Nr. 248 Örffcfint außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Gießener Kamillen- Glätter viermal in der Woche deigelegt. Rotationsdruck n. Verlag bei BrÜ h k'scheu Untvers.-Buch-u. Btein* druckeret. 9t Lang-, Redaktion. TrpedMo» und Druckerei: GHulsteatzs 7, Adresse für Deveschenr Vu-etger Gieße«. ^ernsprkchanschlußNr 51. Erstes Blatt. 154. Jahrgang Freitag 21. Oktober 1904 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ÄA \e t k E I K 3 k • ve-naGpret», monallich75 Ps^ viettsk jährlich Mk. SL0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährt, ausfchl. Bestell^ Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpreiS: lokal auSwärtS 20 Pfg. verantwortlich füt den polit und allgem. teil; U Wittko: für »Stadt und Land^ und »GerichtSfaaltt August Goetz; füt den An- Ate heutige Kummer umfaßt 10 Seite«. KeKanntmachung. Unter dem Schweinebestand des Ih. Hch. M attheS II. zu Bettenhausen ist ein Fall von Rotlaufseuche festgestellt worden. Gehöftsperre ist verhängt. Gießen, den 20. Oktober 1904. Großher^^^s Gießen. I. V.: Hechler. Gießen, am 17. Oktober 1904. Betr.: Die Ueberwachung der in fremde Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen av bi<* deS VretkeS Nachdem zu unserer Kenntnis gelangt ist, daß in den allermeisten Fallen die Vorschriften über An- und Abmeldung fremder Pflegekinder unter 6 Jahren seitens der Ortspolizeibehörden an da? Großh. Kreisgesundheitsamt nicht oder nicht rechtzeitig nach der bestehenden Vorschrift erfolgt, machen wir wiederholt auf die Instruktion vom 14. Mai 1880 (Reg.- Blatt S. 99) insbesondere den § 9, Abs. 3 aufmerksam und erwarten für die Zukunft genauen Befolg. I. V.: Tr. Wagner. Bekanntmachung. Im Staatsverlag ist erschienen und durch sämtliche Buchhandlungen zum Preis von 80 Pfg. zu beziehen: „Gesetz, die allgemeine Bauordnung betreffend. vom 30. April 1881 und die zu dessen Ausführung erlassene Verordnung vom 1. Februar 1882 unter Berückstchtigung der inzwischen erfolgten Aenderungen und der Einwirkungen der späteren Gesetzgebung. Amtliche Handausgabe mitAnmerkungenund Sachregister.^ 7 Bogen stark und broschiert. Gießen, den 21. Oktober 1904. Gr-oßherzv gliche Kreis amt Gießen. Tr. B r e i der t. Lusgand irr Aeuisch-Südweliafrika. Aus Okahandja meldet ein Telegramm: Im Nord- tvesten des Schutzgebiets wurde der Hottentotten- kapitän Uichamab und dessen Sohn vomKommmidanten von Outjo gefangen. Die Besatzung von Zesfontein (früher ein Offizier und elf Mann) ist verstärkt worden. Vorläufig sind die Toopnaar und Zwartboi-Hottentotten ruhig. In Swakopmund ist ein schnelleres Zunehmen der Molenversandung zu befürchten. Leutwein meldet unterm 19. Oktober aus Rehobath: Nomtsatz wurde vor Ankunft der Verstärttmg von den Hottentotten genommen. Die Witbois sam^ mein sich in Massen bei Rietmond. Leutwein meldet ferner aus Rehoboth, daß bei dem Neberfall von Nantsas durch die Hottentotten Tierarzt Oskar Albrecht und Farmer Hermann den Tod gefunden haben. Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Hinweis, daß wegen der ungünstigen Landungsverhältnisse in Swakopmund eine gleichzeitige Heraussendung aller dort notwendigen Truppen nicht angängig sei, werde von einer Seite für nicht stichhaltig erklärt. Dort werde behauptet, daß bei gleichzeitiger Landung die zunächst Gelandeten vielleicht ein paar Tage untätig auf die zuletzt Gelandeten warten müßten. Demgegenüber betont das Matt, jener Korrespondenz seien die großen Schwierigkeiten des Landens in Swakopmund unbekannt. Es handelt sich bei der Landung eines Schiffes mit drei Kompagnien nicht nur um ein paar Tage, sondern um drei bis vier Wochen. Nachts dürfte nicht gelandet werden. Bei den starken Brandungen sei auch am Tage die Landung tagelang oft unmöglich. Wegen der großen Schwierigkeiten sei schon versucht worden, eine alte, teilweise versandete Landungsstelle zu benutzen, was aber auch wegen der starken Brandung schwierig sei. Die Tran sporte könnten daher nur in Abständen von mindestens drei Wochen folgen; andernfalls habe man nur den Nachteil, daß die betreffende Dampferlinie für die längere Zeit, die ein Schiff auf der Reede von Swakopmund liege, ein recht erhebliches Liegegeld zahlen müsse. Danach vermag also irur gewissermaßen tropfenweise Hilfe gesandt zu werden. Unsere Truppen geraten dadurch in eine schlimme Situation, denn an der Uebermacht der Aufständigen ist picht zu zweifeln. So rächt sich immer mehr die Unterlassung von Vorsichtsmaßregeln, die seit langem geboten erschienen. t Zu einer sehr ernsten Auffassung der Lage im südwestafrikanischen Schutzgebiet gelangt die „Deutsche Kolonial- ztg." das Organ der Kolonialgesellschaft. Ein allgemeiner Auf st and aller Hottentotten st ämme scheine unausbleiblich, wenn er nicht bereits in allen Landes- teilen ausgebrochen sei. Aehnliche Befürchtungen werden auch an leitenden Stellen gehegt. Daß angesichts dieser Gefahr die umfassendsten Vorbereitungen getroffen werden, versteht sich von selbst. Ein Soldatenbrief. Einen Brief aus Südwestafrika hat von seinem schwerverwundeten Sohn der Obstzüchter August Balz in Werder a. H. erhalten. Dieser Sohn gehört zu den beiden einzigen am Leben gebliebenen Reitern, die zu der Patrouille des Leutnants v. Bodenhausen gehörten, die am 5. und 6. August das Terrain am Waterberg aufzuklären hatte und von den Hereros überfallen und niedergemacht wurde. Der junge Balz schildert in dem Brief den Hergang wie folgt: „Wie ich Euch schon mitteilte, habe ich am 6. August bei einem Patrouillenritte einen Schuß durch den linken Fuß bekommen, der durchs Spann ging, einige Sehnen zerrissen und Knochen zersplittert hat. Ich wurde am 6. August mit einem Ochsenwagen vom Waterberg nach Omaruru ins Lazarett geschickt; es ging aber damit nur langsam, denn erst am 22. August kam ich in Omaruru an. Ter erste Verband lag also über 14 Tage. Ter Arzt sagte, daß es noch Monate dauern wird, bis die Wunde richtig verheilt ist, und dann wird der Krieg vorbei sein. (?) Die Hereros sind ja allerdings jetzt wieder ausgebrochen, aber es wird ihnen wohl nicht viel nützen, denn sie müssen alle dran glauben. Gefangene werden nicht gemacht, es wird alles niedergemacht." Der Briefschreiber schildert hierauf anschaulich, wie die Patrouille, die aus ihrem Führer, einem Unteroffizier, 11 Reitern und einem Kaffer bestand, nachdem sie die Herero am Waterberg aufgespürt hatte, plötzlich von ccl 300 Munn überfallen wurde. „Als wir nun sahen, daß nichts mehr zu machen war, machten wir nach der einen Seite e .i*n Sturmangriff und schlugen uns' durch. Tann machten Nur halt und sammelten uns, da waren wir nur noch 5 Mann. Dann schossen wir wieder tüchtig und dabei fielen von uns 2 Mann. Ich kniete hinter einem dicken Baum und als ich so etwa 8 Schüsse abgegeben hatte, bekam ich einen Schuß durch den Fuß. Tas Blut spritzte nur so und ich zog mich nun etwa drei Minuten weit zurück, holte mein Verbandszeug hervor und verband mir den Fuß. Inzwischen hörte, es auf zu schießen, und ich schlich mich zurück. Unterwegs traf ich, noch einen Kameraden, der faßte mich unter, und so traten wir beide den Rückmarsch an. Mein Kamerad nahm mich jetzt auf die Schulter, schließlich konnte er aber mich nicht mehr tragen. Wir gaben nun Signalschüsse ab, und zufällig wurden wir^ von der 12. Kompagnie, die einen Uebungs'ritt machte, gehört. Ich wurde nun auf ein Pferd gesetzt und nach unserer Kompagnie zurückgebracht. So kam ich mit dem Leben davon. Am nächsten Tage ritt eine Kompagnie nach dem Kampfplätze um die Toten zu begraben. Die Leichen waren alle ausgezogen, die Au gen ausgestochen, Bäuche ausgeschnitten, Hände abgeschlagen. Tie Gesichter toaren zerschlagen, ^verschiedenen war das Genick umgedreht. Tie Pferde und Sättel, Gewehre und Patronen hatten die Schwarzen mitgenommen. Von der ganzen Patrouille waren also nur ich und mein Kamerad Fischer zurückgekommen." Hiernach wird auf beiden Seiten, auf europäischer wie afrikanischer, mit gleicher Erbitterung gekämpft. Gefangene werden nicht gemacht; alles wird vernichtet — und die Hereros rächen sich in ihrer Weise an den Leichen. Und das wird nun eine schlechterdings no.ch nicht zu begrenzende Zeit so fortgehen. Aie Schkacht am Schaho. Auf der leichenbedeckten Wahlstatt am Schaho herrscht die Ruhe der vollkommenen Erschöpfimg aller Kräfte bei beiden Gegnern. Tie Japaner schreiben sich int allgemeinen den Sieg in der furchtbaren Schlacht zu, aber sie wissen auch, daß der Feind nicht niedergekämpft worden ist, daß vielmehr, um einen endgiltigen Erfolg zu erringen, die Mutarbeit von neuem begonnen werden muß. Man erwartet noch eine kurze Zeit der Ruhe; aber die Linien der Kämpfer stehen sich überall auf nächste Entfernung gegenüber, und ein Zusammenstoß einzelner Abteilungen kann leicht das Signal zum Wiederausbruch der! allgemeinen Schlacht geben. Die heute vorliegenden Meld--' ungen lauten: Petersburg, 20. Okt. Der „Mrschewija Wjedo- mosti" wird von ihrenr Korrespondenten aus Muwen vwrt 19. Oktober telegraphiert: Die Kosakenabteilung des. Generals Mischtschenko kam mit zwei Bataillonen des Fein- des ins Gefecht. Das Feuer der russischen Artillerie war so gut, daß der Feind gezwungen war, sein Feuep ein zu st eilen. Die Infanterie auf unserer Westfront ging gestern zurück. Eine Abteilung der Vorposten umzingelte gestern einBataillonJapaner und UvanH sie zur Ueberga.be der Waffen. Die Russen besetzten die Stellungen im Süden des Dorfes Schahe. Die Japaner gehen langsam zurück. Petersburg, 20. Okt. Generaladfirtant Knropat^ kin meldet dem Kaiser unter dem gestrigen Tage: ES haben keine Kämpfe stattgefunden. Als unsere Ka- vallerie am 18. Oktober sechs Werst östlich von dem Dvrse Tadusanpu eine Rekognoszierung ausführte, zog sich dre, Vorhut der Japaner feuernd eilig zurück. Bei der Verfolgung des Feindes stießen die Kavallerieabteilungen ht Sandepu auf bedeutende Streitkräfte, und zwar auf Infanterie mit Maschinengewehren und Artillerie. Der Feind' eröffnete das Feuer und zwang, dadurch unsere Kavallerie^ die Verfolgung aufzugeben. Erne Streifwache wurde 200 Schritt vom Feinde entfernt mit Maschinengewehrfeuer empfangen. Die Pferde aller Kosaken wurden!- getötet. Der Führer dieser Streifwache und ein Kosak wurden verwundet. London, 20. Okt. Dem „Standard" wird aus Gei neral Kurokis Hauptquartier vom 17. Ott. gemeldet: Kuropatkin kämpfe ein Rückzugsgefecht.-, Es erscheine aber nicht unmöglich, daß er trotz der gemachtes bösen Erfahrungen noch einmal angreife, da seinen Leutew befohlen worden ist, sich unter keinen Umständen auf Muk-! den zurückzuziehen. — Derselbe Berichterstatter meldet voms 18. Oktober über die Vernichtung eines russischen Bataillons beim Ueberschreiten oes Taitseflusses: Das Bataillon sei von den Japanern einaeholt und durch Maschinengeschütze fast vollständig vernichtet worden. Dies fei* die erste bemerkenswerte Leistung der Maschinengewehre in diesem Krieg. London, 20. Okt. Nach Meldungen aus Tokio, betrugen die . Verluste der linken japanisches Armee in der Schlacht am Schaho nach zuverlässigen^ Schätzungen ungefähr 5000 Mann. Tokio, 20. Ott. (Reuter.) Ein gestern abgegangener, telegraphischer Bericht aus dem Hauptguartier der mand-! s ch u r i s ch e n Armee schildert die Lage in der Front folgendermaßen: Die mittlere Kolonne der rechten Armee griff gestern feindliche Kavallerie an, die Kunschiafu besetzt hielt und vertrieb sie von dort; doch kehrte eine kleine Ab-! teilung feindlicher Infanterie in diese Stellung zurück. Waü-' taoschan wird noch vom Feinde besetzt gehalten. Mm Morgen! des 19. Okt. wurden in der Näl)e von Kaokwantschia, rechte von unserer rechten Armee, zwei Bataillone feindlicher) Infanterie sichtbar. Sie haben anscheinerrd noch Reservein! hinter sich, deren Stärke jetzt erkundet wird. Am 19. Oft? nachmittags wurden vom rechten Flügel der mittleres Armee zwei russische Bataillone mit einer Batterie 'ArtMerie bemerkt, die von Tunschiafu auf Titischan vorrückten unp dann hinter Titischan in Deckung gingen. Bei Fenschiapao beschoß feindliche Artillerie gelegentlich unsere Stellungen;', eine feindliche Migade hat bei Fenschiapao Stellung genommen. An der Front der linken Kolonne sind kerne Veränderungen eingetreten, ebenso an der Front der mittleren Armee eine Veränderung der Lage nicht zu verzeichnen, ausgenommen ein gelegentliches gegenseitiges Feuern.' An der Front der linken Armee ist alles ruhig, doch werden! auch dort unsere Truppeir gelegentlich vom Feinhe beschossen. In der Nacht vom 18. Ott. griff der Feind die linke Kolonne an, wurde aber zurückgeschlagen. London, 20. Ott. Von der japanischen Armee wird fce* meldet, daß die Schlacht am Schaho beendet ist. ' Sie schließt mit einem Siege der Japaner, der jedoch nicht entscheidend ist. Die Japaner nehmen eine mit der Front, die ste vor der Schlacht halten, parallele, aber um 24 Kilometer weiter nördlich vorgeschobene Linie ein. Kuropatkin zog seine gesamte Armee in vollster Ordnung auf die neuen Stellungen zurück. —’ In Japan und England wird anerkannt, daß das strategische Geschick deS russischen Oberfeldherrn durch die Schlacht am in noch glänzenderes Licht gestellt Nwrden ist. Kleines Aeuilleton. — Das Krebsserum des Dr. Doyen. Zahlreiche französische und ausländische Teilnehnrer des Pariser Chirur- genkongrefses besuchten am 20. d. M. die Privatllinik des Tr. Doyen, der eine Anzahl mit seinem Krcbsferum behandelter Kranken vorftellte. Unter der Voraussetzung, daß die von Tvyen über die Borgeschicyte dieser Fälle gemachten Angaben richtig sind, woran übrigens niemand zweifelt, muß man nach dem Urteil der Fachleute, welche der T>emonstration beiwohnten, anerkennen, daß Doyen in einzelnen Fällen überraschend und dauernde oder Dauer versprechen de Heilerfolge erzielte. Geheimrat Ezerny-Heidclberg meint, daß das Doyensche Heilmittel, ohne vielleicht ein spezifisches Produkt, Miero-oeeus nevfvrnrans, zu sein, doch besondere Toxine enthalte, welche die Entwicklung des Krebses beeinflussen. Es ist die Alifgabe der Chirurgen, das Mittel Tövens weiter zu prüfen, unb es empfehle sich, im Streit zwischen Tr. Doyen und seinen Widersach-ern die Mitte einzuhalten. (Frff. Ztg.) — E i n Buch über das „Deutsche Theater t m neunzehnten Jahrhundert" hat Paul ^-chlenther fiir das umfassende Sammelioerk des Bondischeu Verlages in Berlin versprochen, das die gesamte deutsche Kulturleistung des vergangenen Jahrhunderts' in größeren Einzelschriften behandeln sollte und das bisher in dem Handbuchc Gurlitts über die deutsche Kunst, in dem Sombarkschen Buche über Volkswirtschaft und in dem Werke Kaufmanns über die politische Geschichte des 19. Jahrhunderts drei sehr wertvolle Kompendien von bleibender Bedeutung bereits geliefert hat. Ter Direktor des Wiener Burg- theaters hat jedoch sein Versprechen bisher noch nicht eingelöst. Er scheint allzuviel mit dem Theaterspiel des zwanzigsten Jahrhunderts ^u tun zu haben, als daß er zu größeren historischen Seitenspriingen Zeit fände. Am Ende nimmt er selbst mit einer- gewissen Erleichtenmg das dickleibige Werk über das gleiche Thema in die Hand, das inzwischen ein anderer vollendet hat: Max M artersteig, ein tüchtiger jüngerer Tbeatermann, einst Re- Meur in Riga, jeA an den vortrefflichen Reinhard'schen Bühnen in Berlin als hervorragender Berater tätig. Seine Tarstellung (im Verlage von Breitkopf u. Härtel zu Leipzig erschienen) ist eine höchst respektable Arbeitsleistung, die mehr als 700 Seiten umfaßt. Er hat seine Schilderu^rg ans breitester Gr-undlage aufgebaut; sein Buch bietet weit mehr als der Titel verheißt. Tenn als ein moderner Forscher betrachtet er das Theater nicht als eine isolierte Erscheinung. Svnderm er will es nach soziologischen Gesichtspuntten in die allgemeine ttlltu- relle Euttvickelung einordnen. Polltische, religiöse, vor allem wirtschaftliche Bedingungen werden. in ihren entscheidenden Einflüssen erkannt und beobachtet. Bis in die frühesten Anfänge in Indien und Hellas wird die dramatische Kunst verfolgt. Tie ichaffenden Bühnendichter, die Tarftcller, die Zuschauer werden mit gleicher Sorgfalt betraget. Das' ,nusikalische Drama tritt hinter dem rezitterenden nicht zurück. Nicht nur Wagemut und Ausdauer dieses Mannes sind zu rühmen, der sttoitz ein paar Lebensjahre an die Bewältigung einer großen Ausgabe gesetzt hat, sondern auch die Gründlichkeit seiner Arbeit, deren erste ^eile durch außerordentlich vertieftes Studium, durch eine Fülle neuer Aufschlüsse, durchs die großen historischen und literarischen Kenntnisse und die Sicherheit rmd den WeMick des feinen ästhetische Urteils besonderen Wert besitzen. — Die Partizipialkonstruktionen gehört«« zn den besonderen Merkmalen des dentschm Stils KönigLvdwigS I. von Bayern. Ein köstlick?es Beispiel dafür bietet btr folgende Brief Ludwigs an Kaulbach, den das Rovemberhest der „Süddeutschen Monatshefte" in entern interessanten Aufsatz von Josepha Türck „Aus meiner Kinder?sit" mitteilt. Der Brief lautet: „München, 23. Jan. 1852. Wert her Kaulbach! Meine Antwort betreffend Entwurf zu einem der Genmlde an der neuen Pinakothek. Tie Krönung meines Stait-bildes in einem von mir malen gelassen werdenden Bilde wäre so entschieden wider meine Art und Weise. Lassen Sic solche weg, alles übrige dieser trefflichen Zusammenstellung (compositimll (trefflich ist Jrche Kaul- bachsl hätte zu bleiben. Der Ihr grwßes Talent zu ßUtzen wißender Ludvng." Newyork. 19. Ott Edison ist an den Folgen einer Behmrdlung mit X strahlen iricht unerheblich erkrankt. einer reinen Betriebsmittelgemeinschaft der deutschen Ausland London, 20. Okt. Dem Reuter-Bureau wird aus der Siaatsregierung wurde seitens des anwesenden Regierungsvertreters bekundet. Der einzige Gegner des Antrages war das sozialdemokratische Mitglied des Ausschusses. Stuttgart, 20. Okt. Die Fraktion der Volkspartei beschloß, im Landtage zwei Interpellationen einzubringen betreffs der lippeschen Streitfrage und des Projekts wird sie Abg. Traeger begründen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Tie Angaben, die der „TuneS" aus Peking und Wien über die Einmischung der deutschen Diplomatie in Sachen des englisch- tibetanischen Vertrages zugingen, veranlassen uns, folgendes festzustellen: Weder bei China, noch bei Rußland, noch an anderen Stellen hat die deutsche Diplomatie in der Tibetfrage amtlich oder vertraulich Schritte getan. Der Vertrag zwischen Großbritannien und Tibet wurde in Peking durch Veröffentlichung einer Zeitung bekannt, ohne daß vorher der deutsche Gesandte von dem Wortlaut deS Vertrags oder seiner Veröffentlichung unterrichtet gewesen ist. Die Zeitung soll den Text des Vertrags aus chinesischer Quelle erhalten haben. Von der deutschen Gesandtschaft konnte ihr darüber keine Information zugehen. Nach der Veröffentlichung fragte der deutsche Gesandte gesprächsweise auf dem chinesischen Aus- l wärtigen Amte, ob der in der Presse gemeldete Wortlaut des Vertrags authentisch sei. Der Gesandte hob dabei ausdrücklich ! hervor, Deutschland nehme an dieser Angelegenheit keinerlei I Interesse. Wildpark, 20. Okt. Heute nachmittag sind der Groß- ! Herzog und die Großherzogin von Mecklenburg mit Herzogin Geeilte eingetroffen. Zum Empfang waren der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz, Prinz und Prin- zessin Heinrich erschienen. Fulda, 20. Okt. Bei der heute nachmittag stattgehabten Landtags-Ersatzwahl im Wahlkreise Fulda an Stelle des verstorbenen Abg. Dr. Göbel (Ztr.) wurde ReichsgerichtS- rat Dr. Spahn-Leipzig (Ztr.) einstimmig gewählt. Oldenburg, 20. Okt. Unter den Anträgen, die der Finanzausschuß des Landtages dem Plenum zur Annahme empfiehlt, ist von besonderem Interesse ein Antrag Schröder, der dte Seßhaftmachung ländlicher Arbeiter bezweckt. Nach dem Anträge soll der Staat auch zur Mitwirkung herangezogen werden, wenn in kultivierten und bewohnten Gegenden Eigentum erworben werden soll und deut Erwerber entweder die Möglichkeit fehlt, sich anzukaufen, oder aber die Mittel mangeln, sich seßhaft zu machen. Staatsländereien sollen in kleinen Parzellen für die Seßhaftmachung der Arbeiter und der ihnen gleich zu achtenden Kleinhandwerker hergegeben werden; außerdem aber soll der Staa auch mit seinen Mitteln als Käufer austreten, wenn größere Besitzungen in Gegenden zum Verkauf kommen, wo es der Arbeiterschaft schwer wird, passendes Eigentum zu erwerben. Nicht nur der Finanzausschuß erklärte sich mit der Tendenz des Antrages durchaus einverstanden, auch die Sympathie Deutsches Reich. Berlin, 20. Okt. In Werder a. d. H. wurde heute in Gegenwart des Kaisers, deS Kronprinzen, der Prinzen Heinrich, August Wilhelm, OSkor, Joachim, Friedrich Karl von Hessen, der Prinzessinnen Heinrich, Friedrich Karl von Hessen und Viktoria Luise das Denkmal Kaiser Fried- richS enthüllt. — Die Nachricht betreffs Aeußerungen, welche der Reichskanzler gegenüber dem Bruder des Abg. VopeliuS zur Kanalvorlage getan haben sollte, erklären die „Berl. N. Nachr." für erfunden. Die Kanal Vorlage sei weder vom Reichskanzler noch von ihm berührt worden. — Der Reichskanzler Graf Bülow empfing heute nachmittag den gestern abend hier eingetroffenen österreichisch- ungarischen Botschafter v. Szoegyeny-Marich zu einer i längeren Unterredung. — Der Reichskanzler hat den Lippischen Staatsminister Gevekot nach der Festtafel im königlichen Schlosse am 18. d§. in ein längeres Gespräch gezogen, das sich in erster Linie um die Lippische Frage gedreht hat. Minister Gevekot ist heute nach Detmold zurückgereist. Der Ausschuß für daß Justizwesen und der für Verfassungsfragen sind mit der Prüfung der Lippischen Angelegenheit beschäftigt. So sehr nun hier auch die Angelegenheit beschleunigt wird, bis zum nächsten Samstag wird die Materie für das Plenum des BundeSratS auf keinen Fall schon spruchreif sein. Wenn nun weiterhin behauptet wurde, Gras .^phenthal sei als Referent über die Lippische Angelegenheit im Bundesrat bestellt, so liegt auch hier nichts als eine Vermutung vor. Minister Gevekot hat Gelegenheit gehabt, auch noch mit einer ganzen Anzahl weiterer Bundesratsbevollmächtigter in einen Meinungsaustausch zu treten. Dabei hat man weder von der einen, noch von der anderen Seite versucht, Stimmung mu machen, und insbesondere hat, wie die .Post" hört, der Minister Gevekot diejenige Zurückhaltung bewahrt, welche von Anfang an auf Seiten der gegenwärtigen Regierung in Lippe so angenehm aufgefallen ist. — Die von den Freisinnigen eingebrachte Interpellation, betreffend die Sammlungen des Oberhofmeisters v. Mirbach, wird vom Minister de§ Innern Freiherr Iv. Hammerstein am 26. d. M. im Plenum des Abge- I ordnetenhauseS sofort beantwortet werden. Voraussichtlich Die Regierung wird aufgefordert, ein Arbeitsministerium zu gründen. Paris, 20. Okt. Präsident Loubet empfing bte her» vorragendsten Teilnehmer an dem Chirurgenkongreß, darunter die Professoren Czerny-Heidelberg, von Mikulicz- Radecki-BreSlau, Ernst von Bergmann und Sonnenburg- Berlin. Wien, 20. Okt. Nach einem statistischen Nachwelse über den Außenhandel Oesterreich-Ungarns betrug im September der Wert der Einfuhr 161 Millionen Kronen, also 22.9 Mill, mehr als im September des Vorjahres, der Wert der Ausfuhr 172.3 Mill., also 8.5 Mill, weniger als 19 0 3. Vom Januar bis einschl. September bezifferte sich der Wert der Einfuhr aus 1459.4 Mill., das sind 92.8 Mill, mehr als 1903, der Wert der Ausfuhr aus 1517.4 Mill., also 17 Mill, weniger als im Vorjahre. DaS Aktivum der Handelsbilanz beträgt in diesem Jahre 58 Mill. Kronen gegen 167.8 Mill, im Vorjahre. — In der niederösterreichischen Handelskammer stellt daS Mitglied Lindhelm folgenden Dringlichkeitsantrag: Angesichts der enormen Wichtigkeit der telephonischen Verbindung Wiens mit Frankfurt a. M., das schon seit Jahrhunderten und lange vor Berlin mit der österreichischen Finanzverwaltung und der Wiener Geschäftswelt in ernster Berührung steht, wolle die Handelskammer in einer Eingabe an das Handelsministerium neuerdingS versuchen, eine telephonische Verbindung zwischen Wien und Frankfurt a. Main, eventuell im indirekten Wege durch Benützung der bayerischen Linie sukzessive durchzusetzen. Shanghai, 20. Okt. Gut informierte Chinesen ver» sichern, daß sich geheime Gesellschaften gebildet haben, um in der Provinz Kwangtung einen allgemenen Chinesen- aufftanb herbeizuführen. Sofia, 20. Okt. Aus Saloniki wird gemeldet: Ein bulgarischer Priester wurde vor seiner Wohnung von Griechen ermordet. -- . - - — Eine Versammlung von Gemeinderatsmitgliedern der '^rhtTßeiite^bi^an^bMi Vororte Londons hat einen Antrag angenommen betreffend erwehren Gründung einer großen Kolonie, nach welcher bte Arbeitslosen der Stadt London gebracht werben sollen. AUS und Land. Gießen, ben 21. Oktober 1904. " Personalien. S. K. H. ber Großherzog haben dem evangelischen Pfarrer Alexander Schuch ard zu Reinheim daS Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps )c§ Großmütigen verliehen. — In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemein- chast Jakob Henkel zu Großen-Buseck. *• Der neue NotauSgang im Stadttheater. Der Beginn der Volksvorstellungen, die ein besonders zah.l- reicheS Publikum ins Theater zu ziehen pflegen, giebt un§ Veranlassung, daraus hinzuweisen, daß in diesem Herbst vom Theaterverein ein NotauSgang hergestellt wurde, der von der linken Seite des ParketS aus durch die Kegelstube hindurch direkt inS Freie, nämlich in den Garten ber Herren Gebrüber Friedberger führt, die in dankenswerter Weise ihre Einwilligung zu der Anlage gegeben hatten. Dieser NotauSgang ist mit einem Feuerwehrmann besetzt, der im Falle einer Gefahr das über 2 Meter breite Tor nach den: Fried- berger'schen Garten aufstößt. Während also durch diesen neuen breiten AuSgang alle auf der linken Hälfte deS Saales sich befindenden Personen in kürzester Zeit das Freie erreichen, treten die rechts sitzenden durch die beiden schon früher vorhandenen Türen direkt in den Hof des Theater- grundstückeS; die Besucher der Gallerie und der oberen Logen verlassen dagegen den Saal am besten über die Gallerietreppe, wenn sie es nicht vorziehen, eine der Leitern herabzusteigen, die seitens der Feuerwehr vor jeder Vorstellung an das Haus gestellt werden. Es sind also alle Vorkehrungen getroffen, um im Falle einer Gefahr ein rasches Entleeren des Theaters zu ermöglichen. ♦* Der Gesangverein Harmonie feiert am Samstag abend in der Restauration Wigandt sein 58. Stiftungsfest sowie am Sonntag nachmittag in Lonys Merkeller ein Familienfest, verbunden mit humoristischen, Gesangsvortragen und Tanz. Die wackere Sängerschar steht unter Leitung eines bewährten Dirigenten, des Lehrers Mach, der versteht, dem Verein seinen alten guten Rus zu erhalten und zu stärken. Tie Festtage versprechen den Ungehörigen sowie den Freunden des Vereins einige schone Stunden. , •• Der Hannoversche Sport-Wettlauser Karl Gerhardt, welcher am vorigen Sonntag nachmittag auf Oswaldsgarten vor zirka 2000 Zuschauer, die ringsum den Platz besetzten, zum Erstaunen der Zuschauer 220 Meter 90 mal in 688/4 Minuten umlief, während bte Mitläufer es auf nur 8—12 Runden brachten, wird Sonntag den 23. Oktober nachmittags nach 3 Uhr auf Oswaldsgarten nochmals einen Wettlauf'veranstalten. Diese Vorstellung verspricht dadurch interessant zu werden, daß zwei Radfahrer 97 Runden m derselben Zeit fahren müssen, in der der Wettläufer 50 gelaufen hat. Das Nähere ist im Inseratenteil zu ersehen. ** Oberhessische Heimatgeschichte. In Nr. 243 (vom 15. d. M.) des „G. Anh.", so schreibt man uns, findet sich, als Beitrag zur oberhessischen Heimatsgeschichte die „mündliche Ueberlieserung" mitgeteilt, daß die ehemalige Stadt Feldkrücken zwischen Ermenrod, Ruppertenrod und Elpenrod gelegen Hube, daß die Bewohner in den Vogelsberg gezogen, dort ein neues Feldkrückerr gebaut, daß jedoch drei Familien zurückgeblieben und Elpenrod begründet hatten. Hiervon ist allein richtig, daß zwischen jenen drei Dörfern ein Dorf Feldkrücken gelegen hat, das um die Mitte des 14. Jahrhunderts bestand, jedoch schon 1466 wüste war. In einer Arnsburg er Urkunde vom 19. Ang. 1350 erscheint Fel d - krucken bi Elperodde", also beide zur selben Zeit noch als Dörfer. Dagegen erscheint Feld krücken im Vogelsberg (bei Ulrichstein) schon 11. April 1344, kann also ebenso wenig wie Elpenrod von jenem anderen Feldkrücken aus begründet worden sein. ** Der Herr Versicherungs-Inspektor. Man schreibt uns auS Preußen: Ein höherer Verwaltungsbeamter begab sich vor Kurzem in dienstlicher Angelegenheit in daS abgelegene Dörfchen P. Dort fragte er nach der Wohnung des Dorfoberhauptes und erfuhr, daß dieses abwesend sei. Der Beamte begab sich inS DorfwirtShauS und erhielt dort Gesellschaft in der Person des DorsdarbierS. Dieser war neugierig genug, den fremden Herrn zu fragen, waß er für ein „Geschäft" habe. Dieser, dem eS darum zu tun war, vorerst nicht erkannt zu sein, gab sich für einen LebenSversicherungS- , Inspektor aus, er wolle u. a. die Kinder deS Bürgermeisters englische Dampfer „Maori King"', der eine Ladung gepökelten Fleisches im Werte von 300 000 Toll, an Bord hat, von Rußland angekauft wurde. Ter Dampfer ging heute nach Kapstadt. Er führt jetzt den Namen „Restauration . Lemberg, 20. Okt. Wie ein polnisches Blatt meldet, haben fich ein Oberst, 6 Offiziere, ein Militärarzt, denen der Ankauf von Werden in den Grenzgebieten für die ostasiatische Armee Übertragen war, geflüchtet. Sie wandten sich nach der Schweiz, um nicht mehr nach Rußland zurückzukehren. Paris, 20. Okt. Ein Berichterstatter, der vor kurzer Zeit die chinesischen Gewässer durchfuhr, berichtet, daß in diesen Tagen ein heftiger Sturm geherrscht habe. Es sei daher leicht möglich, daß sich die Dschunke, auf der sich der d e u t s ch e und französische Militärattacbee befanden, im Sturm unter- gegangen sei. Frauenzimmer und Wutki. Der amerikanische Oberstabsarzt Seaman, der vom Kriegs- schauÄaß nach Amerika zurückgekehrt ist, hielt auf dem Kongreß der Militärärzte in St. Louis einen Vortrag über die Erfahr- DeterSburg, 20. Okt. General Kuropatkin ist im! unbcftrittcuen Besitzt" SSHeistcltung am Schaho. Starke Kräfte sind -mm schütz der Flügel svNwlü am Hunbo . bei Suhndiapu wie auf der Straße von Mukden nach Bianvapusa i ausgestellt, sodaß eine flankierende Bewegung des den ge- < schäumen Stackelberg ansckx'inend nickt mehr so heftig verfolgen- ] hen Kuroki auch in der Richtung über den Paß von Hanschan nicht । zu befürchten ist. Port Arthur. Tie Llnzeicken, bau eine Entscheidung für Porck Arthur nahe bevvrsteht. mehren fick. Ob diese Entsck^eidung aber den^ end- ; nlligen Fall bei- Festung bedeutet, oder ob General stosset I .feine dezimierte Besatzung in einer letzten festen Reduitstellung I, vereinigen kann — wie es heißt, in dem Westabscknitte der I Festung bei Lavtischan —, steht dahin. Solange das ru)mcw Andreaskreuz als Kriegsflagge nock auf einem Teile von Port Arthur weht, ist Iatxm nickt Herr der Halbinsel Liautung und hat nickt seinen Zweck er-reickt, seiner Flotte den crstlmten Stützwmkt im Gelben Meere zu geben. Die Frontlinre der Gürtel- werke um Port Arthur hat eine Länge von 24 bis' 25 Kilometer nach der Landseite zu. Zu ihrer nnrksamen Verterdigung Tctcwn I nach den fünfmonatlichen Kämpfen die lebenden und toten ^>treit* mittel nun nicht mehr aus. Es heißt, die Besatzung let aus 5000 Mann Waffenfähiger gesunken. Ist diese Mitteilung wahr, so kommen kaum 200 Mann aus die Verteidigung ernes Kilometers. Dieses Verhältnis fällt wenigstens noch um dre valste, da die dicnstbabende Mannschaft abgelöst werden muß. 1001 Mann auf 1 Kilometer verteilt, ergibt höchst unzureichende Verteidigung. Nach all den Verlusten durck Gefechte, Krankheit, Ileberanstrengung ist der moralische Mut der Besatzung bewunderungswürdig. Er ist nocki nicht gebrochen, so daß Okrteral I Ztdssel den heldenmütigen Widerstand nach Ausgabe der Haupt- befestigungen in einem räumlich kleineren 2lbsckhritte sortzu-1 führen gtbenTt. Ta Stössel dem letzten japanischen Parlamentär, der ihn zur Uebergabe aufforderte, mit der Warnung entließ, den nächsten Unterhändler, wenn er mit gleichem Anträge käme, erschießen zu lassen, so ist eine Uebergabe der Festung auf dem Wege der Kapitulation ausgeschlossen, sie kann nur durck eturm erzwungen werden. Mit dieser einzigen Notwendigkeit rechnet auch General Nogi. der Leiter der Belagerung: diesem Umltande entspringen die Gerückte eines nabe bevorstehenden Sturmes, der bis zu dem Geburtstage des Mikado Port Arthur endgiltig zu Fall bringen soll. Die heute vorliegenden Meldungen besagen: London, 20. Okt. Dem Reuterbureau wird aus Tlckim bom 20. Oktober gemeldet: Die Japaner machten am 8. Okt. auf Erlungschan, und die Russen am 9. Okt. auf die japanischen Befestigungen einen vergeblichen Angriff. Später madtfen die Japaner einen überraschenden Angriff und eroberten die Höhen und die 500 Meter von der Hauptbefestigung Erlnng- schcm entfernte eiserne Eisenbahnbrücke. Seitdem ^nackten die Rrffsen verschiedene vergebliche Versi'che, diese Stellung wieder zu nehmen. — Am 10. Okt. gingen neun Torpedobootszerstörer aus dem Hafen und beschossen die linke Flanke dex Japaner. Vier japanische Torpedobootszerstörer zwangen jedock die Russen, nach dem Hafen zurückzugehen. Hierbei erlitt ein japanisches Boot eine schwere 5) a varie, indem es auf eine Mine lief. — Die russische Garnison ist auf 5000 Mann zusammengefckmolzen. — Am 13. Okt. fand ein heftiges! Gefecht auf den Abhängen von Erlungschan statt, wobei die Japaner 300 Mann verloren. — Die Nachricht vom Auslaufen des baltffchen Geschwaders rief in der Festung große Begeisterung hervor. I London, 20. Okt. „Daily Telegraph" meldet aus Tsckim oon gestern: Ein von der Belagerungsarmee aus Port Arthur hier eingetroffener japanischer Kaufmann berichtet, daß die javanischen Verluste vor Port Arthur mehr als 50 000 Tote betrugen. Die Soldaten litten jetzt auch unter der Kälte. Die Hauvtartilleriestellung der Japaner bestehe aus 400 Geschützen, die in einer Linie von den Wolfsbergen bis Tasdmntan । stehen. — Das Feuer dieser Geschütze könne für die Festung erst dann verhängnisvoll werden, wenn die vorgelagerten Forts zum Schweigen gebracht sind. Die Nachrichten von der baltischen Flotte veranlaßten die Japaner dazu, ihre Anstrengungen zu.erhöhen. Sie zögen Verstärkungen zusammen, auch werde die Beschießung heftiger, und beides deute auf ein-n neuen Angriff hin. Kleine Meldungen. London, 20. Okr. Nack einer Meldung aus Tsckifu liegt ein aus den östlichen Gewässern gekommenes iapanisdies Geschwader vor der Jalu-Mündung. Durch dessen Zusammenwirken mit den Landtruppen sei eine ausgedehnte Invasion in Korea durck die Russen nunmehr unmöglich gemacht. Washington, 20. Okt. (Reuter.) Das Staatsdepartement übermittelte den japanischen Protest dagegen, daß die russischen Truppen chinesische Kleider getragen haben, an bm Geschäftsträger Eddie in Petersburg zur Ueber- reichuug an die russische Regierung. Es heißt hier, die Bekleidung sei nicht gebraucht worden, um den Feind zu täuschen, sondern weil wegen des eingetretenen kalten Wetters warme Kleidung nötig gewesen wäre. Es sei nur eine Verletzung der Kriegs- gesetze ftn technischen Sinne. London, 20. Oft. Die „Times" melden, daß der imaen, die er int fernen Osten sammelte. Er ist der Ansicht, daß die übrigen Staaten auf dem Gebiete der H e i l p f l e g e im 'Kriege von den Japanern viel lernen können. Ter böseste Feind fei,nicht der Gegner, sondern die Krankheit, uttb die Japaner, scheinen die ersten zu fein, die dies richtig erkannt hätten.^ Schon lange vor Ausbruch der Feindseligkeiten waren japanssche Militärärzte damit beschäftigt, an den für den Vormarsch der Truppen in Aussicht genommenen Orten die Eisenbahnen, lokalen Verhältnisse auf ihren Einfluß auf die Gesundheit zu prüfen. Es sei auch bei der japanischen Armee Aufgabe der Mlli-1 ....... tärftr?5te, die Anfertigung der Kleidung und der Zelte genau zu I überwachen. Sämtliche Brunnen und Flußläufe wurden, ehe diel Armee in den Distrikt kam, ärztlich untersucht. Keine foura-1 ' , Zierende Abteilung verlasse das japanische Lager, ohne daß ein mAan) in Tibet vorn 17. Oktober gemeldet: Das Haupt- fofaebeflen feien Unterleibserkrankungen in der japanischen Armee find hier erngetroffen. Der Marsch über die Passe war fast unbekannt, und ebenso sei der geringe Prozentsatz der Fieber- mit furchtbaren Anstrengungen verbunden. 72 Leute Erkrankungen geradezu erstaunlich. In den ersten sechA Monaten fielen unterwegs vor Ermattung um und baten, man ^en^Bruchteilson 1 verloren, wägend Prozentsatz mö9* fj* ftcr6e” $cr iebod^ ber im amecikanisch-spanifcken Stiege an Krankheit umgekommencn alle Erschlafften nach Phary zu bringen. In der Oiacht zum Leute auf ametrkanischer Seite 70 Prozent betragen habe. — Auf 17. Oktober fiel so viel Schnee, daß die Zelte unter seiner die russischen stna hmen ist amerikanische Arzt ^ast zusammenbrachen. 2 Mann starben während der Nacht. Mit Leuten, Munilim, Der weitere Rückmarsch mmh, da alle Wege verschneit sind, nrtttttn und Medikamenten gefüllt m sein, stets einen gwsten unterbrochen werden. Rmun an schlechte Frauenzimmer und an Wutll.vergeudet hätten. — Eine Versau Di- nssssiche Bahn habe Tausende dieser Frauenzimmer und Zehn- - tmchmde Kisten Wutki befördert, sodaß selbst,Leute, die an den Krieg gewöhnt feien, fid) ihres Abscheues nicht hätten erwehren ü. a. versichern. Bald darauf verschwand der Barbier. Nach einer Weile brach auch der Beamte auf, der nun annahm, Ker Bürgermeister sei zu Haust. Dort sand er indes die Türe verschlossen, obwohl er merkte, daß Leute im Hause waren. Er klopfte, rief, alles vergebens. Er begab sich nun zum Beigeordneten; vor dessen HauS sah er,'wie ein kleiner Junge unter dem Ruse: „Der Inspektor!" eiligst hinter der Türe verschwand. Diese fand er ebenfalls verschlossen. Trotz allem Klopfen und Rufen ließ sich niemand sehen. Aufgeregt begab er sich zum Wirtshaus zurück und bat den Wirt um Aufklärung. Dieser verhielt sich anfangs völlig zugeknöpft. Als aber der Herr in entschiedenem Tone seinen Titel und Rang nannte und hinzufügte: „Rufen Sie mir sofort den Bürgermeister", da bat der erschrockene Wirt seinen Gast um Entschuldigung und gab ihm Aufklärung. Der Barbier mar Agent einer Versicherungsgesellschaft und erwartete in diesen Tagen den Inspektor der Gesellschaft. Er hatte dem Wirt den Auftrag gegeben, ihm sofort, wenn ein fein gekleideter Herr mit einer Mappe eintreffe, Mitteilung zu machen. Als der nun benachrichtigte Barbier sah, daß dieser Herr sein Inspektor nicht war, sragte er den Fremden aus und eilte aus die ihm zu teil gewordene Auskunft schleunigst fort, um den Konkurrenten bei seinen Bauern unschädlich zu machen. Er forderte alle Leute, die kleine Kinder hatten, worunter sich auch Bürgermeister und Beigeordneter befanden, auf, ihre Wohnung diesem Herrn Inspektor zu verschließen. Und so geschahs. ? Klein-Linden, 20. Okt. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl wurde der langjährige Beigeordnete Wilhelm Jung I. unter lebhafter Wahlbeteiligung einstimmig wiedergewählt. — Lich, 20. Okt. Sicherem Vernehmen nach kommen nächsten Sonntag abend I. K. H. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sowie S. K. H. der Großherzog zum Besuch des Fürsten von Solms-Hohensolms-Lich, um dort einige Tage zu verweilen. + Laubach 20. Okt. Heute nachmittag wurde Lehrer Schäfer im 63. Lebensjahr zur letzten Ruhe bestattet. Schäfer war vom Jahre 1888 ununterbrochen hier als Lehrrr tätig; vor dieser Zeit, von 1876 an, war er in Wetterfeld. Sch. erfreute sich hier allgemeiner Achtung. V Friedberg, 20. Okt. Der hier vor einigen Jahren gegründete Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke, an dessen Spitze Medizinalrat Dr. Weckerling steht, macht immer größere Fortschritte. Die vor einiger Zeit eröffnete Wirtschaft für alkoholfreie Getränke erfreut sich eines guten Zuspruches. Generalsekretär Gonßen-Berlin hielt auf Einladung des Vereins einen Vortrag über die Anti-Alkohol- Bewegung. k. Grebenau, 20. Okt. Das neue Obersörsterei- gebäude, das hier dem alten gegenüber aus einem schon längst zu diesem Zweck erkauften Gelände in diesem Sommer errichtet worden ist, steht jetzt im Rohbau fertig da. Es wird im nächsten Frühjahr vollendet, um am 1. Juli bezogen werden zu können. Das alte Gebäude entsprach nicht mehr den Anforderungen der Neuzeit. w. Udenhausen, 19. Okt. Heute nachmittag fand man den hiesigen Polizeidiener Heinrich Seelig auf bem Speicher seiner Wohnung erhängt vor. Er hat sich selbst das Leben genommen, was aus mehreren hinterlassenen Aufzeichnungen hervorgeht. Auf die Tischplatte hatte er mit Bleistift den Spruch geschrieben: „Was der Mensch sät, das wird er auch ernten". Der Grund zur Tat dürfte wohl die Angst vor den sich bereits bei ihm zeigenden Folgen der Trunksucht sein. g. Büdingen, 20. Okt. Von einem raschen Tod wurde gestern der Steuerkommissariatsgehülfe Füg ereilt. Er befand sich mit den: Steuerkontrolleur bei einer Steuerrevision m der Apotheke, als plötzlich ein Herzschlag ihn tötete. R. B. Darmstadt, 20. Okt. Auch heute hatte der Finanzausschuß der zweiten Kammer eine sehr ausgedehnte Beratung, die besonders dadurch an Interesse gewann, daß neben Finanzminister Gn auth und Geh. Ober- j ustizrat Lorbacherals Vertreter des Justizministers auch Herr Staatsministeu Rothe erschien und in mehreren Punkten die Stellung der Regierung präzisierte. Der Ausschuß informierte sich deshalb auch heute mehr über generelle Fragen u,nr> Absichten der Großh. Regierung, die natürlich zunächst als streng vertraulich betrachtet werden müssen. Ein Beschluß wurde nur bezüglich der Gemeinde Butzbach gefaßt, welcher die für die dortige Kirche geforderten 4000 Mk. im Einverständnis mit her Negierung genehmigt wurden. Der Finanzausschuß will morgen noch eine Sitzung abhalten und sich noch über mehrere der heilte erörterten Gegenstände der Tagesordnung, darunter das Nebenbahnprojekt Lich-Grünberg, schlüssig machen. Dann gedenkt er noch in der nächsten Woche einige Sitzungen abzuhalten, um das vom Abg. Ulrich über die Beschlüsse bezüglich der Forderungen für Bad-Nauheim schriftlich zu erstattende Referat zu genehmigen und die weiteren Vorlagen für die Beratung im Plenum fertig zu stellen. * Altona, 20. Okt. Gegen die an der Reismühle wohnende 67jährige Witwe des Konsuls Dürfeld, eine wohlhabende Dame, ist, wie schon kurz gemeldet, ein Raubmordversuch verübt worden. Gestern morgen wollte der Brothändler Hickert der Frau Dürfeld Brot bringen. Er fand die Tür verschlossen und ging, deshalb wieder fort. Abends kam Hickert nochmals vor die D.sche Wohnung, die er noch immer verschlossen sand. Da auf s»ein Klopfen nicht geöffnet wurde, benachrichtigte er die Polizei. Die Tür wurde jetzt gewaltsam geöffnet. Auf boent Korridor standen teils schon angetrocknete Blutlachen, zwischen denen Blumenkohl und anderes Gemüse, das Frau Dürfeld am Dienstag abend eingekauft hatte, verstreut lag. Die Blutspuren führten in das erste Zimmer. Dort fand man auf einem Stuhl Frau Dürfeld sitzen. Ihr ganzes Gesicht war mit einer Blutkruste bedeckt, die blutigen Haare stiebten ihr an der Stirn und den Wangen. Der Kops der eilten Dame wies drei schwere Wunden auf. Frau Dürfeld lobte noch, war aber bewußtlos. Sie wurde sofort ins Krankenhaus geschafft. Die von der Kriminalpolizei ein- ggleitete Untersuchung hat einen Raubmordversuch festge- ftellt. Der Täter muß, als Frau Dlirfeld von ihren Einkäufen zurückkehrte, sich schon in der Wohnung befunden buben. Er wird, als die alte Dame den Korridor betreten h'ütte, sofort auf sie eingedrungen sein und sie dann durch mächtige Beilhiebe niedergestreckt haben. Ein weiterer Beil- h'.ieb tötete den Hund, den treuen Begleiter feiner Herrin. Das Beil, mit de!m! die Tat ausgeführt wurde, lag n^ch auf dem Korridor!; es ist von der Polizei beschlagnahmt worden. In der Wohnung waren sämtliche Behälter durchwühlt. Eine große Anzahl Schmucksachen, die Frau Dürfeld besessen haben soll, sind verschwunden. Bon dem Täter fehlt jede Spur. Frau D. ist nicht vernehmungsfähig. * München, 20. Okt. Der bekannte Schriftsteller Oskar Parcizza, der vor einigen Jahren wegen seines Werkes „L t e b e s k o n z i l" zu einer schweren Gesänge nisstrafe verurteilt worden war, ist plötzlich wahnsinnig geworden. Er verließ seine Wohnung, nur mit einem Hemde bekleidet und durchlief die Straßen. Er wurde in die psychiatrische Klinik gebracht. * Wien, 21. Okt. Gestern fand ein Duell zwischen dem Reichstagsabg. Frhrn. v. Berger und einem Fabrikanten statt. Letzterer wurde schwer verwundet. Die Veranlassung war privater Natur. * Kleine Tageschronik. Ans W i t t k o w i tz (Oesterreichs ist vor einigen Tagen der dortige Werksbeamte Stefan nach Verübung bedeutender Unterschlagungen, die er als Zahl- meifter in der Deutschen Volksbank und Spargenossenschast in Leitmeritz für die Zahlstelle Wittkowitz begangen hat, verschwunden. Der von ihm veruntreute Betrag soll die Höhe von 60 000 bis 70000 K. erreichen. Das Kreisgericht Neutitschein hat nach dem Flüchtigen einen Steckbrief erlassen. — In Salzburg wurde der Feldzeugmeister Baron Wimpffen von seinem eigenen Hunde angefallen und schwer verlebt. Kerichlssaak. EB. Darmstadt, 20. Okt. Der von der hiesigen Strafkammer kürzlich wegen Todschlags, begangen an dem Polizeidiener Schnatter in Lorsch, mittelst eines Revolverschusses, zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilte Mörder Rosenberger hat gegen des Urteil Revision angemeldet. Trier, 20. Okt. Wegen F a h n e nf l u ch t im zweiten Rückfalle, Preisgabe von Dienstgegenständen und Beleidigung eines Vorgesetzten wurde der Musketier Kolter vom 161. Infanterieregiment zu insgesamt fünf Jahren fünf TagenZucht- Haus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Paris, 20. Okt. Das Gericht verurteilte den belgischen GrafenCavel wegen schweren Diebstahls zu lebenslänglichem Zuchthaus. Land an, 20. Okt. Das Kriegsgericht verurteilte den Assistenzarzt der Reserve Weber, Arzt in Kaiserslautern, wegen Zweikampfes mit tödlichen Waffen mit dem Arzt Seltsam in Erlangen zu drei Monaten Festungshaft, Reseveleutnant Helfer Rechtspraktikant in Kaiserslautern, wegen Kartelltragens zu einem Tage Festungshaft. Kandel und WerKeyr. Volkswirtschaft. Neue Reichsanteile. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Reichsbank noch 30 Mill. Mark Reichsanteüscheiue auszugeben hat. Die Bekanntmachung, daß dies geschieht, dürste in den nächsten Tagen schon erfolgen und die Zeichnung wird am 3. November stattftnden. Der Zeichnungspreis dürfte wahrscheinlich 144% betragen. Die letztausgegebenen 30 Mill. Mark wurden am 18. Oktober 1900 zu 135% aufgelegt. Es heißt, daß diesmal die Zeichner neben dem Preise auch sämtliche Stempellasten zu tragen haben. — Die See Handlung und die deutschen An- leihen. Als seinerzeit bte Kapitälserhöhung der Seehandlung im preußischen Landtag zur Verhandlung stand, wurde von ministerieller Seite darauf hing'ewiesen, daß die Seehandlung eine Vergrößerung ihrer Mittel hauptsächlich deshalb gebrauche, um die Küfte der heimischen Anleihen zu regulieren und einen stärkeren Rückgang nach Möglichkeit zu verhindern. Nun sind noch bei jeder Geldverteuerung, oder auch nur, wenn dieselbe im Anzug zu sein scheint, so auch bei der jüngsten, die preußischen und die Fonds des Reichs wieder um 0,20 pEt. bis 0,30 pEt. zurückgegangen. Nachweislich ist die später wieder eintretende Erholung gegen die vorhergegangenen Rückgänge in diesem Jahre nie so groß gewesen, um ein langsames Abbröckeln der Kurse zu verhindern, das nun seit mitte Juni rund 1 pEt. erreicht hat. Dies kommt einzig daher, daß bis jetzt keine kräftige Gruppe hinter unseren Staatsfonds stand, die einen Kursrückgang aufhielt. Die russischen Staatsfonds genießen an den deutschen Börsen gewissermaßen mehr Schutz als die heimischen; Beispiele dafür hat man in diesen Tagen gesehen. Deshalb möge die Seehandlung ihres Amtes walten. Wenn sie warten will, bis der Kurssturz an einem Tage schon 1 pEt. oder mehr ausmacht, dann muß sie eben auf eine Katastrophe politischer oder wirtschaftlicher Art warten, die hoffentlich nicht emtritt. Märkte. § Grünberg, 20. Okt. Prächtiges Wetter hatte unser heutiger' und gestriger „G a llm ar kt". Tie Bahnzüge kamen mit zwei Lokomotiven und überaus langer Wagenreihe. Zum Viehmarkt strömten am Morgen aus' allen Gegenden die Wagen mit Vieh, besonders mit Jungschweinen beladen. Der Rindviehmarkt zeigte starke Auffahrt. Lebhafter Handel entwickelte sich bei recht guten Preisen. Man bezahlte für Vs jährige Kälber 70—80 Mk., Vs jährige 100—120 Mk., ganzjährige 170—200 Mk. Zweijährige Rinder kosteten 270—300 Mk. Kühe waren schwach vertreten. Ter Schweinemarkt hatte gleichfalls großen Auftrieb. Auch hier ging der Handel flott bei allerdings keinesfalls hohen Preisen. Wenn man das Paar Ferkel für 25 Mk. kaufen kann, wie es der Fall war, so müssen die Preise als billig bezeichnet werden. Bessere Sorten kosteten pro Paar 30—40 Mk. und 40—45 Mk., die beste Qualität bis zu 50 Mk. Für das Paar Läufer (Einlegeschweine) zahlte man 60—70 Mk. und 70—90 Mk. Wohltuend berührte es, daß der gesuchte Schmutz weder auf dem Vieh-, noch auf bent Krämermarkte vorhanden war. Selbst auf dem „Juxplatze" konnte man trockenen Fußes stehen und gehen. Ter hatte zwei Originalitäten: eine spanische Stierkanrpfarena und eine — nicht fertig gewordene große Schaubude, an der man während bes gestrigen ganzen Tages herumhämmerte. Ob sie heute fertig geworden ist? Ter Stier in der genannten Arena unterschied sich von seinen spanischen Vettern durch seine Tressur und sein scheinbares „Sterben". Die Gastwirtschaften in der Stadt mit ihren Sänger- und Musrkgesellschaften hatten sehr guten Besuch, und die reich ausgestatteten Metzgerläden waren am Wend fast geleert. ko. F r a n k f u r t a. M., 21. Okt. Drig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") Schweine markt. Zum Verkauf standen 556 Schweine. Schweine: 1. Qualität 61—00 Pfg., Lebendgewicht 48—00 Psg., 2. Qual. 59—60 Pfg., Lebendgewicht 47—00 Psg., 3. Qualität 55—58 Pfg., Lebendgewicht 00—00. Geschäft gut. Ueberstand un- bedeutend. Kirchliche Yachrichten. Evangelische Gemeinde. 21. Sonntag nach Trinitatis, den 23. Oktober: Gottesdienst. In der Stadtttrche. Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Missionar Göhring aus Kamerun. Die Mitglieder der Vereinig u n g d e r konfirmierten man n lich en Inge ndderMatthäusgemeinde werden eingeladen, an dem um 8 Uhr im Konfirmandensaal der Johannes- kirche stattssndenden Missionsvortrag teilzunehmen. Donnerstag, den 25. Oktober, abends 8 Uhr, im Gemeindehaus, Kirchstraße 9, im oberen Saal, Bibelstunde. Psalm 104. Pfarrer D. Schlosser. Die nächsten Versammlungen der Vereinigung der konfirmierten w e i b l i ch e n I u g e n d der Matthä ns- gemeinde sindcn Freitag, den 28. Oktober, abends 8 U h r, und Sonntag, den 13. November, abends 6 Uhr, statt. In der Johamreökirche. Vormittags 97, Uhr: Pfarrassistent Schulz. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdicnst für die Johannes- emeinde. «riarraMent Schulz. Abends 5 Uhr: Siehe Stadtkirche. Abends 8 Uhr im Konftrmandensaal der Johanneskirche; Vortrag des Missionars Göhring über Kamerun, mit Vorführung von Lichtbildern. Katholische Gemeinde, chottesdieust. Samstag, den 22. Oktober 1904. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit aut hl. Beicht. Sonntag, den 23. Oktober 1904. 22. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6 72 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Altsteilung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe. „ um 9 % Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachrnittags um 5% Uhr: Christenlehre; darauf Rosenkranz- Andacht mit Segen. An den Werktagen ist täglich des Abends um 6% Uhr Rosenkranz-Andacht mit Segen. Donnerstag um 7 Uhr: Segensmesse. Kriefkasten der Redaktion. (Anonprne Anfragen bleiben nnberückfichtigt.) W. S. Erst jetzt können wir Ihre Frage beantworten, denn heute früh erst traf auf unsere direkte Anfrage bei dem Verfasser folgende Antwcrt aus Hamburg vom 20. d. M. ein: „Mein Schauspiel „Alma mater“ erscheint nach erfolgter Erstaufführung, die heute abend im Thaliatheater in Hamburg erfolgen soll, im Theaterverlag von A. Entsch in Berlin. Eine Buchausgabe habe ich vorläufig noch nicht ins Auge gefaßt, da ich erst den Ausfall der Aufführung abwarten will. Hochachtungsvollst V. Stephan^" lieber diese Aufführung wird heute der „Frkf.Ztg." telegraphiert: Das vieraktige Schauspiel „Alma mater“ ist ein, wenn auch literarisch nicht zählendes, so doch dramatisch gut gearbeitetes Drama aus dem Studentenleben. Ein Ehrenwortkonflikt endet mit Selbstmord. Die Aufnahme des Stückes war sehr freundlich. Neneste Meldimgen. Lorch, 21. Okt. Gestern nachmittag hat sich hier eine Rote-Kreuz-Schwester aus Frankfurt a. M., die im 26. Lebensjahre steht, iml Abort der Bürgerineisterei erschossen. Tie Unglückliche, die in der verflossenen Nacht in der „Krone" wohnte, fiel dem Besitzer durch ihr ver> störtes Wesen auf. Ms sie ihr Zimmer verließ, fand et dort unter anderem einen an ihn gerichteten Brief, in demj sie ihm ihren Selbstmord anzeigte. Sofortige Nachforschungen ergaben, daß sie sich in der Kirche befand. Durch einen Polizeidiener auf das Bürgermeisteramt gebrach^ bat sie den Bürgermeister, austreten zu dürfen. Kaum! hatte sie die Tür des Aborts verschlossen, als ein Schutz ertönte, der ihrem Leben ein jähes Ende wachte. Heidelberg, 21. Okt. Der kürzlich verstorbene außerordentliche Professor Dr. Strauch hat der Universität 18 000 Mk. zu Stipendienzwecken vermacht. Freiburg, 21. Okt. Im Josefshause hier starb Reichsfreiherr Heinrich Ueberbruck von Rodenstein, Großh. hessischer Kämmerer und badischer Grundherr und Ritter des souveränen MaltheserordenS. Dec Verstorbene ist der Letzte seines Stammes. Petersburg, 21. Okt. Neber den Stand der Cho^ lera wird folgendes gemeldet: Transkaspi-Gebiet ist vom 10. Sept, bis 17. Okt. nur eine Erkrankung vorgekont-^ men. In Baku wurde während der gleichen Zeitdauer eine Abnahme beobachtet, es sind 60 Personen erkrankt, 24 gestorben. Bei der Untersuchung der dortigen Bäder wurden in 8 von 48 Eholerabazillen gefunden. In Saratow sind vom 11. Sept, bis 17. Okt. 10 Erkrankungen tiotae* komtnen. von denen 5 tätlich verliefen. Aus dem rechten Wolgaufer gegenüber Astrachan sind vom 14. Okt. bis 16. Oktbr. drei Personen an Cholera erkrankt. Vereinzelts Fälle sind in Nowousensk und in sechs Därsern der Kreise Samara, Nikolajewsk und Busuluk fefigefteXIt Das Gouvernement Samara 'wurde daher für .choleraverseuchjt erklärt. Vom Kriege. Paris, 21. Okt. Tas „Petit Journal" berichtet aus Pe» tersburg: Hier umlaufenden Gerüchten zufolge haben, zwei- russische Bataillone die Fühlung' mit dem Hauptkorpsl am Taitse-Fluß verloren. Sic sollen von einer Kolonne der Armee Kurokisl a ufgerieben worden sein. Petersburg, 21. Okt. Tas außerordentliche Budget für' 1905 sieht für die geplante Legung eines'zweiten Gleises auf der transsibirischen Bahn 10 Millionen Rubel vor. — Tie Telegramme Kuropatkins legen ein sehr großesVertrauen an den Tag, die hier den größten Optimismus erwecken. Man ist überzeugt, daß die Ja^ paner ihre Hauptanstrengungen gemacht haben und nunmehr ermüdet an den Rückzug gehen. Kuropatkin dagegen könne eine energische Offensive ergreifen, sobald der Regen aufgehört haben wird. Er hoffe die Japaner zurückzuwerfen, die Eisenbahn nach Port Arthur frei zu legen und die Festung unter* halb drei Wochen zu entsetzen. Es' heißt, die Japaner hätten bereits ihre Magazine in Brand gesteckt in der aussicht ihres Rückzuges. — lÄn Telegramm aus Wladiwostok berichtet, daß alle Schiffe wieder ausge bessert sind. Sie haben bereits befriediaeude Aussahrtversuche gemachitt Telephonischer Kursbericht. 3Va% Reichsanleihe . . 101.65 3Vo do. ... 89.30 3V,o/o Konsole .... 101.40 3% do......89.30 3*/2% Hessen . . . . 100.00 3V, % Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 101.70 4‘/b% Oesterr. Silberrente 100.20 4% Unfrar. Goldrente . . 100.05 40/0 Italien. Rente . . . 103.70 41/2% Portugieser , . . 63.20 3% Portugiesen 62.40 1% C. Türken .... —.— Türkenlose ..... 129.00 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 48.00 4X[1% äussere Argentiner —.— 3% Mexikaner .... 30.30 4,/2O/o Chinesen . . . . 90.20 Electric. Sohuckert . .' , 120.30 Nordd. Lloyd . . . . 107 90 Kreditaktien . . . . . 210.80 Diskonto-Kommandit. . . 192.50 Darmstädter Bank . t e . 141.20 Dresdener Bank .... 154.60 Berliner Handelsges. . . 161.70 Oesterr. Staatsbahn . . . 138.70 Lombarden 17.30 Gotthardbahn . . . . . 190.00 Lanrahütte ..... 253.00 Bochum . 215.50 Rarpener . . . . . . 218.00 Schatzscheine • . « • ♦ 00.00 z : fest. Herr Med.- Rat Prof. A., dirig. Arzt d. Kinderkrankenh. in. M. schreibt: In mehreren Fällen von chronischen Ausschlägen und Wundsein der Kinder habe mit Obermencr's Herba-Seife sehr gute, Resultate erzielt. Z. h. in allen Apoth., Drog. und Parf. per Stück 50 Pfg. und 1 Mk._____________ ___________ssw/<- In einem kühlen Grunde da saß ich neulich und trank von dem köstlichen Neuen. Aber am Morgen war ich stockbciser, denn ich hatte mir eine gehörige Erkältung zugezogen. Mein Freund Georg riet mir sofort eine Schachtck Fay's Sodener-Miueralvustillen zu kaufen und zu lwschen. Gesagt, getan und am andern Morgen war ich wieder ganz in der Reihe und konnte nochmal den bleuen probieren. Für 85 Pfg. die Schachtel in nlleu Apotheken, Drogerien und Mineralwafferhand- lungen zu haben. hv'Tt (Einigungösystcm Stolze-Schrey) WbiiMe °°"Äüusb„rgE Nachtschränke, und Bett-Kolter Schotts Weinstube 118rtHM.w»itrtes3im« a,•"”*!&5,.S NB. 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