Erstes Blatt 154. Jahrgang Montag 21. November 1904 Hchnlstrotze r. glbrefie für Teveren: Anzeiger Gtetzen. FernIprechanWgutzNr 61 vezagsprst», monattrch 76 M, oterteU jährlich W. 8L0; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Vf.; durch die Poft Mr. 2.— viertel- iährl außfchL Bestellg, Annahme von Anzeige» jur die TageSnummer bis Dormtttagd 10 Uh^ ßetlenprctS. lokal 12Pf^ nußrodrtß 20 Pfg. Verantwortlich für den poltl und augem. Teil P. Wittko: für ,Stadt and ßanb* und -ß^enchtßlaal*: August Goetz, für den An- Nr. 274 ,«glich ander Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Familien* hlüller Viermal in der Woche beigelegL AotationKdruck il Verlag bet Brüh l'schen Unwers.-Buch-u. Stein- brodereL 9t Öangt General-Anzeiger w Amk- Md Anzeigeblatt für den Kreis Siebt, ----—— .... ..... ... zeigenteil: öanß Beck. —- ■ i —— - —— — > - • ------- ----------- Ale Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten, Ausschreiben. 30 0 Mark Belohnung. In der Nacht vom 5. auf 6. lfd. Mts. Hot die am 2. März 1874 geborene Emmy Winkler ihre elterliche Wohnung heimlich unter Umständen verlassen, die die Annahme rechtfertigen, daß ihr ein Unfall zugesioßen, oder aber, daß sie sich ein Leid angethan hat. Die Vermißte ist etwa 1,60 Meter groß, von schlanker Statur, hat dunkelbraunes Haar, dunkle Augen und Stumpfnäschen. Sie war bekleidet mit braunem Kleid, schwarzem Iaket, schwarzem Strohhut und weißer Leibwäsche gez. E. W. Wir ersuchen um Anstellung eifriger Nachforschungen nach der Vermißten und Drahtnachricht mit dem Ansügen, daß eine Belohnung von 300 Mk. ausgesetzt ist. Gießen, den 7. November 1904. Großherzogli (Uiteiamt Gießen. Herberg. Air Mer/olivnfl unseres Krvf6,rzogs mit Wrinzrsiin Eleonore von Lich, 21. Nov. Die Verlobung Sr. Kgl. Hoheit des Groß Herzog 8 mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Eleonore von Solms-Hohensolms-Lich hat gestern im hiesigen fürstlichen Schlöffe stattgefunden. Diese frohe Botschaft verkündete heute vormittag bereits unser in der Stadt verbreitetes Extrablatt. Mit jubelndem Zuruf wird diese Kunde in dem gesamten hessischen Volke ausgenommen werden und lauten, freudigen Wiederhall finden weit über die Grenzen der drei Großh. hessischen Provinzen hinaus in allen deutschen Gauen. Daß gerade dieser anmutigen Fürstentochter ihr hoher Kindheitsgespiele und Jugendfreund aus dessen froher Gießener Studentenzeit die Hand zum Lebensbunde reichte, daß ein Kind des engsten Heimatlandes die Hessenkrone fortan zu tragen von unserem innig und treu geliebten Landesherrn erkürt uSvrden ist, daß eine Hessin unsere Landesmutter werden soll, daß sie berufen ward, den hessischen Frauen, ihren Landsmänninnen, voranzuteuchten in allen Tugenden edler Weiblichkeit, das erfüllt aller Hessen Herzen mit höchster Freudenfülle. Der gestern abend im Fürsten-Schlosse zu Lich geschlossene Bund bringt die Erfüllung der besten Wünsche aller Hessen, indem es die dynastischen Hoffnungen des Landes, wie sie sich an das Blühen und Gedeihen unseres Fürstengeschlechts knüpfen, in eine ferne Zukunft hinüberzuleiten verheißt. Mögen unser Großherzog und Prinzessin Eleonore, und mit dem hohen Brautpaare das hessische Volk dereinst den Tag segnen dürfen, an dem sie sich zu einander fanden. Fürstenehen werden häufig nicht im Himmel geschlossen. Die geringe Zahl der heiratsfähigen Töchter aus regierenden Familien, die bei der Wahl einer Gattin für die deutschen Monarchen doch zumeist allein in Betracht gezogen zu werden pflegen, macht schon diese Wahl schwierig. Dynastische Familieninteressen und bis zu einem gewissen Grade auch staatspolitische Rücksichten erschweren sie zumeist noch mehr. Großherzog Ernst Ludwig hat alle derartige traditionelle Staats- raison als überflüssig und veraltet bei Seite geschoben. Erließ die Monarchenpaläste Monarchenpaläste sein, pochte an die Tür eines seiner Maguatenhäusec und ward mit Armen der Liebe und Treue empfangen. Die frohe Botschaft aus Ltch kam nicht unerwartet. Seit Jahr und Tag bereits hatte sich die geschwätzige Fama bemüht, für unseren Landesherrn eine zweite Frau, für Hessen eine zweite Großherzogin ausfindig zu machen. Man tappte lange im Dunkeln und wies nach den rebengeschmückten Gefilden eines Fürstenschlosses an der Bergstraße. Dann aber, bafb nachdem unser Landesherr die letzten Manövertage als Gast auf Schloß Lich zugebracht hatte, tauchten andere Gerüchte auf, die indeß fast von Tag zu Tag eine andere Fassung annahmen. Man war also nicht viel klüger als zuvor, weil eine Nachricht der anderen widersprach. Am gestrigen Sonntage, nachmittags um 5 Uhr, traf Se. Kgl. Hoheit mit Automobil, von einem Adjutanten begleitet, im Schlosse zu Lich ein und am Abend war im engsten Kreise Familientafel, bei der wohl die Verlobung proklamiert worden fein mag. Heute früh wurden von Lich aus die ersten Telegramme entsandt. Auch Herrn Provinzialdirektor Dr. Breidert ging eine telegraphische Verlobungsanzeige zu. Prinzessin Eleonore, die Braut unseres Großherzogs, eine Dame von großer schlanker Figur, prächtigem blondem Haar und leuchtenden Augen von Geist und Güte, ist die älteste der unvermählten Schwestern des Fürsten Karl von Solms-Hohensolms-Lich. Sie ward am 17. September 1871 zu Lich geboren, ist also drei Jahre jünger als ihr hoher Bräutigam. Sie ist von den sieben Kindern des verstorbenen Licher Fürstenpaares das vierte. Ihre Eltern waren der zwei Tage nach ihrem 28. Geburtstage, am 19. September 1899, verstorbene Fürst Hermann und d- erst im Mai d. I. dahingeschiedene Fürstin Agnes, geb. Gräfin zu Stolberg-Wernigerode. Ihr ältester Bruder, Fürst Karl, war geboren am 27. Juni 1866. Er ist seit 1894 mit der Prinzessin Emma zu Stolberg-Wernigerode vermählt und Vater eines zehnjährigen Knaben und eines sechsjährigen ^öchterchens. Ihr zweiter Bruder, Prinz Richard Ludwig, kam, wie sie, an einem 17 September zur Welt. Er ist vier Jahre älter als sie und seit 189 8 mit einer Gräfin von ^olms-So^-..-walde vermählt. Dieser Ehe entivroß im Satire 1901 em Töchterchen. Die älteste Schwester, Prinzessin Anna Elisabeth, geb. 20. September 1868, ist seit September 1889 mit dem Grafen Johannes zu Lnnar vermählt. Ihre jüngeren Schwestern sind die Prinzessin Marie Mathilde, geb. 24. August 1873, vermählt seit 1898 mit dem Grafen Richard Emil zu Dohna-Schlo bitten, und die unvermählten Prinzessinnen Karoline, geb. 27. Mai 1877, und Dorothea, geb. 20. Oktober 1883. ♦ T’Qß fürstliche und gräfliche Haus Solms führen ihren k Stamm des Satt scheu üi'nigs Konrad I. zurück, uno fern E cafenstand schreibt sich von der wirkliche Verwaltung eines uralten Grasenamtes her. Ti.' H>esr Trab n" und Solms traten schon durch heirat ehedem in verwandtschaftliche Ve- r-ehunam. So n^r u. a. n Friedrich M"on'.s v"n Solrns- anbach (gest. 1561) ein Sjxribbniber des Lrnd"r"fen RhiOpvs des Großmütigen. Tie Beziehungen des Darmfl^d^r b -w. der ^amüie^des Bringen K^rl vrn Geifert zu dm fü wichen Familien zu Solms g-stalte^n V. h besonders freundlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ter Vater der Braut. T^rff loermann, und der 1900 gestorbene Graf Friedrich zu S üms-Lmiba chlagen. Man bemerkt auf dem rechten Flügel, daß die Ja- laner Befestigungen und Truvpenabteilnngen vorschieben, an- cheinend in der Msicht, am Sch a ho anzugreifen. Unsere Artillerie zwang den Feind zum Rückzüge. Auf der Ostfront rückt eine starke Abteilung vor, mn unsere Flanke zu umgehen. Es ist noch nicht bekannt, ob es wirklich die Vorhut einer großen Truppenabteilung ist oder ob eine Kriegslist vorliegt, welche d-ie Javaner anwenden, in der Hoffnung, daß wir unser Zentrum entblößen werden. In der Armee herrscht die feste Neberzeugung, daß wir Mulden behaupten werden. Der Geist der Armee ist ausgezeichnet. Eine große Schlacht am Schaho? Tie zunehmende Tätigkeit am Schaho, so wird aus Tokio gemeldet, scheint auf eine nahe bevorstehende große Schlacht hiiizudeuten. Tie S ch e i n b e w e g u n g e n der Russen haben offenbar den Zweck, die Japaner vorzulocken; ihre An- griffe wurden sämtlich zurückgeschlagen, doch scheinen dre Javaner ihre Erfolge nicht ausgenutzt zu haben. Tas japanische Hauptquartier hat folgenden Beriet des Marschalls Oyama vom 18 November erhalten: Heute bei Tagesanbruch machte eine feindliche Abteilung einen Angriff bei H f i n g hu n g t u n , wurde abrr zorückgeschlagen. Seit dem Vormittag unterhält der Feind aus der N"he von Schahopau auf unsere Stellungen ein indirektes -veuer mit Mörsern und Feldgeschützen, er hat jedoch keinen schaden angerichtet. Bei Hsianjantsou wurde eine russische In- f^nterieabteilung entdeckt und von uns beschossen, worauf sie in Verwirrung nach dem nahegelegenen Dorfe floh. Tie Eisenbahn im Osten von Mukden ist bis nach Futsch uu verlängert worden. Tie Kohlengruben lieferten eine große.Menge Kohlen Tie gegenseitigen Stellungen der bechen Arnwen fern äußerst stark; die Erdarbeiten wurdm sorgfältig in Stand gesetzt, sodaß jede Armee, welche zum Angriff vorgeht, sicher schwere Verluste erleidet. Tie javanischen Batterien, welche dm Vutilowhügel beschießen, richten ihr Feuer so gut, daß sie die Stellung^mit einem wahren Hagel von Gesckwssen bedecken. Von der äußerßen rechten Flanke cingetrnffeite Offiziere teilen mit, daß gestern auf dieser Seite ein Gefecht begonnen habe. Tokio, 20. Nov. Eine Teveiche aus dem mandschurischen Hauvtquaxtier von, gestern nachmittag meldet: Tie Japaner be- schosü'n eine feindliche Jnfanterieabteilmrg, die östlich von Reich- iangtou mit Schanzarbeiten beschäftigt war, und trieben auch in den .Nachbardörfern liegende Fußtruppen in die Flucht, sonst ist keine' Veränderung eingetrcten. Port Arthur Tie Japaner erlitten am 15. November vor Port Arthur eine neue Niederlage. Ein wütender Angriff auf Port Arthur wurde am 17. November wieder unternommen und es heißt, die Japaner hätten,einige Minengünge in wichtigen Stellungen besetzt. Tie japanische Armee vor Port Arthur berichtet, daß die Beschießung mit Schiffsgeschntzen eine Explosion des russi- f ch e n Pulver-Magazins beim Arsenal herbeiführte. Tie Tätigksit bei den Angriffen auf die Forts schreitet planmäßig fort. General Stössel meldet dem Kaiser unterm 2. Nov.: Alle Sturmangriffe vom 25. Okt. bis 2. Nov. wurden durch den Heldenmut «uinserer Tnappen abgeschlagen. Ein furchtbarer Sturm fand am 30. Oktober statt. Aber durch einen Bajonettangriff der Reserven und durch die Tapferkeit der Schützen wurde d^r Feind überall zurü^geschlagen. An dftsem Tage unternahmen die Japaner keinen Sturm mehr. — Eine große Menge Leichen der Japaner konntm nicht fortgcschasft werden. Am 31. Oktober fanden zwei Sturmangriffe, um 4 Uhr und 9 Uhr nachmittaas, statt, doch wurde der Feind beide Male durch unsere Bajonette und Pyroxilinbomben zum Rückzug gezwungen. General Stössel nennt ferner eine Anzahl von Offizieren, die sich besonders verdient gemacht haben, darunter die Generäle Kondratenko, Nikitin und Gorbatowski, sowie den Ingenieur Grigorenko. Die Festung und die Forts Werdern wie General Stössel, ferner meldet, unaufhörlich beschossen. Nach der Abwehr der heftigsten Sturmangriffe, die neun Tage dauerten, hat sich der Mut der Truppen bedeutend gehoben. Tie Tätigkeit des Aerztepersonals ist über alles Lob erhaben. Tie Verluste der Japaner sind sehr bedeute nd und betragen nach chinesischen Schätzungen 7—10 000 Mann. _ .In Petersburg lebende nahe Verwandte des Generals Stössel erhielten dieser Tage einen Brief von ihm. Ter General schrieb u. a.: Tie Garnison ist noch 28 000 Mann stark, die sämtlich von Heldenmut erftillt sind. Stössel ist überzeugt, daß sich 'die Festung bis zur Ankunft der Ostsee f l o t t e halten kann, aber selbst bei äußerster Gefahr könne von Uebergabe niemals die Rede sein, da alle in diesem Falle falb blutig den Tod vorziehen würden. Nach einer Meldung aus Tschifu flößt das Befinden Stössels Besorgnis ein. Seine Gemahlin begleitet den General bei allen Inspektionen. Man zitiert ein Wort Stössels: „Wir werden unser Ostern im russischen Po_rt Arthur feiern". ’ " Die Doggerbank-Affäre. Hüll, 19. Nov. Tie Unters uchungskommission hielt heute noch eine Sitzung ab, um das Zeugnis von drei weiteren Zeugen zu hören, die jetzt znm erstenmale seit dem 21. Oktober ans der Nordsee zurückgeke'hrt sind. Tie Führer der Fischdampfer „Majestic" und ,,Toon" beschrieben den Schaden, der ihren Fahrzeugen durch die 20 Minuten dauernde Kanynade der Russen zngeft'igt wurde. Der letztere von beiden Kapitänen sagte aus, daß er mehrere große Fahrzeuge um V?9 Uhr abends am 21. Oktober gesehen habe, vor der Ankunft der Kriegsschiffe, welche das Feuer um Mitternacht eröffneten. Ter Rechtsbeistand wies darauf hin, daß dies der einznie Zeuge wäre, der erwähnte, daß er so früh am Wend große Tampftr gesehen habe. Der Steuermann des Fischdampfers „Kennet" sagte aus: Er habe um 7 Uhr morgens nach bem nächtlichen Angriff am 21. Oktober einen fremden Dampfer mit zwei Masten und zwei Schornsteinen, alles schwarz angemalt bis auf einen Schornstein, der eine etwas hellere F«be hatte, in einem Ab stand von ungefähr IV2 bis 2 Seemeilen gesehen. Dieser fremde Dampfer näherte sich dem „Kennet" und feuerte einen Schuß ab, der dicht bei dem Mast borbeigegangen wäre. Darauf wäre der Dampfer in südwestlicher Richtung davongedampft. Andere Fischdmnpfcr wären zurzeit nicht in der Nähe gewesen. Deutsches Reich. Berlin, 20. Nov. Ter Kaiser bestimmte, wie man au- Kiel meldet, das Linienschiff „Deutschland" (vgl. den besonderen Artikel über den Stayellanf der „Teutsibland") zum Flaggschiff der neuen Linienschiffs-Tivision. Ms Anlaß des Stapellaufs and bei dem Prinzen Heinrich eine Llbcndtafel statt, an welcher der Kaiser teilnahm. Einladungen mären ergangen an den Reichskanzler Grafen von Bülou>, an den SNnrtssekn'tär Admnnl von Tirpitz, an den Staatsminister v. Thielen. ?c. Ter Reichsftmzler 6!raf Bülow hat heute morgen die Rückreise nach Berlin angetreten. — Der Senior der nationa!lir>eraleu Partei 'Stt. Hammacber ist schwer erkrankt. Das Befiirderr hat sich heute vormittzrg bedeutend gebessert. — Anläßlich der hier ffattfiubciibnr deutsch-serbischen Handelsvertragsverhandlungen fand Samstag abenb bei dem StaaStfekretär Frhrn. v. Riehtlwfen^ ein Diner statt, an dem der serbische Gesandte T«r. Militschewilsch, Finanzminister Patsckni, die Minister Möller und Fwlw. v. Rbeinbaben. StaMs- fefretär Frhr. v Stengel und Unterstaatssekretär v. Mühlberg teilnahmen. — Tie „Norbd. Wg. Ztg." veröffentlicht den Antt-ag der schaumburg'lippeschen und drr lipvescheu Regierung an den Bundes- rat wegen Regelung bcS li pve j di f n Thronfolge fl reitS, bvn ^viidicn dem Fürsten zu Sciiaumburg-Lippe und dem Regenten des Fürstentums Lippe v.^esäüosscnen Schie^uertrag nnd den Beschluß de-5 Bunde-rotS vom 18. November 1904. D r e bcn. 20. Nov. Der Vorsitzende deS A:lffick>tsrats der Dresdener Bank. Finmr-rat Iencke, ist zum Mitglied der er st e n K a nt m e r ernannt morden. (Icncke war, nachdem er den sächsischen Staatsdienst quittiert batte, Jahre lang Generaldirektor der Kruppschen Werke. Vor Jahr und Tag zog er sich nad) Dresden ins Privatleben zurück. D. Red.) Jena, 20. Nov Der „Ä e n o s s c", der zum Bürger- tn eistcr des bekannten Bierdorfes Ziegenhain gewählt wor- den nxrr. ist z u r ü ck g e t r e t e n. NnSland. Rom, 19. Rod. In Bologna fanden gestern große Protestversammlungen statt gegen die Vorfälle in Innsbruck. Die Sozialisten verursachten große Tumulte und Handgemenge mit den Demonstranten, während der Zug sich zum österreichischen Konsulat bewegte. Das Militär hielt die Demonstranten, die eine österreichische Fahne verbrannten und mit der übrig gebliebenen Fahnenstange auf die Sozialisten einhieben, vom Konsulat fern. Auf beiden Seiten gab es mehrere «Verwundete. — Die infolge der Innsbrucker Vorgänge eingeleitete Deutschenhetze nimmt auch in Mailand immer größeren Umfang an. Die Eigentümer der hiesigen Bierhallen erhielten vom Komitee Mailänder Studenten schrist liche Aufforderung die deutschen Firmentafcln zu entfernen, sonst würden ihnen sämtliche Fenster eingescblagerr werden. Die Polizei traf Verfügungen, um die Verwirklichung dieser Drohung zu verhindern. Budapest, 20. Nov. Wie verlautet, hätten Deutschland und Oesterreich-Ungarn die gleiche Ueberzeugung gewonnen, daß sanitäre Maßnahmen, betreffend Schlachtvieh strenge gehandhabt werden müssen,, die Gegensätze in der Vc t er in är fr a g e sind daher gemil- dert. Von einer Klärung im allgemeinen kann jedoch noch keine Rede sein. — Die der liberalen Partei angehörenden Mit glieder der Bürgerschaft hielten heute eine sehr zahlreich besuchte Versammlung ab und nahmen eine Resolution an, welche die O b str u k t i o n, die jede parlamentarische Tätigkeit, ferner die ruhige Arbeit der Bürger sowie die wirtschaftlichen Fortschritte hemme, verurteilt und die staatsmännische Aktion des Ministerpräsidenten zur Unterdrückung dieses Mißbrauchs billigt. Graf Tisza hielt hierauf eine Ansprache, in der er seine Freude aus- drückte, daß die Bürgerschaft der Hauptstadt sein Vorgehen billige. Der Ministerpräsident kehrte von der Versammlung zu Fuß nach feinem Palais zurück. Dabei bereitete eine große Menge dem Ministerpräsidenten lebhafte Huldigungen, eine kleinere Gruppe aber, die schon während der Versammlung vor dem Gebäude lärmende Kundgebungen veranstaltet hatte, empfing den Ministerpräsidenten mit Abzugsrusen. Auch Schneebälle wurden gegen ihn geworfen. Die Polizei trieb die Ruhestörer mit der blanken Waffe auseinander. Vierzig Personen wurden verhaftet. — Tie Abgeordneten sämtlicher koalierten oppositionellen Parteien und Schattierungen versammel ten sich heute im Klub der Kossuthpartei. Im Laufe der Verhandlungen erschien eine Deputation der Universitätsjugend, welche der Opposition ihren Tank für ihr tapferes Verhalten sprach. Ein Exekutivkomitee wird Manifeste erlassen an den König und an die Nation. In letzterem soll nachgewiesen werden, daß der Schluß des Abgeordnetenhauses ein gewaltsames Attentat gegen die Verfassung bilde. .Kasan, 19. Nov. Während einer Feier in der Universität unterbrach Plötzlich ein Student armenischer Herkunft die Rede des Professors Kapustin durch den Ausruf: „Nicht das brauchen wir!" Hierauf trat eine Gruppe von Studenten auf die Treppe hinaus, entfaltete eine rote Fahne und sang die Marseillaise. Ein Versuch, zum Theater zu ziehen, mißlang. Berittene Schutzleute zer- stteuten die Studenten, ohne jedoch Verhaftungen vorzu- nehmen, und stellten die Ruhe wieder her. Am Abend fand in einem Ofen in der Garderobe der geistlichen Akademie eine Pulver-Explosion statt; Personen wurden nicht verletzt. Konzert des SängcrLranzes. Gießen, 20. Nov. Ter „Sängerkranz" wird, wie man uns berichtet, in seniem im Anfang jeden Winters stattfindenden Konzert am 27. November seinen Mitgliedern viel gutes und schönes bieten. Für ganz besonders erwähnenswert halten wir die „Altniederländischen Kriegs- und Siegeslieder" von Julius Röntgen (Amsterdam) mit der deutschen Uebertragung von Professor D. Budde in Marburg. Zum Teil durch die Kremser-Weylsche Bearbeitung bekannt, zum Teil bis jetzt noch unbekannte Melodien enthaltend, ist diese Neuausgabe musikalisch und textlich eine ganz hervorragende Leistung der beiden Bearbeiter. An der herrlichen Harmonisierung, der vorzüglichen Stimmführung und ganz prachtvoller Instrumentation, nicht weich und süß wie bei Kremser, sondern wuchtig, packend, erkennt man den ausgezeichneten Musiker, ^i^^t minder erfreut uns die stets klar und kräftig klingende Sprache, die wahrheitsgetreue Uebersetzung. Der „Sängerkranz" ist der erste deutsche Verein, welcher sich von der Kremserschen Bearbeitung losgemacht hat und sich dieser weit wertvolleren Ausgabe zu wenden. Möchten ihm noch recht viele Vereine folgen. Einige, gewiß allgemein interessierende Bemerkungen über diese „Niederländer" entnehmen wir dem Vorwoltt! des Uebersetzers, Professor Tr. Budde. Die erste Quelle der altniederländischen Volkslieder ist £a3 Werk „Nederlantsche Geben k-elank", im Jahre 1626 aus dem Nachlaß des niederländischen Notars Adrianus Valerius herausgehoben. Es bietet einen geschichtlichen Rückblick auf den nieoerländischen Freiheitskrieg gegen Spanien von seinem Beginn bis 1625, belebt und geschmückt durch Beiträge aller Künste, darunter auch eine große Zahl von Liedern, die die. geschichtlichen Ereignisse von Jahr zu Jahr feiernd, begleiten, alle mit den Sina- weisen und einem Lauten- oder Zethersatz versehen sind. Tie Singweisen hat Valerius alte in dem Liederschätze seines Volkes vorgefunden. Von den Gedichten stammen nur einige wenige aus den alten Liederbüchern der Geusen, der Freiheitskämpfer, die von der See aus ihr unterjochtes Vaterland wie der eroberten, während die übrigen von Valerius selbst verfaßt sein werden, zumeist unter dem frischen Eindruck der Ereignisse. Aus diesen sehr selten gewordenen Werken veröffentlicht der Verein für die Musikgeschichte der nördlichen Meoerlande 1871 eine Auswahl von 19 Stücken, der später, 1893, eine aus 28 Stücke vermehrte Auflage folgte. Von den ersten 19 Liedern gab Kremser 1877 eine engere Auswahl von sechs Stücken, zu einem Epklus gefügt in der bekannten Bearbeitung heraus und errang damit einen seltenen Erfolg. Leider hielten sich weder der Uebersetzer Josef Wehl noch Kremser an die ehrwürdigen Vorlagen, nirgends zum Vorteil, sondern überall zum Schaden der Wirkung. Inzwischen hatten Worte und Weisen, natürlich 'beide in ursprünglicher Oiestalt, auch in den Niederlanden neues Leben gewonnen, itnb besondere Verdienste erwarben sich hierbei Professor Lomann und Röntgen, beide in Amsterdam lebend. Angeregt durch ihre Klavierausgabe einer Auswahl von 6 Liedern, entschloß sich'Professor Bild de in Marbllrg zu einer neuen, nach Form lind Inhalt aufs äußerste treuen Uebersetzung lind veröffentlichte sie in der Zeitschrift „Ehristliche Welt" 1901, Nr. 6—12. Julius Röntgen forderte ihn auf, immer mehr Lieder zu übersetzen, lind so entstand denn in gemeinsamer Arbeit ein herrliches, die Kremser-Weylsche' Bearbeitung hoch überragendes Werk. Der „Sängerkranz" hat sich mit großer Begeisterung der Einübung der Lieder hingegeben, und er darf von „Passiven" sicher erwarten, dankbare Anerkennung zu finden. Heber die einzelnen zum Vortrage gelangendeu Lieder mögen hier noch einige Erläuterungen Platz finden, welche in der Bearbeitung für eine Singstimme und Klavier (Breitkopf und Härtel) enthalten sind. 9h.*. 1 auf gebet. Tas Gedicht des Valerius ist ein Gebet oder eine Klage, wie sie Kremser Wehls Umbichl»- ung nennt, über die Vergewaltigung des niederländischen Volkes, wie sie 1567 durch die Ankunft des Herzogs von Alba mit einem spanischen Heere eingeleitet wurde. 2. Holland ll n d Seeland. Das Lied ist voll Valerius, gedichtet zur F-eier der völligen Befreiung des niederländischen Bodens im Juni 1616. England hielt bis dahin noch einige Städte mit feinen Garnisonen besetzt, als Pfand für die Kosten der zweifelhaften Hilfe, die es im' Jahre 1585 durch ein entsandtes Heer geleistet hatte. Diese Schuld vermochten die Generalstaaten im Jahre 1616 zurückzuzahlen, und nun erst, als keine fremde Macht mehr den Boden des freigekämpiten Landes drückte, konnte man sich des Errungenen ganz freuen. Ter Preis wird den beiden eefahrenden Provinzen Holland und Seeland zuerkannt, die, von Anfang an die Seele des Freiheitskrieges, dllrch ihren blühenden Welthandel auch die Mittel zum Loskauf allfgebracht hatten. 3. Tas Gottesgericht. In der Ausgabe für eine Sing stimme unter dem Titel „Tanklied vom Jahre 1621." Im Jahre 1624 versuchten die Spanier sich den strengen Winter zu nutze zu machen, der alle Flüsse und Kanäle zu gebahnten Wegen umschuf, und fielen mit ihrer gesamten Heeresmacht von Osten her in die Niederlande ein. Aber eben der grimmige Frost ließ das Unternehmen cheitern und zwang sie zum Rückzug unter furchtbaren Ver- uften. Im ganzen Lande wurde ein Tank- und Bitttag ür die gnädige Errettung.gehalten, und Valerius ver- aßte dazu, ein Jahr vor seinem Tode, dies Lied. 4. Auf die Seeschlacht von Gibraltar 16 0 7. Jakob van Hermskerk, genannt der Seeritter, gewann diese Schlackst. Tas Lied bedarf keiner Erläuterung: der freubige Auszug, ba£ ungestüme Zu fahren, der schnelle Sieg, das gemächliche Auffischen der massenhaften Gefangenen, alles wird köstlich gezeichnet. 5. Tas W i l h e l m n s l i e d. Das Lied ist der Grund- und Eckstein der ganzen Sammlung, das älteste von, allen, zugleich das einzige, das ununterbrochen int Munde des niederländischen Volkes weiter lebte. Der Staatsmann und Siebter Marnix van St. Aldegonde fang dieses Lied, als Wilhelm von Oranien, die Hoffnung der Niederlande, am Ende des unglücklichen erften Feldzuges von 1568 sich genötigt sah, sein Heer zu verabschieden und auf seinen deutschen Besitzungen bessere Zeiten abzuwarten. Darauf geht das Lebewohl des letzten Verses, während der erste )ic Grundlosigkeiten der spanischen Anklagen, der zweite eine Frömmigkeit und fein Gottvertrcmen ausspricht. Tas Stück, hier nach dem ältesten Wortlaut der Geuseulieder- iücher übersetzt, ist ein rührendes Denkmal des felsenfesten Vertrauens, das die Niederländer auch in der schwersten Zeit auf ihren deutschen Führer fetzten. 6. Siegesfeier. (1597.) „Tas Lied versetzt uns an das Ende des Jahres 1597, wo in den Niederlanden außergewöhnliche Bitt- und Tanktage gehalten und Denkmünzen geschlagen wurden, aus Anlaß der glorreichen Siege des Prinzen Moritz, infolge deren, wie man schätzte, wohl der vierte Teil der 17 Provinzen in die Gewalt der Nieder- änder tarn." So Loman nach Valerius. Ter Dichter hat )anad) sein Lied für den gottesdienstlichen Gebrauch be- timmt, oder besser gesagt, selbst darin eine Buß- und Tankpredigt und damit zugleich eine Buß- und Bettags- wedigt gehalten. Tiese Bestimmung kommt in der neuen Bearbeitung, im engsten Anschluß an die Vorlage, zum klaren Ausdruck. Aus §tnbt uud Laub. Gießen, 21. November 1904. • • Besichtigung. Herr Priv.-Dozent Dr. Schroeder, der erst vor kurzem von einer Stubicnreifc nach Amerika und Eanaba zurückkehrte, besuchte am Samstag mit einer größeren Zahl seiner Hörer das städtische Gaswerk, die Farbwerke des Herrn Zurbuch und die 91 fticnbraitcrei. Der Betriebsleiter Krämer vom Gaswerk erläuterte den Herren die Gewinnung des Gases und Fabrikbesitzer Z u r b u ch zeigte die verschiedenen Methoden zur Herstellung von gemahlenen Farben, geriebenen Erden u. a. In der Akticn- irauerei wurden unter Führung des Braumeisters Groll ert die zur Vierbereitung nötigen Rohstoffe und deren Verarbei- itng gezeigt, die Eismaschinen und Kühleinrichtungen, sowie hie Gähr- ■ und Lagerkeller besichtigt und den Herren zum Schluß als Kostprobe ein vorzügliches Glas Gießener „Pilsner" verabreicht. • * Falsches Ger ü ch t. Das fälschlich verbreitete Gerücht, die Leiche der vermißten Emmy Winkler sei auf- gesunden worden, welches sogar in verschiedenen Zeitungen Aufnahme fand, hat das Großh. Polizeiamt veranlaßt, das 9lusschreiben ju erneuern, da das Gerücht geeignet war, die Nachforschungen nach der Vermißten erlahmen zli lassen. * * Stadttheater. Die gestrige 9(itffü()rnng des „Strom" von Max Halbe erfreute sich auf allen Plätzen eines sehr guten Besuches. DaH Stück ist bekanntlich im vorigen Jahre a'ls Theatervereins-Vorstell^lng gegeben worden, und eine eingehende Besprechung können wir nnÄ daher ersparen. Erwähnenswert ist, baß Direktor Steingüter in der Rolle t«rs Deichhauptmanns Peter bem voiJ?..,..gen Frankfurter Gast Diegelmamr in Mfsassung und Dialekt sich völlig anschlvs; unb vom Publikum, anS> dessen Mitte leider einige Störungen durch unangebrachtes und albernes Lachen sich bemerkbar machten, mit großem Beifall bedacht wurde. Herr Lüttjohann als Jakob leistete besonders in der Erzählung des Abendstern-Gesichtes' vorzügliches. Das Hauptinteresse des Abends richtete sich aber auf einen Gast, Frl. Rosa Treuer vom Stadttheater in Augsbllrg, die möglicherweise für unser Theater als neue Kraft in Aussicht genommen ist. Ihre Renate erwies, daß die Darstellerin jedenfalls das richtige Bild von der Seelenpein dieses unglücklichen Weibes sich anzu- eignen verstanden hat. Die leidenschaftlichen Stellen gelangen ihr am besten, während sie das schwierige wortkarge Verharren in Augst undTrübsinn weniger natürlich unb etwas gezwungen unb steif zur Darstellung brachte. Namentlich die Uebertreibung der erregten Atemzüge unb der unheimlich eisigen Antworten, deren Stimmtechnik nicht ein* wand frei war, hat uns nicht gefallen. ** Eisverein. Der Vorstand des Eisverelns teilt uns- mit, daß er den Termin zur Abholung der Mitgliedskarten bei Herrn Ernst Balser, Mäusburg, bis zum 25. d. M. einschließlich verlängert hat. Wir versäumen nicht, itnfcre Leser hiermit nochmals darauf aufmersam zu machen, da diejenigen, die die Quittungen bis dahin nicht eingelüst haben, als ausgetreten angesehen werden und eventuell nochmals Eintrittsgeld zu zahlen haben. ** Ein Adreßbuch der Stadt unb des Kreises Friedberg ans dem Verlag der B r ü h l s ch e n Uni* Vers it äts - D r n 'd c r i? i (Gießener Anzeiger) in Gießew ist soeben für das Jahr 1905 neu erschienen. Die Bewohner des Kreises locrbcn zweifellos sehr erfreut sein, endlich ein vollständiges, einheitlich hergestelltes, vornehm aus- gestattetes Adreßbuch aller Städte und Orte des Kreises zu erhalten. Das Material für Bad-Nauheim ist, dem Bedürfnis der vielen Fremden entsprechend, in lateinischer Schrift gedruckt: außerdem sind diesem Teil genaue Angaben über alle öffentliche Anstalten, über Tarife und sonstiges für Fremde wissenswerte, beigefügt. Das in schmuckem Einband vorliegende Adreßbuch ist, was hervorgehoben sei, mit Plänen von Friedberg, Bad-Nauheim, Butzbach und Vilbel ausgestattet. ^Außerdem ist zur besseren Orientierung den einzelnen Sttaßen Friedbergs ein Straßenbild vorgedrnckt. Wie wir erfahren, soll dies bei der nächsten Ausgabe auch bei Bad-Nauheim erfolgen. ** Ein mit einer halben Million Mark beladener E i s e n b a h n w a g g o n wurde dieser Tage in Berlin in den Frankfurter I '*3ng eingestellt. Die kostbare, nach Darmstadt bestimmte Sendung, welcher eine entsprechende Begleitung beigegeben war, enthielt in zahlreichen Kisten und Säcken die mit dein Doppelbildnis des Großherzogs und des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen versehenen Silbermünzen (Fünf- und Zweimarkstücke), welche aus Anlaß der Feier der 400. Wiederkehr des Geburtstages Philipps des Großmütigen in Berlin geprägt wurden. Die Münzen sind inzwischen in Verkehr gesetzt worden. *• Zum Raubmord in Heldenbergen. Unter Bezugnahme aus das Ausschreiben des Staatsanwalts vom 18. b. Mts. wird mitgeteilt, daß der dort beschriebene Unbekannte offenbar identisch ist mit dem Taglöhner und Dreschmaschinenarbeiter August Ziegler, geboren am 9. Juli 1872 ober 1877 zu Walldorf, Kreis 9)iciningen. Es handelt sich um den Menschen, der cm Morgen der Entdeckung der Mordtat zwischen Heldenbergen und Erbstadt gesehen wurde. Das wiederholt erwähnte fremde Ehepaar mit den zwei schwarzen Hunden, das am Morgen nach dem Raubmord in Helden bergen aus bem nahe bei Heldenbergen liegenden Städtchen Windecken, wo eS gewohnt hatte, plötzlich verschwunden war und über den hiesigen Ostbahnhof nach Bayerin weiterreiste, ist jetzt bei München verhaftet worden und wird der Gießener Untersuchungsbehörde aus- geliefert. Es ist ein Ehepaar Fischer. Der Mann arbeitete für einen Bauunternehmer. Er soll sich namentlich auch dadurch verdächtig gemacht haben, daß er rückständigen Lohn im Stich ließ. Wegen Verdachts der Ermordung des Heldenberger katholischen Pfarrers wird jetzt auch ein etwa 30 Jahre alter Maiin verfolgt, der sich vorn 11. auf 12. ds. in Helben- bergen aufgehalten hat. Am 12., am Morgen nach der Tat, wurde jener Unbekannte zwischen 6’/2 und 7l/2 Uhr auf dem Erbstädter Weg, der nach Naumburg führt, gesehen, als er sich dort in verdächtiger Weise herumtrieb. Es wurde beobachtet, als er an der Erbstädter Brücke am sogenannten Hintermüllers Graben allem Anschein nach seine langen Stiefel abwusch. Einen des Weges kommenden Arbeiter frag er, ob man von von Heldenbergen nach Frankfurt mit der Bahn fahren könne, und was bas koste. Einen zweiten Arbeiter r'rng er nach dem Wege nach Kaichen; er habe sich verirrt. Der Verdächtige wird wie folgt beschrieben: Etwa 30 Jahre alt, kräftige Statur, 1,65 bis 1,70 groß, volles Gesicht, weichen schwarzen Filzhut, starken rötlich blonden Schnurrbart, dunkle Haare. Er trug zwei übereinandergezogene dunkle Rücke, von denen der untere länger war als der obere, lange fast bis an die Knie reichende Schaftenftiefel, in die die Hosen eingesteckt waren, farbiges Henid und einen weißen Kragen. Er sprach einen fremden Dialekt und ist kein Landarbeiter. ** Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! In Weilburg kam gestern, so schreibt man uns, im Augenblick des Abgangs eines Personenzugs eine sehr korpulente Dame auf einen Abteil der III. Klasse zu und wurde, von kräftigen Fäusten unterstützt, in ben bereits überfüllten Wagen hineingeschoben. Alle im Abteil sitzenden Reisenden lachen ob des dicken Zuwachses und behaiipten dann der außer Atem geratenen Dame gegenüber stillschweigend ihre Plätze. Doch da naht die rettende Seele in der Person eines schmächtigen Schneiderleins, welcher unter Bücklingen der von Natur reich ausgestatteten Dame seinen schmalen Platz unter erneutem Gelächter der „gefühlvollen" Mitreisenden anbietet. Im nächsten Moment hat er sich seines Rockes entledigt und mit den Worten: „Bitte nehmen Sie jetzt meinen Platz ein/ sich hinauf in ein leeres Gepäcknetz geschwungen, worin er den Rest seiner Reife zurücklegt. Ein dankbarer Blick der Dame, ein Bravo der Mitreisenden und eine tüchtige Hitzkur in dem stark geheizten Wagen lohnten des Schneiderleins Menschenfreundlichkeit. r. Wall en rod (b. Alsfeld), 19. Nov. Heute nachmittag schoß der Landivirt F. aus seinem Fenster mit einer Jagdstinte auf den mit ihm in einen Prozeß verwickelten Bürger Z. und verwlmdete ihn lebensgefährlich an der linken Schulter. Er hatte zuvor auf bu Schwägerin des Z. geschaffen, der Schuß ging jedoch glück-' licherweise fehl. Es gelang noch nicht, den gefährlichen Menschen zu verhaften. Er schoß am Samstag aus seinem Fenster noch auf vier Bürger und verletzte sie leicht. Die Polizei von Lauterbach und Alsfeld, die herbeigerufen wurde, hat noch nicht in das Haus des Wahnwitzigen eindringen können, der durch seine Drohungen Jedermann fernhält und durch zeitweiliges Schießen die ganze Einwohnerschaft in Angst und Schrecken versetzt hat. F. ist als böswilliger und brutaler Mensch bekannt. Man rechnet damit, militärische Hilfe zu seiner Verhaftung herbeizurufen. Hanau, 19. Nov. Als Hehler des wegen Gold- diebstahls in dein Bijouteriegeschäft von Ochs u. Bonn verhafteten Goldarbeiters K. Wagner wurde der selbständige Goldarbeiter Sebastian Dienald in Haft genommen. Außer Wagner wurden in demselben Geschäft im Laufe der letzten zwei Jahre noch zwei andere Golddiebe verhaftet, die beide die Firma um ganz bedeutende Werte bestohlen hatten und mit ihren Hehlern zu längeren Freiheitsstrafen verurteilt wurden. W. gab an, er habe an Dienald schon jahrelang gestohlenes Gold verkauft. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lich herrscht unter den Schulkindern Keuchhusten und Scharlach. — Am Freitag wurde die Pfarr- hofraite in Nieder-Erlenbach angezündet. Zum Glück entdeckte man das Feuer rechtzeitig und konnte cs löschen. Bekanntlich war erst vorigen Montag im gleichen Pfarrhause ein Einbruch versucht morden. Am Samstag gelang es, die Brandstifterin in der Person der seitherigen Haushälterin, Witwe Beck, zu verhaften. Sie war am Dienstag entlassen worden und wollte sich jedenfalls rächen.____________________ vermischtes. * ® i n e seltsame Todesanzeige. Im Inseratenteil „Voss. Ztg." finden wir nachstehende seltsame Todesanzeige: Heute nachmittag 4 Uhr erlöste Gott durch einen sanften Tod von langen, schweren mit rührender Geduld und Ergebung getragenen Leiden meine teure, inniggeliebte Frau Mary-Augusta Gräfin Fincken st ein, geb. Miß Nanson, im 34. Jahre ihres Lebens und im 15. Jahre unserer überaus glücklichen Ehe. Sie ist der seit 9 Jahren bestehenden Zwangsverwaltung meines Majorates Herzogswalde zum Opfer gefallen, die auf Veranlassung der Herren Bernhard von Puttkamer-Plauth und Kammerherrn Elard von Olden bürg-Januschau, dermaligcn Beratern Elard von millenstiftungskasse, gegen mich 'eingeleitet wurde. Tiefes zeigt in tiefstem Schmerze an Albrecht Graf Finckenstein, in Herzogswalde bei Sommerau, Wcstpreußen. Es betrauern ferner in der teuren Entschlafenen ihre unvergeßliche, liebe Tochter, Schwester, Schwiegertochter und Schwägerin: Euphenia Nanson, geb. Miß Buchanan, Theodore Nanson, Charles B. Nanson, Sophie Gräfin Finckenstein, geb. Gräfin Brühl, Dresden, Hedwig Gräfin Finckenstein. Tie Beerdigung findet am Totensonntag (20. November'», nachmittags 4 Uhr, statt. Obige Anzeige ist in den Neichsboten, Kreuzztg., Deutsche Tagesztg., Rundschau und an den Geselligen auch gesandt. In der „Tagesztg." finden wir indes diese Anzeige in kürzester Form ohne den Satz von der „Zwangsverwaltung" und ohne den Nachsatz. * Kleine Tages chronik. In Braunschweig versuchte sich die Witwe Bertling, welche sich kümmerlich durch Zimmervermieten ernährte, nebst ihren beiden Kindern durch Einatmen von Leuchtgas ums Leben zu bringen. Tie Witwe und ihr sechsjähriges Töchterchen wurden in bewußtlosem. Zustande nach dem Krankenhause gebracht, während die 18 jährige Tochter bereits tot war. — In einem Hotelzimmer in Holtenau bei Kiel wurden der Kontorist Buck aus Kiel und die Fra u des Schutzmannes Laudi erschossen aufgefunden. — Vor dem Bezirksgericht in O berleutensdorf wurde eine mit Dynamit und Eisenstücken gefüllte und mit teilweise abgebrannter Lunte versehene Blechbüchse gestinden. Behufs Feststellung, ob ein Attentat oder ein schlechter Scherz vorliegt, wurde eine Untersuchung eingeleitet. — Bei Berlin auf der Landstraße vom Bahnhof Straußbcrg nach 'Egersdorf ist an dem Bauerngutsbesitzer Günzler aus Egersdor^ein Raubmord-Ver- s u ch begangen worden. Ter Täter ist bereits verhaftet. Tas Opfer des Anschlages liegt schwer verletzt im Krankenhause zu Straußberg darnieder. — Ein schändliches Verbrechen ist auf dem Wege von Herzfeld nach Diestedde in Westfalen an dem Maschinisten R. verübt worden. K. wurde von mehreren jungen Leuten übersatten und derartig mit dem Messer bearbeitet, daß er 12 Stiche in den Kopf erhielt und ihm sogar Stücke Fleisch aus dem Gesicht gerissen oder geschnitten wurden. Er wurde besinnungslos aufgefunden. Die Verletzungen sind lebensgefährlich. Vier junge Burschen sind verhaftet worden. — In der Zeche „Nordstern" bei Essen wurden auf Schacht 2 durch eine Dynämitexplosion ein Bergmann getötet und drei lebensgefährlich verletzt. — Bei Mühlheim (Ruhr) wurde ein aus dem Gefängnis entlassener Hausierer erfroren aufgefunden. Kunst und Wissenschaft. , — Max Dreyers Schauspiel „Die Siebzehnjährigen" würden am Samstag im Frankfurter Schauspielhause und im Berliner Lessing-Theater sehr beifällig ausgenommen. Das Drama ist die ergreifende Tragödie eines 17 jährigen Jünglings, der an der plötzlich von ilftn entdeckten Liebschaft seines über, alles verehrten Vaters zu einer 27 jährigen heißblütigen niedlichen kleinen Bestie zu Grunde geht. _________________ Sport. Der Pariser Korrespondent der „Frkf. Ztg." ist ermächtigt, die Angabe, daß das nächstjährige Gordon Bennet-Rennen in Deutschland stattfinde, mit absoluter Sicherheit zu dementieren. Das Rennen findet sicher in Frankreich statt, wenn auch der Ort noch unbestimmt ist. Landwirtschaft. --Heranziehung zu den Unterhaltungskosten des Gemeindebullen Aus dem Kreise Fulda wird geschrieben: Für den Finanzhaushalt der Landgemeinden dürste die nachfolgende Entscheidung von Wichtigkeit sein, welche das Oberverwaltungsgcricht in Berlin in der Streitsache eines Gutsbesitzers gegen eine unserer Landgemeinden wegen Heranziehung zu den Unterhaltungskosten des Gemeindebullen getroffen hat. Tie Klage des Gutsbesitzers, welche darauf gestützt war, daß er für seinen Viehstand einen eigenen Bullen halte, war vom Kreisans- fchuß alls unbegründet zurückgewiesen worden, weil es sich hier um eine öffentlich-rechtliche Abgabe handle, zu welcher herkömmlich alle Viehhalter nach der Zahl der vorhandenen Kühe bci- zutragen hätten. Gegen dieses Urteil legte der Kläger Berufung beim Bezirksausschuß in Kassel ein. welcher dieselbe auch für begründet erkannte und die Freilassung des Klägers von dem streitigen Beitrage verfügte, da die behauvtete Observanz nicht erwiesen sei, und es sich zwar um eine öffentliche, jedoch gebührenartige Gemeindeabgabe handle, zu welcher herkömmlich zwar alle beteiligten Viehbesitzer beizutragen hätten, jedoch nur nach Verhältnis der tatsächlich gedeckten und nicht aller vorhandenen Kühe. Das königliche Obcrverwaltnngsgericht jedoch hob auf die vom Gemeindevorstand eingelegte Revision diesen Bescheid wieder auf, und bestätigte das den Kläger abweisende Erkenntnis des Kreisausschusses, eine Entscheidung, welche für alle ähnlichen Fälle von vräindirielter Bedeutung ist. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 21. Nov. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zunt Verkaufe standen: 471 Ochsen, 189 aus Oestreich, 45 Bullen, 2 aus Oestreich, 717 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 5 aus Oestreich, 311 Kälber, 496 Schale und Hammel, 1709 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaslämmer. Bezahlt wurde iür 100 Pfund Schlachtgewicht' Ochsen 1. Qualität 71—74 Mk., 2. Qual. 67—70 Mk., 3. Qual. 60—64Mk.; Bullen l.Qual. 61 bis 63 Mk., 2. Qual. 57—59 Mk.; Kühe 1. Qual. 67—69 W, 2.Qual. 63—64 Mk., 3. Qual. 53-54 Mk, 4. Qual. 43—45 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: 1. Qual. 82—86Plg., Lebendgewicht 49—52 Pf., 2. Qual. 75—80 'Psg., Lebendgewicht 45—48 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 57-61 Pfg., Schafe: 1. Qual. 66-67 2. Qual. 54—56 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 59—60 Pfg., Lebeudgew. 47 Pfg., 2. Qual. 58—00 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Pfg., 3. Qual. 52—55 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschält bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend; bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. te. Frankfurt a. M., 21. Nov. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpre is e. Weizen Mk. 17.00—18.00, Kürhessischer Mk. 18.00-00.00, La Plata Mk. 18.50—19.50, Kansas Mk. 18.50—19.50, Roggen (hiesiger) Mark 13.75—14.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.25—17.75, Fraulen- lelderMk.l8,00—18,75,HafcrMk.l4.50—15.50,MaisMk. 12.25-12.50, Weizenmehl 0 Mk. 27.00—28.00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 25.50, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Roggenmehl 0 Mk. 22.00—23.00,1. Qualität Mk. 19.50—20.50, Weizenkleie Mk. 9.50 bis Mk. 9.75, Roggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 10.50 bis Mk. 10.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk.00.00—00.00. Alles per 00 Kg. ab hier. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hesse» für Dienstag, den 22. November 1904: Wolkig, Temperatur langsam abnehmend, (leichter Frost) noch geringe Niederschläge (meist Schnee). Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Aeneste Meldlulnen. OrigittaldrahtmeLdnngen des Gießener Anzeigers. Gießen, 21. Nov. (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Alm Samstag passierte Ministerialdirektor Schröder aus dem. Eisenbahnministc- rium Berlin die hiesige Station um 1.20 Uhr, besichtigte den Barr des neuen E,m p f an g s g e b ä u d e s und fuhr unl 1.29 Uhr weiter nach Berlin. — Heute mittag um 1.51 Uhr traf P r in z »e s s i n H e in r i ch v o n Pr e u ß e n von Darmstadt kommend, hier ein und fuhr um 2.09 Uhr n a ch Lich, um an den Verlobungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Morgen trifft auch Prinz, Heinrich, von Kiel kommend, hier ein. Berlin, 21. Nov. Dem „Berl. Tagebl.' zufolg? stifteten die Erben Rudolf Virchows der Stadt Ber- l:n 50000 Mk. zur Bekäinpsung derSterblichkeii Berliner Kinder im 1. Lebensjahre. Straubing, 21. Nov. Ein gräßlicher Raubmord wurde hier verübt. Der Buchhalter des Raiffeisen-Vereins Nürnberg, Franz Mages aus Geiselhoering, wurde im Gast- haus ,/Zum Münchener Hof" mit durchschnittener Kehle itrtb ei »geschlagen em Schädel aufgefunden. Geraubt würden etwa 3 0 00 Mark. Als der Tat verdächtig wurden der Reisende und Versicherungsagent Albrecht Pfreundner mit seiner Frau im Mathäfer-Bräu in München fest- g en o m m c n. Poris, 21. Nov. Der aus Hohen-Limburg nach Ver> untreuung von mehr als 2 Millionen Mark flüchtige Kommerzienrat Julius Ribbert ist hier verhaftet worden. Rippert, welcher hier unter falschem Namen lebte, wurde in einer Theaterloge von früheren Geschäfts-Kollegen erkannt und nach Theaterschluß in seiner Wohnung verhaftet. Das deutsche Konsulat hat schon Schritte wegen Auslieferung des Verhafteten an die deutschen Behörden unternommen. Mvdrid, 21. Nov. Der Finanzminister arbeitete einen Plan nach welchem er vor Schluß dieses Jahres ber Bank von Spanien 56 Millionen Pesetas gegen ben gleichen Betrag in Noten zurückzahlen will. Danach will der Minister die Aufnahme einer Anleihe für 1905 vor-.' bereiten. New-Pprk, 20. Nov. Gestern brach in einem dreistöckigen Lagerhause in Brooklyn Feuer aus, welches sich 4 anderen Häusern mitteilte. Die Insassen der letzten oiec' Häuser haben sich wahrscheinlich alle gerettet. In dem ersten Hause fand die Feuerwehr zwölf Leichen. Der Tod war, durch Erstickung eingetreten, Die Häuser waren meist oon' italienischen Arbeitern bewohnt. * Bom Kriege. London, 21. Nov. Der „Standard" meldet aus Schanghai von gestern: Ein aus Tschifu eingetroffener Dampfer berichtet, daß mit dem russischen Torpedobootszerstörer „Nastoropny" zusammen 3 andere Zerstörer aus Port-Arthur ausgebrochen seien. Zwei von diesen wurden von den Japanern angehalten, während der dritte entkam. — Von Port-Arthur wird berichtet, daß die Japaner am 17. ds. M. Minen sprengten, durch welche die Flankendeckungen von Erlungtschan und Tschungtschun zerstört wurden. Viele russische Maschinengeschütze auf der Brüstung wurden dabei außer Gefecht gesetzt. — Der „Standard" meldet aus Tokio von gestern: Man nimmt an, daß General Kuropatkin am Sychan-Hügel, 4 Kilometer vor em Zentrum der japanischen Armee, steht. Die dortigen russischen Stellungen sind mit neuen Truppen besetzt, welche Munition verschwenden, ohne den Japanern Schaden zuzufügen. Paris, 21. Nov. Aus Mukden wird hierher telegraphiert, die Japaner hätten bei ihrem resultatlosen Angriff gegen den Putilow-Hügel am Schaho hundert Mann verloren. Gestern dauerte eine heftige Kanonade längs der! ganzen Front an. Telephonischer Kursbericht. 3'/«o/g Reicheanleihe . 3-Vo äo. . . 5,/1% Konsols . . . 3% do. . . . 372% Hessen . . . 3V2% Oberbessen . . 4% Oesterr. Goldrenfe . 4*/6/o Oesterr. Silberrente 4% linear. Goldrente , 4% Italien. Rente , . 41/2% Portugieser > . SO/ Portugiesen. ... 1% C. Türken . . . Türkenloso..... 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 4X[1% äussere Argentinor JF nnkfnrt a. W., 21. November. 101.30 89.25 101.25 89.35 100.20 101*90 101.40 100.00 104.00 63.45 63.90 128*60 48.00 32.00 | 3% Mexikaner . . 4%% Chinesen . . Electric. Sohnckert , Nordd. Lloyd. . , Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsgea. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . « • Gotthardbahn . . . Laurahütte .... Bochum ..... Flarpener . . . , Schatzscheine . . . . . 32.10 . . 90.00 . . 122.80 . . 108 70 . . 212 00 . . 193.40 C . 141.40 . . 156.60 . . 164.00 . . 139.00 . . 17.60 . . 00.00 . . 258.00 . . 229.50 . . 219.90 Tendenz: fest. „Henxieberg-Seide“ v.95Pf.aa — für alle Toiletten-Zwecke! — zollfrei! Muster an Jedermann! D10/10 Nur direkt v. Seidenfabrkt. Henneberg, Zürich. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Stangenrod iür 1905/06 liegt vom 23. d. Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeistereibnrean dahier offen. Stangenrod, den 20. Novomber 1904. Großh. Bürgermeisterei Stangenrod. __Bock. __________________3470 Sonntags-Herein für Mädchen. Die Verewigung junger Mädchen am Sonntag soll für das Winterhalbjahr am nächsten Sonntag den 27. November wieder ihren Anfang nehmen. Die Vereinigung findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr nachmittags im Saale der Äleinkindcrschnler die Mädchen können zu jeder Zeit kommen mit) gehen. Von 4 bi's 5 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt nut Gesang, Einsprache, Vorträgen. Gute, unterhaltende Bücher und Spiele sind in großer Zahl vorhanden. Eröffnungsfeier am Sonntag, dem 27. November d. I., nachmittags 4 Uhr. Wir laden die Mädchen zu zahlreicher Beteiligung ein und bitten Eltern, Herrschaften und Geschäftsinhaber, ihre Mädchen auf den Sonntagsverein Hinweisen und denselben die Teilnahme gestatten zu wollen. Gießen, den 21. November 1904. v31/11 _________Für den Vorstand: Dr. Rauman«, Pfarrer. xTchnW 8ummi- iiöb MestWrikateH B (HnNllNischkäuche iür alle Zwecke, Hreibrinnen g ■ sowie sämtliche technische Artikel für maschinelle Betriebe. I 8 Gebrüder Georg oöogo H A, Telephon 249. Gießen. SelterSweg 67. jy Sfir die empfehle ich entzückende das Meter von Mk. (.70 bis Mk. 10.—. Modewarenhaus &s /11 in bestickten französischen Lhissonz ISackÄiitlaateii Äs'a,,bMcrei8474 Adler-Drogerie. Selters weg 39, Otto Schaaf. Erster Gietzener sargmagazin empfiehlt seine tannen-lackierte, eichen-polierte, Metall-, Transport- und Kindersärge 511 billigsten Preisen. 8386 Georg Schmitt, KaplaiWsse 27, Ecke Bahnhofstraße. Die in der Göttinger Medizinischen Universitäts-Klinik ausgeführten Untersuchungen haben ergeben, dass die Offenbacher KaiserFriedrich Quelle Natron-Lithion-Quelle I. Ranges In bezug auf die spezifische Mischung; u. Meuge ihrer festen mineralischen Bestandteile nicht nur dem Fachinger Wasser ebenbürtig ist, sondern auch Eigenschaften gezeigt hat welche sie diesem n überlegen sein lassen, da der fast vollständige Mangel an Eisen- und Kalks-ilzen selbst dem schwächsten Magen dauernden Geb 1 auch ermöglicht. — - " — Durch die Ergiebigkeit unserer Quelle sind unsere Vertreter in der Lage, jederzeit jedes Quantum zu liefern. 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D<» Vortragsprogramm dieses Wintersemester» ist nunmehr featgestallt. Es werden acht weitere Vorträge gehalten und zwar jn folgender Reihenfolge: i. „Beiträge zur Kenntnis des Bilanzrechts und der kaufmännischen Bilanzpraxis“. Zweiter Vortrag des kaufmännischen Direktors der Hessischen Landes - Hypothekenbank, Herrn Regierungsrat Bastian- Darmstadt. Samstag den 26. November, abends 6 Uhr. Georg Marx Wwe Marktstraße 12. Marktstraße 12. größter Auswahl 8476 --- Kind er ko eh Bierde mit Nickel-, Kupfer- und Emaillegeschirr, mit gefahrloser Heizung in ist eröffnet und lade zum Besuche ergebenst ein. Meine Ausstellung in Spielwaren für die hppatids welche mit viele» Neuheiten aus das Reichhaltigste ausgestattet ist, sowie 3. 4. Palmin h mieten. Mofse in Gieße«. 8483 5. Bahnhofstraße 61. 7247 6. Garantiert reinen Mhonig 7. p. Pfd. 00 Pf. 8465 platz großes 8484 Kinder- SAUGGASMOTORE! vom Vorstand: 88‘7 Billigste Kraft! 6 Zimmer ] «ersteigert: 1. 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Samstag den 17. Dezember, abends 6 Uhr. „Das Erbbaurecht und seine Bedeutung für die Wohnungsfrage“. Vortrag des Herrn Professor Dr. jur. Andrö-Marburg. Samstag den 14. Januar, abends 6 Uhr. „Die neuzeitliche Goldproduktton und ihr angeblicher Einfluss auf das Wirtschaftsleben“. Zweiter Vortrag des Professor Dr. Blenner-Giessen. Samstag den 28. Januar, abends 6 Uhr. „Die hessische Wohnungs-Inspektion“. Vortrag des Grossherzoglich Hessischen Landeswohnungsinspektor 3 Herrn Gretzschel-Dannstadt Samstag den 18. Februar, abends 6 Uhr. „Die soziale Gliederung des Deutschen Reichs nach den letzten statistischen Aufnahmen“. Vortrag des Direktors des Statistischen Amts der Stadt Frankfurt a. AI. und Professors an der dortigen Akademie für Soziale und Handels Wissenschaften, Herrn Dr. Bleicher-Frankfurt a.M. Samstag den 25. Februar, abends 6 Uhr. 8. „Der Kurszettel der deutschen Effektenbörsen“ Vortrag des Direktors der Deutschen Bank, Herrn Hermann Maier-Frankfurt a. M. Samstag den 4. März, abends 6 Uhr. Sämtliche Vorträge mit anschliessender freier Besprechung rind unentgeltlich und öffentlich, beginnen mit dem üblichen akademischen Viertel und werden mit gütiger Erlaubnis des Herrn Provinzialdirektors und desProvinzialausechusses derProvinzOberhessen im Sitzungssaals des hiesigen Eegierungsgebäudes, Brandplatz Nr. 9, abgehalten. Durch kurzes Inserat im „Giessener Anzeiger*1 und in der ^Darmstädter Zeitung*1 wird zwei Tage vor jedem Vortrag an den fälligen Vortrag erinnert. Weitere Bekanntmachungen erfolgen nicht. Giessen, den 22. November 1904. 8468 Professor Dr. M. Biermer. Prim Tpeise- nni) Lalat-Kartosseln für den Winterbedarf empfiehlt 7975s I. Handel, Schloßgasse 6. Menu Dienstag den 22. Novbr.: Diner ä 70 Pfg.: Tomaten- Suppe, Wiener Rostbraten mit Schmorkartosfeln oder: , Erdkohlrabi mit Schwemskeule. Diner ä Mk. 1.— (im Abonnement 85 Pfg. ohne Dessert): 070,L Tomaten-Suppe, Wiener Rostbraten mit Schmorkartoffeln, Erdkohlrabi mit Schweinskeule. Diner ä Mk. 1.50 (im Abonnement Mk. 1.30): Tomaten-Suppe, Wiener Rostbraten mit Schmorkartoffeln, Erdkohlrabi mit Schweinskeule, Hahn mit Salat und Kompott, Dessert. 60 iS Mieliieluche Stadt-Theater Gietzen. Direktion: II. und F. A. Steingoetter. Dienstag, den 22.Novbr. 1904 Sechste Dienstag-Abonnement- Vorstellung. Novität! Zuml.Male: Novität! Der tote Löwe. Drama in 4 Aufzügen von Oskar Blumenthal. Reelle Kur bei Blasen-, Harn-, Nieren-, Leberleiden, Ausfluß u. Diabetik durch Boldo-Tee. Bestandteile: Boldoblätter aus Peru, ä 1 Mk. MiM.-LcbcrtM feinste Qualität, bei 7655 Emil Fischbach. Stimmen Reparieren Polieren tadelloser Ausführung < durch D1/, < ca. •/* bis l1/, Pfennige pro Pferdekraft und Stunde. Motorenfabrik Oberursel TTan^rt a M DicnStag: Schweinefleisch 45 Pfg. sB"^^ Masel-LchiiialjP'sd.öLP!. 53 „ taeganie 4 zimmer partcue, per 1. April zu verm. 8466| Dr. Ploch, Asteriveg 84. 7692] Schotte 4-^uniiiecm., neu herger., zu vertu, Liebigstraße 63. Gesucht zum 1. 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