Nr. 297 Erstes Blatt. 154. Jahrgang Sumstag 17. Dezember 1904 Amis- und AnzetzMM für den Kreis Gießen Dchvlstrotze 1. 3Ibn>flt für Tereld)ot! Anzeiger Ntetzea. Fkrniprechnnlchltty 61 6ein oiptetfi monatl t± 76 eiertet» jährlich Mk. 2.20; durch lUbbole- u. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch die Post L.— ^teilet» tätjrL auSfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für dre TageSnumrner bi» vormittag- 10 Uhr. ßetlenpre,« lokal 12Pf«, LuSwärtt 20 Pfg. verantwortlich tflw den poltt und Qdgem. teil P. Wittko. Mr .Stadt und 2anb* und .(LertchtSsaaf: August Goetz, für den An» Aetqenteil: HanS Beck. •rieetot -«glich außer bonnlagL. •em Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMfchen Londwtri die Gießener Familien« Hättet viermal in bet Woche beigelegt NotaNonsdruck u. Verlag bei Brüh l'sehen Unwerl.-Buch-u. Stein» brudetei. 9t 8dng< flUhaftton, GrvedUto» Z)ie heutige Plummer umfaßt 28 Keilen. VMische Tagesschan. Sozialdemokratisches aus Heffen. Zwischen der sattsam bekannten Mebringschen .„Leipziger Volksztg." und dem Mainzer sozialistischen Parteiorgan ist aus Anlaß der letzten St a d t v e ro r d n e t en wa bl eine Preß- fehde ausgebrochen, in der sich die beiden Bruderorgane die schönsten „Liebenswürdigkeiten" an den Kopf werfen. Selbst der Abg. Tr. David ist in die Polemik eingetreten, „um sich zu verteidige^ und gegen die Herabwürdigung seiner Person zu protestieren". „Sollte", meinte Tr. David, „die Leipziger Sitte um sich greifen, das; die Mgeordneten von der eigenen Partei als denk unfähige Tröpfe und charakterlose Streber hingestcllt werden, dann würde cs allgemach nicht nur. zu einer sehr zweifelhaften Ehre werden, dem sozialistischen Fra ktions korps a n z u g e h ör e.n , es müßte auch das öffentliche Vertrauen in die Partei, die solche Männer in den Reichstag schickt, schwer erschüttert werden". Tie Mainzer Parteiführer haben sich in einer Parteiversammlung, über ihr Verhalten bei der Stadtverordnelenwahl noch nachträglich ein Vertrauensvotum erteilen lassen. Bei dieser Versammlung ist dem Genossen Stadtv. Seel die interessante Bemerkung entschlüpft, „daß in drei Jahren die Konstellationen der Parteien wohl eine andere sein dürfte". Am Schlüße der Versammlung wurde in einer Resolution dem Mainzer Genossen, welcher in der „Leipz. Volksztg." gegen den Kompromiß bei der Stadtratswahl geschrieben, die „t i e f st e V e ra ch t u n g" ausgesprochen. Ebenso wurde das „unerhört niederträchtige Verhalten" der „Leipz. Volksztg." verurteilt. Ta die „Leipz. Volksztg." den führenden Genossen in Mainz schon mit dem nächstjährigen Parteitag droht, dürften diese Auseinandersetzungen sobald noch nicht, zur Ruhe kommen. Nachdem Bernstein, Göhrc usw. abgetan sind,, scheint man auch dem hessischen Revisionistenführer Dr. David, der sich bisher im Hintergrund gehalten, den Prozeß machen zu wollen. Ein Wahlbündnis für die Gemeindewahlen hatten die liberalen Parteien in Darmstadt mit der Sozialdemokratie abgeschlossen. Innerhalb der Sozialdemokratie ist über dieses Kompromiß ein heftiger Streit airsgebrochen. In sozialdemokratischen Versammlungen in Darmstadt gab es erregte Szenen bei der Erörterung der Gemeindeivah'en. Ter „Vorw." berichtet darüber: „Verschiedene Parteigenossen hatten auf den Wahlzetteln Streichungen vorgenommen und erwiderten aus die gepiy; sie erhobenen Vorwürfe, daß man ihnen unmöglich zumukeu könne, wirtschaftlich^ Gegnern, mit denen sie kurz vorher im Kampfe a^st^ndm. ilwe Stimme zu geben. Ein Kritiker an der offiziösen Taktik der Darmstädter Genossen entfesselte einen solchen Sturm der Entrüstung, daß die Versammlung vorzeitig geschlossen werden mußte." Tcutfcfred Reich. Berlin, 15. Dez.. Des Kaisers jüngster Sohn, Prinz Joachim von Preußen, vollendet morgen sein 14. Lebensjahr. Auch Prinz Friedrich Sigismund von Preußen, ältester Sohn des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, hat morgen Geburtstag; er wird 13 Jahre alt. g — Durch sozialdemokratische Blätter ist die Behauptung verbreitet worden, der I u stiz m ini st er habe eine generelle Anweisung gegeben, überall da, wo es irgend angängig sei, den Landfriedensbruch-Paragraphen zur Bekämpfung des Streikposten stehens in Anwendung zu bringen. Diese Behauptung entbehrt nach der „Nordd. Allg. Ztg." jeder Begründung. Magdeburg, 17. Dez. Merten (Frei s. Volksp.) erhielt bei der R ei ch s t a g s sti chw a h l in Ierich-ow bis jetzt 13 914 Stimmen und Voigt (<5ov) 6312 Stimmen. Es fehlen noch 51 kleine Orte. (Die Wahl Mertens kann man danach als gesichert betrachten. Bei der Ersatzwahl am 6. ds. erhielten v. Brauschitsch 6034, der nationalliberale Vom Rath 3410, der Antisemit 2664, Merten. 6327 und Voiot 6736 Sü Schon nach dickem Resultat! WeiHnachisSüchi-r. * Epilog z u Strindbergs drittem Eheroman In einem Sonderheft des Neuen Magazins ist August S t ri n d b e r g s Drama „E h r i st i n e" erschienen, dessen Hanptcwstalt die merkwürdige Sckwedenkönwin zugleich aber in allen Eigenheiten ihres Charakters auch des Dichters dritte, vor kurzem vrni ihm geschiedene Frau Harriet Bosse sein HL Neber di VHch''naen der aeschi^t'i^en Gestalt zu Frau Bffse-Strind- berg schreibt der NcbeAetzer und Freund des Tichters, Emil Schering: „Tas schwedische Publikum kennt diese Frau als Stockholms modernste und eigenarliaste Schauspielerin: kennt sie vor allem als beste Strindberg-Spielerin, die ihre orößten Erfolge in den Dramen ihres Mannes gehabt hat, in „Samum", „Nach Damaskus", „Ostern". Das schwedische Publikum liebt Strind- berg und liebt Harriet Bosse: es versteht, daß zwei solch ausgeprägte Individualitäten auf die Tauer nicht zusammen leben können, ohne daß die eine die andere unterdrückt. Ta Strindberg die stärkere Persönlickftit ist, blieb für Harriet Bosse nur die Mahl, sich dem Genie ihres Mannes zu opfern oder dem eigenen Genius zu folgen Tas letzte hat sie gewählt; möge die Zukunft, von der sie einen Weltruf als Schauspielerin erwartet, sie nicht enttäuschen? Sie ist die skandinavische Düse genannt,, worden, und es ist nicht unmöglich, daß sie 'einmal ebenso berühmt und gefeiert ist wie diese, denn ihre geniale Begabung ist zweifellos: es fragt sich nur, ob die Entwickelung sie nicht im Stich läßt. Wenn aber eine Düse sich 'imnier wieder mit ihrem Dichter d'Anuunzio vereinigt, so ist eine Wiedervereinigung zwischen Strindberg und Harriet Bosse ausgeschlossen. Strindberg ist durchaus monogam veranlagt, er hält in der Ehe absolute Treue und verlangt in der Ehe absolute Treue. Hat er seine Frau einm 't frcigegeben, so ist eine neue Verbindung mit ihr für ihn nicht mehr möglich. Dio glänzendste Charakteristik, die Strindberg I, hier dritten Frcu gewidmet hat, ist „Christine". Hier ist Lmrrict Bosse, wie ie leibt und lebt, mit all ihren Vorzügen und Fehlern, mit ihren schnellen Bewegungen, mit ihren brennenden Augen, mit ihren vielen Gesichtern: bald als liebliches Kind, dann als hartes Mannweib, bald als schmachtende Frau, dann als durfte man den Sieg des freisinnigen Kandidaten mit Bestimmtheit erwarten. Bei der Hauptwahl im Jahre 1903 erhielten Fürst Herbert Bismarck (kons.) 10 430, Voigt (Soz.) 8140, Merten (fr. Vp.) 6480 und v. Strombeck (Ztr.) 48 St. Bei der Stichwahl wurde dann Fürst Bismarck mit 14 665 Stimmen gewählt gegen Voigt, auf den 9742 Stimmen entfielen. Der Wahlkreis war schon früher einmall iw liberalen Besitz. Seit 1893 war Fürst Herbert Bismarck Vertreter des Kreises.) R a w i t s ch , 16. Dez. Bei der heutigen Reichstags- ersatz Wahl im Kreise Posen 5 wurde bis 11 abends gezählt: Wagner (Rp.) 3643 und Stychel (Pole) 8925 Stimmen. Das Ergebnis mt§ 12 Ortschaften fehlt noch; die Wahl Stpchels scheint gesichert. Kcer unb A'oUe. — Aus dem Militärwochenblatt, v. Sanden, Oberlt. im 1. Großherzogl. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, unter Beförderung zum Hauptm., als Komp.-Chef in das 7. Thüring. Jnf.-Negt. Nr. 96 versetzt. Luckwald, Major u. Bats.-Konunandeur im 5. Großherzogl Hess. Juf.- Regt. Nr. 168, zum Kommandeur des Landw. Bezirks Na- witsch ernannt. Brommundt, Major, aggregiert dem 1. Nassau. Jnf.-Regiment Nr. 87, unter Versetzung in das 5. Großh. Hess. Jnf.-Negt. Nr. 168 zum Bats.-Kommandeur ernannt, v Pentz (Hans), Leutnant im Jnf.-Negt. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogl. Hess.) Nr. 116, zum Oberlt. befördert. Gold mann, Leutn. im 5. Großherzogl. Hess. Jnf.- Negt. Nr. 168, in das 7. Lothr. Jnf.-Negt. Nr. 158 versetzt. Werneburg, Lt. im 1. Großherzogl. Hess. Feldart.- Regt. Nr. 25 (Großherz. Art.-Korps), in das Thüring. Hus.- Negt. Nr. 12 versetzt, v. Studnitz, Lt. der Landw.-Kav. 1. Aufgebots (IV Berlin), unter Versetzung zu den Res.- Offizieren des 2. Großherzogl. Hess. Drag.-Regts. (Leib- Drag.-Negts.) Nr. 24 vom 1. Januar 1905 ab auf ein Jahr zur Dienstleistung beim letztgenannten Negt. kommandiert. Dr. Minrath (Worms) Unterarzt zum Assist.-Arzt der Res. befördert. Dr. Nu ckelsha usen, Tr. Hochgesand (Mainz), Dr. Di eh lei (I Darmstadt), Oberärzte der Landw. 2. Aufgebots, Dr. Seitz (Frankfurt a. M.), Stabsarzt der Nes., der Abschied bewilligt. ^arlamcnfarifd) s. — Tie Zentrumsfraktion d"s Reichstages bat folgende Resolutionen zum Etat eingebracht: 1. Zum Reichskanzleretat: die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, durch welches Elsaß-Lothdingen als Mitglied des Reiches eine selbständige Vertretung im Bundesrat erbält. 2. Zum Etat des Reichsamtes'des Innern: Ten Reichskanzler zu ersuchen dem Reichstage möglichst bald eine Tenkschrift über di" »um Zweck der Vrodnktion, Preisfestsetzung nnd des Vertriebes von Waren, gebildeten Kartelle, Syndikate, Interessengemeinschaft vorzulegen, welcher die Vertragsbestimmungen dieser Gesellschaft an- gesügt sind. Heising sors, 16. Dez. Der Magistrat hat trotz der Aufforderung des Gw'.verneurs, eine allgemeine Rat- hausversammlung zur Wahl von Mitgliedern in die Kreiswehrpflicht-Kommission einzuberufen, dies nicht getan imb es damit motiviert, daß die Frage noch nicht erörtert worden sei. Ter Verweser des G>out)fi:ncm('nt§ befahl die Berufung der Rathauskommission zum 29. Dezember bei einer Strafe von 1000 Mark für den Vorsitzenden und von 500 Mark für die Bejsister. h rzloser Dämon, bald mit rührenden Tränen int Arme, dann ein höhnisches Gelächter anscklaqend, bald ein heiterer Schckm, dann eine schroffe Tvrannin, bild scheu vne ein edles Pferd, dann ans- fahrend wie eine Katze usw. 'ifto. Ein ganz unerhört reiches Leben hat der Dichter hier in einen Spiegel aufgefangen." — Ludwig Thoma, Der heilige H i e s. Merkwürdige Schicksale d : s ho ch w ü r d i g c n Herrn Mathias Fottner von Ainhofen, Studiosi, Soldaten in.n d späterhin Pfarrherrn zu Rapperts- w y l. Mit vielen bunten und schwarzen Illustrationen von Prof. Ignatius Taschner. Nur gefunden in Original-Leinenband 5,Mk. Verlag von Albert Langen in München. „Ter heilige Hies", manchem unserer Leser wohl schon aus den „Süddeutschen Monatshefent" ist m. E. nicht nur Thomas beste Pauerngeschichite, das will beim Autor des „Agiicola" sehr viel sagen, sondern überhaupt die beste und lustigste B a u e r n g e s ch i ch t e unserer Ä?oderne. Und in Jgnat'g s Ta'chner hat diese Geschickte einen Illustrator gefunden, der d^'m Dichter vollkommen kongenial nnd ein ebenso guter und hm^orvoller Beobachter und Kenner de§ oberbaverischen. Volkslebens ist. So haben diese beiden Künstlerin gemeinsamer Arbeit ein Werk geschaffen, das nicht nur z u den a m ü s a n t e st e n und s ch ö n ft e n gehört, die seit lange erschienen sind, sondern auch ein Werk, das bleiben wird als ein w'ertvollcs kulturhistorisches Tokil- ment. „Der heilige Hies" ist, was Buchausstattung anbelangt, außerdem eins der geschmackvollsten Prachtwerke. Vis auf das eigens cntwwrfene Vorsatzpapier hat sich die liebevolle Sorgfalt des Künstlers erstreckt, der prächtige Einband, die zahlreichen bunten und schwarzen Illustrationen, die zum Truck verwendete schöne alte Tvpe und ebenso Stil und Art der Bilder sowohl wie des Textes -- das alles paßt in einer Harmonie zusammen, daß hier ein M e i ft e r w e r k d c u t s ch e n H u m ors u uddeut - j efi c r Bucht u n st vorliegt, wie mnii cs wohl noch nicht oft zu sehen bekommen hat. — Von Sonnen und Sonnenstäubchen, .Kosmische Wandcrungcn von Wilhelm B ö l s ch e. 4.—8. Tausend. Vo IV- ausgabe. Berlin, Georg Bondi. Brosch. 2.50 Mk. — Bei dem, was Völschc in diejem Buche erzählt, belvundert man Kopenhagen, 16. Dez,. Der Landwirtsch Zivilkleidung, die aber, wie ihre Haltung und Wortkargheit' schließen läßt, Militärpersonen sind, und offenbar Nachrichten überbringen, sind heute aus Port Arthur inii einem offenen Segelboote hier eingetrofsen und! begaben sich ins russische Konsulat. Starker Wrnd hatte;' ihnen eine rasche Ueberfahrt ermöglicht. Aus der Mandschurei. Petersburg, 16. Dez. Wie General Kuropatkin deut, Kaiser von gestern meldet, ist der Kormnandeur der drittens' Armee, General der Kavallerie Baron von Kaulbars-^ gestern in Mukden eingetroffen. ' Petersburg, 16. Dez. Ter Korrespondent der „Bir- schewija Wjedomostt" in Schanguanschan telegraphiert stinem Blatte unterm 15. Dezember: Es geht das Gerücht, daß die Japaner unter Mißachtung der Neutralität Chinas sich endgiltia der Bahn Sin!- minting-Schanhaikwan bemächtigten. Auf der Station Goabandzy halten verkleidete japanische Soldaten; und drei japanische öffiviere die Reisenden auf. Die baltische Flotte. London, 16. Dez. Ein Kopenhagener Bericht bestreitet entschieden, daß dem Admiral RoschdjestwenSky, besohlen worden sei, nach Rußland zurückzukehren oder nicht weiter als bisher zu gehen. Andererseits^ wird aber eingeräumt, daß, wenn Port Arthur fällt, ehe das Geschwader Ostasierr erreicht hat, die Zurück- berusung sicher erfolgen werde und daß Rosch- djestwensky den Befehl hat, seine Flotte nicht dem Kampfe mit einer überlegenen Macht auszusetzen, nötigenfalls sogar einen neutralen Hasen aus zu suchen, und seine Schiffe' eher abzurüsten, als eine Niederlage zu riskieren. 700 Millionen für den Krieg. Tokio, 16. Dez. Die Budgetkommission hat in der Negierungssorderung von 700 Millionen Jen für Kriegszwecke 41 Mill, gestrichen. .WTO-i I., IIIIIII !!■—fl—— s ine Kunst, seine plastische und farbige Darstellnngsart; der Rinqkampf um die Erforschunq des Andromedanebels stst ebenso dichterisch gesebcn und erzählt, wie die köstliche Episode, die b 'richtet, wie Bölscke in Brieselang bei Finkenkrug zum ersten Male das geheimnisvolle Krebstier, den Apics, aus dem mo- aunen Blättergrunde eines stachen Tümpels hervorwackeln sieht. Aber wesentlicher ist noch das Wie dieser kosmischen Novellen. Varn Andromedanebel spinnt Völsche eine schrammende Kette bis §ur Erde, bis zum Lebendigen, bis zum Menschen; und vom Apns spinnt er dieselbe Kette bis zum letzten Nebelfleck, d'ssen Entfernung von uns selbst Licktjahre kaum mehr messen können. Das ist mvtbischer als die Mythen der Alten und zugleich, wenn man zwischen den Zeilen lesen will, von einem tiefen ästhetischen und ethischen Willen beseelt und dnrckiwachsen.^ — Friedrich Huch: Wandlungen. Roman. (S. Fischer, Verlag. Berlin.) Geh. 2.50 Mk., geb. 3.50 Mk. — Zwei Schicksale entwickeln sich nebeneinander, die in entgegengesetzter Richtung führen: wir sehen die langsame Trennung zweier Gatten (Wolf und Aliech die früher durch ihre Kinder vereinbar verbunden, nun, ans sich allein angewiesen, in wachsender Entfremdung ein fast gespen'isckes Zusammenleben ftihren — und auf der andern Seite vollzieht sick die Verbindung zweier Menjchcn (Hagen und Cornelie), die, äußerlich getrennt, innerlich von Anfang an für einander bestimmt, mit langsamer Kon- seauenz sich auf einander znbetvegen. Wie eine Arabeske sticht sich episodisch dazwischen — halb ernst, halb spielerisch — das zarte, schwärmerische Verhältnis Anselms zu Jasmin, die, beide an der Scbwelle des Lebens stehend, in sich das Glück gefunden zu haben wähnen, bis auch Her ihre Entwicklung eine Wandlung schasst. Diese drei in sich noch vielfach komplizierten Probleme sind in ihrer gegenseitigen Beeinflussung mit größter psvckolo- gischer Feinheit nnd Delikatesse durcligesübrt. Tiefere Svmbolik fühlt man überall, am Schluß wird sie beherrschend. Tas Werk bedeutet gegenüber den „Geschwistern", aus denen es hrraus- wnchs, eine Steigerung' >’■" bildet ihren zweiten Teil, l>esteht aber, für sich genommen, als ein selbstundiges Ganzes. r zuerst Schlage, Nischen- ober Mantelblätter, wo sie die (Sonipoftetbc anhäufen und daraus die Nährstoffe entnehmen. Ter Vortrag war durch reiches Material dieser schwierig zu kultivierenden Pflanzengruppe aus den Gewächshäusern des botanischen Gartens sowie wohlgelungene Photographien aus den Tropen illustriert. ” Der des Raubmords verdächtige Metzger Hudde hat, wie wir von der hiesigen Staatsanwaltschaft hören, in Gemeinschaft mit einem Unbekannten in der Nacht auf 15. Dezember im katholischen Pfarrhaus in Norath, Kreis St. Goar, einen neuen Einbruch verübt. Beide Einbrecher haben in der Nacht in einer Scheune in Biebern, Kreis Simmern, übernachtet, wo sie gegen 5 Uhr morgens gesehen wurden. Beide sollen von dort nach Frankfurt a. M. gefahren sein. Das neue Signalement Huddcs lautet: Kurz geschorenes Haar, bartlos, schlechtes Aussehen, brauner weicher Fitzhut, dunkler Ueberzieher und Spazierflock; Fingerring mit blauem Stein. ** Der falsche Hudde. Daß auf der Suche nach Verbrechern, namentlich wenn auf deren Festnahme eine hohe Belohnung gesetzt ist, Fehlgriffe vorkommen, hat sich wiederholt bei der Suche nach dem Mörder des Heldenberger Pfarrers herausgeslellt. Auch in unserer Nachbarschaft ist über einen solchen Fall zu berichten. Geht da eines Tages ein mehr durch seine Gelahrtheit und seinen Sinn für Gottes Zustimmung gegeben, einfach überklettert. Unterdessen siel unferm Viehwärter das Benehmen de§ Fremden auf; eins, zwei, drei verständigt er seine Frau und trägt ihr auf, den Fremden im Auge zu behalten, er wolle unterdessen Stricke holen, denn der Fremde sei kein anderer wie der Mörder Hudde. Die Frau, einesteils entsetzt über die Bekanntschaft mit dem Missetäter, anderseits erfreut über die Aussicht, die „tausig Mork" so leicht mit zu verdienen, willigt ein, und flugs macht sich der Tierhüter in seine Behausung, um die Stricke zu holen. „Den will aich binde, daß ems Laafe vergilt", spricht der Wächter vor sich hin und flugs i|t er mit einem Bund Stricken hinter dem „Hudde" her. Dieser hatte in- zwischen seinen Weg durch ein Gehöft fortgesetzt, dessen Insassen von der Nachricht, Hudde sei da, in Schrecken versetzt wurden. Die handfestesten Männer beteiligten sich nun an der Verfolgung des „Mörders", bis er gestellt wurde. Eben, als der Tierhüter sich an das „Binde" des gefährlichen Gesellen machen wollte, erkennt ein Verfolger in dem vermeintlichen „Mörder" den Herrn als den Rektor X. Tableau! „Gieh Haarn mit deine Schträikk" sagt der Mann zu dem verblüfft dreinschauenden Viehwärter, und deffen Frau fügt kleinlaut hinzu: „Hätt aich gewitzt, das; der do der Herr aus wär, aich hält' sür- nehmer mit em geschwatzt." -0- Echzell, 15. Dez. Wie verlautet, wollen sich die Gemeinden Echzell, Bisses, Heuchelheim und Gettenau an die geplante gemeinschaftliche Wasserversorgung in Bad Nauheim anschließen. Die Verwirklichung dieses Kurzem von seinem Truppenteil und ist bis jetzt nicht wieder zurückgekehrt. Die Militärbehörde, die annahm, er halte sich hier bei Bekannten verborgen, benachrichtigte die hiesige Polizei. Ter Deserteur war jedoch nicht hier; dagegen wurde der Polizei ein Brief des Soldaten übergeben, in dein er einem Bekannten mitteilte, er ginge ins Wasser. Friedberg, 15. Dez. In der letzten Stadverord- netensitzung brachte, so lesen wir in der „Friedb. Ztg.", Stadtverordneter Langsdorf die vom Bürgermeister der Nachbargemeinde Bad-Nauheim in einer öffentlichen Versammlung des Verkehrsvereins dort in Bezug auf Friedberg gemachten Aeutzerungen zur Sprache. Unter anderem^ soll der Bürgermeister den Ausdruck gebraucht haben: „Die Stadt mit den Türmen ist unser grützter Feind, laßt uns das Pulver trocken halten und'die Schwerter schärfen." Angesichts solcher Aeutzerungen fordert Langsdorf auf, offiziell dagegen Protest zu erheben. Wetzlar, 15. Dez. In der heutigen Kreistagssitzung wurde beschlossen, zu den Kosten der Wiederher- stelllung des Wetzlarer Do mes aus Kreismitteln einen Beitrag in Höhe von 12 5 0 0 Mk., zahlbar in 5 Raten zu je 2500 Mk. in den Jahren 1904—1908, zu bewilligen. Hanau, 17. Dez. Hier wird die Einführung einer progressiven Gewerbesteuer geplant. Die Stadtverordneten wählten Herste eine Kommission, die im Verein mit Vertretern des Magistrats die Angelegenheit beraten wird. — Demnächst soll ein Siechen ha ns erbaut werden, das die Summe von etwa 90000 Mk. erfordert. Aufnahme sollen altersschwache unb hilfsbedürftige aber nicht krankenhausbedürftige Personen finden. — Die Erhebungen des Magistrats über leerstehende Wohnungen in hiesiger Stadt haben ergeben, daß 41/2 Prozent der Wohnungen unvermietet sind. Tie Normalziffer ist 3 Prozent. Projektes wäre mit Freuden zu begrüßen. Zell, 14. Dez. Die Witwe des Karl Kalbfleisch von hier, deren Mann im Lause des Jahres einer tückischen Krankheit erlag, hatte gelegentlich des Manöver-Aufenthaltes S. K. H. des Großherzogs in Romrod eine Unterredung mit dem gleichfalls dort weilenden Prinzen von Battenberg, der sich lebhaft für ihre Familiengeschichte interessierte, als er erfuhr, daß die Frau eine geb. Mohr und zwar der letzte Sproß der im „Jägertal" bei Zell einst angesessenen Familie Mohr sei. In der Unterredung machte die Frau auch Mitteilungen über den trostlosen Zustand ihres Mannes. Am anderen Tage wurde ihr vom Bürgermeister ihres Ortes ein vom Großherzog gespendetes namhaftes Geldgeschenk überreicht. Ein Glückwünsch der Witwe zur kürzlich stattgehabten Verlobung unseres Landesfürsten nmibe freundlichst beantwortet. — Der Großvater der Witwe Kalb- fleisch wurde s. Zt., als die Russen zu Anfang des vorigen Jahrhunderts unser Land durchstreiften, von einem Trupp derselben umgebracht. (A. O. Ztg.) Büdingen, 15. Dez. Ein Glasmacher von hier, der in Colmar in Garnison stand, entfernte sich vor Frau. * Der „Frühling" im geplatzten Trikot. . Tie Schreckensnachrichten vom Kriegsschauplätze haben der russischen „goldenen Jugend" die Freude an harmlosem Amüsement, noch nicht vergällt. Ein von mehreren russischen Blättern wiedergegebener Bericht über einen M a s ke n b a l l im Operetten» theater zu Kiew liefert den beruhigenden Beweis, daß man im heiligen Rußland auch in schweren Zeiten zu leben und zu genießen versteht. Der erwähnte Maskenball war zuerst lehr langweilig. Das änderte sich aber mit einem Schlage, als der „Frühling" im Saale erschien. Der „Frühling" war eine weibliche Gestalt in fleischfarbenem Trikot, das sich schamhaft unter dünner, allzudünner Gaze versteckte. Mit dem „Frühling" kam „Leben in die Bude". Die Vertreter der „goldenen Jugend" stimmten ein Begeisterungsgeheul an. woraus der holde Lenz ergriffen und veranlaßt wurde, sich 'bon der Orchesterbarriere aus dem versammelten Volke zu zeigen. Bei dem Hin und Her war aber die keusche Gazehülle gerissen, und der „Frühling" stand plötzlich 'im prallsitzenden Trikot 'da. Nun kannte der Jubel der „goldenen Jugend" keine Grenzen; man begann mit dem strammen Frühling Fanbgall zu spielen, so daß er aus einem Arm in den anderen flog. Was kommen mußte, kam: es platzte das Trikot und der „Frühling" präsentierte sich in einem Kostüm, das sich von dem der Urmutter Eva nur dadurch unterschied, daß es nicht einmal mit einem Feigenblatt „besetzt" war. „Sie bat ja nicht einmal ein Hemd an"', riefen, vor Vergnügen kreischend, die vornehmen Damen, die sich im Saale befanden. Es ertönten zwei Pfiffe, und ein Moralist begann, nachdem er durch sein Augenglas bte göttliche Nacktheit des „Frühling" eing^end studiert hatte, seiner.sittlichen Entrüstung durch energisches Zischen Ausdruck zu verleihen, aber das korvbantische Beifallsgeheul der anderen übertönten bte schwaci 'n Protestkundgebungen. Nun nahmen bic Vertreter der ..goldenen Jugend" den „Frühling" in eine ihrer Logen und brachten es bahnt, daß er die Larve vom Gesicht nahm. Em allgemeines „Ah!" des Erstaunens und Entzückens: der „Frühling" war eine in ganz Kiew bekannte „dreifache Hausbesitzerin! Lächelnd saß die Sck'öne mit splitternackter Brust an der Logen- brüssiing und ließ sich von deut Publikum bewundern. Und als sie „unisono" aufgefordert wurde, sich noch 'einmal von der Bühne aus bewunden zu lassett, schritt sie, ohne ein Wort zu sagen, hinunter in den Saal und ltand bald auf den Brettern, bic die halbe und die ganze Welt bedeuten. Ein prächtiger Monna Vanna-Mantel hüllte die üppigen Glieder em; bald aber fiel auch diese letzte Hülle, und die dreifache Hausbeittzertn stand — es ist unglaublich, aber wahr! — so da, rote sie Gott geschaffen bat. Mit tosendem Händeklatschen wurde ihr. einstimmig der erste Maskenpreis zuerkannt. Es gibt noch Preisrtchter in Rußland! Mann zu behandeln, wie sie es etwa einem Hunde gegenüber täten. Vor der Heirat ließen sie ihn hinter sich herlaufen, sie mitten ihm zu, die kleinsten Pakete zu tragen, und zu den Füßen der Angebeteten zu sitzen. Nach "der Heirat töten sie ihn förmlich mit Liebkosungen und hängen an seinem Halse in einer Weise, die selbst einen Kater zur Verzweiflung treiben konnte. Es ist die Frau, die die. Eigenschaften des Hundes besitzt, nämlich das Vermögen, vieles zu erdulden, liebevoll und hingebungsvoll zu sein Vielleicht erklärt dieses, warum die Frau den Kater nicht versteht. Ein Hund liebt seinen Herrn, ein Kater liebt sein Heim. Eine Frau liebt den Geliebten, ein Mann liebt die Umgebung einer Fran, die sein Heim gemütlich herzurichten weiß. Tie stärkste Liebe eines Mannes hat die Anstrengungen, die aus dem Anhören von Gardinenpredigten und dem Verzehren angebrannter Suppen erwachsen, nicht zu ertragen vermocht. Ein Mann mag gleich einer Katze gestreichelt werden, aber er verträgt keine schroffen Zurechtweisungen. Die kluge Frau sucht ihre persönliche Erscheinung unauffällig zu heben, denn dem Manne geht es wie dem Kater: Dieser läuft nach einem hübschen bunten Ball, jener nach einer nett gekleideten und anziehenden freie Natur wie seiner Person nach bekannter Herr aus einer Nachbarstadt über Feld und stößt auf den Wächter einer Viehweide. Er läßt sich mit diesem in ein kurzes Gespräch ein und erkundigt sich schließlich nach dem nächsten Weg zu einem Torfe. „Ter Weg do enuff is korz, aber dreckig, der annerc is ebbes länger aber nett so dreckig", beschreibt der Tierniärter dem nach feinem Urteil „geringen" Mann. Der Gelehrte wählt den kurzen und „dreckigen" Weg, steht aber plötzlich vor einem Zaun, den er, nachdem der Wächter seine Ans Stadl imo Limd. Gießen, den 17. Dezember 1904. «Briefe und Mitteilungen, welche für die Redaktion bestimmt nei-iehe man, um Verzögerungen zu vermeiden, lediglich nut der Aufschrift „Redaktion" (ohne Namen eines RedartionsnntgliedeS), Anzeigen u. dql. bitten wir dagegen ausschließlich an die „GeschastS* stelle" -u senden. — Sprechstunden der Redaktion: 1-—1 Uhr U * 1 mittags, Uhr abends. * Was Präsident Roosevelt mit seinem Gehalt anfä> gf. Während eine jede Präsidentenwahl in den Verengten Staaten dem Lande Millionen kostet, bezieht der glnck- sich'gewählte oberste Beamte des Staates für feine Dienste nur ein Gehalt von 200 000 Mark. Für das Land der Millionäre will diese Summe etwas kärglich erscheinen. Daneben hat er allerdings noch einen der schönsten Paläste der Welt zur Benutzung und dazu Licht, Heizung, Glas, Porzellan, Silber, Linnen usw. für den Haushalt frei. Als Bediente stellt das Land ihm einen Haushofmeister, einen Kammerdiener, einen Reitknecht, vier. Lakaien und für die Präsidentin eine Kammerzofe. Wenn Roosevelt jedoch noch einen Kutscher oder einen anderen Diener für seine persönliche Bedienung halten will, so muß er die Kosten dafür von seinem Gehalt tragen. Da die Korrespondenz des Präsidenten ziemlich umfangreich ist, scheint es nur berechtigt, daß aurf) feine Rechnung für Schreibwaren vom Staate beglichen wird. Zu diesem Posten gehören auch alte Abgaben für den Ankauf von Buchern, die Bezahlung der Telegramme und, was sich in der Liste der Vureauansgaben etwas merkwürdig ausnimmt, die llnterpaltung der Ställe. Natürlich stellt die Regierung auch einen Sekretär und ein kleines Heer offizieller Schreiber. Dagegen muß alles, was zur Beköstigung des Präsidenten und seiner Familie gehört, von ihm selbst bezahlt werden. Staatsdiners werden wenigstens sechsmal jährlich gegeben, und da jedes 4000 Mark 'ostet, so kann man sich leicht ausrechnen, daß dieser Posten allem -.4 000 Mark jährlich erfordert. Damit der Präsident aber nicht m Versuchung komme, bei solchen feierlichen Gelegenheiten etwa am Blumenschmuck zu sparen, oder die Anzahl der Mujiker herabzusetzen, werden Blumen und Musik von der Negierung geliefert. Auch alle Wagen und Pferde, die für die Beamten des Weißen .Hauses bei großen offiziellen Gelegenheiten gebraucht werden, zahlt der Staat, aber bei einem Ritt über Land oder bei einem inoffiziellen Besuch muß der Präsident seine eigenen Pferde und Wagen haben. Wenn Roosevelt jedoch em Pferd für sich ober ein Pony für die Kinder einmal gekauft und bezahlt bat, so braucht er sich um die weiteren Unkosten nicht mehr zu tümmern; Hafer und Korn sind für beliebig viele Pferde freu Ms Präsident der Vereinigten Staaten ist Roosevelt auch Oberbefehlshaber des Heeres und der Marine, und genießt deshalb mit l em er Frau und seiner Familie das Vorrecht freier ärztlicher Behandlung, das er mit jedem Offizier teilt. Außerdem, steht Roosevelt eine erstklassige Jacht zur Verfügung, wenn er eme Ausfahrt machen will. Sollte er aber einmal eine Jachtgesellschaft arrangieren wollen, so werden ihm die Offiziere und Matrosen ireigcjMit, aber die Erfrischungen muß er wieder selbst bezahlen. Tie Jacht des Präsidenten war ursprünglich für Mrs. ^gden Goelet siir 3 200 000 Mark gebaut und wurde nachher für 1800 000 Mark an die Regierung der Vereinigten Staaten, verkauft. Während des spanisch-amerikanischen Krieges diente sie als Depelchenboot. Wenn der Präsident eine längere Reise über Land machen will, so sorgt die Negierung nicht siir freie Beförderung. Aber jebe Eisenbahngesellschast in Amerika drängt sich 'zu der Ehre, dem Präsidenten den schönsten und prächtigsten Luruszug aiff ihrer Strecke zur Verfügung zu stellen, denn diese Ehre, den -Schnellzug des Präsidenten" zu befördern, wird als eine große Reklame für die betreffende Eisenbahngesettschaft angesehen. Die Regierung bezahlt die Kosten für die Leibwache des Präsidenten, die Tag und Nacht seine Person bewacht und ihn nie verläßt. Reitet der Präsident einmal aus, so folgen sie ihm auf schnellen Pferden; macht er eine Eisenbahnfahrt, so sind sie mit im Zuge; wohnt er mit seiner Familie einem Picknick bei, so sind sie unter den B-nnnen verborgen, und badet er hi der Oyster Bay, so halten sie sorgsam am Ufer Wache. * Löwe und Tiger. In einem kleinen linksrheinischen Dorf hatte eine Menagerie ihre Zelte aufgeschlagen und zeigte den erstaunten Bewohnern die wildesten Bestien der Erde für einen Groschen. Ein wandernder Handwerksbursche kommt des Weges und bat den Herrn Direktor um Arbeit. „Können Sie gut brüllen? fragte ans diese Bitte der Herr der wilden Tiere. „Brüllen? Ich? Und wie! Wie ein abgeftochcneS Ferkel!" war die Antwort. „Gut. Dann können Sie bei mir sofort Beschäftigung haben. Sie wurden handelseinig. Zu- Vevmkscbte». * Eine Kopie des Schlosses Cha rl ot t e nbnrg H auf der Weltausstellung nach St. Louis als schönstes Bau- v"rk tyr deutschen Abt-'ff'mg Bewunderung gesunden. Von dem gouz bffonocren Reiz aber, der das Charlottenburger Schloß wie ein Märchen zauber umspinnt, kann das Abbild in st._ Louis doch bine Vorstellung geben; so läßt man sich denn um w lieber „b"m rctiro" der königlichen Fgmilie mit seinen intimen, Historist, 'N Erinnerungen und seinen reichen lattdst>'asilicbctt >2timm- nna-ceizen einmal vor Augen sichren. Ter Wochemchrist „Welt und 5>aus" (vierteljährlich 2.50 AM ist das in rhrem neuesten ihcste (jei-5 tzest 20 'ßjgj, vortrcssiich gelungen; nnc eine kleine Historie liest sich, was E. Krickelburg da vmn Charlotten- öurger Schlosse zu erzählen weiß, und ein reicher Lchmuck phot"- graphisck'-er Krinstausnahrien gibt dein Text einen um so hoher,n Wert, als im allgemeinen das Photographieren im Charlotten- rrnrrr Schioßpark verboten ist. Ein glänzendes Rciterbildnis des zirnnvrinzen nach dem Gemälde von Hans Kowuatzri lvon b:r Groß.n Berlin.-r stuuftaiisstellimg 1904) schmückt bic erste Snie bes uns vorlieguiben „Welt unb Haus -Hefles. —- Em weiterer illustrierter tifet über bas Ltraßenleben tu I aPan unb zwei Kunstbeilagen erhöhen den Wert dieser Nnmrner Wer lM Winter ilwas besonwrs Schones für bic Abenbstunden haben will, b'-r kaffe sich von .,Welt und Hans" in einer Buchhanblung zunächst einmal gratis eine Probenummer geben. * Ratschläge e - n er Frau für bie Franc n. Eine englische Wochenscbrist chrcibt: Wenn eine Frau, ine bre Liebe ifrreö Mannes für sic! erkalten sieht, Gegenmittel anzuwettden wünscht, um seine Lilbe wieder zu gewinnen, so möge sic bte Lcbensweis' und Gewohnbmtcn bcs Hauskaters studieren. Wenn sie seine Lieblingswün!chc und seine Abneigungen, seine Fehler und Voi-züge kennt, sc wird sie auch über die Kunst verfugen, einen Mann regieren zu können. Ein Kater ist durchaus kein v.cab^chcuuugswücdiges Tier. Er verdient in gewisser Hinsicht gelsibt zu werben. N cmanb darf indessen den Fehler begehen, von ineni Hande auf umn Kater schließen zu wollen. Der Hund iß ein völlig vei^chied>n geartetes Ti'-r, in dessen Augen Treue und G-horsani zu lesen sind. Ein Hund braucht nur gel'"bt zu werbt n, ein Kater v r.angt dieses, und will außerdem sehr sorg- iultig behandelt sein. Biele Frauen machcn den Fehler, einen •* Hessische Vereinigung für Volkskunde, Ortsgruppe Gießen. Montag den 19. Dezember 1904. abends , 8V Uhr, findet im unteren Saale des Eafö Ebel der dritte Mitgliederabend statt. 'Prof. Dr. Schwa lly wird einen Vortrag über das intereffanteThema „Bibel und Babel" halten. Gäste sind willkommen. " Maßnahmen gegen die Tollwut. Wie wir kürzlich mitgeteilt haben, sind in Groß-Rechtenbach zwei Knaben von einem der Tollwut verdächtigen Hunde gebissen worden. Da bis jetzt nicht bat ermittelt werden können, wo der Hund hingelaufen ist, möchte es sich für alle Hundebesitzer empfehlen, ihren Hunden erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen, irgendwie verdächtige Tiere sofort einzusperreu und von einem Tierarzte untersuchen zu taffen. » Promenadenkonzert findet morgen, Sonntag, am halb 12 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre zur Oper „Stradclla" von Flotow. 2. Venus auf Erden! Walzer von Linckc. 3. Finale aus „LohengrmE DOn Wagner. 4. Armecmarsch 57. '»Die oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hielt am 13. d. Mts. im Hörsal bc5 botanischen Instituts eine Sitzung ab, in der Prof. Dr. Hansen über Epiphyten sprach. Unter Epiphyten („Ueberpflanzen)" hat man Pflanzenarten zu verstehen, die auf anderen Pflanzen leben aber aus deren lebenden Teilen durchaus keine Nahrung nehmen, also keine Schmarotzer sind. Während die Verbreitung der Epiphyten unserer gemäßigten Zone, wo Yeh der Kampf ums Dasein und besonders ums Licht im Pflanzenreich auch nur gemäßigt abspielt, mehr eine zufällige ist — 3. B. Algen, Flechten, Moose, die auf Baumrmdcn leben, könnte man hierher rechnen — sind die tropischen Epiphyten, die der Vortrag hauptsächlich behandelt, gezwungen, die lickten Höhen der Baumwipfel aufzusuchen, denn im tiefen Schatten der tropischen Urwälder wären sie vom Lickt und dadurch von ihrem wichtigsten Nahriingsmittel, der Kohlensäure, abgeschnitten. Zu diesen tropischen Ephiphten gehören hauptsächlich Vertreter der Farne, Orchideeii, Araeeen, Brome- liaeeen, Piperaeeen. — Auf die oft gewaltigen Höhen der tropischen Urwaldbäume kommen die Epiphyten dadurch, daß ihr Samen ähnlich wie der einiger unserer Eompositen mit Flugeinrichtungen (Haaren re.) versehen ist und so durch den Wind leicht transportiert werden kann, auch Vögel und Affen sorgen oft für die Verschleppung. Die Eigentümlichkeit ihres Standortes hat bei diesen Pflanzen zu verschiedenen biologischen Anpassungen geführt. Die Wurzeln dienen hauptsächlich zur Festhestung und sind zu K l a m m e r w ii r z e l n umgebildet. Außerdem bilden manche Epiphyten auch N ä h rw u r z e l n, die den Urwald nach allen Richtungen durchziehen, sich verzweigen und jeden Gegenstand umflam» inem. Ost hängen die Wurzeln wie Taue gerade abwärts und verzweigen sich cr|t, wenn sie den Boden erreichen. Eigenartige Stützwurzeln h'cibcn Fwus-Arten, z. B. b icus- reli^iosa, der indische Banyan, aus der Unterseite ihrer Aeste und^ruhen auf diesen Wurzeln wie aus Säulen; ein Banyan kann so mit seinen Wurzelstämmen einen ganzen Hain bilden, unter dem (wie z. B. in der Nähe von Kalkutta) eine große Armee Platz finden soll. — Schwierig ist die Frage der Wasserversorgung für die Epiphyten. Einige z. B. bie Orchibeen (Vanille) haben Luftwurzeln mit einer besonderen zur Wasseraufnahme eingerichteten Wurzelhülle. Tillandsia-Arten können durch eigenartige wie Pumpen wirkende Haare, bie die ganze Oberfläche ber Pflanze bebecken, dir geringste Feuchtigkeit augenblicklich aussaugen. Andere Bromcliaeeen fangen als sogenannte Eisternenpflanzen das Regenwasser in ihren Blatt- rosetten auf. Ein besonders merkwürdiger Fall liegt bei Dischidia vor, wo eine Anzahl Blätter als Urnen ausgebildet sind, in welche die Wurzeln der Pflanze hineinwachsen. — Ihre mineralische Nahrung (bie organische nehmen sie sich als immergrüne Pflanzen aus der Lustkohlenfaure) verschaffen sich einige Epiphyten daburch, baß sie zwischen ihren Wurzeln humose und mineral. Bestandteile sammeln; andere z. B. Asplenum Nidas haben dazu trichterförmig angeordnete Blätter, die Platyeerium - Arten eigentümlich ausgebildete unk, ihn JMen ;n >k •*»£?* Kit Ä« Ä* L u'T tt der- Aschen Sfm^.N > wieder, ^eretten- /...'Lb man ? leben und fi*UM >JS. C^Q9E, "Ä war ,i)' , JW Kbant» ;11 bem „Früh- l D?T,-'9olbencn ?1Nbcr holde ■,l i*tt Orchester- ^n. Vei dem iirWn, und der tnfot tia, ?!un lenzen; man ; Ä- s° >• wrnmen W vräsen- ■m der Urmutter mmal mit einem '-mal ein Hemd m"dlnen Damen, ■ M'e, und ein igld die göttliche litte, seiner sitt- trud zu verleihen, •n übertönten die btt Vertreter dn ihrer Logen und M nah. Ein 'm?: der „smb- < ^Mestzerin'." in an der Logen* Md m. Und als '.mal von der 'bnc ein Dort zu rui den Brettern, 5m prächtiger '.-e>er ein: halb ifc Hausbesitzerin da. wie sie Gott irde ihr einstimmig Kb Preisrichter in einem Gehsll yj/ in dm Vei- v;r?5f der Md- M1 •'S *5 5 *8 Srde ► 1 fiflirti' [röte Tienfte mit ; bn MftEt Tcmtbtxi hat n V.YT HenuMg ^btr, Linnen uflv. bcnb ihm einen rrfneit. wer 2a* ,“5?nn Roosevelt - Tienn sür seine . Kosten Danir •_ * Präsidenten •i - baß auch sei^e rn iirb. Zu diesem Jr...: oon W der M ber ■ ? 1«8 - Äfa 'S 5”’S «^85 *VS ^r«sr 'u-.., tsimmelu- W Träiibem . ,'^S r^-f .^vt^arf f.? '- ^Zählend .. •'# j^Lji M, :ü> , rfl' W'£ :OÄ- nächst wurde dem neugebackenen Menageriegehilfen der Auftrag, dem Herrn Direktor behilflich zu sein, einem Löwen, der am Tage zuvor sein wüstenkönigliches Leben ausgehaucht hatte, das Fell abzustreisen. Und als man damit fertig war, mußte der Gehilfe selbst in das Löwenfell kriechen, der Direktor staffierte ihn kunstgerecht aus und wies ihm dann einen Käsig zum Aufenthalt an, wo er sich nun wie ein naturgeschichtlich echtes Katzentier zu gebärden hatte. Der Herr Direktor hatte einen glücklichen Griff getan; der neue Löwe brüllte so echt, als wäre er in der Wüste Sahara geboren worden. Dabei rüttelte er an den Eisensläben, wie — nun wie ein wütender Löwe. In seinem Uebereifer ging er aber zu weit, und so geschah es, daß plötzlich die Seitenwand des Nebenkäfigs, die ihn von einem leibhaftigen Tiger trennte, einstürzte. Himmel und Hölle! Da war es aus mit dem Löwenmut! Der Pseudo - Wüstenkönig drückte sich scheu in die Ecke und schrie laut vor Angst Hilfe! Hilfe! Er sah schon sein letztes Stündchen kommen, als plötzlich sein Nachbar, der Tiger ihm, dem Löwen, zu rief: „Du Schof! Wat brüllste denn esu! Ech ben jo och ritt echt! * Kleine Tageschronik. In H a mburg verhaftete die Polizeibehörde eine 40jährige Frau, die einem pensionierten Zollbeamten unter falschen Vorspiegelungen 50 000 Mk. abschwind'lte. — Ms mutmaßlicher Verüb er des Doppelr aubmo rdes in Lens (Belgien) wurden der ehemalige belgische Geud arm Ta - oate aus Lüttich und dessen Nachbar ,Landwirt Syromont, verhaftet. — In Alberndorf (Holstein) wurde dem^Jagdvächter Uf.ns bei dem Uebersteigen eines Zaunes durch eine Schrotladung der ganze Hinterkopf weggerissen. Er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder. — Im Spital des Elisabeth-Armenhauses SU Budapeft hat die dort in Behandlung stehende Vfründnerin Ludovika Temeny den Spitalarzt Tr. Prattner durch zwei Messerstiche schwer verwunde t. — In Paris erschoß s i ch ein dort wohnender Graf. Seine 18jährige Tochter Hegt in einer Klinik zu Boulogne krank darnieder. Gegen den Grafen war Anzeige wegen ähnlicher Vergehen erstattet, wie sie Syveton zur Last gelegt werden — In Verviers entdeckten sroei Erdarbeiter an einer entlegenen Stelle einen Korb, worin sich Me Leiche einer ca. 35jährigen Frau befand. Sie war bereits itarf in Verwesung übergegangen. Man weiß noch nicht, ob es sich um einen Mord handelt. — In Weißenfels ertrank bei dem Vmuch, ein junges Mädchen zu retten, das in der Laale seinem Leben ein Ende machen wollte, der Leut nan t Simon. Tas Mädchen fand ebenfalls den Tod. — In Bett- stein (Elsaß) sind fünf 'Personen an den schwarzen Pocken ? rkrankt. In Teutsch - Oth sind zwei Kinder an derselben Krankheit gestorben. — In Horburg (Elsaß) kamen bei dem Brande eines Wohnhauses der Gemeind erat Schneider rnnd dessen elfjähriger So hn in den Flammen um. Ein uveiter Sohn trug tätliche Brandwunden davon. — In ben Pulverfabriken des Kommerzienrats Güttler in M aifritz dorf bei Reichenstein (Schl.) Mirden zwei Werke durch Explosion zerstört, wobei 8 Arbeiter getötet wurden. Aröriterviwcgung. — Ei it Streik der Zigarrenarbeiter brach vor «nein halben Jahre in Halberstadt aus, der in unverminderter Schärfe fordauert. Der Unbefangene — so sagt die „Halberst. Ltg." — fragt sich, welche Gründe liegen denn eigentlich vor, daß die Arbeiter jetzt schon im fünften Monat untätig und ohne Verdienst herumlaufen? Fragt man nun nach dem Grunde, so wird c ls einziger die alte, feit 1892 ruhig.und unbeanstandet in den Fabriken hängende Fabrikordnung angeführt, die auf einmal im August seitens der Agitatoren für eine „Zuchthausordnung" erklärt wurde. Erkundigt man sich nun weiter über das Bedenkliche dieser Fabrikordnung, die von der Polizei revidiert und genehmigt ist, so erfährt man, daß die schweren Strafparagraphen darin die Ursache des Streites seien, und geht man der Sache ganz auf den Grund, so hort man, daß in sieben Fabriken in dem Zeitraum von zwölf Jahren fage: sieben Mark und 15 Pfg. Strafgelder erhoben worden finb, das macht auf die einzelne Fabrik jedes Jahr dick gerechnet grenze 9 Pfennig! Um diese 9 Psg. dreht sich also der Streit, und wegen dieser 9 Psg. haben die Zigarrenarbeiter bis heute ein Lohnkapital von gut 100009 Mk. v erstreikt. Kunst ri"b Wissenschaft. Der Militais-Attachee bei der deutschen Gesandtschaft in Rom, stlügeladjutant Major v. Ehelius, überreichte am 15. d. Mts. der Königin-Witwe Margherita von Italien sein neuestes musikalisches Bühnenwerk „Die vernarrte Prinze ß", Fabelspiel von Otto Julius $ ter bäum, welches am 8. Januar 1905 zum ersten Male in Schwerin auf- gxführt werden wird und der Königin Margherita gewidmet ist. — Der Bericht des Ueberwachungs-Aiisschusses über den Bau- z ui stand der Markuskirche in Venedig lautet sehr beunruhigend. Eine ungleichmäßige Senkung der Grundmauern wurde festgestellt. Durch diese Senkung sind zwei Wölbungen und die große Kuppel ernstlich gefährdet. Es wird der sofortige Beginn oon Ausbesserungsarbeiten verlangt, die ungefähr 200000 Lire kosten dürften. _________ Aniversttäts-Aachrichten. — Gräfin Helene Schweinitz hat als erste Dame an der Berliner Universität das z a h n ä r z t l i ch e Staatsexamen mit „sehr gut" bestanden. Frankfurt a. M., 16. Dez. Die Zahl der Hörer der Handelshochschule beträgt für das laufende Wintersemester nach bem vorläufigen Abschluß insgesamt 637 gegen 44 des vergangenen Sommersemesters. Die Zahl der Besucher (immatrikulierte Studierende) hat gegen das vorige Wintersemester um mehr als 20 vom Hundert abgenommen. Handel und Aerke!?r. WokkswiNsÄast Der Verbrauch von fabrika 1 ionsreifem Roh- cabak wird amtlich für 1903 im Deutschen Reich unter Berückst chtiaung der Ein- und Ausfuhr auf 1,34 Kilogramm für den Kopf berechnet. Mit Tabak bebaut wurden im Jahre 1904 un deutschen Zollgebiet 15 900 Hektar gegen 16 552 Hektar im Jahre 1903. Im Jahre 1903 belief sieh der Diirchschnittsertrag vom öeftar auf 20 Doppelzentner gegen 21,8 Doppelzentner im Vorjahre Der mittlere Preis für 1 Doppelzentner dachreüen Tabak berechnet sich, einschließlich der Steuer, für das Zollgebiet auf 82,6 Mk. wie im Vorzahr. Nach den Berichten der Direktiv- bebörben war die Tabakernte verhältnismäßig gut bis befriedigend in: Ostpreußen, Pommern, Brandenburg, Posen, Hessen, Mecklenburg, Anhalt, Elsaß-Lothringen und Baden, im übrigen mittel- nufimg und noch geringer. Die Tabaksteuer ergab für das „Ern te- ja-'or 1903 einen Ertrag von 11,7 Millionen Ml-, der Zoll vom Tiabnf 58,8 Millionen Mk. Nach Abzug der gezahlten Ausfuhr- Deergütungen (Zollvergütiing: 241 182 Mk., Steuervergütung: 1(11614 Mk.) verblieben als Reinertrag der Tabakabgaben 691,6 Millionen Mk., d. i. 1,17 aus den Kops der mittleren Be- DÖÖlfenmg. , Washington ,16 Dez. Der bekannte französische volkswirt- ^Hftliche Schristslellcr Pvcs Guvot der sich seit einiger Zeit im ben Vereinigten Staaten aufhält, hat ein neues SYn - )i ka t organisiert, um die kommerzielle Eroberung lk iropas durch ame rikani sch es Kapital durchzu- :i> ihren. Tas neue Syndikat besteht aus Amerikanern und Fran- io'i’n. Vorerst besteht die Absicht, das Palais Royal in 9 iris anzukausen und in ein amerikanisches Warenhaus (irriüten Stils um?,uw ndeln. Tas Synbitat beabsichtigt, ijtfie Riesenwarenhäuser in allen europäischen ; - aafen zu etablieren, ^^ch Varis soll auch Berlin an bic h ibc kommen. Mit der Zeil gebeult das Syndikat, Warmhäuser u 'H nur in allen Hauptstädten Europas, sondern auch in allen bedeutenderem PrvvinzialftMen der verschiedenen Länder zu errichten. Märkte. Gießen, 17. Dez. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pid. 1.15—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 8—10 Pfg. 2 Stck. 15—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2Stck. 5—6 Psg. Erbfen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 82 Pfg., Taubenvr.Paar0,80 — 0,90Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 55-60 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Kuh- und Rindfleisch vr. Pstmd 62—68 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—6,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Psg., Aepfel per Zentner 5 bis 8 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 25-30 Pfg. Zwetschen per Zentner 0.00—0.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.10—0.15. Marktzeil 8-2 Uhr. fc. Frankfurt a. M., 16. Dez. Heu- und Stroh- markt. Heu kostete heute Mk. 3.30—3.50, Stroh Mk. 2.10 bis 'Mk. 2.30. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest. Wochenbericht der Kuxenabteilung des Bankhauses H. S. Oppenheimer jr. Hannover, 15. Dez. Auf dem Kali-Kuxenmarkt kam in der abgefaufenen Bericht sw oche eine einheitliche Tendenz nicht zum Ausdruck. Von schweren Papieren wurden besonders Glückauf Sondershausen bis 15 300 Mk., Hercynia bis 22 300 Mk. und Wilhelmshall bis 12 650 Mark lebhaft umgesetzt, wohingegen Hohenfels auf die bekannten Syndikatsdifferenzen hin bei 10 900 Mk. vergeblich angeboten wurden. Neuftaßfurt, sowie Hedwigsburg erzielten bei geringen Umsätzen ihre vorwöchentlichen Preise. Lebhaftes Geschäft entwickelte sich unter großer Beteiligung aller Kreise in mittleren Ausbeutepapieren, von denen besonders Beienrode, Kaiseroda, Hohenzollern, Justus I. Kursavanzen bis zu 300 Mk. erzielten. Alexandershall liegen bei 6600 Mk., Brief flau. Dasselbe gilt Johannashall bei 5825 Mk. und Einigkeit bei 4000 Mk. Brief. Leichte Papiere schwächten sich saft durchweg ab. Von der allgemeinen Lustlosigkeit, die für diese Kategorie von Werten herrschte, wurden besonders Friedrichshall- und Sigmundsholl-Akt., die bis 75 Mk. im Kurse verloren. Tie übrigen Werte, wie Hansa- Silberberg, Hattorf, Großherzogin Sophie, Immenrode, Deutschland und besonders Emilienhall und Albrechtshall lagen bei gleichfalls gewichenen Kursen fast umsatzlos. In Hermann II. brachte oas größere Angebot ebenfalls eine Abschwächung des Kurses bis 250 Mk. Brief mit sich. Die Stagnation auf dem Kohl en-Kuxenmarkt hält weiter an. Tie Spekulation verhält sich auch auf diesem Gebiete zurückhaltend ,zumal die großen Börsen in den letzten Tagen mehrfach schwache Tendenz melden. Von schweren Werten wurden Constantin der Große ,König Ludwig, Mont Genis und Helene u. Amalie unter ihren letzten Kursen vergeblich angeboten. Für Lothringen, Friedrich der Große und Königin Elisabeth traten erst bei gewichenen Kursen wieder Käufer auf. Mittlere und leichte Papiere weisen nur geringe Aenderungen auf. Auguste Viktoria liegen bei 8300 Mk. weiter int Angebot ,während für Hercules nach Hinern bezahlten Kurse vor: 9400 Mk. erst bei 9200 Mk. wieder Geldkurse genannt wurden. Eintracht Tiefbau, sowie Graf Schwerin verloren ca. 100—150 Mk. Für Heinrich machte sich letzttätig bei 4475 Mk. lebhafte Kauflust bemerkbar, wohingegen Johann Teimelsberg, Tremonia, Siebenplaneten und Borussia fast vollkommen umsatzlos blieben. Altendorf, Freie Vogel und Unverhofft, Schürbank und Charlottenburg, Caroline bei Holzwickede u. a. erzielten bei leichten Schwankungen auf Basis der vorwöchentlichen Kurse vereinzelte Umsätze. ^crichtslaal. Zweibrücken, 15. Dez Der Installateur Ludwig König von Ludwigshafen, welcher auf feine in Scheidung begriffene Ehefrau einen Mordversuch verübte, wurde vom Schwurgericht »e fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Beuthen (O.-Schl.), 15. Dez. Tie Strafkammer verurteilte den Redakteur Dcsdarak von dem polnischen Blatte „Gwiazda" wegen Anreizung zum Ungehorsam gegen die Be- Hörden zu 450 Mk Geldstrafe. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 18. Dezember 1904: Meist trüb, Temperatur wenig verändert, sehr mild, nur in Oberhessen geringer Regen. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. WltnlMr AkdrrM irr TedrsWk in da Ziildt Kikßkv 44. Woche. Vom 23. bis 29. Oktober 1904. (Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 13,23 nach Abzug von 3 Ortsfremden: 4,56°/m. Kinder Es starben an: Zusammen: Miliartuberkulose 1 Dyphtherie 1 (1) Lungenerweiterung 1 Hirnentzündung 1 Blinddarmentzündung _______3 (2) Erwachsene: int vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr e e<-> — 1 — 2(2) — 1 Summe 7 i3) 4 (2) 1 2 (1) An m.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Familicn Nachrichten. Gestorben: Herr Jaques Weiß jr. in Mainz. Neu eile Nleliuiiiaeii. Ovigi naldrahtmeldnttgen des Gießener Anzeigers. R.-B. Darmstadt, 17. Dez. (Eigener D rahtbericht.) Aus sicherer Quelle erfahren wir, daß zu der Vermählung 8- feiet des Großherzogs in Darmstadt am 2.Februar k. Is. der Kaiser seine Gegenwart zugesagt hat. R.-B. Darmstadt, 17. Dez. (Eigener Drahtbericht.) Die Zweite Kammer erledigte heute, nachdem die Abgg. Köhler und Bähr wiederholt vergeblich die Vertagung der Vorlage zu erreichen versucht hatten, das Gerichtskosten- geseh, das im wesentlichen noch den Anträgen des Ausschusses zur Annahme gelangte. Die Beratung über das Forstverwaltungsgesetz und der Antrag wegen Umwandlung der Realschulen in Groß-Umstadt und Alsfeld in Oberrealschulen wurden wieder von der Tagesordnung abgesetzt. Zum Schluß fand noch eine Besprechung der Anfrage der Abgg. Schlenger und Reinhart über die Verunreinigung der Flüsse statt. Dann schloß Vizepräsident Reinhardt die Sitzung um 1 Uhr, indem er dem Hause fröhliche Weihnachten und ein frohes neues Jahr wünschte. Berlin, 17. Dez. DaS „Verl., Tagebl." veröffentlicht eine Zuschrift des früheren Landeshauptmanns von Deutsch- Südwestafrika, Major a. D. Kurt von Francois, in welcher derselbe erklärt, daß er Hendrik Witboi so gut wie niedergeworfen hätte, als Ober st ßeutro ein zu Beginn des Jahres 1904 na ch Südwestafrika kam und daß er die Entwaffnung der Wittbois und der anderen Hottentotten-Stämme erreicht hätte, wenn man ihm Zeit und Selbständigkeit gelassen hätte. Von einem entscheidende'n Erfolge LeutweinS könne keine Rede sein, sondern nur von einem erkauften Frieden. Durch die Verdrängung der Hottentotten von Rietmond habe man sich der Möglichkeit begeben, sie zu vernichten. Die Nachsichtigkeit den Eingeborenen gegenüber habe das Ansehen der deutschen Macht in den Augen der Hottentotten ungemein ge- chädigt. London, 17. Dez. Der „Standard" ist gegenüber Gerüchten wegen des Planes des Baues eines zweiten Suezkanals als Konkurrenz gegen den bestehenden Kanal in der Lage, nach bester Quelle zu erklären, daß irgend welches Privatunternehmen dieser Art schwerlich die Unterstützung der egyptischen ober der englischen Regierung finden werde. Es werde den unzufriedenen Schiffsbesitzern so gut wie unmöglich fein, eine solche Konzession zu erlangen. — „Daily Mail" meldet aus Kopenhagen von gestern: Kaiser Franz Josef werde im nächsten Frühjahre Kopenhagen besuchen, um an einer internationalen Friedenskonferenz von Monarchen teilzunehmen. Der Berichterstatter glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß der Zar und König Eduard bereits zugesagt haben. Man erwartet, daß auch Kaiser Wilhelm an den Beratungen teilnehmen werde. Wien, 17. Dez. Hier traf die Antwort der deutschen Reichsregierung auf die Anfrage der öst erreich isch-ungarischen Regierung ein, ob man in Berlin geneigt sei, nochmals in Handelsvertrags-Verhandlungen einzutreten. Die Antwort spricht den Wunsch danach und die Einladung aus, die Experten der österreichisch- ungarischen Regierung möchten zur Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandtungen nachBerlin entsendet werden, um sich mit den deutschen Experten über die noch strittigen Punkte, namentlich über die Veterinärfrage, auseinanderzusetzen. Der Ministerrat wird sofort eine Antwort aus diese Einladung in zustimmendem Sinne beschließen. Wien er-Neustadt, 17. De). D?r preußische Untertan Karl Gegelmanu wurde vom hiesigen Schwurgericht wegen meuchlerischen Raub mordes begangen an* dem Backergehilsen Waber zu 15 Jahren schweren und! verschärften Kerkers verurteilt. Petersburg, 17. Dez. Kapitän Clado ist aus Veranlassung des Zaren aus dem Arrest entlassen worden. Diese Maßregel wird als eine Mißbilligung des Vorgehens des Großfürsten Alexis und der Admiralität angesehen. Pretoria, 16. Dez. Beisetzung des Expr äsident en Krüger. Nach der Rede des Geistlichen pries* Schalk Burger den Charakter des Toten. Dewet erklärte, die Ideale Krügers seien die der Bevölkerung der; beiden früheren Republiken. Botha verglich Krüger mit dem Moses der Israeliten. Die Hoffnung auf ein großes Reich nördlich des Vaalflusses, das von Meer zu MeeH reiche, sei sein Ideal gewesen. Auch, mit Treue gegen England lasse sich dies noch heute durchführen. Tie Einigkeit der Weißen Rasse in Südafrika sei notwendige und "er begrüße es mit Freuden, daß englische und holländische Kolonisten gemeinsam dem größten Toten Südafrikas' die letzte Ehre erwiesen. Botha mahnte zur Einigkeit- damit das divide et impera niemals den Buren gegenüber! wirksam angewendet werden könne. Während der Beisetzung wurde ein von König Eduard b e,fo hlenep Geschützsalut von 21 Schüssen abgegeben. A!n dep Beerdigung nahmen Delegierte aus allen Teilen Südafrikas, frühere Mitglieder des Rates und Beawte der; Republiken, sowie Regierungsvertreter der englischen Regierung und der Kolonien teil. Die Zahl der bei dem! Leichenzuge Spalierbildenden wird auf 30 000 geschätzt. Vom Kriege. London, 17. Dez. „Daily Mail" behauptet, daß n ichk nur englisch e Kohlen nach Rußland und nach dem fernen Osten gehen, sondern daß von London in den letzten Monaten Tausende von Tonnen Dynamit, Granaten, Munitio n, S chießbaumwolle und andere Explosivstoffe die Themse abwärts gingen, um an deren Mündung auf Dampfer für Ostasien umgeladen zu werden. Der Berichterstatter machte die Fahrt auf einem solchen Dampfer mit, der vier derartig beladene Kähne mit sich schleppte Die Mannschaft wird wahr-, sch-einlich in chinesischen Häfen durch chinesische Bemannung abgelöst werden, da sie sich zum Blockadebruch schwerlich bereit finden lassen wird. Eine in weiten Kreisen sehr angesehene Firma! soll mit diesem Handel zu tun haben. Peking ,16. Dez. (Reuter.) In und bei M ukden befindet sich nahezu 30000 Chi nesen obda chlos. Reiche Chinesen in Peking und Tientsin! sammeln Hilfsfonds. In Tientsin liegen 30 000 Fellmäntel zur Absendung bereit. Aber die Japaner erlauben den Transvort nicht, weil ste glauben, die Russen! würden die Mäntel an sich nehmen, obgleich die Russen versprachen, dies nicht zu tun. Tschifu, 16. Dez. (Reuter.) Die aus Port Arthur eingetroffenen Russen bestä tigert die Versehrkung der russischen Kriegsschiffe. Sie erklären, die Japaner hätten dies schon vor zwei Monaten fertig bringen können,! offenbar aber die Beschießung der Forts vorgezogen. Die Zerstörung der Schiffe durch die Japaner läßt nach russischer Ansicht erkennen, daß die Japaner die Hoffnung aufgegeben haben, die Festung zu erobern- In den letzten 30 Tagen hatten die Javaner 3 !Dorpedoboote verloren. Dais dritte funk bei oent Nachtangriff am 14. Dezember. Am Hohen Hügel hatten die Japaner 12000 Mann Verlu st. Sie können den Hohen Hügel nur als Beobachtungsposten besetzen. Von den Hauptforts ist keines gefallen. In den letzten 14 Tagen trafen drei Dampfer mit Munition und Lebensmitteln in Port Arthur ein. Die Russen hoffen, daß sich die Festung noch 'Nele Monate halten wird. Tas Boot verließ Port Arthur während eines Schneesturmes; die Russen waren bei ihrer! Ankunft in Tschifu nahezu erfroren. Sie überbrachten zahlreiche Depeschen. Telephonischer Kursbericht. «V,o/o Reichsanleihe . . 101.50 8V. do. . . 89.95 Konsola . . . 101.45 3 °/n do.....89.80 8*/..fi/n Hessen .... 100.00 3*/,% OberhesRen . . . —.— 4% Oostorr. Goldrento . 101.60 4*/6®f) Oesterr. Silbcrrento 100.20 456 Urnrnr. Goldrento . . 99.75 40/ Italien. Rente , . . 104.40 4* ,56 Portugieser . . . 63.70 3«'/ Portugiesen. , . 63.00 1 % Türken . . . Tllrkenloso . . 127.70 4°/0 Griech. Monopo Anl. 47.70 4l/e% äusstiio Argontincr 45.20 89/,, Mexikaner .... 89.80 4V9qA Chinesen . . 92.05 Electric. Schuckert . . . 124.20 Nordd. Lloyd . . . . 104 55 Kroditektien . . «. . 21210 Diskonto-Kommandit. . . 192 60 Darmstadter Bank . . 143.20 Dresdener Bank .... 158.40 Berliner Handels^es. . . 164.20 Oesterr. Staatebahn . . . 189 80 Lombarden.....17.70 Ootthardbahn .... 193.00 Laurahiltto...... 259.00 I Bochum....... 282.30 Unrpener......217.30 Schal zschoine « .... —•—। ; fest Walltorstrasse 35 (Hotel zum Rappen) befindet. 8836 Familie Beck in 79M empfiehlt 8634 billigst an SelterSw. 43, Ecke der Goetbestr. 7523 Noyrsessel Großes Gänsekegeln empfiehlt billigst 8451 2 Seltersweg 2 2 Seltersweg 2 Der Vorstand. Anfang 4- Uhr nachmittags. l,10bcU.H.Fuhr,Sönnrn8r.25.|hv18/t -------— —------- _w i.iuueu.n.runr, Psstpatet-Adrefsen *« $trma Uek billigst vrühl'lche Universttätr.Vruckerei, Sieben.; «PRF Uek sowie allen Freunden und in meinem neu erbauten. Bt a17/12 8. 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