Nr. 273 9r|«le» u. Zweigstellen monatlich 65 Vs.: durch dieBosl M.2.- '•teilet* fährt au«scht Bestellg. Annahme von Anzeigen für d»e Tage-nummer bi- oormittagd 10 Uhr^ ßeilenprei«: lokal 12Pf» außipärtfl 20 Psg. Verantwortlich fflt den polit und allgem. teil V. Wtttko: für ,€tabt und $?anb* und ,©end)l6faal*: August Goetz, für den An- ^etqentetb. Hans Beck« Nis k-cutrge Muromer umfaßt 18 Sritsn. Valilllcke Taaes,schau. Der Kaiser gegen die Soldatenmißhandlungen. Ucbcr die Rede, die der Kaiser den Potsdamer Rekruten nach ihrer Vereidigung gehalten hat, haben wir berichtet. Sie schloß mit der Aufforderung an die jungen Soldaten, den Rock des Königs vor Besudelungen zu schützen. Rach Beendigung der Vereidigungsfeier ries, wie jetzt eine Berliner Korrespondenz berichtet, der Kaiser die Regimentskommandeure zusammen, um ihnen seine Wünsche betreffs der Ausbildung der Rekruten zum Ausdruck zu bringen. Der Kaiser betonte ganz besonders, daß das Hauptaugenmerk auf die Behandlung der jungen Mannschaft zu richten sei. Jeder Uebergrisf sei unnachsichtlich zur Meldung zu bringen, damit dem Schuldigen die verdiente Strafe zuteil werde. „Ich würde", so etwa sagte der Kaiser, „mich freuen, wenn die alten Klagen über Mißhandlungen u. s. w. endlich verstummten, denn nur der gut behandelte Rekrut und Soldat könne seine Pflicht treu und freudig erfüllen." Es ist hock) erfreulich, daß nun auch der oberste Kriegsherr mit aller Schärfe gegen die Soldatenmißhandliingen sich ausgesprochen hat. Erst die letzten, von uns aus Mainz berichteten Vorkommnisse schreien ja förmlich gen Himmel. Aber wird es nun wirklich anders werden? Wir fürchten, dieses Nebel kann nur beseitigt werden durch eine völlige Systemänderung. Die Ueberwachung unreifer, viel zu früh zum selbständigen Kommandieren berufener Jünglinge durch reifere Persönlichkeiten ist ebenso von nöten, wie die bessere militärische Erziehung zu vornehmerer Tonart und Gesinnung, zur Achtung auch aller derer, zu deren Heranbildung sie mit berufen sind. Ier Krieg. Port Arthur Tokio, 18. Nov. Ein Telegramm des General Nvji meldet die Z e r st ö r u n g einesweiterenrussiscbenArsenals und eines Magazins in Port Arthur. Die Japaner entdeckten die Lage des Arsenals, konzentrierten ihr steuer daraus und erreichten die Zerstörung des Arsenals, indem sie 200 Granaten dahinschossen. Tie Japaner erweitern die Sappen und benutzen sie zum Heranbringen von Geschützen. Tie Russen fahren fort, herzhafte Ausfälle gegen die Sappen zu machen, wobei sie Handgranaten anwenden. Tokio, 18. Nov. Im Kriegsministerium herrscht seit etwa vier Woeben eine aufs äußerste gesteigerte Tätigkeit. Man scheint alles aufzubieten, um den gewaltigen russischen Verstärkungen, die man nun unterwegs weiß, ein Paroli zu bieten. N o g i s Armee vor Port Arthur ist nun auch wieder durch erneute Reservetruypen auf ihre alte Höhe von 70 000 Mann gebracht. Eine große numerische, aber qualitativ gering anzuschlagende Verstärkung erwächst d-cm japanischen Heere durch die Heran- schaffuug und gute Ausrüstung zahlreicher Chungusenbanden, die alle dem Kommando japanischer Offiziere, die bislang in der Jnaktivit^'t waren, unterstellt wurden. London, 18 Nov. Nach amtlichen Meldungen aus Tokio findet der angebliche Bericht des amerikanischen Konsuls in Tschffu fr hi'' Bestätigung, daß die äußeren Forts von Port Arthur in die Hände der Japaner gefallen seien und Stössel sich anschickt, alle Forts, Magazine, Docks und den Hafen zu zerstören und sich auf Liautuschan zurlickzuziehen. . _ London, 18. Nov. Tie Blätter veröffentlichen eine Petersburger Meldung, wonach unter dem Vorsitz des Zaren ein außerordentlicher Staatsrat beschlossen habe, Stössel zu ermächtigen, sich mit 5000 Mann nach der Liaott- s ch an-H a lb in sel zurückzuziehen, vorher aber alle Forts, Docks, Magazine und Kri^^^schiffe zu zerstören. Vom Kriegsschauplatz. Petersburg, 18 Nov. Wie General Ssacharow dem Generalstab vom 18 November meldet, machten die Japaner m der Nacht zum 18. Nov. einen Angriff auf einen Punkt vor dem Putilowhügel, wurden aber z u r ä ck g e s ch l a g e n. Die Nordseeaffäre. H u l l, 18. Nov. Tie vour Handelsamt veranstaltete Unter- I u ch u n g über die Nordseeaffäre wurde heute a hg e s ch l o s s e n, soweit sie den Tatbestand des Vorfalles betrifft. Tie Kommission zollte denk heldenmütigen Verhalten der Besatzungen der Fisch- dampf-r „Gull" und „Erane" besondere Anerkennung. Ter V'r- treter Rußlands schloß sich dieser Anerkennung an und sprach namens Rußlands sein tiefes Bedauern über den Vorfall aus Tie Kommission beschloß, über die Frage der Entschädigungen in London zu beschließen, nahm aber schon Fest^ellung'.ur über die finanzielle Lage der verletzten Fischer und der Hinterbliebenen der Getötet'n vor." Der Führer des Dampfers „Lino" verlangte 150 Pfund für Bergung des Dampfers „Nio" der Führer des „Gull" 50 Pfund persönlichen Schadenersatz und 2000 Pfund für Rettung der Besatzung des „Erane". Andere als Zeugen vernommene Fischer verlangten emffchädigungen von 50 bis 100 Pfund. Im weiteren Verlaufe der Sitzung beantragte der Vertreter der Scbiffseigentümer, daß diejenigen Fischer, welche bei dem Vorfälle keine,äußeren Verletzungen, aber Nervenerschütterung erlitten haben, je 50 Pfund Entschädigung erhalten sollen Der Oberingenieur, des „Erane" verlangte 1500 Pfund, zwei andere Ingenieure je 1000 Pfund. Paris, 18 Nov. Ter Text der K o n v e n t i o n zwischen England und Rußland ist nunmehr sestgestellt. Tie Fragen der Verantvwrtlichkeit der russischen Offiziere wurden derart g'löst, daß Rußland, ohne zum Voraus eine Verpflichtung zu übernehmen, es als selbstverständlichen Regierungsakt betrachtet, die Konseguenzen a"s bem Schiedsspruch der Kommission zu ziehen, falls sieb vr Evidenz irgend ein Verschulden russischer Offiziere ergibt Knn Wort in den neun Vertragsartikeln verletzt das russische Empfinden. London, 19 Nov. Wie die „Preß Association" erfährt, besteht kein 2t n l a ß zur Besorgnis wegen der englisch - r u s s i s ch e n Verhandlungen. Die Abänderungen im Ausdruck, wegen deren verhandelt wird, bedingen in keiner Weise einen Streit und betreffen fast durchweg seine Nuancen in der Uebersetzung des englischen Entwurfes des Abkommens in das französische. Auf britischer Seite wird in keiner Weise gegen Rußland oder seine Vertreter der Vorwurf der mala fides erhoben und man glaubt auch nicht, daß die Aussicht auf friedfertige Regelung durch die Verzögerung des Abkommens gefährdet sei. Bei der Einführung der neuen Form des internationalen Verfahrens, das sich als Präzendenzsall als äußerst bedeutsam erweisen kann, ist man sich dessen bewußt, daß unangemessene Hast nicht wünschenswert ist. In dein Rahmen der geplanten Untersuchung liegt es nicht, auch nur darauf hinzudeuten, daß einer eine Schuld trägt; es soll vielmehr bei der Untersuchung der Tatsachen nur die individuelle Verantwortlichkeit für den Vorfall sestge^"llt werden. Die japanische Anleihe. N e w Y o r k, 18. Nov. Tie japanische Anleihe wurde bedeutend überzeichnet. Um wieviel dieselbe überzeichnet rst, lehnen die MitaEeder des Banks"ndjk"ts ab, zu sagen. Ein französischer Prinz bei Mnkden verwundet. Unter den verwundeten Offizieren, die im russischen Lazarett zu Mulden Genesung suchen, befindet sich auch der Prinz Napoleon Murat, der Urenkel des Königs Joachim von Neapel und der Königin Karoline, der Schwester Napoleons I. Ein Sohn des Prinzen Achill Murat, der mit der Prinzessin Salome Dadian verheiratet war und sich nach dem Zusammenbruche des zweiten Kaiserreiches in deren Heimat Mingrelien niederließ, diente er bei Ausbruch des ostasiatischen Krieges als Leutnant int, französischen 9. Kürassierregiment, erhielt aber die Erlaubnis, im Heere des russischen Ällierten am Feldzüge teilzunehmen, und kam bald vor den Feind. Toilettenopfer auf dem Altäre des Vaterlandes. Aus St. Petersburg berichtet man: Um das Elend des ostasiatischen Krieges zu lindern, rüstet die Petersburger Gesellschaft sich zu einem großen Wohltätigkeitsbazar. Er findet im Hause der Adelsgesellschaft statt und dort werden, von 1 Uhr mittags bis 11 Uhr abends die elegantesten, hübschesten Frauen und Mädchen, der Aristokratie die Honneurs an den Ver- kausstischen erweisen. Tie Tamen des Komitees, an ihrer.Spitze die Großfürstin Marie Paulowna, Gemahlin des Großfürsten Wladimir, entwickeln eine rührige Tätigkeit, um ein möglichst anziehendes Programm zu Wege zu bringen. Tenn wenn der Nachmittag den Verwundeten und Kranken im Felde gewidmet sein muß, so soll der Abend einen fröhlichen Abschluß. Konzert, Theater oder Ball bringen, zur Belohnung der erschöpfenden Arbeit, die man im Wesentlichen wohl als eine Umsetzung des Flirts und der Eoquetterie in bares, nützliches Geld wird bezeichnen dürfen. Aber zu einem heldenmütigen Opfer haben die zu Verkäuferinnen bestimmten Tamen sich entschlossen: sie haben sich freiwillig gegenseitig das Wort gegeben, daß keine einzige von ihnen sich zu diesem Kriegs- und Tanzbazar eine neue Toilette anfertigen lassen werde Sie werden vielmehr alle,in schlichten, weißen Kleidern erscheinen und jede von ihnen eine oem Werte einer neuen Toilette entsvreckiende Summe dem Ge- famterträgnisse beisteuern Ob die (Mdjifßte nicht dafür ihre Namen einst neben denen jener deutschen Mädchen und Frauen nennen müßte, die, als ihre Brüder und Gatten ins Feld gezogen waren, ihren Haarschmuck und ihre Eheringe dem Baterlande darbrachten? Für den, der da weiß, was es für eine Petersburgerin dieser Kreise bedeutet, auf die O^legenheit zu einer allgemeinen Toilettenschau zu verzichten, für den ist die Frage garnjcht einmal so lejck't zu beantworten. Deutsches Reich. Berlin, 18. Nov. Ter Kaiser empfing gestern abend den Großfürsten Wladimir von Rußland. Heute unternahm der Monarch einen Spaziergang durch den Tiergarten zur Kgl. Technischen Hochschule in Eharlotten- burg und wohnte der Vormittagssitzung der Schiffbau- technischen Gesellschaft bei. Zur Frühstückswsel beim Kaiserpanr waren geladen der Reichskanzler Graf von Bülow, die Prinzen Gustav Adolf und Wilhelm von Schweden utib Flügeladjutant und Militärattachee in Petersburg Graf Lamsdorff. Heute begab sich das Kaiserpaar zur Teilnahme an der Mnrinerekruteuvereidig- ung und dem Stapellaufe des Linienschisfel Die Abreise des Kaisers von Kiel zum Jagdbesuche nach Groß- Strehlitz in Oberschlesien erfolgt in der Nacht vom 21. zum 22. d. M. — Die „Nationalztg." Aktiengesellschaft beruft auf den 7. Dezember eine Generalversammlung wegen Liquidation ein. Den Redakteuren soll gekündigt sein. Tie Zeitung ist angeblich verkauft. — Die „Neue Pol. Korr." meldet: Der Abschluß von Lotterieverträgen mit verschiedenen Lotteriestaaten ist unmittelbar bevorstehend, nachdem die Verhandlungen zum Abschluß gebracht sind. — Der Magistrat beschloß, der freireligiösen Gemeinde die Benutzung der von ihr früher bereits benutzten Aula der 68. Gemeiudeschnle wieder zu g e st a t t e n. Es sollen nur Erwachsene teil- nehmen dürfen. Die Abteilung der Jugendlichen kann nach wie vor im Bürgersaale des Rathauses verbleiben. — Eine Reihe norddeutscher Städte, wie Hamburg, Flensburg, Husum, Altona haben den Gtlttemplerlog en, die sich die Bekämpfung, des Alkoholmißbrauchs angelegen sein lassen, es ermöglicht, eine Heimstätte zu finden. Soeben sind in Altona der dortigen Guttempler- Vaugeuossenschaft 8000 Mk. vom Mltonaischen Unterstüh- ungsinstitut überwiesen worden. Die Stadt Altona hat u. a auch der Verwaltung eines dortigen Oluttemplerlogeuhauses die auf dem Grundstücke ruhenden Steuern erlassen. In einem Schreiben des Magistrats von Husum wird betont, daß solche Zuwendungen „mit Rücksicht auf den segensreichen und für die Stadt nützlichen Einfluß" gemacht worden sind. Kiel, 18. Nov. Prinz Heinrich von Preußen ist heute vormittag von Darmstadt kommend hier wieder ein* getroffen.__________ Keer und Flotte. — Personalveränderungen im Beurlaubtenstande: Befördert zu Lts. der Res. die Vizefeldw. dezw. Vize» ivachtmeister: Eck (I Berlin) des Jnf.-Leib-NegtS. Großherzogin (3’ Großh. Hess.) Nr. 117. Kraft (Neiße) des Ins.- Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Kuleni kampf, Wilhelm, (I Bremen) des 2. Großh. Heff. Drag.s Regts. Nr. 24, Falk (Mainz) des Jnf.-Leib-Negts. Groß^ Herzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Schmidt (II Darm« stadt) des 5. Großh. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 168. Der Ab« schied bewilligt: Namspeck (I Darmstadt), Lt. der Landw.« Inf. 2. Aufgebots, Delp (I Darmstadt), Ehelius (Friedberg), Lts. b. Landw.-Feldart. 2. Aufgebots. Skandal in bat österreichisch-ungarischen Parlamente«. Ueber die Tmtnerstags^Borgänge im östreichischeH -Reichsrat haben wir gestern berichtet. Gestern hat dev Lärm seinen Fortgang genommen. Der aus der leidigenj Offenbacher Affäre auch bei uns in 5)essen bekannte österreichische sozialdemokratische Agitator Pern erstorfev nannte den Ministerpräsidenten von Körber, eilten; Flausenmacher, den Typus des östreichischenl frivolen Staa tsbeamten. Er warf der österreichischen Aristokratie Unfähigkeit vor. Schuld an allem Unglück in Oesterreich sei aber die habsburgische Dynastie, bid Oesterreich stets als Ausbeutungsobjekt ansah. Sechshundert; Jahre herrsche diese unglückliche Familie. An Zahl wachse! die habsburgische Familie unerhörter Weise an, und wir müssen Leute erhalten, die uns nichts bedeuten. Die Weibep sind bigott und die Männer klerikale Parteigänger, gewöhnlich ungebildet und unwissend. Von dem bemakelten Privatleben dieser Hofleute wolle der Redner nicht sprechen. Dev Fisch stinke, aber vom Kopf. Ter Präsident ruft den Redner wegen der S8eteib-ig> un g desHoses wiederholt zur Or dnun g. Ter neugewählte Obmann des Polenklubs Dzie^ duszycki wendet sich gegen die dynastiefeindlichen Wortei Pernerstorfers, die die Gefühle der Mehrheit des Hauses verletzen. Ter Redner verurteilt die Obstruktion und bittet das Haus, die Arbeit des Parlaments zu ermöglichen. Ter Italiener Maz-zorana erklärt, die Hauptschuld, an den Innsbrucker Vorgängen treffe die deuffch-rabikalen Agitatoren. (Tie Mdenffchen machen großen Lärm.) Ter Rebner forbert namens der Italiener die Schließung der Innsbrucker italienischen Fakultät und Verlegun-g nach Triest. Ter alldeutsche Afg. Tschan behauptete natürlich das Gegenteil, und es war bann bie schönste Zänkerei wieber ba. In Budapest gings an demselben Tage im Parla> ment nicht anders zu als in Wien. Dort kam es aus Anlaß des Regierungsantrags auf Verschärfung der Hausordnung zu noch viel ärgeren StandalsAenen^ Tie Opposition beschimpfte den Präsidenten mit den! Rufen: Schurke! Hinaus! Die ganze liberale Partei drängte gegen die Mitte des Saales und erzwang trotz unbeschrerblichen Lärms der Opposition die Abstim7nung.j Sodann wurde eine geschlossene Sitzung verlangt. Nach Wiedereröffnung der geschlossenen Sitzung ergriff Graf Tisza das Wort und hielt eine halbstiindige, das Treiben der Obstruktion vernichtende Rede, die einem minutenlangen Applaus hervorrief. Es war 3/410 Uhr abends, als Tisza seine Rede schloß: Diesem Treibe dieser Komödie, diesen anarchistischen Zuständen muß ein Ende gemacht werden im Interesse des Landes. Unsere, Geduld ist zu Ende. Das Laub will nützliche Arbeit, an! der uns die Obstruktion verhindert. Dem soll ein Ende gemacht werden. Brausende Eljenrufe der, ganzen Rechtem — etwa 250 Abgeordnete — erschollen bei diesen Worten. Tie ganze liberale Partei stand aufrecht und rief in brausendem Chor: Ab stimmen! Präsident Perczel erhob sich in diesem Momente^ Tas ganze Abgeordnetenhaus geriet in eine unbeschreibliche fieberhafte Aufre.gun ig. Tie liberale Partei schrie: Abstimmen!, während die Opposition in den Ruf Verrat! ausbrach. Tie Szenen, die diesen Worten folgten, sind unbeschreiblich. Die ganze Opposition stürzte! aus den Bänken. Plötzlich sah man Bücher, SesseL un b Tintenfässer gegen ben Präsidenten zufliegen, bei totenbleich, aber stramm auf seinem Platz« stand und die Frage an das Haus richtete, ob es den Antrag Daniel aunehme. In diesem Moment stürmten zahlreiche Oppositionelle die Präsidenten- trib .. rtc nnb Viktor Rakosi erfaßte den Präsidentetz Perczel am Arm, um ihn vom Platze zu reißeni Zugleich waren aber auch schon Saalkommissare und ctwal 20 liberale Abgeordnete um den Präsidenten. Sie drängten die Oppositionellen von der Tribüne, worauf Perczel, indem er gleichzeitig den Antrag Daniel als angenommen erNärte, dem Ministerpräsidenten mit seinem Sacktuch plötzlich zuwinkte. Graf TisM zog ein Handschreiben b e 8 Königs aus bei* Tasche, das eine ganze Garde liberaler 'Abgeordneter dem Präsidenten überbrachte, der cs unten tosenden Eljenrufen der Liberalen und Verwünschungen und Flüchen der Opposition zur Verlesung brachte. Das Hanb- schreiben orbnetc die Schließung der Session und die Vertagung des Reichstages auf irubestimmte Zeit an. Ter L ä r m war jetzt geradezu beängstigend. Graf Tisza, von bei* ganzen liberalen Partei umringt, stand vor seinem Sitze. Präsident Perczel steckte ruhig das Handschreiben ein und gab mit energischer Handbeweaung kund, daß er die Sitzung schließe. Perczel und Gras Tiszu wurden, von je 50 Abgeordneten umgeben, aus dem Saale geleitet. Im Saale dauerte der Lärm noch etwa eine halbe Stunde fort. Zahlreiche oppositionelle Abgeordnete leisteten, int Korridor den Eid, Präsident Perczel dürfe den Saal nicht mehr betreten. A ttstanv. Paris, 18. Nov. Die Kammer beschloß mit 328 gegen 217 Stimmen hie Abschaffung d er T h e a t e I z c n j u r. ist Hausens Kasseler Hafer-Kakao Für schwäch! Kinder KcriÄlssaal. Cb.) Mainz, 19. Nov. Tas Oberkriegsgericht be-' ichästigt" sich gestern b'er mit einer interessanten Berufnngssache. T^r 24jährige Fabrikarbeiter und Kanonier Georg (verlach aus-Frankfurt und der 20 jährige Sattler und Gefreite der Reserve Johann Forster in Koblenz, von der 4. Batterie des Feldartilleric-Negts. Nr. 63, hatten sich wegen gefährlicher K ö r p c r v e r l e tz u n n , Bedrohung, Anmaßung von Befehlen und Ungehorsams zu verantworten, ^er Ger- lach wurde vom Kriegsgericht der 21. Tivision zu 2 Jahren und 1 Tag Gefängnis, und der Forster wegen Ungehorsams zu drei Wochen Mittelarrest verurteilt. OZerlach legte seinerseits nnd der Gerichtsh^rr wegen des Forster Berufung ein. Ter Sitzung ging eine Besichtigung in der Löwenhofkaserne voraus. Wie in so vielen Fällen war auch 'hier die Ursache des ganzen Vorfalles in irr unberechtigten Anmaßung der älteren Mannschaften gegen die Rekruten zu suchen, welch letztere unter der Behandlung der „alten Männer" viel zu erdulden haben. Forster hatte bei der Rückkehr der Batterie von Fort Bingen dem 21jährigen Rekruten und Gärtner Friedrich Blangerts aus Krefeld im Tone des Befehls eine Bracke auf die Schulter legen lassen. Blangerts verweigerte das Tragen des Gegenstandes nicht, weil er sich vor den Chikanen und Schlägen fürchtete. Gegen abend wurde dem Dl., der Stubendienst hatte, von dem Unteroffizier befohlen, aus der Handwerkerstube Geschützteile zu^olen. Tort traf Blangerts den Forster beim Stiefelwichsen Sofort rief F.: „Tu kommst mir gerade recht, um meine Stiefel ju wichsen!" Bl. erwiderte: „Jedem andern würde ich "die Stiesel wichsen, nur Ihnen nicht". To sprang Forster auf Bl. los, packte ihn an der Kehle und schlug ihm ins Gesicht. Als Bl. einen Spaten ergriff, um sich zu wehren, zog F. seinen Säbel und versuchte auf Bl. loszuschlagen, wobei er seinen in der Hand haltenden Stiefel traf und zerschnitt. Forster verlangte dann auf der Stube des Blangerts, daß dieser ihm den beschädigten Stiesel machen lasse. Auf mehrmaliges Auffordern M Unteroffiziers die Stube zu verlassen, ging Forster endlich. Nun teilte Forster auf seiner Stube seinem Freunde Gerlach mit, der sofort auf die Stube Nr 12 eilte, den Blangerts dort an der Kehle faßte und jämmerlich zerschlug. Bemerkenswert ist, daß der Gerlach schon früher, als Bl. gerade einige Wochen beim Militär war. zu diesem auf die Stube kam und ihm ohne die geringste Vor- A« hie ßemil isctfiiwritöiic! Da in den nächsten Tagen mit dem Druck des Adreß buches begonnen werden muß, bitten wir dringend nm Rück sendung der Jragekarten, soweit dies nicht bereits ge> schehen ist. Brühl sche Universitäts-Trnlkeret Tldrcßbuch-Verlag. — wie auch für jnnge Mädchen — das bewährteste Kräftigung-*» Mittel, um der Blutarmut, Bleichsucht ud. schlechtem Aussehen entgegen zu wirken, Kaffee u. Tee sind fast wertlose Getränke, während Hansens Kasseler Hafer-Kakao noch nach Stunden im Magen anhiilt und kein nervöses Hungergefühl auikommen lässt. Nur echt in blauen Kartons ä. 1 Mk. niemals lose. hv6/*» Aus unü Land. Gießen, 19. November 1904. ** Zu den Handelskammerwahlcn. Gegen die Wahl des Lotteriekollektenrs Balser zum Mitglied der Großh. Handelskammer ist Protest eingelegt ivovbcn ans dem Grnnde, weil ein Lotteriekollektenr als Beamter anzn- sehen und als solcher zur Handelskannner nicht wählbar sei. Die Entscheidung bleibt abzuwarten. ** Oberhessischer Geschichtsverein. Tie ordentliche Mitgliederversammlung, die am Donnerstag stattgesunden hat, war glänzend besucht und in ihrem Vertan' kann ein gutes Vorzeichen für das neue Vereinsjabr erblick' werden. Ter Vorsitzende gedachte zunächst des Ablebens des früheren Bereinsleiters, Prof. Höhl bäum und seiner großen Verdienste um den Verein. Die Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Der Geschäftsbericht, den der Vorsitzende darauf erstattete, erwies, daß nicht nur die Sammlungen des Museums durch ständigen Zuwachs nach allen Richtungen hin ausgebaut werden können, sondern daß auch die anderen Betätigungen des Vereins im Dienste der Wisfenschast in keiner Weise zurücktretcn, im Gegenteil immer neue Ausgaben in die Vereinsarbeit mit hereinbezogen werden. Tie Finanzen stehen nicht schlecht, wenn auch sreilich die Aufnahmefähigkeit für erheblich größere Einnahmen vorhanden ist. Vielleicht kommen wir demnächst auf den Geschäftsbericht noch einmal zurück. Mit der Tätigkeit des Vorstandes war die Versammlung zufrieden und wählte ihn durch Zuruf wieder, möraur der Vorstand die Herren Universitäts-Bibliothekar Dr. Ebel und Prof. Tr. Haller eooptierte. Besonderer Tank wurde dem Rechner Herrn Regierungsrat Bähr, und dem unermüdlichen Konservator, Herrn Hauptmann a. D. Kramer, für ihre aufopfernde Wirksamkeit ausgesprochen. Die Statutenänderungen, die vorgenommen wurden, hatten den Zweck, dem Rechner die Geschäftsführung etwas zu erleichtern, und andererseits unbillige Härten beim Ein- und Austritt von Mitgliedern zu beseitigen. Statt der Zeitschrift giebt der Verein in diesem Jahre seinen Mitgliedern die Philipps- Festschrift des Darmstädter Festausschusses. Tie Gießener Mitglieder, die eine Einbanddecke durch den Verein zu beziehen wünschen, werden gebeten, so weit sie es nicht schon getan haben, bis zum 27. l. Mts. sich bei dem Schriftführer — Tr. Vogt, Moltkestraße 28 — zu melden. Rach Erledigung des geschäftlichen Teiles hielt Herr Hauptmann Mohr einen außerordentlichen fesselnden Vortrag über: „Gießen ini 30-jährigen und 7-jährigen Krieg." Ueber die Schlacht bei Buscck oder richtiger bei Kirtorf, im Dezember 1621, verbreitete er sich ausführlicher und zeigte, wie der Landstrich Gießen—Frankfurt immer wieder zum Truppendurchmarsch benutzt wurde und welche böse Jahre der Hesscn- krieg um die Marburger Erbschaft von 1645—1648 über die unglücklichen Bewohner dieser Gegend herbeiführte. Nachdem dann der westphälische Friede für einige Menschenalter der Wetterau wenigstens einigermaßen Friede gebracht hatte, begann mit den Unternehmungen Frankreichs gegen Friedrich den Großen im 7-jährigen Krieg wieder eine neue Zeit des Elends. Da der Vortragende sich größtenteils auf Berichte von Zeitgenossen stützte und daher Material verwerten konnte, das noch gar nicht oder kaum benutzt worden ist, boten die Ausführungen fast ebensoviel Neues wie Interessantes. Eine schneidige Debatte, an der sich besonders Tr. Ebel und Pros. Tr. Röschen beteiligten, schloß sich an den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag und bewies, welch begeisternden Eindruck die Schilderung von Krieg und KriegSgeschrei auf die Versammelten ansgeübt hatte. *♦ Aus dem Bureau des Stadttheaters. Morgen, Sonntag geht dein Charakter des Tages entsprechend ein durchaus ernstes Stück, Max Halbes „Strom", in Szene. Das hochinteressante Werk ist nur einmal letzter Woche im Theaterverein hier zur Aufführung gelangt und dürfte darum noch besonderes Interesse erregen, weil em Gast Fräulein Rosa Treuer vom Stadttheater in Ausburq ans Engagement die Rolle der Renate spielen wird. — Blumenthals vielbesprochener, in Berlin verbotener „Toter Löwe" gelangt am DermifdHe»* Ludwigshafen, 18. Nov. Rechtsanwalt Rosen», seid-Mannheim hatte bei den Verhandlungen betr. Verstaatlichung der Pfalzbahnen als Rechtsbeistand mit- gewirkt und 15000 Mark Gebühren berechnet. Die Verwaltung der Pfalzbahnen hatte diese Forderung als zu hoch zurückgewiesen. Die Anwaltskammer hat dieselben nun- inehr als zu Recht bestehend anerkannt. Kleine Tages chronik. Ter „Köln Ztg." wird aus Chicago gemeldet: In den Anlagen der Veeples Gas Light and Cokecomvany explodierten 5 Gasbehälter Em ^abrck- gebände stürcke dadurch ein und begrub eine Anzahl Leute. EM Arbeiter versichert, daß mindestens 40 Ma n n u m g e k om men finb — In der Olper ergruppe (Tirol) hatten sich. drei baverifche Touristen verirrt und waren in der Nacht von einem Schneesturm überrascht worden; der Tourist Lauchham^ Rosenheim stürzte ab und wurde von seinen Gefährten unter großen Schwierigkeiten gerettet; er ist leicht ^letzt- — In M a n n h e i m stürzte ein mit drei Perfenen besetztes Automobil eine Böschung hinab und geriet in Brand. Tas Automobil ist total verbrannt. Tie Insassen konnten sich m Sicherheit bringen. Zwei erlitten nur geringe Verletzungen, wahrend em Kaufmann aus Chemnitz erheblich verwundet wurde. — jn Stauers* [ a u t e r n sind zwei Einher in ^ll»we>cnh"ll _der^Mutter^ erstickt. Briefkasten der Nekaktian. («hiionhiiie Tlufragctt bleiben nnber lickstchtigtZ L H in Glsh Independent Order of Good Templars, Deutsch»- lnnds toronloqe II.' Prestnuslchlck: Limcburq, Riel Bruns- wickerstraße 19 Treten Sie doch dem Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke in Gießen bei, der hn Grunde dasselbe will Auskmist l'clonmien Sic bei frernt Viarrer D. Schlosser. anlassung Schläge versetzte. Kurz vor 10 Uhr kam der Gerlach zum zweiten Male auf Stube 12, versetzte dem Bl. wiedei mehrere Schläge ins Gesicht und bemerkte ihm, daß er ihn um 3 Uhr früh zum H ä ck s e l s ch n e i de n wecke, wenn et nicht komme, schlage er ihn tot. In diesem Augenblick kam der Wachtmeister und jagte den G. aus der Stube. Ms Wertet eß zu seinen Stubenkameraden zurückkam, sagte er diesen, wenn her Wachtmeister nicht eben dazu gekommen wäre, hätte er heu Blangerts erstochen. Als Blangerts später Schmutz in den Hof zu tragen hatte, sah er in der Nähe der Kantine den (Erlach stehen, Plötzlich hörte er einen Sprung hinter sich und in demselben Moment erhielt er, jedenfalls mit dem beschlagenen Ende des Peitschenstiels, zwei furchtbareSch lägen ufden Kops. Blangerts bekam Nasenbluten nnd stürzte bewußtlos im -Hofe zusammen Herbeigerufene Kameraden kamen dem am Boden liegenden zu .Hilfe. Tn rief Blangerts: „Geht hinweg, ihr wollt mich schlagen, Gerlach, ich melde Tich!" Ter herbeigeholte Stabsarzt Tr. Bach ordnete die sofortige.Uebersührung des Schwerkranken ins Lazarett an. Bl. blieb einige Zeit dort, wlirde dann entlassen, mußte aber bald wieder ins Lazarett verbracht werden, da sich 'plötzlich epileptische Anfälle bei ihm einstellten. Zu der gestrigen Verhandlung waren vom Verteidiger der Angeklagten Zeng-n geladen, die beweisen sollten, daß sich Blangerts von dem Dienste gedrückt. und die Anfälle simuliert habe. Es war vor einiger Zeit verfügt worden, daß der Bl. nach seiner Heimat beurlaubt werden sollte und es wurden für ihn und einen Begleiter schon die Karten gelöst. Ta witrd" ihm plötzlich der Urlaub versagt. Bl., der sich schon in Zivilkleidung befand, fiteste feinen Vorgesetzten, den Leutnant Höckuer, in seiner Wohnung auf und frug bieten wegen der verweigerten llrlaubsfahrt. Ter Leutnant bemerkte ihm, er könne gbfabren. wenn er die schriftliche Erklärung abgebe, daß er, w-nn ihm unterwegs etwas Passiere, auf Ersatzansprüche verzichte. Ter Bl. erklärte darauf, das tue er nicht, worauf er ent- lassen war. Als sich der Leutnant herumdrebte, stürzte Bl. zufamm"u: er hatte einen epileptischen Anfall bekommen. Der Oeu^uant meinte, d"r Bl. habe diese ,'Tricks' schon oste r s gemacht Diese Behauptung war eine willkürliche, denn durch die Meldung des Wachtmeisters ist festgestellt, daß Bl. Anfälle bei jeder Gelegenheit erleide. Charakteristisch ist, daß der Leutnant gegen den Bl. noch öfters bei seinen Aussagen das Wort „Kerl" gebrauchte Oberstabsarzt Tr. Taubner führte in seinem Gutachten aus, daß an den epileptischen Anfällen des Bl. die durch die Hiebe des Gerlach aus den Kopf M Bl entstenden, n i ch t g e z w e i f e l t werden könne Nachdem im Lawwtt der Zustand des Bl. sich etwas gebessert, habe dieser gewünscht zum Dienste zurückkehren zu dürfen, er habe diesem nicht willfahrt, da die Treppenverhäftnifse in der Löwenhofkaserne sehr schlechte seien und der Bl. bei seinen Anfällen sich dort schwer verletzen könne. Der Bl. sei durch die epileptischen Anfälle schwer in seiner Arbeitss'lnakeit geschädigt, es sei kein Zweifel, haß der Mann seinen Dienst nicht mehr versehen konnte. Was den angeblichen simulierten Anfall bei dem Zeugen Leutnant Höckuer'anbelange, so best'nde für ieden medizinisthen Sachverständigen nicht der geringste Zweifel, daß der Anfall ein echter war. Tas llrlaubsverbot habe den Dl. derart erregt, daß er im Zimmer des Leutnants den Anfall erlitten. Weder bei Bl. noch i n s e i n e r F a m i l i e seien c p i l e v t i 1 ch e A n s a l l e früher vor gekommen. Es sei leicht möglich, daß der Zustand d-S Bl. sich noch bedeutend verschlimmere imb er m Geisteskrankheit verfalle Ter heutige Zustand sei als ein Stecht um zu betrachten. Er wolle nur noch hinzufügen, daß her Kranke auf ihn, als ct ihn behandelte, stets einen wahrheitsliebenden.Eiiw druck gemacht habe, alle seine Angaben hätten sich als medizinilch richtig und wahr erwiesen. Ter Vertreter der Anklagebehorde, ^berkriegsgerichtsrat Zelarius, betonte, daß der bedauerliche Vorfall nur auf den bei den älteren Mannschaften ei n gerissenen Unfug, die Rekruteh zu mißhandeln zurückzufuhren sei Derartige Vorgänge müßten ganz energisch bestraft werden. Tas Gericht verwarf beide Berufungen. Es wurde dabei die .höhnt und Brutalität dw Gesinnung des Gerlach, dessen beklagenswertes Opfer bAr Blangerts geworden, -^hahrend hervorgehooen. Die Verhandlung nahm 7 Stunden in Anspruch. Düsseldorf, 18. Nov. Wegen Herausforderung zum Zweikampfe verurteilte das hiesige Krieosgeriäst heute die 2 c n t n a n t 5 d e r Reserve Kaufmann Ehristel Marten und Zahnarzt Konrad Timm von hier zu fünf Tagen und em Tag st e s'.unoslwsi — Herbste besonders groß. Besonders sind die Angler überaus glücklich im Fang. Gestern wurde bei Dutenhofen u. a. ein 15 Pfund schwerer Heckt und ein Aal mit der Angel gelangen, ivelcker ein Gewicht von ca. 6 Psd. hotte. Em so kapitaler Aal ist seit lange nicht in unserer Lahn erbeutet morden. b. Friedberg, 17. Nov. Im nahen Ober-Roß- baeh passierte auf dem dortigen Eisenstein-Bergwerk ein schlimmer Unglücksfall. Ein Ntaurerparlier, welcher in einem Schacht-Eingang Reparaturen vornehmen ivollle, stürzte von einer Höbe von 68 Meter in die Tiefe, wo er als zer- chmetterte Leiche aufgesunden wurde. Er hinterläßt eine Frau mit drei kleinen Kindern. f. Lauterbach, 18 Nov. Heute sand das Konzerl des Evangelischen Kirchengesangvereins statt, das ein Ereignis für unsere Stadt war, weil es so bald nicht wieder geboten werden wird. ES wurde zu Gebär gebracht Schillers ,Glocke" in der Veitonung von Ron. g. Als Solisten traten auf: Frl. Edda Hei neck auS Alsfeld zSopran), Herr Fabrikant Schirmer aus G i e ß e n (Tenor), Herr Kreie- arzt Dr. Nebel (Baß). Die Klavierbegleitung hatte in liebenswürdiger Weise Frau 51rei8rat Wal lau übernommen. Trotz mancher Schwierigkeiten wurde das Werk fast muster- ailtig zu Gehör gebracht. Der Dirigent, Herr Rektor Foermes, sowie alle anderen Beteiligten halten aber auch ihr Bestes gegeben. Der „Glocke" war vorbergegangen: 1. Ter Ehor aus dem Oratorium: „Die Befreiung Jerusalems" von Marim. Stadler, 2. Trio c-moll op. 1 Nr 3 von L. van Beethoven (Herr und Frau Dr. Wallau, Herr v. Bechtold), 3. Arie aus „Berres" mit obligater Violine [Largo] von Haendel (Frl Heineck, Herr Dr. Wallau), 4. Zwei Lieder für Tenor (Herr Schirmer, Gießen): a) Feldeinsamkeit von Brahms, b) Verborgenheit von Hugo Wals, 4. Zwei Stücke für Cello: a) Aria von Lotti, b) Andante von Gluck, 6. Zwei Lieder für Sopran: a) Minnelied von Brahms, b) Der Spielmann von Hildach (Fraulein Heineck, Herr Dr. Wallau). K1 e i n e M i 11 e i l u n g e n a u § H e s s e n u n d den Nachbarstaaten. Die von zahlreichen Blättern gebrachte Mitteilung, daß von dem Lose, auf das in der eben abgespielten 4. Lotterie der Hess. Thür. Staatslotterie der Gewinn von 150 000 Mk. entfallen sei, nur ein Achtel abgefetzt gewesen sei, ist unrichtig. Nach Mitteilung der Lotteriedirektion zu Darmstadt sind vielmehr sämtllche acht Achtel dieses Loses (Nr. 78 718) verkauft worden. nächsten Dienstag im Abnnnement zur ersten Aufführung. Das Werk, das durch seine Anlehnung an bekannte Zeitereignisse so viel Staub aufgewirbelt hat, wird sorgfältig vorbereitet und das Publikum ist nun selbst in der Lage, sich ein Urteil über da§ in vierfüßiger Trochäen geschriebene Stück zu bilden. ** Baumaterial zu unserer Kanalisation wurde bisher mit Ausnahme von Kalk, welcher von den Bailimter- nehmern geliefert wurde, bem Werte von für 420 000 Mark verbraucht. Auf deui Anschliißgleis der Margarethenhütte wurden bisher 665 Waggon mit Material für den Sielbau verladen. Verwendet sind bereits u. a. 1254 250 Kilogr. Zement, 1 131 350 Kilogr. Traß, 2 470 700 Stück Klinker, 5 967 Meter Zementrohre von 200 bis 900 mm Durchmesser mit 1152 Abzweigungen, 18050 Meter Steinzeugrohre von 200—500 mm Durchmesser mit 2850 Abzweigungen und 8350 Stück Sohlsteine, auf welchen sich 4174 Meter gemauerter Kanal befinden und zivar im Profil 50/75 bis 156/195 Elm. mit 751 Einlässen. An Eiseuzeug mußten bisher beschafft und eingebaiit werden für 390 Sinkkasten Eimer und Aufsätze 546 Schachtdeckel einschließlich Eimer nebst 4200 Stück Steigeisen sowie 206 Stück Schieber und Spühltüren im Profil 20 20 bis 156/195 Ctm. Allein für die Sinkkasten wurden verwendet 1230 Meter Röhren, 2900 Bogenröhren. Die Arbeiten an den Klärbecken sind infolge des hohen Grundwassers zum größten Teil eingestellt, da die umfangreichen Baugruben unter Wasser ltehen. ** Der Sträfling Kämpfe in der Klinik gestorben. In der hiesigen Klinik starb heute früh der Schreiner Karl Wilhelm Friedrich Kämpfe aus Ehringsdorf, der am 14 Oktober d. I. von der Strafkammer-zu Gießen mit 12 Jahren Zuchthaus bestraft worden ist. Kämpfe hatte bekanntlich das Hotel Seipp hier unter deui Namen Opel gekauft und sich mit der dort bediensteten Köchin verlobt. Seine Leiche wird der Anatomie übergeben werden. ** Der Fischreich tum in der Lahn ist in diesem Ter Minister für schöne Künste widersetzte sich diesem Vor- td)lag\ Tn. Untersuchungsrichter stellte gestern dem Abg. Shveton den Bericht der Gerichtsärzte über den Gesund- heitsznstand Andres zu. Syvet!on gab eine lange Erklärung ab, worin er seine Handlung zu rechtfertigeu suchte Er habe die Absicht gehabt, den Gener.al KU ohrseigen, habe ihn aber nicht verletzen wollen. Er gab zu, die Tat mit Vorbedacht ausgeführt zu haben, stellte aber in Abrede, Andr6 hinterrücks überfallen zu haben. Zum Beweise dafür nannte er verschiedene Zeugen. Rom, 18. Nov. Wie in vatikanischen Kreisen verlautet, foynntt Bischof Ben zle r nach Rom, weil der Papst über den bekannten Konflikt genau unterrichtet zu sein wünscht. Ter Papst, der namentlich angesichts des Bruches mit Frankreich alles daran setzt, m i t T e u t s ch l a u d gut zu stehen, ist über das unkluge Verhalten Benzlers sehr ärgerlich. Der Bischof werde in Rom also eine tüchtige Strafpredigt und Mahnung zur Mäßigung erhalten. Petersburg, 18. Nov. Zeitungen zufolge besitzt der neue Minister des Innern unter den Gouverneuren viele Gegner, die eifrig bei der Sache sind, den Minister zu stürzen. Ms in Kowuo eine Kundgebung gegen den Krieg sowie gegen den Absolutismus veranstaltet wurde, gab der Gouverneur Klingenderg den Befehl, alle Juden niederzuschlagen, woraus die Bauern j ü d i s ch e Männer, Frauen, Greise, Kinder in barbarischer Weise mißhandelten: 100 Häuser, 28 Geschäfte wurden ausgeplündert. Bei diesen Vorkommnissen handelte es sich nicht um ernsthafte Judenverfolgungen, sondern um Proteste der reaktionären Partei gegen das liberale Vorgehen des Ministers des Innern. Newyork, 18. Nov. In den glänzend erleuchteten Räumen des Weißen Hauses gaben heute abend Präsident Roosevelt und Gemahlin ein Festmahl zu Ehren der zur morgigen T en kmalscnth üllun g von Kaiser Wilhelm entsandten Offiziere General v. Löwenfeld und Major v. Schmettow. Es nahmen u. a. teil der deutsche Botschafter Speck v. Sternburg, der russische Botschafter v. Cassini, der amerikanische Botschafter in Berlin Tower, Unterstaatssekretär Lönis, -Dmiral Tewey und die Generale Chaffee, Gilkespie und Grant. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonnlaa, ded 20. November 1904- Zeitweise ancheiternd, besonders im Süden; nur tm Norden unbedeutende Nicderschlaqe, bet milderer Nacht tagsüber Tenweratur wieder abnebmeitd, Mtwetse wntdtg. Näheres durch die ttUenener Wcltettarke. Neueste Melsungen. Heldenbergen, 19.Nov. In einem Orte Bayerns wurde das Ehepaar Fischer verhaftet, das sich am Morgen der Ermordung des Pfarrers Thöbes heimlich aus seiner bisherigen Wohnung in Windecken bei Heldenbergen entfernt und mit der Eisenbahn ins Bayrische gefahren war. Das Ehepaar hat noch anderer Straftaten sich schuldig gmacht, ist aber auch höchst verdächtigt, in der Raubmordaffäre an dem Pfarrer Thöbes. Fischer arbeitete an dem Vilbeler Bahnbau. Breslau, 19. Nov. Anfangs Dezember findet in Frankfurt a. M. eine Konferenz der bedeutend- ft en jüdischen Korporationen der Welt statt. Der Zweck der Konferenz ist die Gründung einer internationalen Zentralkommission für die jüdische Auswanderung aus dem östlichen Europa. London, 18. Nov. Der Herzog von Devenshire hat die Präsidentenschaft der Freihandelsliga übernommen. Petersburg, 19. Nov. Ueber den Stand der Cholecra wird folgendes gemeldet: Vom 8. bis 16. Nov. sind die meisten Erkrankungen in den Gouvernements Eriwan, Baku und Samara, in letzterem.67 Fälle in 12 Ortschaften, vorgekommen. In den Städten Astrachan und Saratow sind keine Erkrankungen, hingegen 17 im Gouvernement Saratow und zwar in letzterem in der Stadt Zarizyn, wo 14 Menschen an Cholera starben. Jvr Trans- kasPi-Gebiet waren drei Krankheitsfälle zu verzeichnen. Kapstadt, 18. Nov. (Reuter-Bureau). Nach einem Telegramm aus Upington seien dort zwei Frauen cin- getrosfen, welche die brutale Ermordung ihrer Männer, sowie anderer holländischer Farmer auf deutschem Ge- s biete durch die Hottentotten berichten. 23 Frauen, denen es gelang, mit ihren Kindern den aufständigen Eingeborenen zu entkommen, haben Ringfontein erreicht. Sie sind vollständig mittellos. — Der Dampfer „Hyades" mit 150 Buren, die als Führer für Transportkolonnen dienen werden, sowie mit Vorräten und Rindvieh, ist nach Swakopmuud abgegangen. 5 weitere Dampfer werden demnächst folgen. W ash in g t on, 18. Nov. (Reuter-Bureau.) Die niederländische .Regierung teilte dem Staatssekretär Hay mit^ daß sie mit Freuden den Vorschlag des Präsidenten Roosevelt annahm, daß die zweite von ihm vorgeschlagerw Friedens konferenlz im Haag tagen solle. Bis jetzt liegt noch keine formelle Annahme irgend einer Einladung in vollem Umfange vor. Aber fast alle europäischen Mächte haben ihre Bereitwilligkeit angezetgt, die Einladung int1 Prinzip anzunehmen. Weitere Vorverhandlungen sollen zur Feststellung des Programms und zur Abgrenzung der Arbeiten der Konferenz führen. Bekanntmachung. Das 4. Ziel Gemeindesteuer für 1904 ist innerhalb 8 Tagen bei Vermeidung des Beitreibungsverfahrens zur Stadtkasse, zu bezahlen. Zahlstunden täglich vormittags von 8—12 Uhr. Gießen, den 19. November 1904. b19/11 Stadtkasse Gießen: Doepfer. Bekanntmachung. Die erledigte Stelle eines Kreisstraßenwarts mit dem Sitz tn Annerod soll demnächst wieder besetzt werden. Bewerber haben ihre Meldungen bei Kreisstraßenmeister Rohrer in Gießen bis längstens zum 15. Dezember l. I. einzureichen, wobei Alter und seitherige Beschäftigung unter Beifügung etwaiger Zeugnisse anzugeben sind. Gießen, den 12. November 1904. B19/n Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Ache Gesltzel- ii. Kuiichi-MWmg am 10., 11. und 12. Dezember d. I. im Neuen Saalbau (Stein’s Garten). f AftQ n KO Pff« in den näher bezeichneten Ver- jmJbU Cl UU lljJ. kaufsstellen oder durch Herrn Aug. Felsing, Gießen, Marktstraße 22. 06830 Geflchel- u. VWlzuchtmkin Achen n. Umm. 1897 e.V. MMWWWMMWMWWWMMWWMMMWMMDWM- Lanolin wird garantiert durch die Preis 25 Pfg< Rein, mild, neutral. Eine Fettselfe ersten Ranges. Lanolinfabrik MartinIkenfelde. Auch bei Lanolin - Toilette - Cream - Lanolin marke achte man auf die Marke P/eilrmg. b2% Butlerick’s Sslmiilmusler einzig und allein zuverlässig, ermöglichen spielend leicht Selbstanfprti ung al er Kleider. 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März 1853 zu Wieseck, wohnhaft daselbst, Landwirt, verheiratet, evangelisch, vorbestraft, wird wegen Beleidigung im Sinne der §§ 185, 186, 200 Str. G. B. in eine Geldstrafe von vierzig Mark, eventuell acht Tage Gefängnis, und in die Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Privatkläger erwachsenen notwendigen Auslagen verurteilt. Gleichzeitig wird dem Privatkläger die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung des Angeklagten auf dessen Kosten durch einmalige Einrückung in den Gießener Anzeiger innerhalb acht Tagen von Zustellung eines Urteilsauszuges an gerechnet, öffentlich bekannt zu machen. Die Richtigkeit der Abschrift der Urtcilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. Gießen, den 16. Nov. 1904. gez. Bühner, Gerichts'chreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts. Für die Abschrift! der Vertreter des Privatklägers für die Rechtsanwälte H. Katz und C. Kaufmann Katz, 8451 Rechtsanwalt. Versteigerung. Dienstag, den 22. dS. 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Gießen, deil 19.November 1904. 84571 Seipel, Gerichtsvollzieher. Man achte auf den Namen Maggi. Theater-Malerei hv4/11] Franz Reinecke, Hannover. WemVmW 38 Nord-Anlage 38 Montag Abend, den 21. Nov. MnlZW?. Morgens: Wtüfleisch mit Kraut. 06981 SpUCk« in großer Auswahl, echte Harburger, Damen 3 Mk., Herren 4 „ sonne echte russische, Damen 3,50 Mk., Herren 4,80 „ empfiehlt 7958 Frimz Neumeier Sonnensttaire 20/22. e*c Ein großer Poften Wäsche etwas trübe geworden, bedeutend unter Preis. 8455 J, jr,, Kreuzplatz. Die feit langen Jahren bewährten MWmWllkil empfiehlt in bekannter Güte H. Kraft, NeneiMg 40. Alleinverkauf für Gießen und Umgegend. Reparaturen werden in eigener Werkstätte unter Garantie^ sachgemäß ausgeführt. 7378 Zubehörteile stets auf Lager. Wss-WmWnen eignen sich vorzüglich zur KuiMMrei. „GilHa“ Berliner Getreide-Kümmel per Flasche Mk. 1.60. SamosAasksi griech. Süßwein, direkter Import 1 Fl. 85 Pfg., bei 10 Fl. 80 Pfg. la. Wm-Wn gar. Naturwein, eignes Gewächs 1 Fl. 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