Nr. £19 Zweites Blatt. Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Kamilienbiätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «Helllicht Landwirt" erscheint monaUich einmal. 154. Jahrgang Samstag 1.7. September 1984 B M La R eL Ww Kl tOt JjL Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.f» MV Lei. Nr. bl. Letegr^Adr.: Anzeiger Gtetz«. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eießen. Politische Tagesschau. Die Rechnung für Ostasien. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt: Ter Etat für die ostasiatische Expedition wird diesmal aller Wahrsa-einltchkeit nach zu lebhaften Erörterungen im Reichstag Anlaß geben. Einer offiziösen Ankündigung zufolge liegt es in ix:r Absicht der Regierung, die bisher im „Extraordinärlum" des Etats bestriUereen Ausgaben für diese Expedition auf das „Ordiuarium" zu übernehmen. Tas fieht danach aus, als sei die Umwandlung einer vorläufigen Einrichtung in eine dauernde geplant, die ihren Abschluß, suchen würde durch Angliederung des Etats für die ostasiatische Expedition an den für Kiautschou. Gegen solche Aenderung erklärte sich im März d. I. .in der Budgetkommi-sschn Abg. Payer (südd. Vollsp.) als Korreferent auf das entschiedenste. Er bezeicchrete es als Mtwendigkeit, die deutschen Truppen aus der Provinz Tschili zurückzuziehen. Wünschenswert wäre das im Interesse der Reichs- finanz-en in der Tat, denn die Ausgaben für das ostasiatische Expeditionskorps .belaufen sich bereits auf 253 Millionen Mark, die jährlich neu aufzubringenden Zuschüsse auf ungefähr 14. Mill. Mark. Zudem belastet Ostasien den Pension s e t a t bereits jetzt mit fast 2 Millione n. Wenn die Besatzungsbrigade solange draußen bleibe:: solle, bis China die in sehr mä ßigen Raten zu tilgende Kriegsentschädigung an Deutschland voll gezahlt hat, dann ist nach Schätzung des Abg. Payer auf ein D e f i n i t i v u m von 500 Jahren zu rechnen. Nun hat ja der Reichstag seinem Verlangen nach sparsamer Wirtschaft in Ostasien und tunlichst baldiger Auflösung der Besatzungsbrigade durch Abstriche am betreffenden Etatstitel Ausdruck gegeben. .Aber Lüe durch den russisch-japanischen Krieg bewirkte Unsicherheit der zukünftigen Gestaltung der vst- aiiatischen Verhältnisse wird von der Regierung vermutlich zu Gunsten der Beibehaltung der Besatzungsbrigade geltend gemacht werden. Tenn man wird schwerlich nur aus rechnerischen Gründen die Uebertragung der Ausgaben auf das Ordinarium beab- sickstigen. . Deshalb ist anzunehmen, daß Graf Bülow diesmal nickst nur zu „Südwestafrika", sondern auch zu „Ostasien" beim Etat für die Expedition Has Wort ergreifen, urck) eine lebhafte Auseinandersetzung sich auschließen wird. * Zum Königsberger Hochverratsprozeß. N. Berlin, 16. September. Eine verspätete Rechtfertigung wird anscheinend aus dem preußischen Justizministerium der Einleitung des vielerörterten Königsberger Prozesses zuteil. Man erfahrt aus einer der „Dtsch. Juriftenztg." .zugehenden Darlegung, „von zuverlässiger Seite", den bisher nicht bekannter: Umstand: daß die Prüfung der Frage, ob Rußland gesetzlich Deutschland die Gegenseitigkeit, bei Zarenbeleidigungen uni) .Lochverratsdelikten verbürgt habe, im preußischen Justizministerium eingehend erfolgt ist. Zwischen den beiden beteiligten Regierungen habe Uebereinsttmmung darüber bestanden, daß für die in Rede stehenden L>traftaten die Gegenseitigkeit dem deutschen Volke verbürgt sei. Entgegengesetzt hat, line man weiß, und lvohl in Uebereinstimmung mit dem größten Teil der Oeffentlichkeit, das Königsberger Gericht entschieden, im Hinblick darauf, daß zur Zeit der Anklageerhebung noch kein ordnungsgemäß publiziertes Gesetz in Bezug auf die Gegenseitigkeit vorlag. .Das preußische Justizministerium hätte sich eben nicht mit der Auffassung der russischen Regierung und der Ueb.wsetzung des, russischen Strafgesetzbuches begnügen, sondern gleich die selbständigen und genauen Nachforschungen anstellen lollen, die im Laufe des Prozesses das Gericht anstellen ließ. ♦ ReichsstadtischeS. Aus Lübeck wird berichtet: „Ter Senat der Stadt Lübeck hat den Manövergästen Der alten Hansestadt am vergangenen Dienstag ein F e st mahl gegeben, an dem die Prinzen Heinrich, Friedrich Leopold und 'Albrecht von Preuße:^ die Groß Herzöge von Mecklenburg und Oldenburg. und andere 'Fürstlichkeiten teilnahmen. Der Abend nahm einen recht befriedigenden Verlauf; bei der Tafel wurde im Privatgespräch übei eine eigentümliche Korrespoichenz, die ihm vorangegangen ist, viel gelacht. Nachdem die Einladungen seitens der Geladenen bereits angenommen worden waren, bat sich das Berliner O ber hvfmar s ch a l l a m t die Tafel- ordnung zur Kenntnisimhme aus. Sie wurde ihm nicht vorenthalten. Aus 'dem Schrift stüa ging hervor, daß her präsidierende Bürgermeister Lübecks den Vorsitz an der Tafel führen sollte; _ auf die Fürstlichkeiten, denen nach höfischem Zeremoniell die ersten Plätze neben dem ersten Repräsentanten der Veranstalterin des Festmahls, der Stadt Lübeck, zukamen, sollten als weitere Gastgeber je ein Senator, daun die im Rang nächsthöchste Persönlichkeit, dann wieder ein Senator folgen usw. Das Obcr- hosmarsckMllamt nahm hieran Anstoß; zwar sand es an dem Vorsitz des Bürgermeisters nichts zu erinnern, doch wurde die Einordnung derSenatorenalsnicht dem Brauche gemü6 moniert und gemeinsame Plazierung der Fürstlichkeiten vor den Senatoren erbeten. Der Lübecker Senat hat hierauf zwar in höflicher Form, doch in der Sache sehr ^deutlich geantwortet, Last bei dem Arrangement einer von der Stadt Lübeck in Aussicht genommenen Veranstaltung die in Lübeck geltenden S itten und gesellschaftlichen Gebräuche für ihn maßgebend wären, und daß demnach auf den Wunsch des Oberhoftnarschallamts leider nicht eingegangen werden könne." Kolonialpost. — Die Untersuchung über die Ermordung des Händlers Reimers.. Aus Herbertshöhe, Mitte Juli, wird der „Weltkorc." geschrieben: Die Ursache des Mordes hat sich hier auch nicht völlig ermitteln lassen und nur soviel steht fest, daß die unglaubliche Verblendung des Händlers und seine grenzenloseUnvorsichtigkeitdie Hauptschuld an den beklagenswerten Vorgänge:: trägt. Man sagt, weil nickst genug Kopra eingebracht worden sei, wurde der So hi: ■beö Königs der Insel vor: den: Weißen verprügelt. Schon dies muß die Gemüter heftig erregt haben. Aber nickst genug damit, ließ der törichte Mann, unter Beiseitesetzung jeglidjer Schonung der heiligsten Gefühle dieser Ahnenverehrer, alte geheiligte Grüber öffnen, um sich in den Besitz des mit den große:: Toten begrabenen, alten wertvollen Schmuckes zu setzen. .So hat er selbst den Zunder in das Pulverfaß geworfen und die nachfolgende Explosion herbeigeführt. Ätzer will sich wundern, wenn sich nun die in ihren heiligsten Gefühlen gekränkten Naturlinder zur Wehr setzten, und muij landesüblicher Sitte Vergeltung übten, inden: sie den Frevler beseitigten? Der alte König gab bn j Signal zum llebersall der Station, und Rei n:ers Halle seine Torheit mit dem Leben zu bezahlen. Das Haus wurde ausgeraubt. Eine Panik brach nun unter den fteberhaft erregten Jnsularwr:: aus, u:rd traurig ist das Nackffpiel .Der betagte König starb noch am selben Tage an den Folgen inneren Aufruhrs, und seine Untertanen beschlossen eine Flnclst über See nach den benachbarten Inseln. Nach der zuverlässigen Angabe eines Hern: Hellwig, der sich dort erst :m vorigen Jahre eine zeiUang behufs Sammlung von Kuriositäten aufhielt, soll der Stamm etwa 500 Personen stark gewesen sein. 60 fand man noch auf der Insel. Die übrigen waren alle auf ihren gebrechlichen Kanus geflüchtet. 50 von ihnen erreichten Vuvulu, 16 Aua, die anderen alle kamen infolge schlechten Wetters elendiglich auf hoher See um. Die Zahl der Untergegangenen beträgt also etwa 370 Personen. Der Sohn des Königs soll den Schwertstoß gegen Reimers geführt haben. Tas Kaiserliche Gericht stellte nach Aufnahme des Berichteten das Verfahren jedoch ein. As sah sich zu einem Einschreiter: gegen die wenigen Ueberlebenden nicht veranlaßt. Die Hauptschuld trug, soweit das Resultat der Untersuchung in Be- trackst fam, der weiße Hä:ü>ler, und zudem wurde der Kern des Volkes in der Katastrophe auf See durch Naturkräfte vernichtet. Der geschädigten Firma ro-urire eine Anzahl Kokosnuß-Palmen zur Deckung des Verlustes überwiesen. Es ist kaum zu ermessen, welcher Schaden inneren jungen Kolonien in materieller uni) moralischer Hinsicht durch solck)e Vorkommnisse, hervorgerusen durch rücksichtsloses Vorgehen und Nimmersatte Habsucht, erwächst, und für welche oft den Unschuldigen die Strafe trifft. Kccr und Ilotte. — Das „Militärwochenblatt" meldet: Der kommandierende General des 3. Armeekorps, Generalleutnant v. Bülow, wurde zum General der Infanterie befördert. Generalleutnant v. Müller, Generaladjutant des Großherzogs von Baden, wurde der Charakter als General der Artillerie verliehen. Den Generalleutnants v. Moßner, Gouverneur von Straßburg i. Els., v. Hagenow, Gouverneur von Metz, Freiherr v. Maltzahn, Generaladjutant des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, wurde der Charakter als General der Kavallerie verliehen. — In Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche wurden mit Pension zur Disposition gestellt: die Generalleutnants v. Fü tter, Feldzeugmeister, unter Verleihung des Charakters als General der Infanterie, v. Sluytermann-Lange- weide, Kommandant von Altona, v. Holbach, Inspekteur der technischen Institute der Infanterie, v. Roftken, Generalmajor, Kommandant von Neu-Breisach, v. Holwede, Generalmajor z. D. in Kassel, wurde der Charakter als Generalleutnant, v. Steuben, Oberst z. D. in Brandenburg a. H., der Charakter als Generalmajor verliehen. Beuthen, 16. Sept. Der »Beuth. Grenzztg." zufolge wurde ein Soldat, der kürzlich im Beuthener Gerichtsgefängnis einen fliehenden Soldaten erschoß, zum Gefreiten befördert; außerdem erhielt er 100 Mk. Belohnung. Zur Kcöurt des ilalieuischen Thronerven. Nacconigi, 16. Sept. Der Präfekt des Palastes teilte die Niederkunft der Wnigin den Höfen und Hofhaltungen, der Königin-Mutter, den Prinzen und Prinzessinnen, den Großwürdenttägern des Staates, den Chefs des diplomatischen Korps beim Quirinal und dem Bürgermeister von Rom “mit Der Ministerpräsident gab die Nachricht den Präfekten und den übrigen Provinzialbehörden bekannt. Nacconigi, 16. Sept. Am Abend fand eine prächf- tige Illumination statt. Ein großartiger Fackelzug zog nach dem königlichen Schloß, wo die Menge dem tz>errscher- paare begeisterte Huldigungen darbrachte. Nom, 16. Sept. Infolge der Geburt eines Thronfolgers veranshaltcte die Bevölkerung hier wie im Lande Freudenkundgebungen. Die Straßen sind stark belebt. Von allen Häusern wehen Fahnen. Die Blätter veranstalten Exttaausgaben. In Nacconigi laufen andauernd Glück- wunschtelegramnre und Ergebenheitsadressen ein. Rom, 16. Sept. Die Nachirichst von der Geburt des Kronprinzen wurde noch nachsts nach dean Vatikan telephonisch übermtttelt, wo sie eine lebhafte Beivegung hervorrief. ©5 wird im Vatikan dankbar begrüßt, daß der Kronprinz den Titel „Prinz von Piemortt" führen wird und nicht Prinz von Nom. Dadurch sind gewisse Verdächtigungen beseittgt worden. Man hofft in vatikanischen Kreisen, daß der Titel Prinz von Piemont für den Kronprinzen von Italien endgilttg adoptiert wird, Me in England der Titel eines Prinzen von Wales. Der Papst hat den Erzbischof von Turin telegraphisch angewiesen, sich zur Vollziehung der Taufe nach Schloß Nacconigi zu begeben. — Die Tairse des Thronfolgers silwey statt, sobald sich die Königin außer Bett befindet. Gestern mittag soll die Königm einen Brief der Königin von Rumänien erhalten haben, der in einem sinnigen Gedicht die Geburt 'eures Thronerbe:: wünscht. Nom, 16. Sept. Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Giolitti urid des Justiznnnisters Ronchetti hat der König eine Amnestie für nicyt absichtlich begangene Vergehen, für Preßvergehen, für Desertion der Seeleute der Handelsmarine, alle lleberttetungen und für in der Kolonie Ery- träa vor den: 1. Januar 1897 begangene Verbrechen erlassen. Diese Amnestie soll auch auf militärische und finanzielle Vergehen ausgedehnt werden. —. Der König teilte ferner den: Ministerpräsidenten telegraphisch mit, er speiede ei ne Million Lire zu gunsten der Altersversorgung der Arbeiter. In der Stadt h«errscht heute abend festliches Treibe::. Ji: den Haichtstraßen drängt jich dü Menge. Die öffonttichen Gebärde und zahlreick-e Privatgebäude Haden illlrminierl. Die Piazza Colonna iixir heute abend von einer gewaltigen Menschenmenge besetzt. Die städtische Musikkapelle innjjte wiederholt unter ent hu siasttschen Ku:tt>gebu::gen der Aterrge die Königshhnu:e jpulen, ebenso auch inmitten stürmischer Beifallski:nd- gebungen die Garibaldihymne itjni) die montenegrinische Hymne. Nach Beendigung der Musikvorträge begad sich der Zug mit mehr als 3000 Personen mit Fahnen mich den: Kapitol, lvo cü: Bürger über das freudige Ereignis sprach und stürnllfchen Bcäsall sand. Berlin, 16. Sept. Die „Norddeutsche" schreibt zur Geburt des ttaliel:i.sthcm Tipwafolgers: Mit her.ui dun: Am teilnahme wird man in Deutschland die Kunde von dem füÄ das Herrscherhaus Savoyen und für das dem Deutschen Reiche befreundete und verbündete Königreich Italien hoch ersteulichen Ereignis begrüßen. Möge die Geburt eines! direkten Thronerben der Dynastie Savoyen und dem ttalie- Nischen Volke neues Glück bringen! Möge der junge Prinz dereinst dem Vorbilde der edlen Vorfahren nachstreber^, dessen Namen er trägt, zum H»eil und Segen der Nation^, die gleich dem deutschen Volke sich binnen einer kurzen; Frist von Jahren aus Zerrissenheit und Ohnmac^ zu unbestrittener Großmachtstellung emporringen konnte. Berlin, 16. Sept. Die italienische Botschift war heute vormittag das Ziel zahlreicher Ueberüringer von Glückwünschen, in den ttalienischen Restaurants wurden Triwö- sprüche ausgebrachit, und selbst die kleinen Gipssiguren- Händler schienen chr rümmerliches Dasein vergessen zu haben und lachten über das ganze Gesicht. Sicherlich, so schreibt u. a. die „Nat.-Ztg." wird idieses Ereignis auch zur Stärkung des monarchrschen Prinzips in Italien bei- tragen. ---- ------- ......A Die ßrntnnung des Kryeimrals KaMy zum tzyrenbürger der Stadt Kießm. Gießen, den 17. September 1904. Die Stadtverordneten versammelten sich gestern abend mit dem Oberbürgermeister und den Beigeordneten vollzählig zu einer öffentlichen Sitzung, um die Ernennung Prof. Dr. Gaffkys zum Ehrenbürger unserer Stadt feierlich zu begehen. Als ein ganz besonderes Ereignis war es zu begrüßen, daß zu diesem Anlaß auch der Ehrenbürger Gießens, Se. Exzellenz Finanzmüuster Dr. Gnauth sich eingefunden hatte, der im Sitzungssaal die Anwesenden vielfach als alte Bekannte begrüßte un) herzlich wuderbegrüßt wurde. Um 7 Uhr betrat Bros. Gaffky, geleitet vom Beig. Georgi und Stadto. Dr. Gutfleisch den Saal und nahm am T:sch des Oberbürgermeisters und der Beigeordneten Platz, wo auch der Fmanz- Minister Gnauth saß. Beigeordneter Georgi richtete ungefähr folgende An» spräche an den neuen Ehrenbürger: Hochverehrter Herr Geyeimrat! Als uns hier in Gießen die Nachricht von Ihrer Berufung nach Berlin wurde, wurden wir von zwei sich gegenüber stehenden Gefühlen bemegt Einmal sagte man such, man müsse freilich freudig bewegt sein, daß Ihre Wissenschaft und große Forschung zu dieser Ihrer Berums in so hohe Stellung, zu so großer, hoher Würde Veranlassung gegeben haben. Zum andern war es, nan:eMlich uns von der Stadw.-Bersanunlnng das ungemeine Bedauern, einen Mann verlieren zu müssen, der so Großes für uns geleisttt hat. .Nmü nur der Universitär, Ihrer Wissenschaft, haben S:e Ihre große Arbeitskraft gewidmet, sondern auch der Stadt sind Sie in allen ihren Angelegenheiten ein guter Berater gewesen, der sein reiches Wissen stets in den Dienst der Allgemeinheit stellte. . Dafür nehmen Sie unseren Tank, reckst großen Dank! Tie Stadtverordneten haben geglaubt, Ihre Verdienste Ihnen mit dem Größten, der höchsten Würde, die sie zu vergeben haben, lohnen zu dürfen. Die Stadtverordnetenversanmv, lung hat in der gestrigen Sitzung beschlossen, Sie zum Ehrenbürger der Stadt Gießen zu ernennen. Ich überreiche Ihnen darum heute ein vorbereitendes Diplom; ein mweres wird demnächst folgen. (Sich zu Exz. Gnauth 'wendend): Gestatten auch Sie Exzellenz, unser hochverehrter ftüherer Herr Oberbürgermeister, daß id? mit wenigen Wollen der großen Freude der Stadwerordneten darüber Ausdruck verleihe, daß Sie heute hierhergekommen sind. Sie haben zu Ihrer Zeit unseren neuen Ehrenbürger schon erkannt, und den besonderen Wunsch ausgesprochen, Herrn Geheimrat Gaffkl) für die Wirksomkell in der städtischen Körperschaft zu gewinnen. .Die Burger sind diesem Vorschlag gefolgt uni) haben Herrn Geheimrat Gaffky zum Stadtverordneten gewühlt. Die Bürgerschaft wird es dankbar begrüßen, daß ihr ftüherer Oberbürgeru:eister hierher gekommen ist, und von neuem sein großes Interesse für Gieße:: kunLx;egeben hat, in der bedeutungsvollen Sack-e, ine uns heute hier zusammengefühll hat. Geheimrat Dr. Gaffky erwidette mit bewegten Wollen: Hock-verehller Herr Beigeordneter! ~ Durch den Beschluß der Stadwerordneten-Verfamnllnng, den Sie mir mit so fteundlicken Worten mitteilten, fühle ich mich in einem Maße geehll, daß ich mich vergeblich bemühe, Wolle zu smden, die das ausdrücken, was mich bewegt. Seien Sie alle, die Sie mitgennrft haben an _ den: für mich so ehrenvollen Be- ckluß, überzeugt, daß ich diese Stmwe nie vergessen werde. Sie wird mich auftichten unt> erheben auch in rrüben Stunden, die in meinem neuen Amte ja wohl auch an mich herantreten werden. Jeden: einzelnen von Jhi:en sage ich Dank, lwn Herzen kommenden Dank. .Freilich Tm: ich mir bewußt, daß das, was ich tun konnte, eine so hohe Anerkennung nickst beanspruchen dakf. Sie haben eben den guten Willen für die Zot genommen. Ich fühle mich schon reichlich belohnt durch die Belehnungen und Erfahrungen, die ich in Ihrem Kreffe etllgegennehmen durfte, spezilll in den Sitzungen der Bcurdeputation, derer: Ausgaben meutern Fach nahe (tauben. .So habe ich mich heimisch uni» glücklich unter Ihnen gefühlt, und daß ich biCv konnte, schreibe ich der Befolgung eines guten und klugen Rates zu, den hü unserem früheren Oberbürgermeister, Exzellenz Gnauly, verdanke. (Sich an diesen, der nebenan saß, wendend): Ich iveiß nickst, ob Sie sich dessen noch erinnern, daß Sie einmal gesagt haben: Wenn ein Stadtverordneter seine Pflicht gut erfüllen rvill, so muß er an allen Arbeiten, die Stadtverordnetenkollegium beschäftigt, mit vollem Interesse tcilnelMen, illch: nur au solchen, za: ix neu er ich besonders hizogen fiilstt. Allen, auch den kleinen Dingen, oll sein Interesse sich znnxnde::, als lväre es eine gwfcc Sache. Ter Befolgung dieses "Rates verdanke ich es, daß ich mich nicht als Angehiiriger der Universität, als ftemdcr Z-ackchygienikcr, unter ihnen fühlte, solchen: als Ihr treuer Kollege unter Ihnen weilte. Ich habe geglaubt, Deute abend Abschied von Jhneir nehmen zu mässen; — Sie haben mich aber d::rch ein neues, unzerreißbares Band int Ihre Mitte gefesselt. Seien Sie überzeugt, daß ich meine Treue Zonen bewahren werde, jnib behalten auch Sie mir ein ftenndli^ns Gedenken! Ich danke Ihnen ruxtstnals für diese Ehrung! Oberbürgermcister M e c u m inchn: darauf noch einmal das Wort. . Wir sind, so führte er aats, Herrn Geheimrat Gaffkv dankbar dafür, daß er uns nxürbig hielt, diese Ehrung von uns anzunehmen. Wenn auch der Raum uns scheiden wird, so stelst Herr Geheimrat ^strssky uns dock> auch ferner nahe; er tvird uns, wenn wir ibn bitten, nach wie vor feinen guten Rat erteilen. Bersin eben habe ich von ihm schon entgtgennebmen dürfen. .Obe rbgin Mecum prach auch Exzellenz Gnauth Worte des Tankes ans für sein Erscheine::, daü jür die Stadt ebenso Bei der heute rourbe der seit- cfwa 1200 Mk., Norddeutsche Gesellschaft etwa zusammen 261 427 Mk. Gewiß sind daö Hohe welche die VcrsicherlmqS-Gesellschaftcn zahlen Gesellschaft 1200 Mk., Summen, müssen, allein man muh aber auch bedenken, das; im ganzen 87 Wohn- und Ockonomiegebäudc abgebrannt sind und daß nur wenig gerettet werden konnte. sind 23 210 Kurgäste angekommen , nanntem Tuge noch 2330 anwesend waren, wurden bt5 zum 15. September abgegeben. L Nieder-Bessingen, 16. Sept. rvovon an ge- 320 364 Bäder Landwirtschaft. — Tcm Generolvcrband ländli cher Genosfen- .sckasten für Deutschland zu Neuwied sind im Juli in den Atrölf BerbandSl'ezirkcn insgesamt 25 Genossensckvftcn bcigetrcten, 15 Svar und DarlchnSkassenverrine und 10 BetriebSgenossen- sclrasten. Im laufenden Jahre sind bis Ende Juli beige treten: 214 Spar und Darlelmskassen-Vereine und 65 Betriebsgenossen- sclvften. zusammen also 279 Genossenschaften. Der Bestand he* trug Ende Juli 1904: 3909 Spar und Darlehnssafsen-Vereine und 550 BetriebSg-nossenschaften, zusammen 4459 Genossenschaften Von den 3909 Spar- und DarlehnskossenVereinen sind 3832 der Landwirssck..f licken Zentral-Darlelmslasie für Deutsch- lcnrd zu Nemvicb als Aktionäre angoscklofscn und haben sich bei ihr mit 8438 9fT.ini beteiligt, woraus 8 393 250 Mk. eingezahlt sind. Der Umsatz der Abteilung GeldPerkchr der Zentral-Dar- lelmskwse betrug im Monat Juli 1904 bei der Zentrale 16 168 000 Marl, bei den zwölf Filialen 24 719 000 Mark, zusammen also 41 187 000: der Jalwesnmschlag für die gleiche Seit betrug bei der Zentrale 125198 000 Ml., bei den Filialen 190 222 000 Mark, -Wammen also 315 420 000 Marl. Die Umsätze der Abteilung Waren verkehr waren im Monat Juli 1904 bei der Zentrale 38 000 Ml. bei den Filialen 2 713 000 M., :nlammen also 2 751 000 Ml. im laufenden Jahre bis Ende Juli 699 000 Marl bei der Zentrale, 30 466 000 Ml. bei den Filialen, zusammen also 31165 000. Die Umsätze der für die BetrirWgrnaffen 1 cfwrftcn in den rwölf Derbandsbezirlen bestehenden Land und Prrvinzialgenc-sienschastslassen betrugen hn Juli 1904 9 516 000 Marl, im laufenden Jahre bis dabin 63 690 000 Mark. ÄrKeiieröewtflunq. Rom. 16. Sept. Nack hier eingetroffenen Meldungen fibft die Ausstandsbewegung herrscht in Wernta der G e n e r a l str e ik. Unrubcn kamen nicht vor. In Mailand wurden auf dem Platze vor der Kathedrale Himbaetnmaen veranstaltet. Zahlreiche Demonstranten drangen in das Restaurant Casanova ein und erstachen den sich dort aushaltenden Arzt Ventola. Andere bedeutendere Zwischenfälle ereigneten sich nicht. „Wie magnetisiere ich mich selbst“ und AndereHinweisende Gratis-Schrift auf Grund ^enthüllten Geheimnisse des Magnetismus versendet Men K Menn^Ruckmarke Lvlar Tittmar S Institut, Leipzig Sovhienttraüe 15. ALS Stadt und Land. Gießen, den 17. September 1904. — TLeaterverein. Man schreibt unS: In der Geueral- Versammlung am 15. d. M. erstatteten werft der Vorsitzende und der Rechner den Bericht über baS abgelaufene VereinSfabr. Das Darvermögen des BeremS bat auch im letzten Jahre eine Zunahme erfahren und beträgt jetzt Mk. 8370.87. Dazu kommt ein grober Bestand an Dekorationen, zu dessen Vermehrung im vorigen Winter bedeutende Mittel bereitgestellt wurden. Da4 vom Verein längst und feit Juli 1903 energisch erstrebte Ziel eineS Theater- NeubaueS ist leider noch nicht erreicht, aber der gegenwärtige Stand der Sache berechtigt doch zu der Hoffnung, daß sie in Kurze einem günstigen Ende entgegengefübrt wird. Vor- IJung bat der Theaterverein 1000 Mk. au den Kosten der Projekt- bearbeihmq beigeiteuerr. Die Zahl der Mitglieder betrug 310, von denen 25 kein Abonnement entnahmen, während ron den übrigen 285 hn Ganzen 460 Plätze in den Vereinsvorstellungen abonniert mürben/ Die Mitglieder machten von den Kergfmftigungen, die ihnen durch den mit der Direktion Steingötter abgeschlossenen Vertrag in deren Darstellungen zustehen, regen Gebrauch. Um nichts au verabsäumen, was zur Beruhigung der Theaterbesucher und zu ihrem Schutz vor Gefahr dienen kann, ha: der 53erem air seine Kosten eine Anzahl von Arbeiten auS- führen lasten, von denen namentlich ein NotauSgang auf der !mken Seite des Barkels genannt §u werden verdient. Durch ihn kann im Falle einer Gefahr ein großer Teil des Publikums in wenigen Augenblicken in den anstoßenden Garten der verren Gebr. Friedberger gelangen. Mit Einfchluß der bereits beftanbeuen beiden Ausgänge nach dem Hole )auf der rechten Seite des ParketS) stehen also letzt drei AuSgänge direkt inS Freie zur Verfügung. Nimmt man hierzu noch die beiden Ausgänge durch die Garderobe und über die Gallenerrevpe, so erscheint unser alteS Theater, was die Sicherheit des Publikums betrifft, als geradezu ideal. — Der Verein verhandelt gegenwärtig mit mehreren hochbedeutenden Bühnengrößen, um sie zu einem Gastspiel in der kommenden Saison zu oerpSiebten. Don mehreren, u. a. von Frl. T r i e s ch-Berlm und Ftt. Lenta Drs-Hamburg find bereit» Zusagen erfolgt (*) Klein-Linden, 16. Sept. Bei der Obstver- fteigerung unserer Gemeinde wurden trotz des großen Angebots jchäne Preise erzielt, so daß die Gemeinde wiederum eme berrLchtliche Einnahme zu verzeichnen hat. Tie Obstanlagen, welche erst vor 1b—20 Jahren angepflanzt wurden, sind schon jetzt für die Gemeinde eine bedeutende Einnahmc- cmelle geworden. s. Klein-Linden, 16. Sept. Heute wurde die Wirtschaft zum BernhardtShänser Hof (Besitzer Bauunter, nehmer Heinrich Bernhardt) an einen Herrn auS der Rhem- oromnz für 40 000 Mk. ohne Inventar verkauft. w. Bad-Nauheim, 16.Sept. Bis zum 15. September Juwelen, Gold, Silber sowie versilberte Waren, Silberne und goldene Taschenuhren empfiehlt in reichster und modernster Auswahl vom feinsten bis zum einfachsten Genre Juwelier BrÜCk, Kreuzplatz 8. Juwelen, altes Gold und Silber, äusser Cours gesetzte Münzen werden in Zahlung genommen sowie auch zu den höchsten Preisen angekauft. «ms Darmstädter Möbelfabrik. Großh. Heff. Hof-Möbellieferanten Darmstadt. Bedeutendstes Einrichtungshaus Mitteldeutschlands. — 200 Zimmcrcinrichtnngctt stets lieferfertig vorrätig. — Man verlange Preislisten und Abbildungen. *>' * iiunmtg gewählt. w. Wetzlar, 16. Sept. Infolge des guten Obstjahres tft der Obst- und Gartenbauoer ein für den Kreis in der Lage, in der nächsten Zeit die Obst- und Gartenbau- Ausstellung m Aßlar abzuhalten. Der Zettpunkt ist von dem Komitee auf den L, 2. und 3. Oktober festgesetzt worden. -oh. Herborn, 16. Sept. Bei bat stattaehabten Brandschäden sind die Versicherungsgesellschaften mit nachstehenden Summen beteiligt: Nassauische Brandkas erster Brand 108 000 Mk., zweiter Brand 117 000 Mk., ElberfelderFeuer-VersichecrmgS-Gesellschaft 9500 Mk., Magdeburger Feuer-DerficherungS-Gesellschaft 4692 Mk., Bayerische Hypotheken- und Wechselbank 4523 Mk., Londoner .Phönix* 4000 Mk., Deutscher ,Phümr* 3612 Mk., Berlinische Gesell - 'chast 1500 Mk., Westdeutsche' Gesellschaft 1200 Mk., Gothaer Gemeinschaft eine Ausdehnung euch aus die übrigen Fabriken, die Anilin fabrizieren, sich erstrecken dürfte, lieber die finanzielle Seite der tmmcrljin bedeutenden Angelegenheit verlautet noch nichts. Eie ktr i z i t ä t S - A k t. - G e s. v o rrn. L-chn ckert nrrd E o., Nürnberg. Es heißt, daß nach den UeberfcMffen deS Geschäftsjahres eine mäüiige Dividende nicht als ausgeschlossen zu betrnditen sei. Indes ist es noch offene Fracke, ob die Verwaltung sich nickt doch entschliesst, die Gewinnüberschüsse zu besonderen Abschreckungen zu verwenden. Aus alle Fälle werden die Aktion iifirc auf die Bilanz sehr gespannt sein. Wer ftdi erinnert, wie die Bilanzen der letzten drei Geschäftsjahre aussahen. den plagt die Neugierde nach bem zifferm"ästigen Ergebnis 1903/04. Märkte. Glcßcit, 17. Sept. Marktbericht. ?luf betltigem Mocbemnarkt kosteten: Butter vr. Pfd. 1.00—1.15 Mk., Hntmereier 1 Ct. 7—0 Big. 2 Stck. 15—OO Vfg.. l^änseeier 00—00Psa., Euteneier 7—0 Psg., Käse vr. Stek. 6—8 Pf., Käsematte 2Stck. 5-6 Pfg. Erbsen vr.Liter 21 Pfg., Linsen vr. Liter 32 Pfg., Tauben vr. PaarO,8O — O,9OMk., Hühner pr.St. I,OO—1,60 Mk., vä'bne pr. Stück 0,60—1,20 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Aik,, lfzänse ur. Pfd.OO—70Pfg., Ochsensteisch vr. Pfund 00—80 Pfg., Kub- und Rindfleisch vr. Psund 62—68 Pfg., Schweine- fleisck pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—76 Pfg., Hammelfleisch pr. Pstmd 50—74 unerläßlich bezeichnet. — soviel ist sicher, daß Mincn und Gegenminen gelegt werden, bis die F-rage einmal zur endgiltigen Entscheidung gebracht ist. Unter anderem besteht seit dem 27 August, dem ersten Entscheidungstag, ein Konsortium, baS bis zu 15. Mill. Mark öibcrniaattien aufzubttngen sich vornahm. Dem Konsortium gehören cm die Berliner Handelsgeü'llschast, das Bankhaus Meickwöder, die Deutsche Bank, die Dis-kontogcsellschast unt> hc Tarrnfkibter Bank, ftmne alS 6. Mitgli.'d das Rl;-misch-We,ttalische Kohlenspudikat. Farbwerke vorrn M e i st er L n c i u s und Brüning. In suchen ber Jntercsiengemeinschnst der Höchster Farbwerke und der Anilinfabrik Leopold Caflella u. Ev^ wird mitgetcilt, daß die Fi-rma Eassella die Tronu einer Gerellstbatt mit beschrankter Haftung erhalten soll und daß von leber der beiden Unternehmungen mehrere Mitglieder in der Verwaltung der aickeren ehrtreten werden. Berliner Blätter wollen auch wissen, daß bie etavnntfl fei xxxt für Ne Burxp-r. Der Herr FinanLuniiifter b<ü>e durch fein Hiersein befunbet daß bie Bimde, die ihn als Ehren- btayrr -i>7eu WirkuniiSkreiS knüpften Er forderte die Anwesenden auf. bem früheren Herrn Oberbürgermeister ihren Dank durck Erbeln von den Sitzen Ausdruck zu geben, wliS geschah. Dann teilte Obrrtxrm. Mecum noch mit daß man sich mm mehl' zum r Dr. Breidert sprach feine Freude auS büer den snschen. freien Zng rnnrrfelli brr städtsschen Behörde imb bc- Trntfc gute Einvernehmen ber ReaienmgslvbArde und her Stadt. Auch bie kommenden Stodtratswablen wurden bcnlurt vcm Jnstizrat Dr. Gutfleifch. welcher den Dimsck oussprach, daß au- den Dahlen tücktige Männer a'.S Okwäblte beiDorgebm möchten. Stadtv. Kirck berührte die häuslichen Verhältnisse dcS Scheid-lchen und gvbaebte ber heuen Pflegerin, ber Tante Prof. Dr. GasskvS. Ibr wurde, wie wir hören, heute morgen ein schönes Blumenbukett überreicht. Möge die Feier dem scheidenden neuen Ehrenbürger unserer Stade berpen-m, daß fein Gehen eine Lücke bedeutet, bie von allen Gießenern empfunden Nnrd. Ta» Alkaloid des Tabaks, das Nikotin, ist, wie mau weiß, eines der stärkslen Gifte imb übertrifft in dieser Hinncht noch da§ Koffein. Dennoch ist bekanntlich eine gute Taffe Wotta und eine feine Zigarre ober Zigarette em Hochgenuß, dem wohl selten jemanb, zumal nach der Mahlzeit obn: bei geistiger Arbeit ganz entsagen mochte. Tiefer scheinbare Widerforuch liegt teils in der Form des im Rauche sich mit verflüchtigenden, also nur zum Teil m den Körver gelangenden NckotinS, teils in den kleinen, von längeren Pausen unterbrochenen Dosen, in welchen es der mafc- node Raucher zu sich nimmt Wie man vom Kaffee gesagt hat, er \n ein langsame- Gift, mfolgedeffen man es nicht über 80 Jahre bringe, fo sieht man auch sehr viele alte Leute, die ihr Leben lan-i ^retmbe einer guten Zigarre waren und sich habet, abgesehen von ben naturgemäßen Beschwerden der Greisenjahre, lehr wohl bchnbeu. 2a$ Angenehme, Anregende für das Denken, für die Verdauuna, ja fefbft da- leicht des infizierende für cariojc Zähne — das sind allgemein anerkannte Dorzüne der Zigarre. fang* man nicht -hrieben, leidenschaftlich oder un raucht, wird mai stets nur bie guten Setten dieses ‘xrtm.frtffen aCkr f^fmifenuii' «'imen lernen. Aber das Uebermnß macht uns mich mit ber Kehrseite her Mebcnlle bekannt nämlid) mit den o - - - 's-^rfchenumgen her chronischen Nikottn-Vergifnnig oöer b** u 5- ’iimui. r tM..G Uu • wn lendemain-* ooer: .Nach )tixm «Belage Via c« Raymammet". Dies eriahrl schon der jugeuöLid)e Raucher •) Wendt'S Zigarien-Fabriken A.-G., Bremen. "INI kiiu'i jjhii' uuiy im» wi v*)'»....... Berliner Universität entnehmen, gelang eS dem bekannten Ehemikcr, absolut unschädlich ist. , ... SaN So segenbringend nun das Werk Gerolds, die Bänbigung deö gefährlichsten Feindes ber Raucher', auch war und ist, o biteben bekanntlich die Wirkunaen her giftigen Verbr^tmings-Gase si.r bett sensitiven ^gurfjer immerhin noch unliebsame Begleit ( rfchemmigen. Hier nuiütc auch die Wissenschaft vorerst Halt machen, vuc wir nun einer Vtitteilung auf dem pharmacentischen 3nlhtut öci nach den ersten Versuchen infolge ganz afirter Einwirkung be5 Alkaloids. Doch diese Symptome (Erbrechen, .Kopsschmerz, MuSkel- zitteni, Angstgefühls gehen durch Gewöhniing allmählich zuruck, um viel fchlimmeren Platz zu machen, zumal wenn nt viele und zu geringe (also ntkotinreickeres Zigarren bei leerem Magen geraucht werden wenn man den Rauch ober nikotinhaltigen Speichel schluckt. Tann entftehen hie Symptome bes chronischen NikotiniSmuS: HerzbefcHwerben, Hals- imb Bronchialkatarrh, Schwmbel, MuSkel- schwäche, besonberS aber Arterien-Verkalkung rc. Erst bem Geheimrat Professor Dr. Gerolh xu Halle a. b. Saale gelang es nach vielen Versuchen, bem Nikotin seine giftige Eigenfchaft burch Neutralisierung (Bmdimg) zu nehmen, ohne dock dem Tabak das für ihn als Genußmittel unentbehrliche Alkaloid ni entaieheiL Bei hem Gerold'schen Verfahren wirb her Tabak nämlich vor ber Bearbeitung so präpariert, haß baS chemisch gebundene Nikotin, unter gleichzeitiger Einwirkung der antibottsch wirkenden Pravarat^nsstoffe, im Verbrennungsprozeß physiologisch Herrn Universitäts-Proseffor Dr. H. ThomS in Berlm, nach vielen Versuchen endlich ein Versahren zu finden, auch diese schädlichen Stoffe deS Tabakrauches zu beseitigen, ohne dem Tabak das ge* schäme Aroma und den angenehmen Geschmack zu nehmen. Es wird dieses mittels einer patentierten Methode durch Nmichfiltration erreicht, indem die Giitstoffe in der Cckutz-Vorrichtung znrückgehalten werden'. Ter so entgiftete, in den Mimd gelangende Rauch behalt aber sei« volles Aroma und die hiernach hergestellten Zigarren haben insolgedeffen einen milden, habet lieblich anregenden ©c- In Anbetracht der Tatsache, daß eS sich hier nicht um bic Vermeidung ber schädlichen Wirkung deS Nikotins und seiner ^palt- probithe, der Pyridinbasen, sondeni auch um Absorption von dem unangenehm riechenden ätherischen Brenzöl, von SchweselwasieritoN. Ammoniak, Blausäure rc. handelt, muffen Wcndt's Patent-Ziaai'r'en. welche jetzt «ach der vereinigten Gerold-Thoms Methode berg eitel werde«, z. Z. als die gesimbheitsdieiilichsten aller hnaieni(d)c« ßinarre« bezeichnet werden. ES mag hinzngefügt werden, oav Proiessor Dr. G. v. Lagerheim im Laboratorium der llmucrfttat Stockholm die Tlwmas'sche und Gcrold'scke Erfindung em er eck- gehenden Nachprüsung «ntei-zoge« hat nnh bestätigt, daß die gestellte dlufgabe in vorzüglichster Weise gelöst ist. SaiiltatS-Rat ur. 4. 7424 Die Beerdigung findet Montag den 19. d. nachmittags 3 Uhr, statt. nach langem, mit großer heute morgen um 5 Uhr geb. Der« Geduld ertragenem Leiden im Alter von 41 Jahren zu sich zu rufen. Lang-Göns, den 17^ September 1904» Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere gute Gattin, Mutter, Tochter, Schwester, Schwiegertochter und Schwägerin Fr« Marie Velten Um fülle Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. ■•■■■ ■ W. M 'M ■ ■ >/T. MM^MMW^WWW^^^W M 1 ■ r^-B * rj । /*] । m ■ ■ -1 I^WWWWWWWWWW^W i* |mS|^K9 M HH ■< WMWWWWMWj^DWLWWWWDMWWWW^M ■c^S Teilnahme bei unserem ie trauernde« . September 1904. Für die zahlreichen Beweise Verluste sagen wir innigen Dank. aufgehoben. B1TA ningen, Angeklagten WstverKauf Gießen, am 15. Sept. 1904. Großherzogliches Amtsgericht. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Dachdeckers Heinrich Schwall IV in Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch W-BerAeiMW. Donnerstag den 22. September, vormittags 10 Uhr, sollen die Aepfel, bestehend in Tafel- und Wirtschastsobst, sonne die Zwetschen auf dem Forsthans Baumgarten meistbietend versteigert werden. Forsthaus Baumgarten, 16. September 1904. Schlag, Förster. [7377 W-VerKeiMU Donnerstag den 22. d. Mts. soll das hiesige Gemeindeobst versteigert werden. Der Anfang ist vormittags 9 Uhr am wesllichen Ausgang des Dorfes. Fellingshausen, 15. Sept. 1904. ' Der Bürgermeister: Wagner. [7362 W-Kerftcheimg. Dienstag den 20. September d. I., vormittags von 9 Uhr an, soll das Gemeindeobst Reiskirchen, bestehend in großen Quantitäten Aepfeln, feinstes Tafel- und Kelterobst, und Zwetschen meistbietend versteigert werden. Reiskirchen, 16. Sept. 1904. Gr.Bürgermeisterei Reiskirchen. Wagner. 7398 Mobilien- Versteigerung. Montag de« 19. September, nachmittags 2 Uhr anfangend, versteigere ich in dem Hause Seltersweg 79 (Kaisergarteu) den Rest der Mobilien des verstorbenen Rerttners Ehr. Busch, bestehend in: Bette«, Sofas, Schränke«, Tische«, ITafelklavier, 2 alte Oese«,, 1 Stndeutenpult, 1 Waschtisch u. s. w. 7383 I. A.: Schneider. WLtchijemz. Dienstag den 20. September L I., nachmittags 1 Uhr, soll das hiesige Gemeindeobst, bestehend in einer großen Partie gutem Tafel- und Kelter - Obst, versteigert werden. Hausen, am 16. Sept. 1904. Großherzogl. Bürgermeisterei. Müller. 7395 WcrPmMMsche L des Kaufmanns Jerd. Heß in Grüningen, 2. des Lehrers Martin Junc in Erzhausen, Privattläger gegen den Großh. Bürgermeister Wilhelm Gllbert III. in Grlb Mobilien- Versteigerung. Dienstag de« 20. September, nachmittags 2H, Uhr, versteigere ich im Bieker'schen Saale, 9ieustadt 55 dahier, nach- veczerchnele Gegenstände, Bern- kows, Soias, Nachtschränke, Bettstellen, Spiegel, Küchenschränke und Stühle, Gas läster (ein» und dreiarmig, für Wirtschaften), Milchglocken, Gas- und Wasser- lettungseinrichtungen, 1 Weingestell. 7399 Schneider, Gerichtstaxator. Großherzoglichen Landgerich. F. d. A.: Raab, Rechtsanwalt. I Dienstag den 20. d. Mts. soll das Rodheimer Gemeinde- Obst, ca. 300 Ctr. meist gutes Tafelobst, meistbietend versteigert werden. Anfang morg. 9 Uhr am Himmelbacherweg. Das Obst am Grenzweg nach Kinzenbach wird am Himmelbacherweg mit versteigert. Rodheim a. d.B., 17.Sept.1904 Der Bürgernkeister: D17/, B e cht o l d. Mittwoch den 21. d. SB, von mittags 1 Uhr ab, fin: der hiesige Gemeindeobstverkc statt. Der Anfang begil punkt 1 Uhr an der Stra nach Niederwalgern. d1 Fronhausen, 14. Sept. 190 Der Büvgermeister. H. Gerhardt. wegen Beleidigung, hat die Strafkammer des Großh Landgerichts zu Gießen av 8. Juni 1904 für Recht erkann Das Urteil Gr. Schäffer gerichts Lich vom 24. Februc 1904 wird auf die Berufun der Privattläger iusowett ab geändert, daß a) der Angeklagte Wil Helm Gilbert 111., Groß Bürgermeister in Grüningr nunmehr für schuldig eracht' wird: 2) der in der Sommer'schä Wirtschaft zu Watzenborn ve- übten öffentlichen Beleid- gung des Privattlägers Mar i Fung und deshalb in eine r Uneinbringlichkeitsfalle mit > Tagen Gefängnis zu vel- büßende Geldstrafe do fünfnndzwanzig Mark vei urteilt werd; b) Dem PrivatklägerLehre Jung die Befugnis zuge sprachen wird, den entscheiden den Urteilsteil zu a. 2» durc einmalige Einrückung in de Gießener Anzeiger binnen eint Woche nach Mitteilung eint Ausfertigung aus Kosten de Angeklagten zu veröffentlichen c. dem Angeklagten die Koste der I. und II. Instanz, ein! schließlich der den Privattläger erwachsenen notwendigen Au^ lagen, mit Ausnahme der dur/ das Verfahren wegen des Vot falls vom 24. Juni 1903 sonders erwachsenen Kost-, zur Last gesetzt werden. Die Richtigkeit der Abschst der Urteilsformel wird glaubigt und die Vollstreckb - l'eit des Urteils bescheinigt. Gießen, den 8. Sept. 19t. (L. S.) gez. Braun, [7& Gerichts-Assessor, Gerichtsschreiber des | Versteigerung. Dienstag de« 20. d. Mts.. nachm. 3 Uhr versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung : 1. 90 Gerüststangen, 20 Dielen, 1 neuen Handwagen, 3 Speiskasten, 5 Bütten; 2. 2 Wagen, 1 Faß Deckweiß, 1 Steppmaschine, XL Dutzend Schnallenstiefel, 1 Billard, Regen- und Sonnenschirme, Spazierstöcke, Korsetten, 11 Kippwagen u. Möbel aller Art. Die Versteigerung zu 1. findet sicher statt. 7411s Bor«, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Montag de« 19. ds. Mts., uachm. 3 Uhr sollen dahier Marktplatz 20, im Adler: Haus- und Küchengeräte aller Art, 2 Pferde, 1 Ladeneinrichtung, eine größere PartieSchuh- waren, mehrere Fahrräder und Nähmaschinen sowie v. A. gegen bar versteigert werden. Gießen, den 17. Sept. 1904. 7415) Seipel, Gerichtsvollzieher. LWerKeigermg Mittwoch den 21. d. M., nachmittags 2 Uhr, der Gemeinde Kinzenbach. Zusammenkunft am Waldweg. 7404 Kinzenbach, 17. Sept. 1904. Der Gemeinde-Vorsteher. Mandler. Damen- Mitiie-Wle. Unterricht im Zuschneiden von Damen- und Kmder-Garderobe nebst Vorarbeiten erteile nach leicht faßlicher Methode. 7385 Beginn eines Kursus täglich. Yj. Weinhardt ausgebildete Lehrerin, Goethestratze 48. Emil Lotz 5C Krrcheuplatz. —” 7408 Nußkohlen Stückkohlen Achmitkohlt» Braunkohlen Acklohlell-Wetts Brankohlell-Lriketts AüthrU.-ßisi!r!!iblikctts M- ni> M« ÄlUlllkohlell-Preströtze Brennholz Nutzkohlen-Grus Flolbert- Gartengewehre, Revolver, Pistolen, Patronen u. Stockdegen in großer Auswahl bei Ad. Reinig Waffenhaudlullg ;:l7U 30 Seltersweg 30. Gewerb e -Akademie, Fried ber^iH. Q Jk?*«poj^'i^sL , bei Frankfurt a.M. Polytechnisches Jnsfitut ftp Maschinen,-Eiectro- und Bau-Jnäenieure, 6 owla für Architekten. SemB^beglri/kMiue/.pr-j/ u.Enda Oktober.-Programm durch das Sekretariat Tanz-Unterricht. Mein diesjähriger Kursus beginnt ßiontag den 80. Oktober1 1904. Gest. Anmeldungen erbitte ich vorher in meiner Wohnung, Souueustraße 5, zu machen. Unterricht für Einzelne und Extra-Partie« wird zu jeder Tageszett erteilt. 05347 Achtungsvoll Joseph ISöhBg Tanzlehrer. Wer die Ausschnitte von > Glviva wasch-Extratt / mit Bär l sammett und an die Fabrik I L. Wettermann, Elberfeld ' > franko als Drucksache einschickt, erhall dafür zweckmäßige / schölte Prämien. O1*/, 1 Frankfurt a. M., Kaiserstr. 67/69, eine Minute v. Bahnhof Im Theatersaal: Die erste und einzige Hungerkünstlerin der Welt, Frau Auguste Schenk, Schauspielerin, hungert 17 Tage und 17 Nächte in einem Glashause. hv16/. "ussboden- Lsck- Fas»feeei mit Hochglanz, rasch und hart trocknend, dauerhafter, eleganter Anstrich, lose gewoge« und irr Dose», Fsrbell Lacke Pinsel Staubbildung verhinderndes Futzbodenöl empfiehlt 6597 Adolf Bieler, Marktstr. 5. 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