Nr. 118 Zweites Blatt 154. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die »Siebener LamilienblStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessische tanöwtet4* erscheint monaUtch einmal. Gietzener Anzeiger Samstag 21. Mai 1904 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr. Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. 1 Anzeiger Gieß«. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen. M Heutige Kummer umfaßt 16 Ketten Darmstädter JUTttfeL SR. SB. Darmsta bt, 20. Mai. Im wunderschönen Monat Mai, wo affe Knospen fprungen, da ist auch in unferm Hessenland ein Blümlein aufgegangen — ein Blümlein sehr subtiler Art, das in fast allen politischen Treibhäusern Deutschlands sorgfältig unter Glas gesetzt ist und dessen Kultur überall mit mehr oder weniger liebevoller Pflege überwacht wird, das direkte Landtagswahlrecht. Bei uns in Hessen hat man die Kultur dieses Pflänzchens schon seit einer Reihe von Jahren mit großer Sorgfalt betrieben, ohne daß es bisher gelungen wäre, zu einem lebensfähigen Organismus es zu entwickeln. Run hat sich aber der Wählrechtsausschuß der zweiten Kammer trotz aller vergeblichen Bemühungen gestern doch noch zu einem Entschlüsse anfgerasft und den Gesetzentwurf mit dem Torso über die Wahlkreisvermehrung so weit zur Erledigung gebracht, daß wenigstens die ganze Frage noch einmal vor dem Plenum der Kammer zur Verhandlung kommen kann. Daß man sich auch im Wahlrechts- aus chuß selber durchaus keinenrosigenHoffnungen über das Endresultat der Beratung hingibt, ist von uns schon wiederholt hervorgehoben worden. Mer es ist doch gut, daß setzt endlich einmal dem unerquicklichen Hin- und. Herhandeln unter den einzelnen Parteien ein Ende bereitet wird und die Kammer nun selber wieder das Wort erhält. Am bedenklichsten erscheint, wie uns von kundiger Seite versichert wird, mit Recht die große Vermehrung der Mandate von 50 auf 60, die auch dem Lande eine ganz beträchtliche Mehrausgabe verursacht. Selbst wenn die Großh. Regierung darauf einzugehen Neigung haben sollte, so würde die 1. Kammer hier am ersten mit ihrem Widerspruch einsehen. Zu bebauern bleibt auch, daß man den jetzigen Beschluß im Wahlrechtsausschuß nicht schon sechs Wochen früher gefaßt hat und jetzt wieder zu einer Sommertagung seine Zuflucht nehmen muß. Die vielfachen wohlmeinenden Ermahnungen zur Beschleunigung der Beratungen hat man in der Kammer als „unberechtigte Kritik' zurückgewiesen — jetzt dürsten auch diejenigen, die sich am meisten darüber aufregten, ihre volle Berechtigung nicht mehr bestreitew Wäre die Entscheidung der zweiten Kanrmer vor Pfingsten erfolgt, so hätte sich auch die erste Kammer noch vor Eintritt der heißen Sommerzeit mit der Wahlrechts frage be- Ben können; jetzt wird das andere Haus mit seiner ng der Sache zweifellos vor dem Herbste nicht mehr den Anfang machen. Jn Darmstadt selber steht man übrigens der ganzen Entwicklung der Wahlrechtsangelegenheit anscheinend „kühl bis ans Herz hinan" gegenüber, was auch "schon daraus erhellt, daß noch keines der hiesigen Blätter nach der einen oder anderen Richtung hin dazu Stellung genommen hat. Viel mehr interessiert hier die von Mitte Juli ab statt- sindende Ausstellung auf der Künstlerkolonie, die zwar diesmal nicht in so großem, glänzendem Stil gehalten sein wird, wie die vom Jahre 1901, aber dafür auch die Gefahr eines Riesendefizits völlig ausschließt. Die jetzige Ausstellung soll vor allem einem eminent praktischen Zwecke dienen, der häuslichen Behaglichkeit, denn ihren Mittelpunkt bilden die drei auf Anregung Se. Königl. Hoheit des Großherzogs von Prof. Olbrich entworfenen Muster-Wohnhäuser, die, im geschmackvollen modernen Villenstil gehalten und auch im Innern bis aufs I-Tüpfelchen behaglich und bequem ausgestattet, für die neue Bauentwicklung in Hessen vorbildlich wirken sollen. Neben diesen drei Häusern, deren Wohnungen nach Schluß der Ausstellung von hiesigen Familien bezogen werden, sind auch alle verfügbaren Räume des Ernst-Lud- wig-Ausstellungshauses mit herangezogen. Im Mittelraum desselben wird eine kleine Ausstellung für Malerei und Plastik arrangiert, in der die neuesten Wtzrke von Prof. Habich und Cissarz Aufstellung finden. Die graphischen Arbeiten und eine Plakatsammlung des Letzteren dürsten noch die rechts gelegenen Räume des Ausstellungs- Hauses in Anspruch nehmen, während im linken Flügel die Werke von Dr. Greiner und Haustein Aufstellung finden werden, sodaß ptfo der Besucher ein umfassendes Bild von dem Schaffen und Wirken der jetzigen Mitglieder unserer Künstlerkolonie erhalten wird. — Das Ernst-Lud- wig-Haus findet übrigens, wie im Anschluß hieran bemerkt sei, zurzeit eine wesentliche Erweiterung durch den Anbau von drei neuen Künstlerateliers, von denen zwei für Prof. Habich und eins für Dr. Greiner bestimmt sind. Ein nicht uninteressanter Streit ist in diesen Tagen wieder aufs neue über das von Prof. Habich 51t errichtende Bismarck-Denkmal entbrannt. Das Denkmalkomitee will den großen Reichskanzler an die Stelle des jetzigen Brunnens auf dem Ludwigsplatz setzen und das Standbild wieder mit einer Vrunnenanlage umgeben. Dagegen sowohl, wie auch gegen den von hohen, nüchternen Geschäftshäusern eng umgrenzten Platz wenden sich mit Recht viele Stimmen aus der Bürgerschaft, die Bismarck als dem Reichsbegründer einen würdigeren Platz in einer freieren Lage angewiesen haben wollen. Auch wir müssen gestehen, daß ein Bismarck als Mittelpunkt einer Brunn en- lmlage nicht gerade nach unserem Geschmack ist. Oder sollten vielleicht die sprichwörtlichen drei Haare des eisernen Kanzlers den Anlaß dazu gegeben haben, ihn als eine Art Wassergott oder Nixenkönig aufzufassen, dessen tior» nehmstes Attribut der Dreizack bildete? Jer Krieg Wissen Japan rrvd Anßlsnd. Der Nntergenq der jspanlschen Schiffe und andere japanische Verluste. Tokio, 20. Mai. (Reuter.) Beim Untergänge der „Hatsuse" faxten drei Fregattenkapitäne, 33 andere Offiziere unb Unteroffiziere, auf dem .„Posch in 0" ein Kapitän, einFregattenka p i t an .3 0 Offiziere und Unteroffiziere um. Die Zahl iber um gekommenen Mannschaft ist unbekannt. °Tas Gerücht, der „Schikischima" sei beschädigt und der „Fuji" gesunken, wird hier dementiert. Es liegt wahrscheinlich eine Verwechslung vor. Petersburg, 20. Mai. Der „Nuss. Telegr.-Ag." wird von einem Korrespondenten aus Mukden unter dem 20. Mai gemeldet: Die Anzahl der mit den Schiffen „Hatsuse" und „Noschino" untergegangenen Mannschaften wird hier auf mehr als 7 00 geschätzt. Die Nachricht rief hier aufrichtiges Bedauern hervor, weil so viele tapfere Leute, die schon Beweise ihrer Bravour ab- geleat, umgekommen sind. Der Versuch'der Japaner am 14. Mai, im Kerrgolfe zu landen, mißglückte. Die Vorposten unseres Kwantung-Detachements wurden am 16. Mai von den Japanern bei Sanschilipu angegriffen. Die Iapan ^r hatten beträchtliche Verluste uno stellten den Vormarsch ein. Unser Detachement zog sich, nachdem es eine Rekognoszierung ausgeführt hatte, auf Kintsch 0 u zurück. Die Meldungen englischer Blatter, von einem japanischen Angriffe südlich von Haitscheng, wobei unsere Verluste 2000 Mann betragen hatten, entbehren der Begründung. Petersburg, 20. Mai. Wie ent Telegramm des Statthalters Alexejew an den Kaiser von heute meldet, traf in der Nacht auf den 20. Mai mit der Post ein Bericht von dem Kontreadmiral Witthöfft ein, nach welchem sich am 1.6 Mai drei feindliche Panzerschiffe und drei Kreuzer, die am Morgen vom Osten kamen, zeigten. Von Liautischan und dem Goldenen Berge aus folgte man ihren Bewegungen. Nachdem die Schiffe den Meridian "von PortArthur passiert hatten, wandten sie sich nach Osten und begannen scheinbar eine neue Schlachtordnung einzunehmen, als unter dem Vorderteile des dritten, eines mit zwei Schornsteinen versehenen Panzerschiffes vom Typ des „Fuje" eine Explosion bemerkt wurde. Das Panzerschiff stoppte und neigte sich auf die rechte Seite und fuhr weiter, aus dem Vorderteile große Dampfwolken ausstoßend. Zwei Kreuzer näherten sich ihm sofort und auf dem Goldenen Berge bemerkte man, daß sie Kutter aussetzten. Gleichzeitig näherte sich ein anderes mit drei Schornsteinen versehenes Panzerschiff, Typ Schikischima, dem Orte der Havarie und unter dem mittleren Teile explodierte eine Mine. Hierauf fand eine zweite Explosion statt, die der des Petröpawlowsk glich. Nach einer Minute sank das Panzerschiff. Das dritte Panzerschiff fuhr in die See hinaus, während der Kreuzer aus der Unglücksstätte verblieben war. Witthöfft sandte 16'Torpedo- boote aus, um den Feind zu beunruhigen und im geeigneten Momente die einzelnen Schiffe anzugreifen. Der Kreuzer „Nowik" verließ den Hafen, um nötigenfalls die Torpedoboote su unterstützen. Die Kreuzer machten Dampf auf. Während dessen näherten sich vom Meere her fünf japanische Kreuzer, die aus allen großen Geschützen Feuer auf die Torpedoboote eröffneten, welche unbeschädigt zurückkehrten. Das beschädigte Panzerschiff verschwand inzwischen mit den Kreuzern am Horizonte, die es vor der Verfolgung schützten. Nachts wehte eine frische Brise. Ilm Morgen des 16. Mai näherten sich drei feindliche Torpedoboote der Unglücksstätte, gegen die der Admiral den Kreuzer „Nowik" aussandte, worauf sie sich ins Meer zurückzogen. Das in der Kerrbucht gesunkene Schiff ist nach den Schornsteinen und nach dem Mastkorbe auf dem Fockmaste zu urteilen, die bei geringem Wasserstande sichtbar sind, anscheinend ein Kreuzer. Bei dem Versuche in der Kerrbucht zu landen, erlitten, wie berichtet wird, drei Torpedoboote, die die Landung decken sollten, Beschädigungen durch russische leichte Artillerie. L 0 n d 0 n, 20. Mai. Aus Tfchifu meldet Reuters Bureau: Nach einem japanischen Privat-Telegramm wurden außer den Schiffen „Hatsuse" und „Poschino" am letzten Sonntag bei Dalny noch 2 japanische Schiffe beschä- bi g t. Die Russen behaupten, daß bei Pottt rAthur noch ein weiteres Schiff kampfunfähig gemacht würbe. Heute früh würbe bort schweresGeschützfeuer gehört. Chinesen aus Dalny berichten, baß bie Russen bie Herrschaft über bie Eisenbahn einen Tag wieber gewannen unb bann wieber verloren. Niutschwang, 20. Mai. (Reuter.) Die Nachricht von dem Rückzug ber Japaner wirb amtlich bestätigt. Derselbe beruht auf folgenben Umftänben: Die Japaner trafen am Montag 60 Meilen westlich von F ö n g - wangtschöng auf 32000 Russen in einer sehr starken Stellung unb zogen sich vorsichtigerweise sehr schnell, aber in guter Drbnung zurück. Ein Bericht aus russischer Quelle besagt, baß zwar keine eigentliche Schlacht [tattgefunben habe, baß aber bie Kosaken bie Flanken der japanischen Division beunruhigt hätten, bis biese wieber zum Hauptkorps gestoßen war. Die Verluste währenb des Rückzuges waren auf beiben Seiten beträchtlich. Petersburg, 20. Mai. Wie General Kurvst at kin von gestern an ben Kaiser aus Liaujang berichtet, begann eine Kosakenabteilung am 18. Mai um 8 Uhr morgens in ber Gebirgsgegend nördlich von Föng- wangtschöng ein Ges echt mit einer 'Abteilung ber japanischen Vorhut, bas bis 2Vs Uhr nachmittags bauerte. Der Gegner würbe auf eine Ausbehnung von 20 Werst aus vier Stellungen zurückgebrängt. Die Verfolgung ber japanischen Abteilung würbe aufgegeben. Bei Dabianbsi, 18 Werst nördlich von Föngwangtschong, wurden 6 Kosaken verwundet. Im Tsacho-Tale bis zu dem nach dem Fschangulinpasse, 25 Werst nördlich von Föngwangt- chöng, führenden Wege unb im Mhotale auf ber Straße Saimabsa-Kuanbiansian bis Diendsialinda würben Gegner nicht gesehen. Eine japanische Schwadron, bie am 17. Mai aus Kuandiansian nach Saimabsa ausrückte, drängte eine russische Streifwache bei Chaego, 15 Werst von Kuandiansian zurück. Diese entfernte sich ohne Verluste. Am 15. Mai näherten sich 2000 Mann japanischer Infanterie Sailidsaipubsa, kehrten jedoch eiligst nach Föngwangtschong zurück. Am 16. Mai wurde Salidsai- )ubsa von ber japanischen Kavallerieabteil- ung geräumt. Tientsin, 19. Mai. (Reuter.) Aus Niutschwang wirb gemelbet: Die Russen jubilieren über ben Erfolg, ben ihre Truppen errungen, inbem sie bem Bo r- rücken derJapaner vonFöngwangtschöng aus Einhalt getan haben unb betrachten es als ein günstiges Vorzeichen, baß btefer Erfolg am Geburtstag des Kaisers erlangt wurde. Nach den letzten Nachrichten rü cfte die japanische Jalu-Armee in zwei Divisionen vor, eine auf Haitscheng, die andere auf Lian- jang. Man glaubt, baß bie Russen ihre Streitkräfte zusammenziehen unb süblich von Laiaujanh auf bie Ja- paner stießen, bie sie zurücktrieben unb ihnen schwer« Verluste beigebracht haben. Petersburg, 20. Mai. Um Mitternacht war das Gerücht verbreitet, der Führer ber ersten japanischen Armee, Kuroki, sei zurückgeworfen unb habe gro ße Verluste gehabt. Eine amtliche Bestätigung liegt noch nicht vor. Kobe, 20. Mai. Infolge ber hier eingetroffenen 5e - trübenben Nachrichten wurde zum Zeichen ber öffentlichen Trauer überall Halbmast geflaggt Viele Theater haben geschlossen. Daß bie Russen nicht baran beuten, ihre Schiffe im Hafen von Port Arthur burch "Sprengungen unbrauchbar zu machen unb zu versenken, haben sie jetzt schlagenb burch ben Untergang zweier java-' nischer Schiffe bewiesen. Die infolge ber ersten einander zum Teil wibersprechenben Nachrichten aufgetretene Annahme, baß 4, nicht nur 2 Schiffe untergegangen sinb, ist heute noch weniger berechtigt als gestern. Das japanische Linienschiff „Hatsusi", eins ber besten Schlachtschiffe Japans, ist wahrscheinlich von einer kürzlich von russischen Torpedobooten gelegten Mine vernichtet worben. Daß es keine verirrte Mine war, scheint schpn bie Tatsache zu beweisen, baß ber „Hatsuse", währenb er nach ber ersten Explosion um Hilfe signalisierte unb jeben- salls ganz iangfam fuhr, auf eine zweite, also gcnH dicht habet liegenbe Mine auflief. Vielleicht haben bie russischen Torpeboboote ganz ähnlich unb jebensalls mit bem- selben Erfolge gehanbelt wie bie japanischen in ber Nacht vor bem Untergang bes „Petropawlowsk". Von Port Arthur aus hat man bie japanischen Schiffe bei Tage auf* und abpatrouillieren sehen, zum Schutze der Truppenlandungen, und eines Nachts oder jede Nacht verläßt eine Anzahl russischer Torpedoboote Port Arthur, um in ben von Den Japanern befahrenen Zonen Minen zu legen. Sichere Chancen sinb bas in einem unbegrenzten Hochwasser natürlich nicht, aber je mehr Minen ausliegen, besto größer bie Wahrscheinlichkeit, baß jemanb beroaufläuft; nun ist es geglückt. Interessant ist bie Angabe bes Abmirals Togo, baß man zurzeit bes Unfalles, zehn Seemeilen von Port Arthur entfernt, eine sehr starke russische Torpeboboots- slottille sah, welche erst von den japanischen Kreuzern verjagt werben mußte. Die Verteibiger von Port Arthur scheinen also einen Unternehmungsgeist zu besitzen, wie sie ihn zu Anfang bes Krieges nicht gezeigt haben. Ohne Zweifel geht man, seitdem tiefgehenbe Schiffe nicht mehr aus Port Arthur auslaufen, sehr viel rücksichtsloser im Minenlegen vor, benn Torpebo fahr zeuge laufen, wenn bie Mine auf ber richtigen Tiefe liegt, ohne sie zu berühren, über sie hinweg, sie können also nur ben Feind gefährden. Die Nachrichten beweisen ferner, daß von einer tatsächlichen Blockade Port Arthurs noch nicht d i e R e d e ist. Das leichte Geschwader des Admirals Kattaoka scheint beinahe ausschließlich mit Wegräumen und Suchen von Minen in ben Buchten beschäftigt zu sein; eitt kleiner Kreuzer unb ein Torpeboboot fielen diesem gefährlichen Dienst neulich zum Opfer. Ueber Japans Pläne itt Bezug auf Port Arthur erhalten wir heute folgenden eigenen Drahtbericht: Tokio, 20. Mai. Sobald die Vorarbeiten beendet sind, werden die Japaner den Angriff auf Port Arthur versuchen. Die Belagerungsgeschütze sind noch nicht in ihre Stellungen gebracht. Auch werden die zum Sturm auf Port Arthur bestimmten Truppen noch verstärkt werden müssen. Matt ist zwar überzeugt, daß dieser Angriff große Verluste erfordern wird, aber man glaubt, noch größere Verluste an Menschenleben ersparen zu können, wenn man die Befestigungen unschädlich macht, zumal das Vorhandensein un- beweglicherMinen eine stete Gefahr bildet und ein heroisches Vorgehen erfordert. Russische Verluste. Tokio, 20. Mai. Amtlich wird gemeldet, daß der Feind (die Russen), welcher an dem Gefechte in der Nähe von Kin- tschou am 16. Mai teilnahm, aus den 5., 14., und 16. Scharf- jchützenregimentern bestand und 8 Echnellfeuergeschütze hatte. Nach Mitteilungen von Gefangenen soll der Verlust des Feindes 300 Mann betragen. Tokio, 20. Mai. Amtlich wird bekannt gegeben: Eine zu den japanischen Streitkräften auf der Halbinsel L i - autung gehörige Abteilung Infanterie, die eine Rekognoszierung in der Richtung auf Schantsuchan machte, traf auf 2 Abteilungen russischer Infanterie, die nach einem halbstündigen Gefechte zurückgeworfen wurden. Russischerseits fielen 1 Offizier und 40 bis 50 Mann. Japani- cherseits 1 Offizier und 4 Mann, ein Offizier unö 8 Mann wurden verwundet. Politische Tagesschau. Da8 Telegraphon. R. Aus Berlin, 20. Mai, wird uns geschrieben: Dem Kaiser ist heute vom Staatssekretär des Reichspostamts das „Telegraphon" vorgeführt worden. Es handelt sich um die geniale Erfindung des Dänen Paulsen, die auf der Pariser Weltausstellung das größte Aufsehen erregte. Das Telegraphon zeichnet telephonische Gespräche derart auf, daß die Wiedergabe nach Art des Phonographen, nur klarer und völlig frei vonNebengeräuschen und von beliebig langer Dauer, von dem Apparat selbsttätig erfolgt. Wie große Bedeutung ein solcher Apparat im Geschäftsleben usw. hat. leuchtet ein. Es läßt sich annehnccn, daß nunmehr seitens der Post- und 2e^egl•a^^en= Verwaltung die praktische Einft'ihrung der Erfindung geplant ist Deutsches Keich. Berlin, 20. Mai. Der Kaiser spendete zur Erbauung einer pädagogischen Zentr al-Bib tio- thek des Comenius-Vereins in Leipzig 1000 0 Mk. — Der Konservative Verein für Halle unb ben Saalkreis hielt gestern eine zwanglose Zusammenkunft ab, die ehr zahlreich besucht war. In derselben berichtete ber Vorsitzende des Vereins, Professor Suchstand, daß er bei dieser Gelegenheit eine Audienz bei dem Eisenbahnminister- v. Budde gehabt hat. Der Minister hatte ihm diese Audienz bewilligt, um sich persönlich über die Schädigungen des gewerblichen Mittelstandes durch die Beamten-Konsumvereine informieren zu lassen. Einzelheiten aus dieser Audienz mitzuteilen, verbot dem Vorsitzenden die schuldige Diskretion. Dagegen war Professor Suchsland ausdrücklich von dem Minister ermächtigt worden, mitzuteilen, daß er dem Konsum- vereinswesen absolut keine Sympathien entgegenbringe. Er wünsche die Erhaltung des Mittelstandes, er werde keine Neugründung von Beamtenkonsumvereinen unterstützen und die bestehenden in keiner Weise fördern. Kiel, 20. Mai. Den „N. N." zufolge ist Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg, Leutnant zur See in der deutschen Marine, heute in seiner hiesigen Villa im Alter von 22 Jahren an Herzlähmung infolge eines Falles gestorben. (Der jugendliche Herzog war ein Vetter des regierenden Großherzogs Friedrich Franz.) Frankfurt a. O., 20. Mai. Bei der Reichstagsstichwahl in Frankfurt a. O.-Lebus ist Bassermann (natlib.) mit 14 219 Stimmen gewählt worden. Dr. Braun (Soz.) erhielt 12 002 Stimmen. (Bei der am 13. Mai stattgehabten Ersatzwahl erbielten Bassermann 11 738, Braun 11383 und der agrarische Kandidat Jagwitz 2847 Stimmen. Nach dem heutigen Resultat dürsten die bündlerischen Stimmen mit Ausnahme von ca. 300 Bassermann zugefallen sein. Der sozialdemokratische Kandidat, der bei der Wahl am 13. ds. 1500 Stimmen einbüßte, hat heute 619 Stimmen mehr erhalten.) * Dresden, 20. Mai. Der Landtag ist am Donnerstag geschlossen worden. In der Thronrede wird die „stetig zunehmende Verschlechterung der finanziellen Beziehungen des Reiches zu den B u n d e s st a a t e n" beklagt. Weiter ist nur dieser Abschnitt der Thronrede bemerkenswert: „Hinsichtlich der in Aussicht genommenen Neuordnung des Gemeindesteuerwesens und bezüglich der Aenderung des Wahlrechtes zur Zweiten Kammer der Ständeversammlung ist es bei der Ueberhäufung der nunmehr beendeten Session mit schwierigen Arbeiten zu einer übereinstimmenden Entschließung beider Kammern nicht gekommen. Meine Regierung muß sich daher Vorbehalten, die einschlagenden Fragen weiter zu verfolgen und künftig mit neuen Vorsrbläaen an Sie heranzntreten." Keer und Ilolte. Aus dem Heere scheiden am 16. Mai d. Js. aus und werden mit dem 17. Mai d. Js. in der Schuhtruppe für Südwcstafrika eingestellt: u. a. Daeschke, Lt. im 1. Großh. Hess. Feldart.-Rgt. Nr. 25, in der Kolonnsn- Abteil., Dr. Schaaf, Assist.-Arzt im Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hesi.) Nr. 116, beim 1. Bat. 2. Feld- Rgts.; am 25. Mai d. Js. und mit dem 26. Mai d. Js.: Blümers, Assist.-Arzt im 4. Großh. Hess. Jnf.-Ngt. (Prinz Karl) Nr. 118, beim 3. Bat. 2. Feld-Rgts. — Befördert zu Lt. der Res.: die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister Hartwig (Frankfurt a. M) des 1. Großh. Hesi. Jnf.-(Leibgarde-)Ngts. Nr. 115, Cramer (Wetzlar) des Jnf.-RgtS. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Seeger (Frankfurt a. M.) des Großh. Hess. Train-Bats. Nr. 18. — Frhr. v. Wangenheim, Lt. der Nes. des 2. Großh. Hesi. Feldart.-Rgts. Nr. 61 II Darmstadt), zu den Res.-Offizieren der Feldart.-Schießschule versetzt. — Der Abschied bewilligt: Hof, Oberlt. der Landw.-Jnf. 1. Aufgebots (I Darmstadt), Dettweiler, Lt. der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots (I Darmstadt). Aus Stadt und Land. Gießen, den 21. Mai 1904. ** Die Preise zum Sängerwettstreit sind auch am 1. Feiertag bis Montag nachmittag im Schaufenster der Kunsthandlung Hirz ausgestellt. ** Wahlrecht der hessischen Gendarmen. Einem lange geäußerten Wunsche der hessischen Gendarmen ist neuerdings entsprochen worden: durch ministerielle Verfügung ist ihnen gestattet worden, bei den Wahlen zum Reichstag und zur Zweiten Hessischen Kammer ihr Wahlrecht auszuüben. ** Hotel-Neubau. Bauunternehmer Winn wird aus seinem Grundstück (ehemals Reibers Fabrik) einen Hotel- Neubau errichten, welcher außer 50 Logierräumen moderne Restaurations- und Sveisesäle ?c. erhalten wird. Es ist geplant, nach Inbetriebnahme des Etablissements auf dem ausgedehnten Hinterland des Grundstückes später noch einen Saal für 500 bis 600 Personen hinzustellen. Die Pläne zur Errichtung der Baulichkeiten sind dem Hochbauamt bereits zur Genehmigung eingereicht, auch haben sich bereits mehrere Hoteliers bereit erklärt, das neue Hotel zu übernehmen. *• Kindsm ord in Eberstadt bei Lich. Von der Großh. Staatsanwaltschaft Gießen erhält die „Hugener Landpost" folgende Zuschrift: „Unter Bezugnahme auf die von dem Landtagsabgeordneten Köhler-Langsdorf an die Großh. Regierung gestellte Anfrage vom 16. l. Mts., betreffend das Vorgehen der Staatsbehörden bei Untersuchung über den Kindesmorg zu Eberstadt, stellen wir fest, daß die Anfrage in ihren wesentlichsten Punkten auf falschen Informationen beruht. Näheres zur Sache mitzuteilen, verbietet sich mit Rücksicht auf die schwebende Untersuchung. Hervorgehoben sollen nur folgende 2 Punkte werden: 1. Es ist unwahr, daß die Minna Görlach durch Drohungen bestimmt worden ist, sich untersuchen zu lassen. 2. Es ist unwahr, daß Herr Professor Dr. Pfannenstiel nicht davon überzeugt ist, daß die Minna Görlach geboren hat." k. Nieder-Mockstadt, 20. Mai. Heute nachmittag gegen 4 Uhr brannte die Scheuer der Witwe Lenz nieder. Kinder hatten einen in der Nähe lagernden Reiser- haufen angezündet, wobei das Feuer sich auf die Scheuer übertrug. -^.Bad-Nauheim, 20. Mai. Bis zum 19. Mai 1904 sind 3 7 6 6 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 3073 anwesend waren. 31 329 Bäder wurden bis zum 19. Mai abgegeben. g. Bad-Nauheim, 20. Mai. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde für das städische Wasserwerk ein zweiter Hochbehälter von 1000 Kubikmeter Inhalt an die Firma Wayß u. Freitag, A.-G. in Neustadt a. d. H., für 36 000 Mk. vergeben. — In der Parkstraße fiel heute nachmittag bei einem zu scharfen Wenden der mit einem Pferde bespannte Wagen eines Mineralwasserhändlers um, sodaß fast der gesamte Inhalt in Scherben auf die Straße fiel. Mainz, 20. Mai. Der Großherzog von Hessen traf heute nachmittag 5 Uhr 11 Min. hier ein und wurde vom Geheimen Regierungsrat Freiherr v. Gagern empfangen. Nach einem kurzen Aufenthalte im Großherzoglichen Schloß begab er sich in das Regierungsgebäude, wo eine Konferenz stattfano, welcher Frhr. v. Gagern, die Herren der Regierung und die Kreisamtsmänrrer beiwohnten. Nach Beendigung der Konferenz erteilte der Großherzog Audienz und nahm den Tee bei v. Gagern ein. Abends 10 Uhr 24 Min. fährt der Großherzog na'ch Darmstadt zurück. Frankfurt a. M., 20. Mai. Wie gemeldet wird, hat das Todesurteil auf die beiden Mörder Groß und Stafforst einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Auch Groß ist vollständig gebrochen. Er sah noch bei seiner Einlieferung in das Preungesheimer Gefängnis aschfahl aus. Die beiden Mörder sind im Preungesheimer Gefängnis in besonders sicheren Zellen untergebracht, jeder in Einzelhaft. Die Hände stecken in ledernen Handschuhen ohne Finger und sind auf den Rücken geschloßen. Es wird ihnen dadurch vollständig unmöglich gemacht, sich etwa selbst zu verletzen und dadurch der Strafe zu entziehen. Irgendwelche Gegenstände, mit denen sie sich eine Verletzung zufügen könnten, befinden sich nicht in den Zellen. Außerdem werden sie aufs schärfste bewacht und ständig beobachtet. Die beiden Verteidiger der Mörder, welche nächstens nach Preungesheim fahren, werden, wie verlautet, ihnen abraten, das Rechts- inittel der Revision einzulegen., vermischte». • Gelsenkirchen, 20. Mai. Die Schmiedefrau Kraitzik erstach heute im W a h n s i n n aus der Straße ein Mädchen, verletzte em anderes schwer und brachte einem Schutz- manne und einem Passanten leichte Verletzungen bei. Nur unter Schwierigkeiten gelang ihre Festnahme. * Saigon, 20. Mai. Im Kolonialrat gab der Gouverneur eine Schilderung der durch den letzten Taifun geschaffenen Lage und teilte mit, die Zahl der Um gekommenen betrage 600. Der Materialschaden sei auf mehrere Millionen zu schätzen. * Der Graf Oppersdorf ist im preußischen Herren- hause energisch für den Schutz der Säuglinge eingetreten; er beklagte die hohe Kindersterblichkeit in Preußen und meinte, es sei nachgerade lebensgefährlich, in Preußen ein Säugling zu sein. Diese Rede hat in Säuglingskreisen große Begeisterung hervor- gerufen. Leider gehört unseren Parlamenten kein einziger Vertreter dieser Kreise an, und dank unseren elenden, verrotteten Wahlgesetzen wird es auch in absehbarer Zukunft nicht gelingen, einen aktiven Säugling in eines unserer Parlamente zu bringen; man wird sich mit ehemaligen Säuglingen begnügen müßen. In der letzten Sitzung des Vereins Berliner Säuglinge wurde auf das Wohl des Grasen Opversdorf eine Ehrenbrust geleert. Der einstimmig gefaßte Beschluß, den edlen Mann zum E h r e n s ä u g l i n g zu ernennen, wurde mit begeistertem Windelschwenken begrüßt; es herrschte eine allgemeine Rührung, kein Auge blieb trocken — auch sonst nichts. lKladderadatsch.) Kerichtssaal. (th.) Gießen, 21. Mai. Auf einen ihm zugestellten Strafbefehl wegen Uebertretung der Polizciverordnung betr. das Ausmelken der Kühe vor dem Auftrieb auf Märkte, hatte der Handelsmann K. von Steinberg Widerspruch erhoben, war aber vom Schöffengericht Gießen zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt worden. K. behauptete, er habe morgens vor dem Auftrieb seine Kuh ausgemolken. Die als Zeugen vernommenen Schutzleute waren der Ansicht, daß das Euter des Tieres auf dem Markt gespannt gewesen sei; sie machten den Kreistierarzt auf diesen Umstand aufmerksam und dieser erklärte, die Schutzleute sollten Anzeige erstatten. Vor der Strafkammer erklärte der Kreistierarzt als Zeuge, daß man den Kühen an ihrer ganzen Verfassung schon ansehen könne, wenn deren Euter gespannt sei; er könne nicht sagen, daß es die Kuh des Angeklagten gewesen sei, auf welche ihn die Schutzleute hingewicsen haben. Weiter erklärte der Zeuge, die in Rede stehende Polizeiveroronung sei erlassen worden, nm einer Tierquälerei vorzubeugen. Auf Befragen des Vorsitzenden, des Landgerichtsdirektors Bücking, ob vielleicht die Verordnung erlassen sei, um wirtschaftliche Interessen damit zu schützen, erklärte der Zeuge, dies sei dabei nicht ausschlaggebend gewesen. Der Vorsitzende frug darauf, ob dem Zeugen bekannt sei, daß die Viehhändler, welche den Gießener Markt besuchen, mit dieser Maßnahme höchst unzufrieden, gedroht hätten, den Gießener Markt zu meiden, statt dessen aber die benachbarten preußischen Märkte zu besuchen, wo solche Verordnungen, wie für hier, nicht beständen. Kreistierarzt Schmidt bemerkte, daß ihm dies bekannt sei. Die Polizeiverordnung werde aber in Gießen sehr loyal gehandhabt und der Besuch der Märkte habe trotz der Drohung der Handelsleute, die Märkte zu meiden, in Gießen zugenommen. Auf Befragen des Verteidigers des Angeklagten, des Rechtsanw. Katz, erklärt der Zeuge, daß man auch bei einer Kuh, welche vollständig ausgemolken sei, deren Wert auf Milchergiebigkeit beurteilen könne. Oekonomie- rat Hofmann von Hof-Gill, der als Sachverständiger geladen war, erklärt, er habe in seiner Eigenschaft als Mitglied des Kreistages an dem Zustandekommen der fraglichen Polizei-Verordnung mitgewirkt. Es seien rein hygienische Gründe gewrscn, welche bei deren Erlaß maßgebend gewesen seien. Auf Befragen des Rechtsanw. Katz bemerkt der Sachverständige, es sei richtig, daß man den Wert eines Tieres als Milchvieh besser beurteilen könne, wenn dieses nicht ausgemolken sei und ein gefülltes Euter aufweise. Die gleiche Ansicht haben auch die als Sachverständigen vernommenen Stadtv. Helfrich und Oekonom Puth von Gießen. Rechtsanw. Katz erklärt zur Begründung der Berufung: In rechtlicher Beziehung sei die erlassene Polizciverordnung ungiltig, weil sie gegen das Reichsrecht verstoße. Es handle sich bei der getroffenen Maßnahme um eine Verhinderung einer etwa vorkommenden Tierquälerei, und diese Materie sei durch das Reichs- Strafgesetzbuch geregelt. Eine versuchte Tierquälerei sei in dem betreffenden Gesetz nicht mit Strafe belegt. Hierzu komme, daß die angegriffene Polizei-Verordnung auch gar nicht durchgeführt werden könne. Tatsächlich habe der Angeklagte seine Kuh, ehe er sie zum Markt auftrieb, ausgemolken; wenn sich hun die Euter wieder gefüllt hätten, so treffe doch den Angeklagten keine Schuld. Oberstaatsanwalt Theobald führt aus, daß es das Recht der Landesbehörde sei, im vorliegenden Falle Polizei-Verordnungen zu erlassen, und begründet dies näher. Er hält auch in tatsächlicher Hinsicht den Beweis für erbracht, daß der Angeklagte gegen die Polizei-Verordnung gefehlt habe. Er beantragte, die Berufung zu verwerfen. Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Bücking, verkündete heute vormittag folgendes Urteil, welches am Verhandlungstage selbst ausgesetzt wurde: Die Berufung des Angeklagten wird verworfen und das schöffengerichtliche Urteil bestätigt. Die RechtSgiltigkeit der Polizeiverordnung wurde u. a. damit begründet, daß es sich dabei um gar keine Maßregel, Tierquälerei betreffend, handelte, wenigstens sei nach dem Wortlaut der Polizeiverordnung davon keine Rede, vielmehr handelte es sich dabei um Regelung des Tierschutzes im Sinne der Tierschutz-Vereine, um die Beseitigung unhaltbarer Zustände im öffentlichen Interesse. Es läge im allgemeinen staatsrechtlichen Interesse, daß der Polizei die Möglichkeit gewahrt bleibe, derartige Maßnahmen zu veranlassen, und die angefochtene Polizeiverordnung sei lediglich als Ausfluß der Ge- sundheits- und Wohlfahrtspolizei zu betrachten. In tatsächlicher Hinsicht hat der Gerichtshof als erwiesen angenommen, daß eine Uebertretung der Polizeiverordnung durch den Tlngeklagten vorgelegen habe. Gegen diese Entscheidung will der Angeklagte als weitere Instanz ein Urteil des Ober-Landgerichts herbeifübren. Gießen, 20. Mai. Die Strafkammer verhandelte jüngst als Berufungsinstanz in der Affäre gegen 3 hiesige Geschäftsinhaber, welche an Personen unter 16 Jahren Feuer- werkskörver. sog. Ladi-Krakers verkauft haben. Das Schöffen- ter 1'2. Telephonischer Kursbericht. Heu! 4% Griech. Monopol -Anl. 4l , 9i> fluReere Arfrentin1 Fabrik Kaplansgasse. Geschäftsgründung 1858. , taK1»« ll Ir°ve, A 4533 . 101.00 100.20 . 99.30 . 102.90 . 59.70 . 58.30 4% Oesterr. 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Näheres durch die Gießener Wetterkarte. gericht hatte die Geschäftsleute und 2 Verkäuferinnen, wie wir berichtet haben, zu Geldstrafen verurteilt. Man focht vor der Strafkammer das ergangene Urteil an aus den schon vor den Schöffen gebrachten Gründen, indem man behauptete, die Ladi- Krakers seien überhaupt keine Feuerwerkskörper, sondern Spiel- Veschc 35 Wohnui von Möbeln ode 129.60 46.50 43 601 37t°/o 30/-, 3’/,o/o 3 °/n 3'/?/c 3l/,% 7h. 'ßrück, Möbelfabriklag er, Giessen 10 Schaufenster. Ecke Schlossgasse—Kanzleiberg—Brandplatz. Grösstes Lager in Möbel jeder Art, Schlaf Zimmereinrichtungen, Vorhänge, Teppiche. Garantie für beste Bedienung und Dauerhaftigkeit meiner Fabrikate. Nachstehend Beweis dafür. 2645 . . 86 70 . . 105.10 . . 103 40 , . 201 50 . . 187 00 . 136.90 . . 151.40 . . 153.20 . . 137.10 . . 13.50 . . 191.50 . . 241.00 . . 191.00 . . 199.00 42 Wohnui Die Bermii Wur eine B ""schließlich 0,2' schließlich 0,50 3 dem ist für jede Für die A encheltlich^^ 8ahrk wäre, deren Verkauf an jugendliche Personen anstandslos erlaubt resp. durch das Gesetz nicht verboten werden könne. Die Strafkammer verwarf die eingelegte Berufung, ermäßigte jedoch die erkannte Geldstrafe wegen des einen der Verurteilten. Der Vorsitzende begründete den Standpunkt des Gerichtshofes dahin, die Abgabe in dieser Menge sei immerhin gefährlich und bedenklich. Der in solchen Ketten enthaltene Explosivstoff habe zur Folge, daß eine ganze Kette als ein Feuerwerkskörper zu betrachten sei. Die verurteilten Verkäuferinnen sprach das Gericht jedoch frei. Brüssel, 20. Mai. Tie Verhandlung ch i st e n Lambin, Gudifin und Boutet, die im . . 101.80 . . 89.60 . . 101.95 . . 89.60 . . 99.70 ME?, als 5 llfiicltr Meldungen. Berlin, 21. Mai. Oberst Leutwein ist vom Kom man do der südwestafrikanischen Schutztruppe enthoben und ä la suite derselben gestellt worden. London, 21. Mai. „Dailp Telegraph" meldet aus Muk- den vom 19. Mai: Eine starke japanische Streitmacht rückte aus Mukden vor in der augenscheinlichen Absicht, die R ü ck z u g s l i n i e der Russen abzuschneidcn. — Nach einer weiteren Meldung des „Daily Telegraph" aus Niutschwang machten die Russen eine geschickte strategische Umgehungsbewegung, durch welche die borgeschobene Stellung der Japaner im Osten von Liaujang bedroht wurden und die Japaner gezwungen wurden, sich auf Föngwangtschöng zurückzuziehen. Paris, 21. Mai. Der „Matin" meldet aus Petersburg: Ein Gcneralstabsoffizier erklärte, daß der gesunkene japanische Kreuzer das einzige japanische Kriegsschiff war, an dessen Boro sich 12 zöllige Geschütze befanden, die einzige Geschützart, durch die eine wirksame Beschießung von Port Arthur möglich ist. Der Verlust des Schiffes fei daher für die Japaner um so empfindlicher. Triest, 21. Mai. Der Leiter der hiesigen Filiale der internationalen Transport-Aktiengesellschaft, Herzl, hat sich erschossen, weil der K a s s ie r e r unter Mitnahme von 60 000 Kronen flüchtig g eworden ist. Wien, 21. Mai. An hiesiger unterrichteter Stelle hält man es für wahrscheinlich, daß die Könige von Italien und Spanien gleichzeitig Gäste Kaiser Wilhelms anläßlich der großen Manöver sein werden. Die Begegnung Alfons mit Viktor Emanuel würde insofern von politischer Bedeutung sein, als bei den Beziehungen Spaniens zum Vatikan ein Besuch Alfons in Rom ganz ausgeschlossen erscheint. G y a n g t s e, 20. Mai. Tie Tibetaner legten am 19. Mai im Rücken des englischen Lagers einen Hinterhalt, um eine Abteilung abzufangen, welche die Post überbrachte. Als man Gewehrfeuer hörte, wurde vom Lager Ver- stärkung abgeschickt. Nach einstündigem Kampfe erreichte die Abteilung mit der Post das Lager. Ein Sepoy wurde getötet, drei wurden schwer verletzt. Windhuk, 20. Mai. Der Typhus bei dem Dctachemem v. G l a s e n a p p , das sich noch in Ojhänena befindet, ist bis • jetzt nicht zum Stillstand gekommen. Auf eine Verwendung dieses Detachements im Felde ist nicht mehr zu rechnen. Auch, die Verwendung gesunder Mannschaften an der Etappenlinic ist wegen der Verseuchnngsgesahr ausgeschlossen. WNnt looo'fc151-° Pralls WNveid Gießen, 21. Mai. Marktbericht. Auf heutigein Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Psd. 1.00—1.15 Mk., Hühnereier 1 St. 5-6 Psq. 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse vr.Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr. Liter 21 Psq., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80 —1,00 Mk., Hühner pr.St. 1,30—1,40 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,70 Mk., Enten pr. Stück 77,1-2,20 Mk., Gänse vr. Pid. 00-70 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 00—80 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 68—76 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6O-^-74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,00—7,00 Mk., Weißkraut per Stück 9—12 Pfg., per Zentner 0.00—0.00 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 7,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 20 bis 25 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg. Marktzeit 7—1 Uhr. gegen die An ar- ________ ... .... März das verhängnisvolle Bombcnattentat gegen den Kommissar Laurent und einen Anschlag gegen den Kommissar Binet in Lüttich verübten, währte drei Tage. Die Angeklagten hatten beschlossen, den in Frankreich festgenommenen Philipp zu entlasten, weil er sie rächen solle und Boutet, weil er Familienvater ist. Vor Gericht gaben sie bald diesen Standpunkt auf. Den Geschworenen wurden 38 Fragen vorgelegt, die sie mit Ausnahme zweier bejahten. Lambin und Gudefin wurden zum Tode, Boutet, in dessen Keller die Bomben fabriziert worden waren, zu lebenslänglicher,Zwangsarbeit verurteilt. Vollständig gefaßt nahmen die drei Angeklagten den Urteilsspruch entgegen. Bedingte Begnadigung. Die seinerzeit von der Strafkammer Gießen verurteilte Frau Dr. Tr., geb. H. aus Gießen, wurde nach Verbüßung von 7 Monaten der auf 10 Monate wegen Diebstahls bemessenen Strafe bedingt begnadigt und aus der Haft entlassen.___________________________ bew Todes-Anzeige Lebensjahre nach langem Leiden heute morgen sanft verschieden ist. Die trauernden Hinterbliebenen 4586 Giessen, Darmstadt, Nürnberg, den 21. Mai 1904. Die Beerdigung findet Montag den 23. Mai, vormittags Vs12 ühr> von der Leichenhalle des alten Friedhofes aus statt. Danksagung 'l Brenner. 4542 leben, den 20. Mai 1904. Mtischk WohllUNgsLllchMls MPH 42 Wohnungei Ummern. von inschreibgebühr zu entrichten und i jährlichen Mietwert bis 300 Mk. schließlich 0,50 Mk.< entgeltlich. Giess612 Butzbach. Fr. Grauer er,' Fabrikant: Carl Gentner, Göppingen .BforipW' «fK> Verpflegungsansl. Dir.: L. Baarmana. UKW Marke „Gretchen" Beste K°5^:Chocolade JS 7$ ür die uns bei dem Hinscheiden unseres lieben, guten Vaters ne Teilnahme sagen wir innigen Dank. Kelrsgi.Mugewelkgcttule ®.rÄ fiolzttiindtn. SÄ VljIUUllvIl Vereinigungen, liefert $u m°S,ge» Preife« . oerbunden mit fDasdiloenbmisdiule, blÜhlsihe tlkivelsttätS-VlUcktkel, SaJUlfttOlK * ! ? Chocolade {Moser-Roth}: >r ■. Teilnehmenden Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, dass unsere innigst geliebte Mutter, Schwieger- ter, Grossmutter und ürgrossmutter Ernestine Hopfner Grüubergerstratze 11. in jeder beliebigen Schriftart und K«ton« forte, sowie mit Sirfeln aller studentischen «.kl........ n.e—* ... 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Steinmüller, Gr.-Linden 50 „ 1 Kilogramm (2 Pfund) Schwarzbrot bei: Georg Dern II., Gr.-Linden 21^ Hch. Weber, Heuchelheim 22 , ^erd. Weiß, Grüningen . 22 , L. Steinmüller, Gr.-Linden 22 H W. Weitzel, Lang-Göns. . 22 „ F. Weiß, Grüningen . . 22 , W.Steinmüller Ww., Lang- W. Lein, Klein-Lmden . . 24 , Göns.......22 , 2 Kilogramm (4 Pfund) Schwarzbrot bei: Louis Süßmuth, Steinberg 42 Karl Post, Wieseck . . . 44 „ Georg Dern II., Gr.-Linden 42 „ Karl Spamer, Reiskirchen 44 „ W. Weitzel, Lang-Göns. . 44 „ Ernst Christ, Wieseck . . 44 „ W.Steinmüller Ww.,Lang- F. Weiß, Grüningen . . 44 „ Göns.......44 „ Gust. Jakoby, Alten-Buseck 44 v Heinr. Weber, Heuchelheim 44 „ Jakob Appel, Krofdorf . . 46 „ L. Steinmüller, Gr.-Linden 44 „ W. Lein, Klein-Linden . . 48 „ 2*/, Kilogramm (5 Pfund) Schwarzbrot bei: Louis Süßmuth, Steinl'erg 52 $ 3 Kilogramm (6 Pfund) Schwarzbrot bei: Karl Post, Wieseck . . . 66 H W. Fabel, Wieseck . . . 66 „ Ernst Christ, Wieseck . . 66 „ Gust. Jakoby, Alten-Buseck 66 „ 2 Kilogramm (4 Pfund) Kornbrot bei: Äati Spamer, Reiskirchen 42 Jakob Appel, Krofdorf . . 44 $ W. Schimmel, Kinzenb. M. 44 „ Der Brotverkäufer: Dieselben Preise wie bei den hiesigen Bäckern, außer bei Heinrich Frevel IL, 2 Kg. Schwarzbrot 44 Pfg. Gießen, den 20. Aiai 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Kekanntmachmg. In der Zeit vom 14. bis 21. Mai 1904 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 2 Taschenuhren mit Kette, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Zwicker, 2 Damen-Regenschirme, 1 schwarzes Tuch und 1 Koppelkette; verloren: 1 100 Mark-Schein, 1 kleine schwarze Brosche, 1 Rasiermesser und 1 weißes Kinderkleidchen. Zugelaufen ist 1 Spitzhund und 1 Dachshund. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 21. Mai 1904. Grohherzogliches '4.-011,11'1 amt Gießen. ___________________I. V.: Roth.___________________ Bekanntmachung. Die Bahnhof st raße zwischen Westansage und Liebig- straße, wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Mittwoch, den 25. Mai l. Js. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 21. Mai 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Die Crednerstraße zwischen Hofmann- und Klinikstraße wird wegen Vornahme von Walzarbciten von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 21. Mai 1904. GroßherzogUa-e.. ^uiwiamt Gießen. ___________________I. V.: Roth.___________________ Bekanntmachung. Die am 1. März l. Js. angeordnete Sperre der West- anlage zwischen Seltersweg und Bahnhofstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, am 21. Mai 1904. Großherzogliu. - > '.ui’ianit Gießen. I. V.: Roth. Stadt Wen. Die Stadt Gießen läßt folgende Grasnutzungen öffentlich meistbietend versteigern: 1. Donnerstag, 26. Mai, vormittags 8 Uhr, an Ort und Stelle die Grasnutzung für das ganze Jahr von den Feldwegen im Ncustädterfeld nördlich der Rodhennerstraße, 2. au demselben Tage, nachmittags 3 Uhr, desgleichen daselbst südlich der Rodheimerstraße, 3. Freitag, 27. Mai, nachmittags 2 Uhr, an Ort und Stelle die einmalige Abernlung der Wieseckböschuugen. Zusammenkunft in der Bahnhofstraße auf der Wteseckbrücke, 4. an demselben Tage, nachmittags 3 Uhr, im Bürgermeisterei Hof die Grasnutzung für das ganze Jahr von sämtlichen Feldwegen mit Ausnahme derjenigen des Reuskädterfeldes, 5. au demselben Tage, nachmittags 5 Uhr, an Ort und Stelle die Grasnutzung vom Friedhof am Nahruu^Sberg, wovon der obere Teil für das ganze Jahr, der untere Teil zur einmaligen Aberntung vergeben wird, sowie von den Anlagen vor dem Friedhof zur einmaligen Aberutuug und von dem Niederdruckbehältcr für das ganze Jahr, 6. au demselben Tage, nachmittags 6 Uhr, an Ort und Stelle die Grasnutzung vom Friedhof am Rodtberg auf das ganze Jahr. Die Zusammenkunft für Ord.-Nr. 1 uird 2 ist auf der Rodheimerstraße am Schlachthause. Gießen, den 20. Mai 1904. 4574 Großherzvgiuhe Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße 2 (Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern fealicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. . An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 bll 6 Uhr geöffnet. Cs können eingestellt werden: 4573 1 Spengler, 1 Wagner, 1 jüngerer Schmied, 2 Schreiner, 1 Schneider, mehrere Arbeiter, 1 Köchin nach auswärts, 10 Dienstmädchen, 3 Lausfrauen, 1 Gartenarbeiter. Lehrlinge: 1 Installateur, 1 Schreiner, 1 Lackierer, 2 Friseure, 2 Kaufleute, 2 Kellner. Es suchen Arbeit: * 1 landwirtschaftlicher Arbeiter, 1 Steinhauer, 1 Bauschlosser, 1 Installateur, 1 Heizer, 1 Wasch- und Putzfrau, 1 Bureaudlener, 1 Lau!'rau, 3 Bureaugehilfen. WttPmMUsllche des Glasermeisters B. Wolf in Gießen Privatklägers vertreten durch R. A. Katz und Kaufmann gegen den Glasermeister Georg Schmidt in Gießen Angeklagten Verteidiger: R. A. Nömheld wegen Beleidigung hat das Großherzogl. Schöffengericht in Gießen am 26. April 1904 für Recht erkannt: Der Angeklagte Glasermeister Georg Schmidt in Gießen, geboren daselbst am 12. Februar 1871, evangelisch, verheiratet, ist der ihm zur Last gelegten Beleidigung im Sinne der tztz 185, 186, 200 St. G. B. schuldig und wird dieserhalb in eine Geldstrafe von fünfzig Mark, die im Uneinbringlichkeitsfalle mit zehn Tagen Gefängnis zu verbüßen ist und in die Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Privat- kläger erwachsenen notwendigen Auslagen insbesondere durch die Kosten der Beschaffung der Beweisstücke verurteilt. Gleichzeitig wird dem Be- /leidigten, dem Glasermeister B. Wolf in Gießen die Befugnis zugesprochen, den entscheidenden Teil dieses Urteils innerhalb acht Tagen nach Mitteilung einer Abschrift des Tenors des rechtskräftigen Er- kenntniffes auf Kosten des Angeklagten einmal im „Gießener Anzeiger" zu veröffentlichen. Die Richtigkeit der Abschrift der Urteilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. Gießen, den 18. Mai 1904. gez. Bühner, Gerichtsschreibcr des Großherzoglichen Amtsgerichts. Veröffentlicht: Für die Rechtsanwälte Katz und Kaufmann: 4561 Katz, Rechtsanwalt. Versteigerung. Mittwoch den 25. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, sollen dahier Marktplatz 20 im Adler: 2 Pferde, 8 Wagen, eine Laden- emrichttrng, 1 Rähmafchine, ein Schreibtisch, 1 Waschmaschine, Haus- und Küchengeräte aller Art, 2 Mille Zigarren u. v. A. gegen bar versteigert werden. Die Versteigerung findet voraussichtlich teilweise bestimmt statt. Gießen, den 21. Mai 1904. 4575 Seipel, Gerichtsvollzieher. vellische und Dekoration ist vertreten in meinen der Neuzeit entsprechend tomfortabel eingerichteten Ausstellungsräumen Komplette Musterzimmer aller Preislagen und jeder Stilart, mit allen Innendekorationen,Lüftern,Kunstvergiasungen 4, * * * etc. auLgeftattet. a a a a Besichtigung der Aussiellungs- Räume im Interesse von Jedermann und ohne ■4, * * Kaufzwang erbeten. a a a M Zimmereinrichtungen von den billigsten bis zu den feinsten. Zeder groMädtifchen Konkurrenz die Spitze bietend. Th. Vl 1C MVcham UHW * mit besteingerichtetem Maschinenbetrieb, a Ecke Zchlohgasfe Standplatz Uanzleiderg Telephon 375. * * Geschäftsgründung 1858. t« Schaufenster. «A» 1200 chuadratmeter große Ausstellungsräume. 8reiwill!ge Anerkennungs-Schreiben stehen im * * Original zur Einsichtnahme offen, a a Lieferung franko nach jeder Bahnstation. Größter Model-Lager Teppiche a Vorhänge Möbelstoffe Oberheffische Gewerbe-Ausstellung: Preismedaille. Eugen 4549 Ella Oppenheimer, geb. Wagner Vermählte. Berlin, Neue Jacobstraese 8, im Mai 1904. Contentia. Samstag, de« 28. dS. MtS. findet bei Mitglied Wigand die statutgemäße Generalversammlung statt. 4540 Tagesordnung: 1. Vierteljahrsabrechnung. 2. Beschlußfassung über § 1 der Statuten rc, 3. Verschiedenes. Anfang punkt 91/, Uhr. Der Borstand. 4428 empfiehlt I inoleum-Wichse Wachsiucue Gmnmituche Badehauben UnbeMar ist ein Gesicht ohne Flechten, Pocken, Miteffer, Ausschläge, Pickeln, darum wasche man sich täglich mit Theodor AckcrmannS Heerschwesetstife. Stück 50 Pfg. Allein echt: Ph. Schwager Wwe., Drogerie Markt 8. Die zur äußeren Herstellung der Direktorwohnung bei dem Gymnasium zu Gießen erforderliche Weißbinderarbeit soll unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 auf dem Submissionsweg vergeben werden. Die nötigen Unterlagen liegen auf unserem Bureau zur Einsicht offen und können daselbst auch Angebotsformulare gegen Entrichtung der Selbstkosten in Empfang genommen werden. Angebote sind bis zum 4. Juni d. I., vorm. 10 Uhr, mit entsprechender Aufschrift versehen, portofrei an uns ab, zugeben. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, den 20. Mai 1904. Großherzogliches Hochbauamt. Neuling. 4554 Gute FiltaiMeine in kleinen und größeren Posten hat vom 20. Mai dauernd abzugeben 3865 Gewerkschaft Eliseuburg, Grünberg,, Grube Stangenrod oei Lumda. Aohnenstangen zu haben bei 4491 Andr. Euler. Napsspreu Weizenspreu . Haferspreu abzugeben. 4449 Puth, Marburgerstraße 24. Johanna Dietz, Seltersweg 60. Emma Seuling 45 zv-hHeiostraße 45. Billigste Ausnahmcpreise für la. Weitzblech-Gietzkauneu, blank u. lackiert in allen Größen, la verzinkte Waschtöpfe. Wäscheleinen, 10 Meter von 18 Pfg. au. 4362 Wäscheklammern. -«S