1903). 'chncb L v,*r< Nr. 68 154. Jahrg General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe» neue Muster cken 2741 des iwl V! SSM?” ‘VT • Tagesordnung. Die Nähe der wiesen haben. Die Bitte des Vorredners jedoch, die Artil -wsstschen Grenze ube da wohl einen gewissen Einfluß aus. Jede | Schulschiffe, die nach Sonderburg verlegt werden sollen, nach Sl Swine: schwere Verluste nachmittag folgendes Gouverneur Leutweiu SlnfffHongbnrf und Berka, bet verblich« UnioenttätSönitf«et UL San,«. Nttßen. Redaktton, Expedition u. Druckerei: ScbuMr.7. Tel. Nr. 5L lelegt.-ttbt*; Llnzetger Gießen» Erscheint täglich mit Ausnahme des SmmtagS. Die „Gießener Samtltenblätter“ werden ben »Anzeta^ otennc wöchentttch beigelegt Dc »Hcsfis i. Land- tr» * erschein: monatttch einmal Präsident Graf Ballestrem wünscht dem Hause gute Erholung und frohe Osterseiertage. * Nächste Sitzung: D ien stag, den 12. April, 2 Uhr. D^ratung der Münznovelle und Fortsetzung der Etats- debatte: Reichskanzler und Auswärtiges Amt.) Schluß 5% Uhr. 6 3. Sitzung vom 19. März. 5 Uhr. Das Haus ist schwach besucht. tditiitfen. Wir verbreiteten am SamStag KxLirablatt: Berlin, 19. März, 3 Uhr 30 Mio. schwere UeiLuste in Südwestafrika. Eine überaus schmerzliche Unglücksbotschaft traf am Launstag nachmittag aus Südwestafrika ein. Die Kolonne rr-z Majors o. Glasenapp, die bisher noch kein ®e= iiiit mit den Hereros hatte, aber durch die forcierten Nacht- M Gewaltmärsche erst nach dem Osten der Kolonie und ÜMaphiert heute: Glas e n app stieß, den Kompagnien voraus- ilk«'d, am 13. Mär; mit einem Stabe zahlreicher Offiziere und -S Löeritlenen aus die Nachhut des Feindes, die unerwartet 23er- litlllunfl etinclt, sodaß Glasenapp gezwungen war, zurück- zugehen. Sieben Offiziere und neunzehn Mannsdcr gefallen, drei Offiziere und zwei Manu verwundet. tonm wieder zurück nach den Onjatibergen ihre Kräfte auf äußerste anspannen mußte, ist nunmehr auf den Feind Bloßen und hat dabei äußerst Eine ausführlichere Meldung besagt: Major v. Glasenapp stieß, dem Toljostamm vom Rohoro über Okandjesu nach Nordwesten folgend und den Kompagnien vorauseilenü, am 13. März bei Owikokororo mit einem Stabe von zahlreichen Offizieren und einer berittenen Abteilung von 3b Mann und einem Maschinengewehr auf die dcachhut des Feindes. Dieser erhielt unerwartet Ver- stärkung, sodaß Glasenapp gezwungen wurde, zurückzugehen. Tas Gefecht spielte sich vor der eigentlichen Kolonne ab. Vom Jemde wuroen 20 Tote gesehen. Um bvit Gegner in seiner jetzigen Stellung nach Formierung der Hauptabteilung, wenn möglich unter Heranziehung der Kolonne des Majors v. Estorfs umfassend anzugreifen, sind Maßnahmen eingeleitet. Unter den T v r e n befinden sich nach einem weiteren Telegramm Lcu-weuis Hauptmann v. Francois, Oberleutnant Eggers, Oberleutnant z. S. Stempel von Am Bundesratstisch: Stuebel, Frhr v. Stengel u. a. Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die dritte Beratung Nachtragsetats für Südwestafrita. Eine Generaldebatte findet nicht statt. In der Spezi al deb alte wird der Nachtragsetat im Einzelnen und in der Gesamtabstimmung definitiv ohne Debatte angenommen, nur die Sozialdemokraten stimmen dagegen. 8**1 SSt1 ber ^.alro,en^ivision, aoni Tzioüet, cr,.e§ | öeebaidillüii, Leutnant der Reserve Ties mey er, Leut- !iQn/x cr Reserve Bendix und Marineoberassislenzarzt Tr. Velten von S. M. S. Habicht. Ferner sind gefallen: Feld- webel Karl Bach, Feldwebel Hermann N i t s ch k e, Unter-» ofsizier Paul Kiel, Gefreiter Michael Wolf, Gefreiter ö^edrrch Otten. Vom Fanuarersatz 1904: Reiter Wilhelm Albrecht, Otto F o r st e r, Hermann G r a s ch o p p, HilfZ-» trompeter Hermann W o d e r i ch, Reiter Michael Schanze von der zweiten Matrosendivision Signalmaat Wrock- läge, Bootsmannsmaat Heldtke und Obermatrose Elers, sämtlich vom „Habicht", Sergeant BennewieS aus Eilbeck, außerdem Ersatzreservist Tierarzt Sopp, Landwehrmann August Ahlenberg-Elbing, Landwehrmann Stegmann aus Gummersbach, Invalide Oskar Bachmann aus Berlin, Vizefeldwebel der Reserve Bernhard Well st ein aus Mühlheim a. d. Ruhr. Leicht verwundet sind Major Glasenapp, Streifschuß am Hinter- köpf, Adjutant Leutnant Schäfer, Oberleutnant z S. Staatssekretär v. Tirpitz bittet, das technische Personal, das die Kommission gestrichen, doch wieder zu bewilligen. Man habe das Personal herangebildet, jetzt sei man so weit, und nun solle es ge- jstrichen werden! Es handle sich um Anwärter, die drei Jahre gearbeitet hätten und jetzt vor ihrer Ernennung ständen. Und nun rollten sie nicht ernannt werden. Uebrigens, was werde die Folge siein? Stteiche man die Schiffsbaumeister, so muffe die Marinever- walttmg sich Regierungsbaumeister pumpen. Und die könnten doch !beim besten Willen nicht dasselbe leisten! Aba. Zubeil (Soz.) spricht über die Arbeiterverhältnisse auf den kaiserlichen Werften. Insbesondere führt er lebhafte Beschwerde über die Lohne der Werftarbeiter in Danzig und legt Zahlen- -msammensiellungen, die dieses illustrieren sollen, auf den Tisch des .Hauses. Auch stehe es übel auf der Danziger Werft. Die Ge- inungsriecherek sei dort auf der Tagesordnung. ' , hin innet en Neuheiten in MtM : kfurter isik- erke ieip Unlomalf Lserstr.77, am Haupt, ug und grösstes 1'- n Deutschland, toollen Lichtern. auren.^andolmenmM- Miunua 6me Anzahl gm renovierte mttle« , Ltreichpiaoo-E bell ^uo.crchestru'U, W chl in neuen großen -- zahlu«gserl-^kE Seid Parlamentarische Perhanvlnnqen. Nachdruck ohne Verein arung nicht gestattet. Äeutjcher Reichstag. 62. Sitzung vom 19. März. 11 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Tirpitz, Frhr. von Stengel u. a. Tas HauS ist schwach besetzt. Auf der Tagesordnung steht zunächst der schleunige Antrag her Abgg. Barbeck (freist Ap.j u. Gen., der auch von Mitgliedern des Zentrums und von National-Liberalen unterzeichnet ist. Den Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß das gegen den Reichsragsabgeordneten Jessen beim Amtsgericht Flensburg eingeleitete Strafverfahren für die Tauer der Sitzungsperiode des Reichstags alsbald aufgehoben wird, nachdem am 17. d. M. in den dem Abg. Jessen gehörigen Bureau- und Geschäftsräumen seiner Zeitung „Flensborg Avis" in Flensburg eine Haussuchung gegen denselben stattgefunden hat. Abg. Storz (südd. Bp.) macht darauf aufmerksam, daß dieser Fall auffallend und bedauerlich sei, weil das Gericht entgegen den gesetzlichen Besttmmungen sogar eine Haussuchung bei dem Abg. Jessen veranstaltet habe. Abg. Singer (Soz.! meint, das Gericht hätte wissen müssen, daß zur Veranstaltung einer Haussuchung und zur Einleitung eines Sttafverfahrens die Genehmigung des Reichstags nötig sei. Er bitte den Antrag anzunehmen, die Sache aber trotzdem an die Bud- gettommission zu verweisen, damit dieselbe darüber befinden könnte, ob ein Gericht so verfassungswidrig vorgehen dürfe. Abg. Etckhoff (freis. Bp.) befürwortet auch den Antrag Barbeck. Ter Anttag Barbeck wird hierauf angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Etats-Notgesetzes. Dasselbe wird debattelos definitiv angenommen. Hierauf tritt das Haus in Pie zweite Beratung des zweiten Nachtragsetats für Südwestafrika ein. Abg. Bebel (Soz.) legt Protest ein gegen die „barbarische" Kriegführung der Deutschen gegen die Hereros. Tie Grausamkeiten der Hereros werden in der deutschen Presse weit übertrieben. Man weiß ja, wie in solchen Fällen gelogen wird. So werden z. B. die schrecklichsten, Abschlachtungen von Frauen usw. berichtet, und nachher stellt es, sich heraus, daß diese Frauen sich heute der besten Gesundheit erfreuen. Redner verliest einen Brief, in dem u. a. die Mitteilung enthalten ist, daß die Hereros eine Frau wegen eines Stteifschusses um Entschuldigung gebeten haben. (Hört! hört! Das sind die „Bestien in Menschengestalt" l Abg. Tr. Arendt (Rp.): Herrn Bebel ist es nicht gelungen, die Wirkung feiner neulichen Rede abzuschwächen. Im Gegenteil, er hat sie heute noch verstärkt. Herr Bebel entwickelt einen außer- ordi iitlichen Fleiß bann, alles zusammenzutragen, was zum Ruhme der Feinde Deutschlands spricht und was unsere Truppen zu verkleinern imstande ist. Herr Bebel glaubt, was er glauben will. All.'s, was dazu dient, seine Ansichten zu bettäftigen, ist für ihn Tatsache. Die Grausamkeiten der Hereros sind natürlich alle „über- tpeben", die Schandtaten der Deutschen sind aber nicht im mindesten üFertrieben, da ist alles verbürgt bis auf das J-Tipfelchenl Herr Bebel sieht nur die Tugend der Hereros und vergißt, daß man all b/e Tinge auch anders auslegen kann. Und in der deutschen Volksvertretung sollte man doch auch ein wenig das deutsche Interesse wahrn.-hmen. Draußen kämpfen unsere Landsleute, und in erster Linie haben wir uns doch damit zu beschäftigen, wie ihnen Hilfe geboten wird. Später werden wtt auch Kritik üben und uns mit der Kolonialverwaltung auseinandersetzen. Abg. Bebel sSoz.j konstatiert, daß alle seine Feststellungen sich laus Mitteilungen deutscher Ansiedler und Berichterstatter stützen. Er sei in der Darstellung ganz objektiv gewesen, sei übrigens lediglich den Berichten bürgerlicher Blätter gefolgt, da die Sozialdemokraten noch keine Originalberichterstatter hätten. Auch er würde sich freuen, wenn sich das alles als unwahr erwiese und dadurch der Schandfleck von der deutschen Nation — zu der auch er sich zähle — entfernt werde. Abg. Tr. Arendt (Rp.) erwidert, Herr Bebel spreche immer ibon Tatsachen, wo doch nur briefliche Nachrichten vorliegen, denen nicht so ohne weiteres Glauben beizumessen sei. Der Nachttagsetat wird hieraus in zweiter Lesung angenommen. Das Haus seht sodann die zwette Beratung des Marine- Etats fort. Ohne Debatte gelangt folgende Resolution zur Annahme: „den Reichskanzler zu ersuchen, auf eine Minderung der Reise-, Marsch- und Frachtkosten und Vermeidung von Etatsüberschreitungen hinzuwirken". Die Kommission hat einige Stellen technischer Beamten ! gestrichen. münde zu dirigieren, kann ich nicht erfüllen, weil in Swinemünde die Seeverhälinisse nicht günstig genug sind. Damir ist die zweite Beratung des Marineetats beendigt. Es sind also im Ganzen vom Marineetat entsprechend dem Beschluß der Kommission gestrichen worden 9 966 442 Mk. und Zwar bei den laufenden Ausgaben im ordentlichen Etat 526 042 Mk., bei den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats 6 690 400 Mk. und bei den außerordentlichen Ausgaben 2 750 000 Mk. Hiermit ist bie Tagesordnung erschöpft. Präsident Graf Ballestrem schlägt darauf vor, die nächste Sitzung abzuhalten heute 5 Uhr mit der Tagesordnung: Dritte Lesung des Nachtragserats für Südwestafrika. Abg. Dr Sattler fragt-zur Gejchäftsordnung den Präsidenten, ob er beabsichtige, heute schon die Osterferien beginnen zu lassen. Präsident Graf Ballestrem: Ich kann dem Abg. Sattler das offene Geheimnis -»erraten (Heiterkeit!, daß ich allerdings vorhabe, heute, nachdem der Manneerat erledigt ist, dem Hause vorzuschlagen, in die Osterferien zu gehen. Abg. Dr. Sattler (nctt.-lib.) bedauert, daß der Reichstag jetzt schon in die Ferien gehen werde und den Etat so unvollständig liegen liehe. Er wolle jedoch keine Kritik an dem Vorschlag des Präsidenten üben, das stehe ihm nicht zu, er wolle nur mitteilen, daß seine Freunde gern bereit wären, noch die drei ersten Tage der folgenden Woche zu tagen. Präsident Graf Ballestrem: Ich will dem Abg. Sattler erwidern, daß er im Irrtum ist, wenn er glaubt, daß er kein Recht hätte, gegen meinen Vorschlag Widerspruch zu erheben. Das Recht, etwas anderes vorzuschlagen, hat jeder Abgeordnete, das Haus hat dann darüber zu entscheiden. Wenn ich jetzt nicht weiter verhandeln will, so habe ich dazu meine triftigen Gründe. Ich hatte ja auch die Absicht, weiter zu tagen. Ich habe aber eingesehen, daß die Misere der Beschlußunfähigkeit, die schon jetzt auf uns lastet, nach dem dazwischen liegenden Sonntag zu einer schrecklichen werden würde. Ferner müssen Sie doch bedenken, daß jetzt Etats in Aussicht stehen, die sehr wichtig sind, und daß es besser ist, sie vor einem besser besetzten Hause zu verhandeln. Ich habe auch noch eine Menge anderer Gründe, denn ich habe mich für verpflichtet gehalten, mich nach allen Seiten hin zu informieren. Aber die Mehrzahl dieser Gründe sind so, daß man sie gerade nicht hier vortragen kann, damit sie in den stenographischen Bericht kommen. Ich glaube, es wird am besten sein, wenn wir heute schon in die Ferien gehen. Abg. v. Normann skons.): Meine Freunde wären zwar berett, weiter zu tagen, glauben aber doch, daß der Präsident die Sache sich wohl überlegt hat, und stimmen daher seinem Vorschläge zu. Abg. Singer (Soz.) stimmt gleichfalls dem Vorschläge deS Präsidenten zu. Es sei ja schließlich egal, ob man jetzt vor Ostern oder nach Ostern noch einige Tage länger tagt. Abg. Gamp (Rp.): Das ist zwar nicht egal, dak ist z. B. für einen Landwirt ein großer Unterschied, ob er in den Sommer hinein tagen muß, oder ob er letzt noch ein paar Tage zulegt. Wir wären also bereit gewesen, hier noch länger zusammenzubleiben, wenn aber der Präsident schwerwiegende Gründe hat, so kann ich nur lagen, ich kenne die Gründe nicht, aber ich billige sie. (Heiterkeit.) , . Dbg. Schrader (freif. Vergg.): Tas ganze Haus hat gewußt, daß wir am Sonnabend auseinandergehen werden. Ich glaube, es ist auch das beste so, und stimme dem Vorschläge des Präsidenten zu. -^^6- Gröber (Zentt.): Gerade von den National-Liberalen seblen soviele, daß diese wohl keinen Anlaß haben, dem Hause die Leviten zu lesen. Ich bitte, es bei dem Vorschläge des Herrn Präsidenten zu belassen. Präsident Graf Ballestrem: Ich habe jedem, der mich fragte, gesagt, ich hatte die Absicht, wenn der Marineetat bis Sonnabend fertiggestellt wäre, zu schließen. Ein Geheimnis war es also nicht. 1 2lk>g- Dr. Sattler fnat.-lib.): Ich kann nur bedauern, daß ich den Herrn Präsidenten nicht gefragt habe. Es ist nicht meine Gewohnheit, jemanb mit Fragen zu belästigen, wenn dies nicht nötig ist. Weder mir, noch einem meiner Freunde ist bis gestern irgend eine Mitteilung von dieser Absicht gemacht worden. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Singer schließt die Geschaftsordnunasdebatte. ES bleibt bei dem Vorschläge des Präsidenten. Nächste Sitzung 6 Uhr. Schluß 4% Uhr. "" *«•»«. Nni' Äi Oll falsche Denunziation der Polizei veranlasse die Werftdirektion zu einem peinlichen halsgerichtlichen Verfahren. Umgekehrt leiste auch die Werftdirektion der Polizei Bütteldienste. Ein Schlosser Arthur Gebauer ist entlassen worden wegen angeblicher Zugehörigkeit zu einer sozialdemokratischen Organisation. Dabei ist nachgewiesen worden, daß Gebauer gar nicht der Organisation angehörte. Die 1 Tanziher Werft befindet sich vollständig in den Händen der dortigen Polizei. Man erstickt jeden Funken sittlichen Gefühls in den Arbeitern. Ein Obermeister hat sogar Arbeiter wiederholt geprügelt l und ist trotzdem noch auf der Werft angestellt. Ein solcher Obermeister gehört aber nicht in eine kaiserliche Werft. Kaiserlicher Admiralitätsrat HarmS: Der Staatssekretär hat bereits gestern mitgeteilt, daß die Löhne in Danzig etwas niedriger sind als in Kiel. Das liegt teilweise an den örtlichen Verhältnissen, doch sind die Löhne in der letzien Zeit in Danzig erheblich gestiegen. Ich muß sodann die Werftverwaltung in Schutz nehmen gegen die Angriffe des Abg. Zubeil. Seine Vorwürfe sind in keiner Weise gerechtfertigt. Die Verwaltung kümmert sich absolut nicht um die völkische Gesinnung ihrer Arbeiter. Sie kann es nur nicht dulden, daß die Agitatoren, die Streit und Unfrieden erregen, in ihrer Arbeiterschaft sind. Wenn Arbeiterentlassungen vorgekommen sind, so hat dies nur daran gelegen, weil vom Reichstag nicht die Mittel bewilligt wurden, die wir gefordert hatten. Ich wundere mich, daß gerade der Vorredner hier Vorwürfe gegen uns erhebt, denn weder er, noch seine Partei haben uns je auch nur etwas bewilligt. Abg. Mommsen (freif. Vergg.): Herr Zubeil mag sich beruhigen. Das ganze Material, das er heule vorgebracht hat, hat auch mir vorgelegen. Ich bin sogar in der vorigen Woche in Danzig gewesen und habe mich mich bei den Arbeitern darnach erkundigt. Ich meine aber, es ist doch hier nicht der Ort, namentlich bei der Lage unserer Geschäfte, hier so eingehend auf Einzelfälle einzugehen, selbst wenn sie wahr wären. Ich bin fest davon überzeugt, daß, wenn die Verhältnisse wirklich so lägen, wie Herr Zubeil sie darstellt, der Staatssekretär schon für Abhilfe sorgen würde. Abg. Legten (Soz.) fordert die Marineverwaltung auf, sich nach den vom Abg. Zubeil bargelegten Verhältnissen zu erkundigen. Tas würde genügen, um diesen traurigen Vorkommnissen ein Ende zu machen. Das Ungeheuerliche in allen Militärbetrieben ist eben das, daß die Leute nicht wagen, irgend eine Beschwerde oben cmzu- bringen. Das System der Marineverwaltung scheint ja außerordentlich prattisch. Sorgen Sie aber erst dafür, daß niemand wegen einer Beschwerde von der Werft entlassen wird. Solange das nicht geschieht, können Sie es nicht ändern, daß die Arbeiter Ihnen voller Mißttauen gegenüberstehen l Tas heutige System zieht lediglich ein Schmarotzertum groß. Die Meisten lassen sich von den Arbeitern ttattieren, damit sie diesen die lohnenderen Akkordarbeiten zn- weisen. Diesen Krebsschäden kann nur ein Ende gemacht werden, wenn man den Arbeitern das bedingungslose Koalitionsrecht gibt. Staatssekretär v. Tirpitz erwidert, der Fall, daß man den Arbeitern es unmöglich gemacht hätte, ihrem Berufsverein anzugehören, sei nie akut geworden. Uebrigens habe Herr Scgicn nichts bewiesen, seine Art, Mißttauen zwischen Verwaltung und Arbeitern hervorzurufen, trage nicht zu einer Besserung der Zustände bei. Die Behauptung, daß die Arbeiter sich nicht beschweren dürfen, entsprich, nicht den Tatsachen. Im Gegenteil ist in der Beschwerdeordnung das Beschwerderecht der Arbeiter ausdrücklich festgelegt. Admiralitätsrat Harms: Jede Beschwerde, die mit Namensnennung eingereicht wird, wird sorgfältig geprüft. Anonyme Beschwerden: Papierkorb I Aon den Behauptungen des Vorredners sei das Gegenteil richtig. Abg. ZubeU (Soz.) hält gegenüber den Ausführungen der Regierungsvertreter die seinigen aufrecht. Abg. Legier. (Soz ! konstatiert nut Bedauern, daß die von ihm verlangte Erklärung des Staatssekretärs von diesem nicht abgegeben fei, obgleich es sich nur um ein selbstverständliches Recht der Arbeiter handle. Tie von der Kommission beschlossene Stteichung der technischen Beamten wird vom Hause gebilligt. Es bk' c überhaupt insgesamt bei den Beschlüssen der Kom- misiwn. Die Mühe der National-Liberalen und der Rechten, in einigen Puntten die Regierungsforderungen wiederherzustellen, bleibt vergeblich. Ohne erhebliche Debatte wird der Rest des Marineetats erledigt. Die Kommission hat ferner folgende Resolutionen angenommen: 1J für den nächstjährigen Etat eine Erhöhung des Höchstgehaltes derJührer und Steuerleute von Werftdampfern, Schwimm- krahnen, Schwimmdocks, sowie der Spritzenmeister und Schleusenmeistergehilfen in Erwägung zu ziehen, 2) dem Reichstag in der Uebersicht über die Arbeiterverhältnisse in den Betrieben der Marineverwaltung eine eingehendere Nach- tveisung zugehen zu lassen, in welcher die Arbeitszeit und der ?lr- beitslohn im Anschluß an die bestehende Lohnklassentabelle für die einzelnen Arbeitszweige unter Hervorhebung der Ueberstunden und des Akkord- und Uebersiundendienstes borgelegt unb die gewährte Sonntagsruhe ersichtlich gemacht wirb. Auch diese Resolutionen werden vom hohen Hause erledigt, । ohne baß es einer Diskussion hierüber bedurfte, und zwar dergestalt, daß die er ft eingenommen, die zweite, da sich die Sozialdemokraten aus Versehen nicht mit erheben, ab gelehnt wird. ' s. Bayr-nu* tretonflIUI , AjM SL: ZZM MMW Beim Extraordinarium hatte auf eine Anregung des Abg. v. Böhlendorft (kons ) Staatssekretär v. Tirpitz erwidert: Die Marineverwaltung bringt der Stadt Swinemünde die lebhaftesten Sympathien entgegen, was wir schon ^durch fortgesetzte Besuche unb Hebungen be- Vi'rredners jedoch, die Artillerie- Mäusbnrg 5. erksam. Montag, 31. März 1904 Eichener Anzeiger Herrmann vom „Habicht", LanLwehrgesreiter Wilhelm Schmidt aus Gollendorf, Landrvehrgefreiter Johann Sonne aus Friedrichsfeld. Tas Tetachement Glasenapp sollte, nach der letzten Privatmeldung eines Berliner Zeitungs-Berichterstatters Hauptmann a. T: Tannhauer, am 5. und 6. März vom Biwak bei Owingi in zwei Kolonnen nach Westen zu aufbrechen, um die nach den Onjatibergen, östlich von Oka- handja, zurückgegangenen Hereros dort zu stellen und gleichzeitig mit der von Osten kommenden Mteitung des Majors v. Estorfs einzuschließen und unschädlich zu machen. Tie- ffelbe Privatmeldung tat eines Gerüchtes Erwähnung, daß halbwegs nach den Onjatibergen, bei Otjiarua, eine größere Hereroabteilung vermutet werde. Tas Gefecht hat am 13. März stattgefunden, während die Vereinigung beider Kolonnen für den 15. d. M. vorgesehen war. Ta aus der Meldung des Majors v. Glasenapp hervorgeht, daß dieser mit seinem ganzen Stabe und nur mit einer geringen" Begleitmannschaft in den Kampf geraten ist, ist der unverhältnismäßig hohe Verlust an Offizieren verständlich. Tiefe neuen schweren Verluste an kostbaren Menschenleben rufen wieder in zahlreichen Familien hier in der Heimat tiefe Trauer hervor. Im fernen Afrika über werden unsere braven Landsleute nur mit umso größerer Entschlossenheit, mit Einsetzung aller ihrer Kräfte gegen den Feind vorgehen, um das Blut ihrer für das Vaterland ehrenvoll gefallenen Kameraden zu rächen und eine Wiederkehr so trauriger Ereignisse für immer unmöglich zu machen. Wie berichtet wird, sind in maßgebenden Kreisen Erwägungen im Gange, den früheren Kommandeur der Schutz- trupve, Generalmajor v. Trotha, zurzeit Tivisions-Kom- mandeur, mit der Oberleitung des Feldzuges gegen die Aufständischen in Südwestafrita zu betrauen. Wie verlautet, werden in der nächsten Zeit folgende Truppentransporte auf Dampfern der Wörmann- Linie nach Teutschsüdwestafrita abgehen: Am 25. März 400 Mann auf dem „Feldmarschall", am 30. März der „Markgraf" mir 500 Pferden und die „Enterios" mit 100 Mann und 400 Pferden, am 7. April endlich die „Lucie Wörmann" mit 400 Mann. Ter am 18. März von Buenos Aires abgegangene zweite Transport Pferde und Maultiere wird am 1. April in Swakopmund erwartet. Prinz Heinrich von Preußen stellte sich an die Spitze des Zweighilfslomitees, welches in Kiel auf Anregung des Zentralhilfskomitees für die deutschen Ansiedler in Südwestafrika gebildet ist. Weitere Zweigkomitees sind 'angesichts der Notwendigkeit schneller Hilfeleistung in allen Teilen Teutschlands gebildet ooer in Bildung begriffen. Mrlameruarisches aus Kesten. Die Abg. Müller und Dr. Buff beantragen: Hohe Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, bei den verbündeten Regierungen eine Gesetzesvorlage einzubringen oder anzuregen zum Schutze von Arbeitgebern, welche die ihnen aus der sozialpolitischen Gesetzgebung erwachsenden Verpflichtungen erfüllen, gegenüber denen, die ihren aus jener Gesetzgebung erwachsenden Verpflichtungen nicht Nachkommen uud sich ihnen entziehen. — Die Großh. Kreisgeometer richteten an die Zweite Kammer eine Vorstellung betreffend anderweitige Festsetzung ihrer Besoldungsvordienstzeit. .......—— ■ ■_ । । ■■■ Karlamcnlarijches aus dem Kelche. Berlin, 19. März. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Beratung des Kultus-Etats fort. Eine besondere Debatte verursachten die Schulvcrhältmsse in Oberschlesien. Das Gehalt des Ministers wurde bewilligt, ebenso eine Reihe weiterer Artikel. — Die Reichstags-Stichwahl in Lüneburg zwischen Dr. Jänecke (natl.) und Frhrn. von Wangenheim (Welfe) findet am 24. d. Mts. statt. Keer uud Störte. — Nach einem dem „B. T." aus Breslau zugehenden Telegramm verlautet in dortigen militärischen Kreisen, daß der Generalinspekteur der zweiten Armeeinspektion, Erbprinz von Sachsen-Meiningen, die durch den Tod des Generalfeldmarschalls Grasen Waldersee erledigte Stelle des Generalinspekleurs der dritten Armeeinspektion übernehmen solle. Generalinspekteur der zweiten Arme ein spettiou, zu welcher das 5., 6. und die beiden sächsischen Armeekorps gehören, solle der kommandierende General des 12. Armeekorps, Kronprinz Fried- vich August von Sachsen werden. Aus Stadt uns £aiük Gießen, 21. März 1904. * * Personalnachrichten. S. K. H. der Großherzog haben Allergnadigst geruht, am 19. ds. den Kreisrat des Kreises Oppenheim Friedrich v. Hahn zum Kreiscat des Kreises Heppenheim, den Rat bei der Provinzialdirektion Rheinhessen, Regierungsrat Dr. Edmund Steeg zum Kreisrat des Kreises Oppenheim, den Kreisamlmann bei dem Kreisamt Gießen, Regierungsrat Dr. Otto Heinrichs zum Rat bei der Provinzialdirek- kion Rheinhessen und zweiten Beamten des Kreis- amts Mainz mit dem Amtstitel „Regierungsrat", den Vorstand des Polizeiamts Gießen Polizeiamtmann Paul Hechler zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Gießen und den Regierungsassessor Heinrich, Herberg in Osfenbach zum Vorstand des Polizeiamts Gießen mit dem Amtstitel „Polizeiamt mann" — sämtlich mit Wirkung vom 1. April an zu ernennen. — Der Hittsgerichlsschrecher bei dem Amtsgericht Alzey Johann Georg Holzmann wuroe zum Oeko- nomen am Landeszuchthause Marien,chloß mit Wirkung Som 2. April ernannt, dem Chef der Firma Siesmaycr zu Frankfurt a. M. das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — In den Ruhestand versetzt wurde der Lokomotivheizer in der HJsisch- Preußischen Ei,enbahngemeinschaft Joseph Christ zu Frankfurt a. M. mit Wirkung vom 1. April an. * * Das 4 0. Stiftungsfest des Bauerschen Gesangvereins fand am Samstagabend unter großer Beteiligung im Neuen Saalbau, der bis auf den letzten Platz besetzt war, und in Anwesenheit einer Anzahl von Ehrengästen und zahlreichen Gesangvereinen von chcr und auswärts statt. Herr Todt, der am Festabend als Vorsitzender funktionierte, eröffnete das Fest mit einer Ansprache, in der er die Erschienenen, besonders die Ehrengäste, herzlich willkommen hieß und darauf aus der Geschichte des Bauerschen Gesangvereins e.nige in.e. j.ante Mitteilungen machte. Von den 8 Gründern des Vereins leben nur noch 2, nämlich die Herren Häuser und Unverzagt. Wie der Verein unter vier Dirigenten nacheinander immer stolz das Banner der Gesangeskünst hoch hielt, wie er häufig aus Gesangswettstreiten siegreich und preisgekrönt zurückkehrte, wußte der Redner eindrucksvoll darzulegen. Indem er schließlich das Interesse des Kaisers für den Münnergesang und den Kunstsinn unseres Großherzogs erwähnte, brachte er ein Hoch auf beide Fürsten aus, in das man begeistert einstimmte. Als Vertreter des Pro- vinzialdircktors sprach Regierungsrat Dr. Wagner schöne Worte und beglückwünschte das Geburtstagskind, das er ein stattliches nannte, indem kaum ein anderer Verein in Gießen sei, der auf eine so lange und reiche Vergangenheit zurückblicken könne. Darauf begann nach einem schwungvollen Prolog, den das Vereinsmitglied Roloff gedichtet und mit markiger Stimme vorgetragen hatte, das musikalische Programm, das vom Bauerschen Gesangverein unter der Leitung seines jetzigen Dirigenten Polster mit einigen sehr hübschen Liedern eröffnet wurde. Aber nicht nur der festfeiernde Verein zeigte, daß er in der Kunst des Männergesangs Vorzügliches zu leisten vermag, sondern auch eine Anzahl anderer Vereine betraten die Bühne und erfreuten die Anwesenden durch gute Gesangsvorträge. Die „Liedertafel" und der „Liederkranz" aus Marburg, die Gesangvereine ^Harmonie", „Heiterkeit" und „Gemütlichkeit" boten recht gute Leistungen. Glückwünsche wurden natürlich auch namens der Vereine ausgesprochen; der Dirigent des Lahntalsängerbundes, Schneider, gab in einer langen, gewandten Rede seinen Empfindungen erschöpfenden Ausdruck, für die Freiw. Gailsche Feuerwehr sprach mit Ueber- reichung eines Fahncnnagels Herr Lindenstruth, für den Schützenvcrein (mit Ueberreichung einer Standarte) Herr Brück, für den Kriegerverein Herr Bommersheim; der Ma- scbinenbaucrgesangverein überreichte einen Fahnennagel, die „Liedertafel" Marburg ein großes Gruppenbild ihrer Sänger, der „Liederkranz" Marburg ein Bild Richard Wagners, der Gesangverein Gemütlichkeit eine Weintanne. Die Frauen und Jungfrauen des Bauerschen Gesangvereins stifteten 2 Fahnenschleisen. Die zwei noch lebenden Gründer des Vereins wurden von diesem mit schönen Blumenkörben beschenkt. Nach Beendigung des Programms, das 19 Nummern umfaßte, wobei die Militärkapelle mitwirkte, wurde von den Lahntalsängern noch manches schöne Lied gesungen. Am nächsten Tag, Sonntags, wurde die Feier fortgesetzt, indem im Neuen Saalbau von hiesigen Damen und Herren ein Lustspiel „Ein Toiletten-Geheimnis", auf- geführt wurde, wonach die Vorführung lebender Bilder und ein schöner Ball den Schluß bildeten. Büdingen, 20. März. Prinz Max von Jsen- burg-Büdingen-Wächtersbach ist in Wächtersbach im Alter von 37 Jahren verstorben. Darmstadt, 19. März. Heute nachmittag fand in Gegenwart S. K. H. des Groß Herzogs, der Fürstin zu Erbach-Schönberg, des Staatsministers Rothe und der Spitzen der Staats- und städtischen Behörden die Einweihung des hessischen Lehrerinnenheims statt. Oberbürgermeister Morneweg hielt die Festrede. D a r m st a d t, 20. März. S. K. H. der Großherzog empfingen u. a. am 19. März den Oberstleutnant a. D. Gab und den Redakteur Dr. Busch vom Vorstand des Journalisten- und Schriftstellervereins, den Amtsrichter Dr. Maurer von Butzbach. — S. K. H. der Groszherzog ordnete wegen Ablebens des Herzogs von Cambridge eine Hoftrauer vom 17. bis einschließlich 24. Mürz an. Frankfurt, 20. März. Tas Verhör der Mörder Lichtensteins dauerte am Samstag bis gegen 6 Uhr nachmittags. Ihre Angaben lauten noch immer widersprechend. Man vermutet nach der „Frkf. Ztg.", daß Staf- sorst in Hamburg schon vor seiner Verhaftung Kenntnis von der Ergreifung des Grosi gehabt hat und sich deshalb als den Verführten hinstellt. Man erzählt sich ferner, daß nach dem Bekanntwerden der Festnahme des Stafforst Radfahrer nachts am hiesigen Gerichtsgesängnis vorbeigefahren sind und laut den Namen Stafforst gerufen haben, anscheinend in der Absicht, den Groß zu warnen. Außer einem Wechselsorrnular, auf dem der Gerichtschemiker Dr. Popp blutige Fingerspuren feststellte, hat man neuerdings in dem Geschäft Lichtensteins auch noch eine Postkarte gefunden, aus der ein Taumenaboruck zu sein scheint. Die Karte wird zurzeit untersucht; mau hofft, daraus einen neuen Anhaltspunkt zu bciommen. Auf Anordnung des Untersuchungslichters wurde gestern von der Kriminalpolizei abermals Haussuchung in der Großserien Wohnung Hansteinstraße 13 nach dem Revolver und dem geraubten Gelde vorgenommen. Lie gründliche Suche war jedoch erfolglos. Ein besonderes Schwurgericht, das Ende April oder anfangs Mai zusammen- tritt, wird vielleicht über die Mörder das Urteil fällen. Nach seiner freiwilligen Gestellung hatte Groß an den Rechtsanwalt 2r. Stutz geschrieben: „In meiner Angelegenheit mit Lichen sic in etliche ich um Ihren Besuch, da ich Sie als Verteidiger -annehmen will." Dr. Stütz hat den Groß seit dessen (tegcnübersiellung mit Stafforst nicht wieder gesehen. Bei den ersten Besprechungen mit dem Anwalt hat Groß jede Beteiligung ah dem Mord mit lächelnder Miene in Abrede gestellt. Kleine M i . , ieu und den Nachbarstaaten. Eine lOfopftgc Bande schulpflichtiger Jungen stahl auf dem letzten Krammarkt in Fulda Taschenmesser, Mundharmonikas, Mützen, Zuckerzeug und andere „Klemigleiten" zu Dutzenden vom Auslagefiand hinweg. Die Polizei beschäftigt sich mit dieser jugendlichen „Regsamkeit". — Der Verein Frauenbund in Frankfurt übersandte uns seinen Jahresbericht, dem wir noch entnehmen, daß seine beiden „Henne" für Frauen von 209 respektive 80 Mädchen und Frauen der verschiedensten Berufsstände bewohnt ivurden; vertreten waren alle Klassen außer der Fabrllarbeiterin. Dem ersten Heun in der Langcstiage ging von Frau Georg Speyer eine Schenkung von 5000 Mk. zu. vermischtes. * Kiel, 19. Marz. Als um 12 Uhr nachts der Küstenpanzer „Odin" nach Fesllegen an der Boje seine Dampf- pinasse zu Wasser ließ, brach die Kette und die Pin ässe sank. Bei dein Unfall ist der Maschinislenmaat Wagner ertrunken, die übrigen Bedienungsmannschaften wurden gerettet. * Reich en berg, 20. März. Gestern nachmittag sand in eine, mciyams^en Weberei in Mederrochtttz eine Tampf- kess e l e x p l o f i o n pari, durch welche das Kesselhaus und einige Täte de. Fabrck zerstört wuroen. Mehrere Arbeiter erlitten schwere und ein Obermehler lcbensgisachliche Verletzungen. * Kopenhagen, 20. März. Im hiesigeu .. u pt- postamt sind Betrügereien mit gefälschten Post, antoeifungen entdeckt worden. — Ein aus Berlin geflüchteter Verbrecher, der hier einen Einbruch versuchte, wurde verhaftet. * Kopenhagen, 20. März. Bei Thyboroen (Jüt- land) ist der Stetttner Kohlendampfer „Saxonia" ge- strandet. Rettungsboote find mit dem Schiffe in Verbindung; Menchenleben sind nicht in Gefahr. Von Frede- rikshaven ist ein Bergungsdampfer angegangen. • London, 19. März. In dem großen Hospital, in dem sich gegenwärtig 700 Kranke befinden, ist eine Blattern- epldemie ausgebrochen. Bis jetzt ist in vier Stationen die Krankheit aufgetreten. * London, 20. März. Wie amtlich bekannt gegeben wird, ist das untergegangene Unterseeboot durch den Dampfer „Berwick Castle" wahrscheinlich am Hinteren Teile an der Steuerbord seite an gerannt, als es völlig untergetaucht war. Es liegt jetzt auf der Seite in sieben Faden tiefem Wasser. Versuche, es zu heben, erwiesen sich als fruchtlos. Es muß jetzt zu Bergungsarbeiten geschritten werden. * Paris, 20. März. Durch Eintreten von Kurz, sckluß wurde heute nachmittag 2Vs Uhr auf der Station Place de l'Etoile der Stadtbahn unter den Passagieren des betreffenden Zuges eine Panik hervorgerufen. Die Reisenden drängten einander, um den Ausgang zu gewinnen. Vier Personen erlitten Verletzungen. * Paris, 20. März. Das Schwurgericht in Douay verurteilte gestern eine Anzahl von Kundgebern, welche bei den Tumulten anläßlich des Streikes in Armentieres beteiligt waren. Einer wurde zu 15 Jahren ZwangZar- b eit, mehrere andere zu 3 bis 5 Jahren Gefängnis vec- urteilt. 14 wurden freigesprochen. — Der bekannte Lustschiffer de la Vaulx machte gestern Versuche mit seinem Luftschiff, die vollkommen gelangen. Ec beabsichtigt, von Korsika nach Algier überzusetzen. Bei einer gestrigen Flotten-Uebung in Lorient stießen zwei Torpedoboote zusammen. Beide erlitten Havarie, deren Reparatur längere Zeit in Anspruch nehmen wird. — Augenblicklich liegen 300 Typhuskranke in den Pariser Spitälern. * Mailand, 19. März. Ter Ingenieur Missaglia hantterte im Kreise seiner Familie unvorsichtig mit für den Fischfang bestimmten Tynamitpatronen. Diese explodierten, wobei Massaglia in Stücke zerrissen wurde, während zwei Familienmitglieder schwere Verletzungen erlitten. * Petersburg, 19. März. Der rumänischeVizekonsm Teodoreska stürzte, als er sich mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock des Gesandtschaftsgebäudes begeben wollte, infolge zu frühen Verlassens des List ab, wobei er sich einen tätlichen Schädelbruch zuzog. * Brünn, 20. März. Der Landesausschußbeisitzer Dr. Eduard Ritter von Jornstorff, ein angesehener verfassungstreuer Großgrundbesitzer, hat sich heute aus dem Fenster gestürzt und blieb sofort tot. * Maulkörbe im Parlament. Die Wiener N. Fr. Pr. berichtet: Ein politischer Spaßvogel hat sich einen Witz mit dem Abgeordnetenhause erlaubt. Heute vor der Plenarsitzung erschien ein Mann im Präsidium mit einem großen Pack Maulkörbe. Er ließ sich beim Grafen Vetter anmelden und teilte dem Türsteher mit, er bringe die gewünschten Muster. Der Präsident, der sich den angekündigten sonöe-- barert Besuch nicht erklären konnte, ließ dem Mann sagen, er habe nichts bestellt. Darauf präsentierte der Maulkorb- Händler eine Postkarte, in welcher dem in der Josefstadl etablierten Riemermeister der Auftrag zugekommen war, sich mit Proben für Maulkörbe, namentlich für Buldoggs beim Präsidenten des Abgeordnetenhauses einzusinden. Es brauchte einige Zeit, bis man dem enttäuschten Geschäftsmann begreif» lich machte, daß er das Opfer eines Witzboldes geworden war. Arbeiterbewegung. M ar s e i l l e, 19. März. Hafenarbeiter undM a t ros en sind in den A u s st a n d getreten. Die Veranlassung hierzu ist darin zu suchen, daß das internationale Arbeiter-Syndikat eine Schiffahrtsgesellschaft wegen Beschäftigung nicht syndikierler Arbeiter boylouiert hat. Die syndikierten Arbeiter suchten die nicht syndikierten Arbeiter an der Arbeit zu verhindern. Zwei Arbeiter, welche dagegen protestierten, wurden schwer mißhandelt. Wenn die Angelegenheit nicht bald beigelegt wird, befürchtet man für die nächsten Tage ernste Zwischenfälle. KrNchtsjaaL Magdeburg, 19. März. Der Arbeiter Hans Müller au* Kiel wurde wegen Majestäts-Beleid igung zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Die beleidigende Aeußerunq war im Anschluß an einen Zeitungsbericht über die Wiedergenejung des Kaisers gefallen. Wndrl und Uerlieyr. Volliüuiirlschafl — Errichtung einer neuen Aktienbank in Darmstadt. Die Gründung einer neuen kleinen Aktienbank soll in Tarmßadl in Vorbereitung sein. Wie man von dort aus mitteilt, ist daö Aktienkapital mit Mk. 2 000 000 in Aussicht genommen, wovon einstweilen 50 pCt. eingezahlt werden sollen. — Amsterdamer Tabaieinfchrcibungeu. Bei der legten Tabakeinschreibung wurden 12 341 Päcke Sumatra angeboten und alle verkauft. Kauflust lebhaft. Preise 80—90 c. über Schätzung. Dell erzielte durchschiiiitlich 200 c. Spidpian der vereinigten Frankfurter tztadttheater. Lpernhans. Dienstag den 22. März: Zum ersten Male: „Zer Pen- Kapellmeister" ober »Antonius und Kleopatra". — „Tas goldene Kreuz." Mittwoch den 23. März, abends halb 8 Uhr: „Lrvhcu. in der Unterwelt." Donnerstag ben 24. März: „Robert der Teufel". Freitag den 25. März: „Ter Zigeunerbaron." Samstag den 26. März, abends halb 7 Uhr: „Sie Walküre." Sonntag den 27. März, nachmittags halb 4 Uhr: „Orpheus in der Unser' wett." Abends 7 Uhr: „Ter Wilojchülz." Montag den 28. Marz abends halb 7 Uhr: .Lohengrm." Schauspielhaus. . Dienstag den 22. März: „Rovella d'Andrea". Mittivoch ocn 13. März: ./Rovella d'Andrea." Donnerstag den 25. Mar;^. „Wilhelm Dell." preitag den 25. März: „Tie andere Ge'ayr. Samstag den 26. Alärz: ^Zapfenstreich." Sonntag den 27. Mar», liachmittags halb 4 Uhr: „Der blinde Passagier." Abends 7 uyr- Zum ersten 3)lale: „Ltebesmanover." Montag den 28. Mar»- „LiebesmanÖver." *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.^ GLschästz-Empfehlungen liefert billigst Srühstche Universitäts-Druckerei, Sietzen,