Erstes Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch IS. Oktober 1904 GicheimAWger ** General-Anzeiger Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen Beiugspret-, monatlich 7b otertet» jährlich Mt. 8.20; durch Avhole- n. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mt.2.— viert el- jährl. auSschl. Bestell-. Annahme von Anzeigen für bte TageSnummer biL vormittags 10 Uh^ ZetlenpretS: lokal 12 Pf«, auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich Hht den poftt und allgem. Teil P. Wtttko: für .Stadt und £anb" und „Gerichtksaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Nr. »46 •rlOelnl täglich außer SormtagK Dem Gießener Anzeiger werden im Weciziel mit dem Keffifchen Landwirt die Gießener Kamilien- hlälter vrennal m der Woche beigelegt. Rotationsdruck il Verlag der Brühl 'fchen Anwerf.-Buch-u. Stein- dructeret. St Lang«. Rtbtifthm, ÖTPebUto* und Druckerei: Schulstratze 7. Übrefie für Depeschen: Unzetger Gtetzeu, FernsprechanlchlnßNr 51. Ile yeutige Yummer umfaßt 10 Selten. Ile Kaiser Aricdrich-Ieier in Wertin. Berlin. 18. Oft. Sri Gegenwart des Kaise rPaares und zahlreicher Fürstlichkeiten wurde heute vorwittag das Nation al- denkwal für Kaiser Friedrich enthüllt. Gleichzeitig wurde das Kaiser Friedrich-Museum ein» geweiht. In der Nähe des Festplatzes standen die Chargierten der Berliner Hochschulen mit ihren Fahnen und Bannern. Der Kronprinz und die Fürstlichkeiten, die Damen wegen des Ablebens des Königs von Sachsen in tiefer Trauer, nahmen unter der offenen Borhalle des Museums Aufstellung, gegenüber dem Denkmal unter dem Baldachin die Großherzogin von Baden zunächst den für die Majestäten hergerichteten Plätzen. Der greise Großherzog von Baden hat seines Befindens wegen nicht erscheinen können. Vor dem Museum versammelten sich ferner der Reichskanzler, die Vündes- ratsbevollmächtigten, die Botschafter und Gesandten, die fremdherrlichen Offiziere, die Minister, die Präsidenten des Reichstages und des Landtages, die Generäle, die Admiräle, Abgeordnete, die Direktionen des Museums und der Kunstakademie, Vertreter Berlins und der Nachbarorte, sowie die Rektoren der Hochschulen. Vor dem Denkmal standen Llbordnungen der 'Armee und der Marine. Im Halbkreise um das Denkmal standen Standarten und Fahnen. Vor dem Denkmale hatte die evangelische und die katholische Geistlichkeit und die Banbeamten Aufstellung genommen. Zur Seite stand die Leibkompagnie des ersten Garderegiments als Ehrenwache, bei der Prinz Eitel Fried- rich eingetreten war. Gegen 11 Uhr trafen der Kaiser und die Kaiserin ein mit der Prinzessin Viktoria Luise. 'Der, Reichskanzler empfing die Majestäten und geleitete sie zu ihren Plätzen. Generalsuperintendent Faber sprach das Weihegebet, worauf der Kaiser den Befehl zu der Enthüllung erteilte. Die Hülle fiel, die Ehrenwache präsentierte, die Fahnen senkten sich, der Kaiser salutierte, ebenso alle Anwesenden Gleichzeitig läuteten alle Kirchenglocken und vom Lustgarten her donnerten 10.1 Kanonenschüsse. Die Musik intonierte die Nationalhymne. Geheimerat Mießner und ein badischer Kammerherr schritten, Kränze tragend, zum Denkmal, der Kaiser folgte, die Großherzogin von Baden führend. Dann kamen die Kaiserin mtb die anderen Fürstlichkeiten. Deputationen legten üun Kranz aus Kranz nieder. Tie Majestäten und die Fürstlichkeiten schritten dann, empfangen vom Kultusminister, den Herren der Museumsverwaltung und Oberhofbaurat Ihne, in das Innere des Museums hinein. In der Basilika hatte bereits eine große Versammlung geladener Gäste Aufstellung genommen. Gesang empfing die Majestäten, die unter den Thronhimmel traten. Der Kultusminister Dr. Studt hielt hierauf eine Rede. Die Rede des Kultusministers. DaS Denkmal rufe das Bild des über alles geliebten Herrschers und Helden von neuem lebendig vor die Seele, hell leuchtend, rare er sich in den Tagen frischer Kraft dem Volke darstellte. Dem Denkmal gegenüber erhebe sich ein in Kaiser Friedrichs' Geist geplanter und ausgeführter Bau. Ter preußische Staat konnte erst spät an die Aufgabe herantreten, die Kunstsammlungen weiteren Kreisen des Volkes zugänglich zu machen. Der Redner geht alsdann auf die Geschichte der Entstehung des Museums ein, sowie auf die Anteilnahme Kaiser Friedrichs an dem Gedanken, die bei uns vereinigten Kunstwerke der christlichen Epoche in einem Bau zusammen zu- schließen. Diese Gedanken des Kaisers und der Kaiserin Friedlich hatte der jetzige Kaiser dem neuen Bau zugrunde gelegt. Mit vollem Verständnis habe der Künstler des gegenwärtigen Baues' üe auf das glücklichste in dem Werke ausgeprägt und der Leiter der hier ausgestellten Sammlungen sie zur Durchführung gebracht. Tie gleiche hohe Auffassung der öffentlichen Kunst- lammlungen habe zahlreiche Kunstfreunde zu opferwilliger Mitwirkung an der Bereicherung des Museums begeistert und den Verein ins Leben gerufen, dem mich der Kaiser beigetreten Jet. Tie glückliche Entfaltung der Sammlungen verdanke man neben der rastlosen Tätigkeit auch hochherzigen Schenkungen, die in reicher Fülle dem Museum zuteil geworden seien. Ter Kaiser habe dieses schöne Zusammenwirken anerkannt. Ein Wort der Erinnerung u nd des' Tankes bitte er hinzufügen zu dürfen. So gedenke man heute in Ehrfurcht und Treue der kunstsinnigen Kaiserin Friedrich, die die ersten Stadien des Baues mit Interesse verfolgte und aus deren Besitz zwei hervorragende Kunsbvcrke dem Museum als schönes Denkmal zugefallen seien. Ter Re'dner schloß : Dieses Haus möge geweiht sein für alle Zeiten zu einer Pflegestätte wahrer Kunst und echter Wissenschaft in dem hohen Sinne ,in detn Ew. Majestät es gestiftet haben. T-mtn allein ,aber dann auch im edelsten und sclwnsten Sinne wird es ein Denkmal des unvergeßlichen Herrschers sein, dessen Namen zu tragen ihm vergönnt ist. Tie daraus folgende Rede des Kaisers hatte folgenden Wortlaut: „Ich spreche Ihnen, Herr Minister meinen herzlichen Tank aus für die schönen und eindrucksvollen Worte, mit denen Sie soeben meiner Vorfahren, insonderheit meiner geliebten Eltern und ihrer segensreichen Fürsorge für die Museen gedacht h"ben. Ter heutige Geburtstag meines in Gott ruhenden Herrn Vaters, weiland S. M. des Kaisers und Königs Fnedrich, hat uns vereint, zwei seinem Gedächtnis gewidmete Tenlmäler der Ocffent- lichkeit zu übergeben. Tas treffliche Reiterstandbild, vom Deutschen Reiche in dankbarer Verehrung errichtet, und von genialer Künstlerhand geschaffen, wird die Siegsrieds'gestalt und die gewinnenden Züge des Verewigten noch späteren Gescküechtern vor Augen fügten und dieser stolz-e Bau mit seinen reichen Sammlungen wird Zeugnis ablegen von dem Wirken und Schaffen des edlen Herrschers, der in dem Herzen des deutschen Volkes als hehre Lichtgestalt immerdar fortleben wird. Er, der hochgemute Recke, der seines königlichen Vaters Schlachten schlug, um dem Reiche den Weg zu bereiten, der mit glühender Begeisterung ort dem Wiederaufbau des Reiches teilnahm, ließ es, als des Krieges Stürme schwiegen, seine besondere Sorge sein, die Künste des Friedens zu mehren und zu förbcrn. Das hat sich namentlich auch in seinem Verhältnis' zu den Berliner Museen bewahrt. Im Jahre 1871 als Protektor an die Spitze getreten, hat er im Verein mit seiner kunstsinnigen Gemahlin, meiner erlauchten Frau Mutter, bis in die Tage des Leides, ja des Todes, schützend, sorgend und leitend über diesen Anstalten gewacht. Wenn der Kreis ^der Museen sich in ungeahnter Weise erweitert hat, neue große Sammlungen hinzugetrcten, die alten neugestaltet und durch eine Fülle neuer Schätze bereichert worden sind, sodaß sie neben den älteren, von Hause aus reichen Sammlungen des Auslandes mit Ehren genannt werden können, wem anders' ist es zu danken, als der nimmer müden Fürsorge dieses erlauchten Herrsch erpaares, das um Großes wie um Kleines besorgt und alle Schwierigkeiten Überwindend, dem inneren wie dem äußeren Ausbau siegreich die Wege bahnte! Darum war c# eine Pflicht ehrfurchtsvollen Dankes, diesen Bau und die in ihm vereinigten Sammlungen für alle Zeiten mit dem Namen des Kaisers Friedrich zu verknüpfen. Mir aberist es ein köstliches Vermächtnis, die erhabenen und edlen Absichten, die dem kunstsinnigen Schaffen des geliebten Herrschers wie allem se inem Tun zugrunde lagen, an meinem Teile weiter zu führen und zuverwirklichen. Wenn wir heutzutage unsere Kunst von entgegengesetzten Richtungen zerklüftet sehen, die sich befehden und von denen die eine über die andere sich hinwegzusetzen bemüht ist, wenn es sich dabei zum Teil nach meiner Ueberzeugung — ich habe das schon öfters hervorgehoben — um Irrungen handelt, die vom wahren Schönheitsideal weitab führen, so sollten sich unsere Künstler mit um so mehr Ernst ins Bewußtsein rufen, welch' hehre Güter in ihre Hand gelegt sind. Aber nicht jene Gegensätze sind eä', von denen ich heute reden will. Angesichts des Friedensfürsten, dem die heutige Feier gilt, liegt mir viel mehr daran, dasjenige zu betonen, was geeignet erscheint, die getrennten Richtungen wieder einander vöhev zu bringen. Es ist das S tudiu m d er M eister :r Vergangenheit, welches nach meiner festen Ueberzeugung vor allem dazu befähigt, tiefer in die Probleme der Kunst einzuführen. So wenig es dem Genie versagt sein kann, aus unbekannten und verborgene?! Tiefen zu schöpfen, so wenig kann es richtig sein, ivenn Jung ere Künstler sich hort alter Tradition und Schule lossagen zu können meinen. Der unerschütterliche Ernst, das heilige Streben, mit dem die älteren Meister um das Ideal der Kunst gerungen laben, bietet auch den Künstlern unserer Tage ein u n e r r e i d) t e i Vorbild und sollte namentlich in der jüngeren Generation Selbstkritik? Bescheidenheit und Achtung- vor den Leistungen anderer fördern. Nur so wird ein gegenseitiges Verständnis ungebahnt und dem wahren Fortschritte der Kunst gedient werden. Daß die Sammlungen dieses Museums hierzu und zu einer einheitlichen Weiterentwickelung der Kun st auf nationaler Grundlage beitragen möchten, ist mein heißer Wunsch und entspricht — deß bin ich gewiß — in besonderem Maße den hohen! Zielen Kaiser Friedrichs, dessen Streben allezeit auf Pflege de- historischen Sinnes und Förderung der idealen Auffassung der grünst gerichtet war. Herrlich bat der hohe Herr diese Ziele in einer Ansprache bei der fünszigiährigen Jubelfeier der Museen tat Jahre 1880 selbst bezeichnet, indem er die unveraeßlichen Worte sprach: „Mr wissen, wie in den Tagen unseres größten nationalen Unglücks, als alles zu wanken schi-n, der Gedanke an die idealen Ziele des Menschen sich schöpferisch stark und lebendig erwieS. Dankbar dürfen toir heute genießen, was die grundlegende Arbeit jener trüben Zeit geschaffen. Aber wir werden dieses' Genüsse- nur froh werden, wenn wir auch der Verpflichtungen eingeben1! sind, die er uns auferlegt." Es gilt heute vielleicht mehr denn je an unseren idealen Gütern feftzu halten, bte Erkenntnis ihres Wertes imt> ihrer rettenden Macht urtferent Volke mehr unb mehr zu erschließen. Diese Anstalt soll nicht- anderes sein, als eine Sammlung des Schönen aller Zeiten zum Nutzen und Frommen der ganzen Nation. Und so möge der Segen Kaiser Friedrichs auch ferner über diesem Hause und über unserer Kunst walten!" Hieraus sprach Generaldirektor Schöne den Denk der Mnsenmsverwaltnng ans und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Der Chor sang „Heil Dir im Siegerkranz!" Hierauf traten Herolde in altdeutscher Tracht vor. Der Kaiser, die Kaiserin und die Großherzogin von Baden eröffneten! den Rundgang durch die Säle; Die übrigen folgten. Nach 1 Uhr verließen die Majestäten und die Großherzogin das Museum und begaben sich nach dem Königlichen Schlosse zurück. ♦ Nach Mitteilungen unseres Berliner Korresponbenteni hat der Kaiser diese Rede mit überall klar vernehmlicher Stimme? gesprochen. Am Schluß der Rede, in der er besonders die Sätze über das Schönheitsideal der Kunst hervorhob, war keinerlei Ermüdung des Organs zu beobachten. Ueber die vom Kaiser erneut dargelegte Auffassung, welchen Weg die Kunst zu gehen hat, wird ihm wieder -lebhafter Widerspruch nicht erspart bleiben können. Es muß aber auffallen, daß der Kaiser mit größerer Milde, als bei einer früheren Gelegenheit — in der Rede an die Bildhauer der Siegesallee — die Bestrebungen der neuen Kunst erwähnte und den Wunsch betonte, die getrennten Richtungen wieder einander näher zu bringen. Dann toerbent eben die Alten den Jüngen nachgeben müssen, die nicht in platter Anlehnung an überlieferte Formen das Heil der Kunst erblicken, sondern in der Entdeckung neuer Gefühlswerte, , in neuen Formen und Farbenharmonien Meidendes zu -leisten si ch mühen und kommenden Geschlechtern neue Vorbilder schaffen. Stillstand ist Rückschritt, tatsächlicher Rückschritt aber bedeutet auch in der Kunst Niedergang. Das Studium der Mten wird von den Neuen keineswegs vernachlässigt, sondern im Gegenteil vertieft, und durch die Hinzufügung neuer, wenn auch nicht immer glücklicher, so doch origineller und darum achtenswerter Etedanken werden; Gießener Stadtttzealer. Nebeneinander. Schauspiel in 3 Akten von Georg Hirschfeld. (Buchoerlag: S. Fischer in Berlin). Was die neueren Dramatiker von Hebbel über Ibsen und Hauptmann bis zu Shaw, dem angetsächßschen Spötter, im Innersten bewegte, wollte auch Georg Hirschfeld in seinem Schauspiel „Nebeneinander" barstellen, er wollte einen Lebensausschnitt geben, der Menschen im Verhältnis zu einander zeigt. Die Meinung, daß wir unerkannt zu sterben pflegen, ist der Ausgang dieser Psychologie. Man mag an HelinerL Puppenheim mit seiner Nora denken und an die Worte, die in der Säulenhalle des Maeterlinckschen Pisaners Colonna von blassen, bebenden Frauenlippen dringen: wir glaubten uns zu lieben und haben nebeneinander, fern von einander gelebt. Sie sind es auch, die hier am Ende herausklingen aus eines armen sterbenden Mannes ergreisenbem Sehusuchts- rufe „voll Weh und Klage" nach seiner Gattin. Ein Alltagsbild: Die Che Franz HetlwigS und seiner ßchönen Frau Marianne scheint überaus glücklich. Er leitet die glänzend gedeihende Filiale einer Solinger Eisenfirma von Weltruf. Morgens ist er der erste auf dem Posten, außer- lvrdentlieh tüchtig im Geschäft, tagsüber unermüdlich und abends ein liebenswürdiger galanter und sehr unterhaltender Gatte uinb Gesellschafter. Dabei im Grunde ein gutmütiger und zu nvannigfachsten Opfern bereiter Mensch, der sich nie vergeblich Pir eine Wohltätigkeitssoche ansprechen läßt, den Armen Jo nern wie im Geheimen wie in der Oeffeutlichkeit gibt und auch E inen Verwandten, die etwas herabgekommen, doch nicht ohne Ansprüche ans Lebe,- sind, von dem ihm zur Verfügung Gehenden Ueberflusse reichlich zukommen läßt. Er hatte eine Liebesheirat geniacht und zwar eine solche, deren Vernünftigkeit man einsah. Die schöne Frau paßte scheinbar zu dem Manne. Er war aus gut bürgerlichen Verhältnissen hervorgegangen. und sie fand sich mit Geschmack in die glänzenden Verhältnisse, zu denen sie im Laufe der Jahre emporstiegen. Sie machten ein Haus aus und es war nicht die „etwas überladene Einrichtung" deS reichen Salons der Frau Marianne, nicht die auserlesene Tafel, die anzogen; man kam gern zu diesen lebensfrohen und kurzweiligen Leuten, und wenn sich die reife, immer noch bestechende Schönheit Frau Mariannes grüßend ihren Gästen neigte, verstand man den Mann, der sie gern zuvorkommend mit Geschenken überhäufte und überzeugt war, daß seine liebe Frau ihm nach des Tages Last und Mühen mit ihrem geradezu kindlichen sonnigen Frohsinn sein Heim verklärte, dessen trauten Frieden nichts von der Geschäftswelt draußen störte. Und als der Sohn ganz aus der Art schlug, mit Künstlerplänen und Weltverbesserungsgedanken zum Aerger des welterfahrenen Vaters sich trug, nach manchem harten Wort durch sein freies Verhältnis mit einer Geigerin die Sache bis zum Bruche trieb und dann auf und davon ging, war cs die weiße, wohlgepflegte Hand der tief bekümmerten Mutter, die des Vaters Stirn glättete. Das ist die Vorgeschichte des Hirschfeldschen DramaS, und wie aus den verhaltenen Worten und dem Charakter der beiden Menschen fein zu lesen ist, möchte man sie beinahe der Hauptgcschichte des Dramas vorziehen. Hirschfeld zeigt und zwei trübe Märztage, an denen das Trugglück der beiden klirrend bricht. Er geht aber weit in seinen Forderungen und sagt: DieS glänzende gleißende Leben lügt und trügt nicht nur die armen Menschen, es macht die schwachen und haltlosen auch zu Lügnern und Betrügern. Die Frau gibt dem Manne und seinem Hause Zier und Schmuck, Zeitvertreib und Vergnügen. Hier liegen die verwandten Züge mit der noch nicht zum Leben erwachten Frau Nora Helmer und auch mit der Gattin des „Traumuluß", die uns am ersten TheatervereinSabend vorgestellt werden soll; denn dieses LuxuSwesen hat trotz aller Ehrbarkeit doch mehr Fähigkeiten zur Kokotte als zur Gattin und Mutter. — Er schmückt sich mit seiner Frau, sie ist nur „Rast auf seinem Wege, nie Gefährtin". Mit Witzen und erzwungener Aufgeräumtheit schasst er ihr Zerstreuung und Ergötzlichkeit um jeden Preis und duldet ihre Verschwendung. Dabei wirtschaftet er aber nicht gut, die Ausgaben sind ihm seit Jahren über den Kopf gewachsen, er verlor den Ueberblick — und jetzt steht die gerichtliche Seite bevor, denn „alles ist Schwindel, elender Dunst". BjürnsonS „Falissement" kommt uns in den Sinn. So führt Hirschfeld die Menschen, die nebeneinander leben, auseinander. Gerade am Tage der silbernen Hochzeit, da in Gesellschaft und Familie, das ist eine unangenehme Sorte von Blutegeln am Hellwig'schen Geldbeutel, die beiden gefeiert werden, erscheint sein Ches zur Revision der Bücher- jedes preisende Wort des Festgedichtes dünkt dem unglücklichen Manne ein Urteilsspruch, und ausß tiefste erschüttert sinkt er in seines Sohnes Arme. ?ll§ ihm kein Ausweg mehr möglich scheint, greift er zum Gift. Ein Fehler deS Stückes ist, daß die Charaktere sich nicht entwickeln, der zweite, daß der Dichter sofort seine Karten aufdeckt. Wie Halbe, der ziim Balladenhasten Neigende, in seinem „Strom" imb in seinem „Hails Roseiihagen", führt Hirschfeld eine Großmutter aus die Bühne. Er zeichnet sie ein zärtlicher Enkel, int Gegensatz zu Halbe, als „seines Mütterchen von überraschender GcfühlSkraft", aber leider läßt er schon in der ersten Szene diese alte Dame von ihrem Sohne sagen: „Ich finde, er hat etwas Abwesendes bekommen." Sehr bald sagt sie: „Mir ist, als hättet ihr nebeneinander gelebt bisher, nicht miteindnber, füreinander und das ist doch der Sinn des Lebens." Die Wirkung auf die Ideen vergangener Meister nicht mißachtet, sondern zur rechten (Hel hing gebracht. Und eine „Kunst auf nationaler Grundlage", d. h. eine wahrhaft deutsche Kunst, die freilich nicht pompöse äußere Vorgänge aus der deutschen v^eschichte dekorativ schildert, sondern (Ub5 der Seele des deut- schenBolkeS und der deutschenErde ihreReichtümer schöpft, hat gerade die neue Richtung in der deutschen Kunst bereits geschaffen und sie stebt im Begriff, das „wahre Schönheitsideal" zu verwirklichen. Ter Kaiser verlieh zahlreiche Auszeichnungen. Es erhielten u. er. den WilbelmSorden Großkanftnonn IameS Simon-Berlin (er nmrbe also nicht ins Herrenhaus berufen0, den Kronenorden erster Klasse Generaldirektor der Museen Sckoene, den Stern zum Kro:renorden zweiter Klasse der erste Tirektor der Ekrnäldegalerie Geh. Rat Bode, den Kronenorden dritter Klasse die Direktoren am Münzkabinett, Professoren Mena di er und Drefsel, fotu-ic der erste Restaurator bei der Gemäldegalerie Professor Hauser. T'irektorialassistent Tr. Friedländer wurde zum zweiten Direktor des Kaiser Fried- rich-Micseums ernannt, Ferner wurde dem Wirkt. Geb. Rat Hinzveter in Bielefeld der Rote Adlerorden 1. Kl. mit Eichenlaub und Krone, dem Wirkt. Geh. Rat Professor Grafen H a r r a ch in Berlin das Kreuz und der Stern der Komture des HausordenS von Hobenzollern, dem General der Kavallerie z. T1. v. Lenke in Wiesbaden und dem Generalleutnant z. D. Freiberrn von Schleinitz in Kassel der Rote Lldlerorden erster Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe, dem Generalmajor z. T. Heydwolff in Germershausen bei Marburg die Krone zum Roten Merorden zweiter Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe verliehen. Das Denkmal. AuS Berlin wird uns geschrieben: Dos Werk ist eine Arbeit des jüngst verstorbenen Bildhauers Rudolf M aison. Es führt das ganze Elend unseres heutigen Tenkmalwesens wieder so recht vor die Seele. Unter den vielen schlechten Denkmälern, die Berlin aufzuweisen hat, ist dieses Kaiser Friedrich-Denkmal eines der s ch l e ch t e st e n. Ms ein notwendiger Mschluß hätte sich dies Denkmal arckn tektonisch in das Gesamtbild des Banes, der Brücken und deS belebenden Wassers einfügen müssen und ebenso hatte die geistige Auffassung der Gestalt erweisen müssen .eine wie innige Gemeinschaft zwischen diesem Haus und dem Manne bestehe, dessen Namen es tragt. Ter grotze ideale Gedanke, der in dem zweiten Kaiser des deutschen Reiches lebendig war, seine freie künstlerisch edle Weltanschauung muhten aus den Linien zu uns f Drechen. Man konnte ihn sich denken als den hohen Schützer dieser Stätten der Schönheft, dessen machtvolle Gebärde, dessen erhabene Stellung Jrie ganze Umgebung beherrschte und umfaßte. Schon aus der Sfthouette sollte ein Gefühl der Schönheit, der Weihe, der hohen Kultur den Beschauer anstrahlen, wenn die Mauern noch im massigen Dunkel lägen und nur diese Fiaur auf hohem Postament wie eine Leuchte gegen den Himmel aufstiege. Lebt nicht im Bolksbewusttsein so dies tragisch umdunkelte, von einem matten Abendrot der Schönheit überglänzte Geschick und Wirken des Kai fers, der sich so heiß gemüht um deutsche Bildung und Kunst? Und was ist uns beschert worden? Auf einem allzu hoben Sockel.steht das Reiterbild eines Generals. Der Helm sitzt ihm sehr tief im Gesicht, man sieht nicht das milde große Auge, das in einem stillen Feuer glühte: man sieht garnichts Don dieser vornehmen Gesichtsbildung: nur noch den mächtigen Bart. Solche Helme drücken und lasten schwer, wenn sie vorschrifts mäßig aufgestülpt werden, und sie nehmen dem Schnitt des Gesichts jede feinere seelische Formung mit ihren plumpen spitzen Linien. Dieser General hat einen Feldherrstab aufs Knie gestützt, er hat Kanonenstiefel an und der Waffen rock sitzt ziemlich prall. Das Pferd scheint militärisch reglementsmäßig angeschirrt zu sein mit Zaumzeug und Satteldecke. Doch wie kleinlich und schlecht wirken diese Riemen, dieser gestutzte Schwanz, diese ganze Ausrüstung, die das Vergängliche der Uniform, daS Enggeschnürte, so wenig Monumentale des äußeren Anzuges subtil wiedergibt imh jeden Ewigkeitszug, jede große Linie vermissen läßt. Wie gern würden wir diesen unschönen Aufputz für eine einzige großzügige Form hin geben, in der etwas von der stolzen Reinheit, dem innerlich blühenden Kunstsuchen des Kaisers läge. Die Gestalt reitet — eine direkt groteske Idee — in das Portal des Museums hinein: das Schreitmvtiv des Pferdes ist steif und unglücklich, die Beine scheinen auf dem steilen engen Sockel mühsam zu balancieren. Da- Postament selbst ist für die Figur viel zu groß, so daß die Silhouette nicht nur kleinlich wirft, sondern völlig verwischt ist. Dieses Denkmal ist kein würdiges Monument einer heftigen Idee und eines großen Menschen. ♦ Einen Artikel über das Kaiser Friedrich-Museum enthält die heutige Nummer der „Gieß. Familienblatter". Die Schlacht am Schalio. Tas Reutersche Bureau in London erhält aus dem Hauptquartier der östlichen russischen Armee einen zusammen fassenden Bericht über die Schlacht am Schaho. den aufmerfenben Zuschauer besteht darin, daß er allzu früh sieht, der Mann hat betrogen, und vor der Tur steht die Entdeckung; das sagt schon der Theaterzettel. Hellwig hat dann gewiß keine Existenzmöglichkeit mehr, also wird er auf irgend welche Weise von dieser von ihm als schön empfundenen Well scheiden müssen. Im letzten Akte wird angedeutet, daß er sich an Chloral gewöhnt habe — und so kommt es auch. Aber schon ist das nicht. Zwischen dem Feste der Silberhochzeit und dem Schluß liegen zwei Szenen zwischen Vater und Sohn. Zum Familienfeste haben die Eltern ihr verlorenes Kind herbeigeselmt, denn das Mutterherz ist doch itärker als die Furcht der schönen Frau vor dem großen Sohn, stärker als die Furcht des Vaters vor des Sohnes Künstler- tum. Der junge Helwig kehrt heim mit dem Weibe, das ihm einil in die Fremde der Welt und in die Weite seiner Sehnsucht gefolgt ist. Sie (eben mit einander, wenn auch ohne kirchliche Weihe; nur ein Kind ist das Band, das sie vor den Menschen eint. Sie leben für einander in verstehender Liebe, sie teilen ihren Berg von Lasten; sie könnten miteinander sterben. So stellt ber Dichter in diesem ungeweihten Herzensbunbe eine wahre Ehe einer falschen, wenn auch kirchlich eingesegneten, gegenüber. Wenn er bas junge Paar aufführt, nimmt ber Dichter Partei. Kein Dichter ist objektiv. Dieser Bilbhauer unb sein Weib, bie Geigenspielerin, unb noch einen britten, einen Jüngling, in bem sich ein Dichter regt, hat er aus ber Liebe seiner Seele geschaffen. Sie sinb einseitig gesehen: nur jung unb schön unb halb; mir ist, als ob ich bie Hände aufs Haupt Dir legen sollt. Die junge Frau hat zum Paten ihres Kindes Jens Peter Jacobsen gewählt, den die Feingestimmten alle lieben. Weil sie eines Tages beim Skiläufen bie Rechte verlor, kann sie nicht mehr Geige spielen. Aber sie ist reich begnabet. Sie sagt: „Wcr spielen kann, spielt in sich selbst am besten". Unb später, als ihr Mann schwankt zwischen seiner Arbeit, bie ihn an- zieht, unb ben Eltern, bie seiner vielleicht bebürfen, sagt Anna: .Wenn und bas Leben von ber Kunst roegrufl, soll man ihm folgen — benn bas wirkliche Leben ist stärker". Nack) demselben begann ber Vormarsch diestr Minee am 6. Okt. in gleicher Linie mit dem Vormärsche der westlichen Armee.. Ihr Ziel war Liaujang. In erster Linie wurde erwartet, daß der Feinds sich zwischen Ientai und Beriapadsa verteidigen werde. Am 7. Oktober meldete General Rennenkampf, daß er den Taitseho erreicht habe. Am 9. Oktober erreichte die Armee Beniapudse. Die Avantgarde wurde in einen Kampf verwickelt. Das Artilleriefeuer dauerte bis zum Eintritt der Dunkelheit. Um diese Zeit besetzten die Russen die japanischen Verschanzungen, die sich meist in unfertigem Zustande befanden, widerstandslos. Am 10. Oktober 11 Uhr vormittags begann ein heftiges Artilleriefeuer in der Richtung auf Fentai, das bis zum Eintritte der Dunkelheit anhielt. Im Laufe deS Tages lief eine Mitteilung deS Generals Kuropatkin ein, welche besagte, daß er Stackelberg, zu feinem erfolgreichen Marsche zur Besetzung BeuiapudfeS, beglückwünscht habe. Am 11. Oktober früh 6Vs Uhr entwickelte sich die Schlacht auf unserem rechten Flügel und dehnte sich auf das Zentrum unb den linken Flügel aus. Vier Korps eröffneten ein heftiges Artillerieseuer auf die Japaner, die sich in einer die Gegend ('"herrschenden Stellung befanden, da sie die Gipfel einer Reihe hoher felsiger Berge besetzt hatten, durch die viele Pässe lnudurchzogen. Die russische Front hatte ihre Richtung nach Südwest und befand sich 45 Kilometer südwestlich von Mukden. Die Infanterie traf kleine spanische Mteilungen auf den niedrigen Hügeln vor der Stellung, die die Japaner auf den Höhen innehatten, und trieb sie zurück. Die japanische Artillerie beschoß die vorruckende Infanterie mit Granaten, ohne den russischen G"schützen Aufmerksamkeit zu schenken. Der Angriff auf die iabanifdie Höhenstellnng begann 20 Minuten nach 12 Uhr. Um diese Zeit war Iber Kampf auf der ganzen Linie biS Jcntatz allgemein. Die £or|» griffen die Pässe von Tumanfing und Tuhauschanling an und erreichten, indem sie unter heftigem Schrapnell- und Gewebrscuer entschlossen vorrückten, die Basis der feindlichen Stellung. Um 3 Uhr nachmittags ging der Befehl ein, den Angriff gegen diese dnrchzufülnen. Die russische Artillerie hatte bald die japanischen Batterien z n m S ch w e i g e n gebracht, und machte sich dadurch für den ganzen Tag znm Herrn der Situation: sie schoß durchweg vorzüglich. Tie Hauptmacht d'r feindlichen Artillerie war nach Westen zu gegen die russische Mittelstellung 5ufammcngc*$ogen. Die jap?ui'chen Maschinengewehre und die Infanterie unterhielten aber ein lebhaftes Feuer gegen die in drei Linien vorrückenden Riftsen. Die russischen Feuerlinien schienen niemals stark genug zu fein. Die Leute waren mit ihrem Gepäck schwer beladen und da die Berg- adhänge schlüpfrig waren, wurden nur langsame Fortschritte gemacht. Trovdem die Artillerie die Infanterie vorzüglich unter» stützte, traten doch hälftig Augenblicke ein, wo doS Feuer eiusck'lief. Ein Korps versuchte, die Javan-r in der Flanke zu fassen, machte aber keine befriedigend m Fortschritte. Zu derselben Zeit erlitt die Bewegung gegen die westlichen vom Feinde besetzten Höhen durch einen javanischen Gegenangriff in der Flanke, die vier Regimenter umfaßte, aus Besorgnis für die Sicherheit zweier Batterien eine Verzögerung von 10 Minuten. Vor 6 Uhr nachmittags meldete jedoch der Kommandeur der Angriffskolonne, daß er Glranatfeuer auf die Pässe vor der Front richte. Am späten Nachmittag stand das russische Kor."s innerhalb einer Entfernung von 100 Metern vor der japanischen Stellung. Mer die Japaner schossen bei Anbruch ber Nacht noch immer auf die Russen herunter, obgleich letztere nur noch 50 Meter unter ihnen standen. Tie Schlacht tobte die ganze Nacht. Ms der Morgen anbrach, war die Lage noch unverändert und der Kampf wurde mit ungeschwäck-ter Energie fort geführt. Ich glaube, daß die Japaner ihre Stellungen, die noch immer un erschüttert blieben, verstärkt hätten. Um 1.30 Uhr lief die Nachricht ein, daß das russische Zentrum nach einer furchtbaren Kanonade zlirückgeschlagen lvorden sei und daß die Japaner die letzten niedrigen Höhen ketten besetzt hielten, nachdem d er russische rechte Flügel in die Ebene zurückgetrieben worden war. Alis einer spateren Meldung ging hervor, daß das Zentrum der russischen Armee durchbrochen nxir und daß daS Korts, aus dem es bestand, sich auf dem N ü ck z n g e befand, sowie, daß Stackelberg, die Bagage, der Train und die Reserve nach Norden hin int Abzüge begriffen waren. Auf diese. Weise entstand eine große Lücke in dem russischen Zentrum, und die Japaner drängten sich hinein. Der russische Kommandierende sandte ein Korps, um das Zentrum zu verstärken. Dieses Korps geriet in einen heftigen Kampf. Die Javaner machten einen Gegenangriff auf dieses Korps in einem Winkel, der gegen das Zentrum der russischen Front unt» damit gegen seinen empfindlichsten Teil gerick'-tet war. Sie drohten auf diese Weise, Kurovatkins Armee in zwei Teile zu spalten und jeden Teil dann einzeln zu schlagen. Die Japaner hatten ein Korps im Westen konzentti-'rt, wo sie die Russen z u r ü ck s chl u g e n. Dann griffen sie das Zentrum an. während sie gleichzeitig mit ihrer linken Kolonne den linken russischen Flügel Mcbäftigt hielten. Gegen 1 Uhr 30 Mim sandle General Stackelberg vier Reserve- tegimenter vor, um einen Angriff auf die westliche Flanke der Japaner .zu machen und zu versuchen, die Lücke zu schließen. Um 4 Uhr 20 Min. war die Lücke zum Teil geschlossen, aber das Endresultat des Kampfes war, daß die russische Armee sich in einer kritischen Lage und fictu noch immer in Gefahr befand, in zwei Teile gespalten zu werden. Am 13. Oktober hielten das elfte und daS dritte Korps noch immer ihre Stellungen. Gegen Ihr Theodor reißt bann feinen Vater im letzten Moment seines Lebens ans bem Elenb seiner Seele. Netten konnte er ihn nicht. Das Weib, bas schwache, genießenbe, immer lächelnde, zieht den Gatten wieder in ihre kleine Welt. Mit ihrem Namen auf ben Lippen kommt ber Tob zu ihm. Die juqenblichen Kunstlergestalten, bie uns hier begegneten, sinb Schemen; wir wollen uns darüber nicht täuschen. Nur sind sie hier bie Liebe des Dichters unb — zur Hälfte wenigstens — unsere Freube gewesen. — Kein Kritiker ist objektiv. — Hirsch selb vermied alles, was aus dem Ehepaare Helwig Wesen irgendwie eigener Art hätte machen können. Er wollte also Typisches geben. Unb leider muß man zugeben, daß er richtig geschaut hat, daß Ehen dieser Art wahrlich nicht selten sino. Er hat hier einen guten Novellenstosf, mit feinen Einzelligen burchwirkt und zu symphonischer Breite ausgesponnen, schlecht unb recht aus der Bühne zur Schau gestellt, ohne durch eine bedeutende Idee, ohne durch einen Zug ins Große sich größeren Erfolg erwünscht zu haben. Tie Darstellung der Hauptchargktere entsprach zumeist den Absichten des Dichters. Freilich, Herr de Giorgi eignet sich nicht sehr für die Hauptrolle. Er bot wohl eine verständnisvoll und sehr fleißig durchgearbeitete Leistung, aber tat, crls ob er statt eines Franz Hellwig einen Franz Moor zu mimen habe. Herr Franz Hellwig ärgert sich über das Pathos seiner Angehörigen, das aus Kleinigkeiten „immer gleich eine große Tragödie" macht. Herr de Giorgi aber gerade war es, der, nicht erfolglos, dieses Stück eines modernen Poeten zu einer hohen Tragödie auszubauschen sich bemühte. Dieser simple Oberslächenmensch will nicht theatralisch genommen werden. Besser hätte er getan, einen im Grunde jovialen und fidelen Herrn aus dem Berlin W. von heute darzustellen, den seine unree.llen Streiche zwar nervös gemacht haben, der aber immer mit tändelnder Grazie über böse Stimmungen sich und andere hinwegzusetzen versteht. Was er in dicken Farben austrug, hätte er besser nur diskret andeuten sollen. Frl. Gartner gab sich als Frau Marianne große sJ)lüt)e. Ihre Begabung, scheint auch mehr nach der Seite hinzuueigen, wo große mittag begannen die Japaner ben Angriff auf die rechte Flanke dieser östlichen Armee. Zwei Divisionen mürben einzeln zum Schutze der Flanke in den Kampf gebracht, aber die Japaner hatten eine beherrschende Stellung gewonnen, welche die Russen nicht zu nehmen vermochten. Tie Schlackt nahm am 13. Oktober nach Westen zu ihren Fortgang: es wurde wieder sehr scharf gekämpft. Tie Japaner trieben immer noch Kuropatkin zurück. Um 3 Uhr 30 Min. nachmittags erhielten verschiedene KorpS^ der östlichen Armee Befehl, den Kampf cbzubrechcn. In der Nacht zum 14. Oktober ging ein Teil dieser Armee im Norden zurück, kämpfte aber am 14. Oktober immer noch. Im Westen, wo die Armee gleichmäßig zurückging, wurde wieder ein furchtbares Feuer gehört. Tie Länge der Schlachtfront zu schätzen ist unmöglich. Am 1.5. Oktober dauerte die Schlacht noch an, aber das Feuer hörte gegen mittag auf. Tie ruffi- schen Verluste sind sehr schwer. Russische Berichte. Petersburg, 18. Okt. Ein Telegramm des Generals Sacharow an den Generalstab von heute meldet: In der Nacht zum 17. Oktober griffen die Japaner wiederholt unseren rechten Flügel an, wurden aber z u r ü ck g e s ch l a - gen. Im Lause des Tages nah men unsere Trup^ pen das Dors Schalantsi, das am Schaho, östlich von Schahopu liegt. Der Feind beschoß unsere Stellungen bei dem eroberten Dorfe heftig, ging aber nicht zum Angriff über. Auf dem „Bergkegel mit dem Baume", der der Putilowsche genannt wird, werden heute abend und nachts die Toten begraben, wobei den Japanern militärische Ehren erwiesen werden. Die Waffen sowohl unserer, als auch der japanischen Gefallenen auf dem Vergkegel zeigen Spuren des verzweifelten Nahkanrpfes. Eine bedeutende Verstärkung der feindlichen Truppen gegen unser Zentrum ist bemerkbar. Auf dem linken Flügel sanden am 17. Oktober keine Zusammenstöße statt. Petersburg, 18. Okt. Der Vertreter der „Birsche- wija Wjedomosti" telegraphiert am 18. Oktober aus Ehar- bin: In der N a ch t a n f d e n 1 7. O k t o b e,r g i n g e n d i e Russen vor und warfen die Japaner aus sechs Stellungen, wobei sie 8 Geschütze erbeuteten^ Die Japaner setzten sich dann auf starken bergigen Stellungen fest. Die Russen stürmten dieselben gegen 2 Uhr nachmittags und eroberten wieder 16 Geschütze und 8 Schnellfeuergcschütze. Das Gefecht dauert fort. Petersburg, 18 Okt. Nach einer Meldung aus Mukden ist durch den niffifchen Gegenangriff das Zentrum derjapa- nischen S t e l l u n g d u r ch b r o ch e n worden. Tie genommene Höhe bedeute den Schlüssel der Position. Auch dieser Kampf forderte furchtbare Opfer: das ganze Gelände ist mit Leichen bedeckt. Unter den von den Russen eroberten Geschützen befinden sich Feldkanonen, Berggeschütze und Maschinengewehre. Einige 100 Japaner wurden gefangen genommen. Das Gefecht, in dem sich auch sibirische Schützen besonders auszeichneten, dauert noch fort Die Russen dringen weiter vor. Gelingt ihnen die jetzt ein» geleitete Operation, so ist Linschipu für die Japaner nickct _mehr zu halten. Die Russen gewönnen b.rmit eine sehr günstige Stellung in der linken Flanke des Gegners. Japanische Berichte. Tokio, 18. Okt., 1 Uhr nachm. Die Russen um* Ringelten am Sonntag die Kolonne des Generals Yamada. BierzehnGeschützewurden erbeutet. Tie Russen konzentrieren sich vor der Front der Armeen Okus und Nodzus. Man ertvartet eine neue große Schlacht. Tokio, 18. Okt. (Amtlich.) Äw 16. Oktober rückte eine Tmcppe unter Migadeaeneral Jarna da (?)amada?) vor, um eine Llbteilung ber linken Armee, bte den Feind nördlich von Schahopu angriff, zu verstärken. Sie schlug den Feind bei Weichialanisu, wobei sie ihm zwei Geschütze und zwei Munitionswagen abnahm, und schlug dann einen neuen feindlichen Angriff bei San- tankautse zurück. Sie befand sich aut dem Rückmarsch nach ihrer ursprünglichen Stellung, als sie plötzlich um 7 Uhr abends von etwa einer Division russischer Truppen umzingelt wurde. Nach einem heftigen Kampfe, Mann gegen Mann, gelang es ihr, dnrch die feindliche Stellung d u r ch z u b r e ch e n und ihren früheren Platz zu erreichen. Inzwischen büßte die japanische Artillerie ihre meisten Pferde ein. Die Mannschaft mußte neun Feldgeschütze und fünf andere.Geschütze inr Stiche lassen. — Dem Feinde sind in der Stellung gegenüber dem japanischen Zentrum !B e r st ä r k u n g e n zugegangen. Die Verluste der Japan ex betrugen an* Sonntag etwa 1000 Mann. Marschall Qyama berichtet, daß in der Nacht zum! 18. Oktober die Russen heftige Angriffe gegen den rechten Flügel der linken Armee und einige schwächere Angriffe gegen die mittlere und rechte Armee unternahmen Posen, volle Töne, ernste Worte aus tiefem Herzen ani Platze sind. Am Schluß, bei der Leiche ^rauzens, wo sie für einen Augenblick Herz zeigen soll, war )ie ergreifend, echt; als kleines oberflächliches Weibchen fanb tie selten den rechten Ton und auch nicht bte rechte Art trotz allen eifrigen Bemühens. r o.. . Sehr glücklich war der Sohn durch Herrn Lutt- johann besetzt Er sprach mit schlichter Innigkeit nnd vermied das Pathos, das ihm der Dichter manchmal ins! Wort gelegt hat, mit fernem Takte. Wir scheinen in ihm einen hossnungsreichen jungen Künstler von Geschmack und Bildung gewonnen zu haben. Seine Braut ist die ungeschickteste Figur der Dichtung. Ihre Darstellerin ist zumeist zum sttimmen Zuschauen verdammt und hat hin und wieder nur ein paar Worte hinznwerfen, die sich bei der Lektüre gut und klug ansnehmen, die aber aus dem Munde eines jungen Weibes entsetzlich geschraubt und unwahr klingen. Frl. Dülser stellte sie so glanbwürdig als irgend möglich bar. Eine recht sympathische schauspielerische Leistung bot Frau Fischer als Großmütterlein, zart unb klug, überlegend und überlegen, zurückhaltend und verschwiegen. Ihre ganze Art war echt und wahr, lieb und sein, ohne die leiseste Uebertreibung. Treffliche Episodensiguren stellten die Herren Lippert und Andreas hin. Die Herren' Knabe, Ellen und Stäuber sowie die Damen Jenny und Ruf leisteten Ansprechendes. Das Zusammenspiel war leider bisweilen recht mangelhaft. Man übersah die einfachsten Höflichkeitsformen und vermied auch den geringsten Versuch ungezwungenen stummen Verkehrs. Mit geradezu ängstlicher Treue schien man dem Titel des Stückes rein äußerlich gerecht werden zu wollen und spielte gar häufig nicht mit einander, sondern! auf Kosten des natürlichen und gefälligen Bühnenbildes „neben einander". Tie Zuschauer verhielten sich nach dem ersten Akte ziemlich zuri'lckchaltend, nach hem zweiten und dritten folgte starker Beifall. Doch der Eindruck des Stückes luar nicht nachhaltig. Schon an der nächsten Straßenecke hatte matt es vergessen, und es drängten sich auf die Lippen Fragent nach Kind und Kegel, Katz und Hund. P. W» Sämtliche Angriffe wurden abev zurückgeschlagen und der Feind ist unter Zurü^lftssung vi-eler Toten wieder zurück gegangen. Tokio, 18. 6ft., 31/2 Uhr nachrn. (Reuter.) Die Russen richteten in der vergangenen Nacht einen wilden Sturmangriff gegen die Stellungen Generals Oku und griffen auch die Generale Nodzu und Kuroki an, wurden aber überall unter großen Verlusten zurückgeworfen. * London, 18. Oft. Ter Kriegskorrcspondent der „Central- News" berichtet, die Russen hatten im Ganzen 24 Geschütze und 8 Maschinengewehre erbeutet. Tie russischen Truppen seien voller Begeisterung und bäten die Offiziere, die Offensive zu ergreifen. Das baltische Geschwader. Fakkebjerg, 18. Okt. Heute nachmittag 2s/4 Uhr lichteten sechs Schiffe des russischen Geschwaders, drei Panzerschiffe, zwei Torpedoboote und ein Transportdampfer, die Anker und steuerten nordwärts. Paris, 18. Okt. Ter Korrespondent des „Matin" meldet aus Petersburg, daß die zur A u s b e s s e r u n g der Richtvorricht- uugen des zweiten Geschwaders erforderlichen Arbeiter an Bord genommen wurden und daß die Ausbesserungen geringfügiger seien, als man zuerst geglaubt hatte, sodaß die Arbeiten während der Fahrt vorgenommen werden können. Russische Unterschleife. Odessa, 18. Okt. Hier erregt die Entdeckung von Unterschleifen bei der Schwarzen M eerflotte großes Aufsehen. Kohlen, Materialien und Proviant für die Flotte fehlen. Ter 'Hafenkommandant von Scbastopol, Jschejew, der Chef- intendant der Flotte, T'olgopolow, und der Werkftätten- direktor, Varma, sollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Deutsches Reich. Berlin, 18. Okt. Heute besuchten beide Majestäten da§ Kaiser Friedrich-Mausoleum bei der Friedenskirche, wo der Kaiser einen Kranz niederlegte. Der Kaiser beehrte heute nachmittag Gras Bülow mit einem längeren Besuch. Heute abend fand im Schlöffe Tafel statt, bei der der Kaiser zwischen der Kaiserin und der Großherzogin von Baden saß. An der Tafel nahmen Teil die anwesenden Fürstlichkeiten, der Reichskanzler, die Minister, die Staatssekretäre, die Vertreter der deutschen Bundesstaaten, das diplomatische Korps, die Abgesandten der ausländischen Museen, die oberen Hofchargen, die Generalität, die Admiralität, die Präsidenten des Landtages, die Spitzen der Zivilbehörden der Provinz Brandenburg und die Herren der hiesigen Museumsverwaltung. — Dem „Staatsanz." zufolge bewilligte der König dem Wirk. Geh. Rat Professor Stölzel in Berlin die Entlassung aus dem Amte als Präsident der Justiz- Prüfungskommission und verlieh ihm den Roten Adlerorden I. Klaffe mit Eichenlaub. — Die polnischen Sokolturnvereine wollten in Berlin eine Konferenz abhalten. Aus Leipzig, Bitterfeld, Sondershausen und Berlin waren Vertreter anwesend. Bei der Eröffnung der Konferenz lösten Polizeibeamte die Versammlung auf, weil es sich um eine politische Versammlung handle, deren Anmeldung erforderlich gewesen wäre. Liegnitz, 18. Okt. Heute fand die Grundsteinlegung der Kaiser Friedrich-Gedächtniskirche statt. Nürnberg, 18. Okt. Der geschäftsführende Ausschuß der nationalliberalen Landespartei in Bayern r. Rh. betont in einem Aufrufe die Notwendigkeit der Erkämpfung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts auf der Grundlage der Verhältniswahl. Straßburg, 18. Okt. Der Landesausschuß von Elsaß- Lothringen nahm einstimmig einen Antrag an, beim Reichskanzler vorstellig zu werden, daß dem Reichstag und Bundesrat ein Gesetz vorgelegt werde, durch welches die Verfassung dahin geändert werde, daßElsaß-Lothringen zum Bundes st aat erhoben und den übrigen Bundesstaaten gleichgestellt werde. Der Ausschuß nahm ferner mit 32 gegen 12 Stimmen einen Antrag an, daß die auf Grund der neuen Verfassung einzusetzende Volksvertretung aus einem allgemeinen direkten, geheimen und gleichen Wahl- recht hervorgehen solle. Aer erste deutsche Wohnungskongreß, n. w. Frankfurt a. M., 18. Okt. Die heutige Sitzung des ersten allgemeinen deutschen Wohnungskongreffes beschäftigte sich in sehr eingehender Weise mit dem Preußischen Wohnungsgesetzentwurf. Der Berichterstatter Abg. Dr. Jäger (Speyer) empfahl die Annahme des Gesetzentwurfs und betonte die Notwendigkeit, das Aufsichtsrecht dem Staat zu übertragen. Der Freiheit der Gemeinden auf dem Wege des Wohnungswesens verdanke man die heutigen Zustände auf dem Gebiete des Wohnungswesens. Was man Selbstverwaltung nenne, sei auf Grund des preußischen Gemeindewahlrechts nichts anderes wie die Herrschaft der kleinen Haus-, Grund- und Kapitalbesitzer über die große Masse der Minderbemittelten. Jedenfalls sei es dringend erforderlich, daß von allen Seiten mit voller Energie an die Durchführung des Gesetzes herangetreten werde. Oberbaurat Prof. Baumeister trat für ein Reichs- Wohn-Gesetz ein. Oberbürgermeister Wagner-Ulm, Oberbürgermeister Werner-Cottbus, Oberbürgermeister Körte-Königsberg i. Pr. und Oberbürgermeister Dr. Lentze- Barmen wandten sich mit großer Entschiedenheit gegen dre Angriffe auf die städtischen Selbstverwaltungen. Diese haben auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege, des Schulwesens usw. ganz außerordentlich viel geleistet. Den städtischen Selbstverwaltungen sei das Aufblühen der Städte im Wesentlichen zu verdanken. Die Uebertragung der Ausführung des Wohnungsgesetzes an die staatlichen -Drqane fei ein arqer Eingriff in die Kommunen-Selbstver. -maltuug. Erweitere man das Enteignungsrecht der Gemeinden, dann werden diese in der Lage sein, auch auf dem Gebiete des Wohnungswesens Ersprießliches zu leisten. Frau Lilly Braun-Berlin verlangt bessere Schläfst ellen für die Dienstmädchen, dies werde aber nur durch ein Parlament des allgemeinen Wahlrechts, das auf die Frauen ausgedehnt sei, erreicht werden können. Privatdozent Dr. SinSheimer-München, der gestern abend von verminderten städtischen Gemeinwesen gesprochen haben soll, bemerkt: Die Einwendungen des Oberbürgermeisters Werner-Cottbus waren faule Ausreden. Es erhob sich infolgedessen ein furchtbarer Tumult, der sich erst legte, als der Redner auf Auffordern des Vorsitzenden die Versammlung um Verzeihung bat. Von einer Beschlußfassung wurde Abstand genommen. Es wurde alsdann beschlossen, das Organisationskomitee in Permanenz zu erklären. Hierauf wurden einige Referate gehalten, in denen vorgeschlagen wurde, dahin zu wirken, daß die Reichsinvalidenkasse und die Landesversicherungsanstalten Gelder zum Bau von Arbeiterwohnungen hergebcn und städtische Bau banken errichten, die unter Gemeindegarantie zinsfällige Hypotheken beleihen sollen. Die Besprechung hierüber wurde aus Mittwoch Vormittag 9^ Uhr vertagt. , Kus Stad! >u:d Land. Gießen, 19. Oktober 1904. ** Die Wahlrechtsvorlage, die bekanntlich im Juni d. I. von der Zweiten Kamnrer'verabschiedet- wurde, ist, wie der „Wormser Ztg." geschrieben wird, vom Vorsitzenden des Finanzausschusses der Ersten Kammer dem Mitglied desselben, Fürsten zu S 0 lm s -H 0 h en s 0 lms-Lich zur Berich ter st attung übergeben worden. Da die Vorlage auch in dem siebengliedrigen Ausschuß der Ersten Kammer einer eingehenden Beratung unterzogen werden soll, erscheint es ausgeschlossen, daß sich auch das Plenum der Kammer vor Weihnachten noch mit der Vorlage zu beschäftigen haben wird. Eine Einberufung der Standesherren im Dezember dürfte, dem zitierten Matte zufolge, nur dann erfolgen, wenn die Großh. Regierung den Wunsch äußern sollte, einige dringliche Vorlagen, wie die Forderung für die Umbauten in Bad N au he im, mit der sich die Zweite Kammer alsbald nach ihrem Zusammentritt im November beschäftigen wird, noch vor Ablauf des Jahres erledigt zu sehen. Lauterbach, 18. Okt. Heute nachmittag 2 Uhr brach auf dem Speicher des Geschäftshauses A. Finger u. Co. auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus. Der Speicher wurde ganz und der obere Stock zum Teil vom Feuer zerstört. Dos Mobiliar wurde zum größten Teil gerettet. + Sch otten, 18. Okt. Am 25. Oktober feiert die Mutter des Glasermeisters Leuning hier ihren 9 8. Geburtstag. Die alte Frau ist noch rüstig und will die 100 voll machen. — Vor etwa Monatsfrist beging Herr Jakob Bauer seinen 9 4. Geburtstag. Er raucht noch mit Wohlbehagen sein Pfeifchen. Rainrod bei Schotten, 18. Okt. Ein Opfer des Alkohols ist ein hier bediensteter Knecht geworden. Wenn ihm Getränke bezahlt wurden, verschlang er riesige Quantitäten und gelegentlich verschmähte er auch abgestandenes oder Tröpfelbier nicht. Beim Tanz am vorigen Sonntag sprach er allen möglichen Getränken unvernünftig zu und am anderen Morgen fand man seine Leiche in der Scheuer. w. Mainz, 18. Okt. Das Haus des Metzgermeisters Riechard auf der Augustinerstraße, welches von der Stadt angekauft wurde und in wenigen Tagen abgerissen werden sollte, drohte heute morgen zusa mm en zu stürz en. Durch das Niederlegcn des Nebengebäudes verlor das Haus seinen Halt und neigte sich stark nach vorn. Die alsbald benachrichtigte Baupolizei ordnete die Räumung an. Es wurde gestützt, um ein Einstürzen zu vermeiden. fc. Biebrich, 19. Okt. (Drahtbericht.) Als die Frau eines Ziegeleiarbeiters von der Arbeitsstätte ihres Galten, dem sie Essen gebracht hatte, heimkehrte, fand sie ihr drei Jahre altes Kind gräßlich verbrannt vor. Das Kind hatte mit Streichhölzern gespielt, es starb einen qualvollen Tod. fc. Worms, 19. Okt. (Drahtbericht.) Eine Dame von hier ist mit ihrem Rade schwer verunglückt. Sie machte mit ihrem Gatten einen Radausflug und kam auf steiler Stelle zu Fall. Ein Arzt brauchte auf offener Straße ^wei Stunden, um ihre Wunden zu vernähen. Sie liegt jetzt ;M hiesigen Krankenhause. Kerichtssual. R. B. Darmstadt, 28 Okt, Eine sehr umfangreiche B e- leidigungsklage zwischen einem Landtagsabgeordnet e n u n d einem Pfarrer, die sich bis in die späten Abendstunden ausdehnte, beschäftigte heute die 1. Strafkammer al- Berufungsinstanz. Zwischen dem Brauereibesitzer und Abg. Schönberger und dem seit etwa 4 Jahren in Groß-Bieberau im Amt befindlichen evangelischen Pfarrer Wilhelm K r ä m e r herrschte schon längere Zeit bittere Feindschaft. Als nun im Mai d. Js. der Pfarrer milde Beiträge in seiner Gemeinde sammeln liefe, soll er den damit beauftragten Kindern gefügt haben: Zu dem Land- tagsabg. Schönberger braucht ihr aber nicht zu gehen, denn der kommt gleich mit feinen Grobheiten und schilt immer, wenn gesammelt wird. Der Angeklagte bestritt in der Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht zu Reinheim, diese Aeußerung getan zu haben. Er habe den Kindern vielmehr gesagt: „Zu Schönbergers geht ihr nicht, denn da giebt's nichts mehr!" Zu dieser Bemerkung habe er sich berechtigt gehalten, weil Sch. schon im vorigen Jahre nichts zu der Sammlung gegeben habe. Eine Beleidigung des Sch. habe ihm fern gelegen, er habe auch den Kindern eine solche Erklärung abzugeben sich erboten. Vor dem Schöffengericht erklärten die Kinder fast einstimmig, daß der Pfarrer zu ihnen gesagt habe, sie brauchten nicht zil Sch. zu gehen. Nur zwei Schüler wollten ähnliche Worte, wie fie der Kläger behauptet, vernommen haben. Letzterer hatte sich auch beschwerdeführend an das Oberkonsistorium gewandt, und als der Pfarrer zum Bericht aufgefordert wurde, verfaßte er einen solchen, las ihn den Kindern vor und sagte ihnen, wer das mit gutem Gewissen unterschreiben könne, möge eS tun, wer nicht, möge es kaffen, er würde efl!/ keinem' verargen. Tie Kinder haben darauf sämtlich unterschrieben. (Ob das zweckmäßig und nötig war, läßt sich bestreiten. T'. Red."! Das Schöffengericht kam aber zu der Ansicht, daß der Pfarrer doch zu den Kindern von Sch. als einem Mann gesprochen habe, der Grobheiten mache, wenn zu dem Zweck des Vereins' gesammelt werde und verurteilte ben Beklagten nach §§ 185, 186 zu 40 Mark Geldstrafe. Zur heutigen Verhandlung waren nicht weniger als 30 Zeugen aus Groß-Bieberau geladen, darunter 1/3 Schulkinder. Den Kläger vertrat Geh. Justizrat Osann I., den Beklagten Rechtsanwalt Hallwacl's. ^er Versuch des Vorsitzenden., einen Vergleich zustande zu bringen, scheiterte- an dem Widerspruch des Klägers. Von beiden Seiten wurden Zeugen dafür angeführt, dcch der eine bestrebt gewesen sei, den anderen durch Bemerkungen verächtlich zu machen. So soll der Pfarrer in der Kirche gesagt haben, es freue ihn, daß der größte Teil der Gemeinde auf seiner Seite sei, die anderen werden gewiße auch für ihn sein, aber sie dürften wohl nicht Und der Be- klagte ließ wieder durch Zeugen feststellen, daß Sch. sich in abfälliger Weise über ihn ausgesprochen habe, indem er sagte, er habe vor dem Pfarrer nicht mehr Respekt, als unbedingt notwendig sei usw. Tie Vernehmung der Zeugen dauerte bis 6'Uhr abends. Nach den sehr umfassenden Plaidopers der beiden Verteidiger fällte der Gerichtshof sein Urteil dahin, daß der Beklagte freigesprochen wurde. Tas Urteil der ersten Instanz wurde aufgehoben. fc. Frankfurt a. M., 18. Okt. Qrig.-Telegr. be§~®iefe- Anz.") Schweinemarkt. Zum Verkauf standen 1696 Schweine. Schweine: 1. Qualität 60—00 Pfg., Lebendgewicht 47—00 Pfg., 2. Qual. 58—59 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Pfg., 3. Qualität 52—55 Pfg., Lebendgewicht 00—00. Geschäft mittelmäßig. lieber- stand bedeutend. Evangelische Gemeinde^ Im Gemeindehaus, Kirchstraße 9. Donnerstag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr, im unteren Konfirmandensaal, Bibelstunde. Text 1. Corinth. Cavt. 1. Pfarrer Schwabe. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag den 20. Oktober 1904: Zeitweise heiter, doch vielerorts Morgennebel, nachts etwas kühler, tags Temperatur wenig verändert, sehr mild/ Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Tlcnestc Welimnnen. Berlin, 19. Okt. Ein über die Lage in Südwestafrika hier eingetroffenes amtliches Telegramm besagt, daß die Witbois, die bisher den deutschen Truppen gegen die Hereros als Führer dienten, entwaffnet und nach Swakop- mund gebracht worden sind. —Der KaufmannAd. Lach- mann aus Braunschweig, der nach Berlin gekommen war, um sich mit seinen Gläubigern auseinanderzusetzen, hat sich in einem hiesigen Hotel während der Verhandlungen mit seinen Gläubigern, die auf seinen Vorschlag nicht eingehen wollten, zu erschießen versucht. Er wurde in sehr bedenklichem Zustande in ein Krankenhaus überführt. Rotterdam, 19. Okt. Indischen Blättern zufolge sind in Semarang unter dem Verdachte des Landesverrats die deutschen Unteroffiziere Koa und K roh na von der indischen Kolonialarmee verhaftet worden. Krohna hatte Zeichnungen und wichtige Dokumente aus den Staatspapieren entwendet. Auch in Batavia seien wichtige Schriftstücke aus dein Kriegsdepartement verschwunden. Man vermutet, daß zwei englisch' sprechende Ausländer die Unteroffiziere gu dem Verrat verleitet haben. Vom Kriege. Rom, 19. Okt. Tie „Italia Militare" berichtet ausl Tschifu, daß General Stössel entschlossen sei, den Japanern die Stadt, die Docks und die Befestigungen von Port Art hur zu überlassen mit Ausnahme von Liaotischan, wo Munition in genügender Quantität, mindestens aber für 10000 Mann auf die Dauer von 6 Monaten vorhanden ist. Dasselbe Blatt berichtet aus Tokio: Marschall O y anva habe 70 000 Mann Verstärkungen verlangt. Petersburg, 19. Okt. Von der russischen westlichen Ar-, mee wird berichtet: Während der letzten neun Tage hatten wir ca. 2000 Tote täglich. Hospitäler sind nicht in genügender Anzahl vorhanden. Trotzdem werden aber alle Anstrengungen^ gemacht, die Verwundeten gut zu verpflegen. Tie Truppen nehmen alles Holz, selbst solches von chinesischen Häusern, um die Lagerfeuer zu unterhalten. Der Anblick des Landes ist tieftraurig. Es wird täglich offenbarer, daß das Land unmöglich eine Armee ernähren kann, dader größt eT^l der Ernte zerstört ist. — Tie Blätter fahren fort, weitere Siegesnachrichten zu verbreiten. 58 japanische Feldgeschütze, zahlreiche Munition, Gewehre und mehrere Gebirgsgeschütze sollen erbeutet wvrden sein. Ter Korrespondent des „Russ" behauptet, die Japaner, welche alles auf eine Karte gesetzt haben, befänden sich in einer solchen Lage, daß wenn der Erfolg aus russischer Seite bleibe, die ganze japanische Ar meemorali sch undphhsisch vernichtet sei. — Tas russische O st seege schwader hat vor seiner Ausreise noch einen weiteren Unfall gehabt, indem- zwei große mit über 10 000 Tonnen Kohle beladene Begleitdampfer schon vor dem Besuch des Zaren auf eine Untiefe vor Revol^ aufliefen. Der eine davon wurde dabei so schwer havariert, daß die Kohlen auf einen anderen Dampfer umgeladen werden mußten. Kopenhagen, 19. Okt. Die dänischen Lotsen weigern sich, das russische O ft sse e-G e s chwader bei unklarem Wetter durch den großen Belt zu führen. 8 Schiffe sind vom. Ankerplatz bei Brokykke-Wall auf Langeland abgedampft. Wegen des großen Tiefganges ging das Geschwader durch die östliche Fahrstraße im großen Belt. TeiephomscBneiF Kursbericht* 31/a°/o Reicheanleihe . . 101.50 3-Vg do. ... 89.20 3V,% Rnneole .... 101.40 3% do.....89.30 3*/?°/n Heesen .... 99.95 31/2 % Oherhessen . . . —.— 4% Oestorr. Goldronte . . 101.60 4i/&% Oesterr. Silberrente 100.30 4% Ungar. Goldronte . . 100.05 40/0 Italien. Rente . . . 103.60 4ll2% Portugieser . . . 62.80 180/ Portugiesen.....62.25 1 % C. Türken .... — Türken! oeo......—.— 4% Griech. Monopol.-Anl. 47.60 4l/2% äussere Argentinor 43.40 3% Mexikaner . . 4i/8o/n Chinesen . . Electric. Schlickert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Randelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum . . « . . Harpener . . . Schatzscheine . . . Tendenz: fest. . 29.75 . 89.90 . 119.70 . 108 50 . 209 80 . 191.40 . 140.40 . 153.80 . 160.30' . 138.10 . 17.25 . 190.00 . 250.00 . 214.80 . 214.60 . 00.00 Stadtveirordnet e ihm ■ > ihl! Wähler-Versammlung wozu freundlichst einladen Uo22o Freitag den 2\. Oktober, abends 8$ Uhr im Saale des Gasthof znm Löwen Mehrere Wähler aus allen Sladtleil'en. 44 Bahnhofstrasse 44. 44 Bahnhofstrasse. Bahnhofstrasse 44. Wir empfehlen in reichhaltiger Auswahl komplette Seliiafzimmer- Eiuriclilmigen moderner Fatous, in tadellosen, gediegenen Qualitäten Satin-Nussbaum oder hell Nussbaum poliert für 300 Mk., 400 Mk., 400 Mk., MV Mk. etc. Konkursverfahren. DaS Konkursverfahren über das Vermögen des Gastwirts Martin Backhaus von Glimbach wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch ausgehoben. B19/10 Gießen, am 17. Oktbr. 1904. Großherzogliches Amtsgericht. Versteigerung. Freitag den 21. dS. 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