154* Jahrgang Erstes Blatt. Donnerstag IN. Mai 1904 Gchulstratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gieße«. Fernsprechanschluß Nr. 51. Die Halleschen Stadtväter hatten unlängst getadelt, daß ein Magistratsmitglied, der inzwischen als Eharitsdirektor nach Berlin berufene Stadtrat Pütter, eigenmächttg einen von beiden städtischen Behörden mit dem Stadtgutpächter abgeschlossenen Vettrag nbge- ändert hatte, allerdings in der wohlmeinenden Absicht, der Stadt zu nützen. Obwohl damals das Kollegium nicht einmal so weit ging, wie von einem Mitglieds beantragt war, den Tadel zu protokollieren, so fühlte sich der M a g i st r a t doch in seiner Kompetenz verletzt und ließ durch den Syndikus eine allen Stadtvätern zugestellte Denkschrift los, worin er nachzuweisen trachtete, daß den Stadtverordneten k e i n R e ch t, i h n z u tadeln, zu- stehe, weder nach der Städteordnung, noch nach sonstigen Gesetzen. Die Stadtverordneten hätten lediglich ein Kontrollrecht. Die Stadtverordnetenversammlung überwies das magistratliche Opus ihrer juristischen Kommission, und die erstattete nun in der letzten Sitzung dahin Bericht, daß den Stadtverordneten sehr wohl ein Tadelsrecht zu st ehe, nämlich in materieller Beziehung. Die Stadtverordneten hätten zwar nicht das Recht, den Magistrat als Person zu tadeln, wie der Vorgesetzte den Untergebenen, der Lehrer den Schüler tadelt, aber sie hätten Recht und Pflicht sogar, das Verhalten des Magistrats hinsichtlich der Gemeindebeschlüsse zu überwachen, zu kritisieren und, je nach dem, anzuerkennen oder zu tadeln. Im übrigen meinten die Herren, es wäre besser gewesen, der Magistrat hätte sich die Arbeit mit den rechtswisienschaftlichen Darlegungen nicht gemacht, denn die Sache sei, zudem die Protokollierung des Tadels ausdrücklich abgelehnt wurde, müßig. Port Arthur und Dalny. London, 18. Mai. Dem „Daily Telegraph" wird aus Söul telegraphiert, daß die Japaner am Montag einen Angriff auf Port Arthur machten. Dalny wurde fstr. 116 • rfftetnt täglich außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden rm Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siegener Familien. Matter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch-u. Steindruckerei. 9L Lang«. Der Krieg zwischen Japan und Nußland. Kampfe bei Niutschwaug. Tschifu, 18. Mai. Die Japaner halten am Montag ein Ge f e ch t mit der russischen Besatzung von K a i t s ch o u an der Küste, direkt südlich 23 Meilen von Niutschwang, und vertrieben die Russen von dort. Plakate mit der Unterschrift: „Generalsta'bschef der japanischen Armee" sind in Niutschwang und Umgegend angeschlagen und fordern die Chinesen auf, Ordnung zu halten und Vorräte und Transportwagen zu stellem Dre Japaner würden den vollen Preis zahlen. Eine kleine russische Besatzung ist in Niutschwang geblieben. Sie ist bereit, bei Annäherung des Feindes den Ort zu verlassen. Wolle und Oel sind auf das Kanonenboot „Siwutsch" gebracht, um das Schiff dann in Brand zu setzen. Diese Meldung ist offiziös; eine Privatnachricht lautet folgendermaßen: London, 18. Mai. Aus Niutschwang wird telegraphiert : Bei Kaitschou landeten die Japaner mit einer großen Dransportflotte. -Die japanischen Kriegsschiffe suchten die Landung durch ein furchtbares Bombardement auf die russischen Befestigungen zu unterstützen. Me russischen Batterien wurden nachmittags um 4 Uhr zum Schweigen gebracht, worauf die Russen sich auf Taschitschau zurückAogen. Gestern begannen die Japaner den Vormarsch in Eilmärschen. Sie rücken auf Daschitschau und Niutschwang vor. Weiteres von der Liaujang-Halbinsel. Petersburg, 18 .Mai. Gin Telegramm des Generals Kuropatkin an den Kaiser besagt: Die Abteilung der japanischen Vorhut, die bis zuni 14. Mai den Sinheilinpaß und das Dorf 'Kangiapusa, 34 Werst Nordwestlich von Fönghwangtschenb besetzte, ging nach Selud- schan ab. Im Tale eines linken Nebenflusses der Ba- oaohe in Dapangou steht eine kleine japanische Abteilung. In Sinjan stehen nach wie vor keine Japaner. Eine starke Stveifwache derselben steht bei Sedehoge, 25 Werst südöstlich von Sinjan. 600 Japaner stehen bei Luanmiao, 300 Mann bei Salidsaipudsa; die übrigen Streitkräfte sind in der Richtung nach Fönghwangtscheng zurückgegangen. Bei Chabalin, 16 Werst südwestlich von Fönghwangtscheng, steht eine etwa 5000 Mann starke Abteilung. Seit drei Tagen ist das Wtetter regnerisch die Wege verschlechtern sich. Peters bürg, 18. Mai. Ein Telegramm des Generals Sachorow an den Generalstab vom 18. Mai lautet: Am Morgen des 17. Mai zogensich diejapanischen Vorpostenabteilungen, die auf der großen nach Liaujang führenden Straße bei Thumenty standen, auf den Thansalienvaß zurück und räumten hierauf auch Seluetschan, indem sie sich nach Fönghwangtscheng entfernten. — In der Umgebung von Fönghwangtscheng errichten die Japaner Feldbefestigungen Wie fest- gestellt wird, befindet sich die japanische Abteilung, die früher das Dorf Sithutschindsa 15 Werst nordwestlich von Takuschan, besetzte, nicht mehr dort. Takuschan wurde ebenfalls von den Japanern geräumt. Kleine Abteilungen stehen in Chondenhan und Luanmiao auf dem linken Ufer des Fajangko, sowie in Salidsaipudsa. Kleine japanische Streif wachen zeigen sich in der Umgebung von Sinjan. London, 18. Mai. Dom „Standard" ttritb aus Tientsin telegraphiert: Die Japaner haben Taschitschau bereits besetzt, wahrscheinlich mit einer Avantgarde. Kuropatkin sei ■ nach Charbin gegangen. Alexejew stehe mit 20 000 Mann bei Liaujang. Zwischen Charbin und Liaujang befinde sich ein russischer Transport von Truppen und Vorräten. Die Russen halten den Verkehr mit Port Arthur noch, aufrecht, doch seien die Japaner von Kaitschou aus über die ganze Liaujang-Halbinsel zerstreut. bombardiert und es wurden Truppen dort gelandet. Diese Nachricht ist unbestätigt! Tschifu, 18. Mai. (Reuter.) Hier ist eine Flottille von Dschunken mit zweihundert Eh in esen eingetroffen. Eine Anzahl russischer Flüchtlinge, die am Dienstag Morgen Dalny verließ, berichtet, man habe dort versucht, die Docks und die Molen in die Luft zu sprengen, der Versuch sei jedoch nicht gelungen; dagegen sei die Mole in Talienwan zerstört. Tokio, 18. Mai. (Reuter.) Die zweite Armee unterbrach die Eisenbahn im Norden von Port Arthur an fünf Stellen in den Tagen zwischen dem 5. und 17. Mai. Die Verluste der Japaner betrugen dabei 146 Mann. Die Chinese«. London, 18. Mai. „Daily Telegraph" meldet aus Shanghai: Laut einer Meldung aus Mukden verständigten die Japaner den chinesischen General Tsengchi, daß sie An tun g für China zurückerlangt hätten und ersuchten ihn, die chinesischen Kaufleute zu veranlassen, nach Antung zurückzukehren. Petersburg, 18. Mai. Amtliche Meldungen aus Liaujang beziffern die Zahl der Truppen des chinesischen Generals M a auf genau 13 000 Mann. Ma verfügt über 40 Geschütze. Dies und die Tokioer Meldung, auf kaiserlichen Befehl sei die gesamte chinesische Flotte mobilisiert worden, verstärkt die Besorgnis, die man hier bezüglich der Neutralität Chinas hegt. Tschrfu, 18. Mai. Die chinesischen Städte Tsi- nanfu, Weihsien und Chautsun in der Provinz Schantung werden binnen kurzem offen für den Handel erklärt werden. Der russische General Saffulitsch abgesetzt! London, 18 Mai. Me das Reutersche Bureau aus Petersburg nreldet, verlautete dort gestern abend, daß Gene- rag Sassulitsch seine Stellung als Kommandeur der zweiten Division der sibirischen Armee enthoben und GrafKeller, der kürzlich seinen Posten als Gouverneur von Jekateri- noslaw aufgab, um nach dem Kriegsschauplatz abzugehen, zum Nachfolger ernannt worden sei. Der Zar. Krementschug (Provinz Poltawa), 18. Mai. Kaiser Nikolaus traf heute vormittag hier ein und wurde am Bahnhofe von dem Kommandanten des Kiewer Militärs bezirks General Sukomlinow, sowie von Mordnungen des Adels, der städtischen Semstwo, der Bürger- und Bauernschaft empfangen, die Brot und Salz üb^erreichten. Die Stadt ist reich geschmückt. Der Kaiser nahm die Parade über die nach Ostasien abgehenden Truppen ab und reiste unter begeisterten Kundgebungen der Einwohnerschaft nach Poltawa weiter. Poltawa, 18. Mai. Kaiser Nikolckus ist heute nachmittag hier eingettoffen und von den Spitzen der Behörden, zahlreichen Abordnungen und einer überaus' großen Menge empfangen worden. Nach einem Besuche ui der Kathedrale nahm der Kaiser eine Parade über die nach kOstasien bestimmten Truppen ab und richtete eine Ansprache an sie, in der er hervorhob, er sei sicher, daß sie den alten Kriegsruf aufrecht erhalten werden. Sodann verlieh der Kaiser den Regimentern Heiligenbilder, welche die Offiziere kniend entgegennahmen. Um 5 Uhr reiste der Kaiser unter dem Jubel der Bevölkerung wieder ab. Hinrichtung japanischer Offiziere. Petersburg, 18. Mai. In Charbin wurden zwei japanische Offiziere hingerichtet. Sie hatten versucht, die Eisenbahnbrücke über den Fluß Boni zu sprengen. Vom Kronstadter Attentot. Die in Kronstadt auf einem englischen Dampfer festgenommenen drei verdächtigen Individuen erwiesen sich als Chinesen englischer Untertanenschaft. Sie werden bis zum Abgang des Schiffes festgehalten. Frankreich wird bedenklich. Paris, 18. Mai. Hier macht man keinen Hehl daraus',^ daß die Lage Rußlands sehr ernst ist. Man ist) hier überzeugt, daß Rußland nicht nur tzur Wahrung seinesl Ansehens in Ostasien kämpfen muß, sondern daß es sich um die Frage handelt, ob Rußland seine Stell-, ung als Großmacht wird beibehalten könnend Aus diesem Grunde müsse Rußland den Sieg über Japan erkämpfen. * Ein Verwandter des russischen Generals' Stössel hat mehrere Briefe von diesem erhalten, woraus hervorgeht, daß die Japaner tatsächlich Unterseeboote im Kriege benutzen. General Stössel war in einer Batterie am goldenen Berge Zeuge des Unterganges des Petropawlowsk, und berichtet, als das Geschwader sich dem Hafen näherte, wurde eine Torpille von einem japanischen Unterseeboot auf das Kriegsschiff lanziert. Das Unterseeboot wurde einige Augenblicke an der Oberfläche gesehen und es wurde auch darauf geschossen, aber ohne Erfolg. In einem anderen Briefe erklärt General Stössel, daß er noch andere Unterseeboote gesehen habe. — Großfürst Alexander Michajlowitsch hat den Bericht der Spezialkommission entgegengenommen, welche nach den Donetz- schen Kohlenrevieren abgegangen war, um festzustellen, ob die dortige Kohle an Stelle der englischen Kar- diffkohle für das russische Geschwader zu verwenden ist. Der Bericht bejaht die Frage. Bekanntlich gehören die Donetzschen Kohlenreviere französischen und belgischen Gesellschaften. Volttische Tagesschau. Zum Frankfurter Mordprozeß. In unserer Nachbarstadt Fr an k fuvt hctt der M o r d- prozeß Gr oß-Stafforst mit der Verurteilung der beiden Angeklagten zum Tode geendet. Der Prozeß entroHte ein Bild scheußlicher Bestialität und beispielloser sittlicher Verkommenheit. Die Verbrecher sind weder dekadent, noch pervers; es ging aus der Verhandlung klar hervor, daß sich beide Verbrecher absolut bewußt waren, daß sie etwas Unrechtes taten, daß sie eine scheußliche Gemeinheit ausführten. Wiederholt waren diy Verbrecher im Lokal des Unglücklichen Ermordeten, die Tat konnte aber nicht ausgeführt werden, weil der eine der Kerle immer wieder Gewissensbedenken hatte; er scheute sich, den Mord zu vollziehen. Das Todesurteil des Frankfurter Schwurgerichts wird voraussichtlich vollstreckt werden, obwohl nur der eine der beiden Angeklagten, der von seinem Gewisser: gepeinigte Stasforst, ein unumwundenes Geständnis abgelegt hat und gegen Groß nur Indizienbeweise, allerdings erdrückender Natur, sprechen. Ms prinzipieller Gegner der Todes- strafe plädieren wir, obgleich hoffnungslos, auch in diesem Falle auf Umwandlung der Todesstrafe in lebenslängliche s Zuchthaus, eine Strafe, die jedenfalls Härte r wäre als die schnell vollstteckte Todesstrafe, aber auch viel mehr als diese dem ideellen Zweck der ©träfe, der Läuterung, entspricht. Mag diese Läuterung auch in der weitaus überwiegenden Mehrzahl von Fällen ausbleiben, der Versuch muß ii. E. in jedem Falle gemacht werden. Es erscheint uns gleichzeittg nützlich, angesichts dieses Mordprozesses der Reichstags-Verhandlungen in der vergangenen Woche zu gedenken. Im Reichsparlament unterhielt man sich bekanntlich jüngst eingehend darüber, wie wenig menschlich die Zuchthäusler in der Internierung behandelt würden. Auf der Grundlage gestohlener Akten war ein stattliches Anklagematerial zusaM- mengebrackt worden, das die unmenschliche Behandlung Gefangener bartun sollte. Von feiten der Reichsregierung sowohl, wie von feiten der Parteien wurde scharf erwidert und die teilweise Verlogenheit der Berichte und zum andern die absichtliche Uebertreibung feftgeftettt Im übrigen aber sind eine ganze Reihe sozialdemokratischer Zeitungen unter Anklage gestellt, sodaß es den Herren ja dann leicht gemacht ist, ihre Behauptungen vor der Oeffent- lichkeit zu beweisen. Wir sind für Menschliche Behandlung der Verbrecher und gegen jegliche Grausamkeit in der Bestrafung. Das Innenleben eines Zuchthauses ist schrecklich und man wird mit Entschiedenheit dafür eintreten, daß Grausamkeit als Strafmittel beseittgt wird. Aber auf der anderen Seite ist es doch Tatsache, daß wir in der humanen Behänd-- hing des Verbrechertums Fortschritte gemacht haben. Strafe muß sein — das ist ein moralisches Gesetz, das jeder gesund Empfindende als einen ein organisierten Bestandteil feiner sittlichen und intellektuellen Individualität erkennt, ©träfe muß fein, auch wenn man Mitleid mit dem Bestraften hat. Warum sind denn Groß und Stasforst wiederholt umgekehrt und habdn ihr geplantes Verbrechen nicht ausgeführt? Die Stimme des Gewissens, die in jedem gesunden Menschen selbsttättg wirkt, hat sie vor der Ausführung des Verbrechens gewarnt; sie wußten ganz genau, daß sie etwas tun wollten, was gemein ist, was sie nicht dürfen. Aber ttotzdern, die Befolgung der alt- jüdischen Regel „Auge um Auge, Zahn um Zahn" wider- spricht dem heutigen geläuterten christlichen Kulturempfinden. Heber eht vereiteltes Attentat auf den Zaren schreibt der Petersburger Korrespondent der „Bresl. Ztg." seinem Blatt unter dem 2. (15.) Mai: Die vornehme Welt von ©t. Petersburg steht noch immer unter dem Eindruck des schweren Ereignisses vom 28. April (alten Stils), welchem der Zar und die nächsten Mitglieder des Kaiserhauses beinahe zum Opfer gefallen wären. Am 28. April fand auf dem Marsfelde die große Frühjahrsparade statt, welche der Zar alljährlich einmal über seine Garde und die Truppen der Umgegend der Residenz abnimmt. Der städtischen Verwaltung ist es gestattet, an diesem Tage auf dem Marsfelde Tribünen zu errichten und die Plätze auf ihnen zu verkaufen (das Geld dafür fließt gewissen Wohltättgkeitsanstalten zu). Nur einige Logen, welche sich in der Nähe des kaiserlichen Standottes befinden, werden nicht von der Stadt, sondern direkt vom Ministerium des kaiserlichen Hofes an ihm genau bekannte Personen verkauft, welche sich durch hohe Stellungen auszeichnen. In einer dieser Logen, in unmittelbarer Nähe des Zaren, befand sich auch das junge Fräulein Mereshkowski, die Tochter des er ft en Psychiaters Rußlands, des Geheimrates Prof. Dr. Mereshkowski. Die junge Dame, welche die höheren weiblichen Kurse besucht, war von der nihilistischen Partei dazu ausersehen worden, das Bombenattentat gegen den Zaren zu verüben. Ihr aufgeregtes scheues Wesen fiel einigen höheren Beamten auf, so daß man sich kurz vor dem Eintreffen des Zaren auf die Gefahr hin, einen schweren Mißgriff zu begehen, zu ihrer Verhaftung entschloß. Man fand bei ihr eine sehr gut konstruierte, äußerst gefährliche Sprengbombe. Das junge Mädchen leugnete nicht, das Attentat vorgehabt zu haben. Der alte Mereshkowski ist durch dieses Ereignis ganz gebrochen. Das Los der Verhafteten ist wahrscheinlich der Strick. Haben die Stadtverordneten gegenüber dem Bürgermeisteramt ein Tadelsrecht? Diese Frage beschäftigte aus Anlaß einer Denkschrift des Magistrats, worin er den Stadtverordneten ein solches Recht entschieden bestreitet, zwei Stunden hindurch die Stadtverordnetenversammlung zu Halle a. S. Ueber den von uns jüngst bereits kurz erwähnten Streit wird geschrieben: ® A ® mo^alltck75Pß,vtt^el- GieheimAilMgerW " General-Anzeiger " u den poltt. und allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW V -ir ’ ” zetgenteil: Hans Beck. Per Aufkand in Aeutsch-Südwegafrika. Privatnachrichten au§ Südwestafrika zufolge sollen die Hereros noch für zwei Jahre mit Munition versehen sein. Für den weiteren Truppentransport nach Deutsch-Südwestafrika sind von der Reichsregierung die Lloyddampfer Schleswig und Aachen gechartert worden. Von den 90 Mann, die sich freiwillig von der 16. Division in Trier für Südwestafrika gemeldet haben, begleiten den Generalleutnant v. Trotha Hauptmann Manger und Leutnant Gisselmann vom 29. Jnf.- Regiment, Leutnant v. Ameln vom 161. Regiment und 29 Mann und 10 Unteroffiziere verschiedener Regimenter. Generalleutnant v. Trotha ist am Mittwoch abend von Trier abgereist. Die Bevölkerung bereitete ihm einen herzlichen Abschied. Ter Adjutant des Prinzen Joachim Albrecht von Preußen teilt der ,,Nat.- Ztg." mit, der Prinz werde nach endgiltiger Entscheidung an dem Feldzuge in Südwestafrika nicht teilnehmen. Deutsches Deich. Berlin, 18. Mai Ter Kaiser begab sich heute von Kummersdorf nach Berlin und besuchte nachmittags mit der Kaiserin die Kunstausstellung im Landesausstellungsvark. — Die kaiserliche Familie wird auch in diesem Sommer Aufenthalt auf Wilhelmshöhe nehmen. Sie soll am 11. Juli dort eintreffen. — Der Geh. Oberregierungsrat und Vortragende Rat im Reichsamt des Innern Dr. v. d. B o r g h t ist nach der „Reuen polit. Korr." zum Präsidenten des Kaiserlich-Statistischen Amts ernannt worden. (Dr. v. d. Borght war ursprünglich in Aachen Handelskammersekretär, dann Professor an der dortigen technischen Hochschule. Als preuß. Landtagsabgordneter wurde er ins preuß. Ministerium und dann ins Reichsamt des Innern berufen. D. Red. d. „Gieß. Anz."> — Der Antrag des Reichstagsabg. Dr. Becker-Offenbach auf „reichsgesetzliche Regelung des Verhältnisses zwischen Krankenkassen und Aerzten, erforderlichenfalls auch außerhalb des Rahmens einer Gesamtreform des Krankenversicherungsgesetzes", findet in den Kreisen der deutschen Aerzte allgemeine und freudige Zu st immun g. Auch in Berlin sind bereits entsprechende Resolutionen gefaßt und dem Abg. Dr. Becker übersandt worden. — Der Ausschuß des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie veröffentlicht einen Aufruf „An alle Deutschen ohne Unterschied des religiösen und politischen Bekenntnisses, sich ihm zur Niederwerfung der Sozialdemokratie anzuschließen, um die Bahn für eine große Zukunft Deutschlands wieder frei zu machen". Der Mindestbeitrag für ein Jahr beträgt eine Mark. — Den Bundesregierungen wurde vom Reichskanzler der Entwurf einer neuen Maß- und Gewichtsordnung mit dem Ersuchen um Prüfung mitgeteilt. Der Entwurf wird demnächst mit Erläuterungen veröffentlicht, um weiteren Kreisen Gelegenheit zur Meinungsäußerung zu geben. P o sen , 18. Mai. Major En dell wurde heute zum Vorsitzenden des l an d w ir t s ch a ftlich e n Kr e i s v e r ein s ernannt. Damit ist Endell wieder an die Spitze der Posener Landwirtschaft gelangt. Leipzig, 18. Mai. Bekanntlich hatte die letzte kreishaupt- mannschastliche Verfügung den Mitgliedern der Ortskrankem taffe die Wahl unter sämtlichen Leipziger Aerzten bis zur Höchstzahl von 375 gelassen. Jetzt hat das unter der Leitung des sozialdemokratischen Stadtv. Pollender arbeitende „Aktionskomitee für Arztsachen", mit anderen Worten der Kassenvorstand, eine Arztliste aufgestellt, welche die Namen von nur 139 Aerzten enthält. Diese setzen sich zusammen aus 80 bisherigen Distriktsärzten und nur 59 bisherigen Kassenärzten. Es werden also 171 Kassenärzte boykottiert! Es fragt sich nun, ob sämtliche Kassenmitglieder auf diesem Wege folgen werden, und ob nach Wiedereinführung der Familienbehandlung — dann kommen 350 000 Personen in Betracht — die oberste Aufsichtsbehörde die Aerztezahl, 139, als genügend erachtet, woran wohl stark zu zweifeln ist. Das Aktionskomitee sucht die Sache so darzustellen, als ob man das zur Verfügung stehende Pauschalhonorar nicht auf 300, sondern nur auf 59 Kassenärzte verteilen wolle, damit diese wenigstens zufriedengestellt würden. Verteile sich dagegen das Pauschalhonorar auf die gesamte Anzahl, so käme auf jeden Arzt ein so geringer Bruchteil, daß die Kasse auf neue erhöhte Honorarforderungen der Aerzte gefaßt sein müsse. Diese Vor- sorglichkeit ist verdächtig übereilt. Warum wartet die Kasse nicht, bis die Aerzte tatsächlich eine höhere Pauschale beanspruchen, um dann eine Verminderung der Aerztezahl zu beantragen? Stuttgart, 18. Mai. Die Kommission der Abgeordnetenkammer hat den Antrag auf Einführung des Neunstunden- t a g e s in den Staatswerk st ätten mit allen Stimmen gegen diejenigen der Sozialdemokraten abgelehnt. Aus Stadt und Sunil. Gießen, 19. Mai 1904. *' Hoftrauer. Se. Königs. Hoheit der Groß Herzog geruhten wegen des Ablebens Ihrer König!. Hoh. der Erb- großherzogin Pauline von Sachsen-Weimar-Eisenach eine Hoftrauer vom 17. bis einschließlich 24. Mai anzuordnen. " Personalien. Se. K. H. der Großherzog haben einer größeren Anzahl von Eisenbahnbeamten in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft die unkündbare Anstellung verliehen, darunter in Gießen den Zuführern Heinrich Scherz und Emil Kallenbach und dem Packmeister Georg Schäfer. — In den Ruhestand versetzt wurde der Bahn- tvärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Heinrich Schmidt zu Langsdorf mit Wirkung vom 1. Juli 1904. "Die Kanalisation. Oberbaurat Schmick aus Darmstadt, welcher die Pläne für die Kanalisation der Stadt Gießen entworfen hat und unter dessen Oberleitung die Ausführung derselben erfolgt, wird Mittwoch, den 8. Juni, abends 8 Uhr, in einem öffentlichen Vortrage die ganze Anlage und insbesondere die auf den anzuschließenden Grundstücken und in den Häusern zu treffenden Einrichtungen erläutern. Rach der Einführung der allgemeinen Versorgung mit einwandfreiem Wasser ist die allgemeine Kanalisation die wichtigste Anlage, die unsere Stadt seither durchgeführt hat. Durch die Wasserleitung ist der früher hier so häufige Typhus fast ganz beseitigt und die Kanalisation wird den Gesundheitszustand unserer Bevölkerung noch weiter heben. Unsere Stadt hat schon jetzt — nach Ausscheidung der Sterbefälle Auswärtiger in den Universitätskliniken — eine geringe Sterbezahl und in einigen Jahren wird sie voraussichtlich zu den gesundesten Städten Deutschlands zählen. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit des Gegenstandes ist jedem der Besuch des Vortrages anzuraten. Wo der Vortrag gehalten wird, soll Anfang Juni bekannt gegeben werden. " B e s i tz w e ch s e l. Der Molkereibesitzer Persyn kaufte das Anwesen Lindenplatz 8 für 17 000 Mk. von H. Schaum- berget. '* Nationaler Gesangs-Wettstreit. Der große Festzug, welcher am Montag, den 23. d. Mts., mittags 1 Uhr, vor dem Walltor seine Aufstellung nimmt, wird sich durch die folgenden Straßen bewegen: Walltorstraße, Lindenplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Schulstraße, Neuenbäue, Ludwigs- platz, Grünbergerstraße bis Moltkestraße; hier Gegenzug über Grünbergerstraße, Gartenstraße, LudwigSplatz, Südanlage, Seltersweg, Kreuzplatz, MäuSburg, Marktplatz, Marktstraße, Bahnhofstraße, Westanlage nach dem Festplatze. Ein allgemeines Beflaggen der Häuser ist dringend erwünscht. Es sei an dieser Stelle auf das diesbezügliche Inserat in der heutigen Nummer hingewiesen. " Das 31. Gauturnfest des Gaues Hessen wird vom 9.—11. Juli dss. Js. in Usingen abgehalten. Auf Veranlassung der Turngemeinde Usingen sind verschiedene Ausschüsse gebildet worden, welche die Vorarbeiten aufs eifrigste betreiben. Als Festplatz ist ein sehr geeigneter, großer Platz in unmittelbarer Nähe der Stadt ausersehen, von welchem sich eine prachtvolle Aussicht auf den Taunus bietet. Ein allen Anforderungen entsprechender, geräumiger Turnplatz ist in erster Linie vorgesehen. Das Festprogramm ist sehr reichhaltig. " Wernings Kriegsfestspiele. Die hiesigen Kriegervereine haben in einer gemeinschaftlichen Sitzung über die Verwendung des Festspielfonds im Jahre 1903 Rechnung abgelegt, wobei die satzungsgemäße Verwendung der Gelder dargelegt wurde. Es haben verausgabt: der Kriegerverein 80 Mk., der Veteranenverein 50 Mk., die Kriegerkameradschaft 120 Mk. Der Gardeverein hat im vergangenen Jahre Unterstützungen aus dem Fonds nicht gewährt. " Aus Kurhessen, 18. Mai. Die Landwirtschaftskammer in Kassel sieht sich genötigt, gegen die im Bezirk Kassel zunehmende Güterschlächterei zu Felde zu ziehen. In einem an die landwirtschaftlichen Vereine gesandten Schreiben heißt es: „In unheimlicher Weise mehren sich in letzter Zeit die Nachrichten über die zunehmende Güterschlächterei in unserem Bezirk. Ganz abgesehen von den kolossalen Summen, welche die Güterschlächterei verdienen und aus den Dörfern hinaustragen, gibt es doch weiter zu schweren Abhängigkeitsverhältnissen der Bauern diesen Händlern gegenüber Veranlassung". Die Landwirtschaftskammer will gegen dies Verfahren der Händler, Güter in kleinen Teilen aus Gewinnsucht zu veräußern, bei der Behörde vorstellig werden, und ersucht die Kreisvereine um Material hierzu. "Pferde-Lotterie. In die Kollekte des Karl Panser siel bei der Ziehung der gestrigen Darmstädter Pferde-Lotterie der 12. Preis, 1 Pferd. ” Erholungsurlaub im Handelsgewerbe. Der Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig sendet uns folgende Zuschrift: In einzelnen Handelsbetrieben werden in diesen Tagen Ver- iügungen getroffen, zu welcher Zeit Prinzipal und Angestellte ihren Erholungsurlaub in diesem Jahre antreten. Denn die schöne Sitte des Urlaubs bürgert sich auch in Deutschland immer mehr ein, während sie in dem hochentwickelten Geschästsleben Englands und der Vereinigten Staaten von Nordamerika schon lange besteht. Auch der einsichtsvolle deutsche Prinzipal erkennt heute an, daß der Angestellte nach einer dauernden Erholungszeit schaffensireudiger zurückkehrt, und zugleich hält er es für eine Ehrenpflicht, sein Interesse am Wohl und Weh seiner Mitarbeiter artch durch Gewährung eines Urlaubs zu bekunden. Bei gegenseitiger Vertretung wird dem Angestellten der Urlaub ohne Beeinträchtigung des Geschäftsbetriebes gewährt werden können. r Ob er- Bess ingen, 18.Mai. Gestern mittag zwischen 12 und 1 Uhr wurde der Besitzer der Horstenburg, A. Schmidt, in seiner eignen Wirtschaft überfallen und mit einem Steinhauerhammer übel zugerichtet. Der Täter, ein gewisser Brück von Nonnenrod, war vorher mit Sch. allein im Wirtszimmer und ließ sich aus bis jetzt noch unaufgeklärten Gründen zu der unseligen Tat hinreißen. Die Ehefrau Sch.'s fand ihren Mann mit tiefen Wunden am Kops und Brust bewußtlos vor. Die Verletzungen Sch.'s sollen nach Aussage des Arztes, der mehrere Knochensplitter vom stark beschädigten Schädel entfernt hat, schwer sein. Das Gericht war zur Feststellung des Tatbestandes abends noch erschienen, doch ist Sch. bei seinem jetzigen Zustande kaum vernehmungsfähig. — Den Täter Brück hat man heute morgen als Leiche aus einem bei Nonnenrod gelegenen Teiche geländet. Die Tat stellt sich als ein schon länger geplanter Racheakt dar. Mainz, 18. Mai. Vor einigen Wochen wurde der V i z e f e l d w e b e l M ü l l e r, der als Zahlmeisteraspirant beim hiesigen Bezirkskommando tätig war, wegen Unterschlagung von 3000 Mark zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe und den üblichen Nebenstrafen verurteilt. Jetzt erst wird bekannt, daß Müller ein Los spielte, das bei seiner Verhaftung zwei Bekannte von ihm übernahmen. Einen Tag nach seiner Verurteilung wurde das LoZ mit 10 0 00 Mark gezogen! — Wegen Majestätsbeleidigung angezeigt wurde nach dem „M. Tgbl." der Kapitän eines hier vor Anker liegenden Schiffes. Die Matrosen eines Schiffes haben die Anzeige erstattet und behaupten, daß der Kapitän ihnen gegenüber die beleidigende Aeußerung über den Kaiser getan habe. Wiesbaden, 18. Mai. Das Institut Colonial International verhandelte heute über die Frage der Bergwerksgesetzgebung für die Kolonien. Berichterstatter war Paul de Valroger-Paris. Valroger sprach sich gegen jeden Staatsbetrieb als wirtschaftlich unzweckmäßig aus. Hiergegen trat Admiralitätsrat Prof. Dr. Köbner- Berlin für die Zweckmäßigkeit staatlichen Bergwerkseigentums wenigstens hinsichtlich eines Teils der Bergwerke einer Kolonie unter gewissen Voraussetzungen ein. Der frühere holländische Minister Pierson trat Köbner bei und berichtete über die günstigen Erfahrungen, die mit den staatlichen Bergbetrieben in Niederländisch-Jndien gemacht seien. Alsdann wurde die Frage der verschiedenen Bewässerungssysteme in den Kolonien erörtert. Berichterstatter war der frühere Staatsingenieur in Niederländisch-Jndien Post. Die Bewässerungsfrage soll nach Sammlung von Material aus den verschiedenen kolonialen Staaten im nächsten Jahre nochmals behandelt werden. Ebenso wurde beschlosien, auch die Frage der Berggesetzgebung wiederum auf die nächste Tagesordnung zu setzen. In der Nachmittagssitzung wurde zunächst beschlossen, als neue Verhandlungsgegenstände auf die nächste Tagesordnung zu setzen: 1. die Ergänzung des kolonialen Beamtenstandes, Referent der frühere holländische Generalgouverneur Pinajker Hordijk; 2. die Kreditgewährung an Eingeborene. Referent Legationsrat Zimmermann. Hierauf wurde als letzter Gegenstand der diesjährigen Tagesordnung die Organisation >des Kapitals in den Kolonien behandelt. Der Referent Dr. Scharlach-Hamburg führte aus, es genüge nicht bloß'ein ideelles Jntereffe für die Kolonien, sondern erst, wenn weiteste Kreise des Heimatlandes mit eigenem (Selbe an kolonialen Unternehmungen interessiert seien, könne eine wirklich volkstümliche Kolonialbewegung bestehen. Die Kapitalien, welche in Lotterien und fremdländischen Anlagen massenhaft investiert seien und in letzteren vielfach verloren würden, müßten den eigenen Kolonien zu Gute kommen. Dr. Scharlach vertritt die Einführung von kolonialen 20-Markaktten. Auf Anregung Sir Hubert JerninghamS wurde beschlossen, die Frage bis zur nächsten Tagung nochmals einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. In seinem Schlußworte erklärte Dr. Scharlach, daß er seinen Grundgedanken der Gewinnung des nationalen Kapitals für die Kolonien unbedingt aufrecht erhalte. Frankfurt a. M., 18. Mai. Heute nacht ereignete sich auf der Landstraße zwischen Forsthaus Gehspitz und Mitteldick ein schwerer Automobil-Unfall. DaS Automobil fuhr gegen einen Lastwagen, so daß die drei Jnsaffen, eine Dame aus Newyork, ein Mechaniker und der Chauffeur, herausgeschleudert wurden. Die Dame und der Mechaniker wurden schwer verletzt, während der Chauffeur nur leichtere Verwundungen davontrug. Universität Hießen. Drittes Verzeichnis der neu immatrikulierte» Studierenden. Juristische Fakultät. K. Mickler, Klein-Krotzenburg, Bleichstr. 21. A. Reinbrecht, Sondershausen, Westanlage 27. K. Erbgraf von Schlitz, gen. von Görtz, Schlitz, Bahnhofstr. 89. Medizinische Fakultät. D. Berg, Med., Oberhausen, Bleichstr. 13. F. Decker, Med., Worms, Schillerftr. 24. W. Ellering, Med., Bocholt, Bleichstr. 13. A. Escher, Med., Katernberg, Walltorstr. 35. W. Ferber, Med., Wörrstadt, Ludwigspl. 15. H. Greeven, Med., M.-Gladbach, Liebigstr. 67. F. Gronarz, Med., Düsseldorf, Seltersweg 35. P. Langer, Tierhlk., Mühlsdorf, Wilhelmstr. 1. P. Möckel, Med., Ziegenberg, Frankfurterstt. 25. Ä. Ritter, Tierhlk., Kirchheimbolanden, Walltorstr. 35. H. Rosenberg, Med., Bonn, Frankfurterstr. 93. H. Ruegenberg, Med., Olpe, Frankfurterstr. 72. K. Stein, Tierhlk., Grünberg, Grünbergerstr. 117. Philosophische Fakultät. R. Bosch, Forstw., Gut Bernau, Bismarckstr. 38. P. Coqui, Pharm., Magdeburg, Ludwigstr. 20. O. Erdmann, Math., Offenbach, Wetzlarerweg 39. E. Fresenius, Naturw., Frankfurt a. M., Westanlage 39. P. Gutknecht, Landw., Jchstädt, in Bad-Nauheim. W. Lucius, Forstw., Alt-Rehse, Grünbergerftr. 14 a. A. Mekenzie, Math., Dundee, Bismarckstr. 17. S. Rawinow, Philos., Dwinsk, Wohnung noch nicht angegeben. A. Rühl, N. Philol., Mühlheim a. Rh., Liebigstr. 55. L. Schuchmann, N. Philol., Metz, Moltkestr. 21. K. Schönewolf, Kl. Philol., Gießen, Bleichstr. 16 a. Vermischtes. • Kein zweiter Nasi. Nach den sensationellen Enthüllungen über den früheren italienischen Kultusminister Nasi bemühten sich einige reklamesüchtige italienische Blätter, ähnliche Affären zu entdecken. Einen schweren Hereinfall hat dabei das neue Blatt von der bekannten Romanschriftstellerin Mathilde Serao zu verzeichnen, der „(Storno", der von seinem Römischen Korrespondenten ganz unerhörte Dinge über einen früheren Po st Minister erfuhr. Der betreffende Minister — ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle und in der ganzen Welt, nicht zum wenigsten in Berlin, als Gentlemann bekannt — hätte bei seiner Heirat 2 5 000 Francs aus den Fonds seines Ministeriums entnommen und zur Hochzeitsreise verwendet! Au§ dem Neapeler „Giorno" druckte diese Schauermär dann das sozialistische Genueser Blatt „Lavoro" mit voller Nennung des Namens des Exministers ab, worauf der also Angefallene gegen das Blatt, aber auch gegen den „Giorno" Verleumdungsklage erhob. • * Von einem Adler entführt. Dieser Tage wurde in Sutherlandshire ein l*/z jähriges Kind, das einzige Töchterchen eines Pächters, von einem Adler entführt. Das Kind spielte an der Tür des Elternhauses, während die Mutter Brod buk und der Vater auf dem Felde arbeitete. Als die Mutter mit dem Backen fertig war, rief sie das Kind. Da keine Antwort erfolgte, sah sie sich draußen nach der Kleinen um; als sie sie auch dort nicht fand, suchte sie mit dem inzwischen herbeigeholten Vater alle Wege, Felder und den Bergabhang ab. Da man zu Anfang der Woche Zigeuner und umherziehende Kesselflicker in der Gegend gesehen hatte, suchten einzelne Abteilungen das Land ab. Inzwischen durchsuchten die Waldhüter einen mit dichtem Ginster bestandenen Hügel, und einer von den Leuten, der sich daran erinnerte, daß Adler Lämmer fortgetragen hätten, drang über die felsigen Klippen auf den Gipfel. Da entdeckte er in einer Felsspalte einen kleinen Schuh; etwas höher hinaus fand er in einer tieferen Spalte den Leichnam des vermißten Kindes. An dem Körper fand man die grausamen ©puren von Adlerklauen, das Händchen der Kleinen hielt ein Büschel Adlerfedern umspannt. • Witwenschmerz. Witwe (vor einer Vogelscheuche): „So oft ich da vorbeikomm', muß ich an mein' lieben, seligen Mann denken; g'rad' so hat er immer aus'gschaut, wenn er auf d* Nacht z' Haus kommen is — der Haderlump!" — Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 17. Mai. Sehr geehrte Redaktion! Wiederholt hatten Sie in den letzten Tagen die Freundlich' feit, in Ihrer geschätzten Zeitung hinzuweisen auf die neu ein- gerichtete „regelmäßige" Motorbootfahrt zwischenGießen und D u t e n h o f e n, und vor kaum acht Tagen erschien iw Anzeigenteil ein ausführlicher, bis auf die Minuten genau aui* gestellter Fahrplan. Wie es jedoch tatsächlich jmt bev Möglichkeit steht, dieses Beförderungsmittel zu benutzen, darüber macyre ich bei einem ersten und letzten Versuche folgende Erfahrung : Aaai- bem wir die gute eine halbe Stunde Wegs vom Innern der Stad nach dem Landungsplätze zurückgelegt und die verichwiegene ötei an der Lahn gefunden hatten, war zu dem Zeitpunkte, an den planmäßig die Fahrt von statten gehen sollte, von ewem Bo nirgends etwas zu schauen. Als wirdann endlich nach 20 Mm langem Warten das erhebende Schauspiel gemeßen dursten. ,potmd)ene gemächttch auf den Fluten herangleiten zu seben, und' nun auf sofortige Beförderung rechneten, gab der Bootsführer den einfachen Bescheid: eS werde wohl heute überhaupt keineFahrt mehr geben, denn solange nicht mehr als drei Fahrgäste da seien, habe er die Weisung, gar nicht zu fahren.! I — Ich frage: Wozu da die Aufstellung eines Fahrplanes? Oder glaubt man auf solche Weise einen Verkehr erschwingen zu können? e-. Kunst und Wissenschaft. Berlin, 18. Mai. Im Rathause beriet heute nacymnrag eine Versammlung von Delegierten deutscher Städte, der deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege, des Vereins für Kinderheilstätten an den deutschen Küsten, über die Frage, wie die Seehospize besser als bisher zur Unterbringung von Kindern mit Knochen- und Gelenktuberkulose auszunützen seien. Graz, 18. Mai. Heute fand die Enthüllung de? Hamer- ling-Denkmals im Beisein des Statthalters, des Landeshauptmannes, des Dichters Rosegger und zahlreicher Fest- gäste statt. Kerichtssaal. sausenden Hofzug das Gewehr präsentieren. Ein Soldat machte darüber eine unflätige Bemerkung, die von einem Sergeanten gemeldet und als Majestätsbeleidigung durch Ausstoßung des Mannes aus dem Heere und durch Verhängung von sieben Jahren Zuchthaus geahndet wurde. — Wegen Herausforderung zum Zweikampf und Kartelltragens wurden vor dem Kriegsgericht tn Düsseldorf ein Hauptmann der Landwehr zweiten Aufgebots sowie ein Hauptmann der Reserve au? dem Landwehrbezirk Barmen zu zwei Tagen bezw. einem Tag Festungshaft verurteilt. Arbeiterbewegung. Berlin, 18. Mai. 200 Arbeiter der Werkstätten der Großen Berliner Straßenbahn befinden sich im Ausstande.— Eine AnzahlB ä ck erm e i st e r beschloß heute abend in 10Bezirksversammlungen die bereits erfolgten Bewilligungen der Forderungen der Gesellen zurückzuziehen. Sieben von der Berliner Gewerkschaftskommiffion einberufene Volksversammlungen, beschlossen die Boykottierung aller Bäckereien, die die For-1 derungen der Gesellen nicht bewilligten. Landwirtschaft. d. Mainz, 18. Mai. Schon seit Jahren wurden fortgesetzt bei der Polizei von hiesigen größeren Geschäftsleuten Anzeigen von Ladendiebstählen gemacht, ohne daß es gelang, der Diebe habhaft zu werden. Besonders wurden in den Jahren 1901 und 1902 bei den Firmen Lotz und Scherr, Brühl und Schreiner und Hartenbach größere Seidendiebstähle ausgcführt. Die gestohlenen Seidenstoffe hatten einen Gesamtwert von ungefähr 1000—1500 Mark. Ebenso wurden zur damaligen Zeit fortgesetzt in dem Warenhaus Tietz Waren gestohlen. Auf eigenartige Weise kam nun die Polizei auf die Spur der Diebin. Ende vorigen Jahres wurde die Tochter einer hiesigen Wirtin getraut. Bei der Feierlichkeit fand sich an der Kirck»e zufällig die Verkäuferin eines der bestohlenen Geschäfte ein und erkannte in dem Hochzeitskleid der Braut den gestohlenen Seidenstoff ihres Geschäftes. Der Verdacht gegen die Familie wurde dadurch bestärkt, daß der Sohn der Wirtin in dem Geschäfte von Hartenbach als Kommis bedienstet war. Die Wirtin erklärte, daß ihre Schwägerin, die Ehefrau des Bäckermeisters Stärk, eine Hausiererin, zu ihr geschickt habe, die den Seidenstoff an sie verkauft habe. Auf ihre Frage, ob der Stoff auch ehrlich erworben sei, habe die Hausiererin erklärt, er sei von ihr in einem Konkursverfahren in Frankfurt erworben worden. Nachdem die Schwägerin der Wirtin vernommen worden war, stellte sich die Wahrheit dieser Behauptung als richtig heraus. Bevor die Entdeckung der gestohlenen Seidenstoffe gemacht wurde, war die 31 jährige Ehefrau des Taglöhners Andreas Silz geborene Reis, aus Finthen, wegen verschiedener Ladendiebstähle, die sie bei Tietz ausgeführt hatte, vom Schöffengericht verurteilt worden. Damals wurde durch den Kriminalschutzmann Reeg eine Wagenladung gestohlener Gegenstände bei der Silz beschlagnahmt. Im Besitze des Schutzmann befand sich auch eine Photographie der S., die er der Wirtin und deren Schwägerin vorlegte. Beide erkannten in dem Bilde die Hausiererin wieder, die sofort in Finthen verhaftet wurde. Den Verkäuferinnen der bestohlenen Geschäfte wurde die Silz ebenfalls gegenübergestellt, und sie erkannten in der S. eine Bauersfrau, die jede Woche zweimal, wenn das Personal zum größten Teil die Mittagspause angetreten hatte, mit einem zugedeckten Korbe in die Geschäfte kam, und sich eine große Auswahl von den besten Seidenstoffen vorlegen ließ, wobei fte die Diebstähle beging. Das Verfahren wurde hierauf gegen den Kommis, seine Mutter und deren Schwägerin eingestellt und die Silz angeklagt. Der Sachverständige, Kreisarzt Dr. Balser, erklärte, daß er, kurz nach der Verhaftung der Angeklagten, auf die Polizei gerufen wurde, weil sich die Silz sonderbar benahm. Bei seinem Eintritt in die Arrestzelle sei ihm die Angeklagte als ein Bild geistiger Verwirrung vorgekommen. Die Angeklagte habe in sehr schlechten Familienverhältnissen gelebt. Ihr Mann sei ein Trunkenbold und mißhandele öfters seine Frau. Sie habe sich schon tagelang von Hause entfernt und auch einmal den Versuch gemacht, sich bei Budenheim im Rheine zu ertränken. Mit Berücksichtigung dieser zeitweisen geistigen Störungen verurteilte das Gericht die Angeklagte zu 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahren Ehrverlust. Trier, 18. Mai. Der Unteroffizier Eckert wurde wegen Soldatenschinderei in 600 Fällen vom Kriegsgericht zu '/« Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt. Hannover, 18. Mai. In Dem Strafprozeß gegen die Verwaltungsmitglieder der in Konkurs geratenen Hannoverschen Landesbank, welcher seit gestern vor dem hiesigen Landgericht verhandelt wird, wurde heute auf Antrag des Staatsanwalts wegen dringenden Verdachts der Bilanzfälschung und Bilanzverschleierung gegen den Hanptangeklagten Arthur Schumann, den ehemaligen Direktor der Bank, ein Haftbefehl erlassen. Magdeburg, 17. Mai. Die Strafkammer verurteilte den vorbestraften Schreiber Eckleben aus Halberstadt wegen M a j e° stätsbeleidigung in zwei Fällen und zwei kleinen Zechprellereien zu 2 Jahren, 3 Monaten, 20 Tagen Zuchthaus und 6 Jahren Ehrverlust. Magdeburg, 18. Mai. Beim Salutschießen anläßlich Kaisers Geburtstag war ein Kanonier des 4. Fuß-Artillerie-Regiments an den Augen und an einem Arm, zwei andere leichter verletzt worden. Das Kriegsgericht verurteilte heute wegen Außerachtlaffung der Verhütungsvorschriften den Oberleutnant von Daacke zu 2 Monaten Festung, den Unteroffizier Wegener zu 13 Tagen Gefängnis, einen Gefreiten zu 7 Wochen und zwei Kanoniere zu 14 Tagen strengen Arrest. Kischinew, 18. Mai. In dem Prozeß wegen der Ausschreitungen gegen die Juden im April 1903 wurde heute das Urteil gefällt. Zwei Angeklagte wurden wegen Straßenunruhen zu acht Monaten Gefängnis mit Verlust einiger Rechte, zwei wegen schwerer Verletzungen an Juden zu einem Jahr schwerer Hast, zwei wegen Mordes zu vier Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sechs des Mordes Angeklagte wurden fr eigesprochen. DieZivilforderungen wurden als unbegründet zurückgewiesen. Leipzig, 17. Mai. Arn 23. November v. I. hatten sich sieben Bergakademiker vor dem Landgerichte Hildesheim wegen Zweikampfs mit tödlichen Waffen zu verantworten, weil sie sich an Schlägermensuren mit den üblichen Schutzvorrich« langen beteiligt hätten. Das Landgericht erkannte auf Freisprechung sämtlicher Angeklagten, weil nicht anzunehmen sei, daß es sich hier um einen Zweikampf mit tödlichen Waffen handle, nur einen solchen Zweikampf habe offenbar das Gesetz treffen wollen. Der bisher vom Reichsgerichte in einer Plenarentscheidung ausgesprochenen Ansicht, daß auch die Schlägermensuren als Zwei- tampf zu bestrafen seien, glaubte das Landgericht nicht beitreten zu können. Auf die Revision des Staatsanwalts h o o das Reichsgericht, 3. Strafsenat, das Urteil auf, da kein Anlaß vorliege, von Der bisher vertretenen Rechtsansicht abzugehen, und verwies die Sache an das Landgericht zurück. — Wegen Majestätsbeleidigung ist em Soldat vom 112. Regiment zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Als kürzlich der Kaiser, aus Italien kommend, an Mühlhausen vorüberfuhr, ließ der Kommandeur eines Bataillons des 112. Regiments auf dem Exerzierplatz vor dem vorüberDie landwirtschaftliche Zentralgenosse n s ch a f t will in der Nähe von Ansbach ein Gut von ca. 1000 Morgen erwerben und auf demselben ein Heim für etwa 100 junge Bauernburschen im Alter von 16 bis 25 Jahren errichten. Das Gut soll als Musterwirtschaft mit allen modernen Errungenschaften und Betriebsarten der Landwirtschaft, sowie allen Nebenbetrieben eingerichtet werden. Die Schüler sollen im Sommer das Gut bewirtschaften, im Winter aber einen umfassenden theoretischen Unterricht erhalten. Wir glauben, daß der Gedanke vorzüglich ist und daß wir der Durchführung desselben im Laufe der Jahre einen glücklichen Einfluß auf die Entwickelung unseres Bauernstandes verdanken werden. In hohem Grade bedenklich will uns aber erscheinen, daß man zu Leitern der ganzen Anlage Trappisten aus Bosnien berufen will. Wir haben alle Ursache, die selbstlose Wirksamkeit und die opferwillige Tätigkeit der Trappisten zu bewundern, und wir geben gern zu, daß dieselben unter schwierigen Verhältnissen sich als vorzügliche Landwirte bewährt haben. Wir können jedoch nicht glauben, daß diese Männer mit ihrem der Welt abgelenkten Sinne auf die Dauer geeignete Lehrkräfte für unsere deutsche Jugend zu werden vermögen. Wir möchten auch nicht wünschen, daß die düstere Lebensanschauung di eser Leute zum Eigentume unserer heimischen Bauern würde, die bei ihrer schweren Arbeit des Lichtes und der Sonne, der Freude und des Glückes gar sehr bedürfen. Selbst wenn bei den Trappisten ein guter landwirtschaftlicher Betrieb zu erlernen sein sollte, so ist im Kloster der Begriff der Arbeit doch ein anderer geworden, wie er sich im freien Wettbewerbe und unter dem Einflüsse der Zeit herausgestellt hat. Schließlich glauben wir auch, daß im deuffchen Vaterlande genug Leute zu finden sein werden, welche mit gutem Erfolge die Leitung einer solchen segensreichen Anstalt übernehmen könnten. Die gestellte Aufgabe ist eine so schöne, daß wir nicht zweifeln, daß sich auch bei uns die geeigneten Kräfte fbiben werden. (?) Schotten, 17. Mai. Hier hat sich ein Kreisziegenzuchtverein gebildet, welcher die Satzungen des Lauterbacher Vereines zur Grundlage hat. Zum Vorsitzenden wurde der Großb. Beigeordnete und Gasthofsbesitzer Theodor Cellarius gewählt. — Am 24. d. M. finoet unser alljährlich gut besuchter Prämiierungsmarkt, verbunden mit Verlosung, statt. An Prämien, die für Bullen der Vogelsberger und Simmentaler Rasse zur Verteilung kommen, sind 400 Mark vorgesehen. 18. 18. 19. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Mai 1904. Barometer auf 0° reduziert c i c £ der Luft Absolute Feuchttgkeit Relative Feuchttgkeit Windrichtung Windstärke 1 Wetter 2»5 746,9 18,1 8,5 55 W. 4 Bew. Himmel 9" 746,4 15,4 9,2 70 2 u w 716 747,9 12,0 7,8 75 V 2 V w Höchste Temperatur am 17. bis 18. Mai — + 20,90 C. Niedrigste , „ 17. „ 18. „ = + 7,6° 6. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 20. Mai 1904: Windig, zeitweise heiter, kühler, besonders nachts, Regen, besonders im Osten und Süden. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschast. Hottesdlenft. Freitag, den 20. und" Samstag, den 21. Mai 1904. Wochenfest. 1. & a g. Vorabend 8.00 Uhr. Vormittag 8.00 Uhr. Predigt. 2. Tag. Vorabend 7.45 Uhr. Vormittag 8.00 Uhr. Nachmittag 4 Uhr, Festesausgang 9.05 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr, abends 8.55 Uhr. Israelitische Religionsgemeinde. Hottesdienü in der Synagoge (Südankage). Freitag, den 20. und Samstag, den 21. Mai 1904. Wochenfest. 1. Tag. Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Predigt. 2. T a g. Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Festesausgang 9.05 Uhr. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Farbwerke, vorm. Meister, Lucius u. Brüning in Höchst a. M. Die 3 000 000 Mk. neuen Aktien, durch deren Ausgabe sich das Aktienkapital auf 20 000 000 Mk. erhöht, werden nunmehr den alten Akttonären zur Verfügung gestellt. Im Geschäftsbericht war bereits auSgeführt, daß die Aktien zum Preis» von 300 Proz. von einem Konsortium übernommen wurden. Diesem gehören auch die Deutsche Bank und S. Bleichröder in Berlin an. Das Konsortium hat sich verpflichtet, den alten Akttonären für je sechs alte eine neue Aktie zu überlasten. Es werden formt von den neuen Aktien 2,83 Mill, durch das Bezugsrecht abforbirt, während der Rest von 0,17 Mill, dem Konsortium zufällt. CiicrorifdiCf. — Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Litv raturfreunbe. (Herausgeber: Dr. Josef Ettlinger: Verlag: Egon Fleische! u. Co. Berlin W. 35 i Zweites Mai-Heft: Rubolf Lothar, Die Schule bes Lustspiels: Kurt Aram, Die Liebe im Menschen (Semonnier); Wilhelm Sögeler, Mutter und Sohn (Geijerstam, Nils Tufvesson und seine Mutter): Leo Greiner, Die Jagd nach Liebe (Heinrich Mann': Eduard Platzhoff-Lejeune, Die Eigenen (Emil F. Ruedebuschl: Georg Witkowski, Goethe- Schriften: Jacob Scherek, Ein neuer dänischer Dichter (Laurids Bruun): Johannes Trojan, Ein moderner Chesterfield (Lorimer, Briefe eines Dollar-Königs an seinen Söhn': Frieda Freiin v. Bülow, Johanna Niemann. Echo der Zeitungen, Echo der Zeitschriften, Echo des Auslandes, Echo der Bühnen. Kurze Anzeigen, Meinungsaustausch, Notizen, Nachrichten, Ter Büchermarkt. Nenelle Melduilaen. Chemnitz, 19. Mai. Hauptmann Freiherr v. Halkett vom sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 134 wurde vom Kriegsgericht zu 3 Monaten Gefängnis wegen unzüchtiger Handlungen verurteilt. Stockholm, 18. Mai. Beide Kammern lehnten den Antrag, betreffend Ausdehnung des Stimmrechts, ab. Die Angelegenheit ist damit für diese Session erledigt. London, 19. Mai. lieber die Bez iehun gen Deutschlands zu Rußland erhält der „Daily Telegraph" aus Petersburg folgendes anscheinend aus guter Quelle stammendes Telegramm: Seit dem Abschluß der französischrussischen Allianz sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland nie so herzlich gewesen, wie heute. Die erste Frucht dieses Einvernehmens ist die Beseitigung der Schwierigkeiten für einen Abschluß des Handelsvertrages und in Anerkennung der von Deutschland Rußland in den letzten sechs Monaten geleisteten Dienste, sowie des Versprechens noch eklatanterer deutscher Freundschafts-Beweise in nächster Zukunft wird Rußland seine bisherigen Einwendungen gegen den Handelsvertrag auf der von Bülow vorgeschlagenen Bast? aufgeben. London, 19. Mai. Daily Chronicle meldet, die Japaner haben die Garnison von Kaiping angegriffen. Dieselbe ist jetzt viermal so stark, als sie im Chinesisch- japanischen Kriege war. Man erwartet, daß die Stadt heute von den Japanern besetzt wird. Paris, 19. Mai. Das „Journal des Debats" leit- artikelt über den angekündigten Besuch des Königs von England in Kiel und nennt diesen Besuch eine neue Friedensgarantie. Es wäre weit beunruhigender gewesen, wenn der König es systematisch vermieden hätte, sich mit Kaiser Wilhelm zu treffen. Da England und Frankreich sich über ihre auswärtige Politik geeinigt haben, ist es jetzt gleichgillig, ob England auch zu anderen gute Beziehungen unterhält. Lemberg, 19. Mai. Wie zwei hiesige Blätter aus Warschau melden, wurde der angesehene polnische Schrifsteiler Kasimir Bartoszewicz, welcher seit Langem Mitarbeiter des Warschauer „Goniec" war, aus Rußland ausgewiesen. Graz, 19. Mai. Abends ging über der hiesigen Stadt und Umgebung ein furchtbares Unwetter nieder. Sämtliche Kulturen wurden durch den Hagel vernichtet, viele Fenster zettrümmert. Petersburg, 19. Mai. Ein Telegramm, welches dem Generalstab gestern Abend 9 Uhr 50 Min. Zugegangen ist, berichtet, daß die Japaner Liutschwang besetzt haben. (?) Petersburg, 19. Mai. Hier zirkuliert das noch unverbürgte Gerücht, daß Kuropatkin beim Zaren in Ungnade gefallen sei und daß dessen Abberufung sofort erfolgen werde, wenn ein geeigneter tüchtiger Truppenführer gefunden ist. Telephonischer Kursbericht. SVgö/o Reichsanleihe . . 101.85 3O/o do. ... 89.50 3‘/,°/o Konsole .... 101.70 3°/n do 89.75 31/2°/n Hessen .... 99.80 3ll2% Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 100.80 4xI6% Oesterr. Silberrente 99.90 4% Ungar. Goldrente . . 98.10 4°/i Italien. Rente , . . 102.60 4l/,% Portugieser . . . 59.90 3°/ Portugiesen 58.25 1% C. Türken . . . Türkenlose * 127.40 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 46.10 41I,% äussere Argentiner —.— 3% Mexikaner .... 26.50 4,/e°/o Chinesen .... —.— Electric. Schuckert . . . 106.00 Nordd. Lloyd . . . . 10310 Kreditaktien . . . , . 201.00 Diskonto-Kommandit. . . 185.50 Darmstädter Bank . . 136.50 Dresdener Bank .... 151.80 Berliner Handelsges. . . 152.90 Oesterr. Staatsbahn . . . 137.20 Lombarden .... 13.50 Gotthardbahn 191.00 Laurahütte 242.00 Bochum 191.00 Harpener 196.75 Tendenz: fest. Frisch eing-etroffen: Diesjährige Gänse und Enten, Französische und Metzer Poularden; ferner: frischer Ananas, Erdbeeren. Pfirsiche und Kirschen. Carl Schwaab, Hofdelikatessenhandlung. Telephon 265. 324 Seltersweg 23. Tifchwem per Flasche ohne Glas 50 Pfennig und höher unter Garantie für Naturreinheit empfiehlt Fr. Leo Nachf., C. Herber 58 Seltersweg 58. 4502 (Inh.: Carl Haas jr., Gießen) Ringofen-Kalkwerke. ßm- Uri Weih««.... siflolf stets vorrätig. 785 Telephon: Kalkwerke Nr. 200, Kontor Nr. 282. MAGGI Unübertroffen in Feinheit des Aromas, Ausgiebigkeit und Billigkeit ist Männer - Badeverein. Die Anstalt ist eröffnet. 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Mai er. gefaßt. irr Empfangs-, Zug- und Grdüinigs-Ansschnß: 4511 Wilhelm Hornberger. Nationaler Gesangs-Wettstreit zu Giern Mngsten 1904. Die Herren Mitglieder des Zug-, Empfangs- und Ord- nungS-Ausschuffes werden hierdurch nochmals höflichst um pünktliches Erscheinen am Psingstmontag Vormittag 1/i8 Uhr am Bahnhofe gebeten. Nach Eintreffen der Extra-Züge erfolgt daselbst der Empfang der Festgäste, sowie Einzug derselben mit Musik in die Stadt. 4509 Der EmpfüW-, Zuz- unii Lrimngs-WW. Wilhelm Hamberge r. Kaufe sofort ein bauwürdiges Gvuberrfeld. Offerten mit Unterlagen und Preis unter 4490 an die Expedition d. Bl. Für Züchter! Zur Aufzucht und Pflege empfehle: 4493 Feinstes Fleischfaser- GHge!- und Meilsiittn sowie MondeKnchen in Originalsäcken u. lose verwogen. ChristianWallenfels 17 Marktplatz 17 Telephon 262. Gegründet 1826. 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