4 Sa** kT« IO3*S werden yi« ^enis repariert neB überzogen. Casseler ihimfabrik in" Seltersweg 9. W lstklltllgDk ttkikche m: mW«W empiehlm B der ÄM Teltersweg. ter-enita In übertroffen! Iwohlriechend ujparser, ür feine Wasche uh )iJette-Seife. UtitnH ttUMtb. erzen aparte Arnheiter L Welz Srltersweg 6. tL lin. er, BliUchcll, W teten jedes Gesicht, bar man sich täglich M ' )M"-Lilienmilch|ei!r iv Psg. Mem-ch^ . Schwager W .rogerieMartt^si gM> er fich selbst regierenden freien Bürger. Diese Solidarität :ivird genährt und gepflegt auf verschiedene Weise, sei es in «ernster politischer Beratung, sei es auf Kongressen, sei es in Wettkampf und Spiel, und in dieser Beziehung.kann man wohl sagen: Es liegt ein tiefer Sinn im kindschen Spiel. Nun, meine Herren! Wir sind hier zusammen, um geuf dem Spiel der Wellen uns zu messen, die Kräfte, die »Geister, die Mannschaften und unsere Boote. Wir vereinigen im wenigen Tagen fast alle Flaggen der .Kulturvölker. Es wird neben unseren Farben wehen Englands Flagge, das Ster- uenbanner und die Trikolore in friedlichem Wettstreit nnb Hamit auch im Verein. Ich glaube bestimmt, meine Herren, M niemand unter Ihnen ist, der nicht mit mir die Ansicht «teilt, daß auch in der Kieler Woche diese Solidarität, ioon der ich vorher sprach, .gepflegt, gehegt und fester geschmiedet und fester geknüpft wird. Dieser Solidarität überhaupt es der Kaufmann, der Industrielle, der kllckerer, wenn er in ruhiger Arbeit sich fortschreitend entwickeln 8!amt; denn er hat auf die Zukunft Vertrauen. Ich, mteine Herren, sehe mit absoluter Ruhe und Vertrauen in die Zukunft, fußend auf das Bild, .das uns soeben entworfen wurde und in diesem festen Vcrttauen erhebe ich mein Glas und trinke auf die Zukunft, das Blühen und Gedeihen der Stadt Hamburg, des Norddeutschen Regattavereins und aller Jachtklubs: Die Stadt Hamburg hurra, hurra, hurra! Der Krieg zwischen Japan und Kußland. Nach der Schlacht von Wasangou. In unserem gestrigen Depeschenteil findet sich ein Telegramm an den Zaren, in dem Stackelberg eine vorläufige Zusammenstellung seiner Verluste machte. Danach hatte er einen Gesamtverlust von 3120 Offizieren und Mannschaften. Dabei ist zu beachten, daß hier nur über die beiden Gefechtstage bei Wasangou berichtet wird; was während des weiteren Rückzuges der Truppen geschehen ist, weiß man noch nicht, und doch treten immer bestimmtere Gerüchte auf, denen zufolge ihnen die nachdrängenden Japaner ganz gewaltige Verluste beigebracht haben sollen. Rach einer heutigen Meldung aus Petersburg soll Stackelberg auf seinem Rückzüge bei Haitschöng in einer mörderischen Schlacht während eines ungeschützten Marsches durch einen kombinierten Angriff der japanischen Artillerie fünftausend Mann verloren haben. Die von Stackelberg gewählten, für ihn höchst ungünstigen Routen waren den Japanern verraten worden. — Ueber London kommt folgende Meldung: Die Zahl der russischen Toten und Verwundeten in der Schlacht bei Wasangou ist erheblich größer, als von den Russen eingestanden wird. Aus Riutschwang wird gemeldet, daß 3500 Verwundete mit der Bestimmung nach Charbin durch Taschikan kamen. Es herrscht absoluter Mangel an Medizinalvorräten. Die Zahl der getöteten Russen überschreitet weit 2000 und Gefangene werden noch immer eingebracht. Inzwischen haben die Japaner ihren östlichen Flügel wieder etwas zurückgenommen, -Has Zentrum und der linke Flügel aber sind unaufhaltsam nach Nordwesten und Norden vorgerückt. Unter dem Eindruck dieser Situation soll auch im russischen Hauptquartier die Erkenntnis von der Notwendigkeit energischer Offensive durchgedrungen sein, obwohl die Regenzeit allen groß angelegten Operationen zur Zeit durchaus im Wege steht. Aber da äußerste Gefahr im Verzüge ist, will Kuropatkin anscheinend kein Mittel unversucht lassen, um den Dingen eine andere Wendung zu geben. Die russische Armee, heißt es jetzt, marschiere aus Liaujang südwärts und konzentriere sich bei Haitschöng, wo schon zwei Divisionen stehen; auch befinde sich eine bedeutende Abteilung bei Hsiabata; in Ssaimatsi seien 6000 Mann und eine Batterie angekommen. Stackelberg sei durch einen Eilmarsch in einer Sturmnacht zwei konvergierenden japanischen Kolonnen entkommen, eine dritte japanische Kolonne soll ihn jedoch 30 englische Meilen westlich von Siujen angegriffen haben. General Nodzu befehligt die Japaner. Eine sibirische Schützenbrigade unter General Krondatienko stehe mit Stackelberg in Berührung und suche seinen Rückzug zu decken. Kuropatkin dirigiere die Operationen persönlich von einem Punkt nördlich von Haitschöng. Wie ein Telegramm de§ Generaladjutanten Kuropatkin an den Kaiser vom 19. d. Mts. meldet, haben die Japaner in der Gegend von Ssaimatsi und Föngwantfchöng nicht nur ihren Vormarsch eingestellt, sondern sich zurückgezogen. Mehrere Punkte im Norden von Föngwantschöng, die sie erst kürzlich eingenommen hatten, sind von ihnen geräumt worden. Der begonnene Vormarsch japanischer Trrippen nach dem Dalinpaß sst eingestellt worden. Dagegen rücken recht bedeutende Streitkräfte in der Richtung auf Ssiujen- und Kattschau oder Ssiujen-Taschttfchau vor. Man meldet aus Riutschwang, es verlaute, die japanische Kavallerie habe Samstag zu vorgerückter Stunde Liaujang angegriffen. Ein Missionar erhielt von Eingeborenen die Mitteilung, daß die Schlacht am 20. Juni noch fortgedauert habe und Liaujang am 21. Juni nachmittags genommen sei. Ein Kriegskorrespondeut erschossen! New York, 21. Juni. (W. B.) Die „Newpork World" erhielt ein Telegramm ohne Unterschrift mit der Mitteilung, daß Oberst Emerson, einer ihrer Kriegskorrespondenten in Ost- afien, von sich zurückziehenden Russen erschossen worden sei, wett sie ihn fälschlich für einen Spion hielten. Großfürst Nikolaus statt Kuropatkin? Paris, 21. Juni. Dem „Echo be Paris" zufolge geht in Petersburg das Gerücht, daß Großfürst Nikolaus beauftragt worden sei, die drei russischen Armem, sobald dieselben vollzählig auf bem Kriegsschauplätze eingetroffen seien, an stelle Knro- patkins zu befehligen. Man glaubt jedoch nicht, daß dieses Glicht eine ernste Grundlage besitze. Inzwischen ist nun auch der japanische Hochstkommandierende ernannt worden. Dem Londoner „Daily Telegraph" wird • 1 ffend die Zukunft Deutsch- Südwestafrikas vorlegen wird. Wie verlautet, Zollen im Laufe der Monate Juli und August 1600 Mann an weiteren Verstärkungen nach Deutsch-Südwestafrika entsandt werden. Die neuen Verstärk- -ungen sollen aus berittener Infanterie, Artillerie und einer Signalabteilung bestehen. Die neueste Verlustliste ergibt noch den Tod von 10 Mann an Krankheiten, meist Typhus und Herzschwäche, und von zwei Mann, die Verwundungen erlegen sind. Im ganzen bat der Aufstand bis jetzt 275 Opfer gefordert: 00, die von den Aufständischen ermordet wurden, und 185 Militärs. Gefallen oder Verwundungen erlegen sind 17 Offiziere (darunter zwei Hauptleutei und 123 Mann, an Krankheiten während des Feldzuges gestorben: ein Offizier und 14 Mann. Die Deputation der südwestafrikanischen Ansiedler, die bestimmt darauf gerechnet batte, noch während der Kieler Woche vom Kaiser empfangen zu werden, wird, wie verlautet, erst nach Beendigung der Kieler Regatta in Berlin zur Audienz b"foblen werden. Der „Derl. Lokalanz" meldet aus Okah an dja: Gouverneur Leutwein traf gestern vormittag hier ein und wurde von Generalleutnant v. Tr o tb a, der ibm mit seinem Stabe entgegengeritten war, berzlichft empfangen. Deutsches Deich. Berlin, 21. Juni. Der Kaiser bat dem Staatssekretär des Reichspostamts die Anerkenmmg für die Einrichtungen der Post auf der ©aalbürg beim Gordon-Bennett- Rennen ausgesprochen. Staatssekretär Krätke teilt dies jetzt seinen Beamten durch einen Erlaß mit. Dortmund, 21. Juni. Bei Gelegenheit des achten westfalischen Landgemcindetags hier empfahl der Regierungspräsident von Arnsberg, Freih. von Coels, den Gemeinden, rechtzeitig ausreichenden Grundbesitz zu erwerben. Es sei nicht richtig, dann erst Grundstücke für die Gemeinde an- zukaufen, wenn das Gebiet bebaut werden solle. Besonders sei ein solches rechtzeitiges Vorgehen im hiesigen Jndustrie- bezirk sehr zu empfehlen, doch auch in rein ländlichen Bezirken schade es durchaus nicht, Grund und Boden seitens der Gemeinden anzukaufen. Die Gemeindeglieder würden sich später sicher dyn Da.ik der Gemeinde erwerben. Wenn eine Gemeinde mit einem Grundbesitz zur rechten Zeit mit eingreife, um die Wohnungsfrage zu lösen, dann treibe sie gesunde Bodenpolitik ohne die Klinke der Gesetzgebung in Tätigkeit gesetzt zu haben. — In neuerer Zeit haben die Gemeinden im hiesigen Jndustriebezirk größere Grundstücke zur Anlage von V olksparks erworben oder zur Errichtung von Heilstätten, aber weniger um der ungesunden Bodenspekulation entgegenzutreten. Düsseldorf, 21.Juni. Heute fand hier die 22. Generalversammlung des rheinischen Vereins zur Förderung des Arbeiter-Wohnungswesens statt. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete ein vom früheren Präsidenten der Generalkommission der Rheinprooinz, Wirkl. Geh. Regierungsrat Küster, ausgearbeiteter Gesetzentwurf, betreffend Umlegung von Grundstücken zur Erschließung von Baugelände und Bildung geeigneter Baustellen in der Rheinprovinz. Der Gesetzentwurf lehnt sich an die für die wirtschaftliche Zusammenlegung von Grundstücken geltenden gesetzlichen Bestimmungen an und sieht als Organ die Umlegungskommission und die Generalkommission der Rheinprooinz als entscheidende Instanz vor. An die Rede des Geheimrats Küster knüpfte sich eine lebhafte Er- örtenmg, in der besonders Oberbürgermeister Adickes- Frankfurt die Einsetzung der Generalkommission als entscheidende Instanz bekämpfte. Das hieße das Ministerium für Landwirtschaft zur entscheidenden Instanz für die Städteerweiterung zu machen. Die Versammlung beschloß, den Entwurf mit den in der Erörterung geäußerten Bedenken dem Staatsministerium mit der Bitte um geeignete Gesetzgebung vorzulegen. Im weiteren Verlauf der Versammlung sprachen der Vorsitzende der rheinischen Feuer-Sozietät, Dr. Brandts, sowie Rechtsanwalt Dr. Hinsberg-Düsseldors über die Notwendigkeit der Gründung einer Bank für zweite Hypotheken. München, 21. Juni. Der vereinigte erste und zweite Ausschuß der Kammer der Reichsräte lehnte einstimmig das Wahlgesetz ab, ebenso den Antrag Moy, betr. das Wah lrecht der Geistlichen. Ausland. London, 21. Juni. Aas Reuterschc Bureau meldet aus Mombosa: Der Kommissar des Ostafrika-Protektorat s,Sir Charles Eliot, legte seine Stelle nieder. Er richtete an Balsour eine Depesche, worin er eine öffentliche Untersuchung über die Umstände verlangt, die zu seinem Rücktritt führten. .Eliot versichert, der Minister des Aeußeren habe ihn angewiesen, Landkonzessionen an bestimmte Privat-Per- sonen zu verweigern, gleichzeitig aber dem Ostafrika-Syndikate ein Landesmonopol zu unverhältnismäßig vorteilhaften Bedingungen zu gewähren. Diese Anweisungen habe er sich auszuführen geweigert,, da er sie für ungerecht und schädlich halte. Paris, 21. Juni. Die Kommission zur Untersuchung der Karthäuser-Angelegenheit vernahm heute Millerand. Im 'weiteren Verlaufe ereignete sich ein sehr bemerkens- werterZwischensall. Die antiminifterielle Mehrheit äußerte die Absicht, die Kammer sofort mit der Prüfung der Widersprüche zwischen den Aussagen Lagraves und Edgar Combes zu befassen. Ties rief große Erregung hervor. Die Minderheit verließ den Sitzungssaal. Der Zwischenfall war von unglaublichen Szenen begleitet. Ms ein Mitglied der Mehrheit einem der Minderheit das Wort Bandit zurief, entstand ein Handgemenge. Tintenfässer flogen d u r ch "d i e L n f t und Schläge wurden ausgetauscht. Erst nach mühevollen Anstrengungen, welche die Mitglieder machten, die ihre Kaltblütigkeit bewahrt hatten, gelang es, die Streitenden zu trennen. Lissabon, 21. Juni. Die amerikanische Regierung hat Schritte unternommen, die Insel Flores, welche zu den Azoreninseln gehört, zu erwerben. Sie soll als Landungspunkt eines amerikanischen Kabels sowie zur Errichtung eines Kohlendepots dienen. Madrid, 21. Juni. Die Polizei verhaftete gestern abend einen Mann, der die Absicht ausgesprochen haben soll, den Ministerpräsidenten M a u r a zu töten. Rom, 21. Juni. (Kammer.) Bei Beratung des H e eres- bud g e t s führte der Ministerpräsident aus, seit Verabschiedung der Gesetze von 1901, welche die Heeresausgaben festsetzten, trat nicht nur keine Tatsache ein, die eine Erweiterung der Landesverteidigung notwendig mache, man habe sogar im Gegenteil Bündnisse und Freundschaftsverhältnisse enger geknüpft. Nicht mit Rücksicht auf die Wahlen habe daher die Regierung keine neuen Aufwendungen für Militär gefordert, sondern weil sie keine Notwendigkeit dazu habe. Bern, 21. Juni. Der Nationalrat bewilligte einstimmig und ohne Diskussion 890000 Franken für eine Minenanlage behuss militärischer Sicherung des Simplontun- n e ls. Konstantinopel, 21. Juni. Nach Konsularberichten aus Armenien geht dort alles d r u n t e r u n d d r ü b e r. Die letzten Meldungen sprechen von 40 e i n g e ä scher te n Dörfern. Die Kurden morden alles, was ihnen vor die Klinge kommt. Die Truppenbefehlshaber entschuldigen die Vorgänge bei den Konsuln damit, daß sie nicht genügend Mannschaften hätten. Der französische und englische Botschafter protestieren gegen die Untätigkeit der Behörden bei der Pforte. Chicago, 21. Juni. In dem hiesigen Kolosseum wurde heute der republikanische Nationalkonvent eröffnet. Der stellvertretende Vorsitzende, der bisherige Kriegsminister Root, führte aus, die gegenwärtige Regierung habe die öffentliche Schuld verringert, einen wirksamen Fortschritt in der Regelung des Trustwesens erzielt, das Geschästsleben gefördert, die Landwirtschaft vorwärts gebracht, die Flotte ausgebaut, das Heer reorganisiert, den Philippinen eine Zivilverwaltung gegeben, in Kuba eine Republik errichtet, welche mit den Vereinigten Staaten durch die Bande der Dankbarkett und durch das Interesse der gemeinsamen Verteidigung verbunden sei, einen offenen Weg quer durch den Isthmus erschlossen, die Monroedokttin gestärkt, den Alaska-Grenzstreit beendet, die Integrität Chinas beschützt, dem Handel weitere Türen geöffnet, das Schiedsgerichtsprinzip zur Geltung gebracht und den Frieden unter den Nationen gefördert. Indessen habe die Regierung die Streitkräfte vermehrt, die Flotte auf einen hohen Grad der Schlagfertigkeit gebracht und Heer und Marine in der Küstenverteidigung wie in den strategischen Aufgaben überhaupt geübt. Es müsse noch eine Regelung des T r u st w e s e n s erfolgen; ferner könnte jetzt der Zolltarif eine Revision erfahren, toelcbe von den Freunden des Schutzzollsystems durchzuführen wäre. Ms Europa fürchtete, daß der o st a s i a t i s ch e Krieg sich ausbreiten, und den Zusammenbruch Chinas und einen allgemeinen Kampf herbeiführen könnte, da sei es Amerika gewesen, an welches der begabte, weitblickende deutsche Kaiser sich wandte, daß es die Führung übernehme, um eine Vereinbarung über die Begrenzung des Gebietes der Feindseligkeiten und die Bewahrung der administrattven Wesenheit Chinas außerhalb der Mandschurei zustande zu bringen, und dies sei auch erreicht worden. Aus Stadt und Land. Gießen, den 22. Juni 1904. ** Die Stadtauflage unserer heutigen Nummer bringt in einer besonderen Beilage — 4. Blatt — einen stenographischen Bericht von dem kürzlich hier von Oberbaurat Schmick gehattenen außerordentlich beachtenswerten Vortrage über die Kanalisation der Stadt Gießen. Auswärtige Leser unseres Blattes können, soweit die Auflage e§ zuläßt, den Vortrag von unserer Geschäftsstelle beziehen. L. U. Der außerordentliche Professor an unserer Landes- Universität Dr. Joseph Wellstein hat einen Ruf als außerordentlicher Professor an die Universität Straßburg erhalten und angenommen. ** Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Lollar, Friedrich Weinrich, August Titze und Ludwig Rohrbach; ferner den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Lampertheim, Franz Adam Hüter I., Martin Fischer, Adam Sud- Heimer und Johannes Krämer. * * Das Personalverzeichnis der Landes- Universität im Sommerhalbjahr 1904 ist uns heute im Druck zugegangen. ** Akademischer Gesangverein Gießen. Man schreibt uns: Als der akademische Gesangverein im Jahre 1899 auf sein 80 jähriges Bestehen zurückblicken konnte, da feierte er sein Stiftungsfest im Februar mit einem wohlgelungenen Konzert, an das sich eine stark besuchte Zusammenkunft aller Mitglieder und Freunde des Vereins anschloß. Seit jenem Tage ist der Verein stetig weiter fortgeschritten, sowohl was die Zahl seiner Mitglieder anlangt, als auch was die Werke anlangt, die er unter der vorttefslichen Leitung seines Dirigenten, des Großh. Universitätsmusildirektors G. T r a u t m a n n zur Aufführung brachte. In diesen vergangenen fünf Jahren sind u. a. folgende Werke mit großer Hingebung eingeübt worden: Schumann's Paradies und die Peri, Haydn's Schöpfung, Mendelssohns Elias, Schumanns Faustszenen, Händcl's Messias, Wolfrums Weihnacbts- mhsterium, Beethovens Missa solemnis, Brahms' Deutsches Requiem, Beethoven's 9. Sinfonie und endlich nach Berlioz Kindheit Christi usw., die I. S. Bach'sche Matthäuspaffion. Welche Unsumme an Zeit und an Fleiß sind nicht die Mitglieder des Vereins bereit gewesen zu opfern, um so viele der schwierigsten Werke aufzuführen! Und auch welche Opfer an Geld mußten gebracht werden, um die Aufführungskosten zu decken; denn zumeist blieb ein größeres oder kleineres Defizit und nur in seltenen Fällen wurde ein U eberschuß erzielt. Nur der Jdealis- mus, mit dem die Musik wie kaum eine andere Kunst die Menschen zu erfüllen vermag, läßt solche Mühen und Opfer an Zeit und Geld freudig daranwenden. Tas gilt in unserer Zeit doppelt, wo, alle Welt mehr als je für alle möglichen Bestrebungen in Anspruch genommen zu werden pflegt, in einer Zeit auch, wo des Berufes Pflichten schwerer denn je auf jedem lasten, der es überhaupt ernst mit feinem Leben nimmt. So ist es auch eine ernste beharrliche Arbeit, keine eitle Spielerei, gus der solche Aufführungen reifen, wie sie der akademische Gesangverein geboten hat und weiter zu bieten hofft! Mit diesem Bewußtsein darf der Verein auf die letzten fünf Jahre ganz besonders zurückblicken, wenn er sich nun anschickt, sein 85. Stiftungsfest wiederum mit einem Konzert zu feiern, und wir hoffen, daß der Verein an seinem Ehrenabend seine musikalischen Gaben einem musilliebendcn und zahlreich erschienenen Zuhörerkreis darbieten darf. Es wird vielleicht das letzte Konzert sein, das der Verein selbständig als alleiniger Konzertgeber veranstaltet, da eine Vereinigung geplant ist, in deren Rahmen später der Verein, berufen sein wird, die regelmäßigen Choraufführungen durch seine Mitwirkung zu ermöglichen. Wie alles andere, so sind auch die Konzertunkosten, sollen die Aufführungen auf der erreichten Höhe bleiben und fortschrcitcn, erheblich gewachsen: soll das gesteckte Ziel erreicht werden, so ist der Zusammenschluß aller maßgebenden Faktoren nötig: Einheit schafft Macht! Möge das geplante Werk gedeihen! Tas geplante Konzert wird am 6. Juli im Neuen Saalbau «Steins Garten» unter Mitwirkung hervorragender Solisten stattfinden. Eine gesellige Vereinigung wird sich anschließen. Das Programm usw. wird demnächst noch bekannt gegeben. * * Fußball. Vor einigen Tagen gründete sich in Gießen ein zweiter Fußballklub unter dem Namen „Gießener Ballspiel-Klub". Dieser hält ebenfalls seine Uebungsspiele an Sonntagnachmittagen auf dem Trieb ab. • • Deutsch-evangelische Seemanns mission. Sonntag, den 26. ds. Mts. wird Pfarrer Möller von der deutschen Seemannsmiffion in London den Vormittags-Gottesdienst in der Johanneskirche abhalten. Die deutsch-evangelische Seemannsmiffion bedeutet ein gewaltiges Liebeswort der ganzen deutschen Christenheit, durch das im Ausland, in den für Leib und Seele so gefährlichen Hafenstädten, den einsamen und freundlosen deutschen Seeleuten die Heimat, heimatliche Liebe und Stütze gebracht werden soll. Bei der großen Bedeutung, die der deutsche Handel heute hat, ist e§ klar, wie wichtig es ist, daß auch für die Seeleute gesorgt wird. Und diese Notwendigkeit tritt noch ernster uns entgegen, wenn wir hören, wie einsam und verlassen, verführt und auSgebeutet der deutsche Seemann im Ausland ist. TaS Missionswerk, das diese Aufgabe Deutschlands übernommen hat, die deutsch-evangelische Seemannsmiffion, hat schon große Ausdehnung gewonnen und treffliche Erfolge zu verzeichnen, aber es kann nicht bestehen und seine Aufgabe nicht erfüllen, wenn nicht alle Teile Deutschlands, die ja dach Söhne zum Dienst auf See hinaus ziehen lassen, dazu beitragen und ihr starkes Jntereffe zeigen. Pfarrer Möller wird näheres über die Arbeit berichten. Freundliche Beiträge nehmen die hiesigen Pfarrer gerne entgegen. Wehrh eim i. T., 21. Juni. Jenatzy schwebte, wie das „Herborner Tagbl." schreibt, am Freitag in großer Gefahr, a n der Hom burg-Ufinger Bahn zu zerschellen. Die hiesigen Stationsbeamten ließen den kurz vorher eingelaufenen Zug abfahren, ohne an den ersten am Start abgelassenen Rennfahrer zu denken. Auf Zurufe hin stieß die Lokomotive zurück, und im nächsten Augenblick fegte Jenatzy wie ein Sturmwind über das Geleis. R. B. Darmstadt, 21. Juni. Zwei schwere Unglücks fälle haben sich gestern hier ereignet. Ms am Mittag eine ältere Dame in der Rheinstraße einen Wagen der elektrischen Straßenbahn besteigen wollte, wurde sie von einem Wassersuhrwerk erfaßt, zu Boden geworfen und ütierfilmen, wobei sie so schwere Verletzungen erlitt, daß sie sofort ins städtische Krankenhaus geschafft werden mußte. — Der zweite Unfall passierte auf der Straße nach Är- heilgen in der Näbe der E. Merckschen chemischen Fabrik. Dort kam in wahnsinniger Eile ein Auto mobil dahergesaust. Ein Soldat auf dem Zweirad, der ihm entgegen* kam, wollte schnell noch dem rasender: Ungetüm ausweichen und bog zur Seite, er wurde aber dabei an einen Baum gefchleuoert und trug schwere Verletzungen am Kopfe davon. Nachdem dem Unglücklichen in der Merckschen Fabrik die erste Hilfe zuteil geworden war, wurde er in das Militär- lazarett transportiert. Darmstadt, 21. Juni. Der Bundesvorstand beruft den 14. Bundestag der deutschen Bodenreformer auf den 15. und 16. Oktober zu un§ nach Darmstadt. Tagesordnung: 1. „Die Schwindsucht und die Wohnungsfrage." Referent: Pros. Dr. Max Grüber in München. 2. „Die Wasserkräfte — bie Bergwerke der Zukunft." ioi’'ife(\ 51«s. *De bn "?»' 6 >r an, Jwn. '> iS*: '""Ä> S1* « >04 if»1. "nni>e§, 111 beute i# Ä® ife N-, rrSs «.ärg*>'S >.■*?• s L-W- ren sind» worden- ~Ä, ° ®e'i: »tote &S** u x ^Ntl-bes L. nach Bcrlioz N>luspaHon. WelL °n Geld mutte decken; btr ?nLnur" ,,e*t Nur der Kirnst die Mensche n'd 5pser an Zeit ui '.unserer Zeit doppelt ll'chen Begebungen n 11 emer Zeit auch, n- ans lebem lasten, k nmmt So ist cs Dune - vielem, pus dä ^nt'sche Gesangverer ■Wit diesem Beivutztsm : ganz besonders zurliö 85. Ttistungssk und wir hassen, d: ne musikalisckien Gass neuen Zuhörerkreis b: t Konzert sein, das L onzertgcbtt veranstalt f'n Rahmen spater it Rigen Choraussührun^ Lie alles andere, so fr: sslihrungen aus der a wheblich gewachsen - i;.: >st der ZusammeM- )tit schasst Macht! Äss lante Konzert wird er rten! unter Mitwirft,! ? gift lüge Percinigu:: w. wird bemnädjft M 3««»’ !*# « 5«ito9 >“ j, * gen d-t-i i’ -'7L-"s <$«** pi, n *”? czrundete sich it »em Äamen ,Tiesten seine Uebungsspielec? ib. Aeemannsmissio' mr Möller vonbr ien Vormistags-ToM Die deutsch-evangclss ltiges Liebeswort! § im Ausland, in t »afenstSdten, den r Seeleuten die M werden soll. $'/ »anbei heute hat, V fit die Seeleute gew noch ernster uns ' und verlassen, vers i im Ausland i|t. • . ntschlands übernor * niffion, 6«* *. £ - Erich« i“ Aig-b- n# tr” >ie j« d°ch 1 b«i« ***••> Oct wird I qe »-hm-" d"' - j Referent: Prof. Dr. Schär in Zürich. 3. , Bodenreform und Kolonialpolitik". Referent: Admiral Dr. BäterS in Charlotten- burg. R. B. Darmstadt, 21. Juni. Das große Waldfest, das von der hiesigen Studentenschaft zu Gunsten des Baufonds für die Bismarcksäule auf dem Dammerberg heute und morgen stattsindet, nahm nachmittags 4 Uhr bei prächtigem Wetter einen viel Erfolg versprechenden Anfang. DaS große, idyllisch gelegene Wiesenterrain am Oberwaldhaus mit dem auf Veranlassung Sr. kgl. Hoheit des Großherzogs neu geschaffenen Steinbanker Teich bot einen prächtigen Anblick dar. Ueberall hatten die einzelnen studentischen Korporatiönen größere Zelten, Buden oder Hütten errichtet, in denen der Eigenart der ganzen Einrichtung entsprechend kostümierte Gestalten beiderlei Geschlechts ebenso eigenartige Getränke oder Imbisse darreichten, zumeist sogar bei den Klängen „echter^ Musikkapellen. Da das Publikum bald in sehr zahlreicher Schar anrückte, so entwickelte sich schon wenige Stunden nach der Eröffnung ein buntbe- wegteZ Bild und eine fröhliche Stimmung, in der man ja auch der Wohltätigkeit weniger Schranken zu sehen pflegt. Auch Staatsminister Dr. Rothe und Finanzminister Dr. Gnaulh beehrten mit Familie das Fest mit ihrem Besuch. Da die Errichtung der zahlreichen fliegenden Baulichkeiten fast ausschließlich auf Kosten der studentischen Verbindungen erfolgte resp. von deren Angehörigen selber ausgeführt wurden und auch die meisten Speisen, Getränke und Bazargegenstände von den hiesigen Geschäftsleuten gratis geliefert wurden, so steht ein glänzendes Erträgnis des Waldfestes für den schönen Zweck zweifellos zu erwarten. Frankfurt a. M., 20. Juni. Der Roman des Leutnants Bilse hat für einen darin auftretenden „Helden" schlimme Folgen gehabt. Ein Oberleutnant, gemeint war der Oberleutnant Witte vom Forbacher Trainbataillon, wurde darin als Schuldenmacher hingestellt. Witte hat nun in dem Bilse-Prozeß unter Eid in entgegengesetzter Richttmg ausgesagt. Ermittelungen, die daraufhin gegen den inzwischen entlassenen Offizier vorgenommen wurden, führten zur Einleitung einer Untersuchung wegen Meineides. Witte befindet sich hier in Untersuchungshaft. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In H u n g e n ist die Lehrer Riedelsche Imkerei am vorigen Freitag total niedergebraunt, wobei 16 wertvolle Bienenvölker und viel Honig verbrannten. Mit Mühe konnten einige außerhalb stehende Schwärme gerettet werden. Die Entstehung des Feuers ist nicht bekannt, der (^schädigte nickt versichert. — Prinz Heinrich hat bei der Firma Angriff Ulrich in Frankfurt einen neuen IOpferd. Benzwagen gekauft, mit dem er am Sonntag das Rennen am Forsthause besuchte. — In Offenbach hat sich die Gattin des dort wohnenden Kaufmanns H. auf dem Friedhöfe erschossen. — Regierungs- und Baurat Dittmar in D a r m st a d t, langjähriger Oberbetrievsinspektor der Main-Neckarbahn, ist plötzlich einem Schlaganfalle erlegen. — Der Einjährige Sipmann vom Artillerieregiment in Kassel, Sohn eines vermögenden Kaufmanns aus Hagen, erschoß sich, weil er im Verdacht stand, 300 Mk. ferner Wirtin gestohlen zu haben. — Wegen beleidigender Aeußerungen gegen den Kaiser wurde in einer Herberge in Aschaffenburg der Pflasterer Thon aus Worms v erh a f te t. * Posen, 21. Juni. In Ligota bei Ostrowo wurden ein Ansiedler und dessen Sohn vom Blitze erschlagen, als sie mit Arbeiten auf einem Kartoffelfelde beschäftigt waren. * Schwerin, 21. Juni. Heute vormittag entluden sich schwere Gewitter, von Hagelschlag begleitet, stundenlang über Mecklenburg. Vielfach zündeten Blitze. * Paris, 21. Juni. In der Vorstadt Clichy verbrannten drei Kinder in einem Wagen einer umher- ziehenden Theatergesellschaft. • Triest, 21. Juni. Der Buchhalter Lächer der hiesigen Filiale der internationalen Transport-Aktiengesellschaft wurde verhaftet; er soll sich an den Unterschleifen des flüchtig gewordenen Kassierers dieser Gesellschaft beteiligt 'zaben. * Prag, 21. Juni. In Gablonz in Böhmen wurde eine lange gesuchte Falschmünzerbandc verhaftet, die zahlreiche falsche 20 Kronen-Goldstücke an Kirchenfesten verausgabte. * Die erste Vorstellung der Buren, welche den Transvaalkrieg auf der Ausstellung in St. Louis darstellen, hat am 20. d. Mts. stattgefunden. 200 Buren und 200 englische Soldaten stellen die verschiedenen Episoden der Schlacht bei Colenso sowie die Gefangennahme Cronj es in Paardeberg dar. Ueber 15 000 Personen verfolgten dieses Schauspiel. Die Generale Cronje und Vil- joe n ernteten reichen Beifall. (Es tut uns in der Seele weh, wenn wir uns die Burenhelden auf dem internationalen Krammarkte jenseits des großen Teiches vorstellen als Spaßmacher ä, la Buffalo Bill und Barnum u. Bailey vor den sensationslüsternen Herren Pankees. So erfüllt sich dort das altrömische Verlangen nach „panem et circenses!“ D. Red. d. Gieß. Anz.). * Vom „Kordel-Bännel-Rennen". Im „TaunuS- boten" lesen wir folgende hübsche Gordon Bennett-Witze. Im Volksmunde wurde schon lange das Rennen geläufiger: „Kordel-Bännel-Rennen" genannt. — Andere nannten es, weil zum Schutze der Rennstraße ein Kordon von Soldaten aufgestellt war, das „Kordon-Bennett-Rennen". — Wirklich passiert soll sein, daß zur Zeit des Trainings ein Rennwagen im Walde von einem Waldhüter angchalten und notiert wurde, weil der Führer desselben nach der Ansicht des Beamten ohne Erlaubnis — im Walde geschossen habe. — Als am Donnerstag die Luisenstraße in Homburg von Automobilfahrzeugen aller Art sehr belebt war, fragte ein Ueber- höckster Bauer einen anderen, mit dem er zu dem Schauspiele hergereist: »Wozu habbe dann die Wage all noch so en große Ring hinne uffgebunne?", — worauf der andere antwortete: „Na, du dumm Oos, daß se sich rette könne, wenn sc ins Waffer falle; des is doch e Schwimmgürtel!" ' „Nit gewäsche. Im „Höchster Kreisblatt" lesen wir folgende hübsche Geschichte: Bei der Impfung in Hofheim wurde am linken Arm geimpft. Ein Mädchen aus Lorsback, das dabei mitgeimpft wurde, machte aber den rechten Arm frei, weil eS zu Hause gehört hatte, es würde am rechten Arm geimpft. Als der Doktor fragte, warum es den linken Arm nicht frei mache, sagte eS: „Ei, Herr Doktor, der is doch nit gewäsche!"___________________________________ Kunst und Wissenschaft. — Ein in Berlin lebender bayrischer Kunstfreund überwies dem königlichen Münzkabinett in München ein Geschenk Don 25 000 Mark zum Ankauf hervorragender Werke der antiken und der modernen Stempelschneide- und Medaillier- kunst. Herichtssaal. Berlin, 21. Juni. Im Pommernbank-Prozeß be- antragte der Staatsanwalt gegen Schultz sechs Jahre Gefängnis und 70000 Mark Geldstrafe, gegen Ro- meickfünfJahre Gefängnis und 45000 MarkGeld- strafe, gegen beide außerdem zehn Jahre Ehrverlust und gegen Bohl drei Monate Gefängnis. Nach dem Plädoyer des Staats- amvalts wurde die Verhandlung auf Donnerstag vertagt. Danzig, 21. Juni. Im Prozesse wegen Schlägerei zwischen Leibhusaren und Mannschaften des ersten Train- bataillons verurteilte das Kommandanturgericht den Leibhusaren Kosanke zu 3 Monaten Gefängnis: die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen, weil sie in Notwehr gehandelt hatten. Wegen Beleidigung der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg, der 25jährigen Tochter aus erster Ehe des regierenden Großherzogs, wurde, wie wir gestern mitteilten, in Braunschweig der Chefredakteur Dr. Sierke von der „Braunschw. .Landesztg." zu vier Monaten Gefängnis verurteilt .Die „Braunschw. Landesztg." hätte im Sept-nnber eine Mitteilung aus Lübeck veröffentlicht, die die Rückkehr der Herzogin nach längerem Aufenthalt an der Riviera usw. zum Gegenstand hatte. In einer Schlußbemerkung war eine Parallele gezogen worden zwischen der Krankheit der Herzogin und zwei Prinzessinnen des großherzoglich 'Strelitzschen Hauses; in letzterer erblickt die Anklagebehörde die Beleidigung. Ter Vorsitzende bemertte, vor mehreren Jahren sei viel darüber gesprochen und geschrieben worden, daß die beiden Prinzessinnen des Fürstenhauses Strelitz in bedenklicher Weise gegen die Grundsätze von Sitte und Moral verstoßen hätten. Dr. Sierke versicherte wiederholt, daß ihm jene Angelegenheit bei Veröffentlichung .des inkriminietten Artikels nicht in diesen Details bekannt resp. bewußt ^gewesen sei, daß die Form der Bemerkung die ihr von der Anklage gegebene Deutung erfordere. Zur Verlesung kam die Aussage des kommissarisch vernommenen bekannten M i- nisters Ruh ft rat in Oldenburg. Dieser erklärt das über die Herzogin verbreitete Gerücht für ganz unwahr. Der Verteidiger beantragte, Frhrn. v. Plettenberg-Washington und die Herzogin Sophie Charlotte noch vernehmen zu lassen. Die Herzogin habe Herrn v. Plettenberg herzliche, innige Neigung geschenkt, und das fei der Grund gewesen, weshalb Frhr. v. Plettenberg nach Washington versetzt worden sei, und zweifellos habe auch das Verweilen der Herzogin an der Riviera dazu dienen sollen, die im Herzen der Herzogin entfachte Liebe zu ertöten. Aufgefallen sei auch, daß der Großherzog von Oldenburg im März d. I. nach Washington gereist sei. Wenn von einem liebel die Rede sei ähnlich jenem, das die mecklenburgischen Prinzessinnen befallen habe, so könne diese Bezeichnung auch schon dann anwendbar sein, wenn es sich nur um ein Verhältnis handle, bei dem so starke Staatsunterschiede obwalteten wie hier. Man brauche dabei nicht eine weitergehende Deutung anzuwenden. Eine solche Herzensneigung könnte sehr wohl als ein Uebel bezeichnet werden, und weiter sei im inkriminierten Artikel auch nichts behauptet worden. Der Gerichtshof lehnte den Beweisantrag mit der Begründung ab, daß die demselben zu Grunde liegende Behauptung ruhig als wahr unterstellt werden könnte. Ter Staatsanwalt hob als hesonders erschwerend hervor, daß die Mitteilung von einem achtbaren Redakteur in einem anständigen Blatte gemacht worden sei, dessen Glaubhaftigkeit bekannt sei. Dabei habe sich ein jeder sagen müssen, wenn ein solcher Mann wie der Angeklagte in einem solchen Blatte so etwas veröffentlichte, so müsse etwas Wahres daran sein. (Also der achtbare Redafteur eines anständigen Blattes ist schwerer in "(Strafe zu nehmen, wenn einmal in seinem Blatte eine Beleidigung gegen irgend jemand enthalten ist, als der verantwortliche Zeichner eines Revolverblattes? Das ist doch eine Logik, die zu gar üblen Konsequenzen führen müßte. D. Red. d. G. A.) Der Doktortrtel. Das preuß. Kamrnergevicht hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob die königliche Verordnung über die Führung der mit akademischen Graben verbundenen Titel vorn 7. April 1897 zu Recht bestehe. Hiernach bedürfen preußische Staatsangehörige, die einen akademischen Grad außerhalb des Deutschen Reiches erwerben. zur Führung des damit verbundenen Titels der Genehmigung des Ministers der geistlichen Angelegenheiten. Ein Tierarzt H. hatte von der Universität Bern den Toktortitel erworben und diesen Titel ohne Genehmigung des Kultusministers in Preußen geführt. Er wurde daher auf Grund der kgl. Verordnung vom 7. April 1897 in Verbindung mit §'360 (8) des Reichs-Strafgesetzbuches angeklagt und sowohl vorn Schöffengericht als auch vom Landgericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Diese Entscheidung focht H. durch Revision beim Kammer gericht an und stellte in dlbrede, daß die kgl. Verordnung vom 7. Llpril 1897 recktsgiltig fei. Von unbefugter Führung eines Titels oder einer Würde könne hier auf keinen Fall die Rede sein, beim er habe den Doktor- titel rechtmäßig von der Universität Bern erworben. Das Kammergericht wies jedoch die Revision des Ange- klagt en als unbegründet zurück und nahm an, daß die Kabinettsordre vom 7. April 1897 rechtsgiltig erlassen sei. Arbeiterbewegung. Frankfurt a. M., 21. Juni. Bei der Frankfurter Metallwerken I. Patrick sind 35 Arbeiter in den Ausstand getreten. Ein Berichterstatter meldet nun, daß es zwischen den Ausständigen, die vor der Fabrik postiert waren und den Arbeitenden, als diese aus der Fabrik kamen, zu ernsten Auftritten gekommen sei. Tie Polizei schritt ein und hat gestern nachmittag 8 Verhaftungen und heute vormittag weitere 5 Verhaftungen vorgenommen. Nniversttäts-Machrichlerr. — Professor Krönig in Jena hat einen Ruf nach Frei- bürg als Nachfolger Hegars angenommen, nachdem Prof. Pfannen stiel den Riss obäelebnt bat. _____ Handel und Verkehr. Volkswirtschaft Neue 3proz. hessische Staatsanleihe. Wie wir erfahren, wurde die gestrige Zeichnung auf 9.5 Millionen Mark obiger Anleihe bereits mittags bei allen Zeichenstellen wegen Erschöpfung des Betrages geschlossen. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Heften für Donnerstag, den 23. Juni 1904: Meist heiter, Temperatur wenig verändert, nachts kühl, tags mäßig warm, trotten. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Neueste Meldunqen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 22. Juni. Der Kaiser hat, wie das „Kl. Journ." erfährt, vor seiner Abreise ans Hamburg dem Präsidenten des deutschen Automobilklubs, Herzog von Ratibor, seine Geneigtheit kundgegeben, dem deutsch en Aut o m o b i I- ub beizutreten und fortan bei seinen Automobilfahrten daS offizielle Klubabzeichen zu benutzen. — Die Angelegenheit des Masseurs Köhler, 8-x den Leichnam der in seiner Wohnung verstorbenen Fttlu Redatus zerstückelte und beiseite schaffte, dürfte vielleicht gar nicht zu einer gerichtlichen Verhandlung kommen. Es sollen sich die Anzeichen dafür mehren, daß Köhler unter der Wucht aller Folgen seines Verbrechens in Verfolgungswahnsinn verfällt. München, 22. Juni. Prinzregent Luitpold hat an. den Finanzminister von Fiedel ein sehr gnädiges Hand-! schreiben gerichtet, in welchem er dem Minister mitteilt, et könne sein Entlassungsgesuch nicht annehmen. Devj Regent hebt die hohen Verdienste Riedels um das Land her- vor und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß Riedel noch soi lange wie möglich an der Spitze der bayrischen Finanz- Verwaltung stehen möge. Paris, 22. Juni. Die Opposition versuchte in der Kammer einen heftigen Ansturm gegen den Ministerpräsidenten Co mb es infolge der Interpellation Firmin Faures, welche die Suspendierung Edgar Combes und Lagraves fordert unter Hinweis darauf, daß die beiden hohen Staatsbeamten sich gegenseitig Lügner genannt, haben. Die Interpellation wurde schließlich entsprechend dem Verlangen des Ministerpräsidenten nach kurzer leidenschaftlicher Debatte mit 384 gegen 220 Stimmen bis nach Abschluß der Enquete vertagt. Bordeaux, 22. Juni. Die Pferde eines Wagens, in dem sich sechs Personen befanden, gingen infolge Scheuwerdens vor einem Automobil durch. Der Wagen wurde in einen Graben geschleudert, ein Insasse getötet, die übrigen schwer verletzt. Salzburg, 22. Juni. Ein großes Unwetter richtete im Gebirge bedeutenden Schaden an. Im Tauern- gebiet sind die Alpenweiden durch den Hagel und den Austritt von Gebirgsbächen vernichtet, zahlreiche Felder sind durch den Austritt der Bäche überschwemmt. Newyork, 22. Juni. Von den Opfern der Brand - katastrophe auf dem Dampfer „General Sloeum" sind bis jetzt 8 0 5 Leichen geborgen, doch werden noch. 300 vermißt. Die Zahl der Vermißten nimmt noch-immer zu, da das Verschwinden ganzer Familien erst allmählich bekannt wird. So ist bei der Katastrophe eine Witwe Weber mit ihren fünf Kindern umgekommen. Die Gesamt-! zahl der Erkrankten und Verbrannten dürste sicher tausend übersteigen. ♦ Boni Kriege. Tokio, 22. Juni. Die gestrigen Gerüchte, daß das' Wla diw ost o k g esch w a der in der Nähe von Kynshn. in einen Kampf verwickelt worden sei, erweisen sich alS- falsch. Die Russen leiteten' die japanischem Schiffe auf eine falsche Spur, indem sie sich dem Anschein gaben, als dampften sie in der Richttmg nach! Hakodate. Es glückte ihnen auf diese Weise, wieder nach^ Wladiwostok zu kommen. Die Regierung arbeitet einen besonderen Plan aus, der die Sicherheit zukünstigett Truppentransporte gewährleisten soll. — Aus Port Arthur wird gemeldet, die Russen machen hier große Anstrengungen, die blockierenden japanischeu Schiffe zu zerstören, doch haben sie dadurch große Schwierigkeiten, daß es für größere Kreuzer als den Novik unmöglich ist, den Hafen zu verlassen. Die Stimmung der- Truppen ist gedrückt. Die Offiziere kündigen an, Porb Arthur bis zum letzten Manne und bis zum letzten Geschoß! verteidigen zu wollen. Warschau, 22. Juni. Außer der Einberufung fterj hier lebenden 300 Reserveoffiziere erhielten nunmehr fämt* *; licf) e in Russisch-Polen lebenden R e serve-i Offiziere Ordre, sich auf den Kriegsschauplatz zu begeben. Paris, 22. Juni. Ter ,.Eclair" berichtet über London/ daß auf einem der japanischen Transportdamp- fer, welche von den Mssen in Grund gebohrt' worden sind, sich der Befehlshaber der 4. jap'a-; nischen Armee mit dem gesamten Stabe befunden habe^ Petersburg, 22. Juni. Hier sind Nachrichten eingelaufen, wonach die Verluste des Generals Gerne-^ groß auf dem rechten Flügel bei Wafangou sich auf 87 Offiziere und 2038 Mann beliefen. Paris, 22. Juni. „Echo de Paris" berichtet ansi Petersburg: Die ersten Abteilungen des 6. Armeekorps § beginnen auf dem Kriegsschauplätze einzutrcsfen. Die 10.4 und 19. Division ist unterwegs. Täglich treffen 1500 bx» 2000 Mann Verstärkungen der Japarrer ein. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. JTl., 21. Juni. 3Ve% Reiohsanleihei' . . 102.00 30/n do. ... 90.35 Zi/,°/o Koneola . ... 102.00 8% do......90.35 W/n Hessen .... 100.00 31 ft% Oberhesson . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 100.90 4l/ß % Oesterr. Silberrente 99.90 4% Ungar. Goldrente . . 99.60 4°/o Italien. Rente , . . 103.20 4r2% Portugieser , . . 61.00 80/ Portugiesen.....60.35 1% C. Türken .... — Türkenlose......127'80 4% Griech. Monopol.-Anl. 41.35 41/. % ünflsere Arnenfiner 43 60 3O/o Mexikaner .... 26.40 4*/»% Chinesen .... 88.40 Electric. Schuckert . . . 103.00 Nordd. Lloyd . . . . 100 50 Kreditaktien . . . , . 201.50 Diskonto-Kommandit. . . 187.20 Darmstädter Bank . . 137.10 Dresdener Bank .... 250.40' Ber’iner Handelsgee. . . 152.25 Oesterr. Staatsbahn . . . 136.20 Lombarden.....17.10 Gotthardbahn .... 192.00 Laurahütte...... 246.00 Bochum.......191.00 Harpen er...... 200.60 Tendenz: fest. Sie wird gelobt .. -■ ■■■■virwi— schon nun Kochen der Wäsche und zum Auswaschen gebraucht haben, weil sie vorzüglich reinigt ohne die Hände der Wäscherinnen und ohne die empfindlichsten Stoffe anzugreifen, deswegen der stetige steigende Absatz von Gioth's gemahlener Kernfeife mit Salmiak und Terpentin. Per Paket nur 15 Pfg. Alleiniger Fabrikant: I. 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Jmn 1904 vorgenoininenen planmäßigen Verlosung wurden auf 1. Oktober 1904 folgende Schuldverschreibungen der Stadt Gießen zur Rückzahlttng bestimmt: Lit. zu 2000. Mk. u b. vom 1892 er Lit. F Es wird dies 5452 A B C D E 1000 500 300 200 G H J K mit 32, 74, 101 2, 45 5, 13, 49 24 39 a. vom 1890 er Auleheu: 121, 148, 172, 188 11, 26, 98, 134, 158, 289 38, 80, 88, 131, 181, 267, 281, 295, 387 41, 64, 97 79, 112, 115 Auleheu: zu 2000 Alk. „ 1000 , „ 600 , - 300 , „ 200 „ Gießen, den 20. Juni 1904. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Einlösung dieser Schuldverschreibungen und zwar vom 1890 er Anlehen bei der Stadtkasse Gießen unb bei der Dresdener Bank-Frankfurt a.M. vom 1892 er Auleheu [bei der Stadtkasse Gießen und bei den Bankhäusern A. Heichelheim- Dießen, Ephraun Meyer & Sohn-Hannover, Meyer & Plaut- 'Kassel und Gebrüder Neustadt-Frankfurt a. M. erfolgen kann und daß die Verzinsung mit Ende September 1904 aufhört. Aus der vorjährigen Verlosung ist noch nicht zur Rückzahlung vorgelegt worden Lit. C 222. Die Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung eines Tienstwohn- gebäudes mit Wirtschaftsgebäude sowie eines Güterjchuppen-An- baues an den Warteraum auf Haltepunkt Dorlar sollen ungeteilt vergeben werden. Verdingungsunterlagen tönneh hier eingesehen und soweit der Vorrat reicht, auch mit Ausnahme der Zeichnungen gegen postfreie Einsendung von 2 Mark bezogen werden. Angebote sind bis Mittwoch bett 6. Juli b. I., nachmittags 4 Uhr, einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. 5436 Wetzlar, 21. Juni 1904. Kövigl. Eisk»liahv.§ktrirbo.Iospektioil. 03495s Ein gut erh. Fahrrad preiswert zu verk. Schloßgasse 5. Hund oder Hündin, 2/< Jahr alt, billig zu verkaufen. 5428 Näheres Grünbergerstraße 3, II. Ihuif-Okriidjc Haus mit Ihsiriidjaft und etwas Hofraum zu kaufen ge- sucht. Off.unt. ^ti‘,03476 a.d.Exped. ?di vermieten j Zimmer | 5242] Vom L Oktober ab ist die von Herrn Major Morneweg z. 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