Nr. 296 Freitag, 16. Dezember 1904 154. Jahrg. Otefr&etat Myttch mti VuSnahms bei Sonntags. Dt» »Stetzeu« KawMendlLNer* werden der ytlnjeirt «rtnc wöchentlich betgelegt Dt dhejU ), ebttton u. Druckerei. GchuMr.I. Tel. 8h. 6L leugi.-lttbt.; Üa-eiger Otetz« General-Anzeiger. Amts- und Anzeigebiatt für den Ureis Sietzen. Parlamentarische Ver!mnslunqen. Kachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Dentlcher Neichstaq. 118. Sitzung vom 16. Dezember. 1 Uhr. D^s Haus ist sehr schwach besetzt. Am Bundesratstisch: o. Einem, Stuebel, Frhr. von Stengel u. a. Tie erste Beratung der Militärpevsions- gesetzentwü^ie wird fortgesetzt. Reichsscbatzsekretär Frhr. von Stengel: Die Vertretung der Vorlagen geht ja in erster Linie die Militärverwaltung an. Aber bei der finanziellen Bedeutung der Entwürfe kann ich es mir nicht versagen, das Wort zu nehmen. Tie gestrigen Beratungen haben mich an das alte Svrickwort gemahnt: „Es recht zu machen jedermann. Ist eine Kunst, die niemand fannl" Ich erinnere Sie an eine Sitzung, die erst vor wenigen Monaten aus Arstaß einer Inrerpellation wegen d^r Pensionsgesetze stattfand. Bei der Besprechung dieser Interpellation sind damals von den verschiedensten Seiten erhebliche Vorwürfe erhoben worden gegen den Bundesrat, daß dieser die Einbringung der Vorlage nicht mehr beschleunige. Nun ist sie eingebracbt, und nun kommen wieder Vorwürfe, daß der Bundesrat mir der Einbringung nicht, länger gewartet bat. Die wesentlichsten Bedenken, die laut wurden, betreffen die rückwirkende Kraft und die D e ck u n g s f r a g e. Wenn man die Vorlagen nur äußerlich betrachtet, so gewinnt es zwar den Anschein, daß sie in der Tat nur die Aufgabe erfüllen sollen, die materielle Lage der Milttärpensionäre zu verbessern, der innerste Grund für ihre Einbringung aber ist Die bohe Bedeutung einer angemessenen Versorgung bör invalide gewordenen Militärpersonen für die Erhaltung der Schlagfertigkeit des Heeres tind der Marine. Gerade dieser Grund war es, welcher die verbündeten Regierungen zu der Auffassung brachte, daß es ungeachtet der, augenblicklichen Lage der Finanzen nicht angängig sei, die Ein- j bringung der Vorlage länger aufzuschieben. Aus dem Festhalten an dem soeben von mir entwickelten Grundgedanken ergibt fick die Rechtfertigung des Standpunktes der verbündeten Regierungen von | selbst. Bezüglich der Deckung § frag? stehen Die Negierungen ! auf dem Standvunkte, daß für eine Vorlage die zur Erhaltung j der Schlagfertigkeit unseres Heeres und unserer Flotte nacbge- wiesenermaß^n als notwendig erscheint, vom Reiche Deckungsmittcl unter allen Umständen beschafft werden müssen Mag die Finanz- । läge auch noch so mißlich sein, so arm ist das Deutsche Reich noch lange nicht, daß es nicht in der Lage wäre, die Mittel aufzubringen, deren wir dringend bedürfen zur Verteidigung des Vaterlandes. sBeifall re:* Kriegsteilnehmer spielt ja heute die politische ^'-iinnung eine Rolle. Wir sieben auf dem Standpunkr, daß dem Gesetz rückwirkende Kraft gegeben und die Pensionen der oberen Chargen etwas weniger erhöht werden. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Einem: Nach dem bisherigen Verlauf der Diskussion kann ich sagen, daß der Entwurf für die Mannschaften im allgemeinen Zustimmung gefunden hat, der für die Offiziere im großen und ganzen eine gewistc Ablehnung. Es ist damit das eingetreten, was ich geglaubt hatte. Nun bin ich im Verlauf der Diskussion auf ganz merkwürdige Ansichten bei einem großen Teil der Herren über Offizierspensionierungen gestoßen. Es ist immer die Meinung verbreitet, daß da die Guillotine mit ungeschwächter Kraft arbeitet. Demgegenüber darf ich betonen, daß vor 30 Jahren die Armee noch nicht so alt gewesen ist als heute. Unsere Brigadekommandeure, Regimentskommandeure, Bataillonskommandeure, Hauptleute sind sämtlich älter an Jahren als wie es in den Jahren 1870—77 der Fall war. Schon diese eine Tatsache beweist, daß man nicht in der Weise pensioniert, wie die Herren glauben. Dann ist es merkwürdig, wie man sich von gewissen Seiten des Offiziers annimmt, um ihn dem Dienste zu erhalten. Tas ist dieselbe Seite, die wenn irgend etwas durch die Preste gebt und waS noch gar nicht mal aufgeklärt ist, sofort den Ruf erschallen läßt: Der muß beseitigt werden, fort mit ihm! (Sehr richtig! rechts.) Wie geben denn im allgemeinen die Offizierspensionterungen vor sich? Es werden jährlich dem Militärkabinett Qualifikationsberichte eingereicht. Der erste, der diese Berichte schreibt, ist der Regimentskommandeur. Tann urteilt der Brigadekommandeur, dann der Divisionskommandeur, schließlich der kommandierende General. Und diese Offiziere sind berufen, nach bestem Gewissen und Verständnis ihr Urteil ab- zuaeben. Es ist ihnen ausdrücklich in meinem Beisein im vorigen Jahre von S. M. gesagt worden: „Sie sollten wohlwollend dabei verfahren v(i? einen Offizier nicht etwa gleich als Mann hinstellen, der sein Ann nicht mehr ausfüllt: auch dann nickt, wenn er einmal bei einer Besichtigung versagt hätte. Es käme auch darauf an, zu urteilen, ob die innere Ordnung in der Truppe von ihm gut beobachtet wäre, und auf andere Verhältniste mehr." Ich glaube, die große Mehrheit auf meiner Seite zu haben, wenn ich sage, daß diese Gewissenhaftigkeit bei der Erteilung der Qualifikation auch tatsächlich obwaltet, und daß niemand in gewistenloser Weise den Offizier einfach auf die Straße wirft. Diese Berichte werden im Kabinett einer Durchsicht unterzogen, und nun wird dem Kaiser in gewissenhafter Weise Vortrag gehalten, und der Kaiser entscheidet, wie sich in den höheren Stellen da? Avancement gestalten soll. Daß nun das Avancement, wie es in den höheren Stellen stattfinden soll, nach unten hin seine Wirkung ausübt, ist ohne weiteres klar. Eö muß dafür gesorgt werden, daß nach Möglichkeit die Stellen, die neu besetzt werden müssen, schon wieder besetzt sind, wenn der Dienstbetrieb auf den Truppenplätzen anhebt, das ist bereits vielfach im Mai. Deshalb müssen nun eine Anzahl Offiziere, bie weg sollen, zu biesem Zeitpunkt schon weg sein. E§ bangt für die Entscheidung, ob ein Offizier noch bleiben soll oder nicht, davon ab. ob ganz oben mehr geräumt wird ober weniger. ES ist also nicht wie ber Abg. Speck meint, ein Mangel an Wohlwollen, das hier vorliegt, sondern es sind einfach zwingende Verbältniste, wenn man offen sagen muß: Der Kaiser will, daß bis da und dalün die Stelle geräumt ist, weil der betreffende Offizier, der sie künftig auZfüllen soll, schon da sein muß, um die Verantwortung für die weitere Ausbildung des Truppenkörpers zu übernehmen.. Nun ist immer wieder darauf hingewiesen, die Offiziere, die übergangen werden, sollen bleiben. Ich meine, die Herren stellen sich daS so vor: ES wird plötzlich ein Hauptmann aus der Mitte zum Major gemacht, dann müssen die andern älterern Oberleutnant? alle weg. oder es wird ein Maior zum Oberstleutnant gemacht, dann müsten die älteren Majore weg. Das ist absolut falsch. Man er, fennt vielfach schon frühzeitig bei dem Hauptmann solvohl wie bei dem Bataillonskommandeur, ob diele Herren zu den höheren Stellen geeignet sind oder nicht. Ich will einmal sagen: ein Bataillons- kommandeur hat drei Jahre ein Bataillon geführt: der Regimentskommandeur, die höheren Vorgesetzten haben aber die lleberzeugung gewonnen: der Mann wird ein Regiment niemals führen können. Tenn das werden bie Herren bocb alle zugeben: Die Eigenschaften cincS Regimentskommandeurs müssen anderer Art sein, als bie eines BataillonskommanbeurS. Der Regimentskommandeur hat die große Aufgabe, ein Offizierkorps zu erziehen. Er hat auch sonst eine ganz andere Stellung, als ein BattaillonSkommandeur. Ter sagte nun also: ber jetzige Bataillonskommandeur füllt seine Stellung aus: aber zum Regimentskommandeur ist er nicht geeignet. Was geschieht dann? Dann bleibt ber Major ruhig auf seinem Platz. Er geht seinen Weg weiter, bis er für die Charge eines Oberstleutnants in Betracht kommt. Dann wird ihm gesagt: der Kaiser hat eine weitere Verwendung für Sie nickst. Wenn Sie sich ausreckmen, daß der Mann 26 Jahre braucht bis zum Major und dann noch 7 Jahre bis 511m Regimentskommandeur, so sind das 32 Jahre, und wenn er mit 20 Jahren Offizier geworden ist, dann ist er 52 Jahre alt. Ja, soll der Mann dann noch bleiben, er wird sehr bald am Ende seiner Kräfte sein, und wenn er trotzdem daS Bataillon dann noch lange Zeit weiter führt, so könnte er diesem selbst sehr leicht schädlich werden. WaS nun daS Ileberspringen an sich anlangt, fo muß man sich immer sagen: Der übergegangene Hauptmann wird sehr schwer =ut überzeugen sein, daß derjenige Major, ber ihm vorangesetzt ist. es bester machen wird, als er, und der Major und Oberstleutnant, ber von einem Jüngeren übersprungen unb zum Regimentskommanbeur ernannt wird, ber wirb biesen mit sehr kritischen Augen ansehen 1111b ba'b Mängel an ihm entbccfen, von denen er glaubt, baß er sie nickst hat. Tie Folge bavon ist nur Unzufriedenheit, und diese unzufriedenen Offiziere wurden noch bie besten sein. Die schlechtesten würden diejenigen sein, die sich ganz gemütlich hinsetzten und so gerade aber ihre Pflicht täten. Weiter würde jedenfalls die Einmütigkeit des Offizierkorps dadurch gestört werden. (Sehr wahr! rechts.) Ich möchte warnen, einen derartigen Weg zu beschreiten, unb ick würde ber letzte sein, ber je Seiner Majestät einen bahin- gehenben Vorschlag machte. Weiter ist gesagt, ein höherer Offizier dürfe allerdings nicht übergangen werden, aber bei einer anderen Charge, bei einem Leutnant mache das nichts aus. Tenken Sie sich einen alten Leutnant, der 15 Jahre im Dienst ist unb ber nun seinen Dienst in ber Kompagnie weiter machen soll, nachbem man ihm gesagt hat: Aus Dir wird nichts! Na, ich danke! Tas müßte ein netter Mann fc;n, der bann noch bliebe. Nein, man müßte einen solchen Mann möglichst früh wegsckicken, damit er sich noch eine andere Stelle verschaffen kann. Und noch eins: Soll der Mann, der übergangen ist, von dem man weiß, daß er sich nicht für höhere Stellen eignet, im Kriege, wenn der Vorgesetzte fällt, das Regiment oder das Bataillon übernehmen unb vor den Feind führen? Tas ist ausgeschlossen. Das geht nicht. (Widerspruch links.) Was das Alter der Offiziere betrifft, so ist es interessant, daß man in Frankreich bemüht ist, die Altersgrenze erheblich herabzusetzen, die Alteisgrenze für Generale soll dort nur 54 Jahre fein. Wir dagegen nehmen überhaupt keine Altersgrenze, sondern wir sehen uns bie Persönlichkeit an, ob sie geeignet ist, und verfahren danach. Das Militärkabinett hat in keiner Weise eine diskretionäre Gewalt. Es würde eine Gewissenslosigkeit, und e§ würde geradezu ein betrügerisches Verfahren fein, dem Kaiser Vortrag zu halten über Dinge, die in den Qualifikationsberichten nicht stehen. Es wird keiner von Ihnen annchmen, daß ein Chef bc5 Militärkabinetts das lä: ; er kann nur das oortragen, was in den Berichten steht. ES ist gesagt worden, die Militärbehörden hätten eine zu große diskretionäre Gewalt. Gewiß, in ber WbkkverwaNuw müssen gewiße Kautelen gegeben fein, und diese müssen manchma recht scharf abgegrenzt werden. Eine Armee aber kann niemal auskommen, ohne daß eine ziemlich bedeutende diskretionäre Ge walt seitens des Allerhöchsten Kriegsherrn ausgeübt wird. Da bringt das ganze Wesen der Armee mit sich, vor allem, daß ei Offizier sich unter allen Umständen hinschicken lassen muß, wo * S. M. wünscht. Das wird auch in Frankreich anerkannt, t General Andre bemüht gewesen ist, alles zu tun, um als Krieg Herr, als Chef der Armee das Wohl und Wehe derselben in fein Hand zu bekommen. Daß er schließlich auf Abwege geraten ist spricht nicht gegen uns. Auf das allerschärfste muß ich mich gegen die Bemerkung wenden, daß bei Bemessung der Zulage für Kriegsinvaliden die politische Gesinnung eine Rolle spielt. Ich lege hiergegen absolute Verwahrung ein. Das ist absolut unrichtig, und ich möchte Herrn Dr. Südekum bitten, wenn er so etwas sagt, dann doch auch gleich die Namen derjenigen anzuführen, die derartige Verdächtigungen gegen die Armee oder das Neichsschatzamt oder eine andere Behörde ausgesprochen haben. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Wer den Krieg mitgemacht hat und eine Zulage haben will, wird geprüft, ob er die Bedingungen erfüllt, und hiernach wird entschieden, und cs wird nicht gefragt, wes Geistes Kind er ist. Ich bemerke weiter, daß wir auf dem besten Wege sind, der Armee mehr und mehr Abiturienten zuzuführen. Gerade die Kommandeure von Kavallerieregimentern, die Zulauf haben, sind in der glücklichen Sage, zu tagen: Ich nehme nur Abiturienten. Wenn irgendwo zahlreiche Abiturienten gefunden werden, so bei der Kavallerie. Im übrigen sind jetzt schon 45 Proz. der in das Heer eintretenden Offiziere Abiturienten, diese Zahl ist im Steigen begriffen, und ich hoffe, daß sic noch weiter steigt. Aber sofort mit einem Schlage zu sagen, eS werden nur Abiturienten aufgenommen, alle anderen werden abgewicsen, das würde ich nicht für richtig halten. Gut Ding will Weile haben. Nock ein Wort über den Fall Kretschmann I Wer die Kriegsbriefe liest, kommt ohne weiteres zu der Annahme, daß der Man st verabschiedet ist, weil der allerhöchste Kriegsherr nicht v-w- aksien konnte, daß er ihn besiegt hat. In Wirklichkeit liegt bie 2adic anders. Der Aba. Südekum wundert sich darüber, daß Herr v. Kretschmann den Mschied bekommen hätte nach dem Manöver, und er führte cs darauf zurück, daß Kretschmann sich sehr ärgerlich, laut und selbstbewußt über Neuerungen in der Armee geäußert hätte. Ja, da frage ick Sie wirklich: Wenn ein höherer General in dieser Weis' gegen Neuerungen oder gegen Bestimmungen des allerhöchsten Kriegsherrn vorgeht, wenn er laut tadelt und kritisiert, dann kann er sich dock wahrhaftig nickst wundern, wenn dieser allerhöchste Kriegsherr sagt: Wenn der Mann nicht mit mir einverstanden ist, kann ich ihn nickst mehr brauchen. (Lachen bei den Sozialdemokraten) Das Verhältnis zwischen einem kommandierenden (sfeneral und Seiner Majestät beruht doch in erster Linie auf gegenseitigem Vertrauen und auf unbedingter Hingabe des Generals an den allerhöchsten Kriegsherrn. Wenn Herr von Kretschmann auch nur den Gedanken gehabt hätte, daß er aus einem gewinen Rackegefühl nickst kommandierender General geworden ist, fo hätte er damit selbst den allerbesten Beweis erbracht, daß er für diese Stelle niemals der geeignete Mann gewesen wäre. (Beifall rechts.) Abg. Schickert skons., bei der großen Unruhe des Hauses fast unverständlich), geht auf Einzelheiten des Gesetzes ein und wünscht eine größere Einheitlichkeit der Bestimmungen. Er könne es aus eigener praktischer Erfahrung bestätigen, daß bei der Verteilung der Unterstützung an Kriegsteilnehmer die politische Gesinnung absolut keine Rolle spiele, selbst zielbewußte Genosien bekämen die Unterstützung ebensogut wie andere. Redner schließt mit dem Wunsche, der Schatzsekretär möge die Erholung der Weihnachtsferien zur Ausarbeitung der neuen Steuerprojekte benutzen. Abg. Graf MielzynSki (Pole) führt aus, daß seine Fraktion die Vorlage schon wegen der Bestimmungen über das diskretionäre Ermessen der Behörden nicht für spruchreif halte. Denn darüber, was das bifretionäre Ermessen bedeuten könnte, wüßten bie Polen ein Lieb zu fingen. Rebner tritt bafiir ein, bas Gesetz an die Budget-Kommission zu überweisen. Abg. Dr. Arendt (Reichsp.) hält die Frage, an welche Kommission die Entwürfe überwiesen würden, für das entscheidende für das Schicksal des ganzen Gesetzes. Wenn man die Entwürfe an die Budgetkommission verweise, kämen sie in dieser Session nicht zustande. Die Frage, an welche Kommission das Gesetz zu überweisen sei, müßte eigentlich in namentlicher Abstimmung entschieden werden, aber das ganze Haus sei so schlvach besetzt, daß kaum 50 Mitglieder anwesend feien. Er werde daher feinen Antrag auf namentliche Abstimmung stellen. Abg. Graf v. Oriola (natl.) hält gegenüber den Angriffen, die. gegen ihn gerichtet sind, feine Ausführungen vollkommen aufrecht und tritt dafür ein, die Entwürfe an eine besondere Kommission zu überweisen. Hiermit schließt die erste Beratung. Die Entwürfe werden hierauf an die Budget-Kommission überwiesen. Die Tagesordnung ist erledigt. Nächste Sitzung: Dienstag, 10. Januar 1905, 2 Uhr. (Resolutionen betr. Invalidenversicherung und Befähigungsnachweis.) Präsident Graf Bnllestrcm: Indem ich Ihnen allen ein reckst frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein recht glückliches neues Jahr wünsche, schließe ich die Sitzung. (Beifall.) Schluß 5% Ubr. Kleirns Aeuillejo.!. — K 0 üb a i : alte Bücher. Aus London wird geschrieben: Tie Familien-Bibel von Stöbert Burns ist in London im Versteigerungswege um 31 200 Mk. verkauft worden. In der Handschrift des Dichters ist in derselben das Datum seiner Ge- burt: „Alloway, in der Pfarrei von Ayr, 25. Januar 1759", und das seiner^ Hau ,/Johanna Amour, geboren m Marchline, 27. ^efrruar 1767", eingetragen. Um den Besitz des kostbaren Buches kämpften der belannte Burns-Bibliograph Mr. Brown ans Edinburg und d:-r berühmte Antiquar Herr Qnaritch, London, bet die Bibel schließlich für obengenannten Preis erstand. Tie Bibel von Robert Burns war aber nicht das einzige kostbare Buch, das an diesem Tage die Hände wechselte. Es blieb im Preise weit hinter dem Psalter aus der ersten Buchdruckerei der Welt, der von Just und Schäffer, zurück. Ter Psalter ist im Jahre 1195 gedruckt und stammt aus der Bibliothek des Grasen Wilhelm vvn Aesterhold-Gysenberg. Angeblich wurden von dieser Ausgabe nur 20 Exemplare auf kosten des Kart häuf er Klosters bei Metz gedruckt und find, lotoeit bekannt, nur 12 Exemplare erhalten geblieben. Ein zweites Exemplar dieses merkwürdigen Buches erzielte den Preis von 99 000 Mk Diesmal wurden nur 88 000 Mk. erzielt und war der Erwerber ein Herr Baer, der Vertreter eines Frankfurter Antiquariats — Georg Schäfer, Ter letzte Wodanspriester im Odenwald. Roman aus ber Zeit des Gehermjchreibers Eginhard. (Für das hessische Volk erzählt.) Schotten, Wilh. Engel. — Zwei erhebliche Vorzüge zeichnen diesen historischen Roman aus: Tie große Fülle oer Vorfälle und die reine, schöne Grundidee. Fabmnren kann bet Verfasser: man wird an die Frage des Kardinals oon Este erinnert, die er an Ar io st gerichtet: „Messer Lodooico, woher habt ihr alle diese schnurrigen Einfälle?" Und ban.i b.i Grundidee! In oem großen Geisterkampf ce» ftrtbenben Heidentums und des uorbruipeitbcn Kcrchentums wrrd am Schluß als Mittleres und Höheres oas wahre Christentum auf g2ht Boden von Glaube, Treue und Wahrheit gesunden. , Für c-c5 Doll erzählt." Gewiß, unsere Empfehlung des Buches richtet iid) nidt an hc Inhaber dec germanistisck-en. Lehrstühle oder an c .Berausgeber ocr fränkischen Annalen, ol p - . itmsnxrtc geschichtliche Stiidien gemacht hat; wir 1r fcr. auch nicht auf jenem asthetifch'en Standpunft den man mit dem Namen „Ebers" hinreichend bezeichnet hat. Noch auch auf dein der Hamburger „Jngendi.'i i' enwarte", die immer mehr den Unterfasied vergißt zwischcii Dem, was dem Volk und dem Kinde lieb ist, und dem, was den Besuckierii des Kunsterziehungstags schön erscheint. L. S. — T i e Neue Rundschau (Berlin, 2. Fischer, Verlag) gibt foeben ihr Januarheft 1905 als Weihnachitsnummer heraus. Es werden Werke von den ersten zeitgenössischen Autoren auf dem Gebiete der Dichtung und des künstlerischen Essais an- gekündigt: ein Reichtum, von dem das soeben erschienene Januarheft einen erstaunlimeir Begriff gibt. Denn außer wertvollen Beiträgen von Tehmel, Chamberlain, Gejerstani, Servaes, Shaw, Albrecht Wirth, Oskar Bie bringt es zwei Publikationen, die ein ungewöhnlich hohes Interesse betausfordern. Das eine ist ein vollständiges Drama von Gerhart Hauptmann, „Elg a". Ter Tichter hat es nach einer Novelle von Grillparzer, „Tas Kloster bei Sendomir" im Jahre 1896 (also zwischen „Florian Geyer" und „Versunkene Glocke") in vier Sagen niederges^h rieben, und es hat die ganze hinreißende Wucht uitb Stimmungsgewalt einer so jähen Produktivität. Tie Veröffentlichung^in der Rundschau wird voraussichtlich die einzige bleiben. Sie gibt das Drama genau in der Fafsung ber ersten Improvisation )Dieber und wird so Kennern auch einen hohen Genuß literar-historiicher Art bieten. Tie zweite auffällige Publikation sind Oskar Wildes ?l u f z e i chn u tl- ß e n und Briefe aus de in Zucht Hause in Reading unter dem Titel „De profundis". Diese deutsche Veröffentlichung ist die erste, das englische Original existiert nur int Manuskript und es ist zweifelhaft, ob es je gedruckt werden könne. Tas Werk, geschrieben mit allem Zauber des Genies, hat, eine menschliche Gültigkeit fast religiöser Art. Es ist die höchste, durch Leiden emporgetriebene Welle der reinen Seele, geläutert von Eitelkeit und Paradoxie, ganz wesentlich. — Zabel, Eugen „Zur modernen Dramaturgie". Studien und Kritiken. Dritter Band: Aus alter und neuer Zeit. 2. Ausl. Preis 5 Mk. Oldenburg 1905. Verlag der •schulfreidycn Hosbuchhdlg. — Unter den Schriften, bie sich mit ber Entwicklung bes modernen Theaters beschäftigen, hat Eugen Kabels Merk „Zur modernen Dramaturgie" einen Ehrenplatz, cn nmd>nubd'»r Weise, frei von jeder Voreingenommen Rechthaberei, warm in der Anerkennung imb maßvoll im Dabei hat der bekannte Kritiker de „Nat.-Ztg." ein liebevolles Vee ständnis für alle neu auftauu;enden Talente ber icyaffenben uno darstellenden Kunst befunbet und die Spuren ihrer Tätigkeit mit sicherem Urteil festgehalten. Tiefe Essays und Kritiken sind nicht aus arauer Theorie, sondern aus unmittelbaren Anschauungen und Beobachtungen hervorgegangen. Sie dienen keiner Partei, streben nach sachlicher Begritndung des Urteils und suchen allen modernen Erscheinungen des Theaters im Jn^ und Ausland während der letzten zwanzig Jahre gerecht zu werden. Daß Zabels Werk, welches Zeugnis vott umfassender ästhetischer Ml- dung und großer Erfahrung ablegt bereits in zweiter Auflage erscheinen kann, ist ein vollgiltiger Beweis fiir die Anerkennung, die es verdientermaßen bisher gefunden hat. Jedem Theaterfreund wird es als Weihnachtsgescheirk willkommen sein. — Geistliches Liederbuch für das musikalische Haus. Eine Sammlung ber besten geistlichen Lieber aus Vergangenheit und Gegenwart für eine Singstimme mit Klavierbegleitung, herausgegeben von Dr. Karl Schmidt (in Friedberg). Breitkopf und Härtel, Leipzig. — Tas vorliegende Werk ist eine echte Weihnachtsgabe von dauerndem Werte, gewidmet dem im Liede frohen musikalischen Haus. Es füllt eine Lücke in ber für bie geistliche Hausmusik bestimmten Literatur aus, ohne tenbenziös religiöse Avsichten in den Vordergrund zu stellen. Int Gegenteil: „geistlick/' ist hier in dem erweiterten Begriffe des nach Text wie Melodie „erbaulichen" zu fnssen. Ties Blatt gehört in jedes ernUtrebende Haus, in dem der Sinn für gute Musik vorhanden und fortüildungsfähig ist. Wer sich mit seinem — niemals in der herkömmlichen Form luufcttbcit -- Inhalt vertraut gemacht hat, wird es lieb gewinnen und cs in stillen Stunden jederzeit gern heranzieheit. Sehr zu statten kommt es ihm, daß die gebotenen Lieder von jedermann leicht zu bewältigen siitd, und ebenso die Klavierbegleitung jedetn Spieler mit mittlerer Technik ohne weiteres zugänglich sind. Welck)c Perlen tiefster ntujikalischer Empfindung sind hier dent allgemeinen Gebrauche erschlossen! Welche Wirkungen darf man fick pcrfprechcn, wenn auf diesem Wege der Hausmusik größeres Terrain 111 unserer hastigen Zeit erworben wird! — Ter Verlag von Breitkopf unb Härtel hat bas Werk in tadelloser Weise hergeftellt. Ohtte Ziveijel wird bas „geistliche Liederbuch" weite Verbreitung finbcit