154. Jahrgang Erstes Blatt. Nr. 221 Dienstag 20. September 1904 ®r1 Oclnt lAgllch au bet Sonntags. Dem ® »ebener Anzeiger werden tm Merisel mit dem Kesslschtn Landwirt i)ie (Siebener KamUten- Hütter viermal in der Woche beigelegL RotattonSdrnct n. Verlag bet Brühl Idyen Hnwech-Vuch-u.Slem» brudtrei. 9t Lange, Nebaktion. QhrpehUifl» unb Tmderet: Lchvlstratzr T, tlbrefic Mr Tcve|cf)en: «nzetger Gtehea. FkrnIprrchanIchluhNr 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Qr inaOrtlit nwnnthd)75 vierteljährlich DU. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bte Tagesnununer big vormUtagS 10 Uhr. ßetlenpretS: lokal 12Ps* auSwärt- 20 Pfg. verantwortlich den potiL und allgem. Teil: P. Wittko: für „Stadt und ßanir und „GerrchtSfaaf: August Goetz; für den An» zeiaenteil: HanS 8ecL I)ie ßenfige Plummer umfaßt 8 Seiten. Deutsches Deich. D e r l i n , 19. Sevt. Dor Kaiser traf heute in Cranz- b e cf am Kuriscken Haff em, begab sich lnrrch ein von Krieger- Vereinen, den Schulen und der Feuerwehr gebildetes Spalier nach b-er Dam pserci nie ge stelle und trat dann mit dem Dampfer „Graf Bismarck" die Fahrt nach I n s e an. Dwrt traf er um 1112 Uhr ein. Die Kriegervereine von Jnse und Tawe bildeten Spalier, ebenso Litauerinnen in Nationaltracht, sowie die Schüler von Jnse, Tawe und Loye. Die Litauer sangen: „Lobe den Herrn". Der Kaiser sprach den Pfarrer Barner an: Nach 15 Minuten Aufenthalt erfolgte die Weiterfahrt nach Jagdschloß Peith im Tawellnigker Forst zur Fuchsjagd. — Gelegentlich der Besichtigung einer Lehrerwohnung in K a di n e n soll der Kaiser, wie das „B. T." berichtet, es alS eine Menschenquälerei bezeichnet haben, wenn ein Lehrer 7 0 S ch ü l e r zu unterrichten habe. — Der Oberprasi-dent der Provinz Sehleswig-Holstern Frhr. b. Wilmowski lwingt folgenden Erlaß des Kaisers zur öffentlichen Kenntnis: „Der Schluß der von mir abgehaltenen Manöver gDt mir Veranlagung, nochmals meiner lchbaftm Freude über den großartigen Empfang Ausdruck zu geben, der mir und der Kaiserin meiner Gemahlin, von der Stadt Altona bereitet worden ist. Den gleicl>en Beweis herzlicher Licke und treuer Ergebenheit, wie er in diesen Acinzenden Veranstaltungen zutage trat, bnrf ich auch in dem Erscheinen der zahlreichen Abordnungen der .Kriegervereine erbli-ken, die zum Teil auS weiter Ferne herbeigeeilt waren, um ihren obersten Kriegsherrn am Paradetage zu begrüßen. Ich ersuche Sie, allen Beteiligten für diese meinem Herzen besonders wohltuenden Kundgebungen meinen v^rmüen Dank auszusprechen. Schwerin, 15. September 190-1. Wilhelm." — Der Präsident Graf Ballestrem teilte den NeichStags- mitgliedern mit, es sei der Wunsch des Kaisers, den Reich stagsabgeordneten Gelegenheit zu geben, der Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals am 18. Oktober teilzunehmen. — Der Handelsminister erklärt in einer Verfügung an die Regierungspräsidenten, welckie die Gründe für seine Forderung darlegt, nach welcher der Unterricht der obligatorischen Fortbildungsschulen wahrend der Tagesstunden der Werktage stattlindm und nicht nach 8 Uhr abends schließen soll. Den nuten Schulen ist nur dann der Staalsscknrtz in Aussicht zu stellen, wenn den Anforderungen deS Ministers entsprochen wird. — Die in Wien stattgehabten Konferenzen des rumänischen Ministerpräsidenten Sturdza, deffen Aufenthalt in Wien verlängert wurde, gelten der Feststellung eines besonderen lieberem* kommens zwis ben Oesterrei^'-llngarn. Deutschland und Rumänien in Anaelegench'it des gegenseitigen Veterinärver kehrs mit Rücksicht auf die zwischen dm genannten Staaten abzuschließenden Handelsverträge. Es ist alle Aussicht vorhanden, daß die Vemüb>:ngen zu einem befriedigenden Ergebniffe führen werden. Man glaubt nun an unterrichteter Stelle, daß sodann der Abschluß des deutsch-rumänischen Vertrags bald möglich hnrb. — In der Mitgliederversammlung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke wurden n. a. folgende Herren dem L'rwaltungsausscknrß zugewählt: Geh. Ober-Med.-Rat Pros. Dr. Binswanger-Jena, Dr. med. E->lla-Buchheide, Med.-Rat Dr. Kürz-Heidelherg, Dr. med. Laguer- Wiesbadm, Geh. Ober-Med.-Rat Dr. Neidhart-Darmstadt, Gmeraldirektor Dr. Pieper-Mirnchen-Gladbach, Nniv.-Prof. Dr. med. Bupve-Königsberg,' Pastor Dr. Rindffeisch-Zovvott, Pfarrer Dr. Schlosser-Gießen, Dr. med. Schnüderich-Herten, Direktor Dr. med. Stövesand-Bremen. Geh. Obrereaierungsrat Dr. Würmeling-Rci-s'n, Direktor der Klrnik für psychische tmb Nierenkran weiten Prof. Dr. Ziehren-Berlin. Außerdem wurden den Kämpfern auch Kämpferinnen beigegeben. In immer weiteren Kreisen b'-r Frauenwelt wendet sich das Jntereffe be1* Alkoholfrage zu. SW BerirkSvereine haben desholb besol:d?- e Frauen- arupven gebild-'t; andere werden diesem Beispiel folgen. Die Borkäiupserm für die Antiolkoholbew'egung in Deictschland, Frl. Ottilie Hofmann-Bremen, stand bisber allein im Ausschuß. Deshalb wilden zucwwäblt: Fran Staatsrat von Götz-Stnttaart, Frau Katharina Scheven -Dresden, Frau Oberstabsarrt Stpiw Hausen -HaTrnover . Zer Krieg zwrsBrn Iavan und Ausland. Port Arthur. London, ID. Sept. Nach einer Meldtrntz ans Tokio in achten die Russen am Sonntag einen Ausfall aus Port Arthur, um die Höhen bei Eh se sh an zurück- zu erobern. Sechs Bataillone nahmen an dem heftigen Anstürme teil, wurden aber von den Japanern mit schweren Verlusten ^urüchgeschlagen. Tschifu, 19. Sept. (Reuter.) Der nt ssischse Leutnant Radziwilk, der den Burenkrieg auf englischer Seite mitgemacht hat, ist als Neherbringer von Depeschen von Gen eralleutnant Stössel an General Ku - r o p a t ki n hier angekommen, indem er der japanischen Wachsamkeit entschlüpft war. Er erzählt: Die Kriegführenden seien gegeneinander von schonungsloser Wildheit beseelt. Par la mentöre und Uebergabeflaggen würden aufkeinerSeite mehr b e a ch t e t. Generalleutnant Stössel lege in seinem Befehl an die Resahung Nachdruck auf die Notwendigkeit, Widerstand bis ?rum letzten Vlutstr opfen zu leisten, da die japanischen Offiziere, wenn sie in der Festung eingedrungen sein würden, nicht in der Lage wären, die Soldaten davon ab/uhalien, ein Blutbad anzurichten. Der Kommandierende hätte 300 Pflegerinnen geraten, die Festung zu ve'l lassen. Dieselben hätten aber geantwortet, sie wollten sich lieber einem Blutbad aussehen, als ihren Posten verlassen. Red?,iwill führt folgendes Beispiel von der Wild* l)cit der Kriegführenden an. Bei dem letzten Sturm hätten zwei iapanische .Komvagnien, als sie sich abgeschnitten und her Onnbe her Russen preisgeaebeu gesehen hatten, die weiße F l a g g e gezeigt. Die Russen aber hätten, ab- sichtlich die Flagge unbeachtet lassend, Salven auf Salven aus diese hilflosen Reihen abgegeben. Inzwischen hätten die Japaner, ihre Mißbilligung dieser Handlungsweise ausdrückend, auf die eigenen Kameraden geschossen. Die Folge davon wäre gewesen, daß 6 00 Mann, au fger i eben zwischen den verwesten Opfern früherer Dn- grlffe, gefallen seien. Die 53erlminbeten hätten noch Stunden nachher ihre Taschentücher mit den Armen hoch- gehalten als Zeichen um Hilfe. Aber bte Russen hätten sich nicht hinausgewagt. RabZiwill fügt hinzu, baß noch reichlich Munition für Geschütze imb Gewehre vorhanben sei und baß bie chinesischen Geschosse nur aus Sparsanv- keitSrücksichten gebraucht würden. Paris, 19. Sept. Nach Meldungen aus Tschifu sind in der Nacht vom 18. b. M. zwei russische Offiziere, Prinz R a b z i w i l l unb Leutnant Ehristofow, aus Port Arthur angekommen. Prinz Nabztwill bezeichnet bie Verluste ber Japaner vor Port Arthur als enorm. Tausenbe von Leichen bedecken noch immer die Felder und verpesten bie Luft. Prinz Nadziwill hält Port Arthur für uneinnehmbar, bagegen meint Leutnant Ehristofow, baß Port Arthur sich wenigstens noch einen Monat halten könne. Av8 der Mandschurei. London, 19. Sept. Der Tokioer Berichterstatter des „Daily Expreß" drahtet vom 18. b. M., die Schlacht gegen die ganze russische Armee unweit Mukden habe bereits begonnen. Die ruffischen Stellungen werden schon besckwssen alS Vorbereitung für ben allgemeinen Vorßoß der japanischen Infanterie. Marschall Opama würde, den Weisungen des Generalstabes entsprechend, den Versuch macken, Mukdm zu erstürmen und zugleich dnrck eine ausareifende Umgehungsbrnoeanng Kuropatkin den Rüctzug abzuschneiden. Die Vor- but der Japaner griff die Kolonne des Generals Mischtschenko an, der sich langsam nach Mukden zurückzog. Die Front der Japaner ist etioa 25 Meilen lang tmb beschreibt einen riesigen Halbkreis mit Kuroki als äußersten rechten Flügel. Okus Armee bildet das Zentrum, Nodzu nimmt den linken Flügel ein. Kuroki hat den Feind nock nickt anaegriffen, weil seine Armee mit der Aufgabe betraut ist, die ruffische Flanke zu umgehen. Tokio, 18. Sept. (Reuter.) Marsck-all Ovama meldete heute früh, daß General Oku in Lvauiang 13 Russen gefangen genommen hat. Er berichtet fermer, daß die Javaner in Lianiang 30 Pferde, 2288 Gewehre, 127 Munitiouswckgl'n, 5892 Granaten. 859 930 9?atrmim große Mengen Holz Mebl. Reis, Futter Werkreuge und Kleidung erbeuteten. Die Generale Kuroki und Nodzu machten keine Gefangrnre. General Ku- rnFu habe 40 Pferde und Munitionswagen. 800 G'wchre, 300 Granaten, 600 000 Patronen, einen t"legrap-hifchen Apparat und verschiedene Werkzenge erbm^tet. General Nodru seien 490 Ge- trebre, 1164 Gran atm, 37 880 PaDonen, drei Heliographen. Telephonapparate, Werkzeuge, viel Mnndvorrat und Holz in die Hände gefallen. Die Deute, die General Oku machte, lohne bie Erricktrmg eines Devots. — Oygma berichtet ferner: Die ruffisthen Kavaslmie-Vorirosten haben ihre Opmationsbafis in Pantschi-apan, Hanffvmr tmb Pafan^f^n^tau. Es finden täglick AufklärnngSri't^e in b-r Gegend von W"litaitsn und Menfulatai üatt. ,Die Rusten nehmen eine 12 Meilm lange Front in der Ricktinrg nack Tintang ein, W drei Meilen van Tatangschanvu entfernt ist. Ihre KavaNerie trägt jetzt eine andere Uniform, die grau-sckwarz ist. prr Streik in Itatken. Rom, 19. Sept. Die Arbeiter in Floren z, Livorno und Neapel beschlossen, hemta bie Arbeit ans 24 Stunden einzustellen. Die Gcsehäffslöben sind in diesen Stabten jedoch geöffnet. Auch in Verredig besteht der Ausstand weiter, doch sind dort die Laden geschlossen. Rom, 19. Sept. In Venedig und Neapel führte die Ausstandsbewegimg zu Feinem bemerkenswerten Zwischenfall. Der Eisenbahnverkehr ^eigt daS gewöhnli.che Bild. Die DirrchfÜhnmg der Straßenbeleuchtung ist gesichert. In Genua imirbe gestern ein mehrfach vorbestrafbes Individuum von einem Mcmne getötet, den es yrn Kopfe verletzt unb zu entwaffnen versucht hatte. In Mailand dauert der Ausstand fort. Indessen sind dort bie Kaufläden geöffnet. Der Wagen- tntb Eisenbahnverkehr vollzieht sich wie gewöhnlich. Der Ausstand in Ankona, Forli und Como ist beendet. In Siena, Carrara, Nskoli, Piceno undNovara haben die Arbeiter die Arbeit eingestellt. Rom, 19. Sept. Aus Venedig wird geureldet: Streikende Arbeiter löschten aus und zertrümmerten gestern abend zahlreiche Straßenlaternen. Jnfolgebeffen mußten die Theater, die Warenhäuser und Laben.ge- schlossen werden. Heute blieben außer den Laden auch die Hotels geschlossen. Ausständige versuchten vergeblich, in den Bahnhof zur Verhinderung des Eisenbahnverkehrs einzubringen unb ben Tclephonverkehr zu unterbrechen. Heute abend herrscht Ruhe. Eine Krmbgebung her Arbeiterkamwer kündigt an, daß um Mitternacht die Arbeit wieder ausgenommen wird. Die Arbeiterkammer von Mailand teilt in einer Dekanntlnachung mit, daß mogenr um Mitternacht die Arbeit wieder ausgenommen wird. Rom, 19. Sept. Nach Meldungen aus Pisa, Rimini, Ferrara herrscht auch dort der Ausstand. In Neapel wurde heute eine dort den bei der Arbeitcrbörse eingetraßenen Verbänden einberufenen Versammlung abgehalten, an der etwa 5000 Personen teilnahmen. 3 Redner, darunter auch der Deputierte Merlino, hielten heftige Reden. Nach Schluß der Versammlung gingen alle Teilnehmer ruhig auseinander und leisteten den Aufforderungen der Polizeibeamten Folge. Der Pöbel und strafentlassene Persorpen begingen jedoch Ausschreitungen unb richteten einige unerhebliche Schüben an. Als bie bewaffnete Macht einscht'itt, kam es Zusammenstößen. Dre Polizeibeam ten zogen b l a n k und verletzten einige P e rs one n. Sonst ereigneten sich weiter keine ernsteren Zwi schien fälle. Die Bel euchtung der Straßen ist für heute abend gesichert, ebenso die Drotversorgung flirt morgen. In Florenz fand heute ebenfalls eine Set* jarnmhing statt. Nach derselben durck^og eine wenig zahlreiche Menge von Ausständigen die Straßen und erzwangt die Einstellung des Sttaßenbahnverkehrs. Die Truppeni> zerstreuten die Menge, ohne daß es zu Unruhen tarn. Genna, 19. Sept. Der Ausstand ist beendeL. Die Eisenbahnen verkehren regelmäßig. Tie Arbeider, ein*] schließlich bet Hafenarbeiter, nahmen bie Arbeit wieder^ auf. Die Nachl verlief ruhig, abgesehen von einem Zu-> sanrmenstoße mit der Polizei, der sich ereignete, als Ausständige den Wagen des Generals Escard, der sich nach Sampierdarena begeben wollte, gewaltsam anhalten wollten, aber von Polizeibeamten daran gehindert wurden. Als bie Polizei mehrere Ausständige verhaften wollte, leisteten diese Wiberstand und versuchten einem PoltteiB beamten die Waffe zu entreißen; der Polizeibeamte schoß unb tötete einen. Tie auswärts verbreitete Nachricht, daß hier bei ben Streikunruhen 80 Person en getötet worden seien, ist vollständig unb e grün bet Lugano, 19. Sept Nach einer hier a6gehaltenen Protestversamwlung italienischer Sozialisten gegen das Ministerium Gioletti zog ein Trupp von 50 Personen vor das italrenische Konsulat, riß bas Konsulatswappen ab? und warf es in den See. Paris, 19. Sept. Der Korrespondent ,^Iouma^ tele- graphiett über Nitzza folgendes aus Nom: Ter Ministerrat beschloß, die zweite Reserve unter die Fahne zu berufen, um mit diesen Truppen in den durch ben Streik bedrohten Städten bie Ordnung aufrecht zu erhalten. Der Mmisterpräsident hat seine N'ise nach Nacconigi vertagt. In Ponto Nuovo wurde« viele Eitscnbahnzüge angehalten, sogar lkinber warfen sich vor bie Maschinen. Es kam zu Straßentnmulten, wobei der 45jährige Arbeiter Garello von P o l i z e ia g e u t e n getötet wurde. Tie Apotheken wurden von der Gendarmerie besetzt, um die Medikamente für bie zahlreichen Verwundeten bei den Sttaßen- tumulten vor der Vernichtung zu schützen; die Menge griff die Gendarmerie mit Steinen unb Revolvern an. Bei dem Gedränge mürbe ein Arbeiter totgedrückt. Zahlr eiche Fahnen^ die anläßlich der Gclmrt des Thronfolgers ausgehangen, wurden von der aufgeregten Menge zerrissen. In Genua drangen die AuSständipen in den Bahnhof und verhinderten die Abfahrt ber Züge. In Rivaverrelo wurden die Eisenbahnlinien streckenwk^se; anfgerissen, fot>.iß der Eisenbahnverkehr unterbrochen wurde. In Mailand feiern sämtliche Eifenbahnangestellten. In Como durchziehen die Streikenden die Straßen. Der Tmnpferdienst ist etw gestellt worden. Der Bürgermeister hat infolge der jetzigen zahlreichen Niedermetzelungen bie öffentlichen Lustbarkeiten! zum Zeichen ber Trauer verboten. Die Drbeiterbörfe hat ben Mitgliedern sckmarzumränderte Aufrufe überreichen lasten, hiermit zum Ausstand aufforbemb. — Der Abg. Gerruld Rickards der auf ber Fahrt nach Nom zum Freimaurerkongreß begriffen war, telegraphiert seinem Blatte „Petit Republiau^, daß er mit zahlreichen anderen Reisenden nach Nizza zurückkehren mußte, da der Zug entgleist war. Iaßttsversammlnng des ßffflfrfjen Landesvereins für innere Wisston. K -B. Darmstadt, 19. September. Der hestische Landesverein für innere Mission hielt gestern und heute hier sein 40. IahreSseft ab, an welchem auch zahlreiche Gäste, besonders Geistliche, von auswärts feifnoßmen. Die Feier begann gestern abend mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche. Die Festpredigt hielt Pfarrer M a hling auS Frankfurt a. M. Spater fand im Kaisersaal ein allgemeiner Familienabend statt, welchem fast sämtliche hiesigen Geistlichen, sowie Oberkonsisiorialpräsident D. Buchner beiwohnten. Nachdem der Vorsitzende Prof. Weimar die sehr zahlreich besiichte Vsrsammlung freudig begrüßt hatte, hielt Pfarrer Lia. Weber auS München-Gladbach einen längeren Vortrag über .Die sozialen Aufgaben der evangelischen Christenheit^. Der Redner legte dar, daß der schwächste Punkt im sozialen Leben der Gegenwart der IndifferenttsmuS sei. Das Christentum muffe wieder einen männlicheren Zug bekommen, es sei sehr zu beklagen, daß gerade die Manner von Besitz unb Bildung so wenig eigenes Christentum zeigen. Jeder bewußte Christ sei eine starke Gegenwehr gegen die Sozialdemokratie. Man müsse aber streng unterscheiden zwischen Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie. Die letztere sei unchristlich und habe sich direkt a(5 Feindin deS Christentums bekannt, deshalb müffe sie auch offen und nachdrücklich bekämpft werden. Als weitere Aufgaben deS evangelischen Christentums erklärte der Redner den Kampf gegen die Vcr- gnügungS- unb Trunksucht, eine bessere Jugenderziehung auf christlich-sittlicher Grundlage und festere Organisation. Nach diesem Vortrag begrüßte noch Pfarrer Waitz die Versammlung namens des Evangelischen Bundes. Heute vormittag fand um 9 Uhr eine Sitzung der Synodalvertretr, Agenten und Ausschußmitglieder statt, in welcher daS Thema »Rechte und Pflichten der Synodal- oertreter* durch den Referenten, Pfarrer Waldeck- Beerfelden behandelt wurde. Die allgemeine Jahresversammlung, die um IOV4 Uhr im Furstensaal eröffnet wurde, war auch von den Herren Oberkonsisiorialpräsident D. Buchner, Prälat D. Walz, den Oberkonsistorialräien Nebel unb FlÖring, Bürgermeister Dr. G lü ssing u. a. besucht. Nachdem Pfarrer Grünewald- Mainz die Eröffnungspredigt unter Zugrundelegung des Wo, gefallen", sprach Prälat D. Walz namens des Oberkonsistorium L herzliche Begrüßungsworte und die besten Wünsche filt den segensvollen Verlauf der Beratungen. Bürgermeister Dr. Glüssing hieß die Versammlung namens der Stadt •nxHTotnmm. Dann erstattete bet Vorsitzende den Jahresbericht. der im allgemeinen günstig abschließt. Im Voranschlag für 1905 wurden die Einnahmen und Ausgaben mit 5360 Mk. festgesetzt. Hierauf hielt Prof. D. DrewS - Gießen einen längeren, hochinteressanten Vortrag über „Die Reform des Strafrechts^. Er behandelte in seiner Einleiümg die sittlichen Grundsätze, aus denen die Strafrechtspflege hofiert. Die meisten Staaten hätten im letzten Jahrzehnt ihre StrafrechtSbestimmungen revidiert, und auch Deutschland sei jetzt im Begriff, daS zu tun. ES handle sich bei der Beurteilung der leitenden Grundsätze um zwei verschiedeneWeltanschauungen oder Rechtsschulen; die alteSchule, die gerechte Vergeltungt verlangt und die Abschreckungktheorie aufstellt und die neue Schule, die in den Mittelpunkt ihres Strafrechts den Sträfling selber stellt, und durch die Bestrafung erzieherisch auf ihn einwirken, sowie die Gesellschaft schützen will. Redner beleuchtete beideTheorien in eingehenderWeise und wandte sich besonders gegen die Anschauungen LombrosoS, an welche sich die nette Schule anlehne. Nach seiner Theorie sollen bekanntlich alle Verbrecher einen ausgeprägten Typus atavistischer Art bilden, eine Anschauung indeffen, die heute nicht mehr aufrecht za erhalten sei. Es stimmten alle medizinischen Autoritäten darin überein, daß es nicht angehe, die Verbrecher einfach als getstig anormal zu betrachten. Geborene Verbrecher gebe eö nicht, die Mehrzahl derselben werden durch die ganzen äußeren Verhältniffe geistig und körperlich reduziert. Von der neuen Schule werde auch die Soziologie mit herangezogen, sie suche den Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Not darzutun und betone zuerst den Schutz deS sozialen Organismus. Der Redner wandte sich dann noch eingehend zur Frage der Stattstik, welche die neue Schule als eine starke Waffe gegen die alte benutze. Aus einer der Versammlung vorgelegten gedruckten Statistik ergibt sich, daß die Zahl der Verbrechen fortgesetzt zunimmt. Die innere Miffion sei berufen, hier einzugreisen und eine auf den Grundsätzen der göttlichen Ordnung beruhende Verbindung resp. Ausgleichung der Gegensätze zwischen den Angehörigen der verschiedenen Gesellschaftsklassen herbeizuführen. Zum Schluß machte der Redner noch eine Reihe praktischer Vorschläge, wobei er u. a. die Forderung erhob, daß zu den Strafvollzugsbeamten nur die besten Kräfte herangezogen werden sollten, Männer, die auch mit den Bestrebungen der inneren Miffion vertraut seien. — Der höchst instruktive Vortrag wurde mit dem lebhaftesten Beifall ausgezeichnet. Es entspann sich nun noch über verschiedene, in dem Vortrag angeregte Fragen eine längere Diskussion, an welcher sich Pfarrer Weber-München-Glad- bach, Pfarrer Wittman n-Darmstadt, Justizrat Dr. LuciuS- Mainz und Pfarrer Schlosser-Gießen beteiligten. Mit Gesang und Gebet schloß dann die Versammlung, der im Kaisersaal noch ein gemeinsames Essen folgte. Aus Stadt und Land. Gießen, 20. September. ** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute begonnenen Ziehung der 6. Klasse wurden folgende Gewitme gezogen: 40 000 Mk. auf Nr. 11528 (nach Mainz), 30 000 Mk. auf Nr. 74270 (nach Gotha), 10 000 Mk. auf Nr. 66510, Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 12839 34242 61790 65507 94100, Gewinne von je 2000 Mk. auf 377 4074 6810 10572 10805 12793 14362 21780 21966 26868 38708 49835 50485 51964 52373 60596 62329 67947 84841 86582 90998. (Ohne Gewähr.) •* Aus dem Militärwochenblatt. Kreuter, Hauptmann und Komp.-Chef im 2. Groß. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 116, zum überzähligen Major befördert und diesem Regi- ment aggregiert; v. Kutzleben, Leutn. im Jnf.-Regiment Nr. 116, scheidet au§ dem Heere am 30. September d. IS. aus und wird mit dem 1. Oktober d. I. im 2. Seebataillon an gestellt. ** Gießener Konzertverein. Mr sind heute in der Lage, unfern Lesern nntzuteilen, daß der Verein sich der Mitwirkung hervorragender Kräfte bei seinen Konzerten versichert hat. Da angenommen werden darf, daß die bisher verreist gewesenen Kreise nunmehr zurückgekehrt sind, sei auch von dieser Stelle aus darauf hingewiesen, daß die Anmeldungen zur Mitgliedschaft — der Mitgliederbeitrag betragt 6 M? und wird auf entnommene Abonnements an gerechnet — jetzt tunlichst bald bei Herrn Ehallier erfolgen möchten; dort sind auch! die gewünschten Abonnements anzugeben; die Mitgliedsbeiträge werden zu Anfana Oktober erhoben werden. — Das erste Orchesterkonzert wird nur Werke von Haydn, Mozart und Beethoven bringen und zwar unter Mitwirkung eines Sangers. Für das zweite Orchefterkonzert unter Mitwirkung der ausgezeichneten Vio- ftnistin Frl. Helene Ferchland aus Berlin ist moderne Musik in Aussicht genommen. N. a. R .Wagner, Vorspiel von Parsival; R. Strauß, Tod und Verklärung, Violinkonzert von I von Lalo. AN Oratorien gelangt vor Mitte I Dezember F. Atendelssohn-Bartholdys Paulus in |tleri in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellten Stadtkirche unter Mitwirkung eines vorttefflichen Solisteneusemblcs: Frau Professor Frevtag-Besser (Baß), Emil PinkS (Tenor), Tilly Hinkbn-C. (Sopran), und Frl. Schjweicker (Alt) zur Aufführung und später Fr. Liszts Heilige Elisabeth. In bcn Kamnrermusikabeuden der Drau tum unschön Kammer- inusikvereinigung wird wie seither die Mitwirkung von Gesangssolisten statthabcn. Au den Solisten abend en wird am 4. Dezember Frau Therese Earrenno (Klavier) und am 8. Januar 1905 Herr Franz Ondricek (Violine) unter Mitwirkung eines Sängers bezw. eineI Klavierspielers spielen; es darf sich der Verein dazu gratulieren, daß es ii)m gelungen ist, solche Künstler allerersten Ranges zu gewinnen. Für den dritten Solistenabcud steht das Engagement eines Sängers (Dr. Wüllner vielleicht) oder einer hervorragenden Sängerin noch aus. Wir wünschen dem Verein gutes Gelingen zu den Unternehmungen, dieses Winters. ** Obstversteigerung. Bei der heute morgen statt- gehabien Obstversteigerung an der Krcisstraße Großen-Linden- lllein-Linden-Gießen waren die Preise hoch, obwohl es, wie überall, auch hier viel Obst giebt. Man sieht eben, daß einem großen Angebot auch eine große Nachfrage gegenübersteht. Zahlreiche Kaufliebhabec hatten sich eingefunden, darunter auch mehrere Händler. Die Obstbäume an genannter Straße haben nur erstklassiges Tafelobst. Lich, 19. Sept. Gestern bereiste das von den in* teressierten Gemeinden der projektierten Bahnlinie Lich-Grünberg ernannte Finanzkomitee die Orte Nieder- Bessingen, Ober-Bessingen, Münster, Ettingshausen und Queck- born. Zweck der Reise war, die Entschließung der Gemeinden darüber herbeizusühren, welche Beträge an Obligationen die einzelnen Gemeinden zu übernehmen beabsichtigen. Das gesamt zu übernehmende Obligationskapital, welches zum Bahnbau in Frage kommt, beträgt 490000 Mk. Es haben sich bereit erklärt: Nieder-Bessingen 50000 Mk., Ober-Bessingen 60000 Mk., Münster 60 000 Mk., Ettingshausen 75 000 Mk. und Queckborn 75 000 Mk. hiervon zu übernehmen. Es verbleiben für Lich imb Grünberg zusammen 170000 Mk., worüber die Entschließungen noch auSstehen. Mit der lieber- nähme dieses Restbetrages erscheint die Erbauung der Bahn gesichert. ES wäre zu wünschen, wenn beide Städte sich zur Uebernahme deS BettageS bereit erklätten, damit den beteiligten Gemeinden die Wohltat einer Bahnverbindung nicht länger vorenthalten bliebe. (H. L. P.) g. Mittelgründau, 19. Sept. Im Krankenhause zu Gelnhausen wurde vor einigen Tagen ein Handwerksbursche mit einer Schußwunde in der Brust aufgenommen. Er giebt an, in dem Walde zwischen hier und Gelnhausen von einem unsichtbaren Schützen angeschossen worden zu fein. Man hat Verdacht aus die Wilderer, die schon längere Zeit die umliegenden Wälder unsicher machen. 8Ü. Darmstadt, 20. Sept. (Dra htbericht). Der Kaufmann G. W. Weidig, ein geboren er Gießener, der hier früher ein Delikatessengeschäft besaß, seit einem halben Jahre sich aber ins Vrivatleben zurückgezogen hatte, ist in dieser Nacht infolge einer GaSausströmung gestorben. Groß-Gerau, 20. Sept. Auf dem gestrigen Jahrmärkte warf ein mit lebenden Tieren herumziehender Mann, der durch Kinder geneckt worden war, einen großen Stein in die Kinderschar hinein und verletzte einen sechsjährigen Knaben lebensgefährlich. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein großes Feuer wütete in Messen - ha usen zwischen Dietzenbach und Oberroden. Drei Scheunen und ein Stallgebäude sielen den Flammen zum Opfer. — Der Baron von Lengerke, der seinen Schwiegervater erschossen hat, wurde in daS Untersuchungsgefängnis zu Mainz abgeliefert. Die ihm zugesugten Verletzungen scheinen demnach nicht ernster Natur zu fein. — Hundert Küfer sind in Mainz in den AuSstand getreten. vermischte». * Unfälle. Am 18. Sept. Ereignete sich auf der Station Foersbach bei Bamberg ein schwerer Unfall. Eine in gesegneten Umständen befindliche Frau, die sich in Begleitung ihres Mannes und ihrer drei Kinder befand, wollte auf einem bereits in Bewegung gesetzten, narb Köln abgehenden Personenzug steigen, kam dabei zu Fall und geriet so unglücklich unter die Näder des Zuges, daß der K o p f vollständig zermalmt wurde. Indem Augenblick, als die Frau starb, gab sie einem Kinde das Leben, das nach dem Kölner Bürgerhospital gebracht wurde und sich wohlauf befinbet — Ein von Arad abgegangener Personenzug entgleistebeiNemet Szase und stürzte einen 14 Meter hohen Bahndamm hinab. .Zwei Bahnbeamte wurden schwer und 9 Passagiere leicht verletzt..— In Daber in Pommern fielen von einem Bagagewagen des Infanterieregiments Nr. 54, als er eine sehr enge und abschüssige Sttaße passierte, einige Gepäckstücke zwischen die Pferde. Diese wurden dadurch scheu und rasten mit dem Gefährt mitten in eine Kuhheerde hinein. Ter £)irt, ein alter Mann, wurde überfahren und tödlich verletzt. Mehrere Tiere wurden übel zngerichtrt. — Auf Station Neckargemünd entgleiste ein Güterzug. Die Lokomotive und 20 Waggons ivnrden zertrümmert. -Der Materialschaden ist groß. — Tie Geliebte eines Teckmikers verletzte in München mit einem Revolver ans Unvorsichtigkeit einen Freund ihres Geliebten schwer .und erschoß sich dann selbst ans Furcht vor Strafe. ilriu'ftü Meldungen. Homburg, 20. Sept. Der Reichskanzler mit Gemahlin unb Schwiegermutter, sowie der deutsche Botschafter in London, Graf Wolf-Metternich, welcher gestern zum Besuche des Reichskanzlers eingetroffen ist, und die Herren der, Umgebung des Kanzlers trafen gestern nachmittag kurz nach 4 Uhr mit der elektrischen Bahn auf der Saalburg ein und besichtigten unter Führung des Geheimrats Jacobi eingehend die AuSgrabringen. Um 6 Uhr verließ der Reichskanzler mit Gemahlin, sowie Graf Metternich die Saalburg, um zu Fuß über den König-Wilhetms-Weg zurückzukehren. Paris, 20. Sept. Mattachich hat beschlossen, gegen den Hofrat Dr. niet). Pierson wegen der Erklärungen, die dieser in einem Berliner Blatt abgegeben hat, bei den Berliner Gerichten die Beleidigungsklage anzustrengen. Pierson hatte erstens gesagt, Mattachich habe die Prinzessin aus pekuniären Gründen entfühtt und ferner, die Prinzessin wäre jetzt in einem schlimmeren Gefängnis als in Lindenhof. In beiden Bemerkungen sieht Mattachich verleumderische Beleidigungen. Genf, 20. Sept. Der italienische Konsul wurde bei einer Automobilfahrt im Kanton Waadt von zwei Italienern angegriffen und mißhandelt. Sein Zustand ist bedenklich. Belgrad, 20. Sept. Im Manövergelände bei Banica stürzte der Gouverneur des serbischen Kronprinzen, der französische Oberst Le Raseur mit dem Pferde beim Uebersetzen eines Hindernisses und verletzte sich schwer. New-Port, 20. Sept. Ein Eisenbahn-Unglück ereignete sich auf der Lang Island-Eisenbahn. Infolge fehlerhaften Funktionierens der elekttischen Weiche stießen zwei Züge zusammen, wobei 2 Personen getötet unb zwanzig verwundet wurden. Vom Kriege. Petersburg, 20. Sept. Wie neuerdings' verbautet, foTT der russische Marineminister Avellane demissioniert haben. Der Grund ist auf die abermalige, Verzögerung der Abfahrt der ruffiscben Ostseeflotte zurück-' zuführen. — Die Nachricht eines englischen Blattes, wonach augenblicklich. eine große Schlacht bei Mukdeu int Gange sei, wirrd amtlich dementiert. London, 20. Sept. Erne soeben nach England zurückgekehrte hochgestellte europäische Persönlichkett, welche längere Zeit in Tokio ansässig War und in der Lage ist, fceni Geist der japanischen Bevöl^rung Ku kennen, erklärt, daß. die innere Lage Japans besorgniserregend und nicht ohne Gefahr sei. Die japanische Regierung Habei bei dem Pekinger Hof dabin zu wirken gesucht, daß chi-! nesische Truppen sofort nezch der Räumung der Mandschurei durch die Russen diese besetzen. Das sei jedoch bontfi Pekinger Hose ab gelehnt Warden unb die chinesische Regierung habe sogar z.um Zeichen ihrer NeutraUtät einen TeiL der Truppen des Generals Ma zurückgezogen. M u kden, 20. Sept. Tas japanische Heer rückt, langsam in breiter Front gegen Mukden .vor, den linken Flügel an den Liao, den rechten an das Gebirge etwa auf die Kohlengruben von Tnschun 40 Kilometer östlich von Mukden gelehnt. Einem Gerüc-t, daß auch westlich vom Liao Bewegungen der Russen und Japaner stattfinden, schenkt man keinen Glauben, weil dies eine Verletzung .der chi:«ssschen Neutralität! wäre. In Mukden verhält sich die Bevölkerung ruhig. DaS> Selbstbewichtsein der Truppen ist zurückgekehrt. .Handel und Mandel sind reck-t lebhaft. Tie Beamten sollen indeß nicht! immer ganz gefügig sein und sogar geheimen Weisungen ber: Japaner gehorchen. Die Filiale der Russischen Bank in Mukdenj ist wieder eröffnet. Die Verluste der Japaner bei Lian-k j ang werden auf 30OQO Mann geschätzt. Telephonischer Kursbericht. SVjO/o ReichRanleiho F Hnktfirt a ’i . 102.10 8V-i «io. ... 89.70 SV,0/: Konvois .... 101.85 3°/n .....89.80 R’/^O/n Hensen .... 100.05 37, % Ob'rhessen . . . 98.70 4% Oester Goldrente . . 101.75 41 \ % Oesterr. Sllberrentej 100 80 4 96 Ungar. Goldrente . . 100.00 4oi Italien. Rente , . . 104.10 4' ,96 Porto»ieaer , . . 62.80 Portugiesen.....62.00 196 0. Türken .... —.— Türkenlose......132.40 4°/0 Griech. Monopol.-Anl. 48.10 4* % äunsere Argwitiner —.— 20. September. 8°/o Mexikaner . . . . 28 60 4,/g% Chinesen .... 90.20 Electric. Soluokert , . . 118.30 Nordd, Lloyd , . . . 106 75 Kreditftktien . . . «- . 206 90 Diskonto-Kommandit . . 191.70 Darmstadter Bank . < . 143.50 Dresdener Bank .... 155.60 Berliner Handelsges. . . 161 40 Oesterr. Staatsbabn . , . 13910 Lombarden.....18.40 Gotthardbahn ..... 189.25 Laurahfltte...... 249.50 Roohum....... 208.00 Harpener......216.20 Tendenz: fest. im 60. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Darmstadt, den 19. September 1904. Die Beerdigung findet Mittwoch den 21. d. Mts., nachmittags 3^ Uhr, in Darmstadt vom Sterbehause, Moserstrasse 5, ans statt. Die trauernden Hinterbliebenen. 7468 Statt jeder besonderen Anzeige. Heute nacht entschlief sanft infolge einer Herzlähmang unser lieber Gatte, Vater, Bruder, Schwager und Onkel b-r Thompson’s Seifenpulwr oAfa't&e 3cfiw'.an9 Arbsit spart Geld ___Ze't-. Täglich frisch gekelterter ' Hiß uh' ■ aus der Kelterei... C. Stoch II. zu haben bei: A. Aibold, Gambrinus. I. Vrnnncr, Auaustlner. F. Benz, (Sqi6 Goel. Ferd. Karnickel, Kaiserhof. Frau . /crbcrt, Mäusourg. H. Hahn, Bl-'iuarctstraße. H. Heyne, Wquinium. In tob Ha us er, Ludwigstrafte. Max Jaölowdkh, Lötven. Fritz Klaged, Frankfurter Hof. Frau König, Stadt Kassel. Lina Leib, Philosophenwald. Emil Kalbfleisch, Vater Jahn- Frau Schultheis, SchützcnbauS. 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