Nr. 167 Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Zamttienblötter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmat w 154. Jahrgang Grehener Anzeiger Dienstag 19. Juli 1904 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche« Unwersitätsdruckeret. R. Lange, Gieße«. Redaktton,Expedition ».Druckerei: Schulstr. TeU Nr. 5L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gieße«. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Kandelsvertragsvtrhandlungen. Daß in die HandelsvertragsverHandlungen mit Rußland mehr Leben gekommen ist, darf man aus der Reise des Präsidenten des russischen Ministerkomitees Witte zum deutschen Reichskanzler mit einiger Sicherheit schließen. Die Verhandlungen mit Rußland dauern nun bereits rund anderthalb Jahre; denn sie wurden alsbald nach der Verabschiedung des neuen Zolltariss im Deutschen Reichstage im Dezember 1902 eingeleitet. Sie sind um so wichtiger, als bei ihnen unser Minimaltaris die Feuerprobe zu bestehen hat Man darf wohl als richtig annebmen, daß die wiederholte Unterbrechung und Vertagung dieser Verhandlungen dadurch verarüaßt wurde, daß über die end- giltige Festsetzung der vouDeut sch land zuerhebe n- den Zölle auf gewerbliche Erzeugnisse eine Einigung nicht erzielt werden konnte. Niemand in Deutschland ist so töricht, zu bestreiten, daß wir ein großes Interesse au dem Zustandekommen eines Handelsvertrages mit Rußland haben, besonders im Hinblick auf die Ausfuhr unserer großgcwcrblichen Erzeugnisse; aber die Entwickelung dar G-ütererzeugung und des Güterabsatzes in beiden Landern zeigt unwiderleglich, daß Rußlands Interesse an einem deutjch-rusjr- schen Handelsvertrag doch größer ist, als das Deutschlands. Tas folgt schon aus Rußlands Eigenschaft als A ck e . austaat ersten Ranges und aus seiner geo- graphischen ^age ^u Deutschland, das zur Deckung seines Getreioebedarss ausländischer Ware nicht entbehren kann. Dabei ist aber zu beachten, daß es dabei nicht gerade auf die Einfuhr aus Rußland angewiesen ist. Karmen wir doch unseren Bedarf an Getreide zur Genüge aus den Vereinigten Staaten von Ame- ka, Argentinien, Indien, Australien, Oesterreich-Ungarn, Rumänien und Klein-Asien decken, wobei wir die Wahl haben, je nach dem Ausfall des Ernteergebnisses in diesem oder jenem Lande. Dagegen führte Rußland im Jahre 1903, nach seinen eigenen, jreit ich nicht sehr zuverlässigen, amtlichen Aufzeichnungerc, Getreide im Werte von über 1000 000 000 Mart aus; davon gingen rund 40 Prozent, also Getreide für rund 400 000 000 Mk., nach Deutschland, darunter Gerste für 105 600 000 Mk., Hafer für 37 800 000 Mark, Kleie für 38600 000 Mark, Mais für 40 000 000 Mk. Käme nun ein deutsch-russischer Handelsvertrag nicht zustande, so nrüßte das Zarenreich für alle diese gewaltigen Getreidemengen einen andern Markt sich suchen; wer glaubt, daß dies auch nur in Jahren möglrch wäre? Deutschland dagegen wäre, wie wir sahen, um die Deckung seines Bedarfes an ausländischem Getreide nicht verlegen, abgesehen davon, daß unsere eigene Getreidegewinnung sich ausdehnen und damit jenen Bedarf verringern würde, wenn die Einfuhr fremden Getreides erschwert werden und damit der heimische Getreidebau lohnender gestaltet würde. Wie steht es nun aber mit unserer Ausfuhr nach Rußland? Sie betrifft im wesentlichen Erzeugnisse des Montan-, Webstosf- und chemischen Großgewerbes, deren Ausfuhr nach Rußland dem Werte nach folgerrden Umfang hatte: 1898 409 600 000 Mk., 1899 396 600 000 Mk., 1900 325 00 0000 Mark, 1901 318 6l0 000 Mark, 1902 343 700 000 Mark, 1903 378 600 000 Ätark. Diese Ausfuhr würde nun auch im Falle des Scheiterns der deutsch- russischen Handelsvertragsverhandlungen nicht völlig- zum Stillstand kommen, weil Rußland in Bezug gewisser Waren auf Deutschland altgewiesen ist, sondern nur eine, wenn auch bedeutende Beschränkung erfahren, wofür wir aber leichter Ersatz beschaffen könnten, als Rußland für den Ausfall in seiner Getreideausfuhr nach Deutschland. Für den gegenseitigen Austausch von Waren kommt schließlich doch nicht die Handelsbilanz allein in Betracht, soirdern noch andere, gewichtige Tinge: die Verkehrseinrichtungen, Eisenbahiren und Handelsflotte, welche für diesen Verkehr geschajsen worden sind. Die Zinsen der in Deutschland, in gewaltigem Umfang, untergebrachten russischen Anleihen müssen im wesentlichen aus dem Handelsverkehr aufgebracht werden. Für Rußland müßte also em Zollkrieg m i t Deutschland mehr Schrecken haben, als für uns, und die deutscher: Unterhändler befinden sich daher Rußland gegenüber in bevorzugter Lage. Hoffentlich lassen sie nicht dazu sich herbei, eutzuräumen, daß für wichtige oeutsche Ausjuhrwaren von Rußland lediglich der Grundsatz der Meistbegünstigung zur Anwendung gelangen j'otl, wie das im letzten deutsch-russischen Handelsvertrag geschehen ist. Vielmehr ist es eine gerechte und billige Forderung, daß für die Dauer des Vertrages bestimmt ver- eülbarte Zollsätze f e ft g e l e g t werden, natürlich mit dem Vorbehalte, daß sie entsprechend ermäßigt werden, wenn einem anderen Lande ein Ermäßigung unter den für Deutschland giltigen Satz bewilligt wird. ■ ■ ---------------- ■ ........ Der Aufstand io Aeutsch-SüdwestafriLa. Koblenz, 18. Juli. Von dem hiesigen Telegrap Herr- bataillon sind heute früh 42 Mann zur MitbÜbung der neuen Telegraphenabteilung nach Südwestafrita abgereist. Auf dem Bahnhofe waren die Ossiziere der zusammengesetzten Kompanie, viele Angehörige und eine große Menschenmenge versammelt. Der Bataillonskommandeur brachte ein Hurra aus die Scheidenden aus. Die Musik spielte die Nationalhymne und Abschiedsliedec. 7. Sitzung der Großh. Handelskammer Gieße«, für die kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Auszug. Gießen, 15. Juli 1904. Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Jhring,Katz, Ramspeck, Röhr, Schirmer, Sch mall, Zurbuch, sowie der Syndikus Tr. Knipp er. 1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes müzuteilen a) Der KvNigl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat die Kammer u. a. folgende Anträge der Interessenten zur Be- rücksiclztigung im Winterfahrplau 19 04/05 übermittelt : Verbesser ung des Schnellzugsverkehrs auf der S.recke Berlin — Cassel — Gießen — Coblenz- Trier — Metz; Beibehaltung der in diesem Sommer erfolgten Früherlegung des Schnellzuges 81 Gießen—. Cöln — Hagen (Gießen ab 8.22 vorm) im Wiuter- fahrplan; Einlegung neuer Schnellzüge Gieße« — Frankfurt a. M.; Anschluß des Zuges 776 Cassel — Fra nkfurt a. M. (Gießen an 2.12 nachm? an den Zug 510 Gießen — Nidda (Gießen ab 2.09 nachm.): Späterlegung des Zuges 501 Büdingen — Gießen (Gießen an 7.20 vorm); Anschluß des Zuges 528 Fulda —Gießen (Fulda ab 2.46 nachm. an den Schnellzug 83 Hamburg—Bebra— Frankfurt a. M.; Verbesserung der Anschlüsse in Burg - und Nieder- geniünden zwischen mehreren Zügen der Strecke Gießen— Fulda und der Ohmtalbahn; Verbesserung der Anschlüsse in Mücke zwischen den Zügen der Strecke M ü cke — L a u b a ch — Hungen und den 5 es s 3 Cf 3 P u» er S 3 % 3 3- «■ o 3 3 3 CO E 3 CD CD C ö ro O 3 5 -51 - 3 8- 3 'M 5.CO rt Uto >3* s — p % 3 rsrs c- %• E Uv 5 3- CO sTT Cf § « CD 5t?) ©r @ <5 uv * rt AV O ra* n uv 2 er 3 ät 3 Et 'P'°'£5.S'S vL™ §*§■:3 o* -xr qt co . 2£5'<» u ^-5 _ or 2 ‘ o 2"® 3 ««S-S-g-Wcn 1 n e w Siktm Fulda— Lauterbach—Alsfeld —Mücke uni) umge lehrt Ä _ b yerNsprechverbältnifse: Den Wünsche« derIntcr essenten entsprechend bat die Handelskammer eine VIu$» dehuung M FernspreNmetzeS verschiedener Orte ihre- Be- zirkes sonne bie Verbesserung bestehender Fern sprecht) erbt ndn na en m Vorschlag gebracht. c) Dem Kaiser!. Patentamt in Berlin wurde ein Gutachten über die Freizeicheneigenschast eine- Warles cri'tfltiit. d) In mehreren Fällen waren AuSkünjte über Firmen zu erteilen und Erkundigungen bei 5konsulaten im Auslande ein-ujiehen. e) ^aä>dem das Großh. Ministerium de- Innern die Erhebung der Handels kammerbeiträge durch die Bezirkskassen genehmigt hat, sendet im Gegensaa -u den sruh.ren Jahren die Erhebung der Beiträge nurnochdurch die jeweiligen Bezirkskassen statt. 2. Entwurf einer Mab* undGewichtSordnung Bon dem Großh. Miniiterium des Innern ist die Handelskammer aujgejordert tvorben, sich zu dem Entwürfe einer Maß» ui<» GewiaKsordnung gutachtlich zu äuumi. Der Eiumurs stehl u. o. vor: o) Dee Ausdehnung der Eickwflicht auf Bier- und Obstnxin- süsser, btc allerdings jetzt auch schon m den meisten Fällen geeicht wurden: b) Einführung einer obligatorischen Nacheichung in ein* oder mehrlährigen Ztvischcn räumen; d Berstaarlichung des Eichwcsens: d) Freizügigkeit der Mähe und rpcwichte innerhalb deS ganzen &utld£n Reiches. Die Hammer erkannte die Vorzüge an, die der Entwurf gegenüber dem seitherigen Zunande cnt.,ült, beschloß aber daraus binzuunrken, dah die Eichämter nid>t nur in der bisherigen Iaht erbauen, sondern angesichts der Erweiterung der Eich- Pflicht, auch in Vcinercn Orten eingerichtet werden. Bezüglich der ElLpsticht der Bierfässer beschloß die Kammer, den Wünjchen der Brauereien ihres Bezirkes entsprechend, die Angabe der Zehnrel-Ltter bei Fässern über 50 Liter Inhall bei der Eichung wegfallen zu lassen. Endlich erklärte sich die Kammer für eine möglichst niedrige Bemessung der Eichgebühren, insbesondere für kleinere Bierfäßer. 3. Einheitliche Regelung der Sonntagsruhe in Landelsgewerbe. Bon dem H»roßh. Krcisamt zu Büdingen ist die einheitliche Akegelling der Sonntagsruhe für bic benachbarten Kreise als im Imeresse sämtlicher BeteUigtcn liegend angeregt worden Lor- geschlagen wurde die Zulassung der Ausübung des Gewerbe- berneds in den offenen Verkaufsstellen an den gewöhnlichen Sonn- und Festtagen von 7 llhr vorm. bis 2 Uhr nachm., abzüglich der für den Bor- und NaännittagSgottcSdienst frei* zuhält enden d«i Stunden, wobei jedoch für das Nahrungsmittelgewerbe eine Zusatzstunde am Nachmittage eingelegt werden sollte. Die vondelskammer beschloß, sich in einem Gutachten an das Großh. Kreisamt Gießen gegen den Vorschlag des Großh. Areisantts zu Bübingen auszuiprechen, da von Tetailgeschästcn verschiedener Orte des Kreises Gießen und des Handelskammer- bezirkks schwerwiegende Bedenken gegen die einheitliche Festsetzung der Sonntagsruhe geltend gentadx worden sind. Tic ein- beitlid* Regelung für b:e Provinz Lberhessen kann für die One m der Nähe der preußischen Grenze, wozu besonders die Stadl Gießen gehört, nicht die erhofften Vorteile haben, da in den preußischen Städten der Nachbarschaft dann doch wieder andere Verkaufszeiten bestehen. .Eine einheitliche Regelung der Sonntagsruhe kann nur für das ganze Reich in Betracht kommen, doch wird man auch hier auf großen Widerstand bei den Inter- efienten stoßen, wie schon eine Umfrage des Perbandes der süb- und sildwcstdeutsckxrn Detaillistenvereine in Fr. ksurt a. M. ergeben Init, da die Verhältnisse in vielen Orten durchaus verschieden sind und demgemäß auch eine verschiedenartige Behandlung erfolgen muß. 4. Mangel an Kupfermünzen. Der Deutsche Handelslag batte der Kammer von einem Schreiben der vandelskamincr zu Stuttgart Kenntnis genebelt, ui dem von einem Mangel an Kupfermünzen in dem Bezirk jener Kammer berichtet und vorgesu,lagen wird, eine größere Menge dieser Münzen zu prägen und auSzugeben. Die Kammer befchloß, dem Deutschen Dand^lstage mitzuteilen, daß nach ihren Erkundigungen im diesigen Bezirke sich bis jetzt kein Mangel an Kupscrgeto bemerkbar gemacht hat. 5. Eklegentlich der Berichterstattung für den Jahresbericht der Handelskammer sind von mehreren Firmen der Handelskammer Klagen über ungünstige Vcrlchrsverhältnisse usw. zu- geganaen, die zum Teil schon ihre Erledigung gefunden haben, zum Teil noch ivcüer verfolgt werden sollen. Die Kammer befchloß iits besondere a) für eine Verbesserung der Vostdeförderung von Ehringshausen iOberhef'sen) nach Gii u und b) jur die £>cbung der obcrlMiqd^n Basaltindustrie, namentlich durch Gcnmhrung billiger AuSnahmetarife u. a., ein» zutreten. 6. Eingänge. a) Deutsaur L aifdelStag, Anträge von Mitgliedern zum 93 er- einszollgesetz vom 1. Juli 1869. b) Handelskammer TrcSd^n, Eniju-eidung deS Königl. Ober- vcnvaltungsgerichtS über die Landwerksmäßigkeit eines Bange schuf ts und über die LplioiiSbcreclst.gung deS in das L»aub.lsrcgister eingetragenen Inhabers b.c.Cj Baugcfck-ästS c) Bon zuverlässiger Seite sind der Handelskammer Mitteilungen zugegangen über das Inkasso von Forderungen in ben Niederlanden, den Handel mit land Wirts ä)aftlic1)en Maschinen und Geräten in Rußland, die WirtschaftSverbält* Nisse im Süden Rußlands, den Bau einer elektrischen Straßenbahn und einer Stahlbrücke in Shanghai, bas Tabakmonopol in Japan, die Einfuhr von Glas« flaschcn und Trinkgläsern nach Australasien, den Absatz von Tomvarcn nach Australien, den amerikanischen T a d a k t r u st und ben Tabakinarkt in Birginien , Winke für die Ausfuhr von Zellswsf und Pavier nach den Vereinigten Staaten von Amerika, über die nach Südainenka entsandte mexilamfjx vandelskonimission, ben direkten Bezug von Alpakanwlle aus Arequipa ^Peru), btc Bevorzugung russischer Gummischuhe in Ehlle, btc Verpackung der für 6 bi le bestimmten optischen Instrumente, die nord- amcr.Liniiüx Konkurrenz bei der Einfuhr landwirtschaftlicher Geräte in Chile, über Chile als Absatzgebiet für Maschinen, Instrumente, Werkzeuge und Apparate, über Drogen und Chemikalien auf dem chilenischen Markte, Aber Argentinien alS Absatzgebiet landwirtsckraftlichtr Maschinen und Geräte. Die Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Handelskammer eingeschen werden. ... - - ______2"- 1 '■_■■■— .. „J”___!■—q— Das ZiahikSlkü vcs tKuttkmpler-Hrvcns unO v,r 2. Pcullchc Abfluunttutag. l Fortsetzung.) „DaS nächste praktische Ziel der Abstinenz-Bewegung" nannte sich der Vortrag von $x. jur. foermanp M. Popert, Landrichter in Hamburg Der Alkohol führt, niedrig gercdmct, jährlich enoa 180000 Deutsche vor ben Strafrichter. coroeit cs sich ermitteln läßt, wirkt babei bas Bier gefährlicher alS der Branntwein, der Wein >en schlimmer al - daS Bier: Sicher ist das wenigstens für die Berbreclfen gegen die Person. Die DurEnnttszahl diefer Verbrechen für Gesamt-Deutfchland, auf die Jahre 1882 bid 18.13 hereclmet, ist 163 auf 100000 Strafmünbige. 3m 0^)110^0- zentrum Brom berg beträgt biese Zahl schon 317, im Blerzen t r u m München I 5 6, im Weinzentrum Pirm a- sens (Rlieiiipfalz) 604. Die Verarmung unseres ßanZhO durch ben Alkohol ist sehr erheblich .Der Alkohol hat bas Hamburgisclre Armeububget allein im Jahre 1901 um rund 1 Million Mark Wie Idie Volksgesundheit unter Pein Alkohol leit, ihre persönliche Minderwertigkeit einigermaßen zu verdecken, zwingt der großen Masse ihren Willen auf Sie erreicht das tnii der Waffe des Spottes, dem typisclien Karnvnverkzeug der gemeinen Naturen. Diese Waffe wird so wirksam infolge des ungeheuren Mangel- an Zivilkourage. Derselbe deutsche Mann, des,en körperlicher Mut im Felde gegen drei ükgner nicht versagt, duckt sich nur allzu oft entsetzt vor dem Spottworte des erbärmlichsten Gesellen. Darum also handelt e- sich: Die M a ch t d i e J er geistigen Plebs, die den Trinkzwana erhält, muß in allen Stänbcn gebrochen werben. Den „Mäßigen" fehlt die Zkrast. fcaite unterwerfen sich bte Mäßigen in ihren Taten alle noch grundfätzlich der Öerrsclmft des spottenden Plebejers und solange bekämpfen fte nicht den Trinf^ivang, sondern stützen ihn. Den Kampf gegen die Träger des TnnkzwangeS führt feit ihrer Ge- burtSsrunbe offen, rüctsichtslos und mit Erfolg die Abstinenz. Einmal in der Defensive: An jedem einzelnen Abstinenten, der bei irgend einem gescllsümftlichen Zusammensein sich einfinbei, beißt sich her spottende Plepeier die Zähne auS, wie der Lund an einem ötürf Erlen. .— Dann auch in der Offensive: Der Abstinent wirkt belastet. Wie die Volksgesundheit unter pem Alkohol leibet, zeigen folgende Zahlen: 60 Prozenl der Idioten stammen von tntnrfüdUigen Eltern ab, 62 Prozent der Epileptiker, 46 Prozent der Verbrcä-er, 60 Prozent bei P r o st i - tuierten, .66 Prozent der Trinker. Ist bic b kann teste Eriche in ung des unmaLig ji Alk h Igen. sses das Delirium tr mens, so sind die häuflgilen Begleiterscl-einungen des AlkoholgenusfeS, ben man im täglichen Leben „mäßig" nennt, diese: Nierenentzündung und Rierenschrumpfuna, Bier Herz und Myokarditis, L e b e r k r a n k h e i t e n und Wassersuckst, Adernver- r a 11 u n g , Fettsucht, Gicht, Harngries und Diabetes. Unter 5700 X!eid)cn, die Bollinger in Münü-en seziert hat, konstatierte er 4 3 Prozent Todesfälle durch Bier Herz. Es ilt eine feststehende Tatsact-e, daß die Xlebcndcmxirtung der Abstinenten um 22 bis 26 Prozent besser ist als diejenige der ganz Mäßigen. Setzt man bic mittlere Sterblichkeit gleich 100, so beträgt die Sterblichkeit der Brauer 245, die Sterblichkeit der Wirte unb der Branntwein Händler 275. die Sterblichkeit der Gast Haus be dien steten (Kellner usw.) sogar 397. In dem Bierland Bayern erreichen die Oerzfehler in der Armee mcln als die doppelte Zahl deS gleichen Leidens im preußiMn Leere. In ganz 'Deutsciäanb aber wird darüber g.klagt, dag bei vielen Stuoenten die scluvercn gesundhelllichcn Folgen der akademischen Trinksllten (insbesondere Bierhcrz, Fettsucht und Magonerweitcrung) so unmittelbar auftreten, bau ilyre Webr- fäbigfiit beben diu) geschwächt, wo nicht gar vernichtet wird. '21 n- gciichtS biefer Gefahr ist bet Wert des iät)rlid)cn deutschen AlkoholverbraucheS nunmehr auf 3300 Millionen Mark gestiegen. Also auf mehr als bad breifache unserer jährliä-en Ausgaben für Leer unb Flotte zusammen. Duc lle bes deutschen A lkotz olismuS ist vielmehr der beutsche Trinkzwang. Er muß gebrochen werben. Die Träge rdes TrinkzwangeS sind die „geborenen Plebejer"" jeden Standes. Dieselbe Leute, die unseren sittlichen Fortschritt auf allen Gebieten hemmen. Tieft kleine unb geringwertige Minderheit, die in der allgemeinen Alkoholversumpfung gerade den Zu- Itanb erblickt, ber ihrer Natur entspricht und die einzige Mögllck>- 7D OG X C e o o t, C l 4S. c — a ta c E ° - iä o e a E z: o .SV E c, _• s . cs ® S ® •— E E 2 t c 3 — ä z T- “E ä — c J5 e$> - — •el Z ic <3 v» -2 8 HD 18 o c N >— e> c jQ 2 € o E U e A L 'S z S wo 2 o A «z C O — Ci SB ’S’fl'.SJ H « oft SR. A *£ A C A d- E E vG- A -jT w O •-Ö j. L c ee nO ex — CD ecäx c Ol A e-es» Jfp r. '« e :c tzr y» = « kZ" 58 • CJ 3 S-X „ *- W’jQ E c >T7 Z-i fds ^>6* -M « öe « e- L.S 60 2. E <7*- d . w Z © £ i <- o E 53 A c, lX U- SVG c. E A a 1 -K e‘ Es CT. v -*■* 'S •r se. £ o *57 ti — A •XE an E C CD A SB c § B <** ixa Cu s A E Ci.S E " A V S CD *o • E jd - O E^ - CD » E o Z 5 5? ■Ü D W 4j rfT -C , i-i ” -Ec X) E ^C Oft o <5 o ® 5 c jO — o E E o E Ci E E %> 8 CD E eh £ E § ü £ £ Xi »s fe ' ftt •Ü 1S93 im ‘2/6 durch Logische m, “Üidrl Ht> <1 ’ Itam. *»^e tzr. I: mene u»d f rn?tt. r n H'Utt “Witrte A * ®K * ganz •Jrtu . aterbiid^ 39c “ ”jmee JJWfrn <\ ^6 bei ,?;.to der unb Y «ehr. ^•0- Iq, ; ■ Mitjci Lr tw-n-ez 5- Minder. ' ■ JJ? Su- ®Ä der- « erreicht -.^nhvig • .'•a * lHe des - 4e iliam, *W, H rrbärm» lchtdieser B ii itlei *tbü dir LH cLt i«h inö jcUigt 1 ix $en a ibm fr» cmfEj. eu>» em. der bei '.^del, beißt !id a cmoH r u® roft o e P S 5$ r-Z -r !-? . i7s e iger Regenfälle trat hier und in der Umgegend Hochwasser ein. Bei einem Sturm an der Küste ertranken siebenPersoueu. Der Verkehr ist seit acht rnftrn Ar-fziAt- (mit abknöpfbarer Kapuze und PnrclyeifachÜt») in tadelloser ■ Ausführung von Älk 17.— in 110 cm Länge anfwirta — Eki Julius Fischer, Schulstrasse 6. Essig verwendet. Lcmou-Essig der Nahrnngsmittelbrauche zu 1 Liter „Eemon Essig“ 2 „ Wasser verdünnt u. 3 Liter Lemon Speise-Essig ä Liter 40 Pfg. 1 Liter .»Lemoii Essig“ mit 1 „ Wasser verdünnt, ergibt 2 Liter Lemon-Einmach-Essig n Eiter 60 Pfg. Alleinige Fabrikanten: Fritz Scheller Söhne, Tüchtige Vertreter, wo nicht vorhanden, gesucht. Solvente Firmen können noch für einzelne Bezirke Allein- Aus Slaöt und Land. Gießen, den 19. Juli 1904. ** Der neue Rektor unserer Universität, Pcofeffor Dr. med. Vossius, steht im 49. Lebensjahre und wirkt seit 1882 als akademischer Lehrer. Geboren 1855 zu Zempel- burg in Westpreußen, absolvierte Vossius das Gymnasium in Könitz und studierte in Königsberg Medizin. Im Februar 1879 bestand er dort das Staatsexamen. Im September desselben Jahres promovierte er hier in Gießen aus Grund einer unter NannynS Leitung in Königsberg ausgeführten Arbeit „Quantitativ-spektralanalytische Bestimmung deS Gallen- sarbstoffes in der Galle." Von 1879 bis 1881 war er Assistenzarzt an der Universitäts-Augenklinik, im Wintersemester 1881/82 betrieb er in Rostock unter MerkelS Leitung mikroskopische Studien über die Histologie deS normalen Auges und in Göttingen bei Leber histologische Untersuchungen zur Pathologie des AugeS. Von 1882 bis 1887 war er Assistenzarzt an der Augenklinik in Königsberg. 1882 habilitierte er sich an der Albertina für Augenheilkunde; 1887 wurde er dort Extraordinarius. Rach dem Tode Jacobsons leitete Vossius im Wintersemester 1889/90 die Königsberger Augenklinik. 1890 folgte er einem Rufe als ordentlicher Profeffor hierher nach Gießen an Stelle von Prof. Artur v. Hippel, der damals an die Albertina übersiedelte. Vossius veröffentlichte eine Reihe von Arbeiten in Fachzeitschriften. Seine Werke ,Lehrbuch der Augenheilkunde" und ,Leitfaden zum Gebrauch des Augenspiegels" erschienen bereits in 3. Auflage. Ersteres wurde ins Russische übertragen. Er ist Herausgeber der „Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete der Augenheilkunde", Mitarbeiter an der Encyklopädie für Augenkrankheiten von Schwarz und an der Encyklopädie der praktischen Medizin von Vierordt und Schnirer. 1903 erhielt Vossius das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Er ist Ehrenmitglied des Vereins für wissenschaftliche Heilkunde in Königsberg. ♦* Postalisches. Jeder Laudüriefträger führt aus seinem Bestellgang ein Annahmebuch mit sich, in bas er einzutragen hat: 1. die von ihm angenommenen Telegramme, Einschreibsendungen, Sendungen mit Wertangabe, Postanweisungen, gewöhnlichen Pakete und Nachnahmesendungen sowie Zeitungsbestellungen; 2. die zur Frankierung der Sendungen, zur Bestellung von Zeitungen und zur Beschaffung von Wertzeichen ihm übergebenen Beträge. Gleiche Annahmebücher führen die in Landorten bestehenden Posthilfsstellen. Der Einlieferer oder Auftraggeber ist berechtigt, sich das Annahmebuch vorzeigen zu lassen, um sich von der Richtigkeit der Eintragungen zu überzeugen; auch kann er die Eintragung selbst bewirken. Dem Publikum wird empfohlen, von dieser Berechtigung Gebrauch zu machen. 8. Ulrichstein, 16. Juli. Der Bau unserer Wasserleitung ist in den letzten vier Wochen sehr langsam fortgeschritten, da die meisten Wafferarbeiter als kleine Landwirte in der Heuernte mithelsen mußten. Doch ist sie immerhin schon so weit gediehen, daß der Hauptrohrstrang durch die ganze Stadt gelegt und nur noch die Leitung in zwei Nebengassen zu legen ist. Inzwischen sind im oberen Stadtteile bereits fast alle HauSanschlüsse fertig geworden und die betreffenden Leute konnten bereits feit einigen Tagen das laufende Wasser zum Spülen und Putzen benutzen, was bei dem herrschenden Wassermangel eine große Wohltat war. Run hätte man meinen sollen, ganz Ulrichstein müßte freudig darüber erregt sein, daß wenigstens ein Teil seiner Bewohner Putzwasser habe und nicht mehr ein solcher Notstand zu befürchten sei wic anno 93?! Weit gefehlt, weil der Ober- der Unterflecken ab< r noch nicht, da dort die HavsleitungScnfchlüsse noch nicht gemacht waren, sprangen sosor«. einige redegewandte Männer zum Kadi und beschwerten befreienb auf alle die vielen anständigen Menschen, die der Spötter bisher unter dem Trinkzwang gehallen hat. Da liegt unser nächstes Kampses^iel, das wir in absehbarer Zeit erreichen können und erreichen müssen. Alle anständigen Menschen im deutschen Volke müssen in den nächsten Jahren einsehen lernen, wer die Träger des Trinkzwanges sind und was von ihnen zu hallen ist. Die Träger des Trinkzwanges sind gemeinschädlich, denn sie und nur sie schaffen die Grundlage für den nationalen AlkoHolismus. Sie ruinieren die Gesundheit großer Teile unseres Volkes. Sie treiben uns in die Verarmung hinein und zerstören damit das Glück unserer Gegenwart. Sie schwächen unsere Wehrkraft und vernichten damit die Hoffnung unserer Zukunft. .Sie sind minderwertig, denn das ist jeder, der ideale Gedanken nicht zu fassen vermag, und in ihrer Verwirklichung seine eigene Existenz bedroht sieht. Sie sind feige, denn sie roagen sich .mit ihrem pöbelhaften Spott nur darum hervor, weil sie wissen, daß sie heute noch immer in der Ueberzahl sind, gegen die, die ihnen zu trotzen wagen. Kurz, sie entbehren all der Eigensck-asten, die einen Mann zum wertvollen Mitglicde der Gesamtheit mack>en. Die Summe dieser Eigensck-aften aber ist eines Mannes Ehre. Darum dürfen wir lenen Spöttern die Mannesehre abspreck-en. Das ist das nächste Kampfesziel der Abstinenzbewegung: Das, ganze deutsche Volk, ob abstinent, ob nicht abstinent, muß mit uns durchdrungen werden v.n der Wahrheck des Satzes: „Ehrlos der Mann, der einen anderen durch Spott zum Alkoholtrinken nötigt." Es folgte der gemeinschaftliche Gesang des Sturmmarsches Nr. 3 mit dem Worte beginnend: Zum Sturm Abstinenten, nun fällt das Gewehr! Herr Kähler-Hamburg sprach im Namen von Hamburgs 4000 Gultemplern seine stolze Freude aus über den heutigen Tag. Frau Ottilie Hoffmann-Bremen begrüßte die Versammlung im Namen des Vorstandes des Bundes abstinenter Frauen. Die Frauen hätten in erster Reihe alle Ursache bie Bestrebungen des Ordens zu unterstützen. Tausende von Kindern hätten wieder ein Heim erhalten und Sorge und Not seien von ihnen gewichen. Rednerin schloß mit dem Appell an die Frauen mehr und mehr den Bestrebungen der Guftempler ihr Interesse enigcgenzubringen. M e n g e r - Heidelberg überbrachte die Grüße der Abstinenzler aus dem Großherzog- tum Baden und aus Elsaß-Lothringen, Bolten-Hamburg die der Ordensbrüder in der äußersten Nordmark des Deuffcheu Reiches, Frau Professor Wende-Hamburg die Grüße und Glückioüusche der abltinenten Frauen Hamburgs, Adams- Berlin die des Distrikts Branvenburg, Rittergutsbesitzer Smith- Ncendors am Schallsee die Glückwstnsck-e des kürzlich in Kopew Hagen abgehaltenen nordischen Enthaltsamkeitstages. Ingenieur Asmussen- Hamburg sprach das Schlußwort, in welchem er die Trinksitte mit dem Hut Geßler s verglich, vor dem sich jeder beugte; aber die Macht des Königs Alkohol gerate ins Wanken. Er danke allen für ihre Treue unb für ihr Ausharren in dem schweren Kamps und freue sich, so viele Willensstärke Männer, so viele Frauen zu sehen, die mit vereinten Kräften in den Kamps gegen den Krieg Alkohol eintrateu. Er freue sich, daß auch die Jugend gekommen fei, an diesem Kampfe tellzunehmen. Liöge, so schloß der Redner, von der zweiten Gebunsstelle der Bewegung, von Altona, frisches Leben ausgehen, möge jeder seine volle Kraft einsetzen, der Enthallsamkeit die Wege zu ebnen. Mannerchor hat das erfahren; das Prograrmn zu feinm Konzerte in der Martinskirche in Chur ist durch diesen grausamste entstellt worden. Zu dem gefühlvollen Liede „Stell auf den Tisch die duftenden Reseden, dre letzten roten Astern trag herbei" hat er eine Variante für Feinschmecker erfunden: „Die letzten roten Austern trag herbes hieß es auf dem Programm. Das wäre ün* merljin nodj harmlos — ganz schlimm aber ist der zweite Streich. ,/Hoch strahlt vom Firnenschild, Freiheit, dein hehres Bild" heißt es in der Vaterlandshymne aus dem Calvrnsestsprell Was wurde daraus? ,Loch strahlt vom Firmenschild." . . . ... _ Schwurgerichte zu Lyck (OftprA Während nämlich der Erste Staatsanwa.lt seine Anklagerede hiell, den Angeklagten des wissentlichen Meineides zieh und als ein erschwerendes Moment hervorhob, daß man einem Menschen, der wider besseres Wissen eine falsche Anzeige erstattet, sehr wohl einen Meineid, ja selbst das schwerste Verbrechen zutrauen könne, war oer Angeklagte auf der Anklagebank an ft eingeschlasen und siel unter mächtigem Gepolter ang aus die Erde. * Die Exprinzessin Ehimay stellt jetzt in London in einer prächtig ausgestatteten Wohnung Betrachtungen über ihre neueste eheliche Wahl an; denn Aer Köuigsöerger Kochverrats-^rozeß. V. Königsberg, 18. Juli. Während der heutigen Verhandlung verlas der Vorsitzende ein Schreiben von Plecl>anoff. in dem dieser erklärt, er lehne es ab, .in Königsberg als Zeuge zu erscheinen, da er befürchte, nachdem er feiner Zeugenpflicht genügt habe, an die rufsische Grenze gebracht zu werden. Der als Zeuge und Sachverständiae vereidigte Professor R e u ß n e r erklärte auf Befragen, § 241 des russischen Gesetzbuches werde, obwohl er auch von Angriffen auf d i e Ehre des Kaisers handelt, bei Majestätsbeleidigungen nicht angewendet, da die Verletzung dieses Paragraphen die Todesstrafe zur Folge habe. Es gelangten immer nur die §§ 245 unb 246 zur Anwendung, welche von mündlichen und schriftlichen Majestätsbeleidigungen handeln, da in Rußland namentlich von betrunkenen polnischenBanernMaje- stätsbeleidigungen nicht selten begangen werden. Der Sachverständige, welcher angab, er fei russischer Untertan und aus seiner Professur des Staatsrechts an der Universität Tomsk, die er fünf Jahre inne hatte, anläßlich der dortigen Studentenunruhen, und zwar besonders wegen der ungerechten Behandlung der Studenten durch die Behörden, fteiwillig au»- geschieden, bemerkte ferner, ,er sei der Meinung, daß die Geaev- seitigkeit nur gewährleistet sei, wenn hierfür ein besonderer Staatsv ertrag vorhanden sei. Bei den hier in Betracht kommenden Paragraphen fei seines Wissens feine Gegenseitigkeit gewährleistet. In Rußland gebe eskeineReligions-, Preß-, Vereins- oder Versammlungsfreiheit kein Streikrecht und kein Petitionsrecht. Außer den öffentlichen Gesetzen gebe es noch geheime Ufan'e; so seien die Auspeitschungen gegen die aufständischen Bauern in Smolensk am Grund eines geheimen Ukasses des Kaisers Alexander III. vorgenommen worden. Die finische Verfassung fei durch einen Staatsstreich beseitigt worden. Der Gerichtshof beschloß, durch Vermittelung des Justiz^ Ministers das Auswärtige Amt um amtliche Auskunft zu ersuchen, ob bezüglich des § 260 des russischen Strafgesetzbuches ein, Staatsvertrag oder ein veröffentlichtes Gesetz bestehe, kraft dessen dem Deutschen Reiche Gegenseitigkeit gewährleistet ist. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung wurden auf Antrag der Verteidigung mehrere Angestellte der Buchhandlung und der Expedition des „Vorwärts", unter ihnen auch der Stadtverordnete Bruhns-Berlin, über den Verkehr pon Russen in den Räumen des „Vorwärts" vernommen. ^Bruhns gab zu, daß an ihn einmal ein Paket aus England gekommen sei und daß als Name der Absenderin des Pakets der Mädchenname seiner Frau angegeben war. Nach Vereidigung der Zeugen wird die Verhandlung auf morgen vertagt. Ztiliversttäts-Dachrlchteu. Geh. Medizinalrat Prof. Binswanger inJrna, Direktor der psychiatrischen Universität, hatdenRufnachBoun definitiv a b g e l e h n t, nachdem seine Bedürgungen nicht akzeptiert worden sind. yc. Akademische Disziplin. Während im Berichtsjahr 1902/03 an der Göttinger Universität 49 Studierende disziplinarisch bestraft wurden, weist die Strafliste für das letzte Bemchtsiahr (1903/04) nur 9 Fälle auf. Die schwere Strafe, des concilium abcunbi, d. h. Entfernung von der Universität, wurde zweimal verhängt und zwar wegen Pistolen- duellS. Wegen Angabe einer falschen Wohnung bei der Jm^ matrikulation und wegen Wohnens außerhalb bei Universitätsstadt während des Semesters ohne Erlaubnis des Prorektors wurde einer mit zwei Tagen Karzer bestraft. Die übrigen Fälle find Verweise. Unter den Strafgründen finden wir angegeben wiederholte öffentliche Ruhestörung bezw. Verübung groben Unfugs, Nichtbesolgung einer Ladung vor den Prorektor. Wegen Nichtanmeldung des Wohnungswechsels erhiell einer eine Geldstrafe von 2 Mk. Zum Prorektor magnificus der Friedrich-Alexander- Universllät Erlangen für 1904/05 ist der Anatomie-Professor Dr. Leo Ger lach gewählt worden. Gerlach tvurde geboren zu Mainz als Sohn des 1896 verstorbenen Anatomen Dr. ZoiÄ von Gerlach Kerichtsjaal. Schneidemühl, 18. Juli. In der heutigen Verhandlung gegen die Grafen Buinski vor der hiesigen Strafkammer, die des Falschspieles angcllagt sind, beantragte der Staatsanwalt gegen die beiden Grafen je 8 Monate Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust wegen gemeinschaftlich verübten vollendeten Betruges und außerdem geaen den Grafen Johann Buinski ioegen Heraus- orderung zum Zweikampf mit tödlichen Waffen 5 Morrate Festungshaft. Praktisch, bequem und angenehm unentbehrlich für Gebirg, Jagd, Sport, Reise, sowie für die See sind meine wasserdichten, wetterfesten Echt steirischen Loden-Fabrikate. igeuner Rigo, von dem die Well so viel ge- proHen hat, ist durch einen Italiener ersetzt, !m sie sich im Juni v e r h eir ate t hat. Sie gibt achend zu, daß ihre vielen Abenteuer einen dreibändigen Roman sehr gut füllen könnten, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sie ihn eines Tages schreibt. Da man das Gerücht verprellet hat, sie wolle irach Amerika zurückgehen, und ihr jetziger Marm sei ein Fahrstuhlführer, chrieb sie folgenden Brief an ein Londoner Blall: „Ich gehe nicht nach Amerlla zurück, denn dieses Land hasse ich. Ich will in dem irdischen Paradies Italien leben, in meines geliebten Mannes Heimat, und zwar üt Como. Mein Mann ist eine völlig tadellose männliche Schönhell. Man hat mir immer gesagt, daß ich Anspruch auf das Prädikat „schön" hätte, ober neben ihm verschwindet meine Schönheit. Wir lieben einartder sehr und gedenken ein ehr ruhiges, ftiedliches Leben vereint zu fuhreri; einer indet feine Befriedigung in der Gesellschaft des anderen, und mehr wünschen wir nichll Im Juni wird unsere Trauung auf dem italienischen Konsulat vollzogen, und jeder Tag tuib jede Stunde hat nur unsere Zufriedenheit und vollkonnnene Einigkeit verntehrt; meine Augen sllrd durch kein Vorurtell getrübt, er ist vollkommen. Die einzige Wolke, die mein Glück beschallet, ist der arme Sanesi Rrgo, der so gut ist, und mich so sehr liebte. Er hülle von mir eine bessere Behandlung verdient; aber ich habe immer eine tiefe unb aufrichtige Zuneigung für meine Zigeuner- Liebe vergangener Zeiten gehabt unb werde sie stets haben, und nie soll er Mangel leiben. DLein Gatte, ber ebenso gut wie schön ist, billigt es burchiaujL baß ich gut zu meinem kleinen Sanesi bin, denn er ist nicht eifersüchtig unb beschränkt. Sonst müßte das ber emzige llligeyorsam gegen meinen geliebten Mann sein, denn zur Beruhigung meines guten Gewissens muß ich gut gegen den armen sich: ,3m Oberflecken haben sie schon das Wasser, wir im Unterflecken können es noch nicht haben". Und so mußte denn um des lieben Friedens willen das Wasser wieder abgesperrt werden! Die Leute im Oberflecken müssen nun wieder ihr Wasser im Unterflecken holen und dabei viel Zeit versäumen, inzwischen läuft aber im Sammelbassin das überschüssige Wasser unbenutzt über und ruiniert den Weg, den man dann mit besonderen Kosten wieder Herrichten lassen darf; im Orte selbst aber herrscht Mangel an Wasser an allen Ecken und Enden!! Sollte man im 20. Jahrhundert ein solches Schildbürgerstücklein noch für möglich halten?! § Vom oberen Vogelsberge, 18. Juli. Einen großen Beerenreichtum haben in diesem Jahre unsere Wälder aufzuweisen und besonders werden bie Himbeeren von der ärmeren Bevölkerung, der ein schöner Verdienst hieraus erwächst, massenhaft gesucht. Kaufleute und Unterhändler bezahlen pro Pfund durchschnittlich 10 b)s 12 Pfennig, und bie meisten Beeren kommen in die Thüring'sche Beerenwein- und Marrneladefabrik nach Büdingen. Sehr mit Früchten beladen sind auch in diesem Sabre die Haselnußhecken. — Die lange Dürre (über diese llagen heute fast alle unsere Herren Korrespondenten von fern und nah. Jcr verehrte Herren, eine „kurze Dicke" wäre Ihnen wohl lieber? D. Red.) hat schon große Trockenheit verursacht. Die Kartoffeln fangen schon, ehe geblüht zu haben, an, welk zu werden. Korn, Hafer und Gerste reisen zusehends, jedoch entwickelt sich der Kern sehr schlecht. Die Heuernte ist ziemlich beendigt, alle Scheunen und Vorratsräume sind diesmal voll gefüllt. Infolgedessen sind die Heupreise auch sehr niedrig und Heu bester Qualität wlld von den Händlern mit 1,40 bis 1,60 Mk. pro Zentner ausgekauft. Einfachste wie reiche Wohnungs-Ausstattungen 57U raai* MHUTLLl un Gardinen, Teppiche Linoleum Fertige Betten sowie Einxel-IWÖbel zu »Uerbilligsten Preisen. Eigene Tischler-, Polster- und DekoratIons-Werkstätten. Carl Stückrath, Möbelfabrik 47 Asterweg 47. Gegründet 1868. 8 käerstrssse 8. Danksagung. Wr die vielen Beweise inniger Teilnahme an dem schmerzlichen Verlust unseres Balers, Großvaters und Schwiegervaters Philipp Kahl foivie kür die sorgsame Pfleae der Diakonissin, die Teilnahme aller Freunde und Bekannte ui der Zeil seines langen Leidens, die Ehrenbezeugung deS pkriegervereinS AUen-Buseck uiid die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Scriba sagen herzlichsten Tank Die trauernde« Hinterbliebenen. Alten-Buseck, Mannheim, den 17. Juli 1904. 6180 Alsfeld (Srrisöflht in Krsses). MiNelsranon der Pieuß.-Hesi. Eisenbahn. Am 85. 3»li findet der diesjährige A 3. Pscric- onö Fohlemarkt in Verbindung mu dein alljährlichen Prämien markt auf den städtischen Markt-Anlagen (Lmdenvlay) start. Für diesen Markt sind iür Die besten Pferde uud Kohle« hessischer sowie mchchessischer Züchter und Händler Prämien i* Betrage von 9KL 1400 vorgeseheni diese Prämiierung beginnt morgens 8 Uhr. Es können nur fehlerfreie Tiere prämiiert werden. Importierte Fohlen rangieren bei den Fohlen chrer Alterstlasieii. Äreuzungs» Produkte sind von jeder Prämie ausgeschlossen. Teck-, ÄeburrS- dezw. Vorscheine sind vorzuzelgen. Anmeldungen zu diesem 'Markt sind an die Geschäftsstelle deS Hey. LaudeS-Pferdezucht-vereiaS le Darmüadt, Rctfar- stratze 10, bw zum 20. Juli, ebenso Wünsche und Anfragen, insbesondere wegen Stallungen, sind an Herrn ersten Beigeordneten Kurtz, Mainzergafse 4 m Alsfeld, dis zum gleichen Termin zu richten, is^erchzeitig findet eine BF Verloeeng von Fohlen, Zuchuieren, Dlaschtnen rc. natt. Lose k 50 P'a. sind zu haben bet der Lotterre-O-eneralagentur Georg Kurtz fr. tu AlSfeld. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Zum Besuche dieses Marktes wird freundlichst etngeloben; alle Pferdezüchter und -Verkäufer werden gebeten, den Alarkt zahlreich zu beschicken. AlSfeld, un Juli 1904. 6170 Der Etadtvorstaud Alsfeld. städtische pflichtfeuerwehr. Dienstag den 26. Juli d. I., abends pünktlich 8 Uhr arn Turmhause am Braud: Appell aller alten und neuen Mannschaften. Tie zur Entlassung kommenden Mannschaften haben Binde tmb Lrtsfeuerlöschorbuuug adzullefern. Gießen, den 18. Juli 19OL. 6187 Traber, Branddirektor. Joseph Herz Bankgeschäft Neienbiae 23 GieSSetl Neuenbäue 23 3*r LommerSzett besonders wertvoll ist Wl.hrlm Kiibuiger, Löwen-Trogerie, SellerSweg 62. MAGGI Eröffnung von laufenden Rechnungen. Vonchflsse anf Wertpapiere nnd Waren unter günstigen Bedingungen. Einlösung von Zins- und Oivldendenscbeinen und verlosten Stücken. Annahme von Geldeinlagen ohne Provisions- berechnnng. 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Kantate fdr boli uud Chor mit Begleitung von Orgel und Streichinstrumenten .... J. b. Bacn. Eintritt unentgeltlich. Die Plätze im vorderen Teil des Schiffs» am Ailar unu auf den kmporbuhuen aiud iür die inaktiven Mitglieder reserviert. Kindern kann der hintritt nur in Begleitung Erwachsener gestattet werden. Programme rind an den Kirchldreu ihr -U Pfg. zu haben. Freiwillige Beiträge zu den Ko*tca der AuUiihrung werden üi die Oplerbeckeu erbeten biü