zetqenteil: HanS Beck. QSEÖSSÖ Die heutige Yummer umfaßt 8 Seiten. Schulstratze 7, ilbreflt für Depeschen: Anzeiger Wietzen« Fernsprechanschluß Nr.ül. Nr. 5845 erieetttt tLgkich außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem SeMschen Landwirt die Gießener Zamilien- Blätter viermal in der Woche beigelegt. NotartonSdruck u. Der» tofl der Brüh l'schen Unwers.-Buch-u. Dlein- druckeret. St. ödttge. Blatt. 154. Jahrgang Dienstag 18. Oktober 1904 GietzenerAnzeigerW “ «eneral.llnjciger * t™K Amts- md AnzeigMM für den Kreis Lichen MR Tode des Königs Keorg von Sachsen. Aus P i >l l n i h wird' gemeldet: Die Sektion der Leiche Königs Georg, die Geh. Medrzinalrat Dr. Schmorl im Beisein der Leibärzte Prof. Dr. Fiedler und Dr. Selle vornahm, hatte folgendes Ergebnis: Der König litt an chronischen Entzünd- ungsvorgängen am .Herzen, sowie an Ernährungs- an diesem und in der großen Körperschlagader lUtherom); es stellte sich eine bedeutende Vergrößerung ^5.^H^Ens heraus, die jene Beklemmungen und asthmatischen Erscheinungen hervorrief. Schließlich wurden Stau- ungserschemungen in dem großen und kleinen Kreislauf festgestellt. Die Schwellung der Beine war eine Folge dieser Krankheit. Während der Dauer der öffentlichen Ausstellung im Hauptsaale des Wasserpalais war eine Ehrenwache von 2 Ossizieren, 2 Unteroffizieren und 20 Mann aus den Ehef- regimentern des Königs vor der Tür an den Kolonnaden aufgestellt. Um 6 Uhr erfolgte die Einsegnung der Leiche in Gegenwart der allerhöchsten und höchsten Herrschaften durch den Beichtvater. Darauf wurde der Sarg von Hoflakaien unter einem Trauerbaldachin auf eine auf dem! Hinterdeck des an der schwarzbehangenen Landungsbrücke liegenden Schiffes errichtete Estrade gebracht. Eine Ehrenwache nahm Mvor links von der Mitteltür des Wasserpalais auf dem Balkon Aufstellung. Auf der großen Freitreppe standen links und rechts Posten und auf der Landungsbrücke Gondoliere mit Fackeln. Auf dem Hinterdeck des Schiffes befand sich eine Pionierabteilung. Pagen nahmen auf beiden Seiten der Leiche Aufstellung. Um halb 7 Uhr erfolgte die Abfahrt des Schiffes. Als am Montag das Schiff, das die Leiche des Königs von Pillnitz überführte, in Dresden in Sicht kam, begrüßten es das Geläute aller Glocken und Salutschüsse der Artillerie. Gleich darauf erschienen König Friedrich August, Prinz Johann Georg, Erzherzog Karl Franz Josef, Kornprinz Georg, die Prinzen Christian und Ernst Heinrich mit Gefolge an dem Terrassenuser. Nachdem das Schiff angelegt hatte, wurde der Sarg von Unteroffizieren' und den Ehrenträgern, drei Generalen und drei Kammerherren, nach dem Hofleichen- wagen getragen. Dann setzte sich der Zug in Belegung durch die mit Fahnen und Pyramiden geschmückten Straßen nach der katholischen Hofkirche. Ein Zug Gardereiter ritt dem Kondukt voraus; eine Kompagnie vom Leibregiment Nr. 100 schloß den Zug. Der König mit den übrigen Fürstlichkeiten schritt dicht hinter dem Leichenwagen. Als der Zug vor der Kirche anlangte, verstummten die Glocken. Nach den Gebeten verließ die Versammlung die Kirche. Bei der Leiche blieb eine Ehrenwache von Hofbeamten und Militär. Das „Dr. I." veröffentlicht eine Bekanntmachung, der- zufolge König Friedrich August bei Antritt seiner Regierung in Gegenwart der Staatsminister und der Kammerpräsidenten der letzten Ständeversammlung versprochen hat, die Verfassung des Landes und die Partikularverfassung der Provinz Oberlausitz zu beobachten, aufrechtzuerhalten und zu Geschützen. Der Kaiser begibt sich $n den am Mittwoch abend stattfindenden Beisetzungsfeierlichkeiten nach Dresden. Der Kaiser empfing am Montag den sächsischen Generalmajor v. Altrock, der ein Handschreiben des Königs Friedrich August überreichte. Das preuß. „Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht einen Armeebefehl des Kaisers vom 16. Oktober, nach welchem sämtliche Offiziere der Armee und der Marine Trauer auf 14 Tage anzulegen haben. Bei dem Ulanen-Regiment Nr. 16 währt die Trauer drei Wochen. Tie Schiffe in der Heimat tragen die Gaffelflagge am Halbstock. Am Tage der Beisetzung ist ein Trauersalut von 21 Schuß zu feuern. Der Papst sandte dem neuen König von Sachsen ein Glückwunschtelegramm, worin es heißt, er, der Papst, bete zu Gott, daß bald Frieden in die Familie des Königs zu rück kehr en möge. Im ungarischen Abgeordnetenhause gedachte der Präsident des verstorbenen Königs mit folgenden Worten: Ich muß dem geehrten Hause einen Trauerfall mitteilen, welcher wohl nicht unmittelbar uns, sondern in erster Reihe das deutsche Volk, am allernächsten aber das sächsische Volk berührt. König Georg von Sachsen ist nach kurzer Regierung aus der Reibe der Lebenden geschieden. Er war ein fürsorglicher, gewissenhafter Fürst, der die Interessen seines Volkes und seines Landes im Herzen trug. Uns berührt sein Ableben schmerzlich, weil er immer ein aufrichtiger und guter Freund unseres erhabenen Königs gewesen ist, dem er Mit wahrer Freundschaft und Anhänglichkeit zugetan war. Ich glaube,, das geehrte vaus nimmt von seinem Ableben mit Beileid Kenntnis. Zustimmung.) Ich stelle dies als Beschluß des Hauses fest. VoliMche Tagesschau. Ruffische Werte. R. Berlin, 17. Oktober. Die russischen Werte erfuhren an der heutigen Berliner Börse keine empfindlicheEinbuße. Die Kursrückgänge «nachten bis zu einem Prozent aus. Von einer bestürzenden Wirkling der Ereignisse auf das Publikum, soweit eS diese Werte besitzt, kann also ^nni Glück nicht die Rede sein. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß die russische Finanzpolitik von jeher Wcrt auf Inschutznahme der russischen An- lleihen an der Börse gelegt Hat, sodaß selbst größere Ver- kläufe rasche Aufnahme finden. Sonst würde doch wohl der Verlauf des Krieges die Ruffenwerte stärker in Mitleidenschaft ziehen. * Zum Lippeschen Regentschastsstreit fort bet schaumburgifch-lippesche Kammerherr und Rechtslehrer T'r- Kekulo von Stradonitz Gelegenheit genommen, folgendes Telegramm an den Vizepräsidenten des lippeschen Landtags, Hoffmann in Salzuflen, zu richten: Als besondere Gefahr wird diesseits angesehen, wenn Er- filchen an den Bundesrat beschlossen wird, Höchstes Gericht durch Reichsgesetz mit der Entscheidung zu betrauen. Dieser Weg würde bedeuten, daß R e i ch s t a g m i t z u r e d e n hat. Reichs- tag, könnte dann beschließen, ganzer streit sei bereits durch >Laneds^gericht endgiltig erledigt, und dieses Reichsgesetz sei unnötig. Außerdem läge in diesem Beschluß eine Nichtachtung gegen Bundesrat, da dieser sich für zuständig erklärt hat. al o auch ohne Reichsgesetz und ohne Reichstag ein Höchstes Gericht gewählt werden könne. Tr. Kekul6 v. Stradonitz steht nicht nur dem Fürsten von Schaumburg, sondern auch Berliner Hofkreisen sehr nahe. Er spracht in seinem Telegramm nicht von seiner persönlichen Auffassung, sondern auch von der der höchsten Berliner und Schaumburger Kreise, berichtigen Kreise also, die die Rechtsgiltigkeit der R^entschaft dos Fürsten Leopold zur Lippe bestreiten. Er sagt nicht: „Ich betrachte es als eine besondere Gefahr", sondern ,/diesseits wird es als eine besondere Gefahr angesehen" usw. Damit stempelt er sein Telegramm zu einer Kundgebung, die, wenn sie auch nicht von einer amtlichen Stelle ausgeht, doch als der Niederschlag der Auffassung amtlicher Berliner und sch aumburgischer Kreise anzusehen ist. Tie scbaumbur- gische Richtung, die in dieser Campagne des Thronstreites vom Unglück hart verfolgt wird, erfährt durch dieses Telegramm eine seltsame Beleuchtung. ♦ Bismarck und der Streit um Lippe. Maximilian Harden schreibt in der „Zukunft": „Vor vierzehn Jahren, ehe die Prinzessin Viktoria sich dem Prinzen zu Schaumburg vermählte, ist die Zusage geheischt und gegeben worden, Adolf solle, wenn die schaumburgische Linie siege, Fürst zur Lippe werden. Nur unter dieser Bedingung wurde der Ehebund geschlossen: und Waldemars unauffindbarer Erlaß, der Adolf zum Regenten ausersah, ist denn auch nur um vier Wochen älter als diese Ehe. Um Adolf handelt sichs. Daran hat auch Bismarck nie gezweifelt. Er las den Artikel noch, in dem ich hier erzählte: „Für das' Thronfolgerecht des Bieste-selders hatte sich, aus politischen Gründen, in Privatunterhaltungen auch Fürst Bismarck ausgesprochen; man müsse, meinte er, selbst wenn die Rechtslage weniger klar wäre, als sie in Wirklichkeit sei (er fand sie damals also klar), schon um die für die R e i ch s e i n - heit wichtige Stimmung der Bundesfürsten nicht leichtfertig zu verbittern, auch den Schein meiden, als könne der Schwager des Kaisers mit besonders zärtlicher Rücksicht behandelt werden." Mit Recht hat der Geheimrat Kahl, der tapfere, kluge und treue Freund des Grafen Ernst, sich auf die Tatsache berufen, bah der erste Kanzler ein „sachlich überzeugter Anhänger des Biesterfelder Rechtes gewesen fet" Ich hörte ihn oft darüber sprechen. _ Er hatte die Akten des Rechtsstreites studiert und kein Hindernis gefunden, das den Viesterfeldcrn, Vater und Sohn den Wog zum Thron sperren konnte. Daß sie gekränkt wurden, verdroß ihn. Am 7. Oktober 1895 hatte er auf eine schriftliche Anfrage geantwortet: „Nach meiner staatsrechtlichen Ueberzeugung halte ich die Erbansprüche des Grafen Ernst zur Lippe für wohlbegründet und würde für sie auch aus politischen, nicht nur aus rechtlichen Gründen eintreten, wenn ich im Amt wäre." ♦ Die Wahrheit über bett Missionarmord in Neupvmmern. D. E. K. Die ersten Berichte über den Missionarmord in Neupommern meldeten, daß P. Nascher den jungen Papua To Maria, als dessen Opfer er gefallen ist, durch ihm zudiktierte körperl iche Züchtigung zur Rache gereizt habe. So schrieb u. a. der klerikale „Els. Kur.": „Ein von den Missionaren herangebildeter junger Mann wollte seine Frau wegschicken und eine andere heiraten. Ter Missionsobere P. Nasck)er verbvt ihm das streng; der Papua nahm aber doch die z-weite, von ihm ausgesuchte Frau zu sich Und kam eines Tages mit ihr zur Mission und wollte mit ihr verheiratet sein. Auf Befragen erklärte er dem Missionar, er habe seine erste Frau getötet und wolle nun diese heiraten, sie gefalle ihm besser. Der Pater ließ nun den royen kaltblütigen M ö r d e r der armen jungen Frau durchpeitschen und dieser ging davon, holte sich ein paar Spießgesellen und massakriertie die Misfion." Ein Bericht der „Köln. Volksztg." bestätigt, daß P. Nascher als erster dem Racheakt eines p'apuanischen Missionszöglings zum Ovfer gefallen ist, nachdem durch die Behandlung, welche ihm von P. Rascher widerfuhr, „bei ihm das Maß voll geworden war." Frauenmord gehört aber nicht vor einen geistlichen, sondern vor den weltlichen Richter, um nach giltigem Recht geahndet zu werden und zwar durch eine härtere Strafe als Peitschenhiebe. Die in der katholischen Mission in Neupommern vollzogene Exekution war daher ein Fehler. Der U e b e r g r i f f eines M i s s i o ti a r ö auf das weltliche Gebiet hat sich also hier blutig und schmerzlich gerächt, eine ganze deutsche Kolonie gefährdet und die deutsche Negierung in die Notwendigkeit versetzt, strenge Sühne zu nehmen und für ein Missionarsverfehlen noch mehr Blut fließen zu lassen, als schon geflossen ist. •• * Herr NMtrat, der oldenburgische Justizilänister,, hat im vldeiibilrgisckeu Land tag bei Erörterung von Schulanträgen wörtlich folgendes erklärt: „Abg. Tauven faßt es wäre eine hohe und dankbare Auf- gäbe für die Staatsregicrung, die. Volksschule in diese neuen Bahnen zu lenken. Tuzu gehört ein Minister, der nicht bloß das gewöhnliche P f l i cl> t g e f ü h l hat, sondenr einen weit darüber hinanögehcuden Ehrgeiz. Der fehlt mir vollständig. Mein streben bewegt sich jetzt nur noch in einer Richtung, die jedem Ehrgeize gerade entgegengesetzt ist, unbeschadet der tiefen Treue und T-aukbarkeit gegen meinen Laudesherrn, der keinen Augenblick au mir gezweifelt hat und der den Schmutz, den die Zeitungen ja in Massen au f t ür nt t en , nur für das ansah, was es eben war, für Schmutz, wie sich das auch in nächster Zeit vor Gericht erweisen wird zur größten Enttäuschung aller derjenigen, die sich mit Behagen diesen Schmutz servieren ließen." T>as' oldeuburgische Negierungsorgan, der „Generalanzeiger^^ bemerkt zu der Erklärung des Ministers u. a. : „Man kann aus der Erklärung herauslesen, daß er mehrere* nt-ate seine Entlassung gegeben hat und daß sie ab- a ele hnt worden ist, weil der Großherzog den Schmutz achtlos beiseite geschoben hat. . . . Wohl noch nie ist es vorgekommen, daß ein Minister erklärt hat, er habe für eine große Aufgabe nichts als sein Pflichtgefühl, das dafür aber nicht ausreiche. Wenn ein Minister eine solche Erklärung abgibt, dann muß er Vieles und Bitteres erlebt haben." §Lr Krieg zwilchen Aapan ob Kußland. Russische Erfolge. Telegramme Generals Sacharows an den Generalstab melden vom 16. Oktober, 1 Uhr 40 Mim nachts: Gestern, nachmittag griffen die Japaner unfern rechten Flügel sthr energisch an. Unsere Versuche, vorzurücken und das Tvrf Liushiupu zu nehmen, waren erfolglos. Unsere Truppen wurden im Zentrum nicht angegriffen, sondern nur von der Artillerie beschossen. Im allgemeinen war es ein verhältnismäßig leichter Tag. Unsere Verluste dürften nicht groß sein. Bis 8 Uhr 10 Min. früh ist die Nacht zum 17. Oktober ruhig verlaufen. Nach dem gestrigen Sturm auf den „Bergkegel mit dem Baum" nahm der Feind eine starke Stellung ein, die er rasch kunstvoll befestigte. Tie Zahl der feindlichen Truppen ist uns nicht genau bekannt, aber nach der Hartnäckigkeit im Kampf jU schließen, war sie bedeutend. Nachdem die Artillerie den turnt erfolgreich vorbereitet hatte, gingen unsere Truppen -um Angriff über, erobertendieganzeStellung desFein- d e s und rückten bei der Verfolgung ungefähr zwei Werst vor.. Erst heute morgen endigte der Kampf. Tie Japaner verteidigten sich mit großer Hartnäckigkeit, nahmen den Bajonett kam Pf an, wurden aber in großer Zahl niedergemacht. Wir ero b er t en 11 Geschütze und ein Maschine n g e w e h r. Tie Truppen haben sich heldenhaft geschlagen. Die Verluste sind noch nicht festgestellt. Eben findet auf unserer ganzen Linie ein schwacher Artilleriekampf statt. Tie Truppen sind sehr ermüdet, aber gu ten Mutes. Ein weiteres Telegramm des Generals Sacharow vom 16. Ott. meldet, daß der Feind in der Nacht zum 16. Oktober zwei Regimenter im Zentrum der russischen Stellung angriff, die auf dem sogenannten „Bergkegel mit dem Baum", östlich des^ Tvrfes M autsch i n tz, standen^ Tie Regimenter wurden gezwungen, sich hinter den nahen Schahefluß zurückzuziehen. Nachdem sie Unter- üützungen aus der Reserve erhielten, gingen unsere Truppen zum Sturme vor, den die Artillerie vorbereitete. Nach einem hartnäckigen Bajonettkampfe eroberten sie den Bergkegel und verfolgten den Feind bis hinter denselben. Auf dem rechten Flügel fand , ein heftiger Artilleriekampf statt. Am Nachmittag beschossen die lapanischen Batterien unsere SteNungen mit Längsfeuer. Petersburg, 17. Okt. Der gemeldete erfolgreich« Angriff auf den Hügel bei Nantschintz wurde laut kompetenter Nachricht von den Truppen General Meyerr- d o r f f s ausgeführt. Russische Privatberichie über die letzte Schlacht. Der Korrespondent eines Petersburger Blattes telegra* phrert vom 17. ds. aus Mukden: Heute kam hier ein D i v i s i o n s g e n c r a l durch, der am Fuße verwundet war. Seine Division hatte den Auftrag gehabt, die auf felsigen Höhen aus der Ostteite der Schlachtlinie befindlichen Truppen anzugreifen. Nach den Aussagen des Generals war der Angriff äußerst heftig und wurde unter gro ßen Verlusten ausgeführt. Unter dem Hagel von Geschossen wurden die steckn Mhänge erklommen, wobei von je 6 Mann 5 sielen. Die 6. Kompagnie des 23. sibirischen Regiments erreichte den Gipfel und stürzte sich auf die iBerschanz- ungen der Feinde, die sie mit dem Bajonett empfingen. Ein Hauptmann wurde mit Bajonetten aufgespießt und hochgehoben. Der Rest der Kompagnie wurde aufge- rieben, bevor die nachfolgenden Kompagnien ankamen. Das Gemetzel dauert jetzt bereits zehn Tage. Die Rilssen sollen nach Aussagen von heute eingetroffenen Offizieren gestern 24 Kanonen und achtMaschi^cn- gewehre gen ommen haben. Der Kampf wütet auf der ganzen Linie. Während der Nacht hörte man plötzlich eilt heftiges Artilleriefeuer, das dann jedoch wieder verftummte. Es handelte sich nm einen Nachtangriff, der mit Erfolg ausgeführt worden sein foll. Heute ist der Kampf heftiger als gestern. Gut unterrichtete Personen sagen, daß die Russen noch ein oder zwei Tage auf der ganzen Linie gegen den Feind vorgehen wer den.'Dann werde es möglich sein, das Ergebnis der ge^ wattigen Schlacht festzustelleir. Nach weiteren russismen Privatmeldungen soll der ia p a n i s ch e (General N o d z u schwer verwundet fein. Kuropatkiu leitete am Sonntag die Schlacht persönlich. Einzelnen Melduilgen nach scheint den Japanern am Samstag stellenweise die Munition auSgcgingen zu fein. Infolgedessen begann ein fu r cb t b a r e 5 Mor de n. Das Bajonett feierte seine blutigsten Tie Zahl der russischen Verwundeten wird auf 23 000 angegeben. — Aus M ukdeu tvird berichtet: Wahrend des' ganzen Rückzuges der Russen platzten zahlreiche Granate u über ihren Köpfen, auch in der Nähe KurlMitttns' schlugen mehrere Granaten ein. Tie Divisionskommandeure staben sämtlich ihre Adjutanten verloren. Die Saj- daten kämpfen jetzt aus Eigenliebe, indem sie erftären, daß fte unbedingt die nächste Schlacht gennnnnt. Nach einer Privat-Meldung aus Wiifben blieb von einigen russischen Kompaguicu kaum ein Tutzeud Soldaten übrig. Wv die Offiziere getötet waren, kommandierten Unter o f f i z i e r e. s7ilv Gegenstück zu dem tapferen VerhMcm der russischen Ariil! ■ wird gemeldet, daß auch die Haltung ber japa ui scheu Artillerie ilbn oilev Lob erhaben war. Alle Entfernungen waren g. h doti iln berechnet. Im allgemeinen haben die Japiuer fast überall die vorteilhaftesten Stellungen besetzt und fit gut befestigt. TuS gesamte Gelände kannten sie VorsMicb, hxr> ran den Russen nicht gesagt werden kann. Zum Rückzüge d e r R u s s e n ü b e r d e n H u n f s u 6 wird von einem französischen Berichterstatter mitgetcilt: Tie Kanonade dauerte Tag nnd Nacht fort. Bon jener X)öbe gesellen, wo sich Kilwr^rtkinö Generalstab mit den fremden MilitärattacheeS befand, nxir der Anblick des Schlachtfeldes überwältigend. Namentlich zur Rechten. u*o ringö u m b r e n n e n de Dörfer aufflammten und jeder Zollbreit Boden i in furchtbarsten Nahkampf verteidigt wurde. Am 14. b. M. abends! n»aren nach heftigem Gewittei-regen alle nordwärts silbrenden Wege durchweicht, wodurch der Beginn des Rückzugs der Russen erbeblicü erschn»ert wurde. In Kuropatkins .'oauptguartier glaubte man am 9lbend des 15. d. M., da st die russische Zentrumsarmee einen grosten Er-solg errungen babe und erklärte damit das Schwingen der angeblich zur Hilfe Okus entsandten Artillerie der Armee Kurokis. Aber die Täuschung dauerte nicht langes noch am selben Alwnd wurden alle von dem russischen rechten Flügel errungenen Positionen aufgegeben. Japanische Berichte. Tokio, 16. Okt. (Reuter.) Ein am späten Llbend eingegangenes Telegramm aus dem Hauptguartier der Mandschureiarmee berichtet: Ter Kampf auf der Front der rechten und der mittleren Armee ist eingestellt. Bei der linken Armee dagegen wird n o cf) heftig gekämpft. Tie Japaner unter General Bamaoa baben bei einem Angriffe auf die Höhen von Santaokangtsu in der Nacht des 10. Oktober einGefchü U und zwei M u n i ti o n s w a g e n erbe u 1 e t. Nock immer treffen Berichte ein über die japanischen Verluste. Tie Zentrnmskolonne der linken Armee erlitt seit dem 12. Oktober einen Verlust von 5 toten und 20 verwundeten Offizieren: am 12. Oktober verlor sie 250 M ann. Wie grost der Verlust an Mannschaften seit dem 12. Oktober ist, wird untersucht. Tie reckte Kolonne der linken Armee Patte am 14. Oktober einen Offizier t o_t u n b^l5 v erwu n d et, sowie an Mannschaften einen Verlust von 500 Toten iu nd Verwundeten. Tie linke Kolonne verlor 7 Offiziere, 20 verwun bet, austerdem 750 Mann getötet oder verwundet. Tokio, 17. Okt. (Reuter.') Wie verlautet, hat daS Bataillon des Majors Takackima gestern bei Kancksatzu 14 Geschütze erbeutet. Tie Zahl d.'r von der Zentrumsarmee seit dem 14. Oktober erbeuteten Kanonen beträgt somit 34. London, 17. Okt. Ter ..Times" irnrb aus Tokio von gestern gemeldet, der Mikado habe der Mandschurisck-en Armee seinen warmen Tank für ihre Haltung in den letzten Kämpfen ausgesprochen. Lo ndon, 17. Okt. Reuter meldet vom 15. Okt.. von der Armee General Okus: Tie Russen zogen sich gestern nacht von allen Stellungen zur ü ck mit Ausnahme des äußersten reckten Flügels, wo sie, westlich der Eisenbahn, verzweifelten Widerstand leisteten. Um Mitternacht machten die Russen einen heftigen Angriff auf die vordersten japanischen Truppen, wurden aber unter schweren Verlusten z u r ü ck g e s chl a- gen. Bei Tagesanbruch wiederholten sie den Angriff, aber wieder erfolglos: jetzt ziehen sie fick zurück. .Eineinhalb Tivifionen waren nn Gefecht. 1500 tote Russen wurden in den letzten vier Tagen vor dem linken Flügel und dem Zentrum der Armee General Okus gezählt. DaS baltische Geschwader. Fakkebjerg (Langeland, 17. Okt. Tas russische baUtfdK Geschwader ist heute früh 6 Uhr 30 Min. in Sicht gekommen und hat um 6 Uhr 45 Min. die Süd spitze von Langeland passiert. Gezählt wurden 24 Schiffe. Ter dänische. Kreuzer „Heimdahl" tauschte Salut mit dem russischen Admiralschiff und ging darauf mit den russischen Schiffen nordwärts. Deutsches Neich. Berlin, 17. Okt. In Verbindung mit Angaben über eine für das kommende Frühjahr geplante Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms tauchen in französischen und englischen Blättern allerlei Ausstreuungen auf, nach denen die deutsche Politik beim Vatikan für eine Verbesserung der Beziehungen Italiens zur Kurie besondere Geschäftigkeit entfalte. Nach der „Köln. Ztg." ist an allen diesen Erzählungen kein wahres Wort. — JameS Simon, Chef des Berliner Handelshauses Gebrüder Simon, soll, nach dem „Kl. Journ.", zum Mit- gliede des Herrenhauses ernannt worden sein. James Simon, seines Glaubens Israelit, hat mannichfaltige Kunstwerke im Werte von IV,—13/4 Millionen für das morgen ;u eröffnende Kaiser Friedrich-Museum geschenkt. Zugleich ist er Inhaber cmes reichen Handelshauses für Baumwolle. Man weiß nicht, welcher dieser Betätigung er seine Berufung ins Herrenhaus verdankt. Die Firma soll wch in Gunst stehen bei demVizeadlniral Hollmann von der Asiatischen Gesellschaft, der häufig in der Umgebung des Kaisers weilt. In einem ganz intimen Kreise soll das Gerücht von der Berufung Simons in§ Herrenhaus schon vor einigen Monaten zirkuliert haben. „Ein neues Zeitalter klopft an die Tore des Hauses der Herren", sagt der „Vorwärts^. — Ter König von Preußen versetzte die Gebrüder Marimilian Guilleaume, Kommerzienrat in Köln a. Rh., und Arnold Guilleaume ebenda in den erblichen Adelst and. — Verhandlungen über Lotteriegemeinschaften soll Preußen nach einer hiesigen Korrespondenz, wie mit Hessen, auch mit anderen Staaten begonnen haben. Ter Widerstand gegen unleugbare Vorteile, die aber nur auf Kosten der Selbständigkeit der betreffenden Einzelstaaten in diesem Punkte möglich sind, ist bei vielen Leuten natürlich groß. Aber er dürfte, wie die „Tägl. Rundsch." meint, nicht so ungeschickt begründet werden, wie in einer süddeutschen Korrespondenz, die auf die uugewisse Zukunft eines „Heeres" von Privatkollekteuren und die Schädigung der Druckereien und Papierfabrikanten hinweift. Zum größten Teil werden sich jene Kollekteure wohl von dem verbotenen Import nach Preußen genährt haben, und werden jetzt, nach Erlaß des preußischen Lotteriegesetzes, so wie so das Schicksal ihrer Strelitzer Kollegen teilen müssen. — Dem „Rybniker Stadtblatte" zufolge will Rechtsanwalt Falt in sein Mandat als Reichstags- und Landtagsabgeordneter niederlegen. — Der sozialdemokratische Reichstagsab g. für Kalbe—Aschersleben Albert Schmidt aus Magdeburg, hat sich nach einer Meldung aus Bielefeld gestern nachmittag m einem Anfalle von Geistesumnachtung von einem Zuge bei Bielefeld überfahren lassen. Er war sofort tot. Schmidt, der erst im 47. Lebensjahre stand, hat dem Reichstag von 1890 bis 1900 angehört, in welchem Jahre ihm auf Grund einer Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung das Mandat aberkannt wurde. Bei den Neuwahlen im vorigen Jahre kandidierte er im Wahlkreis Kalbe—Aschersleben, den er schon 1898 bis 1900 vertreten hatte, und es gelang ihm, denselben den Nationalliberalen, bte ihn im Jahre 1900 erobert hatten, wieder abzunehmen. Nunmehr wird wohl abermals ein heißer Kampf um diesen Wahlkreis, in dem sich Sozialdemokraten und Nationalliberale so ziemlich die Wage halten, entbrennen. Oldenburg, 17. Okt. Der Landtag nahm die Vorlage betreffend die Thronfolge in zweiter Lesung ein- stimmig an. Düren, 17. Okt. Zur Wiederherstellung der teilweise ein gestürzten Ruine Niedegger erhielt der Kreistag ein kaiserliches Gnadengeschenk von 15000 Mk. Kolonialpüst. Antwerpen, 17. Okt. Der hier eingetroffene Dampfer „Leopoldsville" bringt folgende Nachrichten mit: Der Eisenbahnbau bei den großen Seen mache schnelle Fortschritte. Die Vorarbeiten sind auf eine Länge von 85 Kilometer, die Erdarbeiien ans 56 Kilometer und die Schienenlegung auf 26 Kilometer gediehen. Der vom König mit einer Mission betraute Major Malfeyt befindet sich im Bessiragebiet und hat verschiedene englische Missionare zur Anzeige gebracht, die Handel treiben. — Im französischen Kongo- gebiet sind bei den letzten Unruhen 7 Weiße ermordet worden._________________________________________________ Keer und Flotte. Berlin, 17. Okt. Das Liebesmahl der Offiziere des EhinafeldzugeS fand heute abend wie alljährlich statt. Generalleutnant von Gayl brachte das Hoch auf den Kaiser aus und gedachte dem Heimgange des Königs von Sachsen. Den zehn Offizieren, die gegen die Hereros gefallen sind, wurde ein Nachruf gewidmet. Hamburg, 17. Okt. Mit dem Dampfer „Hans Wörmann" ist gestern abend 8 Uhr 30 Min. ein Truppen- und Pferdetransport nach Deutsch-Süd west a frika abgegangen. Zur Verabschiedung von den Truppen waren der kommandierende General bcS 9. Armeekorps v. Bock und Polach, der Kommandant von Altona, Generalmajor v. Versen und der Kommandeur der 33. Jnfanteriebrigade, Generalmajor v. Gröben, erschienen.__________________________________ Ausland. Madrid, 17. Okt. Die Prinzessin von Asturien wurde gestern von einer Tochter entbunden. Heute nachmittag ist sie gestorben. Der Tod stellte sich infolge Herzschlags ein. Ihre Entbindung trat infolge einer Darmerkrankung vorzeitig ein. (Die Prinzessin, geb. 1880, war seit 1901 mit dem Prinzen Karl von Bourbon-Sizilien vermählt. Sie war die älteste Schwester de§ jungen Königs von Spanien. D. Red.) Basel, 17. Okt. Die „Bas. Ztg." hat gerügt, daß die internationale Vereinigung für gesehlichenArbeiter- schutz eine Eingabe an den BundeSrat gerichtet habe, worin gewünscht wird, daß auch der Heilige Stuhl zu der nächstes Jahr in Bern stattfindenden internationalen Staatenkonferenz für Arbeiterschutz eingeladen werden möge. Die „Nat.-Ztg." berichtigt nun diese Meldung dahin, eine Einladung des Heiligen Stuhles sei nicht geplant; nur Industriestaaten würden zu der Konferenz eingeladen werden. Mährisch-Ostrau, 17. Okt. Gestern vormittag sand eine von dem Redakteur ProkeS einberufene sozialdemokratische Versammlung statt, an der 2700 Personen teilnahmen. ProkeS wollte von der Rampe deS „deutschen Hauses* eine Rede halten, wurde jedoch von einem Manne von der Rampe gestoßen und trug eine leichte Verletzung davon. Tie Menge, die darüber so erbittert war, daß sie daS „deutsche HauS" zu stürmen versuchte, wurde von der Sicherheitßwache daran gehindert und später zerstreut. Ans Slaöt und Land. Gießen, den 18. Oktober 1904. * * Beleuchtet die HauSgänge und Treppen. Wir verweisen auf eine Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts, welche daran erinnert, daß bei der früh eintretenden Dunkelheit die Pflicht der Beleuchtung von Höfen, Gängen, Treppen rc. nicht versäumt werden darf. * ♦ Konzert-Verein. Wie in dem Inseratenteil ersichtlich ist, findet die öffentliche Verlosung der Sperrsitze am Donnerstag abend im Klubgebäude statt. Noch heute sind, wie uns mitgeteilt wird, eine Anzahl Mitglieder mit ihrer Anmeldung im Rückstände. In deren eigenem Interesse liegt es jetzt, sofort daS Versäumte nachzuholen, da sie sonst an der Verlosung nicht teilnehmen können. * * Vom alten Schloß. Der Weiterbau des alten Schlosses an der Ecke des Kanzleiberges und des Vrandplatzes ist endlich wieder in Angriff genommen worden. Nachdem vor einigen Tagen die Werksteine für das neue Treppenhaus an der Baustelle eingetroffen sind, waren gestern fleißige Arbeiter dabei, den alten Treppenbau abzureißen. Die Bauarbeit soll nun im Interesse des MuseumS des oberhessischen Geschichtsvereins beschleunigt werden. * • DerVorstand deS hessischenBauernvereinS hat dem Landtagsabg. Bürgermeister Dr. Frenay (Bensheim), welcher seit dem Tode des Frhm. v. Köth der Rechtsbeistand des Vereins ist, auf seinen Wunsch drei weitere RechtS- beistände an die Seite gegeben. Für Oberhessen Schröder (Friedberg), Rheinhessen Dr. Schrohe (Mainz) und Starkenburg Dr. Sieger (Darmstadt). In manchen Jahren belaufen sich die rechtlichen Slnfragen auf über 2000. * * Die Gießener Viehmärkte. Herr I. Lorsch, der Vorsitzende des Oberhess. Viehhändlervereins, schreibt uns: „Sie teilen in Ihrem Blatte vom 12. Oktober im Abschnitt „Märkte" mit, daß ich auf dem am 11. Oktober stattgehabten Viehmarkte umhergegangen sei und nach Kühen mit gespanntem Eiter ausgesehen habe, wobei ich die betr. Händler hätte aufschreiben wollen. Ich hätte dadurch einen Auflauf verursacht, der durch Schutzleute aufgelöst worden sei. Diese Behauptungen sind unrichtig. Ich hatte an jenem Tage mit zwei Kollegen vom Vorstand des „Oberhess. Viehhändler- uereinS" in Gießen anderweitig zu tun und nahm die Gelegenheit wahr, mit diesen einmal auf den Markt zu gehen. Dabei bemerkten wir, daß Händler Vieh aufgetrieben hatten, die als Mitunterzeichner der bekannten Resolution hierzu nicht berechtigt waren. Diese wurden darauf aufmerksam gemacht, daß sie die Konventionalstrafe von 100 Mk. verwirkt hätten und daß man pflichtgemäß ihre Namen deshalb notieren werde. Es fiel hierbei von feiten meiner Kollegen und von mir im Hinblick auf die gespannten Euter der von jenen Händlern aufgetriebenen Kühe die Bemerkung, daß ihnen recht geschehen würde, wenn die Polizei sie zur Anzeige brächte. Die Polizei hatte, wie wir darauf hörten, dies in der Tat bereits getan. (Nach unseren Erkundigungen sind solche polizeilichen Anzeigen auf dem letzten Markt nicht erfolgt. D. Red.) Ich habe ferner keinerlei Auflauf verursacht. Vielmehr kam ich an einem solchen vorbei, als ich den Markt verlassen wollte; dort hatten nämlich zwei andere Handelsleute einen Disput über eine Kuh." — Soweit Hr. Lorsch. Wir hatten bei der Veröffentlichung der fragt. Notiz keinen Zweifel an ihrer Wahrheit, da eine Mitteilung von anderer Seite gleichzeitig uns zugegangen war, wonach sogar eine Kommission von Viehhändlern gegründet worden sei, die die Aufgabe habe, eine Art Kontrolle Über die Befolgung der bekannten Polizeiverordnung vorzunehmen und Zuwiderhandelnde Viehhändler zur Anzeige zu bringen. Die beiden uns zugegangenen Mitteilungen standen in keinerlei Beziehungen zu einander. m. Friedberg, 18. Okt. (Eigener Drahtbericht.) Der Kellner Röse von hier, der zurzeit stellenlos ist, hat aus Liebeskummer zwei Schüsse auf sich abgefeuert. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. □ Bleichenbach, 17. Okt. Ein hiesiges Dienstmädchen, Adelheid Bickel, mußte heute wegen Geistesstörung in die Klinik nach Gießen verbracht werden. Tie Kranke bedrohte ihre Mutter, schloß sie in die Stube ein und ging davon. In früheren Stellungen benahm sich das Mädchen ebenfalls sehr auffällig. Sie ging gutwillig mit dem Polizeidiener nach Gießen. R. B. Darmstadt, 17. Okt. Hier tagte heute die Jahresversammlung der Hessischen Missionskon- f e r e n z, an der sämtliche Mitglieder des Obertonsistoriums teilnahmen. Pfarrer R ö m h e l d - Pfungstadt begrüßte die Teilnehmer und sprach besonders den Herren vom Ober- wnsistorium Dank für ihr Erscheinen aus. Dann wurde an Stelle des Landgerichtsrats Dr. Kolb Pfarrer a. D. Lepdhecker- Auerbach einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Dieser nahm die Wahl mit Dank an und versprach, nach Kräften die Missionsarbeit, die eine Geduldarbeit sei, fördern zu helfen. Aus dem dann vom Pfarrer RömH eld erstatteten Jahresbericht war zu ersehen, daß die Sache der Mission auch im verflossenen Jahre in günstiger Weise vorwärts geschritten ist. Missionsdirektor Dr. Buchner- Herrenbut hielt darauf einen längeren, interessanten Vortrag üoer das Thema: „Mit welchen besonderen Schwierigkeiten hat die Missionsarbeit in unserer Zeit zu kämpfen?" Eine der größten liege in der Missionsleitung, früher sei das ziemlich einsa.ch. gewesen, man arbeitete mit einem Budget von 100 000 Mk., während es heute aus zwei Millionen gestiegen sei. Ein diffiziler Punkt sei hier die übertriebene Betonung des Nationalitätsprinzips. Eine weitere Schwierigkeit sei' die vielen erforderlichen finanziellen Mittel aufzubringen, ferner auch der Mangel an geeigneten Persönlichkeiten, die jetzt nur mühsam in den Missionsschulen mit großem Kostenaufwand heran gebildet würden. Die Mission müsse einen rein religiösen Charakter tragen und sich von aller Politik fern halten. Zum Schluß beklagt der Redner noch die ungenügende Einheit in der evangelischen Mission, die eine festere Geschlossenheit an nehmen müsse und verteidigt besonders die rheinische Mission gegen die von kolonialer Seite über ihre Tätigkeit in den deutschen Kolonien in Afrika. — Dem Vortrag folgte noch ein um> fassendes Referat von Pfarrer Julius R i ch t e r - Schlvane- beck über „Islam und Ehristentum im Kampfe um Afrika." Der Redner schilderte in lebhafter Weise die außerordentlichen Anstrengungen des Islam in Afrika und verteidigte gleichfalls die Haltung der deutschen Mission daselbst. Die Versammlung nahm darauf einstimmig folgende Resolution an: „Die 10. Jahresversammlung der hessischen Missionskonferenz bedauert lebhaft die aus Anlaß des Hereroauf- standes gegenüber der rheinichen Mission erhobenen Vorwürfe. Sie erklärt, daß nach dem vorliegenden verbürgten Tatsachen an dem Patriotismus der deutschen Mission fein Zweifel erlaubt sei, daß sie ihrer Pflicht als Deutsche und als Verkündiger des Evangeliums mit voller Treue nachgekommen sind, daß sie insbesondere alles getan haben, um ihre Pflegebefohlenen vom Aufftande zurückzuhalten und ihre deutschen Landsleute vor den Angriffen zu schützen. Sie muß aber andererseits den Missionen auch das Recht wahren, ebenso im wohlverstandenen Interesse des deutschen Vaterlandes, wie im Namen des Evangeliums gegen notorische Ungerechtigkeiten, die gegen die Eingeborenen begangen werden, freimütig aufzutreten." Im weiteren >Ver- lauf der Beratung wurde noch der Beschluß der Konferenz an den Verband deutscher Missionskonferenzen beschlossen An die Konferenz schloß sich ein gemeinsames Mittagsmahl an. Am Abend fand im Kaisersaal noch em öffentlicher Vortrag des Herrn Dr. Buchner statt über das Thema: „Welchen Dienst leistet die Mission unserem Vaterlandej in den Kolonien^ g Mainz, 17. Okt. Auf der Weisenauerchaussee stieß gestern kurz nach 1 Uhr nachmittags ein unbekanntes Automobil gegen einen Doktor wagen von hier. Der Wagen wurde schwer beschädigt, wahrend der im Innern sitzende Arzt mit dem Schrecken davonkam. DaS Automobil, das an dem Unfall Schuld trug, fuhr eiligst davon. w. Guntersblum, 17. Okt. Aufregende Szenen spielten sich gestern abend hier ab. Während der Weinlese fehlt es an Arbeitskräften, weshalb unsere Winzer täglich die Handwerksburschen auf der Landstraße zur Arbeit engagieren. Etwa 80 solcher Leute sind gegenwärtig hier beschäftigt. Auch bei dem Spezereiwarenhändler N. waren solche Traubenleser, die während des Tages fleißig dem Weine zugesprochen hatten. Als sie des Abends für ihre Arbeit zu viel verlangten, wurden sie mit ihrem Herrn uneinig. Sie schlugen ihm sämtliche Fenster, auch die Schaufenster seines Geschäftes ein, weshalb der Hausherr in der Notwehr nach seinem Revolver griff und auf die Eindringlinge schoß. Einer wurde von der Kugel in den Kopf getroffen. Er befindet sich in ärztlicher Behandlung und man hofft, ihn am Leben zu erhalten. w. Frankfurt a. M., 17. Okt. Der 50 Jahre alte Schreinermeister Wilhelm Noll war am Samstag damit beschäftigt, in seinem Hose eine Partie Bretter aufzustappeln, als der B re tte r h a n f en nm fiel und den Mann unter sich begrub. Als man ihn später unter den Brettern hervorzog, war er bereits tot. — Gestern abend stürzte in einem Tanzlokal eine 20 jährige Arbeiterin, als sie in den Hof hinausgehen wollte und hierbei eine falsche Tür öffnete, die Kellertreppe herunter und trug einen schweren Bruch der Kniescheibe und deS linken Mrtielfingers, sowie erhebliche Verletzungen im Gesichte davon. — Ein 18 Jahre altes Dienstmädchen in der Rothschildallee war am Samstag abend damit beschäftigt, Handschuhe mit Denzin zu reinigen. Hierbei kam sie der Lampe zu nahe, und die Handschuhe fingen Feuer. Das Mädchen trug schwere Brandwunden am rechten Unterarm davon. Kleine Mitteilun gen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der am 14. Oktober in Frankfurt gestorbene Friedrich Ditmar hat, wie der „Gen.-Anz." meldet, 800 000 Mark bis zu 1 Million zur Gründung einer Stiftung vorgesehen. Sie soll dazu dienen, Frankfurter Bürgern aus eingesessenen Familien, die den gebildeten Ständen angehören, aber in ihren Vermögensverhältnissen zurückgekommen sind, ohne Entgelt eine anständige Wohnung zu bieten. — Der im vorigen Jahre gestorbene Bischof Brück von Mainz vermachte dem Mainzer Priesterseminar 111 000 Mk. — In Eschwege wurde der Arbeiter Klaus Knieriem bei einem Streit, der wegen eines Mädchens entstanden war, von einem Burschen durch einen Messerstich in die Brust getötet._________________________ vermischtes. • Cholera. Die russische Telegraphen-Agentur meldet aus Taebris vom 15. Oktober: Die Cholera nimmt zu. Täglich sterben 300—400 Menschen. Die armenische Bevölkerung verläßt die Stadt. * Kleine Tageöchronik. In Schnellbach bei Schmalkalden herrscht wegen des unaufgeklärten plötzlichen Todesfalles^ der FrauRitzrnann große Ausrsgung. Tie Leiche wurde auf der Kellertreppe in sitzender Lage gefunden, um den Hals lag ein Strick, sodaß hierdurch der Verdacht eines' Selbstmordes durch Erhängen Ausdruck erhalten sollte. Ties trifft aber nicht zu. Tie Schwiegertochter der Frau Ritzmann ist in Haft. Die Familien sind sehr gut beleumundet, nur scheinen sich Schwieger- tochter und.Mutter nicht vertragen zu haben. — Eine Schafherde geriet bei der Station Stengelhof (Baden) unter den von Mannheim kommenden Lokalzug. 30—40 Schafe wurden größtenteils zerstückelt. Kunst und Wissenschaft. Berlin, 17. Okt. Ter bekannte Schauspieler und Sänger TheodorBetz starb in der Irrenanstalt Herzberge nach langen Leiden. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 19. Oktober 1904: Vorwiegend wolkig, geringer Regen, besonders im Norden Hessens, tagsüber etwas kühler. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Märkte. Gießen, 18. Okt. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.00—1.10 Mk., Hühnereier 1 St. 7-8 Big. 2 Stck. 15—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Lmienpr.Liter32 Pfg., Taubenvr.PaarO,80— 0,90Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,60—1,20 Alk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 58—60 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 00—80 Pfa., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,00—7,00 Mk., Weißkraut per Stück 10—15 Pfg., per Zentner 2.50—0.00 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 4 bis 7 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 15—30 Pfg. Zwetschen per Zentner 3.00—4.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis — Mk. Marktzeit 8—2 Uhr. Familien UnchrMeil Verlobte: Else Volz und Emil Storch, Schotten. Gestorben: Herr Philipp Leis in Büdingen. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldnugen des Gießener Anzeigers. Wieu, 18. Okt. Aus Husiatyn in Galizien wird gemeldet: Bauern des galizischen Grenzdorfes Szydliwci besitzen Felder auf russischem Gebiet, auf welche die benachbarten russischen Bauern ihre Viehherden treiben. Deshalb kam es jüngst zu einem blutigen Kampfe zwischen galizischen und russischen Bauern. Von ersteren wurden viele verwundet, drei liegen tötlich verwundet im Krankenhause. Die galizischen Bauern wagen nicht mehr, ihre Felder jenseits der Grenze zu betreten. — Die Hofschauspielerin Lotte Witt hat sich mit dem Generalstabs-Hauptmann Bototha v. Trsenica verlobt. — Der aus der Affäre der Prinzessin Luise von Koburg bekannte Gastwirt Weitzer ist zu 14 Tagen strengem Arrest verurteilt worden, weil er Polizeibeamte in seinem Lokale beschimpft und dann hinausgeworfen hatte. Fiume, 18. Okt. Hier zirkulieren Gerüchte, daß der vorige Woche abgegangene Auswanderer - Dampfer „Ultonia" mit 2 2 00 Auswanderern an Bord, infolge Sturmes an der spanischen Küste gesunken sein soll. Belgrad, 18. Okt. Die Stampa meldet aus Gettinje, daß der montenegrinische Justiz Minister Schau - litsch nach einem Diner bei Hofe, zu welchem er vorn Fürsten geladen war, infolge heftiger Magenkrämpfe plötzlich gestorben ist. Der Hofarzt, der von der Gattin des Ministers gebeten wurde, die Todesursache sestzustellen und eine Obduktion vorzunehmen, hat auf höheren Befehl abgelehnt. Allgemein ist die Meinung vorherrschend, daß Schaulitsch keines natürlichen Todes gestorben ist. * Vom Kriege. Mukden, 17. Okt. (Havas.) Die Russen eroberten heute morgen 5 Uhr nach einstündigem erbittertem Kampfe die Stellungen auf dem linken Ufer des Schaho zurück. Die Japaner sind anscheinend erschöpft. Der Kampf ließ an Heftigkeit nach. Die Russen, durch die letzten Erfolge entflammt, drängen zum Angriff; ihre Ausdauer ist bewundernswert. Petersburg, 18. Okt. Nach einer Depesche aus Mukden dauert der Kampf noch immer auf der ganzen Linie an. Der vorgestrige Kampf, der den ganzen Tag über wütete, soll der allerschrecklichste gewesen sein. Noch ein bis zwei Tage wird wohl das bisher in der Kriegsgeschichte nicht dagewesene Blutbad andauern, dann erst kann das Ergebnis genau abgeschätzt werden. Es wird noch berichtet, daß die 22. Infanterie- Division vom Korps Meyendorfs (1. europäisches) die japanischen Positionen bei den Dörfern Suheiun und Huan- schan (20 Kilometer südlich von Mukden) attackierte, wobei die Japaner flüchteten und Tote und Verwundete, soivie eine Anzahl Geschütze z u r ü ck l i e ß e n. Mukden, 17. Oktober. Am 16. ds., 6 Uhr abends, gelang es drei russischen R e g im eil t ern , den Feind nach erbittertem Kampfe aus der befestigten Stellung von Ehuanschan zu vertreiben, wobei 8 ja panische Ge schütze erbeutet wurden. In der Nacht vom 16. auf den 17. griffen die Japaner zwischen 12 und 1 Uhr dreimal in dichten Jnfantcriemassen die russischen Stellungen am Scha-Flusse an. Sie wurden mit mörderi- chem Geschützseuer, welches drcivicrtel Stunden dauerte, em- ffangen lind abgewies en, nachdem sie große Verluste erlitten hatten. Heute war das Gefecht am Scha- Fluß wieder auf der ganzen Front entbrannt. Die Gesamt> r 9an^en Schlacht läßt War noch kein abschließendes Urteil zu, weil der Kampf noch andauert und noch nirgends entscheidende Erfolge errungen wurden. Indessen: gilt drv strategische Lage der Japaner al s ungünstig. Paris, 18. Okt. Das „Echo de Paris" berichtet aus Petersburg: In hiesigen militärischen Kreisen geht das Gerücht, daß Kuropatkin den linken Flügel der Lat,^tfct,en,SrrTrtee zurückgeschlagen haben soll. Das Blatt berichtet weiter, Kuropatkin habe am 16. ds. seine Kartelle ausgenutzt und am 17. sei es ihm gelungen, die japanische Linie z,u durchbrechen und die Truppen Nodzus in zmei Teile zu teilen. London, 18. Okt. In Tokio glaubt man an maßgebender Stelle, daß der Fall von Port Arthur in den nächsten 14Tagen zu erwarten sei. Die Japaner richten ein Hochwinkel-Feuer, telephonisch von Fessel-Ballons aus geleitet, gegen die Festung und beherrschen damit jede noch so gedeckte Stellung. Petersburg, 18. Okt. Hier herrscht große Unruhe über das Schicksal der Garnison v on P ort Arthur, da man seit mehreren Tagen ohne Nachrichten ist. Die letzten Nachrichten stammen vom 12. Oktober und besagen, daß bte‘ Angriffe der Japaner an Heftigkeit zunehmen. Teiephoatischer Kursbericht 37a% Reiohsanleihe . . 101.65 3‘/i do. ... 89.30 3V,% Konsols .... 101.60 3% do......89.10 5 V/n Hessen .... 100.00 3l/2% Oberhessen . . . —.— 4% Oesferr.. Go’drento . . 101.70 4x(g% Oesterr. Silbcrrento 100.30 4% Un000000000 C^ür die uns anläßlich unserer O Hod)zeitsfeier erwiesenen Aufmerksamkeiten sagen wir allen Freunden und Bekannten herz- Iidjen Tank. 06170 Philipp Hof und Frau Gießen. ac*ooooooooo lüIMmMmilü Im Stricken n.AnstrickcnvonStrumpfen empfehle ich mich angelegenllichst. LtriLgarneibkstrSllsMtkll) habe ick stets vorrätig. 864 Preise billigst. -ML Ernestine Höpfner Grünbergerstraße 17. Arn letzten Freitag zwischen 5 und 6 Uhr abends wurde mir mein olivengrüner 06163 Somrner-Ueberzieher bei Herrn Friseur Tichy gegen einen gleichfarbigen, jedoch etwas weiteren u. größeren, vertauscht. Ich erfud)e den betr. Herrn, den Austausch bei Herrn Tichy schitell- stens veranlassen zu wollen. Ein Teckel zugelaufen. Steuer-Nr. 1324. Nachzufrageii in der Exp. d. Bl. G G 2V./1«. 1904, abends «Uhr: Kerems-Abend im (£nfe Ebel. v“/.. Visifkarfen : In feinher und fauberffer Ausführung bllllgff. Slehener Anzeiger, Brühl’fche Druckerei Das Bankgeschäft (Snvt Heintze, Gotha, hat der heutigen Ausgabe unserer Zeitung einen Prospekt über die Hessisch-Thiir. Staatslotterie beigelegt. 7-,«