadt zerfallen in die Schmutzwässer, d. alle diejenigen Wässer, die aus den Haushaltungen in die Kanäle gelangen (Küchenwässer, Badewasser, Waschwasser usw.) einschließlich der Abgänge aus den Morten, Pissoirs usw. Das sind im wesentlichsten die Schmutzwässer; demgegenüber stehen die Riederschlagswässer. Die Niederschlagswässer bestehen aus Regen, Schnee im Winter, und sind, wenn sie zur Erde kommen, verhältnismäßig rein gegenüber den Schmutzwässern, die aus den Haushaltungen nach den Kanälen gelangen. Die Aiengen dieser verschiedenen Wässer, die von den Kanälen abzuführen sind, sind außerordentlich verschieden. Die Hauswässer spielen gegenüber den Niederschlagwässern eine verhältnismäßig geringe Rolle der Menge nach. Sie betragen ungefähr rund ein Zehntel höchstens. Die Niederschlagswässer wechseln natürlich je nach der Größe des Niederschlags; sie sind bei Schneefall verhältnismäßig nicht sehr groß, während sie am größten sind im Sommer bei großen Gewittern und Wolkenbrüchen. Wenn nun die Schmutzwässer, die Regen- und Niederschlagswässer gemeinsam in einem Rohr aus den Straßen der ^>tadt abgeführt werden nach einer Kläranlage oder na'ch einem anderen Ort aus der Stadt hinaus, so nennt man das ein gemeinsames System, weil eben Schmutzwässer und Regeuwässer .gemeinsam ab geführt werden. Umgekehrt wenn das Schmutzwasser und das Regenwasser nicht in einem gemeinsamen Rohrsystem, sondern getrennt von einander abgeführt werden, daß also das Schmutzwasser für sich und das Niederschlagswasser für sich abgeleitet werden in zwei getrennten Rohrleitungen, so nennt man das getrenntes System. Nun könnte man ja meinen, wenn man zwei Rohrleitungen baut, so muß das unbedingt mehr kosten, als wenn man eine baut Dem ist jedoch nicht in allen Fällen so. Es fragt sich, wo sind die Niederschlagwässer- hinzusühren. Gibt es nun in einer Stadt Wasserläufe, die so gelegen sind, daß es möglich wird, das NiÄ)erschlagswasser durch kurze Rohrstränge in diese Flußläuse oder Bäche zu führen, so werden die Leitungen für das Niederschlagswasser verhältnismäßig kurz und entwässern sie auch nur ein geringes Gebiet Im Verhältnis zu diesem geringen Gebiet steht aber die Menge des Wassers. Die Rohrleitungen haben also eine verhältnismäßig geringe Wassermenge abzuführen, sie brauchen deshalb auch nicht sehr groß zu werden bezw. keinen großen Durchmesser zu bekommen und werden infolgedessen billiger. Andererseits wenn derartige Wasserläufe nicht vorhanden sind, wenn infolgedessen die Kanäle für das Niederschlagswasser sehr lang werden müssen, dann gibt es außerordentlich große Rohrquerschnitte und Kanalquerschnitte, und die Leitungen werden infolgedessen teurer. Nun ist zwischen diesen beiden extremen Fällen natürlich der Punkt auszusuchen, wo die verhältnismäßig billigen Schmutzwasserkanäle mit den Re gen was serk an ä len vereinigt oder von den Regenwasserkanälen getrennt den billigsten Preis ausmachen. Deshalb kann man im allgemeinen nie sagen, das getrennte System ist das richtige oder das gemeinsame System ist das richtige, sondern es wird in jeder Stadt und in jedem einzelnen Fall besonders zu untersuchen fern, welches von dieses beiden Systemen anzuwenden sein wird. Es ist aber auch gar nicht notwendig, daß diese Systeme in einer Stadt gleichmäßig durchgeführt werden, daß also eine Stadt nur nach dem getrennten ober nur nach bem gemeinsamen System entwässert wirb. Im Gegenteil, es können sehr häufig in einer Stabt bie Verhältnisse dazu zwingen, baß man einzelne Teile ber Stabt getrennt kanalisiert unb anbere Teile gemeinsam, und einen solchen Fall, meine Herren, haben Sie hier in Gießen. Wir haben hier eine Vereinigung bes getrennten Systems unb bes gemeinsamen Systems. Das gemeinsame System ist angetoenbet auf bie Altstabt, auf bie inneren, tief gelegenen Gebiete ber Stabt, bas getrennte System auf bie anbereu Stadtteile, bie außerhalb bes ursprünglichen Stabtringarabens liegen. Es finb allerbings auch noch in ber Altstadt einzelne Gebiete, die getrennt entwässert finb, aber im wesentlichen finb es bie höher gelegenen Stadtteile, bei denen die getrennte Kanalisation zur Ausführung kommen soll. Nachdem ich Ihnen diese wesentlichen Unterschiede zwischen dem gemeinsamen und dem getrennten System geschildert habe, gebe ich Ihnen nunmehr die Grundlage, nach denen das Projekt für Gießen entworfen worden ist. Mast- gebenb für bie Gestaltung eines Kanalisationsnetzes rst die topographische Lage einer Stadt. Es muß in erster Linie untersucht werden, wie bie Gefällsverhältnisse liegen, ob ein Fluß vorhanben ist, ob Bäche vorhanben jinb, die für die Kanalisation in Frage kommen usw. Gießen liegt auf beiben Ufern ber Lahn. Bei weitem ber größere Teil liegt auf ber linken Seite, auf ber rechten Seite befinben sich außer bem Schlacht- unb Viehhof bis jetzt nur einzelne Häuser, boch bürste zweifellos, wenn erst für biese Gegend ein Bebauungsplan aufgestellt ist, eine ausgedehntere Bebauung sich entwickeln. Die Altstadt liegt in ber Ebene, flach, in bem Winkl Mischen ber Lahn unb ber Wieseck, unb hat teilweise eine so geringe Höhenlage, baß bie Hochwasserstände ber Lahn (bie höchsten wenigstens) übet bieses Gebiet hinübergehen würben, wenn nicht burch besonbere Vorkehrungen sie daran gehindert würden. Um die Altstadt herum zieht sich der Stadtringgraben, der von der Lahn gespeist wird unb in seinen Wasserstänben von ber Lahn abhängig ist. Dieser Stabtringgraben kann aber an seinem Einlauf abgestellt werben, wenn bie Hochwasserstänbe zu groß werben unb eine Ueberschwemmung ber Altstadt befürchten ließen unb außer- bem ist er an feinem Ausgang mit einem Pumpwerk versehen, sodaß hier bei hochgehender Lahn das Wässer aus bem Ring graben in bie Lahn übergepumpt unb auf biese Weise bie Ueberschwemmung ber Altstabt verhindert wird. Aus der linken Seite ber Wieseck steigt bas Gelände nach Osten unb ©üben allmählich an unb zwischen diesen beiden Erhebungen befindet sich das Tal des Klingelbachs, der in die Meseck einmündet. Auf diesem Plan (hm- zeigend) sind nun bie Höhenkurven alle eingetragen, sodaß ba bas Gelände ziemlich genau zur Darstellung gekommen ist. Wenn ich Ihnen einige kurze Zahlen an geben bars, so möchte ich bemerken, baß bie Altstadt auf einer mittleren Höhe von etwa 157.3 Meter über R R liegt unb daß ber tiefste Punkt im Tiefeuweg 156.4 Meter beträgt, währen!) bie stäbtische Kaserne an der Grünbergerstraße 187.5 Meter unb bie Schöne Aussicht eine solche von 197.57 Meter hat. Sie sehen also, baß ba außerorbentliche Unterschiebe bis zu 41 Meter vorhanben sinb. 'Tas gesamte zu entwässernbe Gebiet ist nun auf biefem Plan (hinzeigenb) in einzelne Teile eingeteilt unb zwar nach sogenannten Sammelgebieten. Es ist nottoenbig, einzelne Sammler burch bie Straßen burchzuführeu unb in Diesen Sammlern das Schmutz- unb Regenwasser der gesamten Fläche aufzunehmen. Selbstverständlich münden in diese Hauptsammler Nebensammler und in diese Nebensammler einzelne Kanäle, und dadurch bildet sich ent gesamtes Netz des Kanalisationsgebietes. Der Hauptsammler in Gießen beginnt oben am Friedhof, führt die Marburgerstraße entlang, kreuzt den Stadtringgraben am Walltor, folgt ber Walltorstraße, der Wetzsteingasse, bem jetzigen Stabtbach, der Bahnhofstraße, wo er bei der Kaplansgasse den Nebensammler B aufnimmt, führt weiter durch Die Bahnhofstraße, Westanlage, wo er den Stabtringgraben kreuzt. Hinter bieser nimmt er ben Nebensammler D auf, ber auch Abwässer vom Nebensammler F mit sich führt. Dann geht ber Haupb- fammler A burch bie Bahnhofstraße bis zur Meseck, unterquert biese, nimmt ben von ber Alicestraße kommenden Sammler auf, läuft dann ber Wieseck und Lahn entlang Feuilleton. — Ein jüdisches Theater in London. Aus London noirb berichtet: London soll ein ständiges jüdisches Theater er- Lmlten, ein modernes Schauspielhaus mit all dem Luxus, den anspruchsvolle Theaterbesucher heutzutage verlangen; der Schau- ßpielertruppe sollen die besten Kräste des Kontinents und Amerikas angehören, die im jüdischen Schauspiel tätig sind. Die Pläne für den „Crient", so wird das jüdische Theater heißen, sind von dem Architekten Bertie Erewe entworfen. Der Bau wird im nächsten Jahre beginnen. Für die Errichtung des Theaters ist eine Summe rort 900 000 Mk. ausgesetzt. Es wird das erste ständige Theater in England sein, in dem nicht Stücke in englischer Sprache gespielt werden. Alle Mitglieder der Gesellschaft, die das Unternehmen finanziell stützen, sind Juden. Der Plan ist entstanden, weil bei gelegentlichen Vorstellungen jüdischer Stücke in verschiedenen Teilen des Londoner Ostend ein Publikum von 1200 bis 2400 Personen anwesend war. In Newyork gibt es bereits vier jüdische Theater, die zum Teil wöchentlich neun Vorstellungen im jüdisch-deutschen Jargon geben. Der „Orient" soll Platz für 2000 Personen bieten: die Preise für die nummerierten und reservierten Plätze werden ö-on 50 Psg. an auswärts betragen. — Cott a'sche Handbibliothek. Hauptwerke der deutschen unb ausländischen schönen Literatur in billigen Einzelausgaben. Stuttgart und Berlin, Verlag der I. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H. — Bon ber „Cotta'schen Handbibliothek" ist soeben eine Anzahl weiterer Nummern erschienen. Wieder hat eine Reihe von Werken, deren Verlagsrecht dem Cotta'schen Verlage ausschließlich zusteht, Aufnahme gefunden und ist nun zu außerordentlich billigen Preffen bei gntter Ausstattung zu haben. So wird Bc r t ho l d A n e r b a chs qmmütnolle Erzählung „Edelweiß" in einer neuen wohlfeilen Ms gäbe geboten, eine Auswahl aus verschiedenen Werken Ru- Dolf Baumbachs zeigt uns den beliebten Dichter als feinsinnigen und unterhaltenden Erzähler. Die „Ansgewählten Gesichte" von Betty Paoli, eingeleitet von Marie von Ebrrer- Erschenbach, werden bie besten Schöpfungen der hervorragenden Dichterin und edlen Frau yun in weitere Kreise tragen. Äußer- dsrm find wiederum Werke von Hebbel in die Sammlung auf- gsmommen. — Friedrich Huch: Träume. (S. Fischer, Verlag, 88-rlin.) Geh. 1 Mk. ■— Friedrich Huch, bietet eine höchst I eigenartige und reizvolle Gabe: Träume. Es sind Träume, w. er sie wirklich gehabt hat, nicht Erdichtungen ber Phan-l 1 tasie. Er hat sie mit Treue unb Schlichtheit ausgeschrieben und dabei doch ihren Reichtum mtt der Grazie seiner Sprache eingefangen. So erregen diese Träume ein zwiefaches Interesse: ein psychologisches, weil man in ihnen die rätselhaft souveränen Bewegungen der unbewußten Seele gewahrt, — und ein poetisches, weil eben doch ein Dichter sie träumt, bei dem die Schönheit der Anschauung im Unbewußten nur noch gesteigert ist. — D i e Kunst. Monatsschrift für freie und angewandte Kunst (Verlagsanftalt F. Bruckmann A.-G., München. Viertel- jährlich 6 MkJ. Mai-Heft 1904: Die Frühjahr-Ausstellung der Münchener Sezession, von G e o r g H a b i ch in einem längeren Aussatz besprochen, wird uns in zahlreichen Abbildungen vor- gesührt, bie der Qualität der Ausstellung ein gutes Zeugnis ausftellen. — Carl Langhammer spricht über den deutschen Künstlerstreit in verständigem, versöhnendem Sinne. — Das große Werk Wilhelm Steinhausens, seine Wandgemälde zu Frankfurt a. M. in der Aula des Kaiser Friedrich-Gymnasiums, würdigt Heinrich Weizsäcker, Johannes Kleinpaul die größte Schöpfung Hermann Prelis, nämlich die Gesamtausstattung des Treppenhauses im Albertinum zu Dresden. Friedrich Prellers b. Ae. Gedächtnis wird anläßlich seines 100. Geburtstages durch den Abdruck interessanter Briefstellen geehrt. — Der kunstgewerbliche Teck dieses Hestes besaßt sich mit der Raumgestaltung und Ausstattung der deutschen Kunstausstellung in St. Louis und gibt mit 77 Abbildungen ein sehr bedeutendes Anschauungsmaterial. — DieMax Klinger-Nummer der illustrierten Kunft- zettschrist „Die Plastik" (herausgegeben von der Aktien-Ge- sellschaft vorm. H. Gladenbeck u. Sohr, Berlin) ist kürzlich erschienen. In ber anregenden und interessanten Abhandlung von Paul Kühn lernen mir Max Klinger als Plastiker würdigen. Die Hauptwerke des Meisters: Salome, Kassairdra, die Badende, Beethoven unb das Nietzsche-Porträt werden in Einzelabschnitten erläutert unb in Reproduktionen veranschaulicht, besonders interessant ist auch ber Abschnitt über die Reprodukttonen in Bronze; denn es sührt uns Klinger, der in seinem rastlosen Schassen aufwärts steigt, menschlich unb künstlerisch näher. Mit diesen nach Klingerschen Werken hergestellten Reproduktionen ist der deutsche Bronzekunfthandel in ein neues verheißungsvolles ©tabium getreten, das ihm aus dem Welttnarkt zu einer hervorragenden und angesehenen Stellung verhelfen wird. — DaS Studium fremder Sprach em ist heute eine Notwendig leit. Aber nicht allein ist es möglich eine Sprache an der Hand eines tüchtigen Lehrers zu erlernen. Für diese bleibt nur ber Selbstunterricht. Uns liegen jetzt ein paar weitere Lieferungen eines von uns bereite erwähnten Werkes zum Selbst, unterricht ber italie nischen Sprache, von Prof. Buonaventura und Dr. Schmidt, vor. 6. Verb. Auflage. (Einzelne Briefe je 50 Pf.) Verlag von E. Haberland in Leipzig-N. 91. Tie Briefe sind, so weit wir sehen können, sorgfältig und gewissenhaft gearbeitet und schreiten methodisch vorwärts. Der Schüler findet Gelegenheit zu regelmäßigen Repetitionen und praktischen Uebersetzungsübungen. Die Aussprachebezeichnung, auf bie es bei einem solchen sür Selbstlerner bestimmten Buche vor allem an- kommt, ist tadellos. Wir können die Briese, deren weiterem Erscheinen wir mit Interesse entgegensehen, nur auf das roärmfte empfehlen. — Die Hendel-Bibliothek verfolgt das Ziel, die Ge» famtlitteratur zu umfassen. Neues, soweit eS Anspruch auf dauernden Wert hat, unb literarische Schätze vergangener Tage werden in der neuesten Serie (ä. Nummer 25 Psg.) dargeboten. Neben Malta- t u l i, dem Vorlänser Nietzsche's, der mit seinen so gehaltvollen wie scharfgeschliffenen .Ideen und Skizzen" (geh. 7b Pfg.) auf dem Plan erscheint, finden wir Andersens Märchen" (geh. 1.2b Mk.), eine Fülle weniger bekannter Gaben des dänischen Dichters in stimmungsvoller Uebersetzung, die bei Groß und Klein mit Freuden willkommen geheißen werden. Eine bühnenwirksame Ausgabe von Shakespeare's „Othello" (bearbeitet und inszeniert von C. W. Schmidt unter Benutzung der Uebertragungen von Schlegel-Tieck und Wilh. Jordan) verdient besondere Beachtmrg bei allen Theatersreunden. Das X. Hest von Velhagen L Klasings Monats- h e f t e n bringt einen überaus nrteressanten Aussatz über die Villa Borghese in Rom, in deren Anlagen bekanntlich das von unferm Kaiser gestiftete Goethe-Denkmal von Eberlein aufgestellt worden ist. In dem Aussatz des Herrn von Graevenitz, der bezeichnend; „Villa Borgbese und ihre deutschen Erinnerungen" heißt, geht der Verfasser liebevoll den Beziehungen nach, die Goethe mit dieser Villa und ihren eigenartigen Narur- und Kunstschätzen verbanden. Von den anderen illustrierten Aufsätzen, die das Heft bringt, seien noch „Docks" von Ernst Foerster unb „Tie Einführung ber Stein- bruckerei in Berlin" von Walther Gensel erwähnt. Sehr interessant ist ein Artikel: .Die Schnellbahnverfuche" von R. Wahle, in dem die Versuche, durch Elektrizität betriebene Züge mit bisher ungeahnter Schnelligkeit, zu befördern, eingehend besprochen und nach ihrer Bedeutung für die Versuchspraxis gewürdigt werden. Auch der Aussatz von Professor Heyck: „Karl der Große als Persönlichkeit" — eine seine psychologisch-historische Studie — wird viele dankbare Leser finden. Tw farbigen Faksimiledrücke geben diesmal reizvolle ©lubien von Otto Sttützel wieder. bis zu der etwa 1000 Meter unterhalb der Wieseck auszuführenden Kläranlage. Meine Herren! Dieser Hauptsammler A ift fast in allen seinen Teilen ausgeführt und Sie haben alle seine Richtung verfolgen können. Er hat in der Marburgerstraße zu erheblichen Schwierigkeiten keinen Anlaß geboten, dagegen waren in dem Stadtgraben die Verhältnisse sehr ungünstig. Es mußte da eine besonders gute Fundierung in den großen Schlammmengen, Die sich angesammelt Hutten, stattfinden, es mußte auch eine Stützmauer abgebrochen und neu errichtet werden und die Schlammmassen mußten sehr sorgfältig ersetzt werden durch fest lagernden Kies, um ein Nachsetzen und ^a^^rutfd^en des Kanals und da.mii ein Undichtwerden zu verhindern. Was aber damit geschaffen ist, können Sie heutp sehen. Es ist aus einer höchst ungesunden Gegend ein schöner Weg gestaltet, der in Zukunft jedenfalls verhindern wird, daß Miasmen auffteigen, wie dies früher der Fall war. Ein wesentliches Bauwerk an diesem .Hauptsammler A ist die Kreuzung an der Ecke der Bahnhofstraße und Westanlage. Hier mußte nämlich der große Hauptsammler A den Stadtringgraben kreuzen. Das Bauwerk ist hier aufgetragen. (Wird an Hand des Planes erläutert. Es ist die Möglichkeit vorgesehen, den Stadtringgraben hier durch diese Unterführung (hinz-eigend) unter dem Hauptsammler A hindurchzuführen. Andererseits aber kann bei hohem Wasserstand das Wasser aufsteigen und in den Hauptsammler A überfallen, sodaß bei starken Niederschlägen das Wasser durch den Hauptsanrmler A ebenfalls nach der Kläranlage gefördert wird. Äe Baustelle dort hat ja auch einige Zeit offen gelegen, wir sind da in eine ungünstige Jahreszeit hereingekommen, aber das Bauwerk ist jetzt sehr gut ausgefallen und bietet für die ganze Kanalisationjeden- salls außerordentliche Vorteile. Dann mußte der Haupt- fanunler A unter der Wieseck hindurch geführt werden. Bei Entwurf des Projektes hat man lange überlegt, ob man vielleicht die Wieseck an der Stelle durch ein Wehr aufstauen und den Kanal in dieses Wehr hineinlegen sollte. Es wäre dann oberhalb dieses Wehres, von der Bahnhofstraße aus, eine Art Teich entstanden. Nach langem Ueberlegen ist man aber von diesem Plane abgekommen und hat sich entschlossen, durch zwei eiserne Rühren den Hauptsammler A unter der Wieseck hindurchzuführen. Nach dieser Untersühr- ung steigt der Hauptsammler A hier in dem linken Schacht des Dückers (hinzeigend) auf und fließt der Wieseck entlang nach den Klärbecken weiter. Dann war die Untersührung unter der Eisenbahnbrücke wegen des geringen, zur Verfügung stehenden Raumes mit ziemlichen Schwierigkeiten verbunden, aber auch dieses Bauwerk hat sich schließlich leicht ausführen lassen. Die Führung des Kanals den Bahndamm entlang bot verhältnismäßig geringe Schwierigkeiten und auch der weitere Ausbau nach der Kläranlage wird sich zweckmäßig gestalten lassen. Vieine Herren! Ich habe Ihnen den Hauptsammler A m seiner ganzen Führung, mit seinen Bauwerken näher beschrieben, weil ich glaubte, daß es notwendig ift, hierauf hinzuweisen. Bei den anderen Kanälen kann ich mich kürzer fassen. Nun mündet die gesamte Entwässerungsanlage von Gießen in die Lahn ein. Infolgedessen ist natürlich das Kanalnetz von Gießen beeinflußt durch die Wasserstände der Lahn. Die Lahn wechselt chve Wasserstände ganz erheblich, sie steigt unter Umständen bei erheblichen Niederschlägen rasch an, und der Unterschied zwischen dem höchsten Hochwasserstand und dem niedersten Niederwasserstano ist sehr bedeutend. Bei dem großen Einfluß, den diese Wasserstände auf die ganze Anlage ausüben mußten, waren diese Verhältnisse ganz besonders eingehend zu untersuchen. Der höchste, je vorgekommene Wasserstand in der Lahn wurde beobachtet im Jahre 1879. Er erreichte eine Pegelhöhe von 5.25 Meter. Dieser Wasserstand war unbedingt zu berücksichtigen bei der Anlage der Kanäle. Andererseits war der niederste Niederwasserftand, der beobachtet wurde, nur 0.19 Meter über dem Pegel und zwar im Jahre 1899. Es ist also hier ein Unterschied von 5.06 Meter. Nun war weiter auf Grund einer langjährigen Beobachtung und während zwanzig Jahren von 1880 bis 1900 festzustellen, wie häufig die Lahn den Mittelwasserstand überschritt. Es würde zu weit führen, wenn ich Sie mit all diesen Zahlen bekannt machen wollte; aber es ist dabei zu sagen, daß im allgemeinen der Mittelwasser stand doch nicht so häufig überschritten wurde, daß daraus Schwierigkeiten für die Kanalisation erwack)sen wären. Allerdings muß bei einzelnen höheren Wasserständen in Zukunft nc*ch gepumpt werden, wie es jetzt bereits an dem Stadtringgraben geschieht. Es muß also an der Kläranlage ein Pumplverk vorgesehen werden, um bei hohem Wasserstand das von dem Kanal in die Kläranlage gelangende Wasser in die Lahn zu heben. Nach diesen Ermittelungen, die sich auf diese 20 Jahre zurückerstrecken, kann angenommen werden, daß durchschnittlich im Jahre etwa an 106 Tagen gepumpt werden muß. Selbstverständlich wechselt diese Zahl in jedem einzelnen Jahre, sie ift eben aJuf Grund dieses 20jährigen Durchschnittes berechnet. Wenn man die Hochwasserstände der Lahn auf die Stadt Gießen ausgleicht und ertvägt, in welcher Höhe die Wasserstände der Lahn die Stadt Gießen teilweise überfluten würden, wenn nicht die nötigen Vorrichtungen getroffen würden, so zeigt sich, daß ein Teil, der in diesem Plane (hinzeigend) hellblau angelegt ist, etwa 0.50 Meter unter dem höchsten Hochwasser liegt; also an dieser Stelle würde die Lahn auf die Straße austreten, wenn nicht das Wasser abgepumpt wird. 9toch tiefer wie die 0.50 Meter unter Hochwasser liegt dieser kleine Teil (hinzeigend). Dagegen liegt dieses gesamte Gebiet, was violett umrändert ist (hinzeigend) etwa 0.30 Meter über dem höchsten Lahnhochwasser. Diese Zahlen waren maßgebend für die Erwägung, ob die getrennte Kanalisation oder die gemeinsame ausgeführt werden solle. Das Gebiet, was ich Ihnen eben andeutete, das nur 0.30 Meter, also 30 Zentimeter über dem höchsten Hochwasser liegt, kann nicht getrennt entwässert werden, weil das nötige Gefälle für die Abführung des Wassers nach der Lahn nicht vorhanden ist. Es würde also hier bei einer getrennten Kanalisierung das Regenwasser, was nach der Lahn hinzuführen ist, nicht abfließen, sondern umgekehrt würde wegen des geringen Gefälles das Lahnhochwasser durch die Kanäle auf die Straße zurückstauen, und es müßten an den tiefst gelegenen Teilen Ueberschwemmungen ein treten. Selbstver stund lich wäre das noch mehr der Fall bei den Gebieten, die noch tiefer unter dem Lahnhochwasser liegen. Deshalb sind diese Gebiete gemeinsam entwässert, d. h. von diesen Gebieten werden die Schmutzwässer und die Niederschlagwässer zusammen abgeführt. Die übrige Stadt dagegen ist, wie vorher schon bemerkt, nicht gemeinsam, sondern getrennt entwässert. Ein besonders charakteristisches Merkmal der Gießener KanoilHaticm ist nun, daß es unbedingt verworfen wurde, sogenannte NotausläsH anzulegen. Die Notauslässe sind Hilfsmittel, aber nicht sehr schöne Hilfsmittel, durch die man in einem gemeinsam kanalisierten Kanalnetz einen großen Teil des Niederschlagswassers abführt und es mit dem Flußlauf, hier also der Lahn oder der Wieseck, vereinigt. Wenn nämlich in einem gemeinsam entwässerten Gebiet die Kanäle gezwungen sind, bei einem starken Gewitterregen oder bei Wolkenbruch große Wassermengen auf» ßunehmen, dann werden die Profile so überlastet, daß es der Kosten wegen nicht möglich ist, die Kanäle so groß zu bauen, daß sie alle diese Wassermengen abführen könnten. Wenn man dem Rechnung tragen wollte, so würden eben Profile entstehen, die wirtschaftlich nicht mehr möglich sind. Keine Stadt könnte verantworten, derartige Kosten auszugeben. Um nun trotzdem die Vorteile einer Kanalisation auch bei der gemeinsamen Entwässerung einer Stadt zu ermöglichen, werden dann sogenannte Notauslässe eingebaut, d. y. Ueberfälle, durch die das Negenwasser mit einem Teil des Schmutzwassers gemischt in den Flußlauf gelangt; natürlich macht man die Ueberfälle so, daß das Schmutzwasser durch das Niederschlagswasser einigermaßen verdünnt in den Fluß gelangt. Man rechnet, daß auf einen Teil Schmutzwässer vier bis fünf oder mehr Teile Niederschlagswasser kommen. Aber dadurch wird doch nicht aus der Welt geschafft, daß tatsächlich Schmutzwasser in die Flußläufe gelangt und das ist deshalb unangenehm, weil die Schwimmstoffe, wie Papier, Korke, Orangenschalen usw. auf dieser Fläche schwimmen und durch die Notauslässe in den Flußlauf gelangen. Dieser Nachteil der Notauslässe war der Grund, daß man hier in Gießen vollständig davon abgesehen hat, solche anzulegen. Ich weroe nachher nochmal auf diesen Punkt zurückkommen. Nun möchte ich kurz Ihnen noch darstellen, wie sich die Mengen des abzuführenden Wassers gegen einander stellen zur Begründung der Ausführungen, die ich Ihnen vorhin bereits gegeben habe. Das Grundwasser steht in Gießen in der Altstadt bekanntlich verhältnismäßig hoch. Ich habe Ihnen vorhin dargestellt, wie schädlich es für die Gesundheit ist, wenn Grundwasser nahe unter dem Boden steht und wenn es dort steigt und fällt, den Boden trocken legt und ihn dann wieder anfeuchtet. Trotzdem darf man Grundwasser nicht in die Kanäle einlaffen, insbesondere nicht in Schmutzwasserkanäle, weil dadurch unter Umständen gerade das entgegengesetzte von dem erzielt werden würde, was man anstrebt. Es ist nämlich bei großen Niederschlägen nicht zu vermeiden, daß ein Kanal unter Druck arbeitet, d. h. daß er das in ihn gelangende Wasser nicht glatt abführt, sondern einen Stau yervorruft, der über den Kanalscheitel hinausgeht. Da aber dieser Scheitel noch unter der Straßenfläche liegt, so sind Bedenken hiergegen nicht vorhanden. Wenn nun aber Grundwasser in diese Kanäle eingelassen wird, so könnte bei einer derartig starken Belastung das Wasser anstatt aus dem Grundstück durch ein Sickerrohr ober irgend ein Zementrohr nach dem Kanal geführt zu werden, bei dem Rückstau umgekehrt in die Grundstücke hineingelangen und es würden unter Umständen diese Grundstücke mit verdünntem Schmutzwasser angefüllt, ein Zustand, der natürlich zu lebhaftem Bedenken Anlaß geben müßte. Deshalb darf das Grundwasser allgemein in Schmutzwasserkanäle nie aufgenommen werden. Anders ist es natürlich bei den Regenwasserkanälen, in diese wird unter Umständen das Grund wasser eingeleitet, aber auch nicht allgemein, sondern nur in besonderen Fällen. Das Gebrauchswasser aus den Häusern ist aufzunehmen. Das Gebrauchswasser richtet sich nach den Verhältnissen der Wasserleitung. Wenn eine Wasserleitung im allgemeinen etwa 120 Liter auf den Kopf der Bevölkerung liefert, so werden diese 120 Liter meist verbraucht, und das verbrauchte Wasser gelangt in die Kanäle. Danach berechnet man das abzuführende Schmutzwasser. Erfahrungsgemäß verteilt sich der Wasserverbrauch nicht gleichmäßig auf die 24 Stunden des Tages, denn es wird in der Nacht viel wenniger Wasser verbraucht als am Tage. Auch an Den einzelnen Tagesstunden ist der Verbrauch sebr verschieden. Um diesen wechselnden Beanspruchungen der Kanäle gerecht zu werben, nimmt man an, daß der stärkste Verbrauch doppelt so groß ist, wie die Zahl von 120 Liter, die ich vorhin angegeben habe, d. h. man sagt, die 120 Liter werden nicht in 24 Stunden ab- geführt, sondern in 12 Tagesstunden, und bann ergibt sich eine sekundliche Abführung von 0.00276 Liter auf ben Kopf der Bevölkerung. Die Dichtigkeit der Bevölkerung ist nun in ben einzelnen Stabtteilen sehr verschieben. In ber Altstabt stößt ein Haus an bas anbere, Gärten sind im wesentlichen nicht vorhanden, die Höfe meist eng. Dagegen stehen die Häuser außerhalb des Stadtringgraoens in Gärten, sind meist auseinander gebaut und fast durchweg niedriger. Dementsprechend ist die Bevölkerungsdichtigkeit in der Altstadt erheblich größer, wie in dem neuen Stadtteil. Es kann angenommen werden, daß in der Altstadt von Gießen etwa 250 Seelen auf einem Hektar wohnen, während in den außen gelegenen Teilen der Stadt bloß 120 Seelen auf einem Hekatr wohnen. Dementsprechend werden natürlich die Abflußmengen verschieden, und es ergibt sich, daß für einen Hektar in der Altstadt das abzufÜhrenbe Ber- brauchswasser auf 0.69 Liter unb in ben weiter gebauten Teilen ber Neustabt auf 0.33 Liter pro Sekunbe sich berechnet. Das finb lebiglich bie Schmutzwässer aus ben Küchen, bie hervor gerufen werben Durch bie Zuführung ber 120 Liter Wasser. Dazu kommen bie Fäkalien. Diese inb außerorbentlich gering im Verhältnis zu biefen Zahlen, unb es ergibt sich, daß die Fäkalien etwa nur ein Achtzigstel bis ein Neunzigstel dieser abzuführenden Hauswässer betragen. Sie feljen also, daß die Menge der Fäkalien keinen Einfluß auf die Querschnittbildung der Kanäle ausübt. Anders allerdings auf die Gestaltung, "denn sie sind nicht mehr wie die Hausabwässer, aber ebenso wie diese unter Umständen die Träger von starker Verunreinigung. Das Fabrikabwasser kann im allgemeinen wohl in die Kanäle auf genommen werden, vorausgesetzt ist dabei, daß es säurefrei ist und weiter, daß es keine zu hohe Temperatur hat, weil auch dadurch unter Umständen der Kanal zerstört werden kann und das Arbeiten in demselben unmöglich gemacht wird. Man nimmt an, daß das Wasser, was in den Kanal gelangt, keinesfalls mehr als 35 Gr. C. haben darf, jedenfalls aber kann durch die Fabrikabwässer ein Kanal in der betreffenden Straße sehr beein- lußt werben, benn es können z. B. Säure, Dampf- unb Kondensabwässer unb ähnliche Abwässer hereintvmmen, obaß es unter Umftänben notwendig ist, den Straßen-- faiml nach diesen Abwässern zu bemessen. Jedenfalls aber müssen für die Einführung der Fabrikabwässer in jedem Falle besondere Vorschriften erlassen werden, damit das Kanalnetz nicht beschädigt wirb. Tann kommen wir zu den N ieb erschl agsw äs fern, bie auf bie Berechnung ber Querschnitte ber Kanäle von Dem allergrößten Einfluß sind Auch hier in Gießen sind ein» gehenbe Untersuchungen über bie Niederschläge aufgestellt unb nachbem man alle biefe Fragen sehr genau geprüft unb bie Nieberschläge von zehn Jahren gegen einander verglichen hat, nachdem man auch ganz besonders die Regenmessungen, bie an bem selbst registrierenden Pegel ber Bürgermeisterei seit einigen Jahren in gewissenhaftester Weise aufgetragen werben, berüasichtigt hat, nachbem man alle biefe Ergebnisse gegen etnanber abgewogen hat, ist man dazu gekommen, baß 200 Liter Regen in ber Sekunbe eine halbe Stunbe lang auf einen Hektar fallen unb baß bie bann zur Abführung gelangen müssen. M. H.! Die Ausrechnungen, warum bas gerabe 200 Liter in ber Sekunbe finb, ist sehr kompliziert, unb ich möchte Sie nur barauf Hinweisen, baß bie größte Regenmenge, bie hier bekannt geworben, niebergefallen ist am 12. Mai 1901. Sie erinnern sich, baß b am als ein sehr starker Wolkenbruch nieberging, unb ba finb 357 Liter in ber Sekunbe 7 Minuten lang auf 1 Hektar gefallen. Wir haben 200 Sek. Liter auf eine halbe Stunde angenommen. Nun muß man bedenken, daß das Niederschlagswasser, was auf den Boden kommt, nicht alles in bie Kanäle gelangt. In ben eng bebauten Stadtteilen verbunstet eine verhältnismäßig große Wassermenge. Wenn das Wasser in einem recht heißen Sommer auf ein trockenes Dach fällt, bann verbunstet natürlich ein großer Teil. Außerdem wirb aber von bem Pflanzenwuchs bei Außenstabt sehr viel Wasser aufaenommeft. In ben (Stabtteilen, in benen Gärten vorhanden sind, wirb ja aus biefen Gärten nur sehr wenig Wasser zum Abfluß kommen, anbers aber in ber Ältst ab t. Da ist bie Decke des Hofes undurchlässig unb es versickert bort sehr viel weniger Wasser in bem Boden wie in ben Gärten. Sie sehen also, baß in ben einzelnen Stabtteilen zweifellos eine erhebliche Verschiebenheit in ber Wassermenge ist, bie in ben Kanal gelangt. Unter Berücksichtigung biefer Verschiebenheiten nimmt man an, baß in ber Altstadt etwa acht Zehntel dieses Niederschlagswassers in die Kanäle kommt, in ben weiter gebauten Teilen ber Neustadt, wo Gärten vorhanden sind, aber nur drei Zehntel. Aber auch diese Zahlen sind noch nicht ohne weiteres maßgebend für die Berechnung der Kanalquerschnitte. Es kommt noch etwas anderes in Frage. Das Kanalnetz ist im allgemeinen bei den großen plötzlich eintretenden Niederschlägen nahezu leer. Das kommt daher, daß die großen Niederschläge nie im Winter vorkommen, sondern immer nur int Sommer, daß sie ferner nicht im Laufe einer längeren Regenperiode emlreten, sondern ganz plötzlich, sie sind eben Wolkenbrüche, die nicht während langer Perioden eintreten, sondern gewöhnlich nach langer Trockenheit. Infolgedessen ist das Kanalnetz, soweit es für die Regenabwässer bestimmt ist, leer, und wenn bas Wasser, Was in ber Nähe ber Kläranlage nieberfällt, in ben Kanal kommt, so finbet es den Kanal frei unb kann leicht abfließen. Menn zu berfeiben Zeit an bem Friebhof auch Wasser einfällt, bann braucht bas Wasser, um sich mit bem ersten Wasser zu vereinigen, eine lange Zeit, weil es bis an die Bahnhofstraße herunterfließen muß. Diesen Umstand nennt man die Verzögerung in ber Ansammlung des Wassers unb ber Einfluß biefer Verzögerung wirb nach Formeln, bie barüber ausgestellt finb, berechnet. Es werden also von diesen 200 Litern zunächst je nach ber Beschaffenheit bes Grunb unb Bobens in der Altstadt entweder acht Zehntel oder in der Neustadt drei Zehntel berechnet und von diesem Wasser durch den Verzögerungskoöffizienten noch eine Verminderung vorgenommen. Ich bemerke, daß bie 200 Liter, bie hier für Gießen angenommen finb, verhältnismäßig groß erscheinen. Gegenwärtig ist nur in einer Stabt in Preußen unb zwar in Königsberg ein noch größerer Niederschlag für die Berechnung ber Kanäle angenommen. Die Annahme biefer außerordentlich hohen Niederschläge hier in Gießen ist aber durchaus berechtigt und zwar deshalb, weil tatsächlich hier ganz außerordentlich große Niederschläge stattfinden, und zwar viel größer wie z. B. in Darmstadt und Mainz, und weck man hier mit Rücksicht auf die Lahnwasserstände ganz besonders vorsichtig fein mußte. Es kann angenommen werden, daß jetzt bei der Berechnung ber Kanäle auf einen Nieberschlag von 200 Liter tatsächlich ein Ueberfluten von Straßen, selbst bei größten Wolkenbrüchen nach menschlichem Ermessen für ausgeschlossen gilt. Ich habe Ihnen vorher schon eingehenb ben Haupl- ämmler A beschrieben unb möchte noch bemerken, daß außer bem Hauptsammler A das gesamte Gebiet von Gießen eingeteilt ist in Nebensammler B, C, D, E, F, G, P, I, K, außerdem bie Nebensammler L, M unb N, ferner ist noch ein Hauptsammler O vorgesehen, ber bie hoch gelegenen Teile an ber Frankfurterstraße entwässert. Ich. mache auf ben Hauptsarnmler O besonbers aufmerksam, weil er bei Gestaltung ber Kläranlagen eine erhebliche Rolle spielt. Die Zeit ist nunmehr so vorgeschritten, baß ich zu einzelnen Punkten kommen muß, bie Sie besonders interessieren, unb ich gehe deshalb dazu über, Ihnen die Kläranlage ein* gehend zu beschreiben. Ich habe bereits mitgeteilt, baß )ie Kläranlage nach bem Gutachten bes Herrn Geheimrats Gafsky nur eine mechanische Klärung vornehmen follc. Der Platz für bie Kläranlage befindet sich 1000 Meter unterhalb ber Wieseckniündung. Es ist erwogen worben, ob biefe Lage tatsächlich ausreichenb weit von ber Stabt entfernt sei, um alle üblen Gerüche von ben nahe gelegenen Stabtteilen unb von ben Kliniken insbesonbere abzuhalten. Es besteht ja häufig bie Meinung, baß eine berartige Kläranlage sehr unangenehme Gerüche verbreiten müsse. Um in biefer Beziehung völlige Beruhigung herbeizuführen, hat bie Stadtverordnetenver- ammlung beschlossen, eine Kommission nach ähnlichen un- lagen zu schicken, Die bort bic Geruchsverhältnisse unter* üajen soll. (Heiterkeit.) Wir waren in ber vorigen Woche in Kassel, unb ich glaube Ihnen bie Beruhigung erteilen zu können, büß sämtliche Herren, bie bort waren, sich überzeugt hoben: von üblen Gerüchen aus der Kläranlage wird Gießen in Zukunft keineswegs beeinträchtigt werden, -ue Kläranlagen werden zwar offen gebaut, und trotzdem )mD >ie Gerüche, bie entsteigen, tatsächlich außerorbentlich un* bebeutenb. Sie finb eigentlich nur bann vorhanden, wenn ein Becken gereinigt Wirb, aber sonst ift kaum etwas von üblem Geruch zu bemerken. Deshalb ist denn auaj Diejer Platz, 1000 Meter unterhalb der Wieseckmündung, ms eststehend angenommen, unb es wirb demnächst mit bem Bau bort begonnen. Die Kläranlage besteht nun aus brei Teilen, unb zwar zunächst aus vier pichen Becken, die bie Schmutzwasser aufnehmen, bw aus oe Altstabt in bie Becken gelangen. Iebes dieser Becken i 40 Dieter lang und in seinem Querschnitt so berechnet, daß später, nach Jahren, wenn die Bevölkerung von Gieb ich noch erheblich vermehrt hat, eine Geschwindigkeit v etwa 5 Millimeter bei dem Durchfluß in Den Klärbecken * M etl geqei1 X'trieÄbu fcwte ^gen in P X ist Aar ta[(e ^hinbe Jllen. n und^ toinNettrQbe $ ;6 bife * ba imb 35? p ? ich w 9e|a[bn ® ■ in ^Sr«”5 •p6er ül der Altsili n And^ 65 ^rjuien n boden wie üi |J Äen^ oet ^Isermenge tr WKen nw ü$ Zehntel die, k°Mt, in den weül rr en vorhanden fjy ie e Zahlen sind L ote Berechnung bä n W Das M gr^en plötzlich eii. ■ Das kommt dch. \ hinter voriomm- B iie ferner nicht L- inir2ten, sondern gi, die nicht ivähir ewohnlich nach lonjj malnetz, soweit es r nnd wenn das Was, derfallt, in den Sc Hann leicht abfliy. Friedhof auch K: m sich mit dem cru t, weil es bis w: Diesen Umjtanh raun lung des 'Lasser- cnb j) nach Forint bie Es werden ch vor »er Beschaffmheil bei entweder acht Zehnte ( bahnet unb bi: ngskoeffizienten m die hier für Qnci roß erscheinen. Geze Preußen und zwar: derschlag für die - Tie Annahme sier in Gießen iii ü b, weil tatsächlich: hläge stattfindev, - idtund Mn^un^;. aivasserstände gaia l j kann augcneir- I der Kanäle, aus ke h ein ileberfiu!-" : Brüchen nach nur- gilt- eingehend den y- noch bemenen, aescante Eebiei A E, 9,6,5-- । K und Ä V^; ''bei die hoch iässert. Kh.^' kmerksam,ID^ Ll n, daß üh rders Wgfc « die •»teils müfc. n des hemkL iirdel 5 ist ernB" s. chend M n GerliL: • ) von y dir rlage pW ieser SK:S «’nös ! doll «lff9e iS d^ -. arbeit ich dano 5 öio» * *i(L ÄÄ ftattfinbet. Diese geringe Geschwindigkeit bürgt dafür, daß sich die festen Bestandteile ablagern und nicht in die Lahn gelangen. Der Einfluß des Schmutzwassers in die einzelnen Becken wird nitch durch Rechen irgendwie behindert, es wird also nicht so, wie beispielsweise in Marburg das Walser er^'t durch den Rechen durchgeführt. Nach den Erfahrungen scheint eine derartige Rechen-Anlage vor dem Einfluß des Wassers in die Becken nicht zweckmäßig, weil durch die Profilverengung eine größere Geschwinndigkeit des Wassers entsteht und die bereits auf der Sohle des Kanals abgelagerten Schmutzstoffe sich wieder aufwühlen und sich dem Wasser mitteilen. Dagegen muß an dem Auslauf der Klärbecken ein Rechen angebracht werden, um die Schwimmstoffe zurückzuhalten und zu verhindern, daß diese Schwimm- stoffe (Papier, Korke usw.) nachher in der Lahn herumschwimmen. Es ist dies weniger gesundheitsgefährlich, als häßlich, und man muß vor allen Dingen derartige Eindrücke zu vermeiden suchen. Neben diesen vier Schmutzwasserbecken liegen zwei Regenwasserklärbecken. Es ist die Einrichtung so getroffen, daß, wenn der Wasserstand in dem Hauptabflußkanal A so steigt, daß die Verdünnung des Schmutzwassers 1:2 beträgt, das überfließende Wasser in besondere Klärbecken gelangt. In diesen Becken kann dann die Geschwindigkeit größer sein, wie in den anderen Becken (sie ist zu 9 i'Rillimeter berechnet und steigt unter Umständen bis auf 20 Millimeter), weil in diesen Becken verhältnismäßig reines Wasser geklärt werden soll. Diese Becken sind bei normalem Betrieb leer und treten nur dann in Tätigkeit, wenn größere Wassermengen nach den Klärbecken gelangen. Diese Becken, meine Herren, ersetzen hier in Gießen die Notauslässe. J!ch sagte vorhin schon, daß wir sie vermieden haben; wir haben dafür diese Klärbecken angelegt, sodaß also tatsächlich in Gießen kein ungeklärtes Wasser in die Lahn kommt. Außer diesen sechs Becken ist noch einmal ein weiteres, höher gelegenes Becken ange- ordnet. Dieses Becken nimmt das Wasser auf, was aus dem Hauvtsammler O kommt, der also die hoch gelegene Gegend der Frankfurterstraße, der Kliniken, entwässert. Diese Vorrichtung ist deshalb getroffen, weil die gesamte Gegend am Seltersberg von dem Hochwasser der Lahn nicht beeinflußt wird. Es ist nicht nötig, das Wasser, was von dort aus kommt, in die Lahn zu pumpen, denn das gesamte Gebiet liegt ja höher, als das in der Altstadt, wo bei hohem Lahnwasserstano gepumpt werden muß. An dem Auslaus ist dann eine Rechenanlage vorgesehen, und danach gelangt das Wasser in besonderen Kanälen nach der Lahn. Wenn das Wasser durch die Klärbecken durchgegangen ist, sp fließt es oben über den oberen Ueberfall über. Das ist das geklärte Wasser. Es fließt durch einen offenen Kanal nach dem Hauptabflußkanal in die Lahn. Neben diesem Ueberfall ist dann eine Schütze angeordnet, durch die man den Ablauf nach der Lahn regulieren kann. Diese Schütze geht nicht in die Höhe, wie die gewöhnlichen Schützen, sondern nach unten. Man kann diese Schütze nach unten herunterlassen und dadurch den Querschnitt des Ueberfalls vergrößern. Dies geschieht hauptsächlich dann, wenn gereinigt wird. Man muß nämlich bei der Reinigung annehmen, daß drei Schichten in diesem Wasser vorhanden sind. Die oberste Schicht des Klärwassers, die ausreichend gereinigt ist, um bireit in bie Sahn geführt werden zu können, bann die zweite Schicht, die nicht so gereinigt ist, um in die Lahn geführt werden zu können, die man dann durch ■einen zweiten Kanal ab lass en kann. Auch dieser Kanal ist an seinem Einlauf durch eine Schütze abgeschlossen. Wenn nun das obere Wasser, solange es rein ist, abge- 1 [{offen ist, dann wird . bie zweite Schicht dem unteren Äanal zugeführt, wirb von bort nach der Pumpanlage ge- llrracht, die vorn an dem Klärbecken steht, von bort aus gepumpt und zwar wieder an das obere Ende des Klärbeckens. Dieses Wasser wird also dann noch einmal geklärt. Unter dieser Wasserschicht kommt dann die eigentliche Schlammschicht. Diese Schicht, die ausgeschieden werden Muß, wird durch große eiserne Kessel unter Absaugen von Lust angesaugt und aus diesen Kesseln dann nach den r ck)larnn: decken gebrecht. D>e Schlanimbecke.i stellen Flächen dar, auf die der Schlamm abgelagert wird, und da der Schlamm einen sehr üblen Geruch verbreiten würde, jso wird der Schlamm kompostiert, zweckmäßig mit Straßen- Üehricht, und darüber wird dann gelöschter Kalk gestreut. Das ist ein Verfahren, was zweckmäßig erscheint, weil die kompostierte Acasse dann im Frühjahr von der Landwirtschaft gern aufgenommen wird zur Düngung der Felder. Ein vollkommeneres Verfahren haben wir neulich in Kassel gesehen. Dieses Verfahren besteht darin, daß aus dem Schlamm die Fettstoffe, die sehr reichlich barm vor- Ljanbcn sind, ausgeschieden und zu allen möglichen Sachen verarbeitet werden, wie beispielsweise zu Schmierfett. Es sieht auch gar nichts im Wege, aus diesen Schmutzstoffen Margarine zu machen (Heiterkeit). Aber ich gebe zu, daß das allerdings nicht sehr appetitlich ist, umsoweniger, als diese Fabriken einen außerordentlich penetranten Geruch verbreiten. Es werden also diese Fettstoffe ausgeschieden, nutzbar gemacht und aus den noch verbleibenden Rückständen eine Art Kuchen gebacken, der als Dungmittel im Frühjahr der Landwirtschaft leichter abgegeben werden kann, wie dies bei den selbst getrockneten Schlammassen der Fall ist. Auf diesem Wege wird also tatsächlich der Schlamm, der aus der Stadt abgeleitet wird, auf eine verhältnismäßig vorteilhafte Weise wieder nutzbar gemacht, vorteilhaft insofern, als keine besonderen Kosten daraus entstehen. Die Stadt wird allerdings einen direkten (Veldvorteil nicht daraus ziehen können. Immerhin ist dann ein Mittel .gefunden, um den Verkauf des kompostierten Schlammes an die Bauern zu ermöglichen. Ich habe noch bei der Beschreibung der Kanäle vorhin vergessen zu bemerken, daß der Klingelbach ebenfalls in bie Entwässerung der Stadt Gießen mit ausgenommen worden ist. Sie wissen, daß der Bach seither durch Bau- a imitiere geflossen ist. Dieser Zustand sollte schon feit Jahren beseitigt werden. Es sind auch ftüher schon Entwürfe aufgestellt, aber zweckmäßig schien es, damit bis zmr Ausführung der Kanalisation zu warten, und den Klingelbach als Teil des Kanalisationssystems mit auf» znmehmen. Er wird in die Bismarckstraße gelegt und dient gleichzeitig zur Aufnahme des Regenwassers int dortigen getrennten System. Das Regenwasser fließt in den Klingel- ö,ech din und wird von ihm nach der Wieseck abgeführt. Die Schmutzwasserkanäle sind getrennt worden, damit bie Musanschlusse nicht durch den Klingelbach durchgeführt noerden mußten, während so auf jeder Seite das Schmutz- lwasser der betr. Häuser leicht ab geführt werden kann. Auf diese Weise sind zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen worden, es ist einmal der unschöne Klingelbach c^seiligt und in die Straße gelegt und andererseits dient eui als Teil des Entwässerungssystems. Ein interessantes Bauwerk ist ferner der große Schneeschacht, der hier au ck tn den letzten Wochen zur Ausführung gekommen ist und den Sie wohl am Kreuzplatz gesehen haben werden. Die Schneeschächte einer Kanalisation haben die Aufgabe, bei starken Schneefällen den Schnee, der auf der Straße zusammengefahren wird, aufzunehmen. Der Schneeschacht befindet sich in unmittelbarer Verbindung mit dem Kanal. Der Kanal hat eine Abzweigung nach der Seite, und diese Abzweigung ist ausgebaut zu einem besonderen Schacht. Wennn nun bei starken Schneefällen der Schnee in den Schacht hin ein geworfen wird, so tommt er vor allen Dingen aus ber kalten Luft außen in die warme Kanalluft. Er wirb also schon deshalb schmelzen. Aber außerbem wirb bas Kanalwasser durch Abschluß eines Schiebers durch den Schneeschacht selbst hindurch- geleitet Es wird also das warme Kanalwasser in Verbindung gebracht mit dem Schnee, also ein weiteres Mittel, um das Schmelzen des Schnees zu beschleunigen. Hierdurch werden die großen FuhrLosten, die sonst notwendig sind, um den Schnee zu entfernen, möglichst verringert. Der Schnee wird in dem Kanal selbst aufgezehrt. Die einzelnen Schächte, wenn ich noch darauf zurückkommen sollte, haben Sie ja teils in der Ausführung gesehen. Dies ist nicht so wesentlich, um bei der Kürze der Zeit noch näher darauf einzugehen. Dagegen glaube ich, daß es zweckmäßig wäre. Sie noch auf die Kanalquerschnitte hinzuweisen. Sie sehen hier (hinzeigend) die Querschnitte der gemauerten Kanäle; zuerst den großen Kanal, das ist der Hauptablaßkanal nach der Kläranlage, dessen Querschnitt ist ein sogenanntes gedrücktes Eiprofil, das heißt es ist kein vollständiges Eiprofil, sondern es ist etwas niedriger, als das normale Eiprofil sein sollte. Die anderen, kleineren Kanäle haben normale Eiprofile. Es sind dies die gemauerten Kanäle. Außer diesen kommen dann noch Touröhren von 50 Zentimeter Durchmesser abwärts bis 20 Zentimeter zur Verwendung. Ferner sind die Regenlanäle zum Teil aus Zementröhren hergestellt und zwar bis zu 90 Zentimeter Durchmesser. Die Spülung der Kanäle ist ein wesentliches Mittel, um den Kanalbetrieb sorgfältig zu gestalten. Es wird hierzu benutzt das Wasser der Lahn, bann das Wasser des Stadtringgrabens ünb das Wasser der Wieseck. An geeigneten Stellen werden Vorkehrungen getroffen, um dieses Wasser in die Kanäle einzuführen, es dort anzu- ftauen, sodaß ein Druck im Kanal entstelü- Dann werden die sogenannten Spültüren plötzlich geöffnet und das Wasser strömt mit großer Gewalt und großer Geschwindigkeit durch die Kanäle durch, auf diese Weise alle etwa abgelagerten Schmutzstofse mit sich fortreißend. Außerdem kann man aber bie Spülung dadurch Hervorrufen, daß man das Kanalwasser an und für sich ohne besondere Einleitung von anderem Wasser staut unb schon dadurch Spülwirkung erzielt. Ist das alles nicht möglich, so muß das Wasser der Wasserleitung, das vorher anders verwendet werden kann, zu Spülzwecken dienen. Man kann beispielsweise die Abwässer von Springbrunnen dazu benützen. Eine besondere Einrichtung ist in der Altstadt dadurch getroffen, daß, weil alle dort befindlichen Kanäle einer besonders eingehenden Spülung beoürfen, auf dem Höhenrücken der Altstadt ein besonderer Spülkanal angelegt ist, der durch die ganze Altstadt zieht, sein Wasser von dem Stadtringgraben empfängt, hoch liegt und dadurch ermöglicht, daß alle die anderen Kanäle mit dem von ihm mitgeführten Wasser gespült werden. Die Lüftung der stonäk erfolgt im wesentlichen durch bie Kanalschächte in den Straßen. Es sinb da gußeiserne Deckel mit Lüftungsschlitzen angeordnet, aus denen der Kanaldunst jederzeit austreten kann. Außerdem aber erfolgt bie Lüftung burch bie Hausinstallationen, unb damit komme ich zu dem letzten Punkt meiner Ausführungen, der Sie ja alle ganz besonders interessiert. Die Mfallröhren in den Häusern werden nämlich über Dach geführt und unten an die Kanäle angeschlossen. Sie bilden dadurch gewissermaßen einen Schornstein, in welchem die Kanalluft nach oben steigt unb bort über bie Dächer in bie Luft entweicht. In gleicher Weise bienen die Regenabfallröhren ber Kauallüftung. Auch biefe sollen in den meisten Fällen bireft mit bem Kanal öerbunben werben, sodaß auch hier bie Känalluft burch bas Rohr wie durch einen Schornstein austreten kann und oben über bem Dach entweicht. Diese Lüftung ist bann nicht möglich, wenn über bem Regenkanbel bewohnbare Räume (Mansarden) liegen. In diesem Falle müßte die Kanalluft in die Mansarde gelangen, was aus gesundheitlichen Gründen nicht zulässig wäre. Die Hausinstallationen selbst, m. H.!, sind ein ungeheuer wichtiger Teil der ganzen Entwässerungsanlage. Wenn Sie die schönsten Kanäle in die Straßen legen, und die Hausinstallationen werden aus Gründen falscher Sparsamkeit mangelhaft ausgeführt, so nützt die ganze Kanalisation in gesundheitlicher Beziehung gar nichts. Die Hausinstallationen sind doch die Teile der Entwässerung, die die eigentlichen Schmutzwässer in erster Linie in sich aufnehmen. Zuerst kommen alle die Schmutzstofse mit der Hausinftallation und ihren Einrichtungen in Berührung, und durch di- Hausinstallation werden sie erst in die Kanäle eingeleitet. Wenn also eine Hausinstallation undicht ist und infolge ihrer Undichtigkeit Schmutz austreten kann oder aber wenn die Mussen ber Abfallröhren undicht sind und dadurch die Kanalgase nicht über dem Dach austreten, sondern in der Wohnung selbst und dort diesen unangenehmen süßlichen Geruch verbreiten, bann sind derartige Zustände in gesundheitlicher Beziehung in höchstem Grade bedenllich. Deshalb ist es von besonderer Wichtigkeit, auf die Hausinstallationen ganz besonderen Wert zu legen, so schmerzlich dies auch für bie Hausbesitzer ist. Hier in Gießen ist in dieser Beziehung ein Ortsstatut fertig gestellt unb liegt, soviel ich weiß, bem Kreisamt vor. In diesem Statur ist nichts verlangt, was nicht unbedingt notwendig wäre. Es sind keine zu großen Anforderungen an die Hausbesitzer gestellt, sondern es ist nur das alleruotwendigste ausgenommen. Das wesentliche bei ber Hausinstallation ist nun, daß bie Schmutzstofse, bie Fäkalien, in guten geeigneten Apparaten ausgenommen weiden, bie gegen das Kanalrohr durch einen Wasser- Verschluß abgeschlossen sind. Dieser Wasserverschluß ist notig, um das Austreten ber Kanalgase aus den Ausgüssen und aus den Aborten zu verhindern. Die Fall- röi/ren selbst, sowohl für die Schmutzwäfter aus den Küchen, wie für bie 'Abgänge aus den Abtritten müssen aus Gußeisen hergestellt werben, ba nur bas Gußeisen unb von diesem auch wieber nur besonbere Röhren sich wirklich gut dichten lassen. Die Dichtungen müssen gewissenhaft ausgeführt werden, und zwar dadurch, daß die Mussen erst mit einem Teerstrick ausgestemmt und dann mit Blei vergossen werden. Dann ist wesentlich, daß bie Röhren, die nachher nach der Straße gelangen, soweit sie unter bem Keller liegen, auch aus Gußeisen, nicht aus Steinzeug bestehen. Das Steinzeugrohr kann erst ansangen außerhalb des Hauses, wo eine Schädigung des Hauses selbst durcy ausströmen de Gase nicht mehr in dieser Weise zu be- sürchten ist. Ueber bie Lüftung habe ich bereits gesprochen und bemerkt, daß die sämtlichen Fallröhren über Dach geführt werden müssen. Einerseits ist bas ein Vortell für die Kanalisation, andererseits aber auch für die Hausinstallation, weil die warmen Kanalgase bis unter bie Wasserverschlüsse emporsteigen und im Winter bas Einfrieren der Wasserverschlüsse verhinbern. Sämtliche Eingüsse müssen selbstverständlich, da sie mit Wasserverschlüssen versehen sind, auch eine Wasserzuführung haben. Es muß also üoer jedem Ausflußbecken ein Hahn sein, aus dem das Wasser in den Kanal geleitet werden kann, wodurch) die Wasserverschlüsse zur richtigen Zeit immer wieder gefüllt werden. Ebenso müssen bei den Abtritten besondere Spülkasten angelegt werden. Es ist nicht angängig, bie Wasserleitung in unmittelbare Verbindung mit den Abtrittsbecken zu bringen, also z. B. durch die sogen. Kiappenklosetls und wie sie alle heißen. Die W-asserleitung muß vollständig getrennt von dem eigentlichen Kanalrohr in einen Spülbehälter ausmünden, weil sonst die Gefahr besteht, daß unter Umständen ein Rücksaugen des Schinutzwassers in die Waiserleitung erfolgen könnte und damit Erkrankungen sehr leicht hervorgerufen würden. Dann dürfen die Rohren bei ihrem Ue&ergang von dem HauS nach dem Kanal nicht in engere Rohren übergehen, sondern in weitere Rohren. Das sind die wesentlichsten Punkte, die bei den Hausinstallationen befolgt werden müssen. 9hut ist die Frage. Mr haben doch schon Installationen seither gehabt; ist es nun unbedingt notwendig, daß wir alle unsere Hausinstallationen herausreißen und neue anlegen, die für die Kanäle geeignet sind? Im allgemeinen ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil, es soll unbedingt bei bem Anschluß der jetzt vorhandenen Hausans chlüsse an das Kanalnetz das größtmöglichste Entgegenkommen den 5zauAbesitzern gezeigt werden; denn nur dadurch ist es möglich, die Kanalisation allgemein und rasch zur Einführung zu bringen. Undichte Rohre dürfen selbstverständlich nicht vorhanden sein; deshalb wird jede einzelne Leitung vorher geprüft werden, ob sie dicht ist. Es dürfen außerdem keine Röhren eines größeren Querschnittes in einen engeren Querschnitt in ber Richtung des Abflusses übergehen. Dann dürfen auch Tonabfallröhren im allgemeinen in Zukunft nicht mehr zur Verwendung kommen. Aber im übrigen kann man, was bie Verwendung der einzelnen Röhren anbetrifft, bei Umgestaltung der vorhandenen Anlagen möglichst entgegenkommend sein. Etwas anderes ist es natürlich) bei Neubauten. Da müssen die Vorschriften, wie sie erlassen sind, voll zur Älnwendung kommen unb es darf Nachsicht nicht geübt werden. Aber, m. H.!, wenn auf diese Weise im Anschluß an die Neukanalisation auch die Hausanschlüsse in dieser zweckmäßigen und im Interesse der Gesundheit liegenden Weise ausgeführt werden, dann können Sie annehmen, daß die zweifellos großen Kosten, welche die Kanalisation einer Stadt auferlegt, zum Heil ber Stadt ausschlagen, unb daß bie Stadt Gießen, der geistige und der Handelsmittelpunkt von Oberhessen, auch durch die Neuanlage der Kanalisation eine weitere Forderung in ihrem gedeihlichen Fortschreiten erfährt. (Lebhafter Beifall.) Oberbürgermeister M e e u m stattete hierauf dem . Vortragenden für seine lichtvollen unb allgemein ver- stänblichen Ausführungen den Dank ber Versammlung ab unb machte barauf aufmerksam, daß Herr Oberbaurat Schmick sich bereit erklärt habe, etwaige, aus ber Mitte ber Versammlung an ihn gerichtet werdenbe Fragen zu beantworten. Oberbaurat Schmick: Es ist eben bie Frage an mich gerichtet worden, wie es mit denjenigen Kellern steht, in bie gegenwärtig bei verschiebenen Lahnwasserstänben Grundwasser einbringt. Es ist bas eine Frage, die in Verbindung steht mit den Ausführungen über Grundwasser, die ich vorhin gemacht habe. Ich habe gesagt, daß das Gruiidwasser in den tief gelegenen Teilen der Altstadt bei dem gemeinsamen System nicht in die Kanäle geführt werdeii wird. Andererseits aber sind in den Straßen die Kanäle ausgeführt, und um diese Straßenkanäle herum ist durchlässiges Material eingebracht, auch unter den Kanälen ist vielfach Kies eingebracht worden. Das ist deswegen geschehen, um in den Baugruben später, wenn die Gruben selbst zugefüllt sind, auch außerhalb ber Kanäle unb ben Kanälen entlang bas Grundwasser abzuführen. Durch diese Vorrichtung wird der Grundwasserspiegel überhaupt gesenkt, und in Zukunft wird der Lahnwasserstand nicht mehr den Einfluß auf das Grundwasser ber Altstadt haben, wie seither. Anbererseits sind aber einzelne lehr tiefe Keller vorhanben, bie jetzt bei Hochwasser ber Lahn überflutet werden unb bie so tief sind, daß man das gesamte Kanalisationsnetz unmöglich nach diesen einzelnen Kellern einrichten konnte. Hätte man dies getan, bann hätten die Kanäle sehr viel tiefer kommen müssen, unb bas hätte außerordentlich größere Kosten verursacht. Andererseits aber auch wäre die Ausmündung in bie Lahn tiefer erfolgt, und es hätte nicht an 106 Tagen durchschnittlich, sondern an sehr viel, mehr Tagen gepumpt werben müssen. Für einige Keller, die jetzt auch ihr Wasser nicht los werden können, das gesamte Kanalisationsnetz so zu verteuern, ist undenkbar. Es wird also auch in Zukunft einzelne Keller geben, bie bei Hochwasser überflutet »verden; aber dieses Wasser kann dann bei fallendem Lahnwasser abgeführt werden und zwar in die Kanäle. Die Kellerentwä>ser-ung kann in die Kanäle erfolgen, wenn bie Sohle nicht unter der Kanalsohle liegt. Es werben Rüch'tauilappen eingebracht, sodaß ba» Wasser aus ben Kellern in bie Kanäle rann, aber nicht umgekehrt aus ben Kanälen in bie Keller. Diese Rückstauklappen, die auch im Ortsstatut vorgesehen Jinb, müssen aus Schiebern bestehen, die aber nicht selbsttätig wirken, sondern Mge- schraubt werden müssen. Dadurch wird verhindert, daß ein Rückstau aus dem Kanal in ben Keller erfolgt. Wenn nun ein Keller so tief liegt, baß auch bas nicht möglich ist, bann muß in dem Keller eine kleine Hebung des Wassers ftattfinben. Das Wasser wirb also aus den Kellern in den Kanal hineingehoben. Das wird aber nur in ganz wenigen Fällen notwendig werden. Im allgemeinen wird durch die Anlage der Kanalisation in den meisten Fällen die Entwässerung der Keller mit herbeigeführt. Stadtverordneter Lober: Es herrscht hier eine gewisse Unklarheit darüber, ob, wenn Rohren bestehen in einem Durchmesser von 15 Zentimeter, ein weiteres An- chlußrohr gemacht werden kann. Oberbaurat Schmick beantwortet diese Anfrage dahin, baß ein bestehendes Rohr bleiben kann, vorausgesetzt, daß es dicht ist. Wenn aber das Hausrvhr weiter ÄÄfi* rioc. Pracht-Sammdl-Albam Europa, dazu 400 verschiedene hoch interessante und belehrende Ansichten. Anerkannt und unübertroffen ist die Wirkung aut die Haut der wissenschaftlich und technisch vollkommensten Schönheit*-, Toilette- und mildesten Kinderaeife Myrrholin - Seife Beweis: Glänzende Begutachtung von cirka 1000 Professoren und Aerzten. Myrrholin-Glycerin ist dat hervorragendste und wirkungsvollste Präparat Ur Haut und Teint. Bequeme Anwendung, fettet nicht, err lieber Wohlgernch, der Liebling aller Damen. 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ÄÖ '«LS" drulkewl' um« 161Ä äS Volkes is??iege Leser übprr^l 910 -iannes ,^^uchen wandten [LS™ Geiyg f iit t(v ihre »"^Nt Lft i li« $«r $iu” 'Nluitgenl !fl sänke kn»'.Der Di der ^dalb, - Stet \ iS S5 ET-tr r m rMge in der Es starben au: Tuberkulose der fei, als 15 Zentimeter, dann könne es nicht bleHen, denn dann würden Verstopfungen unausbleiblich sein, roeil dann ein Uebergang von einem weiteren Rohr in ein engeres erfolgen müsse. bleiben wird, so werben diesmal, aller Voraussicht nach Delbjorgen zum Semestralwechsel überhaupt nicht eintreten. Allerdings wird die Reichsbank erfahrungsgemäß aus der Provinz zum Halbjahresschluß stark in Anspruch genommen, sodaß die Flüssigkeit am offenen Markt nur zn einem Teil die Inanspruchnahme der Bank beschränken kann. Allein unter diesen Umständen ist ein rascher Rückfluß zn erwarten und es eröffnen sich auch gute Aussichten für die Unterbringung der Reichsschatzanweisungen, deren Begebung demgemäß um so rascher erfolgen dürfte. Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Geldmarkt und R e i ch s s ch a tz a n w e i s u n g e n. Am internationalen Geldmarkt herrscht nach wie vor große Flüssigkeit. Diese hat auch auf den deutschen Geldmarkt ihren Einfluß ausgeübt. Dazu kommt, daß das Geld der Seehandlung immer noch am Markt kursiert und vor dem 2ö. oder 27. ds. Alts, nicht zurückgezogen wird. Ta aber auch dann noch ein Teil dem Markt ver- Schiffs nach richten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos Kirchenplatz. Bremen, 15.Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Schnellpostdampfer „Kaiser Wilhelm der Große", Kapitän O. Eüppers vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr nachmittags wohlbehalten in Newport angekommen. Bremen, 15. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Doppelschrauben-Postdampfer „Friedrich der Große", Kapitän M. Eichel, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ift gestern 1 Uhr nachmittags wohlbehalten in Nework angekommen. Aus dem Geschüftsteffeil. Des Hauses Zier ist Reinlichkeit! Nicht gefälliger kann in jedem Haushalte dem Einlretenden Wahrnehmung die)es Wortes bestätigt werden, als durch die Sauber' feit, durch Den Glanz aller metallenen Gegenstände. Dieses Los der Ordnungsliebe der Hausfrau oder Köchin beginnt oftmals schon am Türschild und die Räume des Hauses erscheinen traulicher, wenn Alles, was aus Gold oder Silber, Aliemde, Kupfer, Messing oder ähnlichem Metall ist, in herrlichem Glanze erstrahlt. Doch leider schwindet dieser Glanz oft rasch, ober er wird überhaupt nicht vollkommen erreicht, weil mau wohl ein Putz- mittel, nicht aber besonders „Globus Puyextrakt" von Fritz Schulz jr. Akt. Ges. Leipzig verlangt hat. Er putzt am besten. Rasch und mühelos erzielt man damit einen prächtigen, lange andauernden Glanz. Globus-Puiz- extrakt kratzt nicht, greift die Metalle nicht im Geringsten an und ist laut Gutachten von drei gerichtlich vereideten Chemikern frei von allen schädlichen Bestandtellen. — Monatlich mehr als 5 Millionen Dosen, gefüllt mit diesem Putzmitlel, tragen seinen Ruhm hinaus in alle Länder der Erde. Den ivertoollsten Bestandteil des Globus-Putzextrakt, die echte Kieselkreide, erhält die erzeugende Firma Fritz Schulz jun. Akt. Ges. in Leipzig aus ihren eigenen Bergwerken mit Dampsschläminereien, in welch letzteren der Rohstoff bis zur größten Feinheit verarbeitet wird. Die Billigkeit des Globus Putzextrakt gestattet seinen Gebrauch auch im kleinsten Haushalte. Freilich giebt es Nachahmungen. Darum verlange man m allen Drogeti- Kolonial- Eisen- Kurzwaren und ähnlichen Handlungen nur Globus-Putzextrakt mit Schutzmarke „Globus mit roten Querstreifen." Vermischte». * Saarbrücken, 19. Juni. Bei einem Uebungs- marsch, den das 70. Infanterieregiment von hier nach St. Avold ausführte, hatte die Truppe infolge der großen Hitze eine große Anzahl Marode, die wahrend der Nacht nach Saarbrücken transportiert wurden. Es geht bas Gerücht, daß einer von ihnen gestorben fei * Essen a. Ruhr, 20. Juru. Bei Biderrch wurden große Salzlager entdeckt. * Gera, 21. Juni. Während eines Gewitters mit Hagelschlag schlug nachmittags der Blitz in die Kirche des Nachbarortes Oberndorf. Die Kirche wurde völlig eingeäschert. * Flensburg, 21. Juni. Ter „Fleusb. Nordd. Ztg." zufolge ist heute vormittag in unmittelbarer Nähe des Torpedoschulschiffes „Blücher" beim Manöverieren ein mit 14 Mann besetztes Boot gekentert. 12 Mann wurden gerettet, Unteroffizier Mahnte und Matrose Schnoor sind ertrunken. Tie Leiche des Unteroffiziers ist gefunden. Nach der Leiche Schnoors wird gesucht. „Gerne tat zu ihm bescheiden Ich wie zu dem Heros beten, Wenn nicht alle seine Leiden Sich allein um Eros drehten." Es ist hoch interessant und lehrreich, in dem Kremnktzs'chen Buche nachzulesen, wie Carmen Sylva sich allmählich entwickelte, als Kind bald liebenswürdig und zärtlich, bald gewalttätig und launisch, so daß ihre englische Kinderfrau von ihr sagte, es sei nichts mit ihr zu machen, wenn der „black dog" (schwarze Hund) in sie kärne^ Wir sehen das so schwer zu erziehende Mädchen unter dem Schmerze über das Siechtum ihres jüngeren Bruders Otto allmählich den „blad dog" in sein Inneres verschließen, um den Seinen feinen Kummer zu machen, aber doch niemals des Dämons Herr werden. Wir sehen das junge Mädchen als „Rekrut der vornehmen Gesellschaft" am Berliner Hofe, ein lieber junger Gast der Königin, nachmaligen Kaiserin Augusta. Auch ihrem späteren Gemahl, damals Prinzen von Hohenzollern, begegnet dort das Patkind der eben verwitweten Königin Elisabeth, und die Prinzessin stolpert sogar mit ihrer Lebhaftigkeit einmal einige Stufen der Treppe im Schloß herab, direkt in seine hilfebringenden Arme. Als acht Jahre später durch Vermittlung des Kronprinzen Friedrich von Preußen der Fürst Carol von Rumänien in Köln um ihre Hand anhielt, diente dieser Vorfall zur Anknüpfung des Gesprächs zwischen Beiden. Und dies kurze Gespräch brachte den Fürsten zum Entschluß, seine Werbung vorzubringen. Tie Mutter war von solcher Eile bestürzt, aber Prinzessin Elisabeth gab ohne Bedenken ihr Jawort, hatte sie doch immer gewünscht, einen ernsten, nach großen Zielen strebenden Fürsten kennen zu lernen, und nun wurde das höchste Ideal ihr im eigenen Gemahl verwirklicht. Was die Fürstin, später Königin Elisabeth auf dem Thron Rumäniens gewirkt hat, wie mit der Ausreifung ihres Geistes und Charakters ihr dichterisches Talent entwickelte, wie sie als überreich spendende Wohltäterin die Künste in Rumänien förderte, wie sie als Helferin in der Regentenarbeit des Gatten durch Werke der Nächstenliebe, durch neue Entwicklung, namentlich der weiblichen Hausindustrie, das Vertrauen und die Liebe des rumänischen Volkes gewann, ist allgemein bekannt und kann im einzelnenen in dem vorerwähnten vortrefflichen Buche von Frau Dr. Kremnitz nachgelefen werden. E. G. *) Verlag von E. Haberland, Leipzig, Crusiusstraße 4—6. 322 Seiten Oktav mit 23 Abbildungen. Preis brosch. Mk. 6.50. Kerichtslaal. (L-) Wegen Betruges ist am 24. November v. A. vom Landgericht Gießen der Agent Abraham I. zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte den Verkauf eines Gasthauses in Lollar vermittelt und dem Käufer verschwiegen, daß er bei dem Verkauf interessiert fei, dadurch ihr aber zur Bewilligung einer Provision veranlaßt, während er eine solche bereits vom V rkäufer erhalten hatte. Tie Revision des Angeklagten, welcher behauptete, ein ehrlicher Makler könne sehr wohl im Interesse beider Kontrahenten tätig )ein, wurde vom Reichsgericht verworfen. Szegedin, 21. Juni. Vor dem Schwurgericht begann bet Prozeß gegen die Brüder Mladen und Georg Sibul, welche am 5. Januar den Abgeordneten Er emitz in Nagykikinda auf offener Straße ermordeten. Die Angeklagten erklärten Eremitz betrog ihren Vater um sein Vermögen. Newyork, 21. Juni. 98 Leichen vom Vergnügungsdampfer „General Slocurn" wurden gestern geborgen, sodaß jetzt '<30 Leichen geborgen sind; vermißt werden noch 300. * Brände. Bei einem in Krumaph in Mähren ausgebrochenen Brande kamen eine Frau und ihre 5 Kinder in den Flammen um. — In Fiume (Istrien) wütete ein Riesenbrand, welcher bedeutenden Schaden anrichtete. Ein großes Lagerhaus, vollgefüllt mit Getreide und Kolonialwaren sowie ein Material-Magazin der atlantischen Gesellschaft wurde vollständig eingeäschert. Zwei Dampfer, welche bet dem Magazin verankert waren, fingen Feuer, konnten aber gerettet werden. * Der Zigeuner Haupt mann Peter mann aus Neu-Weißensee bei Berlin, der in der Altmark einen flotten Pferdehandel betreibt, hat nach der „Voss. Ztg." das etwa 50 Hektar große Rittergut Windberge gekauft. Gr will sich dort ständig niederlassen und eine große Pferde- zncht betreiben. Petermann kommt aber nicht allein nach Windberge, sondern mit ihm ziehen etwa 90 Stammes- genoffen mit ihren Kindern auf das Gut ein. Etwa 50 Zigeunerkinder sind in Windberge schon zur Schule angemeldet, eine große Kckrawane, etwa 50 Wagen, traf bereits auf dem Gute ein, andere Wagen mit den neuen Gutsbewohnern folgen nach. * Ein ver waister Ehemann zeigt in Nr. 177 der „Hagenauer Ztg." das Abhandenkommen seiner besseren Hälfte in folgender Form an: „Noch nicht dagewesen! Frau entlausen mit 250 Mk. (50 Mk. wurden wieder zurück- gejehidt). Abzuliefern gegen 10 Mk. Belohnung. Vieymarkt- platz 19." — Wir müssen gestehen, so bemerkt dazu die „Siraßb. Post", daß es leider öfter vorkommt, daß eine Frau einem Manne entläuft und mit mehr als 250 Mk. Das ist allerdings nicht schön, aber es Leigt auch nityt gerade von großer Wertschätzung, für die Ablieferung der Frau nur 10 Mk. zahlen zu wollen. Unter Umständen zahlt man für die Wiederbringung eines entlaufenen Hundes 10 Mk. und noch dazu die Futterkasten, die der Ehemann in diesem Fall ganz vergessen hat. Oder sollte er am Ende gar aus die Frau verzichten und nur die 200 Mk. wieder haben wollen? Das wäre begreiflich, wenn auch nicht besonders edel. Aus jeden Fall aber wünschen wir der Annonce einen guten Erfolg. * Die Leidensgeschichte einer Königstochter. Die Literatur über die Liebesgeschichte der unglücklichen Prinzessin Luise von Koburg, die bekanntlich von ihrem Gemahl, dem Prinzen Philipp von Sachsen-Koburg und Gotha in der Irrenanstalt Koswig bei Dresden interniert ist, und des ehemaligen östreichischen Ulanenoberleutnants Grafen Geza Mat- tachich-Keglevich ist neuerdings durch eine Broschüre bereichert worden, die eine Ergänzung der von Mattachich selbst verfaßten Memoiren darstellt. Der Autor der Broschüre, der sich hinter dem Pseudonym „Richard Dahl" verbirgt, hat dort eingesetzt, wo Mattachich es versäumt hat, den Schleier des Geheimnisses von jener Angelegenheit zu ziehen, die ihn in den Kerker brachte, — bei der Wechselfälschung. Dahl, der von der Unschuld Mattachichs — soweit diese bei der Fälschung des Giros der ehemaligen Kronprinzessin-Witwe Stephanie in Frage kommt — durchdrungen ist, führt einen Kampf gegen die östreichischen Behörden, die in der Angelegenheit interveniert haben, und insbesondere gegen den Vertreter des Prinzen von Koburg, den Wiener Hof- und Gcrichtsadvokaten Dr. Bachrach, den er als den Urheber des angeblich an Mattachich verübten Justizmordes bezeichnet. Der die Unterschrift der Kronprinzessin-Witwe Stephanie wirklich gefälscht hat? Dahl sagt: „Es war der ehemalige, wegen diverser Lumpereien inzwischen in München verstorbene Sekretär des Fürsten Ferdinand von Bulgarien, Pfanne n ft i e l". Die Wucherer, welche die mit Einwilligung des Prinzen Philipp von Koburg von der Prinzessin ausgestellten Wechsel diskontieren sollten, verlangten das Giro der Kronprinzen m. Da die Prinzessin wußte, daß ihre Schwester zu dieser Unterschrift nicht zu haben sein werde, ließ sie die Unterschrift durch Pfannenstiel, der hierfür mit einigen Tausend Gulden abgelohnt wurde, fälschen. . Mattachich hatte angeblich mit den Wchseln nichts weiter zu tun, als sie im Auftrage der Prinzessin dem mit den Wucherern in Verkehr getretenen Advokaten Dr. Barber, der sein Rechtsfreund war, zu übersenden. * Der Hein ft e Mann der Welt will sich verheiraten und hat diesen Wunsch durch die Zeitungen bekannt gemacht. Er bietet der Dame, die er mit seiner Hand beglücken will, „ein chönes, glückliches Heinl, einen musterhaften Gatten, viel Geld und im übrigen jegliche Freiheit". Der kleinste Mann der Wett ist ein Amerikaner. Er ist berühmt unter dem Namen .Major Charles Gantz" und wohnt in Fairsield (Iowa). Er wiegt 30 Pfund und ist 18 Zoll hoch. Er ist 39 Jahre alt und dürste daher schwerlich noch weiter wachsen. Sein Vater ift ein wohlhabender Grundbesitzer, und der Sohn hatte den Ehrgeiz, sich ausstellen zu lassen, aber die Eltern widersetzten sich mit Entschiedenheit diesem Wunsche ihres Sprößlings. Der Vater ist ein stattlicher Mann von 6 Fuß Höhe und auch die Mutter wiegt über 150 Pfund. Der Herr Major hat Geld genug, um Weib und Kind unterhalten zu können, und er ersucht alle Damen, die auf ihn reflektieren, ihm ihre Photographien mit Namensunlerschrift und Adresse einzusenden. Der Herr Major teilt ferner mit, daß er ein Tamenfreund ist gleich jedem großgewachsenen Manne, daß er das Herz emes Riesen be- itzt, und daß er bereits zwei Mal m Liebe entbrannt war, daher dieses Gefühl ihm wohlbekannt sei. Kinder Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Karmen Sylva. Am 29. D^ember des vergangenen Jahres feierte die Königin Elisabeth von Rumänien ihren 60. Geburtstag. Dem Ernste, der Tatkraft, der hohen Intelligenz und militärischen Tapferkeit seines Königs Karl dankt Rumänien die geachtete Stellung, die es heute unter den Mächten Europas einnimmt. Seiner Königin, der Dichterin Carmen Sylva, dankt das rumänische Volk eine Erhebung zu feineren Sitten, zur Pflege der Künste und Wissenschaften, eine poetische Verklärung, die ganz wesentlich dazu beigetragen hat, das große Lebenswerk feines ersten Königs zu ergänzen, den Lorbeeren, die Rumäniens Armee auf den blutigen Schlachtfeldern von Plewna errang, die Friedenspalme anzureihen, welche das Ehrenzeichen idealer Kunst ausmacht. Die Dichterin Carmen Sylva dankt die vielfachen Huldigungen, die ihr von den edelsten Geistern aller Kulturvölker Europas dargebracht wurden, wahrlich nicht dem Königsdiadem, das ihr Haupt schmückt und sie über Millionen anderer Sterblichen hinaushebt. Wäre Carmen Sylva auch einer bescheidenen bürgerlichen Familie entsprossen, sie hätte sich unter den Sängern ihrer Zett in gleicher Weise als vollwertige Künstlerin von Gottes Gnaden durchgesetzt und zur Geltung gebracht. Und doch lebt, jubelt, klagt und * singt eine fürstliche Seele in ihren Dichtungen, doch ist ihre po.tisuw Natur nur aus dem Prmze^chen zu erfassen und su erklären, als das sie unter dem Gloaengeläute der zwölften Mittagsstunde in Wied als das erste Kind des Fürsten Hermann und der Fürstin Marie zu Wied am 29. Dezember 1843 geboren wurde. Von dieser wunderbar begnadeten Frau, die doch auch auf den sonnigen Höhen ihres Daseins dem Leid und Schmerze ihren Tribut reichlich hat zollen müssen, ift seit Jahrzehnten schon vieles zu ihrer Würdigung gesagt und geschrieben worden. Aber noch nie ist in so anregender Weise, frei von liebedienerischer Schmeichelei, die Seele »Carmen Sylvas, diese ihr ganz eigenartige Durchdringung der überaus selbstbewußten Fürstin, der starken Jch-Natur und der allen Regungen der Güte, der Menschenliebe, der Begeisterung sich freudig hingehenden Dichterin geschildert worden, wie in der kürzlich erschienenen Biographie Carmen Sylvas von Bitte Kremnitz,*) der langjährigen Vertrauten und Mitarbeiterin der Königin, mit der sie unter dem Pseudonym Tito und Idem eine Reihe guter und wohlaufgenommener Erzählungen veröffentlichte. Wer üi den Dichtungen der Königin zuweilen starken gedanklichen Aeußer- ungen begegnete, die sich scharf von der Sentimentalität der gekrönten guten Fee abhoben, wer manchmal in den duftigen Rosen, die sie streute, spitze, stechende Tarnen fand, der mußte sich fragen: Woher plötzlich dieser trotzige Kampfesmut in der Frau, die von allen guten Engeln und Geistern durchs Leben getragen wurde? Und gerade diese Frage findet in dem Buche von Mite Kremnitz ihre volle und trefflichere Antwort, sie zeigt uns die zwei Seelen in der Brust der Dichterin, die sich voneinander trennen wollen und in ihrem Zusammenklang erst uns das Wesen der Frau verständlich und dadurch doppelt interessant machen. Tie „unversiegbare innere Lustigkeit", mit der Carmen Sylvas früh verstorbener Vater das Wesen seiner Tochter Elisabeth sehr richtig kennzeichnete, und das Bedürfnis, das Sehnen nach Leid, Kampf und Schrecken, das sich aus ihrer Dichterseele losringt und von dem eigenen Ich sagt: „Das gewaltigste Wort, das je Aus Menschenmunde gekommen, Aus welchen Fernen von Weh Hat's durch Nächte geglommen, Aus welchen Tiefen von Dual Ist das Wort schon gedrungen? Von welchem blutenden Pfahl Ward's los wohl gerungen?" — * Danzig, 20. Juni. In Heubude wurde die zehnjährige Tochter des Zimmermanns Nötzel von einem Manne in den Wald gelockt, der sie dort überfiel. Der Täter wurd^c fpäter ergriffen. Das Mädchen ist schwer verletzt. * London, 21. Juni Nach einer Lloydmeldung aus Futschau ist der chinesische Dampfe r,,Haeshin" total verloren. 4Näheres ift noch nid# bekannt. Man befürchtet schweren Verlust an Menschenleben. Paris, 21. Juni. In dem Jrrenhause in Bicetre brach gestern abend an fünf Stellen Feuer aus. Die Kranken im Flügel der Gemeingefährlichen konnten nur mit größter Anstrengung gerettet werden. Ter Sachschaden ist ziemlich beträchtlich. Tas Feuer soll von einem Geisteskranken angelegt worden sein, der bereits vor Jahren einen Mordversuch gegen einen Anstaltsarzt verübt hat. * Paris, 21. Juni. In Nantes stürzte bei dem gestrigen Pferderennen ein Unterleutnant mit feinem Pferde und blieb auf der Stelle tot * Dreux, 18. Juni. Bei Brezolles (Dep. Eure-et-Loire) stürzte gestern das Automobil des Sohnes des Herzogs von Audisfret-Pasquier, als es mit einer Geschwindigkeit von 90 Kilometer dahinfuhr, infolge Platzens des Pneumatiks um. Audiffret-Pasquier erlitt schwere innere Verletzungen, an denen er heute vormittag gestorben ift, seinen Mechaniker trifft keine Schuld. * Wien, 19. Juni Gestern fand in der evangelischen Kirche die Trauung des Göttinger Professors Rudolf Meißner statt mit Fräulein Fischer aus Göttingen. * Durban, 21. Juni Unter den nach Johannesburg unterwegs befindlichen chinesischen Kulis ist die Schlafkrankheit ausgebrochen. .Auf einem Dampfer allem sollen 40 Fälle vorgekommen sein. Das verbindende Element dieser Gegensätzlichkeiten ... ... Seele Carmen Sylvas ist eine berbe Keuschheit, die nichts mit gewöhnlicher Prüderie gemein hat, die sich aber in starkem Widerspruch gegen den Aphrodite-Kultus auslehut, auch da, wo sie einen Genius wie Goethe in diesem Kultus befangen sieht Strachwitz und selbst der burschikose Scheffel waren der stolzen Rheintochter mehr als Goethe, und sie bekannte diese Abneigung offen: «Landwirtschaft. Der Zuckerrübenanbau Eu ropas nach der Umfrage der Statistischen Vereinigung: Amtliche Angaben 1903: Deutschland 415 586 Hektar, Oesterreich 309100 Hektar, Frankreich 234 260 Hektar, Rußland 535 100 Hettar, Belgien 59 150 Hektar Holland 40 345 Hektar, Schweden 27 378 Hektar, Dänemark 14 000 Hektar, zusammen 1634 919 Hektar. Schätzung der Vereinigung 1904: Deutschlaird 411390 Hektar, Oesterreich 321000 Hektar Frankreich 189 090 Hektar, Rußland 487 233 Hettar, Belgien 45 000 Hettar, Holland 35 856 Hektar, Schweden 24 875 Hektar, Dänemark 14 000 Hektar, zusammen 1528 444 Hettar. In Deutschland haben 5 Fabriken den Betrieb eingestellt, eine Fabrik wird mangels Rüben nicht arbeiten. Den obigen Zahlen sind folgende Bemerkungen hinzuzufügen: Deutschland: In Handels- kreisen rechnet man mit dem gleichen Anbau wie im Vorjahr Oesterreich wird allgemein auf 5 Prozent Mehranbau geschätzt. Frankreich: In diesem Jahr ist der Spekulationsanbau größer denn je. Da Spiritus fallende Preise, Zucker steigende Pretse hat, nimmt man an, daß der Zuckerfabrikation noch ein beträchtlicher Teil Rüben zufallen dürste. Belgien: In Handelskreistn rechnet man auf 10 Prozent Minderanbau. Holland: Anbau in gleicher Höhe wie im Vorjahre. Rußland: Umackerungen aus» gewinterter Getreidefelder dürften den Minderanbau geringer werden lassen. UötiMÜitzt zikderjicht der ToiesMe mLerSIM Hießen. 19. Woche. Vom 1.—7. Mai 1904. (Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 (inki 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 37,8 nach Abzug von 0 Ortsfremden: 22,68 l7oo. Summe 20 (8) 14 (7) 4 (1) 2 Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Lungen 3(1) 3(1) _ — Tuberkulose der Knochen 1 1 Lungenentzündung 4(1) — 3(1) 1 Krämpfen 1 — 1 Lebeusschwäche 1 — 1 — Altersschwäche 3(2) 3(2) _ — Krebs 4(1) 4 (1) — Empyem Kl) 1 (1) — — Unterleibsentzündung 1 (1) 1 (1) — — Ileus 1 (1) 1 (1) — —