154. Jahxg Donnerstag, 21. April 1904 ». 93 Giehener Anzeiger Seimal-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen - S* Alien- 18687 IDE 15? VUJ UL. -u-’l-i- VLI. .....---. V , r , r -! ■ 1 I lieft, wird finden, welche Mühe es uns gekostet hat, zunächst einmal die Einstellung eines ganz kleinen Betrages von wemgen Hunderttausend Mark zu erwirken. Dann wurde dieser Betrag auf 2 Mil- K Hart t; - uttH r 000 000 ch bet er vor. Gießen Käufer in erteilt. n Fried- lS-Hor- chl ent» 3689 M. ark i Wochen ten Vor- 3690 Ctfl«*' «dlct'd ben enl- nn Fried- rarS-hor- ung der bet Re- Wbcn Mm «nochcn M E-M-et flglftb mtt «uSnahm« bet Sonntag«. DW.< iehenn LamtlienblStter- werden den otenno wöchentlich beigelegt. D' Land tr* * erschein monatlich einmal Rntotümtbtnd and vertag der VeOhl'stvSS UnwersitütSdruckereL R. Sscge, Sieden. Redaktion, Expedition n.Druckerei: Schulftr.?. I. .'schichte denn noch dauern? Was soll daraus werden bei der,: Sela äftslage des Hauses. Der Bundesrat muß deshalb so m? möglich das Gesetz erledigen und uns vorlegen. -nazsminister v. Einem: Verschiedene Redner haben daraus fiirtthrjae n, daß das Gesetz seit fünf Wlonaten dem Bundesrat vor- IteiügfL T:s ist wohl mit dem Militärpensionsgesetz der Fall, nicht .wt zicint. bem für die Schutztruppe und die Marine. Alle gehören abteerjicmmen und wollen gründlich erwogen fein. Ich habe die Ho( noch nicht aufgegeben, daß das Gesetz noch im Laufe dieser Se i^ t mgclcgt wird. ütg Gröber (Ztr.) hält die gegen den Bundesrat gerichteten öo-tefi ■ für unberechtigt. Nach den uns über die Finanzen ge- ma-tet ■ . uftechnungen hätten wir für Jahre lang mit einem Mil- lioiinr.'.f ijit zu rechnen. Der Bundesrat müße sich also die Sache übe.zf r., wenn er so etwas beschließe, wie Deckung zu beschaffen sei. .. 2:e Regierung werde immer wieder zu neuen Ausgaben ge- biäitr , Züiigst habe auch der Flottenvcrein wieder ein neues Ge- schr verlangt, in einer Versammlung, auf der auch die sächsische Rei U.i.ru; vertreten gewesen fei. Die Linke verlange auch jetzt ein Mi lüfcxinfionggefefc. Wenn aber die Mittel nachher dazu gebraucht 1061:115- )>ann heiße es: „Dafür müßt Ihr sorgen!" Das Gesetz mü-L-'f amn es vorliege, gründlich beraten werden; in dem Rest diejlW Äissckn gehe das auf keinen Fall. Es müßte bann die SeM-. 1 ertagt werden. ’. j von Oertzen (kons.): Wir wißen sehr wohl, daß zu einer gr&ät-’-xirt Regelung der Frage sehr erhebliche Mittel notwendig fint'iU Snnn der Staat aber irgendwo eine Pflicht hat, so hier. UntÜik IbundeSrat kann auf die Dauer bem Tropfen nicht toibers iieb & !et den Stein höhlt. Durch die Vorlage würde eine große Unftat cu§ der Welt geschafft werden. Li Werner (Antts.): Ich glaube, man könnte sehr wohl an anteier Orten sparen. Hätte man z.' B. auf Südwestaftika von vor rn 4i acht gegeben, so wären uns eine Mäße Ausgaben er- fpaiTi : leben. ! L- Graf Oriola (nat.-lck.): Der Kriegsminister ist in seiner Vertar ng des Bundesrats nicht gerabe glücklich gewesen. Also weil-iL - eiben Anhängsel zu bem Hauptgeseh noch nicht ba waren, tontnr:: Bundesrat nicht die Grundsätze für das Hauptgesetz auf=> fteDHÜc lein, ich kann den Bundesrat nicht für einen UnschuldS- engtnx::l::en, er ist an der Verzögerung wirklich nicht unschuldig. Wirst:: ■ ti das Gesetz haben, damit endlich Ruhe wird. Im ganzen Sanin iif t eS sich, jeden Tag bekommt man Zuschriften: „Wie steht cs eiur£ 5) damit?" Der Kriegsminister, der heute hier als Rechts- anwr-L.) s Bundesrats aufgetreten ist, möge lieber als Ankläger SeS « ^'dcsrats auftreten l :<.r. Militärbevollmächtigter von Endres: Ich möchte nur konsttft: unS später eventuell dann mtt Recht den Vorwurf machen vi- r die Ereignisse in keiner Weise vorausgesehcn haben. ' toie: Abg. Dr. Pansche (nat.-lib.): Wir müssen uns mit der wärtigen Situation zufrieden geben, wennqleüii 011d) baldige Zurückziehung der Brigade wünschen J"6 waltungsapparat für die schwache Brigade scheint n dings auch mir zu groß. Die Koniniission bat auch gerade an diesem Apparat Abstriche gcnmctit. Tic’e L’n wir nicht verringern Wiederherstellen wollen wir nur n,0,‘fn sönliche Ausgaben, die aber durch Abstrich.- in anderen wieder ausgeglichen werden. " ^""None,, Abg. Lcdcl'onr (Soz.) meint, es lasse doch tief blicken s • Reichsschatzsekretär in der Kommissioil die Beineikuim' l>öde ? n lassen, die ostasiatische Brigade muffe künftig ihren j„, scn narium finden, statt, wie bisher, im Extraordinarinm. V ^röl“ Staatssekretär Frhr. von Richthofen weist nochmals hnr n hin, daß die Brigade nur als eine temporäre Jnstituiion ad Nach Erledigung einiger nicht strittiger Posiüc .. lr, Deiterberatung auf Donnerstag 1 ll h r vertag! VF; . . . . Interpellation der Sozialdemokraten bett die 2 t i HI c der Kohlenzechen-, ferner Etat d> und des Reichsmilitärgerichts, sowie K o L v h i □ (e t a V Schluß 6=5 Uhr. Grunde, weil wir angesichts der gegenwärtigen kriegerischen Verwickelungen in Ostasien uns besondere Reserve auferlegen zu müßen glauben. Damit wollen wir aber keineswegs die Passivität der Regierung in dieser Sache gutheißen, und noch weniger wollen wir damit etwa unsere Sympathie für die Einrichtung einer Kolonialarmee ausdrücken. Staatssekretär Freiherr v. Richthofen: Ich glaube, daß, wenn ber Herr Vorredner von einer Passivität der verbündeten Regierungen in der Frage der Zurückberufung der ostasiatischen Brigade gesprochen hat, dies der Sachlage nicht entspricht. Die Regierungen haben im Verlaufe von verhältnismäßig kurzer Zeit diese Brigade von 20 000 Mann auf 4800 und dann wieder auf 2600 Mann reduziert. Von einer Passivität kann also nicht die Rede sein. Im übrigen will ich dem Vorredner die Versicherung abgeben, daß die verbündeten Regierungen die Brigade nicht als dauernd sondern als temporär ansehen. Die Sck'lußausführungen des Vorredners enthalten übrigens die Rechtfertigung für die Haltung der verbündeten Regierungen, daß sie es nicht für angezeigt erachtet haben, zur Zeit gerade eine weitere Reduktion der Brigade vorzunehmen. Präsident Graf Ballestrem: Das Wort hat nun der Abgeordnete Frhr. von Richthofen. (Heiterkeit.) Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.) meint, bei der gegenwärtigen Lage sei es ganz unmöglich, unsere ostasiatiscke Brigade zu vermindern, man könne gar nicht wissen, welche Aufgaben ihr noch bevorständen, namentlich hinsichtlich der Aufrechierhaltung der Neutralität von China. Die Abstriche der Kommission würden es der Brigade erschweren, ihrem Zwecke gerecht zu werden. Weitere 5 00 Eisenbahnangestellte, die aus Fiume eintrafcn, wurden verhaftet, die Arbeiter in den Werkstätten des Wcstbahnhofes erklärten sich mit den Ausständigen solidarisch. Nach einer polizeilichen Mitteilung bemächtigten sich 750 Angestellte in Biatorbazzoines eines Zuges und leiteten ihn hierher. Bei der Ankunft wurden sie von der Polizei in Empfang genommen. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet. Tie Drahtverbindung zwischen Budapest-Marchegg und Budapest- Zsolna ist unterbrochen, da die Ausständigen die Telegraphen und die Fenster demolierten. Der Bahnverkehr auf einer ganzen Reihe von Strecken ist eingestellt. Aus der Provinz treffen Delegierte der Eisenbahnangestellten zu der hier statlflndeuden Versammlung ein. Gin Teil derselben wurde beim Eintreffen verhaftet und wird auf dem Bahnhofe von Militär und Polizei bewacht, um eine etwa beabsichtigte Zerstörung des Bahngeländes zu verhindern. Die Ausständigen entsandten eine Mordnung zum Ministerpräsidenten. Sie machen ihr weiteres Verhalten von der Antwort abhängig, die sie von ihm erhalten. Die Lebensmittel steigen im Preise. Auf Anordnung der Regierung wurden heute die verhafteten Eisenbahne r wieder in Freiheit gesetzt. Jin Laufe des Abends wurden auf Anregung des demokratischen Abg. Vazsonhi und des Abg. Voeroes Verhandlungen wegen Beilegung des Streiks eingeleitet, an denen auch Staatssekretär Serenyi und der Präsident der Staatsbahnen Ludwig teilnahmen. Die Verhandlungen dürften bis heute früh andauern. Es besteht sichere Aussicht auf Erfolg. Sämtliche Stationen der Hauptlinie sind mit Militär besetzt, welches mit Hilfe der dem Streik nicht feige treten en Eisenbahnern und des Eisenbahnregiments, sowie des JNgcuieurkorps als Lokomotivführer die Wiederaufnahme des Verkehrs ermöglichen wird. Aus Frankreich und Oesterreich sind bedeutende Beträge zur Unterstützung der Streikenden eingelangt, angeb- eigenen Vater den Mordsta hl zückte, stand qc-iemtu Aburteilung des Schwurgerichts. Der Angeklaqie ist der cn 2. November 1876 geborene Steinbrucharbeiter (ielianiics Cr u r i! ältester Sohn des Schreiners Johannes Eurich VL von Ubcnb: r. Tie Anklage legt ihm versuchte Tötung, beqanqcn qr 1 den eigenen Vater, und versuchte B r a n bft i itunq an iti Vaters Wohnhaus zur Last. Tie Verbandlnnq ergab fer - den Tatbestand: Schon seit einiger Zeit war Johanne" " gegen seinen Vater übel gesinnt, ohne daß letzterer ei rn- gegeben oder eine Erklärung dafür hätte finden fiinnen Ar des 1. Februar, einem Montag, trank der Angeklagte mn Kameraden und seinen beiden jüngeren Brüdern in der L ein Fäßchen Bier Der Vater kam gegen ‘ .11 Uhr m anack Zustande nach Hause und trank ein Glas Bier mit. Cn ft dem Johannes noch auf den Schoß und süßte ihn und aü bis dahin gut abgelausen. Ta forderte der •" seinen Vater auf, zu Bett zu geben, cs sei Zett für M i« antwortete, das habe er nicht nötig. Der SoVn rourt» ran zornig, schlug mit der Faust auf den Tisch, rollte bie ■ knirschte mit den Zähnen, rooronf sein Vater sagte, tr sein, sonst tue er ihn hinaus. Die beiden wurden nun einen blick handgemein, dann sprang der Angeklagte an du (abe, entnahm dieser ein starkes Brotmesser und stürz» au Vater loS, mit dem Meffer so lange aus ihn rnittaenc besinnungslos und blutüberströmt zu Boden 'lürzie. rorv der saubere Sohn noch gerufen, jehk ist eS au-,. Gendarm und der Bürgermeister kommen, rie an,.u.. wesenden hatten ans Angst vor dem ram - ' - . die Flncht ergriffen. Darmes forderte der Täter semen ■ gang weilenden Bruder auf, ihm seinen guten Stoff >• herunter,utfelen, er gehe nun wieder nach Westfalen. ' • brachte den Rock und half ihm beim Anziehen, fotnj1 aber auf dem Leibe, als er auch schon nach der Tata a - . ein Messer herauszog. Ter Bruder ergriff nun Io - Flncht und wie recht er hatte, geht daraus hervor, geklagte einen Türflügel abriß und ihn dem Bru - Nach einer Weile sahen ihn die Tranßenstehendcn bewaffnet das Hans verlaßen und den Weg nam - • gelegenen Nachbarhause einschlageu. Zu nlctcner ,5 auch die in der Angst hinaus geflüchteten 2euie " ' . in der Werkstatt, woraus sie bineinliefen. E? bran f späne und Holzabfälle, bie herumlaqen: sie konnte werden. Es ist nur ein Zufall, daß der Lohn > - Stelle getroffen und den sofortigen Tod fernes 1 a hat. Nachdem der Angeklagte das väterliche vat bh wandte er sich zu seinem Nachbar Weiggerher, jm gegen morgen sich aufhielt. Nachher leate er ft® , Hause wohnenden Familie Brill ins Bett, auc- .... Gendarm mittags verhaftete. — Die Verhandh 9 ,(< Mu Bild menschlicher Verkommenheit "vd Rohheit. der am Bein noch gelähmt ist, wahrscheinlich o » i::: des Sohnes herrührend, verweigerte nackt kurz ' an>exc’' Zeugnis^ ebenso der eine Bruder, roahreno e Brüder Zeugnis ablegten. Dem einen von «Oflte auch flebroet, er muffe sterben. * den Angeklagten der versuchten Tötung Mulbi. ,ckai" der versuchten Brandstiftung rourbe verncmt. - t &er bürge? auf eine Zuchthausstrafe von vier Fahren, lichen Ehrenrechte auf die Dauer von fiml I u' • pcntru' ’ Dresden, 20. April. Das h-efee Landq^,,, heute den Redakteur der „Sächf. Arbetter-Ztg»forr - , Beleidigung deS « au t] c n er ।DH'' ■ hfltte ;n vier Monaten Gefängn iS. Der cknge^ $aunfner So? Zeitung behauptet, die Offiziere hätten tn bnbtt von Äit einer BiirqerStochter Orgien gefeiert und feie» Vater des Mädchens überrascht worden. ,. #itörf1^; Stargard,20. April. Der RUterqu'sbM anl^lic6 >■ wurde wegen Beleidigung bev Abg. ■ r : Urteil in dem von ben Gläubigern bet v Lonvov sowie von der Prinzessin Stefan , Nichtigkeitserklärung des Test amen t. । e Part strengten Prozesse. Das E e richt w f jpon j kost enpi l i ch , - ab und flcül 6er ' ein diplomalilcher Vertrag lei und der N.'chl-» __ Grundlage der Gütertrennung ztt regetni-^^^^^^^ Aie Weichsstnanzresorm. Berlin, 20. April. Die Budgetkommission des Reichstags beriet den Gesetzentwurf betr. Acnderungen im Finanzwesen des Reiches. Sckmtzsekretär Frhr. v. Stengel bemerkte zu den Materialien, welche er der Kommission gemäß dem früher angenommenen Antrag Müller-Fulda zustellte, dieselben nur unter Vorbehalt aufgestellt zu haben. Sie zeigen eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die finanziellen Folgen der Militärvensionsnovelle und des Zolltarifgesetzes usw. seien keineswegs sicher vorherzusagen. Die Bearbeitung des Materials habe nur das Bewußtsein der Notwendigkeit einer Finanzreform zur Beseitigung der Verworrenheit verstärkt. Er werde seine ganze Kraft einsetzen, um die Finanzverhältnisse des Reiches zu bessern. Bei der Vorlage handle es sich keineswegs um Aufhebung der M atrikularb eitr ä ge. Die Frage nach Mitteln zur Herstellung eines Gleichgewichts sei schwer zu beantworten, solange die Einnahmen des neuen Zolltarifs nicht bekannt feien. Redner fuhr fort, im Jähre 1904 werde die Maischraumsteuer eine den Voranschlag weit übersteigende Einnahme geben. Das Schatzamt werde die erneute Prüfung der Frage der Besserung der Brausteuer bei den verbündeten Regierungen befürworten. Die Frage der Heranziehung des Stärke zu ckers zur Besteuerung begegne Bedenken. Die Regierimgen seien ihr noch nicht nähergetreten. Redner bestritt, daß die Finanzreformvorlage irgendwie eine Schmälerung des Budgetrechts des Reichstags bedeute, und erklärte sodann die voraussichtlichen Mehrforderungen des nächsten Jahres. Es sei jetzt mit einem chronischen Defizit von etwa 100 Millionen zu rechnen. Vor einer Ueberschätzung der Erträge des neuenZolltarifes sei zu warnen. Die Nahrungsmittelzölle seien für Witwen- und Waisen-Ver- sicherung festgelegt. Er halte es für dringend, die Vorlage wohlwollend zu prüfen. Die Vorlage sei der dritte Versuch in zehn Jähren, scheitere er, so werde in absehbarer Zeit kaum ein neuer erfolgen und die Finanzen weiter abwärts gehen. Abg. Dr. Paasche (nl.) spricht seine Befriedigung aus über Du'e vorgelegten Materialien. Abg. Müller- Fuü>a (Ztr.) schließt sich an und bemerkt sodann, das sächsische Finanzministerium habe die Hoffnung ausgesprochen, daß es zum letzten Male Matrikular- beiträge zahle. Was solle denn an deren Stelle treten? Dabei fordere man jetzt in Sachsen eine Flottengroßmacht. Ein dortiger Offizier a. D. forderte 794 Millionen für neueSchiffe. Ms Mittel zur Durchführung der Finanzreform bleiben nur, von den Anleihen abgesehen, Ma- trikularbeiträge oder neue Steuern. Solange die Frage nach einem Mittel ungeklärt sei, sei die Vorlage unannehmbar. Der sächsische Gesandte Graf H o h e n t h a l erklärt, Minister v. Metzsch habe sich durchaus nicht identisch erklärt mit den erwähnten, in einer Versammlung entwäckelten abenteuerlichen Plänen. Kisenöaönerstreik in Ungarn. Budapest, 20 April. Der Streik der Eisenbahnangestellten ist durch die Enttäuschung hervorgerufen worden, welche der vor einigen Tagen dem Abgeordnetenhause vorgelegte G.'setzentwurf über die Gehaltsregulierung der Eisenbahnangestellten bei diesen verursacht hat. Die Ausständigen verlangen Gehaltserhöhung in der Höhe, die in einer Denkschrift angegeben ist. Falls ihnen dies Zugeständnis ge* .macht wird und den Führern des Ausstandes General- ainnestie erteilt wird, sind sie bereit, den Ausstand zu beenden. Wie verlautet, wandte sich der Präsident der Staats- bahnen an den Rektor des Polytechnikums mit dem Ersuchen, der Verwaltung Polytechniker zur Verfügung zu stellen, welche das Examen bestanden haben und als Lokomotivführer verwendet werden können. Tie Orientexpreßzüge Paris-Konstantinopel sind in der Nacht nach beiden Richtungen, wenn auch mit großen Verspätungen, abgegangen. Vor der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses versammelten sich Mgeordnete aller Parteien, um die Lage zu besprechen. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung könne mit dem streikenden Element nicht verhandeln. Sie traf Maßregeln, durch Heranziehung von Militär die Ordnung wiederherzustellen und durch Verwendung des Eisenbahn- und des Telegraphenregiments bie Wiederaufnahme des Verkehrs zu ermöglichen. Es müsse ein Exempel statuiert werden. Gegenüber den ver- .leitenden Elementen woNe die Regierung Nachsicht walten lassen. Bisher wurden 4 50 Eisenbahnangestellte verhaftet. Bei der Eröffnung der Plenarsitzung herrschte große Erregung. Ter Ministerpräsident wurde beim Betreten des Saales von der Rechten mit brausenden Eljen- rufen, von der Linken mit stürmischen Protestrufen empfangen. Jm Abgeordneten Hause erklärte der Handelsminister, es sei die erste Pflicht der Regierung, den Verkehr aufrecht zu erhalten. Man sei deshalb bereit, die Ausständigen, falls sie unverzüglich zu ihrer Pflicht zurückkehren, wieder aufzunehmen Seien sie nicht dazu geneigt, werde die Regierung Mittel finden, den Betrieb nichtsdestoweniger ohne Störung abzuwickeln. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Südekum (Soz.): Wenn man sich den Etat des Auswärtigen Amtes ansieht, muß man glauben, wir befänden uns in Zeiten des größten Ueberflusses, aber nicht der Finanzklcmmc. Wir sind für eine möglichst baldige Auflösung der ostasiatischen Brigade. Wir ersuchen den Staatssekretär um Auskunft über die internationalen Verträge, die uns angeblich verpflichten, die Brigade noch dort zu lassen. Leider haben wir darüber bisher noch nie etwas erfahren. Eine Unmenge Beamten hat man neben der Brigade hinausgesandt, eine Reihe von Sinekuren hat man geschaffen, es findet sich sogar im Etat ein Posten von 40 000 Mk. zur Heranziehung von Familien nach China. Wie reimt sich bas zusammen mit dem angeblichen Kriegszustände der Brigade? Dann ist es ja eine Barbarei, auch die Frauen noch nachkommen zu lassen. In Wahrheit dürften die Damen aber wohl auf dem Lawn-Tennisplatze oder im Teehausc gebraucht werden und die Brigade lediglich dekorativen Zweck haben. Das zeigt, wie recht wir haben, wenn wir den ganzen Etat rücksichtslos ablehnen. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Ich halte mich für verpflichtet, aus der Reserve herauszutreten, die der Vorredner erwartet hat. Es besteht keinerlei staatsrechtlicher Zwang, unsere Brigade in der Höhe in China zu erhalten, in der sie dort ist. Es handelt sich lediglich um eine Verabredung unten den militärischen Kpmmandcuren. Wenn der Herr Vorredner glaubt, daß die Brigade lediglich dekorativen Zwecken dient, so hat sich dieser angeblich dekorative Zweck in den letzten Jahren doch sehr bewährt. Wenn man gleich den Abmarsch der Truppen durchgeführt hätte, bann wären die Verhältnisse für die Fremden sehr ungünstig geworden, dann hätten wir unsere. Position dort gar nicht behaupten können. Der Wunsch, daß die Operationsarmee möglichst bald aufgelöst werden • Lchiffsmchrichtcil. N°rdd°uNch°rL-°°^^^ I» Wirten vertreten durch «««' Srcmen. 1R. April, Der Toppelschrauben-Postdampfer „fyanthin 16 «j^nl, 9 vorn Norddeutschen Lloyd „gekommen. .ormittags, wohlbehalten m Baltimore ang«o Infolge des Streiks wurde der gesamte Verkehr nach und von Ungarn über Bruck und Marchegg eingestellt. Der heute früh hier über Marchegg fällige Orient-Expreßzug von Budapest verkehrte bis hierher als Sondcrzug. Ter Verkehr von hier nach Ungarn ist Nur noch mit dem DamPf- boot und über die Südbahnlinie möglich. 'Dartamcntarisches. Berlin, 20. April. Die Wahlprüfungs-Kommission beschäftigte sich heute mit der Wahl des Abg. Fuchs (Ztr.), der im 6. Trierer Wahlkreis Ottweilcr-St. Wendel gewählt ist. Man beschloß, über eine Reihe von Punkten Beweis zu erheben. — Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Beratung des Etats des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten fort, welcher ohne besondere Debatte genehmigt wurde, ebenso der Etat der Staats-Archive. Dann folgte die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Dien st aufsicht bei o en Amtsgerichten. Der Entwurf wurde abgelehnt. Angenommen wurde der Gesetzentwurff wegen Abänderung des Gesetzes betreffend die Regelung derRichtergehälter. Es folgte dann der Etat der Justizverwaltung. Bei der Abstimmung ergab sich, daß das Haus nicht beschlusifäbig war.