Nr. SN? Fünftes BlE L34. Jahrgang Erschetul tSgltti) mÜ Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener §amilienbl3tdrr" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlrch beigelegt. Der «Heistlch« Landwirt* erscheint monatlich einmal. Samstag 17. Ds^ember' 1904 Rotationsdruck und Bertag der Brühl'ich« UnwerütätSdruckeret. tft Lang«. Gieß«. Reüaktton, Expedition u. Druckerei Schulstr.7. $eL Nr. 6L Lelegr.-Adr.» Wn$ctgei Gietzen, General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Votttifche Tagesschau. Der rote Knigge. „Seit wann haben Sie zum letzten male Ihren Knigge gelesen?" So fragt man wohl ironisch, wenn man bei Jemand des Europäers übertünchte Höflichkeit vermißt. So können sich auch die Sozialdemokraten unter einander fragen und sich gegenseitig das berühmte Buch über den Umgang mit Menschen zu Weihnachten schenken. Oder es wird von Parteiwegen ein offizieller Neudruck des Werks veranstaltet mit Bemerkungen von Bebel und Kautsky, unter besonderer Berücksichtigung des modernen politischen Verkehrs und des politischen Kainpfes. Warum sollte der Parteivorstand, der so vieles entscheidet und reglementiert, nicht auch einer solchen wichtigen Angelegenheit seine Fürsorge zuwenden? „Diese Kampfesweise muß aufhören", dekretierte der Parteivorstand im ©ommer, als die Auseinandersetzungen der Genossen nach dem Dresdener Parteitag gar zu urwüchsig, gar zu „herzerfrischend deutlich" wurden. Das ist leicht befohlen — aber wie es gemacht werden soll, dafür hat der Parteivorstand kein Rezept angegeben. Auf die innere Stimme ist kein Verlaß. Die innere Stimme gebietet dem Genossen, mit so kräftigen Ausdrücken, wie sie zur Verfügung stehen, seine Meinung zu sagen, eine Katze nicht einen Löwen zu nennen und einen Hansnarrn nicht ein interessantes Original. Wie? hat man nicht die vernichtendsten Worte in Bereitschaft gegen den „reaktionären Klüngel" der bürgerlichen Parteien? Braucht man mehr als einen Augenblick Besinnung, um zehn Sätze hintereinander zu bilden mit knüppeldicken Offenherzigkeiten an die Adresse dieser Gegner? Darf der Genosse nicht zum Genossen Dummkopf sagen, dann pfeift man auf die ganze Verbrüderung! Das ist ja der Vorzug des vertraulichen Du, das in der Sozialdemokratie noch viel weiter verbreitet ist als in der Freimaurerei, daß keiner aus seinem Herzen eine Mördergrube zu machen braucht. Und schließlich: man bleibt in der Uebung ... Da kommt der Parteivorstand und stört die Gemütlichkichkeit und Ungeniertheit der gegenseitigen Aussprache durch das Geheiß, diese Kampfesweise müsse aufhören. Also kein rauhes Kriegswort mehr, kein „buben haft", „schamlos", „feige", niederträchtig", „erbärmlich", kein bildlicher „Fußtritt", kein realistischer „Hinauswurf" mehr! Was bleibt da noch übrig, um mit der gehörigen Klarheit und Unumwunden- heit dem Genossen zu bedeuten, er habe Unrechts Wie gesagt, der Parteivorstand hat die Pflicht und Schuldigkeit, ein Arsenal von anderen, als ehrenvoll approbierten Waffen zu besorgen, wenn die alten wuchtigen Klingen fürder nicht gebraucht werden sollen. Wenn nur die Zukunfts- Verfaffer des roten Knigge, sturmgewohnt und derbe, wie sie sind, über ihrer Aufgabe stehen! Am Ende hilft die offizielle Einführung des Sie und des Titels Herr, statt Genossen, mildere Sitten zu verbreiten? Wir vernahmen einmal ein Grspräch zwischen einem älteren und einem jüngeren, neu eingestellten Bahnarbeiter. Der ältere erklärte seinem Kollegen: „Du mußt nicht Sie zu mir sagen, sonst bist Du kein richtiger Genosse." Darauf erwiderte der Belehrte: „Ich habe einmal zu Einem D u gesagt, und der hat mich immer verhauen!" In der Antwort lag eine Fülle praktischer Erfahrung. Nun das Gegenstück. Auf einer Sonntags- Landpartie sahen wir eine Gruppe festtäglich gekleideter Arbeiter. Die begrüßten sich, obwohl sie sich offenbar gut kannten, mit der zeremoniösen Feierlichkeit der Edlen von Brabant im „Lohengrin", die Worte „Meine Herren!" fanden eine etwas reichliche Anwendung in diesem Kreise — aber wir hatten das Vergnügen, .am späten Abend die Ausflügler wiederzusehen, und obwohl sie sehr aufgeräumter Stimmung waren, blieb der Verkehrston unverändert höflich. Es waren wohl unorganisierte Arbeiter. In der Sozialdemokratie hat die Vertraulichkeit und Brüderlichkeit, die oft mehr offiziell, als Wunsch ist, die Höflichkeit heruntergebracht. Durch ein Machtwort des Parteivorstandes kommt sie nicht wieder zu Ehren. 11. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Auszug. Gießen, 13. Dezember 1904. Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, stellvertr. Vorsitzender, Grünewald, Hoos, Jhring, Nowack, Ramspeck, Rinn, Kommerzienrat Schirmer, Sleinecke, Wallach, Zurbuch, sowie der Syndikus Tr. Knipper und Assessor Tr. Fink. z , 1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen: a. Tie Ergänzungswahlen der Handelskammer haben sämtlich die Bestätigung Großh. Ministeriums des Innern erhalten. b. Wegen der V erz ö g e rnn g in der Vermittelung telephonischer Gespräche von Gießen mit Frankfurt a. M. während der Vormittagsstunden hat die Handelskammer wiederholt Eingaben an die Postverwaltung gerichtet. Auf eine nochmalige Beschwerde ist ihr mitgeteilt worden, daß die Inbetriebnahme der neuen Leitung zwifchcn Frankfurt a. M. und Gießen dadurch verzögert werde, daß die Zustimmung der Königs.,Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. zur Führung der Leitung durch den Bahnhof in Gießen noch nicht erlangt werden konnte. c. Zur Erleichterung des Postverkehrs hat die Kammer eine weitergehende Bekanntgabe der von Gießen abgehenden Züge, in denen Pakete und Briefschaften befördert wert en, sowie der Auflieferungsfristen zu den einzelnen Zügen angeregt. t>. Tie vorgeschlagene Einrichtung des Sprech Verkehrs Alsfeld-Dortmund wird nach Mitteilung der kais. Obcrpostdirektivu Darmstadt voraussichtlich demnächst erfolgen. Tie Einbeziehung von Essen (Rühr'! in den Svrechbercich von Alsfeld ist dagegen bei der Lage dieser Orte im Leitungsnetze nach den jetzigen Bestimmungen nicht zulässig. e. Für den S o mm e rfa h rpl a n 19 05 hat die Handelskammer u. (rr. beantragt: Anschluß des Frühzuges 791 Friedberg-Marburg (Gießen ab 5.43 morgens, Marburg on 6.29^ an den 6.24 von Marburg abgehenden Zug 475 Marburg-Warburg: Anhalten des Spätzuges 531 Gießen-Fulda (Gießen ab 9.16 abmdsl in Rödgen; Anschluß des et) ent. neuen Zug Paares Köln-Gießen au die Züge der L-nie Gießen-Fulda. f. Dem Großh, Ministerium ter Finanzen wurde auf sein Ersuchen ein eingehendes Gutachten über die Lage der H o ch o f e n i n d u st r i e imb des Eisenerzbergbaues im Bezirke der Handelskammer mit Nm-licht auf die bean:^ gten Frachtermäßigungen für Kohlen und Koks erstattet. g. Bei dem Großh. Polizeiamt Gießen hat die Kammer beantragt, die Festsetzung der A u s n a h m e t a g e für das Jahr 1905 in derselben Weise wie für das laufende Jahr vorzunehmen. h. Dem Großh. Landgericht der Provinz Oberhessen wurde ein Sachverständiger für einen Prozeß in Vorschlag gebracht. 2. E n t w u r f e i n e r M a ß - u n d G e w i ch t s o r d n u n g. Bei der Beratung dieses Entwurfes in der Kommission des T-entsch-en Handelstages, bctr. Kleinhand"l, war von einer Seite die amtliche Eichung von Bierfäßern bekämpft worden. Ta von anderen Seiten die Ausdehnung der Eichung auf Fässer für Branntwein imb Essig befürwortet wurde, so hatte der Deutsche Handelstag die Handelskammern um eine Auskunft hierüber ersucht. Tie Kammer beschloß, dem Deutschen Ha.ndelstage entsprech-end ihrem früheren Berichte an das Großh. Ministerium des Innern mitzuteilen, daß von den Brauereien ihres Bezirks gegen eine staatliche Eiche der Bierfässer nickts eingewendet würde, vorausgesetzt, daß den Brauereien gestattet würde, auch dann unter amtlicher Kontrolle selbst zu eichen. Sollte dagegen die private Eiche nicht gestattet werden, dann würde von den hiesigen Brauereien besürrwrtet, ümi einem Eichzwanoe für Bierfässer ab- znsehen und es dem Ermessen der einzelnen Brauereien zu überlassen, ob sie eichen wollen oder nicht. Ferner beschloß die Kammer, fiu)t gegen die Ausdehnung des Eichzwanges auf Fässer für Branntwein im allgemeinen auszusprechen, da der Großhandel die Gewic-tsermittelung der Berechnung zu Grunde legt. Auch für Essigfässer kann die Einführung des Eichzwanges nicht empfohlen werden, da Essig immer mehr nach Gewicht, auf größere Entfernungen einschließlich Fastage, gehandelt wird und überdies die Eichgebühren nicht ohne Einfluß auf die Preisbildung des 9frtife:§ bleiben würden. Dagegen beschloß die Kammer, die Ausdehnung der staatlichen Eiche auf Fässer für Trinl'branntwein zu befürworten. Doch ist für solche Fässer eine ziemlich lange, etwa fünfjährige Frist für die Nacheiche zu gestatten. 3. Reform des Wechselprotestes. Tie Bestimmung des Art. 87 der Wechselordnung, daß jeder Wechselprotest durch einen Notar oder Gerichtsbeamten ausgenommen werden muß und die umständlichen Formalitäten, die mit dem Protest verbunden sind, entsprechen in keiner Weise den Anforderungen des modernen Verkehrs. Auswärtige Staaten haben daber auch schon längst wesentliche Vereinfachungen des Weci.selfwotestes zur Durchführung gebracht. Zur Reform des Wechselprotestes m Deutschland haben die Aeltestcn feer Kaufmannschaft von Berlin in einer an den Reichskanzler gerichteten Eingabe folgende Aenderungen in Vorschlag gebracht: 1. Vereinfachung des bisherigen Brotestverfahrms durch Vornahme eines entsprech"nden Vermerkes auf dem Wechsel selbst oder auf einer Allonge. 2. Zulassung des Postvrotcstes an Stelle des Protestes durch einen Notar oder Gerichtsbeamten. 3. Zulassung des Privatprotestes bei Jnlandswechfeln an Stelle des Protestes durch einen Notar, Gerichts- oder Postbeamten. Tie Handelskammer beschloß, diese Vorschläge zu unterstützen, da die Neformbedürftigkeit des jetzigen Wechselprotestes auch von der hiesigen Geschäftswelt anerkannt wird. 4. Verzögerung derNechtsprechungdurchNeber- bürdnng des Oberlandesgerichts Tarmstadt. Infolge der Ueberbürdung des Oberlandesgerichts Darmstadt wird die Erledigung von Prozessen bv • h weite Hinausschiebung der Termine in außerordentlichem Maße verzögert. Unter dieser Verzögerung der Rechtsprechung leidet nickt nur das Rechtsleben, sondern alle Erwerösstände werden biird) die Verspätung der Rechtshilfe benachteiligt. Da die Ueberbürdung tus Oberlaudesgerichts nicht vorübergehend und durch außergewöhnliche Arbeits- Überhäufung bedingt ist, sondern, wie die Statistik und die Er- fahrung lehren, schon seit Jahren besteht, so hielt die Kammer die Errichtung eines neuen Senats beim Oberlandesgericht für dringend erforderlich und beschloß in diesem Sinne eine Eingabe an das Großb. Ministerium der Justiz zu richten. 5. Urheberrecht an Kat a l o g e n u n d P r e i sli sten. Bezüglich der Strafbarkeit des Nachdruckes industrieller Preislisten und Kataolge herrscht gegenwärtig in der Rechtsprechiu.ng eine große Unsicherheit Der Deutsche .Handelstag hatte auf Veranlassung der Handelskammer Hannover zur weiteren Verfolgung dieser Angelegenheit die Handelskammern um Mitteilung ihrer Erfahrungen und Wünsche auf diesem Gebiete ersucht. Tie Handelskammer war der Ansicht, daß der jetzige Zustand der Recbts- unsicherheit ernste Schädigungen im Gefolge hat und beschloß, das Vorgehen der Handelskammer zu Hannover zu unterstützen. 6. Erfordernis der Genehmigung bei Be- triebsvcränderungen. Die in § 25 der Gewerbeordnung vorgesehene Genehmigungs- Pflicht wesentlicher Veränderungen in dem Betriebe der nach § 16 genehmigungspflichtigen Anlagen hat nach Mitteilung der Handelskammer Sorau in Preußen zu vielen Härten für die Unternehmer geführt, da der Begriff der „wesentlichen" Veränderung verschiedene Auslegungen erfährt. Um diesen Mißständen zu begegnen, ist der Vorschlag gemacht worden, den § 25 der Gewerbeordnung mit folgendem Zusatz auszustatteu: „Veränderungen des Betriebes oder detz Betriebsstätte, die weder auf die Umgebung, noch auf die beschäftigten Arbeiter einen Einfluß ausüben, verschieden von demjenigen, welcher in der Konzession vorgesehen ist, sind nicht genehmigungspflichtig." Tie Kammer beschloß, die Anregung der Handelskammer Sorau zu unterstützen, da auch aus dem hiesigen Bezirk derartige Beschwerden vorliegen. 7. Beseitigung der S p i r i t u s n o t durch F r ei - gäbe des Maisbreunens. Tie außergewöhnliche Knappheit der Spiritusbestände und die Befürchtung großer Schädigungen für die den Spiritus verarbeitenden imb verwertenden Industrien haben die Handelskammern Hanau und Nordhausen veranlaßt, den Reichskanzler zu bitten, den Erlaß eines Notgesetzes in die SBcgejit leiten, um für das laufende Betriebsjahr das Brennen von Mais ohne Benachteiligung für das Kontingent zu gestatteu. Ta unter der Spiritusnot und den hoben Spirituspreiseu auch die Triulbrauntweiu- und Essigindustrie sowie eine Reih? anderer Industriezweige des Kammerbezirks schwer zu leiden haben, so beschloß die Kammer, den Antrag der Handelskammern Hanau und Nvrdüausen zu unterstützen. 8. Erweiterung der Zollniederlagen des H a u v t st e u e r a m t s G i e ß e n. 1 c. -^E^rlageraume Hauptsteueramts Gießen sind für tne Bedunnnse der Industrie und des Handels vollständig unzureichend Handeskammer Mt daher die Erbauung einer neuen ^wllwederlage mit Gleisanichluß fW dringend erforderlich. em geeigneter Bauplatz in der Nä^ des Hauptsteueramts, ^wa hinter dem ehemaligen Liebigschen Laboratorium auf dem für diesen Zweck nicht zur Verfügung g-stellt werden kmnen, dann ist nach Ansicht der Kammer eine r bcr ^samten Niederlageräume in die Nähe des Güter- v ahn Hosts zu erstreben und die neue Anlage mit Gleisanschluß zu v-rwhew um die Mißstände, die sich jetzt aus der getrennten > age von Zollstbnvv-'n und Zollniederlage ergeben, zu beseitigen ^ce.Kammer beschloß, in diesem Sinne eine Eingabe an das Großh. Mmistermm der Finanzen zu richten. 0- V e hördtiche Beglaubigung zurErlangung öon Arbeiterfahrkarten. Nach den jetzigen Vorschriften muß die Besch-einigung zur Erlangung von Arbeiterkarteu zu er» mäp.igten Preisen von einer Behörde oder Dienststelle des Arbeitsortes ober des Wohnortes des Arbeiters beglaubigt sein. In einer Eingabe au die Handelskammer wurde darauf hingewiesen, daß dwst Beglaubigung nicht nur recht umständlich, sondern in vielen Fällen auch völlig zwecklos sei, da die Behörde vielfach feine Kenntnis davon habe, ob und wo die betreffenden Arbeiten beschäftigt würden. Es genüge daher für die Erlangung der Arbeiterkarten die Unterschrift des Arbeitgebers und der Firmenstempel. Tie^ Kammer konnte sich der Berechtigung dieser Aus- führungen nicht verschließen, zumal die Erfahrung lehrt, daß trotz behördlicher Beglaubigung Mißbräuche Vorkommen, und erklärte sich bereit, bei der Eisenbahnverwaltung die vorgeschlagene Aenderung zu befürworten. 10. E i n g ä n g e. ** a) Statistik der de'>tschen Reichspoft- und Telegraphenverwaltung für 1903, b) B-wkehrs^ati^if M Eisenbahndirektionsbezirk Frankfurt a. M. für 1903, c') Mitteilungen über den 45. Allgemeinen Genossenschaftstag, d) Bericht feer 32. Generalversammlung des B.rbandes Deutscher Müller, e) Genossenschastskataster für das Großherzogtum Hessen, nach dem Stande vom 1. Januar 1903, f) S. Schott, Kapitalanlage, g) Denkschrift des Verbandes Deutscher Eisenwarenhändler zur Bruch-Versicherung von Gußwaren auf dem Eisentransport, h) Von zuv'Aässiger Seite sind der Handelskammer Mitteilungen zugegangen über direkte Geschäftsbeziehungen kleiner deutscher Firmen mit Rußland, eine im November und Dezember ds. Js. in Bordeaux stattfindende Internationale Jndustrieausstellunln die van deutschen Fabri- kanstn und Kaufleuten nach Frankreich gesandten französischen Preisverzei^nisse usw., die Internationale Aus- st Lung v n k"malerisch ausgeführstn Ankündigungstafeln, illustrierten Postkarten ußv. in Antwerpen, die vom 15. bis 21. Oktober ds. Js. in London veranstaltete Internationale Brauereiausstellung, Winke für den Export nach Südafrika, Braunkohlenbrikettanlagen in Nord- hakuta, den amerikanischen Tabaktrust, deutsche Handelsbeziehungen zu Aeguatorialbrasilien, die Konkurrenz auf dem argentinischen Markte und die Hebung der deutschen Eisenmdustrieerzeugnisse nach Australien, ferner über eine zweifelhafte Firma in Belgrad. Tie Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden. Im Anschluß an die Sitzung folgten die Mitglieder her Handelskammer einer Einladung des Herrn Fritz Nowack-Gießen zur Besichtigung seines neuen Geschäftshauses. Tie Teilnehmer konnten sich bei dem Rundgauge von der zweckmäßigen Einrichtung der Geschäftsräume überzeugen. In vier Stockwerken des Gebäudes sind die Waren übersichtlich ausgestellt. Bei der Erbauung des Hames sind die neuesten Errungenschaften der Technik zur Anwendung gekommen. Nach 'dem Rundgang verweilten die Besucher noch kurze Zeit bei einer ihnen vom Besitzer freundlichst g^b^tc-nm Erfrischung. K i r ch l i Ä e W a ch r i ch t e n. Katholische Gemeinde. Samstag, den 17. D e z e m b e r 1 9 0 4. Nachlltittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 18. D e z e m b e r 1 9 0 4. 4. A d v e n t s - So n n t a g. Vormittags von 6 */, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Tie erste heil.Messe, vor'und in derselben Austeilung der heil. Kornnrunion. „ um 8 Uhr: Tie zmeite heilige Messe. Militärgottesdienst mit Predigt. „ um 9 V2 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 5/2 Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Brilderschaits-Andacht. 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(Bltchverlag von S. Fischer in Berlin.) Wenn man auf die Karte de§ Deutschen Reiches blickt, so gewahrt man rechter Hand in der obersten Ecke, da, wo die Flüsse Memel -und Pregel zur Ostsee eilen, einen kleinen Erdenfleck, genannt Preußisch-Littauen. Es ist der nordöstlichste Teil Deutschlands wie der Provinz Ostpreußen. Jem für so manchen Reichsdeutschen kaum glaubliche weltferne Gegend entbehrt keineswegs der landschaftlichen Amnnt. Sic ist nicht öde und wüst, sondern wohlbcbaut, und hat prächtige Aecker und Wiesen, Wälder und Gärten. Und die Bewohner — nun, das eigentliche Volk der Littaucr war wohl einst stark und mächtig, heute jedoch überkommt den Kundigen, der seiner gedenkt, ein wehmütiges Gefühl, denn dieses Volkes Existenz ifi nur noch eine Frage der Zeit. Ihr vor grauen Jahren mächtiges und sich namentlich «n heutigen SHufolanb weithin erstreckendes Reich wird heute von Deutschen, Kuren, Polen und — zum kleinsten Teile von Littauern bewohnt. Besonders in den letzten Jahrzehnten hat, soweit das Land zu Preußen gehört, die Germanisierung dieses Volkes gewaltige Fortschritte gemacht und nimmt von Jahr zu Jahr zu, sodaß von seiner alten Sitte und Sprache schon heute nicht mehr viel vorhanden ist. Und das littauische Volk sorgt nach Kräften selbst dafür, in dem deutschen aufzugehen, indem eS sein nationales Musikinstrument, die KanklyS, mit der Ziehharmonika, seine Bastschuhe (PareSken) mit den Stiefeln vertauscht, seiner das Grellbunte liebende Tracht, seiner seit- sam klingenden Namen mit den Endungen atis, eitiS re., seiner schönen Lieder (Dainos) sich entäußert und deutschen Sang und deutsche Sitte äußerlich und innerlich an deren Stelle setzt. Ter Nationallittauer zeichnet sich vor anderen Völkern durch eine, freilich von starker Abergläubigkeit vielfach verwirrte tiefe Religiosität und den Ernst seines Charakters aus. 9(m reinsten wohl hat er sich noch in der kurischen Niederung erhalten, einem überaus fruchtbaren, reich bewäsierten^Land» strich. An einem Kanal, der im wesentlichen den Schiffsverkehr zwischen den Haupthandelsstädten Ostpreußens, Königsberg und Tilsit, vermittelt, in geradezu üppiger landschaft- kicher Umgehung, erhebt sich die wuchtige Rautenburg, das stattliche Stammschloß der Keyserlings, eines alten ost- preußischen Grafengeschlechts. Hier mag auch Eduard Graf Keyserling, der Dichter des schönen Dramas, da§ wir am Freitag durch den Theaterverein kennen lernten, seine Jugend- fahre verbracht haben. Doch ob er nun von dort oder au5 dem russischen, heute zu Kurland gehörigen griechisch-katholischen Littauen stammt, wo ein Zweig dieser gräflichen Familie an- süssig ist, jedenfalls kennt er Littauen und die Littauer, die nicht nur Schafpelze, Schlittschuhe und Schnaps zu schätzen wissen, sondern auch die Poesie de§ Frühlings fühlen, wenn der schönste nordische Baum, die weißstämmige Birke, ihre feinzackigen wunderholden zartgrünen Blättchen an die schlanken Zweige setzt und mittamt dem Hollunder einen Duft verbreitet, der dem jungen Volke den Kopf benimmt und es zu Sang und Klang, zu! Lust und Liebe treibt, wenn abends die Nachtigallen auf den wunderlich geisterhaften, hohl- stämmigen Weidenbäumen schlafen, wenn der lockende Lenz weit drinnen im Walde, der weiß von Blüten steht, die Silberflöte bläst. Tie 17jährige kleine £rti ist das Aschenbrödel der Familie eines dörslerischen Trunkenboldes. Sie ist in linearen zur Welt gekommen, vor der Ehe ihres Vaters. Ihre unglückliche Mutter hat sich, von ihrem rohen Liebsten verlassen, selber den Tod gegeben. Ihre Stiesmiltter, die brave Anne, hat ihr $nxn die Mutterliebe nach besten Kräften zu s chenken sich'bemüht, doch diese siecht selber an Der Seite ihres nichtsnutzigen, arbeitsscheuen Gatten, der eine Kuh nach der anderen dem Branntweinteufel opfert, langsam dahin, trotz ärztlichen und geistlichett Beistandes. Tas letzte Mittel, sie, die von der ganzen Familre als unersetzlich empfundene, am Leben zu erhalten, ersinnt eine Greisin. Während Großmutter, Mutter und Kind in dumpfer Stube beisammen sind, während die Mutter in ihrem Krankenbette dem Tode entgegenzuschlummern scheint, redet die Großmutter dem Kinde, der £rti, zu, ihren jungen reinen Leib, der nur Not und Pein, Last und Leiden kennt und sich vergebens nach Glück und Freude, Lust und Liebe sehnt, der wundertätigen kGottesmutter zum Opfer zu bringen. Und die liebe kleine Orti hört auf der Großmutter geheimnisvolle Geschichte von der wundertätigen Madonna. Sie, die vom Leben .Mißhandelte, glaubt ftdy stark genug, ihr junges Blut der Himmelsjungsrau f)inöugcben, Damit die Mutter gesunde, als Jndrik, der stärkste und vornehmste Bursche im Torf, von dem sie in Diesen schwülen Frühlingstagen voll verzehrender Sehnsucht träumt, just in diesem Augenblicke wieder zu Madda, ihres Vaters jüngerer Schwester, einer üppigen 'Torfschönen, .schleicht. Sv wandelt sie denn webzcrrissenen Herzens jur schwarzen Kopielle ern fern int Wolde. Unterwegs ober, ans dem Heimweg von der Kapelle, in der sie sich der Muttergottes bargeboten hat, kommt „das Gute" zu ihr, das sie so lange kummervoll vermißt hat. Madda hat sich mit dem Dorsschreiber eingelassen, dem feiner Gekleideten. Es kommt zu einem Streit zwischen Jndrik und seinem Nebenbuhler. Dieser zieht ein Messer, um es Jndrik.ins Gesicht zu schleudern. Ta springt Orti hinzu und reißt dem Schreiber das Messer aus der Hand. Jndrik, der große schöne Jndrik, wird nun lieb und zärtlich zu ihr, der ileinen, von allen mißachteten und ver- chmähten Orti, und sie lernt im frühlingslichten Walde das Glück nnb die Liebe .kennen. Ans ein Stündlein nur. Am andern Tage gehts lvohl der kranken Mutter besser, sie glaubt lüicber ans Leben, und klein £rti, das „Grashnpfer- chen", ringt in schwerem .Gebete mit der Gottesmutter um ein bischen Mehr an Freude, um noch ein Weilchen Lustigem. Sie erbittet sich von der Madonna ein Zeichen. Und dieses Zeichen bleibt nicht aus. Tie Stiefmutter ruft sie vom Madonnenbilde ab, um .ihr einen Traum zu erzählen; ie hat die Gottesmutter leibhaft geschauL, Die ihr für nächstes Jahr reiche Gaben geweissagt hat. Tas, so deutet Orti, ist der Mutter Leben, also ihr Tod. Und als gleich darauf Jndrik erscheint, der dumme, protzige Jndrik, um nach der Madda, nicht nach ihr, zu fragen und so das kleine Veilchen mit Füßen zu treten, da greift das arme Ting, während draußen die frühtingsfrohe Torfjugend zur Harmonika singt und der volle Mond über den Himmel geht, in zuckendem Schmerz 511 dem Gifte, dessen Tropfen der kranken Mutter das Leben, ihr selber in Mengen den Tod geben. Tie Wege der Himmlischen sind dunkel. .... So endet die Lebensgeschichte von der kleinen Orti. — Heines Kevlaar-Wallfahrt mit dem wächsernen Herzen leuchtet sür Momente in diese simple Mädchenliebschaft, man erinnert sich auch der frischen und duftigen Novelle Don Klara Viebig „Margrets Wallfal)rt", die so versöhnend au.9- Hingt. Graf Kehserling rollt .in epischer Breite sein tragisches Mädchenbild auf, er sühn uns über einen nach irischer Frühlingserde duftenden Blütenteppich, durch prangenden Frühlingswald ins Land der Romantik, und wir jubeln und jauchzen, wir klagen und weinen mit ihm und wir halten ui tiefer Erschütterung an Ortts junger Leiche Rast, die wir liebgewonnen haben, wie Hauptmanns Haimele, und die, halbKind, halbWeib, zu den rührendsten und zartesten, dichterisch wundervoll gelungenen Cteftalten der neueren deutschen Tramatik gehört. Und jun dieser holden Mädchenknospe willen lieben und schätzen wir die ganze Dichtung, die das so bigotte als liedersroye Volk Littauens und leinen dumpfen Aberglauben so lebensecht schildert und die wir jedem Freunde der Dichtkunst zur Lektüre in stiller Stunde empfehlen. Das bischen Herkömmliche, Nachgeahmte, das im Dialog hier und da Gemachte überhört und überliest man gern, um sich an ihrem balladesken Volksliedtone herzlich zu erfreuen. ' Tie Aufführung, in ihker Gesamtheit, tat sehr viel für das Werk, nicht ohne baß imi einzelnen noch manches hätte geschehen können. In der Darstellerin der Orti, Frl. E e n t a B r e aus Hamburg, lernten wir eine fein empfindende Künstlerin von reichen technischen Mitteln und liebreizender Anmut in Wesen und Sprache kennen, die die kleine irrende, obdacharme tragische Madchengestalt rührend ins Herz der Zuschauer hineinspielte, oder, richtiger gesagt, in den Herzew der empfindsamen Hörer bettete. ES schien ja weniger ein Spielen, als das naive, unbewußte Werk leelenvollen ^Lachscyasfens der zarten dichterischen Gestatt. Frl. Brö hat freilich nicht Die schmächtige, erbärmliche Figur des arg bespöttelten Grashupfercheiis, aber doch viel liebliche Mädchenhaftigkeit in Art und Stimme, viel an echten kindlichen Gefühls. Tas größte an ihrer großen Sprechkunst, die so wundervolle Natürlichkeit besitzt, ist der Uebergang vom Weinen zum Lachen, der Wille zur Freude mit unterdrücktem Schluchzen. Bei ihren Tränen bricht, bei ihren Freudenworten hüpft das Herz. Ich glaube, Frl. Bv6 wäre ein gar wunderholdes Gretchen. Eine reiche Blumcnspende lohnte ihr schönes Kunstgcschenk. Unser Herr Sandorf war ihr ein recht guter Gegenspieler, gelassen und schwerfällig, dumm verwundert über des reichherzigen armen Kindes liebes Geplauder, selbstgefällig und naiv bewußt seiner angeftaunten Männlichkeit und Jugeiidttast, ein urprofaischer, gesund-brutaler Bauern- bursch von echtem Schrot und Korn. Von den übrigen Darstellern sind mit besonderer Auszeichnung zu nennen Herr Lüttjohann, der den dürren Schreiber m charakteristischer Maske und Haltung und rechtem bitterbösen Tone gab, und Herr Lippert, der Darsteller deS jüdischen Krugwittes, der nur leider cm wenig mehr gab als nötig. Auch Herr de Georgi hatte eine treffende Maske gemacht und führte feinen unschönen Part sehr konsequent, aber doch mit allzu stark abstoßendem Farbcnauftrag durch. Die Damen Fischer und Jenny gaben sich al3 die alten Dorfgroßmüttcr große Mühe und blieben beide nicht ohne Wirkung, wenn auch die abergläubische, die mit „geheimen" Dingen vertraute Trine einer schärferen Kennzeichnung würdig und eine Milderung ihrer arg geiajrauoren uno verstaubten Vuchrcdeweise gar sehr wünschenswert gewesen iuärc. Die Kranke, die man vom Hintergründe her weinen hört, sührtc Fräulein Gartner opsermiitig diirch. Sonst verdienen noch außer Fräulein Dulfer als Dorskokette anerkennende Erwähnung die Herren Conradi als gemütlicher, sein Amt in allen Lebenslagen mit größter Seelenruhe und ein paar salbungsvollen Worten ausübender Dorspfarrer unb Herr Linzen als poltriger Dorfarzt. Dir Jnszcnicriing war in der naturalistischen Ausstattung der Arineleutstube und kostümell wohl gelungen. Freilich tragen die Zittauerinnen bunte Wollfäden in ihren Zöpfen und zumeist bunt gestreifte Röcke in ähnlicher Länge und von ähnlichem Bausch wie unsere Oberhessinnen. Paul Witt ko. ♦ Ein bisher unbekanntes Drama Gerhart Hauptmanns. Vor uns liegt bereits das erste Heft des Jahrgangs 1905 der „Neuen deutschen Rundschau" (S. Fischer in Berlin), der vornehmsten modernen literarischen Zeitschrift Deutschlands, deren Mitarbeiterstab so ziemlich sämtliche Autoren von Ruf und Namen umfaßt, wie Atthur Schnitzler, Otto Erich Hartleben, Otto Jul. Bierbaum, Graf E. K a h s e r l i n g (den Dichter deö „Frühlingsopfer"), Georg Hirschfeld, Herm. Hesse, Thomas Mann, Prof. Muther, Abg. v. Gerlach, Eduard Bernstein, Wilhelm Bölfche re. re., deren nächste Hefte u. a. den Briefwechsel des stütz verstorbenen genialen Komponisten Hugo Wolf bringen u ollen neben anderem Bedeutendem und Interessantem. Tas vorliegende Heft enthält zunächst ein dramatisches friagment von Gerhart Hauptmann, ,.(E l g a" betitelt, das vom Lichter vorläufig zu keiner anderen Veröffentlichung bestimmt ist als in der Neuen Rundschau. Es wurde im Jal^e 1896. unmittelbar nach der ersten Ausführung des „Florian Geyett" in sehr kurzer Zeit niedergefchrieben. Ter Stoff ist einer Novelle von Grillparzer, „Tas Kloster bei Sendomir", entnommen. In einem Kloster der Woiwodschaft Sendomir kehrt zur Nachtzeit ein beut» scher Ritter mit seinem Tiener ein. Er ist lebensfroh, liebt Wein und Kind von Herzen und will die Nacht in der düsteren Zelle am liebsten mit einem Trunk guten Weines verbringen. Ein stiller Mönch wattet ihm auf; er weigert auf neugierige Fragen die Antwort, läßt aber erkennen, daß ein schweres Schicksal ihn ins Kloster getrieben, und daß in dem runden Turm, zu dessen Fenster hinaus der Ritter in den nächtlichen Nebel blickt, vor Zecken ein dunkles Verhängnis sich erfüllt hat. Weläjer Art die Er- innerun ist, die sich an die Zelle im Turm knüpft, fbieggelt ein Traum dem Ritter in fünf wechselnden Szenen wieder. Er sieht den Grafen Starschinski, der zu Solsieskis Zeiten ein stolzer Krieger und der Gatte der schönsten Frau war. Die Frau betrügt ihn mit ihrem Jugendgespielen Oginski. Während sie am Tage bcn Gatten mit Liebkosungen unb Schwüren umgarnt, hat sie nächtlich im Turm Zusammenkünfte mit dem Manne, den sie einst um des Reicheren willen verließ. Ter Graf entdeckt den Verrat und hält Gericht. Im Turm, auf dem Bett der Lust, wird Orainski erdrosselt; daun sül/rt Starschenski die schöne Elga an das Lager des loten Geliebten und zeigt il/r den Ermordeten, von Lichtern umstellt, wie eine festliche Gabe. Sie weicht voll Haß, Grauen und Ekel vor dem Gatten zurück; daun bricht sie los: „Ich hasse Dich! Ich speie Tich an!"... Als der Morgen dämmert, entflieht der Ritter der Stätte des Traumes. Tamit hat Hauptmanns F-ragment ein Ende. Tie Durchführung dieser Szenen ist deshalb besonders interessant, weil sie uns in einigen Tina en einen ganz neuen Hauptmann zeigt. Tie Wucht der kurzen Reden, die wie Keulen aufeinander treffen, die finftcre Größe, zu der Graf Starschenski, der Weiche und Gläubige, in kurzer Frist emporwöchst, hat nichts von dem lyrischen Gedankenfluß, den wir in dem Dichter des „Armen Heinrich" oder der „Versunkenen Glocke"" bemerken. So sonderbar und widerspruchsvoll eS klingen mag: in diesen kurzen Szenen hat Hauptmann einige Aehulichkeit mit Strindberg. Auch die Gestalt der Elga, der gleißenden, noch im Verbrechen verführerischen Frau, könnte genau so von dem großen schwedischen Weibertzasser gebildet sein. Manche unserer modernen Künstlerinnen wird es bedauern, daß sie diese Elga nicht spielen kann! V f — Goethe. Humboldt. Darwin. Häckel. Vier Vorträge von Walter May. Privatdozent an der techn. Hochsclmle in Karlsruhe. Verlag Enno Quehl in Berlin-Steglitz, gebunden 5 Mk. — Tiefe Vcwträge find überschrieben „Gonthe und Humboldt"", „Goetl>e und Tarwin"", „Humboldt und Darwin"" nnb „Tarwin und Häckel"". Tie vier großen Geschichtsheroen sehen wir nacheinander, neben einander unb einander gegenüber, es liegt hier vor uns ein Buch der Entwickelungsethik und der Entwickelungsletzre. Goethe, der riesige Vordenker, bat schon einzelne Züge der Entwickelungsletzre die Lamarck noch nicht kannte, vorweg genommen. Humboldt mükKe sich vergebens mit der Schaffung einer neuen Ethik, die sein Selbst über andere emporheben soll. Er kam über ein paar Mlgemeinheiten noch nicht hinaus, obnwhl er der asketischen Moral für immer Lebewohl gesagt hatte. Tarwin schnf die Lebre von der Entwickeluna, die gewiß noch mehr halten wirb, als sich selbst die kühnsten Kopfe im erften Ansturm von ihr verspraä^cn, und Häckel, dem jüngsten unter ibneit, auch schon einem ehrwürdigen Greise, liegt mehr als allen seinen Vorgängern die Reform der geltenden Ethik am Herzen. Er betont die Bedeutung der natürlicljen Ausleie für die menschliche Gesellschaft und der aaschlechtlichen Auslese in der Menschenwelt, er versucht den Zugang zu einer ideellen Sozialethik. — Tas schön ausgestattete, mit vielen guten Illustrationen, Porttäts usw. geschmückte Buch sei der ernst sttebenden akademischen Jugend unb ernsten Männern, als nutzbringende Lektüre empfohlen. elegante, aparte Neuheiten. Vorzügliches Weihnachtsgeschenk! Echarpes. Selden-Echarpes Ball-Echarpes Spitzen-Echarpes Chenillen-Echarpes Chenlllen-Tücher Seiden-Echarpes mit Spitzen und Plissees E3 cu S3 s cd Leib- Wäsche Bett- Wäsche ö 6— CD ■ö CD U« M. 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