Erftes Blatt. B Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen Hchnlstratze 7. tlbrefie für Depeschen: Unzetger Wietze«. ^entfprrd)anld)fub 51. 154. Jahrgang Donnerstag 1^. November 1804 Be-agSprstOi Nr. Ä7I Br|*t4öt tSg(i<8 ander Sonntag». Dem G'ehener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kekfischen Landwirt die Gtegener Familien- Blätter viermal in der Woche beigelegL KotationSdruck u. Verlag der Brü h l'schen Unwers.-Buch-u, Stein« bmderei. w. Bange. monamch75 viertel» jährlich Ttf. 8.20. durch Abhole- u. Zwergstellen monatlich 65 Vs.; durch die Pog Btertel« jährl. auSschl Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer btö vormittags 10 Uhr. ßellfnpret»; lokal I293L audrodrtfl 20 Psg. Verantwortlich füt den poltt und allgem. Teil v Witiko: für .Stadt und ßanb* und .GerrchtSsaaf: August Goetz, iüt den An« Ire Heutige 'Mummer umfaßt 8 Seiten. - ...... Ul.II I ....................Ul,........................ D. Ar, Waumaun. “Sie auf einen engeren Zusammenschluß der rinksstehenden Parte Iren gerichteten Bestrebungen^ die neuerdings in Baden wieder im Mittelpunkte der politischen Diskussion stehen, dürften in der verflossenen Woche eine wesentliche Forderung erfahren haben durch D. Fri e d - r i ch Naumann. In Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe hat der nationalsoziale Führer vor Tausenden von Zuhörern sein politisches Evangelium verkündet, überall predigte er die Notwendigkeit eines geeinigten, starken Liberalismus als des Bannerträgers allen Fortschritts, überall erweckte er Begeisterung, elektrisierte er das politische Denken und Empfinden derer, die ihm lauschten. Naumann ist- unstreitig ein hervorragender Denker, und da ihm zudem die Gabe verliehen ist, seinen Ideen in Wort und Schrift glänzenden Ausdruck zu verleihen, vermag er auch solche an sich zu fesseln und mit neuen Gedanken zu befruchten, die sein politisches Glaubensbekenntnis, namentlich soweit es sich auf die Sozialdemokratie bezieht, sich nicht in vollem Umfange aneignen. Ten Naumann-Vortragen in Baden lagen trotz der verschiedenartig gewählten "Themata in der Hauptsache die nämlichen Gedanren zu Grunde; in Heidelberg wurden diese aber besonders ausführlich behandelt, und es sei darum hier der Inhalt der brei Heidelberger Borträge, die ein in sich abbeschlossenes Ganzes bilden, in kurzer ZusamMen- fassung wredergegeben: In unserem neuen Deutschen Reiche, das nach einem Ausspruch Treitschkes aus dem hohenzollernschen Protestantismus heraus geboren wurde, regieren heute Zentrum und Cäsar. Katholisch-organisierter Einfluß bestimmt unsere Politik, niäfts geschieht mehr ohne das Zentrum; in der SoziaLreform, in der Freiheit und in allen sonstigen Dingen kommen wir nur soweit, als das Zentrum mitgehen will. Die große liberale Strömung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, die protestantisch empfand, ist dahin, und wenn auch unser Kaiser für seine Person protestantisch ist und bleibt, so ist doch für die Gegenwart charakteristisch das Wort, das er vor 10 Jahren in Rom zu dem Kardinal Ledochowski gesprochen hat: „Eminenz werden gebeten, die Vergangenheit zu vergessend Und man hat auch wirklich angefangen, zu vergessen. Während in Frankreich der Staat einen schweren Kampf gegen den Klerikalis- mus kämpft, sind wir himmelweit davon entfernt, einen solchen Kampf überhaupt kämpfen zu können. Erinnerungen aus der Zeit des alten römischen Reiches deutscher Nation kommen aus allen Winkeln der deutschen Politik heraus, und Papst Pius X. nennt Deutschland: Germania mea (mein Deutschland). Bei zwei Drittel Protestanten und 06 Prozent Katholiken wird alles vom Zentrum beherrscht, Und dies ist nur Möglich, lweil es keine protestantisch-politische Partei gibt und nie gegeben hat. Es ist den Protestanten in Fleisch und Blut übergegangen, daß der Staat nicht von der Kirche aus regiert werden darf. Der politische Katholizismus hat einen Staat im Staate geschaffen, und da ter alle Stände und Jnteressenkreise in sich begreift, so ist seine Politik notwendigerweise die Politik der Vermittelung, der unklaren und geschraubten Formulierung. Das Zentrum bewilligt Zölle, aber mit Ausnahme, es bewilligt Flottengelder, aber mit Abstrichen, Steuern, aber mit Rückzahlungen usw. Niemals wird es sich fähig zeigen zu großen prinzipiellen Entscheidungen in Wendezeiten, und deshalb müssen auch die Völker, wenn sie im kritischen Augenblick eine Entscheidung treffen wollen, vorerst das Joch bes Klerikalismus abschütteln (Italien!). Das gilt auch für Deutschland: der Staat muß wieder als Staat erfaßt werden, und da in dieser Beziehung rechts vom Zentrum wenig zu Höften ist, kann die Gesundung nur von links konftnen, vom Liberalismus und der Sozialdemokratie. Seit 1887, wo das Kartell von Konservativen und Nationalliberalen zum letzten Male die Majorität besaß, ist die Bevölkerung nach links gewachsen, darum ist infolge des allgemeinen Wahlrechts es unmöglich geworden, das deutsche Reich nach konservativen Prinzipien zu regieren. Ein Wahlrecht, das die Zauberkraft hätte, Zentrum und Sozialdemokratie zu gleicher Zeit zu schädigen, ist nicht zu finden. Auch ist es undenkbar, daß eine Wahlrechtsreform mit Hilfe des Zentrums gemacht wird, durch die es selbst aus seiner Stellung herausgeworfen roird (das merkt man bei uns zu Lande in Rh ein Hessen), und so bleibt nichts anderes übrig, als die Herrschaft des Zentrums mit Hilfe der Sozialdemokratie zu brechen. Daß eine Politik der gesamten Linken möglich ist, zeigt sich heute säsim in Frankreich. Wir müssen uns daran gewöhnen, die sozialdemokratischen Massen als Grundlage für eine, nach der Zentrumsherrschaffende freiheitlich deutsche Jndustriepolitik zu betrachten. Wohl haben diese Massen heute noch nicht den Glauben, daß die Regierung sie wirklich einmal brauchen könnte und wollte, und diejenigen, die der Sozialdemokratie ftei gegenüber stehen, fragend: Kann denn überhanpt eine Bewegung, die auf abhängigen Menschen beruht, politisch etwas bedeuten? Kanu sie staats führen den Erstand bekommen und entwickeln? Gewiß ist, daß heute im Vergleich mit der Zeit vor 40 Jahren eine Qucrlitätsverändermra der Masse da ist, im steigenden Staate wird auch die Masse weiter steigen, und zur Beschleunigung dieser Entwickelung kann das liberale Bürgertum viel beitragen. Ter Zentrumszeil muß eine zweite Wolle des Liberalismus folgen, deren einer Bestandteil die Masse ist, die hcnte Sozialdemokratie heißt, der andere der Liberalismus. Das Ideal des alten Liberalismus war der Einzelmeusch, der für sich schasst; ihm wollte man Platz machen, ihn wollte man frei machen. Es gab nichts größeres als der Einzelne, ihn aus der Zunft und dem Bann herauszuziehen, war die große Aufgabe des Liberalismus, ihn mit einem freien Arbeitsvertrag in die Welt zu stellen, war damals ein hohes Ziel. Heute ist der Einzelmensch wieder gebunden, wenn auch in anderer Art; der Einzelne steht in großen Verbänden und wird immer mehr in solche Verbände hinein- aezwungen. Neue Betriebsformen, Großbetriebe sind entstanden, und wenn jetzt der Liberalismus sagt, wir wollen- die neue BetriebSsorm durchleuchten mit dem liberalen Gedanken der Freiheit des JrAividuums, dann ist ftir ihn kein Grund vorhanden, sich einer sachlichen Mitarbeit der Sozialdemokratie zu entschlagen: Damit verschiebt sich aber die Stellung des Liberalismus zur Welt. Bisher sah der Liberalismus den Staat als Objekt seiner Tätigkeit an. Jetzt wendet sich seine Wurfkraft gegen die vereinigten großen Betriebe. So muß der Liberalismus jetzt den Staat anrusen, daß er seine Hilfe leihe, so muß der große liberale Betrieb, drer Staat, mithelfen, daß die andern Betriebe liberaler werden. Nun ist aber der Staat selbst nicht völlig durchliberalisiert; es gilt noch nicht vollkommen das Wort: „Der Staat sind wir alle!" So ist es die doppelte Aufgabe , des Liberalismus, erstens den Staat mehr zu demokratisieren und zweitens neue Waffen, neue Rechte, neue Gesetze zu schaffen, damit der Staat stärker wird und als Schutzengel die Freiheit des Individuums gegenüber den Betrieben wahrt. Und eben darin liegt nach Naumann auch der Zukunftsgedanke: Demokratie und Kaisertum. (Sv lautet bekanntlich der Titel des besten Buchcks Naumanns.) Naumann ist von der Nichtigkeit seiner Gedankenreihen und alles dessen, was er sagt, felsenfest überzeugt. Es> kann nur so sein, es kann nur so kommen, ein Trittes gibt es nicht für ihn, und gerade hierin liegt auch die Wurzel des Erfolges, der jeder seiner Reden sicher ist. In Baden wie im Neichslande hat Naumann in den letzten drei Wochen wahre Triumphe gefeiert; die Zusammenschlußbewegung der bürgerlichen Linken ist durch? ihn in ein schnelleres Tempo gebracht worden, ob aber Naumanns Ideen auch über dieses Ziel hinaus .Verwirklichung sinden werden, bleibt abzuwarten. „Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen!" Der Krieg. Das Rerrlersche Bureau bringt heute folgende Meldungen vom 16. d. Mts. aus Tschifu: Der r u s s i s ch e Torpedoboots Zerstörer „R cr st 0 - r 0 p n y" traf bei heftigem Schneestnrme hier ein und ging an derselben Stelle vor Anker, wo der „Reschitelny" Anker geworfen hat. — Alan hält es für wahrscheinlich, das; der Rastoropny" ab- rüsten wird, wenn ihm kein anderer Ausweg mehr bleibt, daß er aber in der Nacht der japanischen Verfolgung zu entgehen hofft. Das Schiff brachte mehrere Nummern des „Nowy Krai" mit. In einer wird gemeldet, daß ein mit dem Legen von Minen beschäftigter japanischer Torpedoboot s° Zerstörer von dem „R e t w i s a n" abgefaßt und in den Grund gebohrt wurde. — Einem unbestätigten Ge- r ü ch t zufolge brachte der Torpedobootzerstörer eine Depesche des Generals Stössel mit, in der dieser bei der Regierung in Petersburg anfragt, ob er aushalten und den Entsatz abwarten oder aus die sofortige U eb ergäbe Port Arthurs unter vorteilhaften Bedingungen eingehen sollte. — Der Kapitän des „Rastoropny" benachrichtigte den Prinzen Tschina, der „Rastoropny" werde abrüsten. Dieser Beschluß wurde n a ch Eingang der Antwort auf eine nach Petersburg telegraphierte Anfrage gefaßt. — Der Torpedobootszerstörer wurde von den Russen in die Luft gesprengt. Danach hat sich also der Torpedozerstörer vor den Japanern nicht retten können und infolgedessen sich selber das Lebenslicht ausgeblasen, um schmachvolle Gefangenschaft zu vermeiden. Er hat diesen heroischen Entschluß erst gefaßt nach Anfrage in Petersburg, wo man jedenfalls erfreut ist über die fast gleichzeitige Vernichtung eines japanischen Torpedobootszerstörcrs. Ob sich das Gerücht von der weiteren Anfrage: Kapitulation oder nicht, bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Leider verlautet nichts über die Petersburger Antwort darauf. Daß die Selbstzerstörung des „Rastoropny" irgendwie mit der Antivort auf diese Frage zusammenhängt, ist nicht ersichtlich und nicht wahrscheinlich. Uebrigens zeichneten sich auch diese Tschifuer Reutermeldungen wieder durch Unklarheit und einen unbequemen und umständlichen Ballast überflüssigen Beiwerks aus, von dem wir sie in der obigen Fassung befreit haben«. * Weitere Meldungen vom „Rastoropny" lauten: London, 16. Nov. TaS Reutersche Bureau meldet aus Tschifu von heute nackinittag 3.30 Uhr: Der russische Konsul teilte deut Taotai amtlich mit, daß der „R a st 0 r 0 p n h" durch die schwere See uach Tschifu getrieben und entschlossen sei, sich desarmicrcn zu lassen, da er an der Maschine beschädigt sei. Weiteren Teveschen aus Tschifu von 8.30 Uhr nachmittags zufolge machte der Taotai zu dieser Zeit dem japanischen Konsul davon Mitteilung, daß die Tcsarmirrung der „Rastoropny" vollendet, die Berscblrißstückc der Wd)übe und die Munition entfernt und die Maschinen gebranchsunsähig gemacht worden seien. Von 7 Uhr abends wird sodann dem Reuterschen Bureau aus Tschifu telegraphiert: Die Russen haben den „Rastoropny" verlassen. Nur ein Mann blieb zurück tut3 sprengt das Schiff in die Luft. Man htirte drei dumpfe Explosionen. Fast gleichzeitig versank das Schiff. Nur eine Spiere ragt noch über die Wasseroberfläche emp''r. Eine Erklärung für dies Verhalten war heute abend noch nicht 51t erhalten; man nimmt aber an, die Russen hätten eine Wiederholung von Vorgängen wie bei der Beschlagnahme des „Reschitelny" vermeiden wollen. London, 16. Nov. Reuters Bureau meldet aus Tschifu: Der Kommandant des „Rastvropny" hat auf Befragen geäußert: Die Aufgabe des „Rastoropny" sei einfach die Beförderung vonTePeschen gewesen. Die übrigen Schiffe feien in Port Arthur geblieben. Er sei um Mitternacht unter dem Schutz der Schneestürme von Port Arthur abgedampft. Japanische Torpedoboote hätten den Rastoropny in Sicht bekommen und ihn verfolgt. Der Rastoropny sei aber eins derschnell-» st en russischen Schiffe, sei bald den Verfolgern entkom- mcit und in Tschifu eingelaufen. Wie der Geruch des an Bord zum Frühstück gebratenen Stückes Fleisch beweise, sei in Port Arthur noch frisches Fleisch vorhanden. — Nachdem der Rastoropny hinter dem amerikanischen Kriegsschiff „Nen> Orleans" vor Anker gegangen war, machte der chinesische Kreuzer „H a i y u n g" innerhalb 20 Minuten Dampf und kam auf die Längsseite des Rastoropny heran. T-er Kapitän des Haiyung kam an Bord des Rastoropny und hatte mit dessen Kommandanten eine kurze Unterredung. Kurz darauf kam der amerckaniscke Admiral ^an Bord. Er wurde ebensowenig wie der chinesische Kapitän aufgefordert, in die Kajüte einzutreten, obgleich ein heftiger Schneesturm wehte. Ter chin e si s che Ka pi- tän gestattete dem Kommandanten, 24 S t u n d e n in Tschifu zu bleiben, mit dem Bemerken, daß das Schiff nach Maus dieser Frist gezwungen würde, abzurüsteu. Während dieser Unterredung waren die Matrosen, die gesund und sorglos schienen, an Teck mit Fetten und Laden von Torpedorohren beschäftigt. Nach der Urrter- redung verholte der Rastoropny nach dem alten Ankerplatz des Reschitelny, wo dann der russische Konsul an Bord kam, um Depeschen mit an Land zu nehmen — Tie Offiziere des Rastoropny äußerten: Mit Port Arthur stehe es noch f0 gut wie vor zwei Monaten Tie Nachrrcht, daß der „Bajan" gesunken sei, sei unrichtig; nur seine Maschinen seien durch Geschosse beschädigt, aber wieder ausgebessert worden. Tie Kreuzer liefen tätlich aus dem Hafen aus, während die Schlachtschiffe im Hufen blieben. Tschifu, 16. Nov. (Reuter.) In der vergangenen Nacht wurden zwei japanische Torbedobootszerstörer am Eingang des Hafens gesehen. Zweifellos beschleunigten sie die Zerstörung des „Rastoropny" Ter japanische Konsul behauptet, daß neun Mann von der Besatzung mit Gewehren an Land gekommen seien, wogegen er beim russischen Konsul Protest einlegte. Wie es nach japanischen Behauptungen um Port Arthur stehen soll, erfährt man aus folgender Drahtung Reuters auS dem Hauptquartier der dritten japanischen Armee vom 11. November über Fusan vom 15. November: Gerüchtweise verlautet, General Stössel sei verwundet, feilt Zustand mache seine Aufnahme ins H 0 f p i t a l notwendig. Ter General w e i g e r e s i ch jedoch, seinen Posten zu verlassen; er wolle lieber auf seinem Posten sterben, als sich zurückziehen. Tie russischen Truppen sollen durch die unaufhörliche schwere Arbeit und den Mangel an Lebensmitteln geschwächt sein. Ein großer Teil sei bereit, sich zu ergeben, sie wurden jedoch von den Offizieren daran gehindert. Die Japaner glauben, daß die Garnison an der Grenze der menschlichen Leistungsfähigkeit angelangt ist. Ein Spion berichtete, daß in Port Arthur Munitionsmangel bestehe und daß die Kälte mit) der Mangel an Lebensmittel einen weiteren Wider st and unwahrscheinlich machen. Ein Brief der Frau des Generals Stöffel. Der Moskauer Großkaufmann Perlow erhielt einen Brief von Frau Wera Stössel, datiert vom 25. September aus Port Arthur, welcher lautet: Ich übersende Ihnen, lieber Nicolai Semenowitsch, dis Zettelchen, damit Sie unsere Sorge um die armen Verteidiger von Port Arthur kennen lernen. Viel können wir nicht sammeln, es sind hier zu wenig Einwohner, die etwas geben können. Ich wende mich durch Sie an alle wohlwollenden Bewohner von Moskau. Seien Sie so gut, etwas unter Ihren Bekannten zu sammeln, und senden Sie es mir durch die russisch-chinesifche Bank. Bei der Rückkehr der wackeren Verteidiger der Festung nach Rußland werden wir die Gaben verteilen. Es giebt hier Leute ohne Augen, ohne Hände und Beine, kurz, viele, viele unglückliche Krüppel. Wenn der Krieg beendet ist, sehen rote uns in Moskau wieder. Wera Stöffel. Der Brief wird wahrscheinlich in ganz Rußland zu Sammltlngszwecken verbreitet werden. Der Gromoboy gestrandet. Shanghai, 16. Nov. Reuternwldung. Der heute von Wladiwostok hierher zurückgekehrte Blockadebrecher „EantorL^ bestätigt, daß der russische Kreuzer „Groproboh^ kürzlich gestrandet ist. Aus der Mandschurei liegen heute folgende Meldungen vor: London, 16. Nov. Aus Mukden meldet das Reutersche Bureau vom 13. Nov.: Die Russenbeschossen heute vom Morgen bis Abend die Japaner bei der Station Schaho aus Belagerungsgeschützen. Der Zweck dieser Beschießung war, die Japaner, die seit vier Wochen daran arbeiten^ die Station zu einer uneinnehmbaren Festung zu machen^ dabei zu stören. Beide Armeen haben sich jetzt so eingegraben, daß die Fr-ldgeschütze keine Wirkung mehr haben, — Die chinesische Regierung lehnte die Ausstellung vori Transitscheinen für Waren und Gepäck ab, die über Sin« minting nach der Mandschurei bestimmt sind. Die Chi- neserl erklären diese Maßregel mit der Verletzung der Bestimmungen über Kriegskontrebande und mit der Neutralität Chinas. Chinesische Offiziere sind in Mukden tätig, um die Not unter den vom Lande nach Nrukdcn geflüchteten Chinesen zu mildern. Sie verpflegen täglich mit Hilfe der ausländischen Hilfsvereine 20 000 Flüchtlinge. Selbst frühes reiche chinesische Farmer sind jetzt mittellos. London, 16. Nov. Tas Reutersche Bureau meldet aus Mnkden vom 14. d. M.: Die aus den: Kriegsschauplätze herausgegebene russische Zeitung lobt das Wer- halten der Japailer gegenüber den russisches Gefallenen. Generaladjutant Kurop«tkin forderte infolgedessen die russischen Kommandeure aus, die japanftchenl toten ebenso zu behandeln, d. h. deren Habseligkeiten zur Ablieferung zll sammeln. Petersburg, 16. Nov. Wie Generalleutnant Ssa- charow dem E^eneralstabe vom 15. November meldet, sind am 15. November keine Berichte über iTämpje eingegangen. Die baltische Flotte. London, 16. Nov. Tas Reutersche Bureau meldet ans Suez: Ter Gouverneur berief heute eine Versamm- hm« auswärtiger Jtonfuln ein und ersuchte sie, die DchlfsS- Lgenten zu benachrichtigen, bau während der Durchfahrt der baltischen Flotte- alle nordwärts gehenden Schiffe an gehalten werden müssen, um den Kriegsschiffe" freie Durchfahrt 51t gestatten. Während der F-ahri der Flotte darf nichts in den Kanal, geworfen werden, jede Kundgebung muß unterbleiben. Dakar, 16. Nov, 6 Uhr abends. Das russische Geschwader ist von hier abgefahren. Russische Ruhestörungen. Petersburg, 16. Nov. Ueber Ruhestörungen, die nm 13. Nov. in W ar s di au stattfanden, werden jetzt folgende Einzelheiten bekannt: Eine Volksmenge demonstrierte mit einer roten Fahne unter Absingung revolutionärer wieder. Auf die Aufforderung an die Menge, auseinanderzugchen, wurden Schüsse abciegeben, wodurch ein S ch 11 tzman n getötet und ein Polizeioffizier und zwei Schutzleute ver- umndet wurden. Da die Ruhestörung einen größeren Umfang annahm und das Schießen fortgesetzt andauerte, wurde Militär requiriert, das zwei Salve:? abgab, wodurch sechs Personen getötet und 21 verwundet wurden. _ Am Abend war die Ordnung wieder hergestellt. Die Ruhestörer wurden zum Teil verhaftet, zum Teil nach Feststellung ihrer Persönlichkeit wieder freigelasscn. Friede? Es ist in letzter Zeit oft davon geredet worden, daß Amerika zu Gunsten eines Friedens zwischen Japan und Rußland interveni er en solle. Diesen immer wieder austauchcnden Gerüchten ist von russischer Seite schon wiederholt jedwede, auch nur entfernte Begründung abgesprochen worden. Jetzt ist in Washington der japanische Prinz Fushimi ein- aetroffen, und sofort weist der russische Botschafter ausdrücklich oen Gedanken an eine Neigung Rußlands zur Einstellung der Feindseligkeiten zurück. Graf Cassini erklärt, Rußland werde den Krieg bis zum äußersten fortsetzen, daS heißt, bis cs den Sieg errungen habe. Er hält es für seine Pflicht, zu wiederholen, daß Rußland unter keinen Umständen die militärischen Operationen cinstellen werde. Alle Gerüchte über Friedens-Anerbietungen und Vermittelungen der Mächte sind seines Erachtens in Umlauf gesetzt worden, um das Publikum zu überzeugen, daß das Ende deS Krieges bevorstehe; man hofft, auf diesem Wege die japanische Anleihe verlockender erscheinen zu lassen. Rußland gestattet ebensowenig eine Einmischung, wie England im Transvaalkriege und Amerika im spanischen Kriege. Rußland, dessen jährliche Einnahme eine Milliarde Dollars übersteige, könnte sicherlich in Bezug auf den Verlauf des Krieges durch Ausgaben für den Krieg nicht beeinflußt werden, lieber Rußlands Größe und die Solidität der russischen Finanzen zu sprechen, sei überflüssig. Während Fushimis Anwesenheit in Amerika verzichtet Cassini zogar auf seine Eigenschaft als Doyen des diplomatischen Korps. Fushimi bleibt noch 'vier Tage in Washington. Er stattete am 15. nachmittags dem Präsidenten Roose -eit einen Besuch ab und übermittelte demselben die Glückwünsche des Mikado zu seiner Wiederwahl. Präsident Roosevelt antwortete dem Prinzen, das amerikanische Volk teile die Gefühle des japanischen Volkes, dem es volles Gedeihen wünsche. Roosevelt er- widette bald darauf den Besuch des Prinzen. Am Mcnd war Prinz Fushimi zum Tiner im Weißen .’naufc eingeladen: an demselben nahmen ferner teil die Mitglieder oer japanischen Gesandtschaft, die Botschafter Deutschlands, Englands. Frankreichs, Oesterreich-Ungarns, Italiens und Mexikos, die Mitglieder des Kabinetts, General 6baffer und Admiral Evans. Reue japanische Dlobilifierungen. London, 16. Nov. Berichte aus Tokio behaupten, daß die Militärverwaltung demnächst eine Million Mann mobilisieren wird. Japan und Frankreich. Tokio, 16. Nov. Die bedeutendsten japanischen Blätter kommentieren lebhaft das Entgegenkommen Frankreichs, welches der Baltischen Flotte das Kohlcneinneh- men in französischen Häfen in^ hervorragenderweise gestattet hat. Sie kommen zu der Ansicht, daß eine solche Vergünstigung einem Durchzug feindlicher Truppen burfr neutrales Land gleichkomme. Japanische Spionage. Kopenhagen, 16. Nov. Die hiesige Polizei recherchiert eifrigst nach einem geheimnisvollen japanischen Agenten, welcher in der Samstag nacht von Holbaeck nach Nykjobing auf See - l a_n d reifte und dort spurlos verschwunden ist. Man vermutet, daß . er Spionage getrieben und von einem englischen Schiffe erwartet und ausgenommen worden sei. London, 15. Nov. Die „Pcrll-Mall-Gazette" meldet aus Moskau vom 14. Nov.: Dort traf die Nachricht ein, daß es zwischen Russen und Afghanen in Kuschk zu Zusammenstößen gekommen sei. Tie Afghanen hätten ein Pulvermagazin in dieLuft gesprengt, wobei mehrere Soldaten getötet worden seien. Votitische Tagesschau. Gießen, 17. Nov. 1904. ** Vortrag einer Missionarin. Auf den heute /bend im Matthäussal, Kirchstraße 9, stattfindenden Vortrag der Missionarin, Fräulein Antonie Steiner über ihre Arbeit unter den indischen Frauen sei hiermit nochmals aufmerksam gemacht. ** Dem botanischen Garten sind von mehreren Gönnern Mittel zur Anschaffung von Palmen für das neue Gewächshaus überwiesen. Der Garten ist dadurch um ebenso schöne als wertvolle Schätze bereichert worden. Während das Winterhaus bis dahin mit seinen Mittelmeer- und australischen Pflanzen einen etwas eintönigen Eindruck machte, fühlt man sich jetzt in die Stimmung versetzt, die subtropische und tropische Vegetation Hervorrufen. In unseren Zeitungen wird uns stets getreulich berichtet, wenn Enrnegie oder Rockefeller große Summen an Universitäten geschenkt haben. Es darf daher wohl dankbar hervorgehoben werden, daß, wenn auch in kleinerem Maßstabe, ähnliches bei uns nicht nur geschehen kann, sondern auch geschieht. Und auch mit kleineren Mitteln läßt sich etwas ansehnliches und nutzbringendes erreichen. Tas Winterhaus ist zu den bekannten Besuchsstunden des botanischen Gartens geöffnet, den Studierenden natürlich täglich zugänglich. Zur richtigen Beurteilung der Anlage sei daraus hingewiesen, daß es sich nicht um einen „Wintergarten" handelt, sondern um ein Unterkunftshaus für Pflanzen, die nur im Sommer ins Freie gestellt werden können. Immerhin ist Raum und Aufstellung so, daß auch ein ästhetischer Genuß geboten wird und dieser ist durch die Schenkungen gan zbesonders erhöht. ** Das amtliche Wahlresultat wird im Inseratenteil heute bekannt gemacht. Daraus ist zu ersehen, daß die Stimmenzaht, die auf den Fabrikanten Herrn Eichenauer fiel, 1187 (nicht 1109) beträgt. ** Stadttheater. Die gestrige „Traumulus"- Borstellung hat wiederum in vielen Kreisen großes Interesse gefunden. Namentlich das Gastspiel des Herrn Bauer-Frankfurt erntete reichsten Beifall. 4- Klein-Linden, 16. Nov. Gestern abend begann unter Leitung deS Lehrers Kling-Gießen ein Anfänger- kursuS für Gabelsberger Stenographie; an dem Kursus nehmen elf junge Leute teil. Dem Stenographenverein traten wiederum mehrere Leute bei. 5 Klein-Linden, 16. Nov. Unter geringer Wahlbeteiligung fand heute die Gemeinderatswahl statt, wobei die ausscheidenden Gemeinderatsmitglieder, Bauunternehmer Bernhardt, Landwirt Kaspar Jung VII und Landwirt Joh. Gg. Schmidt I. mit großer Majorität wiedergewählt wurden. Werkführer Neuschling erhielt 60 und Landwirt W. Germer II 56 Stimmen. Die Wahlbewegung ist nunmehr beendet und verlief außer der Bürgermeisterwahl sehr ruhig. Während gegen den seitherigen Bürgermeister zwei Gegenkandidaten ausgestellt worden waren, wurde der langjährige Beigeordnete Jung einstimmig wtedergewählt. j. Laub ach, 16. Nov. Der hiesige Zweigverein deS evangeliehen Bundes hielt am verflossenen Dienstag eine schön verlaufene Philipp feier unter dankbar aufge- nommener Mitwirkung des Kirchengesangvcreins und unter dem Vorsitz des Gräfl. Kammerrats Bröckelmann ab. Ein wirkungsvolles Lebensbild deS großen Landgrafen gab Pfarrer Becker von Nieder-Ohmen, der auch zum Schlüsse kräftige Mahnungen an die Versammlung richtete, im Geiste Philipps als Evangelische zusammenzustehen. Auf die mit großem Beifall aufgenommene Rede brachte der Vorsitzende auf unseren jetzigen Landesherrn ein Hoch aus. Es sprach dann noch der tschechische Pfarrer Zilka aus Melkin bei Prag. Er erzählte von der begeisterten Hußfeier und von dem Verlangen nach dem Evangelium unter den Tschechen, was eine rein religiöse Bewegung sei. + Nieder-Gemünden, 16. Nov. Der hiesige Land- briesträger B. erhängte sich auf einem Botengänge in dem Walde zwischen Otterbach und Nieder-Gemünden. Der noch rüstige, beliebte Mann lebte in geordneten Verhältnissen und ist sicher ein Opfer des Alkohols geworden. 2 Boben hausen bei Ortenberg, 16. Nov. Heute vormittag fällte der Zimmermeister Johs. Ahlbrand von hier eine Fichte, die beim Umfallen auf ihn fiel, so daß er auf der Stelle tot blieb. sd. Darmstadt, 17. Nov. (Eigener Drahtbericht.) Prinz Heinrich von Preußen wird heute abend nach Kiel reisen und voraussichtlich Samstag wieder hierher zurück- kehren. König i. Odenw., 16. Nov. Die Königin-Mutter von Holland, welche bei dem Erbprinzen und der Erb- prinzessin von Erbach - Schönberg zu Besuch war, ist heute vormittag 9 Uhr 30 Min. nach Schloß Loo abgereift. d. Mainz, 17. Nov. Am 15. Juni 1903 wurde die neue staatliche Entbindungsanstalt in der Hafenstraße ihrer Bestimmung übergeben. Wie bebeutenb die Frequenz in diesem Hause ist, geht au§ der Tatsache hervor, daß gestern in der Anstalt daS 500. Kind zur Welt kam. Bingen, 16. Nov. Bei der heute erfolgten Wahl zur Handelskammer wurden Kommerzienrat Coblenz (seitheriger Präsident der Handelskammer), Bankier Julius Landau und Holzhändler Ferdinand Seligmann wiedergewählt. Frankfurt a. M., 16. Nov. Vor einigen Tagen wurde durch die Behörden Untersuchung wegen des TodeS des Ehepaares Wolfrum, Ostendstraße 7, eingeleitet. Mann und Frau starben innerhalb weniger Tage. Sie hatten in der letzten Zeit so gut wie keinen Verkehr mit anderen Leuten, ihre Haushaltung wurde von einer Putzfrau namens Zeuger versorgt, die auch die alten Leute pflegte. In die Wohnung zog vor kurzer Zeit der Metzgergeselle Scheurich, der mit der Zeuger ein Verhältnis hatte. Der Verdacht der Behörden wurde dadurch geweckt, daß in dem Nachlaß sich fast gar kein bares Geld vorfaud, obgleich erst vor wenigen Tagen die Mouatspensiou ausgezahlt wurde, unb daß Scheurich einen Betrag von 600 Mk. auf der Sparkaffe erhoben hat. ES soll sich nun herausgestellt haben, daß Wolfram, der einige Tage nach feiner Frau starb, jene beiden zu Erben eingesetzt hat. Die Putzfrau mürbe verha stet. Gegen ihren Liebhaber, her flüchtig ist, rouebe Haftbefehl erlassen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Assen he im bei Friedberg brannte am 15. d. Mts. eine Scheune nieder. DaS Feuer griff auf die Hosraite des Arbeiters Kauch über und die Stallung brannte ab. — Zum Schuliuspektor der Stadt WormS wurde Oberlehrer Schmeel in Darm stadt ernannt. Er tritt Ende dieses Jahres seinen Posten an. Beschäftigung im Tabakgewerbc. Im dritten Quartal des laufenden Jahres war der Beschäftigungsgrad im Tabakgewerbe int allgemeinen wesentlich besser als im Vorjahre. Die Besserung geht nicht nur daraus hervor, daß die Zahl der Beschäftigten wieder gestiegen ist, sie läßt sich auch an der Bewegung der Tabakversorgung erkennen. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres betrug die Einfuhr von Tabak abzüglich der Ausfuhr 472 269 Doppelzentner und hat damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahre erfahren, wie sie kein früheres Jahr seit 1900 im Vergleich zum unmittelbar vorhergegangenen Jahre auszuweisen hat. Das Jahr 1902 zeigte sogar eine Abnahme gegen 1901, die Zunahme von 1902 auf 1903 betrug nur 9400, dagegen die Steigerung in diesem Jahre über 23 000 Doppelzentner. Ganz besonders günstig war die Zufuhr von ausländischem.Tabak im zweiten Quartale des laufenden Jahres, was deutlich darauf hinweist, daß die Fabriken wieder mehr Material verarbeiten konnten. Im Vergleich mit den Vorjahren betrug die Einfuhr von Tabak (abzüglich der Ausfuhr) in Doppelzentner: I. Quartal n. „ in. „ Wenn trotz ber über starke Konkurrenz und ungünstige Gestaltung der Ausfuhr geklagt toird,. so werden auch diese Klagen durch die Ziffern der Handelsstatistik bestätigt. Der steigende Import von Zigaretten illustriert deutlich die wachsende Beliebtheit der Zigarette beim rauchenden Publikum. Fehlt doch nicht viel daran, daß die Zigaretteneinfuhr sich in wenigen Jahren verdoppelt hat. Die Mehreinfuhr betrug nämlich in Doppelzentnern während der ersten drei Quartale: 1902 1903 1904 147 979 151 089 161 665 142 380 142 791 152 008 149 861 154 819 158 696 Besserung der Beschäftigung noch v 1900 1901 1902 1903 1904 2330 2558 2911 3279 4133 Im Vergleich zu 1903 sind etwa rund 90 Millionen Stück, im Vergleich zu 1900 etwa 200 Millionen Stück Zigaretten mehr eingeführt worden. Dazu kommt, daß auch die Zigarettenfabrikation in Deutschland selbst seit 1897 sich sehr vergrößert hat, in welchem Jahre die Erzeugung auf ca. 1100 Millionen Stuck geschätzt wurde. Tritt so die Ausdehnung des Zigarettenrauchens einer Erweiterung des Zigarrenabsatzes im In lande entgegen, so wirkt auch die Gestaltung des Exports keineswegs Itimuliercnb auf die Beschäftigung ein. Zwar nimmt die Aus- fufyr im laufenden Jahre wieder etwas zu, aber sie ist immer noch geringer in den Jahren 1900 und 1901. Es betrug nämlich wilyrend Der ersten Drei Quartale DcrExportvonJtgarreO in Doppelzentnern: 1900 1901 1902 1903 1904 3540 3284 2925 2724 3055 In Abnahme begriffen ist die Ausfuhr namentlich nach Großbritannien, nach Südafrika und Austtali'u. Umgekehrt steigt die Einfuhr, die fast durchweg in teuren Sorten besteht. Für die Gestaltung des Geschäfts während der nächsten Monate von großer Bedeutung ist die Höhe des diesjährigeir Weihnachts- mnsatzes, von der es abhängt, ob und wie lange der gegenwärtig relativ befriehiaenbe Besd-^sünuna^rad andauern wird. * Berlin, 15. Nov. Der bei dem Landgericht II. zuge* lajsene Rechtsanwalt Dr. Alfred Heimann I. hat sich gestern nachmittag durch einen Revolverjchuß in den Kopf getötet. Der Grund zu dem Selbstmord besteht in verfehlten Grundstücksspekulationen, wodurch Heimann in finanzielle Bedrängnis geraten war. * Für den Weißen Saal des Berliner königl. Schlosses werden gegenwärtig zwei Inschriften aus Bronzebn'chstaben hergestellt. Die eine lautet: „Domine, fac nie scire viam, per quam ambiilem.“ (Herr, laß mich den Weg wissen, auf dem ich wandeln soll.) Es ist ein Wort des Großen Kurfürsten und steht am Postament seines Denkmals hi der Sieges-Allee. Die zweite Inschrift ist: „Pro gloria et patria.“ (Für den Ruhm und das Vaterland.) * Ein Stock f ür den Kaiser. Außerordentliche Anziehungskraft übt in St. Louis ein Stock aus, der jetzt im Schaufenster eines Juweliers ausgestellt ist. Diesen Stock wollen die St. Louiser Möbelfabrikanten durch beit Reichskommissar Geheimrat Lewald dem Deutschen Kaiser als Zeichen der Erinnerung an die Weltansstellnng überreichen lassen. Er wurde ans Holz geschnitzt, welches von dem ersten Baume herstammt, der bei den Nivellierungsarbeiten auf dem Weltausstellungsgelande, also im Forest-Park, gefällt wurde. Zur Vollendung des Meisterstückes der Holzschnitzerkunft bedurfte Herr Buehner zweier Monate. Der Stock zeigt am Griff die Figur des heiligen Ludwig in erhabener Schnitzerei. Ain Stocke selbst befinden sich die Bildnisse Friedrichs des Olroßen, George Washingtons und des Ausstellungspräsidenten Francis. Ter Goldreif unterhalb des Griffs enthält in englischer Sprache die Widmung: „Sr. M. dem Deutschen Kaiser Wilhelm II. dargebracht von der St. Louiser Handelskammer, St. Louis, V. St. v. A., 1904." Eine andere Inschrift gibt Auskunft über den Ursprung des Holzes, aus dem der Stock geschnipt ist. * Pastor Kräusler, der aus Celle geflohene Seelsorger, scheint leider das Ansehen, das ihm sein Amt; verlieh, and) dazu mißbraucht zu haben, minderbemittelte Leute zur Her gäbe ihrer geringen1 Ers parnisse zu veranlass en. So beredete er, wie man sich erzählt, die Frau eines in dürftigen Verhältnissen^ lebenden Bürgers, 600 Mk., die sie als Notgroschen zurückgelegt hatte, ihm auszuhändigcn, und sie sah von bem? mühsam Ersparten keinen Pfennig wieder. Die Vermutung, daß der jetzt plötzlick) geisteskrank gewordene Pastor Haase ebenfalls zu den Gläubigern Kreuslers gehöre, bestätigt fiel) nicht. Auch eine Bürgschaft für feinen Amtsbruder hatte Pastor Haase nicht übernommen. * Eine verhängnisvolle Pilgerfahrt nach Palästina. Im August ds. Js. brachen von Karlsruhe aus unter Leitung von Professor Müller-Stuttgart mehrere Hundert süddeutsche Pilger nach dem heiligen Lande auf. Viele von ihnen kehrten nach Wochen krank in ihre Heimat zurück, mancher mußte die Fahrt mit seinem Leben bezahlen. So außer dem Pfarrer Klingele in Bruchsal, (vergl. unser heutiges 2. Blatt) noch 6 Pilger. Von 90 Pilgern, die sich an einem ErsrischungStrunk am Berg Tabor labten, ist die Hälfte typhusverdächtig erkrankt. * „Lebt Ihre Schwiegermutter immer noch?^ Dieser Tage starb in Berlin Laudgerichtsrat Tr. Bär. Er war vor mehreren Jahren als Hilfsrichter an das Kammergericht berufen. Damals war Präsident des Kammergerichts v. Trenck- manu. Dieser stand im Rufe, antisemitische Neigungen zu hegen. Trotzdem empfahl er in außerordentlich warmer Weise den Verstorbenen, der Jude war, zur Ernennung zum Ka m- mergerichtsrat. Bär wurde darauf in das Justizministerium gebeten. Tort wurde ihm nahegelegt, seine jüdische Religion in eine christliche umzuwecbscln. Bei dieser Unterhaltung äußerte Bär, daß er seine Beförderung nicht einem Gesinnnngs- wechfel verdanken wollte. Solange seine Schwiegermutter lebe, lei zum mindesten an eine Taufe nicht zu denken. Bär wurde 11 i d) t befördert v. Trenckmann gab nochmals unter abermaliger Hervorhebung, wie bringend not unseren Gerichten tüchtige Juristen tun und unter Schilderung der glänzenden Begabung und der hervorragenden Gewissenhaftigkeit Bärs eine Eingabe um Ernennung Bärs zum Kammergerichtsrat ein. Ti'ese Eingabe wurde — nicht im Kammergericht — mit der Randnote: „Was werden unsere Antisemiten dazu sagen?" versehew, Mer- mals wurde Bär in das Justizministerium gebeten. Tie Begrüßung durch den Personalienrat erfolgte mit der Frage: „Lebt Ihre Schwiegermutter immer noch?" Bär bejahte die vertrauliche Nachfrage. Er blieb Jude und — wurde nicht befördert. * Ein Bubenstreich gegen einen Kardinal. Ein Vorfall, der bei den Augenzeugen laute Empörung hervorrief, hat sich, wie aus Nom gemeldet wird, gestern unweit des Pantheons abgespielt. Als der Kardinal, dessen Name vorläufig nicht genannt wird, vorüberfuhr, sprang ein junger Mann auf bas Trittbrett der Kutsche und spie dem überraschten Kirchensürsten ins Gesicht. Der Attentäter wurde sofort verhaftet,, mußte aber gleich dapauf freigelassen werden, weil der Kardinal erklärte, feine Klage anstrengen, sondern dem jungen Mann verzeihen zu wollen. * E in Bombardement mit — S e ktslasch en. Ein Strafantrag wegen Körperverletzung ist gegen den Freiherrn Egon v. Romberg bei der zuständigen Staatsanwaltschaft gestellt worden. Er begegnete in Gesellschaft des Frei Herrn v. Nüx- ieben, von Haus Budenberg kommend, auf der Landstraße einem Automobil und bombardierte dessen Insassen mit leeren Sektflaschen, die er in seinem Wagen bei sich führte. Zwei der Automobilisten wurden am Kopfe verletzt und brachten den unerhörten Vorfall bei der Polizei in Lünen (Westfalen) zur Anzeige, die die Sache der Staatsanwaltschaft zur weiteren Veranlassung überwies. .... * 6ine Fülle unfreiwilligen Humors bringen die „Nachrichten für Lauchstädt und Umgegend" die über einen Radfahrerunfall folgendes berichten: „Gestern abend gegen neun Uhr fuhren zwei Radfahrer in der Nahe „Frei im Felde" so gegeneinander, daß der eine im Salamanter' durch die Lust flog und schwer verletzt die Erde berührte, während der andere Radfahrer mit einigen besseren Hautabschürfungen davonkam. Ein Glück ist es, daß ein Todesfall vermieden wurde. Wir wünschen im Interesse der gediegenen radfahrenden Welt, daß ein derartiger Zusammenstoß nicht mehr stattfindet. „All Heil!" — Dieser fromme Wunsch wird leider nicht in Erfüllung gehen, selbst in der „gediegenen" radfahrenden Welt lassen sich weder die „Salamanter" (salto mortale) ^noch die „besseren" Hautabschürfungen ganz vermeiden. Selbst das löbliche Bestreben, daß „ein Todesfall vermieden" wird, ist nicht immer vom Glück begünstigt. Kandel und N^rkeljr. /cm SK.C ichsban k. Arn 1. Dezember wird in Ochsenfurt (Mcnn) eine von der Rcichsbaukstetle in Würzburg und am 12. Dezember in Bieberach (Württemberg) eine von der NetHS- bankstelle in Ulm abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 17. Nov. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkäme standen: 35 Ochsen, 7 aus Oestreich, 2 Bullen, 0 aus Oestreich, 33 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oestreich, 956 Kälber, 833 Schale und Hammel, 1555 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaslämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht- Ochsen 1. Qualität 71—74 Mk., 2. Qual. 67—70 Mk., 3. Qual. 60—64Mk.; Bullen I.Qual. 61 bis 63 Mk. 2. Qual. 57—59 Mk.; Kühe 1. Qual. 67—69 Mk., 2. Qual. 63—64 Mk., 3. Qual. 53—54 Mk, 4. Qual. 43—45 Mk., 5. Qual. 00-00 Mk. Kälber: I.Qual. 82—86 Pfg., Lebendgewicht 49—52 Ps., 2. Qual. 75—80 Pfg., Lebendgewicht 45—48 Psg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 57—61 Psg., Schale: 1. Qual. 66—67 2. Qual. 54—56 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 59—6O Pfg., Lebendgew. 47 Pfg., 2. Qual. 58- 00 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Psg., 3. Qual. 52—55 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gedrückt, Ueberstand bedeutend; bei Kleinvieh Kälber und Sammel gut, kein Ueberstand; bei Schweine,: flau, kein Ueberstand Kunst unh Wissenschaft — Pvette Guilbert sang in Frankfurt a. M. ihre Lhansons aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die sie durch ihre eminente Kunst zu einer Art lebenden Gesanges machte. Die Musik sagte weniger zu und ist lediglich als Kuriosität zu nehmen. Familien Uachrirlitcil. Gestorben: Herr David Schönfärber in Mainz. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter* bi rr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion d^m Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Der gestrige Vortrag über die M a n d s ch u r e i hat in keiner Weise den Erwartungen entsprochen, die mein hier zu stellen berechtigt ist. Dazri gehört ein wenigstens zum Teil freier Vortrag, aus dem Selbsterlebtes über Land und 2_eute und Volksleben in interessanten Schilderungen unsere Kenntnisse zu ergänzen geeignet ist Der „Vorlesung" schloß sich eine Serie von Lichtbildern an, die ebensowenig befriedigen konnte. Es gehört ziemlich viel Selbstvertrauen dazu, derartiges von der Nostra einer Universitätsstadt zu bieten. Die „Besiallspende" scheint hier ä ton! prix geleistet zu werden.___________ D- Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 18. November 1904: Meist heiter, bei noch etwas kälterer Nacht Tagestemperatur wenig verändert, keine Niederschläge. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. ilrurltf Mclmuracn. R. B. Darmstadt, 17. Nov. (Eigener Draht- bericht.) Die zweite Kammer erledigte heute eine größere Anzahl kleinerer Regierungsvorlagen, Anträge und Vorstellungen. Bezüglich des Antrags Köhler über das Braunkohlenbergwerk bei Münster wurde der Ausschußantrag angenommen, nach welchem die Regierung um baldige Vorlage eines Gesetzentwurfes zur Besteuerung der verliehenen Grubenselder ersucht wird. Weiter wurde die Forderung für das Psenburger Schloß in Offenbach und der Ausschußantrag in betreff des Hochwusser- schlauchs zwischen Offenbach und Bürgel mit einem Zu,atz- antrag Ulrich über die Aufbringung der Projektierungskosten genehmigt; ebenso der A u s s ch u ß a n t r a g betr. des Eisenbahnbaues Gründ er g-Lich. Zum Schluß entspann sich noch eine längere lustige Hundesteuer- Debatte. Die Kammer mürbe auf morgen früh 9 Uhr vertagt. Darmfravr, tö. nov. -sas ets gericqr sur die Bismarck sänke der Darmstädter Studentenschaft hat seine Entscheidung getroffen. Von den im ganzen eingekaufenen 62 Entwürfen früherer und jetziger Angehöriger der Darmstädter Technischen Hochschule erhält den ersten Preis von 300 Mk. der Entwurf des Negierungsbauführers G. Schmoller von Eisenwerth inGaeleck bei Kosen, den zweiten Preis von 200 Mk. der Entwurf des Bauinspektors Karl Becker in Stettin, drei dritte Preise von je 100 Mk. die Entwürfe der Architekten August Pux- b aum-Dar m st a d t, Theobald Schöll-Wiesbaden und der Kand. archit. Wilhelm I aide-Darmstadt. London, 17. Nov. Ein Schiedsvertrag zwischen England und Portujgal ist im Schlosse zu Windsor unterzeichnet worden. London, 16. Nov. Bei dem Bankett zu Ehren des portugiesischen Königspaares in Windsor nahm König Eduard in seinem Toast aus das Königspaar Bezug auf den Abschluß des Schiedgerichtsvertrage-s. Er sagte, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Portugal gingen 700 Jahre zurück auf eine Zeit, wo Portugal mit England unter der Regierung König Eduards I. den ersten Vertrag abschloß. Der König fuhr dann fort: Etwa 100 Jahre später wurde ein Vertrag in Windsor geschlossen, und ich bin erfreut in dem Gedanken, daß gerade heute ein Schiedsaerichtsvertrag unterzeichnet worden ist. Der König von Portugal erwiderte unter anderen:: Das Bündnis mit Großbritannien ist alten Datums, und ich freue mich cs auszusprechen, daß Euere Majestät stets dieselbe Loyalität wie früher bei den Portugiesen finden werden, die ehemals Seite an Seite mit England ihr Blut vergossen haben. Paris, 17. Nov. Der „Mcrtin" meldet aus Genf, es bestätige sich, daß die Schweiz Deutschland den Vorschlag gemacht hat, einen Schiedsvertrag abzu- schließen. Der Vorschlag soll von Deutschland günstig ausgenommen worden sein. Ter Wortlaut des Vertrages wird dem zwischen Deutschland und England abgeschlossenen gleichen. Wien, 17. Nov. In der heutigen ersten Sitzung des östreichischen Abgeordnetenhauses stellten die Abgg. Erler und Genossen folgenden Dringlich keitsantrag: Tie Regierung wird aufgefordert, die sofortige S ch l i e ß - ung der italienischen Rechts fakultät zu verfügen, und cs wird angeordnet, daß der betreffende Negierungserlaß außer Kraft trete. Mit Rücksicht auf die Verantwortung der Negierung werden den Opfern von der Nackt des 3. November bezw. den Hinterbliebenen Entschädigungen auf Staatskosten gewährt. Rio de Janeiro, 16. Nov. General Trassos ist am Bein verwundet worden und eine Amputation erscheint notwendig. Es verlautet, Senator Sodre, der die letzten Unruhen der Militärschüler mit veranlaßt habe, habe Selbstmord begangen. Der Kampf zwischen den Kadetten und den Trupvdn dauerte 20 Minuten; 200 Kadetten wurden vor ein Kriegsgericht gestellt. Zwei Zeitungen wurden suspendiert. Vom Kriege. London, 17. November. Der Kapitän des ans Port Arthur entkommenen russischen Torpedojägers „N astoro p nist' äußerle sich in einer Unterredung mit einem Vertreter der „Daily Mail" in Tschisu hoffnungs- voll über die Lage in Port Arthur. Stimmung und Gesundheit in der Garnison seien ausgezeichnet. Lebensmittel im Bekanntmachung» Stimmen mit 2087 Mecum. von und 6. Kommerzienrat Heichelheim „ 7. Bahnhofs-Restaurateur Jean Kirch „ 8. Weißbiudermeister Louis Petri II. ,, 9. Rentner Heinrich Emil Jughardt „ 10. Kaufmann Theodor Haubach „ 11. Spenglermeister Karl August Faber „ 12. Weinhändler Friedrich Helm „ 13. Fabrikant Hermann Eichenauer „ 14. Fabrikant Äugust Gabriel „ 15. Universitätsprofessor vr.Wimmenauer „ 16. Universitäts-Bibliothekar Dr. Ebel „ Von den Genannten sind Ord.-Nr. 1 bis 10 Stadtverordnete:: sind gewählt worden: 1. Justizrat Dr. Gutfleisch 2. Kaufmann Eduard Krumm 3. Gewerbebankdirektor Karl Loos 4. Medizinalrat Dr. Haberkoru 5. Rentner Wilhelm Wallenfels Me Wahl der Mitglieder der Stadtverordneten-Bersammtung betreffend. Bei der am 15. d. Mts. stattgefundenen Wahl von sechszehn 2005 „ 1988 1713 1696 1658 „ 1537 1526 1499 „ 1493 1466 1189 1187 1025 1024 „ 1004 mtf die Dauer von 6 Jahren 9 Jahren, Ord.-Nr. 11 bis 13 auf die Dauer Ord.-Nr. 14 bis 16 auf die Tauer von 3 Jahrei: gewählt. Es wird dies mit dem Anfüqen zur öffentlichen Kenntms gebracht, daß das Wahlprotokoll und die Abstimmungswte wahrend drei Tagen, nämlich Freitag den 18., Samstag ^ett 19. und Montag den 21. November, vormittags von 9—12 Uhr unv nachmittags von 2—5 Uhr, auf dem Bürgermeisterei-Bureau, Zimmer Nr. 15, zur Einsicht jedes Stimmberechtigten offenliegen und daß während dieser Frist Einwendungen gegen die Wahl und gegen die Gewählten, sowie gesetzlich zulässige Ablehnungen be: Meldung des Ausschlusses bei uns'vorgebracht werden fonnen. Gießen, den 17. November 1904. ... “ * Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Tiejbetrübt teile:: wir Freunden und Bekannten mit, daß unser lieber Sohn und Bruder Valentm heute in: Krankenhause zu Lauterbach nach langem, schwerem Leiden im Alter von 16 Jahren samt entschlafen i|t 06955 Familie Kejlor- Gießen (Kirchenplatz 11), den 16. November 190*. Aufforderung. Die Mitglieder der ZM- oft DurlehnsW zu Wkicheu Eingetr. Gen. mit unbeschr. Haftpfl. werden hiermit aufgefordert, ihre Konto- und Kontogegenbücher, sowie die Spareinlagen bis zum 1. Dezember mit dem neuen Rechner Kaspar Launspach V. in Ueber- einstimmung zu bringen. 06948 Für den Vorstand: Schomber, Direktor. Strickwolle (Marke M. & K.) in allen Farben und Qualitäten -u billigsten Preisen M Rockwolle.« J„ Fohr1, Tlüiiitiistrlisjt 25. stricken von Strümpsen, Röcken re. wird billigst besorgt — Auch flehen Multerröcke zun: Abstricken zur Verfügung. '«bi Wergeörmg von Aauaröeiten. Die bei den: Neubau eines Zellenflügels ZN Landes- znchthaus Marienschlotz (nächste Bahnstation Rockenberg- Griedel) vorkommenden Fundamentierungsarbeiten sollen unter Hinweis auf den Ministeriaterlaß vom 16. Juni 1893 durch öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Zur Vergebung kommen nachstehende Arbeiten, für die entweder getrennt nach den einzelnen Losen oder zusammen Anschlag erteilt werden kann. Los I: Erdarbeiter! rd. 5300 cbm Erde auszuheben und zu planieren. Los II: Maurerarbeiten 1800 cbm Fundament und Kellermauerwerk aus Bruchsteinen, 942 qm Isolierung mit Jsolierplatten, 320 qm Gudronanstrich der Kellermauern. Die Anaebotsunterlagen, sowie Zeichnungen und Bedingungen können bei uns eingesehen werden. Die Angebotsunterlagen werden gegen Erstattung der Selbstkolten abgegeben. Die Angebote sind verschlossen, postfrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin, dein die anbietenden Unternehmer beiwohnen können, emzureichen. Erössuungstermin: 17. Dezember 1904, vormittags 11 Uhr. Zuschlagsfrist: 6 Wochen. Friedberg, den 17. November 1904. Großh. Hochbauamt. Haag._________________B1T/n Wasser-Reinigungs- Apparate ——e D. R.-P. angem. hv18/r antom. wirkend Reinigung von Kesselspeisewasser sowie sonstiger gewerblicher , 1 Gebrauchswässer für Brauereien, Wäschereien, Papierfabriken. Garantie für Erzielung reinen, weichen, von Kesselsteinbildnern vollkommen befreiten Wassers. Glänzende Zeugnisse. Vorziigl. Referenzen. — Billige Preise. Kostenlose Wasseruntersuchung durch eigenes Laboratorium. Prospekte und Kostenanschläge gratis. Dampfkcsselfabrik vorm. Arthur Rodberg, A.-G. „ Darmstadt. — Vertreter gesucht. uederfinst voryanven. unv em Versiegen der Wasierzuleitung nicht zu befürchten. Weder General Stöffel noch ein andere? Mitglied des Stabes sei verwundet, die Zahl der Todesfälle an Krankheit gering. Die Kohlenvorräte reichten noch auf mehrere Monate. London, 18. Nov. Daily-Telegramm meldet aus Tschifu: Der Torpedojäger „Rastoropny" brachte e t n e Depeschen mit, der Kapitän sandte nur folgendes Telegramm an den Zaren: Tie Angriffe der Japaner sind überall abgeschlagen und keins der Hauptsorts ist genommen worden. Petersbura, 17. Nov. Der Nuss. Tel.-Ag. wird auS Mukden vom 15. Nov. gemeldet: Gerüchten zufolge beabsichtigen die Japaner am 19. November zum Vormarsch über* zugehen und das Z e n t r u m e r R u s s e n z u d u r ch b r e ch e n. — Der „Birshewija Wjcdomosii" wird aus dem russischen Haupt- anartiev tclesiravhiert: Tie Japaner ziehen große Streitkräfte nach der russischen Ostfront zusammen, von wo beunruhigende Nachrichten einlausen. Patrouillen melden, alle Pässe seien von! feindlichen Wachtposten besetzt. Tokio, 16. Nov. Tie Verhandlungen zwischen der i a p a n i s ch e n und der französischen Regierung über das Kohlen der baltischen Flotte in ftanzösischen Häfen nehmen ihren Fortgangs Man erwartet im japanischen Parlamente eine Erkläru.na über diesen Punkt. In einem anderen Telegramme vom 16. d. M. abends 6 Uhr heißt es, daß die iapanische Regierung sich nicht äußern werde, ehe die Verhandlungen abgeschlossen seien Ein Teil der Presse führt eine heftige Sprache gegenüber Frankreich, während die besser unterrichteten Japaner das Verhältnis Frankreichs als Verbündeter Rußlands in Betracht ziehen und Ruhe bewahren im vollen Vertrauen darauf, daß die baltische Flotte geschlagen werden wird. Shanghai, 16. Nov. ^Reuter.) Tie Aufständischen haben die kaiserlichen Truppen in Lintschufu in der Provinz .Kwangsi zurückgeschlagen und die fünf Hauptstädte der Provinz genommen. Tie Kaufleute und die Bankiers sind aus der Stadt geflüchtet. Der Vizekönig erhielt Befehl, nur seinen Posten .urückzukehren zwecks Unterdrückung des Aisistondes. Telephonischer Kursbericht. 37e% Reiohsanleihe . . 101.30 3 /., / do. ... 89.25 34/t% Konsole «... 101.30 3“/n do 89.40 SVg0/: Hessen .... 100.45 37,% ObArhesspn . . . —.— 4% Oesterr. Go’drente . 101.80 4*ß% Oesterr. Silhprrenfco 100 20 4% Un-rar. Ooldrento . . 100.10 4°/ Ifal en Rente . . . 104.10 4< 2% Portugieser , . . 63.20 SO/ Portugiesen. .... 62.55 1 % C. Türken . . . —.— Türk . . 128.00 4% ( i“) -An!. 48.00 4*/.,% ■ Argen tiner 44.80 Tendenz: 3% Mexikaner ... 31.10 47s"/-) Chinesen . . . 90.00 Electric. 8 oh ackert . . , 124.50 Nordd Lloyd . . . . 10940 Kreditnktien . • • • 210.90 Diskonto-Kommandii. . . 192.40 Darmstädter Bank . t , 141.50 Dresdener Bank . . , . 155.10 Berliner Handelsges. • . 162.60 Oesterr. 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