rÄlrnif* BMZ f^adcben !W!-L^L Ä'W’* .tata'jeL*“ i'nsniiie. 3 |Ut’1 5 'M» 6 tüchtige MMiiii chrmädchen Jmmen. 6320 »en. 22L Hramer ^be§ und Kom'cklion. Loebechraß^U^ stau oder Mädchen ^ecklragen gejuchl. MauSburg 12, ZWM lßlM rtzOkiß Stellung bei größcr-- lebmer. M l Pfeiffer, Wilhelmscr. 1-’ Mrnr rainreu cu ty)l|ieuuotw. er iltbiettigi U'336.- cl Reh, M-Änlagc 2i. L-LL -- M 9*1 ft#® J unfl^'6n9fc Für die uns anl^, jerer Demen W so überaus «-1 -h- »>W-»S»tz, üdnw* •” | icnfe IP* "J ilius Moti i Vaterialoe^k rt Städtisch«^ । S--L etbet®' "AH sKK H» 1*. jSMp n bei solider Arbeit M ceuoviert. . iustav Belitz > und Weißbinders Lieinslraße 6ö, pL _ uskunfl Kurauiptlhaü in * ad Saizljank tel uvo Peusioushu „Kronprinz. -kte 2C. losienlos bei. Nr. 14» Erfcheinl tLgllch mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Giehener Lamilienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der ^hefflfche Landwirt" erscheint monatlich einmal. Zweites Blatt. 154. Jahrgang Gießener Anzeiger Montag 30. Juni 1904 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen. General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen. Iie heutige Bummer umfaßt 8 Seiten. Volitische Wachcnschnu. .. ®'CT. Reichstag bat seine Pforten geschlossen und ist in ore Ferien gegangen. Erst im November werden die Erwählten des deutschen Volkes ihre gesetzgeberische Tätigkeit wieder auf- nebmen. Hatten vorher, viele Mitglieder durch ihre Abwesenheit geglänzt, so zeigte sich das Haus bei den letzten Beratungen stets gut besetzt, sodaß es, wenn auch in beschleunigtem Tempo, das vorliegende Material bis auf das letzte Titelchen erledigen konnte. Von den wichtigsten Vorlagen, die in zweiter und dritter Lesung angenommen wurden, sftrd besonders die Anleihe für das Schupgebict Togo und der Bau der Bahn von Dar-es- S a l a a m nach M r o g o r o erwähnenswert. Ferner die Münz- gesetznovelle und das Gesetz über die Kaufmanns- ükrichte. Zum Schluß gab es dann noch einen großen Knall- enelt. als die Sozialdemokraten eine Interpellation über den Gewtzentwurf zur ErsclMerung des Kontraktbruches der la it b11 d)en Arbeiter einbrachten und dabei ihren stärksten Dauerredner, den Abg. Stadthagen, vorschickten, der zum (schrecken des Dauses in zweieinhalbstündiger Rede den Regier- ungscntwurf in leidenschaftlichster Weise angriff und an ihm sozusagen kein gutes Haar ließ. Nach Schluß der Tiskussion erschien Graf Bülow mit der Kaiserlichen Urkunde, die die Vertagung des Hcmses verordnete und nach dreimaligem Hoch auf bas ^Reichsoberhaupt wurde die Sitzung geschlossen. Im Plenum der 2. hessischen Kammer wird Ende dieses Monats eine wichtige gesetzgeberische Tätigkeit anheben, nachdem ln ™ Kommissionen wacker vorgearbeitet worden ist. Ter Referent der Wahlrechts kom Mission, Abg. v. Brentano, hat in einem umfangreichen Schriststiicke die Beschlüsse der Kommission dargclcgt. Wir haben darüber bereits ausführlich be- riil-tet. Inzwischen sind die reaktionären Gegner des liberalen Wahlrechts in Worms u. a. . O. fleißig am Werke, das von langer Hand mühsam vorbereitete volksfreundliche Werk der Regierung zu verzerren und zu verzausen, und setzen alle Hebel in Bewegung, den Entwurf zu Falle zu bringen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welcher von beiden Teilen der Stärkere ist in Hessen, der, welcher das jämmerliche Wahlmännersystem auf den Kehrichthaufen geworfen haben will, auf den es gehört, um in den breiteren Volksmassen das Interesse zu beleben an der Heimatspolitik, oder jener andere, dem alten Feudalismus erbeigentömlickie, der dem Volke nicht geben will, was des Volkes ist. Der großes Aufsehen erregende Mirbach-Zwischenfall in dem endlosen Pommernbank-Prozcß scheint sich zu einer bedeutsamen politischen Angelegmheit auswawsen zu wollen nach der zeugeneidlichen Vernehmung des Ober Hofmeisters der Kaiserin. Mit Reckt wurde von Blättern aller Schattierungen Ausklärung darüber verlangt, in welchem Zusammenhang die Verleihung des Titels „Hofbank der Kaiserin" an das inzwischen verkrachte Institut mit den enormen zu Wohltättgkeitsbcstrebungen gestifteten Summen stand und wie es kam, daß das bei der Pommernbank hinterlegte Vermögen der Kaiserin bei dem Zusammenbruch bis auf den letzten Pfennig erhalten blieb, während die Spargroschen der meist zu den kleinen Leuten gehörigen Einleger völlig verloren gingen. Auch die eigentliche Sebentung des geheimnisvollen Konto K harrt noch immer einer einwani^ freien Lösung. Nach der „Deutschen Korrespondenz" soll die Verleihung des Hofbanktitels darauf znrückzuführen sein, daß Direktor Schultz Herrn v. Mirbach bei Zeiten seine Bedenken gegen die Preußenbank mitgeteitt und die Zurückziehung der Gelder der Kaiserin angeraten habe. Der Kommerzienratstttel sei Schultz verliehen worden, weil er in der Lage war, einer dem Kaiserhause verwandten fürstlichen Persönlichkeit einen Kredit von sechs Millionen gewähren zu können. sTer ganzen letzteren Angelegenhett stehe die Kaiserin wie Freiherr v. Mirbach völlig fern. Die „3 u Fun ft" macht darauf aufmerksam, daß zwischen der Einzahlung der 350 000 Mk. und der Auszahlung der ersten Rate davon der Tag der Ernennung der Pommernbank zur Hofbank liege. Sie gibt ferner einige Beispiele dafür, wie Frhr. v. Mirbach die Wohltätigkeit „in Anspruch zu nehmen" wußte. Es kam ihm, so behauptet Harden, nicht darauf an, für cvang. Kirchenbauten auch Kat^>liken und Juden heranzuziehen. Harden teilt einen Brief Mirbachs an einen jüdischen Industriellen mit, worin um eine große Gabe für die Kaiser-Wil- belm-Gedächtniskirche gebeten wurde, einen Brief, der Krone und Wappen mit der Umfdjrift „Kabinett Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin" trug. Frankreich hat nach längerer Pause auch wieder einmal seine „Affäre. Im Gegensatz zu der skandalösen Dreyfus-Ge- schichte ist die jetzige harmloser, man möchte sagen komischer, mit einem Stich ins operettenhaste. Dem Ministerpräsidenten C o m - b e s, der eifrig bemüht ist, Frankreich vom klerikalen Joche zu befreien, ist vom Orden der Karthäuser das nette Sümmchen von zwei Millionen Franken angeboten worden, wenn er zu Gunsten der Pattes ein Auge zudrücken wolle. Nach anderen Versionen soll man das Anerbieten seinem Sohne (Sbgar gemacht haben. In der Kammer von seinen Gegnern zur Rede gestellt, beteuerte Combes, der übrigens hoher Siebziger ist, seine und seines Sohnes Unschuld. Trotzdem hat der Abg. Firmin Faure in der Kammer einen Anttag eingebracht, worin die Regierung aufgeferbert wird die Herren Edg r Cembes und Lagt ve, dm in die Affäre mitverwickelten Kommissar der Republik bei der Weltausstellung in St. Louis, ihrer äffentlidjen Aemter zu entheben. Eine Kommission nimmt inzwischen Haussuchungen, Beschlagnahmen von Papieren rc. vor. In dem vergewalttgten Finland kommen die politischen Leidenschaften nickst so bald zur Ruhe. Der Generalgouverneur des unglüdtiefen Landes, General Bobrikow, ist am Donnerstag von dem Sohn des zur „schwedischen" Partei gehörigen Senators S ch a u m a n durch einen Revolverschuß getötet worden. Bobrikow war in Finland als blindwütiger Vollstrecker ungerechter und Vertragsbrüchiger Politik die bestgehaßte Persönlichkeit. Nun hat den Mann, der sich in Finland um die Fortschritte der Nussiftzierung sehr „verdien?" gemacht und dort das schwedische Element aufs äußerste bedrängt und verfolgt hat, sodaß die maßlose Erbitterung in schwedisch-finländiseben Kreisen nicht verwunderlich ist, fein Schicksal ereilt. Der Witwe Bobrikows sind Beileidstelegramme vom russischen Kaiserpaar, vom Kriegsminister General Ssacharow rc. zugegangen. Kaiser Nikolaus sagt in seinem Telegramm, Bobriünvs Name werde im Gedächtnis der wahren russischen Pattioten immer fortleben. Ter Kriegs Minister betont, die Armee habe in Bobrikow einen ihrer würdigsten Vertreter verloren, der als Opfer seiner Pflichterfüllung und Hingebung an Kaiser und Vaterland gefallen sei. Der Metto- polic" telegraphierte, olle wahren russischen Patrioten hätten Bobrikows Wirken in Finland mit Bewunderung und glänzenden Hoffnungen verfolgt: er sei als wahrer Christ und großer Bürger gestorben. — Die Finnen denken über den Toten anders. Japans Aufmerksamkeit hat sich in letzter Zeit dermatzen auf die ' Liautunghalbinsel gesammelt, daß das r u f s r s ch e Geschwader aus Wladiwostok (dieser russische Name bedeutet übrigens zu deutsch „des Ostens Beherrscherin") ungestört bis an »ie Linie herankommen konnte, auf welcher bte von Japan aus nach Korea bezw. nach Liautung gehenden Transportschiffe verkehren. Drei ruffische Kreuzer machten die Sttaße von Korea bei der für die Beherrschung dieser Meerenge überaus wich- tigen Insel Tsuschima unsicher, und cs ist ihnen mindestens ein großer Dampfer, an dessen Bord ein starker japanischer Truppentransport sich befand (darunter mindestens ein halbes Dutzend europäischer Offiziere) zum Opfer gefallen: andere japanische Schiffe mußten sich, zum Teil sehr schwer beschädigt, in die japanischen Küstengewässer flüchten. Der untergegangene Dampfer „Ditachi-Maru" war in Antwerpen gebaut und repräsentierte ein Kapital von 2V2 Mill. Frcs. Wo sich zurzeit das Wladiwostok Geschwader aufhält, weiß man noch nicht. Daß es von den Japanern aufgebracht worden fei, wie gemeldet wurde, ist ganz gewiß falsch. Es scheint auch in keinen Kampf mit der japanischen Flotte geraten, sondern vielmehr im höchsten Norden wieder zu sein, wo cs an der Küste von Peso, der nördlichsten Insel Japans, den Feinden bedrohlich wird. Man fragt sich: wo ist die japanische Kriegsflotte? Frülwr sollte der Hafen von Wladiwostok durch japanische Minen gesperrt und außerdem durch japanische Kriegsschiffe blockiert fein, sodaß man das russische Geschwader dort für eingeschlossen halten mußte. Und nun erscheinen die russischen Schiffe in den japanischen Gewässern. Tas ist eine kühne Tat des neuen Admirals Skrydlow, für die Japaner aber nicht ehrenvoll. Dem gegenüber steht aber eine schwere Niederlage, die der russische General Baron Stackelberg bei Wafangou erlitten hat. General Stackelberg sollte mit seinen Truppen, etwa 40 000 Mann, Port Arthur Erleichterung verschaffen durch Belästigung der japanischen Belagerungsarmee in deren Rücken. Tas veranlaßte die Japaner, sich etwas Bewegungsfreiheit zu sichern. Bisher hielten sie cs für ausreichend, die Russen an der Linie Pitscwo—Port Adams festznhaltcn; neuerdings drängten sie die Feinde aber weiter nordwärts zurück; dabei kam es in der Nähe von Wafangou zu einer entscheidenden großen Schlackt, in der die regelmäßig wiedcrkehrende japanische llmgchnngstaktik für die Russen ganz ausserordentlich schlimme Verluste zur Folge gehabt hat. 1100 bei Wafangou verwundete Russen, darunter 55 Offiziere, erreichten freilich Liaujang. Der G e s a m t v e r l u st der Russen in dieser Schlacht aber beträgt etwa 2000 Mann. Insgesamt hatten bei Wafangou 42 russische gegen 44 japanische Bataillone gestanden. Hingegen waren die Japaner den Russen an Artillerie sehr überlegen, da sic über 200 Geschütze verfügten. Ein französisches Blatt will ans Petersburg erfahren haben, dort gehe das Gerücht, daß Stackelberg bei seinem nordwärts gerichteten Rückzüge nach der Schlacht bei Wafangou weitere 10000 Mann an Toten, Verwundeten ober Gefangenen verloren habe. Tie auf dem linken Flügel stehende Division fei umaangen und vernichtet worden. So kommt denn für die Russen eine Armee Stackelberg wohl kaum mehr in Bettacht. Rach englischen Meldungen hat zwar General Kuropattin zwei Divisionen nach dem Süden geschickt, um Stackelbergs Rückzug zu decken., .Der japanische General Nodzu hat sich Stackelbergs Kolonne jedoch schon mehr genähert als irgend welche russische Verstärkung. Stackelberg selber soll verwundet fein. Kuropatkin ging, wie es heißt, am Mittwoch selbst aus Liaujang ab, um das Kommando zu übernehmen. — Der japanische Mikado soll in dieser Schlacht auch einen schweren Verlust erlitten haben. Einer seiner Neffen soll den Heldentod vor dem Feinde gefunden haben. parlamentarisches aus Kessen. Folgende Anfrage richtet der Abg. Wolf an die zweite hessische Kammer: Vergangene Woche wurde von Zigeunern auf hessische Bürger bei Udenheim, die ihr Eigentum vor Tiebstählen durch Zigeuner schützen wollten, scharf geschossen, so daß mehrere hessische Bürger verwundet wurden. Ebenso wurde beobachtet, daß Zigeuner des Nachts mit Gewehren auf Diebstahl ausgingen. Ich frage aus diesem Grunde bei der Großh. Regierung ergebenft an: 1. Hat die Regierung Kenntnis von diesen der hessischen öffentlichen Sicherheit Hohn sprechenden Vorkommnissen? 2. Was gedenkt die Regierung zu tun, um zu verhüten, daß derartige Dinge in Zukunft vermieden werden? Insbesondere frage ich an: Ist die Großh. Regierung bereit, beim Bundesrate sofort mit allem Nachdruck zu veranlassen, daß r e i ch s g e s e tz l i ch e Maßnahmen gegen die besonders in wohlhabenderen, ländlichen Gegenden immer mehr zunehmende Z i g e u n e r p l a g e getroffen werden unter folgenden Gesichtspunkten: 1. Bessere A b- Sperrung der bayerisch-böhmischen Grenze gegen den Einzug von Zigeunern ins Reichsgebiet, weil die Zigeuner diese Grenze einzeln überschreiten, um sich im Reichsgebiet wieder zusammenzufinden. 2. Verbot des Gewerbebetriebs im U m h e r z i e h e n f ü r Z i g e u n e r, weil der Geivcrbebetrieb dem Gesindel nur die Gelegenheit mm Stehlen und Leutedrangsalieren gibt. 3. Verbot des Waffen» und Munitions.besitzes für 3 i g e u n e r. Ebenso Verbot des Waffen- und Munitionsverkaufs oder -taufches an Zigeuner. 4. Verbringung der' schulpflichtigen Kinder von Zigeunern in Reichs; wangs- erziehungsan st alten. 5. Verbot des längeren Haltensauf öffentlichen Straßen und des Kampierens zur Nachtzeit. Der Verein der Wirte in Mainz und Umgegend petitioniert um Abschaffung der Automaten-, wie Kl aoi erst euer, Abschaffung der Umzugs st euer bei Uebernahme eines anderweiten Lokales, Abschaffung der Konzessionssteuer im Falle des Todes des Ehemannes bezüglich der Witwe, genauere Prüfung der Bedürfnisfrage bei Erteilung einer neuen Konzession und Heranziehung von Fachmännern zur Beratung, Heranziehung zur Konzessionierung sämtlicher Flaschenbierverkäufer, und endlich um einheitliche Besteuerung für Kon- zessionserteilung in den drei Provinzen des Großherzogtums ohne Rücksichtnahme auf die Bevölkerungsziffer der Gemeinden._____________________________ Politische Tagesschau. Graf Bülow über die Ostmarkenpolittk. Die „Norddeutsche" meldet: Der Reichskanzler empfing am 18. l. Mts. die Verwaltungskommission der königl. Akademie zu Posen, die ihm das Diplom als Ehrenmitglied der Akademie überreichte. Auf die Ansprache des Rektors Proseffor Kühne- mann erwide rte der ReichSlanzler nach Dankes- worten: Er sei heute mehr wie je der Meinung, daß die Ostmarkenfrage die wichtigste Frage unserer inneren Politik sei, und wenn er auch pflicht mäßig alle seine Landsleute ins Herz geschloffen habe, so habe er doch für die Deutschen unserer vielumstrittenen Ostmark ganz besondere Liebe. Er lege bei seinen Maßnahmen für die Hebung des Deutschtums im Osten auf die geistige Seite großes Gewicht. Wo der Deutsche prosperieren solle, müsse ihm geistiges Leben blühen; wo ihm Kunst und Wissenschaft fehlen, verkümmere der Deutsche, wie einer unserer großen Philosophen gesagt habe: Das Heil, komme den Deutschen von den Ideen und durch die Ideen. Hierfür nun zu sorgen, sei die Akademie in erster Linie berufen. Er stimme den beiden Hauptgedanken zu, die der Rektor ausgesprochen habe: Von der notwendigen Unabhängigkeit der Wissenschaft und der nationalen Aufgabe der Posener Akademie. Die Freiheit der Wissenschaft sei für den Deutschen die Luft, deren er für das geistige! Leben bedürfe. Die nationalen Ziele, welche die Posener Akademie in dem uns Deutschen im Osten aufgedrungenen Kampfe verfolge, müßten jedem an derselben tätigen Lehrer immer vor Augen stehen. Es sei schon ein Großes, wenn die Akademie dazu beitrage, die Deutschen in Posen zu einigen. Unser Volk habe bei seinen Vorzügen auch Fehler, die im Laufe der Geschichte dem Vaterlande ost Schaden gebracht haben. Hierzu gehöre vor allem der Hang der Deutschen zur Uneinigkeit. Wir würden mit unserer Ostmarkenpolitik schon weiter sein, wenn die Deutschen im Osten gegenüber dem Gegner kleine Parteiunterschiede, kleinliche Standes- und Klassenvorurteile in den Hintergrund toten ließen. Möge die Akademie Einigungspunkt und Bindeglied unter den Deutschen in Posen werden. Bülow schloß: Er werde stets als erstes Ehrenmitglied der Posener Akademie an ihrem weiteren Ergehen den größten Anteil nehmen, und wenn er ihr bei irgendwelchen Schwierigkeiten ihrer Entwicklung einmal beistehen könne, so solle sie immer auf ihn zählen können. Im Verlaufe des sich anschließenden Gesprächs gab der Reichskanzler der Hoffnung Ausdruck, daß § 15b des Gesetzentwurfs betreffend die Gründung neuer Ansiedlungen, den er in voller Kenntnis seiner Tragweite eingebracht habe und als notwendiges Verteidigungsrüstzeug im Kampfe gegen den Gegner des Deutschtums betrachte, vom Abgeordnetenhause angenommen würde. Mach dem Kordon-Aennet-Kennen. Die endgültige Siegerliste ist nach den offiziellen Zahlen: 1. Thöry (Frankreich) 5 St. 50 Min. 03 Sek. L Jen atzt) (Deutschland) 6:01:23. 3. de Caters (Dentschland) 6:46:31. 4. Nou gier (Frankreich) 6:47:11. 5. Braun (Oesterreich) 6:59:49. 6. Hautva'st (Belgien) 7:12:36. 7. Salleron (Frankreich) 7:15:15. 8. Lancia (Italien) 7:17:54. 9. Girling (England) 7:22:54. 10. Cagno (Italien) 7:23:36. 11. Werner (Oesterreich) 7:32:14. 12. Iarrot (England) 7:36: 52. Die Ueberreichung des Rennpreises vollzog sich am 18. d. M. im Homburger Kurhaus. An der F-ürstentasel prangte der Gordon Bennett-Preis auf dem Tischtuch zwischen dem Präsidenten der Tafelrunde, dem Prinzen Heinrich von Preußen und dem Herzog von Ratibor, . der ihm Vis-L-Vis die Honneurs des Deutschen Automobilklubs machte. An den Tafeln zur Seite saßen die Mitglieder der Gordon Bennett-Kommission neben den Vertretern der staatlichen Behörden: Von den Vertretern ausländischer Klubs seien Baron von Zuylen, Markgraf Pallavicini, Mr. Gray Dinsmore, Graf Clemens von Schönborn-Wiesental genannt. Die Deutschen machten bunte Reihe mit ihren Gästen, unter denen die Fabrikanten Richard Brasier, Fritz Daimler, Mors, Baron de Dietrich und der schneidige Mercedes-Mann Baron e ters hervorragten. Rach der Suppe sprach Prinz Heinrich den Kaisertoast. Er rief als Echo die Kaiserhymne hervor. Dem nächsten Toast, den der Präsident des Deutschen Automobilklubs, der.Herzog von R a t i b o r sprach, folgte als Gegengruß der Marseillaise. Baron von Zuvlen dankte in französischer Sprache mit einem Hoch auf den Deutschen Automobilklub. Mit der Höflichkeit seiner Nation knüpfte er den Wunsch an die Uebernahme des Siegespreises, daß man sich in einem Jahr im Wettkampf um den Preis wieder begegnen werde. Generalleutnant z. D. v. Raabe dankte namens des deutschen Klubs, den Behörden, die dem Rennen den Weg bereitet. Der Minister des Innern Frhr. v. Hamm er st ein erwiderte. Er schloß mit einem Hoch auf den Automobilismus und die von rchm' geförderte Jndusttie. Oberbürgermeister Ritter von Marx widmete den fremden Gästen seinen Willkommeusgruß namens de-. Stadt Homburg. Dann sprach französisch mit Geist und Witz Graf Tal lehr an auf den genialen Konstrukteur Brasier und seinen energischen Fahrer Th4ry. Prinz Solms Braunfels dankte für die auswärtigen Gäste. Außerhalb der offiziellen Rednerliste brachte General z. D. Becker ein Hoch auf die Presse aus. Er rühmte ihre außerordentlichen Leistungen und knüpfte daran Hoffnungen für die weitere Mitarbeit. Alle erhoben sich. Nur Prinz Heinrich blieb sitzen, vielleicht zufällrg. Während des Festmahls betrat der Sieger T h 6" r y den Saal, jubelnd begrüßt. Er sprach einige Worte des Dankes. Den Abschluß der Veranstaltungen bildete eine Festlichkeit in dem feenhaft beleuchteten Krcrgarten. Ein Faustkampf Thery.Jenatzy. Beim Zurückwiegen der Wagen am Renntage kam es dem „B. T." zufolge, zu einem peinlichen Rencontre zwicken Th^ry und Jenatzy. Der siegreiche Franzose fand (?§ nutzt unter seiner Würde, den so ehrenvoll unterlegenen Gegner durch hämische Bemerkungen zu reizen. Jenatzy llieb nicht die Antwort schuldig, ein Wort aab das andere, und ehe man es verhindern konnte, waren die beiden Gegner auseinander losgestürz: und "bearbeiteten sich mit den Fäusten. Nur mit Müh^ '.gelang c5 den anwesenden Mitgliedern des Deutschen Automobilklubs, die beiden von einander zu trennen. Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und Loubet. Nach Beendigung des Automobilrennens um den Go r- don Bennett-Preis richtete der Kaiser an den Präsidenten Loubet folgendes Telegramm: Ich beeile mich. Ihnen zu dem Siege Glück &u wünschen, den die französische Industrie soeben davongetragen hat und dessen Zeuge ich zu meiner Freude gewesen bin. Der dem Sieger vom Publikum bereitere Empfang beweist, wie sehr ein durch Intelligenz und mutiges Streben auf einem Gebiet von beioerseitigem Interesse errungener Erfolg dazu dient, Gefühle, frei von Rivalität, zu erzeugen. Loubet erwiderrr: Ich bin Eurer Majestät ganz besonders für das liebenswürdige Telegramm und für die Gesinnung dankbar, aus der es hervorgegangen ist. Der Erfolg der französischen Industrie tonnte nicht besser gewürdigt werden, als von der deutschen Industrie, die vollkommen würdig war, ihn zu erlangen. Man meldet heute aus Paris: Das Telegramm des Kaisers hat hier allgemein einen guten Eindruck gemacht. Man sieht darin eine Kundgebung der Sy mpat h t e des Kaisers für Frankreich und seine Freude oaruber, sich mit Frankreich auf einem anderen als dem Kriegsschau- vlatze zu begegnen. Schon jetzt wird behauptet, daß bei dem nächsten in Frankreich stattsindenden Gordon Bennett- Rennen der französische Automobilklub das Beispiel des deutschen Automobilklubs nachahmen und den deutschen Kaiser zur Teilnahme an dem Rennen ein- I ab en werde. Noch eine Kundgebung des Kaisers. Der Kaiser hat an den Oberpräsidenten v. Wind- cheim das folgende Telegramm gesandt: Ich habe bei dem Automobilrennen um den Gordon Bennett-Preis, dessen Verlauf ich von historischer Stätte der Saalburg aus verfolgen konnte, mit Befriedigung das lebhafte Interesse des Publikums an dieser für eine aufstrebende Industrie so wichtigen Veranstaltung wahrgenommen. und mich besonders über die musterhafte Haltung der zusammengeströmten Menschenmenge gefreut Dieses taktvolle Benehmen der Zuschauer auf der Rennstrecke haben neben den sicherheitspolizeilichen Maßnahmen wesentlich dazu beigetragen, dem festlichen Tage einen ungetrübten und glänzenden Verlauf zu sichern. Ich wünsche meinen Dank hierfür zur allgemeinen Kenntnis zu bringen und beauftrage Sie, diesen Erlaß alsbald zu veröffentlichen. Homburg v. d. H., 18. Juni 1904. (gez.) Wilhelm.' Der Kaiser und die Fabrikanten. Das Kaiserpaar hatte zu Samstag Monsieur Brasier, den Konstrukteur des Siegeswagens, zum Frühstück nach deut Schloß eingeladen. Der Kaiser schenkte ihm sein Bild mit Unterschrift und beglückwünschte chn zu dem Erfolg. Direktor Deimler, der Fabrikant der Mereedes- Wagen. wurde aus Samstag abend zum Kaiser in Homburg gebeten. Brasier erzählte, daß der Siegeswagen genau 83 Pserdekräfte hatte und bereits jüngst 2600 Kilometer von Paris nach Monaco hin und zurück geleistet habe. Der Wagen ist für 50 000 Franes zu hoben. Brasier konnte bereits Bestellungen auf acht seiner Wagen entgegennehmen. Er lobte die deutschen Wagen, wunderte sich aber, daß Jenatzy in erster Runde nicht schneller fuhr. Bei einer weniger schwierigen Strecke hätte Thory wahrscheinlich mit größerem Vorsprung gesiegt. Durchschnittlich braucht übrigens jeder Wagen 160 Liter Benzin. Brasier hat Tyery 1O0OOO Franes zum Geschenk gemacht. Die Geschicklichkeit, mit der Thery steuerte, war geradezu unheimlich. Er nahm die Kurven jo haarscharf nach innen, daß einem ganz schwindelig werden mußte. Und gerade in dieser Künst, die Kurven zu nehmen, war er Jen atz y weit überlegen. Trotzdem sind beide an Klasse gleichwertig, Jenatzy hätte, falls er gesiegt hoben würde, 200 000 Mark von Mercedes erhalten und meinte vor dem Rennen: „Entweder siegen oder sterben!" Nun, er hat nicht gesiegt und ist nicht gestorben. Thery fuhr am Samstag abend mit zwei Begleitern in einem Abteil erster Klasse nach Paris. All einer Sammlung für ein der siegreichen Autofirma zu widmendes ^unstobjekt beteiligen sich alle hervorragenden französischen Autohäuser. Der Protest Rougiers gegen Jenatzy wurde zurückgewiesen. In deutschen Kreisen mißt man dem (hfolge Brasiers, als einer kleinen Firma, keine besondere Wirkung zu. Die Kosten, die der Deutsche Automobilklub gehabt, werden auf 300 000 Mark geschätzt. Demgegenüber stnd die Einnahmen klein gewesen. Des Kaisers Roß. In einer der Pausen, die das Gordon Bennett-Rennen den Zuschauern zur Betratchung der höchst interessanten Gesellschaft und Umgebung ließ, sah ich, so schreibt ein Mannheimer der „N. Bad. Landesztg.", zufällig das Pferd, auf dem der Kaiser zur Saalburg geritten war. Ein schönes, starkes Tier, das mir wegen einer besonderen Zier, die es auszeichuete, auffiel: Das Pferd trug nämlich auf Stirn und Brust eine Nachbildung des Schwarzen Adlerordens So erklärte mir das Schmuckstück der Lakai, der das Tier führte. Das kaiserliche Pferd trage immer dies Zierstück, auf dem übrigens auch die Devise des Schwarzen Adlerordens, des höchsten preußischen Ordens, zu lesen stand: Suum cuique (Jedem das Seine). Unfälle. Hotelbesitzer M ü h l i n g aus Berlin, Besitzer des Hotel de Rome, welcher am Donnerstag nachmittag mit dem Automobil des Berliner Hotelbesitzers Uhl bei Dornholzhausen verunglückte, ist heute an den Verletzungen (Bruch der Wirbelsäule) im hiesigen Krankenhause gestorben. Uhl, der bei dem Unfall einen Armbruch erlitt, befindet sich auf dem Wege der Besserung und liegt in einem Wiesbadener Hotel. Der Chauffeur und eine dritte Person kamen mit dem Schrecken davon. Der mit dein Boron Leitenbeiger verunglückte Chauffeur ist int Hospital zu Usingen ebenfalls gestorben. Me ferner berichtet wird, befindet sich dieBaroninLeiten- b er ger ans Wien auf dem Wege der Besserung. Der verstorbene Boron Friedrich Leitenderger hatte sich neben einer schweren Gehi. nerfchütternng und einer Verletzung des linken Kniegelenks auch eine schwere innere Blutung zugezogen, die von den Nieren oder der Blase ansging. Noch in der Nacht schr.tt Professor Rehn, der rasch herbeigemsen lvorden war, zur Operation, von ‘bet jebodj die Aerzte selbst nur tvemg erhofften. Tatsächlich starb Baron Leitenberger während der Operation. Der Rennwagen Nr. .6 (Hautrast- Belgien) hat am Samstag abend bei Usingen einen Telegraphenarbeiter überfahren. Der Staatsanwalt hat die Festnahme des Führers und die Beschlagnahme des Automobils angeordnet. Taschendiebe. Auf der Saalburg wurde einem Generalleutnant die goldene, mit Brillanten besetzte Uhr gestohlen. Die Frankfurter Kriminalpolizei verhaftete dort auf einmal eine Pariser Taschendiebsgesellschaft von vier Personen, zwei Ntänner und zwei Frauen. Are Schlußversammlung des internationalen Arauenkongresses. Berlin, 19. Juni. Bei ungeheurem Andrange wurde heute nachmittag die Schlußverfammlung des internationalen Frauenkongresses abgehalten. Frau Marie Stritt führte den Vorsitz. Charlotte Perkins Gilm an (Vereinigte Staaten) sprach über eine neue Theorie der Frauenfrage. Ihre Rede erregte stürmischen Beifall. Frl. Helene Lange sprach zum Thema: Das Endziel der Frauenbewegui'.g. Sie begann in ihren Ausführungen über die Stellung der Frau im BUttelalter bis zum 19. Jahrhundert, um dann auf das Endziel der Bc- megimg emzugehen. Die soziale Reform muffe nut der Natur des Menschen rechnen und nicht nur mit dem Recht. Die Zeit fei nicht mehr fern, da auch der Tag der Frau sichtbar sei. Die Frau könne sich nur durch eigene Kraft heben, und durch Gesetze vieles verbessern, aber sie müsse an denselben selbst Mitarbeiten. Erst wenn die Frau die Verkörperung ihres eigenen Geschlechts geworden, dann sei die Zeit gekommen, wo es kein führendes Geschlecht mehr gebe. Lady Aberdeen dankte für den Empfang, gedachte des Empfanges bei der Kaiserin, beim Grafen Bülow usw. Sie gedachte auch der arbeitsreichen Tage des Kongresses und schloß mit einem Dank an das Berliner Lokalkomitee. Hierauf bat Stadtrat Münsterberg um das Wort. Er betonte, daß er nicht ofsiziell als Vertreter der Stadt spreche, sondern als Freund der Frauenbewegung. Er schilderte die Wirkung des Frauenkongresses auf die Männer. Ihm sei das Herz voll von dem, was er während dieser Tagung gehört und gesehen. Dieser Fleiß, diese Ausdauer, das Organisationstalent und die Referate seien staimenswert gewesen. Letztere seien streng sachlich und vollkommen phrasenlos vorgebracht worden. Durch alle Referate sei ein Ton tiefer Bewegung gegangen; das Recht der Frau, ihre Kräfte auszuleben, habe dieser Kongreß gezeigt. Die beiden Geschlechter seien nicht gleichartig, aber gleichwertig. Die Frau solle nicht die Dienerin, sondern die Gefährtin des Mannes sein. Die Hochachtung vor den Frauen sei die höchste Sittlichkeit. Der Redner begrüßte hierauf die Frauen. als die Mitarbeiterinnen gegen alles Schlechte und Gemeine. Auch diesem Redner wurde durch anhaltendes Beifallklatschen gedankt. Frau Marie Stritt erklärt, sie könne nicht umhin, auch ihrerseits herzliche Dankesworte für den so großartig verlaufenen Kongreß auszusprechen. In erster Linie gelte ihr Dank der Kaiserin für den schönen Empfang, der für die Frauenbewegung von höchster symptomatischer Bedeutung sei. Sie dankte auch dem Reichskanzler Grafen Bülow und dessen Gemahlin sowie sämtlichen anderen Persönlichkeiten, die Empfänge veranstaltet hatten. Sie dankte auch der Presse für ihre Mitwirkung, Geduld und Nachsicht. Möchte der Samen, so schloß die Rednerin, der hier gesät, aufgehen und tausendfältige Fruchte tragen. Wir stehen noch im Kampfe, der nicht für die gegenwärtige Generation gekämpft werde, sondern für die nachkommenden Geschlechter. Frei sein ist nichts, frei werden ist der Himmel Berlin, 19. Juni. Der Internationale Frauenkongreß hat gestern abend in einem Empfang im Berliner Rathause seinen Abschluß gefunden. Aus Stadt und Land. Gießen, den 20. Juni 1904. ** In der Eberstädter Kindesmord-Angelegenheit, wegen der der Abg. Köhler-Langsdorf die Negierung interpelliert hat, ist es mit der behaupteten Unbescholtenheit der angeblich unschuldig verhafteten Minna Gör lach nicht weit her, denn sie hat bereits nach Ermittelungen an Ort und Stelle unter der Wucht des Beweismaterials eingestanden, daß sie geboren hat und daß die auf dem Eberstädter Friedhof gefundene Leiche diejenige ihres Kindes ist. *• Th eaterfa h rten. „Unsere Eisenbahnfahrten verschlingen zu viel Geld!" schreibt der „Theater-Kourier". In Oesterreich gewährt man den Schauspielern auf der Eisenbahn ermäßigte Preise! Die preußisch-hessische Eisenbahn- Verwaltung hat sich noch nicht bereit finden lassen, den Schauspielern auf der Bahn eine Erleichterung zu gewähren. Unserer Direktion Steingoetter, die im Winter allwöchentlich mehrmals mit Sack und Pack zwischen Gießen und Marburg, allsommerlich zwischen Nauheim und Marburg (nach neuesten Entschlüssen leider unter Ausschluß von Gießen) verkehrt, käme eine solche Preisermäßigung besonders zu Gute. Vielleicht klopft Herr St. zunächst einmal als Großh. Kurtheaterdirektor ganz bescheiden in Darmstadt an und sichert sich da eine einflußreiche Unterstützung. Dann aber wäre die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger dazu berufen, sich mit dem preuß. Eisenbahnminister in Verbindung zu setzen und dafür zu sorgen, daß der Verdienst des Schauspielers nicht an den Rädern kleben bleibt. Direktoren wie unser eteingoettec opfern dem Eisenbahn-Verkehr jährlich gewiß mehr als 5 Prozent ihres Einkommens! Marburg, 19. Juni. An den Reichsoerband gegen die Sozialdemokratie hat nach der konservativen „Obcrhess. Ztg." ein Akademiker folgenden Brief geschrieben: «/Ich muß die unerhörte Zumutung eines Beitritts zu dieser schmählichen und Deutschland zur Schmach gereichenden Gründung als für einen akademisch Gebildeten beleidigend z u r ü cf m e i j e n. Die Sozialdemokratie steht geistig wie sittlich unendlich hoch über dem Gedänken- Niveau dieses „Reichsverbandes". Ich bitte . . . >mch nicht weiter mit Zusendungen zu beliebigen." Gronberg, 18. Ium. Hier fand heute mittag unter entsprechenden Feierlichkeiten in Gegenwart des Kaiser- paares, des Prinzen und der Prinzessin Heinrich, des Groß Herzogs von Hessen, des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und der Erbprinzessin Charlotte von Meiningen die Enthüllung einer Votivtafel der Kaiserin Friedrich statt. Das Kaiserpaar war im Viererzuge von Homburg gekommen, die übrigen Herrschaften von Friedrichshof. Die Weiherede hielt der frühere Landrat Dr. v. Meister, wobei er den edlen, wohltätigen Sinn der Kaiserin Viktoria besonders hervorhob. Die Tafel, die außen an der Kirche angebracht ist, stellt in Marmor die Grablegung Christi dar. Oben ist das bronzene Bild der Kaiserin dargestellt. Das Werk rührt her vom Bildhauer Professor Hildebrand in Florenz und ist eine Stiftung hiesiger Bürger. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Geh. Baurat Siewert, Mitglied der Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M., erhielt das Ritterkreuz 1. Klasse des hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — In Frankfurt a. M. geriet am Abend des 18. d. M. auf dem Güterbahnhof ein 20 Jahre alter Rangierer aus Dortelweil zwischen die Puffer eines Nangierzuges und war sofort tot. * Berlin,19. Juni. Einen Mordversuch verübte gestern in spater Abendstunde der Hausdiener Wilhelm -Lchmoll. Er gab auf zwei Kaufleute mehrere Schüsse ab, die den einen, Brieger, am Kops verletzten. Ter Tater ist sesi- genommen. Anscheinend liegt ein Racheakt vor. * Essen (Ruhr-, 19. Juni. Auf dem Schacht Katharina" wurden drei Bergleute verschüttet. Sie waren sofort tot. * Unwetter. Wie ans Schierke im Harz berichtet ivirb, vernichtete ein entsetzlicher Orkan gegen 400 Morgen Hochwald in bei Richtung Oberschierle-Broclen. Menschenleben sind anscheinend nicht zu Schaden gekommen. — Auf dem enne - Lager in Westf. wurde während eines Gewitters ein Fesselballon des Luftschifserbataillons in einer Höhe von 450 Metern vom Blitz getroffen, explodierte und verbrannte. Zwei Unteroffiziere und ein Mann, die den Ballon bedient hatten, wurden schwer verletzt. Belgische Blatter berichten über große Verheerungen, welche das Gewitter vom vorigen Freitag angerichtet hat In verschiedenen Gegenden ist die Ernte vollständig vernichtet. Es jiclen iageltörner im Gewichte von 100 bis 200 Gramm. Das Gewitter dauerte v.er Stunden. An verschiedenen Orten wurden Personen durch Blitzschlag getötet und viele Häuser eingeäschert. * lieber die Dampfer-Katastrophe in Newyork wird noch gemeldet: Die Untersuchung hat ergeben, daß der Dampfer sich in vollständig unbrauchbarem Zustande befand. Die meisten Rettungsgürtel waren seit 30 Jahren nicht mehr gefüllt worden. Die vorhandene Feuerspritze war nach Aussage der Bemannung niemals geprüft worden. Die Pumpen waren so schlecht, daß, als sie in Gebrauch gesetzt werden sollte, platzten. Die Rettungsboote konnten nicht heruntergelassen werden, da sie mit Eisendrähten befestigt waren. Der Kapitän des Dampfers ist noch immer verhaftet. — Die Begräbnisse am 18. d. M. waren überwältigend durch ihre feierliche Stille, fast kein Laut war hörbar trotz der Riesenmenge. Alle Fenster waren verhängt, nur manchmal verriet ein Lichtschein das Trauerhaus. Wenn ein Schrei anzeigt, daß wieder eine Leiche erkannt ist, geht ein Zittern durch die Massen. Viele Trauernde sind wie geläljmt und können die Leichen nicht erkennen. Ein Vater warf sein ganzes Vermögen, Geld und Wertpapiere in den Saig seiner Kinder. Er rief schluchzend, nun brauche er nichts mehr; ein anderer beging Selbstmord. Aehnliche Fälle sind häuftg, doch im allgemeinen herrscht eine dumpfe Resignation. Die Bergung der Opfer geht langsam von Hatten. Die Radkästen sind noch voll Leichen. Das Hilfskomitee erhielt innerhalb einer Stmide 10 000 Dollar. .Das Feuer brach an der 86. Straße aus. Unbekannt ist, warum der Kapitän drei Meilen weiter fuhr, vorbei an acht guten Landungsstellen. Er hat Lösch versuche anscheinend gar nicht gemacht, wenigstens zeigt das „Wrack", daß das Wasser nickst angedreht ist. Trotz des Unglückes passierten überfüllte Dampfer mit Ausslüglcrn die Unfallstelle mit Musik. Selbst vorsichtige Blätter schätzen den Gesamtverlust an Menschen auf 911. Die Zeugenaussagen ergeben, daß das Schiffs- personal sich beim Ausbruch des Feuers schle unig ft in Sicherheit brachte. Ein Maat beschuldigt besonders den ersten Maschinisten Conkling, Frauen und Kinder beiseite geworfen zu haben, weil er auf ein Schleppboot springen wollte. Tie Beamten sagen aus, eine Frau habe während der Katastrophe einem Kinde das Leben geschentt; sie schlug es in ein Tuch und sprang dann mit dem Kinde ins Wasser. Die deutschen Vereine arrangieren eine große Trauerdemonstration. — Kaiser Wilhelm hat, wie erst jetzt, vom 18. d. SDL aus Newyork datiert, ofsizws bekannt gegeben wird, an den deutschen Botscyaftcr Speck v. Sternburg ein Telegramm gerichtet, in welchem er seiner tiefen Ergriffen heit über das schreckliche Unglück Aufdruck gibt, welches die lutherische Gemeinde betroffen hat, und den Botschafter beauftragt, der Gemeinde seine innigste IciP nähme auszusprechen. Ter Botschafter hat dem Pastor pcüs diese kaiserliche Kundgebung zugleich mit dem Ausdrucke seines eigenen Beileids übermittelt. ZpielplM der oerrmigteu Frankfurter tztadttheater. Opernhaus. Dienstag den 21. Juni*): „Boccaccio." Mittwoch den 22. Juni: „Martha" oder „Der Markt zu Richmond." Donnerstag den 23. Ium: „Ter Barbier von Sevilla." Freitag den 24. Juni, abends halb 7 Uhr: „Zar und Zimmermann." Samstag den 25. Juni: „Tie Afrikanerin." Sonntag den 26. Ium: „Boccaccio." Montag den 27. Juni, abeiids halb 8 Uhr: „Tas Glöckchen des Ereiniten." Dienstag den 28. Juni: „Tannhäuser" und „Der Sängerkrieg auf Wartburg." Schauspielhaus. Dienstag den 21. Juni*): „Der blinde Passagier." Mittwoch den 22. Juni: „Krieg im Frieden." Donnerstag den 23. Juni: Zyklus klassischer Dramen: „Nathan der Weise." Freitag den 24. Juni: Zyklus klass. Dramen: „Julius Cäsar." Samstag den 25. Juni: „Champerays Leiden." Sonntag den 26. Juni: Zyklus klass. Dramen. „Wilhelm TeU." Montag den 27. Ium: Zyklus klassischer Dramen: „Minna von Barnhelmri *) Anfang, ivenn nicht anders bemerft, abends nm 7 Uhr. _ Arbeiterbewegung. Nizza, 18. Juni. Die Angestellten der Straßenbahn sind heute wegen der Entlassung von vier Kameraden in den Ausstand getreten. Aus der Place Massena sanden Schlägereien mit der Polizei statt. Bier Berhastungeu ivurden vorgenommen, die Ordnung ist wieder hergestellt. T r i e ft, 19. Juni. Nachdem die Verhandlungen der Genohen» schäft der Bau- und Maurermeister nut den Arbeitern erfolglos geblieben waren, beschlossen die Arbeiter gestern Abend in einer sehr zahlreich besuchten Versammlung den allgemeinen Maurer' st r e i k. __ handeln Hausfrauen, die sieh anstatt der allein echten sKaffee-Essenz Pfeiffer & DHler \ yy Nachahmungen in die Hand tä drücken lassen. Es gib! keinen Kahlkopf fall und Schuppenbildung Obermeyers Herba Seite verwenden die alle diese liebel beseitigt und sicher einen Nachwuchs erzeug. St. 50 Pf. u. 1 All. z. h. l. all. Apoth., Drvg. u. Parsnu ülto Der Krieg z Ucktt ßanfl* ufli* 1 7. „hi, dm ML« hatten 98 lSesch ftpanische x bemächtigten M Tschöngtschmttm un von Tayuugtkau. naner rückte längs unter dem ruffff Md Artillerie wur dre vereinigte Str vertrieb und tro Aussen fia auch damit der Steg e slipanische Mgel st mal die Infanterie machten wieder, griffe,, aber in ging die japar Stellung und ( an. Die Russen leyttten hartnäi beiden Seiten ( den Rückzug ant Datierte sie zu i ttgteit des Terrain japanischen Flügel ( fanteiie, welch zufangen. Die 900 Mann, dari Die Verluste saugou belaufen sic Tote. Der Ges Gefangenen M Eine Depesche nale der mit bett. die schon bei Ufafait verrieten, Sta worden sei. Das Die Kämpfe bei gegenüber der kuhi Wladiwostok-Geschw« mura hat sich zwm des Admirals Skryt finden können und habhaft zu werden lemrtn Operation- ru, fischen Schi das tussische Gesch entronnen sein. Bi letcht ein Teil bei der Höhe von Mo wlmura hinlänglick wohl starker Rebel auch noch nicht sich m Wladiwostok ein. Keift . Zu einer qeiss ’S , d« eöangcl die Skat fift berQTHrf)äItni§ SS* Wi! 'prechenben, SSt?» schien llua © hoffend „Portuw !Onb^ in^ f 9e( ni Mnott be? Ai Tie dey ^hende K, der Wen pe auf «."Ko teilweift ! ^Pella-Aicher Sri*« ?■■■ s 'S eine jn Ma Sri* ■*_** Litz ^n5L,J'iie f r •.. .-runter .1*1 WS''»? < * Mi ^hmi, (ionÄ.tine ÖW