Mittwoch, 17 Februar 11)04 154. Fahrg. trtMtn kvgsich mtt üirftnatm* M SemttaQft T> .Kietz' ^auitlteoblätier «erbe» bem ti.i^eipet r rma «ücdeaUut »etgelegi Dei hefstfcke tauocol" “ eOchetw ewnatlut ttnmeL Giehener Anzeiger 8rrtmf**mnt •» •* <1******* • «»»*<• a> 'm» e»i^9v-w»t •«< ftomilart8brw6 «n* »a a*twrftldt«>cu<1»-. - üuoa mm» >«<»■ General-Anzeiger, Amv- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen. keinen Wert. Zentralkomitee unterwerfen, weil sie /ick überhaupt^ nicht dem Urteü . . . w .. ,...._____t__hto rtlfpn S-.rtniTi' nnnennrpn. d e s ffiÄXlÄMÄZ&W Siiw Technischen. Datier ist vielleicht Mich eine iMgewöbn- michbegreiflick^daß von diesem Standpunkt aus Graf Posadowslh licke Behandlung am Platze. ®r erfiaL aesagt bat/ die Sezession führe nickt zur Veredelung der Kuns. merung m Z'kunft .war gerecht, aber wohlwollend sich verhalten buni vere in keine Rede sein. Nun gingen aber dtc Sezession wollte sich nicht dem zession an. Nnd nun müssen wir hier im Reichstag die Frage aufwerfen: Wie sollen wir uns diesen Bestrebungen gegenüberstellen iptb tote hat die Regierung sich der modernen Richtung gegenüber zu Verhalten? Ich freue mich, daß Graf Posadowskh erklärt hat, Regierung und Parlament seien nicht .zuständig, nur für eine Kunst- ricktung sich zu entscheiden. Darin hat er Recht, es wäre ganz verkehrt, wollte man einseitig für eine Richtung Partei ergreifen und eine andere unterdrücken. So wenig es je möglich gewesen ist, eine große geistige Bewegung künstlich niederzudrücken, so wenig w'rd es irgend jemand, und stände er noch so hoch im Reich, möglich sem, der Kunst zu gebieten, andere Bahnen zu gehen, al? sie von seckst geht. (Lebhafte Zustimmung.) Richtig wäre es, wenn die Regierung das neue zu fördern sucht, damit sich das Edelmetall von den Schlacken sondert. Wo die Kunst entartet, wo sie ekler Sinnlichkeit dient, da muß jeder Kunstfreund ihr entgegentreten, wo die .Kunst darnach strebt, bte Autorität zu untergraben . . . (Schallendes Gelächter links. Redner, zu den Sozialdemokraten: Ja, sehr richtig l Solche Bilder sind Ihrer Richtung in der Tat nicht fern, Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Redner sfortfabrend): Wo sie dem Volke die Freude an den Idealen zu vergällen sucht, da darf dre Regierung ihre Förderung ihr nicht mehr zu teil werden lassen- Ich will eine freie Kunst, aber ich will keine freche Kunst. (Gelachter links.) die Ausnahme Wert, alles andere, Fleiß usw., haben Nur die Eigenart ist entscheidend Wenn wir das als richtig anerkennen sollten, wohin würde das führen? Nun, zu einem lieber» Menschentum. Derartiges aber kann eine gesetzgebende Körperschaft nicht fördern. Die Erzeugniste der Sezession sind auch mitunter sehr sonderbarer Art. Da hat ein Sezessionist das Portrat seiner Frau ausgestellt, und dieses war in einer Manier gemalt, daß es allgemeines Kopfschütteln erregen mußte. Der „Kladderadatsch hat dazu die treffende Inschrift gefunden: Wandrer, steh' und weine. Sieh, dies hier ist die Meine, Ich wollt' es wäre Deine I (Heiterkeit.) Die Künstler der Sezession sind nicht nur Sezessionisten in der Kunst, sondern auch im Leben. Sie sind anderen Stimmungen und Empfindungen unterworfen, als die anderen Menschen. Daraut müssen wir Rücksicht nehmen Aber daS kann uns mckt veranlagen, die Allgemeinheit ihren Forderungen zu unterwerfen Ick mockte hier ein sehr warmes Wort einlegen für d,e .einheitlichen Bestrebungen des Künstlertums. Der Künstler soll nickt gebunden Kin durck Ungerechtigkeiten, aber auck diese Ungebundenheit muß der Beschränkung unterliegen, die in dem Satze ausgesprochen ist: Sain« rei puhlicae supr-ma lex. Der Gedanke, aus dem heraus der deutsche Künstlerbund entstanden ist, ist ein idealer und verdient unsere wärmsten Shmpathien. Es ist mich WieKo?, daß die Leute, die sich in ihm zusammengefunden, ungewöhnlich begabt und. Partamcmariiche Perlianslungen. Nachdruck ohne «-reindarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. ?on Künstlern uTkVtoVrf'en tooöte,' die der alten Schiile angehören. Der Kampf zwischen der Sezession und der alten Schule ist em geistiger Kampf, der sick mit rein sachlichem Boden bewegen mutz. Wenn ich mich nun frage, war die Ausstellung der geeignete Lrt, diesen Kampf der Künstler und Geister zur Entscheidung zu bringen, so sage ich nein. Ick habe den Eindruck, als ob man bet diesem Emanzipationskampf, den die Sezession gegenüber der alteren Kunstrichtung führt, die Ausstellung dazu benutzen wollte, um sich offiziell in der Welt einzuführen, und diese Aufsaßung wird veitatigk durch eine Aeußerung in der Broschüre der Sezession, warm es hecht, der Kampf müsie mit der Faust geführt werden. Nun ist der Abg. Singer ja mtd) für die Sezession emgetreten Ich meine aber tm allgemeinen steht die Sezession keineswegs auf dem Standpunkt der Sozialdemokratie. Sie wünscht zu individualisieren, wahrend m der Kunstgenosimsckast das Stimmreckt aller entscheidet. Dem Partikularismus mif staatsrechtlichem Gebiet ist ja durch die Schaffung des Reicks begegnet worden. Wir haben ein einheitliches Reick, also müssen wir meines Erachtens auch einheitlich aus der Ausstellung vertreten sein. ES wäre aber keine Vertretung gewesen, wenn man einer ganz bestimmten Kunstrichtung eine gesonderte Ausstellung eingeräumt hatte. Wenn die Sezession hatte ausstellen wollen, so hätte sie dazu Gelegenheit gehabt, und es waren alle Kautelen dafür gegeben, daß sie nickt majorisiert werden tollten. Aber sie batten den Wunsch, auch äußerlich getrennt cni^^llen. Die verbündeten Regierungen haben es schließlick als vraktisch erkannt, daß bei der Kür-e der Zeit und im Hinblick darauf, daß die deutsche Kunstgenosiensckafl eine alt organisierte, mit Dicken Erfahrungen ausgestattete Gemeinschaft war, grundsätzliche Aenbe- runaen im letzten Augenblick nickt mehr vornehmen zu lasten. Ww werden ja noch mehr Ausstellungen beschicken und uns jedenfalls, wenn wir das tun, aufs neue auch mit der Sezession in Verbindung setzen. Jedenfalls haben wir im vorliegenden Falle keineswegs tn einer Weise gehandelt, die die Beteiligung der Sezession ausge- schlossen hätte. Wenn die Herren sich selbst ausgeschlossen haben, so beruht das auf anderen Gründen, aber nicht darauf, datz sie mcht zur Geltuna kommen sollten. Abg. Graf Crtola snat.-lib ): Die Ausführungen des Grafen Posadowskv bedauere ich im Jnteresie des Zusammenhalts der deutschen Künstler. Nur in einem Punkte kann ick ihm Reckt geben. Er bat gesagt: „In der Sezession habe ick von Kunstwerken manches gesehen, was abstoßend auf Mick gewirkt hat." So ist es mir auch ergangen, denn ich bin durchaus kein Anhänger der Bestrebungen mancher Sezessionisten. Wenn ick hier für sie eintrete, so tue ttfii c8 aus dem Grunde, weil ich will, daß Gerechtigkeit geübt wird den verschiedenen künstlerischen Bestrebungen gegenüber. Von der Elendsmalerei, die Herr Singer hier gerühmt bat, bin ick kein Freund, und gerade die Arbeiter werden sick solche Elendsbilder auck schwerlich in ihre Zimmer hängen. sLacken bei den Sozialdemokraten.) Nun, Sie (=u den Sozialdemokraten) wissen dock sehr gut, daß die Arbeiter solche Bilder nickst kaufen können, daß sie sich bag-wn andere Oeldruck in ihre Wohnungen hängen. (Soeben bet den Sozialdemokraten. Zurufe: Ja, weil sie kein Geld haben I) und es ist ja auch sehr erfreulich, daß manche Arbeitgeber dafür to^Sf*» daß die Wohnungen der Arbeiter durch solche Kunstwerke verschont werden (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Was in der Sezession abstoßend mif mich wirkt, das ist die Zügellosigkeit mancher Bilder. Ich habe Werke gesehen, die sich auszeichnen durch die Frechheit der Technik. (Gelächter links.) Da will man um jeden PreiS nur Neues, Eigenartiges schaffen. Die wirkliche Aesthetik wird niedergerisien. (Sachen links.) Unter dem Kleide einer gesuchten Originalität verbirgt man den Mangel ernster Studien. (Zuruf: Was verstehen Sie davon?) Da werden einfache Skizzen hsti- gehängt, nicht durchgearbeitete Dinge (Zuruf links: Schrecklich!), die werden dann als vollendete Meisterwerke betrachtet und von Beuten, die sich für geistreiche Kritiker halten auch als vollendete Meifter- werke gepriesen. Wenn dagegen ein anderer Künstler sein Werk bis zu Ende sorgsam durchführt, dann gilt er in jenen Kreisen als Pedant. (Sacken links.) Es ist ja geradezu Mode geworden, gewiße Extravaganzen zu macken (Sacken links), unb_ die anderen, die das nicht mitmachen wollen, werden als Reaktionäre, als Rückschrittler hingestellt. Das habe ich an der Sezession zu tadeln. Aber auf der anderen Seite muß man mich konstatieren, daß J>ie neue Bewegung uns Hervorragendes gebracht hat, und wir müßen mit dem Abg. Spahn den Sciftungen eines Siebermann und anderer unsere volle Anerkennung zollen. Und auch daS muß ich Herrn Dr. Spahn zugeben: Ein Mann wie Manet ist für unsere deutsche .Kunst ein großes Vorbild gewesen, selbst wenn Herrn Hennig die Lobpreisung eines französischen Meisters nickst gefällt. Die sogenannte Sezession hat uns geholfen, uns freizumachen von konventionellen Voruisteilen. Die Entstehung der Sezession war eine Notwendigkeit (Zustimmung), sie hat der .Künstlerschaft geholfen, daS Selbstbewußtsein einer traurigen Mittelmäßigkeit zu brechen. Eine Reihe der angesehensten und tüchtigsten Künstler gehört der Stauch die Bemerkungen de§ Vor- Eigl) und weil das erstere Verfahren zu erheblichen Be- Gerade ihnen h^t die, Kmist^viel Lfcn ^laß gab. deshalb sollte es zetzt verlaßen werden. Ware I Was wäre die Kunst geschehen, dann Ware man schließlich darauf hmausge- n gewesen, (tfurur. ?omtnei1 Mnge der bemalten Seinehxmb entschiedend ge- 34. Sitzung vom 16. Februar. 1 Uhr. Das Haus ist schwachbefetzt. Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky u. a. Die zweite Beratung des Etats des Reichsamts Innern wird fortgesetzt bei den einmaligen Ausgaben, Titel „Kosten der Beteiligung des Reichs an der Weltausstellung in St. Souis, zweite Rate 2 000 000 Mk.". Abg. Singer (Soz.): Meine Freunde haben Zuschüße für Weltausstellungen stets bewilligt, werden es auch diesmal tun. Zur Kunstfrage muß ich bemerken, daß in der Kommission alle darüber einig waren, daß die Sezession vertreten sein müße. Es hat mich sehr gefreut, daß Herr Dr. Spahn in so warmen Worten die Regierung aufgefordert hat, sich nicht in den Streit der Kunstrichtungen zu mischen. Zweifelhaft ist mir freilich, ob Herr Svahn der Meinung aller seiner Freunde Ausdruck gegeben hat. Man denke nur an die Haltung des Zentrums im bayerischen Sandtag! x-te Sezession hat im Volke selbst Boden und Verständnis gefunden. Die realistische Manier, die Not und das Elend darzustellen, die ganze Armeleutemalerei hat weite Kreise unseres Volkes warm berührt. Gerade diese ist es aber auck, die den Widerstand in hohen Kreisen hervorruft. Man will das Elend nickt sehen. So ist denn Der Künstler soll sich frei entwickeln können, ohne Bevormun- ig von Behörden ober Akademie-Direktoren. Ick (matze und vciebre eS, wenn seitens unserer Landesherren emgetreten wird für die Förderung der Kunst, und ichkann Herrn Henmg darin recht geben, daß von Fitostenhöfen viel für die Kunst geschehen ijt. Aber wir wollen eins nicht vergeßen: wenn wir an die Renaissance denken, an die Medicäer, die die Kunst gefordert haben, so haben sie es dadurch getan, daß sic der Entwicklung der Kunst den fteiesten Spielraum gelaßen haben. Die Werke e,nes Tonatello, emc5 Michel Angelo, eines Signorelli sind nur möglich geworden, dadurch, daß Fürsten sich gefunden haben, die der sich entwickelnden Kunst die Wege geebnet haben. Wie steht die Regierung nun biejen Anschauungen gegenüber? steiiikunst" ist, fein kann, durfte jedem bekannt sem, der auch nur - , bervortreten labt und minbe^'m? ebenso ganz oberfläcklickdie Kunstentwicklung beSlcbten5abr^bnt§tieL» eHra^agn,^ f-nc 6nf|Tr Konventionalmalerei, nur daß diele folgt hat. Die Sache kann uns nicht gleichgültig bleiben bei der jem Beschauer leichter verständlich wird. Ick habe ferner Budgetbewilligung: handelt eS sich doch auch um sehr materielle ^n Eindruck, daß die Sezeßion sich schließlich Jntereßen daber. Amerika ist bekanntlich em sehr bedeutendem Markt gei b56eren ^eal durchrinaen werde, daß sie schon eine für die moderne Kunst Schicktman nurbie , bonCrtrobagou.en abaestoßen hätte und daß auf der an- forten hm, bleckt das Beste der deutschen Kunst dost ausgefchlosftii die hergebrachte Malerei manches von der Sezession — so hat schließlich Deutschland fE den Schaden davon, ver,^^ richtig!) Ich habe den Eindruck, als ob die gibt nun einmal lerne offizielle Kunst Noch weniger lummes sich allmählich' auszugleichen beginnen, denn auch m sich die Amerikaner um „offizielle Dinge. Cb bonun§ patentiert Sezeßion gibt es ganz außerordentlich viele Stufen. Davon oder nickst, das ist ihnen gleichgültig.. Wird ine Gemeinheit n nun Merdmas nickst die Rede sein, ist auch nicht die Rede, Anspruch genommen, so muß auch die Allgemeinheit den Nutzen ) toir ^ier als snmmus judex diesen Streit entscbecken foüten haben. Wir haben es eben hier tn Wahrheit wieder einmal nut dem ^der die Regieruna noch das Parlament zuständig. Und Ausfluß eines persönlichen Regiments zu tun!. (Sehr too^r! itnW.). ehl(? Einigung zwischen den beiden Parteien wird nickst möglich „Meine Künstler", „Meine Schauspieler . Darin druckt sich das auüerfte Flügel der Sezession erflärt, die Maler der ------- " ' • ‘ wollen niemandem I schule könnten ja noch nicht einmal ordentlich sehen, was sie auf einem 5-bron während aus der alten Schule heraus erklärt wird, bte Se- ro’n—a" auf keinen Fall die Anerkennung versagen. Der Deutsche Künstler bie Sezession erflärt: Jeder stund ist nun einmal, zu st^de gekommen Di« seiner eigenen künstlerischen B preußischen Kultusministers hat nichts gEnutzt Unddaherhaben Kunstrichtung malen, mir uns danach zu richten und dem >er bätte man überhaupt die Seze.. Künstlerschaft Rechnung zu tragen. Die ®eH(nIg^^er^ung in Saint-Louis ausschließenwollen. Sezession in Saint-Louls ist in westen Kreisen^des deusschen Volkes Merdings herrschte früher das <7uss schärftte mißbilligt worden. Wenn bte Regierung fortsahren ~u=~u* ...... sollte, entgegen dem allgemeinen Wunsch dem Geschmack eines So?aIgenoffcnf(fiaften uach Maßgabe der Zahl ihrer Mitglieder einzelnen zu folgen, so Mrd der Reichstag m Zukunft dahin wmmen, vermaß also gewissermaßen nach der Elle den Raum. Das ist Mistel für solcke Zwecke überhaupt Nicht mehr zu bewilligen. ^kehrteS Verfahren. Hier m der Broschüre der Sezession (Sebb. Beifall links.) . ^„nde beißt es im Anschluß an eine offiziöse Mitteilung der „®eier» Abg. Hennig skons., schwer verständlich). Auch metne Freunde „ botn 21. Dezember 1903: „Wenn München doppelt soviel meinen, daß hier nicht ganz Errett verfahren ist. Widerspruöh Berlin, dann müsse eS auch einen doppelt so erheben nrufc ick jedoch gegen die Worte des Vorredners, daß die ^ßen Raum beanspruchen dürfen. Ich sage ganz offen, diesen Sezession unbeliebt sei, west sie gerne die Armut mb baS Elend ^midpunkt teile ich nicht. Ick meine, nach meiner bescheidenen schildere Gerade desbalb erfreut sie sich in vielen Kreijen großer ^ fsassung muß die Güte des .Kunstwerkes den Ausschlag geben Anerkennung. Unrichtig waren auch die ^Bemerkungen ^^Vor- | Bp- redners über die Fürstenhöfe. C. "J*““ au danken. Denken Sie nur an Tizian I ----. ,o Ine Florenz, .ohne Weimar, ohne Berlin gewesen. (8 „ '^^Di^ Ausführurigen des Herrn Dr. Spahn über die^Sezesswn ReichSkonnnißar berief nach Berlin eine Kommission von haben mein Wohlgefallen nicht erregen k°unen Herr Lpahn hcst Kunsthändlern, Kunstkristkern und Kunstliebhabern, die den Ursprung der Sezession auf Manet zuruckgeführt, also orf Mbrt teX Ä Ä» s°-t° di- S-z-ssi°n. obwohl H, nur Dic S-zesston ist ririprunglich mcht mir lunstl-rrtchen Mitali-d-r »Shit ü-aenüber mehr als 2000 der älteren Schale. ,nh-ionb=n ©ie war nur -in- R-avian. em Pra est gegen Mitgliedern bertreten fein; und es nmrde Krf roie^friiher bei der Aufnahme °°n S.Ibern 'N Ausstellungen dtaf. »N > bte Ablehnung eines von einem BofalTomitee b-rfahl-nXuX^ Die Sezession.. würde garnicht d.eft Farm > L"-n°XX! W-r-eS n^ mit oier Fünfteln Mehrheit van dem genommen haben, wenn die Ausjtellungskoinmissiomn m fiZentralkomitee beschloßen werden dürfte. Also von einer Majori- Tsten gerecht gewesen wären Nun hat dieses Schlagtoort Se- ^nrr ^ssLi Mnn keine Rede sein. 3hin «ngen aber bte zession eine große Bedeutung Sätze Sezessionisten daraus nicht ein, sie verlangten eigene Raume firr sich Ziele? In der DenkNnst des Ä und ’e3 toltrbe auch das Verengen nach einer besonderen Hange- ÄlnÄÄ Ä'Tin’M Ä --mmisfian ansgefpr-ch-n. Dr- S-^fv Mir kommt eS vor, als ob unzweifelhaft eine einseitige Unterstützung der Akademiker stattfinde, eine Bevorzugung der älteren Kunst. Ich habe in der Kommission bereits den Fall der Chicagoer Weltausstellung erwähnt. Damals wurde eine Liste aufgestellt für die Künstler, die herangczogen werden sollten, und diese Liste yatte nun den schrecklichen Fehler, daß auch ein paar Sezessio- nisten darauf standen. Da kam vom Auswärtigen Amt die Weisung, diese Leute müssen gestrichen werden, die passen uns nicht. (Hört, hört!) Ist das eine gleichmäßige Berücksichtigung der verschiedenen Richtungen? Ist das die hohe Stellung des Grafen Posadowsky: „Wir stehen auf hoher Warte, und die Künstler mögen ihre Streitigkeiten unter einander ausfechtenI"? Es ist uns hier von der großen Bedeutung der Beteiligung 6er deutschen Kunst an der Ausstellung in St. Louis für uns Deutsche gesprochen worden. Die Regierung beschritt auch anfangs einen Weg, dec in allen deutschen Einzelstaaten lebhaften Beifall fand. Es wurde eine Kommission zusammenbrufen, bestehend aus den angesehensten Künstlern, aus aus einigen Gelehrten und — schrecklich für manchen! — aus zwei sehr erfahrenen Kunsthändlern. Ich fand auch die Anwesenheit der letzteren sehr gut. Damals wollte man auch einen Kunstmarkt sich erobern. Heute scheint man freilich diesen Gedanken aufgegeben zu haben und mehr eine retrospektive Ausstellung im Sinne zu haben. Von dieser Kommission wurde nun auch die Frage erörtert, ob es denn unumgänglich notwendig sei, die Leitung der Kunstausstellung in St. Louis wieder der Kunstgenossenschaft zu übertragen, oder ob man sie ihr nicht besser entzöge. Die anwesenden Künstler haben einstimmig oder mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Majorität sich dahin geäußert, daß man nach den früheren Mißerfolgen der Kunstgenossenschast ihr die Leitung dieser Ausstellung nickst mehr anvertrauen solle. Herr von Werner war freilich damals krank. WaS geschieht nun? Die Kunstgenossenschast setzt alles in Bewegung. Nicht allseitig und einstimmig, sondern mit 241 gegen 37 (sezessionistische) Stimmen beschließt sie, die Leitung wieder zu erlangen, und erteilt dem Reichskommissar in optima forma ein Mißtrauensvotum. Und die Regierung weicht mutig zurück und betraut die Kunstgenossenschaft mit der Leitung. Tie einzelnen Regierungen werden gar nicht gefragt: sie werden nur in Kenntnis gesetzt, zu weiteren Verhandlungen sei keine Zeit mehr. sHört! hört!) Durch ein solches Verfahren nützt man nicht dem Rcichs- gedanken und Reichsempftnden. (Sehr wahr!). Und nun kommt der Staatssekretär und erklärt, ein anderer Weg sei gar nicht praktisch möglich gewesen. Ja, wozu hatte sie dann erst die erste Kommission berufen? Die Kunstgenossenschaft hat bei den früheren Ausstellungen, in Paris und Chicago, bewiesen, daß sie zu der Leitung einer solchen Ausstellung gar nicht fähig sei. Schon allein in der Aufmachung. Wie ging es dem prachtvollen Werk von Tuaillon: „Die Amazonen"? Hieß es nicht mit Recht, in Paris hätte man damals nur eine Lenbach-Ausstellung veranstaltet? Die anderen Bilder, die hingen nur so nebenbei ganz oben, wo sie niemand sehen konnte. sHört! hört!) Wie hat sich denn Herr von Werner gegenüber Den Sezessionisten benommen? Diese spöttische, ironisierende Weise, mit der dieser Beamte deutsche Künstler behandelte, kann mir nicht gefallen. Und war nicht der Effekt der Ausstellung in Paris ein kläglicher? Stand er in irgend einem Verhältnis zu den Kosten? Der allgemeine Durchschnitt war — trotz einiger guter Leistungen — unerfreulich. Und dieser Kunstgenossenschaft, die s o ihren Befähigungsnachweis erbracht hat, übergibt man wieder die Leitung für St. Louis? Graf Posadowsky sagt: die Sezessionisten verlangen Unmögliches! Warum hat die Sezession sich geweigert, teckzunehmen? Einfach, weil sie nicht mehr das Vertrauen hatte, daß in einer Ausstellung unter der Leitung der Kunstgenossenschaft die Moderne zu ihrem Recht kommen könnte. Kann man ihr das nach den früheren Erfahrungen verdenken? Und ist denn das, was die Regierung als ihr Ideal hinstellt, von der Kunstgenossenschaft beachtet worden? Da fajreibt mir einer der ersten Worpsweder Künstler: „Zur Pariser Ausstellung waren wir gar nicht zugezogen worden. sHört! hört!) Zur Ausstellung in St. Louis forderte man uns erst auf, als die übrigen Sezessionisten sämtlich abgelehnt hatten shört! hört!) und als wir uns dann in Unterhandlungen einließen und uns vor allen Dingen über die Raumverhältnisse $u orientieren suchten, da ward uns folgender Bescheid: Braunschweig mit 40 Mitgliedern bekommt 9 Meter, Hannover mit 60 Mitgliedern bekommt 12 Meter, wir mit etwa 5 Mitgliedern bekommen also 1,11 Meter, sGroße Heiterkeit.) 1,11 Meter, das war der ganze Raum, auf dem wir Worpsweder ausstellen sollten. Diese Wiedersinnigkeit kennzeichnet die Künstlergenossenschaft zur Genüge. Und nun frage ich den Grafen Posadowsky: Wie steht es nun mit dem „neuen Programm"? Kein Messen mehr mit dem Ellenmaß? (Sehr gut!) Und wie ging es denn der Zentral- Jury? Alle ihre Beschlüsse sind über Den Haufen gerannt worden durch den Einfluß des Herrn von Werner, der gar nicht Mitglied der Jury war. Alle von ihr abgelehnten, von Werner protegierten Bilder haben, bis auf drei, nachträglich ausgenommen werden müssen! (Hört! hört!) Wer hatte Denn zu entscheiden? Wer ist für die Verwendung der Mittel verantwortlich, der Reichskanzler oder Herr von Werner? Nun, so kann das nicht weiter gehen. Die Reichsregierung muß daraus ihre Lehre für die Zukunft ziehen. Aus der Entrüstung über das Vorgehen der Kunstgenossenschaft hat sich der Deutsche Künstlerbund gebilbet, dem die angesehensten Künstler — nicht nur Sezenionisten — angehören. Und wie geht es diesem Bund? Einer der angesehensten, bedeutendsten Künstler hat wieder austreten müssen, weil, wie er mir schrieb, der Druck der Behörden zu stark sei. Wenn er nicht fürchten müßte, schwer geschädigt zu werden, würde er mit Freuden dem Künstlerbund angehören. (Hört! hört!) Wie hat man den Deutschen Künstlerbund behandelt! Ter Vorsitzende desselben, Graf Kalckreuth, suchte eine Audienz beim Reichskanzler nach. Man weiß ja, es ist oft gerühmt worden, welch guten Geschmack der Herr Reickskanzler besitzt (Heiterkeit), und welches Interesse er an der deutschen Kunst nimmt. Nun, der Herr Reichskanzler yat den Grafen Kalckreuth nicht empfangen. Warum nicht? Ec ist doch sonst ein so liebenswürdiger Mann! Er spricht doch mit so vielen Leuten! Warum gerade nicht mit dem Grafen Kalckreuth? Nun. er hat mit ihm nicht gesprochen, er hat ihn an den Grafen Posadowsky verwiesen. Graf Kalckreuth wandte sich nun an den Grafen Posadowsky und wurde von ihm empfangen. Graf Posadowsky war sehr freundlich, sehr liebenswürdig (Heiterkeit), er sagte ihm etwa: Lieber Mann, da kann ich nichts machen (Heiterkeit), geht hin und verhandelt mit der Kunstgenossenschaft; wenn Ihr Euch mit der verfracht, bann ist alles tn Orbnung l (Heiterkeit.) Also bie Regierung hat nichts zu sagen, bie Kunstgenossenschaft ist allmächtig! Was hat nun der Reichstag aus alledem für Konsequenzen zu ziehen? Wir wollen nicht, daß nur eine Richtung unterstützt werde Sollte die Regierung io einseitig wie bisher die bewilligten Mittel verwenden, so werde ich mir es sehr überlegen, ob ich diesem Posten künftig zustimmen werde. (Zustimmung.) Es handelt sich nicht nur um einen Künstlerstreit. An diesem nimmt bie ganze gebildete Well teil. Aber auch im Interesse unserer Kunstindustrie, unseres Handwerks, unserer Arbeiter verlangen wir ein gerechteres Verfahren. Das moderne Kunstgewerbe hat Teutschland sehr viel Geld und An- seben gebracht. Und dieses ist größtenteils den sogenannten Sr- zessionisten zu danken. Große Volksinteressen stehen hier auf dem Spiel. Nicht im einseitigen Interesse einer Künstlergruppe habe ich gesprochen. Es handelt sich um die Entwicklungsmöglichkeiten unserer deutschen Kunst überhaupt. Nicht eine Richtung kann Der deutschen Kunst das Heil bringen. Nur in dem freien Wettbewerb aller Richtungen liegt die Zukunft ber deutschen Kunst. (Beifall.! Direktor im Reichsamt des Innern Tr. Richter: Graf Lriola hat von einer Blamage der deutschen Kunstausstellung hi Paris gesprochen. Ich als Kommissar derselben muß hier darauf erwidern, um einer Legenbildung vorzubeugen und auch im Interesse der deutschen Kunst, da diese diskreditiert bleiben würde, wenn Derartige abgünstige Acußcrungen unwidersprochen blieben. Redner gibt nun eine ausführliche Darstellung der Entstehungsgeschichte jener Ausstellung. Es schien natürlich. Die, Leitung derselben der Künstlergenossenschaft zu überlassen. Das war ja die legitime Vertretung der deutschen Künstlerschaft. Dafür sollte ich von Ihnen doch keinen Tadel bekommen. Sie sind ja sonst für Selbstverwaltung. Ich wollte von einem Bureau aus nicht die Kunstausstellung dirigieren; ich hielt die deutsche Künstlerschaft für Manns genug, ihre Angelegenheiten selber zu erledigen. Die Grenzen zwischen der alten Schule und der Sezession sind viel zu strittiger Natur, als daß man mit Bestimmtheit den einen ober anbern Meister dieser ober jener Richtung zuweisen kann. Jedenfalls bar; man unsere Pariser Kunstausstellung nicht schlecht nennen; sowohl von ber alten Schule wie auch von der Sezession waren bic ersten deutschen Meister vertreten. Ich habe hier auf den Tisch des Hauses zwei Kataloge niedergelegt, Sie können sich überzeugen, daß auch aus ber Sezession kein einziger großer Künstler fehlt. Aber freilich, solange es Ausstellungen gibt, toiro es immer Künstler geben, bie sich zurückgesetzt fühlen., Schlecht gehängt waren unsere Bilder in Paris auch nicht. Wir hatten höchstens zwei Bilder übereinander gehängt, während alle andern Nationen die ganzen Wände behängt hatten. Jedenfalls wirkte unsere Hängeart außerordentlich vornehm. Tie französischen Künstler äußerten sich über unsere Ausstellung in anerkennenswertester Bewunderung und ebenso der Präsident der Republik, kurz cs gab nur eine Stimme der Anerkennung. Die ®üte_ der deutschen Ausstellung äußerte sich auch in der großen Zahl unserer grands prix; Deutschland erhielt neun, während England, Amerika und Belgien nur je sechs davontrugen, und jede andere Nation noch erheblich weniger. Möge die deutsche Kunst im Auslande stets des Wortes gedenk sein: Einigkeit macht stark. Abg. Dr. Miiller-Meiningen (frcis. Vp): Wenn cs noch eines Beweises bedurft hätte, daß wir uns bezüglich der Kunst in einem gewaltigen Gährunasprozeß befinden, so beweist das der Umschwung in der Haltung des Reichstages, namentlich auch gegenüber seiner Stellungnahme vom Jahre 1899. Heute können wir sagen, hat sich, der Reichstag direkt zu einer imposanten Kundgebung zu Gunsten der Freiheit der deutschen Kunst aufgcsckwun- gen. Graf Posadowsky hat wieder alles auf sich nehmen müssen, was in der entgegengesetzten Richtung gesündigt ist. Ec bat schon so vieles auf sich nehmen müssen. Wie oft war er schon der Prügelknabe I Vizepräsident Graf Stolberg: Ich möchte Sie bitten, den Ausdruck ..Prügelknabe" nicht zu gebrauchen. Abg. Muller-Meiningen (fortfahrend): Nun, dann ist er wenigstens das arme Opferlamm gewesen, das darf ich wohl sagen. (Erneute Heiterkeit.) Die Kunstausstellung in Paris ist ein Mißerfolg gewesen. Geheimrat Richter hat das fteilich zu widerlegen gesucht; aber ich zitiere hier einen Regierungskommissar gegen den anderen. In dem sogenannten Kunstparlament, das hier am 4. April v. I. tagte, hat der Regierungskommissar Lewald den Mißerfolg zugegeben und betonte, daß es in St. Louis nicht so weiter gehen könne. (Hört! hört!) Nun erging aber der bestimmte Befehl von einer bestimmten höheren Stelle, einen Beschluß ber Verbündeten Regierungen einfach aufzuheben und der allgemeinen butschen Kunstgenossenschast die Ausfiihmng der Kunstausstellung in St. Louis zu übertragen. Es ist ein Irrtum, wenn Graf Posa- dowskh behauptcl, die Sezession hätte gegenüber ber älteren Kunstrichtung im Verhältnis von 6 : 6 in dem Zentralkomitee vertreten sein sollen. Nicht in diesem Verhältnis, sondern in dem von 4 : 14. (Hört! hört!) Graf Posadowsky hat nämlich eine ganze Reihe Lokalgenossenschastcn der Sezession zngerechnet, bic nichts mit ihr zu tun haben Es hätte aber noch alles gut werben können, wenn nicht der Vorstand des Künstlerbundes in der schnödesten Weise behandelt worden wäre. Herr von Kalckreuth versuchte cs ja, eine Audienz beim Reichskanzler zu erlangen. Mer dieser cancellarius doctissimus elegantissimus amabilis von sonst hat sich geweigert, Herrn von Kalckreuth zu empfangen. In dieser Weise wird ein Künstler von Gottes Gnaden behandelt. Aber Herr von Kalckreuth wurde zu dem ärmsten der Staatssekretäre (Heiterkeit), zu dem Grafen Posadowsky, geschickt, der sollte die Suppe ausessen, und der sagte nun wieder Herrn von Kalckreuth, er solle zu Anton von Werner gehen, also zu dem Mann, der der Vater aller Hindernisse war. Zum Schluß soll er gesagt haben: quod bonum fei ix faustumque sit. (Heiterkeit.) Die Sache hat jedenfalls eine symptomatische, politische Bedeutung; in der ausgesprochenen Ignorierung der Wünsche der Bundesstaaten kommt sie zum Ausdruck. Sie ist das Zeichen einer antiföderativen KabinetSregierung. Warum hat man nicht einmal die Form gewahrt und den einzelnen Regierungen Mittcilimg gemacht von ber beabsichtigten Aenderung? Die Kosten eines Telegramms wären boch nicht zu hoch gewesen? Nun wirb gesagt, es geschah nicht wegen ber Kürze ber Zeit.. Nun, cs waren 8 Monate dazwischen, da hätte man ben langsamsten Klepper von einer Hauptstadt zur anderen traben lassen können, um bie verschiedenen Negierungen zu benachrichtigen. Man hat eben durch einen Handstreich aufgehoben, was die einzelnen verbündeten Regierungen bestimmt hatten. (Sehr richtig!) Wie stellen sich denn bie einzelnen Regierungen dazu, der Hof in München usw.? Und wie steht es mit ben Mandaten der Kommission? Erloschen sind sie noch nicht. Die hervorragendsten Künstler sind geradezu wie Schuljungen behandelt worden. (Lebhafte Zustimmung.) Das fördert zwar nicht die Reichsverdrossenheit, das ist ein Wort, das nur in allerschwärzesten Gegenden noch vorkommt (Oho! im Zentrum) — aber, meine Herren, ich habe Sie ja gamicht gemeint (Heiterkeit), wie können Sie so aus ber Rolle fallen (erneute Heiterkeit) — ich sage, es wirb zwar nicht Reichsvcr- brossenheit badurch erzeugt, aber Verdrossenheit über ben autokratischen Grundzug der preußischen Politik. (Lebhafte Zustimmung.) Damit treiben Sie keine moralische Eroberungspolitik bei uns in Süddcutschland. (Sehr richtig!) Wir haben viele Fürsten in Deutschland, denen ein Nasenstüber auf künstlerischem Gebiete weit empftublichcr ist, als in anderen Dingen. Da sollte man sich in Preußen doch etwas taktvoller benehmen. Auch in kultureller Hinsicht ist ein solches Vorgehen nicht zu billigen. Ich erinnere hier an ein Wort aus hohem Munde: Eine .Kunst, die sich über die von mir gezeichneten Schranken hinwegsetzt, ist keine richtige .Kunst; es wurde sogar von „Rinnsteinkunst" gesprochen. Noch niemals ist eine Rede mit solchem Widerspruch ausgenommen worden, wie diese. (Sehr richtig!) Gegen diese Kunstauffassung haben sich Millionen konftr- vativcr und königstreuer Männer aufgelchnt. (Lebhafte Zustimmung.) Tie ganze Presse mit Ausnahme ber „Hamburger Nachrichten" hat in ber schärfsten Weise Front gemacht gegen bi esc Kunst- rebc. Wenn damals die deutschen Staatsanwälte so fix gewesen wären, wie sonst, bann hätten wir was schönes erleben können, bann hätten sie nicht einzelne Arbeiter ober Bauern, fonbern ganze Kolonnen zum Teil hochgestellter Delingucnten vor Gericht geschleppt. Kluger Weise hat man das nicht getan, man wußte, baß man tn einen Ameisenhaufen hineingreifen wurde. Der Staatsanwalt hat wenigstens damals an den Stufen des Tempels der deutschen Kunst Halt gemacht und sich gesagt, daß hier das Wort sic volo. sic jubeo nicht gelten dürfe. Solche Dinge müssen hier offen ausgesprochen werden, wenn man nicht in den Verdacht der Schaumschlägerei geraten will. Ich habe gewiß große Achtung vor den Kenntnissen des Staatssekretärs, aber leider hat er sie auf dem Gebiet der Kunst in der Budgetkommission nicht betätigen können. Heute hat er freilich etwas zurückgewunken (Heiterkeit), aber in der Kommission hat er deutlich gesagt: Die Sezession ist nicht der Weg zur Veredelung der Kunst, weder nach dem Sujet, noch nach der Ausführung. Man kann gewiß ein vortrefflicher Staatsmann sein, man kann wissen, wann der Lachs laicht in Norwegen, man kann alle Ausführungs- bestimmungcn zu den Reichsgesetzen kennen und doch keine Bohne verstehen von deutscher Kunst. Was nennen Sie Veredelung ber Kunst? Was nennen Sie Kunst überhaupt? Die Kunst eines Hans Thoma, bes Deutschesten aller Deutschen, eines Leibls, des Stolzes von Bayern, eines Stuck (Ruf im Zentrum: Stuck?) — jawohl, nur ein Banause fann bas leugnen —, bic Kunst eines Klinger kann man boch nicht so wegwerfenb dehanbeln. Nur Banausen erster Güte können behaupten, daß diese Männer nickt zur Veredelung der deutschen Kunst beigetragen haben. (Sehr richtig.) Aber auf allen Gebieten geht cs )o. Ich erinnere nur an Wagner, daß epochemachende Neuerungen in der Kunst erst langsam den Widerstand brechen. Die Kunst macht der Künstler und nicht das Publikum, das willkürlich zusammengesetzt ist. Die moderne Kunst hat uns erst die Natur sehen gelehrt, sie hat uns erst die Wirkungen von Licht und Luft beobachten gelehrt. Wenn gestern vom Abg. Dr. Spahn nur 2 deutsche Namen genannt sind, so sage ich, wir sollen uns vor falschem Chauvinismus hüten, sonst blamieren wir uns vor dem Auslande. Es handelt sich hier um eine tiefe nationale Bewegung, vor der der Deutsche allein nicht die Augen verschließen konnte. Wir durften nickt in der alten hellenistisch-italienischen Schablone im internationalen Wettbewerb zurückbleiben. Ich hoffe, die Kunst wird von Jahr zu Jahr eine große staatliche Kulturanstalt werden und das Reich wird an ihren Bestrebungen intensiver teilnehmen. Deshalb hat der Reichstag die Pflicht, Dafür zu sorgen, daß die Gelder, Die zu Kunst- zwecken ausgegeben werden, leider ist cs ja nur wenig, nicht in einer einseitigen und von persönlich einseitigen Anschauungen beeinflußten Weise verwendet wird. Eine Hofästhetik nach dem Satze: sic voio. sic jubeo, wie man sie in Preußen schaffen will. Darf keine Geltung gewinnen. Man beklagt es in Den weitesten Kreisen, daß Hofsckranzen und Schmeichler in Preußen nicht auf das Gefährliche der Stabilierung einer Kabinettskunst Hinweisen, man beklagt es in den weitesten Kreisen des deutschen Volkes, daß man nicht genügend warnt vor Dem Eintreten in Die Arena, wo Die kaiserliche Macht Die Geister nicht fesseln kann unD soll. (Sehr richtig.) UnD nun fragen sich Die Gebildeten aller Parteien mit Recht: Was leistet denn diese Hofästhctik? Wir haben ja Die Momente ganz in der Nähe. Ileberall hohle Dekorationen, aber keine wahre Kunst nach Der Anschauung von Millionen Kuniwerständiger. (Lebhafte Zustimmung.) Wie viele Menschen gibt es Denn, Die Den ornamentalen unD monumentalen Marinorsteinbruck hier vor Dem Siegestor überhaupt für künstlerisch Diskutabel halten? (Lebhafte Zustimmung, große Heiterkeit.) Es tut uns SüDDeutschen bis ins innerste Herz weh, wenn man geraDe Den Liebling des Deutschen Volkes, Kaiser Friedrich, hier in Den nackten kahlen Wänden stehen sicht. (Sehr richtig!) Das ganze Gefühl von uns SüDDeutschen bäumt fick gegen diese Kunst auf, wie man Personen, an Denen Das Deutsche Volk besonders hängt, Durch Das Arrangement in Den HintcrgrunD zerrt. (Erneute Zustimmung.) Diese plumpe, ins un- gemessene verzerrte hellenistische Schablone entsprickt zwar den Dekorativen offiziellen Neigungen, aber nicht Den ästhetischen Anforderungen, welche die große Mehrheit des deutschen Volkes überhaupt stellt. (Lebhafte Zusftmmung.) Man will eine preußische Kunst schaffen, man hat ausgesprochenerweise die Tendenz, die Kunst lediglich zur Verherrlichung des Fürstenhauses zu benutzen. Tas läßt sich die Kunst auf die Tauer nickt gefallen. (Sehr richtig!) Eine derartige Tendenz widerspricht der ganzen Natur der internationalen Kunst. Man kann freilich im Reiche nichts dagegen tun, wenn ein Kunstdczement des preußischen Kultusministeriums gehen muß, weil er zu modern ist, oder wenn die Anschaffung eines berühmten Bildes von Leistikow ober Kamps abgelehnt wird, aber wir dürfen einen Protest dagegen erbeben, daß man es versucht, diese preußische Kunstästhetik auf das ganze Reich zu übertragen. In München, Darmstadt, Stuttgart, Dresden, Karlsruhe denkt man über Kunstfragen ganz anders als in Berlin. (Sehr richtig!) Man will dort keine konzessionierte, gewappelte Reicks- kabinetsästhetik haben. (Lebhafte Zustimmung.) Unsere Ausfuhr an Werken ber Kunst ist minimal im Vergleich zu andern Ländern trotz der stolzen Erklärung, daß wir Deutschen gewissermaßen allein ben Beruf zur Kunst hätten. Man bevorzugt in Amerika bie modernen Meister. Jetzt war Gelegenheit, zu zeigen, was bic unserigen können. Was Lenbach, .Knaus unb Menzel kann, weiß das Ausland längst. (Sehr richtig!), jetzt sollen wir beweisen, was unsere fungocutsche Kunst versteht. Was will man aber tun? Mit einer historischen Darstellung will man nach Amerika geben. (Heiterkeit.) Das kommt mir so vor, als wenn ich in ben Staatswissenschaften geprüft werde und dem Eraminator sage: Mein Vater war Darin ein ungeheuer gescheiter Mensch. Ich würde kläglich durchfallen und ebenso wird die deutsche Kunst Durchfällen, wenn man blos zeigt, was frühere Generationen geleistet haben, lieber den moralischen Katzenjammer kann uns diese historische Darstellung nickt hinweghelfen. Nun frage ich: cui bono? Wer hat Den Vorteil von diesem ganzen .Kunstskandal? Das sind Die Engländer, Franzosen und Belgier, bie freuen sich wie Schneekönige (Heiterkeit); bie könnten nichts Besseres machen, als Herrn o. Werner zum Ehrenprotektor ihres internationalen Klubs zu ernennen. (Sehr gut! und Heiterkeit.) Es handelt sich hier geradezu um bie Frage des Ansehens beS deutschen Volkes im Auslande, um eine wahrhaft nationale Frage. Es hat mich manchmal, wenn ich im Auslände war, bis ins Innerste gewurmt, wenn ich hörte, wie man dort namentlich unter dem russophilen System über Deutschland spricht, wie von einer Art von Rußland, unb zwar deshalb, weil man hier einem eigenmächtigen autokratischen Gefühle auf künstlerischem Gebiete zu viel nachgibt. Gott sei Dank, es gibt aber noch viele Millionen im deutschen Volke, welche gegen eine derartige Regung sich auflehnen. Alle gebildeten Deutschen beinahe wissen, daß die internationale moderne Kunstbewegung, bie bie Wahrheit auch in ber Kunst sucht, sich nicht einfach kommandieren läßt wie ein Regiment ©arbefüfieliere. Was wirklich Kunst ist, darüber entscheidet nicht ber einzelne, auch wenn er noch so hoch steht, fonbern darüber entscheidet ganz allein die Gesamtheit ber kunstverständigen Volksgenossen und die .Künstler. Die Kunst ist lang, und kurz ist unser Leben unb kurz ist auch das Sehen des einzelnen Fürsten. Ich erinnere hier an ein Wort Karls X., der sagte: Im Theater habe ich gleich jedem einzelnen Pariser auch nur einen Platz im Parterre. Das ist ein feiner Ausspruch, ber meines Erachtens eines königlichen Mäeen würdiger ist als bas sic volo, sic jubeo. Auf feinem Gebiete ist für bic Unfehlbarkeit so wenig Raum, wie auf Dem ber .Kunst, und Sache ber deutschen Volksvertretung ist, sine ira ct studio dahin zu wirken, baß eine solche Diktatur auf künstlerischem Boden nicht noch durch staatliche Mittel unterstützt wirb (Sehr richtig!), sonbern daß die Kunst frei ihres Amtes walten darf. Nur eine freie Kunst kann die schöne Aufgabe erfüllen, die Veredelung einer großen Nation herbeizuführen. Die Kulturgeschichte hat gezeigt, daß die Kunst hinweggeht über Könige und Kaiser. (Lebhafter Beifall.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Eine Kunstpolitik haben wir hier überhaupt nicht zu vertreten, denn Kunstangelegenheiten an und für sich gehören nach ber Verfassung überhaupt nicht zur Zuständigkeit der verbündeten Regierungen. Wenn Sie Einwendungen gegen gewisse künstlerische Bestrebungen in Preußen haben, dann, bitte, wenden Sie sich damit an Den preußischen Landtag! Der größte Teil ber Ausführungen des Vorredners richtete sich gegen Maßnahmen, die in Preußen getroffen sind. Ich muß meine Behauptungen trotz der Ausführungen des Vorredners auftecht erhalten, solange nicht ber Gegenbeweis geführt ist. Es handelt sich dock nur Darum: Ist die sezessionistische Kunstrichtung durch Maßregeln der Reichsregierung verhindert worden, sick an Der Ausstellung in St. Louis zu beteiligen ? Und das bestreite ich auf daS Bestimmteste. Obwohl die Vertreter der sezessionistiscken Richtung in den Kommissionen unter Umständen sogar in ber Mehrheit waren, haben sich die sezessionistiscken Lokalvereine ohne Angabe von Gründen nicht beteiligt, sie haben die Beteiligung abgelehut, nicht weil sie fürchteten, ihre Kunstrichtung nicht vertreten zu können, sondern weil ihre Forderung, einen eigenen Raum und eine eigene Jury zu bekommen, nickt erfüllt ist. Wohin soll eS kommen, wenn sick außer der sezessionistiscken Richtung noch andere Richtungen bilden? Sollen wir denn wirklich auf einer Weltausstellung, in vier ober fünf Richtungen geteilt unsere Kunst Darstellen? Wir können cs nur begrüßen, daß wir so viele Zentren der Kunst in Deutschland haben. Jeder darf in künstlerischen Fragen eine eigene Meinung haben. Wenn aber die oberste Spitze des Staates eine eigene Meinung zum Ausdruck bringt, bann wird sie zum Gegenstand der lebhaftesten Beschwerde. Eine ganz andere Frage ist es, ob diese Meinung etwa in einer Weise zum Ausdruck gebracht wird, die staatsrechtlich bedenkich ist ober andere gesetzgeberische Faktoren schädigt. Das ist nicht der Fall. Unsere erste Kommission, bie wir berufen haben, war ja zunächst nicht eine fest gebildete Kommission, sondern nur ein gutachtliches Kollegium, wie es im Reichsamt des Innern alle Augenblicke einberufen wird. Abg. von Kardorff (Rp.): Es steht fe)t, daß alle Parteien Die Haltung der Regierung in dieser Frage lebhaft mißbilligen. (Zustimmung.) Die Sache ist die: Nicht der Wille der Künstler, nicht das Interesse der Kunst waren entscheidend, sondern eine höhere Macht hat einfach angeordnet: die Kunstgenossenschaft hat die Leitung au bekommen! Wie benimmt sich denn die Negierung? Da sollte für die preußische Nationalgalerie ein Leistikow angeschafft werden; vom Direktor wurde er angeworben. Da kommt plötzlich von oben der Befehl: „Leistikow darf nicht angekauft werden; gehört zur Sezession I" Muß man da nicht Mißtrauen bekommen, muß nicht der Verdacht entstehen, daß die preußische Regierung schuld an diesen Vorkommnissen ist? Ihr Verfahren hat zweifellos die kleineren Staaten arg verstimmt. Und Fürst Bismarck hat einmal gesagt: „Gerade die kleinen Verstimmungen haben wanchmal unliebsame Konsequenzen bei großen Dingen!" (Sehr wahr I) Es scheint, als ob bei uns in der Tat der Geschmack eines einzelnen maßgebend ist. Das darf aber nicht sein. Keine Persönlichkeit, und sei sie noch so hoch gestellt, ist unfehlbar in künstlerischen Dingen. Man denke nur an das Urteil Friedrichs des Großen über Shakespeare. Und Friedrich der Große war gewiß ein genialer MannI Verdient denn die „alte Richtung" eine Bevorzugung? Wenn ich mir so ansehe, was sie geleistet hat, so habe ick ein einigermaßen ängstliches Gefühl. (Heiterkeit.) Wir haben in Berlin hervorragende Denkmäler der alten Kunst. Der große Kurfürst, das Brandenburger Tor, das sind herrliche Kunstwerke. Was ist aber seitdem Neues hinzugekommen? Na, die Siegesallee bis zum Roland . . . (Heiterkeit), man kann sa darüber verschiedener Meinung sein — aber wenn Berlin einmal verschüttet ist und man bann Ausgrabungen veranstaltet und wenn man dann auf die Siegesallee und den Noland stößt, ob man darüber auch so erfreut fein wird, wie über die Funde in Pergamon? (Große Heiterkeit und lebh. Zustimmung.) Ich meine nnan sollte die Kunst nicht bevormunden. Die Kunst bedarf dieser Bevormundung nicht. Die großen Künstler schaffen, wie ihr Empfinden, wie ihr künstlerisches Gewissen es ihnen gebietet. Sie sehen nicht nach oben, nicht nach unten. Die Beethoven, Wagner. Goethe, Manet haben nicht um Beifall gebuhlt. Und so wird es auch bleiben. Auch die Regierung sollte sich das merken. Auch ein Politiker soll nur nach seinem Gewissen gehen, unbekümmert um Gnade und Gunst. Diese Lehre wollen wir aus diesem unerquicklichen Streit ziehen. Dann wird der Schaden, den er angerichtet, bald verwunden sein. Denn schließlich: ob die deutsche Kunst nun in St. Louis vertreten ist oder nicht — daran hängt nicht alle SBc't und ->uch nicht die Zukunft der Secession. ^afa sie sich schon selbst. Wtrv fie unterbrilcft — nun, baS schabet ihr auch nicht sehr. Druck erzeugt Gegendruck. Die Sezession wird die Widerstände schon überwinden! Lebhafter Beifall auf den verschiedensten Bänken des Hauses. Mehrere Abgeordnete schütteln dem Abg. v. Kardorff die Hand.) Abg. Dr. Dove (freis. Vg.): Ich ir r e mich bei der vorgerückten Stunde auf wenige Worte beschränken. Graf Posadowsky versuchte, die Regierung weiß zu brennen, das war in der Tat keine leichte Aufgabe. Ich kann nur erklären, daß meine Freunde in den Chor, der das Vorgehen der Regierung mißbilligt, mit einstimmten. Ich kann dabei nur bedauern, daß mein Freund Dr. Pachuicke durch Krankheit verhindert ist, hier, wie es feine Absicht war, zu reden. Was wir hier vor allem bekämpfen, ist der Autokratismus, der Zäsarismus, der sich jetzt auch auf künstlerischem Gebiete geltend macht. (Sehr wahr!' Die ganze Volksstimme sagt: Hier ist ein schwerer Mißgriff gemacht. (Beifall.) ?lbg. Kirsch (Ztr.): Bei Gelegenheit der Zurückweisung des Stuckschen Bildes haben meine Parteifreunde einmütig erklärt, daß ein solches Bild in den Reichstag nicht gehört. Dr. Lieber hat damals in vortrefflicher Weise unseren Standpunkt zu dieser Art der Kunstrichtung bargelegt. Aus biejem Staiidpunlt stehen wir auch heute noch. Wenn wir auch aus Gerechtigkeitsgefühl bafür sind, daß die Sezessionisten in St. Louis vertreten sind, so schließt dies doch nicht in sich, daß wir nun mit einem Male auch alle Freunde der Sezession geworden sind. (Zustimmung im Zentrum.) Das, was damals von uns bei der lex Heinze gesagt ist, entspricht auch noch heute unseren Anschauungen. Wer lveiß, wie man nach 100 Jahren über die Sezession urteilen wird; vielleicht wird man sie dann ebenso verurteilen, wie die Sezession setzt die Bilder der Alten! Herr von Kardorff hat scharfe Kritik geübt an den Leistungen der Berliner Kunst seit den Zeiten des Brandenburger Tors I Ich unterschreibe das keineswegs. Auf eines sollten wir indessen doch noch acht geben: auf die Denkmäler hier im Reichstag selbst. Das Denkmal, daS man in der Wandelhalle aufstellen will, scheint mir sehr bedenklich. (Sehr richtig I) Mir scheint da eine Einzelfigur überhaupt nicht am Platz (Sehr richtig I). sondern vielmehr eine Gruppe. (Zuruf: Noch schlimmer 1 Frei bleiben I) Abg. Dr. Südekum ^Soz.): Wenn wir auch alle das Vorgehen der Regierung tadeln, so sind wir doch in vielen Punkten dieser Frage nicht einig. Graf Oriola sprach freilich pathe!i'ch von der Freiheit der Kunst, im inneren Herzen aber ist er doch Reaktionär. Aus seiner Rede klang sozusagen der Angstruf: Seremissimus darf nicht DeriDottet werden. Im Gegensatz zum Direktor Richter meine ick auch. daß unsere Ausstellung in Paris eine Blamage war. Dies ist nicht nur mein Urteil, das sagt auch Professor Eckmann, der nicht nur deutscher Professor, sondern auch ein genialer Mensch ist. Wenn die Sezessionisten nicht ausgestellt haben, so hatten sie wohl ihre triftigen Gründe. Sollten sie Herrn voit Werner botmäßig fein ? Wer ist denn Anton von Werner? In diesem Fall doch nur bei Donnerkeil, ber von Zeus auf die Sezession gesandt wurde. (Sehr gut!) Es handelt sich hier um einen Vorgang von allgemeiner Bedeutung, es zeigt sich hier ein mangelnder Respekt vor geistiger Arbeit. daß Ueberwuchern eines Dilettantismus, der sich berufen fühlt, überall hineinzupfuschen, der sich nickt sckeut, überall hinein- zureden, und sich so ständig zu blamieren. Wir danken für eine Kunstrichtung mit Wilhelm II. an der Spitze. Präsident Graf Ballcstrem : Ich ersuche Sie, nicht ohne Veranlassung, die Person des Kaisers in die Debatte zu ziehen. Das ist in unserer Debatte nur üblich, wenn es sich um authentische persönliche Erklärungen des Kaisers handelt. Weimariscker Bundesbevollmächtigter Dr. Paulsien: Es ist hier von einer Mission des preußischen Kultusministers in Weimar die Rede gewesen. Es handelt sich da tatsächlich um eine Legende, die bereits in der „Nordd. Allg. Ztg." dementiert worden ist, zu deren Beseitigung ich aber auch hier folgende Erklärung abgeben will: Es ist durchaus unzutreffend, daß der Besuch des preußischen Kultusministers in Weimar in irgend welchem Zu'ammenhang mit der Gründung des Künstlerbundes stand. Herr Dr. Studt hat dort weder mit ber Regierung, noch mit irgend einer maßgebenden Persönlichkeit irgend welche die Künstler betreffende Angelegenheit erörtert. Direktor Dr. Richter erklärt, daß er sich Vorbehalte, eine Uebersetznng des Urteils von offizieller französischer Seite über unsere Pariser Ausstellung hier vorzulesen. Er bleibe dabei, daß von einer Blamage in keiner Weise die Rede fein könne. Hiermit schließt die Debatte. Der Titel für die Ausstellung in St. Louis wird bewilligt. Sodann vertagt sich das Hau? auf Mittwoch 1 Uhr. (Tritte Beratung der Novelle zur Reich-5 schuld en-Ordnung und Fortsetzung der Etatsberatung, Post-Etat und Etat des R e i ck s e i s e n b a h n a m t s.) Schluß 0^ Uhr. KeMcher Landtag. R. B. Darmstadt, 16. Febr. Am Ministertisch: Staatsminister Dr. Rothe, Finanz- Llintster Dr. Gnauth, Geh. Staatsrat Krug zu Nidda, Geh. Oberbaurat C o u l m a n n, Ministerialrat Ewald, Geh. Oberfinanzrat Rohde. Nachdem Präsident Haas die Sitzung um 91/4 Uhr eröffnet, wird in die Fortsetzung der Etatsberatung eingetreten bei Kapitel 10, Staatseisenbahnen. Die Einnahmen sind infolge des günstigen Nachtrags von zuerst 11600 000 Mk. auf 12 000 000 Mk. festgesetzt worden, die Ausgaben auf 270 200 Mk. Abg. Dr. Schmitt beklagt, daß es noch immer eine ganze Anzahl Beamte der ehemaligen Ludwiasbahn giebt, die sich in ihren jetzigen Gehaltsverhältnissen schlechter ständen als früher. Das sollte aber nach den Abmachungen bei der Uebernahme der Bahn ausdrücklich ausgeschlossen werden. Es gab Beamte, die vor der Uebernahme ein höheres Einkommen hatten, als die in derselben Klasse stehenden preußischen Beamten und diesen sollte in der preußischk-hessischen Gemeinschaft eine Zulage bis zu 100 Mk. gewährt werden. Diese Zulagen wurden aber den Beamten mit dem Aufsteigen in höhere Gehaltsklassen wieder entzogen, sodaß jetzt mancher ältere Beamte in Hessen ungünstiger dasteht, als jüngere preußische Kollegen. Dann bespricht Redner die Frage der freien Äsenbahnfahrt für die Abgeordneten. In Preußen seien die Abgeordneten nicht auf Tagegelder, sondern aus 15 Mk. Diäten gestellt, die sie als eine Art Gehalt für die Dauer der Session bezögen. Die Mitglieder des Herrenhauses genössen den Vorzug freier Eisenbahnfahrt. Er meine, es sei nur recht und billig, wenn auch den hessischen Abgeordneten diese freie Eisenbahnfahrt zugebilligt würde. Die Regierung möge mit dem preußischen Eisenbahnministerium behufs Ueberlassung von Abonnementskarten für die Abgeordneten zur freien Fahrt in ganz Hessen in Unterhandlung treten. Abg. Berthold bringt verschiedene Wünsche vor und beklagt, daß das Projekt eines Bahnbaues Griesheim— Trebur—Guftavsheim noch nicht weiter gefördert worden sei. Redner bedauert, daß beim Bahnbau noch immer italienische Arbeiter mit verwendet würden und wünschet namentlich auch> eine Verbesserung der Verbindung zwischen Darmstadt und Mainz, speziell die Schaffung eines Nachmittagszuges, da zwischen 1.35 und 5.40 Uhr kein Zug zum Besuch! der Ried zu benutzen sei. Abg. Seelinger wünscht eine Verbesserung der Wartesäle in Bürstadt und Rohrheim. In Bürstadt sei der Wartesaal 3. Klasse so klein, daß oft viele Passagiere daselbst keinen Schutz vor der Unbill der Witterung finden könnten. Abg. Adelung meint, das Koalitionsrechj der Arbeiter werde von der Eisenbahngemeinschaft noch immer mißachtet, erst kürzlich seien wieder drei Arbeiter gemaßregelt worden, weil sie dem Reichsoerband der Eisenbahn- arbeiter angehörten. Auch von dem Frankfurter Kongreß der christlichen Arbeiter sei eindrücklich die Gewährleistung des Koalitionsrechtes verlangt worden. Abg. Ulrich: Die Regierung antwortet auf diese Frage nicht. (Der Finanzminister winkt, daß er das Wort nehmen wolle.) Nun, dann will ich warten, bis wir diese Antwort gehört haben. Finanzminifter Dr. Gnauth: Dieselbe Höflichkeit wollte ich dem Abg. Ulrich gegenüber beobachten. (Heiterkeit.) Der Minister bemerkt dann, daß er nicht auf alle hier vorgebrachten Beschwerden vorbereitet sei. So könne er auf die Klage über die verminderte Besoldung ehemaliger Beamter der hessischen Ludwigsbahn nur erwidern, daß die Regierung eine Prüfung eintreten lassen und etwaige Ungerechtigkeiten auszugleichen sich bestreben werde. Auch die Anregung bezüglich der ^Eisenbahn-Freikarten für die Abgeordneten solle geprüft und namentlich die Beschaffung etwaiger Abonnements in Erwägung gezogen werden. Bezüglich des Koalitionsrechts der Eisenbahnarbeiter sei wohl die Besprechung der diesbezüglichen Interpellation eine nähere Erörterung noch zu erwarten; er erinnere jetzt nur daran, daß im allgemeinen der Regierung auf die Behandlung der einzelnen Arbeiterfragen in der Eisenbahn- gemeinschast ein Mitwirlungs- bezügl. Einspruchsrecht nicht zustehe, ebensowenig treffe die Regierung die Verantwortung für die Maßregeln, welche die preußische Regierung für die Aufrechterhaltung der Sicherheit als notwendig erachtet. Er müsse übrigens daraus aufmerksam machen, daß die Bestimmungen des § 152 der ReichDgewerbcord- nung über das Koalitionsrecht auf den Eisenbahnbetrieb keine Anwendung finden könne. Mg. Häusel fragt, wie es mit der in Aussicht gestellten Vorlage über die Staatszuschüsse zur Erbauung von Nebenbahnen stehe. Abg. Molthan meint, nach der Antwort des Finanzministers scheine wenig Neigung zu bestehen, den Wünschen bezüglich der Eisenbahnfreikarten für die Abgeordneten Rechnung zu tragen. In Mainz bestehe große Unzufriedenheit darüber, daß man das Nebenbahnprojekt Griesheim— Gustavsburg behördlicherseits nicht zu fördern sich bestrebe. Er ersuche die Regierung, über die Erbauung dieser Strecke baldigst neue Verhandlungen in die Wege zu leiten. Abg. Hirsche! wünscht eine Verbesserung der Zuganschlüsse nach Oberhessen über Fulda und die Anlegung einer Haltestelle in Lindenstruth. Auch die Nachmittagsverbindung von Hanau nach Offenbach sei eine sehr un- Äg. Bähr spricht seine Befriedigung über die Verbesserung der Anschtüsse Gießen-Gelnhausen aus, und wünscht weiter den Bau einer Bahnstrecke Ober-Seemen- Büdingen-Hanau. Abg. Sensfelder gibt Anregungen zu einer Verbesserung der Zugverbindung auf der Strecke Frankfurt-Groß- Gerau und Mannheim, auch beklagt er die Zurückstellung des Dahnprojekts Griesheim-Gustavsburg. Abg. Reh wünscht bessere Bahnverbindung zwischen Frankfurt und Gießen—Gießen-Fulda-Lauterbach usw. Finanzminister Gnauth sagt möglichste Berücksichtigung der vorgetragenen Wünsche zu. Tie Novelle zum Nebenbahngesetz sei bereits ausgearbeitet, man habe sie aber noch nicht vorgelegt, weil der Landtag noch viele andere Aufgaben zu erleoigen habe. Man könne in der Zwischenzeit auch noch weitere Erfahrungen mit in Erwägung ziehen. Abg. Damm beklagt die Zustände beim Bahnhof Friedberg. Abg. Weidner ersucht, recht bald den Bau einer Strecke Stockheim-Vilbel ins Auge zu fassen und für einen besseren Passagierverkehr auf der Umsteigestelle Stockheim Sorge zu tragen. Wg. Dr. Buff besprickt die Verhandlungen der Stadt Darmstadt mit der Süddeutschen Eisenbahngemeinschaft und legt die Ursache der Verzögerung des Vertragsabschlusses dar. Er hoffe jedoch, daß der jetzige veränderte Vertrag bald zu einem befriedigenden Abschluß kommen werde. Nach weiteren lokalen Wünschen der Abgg. Pennrich, Erk, v. Brentano, Horn bestreitet Abg. Euler die jüngst durch die Presse gegangene Meldung bezüglich seiner Audienz beim preußischen Eisenbahnminister; der Bau einer Bahn Bensheim-Lindenfels sei ihm nicht zugcsagt worden. Es seien nur Erwägungen über die Frage, ob Normalspur oder Nebenbahn im Gange, etwas Näheres sei darüber nicht zu sagen. Redner wünscht, daß in Bensheim mehr Schnellzüge hatten möchten, denn die Bergstraße ziehe Besucher aus ganz Deutschland herbei. Wg. Seelinger beklagt ebenfalls die Verwendung italienischer Arbeiter bei den Bahnarbeiten und meint, die Regierung sollte bei Vergebung der Bahnarbeiten energisch das Interesse der heimischen Arbeiter wahren. Redner wünscht auch die Errichtung einer Haltestelle möglichst in Der Nähe von Worms, das durch Errichtung der neuen Rheinbrücke jetzt von Lampertheim aus erheblich schwieriger zu erreichen sei. Finanzminister Gnauth sagt auch hier eine Prüfung der Beschwerden und so weit als möglich Abhilfe zu, woraus nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Sensfelder, Orb und v. Brentano, der namentlich den Sozialdemokraten gegenüber betont, sie könnten doch nicht verlangen, daß die Dahnverwaltung den Arbeitern, nur weil sie eben Arbeiter sind, nun besondere Vorteile vor den anderen Passagieren einräumen solle, die Arbeiter möchten sich gegen die Beamten höflich benehmen, dann würden sie auch wieder so behandelt werden — wird die Einnahme und Ausgabe des Titels Staatseisenbahnen einstimmig angenommen. In der 4. Hauptabteilung sind für Kap. 11, Lotterie an Einnahme 1000 000 Mark angejetzt. Abg. Molthan führt hier Klage über die verschiedenartige Bestrafung in den einzelnen Bundesstaaten bei Lotteriedelikten und tritt für eine Besserstellung der Kollekteure ein. In Württemberg würden Lotterievergehen sogar mit Gefängnis bestraft. Tas Reich beziehe aus den verschiedenen Lotterien ca. 40 Millionen an Stempelsteuer^, und die einzelnen Lotterien führten miteinander erbitterte Kämpfe, um ihre Lose abzusetzen. Man solle versuchen, für alle Lose die Freizügigkeit im Reich herbeizuführen. Finanzminister Tr. Gnauth betont, daß unablässig das Bestreben bestehe, noca vorhandene Mißstände zu beseitigen, die sich namentlich beim Wettbewerb der verschiedenen Lotterien im Reiche ergeben hätten; er hoffe auch in nicht ferner Zeit auf ein gutes Resultat. Im übrigen gelte von den Lotterien dasselbe, was man von den Frauen sage: Tiejenigen sind die besten, von denen man am wenigsten spricht. (Heiterkeit.) Er werde sich deshalb auch hier nicht weiter darüber aussprechen. Nachdem Abg. Ulrich noch die Abneigung seiner Partei gegen die LotteAen überhaupt zum Ausdruck ge/ bracht, die auch gegen diese Position stimmen werde, schließt die Tebatte und das Kapitel wird bewilligt. In der 5. Hauptabteilung gibt bei Kap. 12 direkte Steuern usw. Abg. Köhler der Mißstimmung Ausdruck, die auf dem Lande über die hohe Hundesteuer herrsche. Ta noch verschiedene weitere Redner zum Wort gemeldet sind, wird auf Antrag Weidner die Debatte gegen 1 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr. Der Aufstand in Ierttsch-Südrvestafrika. Tas nachstehende Telegramm des von der „Köln. Ztg." zu einer Orientierungsreise nach Teutsch-Südwestafrika entsandten Redattionsmitgliedes Prosper Müllendorf gibt nicht nur eine aussührlieve Schilderung der bis jetzt unbekannten Vorgänge im Norden und Nordosten unseres Schutzgebietes, sondern befreit uns auch von einer großen Sorge, da die letzte Nachricht Müllcndorffs vom 18. Dezember datiert war und vielfach bereits angenommen wurde, daß §err Müllendorsf von den Herero erschlagen worden sei. Am 7. Dezember hatte Müllendorff von Windhuk mitgeteilt, daß er sich am 11. mit dem Tezernenten für Landwirtschaft und Forstwesen, Tr. Gerber, zur Bahn nach Okahandja begeben und von dort im Ochsenwagen eine Reise nach Waterberg, Grootfontein, Otavi, Outjo, Omaruru anzutreten und in Karibik die Eisenbahn wieder zu erreichen gedenke. Tie letzte Nachricht aus Okahandja hatte er am 18. Tezember an seine Familie abgesandt. Was ihm seitdem begegnet ist und für die Öffentlichkeit Interesse hat, schildert er in dem unten stehenden Telegramm. Tas Telegramm lautet: Die Vorgänge im Norden und die Gefechte um Outjo. Outjo, 3. Febr. (Abgeaangen von Swakopmund am 15. Februar.) Bei meiner Ankunft hier am 14. Januar wurde ich durch den Herero-Ausstand überrascht und fand Unterkunft auf der von Flüchtigen besetzten Station. Tie 4. Kompagnie war nach Westen unterwegs seit dem 9. Jan. Ermordet sind Peter von hier, Schwarz und Hoy im Westen, und auf dem Wege hierher der Frachtenfahrer Behr. Von Behr wurde nur das Gerippe, das von Tieren zerfressen war, aufgefunüen. Mißhandelt sind Grunwald, Clußmann und Weschkalnitz (wahrscheinlich lautet der Name richtig: Weschkalnies. D. Red. des „Gieß. Anz."), beraubt und bestohlenviele andere. Auch zwischen Otavi und Grootfontein waren die Herero aus Viehstehlen bedacht. Tie 4. Kompagnie wurde bei Okanjande am 16. Januar aus dem Hinterhalt beschossen, führte ein Gefecht und erstürmte die Werft. Ter Feldwebel Glatzel wurde schwer verwundet. Da Outjo sich bedrängt meldete, wurde der Rückmarsch am 19. Ian. angetreten, der durch Regen auf den weichen Wegen erschwert wurde. Mittlerweile waren wir nach Süden aufgebrochen und 25 Kilometer von hier auf Omaruru zu gelangt, mußten aber umkehren, weil ein Teil der Mitreisenden einberufen und Peter, der für die Truppe Frachten brachte, gerade unweit der Lagerstätte ermordet und beraubt worden war. Eine Patrouille begrub ihn. Tie Kompagnie hatte inzwischen die Reserve und Landwehr eingestellt und erkundete die Paresisberge, wo sie keine Herero sand. Hauptmann Klie;oth beschloß einen Zug auf Omaruru, woher seit länger als 14 Tagen keinerlei Nach-- richt gclommen war. Ter Abmarsch erfolgte am 27. Jan. Einem Gefecht am Etanenoberg am 29. Januar wohnte ich bei. Bei Tagesanbruch vorgehend, erkannte Kempagnie durch den Busch bei einer Werst Kleinvieh treibende Herero und feuerte. Tann ging sie abgesessen in zwei Zügen vor und beschoß die Großvieh treibenden Herero. Sie wollte letztere abschne'iden und ließ daher bte Artillerie eingreifen. Hauptmann Kliefoth, der bei den Geschützen zu Pferde hielt, wurde durch dieSchul- ter geschossen. Er ließ das Gefecht abbrechen, da der Gegner die Stellung geräumt hatte. Tie Herero waren schwer erkennbar, weil sie mit Uniformen von Peters Magen bekleidet waren. Wir hatten keine weiteren Verluste, die Herero, die mehrere hundert Mann stark schienen, aber schwere. Tie Herero hatten teilweise M 1871/1888 Gewehre; es befanden sich entlaufene eingeborene Soldaten unter ihnen. Mir gingen nach der Wasserstelle Otjikango zurück und sandten am 30. Januar Karren mit Verwundeten und zum Holen von Proviant nach Outjo. Dis zur Rückkehr der Karren sollten Züge gegen die Herero nach Osongombo und andern Plätzen unternommen werden. Anscheinend haben die Herero sich dort und anderwärts auf einer über Waterberg östlich gehenden Linie gesammelt, um die Verbindung zwischen Outjo und Omaruru abzuschneiden. Als jedoch unruhige Nachrichten aus Outjo kamen, wurde am Abend des 30. Januars der Lagerplatz von Otjikango verlassen und wir trafen nach einem Eilmarsch am Morgen des 31. Januars wieder in Outje ein. Oberleutnant Frhr. v. Schönau-Wehr war inzwischen aus Seßfontein eingetroffen und unternahm eine Erkundung nach Westen, wo auf der Farm Khauas bei dem Farmer Kreuz sechs Farmer, die sich mit Familien und Vieh gerettet hatten, unter Leitung Krenz' und mit Hilfe dreier Reiter von der Schutztruppe sich selbst erfolgreich verteidigten. Die gestohlenen Herden wurden eingebracht, mehrere Diebe erschossen. Die Hottentotten im Norden sind ruhig trotz der vorherigen Alarm- , nachrichten, ebenso die Ovambo, die sehr gefürchtet werden. Die Ovambo sind mit den Herero gerade wegen eines Wagendiebstahls in -einem kleinen Zwist. Immerhin ist Vorsicht geboten, deshalb kann die Kompagnie nicht weit weg und beschränkt sich vorläufig auf größere Offizierpatrouillen im Umkreis von etwa 60 Kilometer. Nnige Belagerte brechen morgen mit der Post über Franzfontein nach Swakopmund durch die Namiebwüste durch. (Der Durchbruch ist offenbar geglückt, da diese Leute auch das Telegramm des Berichterstatters zur Küste gebracht haben müssen.) Wir warten weiter auf Entsatz, da der Transport der Ersatzkompagnie fällig ist. Die Ausgedienten verbleiben auf der Station. Okankwejo wie Seßfontein sind geräumt, damit alle Streitkräfte hier verfügbar sind. Wir haben über 120 Mann. B e fr e m d e n d ist, daß die lange Jahre hier lebenden Missionare so wenig Kenntnis von den Eingeborenen hatten. Wir fanden auf der Reise bis Thumeb, der künftigen Hauptstätte des Bergbaues der Olavi-Gesellschaft, und bis Grootfontein alles äußerlich friedlich Besonders in dem auch betroffenen Grootfonteiner Bezirk, vielleicht dem reichsten Südwestafrikas, hatte das reiche Regenjahr die schönsten Hoffnungen geweckt. An Plätzen mit ständigem Wasserlauf walc "die erste Maisernte reichlich ausgefallen und die zweite Vielversprechend. Bei den Gesellschaften und der Regierung herrschte große Nachfrage nach Ländereien. Der Besiedlungskommissar Rohrbach hatte gerade Farmen für zehn vom Reich unterstützte Ansiedler, die kommen sollten, ausgesucht. Die Otavi-Gesellschaft hatte in Thumeb mit 80 Ovambo die ersten Arbeiten im Hinblick auf den baldigen Bahnbau eingeleitet. Alle Hoffnungen sind nun vereitelt, das Land ist auf lange ruiniert. Manche Handelsfirmen sind bedroht. * Wolfbureau bestätigt diese Nachrichten kurz, indem es meldet: „Oberst Leut wein telegraphiert unter dem 16. Februar folgendes: Am 16. und 19. Januar hatte die Kompagnie von Outjo Gefechte südlich und östlich dieses Platzes. Der Feind wurde zurückgeschlagen. Verwundet: Hauptmann Kliefoth, Feldwebel Glazet. Als ermordet gemeldet: Ansiedler Karl Behre aus Eutin; Peter, Farm von Petersdorfs; Franz Boettcher-Hamburg, Schwarz, Farm Savannes; Paul Hov, früherer Eisenbahnunteroffizier, Frau Hoy gerettet. Outjo ist nicht direkt bedroht. Gobabis ist infolge Rückzuges des Feindes frei. Die nach Outjo gelangte Expedition ist im Gang. Die nach Gobabis abgesandte Expedition setzt ihren Marsch dorthin fort behufs Säuberung des ganzen Distrikts." Wie der „Berl. Lokalanz." aus Okahandja meldet, hatte die Kompagnie Fischet am 14. Februar zwischen Seeis und Windhoek auf dem Wege nach Gobabis ein V o r - Postengeplänkel, wobei die Seesoldaten Mahnke, Luttermüller und Schneider fielen, Seesoldat Henze schwer, Gefreiter Arndt leicht verwundet wurden. Dem „Braunscblw. Anz." ist ein Brief aus K a r i b i b vom 10. ds. zur Verfügung gestellt worden. Tarin heißt es, daß die Herero von Okahandja Farmern dort sagen ließen, sie möchten sich entfernen, da sie kommen würden, um das Vieh weg zu treiben. Die Farmer folgten dieser Aufforderung. Die Geretteten schlossen sich dem Oberleutnant Zülow an. Aus dem Briefe geht hervor, daß der Charakter des Auf st and es von Anfang an gutmütig war. Der Krieg zwischen Japan und Außland Tie „Agence Havas" meldet aus Petersburg: Die Floltendemonstration der Japaner an der Mündung des Jaluflus'ses scheine den Zweck gehabt zu haben, die Aufmerksamkeiten der russischen Behörden zu täuschen. Zu gleicher Zert habe sich im Golf von Liau- tun g unter dem Schutze von Kreuzern eine große Tr u p- penbewegung vollzogen, die ans Zerstörung der Eisenbahn im Hinterlande von Port Arthur gerichtet gewesen sei.. Tie japanischen Kreuzer „Nischin" und „Kasuga" sind in Jokosuka antzekommen. Ter französische Kreuzer „Pascal" ist am 16. d. M. von Dschemulpo nach Tschisu abgegangen. An Bord befinoen sich der russische Gesandte Pawlow mit Familie, zahlreiche russische Flüchtlinge und die Ueberlebenoen vom Kleuzer „Marjag" und „Korejetz". Tie Abfahrt des „Pascal" hat sich seit dem 12. Februar durch von den Japanern gemachte Einwendungen gegen die zur Beförderung der Flüchtlinge getroffenen Vorkehrungen verzögert. Der große Transportdampfer der Hamburg-Amerika- Lrnie „Batavia" nahm in Wladiwostok über tausend Flüchtlinge auf und wird sie in Mogi oder Tsingtau landen. Tas Reutersche Bureau meldet aus S o e u l, der j a p a - Nische Gesandte Hayashki und der japanische Mili- tärattachee Jjischi seien am 9. Februar abends vom Kaiser von Korea in Audienz empfangen worden und hätten ihm über den eingetretenen Umschwung der Sachlage berichtet. Ter Kaiser habe das offene Vorgehen der Japaner gebilligt und bestimmt erklärt, er würde den Staat niemals irgend einer andern Macht anvertrauen imb sich gänzlich auf Japan verlasse n. Tas neuerdings aufgetauchte Gerücht, Rußland ver- suche die Durchfahrt durch die Meerengen zu erwirken, wird sowohl von türkischer wie russischer Seite entschieden dementiert. In San Francisco erhielten die Spediteure der Ladung Büchsenkonserven, die auf dem Dampfer „Coptie" für die Russen nach Port Arthur verschifft war, die Nachricht, die Ladung sei in Nagasaki von den Japanern beschlagnahmt worden. In der nächsten Woche soll mit dem Dampfer „China" von San Francisco eine Ladung von 1 Mill. Pfund Pökelfleisch abgehen und nach Shanghai konsigniert werden, um von dort weiter nach Port Arthur befördert zu werden, in der Hoffnung, daß eine Beschlagnahme dieser Sendung vermieden werde. Originaltelegramme. London, 17. Febr. Dem Reuter'schen Bureau wird über Newyork aus Tokio gemeldet: Flüchtlinge erklären, daß Wladiwostok nicht darauf vorbereitet sei, einem Angriff Widerstand zu leisten. Es seien dort weder Torpedos noch Minen. 10 Torpedoboote seien vom Eise eingeschlossen. Die Rusten fahren fort, Truppen nördlich des Paluflusses zusammenzuziehen, da sie dort den Hauptzusammenstoß mit den Japanern erwarteten und fürchteten, daß versucht würde, die Verbindungen von Port Arthur und Wladiwostok abzuschneiden. London, 17. Febr. Aus Tientsin wird gemeldet, die Japaner hätten nunmehr die Landung aller für Korea bestimmten Truppen bewirkt, die auf 100 000 Mann berechnet würden. Sie sind in zwei Linien aufgestellt; die eine südlich von Palu, die andere nördlich von Söul. Newy ork, 17. Febr. Aus Söul verlautet gerüchtweise, daß 3 russische Schiffe in Jongampho von japanischen Kriegsschiffen eingeschlossen seien. parlamentarisches. Berlin, 16. Febr. In der Budget-Kommission deS Reichstages entspann sich heute eine längere Debatte über die Spalierbildung anläßlich der Wiesbadener Kaiser-Begegnung, wobei die Heranziehung auswärtiger Truppen getadelt wurde. Seitens der Re- gicrungsvcrtreter wurde diese Maßregel mit politischen Höflichkeitsgründen zu rechtfertigen gesucht. Bei dem Kapitel Unterhaltung der Geschütze machte der Kriegsminister authentische Angaben über die Rohr-Rücklaufgeschütze. Es ist daraus zu entnehmen, daß die Regierung nach eingehenden Versuchen des Ehrhardt'schen Modells sowie des Krupp'schen ein Kompromiß-Modell dieser beiden, welche? beider Vorzüge vereinigt, hat Herstellen lassen, das sich vorzüglich bewährt habe und wahrscheinlich auch in der Armee zur Einführung gelangen werde. Die Ostmarken-Zulagen für höhere Mititär-Beamte wurden abgelehnt. Die Kommission nahm alsdann einstiinmig eine,, Resolution Groeber und Speck an, nach der mittellosen Eltern, die ihre beim Heer schwererkrankten Söhne besuchen, eine Reichsbeihilfe gewährt werden soll. — Das preuß. Abgeordnetenhaus setzte die zweite Beratung des Etats der Berg-, Hütten- und Salinen- Verwaltung fort. Der Rest des Ordinariuins sowie des Extra-Ordinariums wurde ohne wesentliche Debatte angenommen. Es folgte die Beratung des Etats der Handelsund Gewerbe-Verwaltung, die nicht zu Ende geführt wurde. — Dem Abgeordneten hause ging ein Gesetzentwurf, betr. Verbesserung der Wohnungsverhältnisse der in Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und gering besoldeten Beamten, zu. In demselben werden 15 Millionen Mk. gefordert. Kirche und schule. Rom, 16. Febr. Aus Allem, was aus Kurienkreisen verlautet, geht hervor, daß die Mission des Profestors von Hertling, die eine Reihe wichtiger Fragen betrifft, vollständig geglückt ist. Doch glaubt man, daß Hertling vor Allem darauf hinarbeitet, die Mission in Ostasien wie in Palästina offiziell dem französischen Protektorat zu entziehen. Die voraussichtliche Ernennung eines deutschen Kurien-Kardinals wird als Vorstoß gegen Frankreichs Einfluß iu Rom betrachtet. Aus Stadt und Land. Gießen, den 17. Februar 1904. Sprech st unden der Redaktion: 12—1 Uhr vormittags, i/i7—*/28 Uhr abends. ** Gerichtsschreiber- und Gerichtsvollzieher- Prüfung. Am 13. Februar d. I. ist der Landgerichtsrat Ludwig Lang in Darmstadt an Stelle des zum Mitglieds der Prüfungskoiulnision für das Jtistiz- und Venvaltungs- fach ernannten Oberlandesgerichtsrats Dr. Berchelmann ztltn Mitgliede der Kommission zur Prüfling der Gerichtsschreiberund Gerichtsvollzieher-Aspiranten bestellt worden. ** Ueder Dentschsüdwestafrika wird in der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde beute abend im großen Saale des Hotels „Großherzog von Hessen" cand. jur. E. Donnert aus Omaruru sprechen und insbesondere die Hereros in seinen Vortrag einbeziehen. Gleichzeitig wird eine Ausstellung von Herero-Waffen, -Schmuck-, -Be- kleidungs- und -Gebrauchsgegenständen dort zu sehen sein. •* Das Sigrid Arnoldson-Konzert wird, wie vorauszllsehen war, einen vollen Erfolg haben. Wir machen hellte besonders darauf aufmerksain, daß mit Rücksicht auf die vielen hiesigen Gesellschaften und die zahlreichen auswärtigen Konzertbesucher der Anfang auf 7 Uhr abends gelegt ist. Noch bis jetzt Unentschlostene wollen sich rasch entscheiden. Sigrid Arnoldson dürfte in absehbarer Zeit Gießen nicht wieder besuchen. '* Die Vertreterversammlung deS Hessischen Landes-Lehrervereins soll am 7. April zu Bad-Nau- heim abgehalten werden. Die Tagesordnung bringt: 1. Erstattung des Jahresberichts für den LandeS-Lehrerverein und den Verein prov. angestellter Lehrer in ErkvankungSfäÜen. 2. Rechnungsablage der beiden Vereine pro 1903. 3. Beratung und Festsetzung deS Voranschlags pro 1905. 4. Beratung und Beschlußfassung über gestellte Anträge. 5. Ernennung des Schriftleiters für den Schulboten. § Burkhards, 16. Febr. Der hiesige langjährige Polizeidiener Haxt ging gestern abend aus dem „Ge- meindewirtshallse^ heim, kam von der Dorfstraße ab in die dlirchfließende Nidder, welche hier etwa ca. einen halben Meter tief ist, und ertrank. Gegen 3 Uhr fand ihn der Nachtwächter. Die allgemein beliebte Familie wird über den jähen Tod des alten Mannes sehr bedauert. Darmstadt, 16. Febr. Die amtliche „Dünnst. Ztg." schreibt: Der ordentl Professor in der juristischen Fakultät der Landesuniversität Gießen, Geh. Justizrat Dr. A. B. Schmidt hat, wie wir erfahren, den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Königsberg abgelehnt. Hierdurch ist von unserer Landesuniversität erfreulicherweise ein Verlust abgewendet worden, der angesichts der außergewöhnlichen Arbeitskraft und der eingehenden Bekanntschaft Schmidts mit unseren gesamten heimatlichep Verhältnissen kaum zu ersetzen gewesen sein würde. Vermischtes. * Tilsit, 16. Febr. Der Fleischermeister Hubert (Lompönen) welcher im Mai 1903 den aus der Schweiz stammenden Meiereibesitzer Zürcher sowie dessen Ehefrau mit Tochter ermordet hatte, wurde heute hin- gerichtet. Kurze Zeit vor seinem letzten Gange legte er ein Geständnis ab, daß er die Tat mit Ueberlegung begangen habe. * Die älteste Bewohnerin Tilsits und wahrscheinlich auch der ganzen Provinz Ostpreußen, Frau Ulrike Ulfs, ist im 103. Lebensjahre in Tilsit gestorben. Sie war am 15. Oktober 1801 als Tochter des s. Z. dem Tilsiter Dragonerregiment angehörenden Rittmeisters v. Kortzfleisch geboren. Im Jahre 1818, also mit 17 Jahren, heiratete sie. Seit mehr als 52 Jahren war sie verwitwet. Landwirtschaft. Berlin, 15. Febr. Tie von dem Vereine zur Förderung der Moorkultur veranstaltete Ausstellung wurde heute vormittag im Landesausstellungsparke eröffnet. Anwesend waren Staatssekretär Graf Posadowsky, die Minister Studt, Frhr. v. Hammerstein usw. Tie Eröffnungsrede hielt Frhr. v. Wangenheim. In seiner Erwiderung führte Graf Posadowsky aus: Tie Ausstellung, zu welcher Landwirtschaft und Industrie aus allen Teilen ihr Bestes beigesteuert haben, und an der sich auch befreundete Staaten in so ausgiebiger Weise beteiligten, wolle ein zwar etwas abseits liegendes, nichts destoweniger aber hoch bedeutsames Arbeitsfeld zur Anschauung bringen. Es sei nicht seine Aufgabe, hier nur flüchtig anzudeuten, wie die Kültivierung der Moore oder die industrielle Ausbeutung ihrer Substanz auf die Landeskultur und auf die Volkswirtschaft einwirken; er wolle nur betonen, wie Landwirtschaft und Industrie, Praxis und Wissenschaft gleichmäßigen Anteil an der Nutzbarmachung der Moore haben und einmütig zusammenarbeiten. Redner weist dann auf den Stand jener praktischen, selbstwirtschaftenden Landwirte hin, die auf diesem jungen Versuchsfelde Pfadfinder gewesen sind, auf Rimpau und Schultz-Lupitz, und betont die nutzbringende Verwendung der Thomasschlacke auf Moorboden, wovon die Landwirtschaft bald in großem Umfange Gebrauch machte. Tie Landwirtschaft zahlt jo der Eisenindustrie, nachdem sie ihr eine Last abgenommen hat, noch Millionen. Auf den früher so üerrufenen Mooren sehe man heute schon zahlreiche Heimstätten und Siedelungen, bewohnt von einer strebsamen Bevölkerung. Diese Ausstellung sei deshalb ein Ehrenzeuynis jener zähen Tatkraft, die es verstanden habe, rastlos die verborgenen Schätze der spröden Erde abzuringen. Alsdann erklärte Graf Posadowsky die Ausstellung für eröffnet. Hierauf erfolgte ein Rundgang durch die Ausstellung. Äerichtssaal. Leipzig, 16. Febr. Das Reichsgericht verwarf deute die Revision des Grafen Walter Pückler-Klein- tschirne, der am 6. Oktober 1903 vom Landgericht 2 Berlin wegen Beleidigung der jüdischen Einwohner Glogaus, begangen durch eine in Berlin gehaltene Rede, zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Verworfen wurde auch die Revision der Nebenkläger gegen dasselbe Urteil, so weit durch dieses die Angeklagten Graf Pückler und der Stenograph Schimmelpfenniq der Beleidigung der Gloqauer jüdischen Einwohner durch den Porwurf eines an den Grasen Pückler begangenen Giftmordversuches für nicht schuldig befunden wurden. -----!WJ--■■ J.1.JJ !.. 1 .. . Hauke! und Uerkehr. Volkswirtschaft. Berlin, 16. Febr. In der heutigen Sitzung des Zentral- auSschusses der^Reichsbank gab Präsident Dr Ko-ch einen U e b e r b l i ck über die in der Lage der Reichsbank eingetrctenen Veränderungen und führte unter Zustimmung des Zentralaus- schusses aus, daß bei den hohen fremden Wechselkursen und der unsicheren politischen Lage eine Ermäßigung des Diskonts nicht beabsichtigt sei. SJleteDroloflifrfie Beobachtungen der Station Gießen. » e tu O *5- ‘C 2 Wetter Februar 1904. 2>s Februar -4- 4,8u C. „ — 1,7 ° C. 738,1 735,9 724,4 Bew. Himme' Bew. Himmel Schnee 4,5 4,5 4,7 + 4,6 4- 2,0 + 0,7 16. 16. 17. 71 85 96 W. 8. o ~ iö'S 51 2 eo Höchste Temperatur am 15.—16. Niedrigste . , 15.—16. llnuilr Mciduuukil. Originaldrahtmeldnngen de- Gießener Anzeigers. Petersburg, 15. Febr. Rußland rüstet gegen England! General Sherimedjew von den asiatischen Truppen ist vom Zaren empfangen worden und nach Asien abgereist Nach absolut verläßlichen Informationen besteht hier die (5nt- schloffenheit, in Tibet keine Schwäche zu zeigen. Die Situation ist sehr ernst.