154. Jahrg. Donnerstag, 17. März 1904 Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amtz- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erschein« täglich mtt Ausnahme des Sonntag-, Die „Gießener Zamiliendlätter- werden dem b?In,ew^ oi ernte wöchentlich beigelegt. De >- tand. tr< * erjchetn' monatltch einmal ud und vertag der flcObl'IAai UiuueLiuaisörudeiet tJt ßange, Gießen. Kedaktton. (EpiehiHon u. Druckerei: Schulstr. teL Nr. ÖL Lete«r.-Adr.: Anzeiger tivtfrefc zuweudeude Apparat sei kostspieliger, als der damit erzielte Erfolg. Das Haus nimmt darauf die beiden ersten Absätze des Art. 9 mit einem Unterantrag Buff an und stimmt sodann dem Antrag Buff aus Streichung des dritten Absatzes bei. Art. 10 bestimmt, daß neben der Strafe auf Einziehung der für die Tat benutzten Werkzeuge, Sensen, Sicheln, Messer, Hacken usw. erkannt werden kann, ohne Unterschied, ob sie dem Schuldigen gehören oder nicht. — Tie Mehrheit des Ausschusses beantragt die Streichung dieses Artikels, weil sie diese Bestimmung als zu weitgehend und unzweckmäßig erachtet. Ls sei bei dieser Bestimmung auch die Möglichkeit gegeben, daß die Sense, mit der ein Apfel unberechtigter Weise abgeschlagen wurde, eingezogen werde. Äbg. Dr. David beleuchtet die vielen Unzuträgliche feiten, die sich aus der Annahme dieser Bestimmung ergeben würden. Was solle auch die Behörde mit den konfiszierten, meist wertlosen Werkzeugen, die aber doch für den Landmann durchaus notwendig seien, eigentlich anfangen? Die Abgg. Leun, Wolf, Hauck sprechen sich eben- Kesstscher Landtag. R. B. Darmstadt, 16. März. Am Ministertisch: Justizminister Dr. T i t t m a r, Geh. iAse Lorbacher, Fuchs und Milbrand. Tas Haus setzt die Beratung des Entwurfs über das tzelldstrafgesetz bei Art. 9 fort. Geh. Oberjustizrat Lorbacher wendet sich in längeren Ausführungen gegen den Antrag des Abg. Dr. Buff ouj Streichung des dritten Absatzes: „Uebersteigt der ver- lllachte Schaden nicht den Betrag von einer Mark, so hin: eine Verurteilung zum Ersätze des Schadens nur auf Lntriag des Geschädigten ein". Diese Bestimmung sei aus dchllerwogenen Gründen in das Gesetz mit ausgenommen. Lbmgens sei die Bestrafung für Feldfrevel in Hessen ■nidjtil hoch man habe im vorigen Jahr nur etwa 4300 Mk. «Lnaofgelder eiingenommen. Abg. Dr. Buff motiviert noch einmal seinen Antrag. 'Abg. Weidner spricht sich dahin au§, daß man die «Mmannten Bagatellsachen in Feldstrasangelegenheiten Acriihaupt nicht ui Betracht ziehen sollte. Der dafür auf- Arbeitern Freibier versprochen, um sie zu ködern. Sie wollen sie in Ihre Organisationen locken, um ihnen die Beiträge aus der Tasche zu ziehen. Das ist ja Ihr LebenselementI Aus der Parteikasse füllen Sie eben Ihre eigenen Bcutell Tas ist eben Ihr Lebenszweck I (Wachsende Unruhe bei den Soz. Zurufe: Unverschämt I) Sie leben ja nur von den ArbeitergroschenI (Lärm bei den Soz. Abg. K u n e r t: Das ist eine Unverschämtheit, eine Frechheit! Glocke des Präsidenten.) Vizepräs. Graf Stolberg: Wenn Sie davon gesprochen haben, daß die Sozialdemokraten die Arbeiter in die Organisationen locken, um von den Arbeitergroschen zu leben, so nehme ich an, daß Sie damit nicht Mitglieder dieses Hauses gemeint haben. (Heiterkeit.) Sonst würde das unzulässig sein. Abg. Pauli (fortfahrend): Ich möchte mich darüber weiter nicht auslassen, sondern es dem Hause anheimgeben, sich darüber ein Urteil zu bilden. sHeiterkeit rechts. Lärm bei den Soz.) Abg. Singer sSoz.): Der Abg. Pauli hat von Sozialdemokraten behauptet, daß ihnen mir daran liege, die Partcikasse zu füllen, um diese zur Füllung ihrer eigenen Taschen zu benutzen. Auf die Erinnerung des Herrn Präsidenten, daß er damit hoffentlich nicht Mitglieder dieses Hauses meine, sagte er, er wolle dem Hause es überlassen, sich darüber ein Urteil zu bilden. Er hat damit den Beweis geliefert, daß er die Absicht gehabt hat, uns hier diesen Vorwurf zu machen. Von einem anständigen Menschen sollte man verlangen, daß er solch eine Behauptung nicht ausspricht, wenn er nicht gleichzeitig dafür einen Beweis erbringt. Meinerseits will ich nur noch erklären, daß an dieser Behauptung natürlich nickst ein wahres Wort ist, und ich fordere den Abg. Pauli auf, solch einen Llbgeordneten namhaft zu machen. Würde er außerhalb dieses Hauses solch eine Behauptung aufstellen, so würde ich das als eine erbärmliche Verleumdung bezeichnen. (Lärm rechts.) Vizepräsident Dr. Paasche: Ich kann selbst in dieser bedingten Form einen solchen Ausdruck nicht gestatten und rufe Sie deshalb zur OrdnungI (ßärm bei den Soz. Abg. Stadthagen ruft: „?lber die Verleumdung ist gestattet I") Die „Verleumdung" war nicht gegen ein Mitglied dieses Hauses gerichtet. (Zuruf: Jawohl!) Abg. Zubeil (Soz.): Dem Abg. Pauli erwidere ich zunächst, daß er nur deshalb noch Mitglied des Hauses ist, weil er auf feiten der freisinnigen Volkspartei solche Freunde besitzt, daß sie ihm wieder hineingeholfen haben. (Unruhe bei den Freis.) Das beweisen die Wahlziffern. (Redner gibt diese zum besten.) Und trotzdem ist Herr Pauli nur mit 200 Stimmen Majorität hineingekommen. Und auf welche Weise! Herr Pauli sollte hier doch nicht den Mund so voll nehmen, weiß er doch ganz gut, daß seine Tage hier gezählt find! Und bann wird Herr Pauli schiverlich wieder hineinkommen! Dann wird ihm auch eine ganz außerordentliche Wandlungsfähigkeit nicht helfen, mit der er, der Brotwucherfreund und Junkertrabant, sich plötzlich als begeisterter Arbeiterfremid aufgespielt hat. (Unruhe rechts.) Hat Herr Pauli es doch fertig gebracht, sich vor die Spandaner Arbeiter hinzustellen und zu erklären, es tue ihm leid, nicht schärfer gegen die Militärverwaltung vorgegangen zu sein! (Hört! hört! bei den Soz. Unruhe recksts.) Vizepräs. Dr. Paasche bittet die folgenden Redner, diese Unterhaltung über einen einzelnen Wahlkreis nicht zu lang fortzuspinnen. Abg. Pauli (Potsdam, Antis.): Ich werde ganz kurz fein. Herr Singer verlangte, ich sollte Namen nennen. Nun, im lebten Wahlkampf hat in Stettin der jetzige Aba. Herbert von jedem Arbeiter pro Woche 5 Pf. bekommen, insgesamt dadurch ein Ein- | kommen von 200 Mk. pro Woche bezogen. (Lachen bei den Soz. Zuruf: „Für ein Dementi zu dumm!" Große Heiterkeit.) Herrn Zubeil will ich noch erwidern, dah die Sozialdemokraten überhaupt nur mit Hilfe der Freisinnigen in den Reichstag gekommen sind. (Lachen bet den Soz.) Und wenn Sie darauf hinwetsen, wie groß Sie geworden sind . . . Vizepräs. Dr. Paasche (unterbrechend): Sie wollten ja kurz sein! (Heiterkeit.) Abg. Pauli (fortfahrend): Bei den Nachwahlen in Lüneburg und in Osnabrück "haben sie schon genügend viel Stimmen verloren. Ich glaube, das wird so fortgehen, bann fliegen Sie alle heraus! (Große Heiterkeit.) Abg. Herbert (Soz.): Herr Pauli hat behauptet, ich hätte in Stettin von ben Arbeitern Geld bekommen und 200 Mk. pro Woche bezogen. Wer diese Behauptung aufgestellt hat, ist ein Idiot allerersten Ranges! (Heiterkeit.) Und wer so etwas noch kolportiert, mit dem hört man auf, ernsthaft zu diskutieren I (Sehr gut! und Heiterkeit.) Der Rest des Ordinariums wirb hierauf ohne Debatte bewilligt. Beim Extraorbinarium wenbet sich Abg. Gröber (Ztr.) gegen bie Steigerungen, bie der Geheimrat Halley vor kurzer Zeit hier über bie sog. Metzer Bouillonquelle gemacht hat. Die inbirekten Vorwürfe baß sich bie Metzer Stadtverwaltung einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht habe, sei entschieden unrichtig. Ebenso wenig habe in Metz eine Epidemie geherrscht. Der Magistrat habe zur Beruhigung der Bevölkerung durch einen öffentlichen Anschlag ausdrücklich bekannt gemacht, daß keine Epidemie herrsche. Die Aufsichtsbehörde habe also gar keinen Anlaß zum Einschreiten gehabt. Bei allen in Metz Dcrgefommenen Typhusfällen lasse sich ein Zusammenhang mit dem Wasser gar nicht nachweisen. Jedenfalls könne man der Stadt Metz in keiner Weise einen Vorwurf machen, schon eher könnte man ihn gegen die Militärverwaltung und die Staatsverwaltung erheben, da beide bie Erledigung der Wasserfrage Jahre lang in die Länge gezogen hätten. Generalmajor Gollwitz erwidert, dah die Militärverwaltung *an der Wasserfrage nicht beteiligt gewesen sei, er müsse daher den falls für den Ausschußantrag aus und legen bar, welch« Umstände sich aus Der doch den Bürgermeistern der kleinen Landorte zufallenden Aufbewahrung dieser Geräte ergeben würden, ebenso Abb- Weidner, während der Justizminister die Konfisration der Werkzeuge als notwendig bezeichnet und dies näher darlegt. — Der Ausschußantrag auf Streichung des Art. 10 wird daraus mit großer Mehrheit angenommen. Die Artikel 11—16 beruhen auf der Erwägung, daß die Selbsthilfe durch Pfändung in einem gewissen Umfang im Interesse der Sicherheit des Privateigentums zuzulassen sei, und ergaben im einzelnen dieses Pfändungs- recht. Art. 11 beantragt der Ausschluß mit folgendem Zusatz anzunehmen: Die gepfändeten Gegenstände können von dem Bürgermeister dem Eigentümer zurückgegeben werden, wenn derselbe binnen 24 Stunden einen ihren Wert entsprechenden Geldbetrag hinterlegt." ? Nach einiaeu Bemerkungen zwilchen dem Aba. Weidner und Geh. Oberjustizrat Lorbacher genehmigt das Haus den Ausschußantrag und damit den Art. 11. Ohne Debatte erfolgt die Annahme der Art. 12—16 in der Ausschußfassung. Parlamentarische Perhauvliinüei». ßkachdrvck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Nentkcher Reickstag. 59. Sitzung vom 16. März. 1 Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt. Am Bunbesratstisch: bei Beginn bet Sitzung nur Kommissare. Die zweite Beratung des Militäretats wirb sort- «eseht. Abg. Znbeil (Soz.): Zu meiner Befriedigung kann ich konsta- ttieren, baß bie sozialdemokratische Erziehung beim Kollegen Pauli tauf so außerordentlich guten Boden gefallen ist. (Heiterkeit.) Vor Iwei Jahren sprach Herr Pauli noch ganz anders, als gestern. Charakteristisch ist die Haltung des-Zentrums, nicht ein einziges Mal hat ein Zentrumsabgeordneter zu dieser Frage das Wort genommen. Ulnb doch gibt es so viel an diesem „Musterinstitut" auszusetzen. Massenkündigungen und Massenentlassungen sind an der Tagesordnung. Leute, bie zwölf Jahre an einer Stelle gearbeitet haben, finb in eine andere Avteilung versetzt, nur um 50 Pfg. zu sparen. Eine große Härte herrscht auch in Bezug auf die invaliden Ar- keitcr der Militärwerkstätten. Invaliden Arbeitern ist bie Jnva- iibenrente gesperrt worden, weil eine eigene Jnvalidenkasse gegründet i st, zu der die Arbeiter beitragen müssen. Hierdurch wird die Rente toer Arbeiter um 16 Mark monatlich gekürzt. Viel geklagt wird »uch über die brutale Behandlung, die den Arbeitern von den Meistern zu teil w::d. All dies widerspricht dem kaiserlichen Wort, kaß die staatlichen Wertslätten Musteranstalten sein sollen. Jetzt hat man sogar eine Verfügung erlassen, daß Arbeiter bestraft werden, die fünf Minuten zu spät kommen, während sonst doch überall hie fünf Minuten straffrei sind. Mit am schlechtesten bezahlt werden bie Kanzleischreiber, sie müssen 1152 Silben schreiben, wenn sie U5 Pfg. die Stunde verdienen wollen. Unerhört ist es, daß im vorigen Jahre Arbeiter bei der Reichstagswahl in den Dienst der Wahlagitation gestellt wurden. Wäre der Sozialdemokrat gewählt worden, so hätte man die Wahl gewiß wegen Wahlbeeinflussung für ungültig erklärt. Eine Schmähschrift gegen die Sozialdemokratie wurde während der Arbeitszeit oertrieben, ebenso die famosen Liülow-Reden. Noch nie ist eine so schamlose Wahlagitation ge- tnicben, wie das letzte Mal. Ost kommen auch Polizeispitzeleien l or, in Abwesenheit der Arbeiter hat man sich bei ihren Wirtinnen i bet sie erkundigt. Redner führt dann eine Reihe von Einzelfällen i ber angebliche ungerechte Behandlung, Lohnkürzungen und Entlassung von Arbeitern an. Auch Herr Pauli, der „schlichte Mann cus der Werkstatt", der noch vor zwei Jahren die „Spandaucr Musterwerkstätten" in allen Tonarten gerühmt, ist jetzt anderer Meinung! Ja, ja, so geht es: man vergißt, was man wenige Tage, Monate oder Jahre vorher gesagt hat! (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Generalmajor Sixt von Armin: Einen ganzen Teil der Wünsche des Abg. Pauli kann ich zusammenfasten: soweit sie sich cvuf Lohnverhältniste beziehen, liegen sie der Lohnordnungskommif- fjon vor, wo sie eine sachliche Erledigung finden werden. Auch die Wünsche der Arbeiterausschüsse werden dort berücksichtigt werden. 2uan darf annehmen, daß die Lohnordnung sich günstig bewähren und jeden Vergleich mit der Privatindustrie aushalten wird. Das amtliche statistische Material über die Löhne wird jedem Abgeordneten auf Verlangen zur Verfügung gestellt werden. Die Einführung ter neuen Lohnordnung wird endlich stabile Verhältniste schaffen tmb der Beunruhigung in Arbeiterkreisen ein Ende machen. Eine | aibere Frage ist die der Beamtengehälter. Die vorjährige Zusage tes Kriegsministers wird nicht zurückgenommen. Aber es ist gänzlich unmöglich, eine einzelne SBcamtentategorie herauszu- gj elfen. Wann eine allgemeine Neuregelung der Beamtengehälter eimtritt, das ist lediglich eine finanzielle Frage. Je eher sie er- f.ilgen kann, desto lieber ist es der Militärverwaltung. Dem Abg. Zubeil auf alle Einzelheiten zu antworten, bin ich natürlich ganz außer Stande. Von einer Herabsetzung der Akkordlöhne ist mir nichts bekannt. Die Entlassung der Arbeiter ist allerdings zu einem Teil aus Ersparnisrücksichten erfolgt. Aber das Lnunt doch nur daher, daß der Reichstag einen Teil der verlangten Bettäge gestrichen hatte, und man sich nach der Decke strecken mußte. Daß Wahlbeeinflussungen stattgefunden haben, beftreite izh durchaus. Im Gegenteil, es ist sorgfältig alles vermieden Worten, was danach aussehen konnte. Aber weshalb sollte man nicht die Arbeiter belehren? (Gelächter bei den Soz.) Wenn also Schriften den Arbeitern übergeben wurden, aus denen sie Be- li'hrung schöpfen konnten, so kann ich darin nichts Arges sehen. Die Beschuldigungen gegen manche Meister sind keineswegs bewiesen, fit werden untersucht werden. Man sollte doch aber, ehe etwas Positives feststeht, auch den Ruf der Meister ebenso schonen, wie ben btit Arbeiter. Abg. Dr. Becker (Sieg, Ztt.) verlangt Einführung der Pen- fionsberechtigung für invalide Arbeiter und begründet eine Petition der Kanzleiarbeiter auf feste Anstellung. Im übrigen bestätigt eie, daß die Arbeiter in den Militärbetrieben durchaus aufrieben l " Abg. Pauli (Potsdam, Antis.): Ich habe mich jeder Provokation emthalten. Die Herren auf der Linken können das aber nicht lasten. 5'41 hatte das auch gehofft. (Heiterkeit bei den Soz.) Sie, Herr gjubcil, haben im vorigen Jahre mit prophetischer Stimme zu mir gefagi: „Sie, Herr Pauli, sehen Sie sich nur nach einem andern SS(i : -ei< um! Sie kommen nicht wieder!" Wie Sie sehen, bin td) r hier (Heiterkeit), und Sie werden sich an meinen An- £'!id Tinen müssen. Nack Ihrem Geschmack ist das freilich nicht, tt>oh! nach dem der Wähler! Und dabei haben Sie eine Wahlagitation getrieben, die jeder Beschreibung spottet! Sie haben den von dem Vorredner erhobenen Vorwurf entschieden zurückweisen. Herr Gröber sei in seinem Bestreben, bie Stadtverwaltung weiß zu waschen, entschieden zu weit gegangen, er habe zu viel beweisen wollen und hätte deshalb gar nichts bewiesen. Es lasse sich nicht leugnen, daß die Stadt Metz nicht mit der Rührigkeit vorgegangen sei, wie sie es als große Garnisonstadt hätte tun sollen. Geheimrat Hallen weist darauf hin, daß schon im Jahre 1895 es sich herausgestellt hätte, daß die Wasserverhältnisse in Metz unhaltbar seien. Ebenso wie der Vertreter der Militärbehörde f» müsse auch er ben Vorwurf des Abg. Gröber, daß bie Zivilverwal- tung die Schuld frage, zurückweisen. Die weiteren Ausführungen des Redners bleiben unverständlich. Abg. Fürst zu Tohna-Schlobitten (kons.) spricht über die Ent. festigungsfrage von Königsberg i. Pr. Er bittet die Militärverwaltung, bei dieser Entfestigung nicht zu fiskalisch zu verfahren, sondern Königsberg dasselbe Wohlwollen entgegenzubringen, wie ben Städten Danzig und Posen. Königsberg verdiene diese Rücksichtnahme; sei diese Stadt doch ein festes Bollwerk des Deutschtums im Ccn in schweren Zeiten gewesen. Königsberg, eine Stadt ohne besonderes Hinterland, habe an dem Aufschwung der anderen Städte nicht teilgenommen. Die finanzielle Lage Königsbergs und seiner Vororte sei die denkbar ungünstigste, der Steuerzuschlag sei dort wohl der höchste. Er bitte daher, in Berücksichtigung aller dieser Umstände, daß die Militärverwaltung den Verkauf des entbehrlichen Festungsgeländes selbst in die Hand nehme und nur bie Herstellung des Straßennetzes der Stadt überlasse. Generalmajor Sixt von Armin erwidert, daß diese Frage zur Zeit einer kommissarischen Beratung der beteiligten Ressorts unterliege. Vor Abschluß derselben könne er bestimmte Angaben nicht machen. Er freue sich aber, mitteilen zu können, daß der Standpunkt der Militärverwaltung der Stadt Königsberg gegenüber sicherlich ebenso wohlwollend sein werde, wie gegenüber Den anderen Städten. (Beifall.) Der Rest des Militäretats wird nach den Beschlüsten der Kommission erledigt. Damit ist die zweite Lesung des Militäretat» beendet. Es folgen Wahlprüfungen. Zunächst wird die Wahl des Abg. Grafen B a 11 e ft r e m einstimmig für gültig erklärt. Das Haus begleitet das Resultat der Llbstimmung mit sehr lebhaften und sehr heiteren Bravorufen. Graf Ballestcem, der nach dieser Abstimmung das bisher von Dr. Paasche geführte Präsidium wieder übernimmt, erwidert auf die Beifallsrufe, indem er sich lächelnd verneigt. Die Wahl des Slbg. G u e n t e r (8. Königsberg, nat,-lib.) Wirtz für gültig erklärt. Die Wahlen der Abgg. B r e j s k i (4. Mariemoerder, Pole) und Münch-Ferber (1. Oberfranken, nat.-lib.) werden beanstandet. Die Kommission beantragt, die Wahl deS Slbg. Bartling (nat.-lib.) für gültig zu erklären. Abg. Lipinski (Soz.) beschwert sich über das Verbot von Versammlungen in dem Wahlkreis. Abg. Wellstein (Zenfr.) erwidert ihm, daß die Kommission sich nur an solche Tatsachen zu halten habe, die in den Protesten angegeben seien. Die Wahl wird für gültig erklärt, ebenso die Wahlen der Abgg. H u e (Soz.), Wolff-Metternich (Zenfr.), M a 11 s e n (nat.-lib.), Fries (nat.-lib.), Gräfe (Antis.), Lenzmann (freif. 93p.), Dr. Pachnicke (freif. Bgg), S i 11 a r t (Zentr.), Jessen (Däne). Die Wahl des Abg. Dietrich (kons.) wird beanstandet. Die Wahl des Slbg. Buchwald (Sachsen-Altenburg, Soz.) beantragt die Kommission für ungültig zu erklären. Abg. v. Gerlach jnat.-soz., Hosp, der freif. Vgg.) findet die Motivierung dieses Beschlusses unlogisch. Wenn gegen den konservativen Kandidaten Wahlbeeinflussung getrieben fei, so hätten die Wähler ja immer noch für Den Kandidaten der freisinnigen Volks- Partei stimmen können. Weshall) sollen sie gerate dem Sozialdemokraten, der von oben herab, von Herrn von Helldorf, als „Umstürzler" bezeichnet worden sei, $u gute gekommen sein? Er beantrage nochmalige, objektive Prüfung des Materials. Abg. Dr. Wolfs (Antis.) erwidert: Dadurch, daß der Staatsminister Herr von Helldorff gegen den Kandidaten des Bundes Der Landwirte Herrn von Bloedau aufgefreten ist, haben sich zweifellos manche Leute abhalten lassen, für diesen zu stimmen, zwar nicht Bündler selbst, wohl aber Mitläufer. Denn auch der Bund hat feine Mitläufer, genau so, wie Die Sozialdemokraten! (Abg. Bebel ruft: „So dumme nicht!" Schallende Heiterkeit wegen dieses Lapsus.) Abg. Fischer (Berlin, Soz.) charakterisiert Den Beschluß der Kommission als eine vollständige Verleugnung ihrer ganzen biS- ht-rigen Praxis und des prinzipiellen Standpunttes, Den sie bisher stets eingenommen. Slbg. Wellstein (Ztr.) befürwortet Den Kommissionsbeschluß, die Kommission habe sich streng an Die bisherige Praxis gehalten. Nach weiterer Debatte, an der sich die Abgg. Stücklen (Soz.), Dr. Wiemer (freif. Vp.) beteiligen, wird ein Antrag auf Zurückverweisung an Die Kommission abgelehnt. Die Wahl wird in namentlicher Abstimmung mit 126 gegen 81 Stimmen für ungültig erklärt, bei 4 Stimmenthaltungen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr. (Marine-Etat, vorher Nachtrags-Etat.) Schluß 8 Uhr. chboden- Änstrich" rnftcinlatffarbe ewogen, über Nacht h;: per Pid. 90 Ptg. irüutlacharbe gewogen, joiort frei per Pid. 7ö Pjg. ! velsarben, Pinsel«, iustav Walter rburg 13. Telech: ? >5:» -xsK i un» „.(iiFy I ty, 4.X Dauernd Jahre, wahrt nut H grosses GlÖCl iihl ein zarie?, rein- Stft adjrisches, rofigW^ je, imnmelivei®? N ■ Send schöner rckt.-:< erzeugt: Stitituiet MirmniliyNt ad)te aui bit Wr- iBpfcrb, ed)t i St 50 Idolf Bieter ia-Trvtzme,MrMic Lust MV d.d.ö°b^'L «4-^ w ii. M i>n htMt lebt»! Danöct unö Uerlityr. DoltiLüßtlschas! mobil wurde vollständig zertrümmert. * Berlin, 16. März. Dem „Lok.-Anj." zufolge er- schoß sich der Attacht der hiest-en koreanischen Gesandtschaft, Hyensik Hong, wie eS heißt, well er einen Wechsel über 5000 Mk. nicht bezahlen konnte. * Stettin, 16. Mürz. Wie die „^benbpofP «ul LtraSburg m der Uckermark meldet, wurden auf einem ®ute in der Nähe zwei Arbeiter durch Aurströmeu ««ien getötet, em drllter liegt schwer krank darnieder. * Bremen, 16.März. Zu der Mitteilung verschiedener verini-eyre». • Niederheimbach b. Lmgen, 16. März. Gestern abend fuhr ein Automobilfahrer in voller Fahrt gegen em Lastfuhrwerk. Der Fahrer wurde schwer verletzt. Er erlitt eine Brustquetschung und eine Gehirnerschütterung, sodaß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. DaS Auto- Kerrchtssaal. K a l i f d) (Polen), 16. März. In dem Prozeß gegen den Kellner Isaak Weder, der beschuldigt ist, am 14. Dezember 1902 m Berlin seine Tante, die verwilliveie Händlerin Budwiq, eine 60,ahriqe Frau in ihrer Wohnung ermordet und fie beraubt zu haben, wurde heule das Urteil gesprochen. Der Angeklagte wurde zu 15 Jahren Zwangsarbeit und lebenslänglicher Ansiedelung in Sibirien verurteilt. Er nahm das Urteil mit Achselzucken auf. der Bremer Lebensversicherungsbank in Bremen nach Unterschlagung von 30000 Mark sich im Augenblick der Verhaftung erschossen habe, teilt die Bank mit, daß die Unterschlagung bereits mehrere Monate zurückliegt. Der defraudierte Betrag ist sofort seitens der verantwortlichen Generalrepräsentanz ersetzt worden, so daß die Bank keinen Schaden erlitten hat. Prutz ist schon damals sofort entlassen worden. Die Generalrepräsentanz erstattete mit Rücksicht aus die Familie keine Anzeige. Die jetzige Verhaftung muß auf eine andere Ursache zurückgeführt werden. • Mittweida, 16. März. Heilte wurde im hiesigen tädtischen Krankenhause der Wärter Arnold von einem geistesgestörten Insassen durch Axtbiebe getötet. • Kaiserslautern, 16. März. In einem Steinbruche bei Pirmasens wurde bei Sprengarbeiten einem Arbeiter der Kopf abgerissen, vier andere wurden schwer verletzt. • Castre Villari (Prov. Cosenza), 16. März. Gestern abend wurde hier ein heftiger, wellenförmiger Erdstoß Der- spürt. Schaden wurde nicht angerichtet. Kunst. — Tas Trianon-Theater in Berlin hatte am Dienstag, wie L. Schönhoff im „Tag" schreibt, mit seinen Pariser Novitäten rechtes Glück. Beide Stucke haben den Charakter von „Zournalisten-Komödien", Journalisten-Ko- rnödien aber von lebhafterem ^tllgesühl. Tie eine, „Tas elfte Gebot", von dem jugendlichen See, strebt sogar, wenigstens in ihren reiiulajeten Par^i n, nach der Cha« ratter-Komödie, sie ist aber sonst wohl zu schwer mit lebhaftem Raiionnement biuadeu. „Tas elfte Gebot" könnte etwa mit den Versen gekennzeichnet werden: „Hai der Jüngling ein Vergn. gen — Sei er dankbar und verschwiegen". Und Herr Lucien Rivolet ist nicht wasserdicht. So hat der Tropf das Nachsehen und führt, ähnlich wie der Tümmling in der „Ehpriennc", die beiden Ehegatten ersl recht zusammen. Tie zweite Komödie, „Ter Dieb" von Mirbeau, (das uns in Gießen für den nächsten Thea- teroereinsabend in Aussicht steht) ist kurzweiliger und schlagkräftiger. Freilich bedeutet sie schließlich nur den Mo- nolog eines philosophischen Einbrechers, der sein Handwerk sozusagen in Schönheit übt. Im zweiten Abschnitt des Gesetzentwurfs „Strafbestimmungen" behandeln die Art. 17—25 die Jelb- entwendung. Art. 17 entscheidet im Anschluß an unser eitheriges Feldstrafrecht die Frage, bis zu welchem Zeit- >unkt Früchte dem Feldschutz unterstehen sollen, dahin, daß ich der Feldschutz erstreckt nicht nur aus die bereits vom Soden, Stamm oder Stock getrennten, noch nicht eingescheuerten Früchte, sowie über den Grundsatz, daß nur Früchte des Grund und Bodens den Feldschutz genießen, hinausgehend, auch aus sonstige Gegenstände der Feldwirtschaft, wie Tungstoffe, Hopfenstangen, Pfähle 2c. Ter Ausschuß hat für Art. 17 eine andere Fassung beantragt, wonach mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft bestraft werden soll, wer 1. noch nicht eingebrachte Erzeugnisse oder sonstige Ausbeute des Bodens, 2. Tungstoffe, 3. bewegliche Gegenstände, welche als Nutzen für Gewächse oder zum Schutze der Felder ober ihrer suchte dienen, — von Feldern entwendet. Tiefe Strafe tritt nur ein, wenn der Mert des Entwendeten 15 Mk. nicht übersteigt. Tie Bestimmungen des Reichsstrafgesetzbuchs in § 370, 2 bleiben unberührt. Tie Strafe soll, sofern keine strafmindernden ober erschwerenden Umstände vorliegen, in einer dem vierfachen Mert des Entwendeten gleichlommenden Geldstrafe, jedoch nicht unter einer Mark, bestehen. Tas Sammeln von Untraut oder anderen Bodenerzeugnissen, die für den Besitzer des Bodens keinen Wert haben, ist straflos, sofern es nicht vom Eigentümer, sonstigen ^Nutzungsberechtigten oder der Gemeinde verboten ist. Entwendungen aus Gebäuden, die sich in Feldern befinden, oder aus Vergwerk- schachten unterliegen der Bestrafung nach dem Strafgesetz. Justizminister Tr. Tittmar hat gegen vorstehende Umänderungen des Art. 17, die auch zum Teil nur redaktioneller Art sind, keine prinzipielien Bedenken, hält aber im Interesse der Einheit!.chleit des Entwurfs.die Annahme der Regierungsvorlage für geboten. Nach einer längeren, aber unwesentlichen Debatte, an der sich die Abg. Tr. Buss, Leun, Hauck, Braun, Tr. Tavid, Wolf, Erk, Schönberger, Schill, K o r e l1 und Tr. Heidenreich, sowie der Justizminister beteiligen, wird Art. 17 nach dem Ausschußantrag angenommen. Ohne Tebatte werden dann die Art. 18—21 genehmigt. Tie folgenden Artikel betreffen die Feldbeschädigung. Für Art. 25, welcher bestimmt, daß mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. ober mit Hast bestraft wird, wer auf Feldern vorsätzlich und rechtswidrig jremoe Erzeugnisse oder sonstige Ausbeute des Bodens, orer fremde beineglioje Gegenstände, bie als Stütze für Gewäcyse oder zum schütze der Felder ober ihrer Früchte bienen, ober wer endlich ös,entliehe ober Privatwege zerstört, Pfähle, Tafeln re. wegnimmt re. — hat ber Ausschuß ebenfalls eine andere Fassting festgesetzt, ni welcher der Artikel auch genehmigt wird. Weiter werden noch angenommen die Artikel 23, 27 tinb 28. Tie Artikel 29 uno 30 regeln den Weidefrevel; ersterer wird genehmigt, für letzteren, den der Ausschuß zu streichen beantragt, die Beschlußfassung ausgesetzt. Rändern dann noch die Art. 31, 32 und 33 angenommen, vertagt sich das Haus auf morgen früh 9 Uhr. Behauptung zurückweisen, als ob er die Bundesregierungen verstimmt hätte, weil er diesen seine Erklärung nicht vorher angekündigt habe. Zu bedenken sei ferner, daß bie verbündeten Regierungen nach wie vor eine Zulassung von Niederlassungen der Ordensgesellschaft Jesu nicht beabsichtigen. Bon einer Aufhebung des 8 1 des Jesuitengesetzes sei absolut ketne R e d e. Die Zustimmung des Bundesrats zur Aufhebung des 8 2 wäre vielleicht schon früher erfolgt, wenn nicht durch das Auftreten des Bischvss von Trier der Zeitpunkt für die Aufhebung unpassend erschienen wäre. Die Aufhebung selbst sei ein Gebot politischer Zweckmäßigkeit. Mitglieder ber verschiebensten Parteien haben sich für bte Aufhebung ausgesprochen. Es ist also nichts geschehen, weder auf gesetzlichem noch auf personellem Wege, was den wiederholten Vorwurf der Schwäche der Regierung gegenüber dem Ultramontanismus rechtfertigen funnte. Versteckte Vorwürfe des Abg. Dr. Porsch müsse er zurückweifen. Die Katholiken hätten allen Grund, mit ihrer Lage zufrieden zu sein. Der Gegensatz zwischen den büigeniü^en Parteien dürfe nicht durch übertriebene Betonung der konfessionellen Gegensätze verschärft werden. Ihre Einheit ist notwendig im Interesse der nationalen Erschloss.nheit nach außen tote gegenüber der sozialdemokratischen Gefahr im Innern. Was sie trennt, müsse aus dem Wege geräumt werden. (Bei- f all im Zentrum.) Aus und Lund. Gießen, den 17. März 1904. ** Empfänge. S. K. H. der Großherzng empfingen am 16. März u. a. den Prof. Dr. Sievers von der Landes-Universität Gießen, den Pfarrer Schwabe von Gießen, den Bürgermeister Stöpler von Lauterbach und den For''tmeistcr Spieler von Friedberg. •• Personalien. Ernannt wurde am 12. Marz d. I. der Amtsgcrichtsdicner bei dem Amtsgericht Hungen Heinrich Nicolai zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Gießen mit Wirkung vom Dienstantritt des für das Amtsgericht Hungen neu zu bestellenden Gefangenwärters und der Vizefeldwebel im Infanterie - Leib - Regiment Großherzogin Nr. 117 in Mainz Johann Engen Schlett zum Anlls- gerichtsdiener bei dem Amtsgericht Gernsheim. Frankfurt, 16. März. Tie Vernehmung Staf- orsts wurde heute fortgesetzt. Nach der Tat begaben sich >ie Raubmörder nach ber Aussage bes Stassorst nach bem Norbenb unb in die Eckenheimer Landstraße, von wo aus ie wahrscheinlich durch den Knoblauchsweg, vielleicht auch rurch einen anderen Feldweg nach der Eschersheimer Land- traße gingen. Auf diesem Weg soll Groß den Zweikilo- gewichtstein weggeworscn haben. Groß begab sich über bte Eschersheimer Landstraße in seine Wohnung, während Lfas- forst über den Affen st ein und auf Umwegen in die Mainzer Landstraße und von da nach Griesheim ging. Tie Untersuchung ist also im vollen Gange. Täglich gibt es Vernehmungen, oft solche von vier unb fünf Stunben. Einstweilen tounbert sich Groß barüber, baß er überhaupt noch itzt. Dieser Tage sagte er zu einem Beamten, es wäre etzt Zeit, ihn enblich freizulassen, ba er doch mit dergänzen Sache nichts zu tun habe. Groß sitzt in ber Zelle, tu ber sich ber Röbelheirner Mädchenmörder Strack erhängt hat. Gestern morgen wurde er in Ketten gelegt, mit Hcmd- und Fußschellen versehen. Dabei wird ihn wohl eine böse Ahnung beschlichen haben. Ueber das Verhalten des Groß in seiner Wohnung meldet ein Berichterstatter ber „Frkf. Ztg." noch Einzelheiten. Nachdem Groß füngiertet Jahre, ohne polizeilich gemeldet zu sein, in ber Neuhofstraße logiert hatte, zog er am 20. Februar in bte Wohnung feiner Braut, Hansteinstraße 13. Er gab sich für einen Mann aus, ber“ über Gelbmittel verfüge; sein Vater habe eine Klavierfabrik, die er einmal übernehmen könne. Gelegentlich sagte er, er sei Geschäftsführer bei Lichtenstein! Als am Abend des Morbtags die Uniat besprochen wurde, meinte er gelassen: „Na, die Täter frieren sie wohl nie, bie finb längst über alle Serge!" (Sine Erregung war an ihm nicht zu merken. Er war an diesem Abend gegen seine Gewohnheit zwei Stunden früher nach Hause gekommen als sonst. Gewöhnlich ging er nach dem Morgenkaffee, den er kurz nach 9 Uhr mit feiner Braut einnahm, weg und kam gegen 4 Uhr nachmittags wieder. Abends war er stets gegen 10 Uhr zu Haufe. Seine Wirtin hat er nicht bezahlt; er wollte feine Rechnung am Tage des Auszugs begteid)en. Den Hochzeitstag hatte er unter allerhand Ausflüchten immer hiuausgefchoben. Mit großem Eifer las er bie Zeitungen, uno zwar nur bie Berichte über ben Mord, aber er selbst brachte nie das Gespräch barauf. Tie wiederholten Haussuchungen bei ihm haben nichts ergeben. Sogar die Asche im Ofen ist genau untersucht worben. th. Gießen, 16. März. Der bieswöchige Viehmarkt, mit bem ber Frühjabrs-Pferdcmarkt verbunden war, zeigte, was Rmdvieh aniangt, einen recht starken Vorrat. Zum Verlauf standen ItAXJ—lu5U e-tüa Großvieh, darunter luO Fahrochsen, etwa 503—3o0 Kälber, 350 Schweine, 350 Pferde und 40 Fohlen. Für das Ascha ft in Milchkühen fehlte es nicht an Kuno schäft, die tote immer vom Rhein, Main unb von der Sieg an den Markt gekommen war und teilweise am Vormarkt bereits starke Einkäufe in ostfriesischer Ware machte. Obschon die Verkäufer für gute Kühe hohe Preise verlangten, wurde doch ein recht guter Handel erzielt. Das Geschäft in alten Kühen macht sich an unseren Märkten immer schwerer, die nachdem ie abgemotlen sind, gemästet und zum Schlachten vertäust werden. Der handel in Fahrochsen, welch? in sehr schomn Paaren zu Haden waren, war sehr belebt. Besonders die Landwirte aus dem Kreise und der Provinz, bei btrnii man jetzt mit der Feldarbeit beginnt, sorgten bafnr, m ber Handel in Gangvieh recht belebt sich gestaltete und damit zusammenhängend gute Preise für die Ware erhielt wurde. Das Geschäft in Fettvieh, mit Ausnahme von ungen fetten Rindern, welche gefugt waren, machte sich weniger gut Auch beim Kälberhandel waren die Hoden Preise des letzten Marktes nicht zu erzielen. Es wurden gehandelt: Kühe frischmelkend und tragend 1. Qualität 425—500 Mark, 2. Qual. 350—400 Mk., 3. Qual. 26O-32o Mark, Abmelkkühe 200—240 Mk. pro Stück. Fettvieh wurde gehandelt der Zentner Schlachtgewicht: Fette „Rinder 1 Qual. 60—68 Mk., 2. Qual. 62-64 Mk., fette Kuhc 4S-o- Mark, Kälber 1. Sorte 65—70 Mk., 2. Sorte 60-64 Mark, 3. Sorte 54—58 Mk. Gangvieh wurde verkauft pro Paa 1. Sorte 880—980 Mk. (einzelne Paare höher; das bcsie Paar ging für 1070 Mark nach dem nahen Annerck fort), 2. Dort« 78O-8ÖO Warf, 3. Sorte 680-740 ®« 21/2—3jährige Fahrstiere wurden pro Paar mit 660—jju. verkauft. Um den kleinen Vorrat von Schweinen war Handel nicht groß. Tie erzielten Preise waren Nicht ho^ doch kann man von einem eigentlichen Markt bei oem geringen Auftrieb nicht reden. Ter Vorrat an jßfctD bestand meist aus Arbeitstieren und zwar durchschmt uw prachtvollen Exemplaren, für welche allerdings ansehnl Summen gefordert, und da gutes Pferdematerial nirge - billig zu haben ist, auch von den Käufern, bie am Markt waren, bezahlt warben. Unsere heimischen Pstn hänbler Frensdorf und Michel brachten größere TranSponr ausgefucht schöner belgischer Pferde. Aber auch die a . roärtigen Konkurrenten leisteten in der Qualität der - Verkauf vorgeführten Gäule Vorzügliches, ^er Setie? während der eigentlichen Marktstunden auf dem Ps markt war gewaltig. Wenn auch unter den Besuchern Marktes die meisten Neugierige waren, so waren doa« genügend Käufer darunter, sodag die Har^elsleute our Ichnittlich mit dem pekuniären Erfolg des Marktes zufrieden sind. Von den Interessenten wurd ob anerkannt, daß das Pferdemarktkomite-; seinevolle digkeit getan und sich berechtigten Wünschen 0c0en5r entgegenkommend gezeigt Hot. Auch aus, daß die Markieinrichtungen sur den Bserdeyanv I praktisch seien, und daß man beim Herbstpferdemartr Gießen wieder zur Stelle sein werde. Allbekannt ist da» Wirten der Krankenpflege, und Vereine in Krieg und Frieden. In A.ierke.mung der groveu dienste Hal die hoh« Kaiserliche Regierung bei A,ch lö andere Bundesstaaten bie Genehmigung ,u einer awje l-tteri. »,n E (Äelbgtro. mit SHL 0eöeb«n, beceiiggj bereits am 11. und U. April 1904 Uattfuidet. Die vaup'S smd Ptk. 90,000, Mk. 10,000, Wt. 6,000 M. Da» 11 Lose 10 Mk. unb fmb solche beim etragburp l tz. und allen bekannten ^os-Berkauieste zu Näheres ist aus de« Jnseraien zu ersehen. Keer und Iloile. Berlin, 16. März. Die auffallende plötzliche Ver- 'etzung von 8 jüngeren Offizieren de§ 1. Garde- Regiments zu Fuß wirb in Potsdam viel besprochen. Es handelt sich um Offiziere, die zu dem Kronprinzen m freundschaftlichem Verhältnis stehen. Ein Gerücht will wissen, daß die Versetzung deshalb erfolgt ist, weil die Offiziere in Gemeinschaft mit dem Kronprinzen in Berlin die Aufführung von Beyerlcins Zapfenstreich in Zivil besucht hoben, was aiich für den Kronprinzen nicht ohne Rtißh eilig keilen abgelaufen sein soll. München, 16 März. Die .Korrespondenz Hoffmann" meldet: Tie in der Presse verbreiteten Gerüchte von einer bevorstehenden Abberufung des Generalmajors v. Endres von dem Posten des bayerischen Militärbevollmächtigten in Berlin en Wehren jeglicher Grtindlage. ’£uduminlaii|d)es Berlin, 16. März. Tie Bud getkommission des Reichstages beriet den Etat für Ostafrita weiter und ■ bewilligte 70 000 Mk. für die Grenzfeststellungslommission gegen Uganda und Britifch-Ostafrila. Tie Kommission beschloß, dem Plenum zu empsehlen, die von der Reichspoft- verwaltung abgerundete Vorlage, nach welcher 300 000 Mk. nicht für die Telegraphenstrecke Tabora-Najiji, sondern für bie Strecke Tabora-Muamsa verwendet werden sollen, anzunehmen. Tie Kommission berät sodann den Etat für Togo und genehmigt die dritte Rate mit 430000 Mk für den Bau einer Landungsbrücke in Lorneund für den Bahnbau Lorne-Kleinpopo. Sodann soll der Etat für Südwestafrika beraten werden. Tie Kommission beschließt jedoch, mit Rücksicht aus die dortigen Ereignisse die Beratung auszusetzen und beim Plenum zu beantragen, ihr den ganzen Etat für Südwestafrika nebst den Nachträgen zu überweisen. Tie Kommisf i.on nimmt darauf das Küpilel Kolonialverwaltung aus dem Etat des Auswärtigen Amtes an und gebt zur Generaldebatte über den Gesetzentwurf betreffend Aenderungen im Finanzwesen des Reiches über. Abg. Müller-Fulda begründet den von ihm ein» gebrachten Antrag, welcher weiteres Material betreffend die voraussichtliche Entwicklung der nächsten zehn Jahre fordert. Schatzset'retär Frhr. v. Stengel sagt letzteres zu, soweit es ohne Prophetengabe möglich sei. Abg. Tr. P aa s ch e bekämpft den Antrag. Eine Beantwortung ber gestellten Fragen fei unmöglich. Abg. Bebel glaubt dies ebenfalls. Abg. Richter hält die Fragen für berechtigt, obschon ihre Beantwortung nur für einen kürzeren Zeitraum möglich fei. Ter Augenblick fei wegen der unsicheren Lage für eine Finanzreform ungeeignet. Schatzfekretär Frhr. v Stengel erwidert, gerade die Zeit einer ungünstigen Finanzlage fei günstig für die Turchführung der Finanz- reform. In guten Zeiten denkt niemand an eine Reform. Tie Wirkungen der Lex Franckenstein haben sich heute in bas Gegenteil verkehrt. Tarum werden Richter und Bebel fonfequenterroeife jetzt deren Gegner. Auch das Zentrum sollte es tun. Daß neue Steuern kommen, werde wohl behauptet, niemand aber weiß es. Tie Franckenfteinsche Klausel umfaßt heute 400 bis 500 Mill., piefe Summe wird auf 500 bis 600 Millionen steigen. Tie Vorlage soll den Etat übersichtlicher gestalten und den Bundesstaaten einigen Schuk gewähren dadurch, daß das Reich sich nach einer beftimmteu Decke streckt. Tie Vorlage ist maßvoll und entspricht dem gesunden Menschenverstände. Tie Gegner unterschieben der Vorlage fälschlich Tendenzen, welche den Regierungen durchaus fremd find. Zur Zeit der Schaffung der Franckensreinfchen Klausel dachte man nicht an ungedeckte Ma.rikularbeiträge. Die Einzel- staaten können ange sichts ihrer großen inne* xen Aufgaben nicht auf die direkten Steuern in q u n fi e n des Reiches vernichten. Im Interesse des vieiches liegt es, st a r k e Gli e d er i n d e n Bu n d e s - staaten zu haben. Tie Weiterberutung wird auf morgen Berlin, 16. März. Bei Beratung des Kultus- Etats im Abgeordnetenhaufe antwortete heute Ministerpräfident Graf Bülow auf Vorwürfe der Abgg. tzackenberg (nl.) und Porsch (Ztr.). Von A b b ä n g i g t e i. t der Regierung vom Zentrum und politischem Kuhhandel tonne feine Rede sein. Weder daä Ge.Vtz über bie Sicherung bes Wahl-GeheimnisseS, das übrigens von feiner Seite ernstlich befämpft wurde sowie auch die Erhöhung des Zolles auf Braugerste sowie die Errichtung einer fathol.-theoi. Fafultäc an ber Universität in Straßburg fönnten als ein Sntgeaenkommen gegen-