Freitag 17. Juni 1904 154. Jahrgang Erstes Blatt. Aie yeuLige Yurnmer umfaßt 10 Seiten 1 u ian. Feind in diesem Gefecht Die japanische Artillerie zeitweise das Feuer ein. unter japanischer Flagge marschierte, wurde dadurch irregeführt und stellte Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: «rrzetger Gießen. Fernsprechanlchlußytr.dl. Die Hauptmacht ging längs der Eisenbahn vor, eine weitere Kolonne avancierte von Tsuchiatu aus. Um 9 Uhr morgens traf die den linken Flügel bildende Kolonne von Tunglungkau ein, mittags die Kavallerie von Chachiatong. Der Feind war so in der Nähe von Telissu eingeschlossen, wurde nach heftigem Gefecht um 3 Uhr nachmittags schließlich geworfen und zog sich nach Norden zurück. Die j a p a n i s ch e n V e r- l u st e werden, soweit bekannt, auf weniger als 1000 Mann geschätzt. Die Japaner erbeuteten russische Fahnen und 14 Schnellfeuergeschütze und nahmen gegen 300 Mann gefangen, darunter den Kommandeur des 4. Scharfschützenregiments. Der Feind liest über 500 Tote und Verwundete auf dem Schlachtfeld zurück. Japanische Patrouillen sahen, wie der Akis Htaöt und Land. Gießen, den 17. Juni 1904. ” Zu Ehren des Professors Dr. Pfaunenstiek findet Mittwoch, den 2 2. Juni ein Fackelzug mit darauf folgendem Kommers im Neuen Saalbau statt. Dev Fackelzug stellt sich in Oswalds Garten auf und nimmt seinen Weg durch Neustadt, Marktstraße, Marktplatz, MäuS- burg, Seltersweg, Fcankfklrterstraße nach der Wohnung deL Herrn Professors. *• Klärbecken-Anlage für die Kanalisation.. Die Arbeiten für die Herstellung der Klärbeckenanlagen, also des Schlußstückes unsexer Entwässerung, werden in dem nächsten Tagen zur Submsssion ausgeschrieben. Es handelt sich dabei um 18 800 Kubikmeter Erdbewegung, 4000 Kubikmeter Zementtraßbeton, 3500 Quadratmeter Wandverkleidung mit glasierten Plättchen, 1200 Quadratmeter Spundwände rc.- Offerten für diese Arbeiten müssen schon bis 9. Juli beim Tiefbauamt eingereicht sein, bei welcher Behörde am Nachmittag 3 Uhr die Eröffnung der Submission öffentlich erfolgt ** Zum Gordon-Bennet-Rennen passierten, wie man uns mitteilt, gestern genau 43 Autos, von Norddeutschland kommend, unsere Stadt. Die Fahrzeuge fuhren sämtlich' vom Walltor aus die Ost- und Südanlage durch zur Frcmk- furterstraße hinaus, beachteten also die am Walltor und am Selterstor für die Fahrer gegebenen Hinweise. In den Sportblättern ist übrigens für die Automobilisten die Mitteilung enthalten gewesen, daß Gießen kanalisiert wird und' daher das Pflaster der Innenstadt sich in so schlechtem Zu-' stand befindet, daß jeder Fahrer gilt hin würde, die Anlagen- zu bemitzen, wenn er Gießen passierte. e* Polizei.Konferenz. Die nächste Konferenz- der Polizeiamts-Vorsteher des Großherzogtums wird am 19. September in Gießen abgehalten werden. ” Impfungen. Gestern abend wurde wieder eine größere Anzahl ausländischer Arbeiter durch das Kreisgesundheitsamt geimpft. ** Ueberfahren. Gestern nachmittag ging das Pferd mit dem Wagen eines hiesigen Dienstmanns in der Klinik- straße durch. Die Ehefrau, welche das Fuhrwerk lenkte, ge- erhielt Verstärkungen. Am 15. Juni besetzten die Russen, die in der Stärke von 21/2 Divisionen in der Nähe von T e l i s s" standen, eine Stellung zwischen Tafangschan und Ehengtsuchan. Die Japaner eröffneten bei dec Morgendämmerung den Angriff. Denkarten «oh and billigst “W'Kte Oeh^Dructtrü —----- llalslotlem irif) ini 1901. ib uul 100 ®lar[ W1ii Abrichtung SR lls Werner, lolfcnMjic 2« 51 00 615 44 57 66 11501 0 N 64 415 28 504 5 25 62 80 403 60 510 23 621 ? 58 96 632 792 923 B 156 926 6042 59 73 81 88 18 45 4(196 938 7067 6? |‘2"2 759 860 903 48 815. i? 331 77 410 21 28 53 51( M3 84 95 716 20 44 831 86 |I5O| 934 1 2092 1/1 71150] 453 683 709 38/1 7 16 32 89 92 214 66 97 3. 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Beide Parteien schieben sich aus dem Ausgange der Schlacht Vorteile zu, doch scheinen die Japaner Oberhand gewonnen zu haben. Das russische Wladiwostok-Geschwodor hat ferner ein paar japanische Verlust gleichfalls annähernd 1000 Mann beträgt, irische Verlust gleichballs annähernd 1000 Mann beträgt. Sonach haben also die Japaner in den letzten Tagen insgesamt etwa 2000 Mann verloren. Ueber den Kampf bei Wasangou liegen heute russische und japanische offiziöse Meldungen 'vor. Die russischen Telegramme lauten: Petersburg, 16. Juni. Wie General Kuropatkin von gestern meldet, wurden auf Sette der Russen ttn Kampf bei Wasangou am 14. Juni 24 Offiziere und 311 Mann getötet und verwundet, und zwar verlor das erste Schützenregiment 12 Offiziere und 200 Mann, die erste Ar- tttlevicbrigade 6 Offiziere und 50 Mann. Die Nacht auf den 15. Juni verlief ruhig. Gegen 2 Uhr morgens hatte die Bor- postenkette auf dem rechten russischen Flügel ein kurzes Scharmützel. llm V?6 Uhr morgens begann auf dem linken russischen Flügel eine Kanonade. Schon früher, gegen 5 Uhr morgens, bemerkte die Kavallerie auf dem rechten Flügel bedeutende feind- lick>e Strettkräste südlich von Tafanschin. Die japanische Infanterie eröffnete das Feuer auf die russische Kavallerie, die auf den Höhen zwsschen Tafanschin und Lunkoo sich befand. Der Feind stand am Waldrande, etwa zwei Werst von diesen Höhen entfernt. Gegen 6y2 Uhr morgens machte der Gegner in Stärke von etwa einem Regiment Infanterie und Artillerie aus diesem Walde einen Vorstoß zwischen Tafanschin und Lunkoo. Inzwischen war die Kanonade auf dem linken russi- schen Flügel lebhafter geworden. Nm 61/2 Uhr ging General Stackelberg mit einem Teil der Streitkräfte unter Umgehung des rechten feindlichen Flügels in der Richtung auf Tasan- wozen und Gouin zum Angriff vor. Ten anderen Tess ferner Truppen schickte er gegen die Front des Gegners. Gegen 10 Uhr morgens entwickelte der Feind gegen den rechten russischen Flügel etwa eine Brigade Infanterie mit einer Batterie und Kavallerie und machte durch Zurückdrängung einer russischen Nr. 140 täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck e. Verlag der Brühl'scherr Untverf^Buch-u. 6leh> brudertL R. Lang«. 3 HpVreiieubotien 1= und 650.- °nge fiaMMfte0enf,Qnbe. ^rtreter öon v* 8äusi(i> —-~^Non 2055. drei Tage mit Einquartierung belegt. Derartige Vorbereitungen gehören auch bei Monarchenbesuchen zu den Seltenheiten, und sie sind umsomehr bemerkenswert, als gerade König Eduard auf militärisches Gepränge im Allgemeinen keinen erheblichen Wert legt. Es muß also wohl ein besonderer Anlaß vorhanden sein, dem auch König Eduard Rechnung trägt. — Für die Illumination der deutschen Kriegsschiffe sind die Abende vom 25. bis 28. Juni festgesetzt worden. * Ein Attentat auf den Generalgouverneur von Finland. Aus Helsingfors meldet vom 16. Juni W. B.: Generalgouverneur Bobrikow wurde heute vormittag int Senate von einem Senatsbeamten durch Revolverschüsse schwer verwundet. Der Täter hat sicherschossen. Bobrikow ist von zwei Kugeln getroffen worden, die eine Dräng' in den Unterleib und verursachte eine schwere Verletzung. Der Mordanschlag geschah auf der Senats treppe. Reuters Bureau meldet aus Petersburg: Der Anschlag wurde von dem Sohne des Senawrs Schaumann verübt. Durchs die beiden Schüsse erlitt der Generalgouverneur außer einet, schweren Verwundung im Unterleib, bei der der Magen getroffen wurde, eine leichte Verletzung am Halse. Eugen Schaumann war zuletzt Beamter der Unterrichts-: Verwaltung Finlands, früher Senatsbeantter. Die erste Kugel' traf den Hals des Generalgouverneurs und verursachte eine leichte Verletzung, die zweite traf einen Orden, den der General trug- und streifte diesen leicht, die dritte traf den Unterleib. Der: Gouverneur wurde, nachdem ihm von einem Arzte die erste Hilfe zuteil geworden, nach feiner Wohnung gebracht, wo die herbei- gemfenen Acrzte eine sofortige Operation für nötig erachteten. Bobrikow wurde, nachdem er das Abendmahl genommen, inA chirurgische Hospital geschafft, wo die Operatton erfolgreich ijorgenommen wurde. Die Aerzte machten den Kaiserschnitt und entfernten die Kugel nebst viel geronnenem Blut. Die Telle der Eingeweide, die von der Kugel getroffen waren, wurden entfernt Das Großfürstentum Finland besitzt bekanntlich durch eine ihm vor etwa einem Jahrhundert von dem Zaren! Alexander I. gewährte Verfassung, die sich an die Schwedens- anlehnt, formell innere Selbständigkeit, von der jedoch im neuerer Zeit durch die russische Gewaltpolitik em Stück nach dem anderen abgebrochen wird. Die Empörung der Finnen über diese rücksichtslose Russisiziernng ihres Vaterlandes istj in stetigem Wachsen begriffen und nun hat sie sich durch eirp Attentat gegen den ihnen von Petersburg aufoktropirten ve!t* haßten Diktator Lust gemacht. Der Attentäter hatte sich dazu! just die Stätte ausersehen, die von der finnischen Bevölkerung längst mit größtem Mißtrauen betrachtet wurde, das Hans des Senates, dessen Angehörige in russischer Liebedienerei baSl Möglichste leisten. Der Erfolg der Bluttat aber wird natürlich fein, daß, von dem russischen Willkürregiment die Zügel noch straffer angezogen werden und daß den Finnen nun wohl auch noch' der letzte winzige Nest ihrer Verfaflungsrechte genommen: wird. Der alte lateinische Spruch „Quod medicamenta non sanant, ferrum sanat; quod ferrum non sanat, ignis sanat“, kehrt sich so in sein Gegenteil. Das Schwert des Schwächeren wird durch das Feuer des Stärkeren vernichtet und die Knute über den Häuptern der Geknechteten verwandelt sich, nach blutiger Auflehnung, zur zerfleischenden' Geißel. Das Wladiwostok-Geschwader vernichtete zwei japanische Transportschiffe. Die japanischen Meldungen darüber lauten: Tokio, 16. Juni. (Reuter.) Das japanische Transportschiff „Hiuornaru", das nach Meji zurückgekehrt ist, berichtet, daß es vorgestern vormittag 11 Uhr, 20 Meilen westlich der Jkiinsel, dem Wladiwostok-Geschwader begegnet sei. „Hiuornaru" kehrte sofort um und signalisierte eine Warnung an die Transportschiffe „Kauazawarnciru" und „Jturimaru". Es entkam mit diesen. Zwei andere Transportschiffe, nämlich „Ntta- chimaru" und „Sadomaru" von etwa je 6000 Tons Gehalt, wurden zwei Messen westlich von den Russen gesehen und schnell umzingelt Das Geschick derselben ist nickst bekannt. Der Verlust an Menschen ist wahrscheinlich schwer. Tokio, 16. Juni. (Reuter.) Die Transportschiffe „Nita- chirnaru" . und „Sodornaru" sind, wie jetzt bekannt wird, durch das Wladiwostok-Geschwader zum S i n k e n gebracht worden. 397 Ueberlebende des ersteren Schiffes sind in Moje, 153 des zweiten Schiffes in Ko kur a angefonraten. Tokio, 16. Juni. (Reuter.) Ueberlebende von dem Transportdampfer „Sadomaru" und „Nttachimaru" erklären, die Schiffe seien durch Torpedos zum Sinken gebracht Worben. Tokio, 16. Juni. (Reuter.) Nach den Aussagen der Ueber» lebenden von den gesunkenen Transportschiffen „Nttachimaru" und „Sadomaru" trafen sie Mittwoch um 11 Uhr morgen» auf der Höhe der Jmel Jkissstma mit den russischen Kriegsschiffen jufammen. Die Russen zwangen die japanischen Schiffe durch Schüsse zum Halten, feuerten bann einige Torpedos ab und brachten die Schiffe dadurch zum ©infen. Der Kapitän des „Sadomaru" und mehrere andere wurden gefangen; über 100 entkamen in Booten und lanbeten bei Kokura. Nach einer hier eingegangenen Nachricht sind verschiedene Ueberlebende des „Nttachimaru" nördlich nach Shimvneseki vertrieben und dort gerettet worden. Der Trans portbampser ,^J d a u m i m a r u" wird noch vermißt Es heißt, „Nitachimaru" und „Sadomaru" hätten 1400 Mann, viele Pferde und eine Menge Vorräte an Bord; wenn dies wahr wäre, so betrüge der Verlust weniger als 1000 Mann. — Ein Detachement von Kurokis Armee nahm am Sonntag Huaijen und vertrieb eine Llbteilung von 300 Russen und 300 berittene chinesische Banditen, welche sich in der Richtung nach Tahoho zurückzogen. Die Russen ließen 3 Tote und 2 Verwundete vom 15. osssibirischen Regiment zurück; die anderen Verluste sind unbekannt Die Japaner hatten keine Verluste. Nähtische Tagesschau. Zum Empfang König Eduards. Man schreibt uns aus Berlin, 16. Juni: Nach den Vorbereitungen zu schließen, die zum Empfang König Eduards getroffen werden, kommt der Monarchenbegegnung eine besondere Bedeutung zu. Sie liegt vielleicht weniger auf politischem als auf persönlichem Gebiet, und daß ungewöhnliche Maß von Ehrungen könnte wohl gebeutet werben im Sinne der Freude über die Lösung einer gewissen Spannung. Die Tatsache, daß König Eduard sich von einem Kriegsschiffgeschwader be- gletten läßt, wird deutscherseits beantwortet durch die Mobilmachung fast einer ganzen Division. Den Nordostfeekanal enttang wird Infanterie Spalier bilden und zwar an beiden Ufern. Ebendort sollen Kavallerie-Abteilungen neben den Schiffen hertraben. Zur Durchführung dieses Ehrendienstes wttd die Umgebung des Nordostseekanals auf Kavallerieabteilung den Versuch, über Lunkoo den rechten Flügel der russischen Stellung zu umgehen. Um dies zu verhindern, schob Stackelberg um IO1/? Uhr seine Reserve von Sissan vor. Die gesamte Streitmacht der Japaner, die inzwischen bedeutende Verstärkungen herangezogen hatte, bettug um diese Zett mehr als drei Divisionen. Mukden, 16. Juni. (Ruff. Tel. Agentur.) Um einen Teil der feindlichen Streitkräfte von Port Arthur abzuziehen, wurde eine russische Kolonne von Taschttschiao südwärts vorgeschickt. Sie hatte am 14. und 15. Juni bei Wasangou mit überlegenen japanischen Streitkräften zu kämpfen. Die Japaner hatten sehr große Verluste. Das Ergebnis des Kampfes ist eine Besserung der russischen Position. Dagegen melden die Japaner: Tokio, 16. Juni. (W.-B.) (A mtliche M e l d u n g.) Der kommandierende General der japanischen Armee auf der Halbinsel Siautung berichtet folgendes: Am 14. Juni rückte die japanische Hauptmacht in zwei Kolonnen nordwärts an der Eiseu- oahn entlang vor und vertrieb den Feind aus der Gegend östlich von Wafandian. Um 5 Uhr nachmittags hielt der Feind an der Linie Lungwaugmiao-T afangschan (offenbar das obige Tafanschin) stand. Beim Einbruch der Nacht nahmen die Japaner nach zweistündiger Kanonade die Linie. Tie zweite Kolonne, die den rechten Flügel des Feindes bedrohen und die Flanke und den Rücken der Japaner decken sollte, marschierte östlich von Futschau und rückte auf der Linie von Tengchiakau nach Nachialing vor. Der Feind in der Nähe von Lungwangmiao @ momÄtch?L^vt«Kl. Glcheim Anzeigers» ** General-Anzeiger w ** .ää. V den poltt und aUgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW: f zeigenteil: HanS Beck.' Tokio, 16. Juni. (Reuter.) Jrn Kämpft bei Telissu, nordöstlich von Futschou, hatten die Russen 500 Tote, 300 wurden gefangen genommen. Ferner verloren fie 14 Kanonen. Der Verlust der Japaner beträgt 1000 Mann. Kekmmtmachmlg. Die nachstehende Bekanntmachung Grvßh. Polizeiamts Darmstadt bringen wir hiermtt zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 16. Ium 1904. Gro'ßherzoglicbes Volizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. In der Angelegenhett des an einem hiesigen Einwohner auf der Ludwigshöhe bei Darmstadt begangenen Mordes, bezüglich dessen auf die Ermittelung, bezw. Ergreifung des LäterS von der hiesigen Staatsanwaltschaft eine Belohnung von Fünfhundert Mark ausgesetzt ist, wird folgendes bekannt gemacht: Nach den inzwischen gemachten Erhebungen kommt jetzt ein Unbekannter als Täter in Betracht, der wie folgt beschrieben wird: Etwa 30—40 Jahre alt, zirka 1,70 Meter groß, von untersetzter Statur, blonde Haare, deSgl. mittelstarker Schnurrbart; war gekleidet mit abgetragenem dunklen Sackrock (braunschwarz), etwas hellerer Hose, schwarzem weichem Filzhut, grauen Strümpfen, niederen, schweren, benagelten schwarzen Leberschuhen. Er soll fremden Dialekt (angeblich sächsischen) gesprochen haben, sehr sonnverbrannt gewesen sein und heruntergekommen ausgesehen haben. Wenn auch eine Beraubung anscheinend nicht stattgefunden hat, so ist doch nicht ausgeschlossen, daß eine solche beabsichttgt gewesen und nur unterblieben ist, weil der Täter das Herankommen von Leuten befürchtete oder gar wahrnahm. Die Tat ist mtt einem 7 mm -Revolver ausgeführt. Man ersucht um fortgesetzte eifrigste Recherchen und sofortige Mitteilung, falls sachdienliche Wahrnehmungen gemacht worden sind oder die sonsttgen Ermittlungen zu einem Resultat geführt haben. Darmstadt, 14. Juni 1904. Großherzogliches Polizeiamt. I. 23.: gez. Kraemer. Betr.: Die Reinhaltung und Wegsamkeit der Straßen und Plätze, sowie die Reinhaltung der Kanäle in der Provinzialhauptstadt Gießen. Aufforderung. Bei der gegenwärtig heißen Witterung fordern wir hiermtt auf Grund des § 3 des Lokal-Reglements rubr. Betreffs vom 10. November 1879 alle Hausbesitzer bezw. deren Stellvertreter auf, morgens zwischen 6 und 8 und nachmittags zwischen 12 und 2 Uhr das vor ihrem Hause be- legene Banket nebst Floßrinne und die Hälfte der Fahrbahn mit reinem Wasser begießen zu lassen. Wer es unterläßt, dieser Aufforderung nachzukommen, hat die gesetzliche Strafe zu gewärttgeu. Gießen, den 16. Juni 1904. Großherzoglick'es Polizeiarnt Gießen. Herberg. '&A hierbei unter den Wagen und unter die Hufe deS Pferdes, so daß sie an verschiedenen Körperteilen schwere Verletzungen erlitt und in die alte Klinik verbracht werden mußte. *• Zn der Darmstädter Mordaffäre, über die wir heute aus Darmstadt in einigen Feststellungen berichten, ^bringt das hiesige Polizeiamt in der heutigen Nummer unseres Blattes eine Bekanntmachung des Großh. Polizei- .arntes Darmstadt zur Kenntnis, auf die wir an dieser Stelle verweisen möchten. Die Bekanntmachung enthält eine Beschreibung des Unbekannten, der als Täter in Betracht kommt. ** Die psychophysiologischen Wirkungen cketz Alkohols, speziell die Störungen der Be- ^wegung. Der angekündigte, vom Verein gegen Mißbrauch .geisttger Getränke veranstaltete Vortrag von Prof. Dr. iSommer fand gestern abend in der Aula der Universität statt. Prof. Sommer ging in seinen außerordentlich interessanten Ausführungen von den akuten Störungen aus, die der Genuß von Alkohol in Gehirn und Nervensystem verursacht. Diese bei sehr starkem Genuß hervortretenden Erscheinungen, wie Verwirrtheit mit Tobsucht nach Art epileptischer Zustande, Delirium tremens, Angstanfälle mit Wahnideen sind jedoch nicht das Schlimmste. Viel schl'mmer für die menschliche GesellsÄast sind die durch chronischen Alkoholismus hervorgerusi'nen JnteMgevzstörimgen. epilip- ttschen Symptome mit heftiger Erregbarkeit, Brutalität und Wahnideen, besonders Eifersucht, verbunden, unter denen tote Angehörigen der Betreffenden furchtbar zu leiden haben und die so oft zu verbrecherischen Handlungen führen. Der Alkoholgenuß schaltet eben den Widerstand aus, den der gesunde Mensch den von außen kommenden Erregungen entgegensetzt. Dadurch kommen verbrecherische Taten zu stände. Wie iehr der Alkohol, selbst in Mengen genossen, die wir gewohnt sind, für gering anzusehen, auf das menschliche Nervensystem wirkt, weist Prof. Sommer sozusagen schwarz auf weiß nach. Durch entsprechende Apparate ist inan im stände, die Zitterbewegunaen z. B. der Hand in Linien auf Papier zu fixieren. Diese fixierten Linien führte Prof. Sommer in Lichtbildern vor. Es zeigte sich, daß die Zitterbewegungen ost bei geringen Mengen von Alkohol schon sehr stark sind, woraus hervorgeht, wie sehr dieser dem Körper sofort znsetzt, was auf die Dauer verhängnisvoll werden muß. Zur Bekämpfung der vom Alkoholismus der Arbeitskraft und Gesundheit sänttlicher Stände unseres Volkes drohenden Gefahr schlug Prof. Sommer besonders auch die Pflege der Bewegungsspiele vor, die dem Körper eine ähnliche Erregung verschaffen, wie sie durch den Alkohol hervoraerufen, vom Menschen so angenehm empfunden wird und ihn immer wieder zu diesem zieht. Bewegungsspiele wären dafür ein vortrefflicher Ersatz, ohne die schweren Schädigungen, die der Alkohol hervorvringt. Die große Zahl der Erschienenen bewies, daß das Interesse und Verständnis für diese wichtige Frage und die große Gefahr, die es hier zu bekämpfen gibt, weite Kreise ergriffen haben. Es wäre zu wünschen, daß die Anregung bezüglich der Bewegungsspiele allgemeine Beachtung fände. Er regt ftch ja überall in sportlicher Beziehung.' Wir haben in Gießen bereits vier Turnvereine: nächstens soll das erste Gießener Tennisturnier stattsinden. Das ist auch eine dankenswerte Anregung und wir hoffen, daß sich viele an dem Zustandekommen betätigen werden. Aber die alten Volksspiele, deren sich die alten Leute gewiß noch aus ihrer Jugendzeit entsinnnen, sollten allerorten wieder aufleben, Ballspiel und dergleichen. ' Wir wären sehr dankbar dafür, wenn uns aus unserem Leserkreise recht viele Mitteilungen und Anregungen zugingen, die wir dann gelegentlich veröffentlichen würden. Bleichenbach, 19. Juni. Nach langem Leiden verschied der hiesige langjährige Bürgermeister Johannes Bickel IV. hier. sd. Darmstadt, 17. Juni. (Drahtbericht). S. D. der Fürst Kudascheff, der russische Gesandte am hiesigen Hofe teilte uns soeben mit, daß I. Maj. die Kaiserin von Rußland ihn beauftragt habe, für die bei dem Bazar zum Besten des Russischen Roten Kreuzes erübrigten 30 000 Mk. ein Feldla zareth zu kaufen und nach Rußland zu senden. E.-B. Darmstadt, 16. Jnni. Das Mordattentat auf den Architekten Heinrich Döring hat trotz der eiftigsten Recherchen unserer Kriminalpolizei noch immer keine Aufklärung gefunden. Die Staatsanwaltschaft hatte gehofft, vielleicht aus dem Testament des Verstorbenen, das er vor zwei Jahren beim hiesigen Amtsgericht hinterlegt hatte, nähere Anhaltspunkte zu gewinnen, aber vergebens. Dadurch wird vielmehr die Annahme, daß es sich hier um einen Familienracheakt handle, wieder sehr in Frage gestellt. Es sind nämlich sämtliche elf Geschwister des Verstorbenen mit Legaten von 3- bis 6000 Mk. und ein Bruder mit 10 000 Mk. bedacht morden. Wie viel von diesen Verwandten überhaupt noch existieren, steht sehr dahin, man weiß z. B. nicht, ob der nach Rußland und der nach Neuseeland ausgewanderte Bruder noch am Leben sind. Der Verstorbene hat sich übrigens auch der Stadt Darmstadt gegenüber, in der er die letzten 30 Jahre seines Lebens zubrachte, dankbar erwiesen, denn er teilte den Nest seines Vermögens zu je einem Viettel der Stadt Darmstadt, dem Gustav-Adolf-Verein, dem landwirtschaftlichen Provinzialverein für Starkenburg und vier kleineren Gemeinden seiner sächsischen Heimat zu. Das hinterlassene Gesamtoermögen Dörings beläuft sich übrigens, entgegen den früheren Mitteilungen, nur auf ca. 130 000 Mk. Zum Testamentsvollstrecker ist Justizrat Maffot hier ernannt worden. Bingen, 14. Juni. Eine Deputation, aus dem LandtagSabg. Pennrich, Beigeordneten Friedrich Vogt und dem Handelskammermitglied Julius Landau bestehend, ftihtte, nach der „Frkf. Ztg.", bei dem Finanzminister Dr. Gnauth in Darmstadt Beschwerde über Erhöhung der Eisenbahn-Frachtsätze im Verkehr zwischen Bingen und dem rechtsseitigen Rheingau infolge des Umweges über die neue Mainzer 'Rheinbrücke. Der Minister stellte eine Prüfung der Verhältniffe durch daS Staatsministerium und tunliche Berücksichtigung der berechtigten Wünsche in Aussicht. Vermischte». * Löwen, 16. Juni. Gestern kam es zu Zusammenstößen zwischen liberalen und katholischen Studenten. Revolverschüsse wurden gewechselt und die Polizei mußte einschreit-n, nachdem die Gendarmette verftärtt worden war. Die Rädelsführer wurden verhaftet. Die Polizei ließ tim Mitternacht sämtliche Kaffeehäuser schließen. Zahlreiche Vertexe wurden nach dem Polizeibureau gebracht: es sind meistens Bürger aus der Stadt, welche auf dem Nachhausewege von den Sttürenten angegriffen wurden. Ein Artilleriehaupt. mann erhiett eine klaffende Kopfwunde durch einen Wurf mtt einem Bierglase. * Krakau, 16. Juni. Der „Newa Reforma" zufolge fanden in Warschau anläßlich eines großen Brandes blutige Zusammen st öße zwischen Arbettern, Kosaken und Polizisten statt. Acht Arbeiter wurden getötet, viele schwer verwundet. .Von den Polizisten und Kosaken sind gleichfalls acht tot, 30 schwer verwundet. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 3. Sonntag nach Trinitatis, den 19. Juni, chottesd lenst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinde. Vormittags 9 Arberts Versteigerung. Nächsten Montag den 20. d. Mts., vormittags 9 Uhr, sollen auf dem Rathause zu Leihgestern nachstehende Arbeiten versteigert werden und zwar: veranschlagt zu Mk. .Erdarbeiten 1O9.2O Chaussierungsarbeiten 717.60 Pflasterarbeiten 1053.70 Gießen, den 16. Juni 1904. I. A.: Rohrer, [5306 Kreisstraßenmeister. 2 Stück 9 Psg., empfiehlt die Spezial-Eierhandlung Linden- gaste 2, an den Marktlauben. Mittwoch i)en224nni l.Z., vormittags 11 Uhr, wird auf hiesiger Bürgermeisterei ein abgängigerschwerer Gemeinde - Bulle versteigert. Allendorf a. Lumda, den 16. Juni 1904. Großherzogl. Bürgermeisterei Allendorf a. Lumda. Rein. 5300 Kroßer Ausverkauf wegen Aufgabe dieser Artikel. Sommer-Handschuhe Kragen und Manschetten Shlipse und Hosenträger Einmaliger Kursus für Giessen und Umgegend. Jeder, der stotterfrei singt, kann geläufig sprechen lernen. Erfolg garantiert. Honorar nur bei Erfolg. Biele Dankschreiben und Zeugnisse zur Einsicht. Keine Berufsstörnug. Anmeldungen bis Freitag den 24. Juni 1904, möglichst Sonntag den 19. Juni 1904, von 9—1 und 2—8 Uhr. Institut m Arcktoc E. Schmeling Gießen, SLordanlage 9, Part. Dank. Durch die Methode des Herrn Direktors E. Schmeling bin ich in kurzer Zeit von meinem schweren jahrelangen Stottern befreit worden. Herzlichen Dank sage ich hierfür und empfehle das Institut allen Stotterern. Bertha Hühn, Mühlhauscn-Klein-Grabe. Zeugnis. 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