Erstes Blatt 154. Jahrgang V Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Gcholstratze 7. Ubrefie für Devejchem «u-etger Gtetzen. stern^prechanIchluvNr 5L Mittwoch 16. November 1904 ä ve»ngspret»r monatlich 7b viertel- Y - . . jährlich M. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dirPostM.S.—Viertel-. jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZetlenpreiS: lokal I2Pf^ auLwärtS 20 Pfg. Verantwortlich ffli den poltt und a tigern. teU: P. Wittko; für .Stadt und Land" und .Genchtsfaal"; August Goetz, Kit den Anzeigenteil! dans Beck. Nr. A7O ©tiAfiöt tagte» außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechfel mit dem Kesfischen Landwirt die Giehener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck il Verlag bet Brüh l'fchen Untverl.-Buch-u. Stein- bnideteL R. Lang«. Ire Zeutige Wummer umfaßt 10 Seiten. Iie Kießener Stadtverordnetenmaßten. Gießen, 16. Nov. 1904. Die Schlacht ist geschlagen. Heftiger war sie als je vorher. Wiederum hat sie mit dem glänzenden Siege der Bürgerlichen geendet. Etwa um ^/z2Uhr nachts erst war das Zählgeschäst beendet, so daß wir das Resultat, entgegen unserer Absicht, nachts nicht mehr bekannt geben konnten. Erst heute, in frühester Morgenstunde, haben wir es dem Druck übergeben können, und so präsentierte es sich doch den Gießenern beim Morgenkaffee, allerdings nicht ganz korrekt, denn bei einer am heutigen Spätvormittag vorgenommenen Nachrevision ergab sich folgendes Resultat: a) auf neun Jahre: 1. JustizratDr. Gutfleisch, Stadtv., mit 2084 Stimmen, 2. Ed. Krumm, „ „ 2005 „ 3. Carl Loos, „ „ 1997 „ 4. Med.-Rat Dr. Haberkorn, Kreisarzt, 1713 „ 5. Wilh. Wallenfels- Stadtverord., mit 1695 „ 6. Kom.-Rat Heichelheim, „ „ 1659 „ 7. Jean Kirch, „ „ 1536 „ 8. Louis Petri II., „ „ 1526 „ 9. H. E. Jug Hardt, v „ 1497 „ 10. Theodor Haubach, „ „ 1493 „ b) auf sechs Jahre: 11. Carl Aug. Faber, Stadtverord., mit 1466 Stimmen, 12. Friedr. Helm, Weinhändler, „ 1187 „ 13. Hermann Eichenauer, Fabrikant, „ 1169 „ c) auf drei Ja hre: 14. August Gabriel mit 1024 Stimmen, 15. Dr. Wimmenauer, Univ.-Prof., „ 1021 „ 16. Dr. Ebel ,, 1003 { Ferner erhielten Stimmen: Max Friedberger 760, ^Friedrich Habenicht 736, Georg Simon 723, Martin Dörr 657, Heinrich Fourier 652, Wilhelm Hornberger 622, Friedrich Vetters 595, Georg Beckmann 566, Johannes Diehl 559, Christ. Petersen 523, Heinrich Baum 518, Karl Muhl 474, Wilhelm Plank 245, Georg Hebstreit 146. Von 3576 Wahlberechtigten stimmten 2392 ab. Die von den wiederum erfreulicherweise geeinten Liberalen Ausgestellte Liste, die bekanntlich auch den Namen des als Mitglied des städtischen Kollegiums feit 1898 erfolgreich tätigen Herrn Ed. Krumm enthielt, ist also auch diesmal .nahezu vollständig zum Siege gelangt. Nur die Herren Max Friedberger und Friedrich Habenicht sind unterlegen, die beide zum erstenniale auf der Kandidatenliste erschienen waren. Statt ihrer wurden die Herren Fabrikant Aug. Gabriel und Bibliothekar Dr. Ebel gewählt und zwar nebst Herrn Prof. Dr. Wim men au er, der schon 1898, damals ohne Erfolg, kandidiert hatte, auf 3 Jahre. Diese drei Herren, sowie ferner die auf 6 Jahre gewählten Herren Weinhändler Helm, der gleichfalls bereits ein 1898er Kandidat war, und Fabrikant Herm. Eichenauer, sowie der auf 9 Jahre gewählte Herr Medizinalrat Dr. Hab erkorn ziehen zum erstenmale in unser Stadtparlament ein, begleitet von den Hoffnungen ihrer Wählerschaft. Ob sie allesamt als starke Männer sich erweisen werden, die nach den Erwartungen und Wünschen ihrer Wähler den Kurs auf der Bürgermeisterei günstig beeinflussen werden, das wird die Zukunft lehren. Bekanntlich kehren die meisten aus den Parlamenten an Erfahrungen reicher zurück, als sie hingingen. Jedenfalls schließen wir uns den Wünschen ihrer Wähler auf Erfüllung ihrer berechtigten Hoffnungen an. Herr Weinhändler Helm verdankt seinen Erfolg namentlich seiner vielseitigen und arbeitsamen Tätigkeit in zahlreichen, mancherlei gemeinnützigen Bestrebungen huldigenden Vereinen. In der Wahl -des Herrn Fabrikanten Herm. Eichenauer, des Vorsitzenden des freisinnigen Wahlvereins, kommen die besten Hoffnungen seiner in unserer Stadt starken Partei zum Ausdruck. Herrn Fabrikanten August Gabriel schätzt man in der Bürgerschaft als einen Mann von Ideenreichtum, Tatkraft und starkem Temperament. Die Herren Medizinalrat Dr. Haberkorn, Prof. Dr. Wimmenauer und Dr. Ebel werden als Männer von Erfahrung, Besonnenheit und reicher allgemeiner wie fachmännischer Bildung die Interessen der gesamten Gelehrtenwelt Gießens und insonderheit der Universität in der rechten Weise zu vertreten wissen und den großen Verlust, den unser Stadtparlament durch das leider unumgängliche Ausscheiden einer Koryphäe wie des großen Hygienikers Gafsky gewiß nach besten Kräften zu ersetzen trachten. Außer durch diese 6 Herren ergänzt sich unser städtisches Kollegium wieder durch seine alten, längst bewährten Mtt- glieder, die mit Ausnahme des auf sechs Jahre gewählten Herrn Faber sämtlich auf 9 Jahre gewählt worden sind. Während vor drei Jahren unser heutiger Ehrenbürger Gaffky die meisten Stimmen erhielt, hat sie diesmal nicht, wie es anfangs schien und ivie unser Extrablatt verkündete, Herr Ed. Krumm, der Führer der Gießener Sozialdemokratie, auf sich verein!gt. Er ist zwar auch über das zweite Tausend hinauSgekomm-n, aber Herr Justizrat Dr. Gut fleisch, der Führer der freisinnigen Fiaktion in unserem Landtag, ha ihn um 79 Stimmen überflügelt. So ist denn die einzige wirkliche Ueberraschung, die unser Extrablatt gebracht hat, den Herren Sozialdemokraten zu Schanden gegangen. Darüber, daß Herr Krumm an zweiter Stelle steht, werden die bürgerlichen Parteien sich nicht allzu sehr zu verwundern haben. Die Sozialdemokraten haben natürlich ihren Häuptling allesamt Mann ür Mann gewählt, und zudem fehlte der Name des Herrn Krumm auch in keinem einzigen b.ürgerlichen Wahlvorschlag. Man hat in unserer gesamten Bürgerschaft die Arbeitskraft, den Scharfblick und die ruhige Sachlichkeit dieses Mannes in städtischen Angelegenheiten anerkannt, während unter seinen „Genossen" und vielleicht auch in dem kleinen Kreise von Gießener Reaktionären sich trotzdem eine Handvoll politischer Fanatiker befunden haben muß, die in ihrer Kleinlichkeit einem Manne wie Gutfleisch ihre Stimmen versagten. Uod die Tatsache, daß Krumm außer Dr. Gut- leisch alle übrigen bürgerlichen Kandidaten überflügelt hat, können die Bürgerlichen von der heitersten Seite nehmen. Vorgestern vor 3 Jahren, am 14. Nov. 1901, ebenso wie 1898 und 1895, hatten sich, wie gesagt, die liberalen Wähler ebenso auf eine gemeinsame Kandidatenliste geeinigt und es waren auch alle gewählt worden und zwar auf neun Jahre Prof. Dr. Gaffky mit 1793 Stimmen, Karl Jann (1616), Louis Flett (1536), Karl Orbig (1532), Emil Schwall (1435), Karl Brück (1347), Ludwig Huhn (1320), Friedrich Helfrich (1283), Louis Emmelius (1082) und auf 6 Jahre Heinrich Schafsstaedt (818). Nur an Stelle des Justizrats Metz wurde als Nichtkartellkandidat der jetzt verstorbene Metzgermeister Pirr gewählt, der keiner Partei angehört hat. Das sozialdemokratische Wahl-Resultat im Jahre 1901 war, nimmt man den von den Liberalen mitaufgestellten Herrn Karl Orbig aus, folgendes: Fourier 516, Keßler 506, Elle 500, Beckmann 496, Petersen 487, Baum 484, Adam Volz 476. Diesmal haben die Sozialdemokraten folgendermaßen abgeschnitten: Fourier 652, Vetters 595, Beckmann 566, Diehl 559, Petersen 523, Baum 518 und Muhl 474. Es ist also, trotz der glänzenden Wahl des Herrn Krumm, der sozialdemokratische Stimmenzuwachs gering und steht im rechten Verhältnis zum Anwachsen der Gesamtbevölkerung Gießens. Vor Offenbacher Zuständen sind wir in Gießen also sicher und dem Triumpfgeheul, das die Gefolgschaft des „Vorwärts" über den Wahlsieg Krumms anstimmen wird, kommen wir mit freundlichem Schmunzeln zuvor. Im übrigen glauben wir der Erwartung Ausdruck geben zu dürfen, daß auch das neue Stadtparlament kein Tummelplatz für politisches Parteigetriebe werden wird. Wir denken, daß gerade das Zusammenarbeiten von Angehörigen verschiedener Parteien im Bannkreis städtischer Interessen wie bisher so auch in Zukunft auf die persönlichen Gegensätze in parteipolitischen Dmgen mäßigend einwirken wird. Hoffen wir, daß unser gesamtes Stadtverordneten-Kollegium immer auf fortschreitender Bahn das Beste der Gesamtheit, selbstverständlich einschließlich des leider diesmal unterlegenen Handwerkerstandes, zu fördern sich wird angelegen sein lassen. Die Wahlbeteiligung war diesmal etwas größer als vor 3 und 6 Jahren. Damals erschienen ea. 60, diesmal über 67 Prozent an der Wahlurne. Die Wahl wickelte sich selbstverständlich wie stets in den ruhigsten Formen ab. Die vier Wahlbureaus, deren jedem etwa 600 Stimmzettel zugeteilt waren, erledigten sich ihrer Aufgabe ziemlich in der gleichen Frist, bis nach 1 Uhr nachts. In den gedruckten Stimmzetteln war sehr viel gestrichen worden und die Namen mußten jedesmal vorgelesen und in den vorbereiteten Listen mit bet Nummer des Stimmzettels vermerkt werden. Sämtliche Stimmzettel mußten also vorher nummeriert werden. Vielfach ist es vorgekommen, daß auf den gedruckten Stimmzetteln sämtliche Namen, außer einem, gestrichen waren. Wie peinlich sorgfältig manchmal die Erwägungen angestellt wurden, beweist die Tatsache, daß auf etlichen Zetteln oben die gedruckten Namen ausgestrichen und unten handschriftlich wieder eingesetzt wurden. Auf zirka 2 00 Bürger fielen einzelne zersplitterte Stimmen. Ein offenbar den Postbeamten sich zuzählender Wähler schrieb zwei Oberpostassistenten auf seinen Zettel, ein anderer wählte seine stadtbekannten Stammtischgenossen und ein verlesener Wahlzettel enthielt die Namen folgender Bürger, die sich wahrscheinlich von ihrer Kandidatur nichts träumen ließen: Buchbindermeister Häuser, Rechtsanwalt Klarenaar, Fellhändler Sally Klebe, Fabrikant Karl Graf, Oekonom Gg. Lampus und Weißbindermeister W. Kohlermanu. Außer auf Buchbindermeister Häuser fielen einzelne Stimmen auch auf dessen Namensvettern Dr. Heuser und Konr. Häuser. Das gestern festgestellte Resultat erfährt heute noch eine Nachprüfung. NoMischr Tagesschau. Die Revolution in Brasilien. Die revolutionären Unruhen in Brasiliens Hauptstadt Rio de Janeiro waren hervorgerufen worden durch fanatische Lehrer an den Militärschulen und durch unzufriedene Politiker, welche die im Werk befindliche Einführung des Impfzwanges dazu benutzten, einen Aufstand unter der Bevölkerung Hervorzurusen, indem sie üben triebene Vorstellungen von dem Mißbrauch dieses Gesetzes machten. Es handelte sich also um eine politische Bewegung, welche in einen militärischen Putsch auslauftn sollte. Die Offiziere namentlich arbeiteten längst an der Wiederherstellung der M o n ar ch ie und wollten den Enkel Tom Pedros, einen Sohn des Grafen von Eux, auf den! Thron berufen. Aber es kam anders. Die revolutionäre Bewegung ist bereits unterdrückt. Die Rühe ist vollständig wieder hergestellt. Die hauptsächlichsten Anstifter der Bewegung! Senator Laur. Sodre und der Deputierte Barboza Lima! sind geflohen. Andere wurden verhaftet. Zahlreiche Personen sind getötet und verwundet worden. Die Unterdrückung gelang durch das energische Borgehen! der Regierung. Die Ruhestörungen dauerten noch am 14., November ungeschwächt bis nachmittags an. Da teilte der Vorsitzende des Militärklubs von Rio der Regierung mit, in seiner Abwesenheit sei im Klub eine geheime Wersammlungj abgehalten worden, in welcher die Generale Travassos und! Olympio Silveita, Senator Sodre sowie die Deputierten Barbora, Lima und Warella zugegen waren. Um 8 Uhr abends betrat General Travassos die Kriegsschule und setzte mit Zustimmung der Offiziere und der Kriegsschüler den Leiter der Schule, General Eastallat ab. Mit den Offizieren und den Kriegsschülern marschierte erj sodann von der Borstadt Botasogo nach Rio und sttetz hier auf eine Truppe von Soldaten und Polizeimannschaften. Es entstand ein Handgemenge, bei dem Travassos verwundet und sein Adjutant getötet wurde. Die Kriegsschüler zöger: nun nach der Schule zurück und besetzten einen Hügel in der Umgebung. Um 2 Uhr morgens! griffen die Truppen und die Polizei, unterstützt durch die im Hafen liegenden Kriegsschiffe, die Kviegsschüler an, die hilf- und führerlos sich ergaben. Sodre, der zurückgeblieben war, als Travassos die Kriegsschüler nach Rio führte, wav geflohen. Major Gomes Castro und andere Persönlichkeiten versuchten ebenfalls, die Schüler der ArtiUerie- schule von Realengo zum Aufstand zu bewegen. Die Schüler weigerten sich jedoch. Castro wurde verhaftet. Deutsches Reich. Berlin, 15. Nov. Heute machte der Kaiser einen Spazierritt in der Umgebung des Neuen Palais und hörte die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, des Chefsf des Admiralstabs der Marine, des Chefs des Marinekabinetts und des General-Intendanten der König!. Schauspiele. Kurz vor 1 Uhr trafen in Wildpark Der Großherzog und die Großherzogin von Mccklenburg-Strelitz ein. Zum Empfange waren erschienen: der Kaiser, der Kronprinz und! sämtliche zurzeit in Potsdam weilenden Prinzen. Der Großherzog und die Großherzogin begaben sich nach dem Frühstück im Neuen Palais nach Schloß Glienicke zu dem Prinzeü Friedrich Leopold und nahmen dort den Tee ein. Sie traten! dann die Rückreise nach Mecklenburg an. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der Atkachee bei der kaiserlichen Gesandtschaft in Tokio, Graf Alexander von Hatzfeldt-Trachenberg, zweiter Sohn des Herzogs von Trachenber'g, hat sich mit einer Tochter des Bieomte Aoki verlobt. Die Hochzeit findet Mitte Dezember statt. Wie erinnerlich, hat Bieomte Aoki früher als Gesandter Japans in Berlin gewirkt und viele Sympathien hinterlassen. — Wie aus Bundesratskreisen verlautet, enthält der diesmalige Etatvoranschlag bereits die Forderung eines selbständigen K o l o n i al am t e s mit einem Staatssekretär an der Spitze. Die Forderung wird! zweifellos vom Bundesrat genehmigt werden. Die Legationskasse soll zwei Abteilungen enthalten, eine für die Zwecke der Kolonien und eine für die übrigen Bedürfnisse des! auswärtigen Dienstes. — Ter häufig von amtlicher Stelle inspirierte Londoner „Daily Telegraph" bringt heute einen Arttkel, in dem er energisch für bessere Beziehungen zwischen Deutschland und Englaind eintritt. Die Politik der Nadelstiche vergifte die Beziehungen zwischen England und Deutschland. Das Säen von Mißtrauen verursache unberechenbaren Schaden, was sich zweifellos zeigen würde, wenn gegenwärtig irgend ein ernster Anlaß zu Differenzen! zwischen beiden Ländern bestände. Ausland. London, 15. Nov. Der König und die Königin uon Portugal sind heute Nachmittag in Windsor einge- troffen und wurden vom König und der Königin am Bahnhof empfangen. — Sir Thomas Barclay sagte einem Vertreter des Dailly Expreß: Ich fand die Stimmung in Deutschland gegen England sehr wenig verschieden von der Stimmung Englands gegen Deutschland und halte die Lage durchaus nicht für beruhigend. Die Geschäftswelt, wie die Zeitungen Deutschlands begünstigen indeß eine bessere Verständigung zwischen beiden Ländern. Barclay gedenkt eine Konferenz des Führers des europäischen Journalismus im Haag zu veranstalten. Der Ton der deutschen Preffe werde seines Erachtens sicher Einfluß auf die deutsche Regierung ausüben. Wie er hörte, wünsche Niemand in ganz Deutschland lebhafter gute Beziehungen zwischen den beiden Ländern als der deutsche Kaiser. Nur das Militär st* dagegen. Paris, 15. Nov. Caze richtet an Jaurös ein Schreiben, welches auf die Behauptung Bezug nimmt, wonach Gam- betta im Jahre 1872 die Absicht hegte, mit Bismarck zusammenzutreffen. Caze erklärt in seinem Briefe, eines Tages habe ihn Gambetta zu einem Spaziergange eingeladen und ihm plötzlich die Frage gestellt, was er nach seiner (CazeS) Ansicht auf den Vorschlag einer Unterredung mit BiSmarck antworten solle. Caze habe hiervon abgeraten unter Hinweis darauf, daß ein solcher Schritt in der Armes böses Blut machen müffe. Gambetta habe erwidert, daL sei auch fcine Meinung. Gambetta schrieb darauf in Gegenwart CazcS einen Brief an den Grafen Henckel von Donnersmarck, worin er sich entschuldigte, der Einladung keine Folge leisten zu können. Eaze babe den Brief selbst zur Post besorgt. IauröS veröffentlicht den Bries CazeS in der „Humanste" und fügt hinzu. Gambetta stabe am Tage vor der Unterredung mit Caze die Reise zu BiSmarck beschlossen gestabt, wenn er auch am nächsten Tage seine Absicht geändert stabe, so ändere daS an der Gesinnung GambcttaS an sich absolut nichts. Newyork, 15. Nov. DaS Ackerbauamt erlässt eine schärfere Verfügung betreffend Kenntlichmachung deS Inhalts von Konservenbüchsen auf den Etiguetten. Der Vorsitzende deS republikanischen KongresstomiteeS, Habookk, erklärt, die Republikaner würden umfassende Tarifrevisionen vornehmen, selbst wenn dadurch die Steuer erhöbt würde. Die Kuller Affäre. London, 15. Nov. DaS Handelsamt begann die Untersuchung über die Hullaffäre in Hüll. Als Vertreter der russischen Regierung war Dr. Herbert Woodhouse zugegen. Zunächst werden die Leiter der beiden Fi sch er - flottillen vernommen. Beide erklärten entschieden, daß keine Kriegsmunition oder Japaner in den Räumlichkeiten der Fischerfahrzeuge verborgen waren, die überhaupt zu klein wären, nm darin irgend etwas zu verstecken. Mehrere Fischer, die hierauf verstört wurden, stellten ebenfalls die Anwesenheit von Japanern bei bcn Fischerbooten in Abrede. Der britische Seeoffizier Frederic wies nach, das; die Russen vollständig außerhalb ihresKurseS waren. Woodhouse fragte die Zeugen, ost dies nicht, wenn die Russen Grund gestabt hätten, Gefahr zu befürchten, erklärlich sei. Der Zeuge erwiderte: DaS hänge vom betreffenden Admiral ab. J)er Krieg zwisiffen Japan und Juhland Port Arthur Petersburg, 15. Nov. Der Korrespondent der . Bir- schewiia Wsedomosti" in Tscküfu telegravhiert seinem Blatte von gestern: Die Einnahme des Forts It schädig (Port Arthurs würde einen wesentlichen Erfolg der Be lagerer darstellen, denn das Fort Itschang ist der Schlüssel zu den inneren Berteidigungswerken. Indessen ist bis fehl noch keine Bestätigung der Nachricht von dem Falle Jtschangs einaegangen. Die stier lebenden Javaner erkennen an, daß sich Port Arthur bis Januar halten kann. Nach Mitteilungen aus sicherer Quelle ist Ge n er a l N o g i an einem gefährlichenLetdenerkrankt. Di" zu der Mandschureiarmee entsandten Astteilunaen der Belagerung? armee sind zu dieser zurückgekehrt, denn die Armee des Marschalls Ovama erhält Verstärkungen von Japan. Das Wetter ist wieder schön. Paris, 15. Nov. Nach einer Meldung aus Tientsin per- zögern d i e Japaner den entscheidenden Sturm gegen das Fort Liao tisch en trotz dessen du red das Bombardement bc wirkten Beschädignnaen, weil vorerst die von Stössel angelegten Minengange ;ur E'-vlosion gebracht werden müssen. General Nogi schont jetzt Offiziere und Mannschaften und unternimmt nichts ohne Zustimm""a s mer Gonienfstziere. Dom Kriegsschauplatz. London, 15. Nov. Das Reutersche Bureau meldet aus dem Hauptguartier der linken ispanischen Armee über Fusan vom 14. Nov.: Eine Abteilung russischer Kavallerie habe die Japaner gestern in der Nähe von Likiatun angegriffen, sei ober von der japanischen Kavallerie unter schweren Verlusten zurück geschlagen worden: bei der Dunkelheit hätten die Russen ihre Toten und Verwundeten aufgesucht. Mukden. 15. Nov. (Rufs. Telegr.-Agentur.^ Admiral Ekrydlow ist aus Datsuvu hierher zurückgekehrt. In allen Stellungen herrscht Ruhe. Die Kanonade ist verstummt. Gestern abend stellten die Japaner eine große Anzahl von Belagerungsgeschützen aus. Tokio, 15. Nov. «Reuter.) Ter G-eneralstab erklärt, die aus russischer Quelle stammende Meldung von dem Tode des Generals Kuroki sür vollständig unbegründet. Tie japanische Anleihe. L on d on , 15. Nov. Die Substrintion auf di" neue japanische Anleihe wurde heute vormittag geschloffen Den lüsb"rigen Schätz- ungen zufolge wurde die Anleihe acht bis zehnmal überzeichnet. Tie russische Erg'anzunqsftotte. Kiel, 15. Nov. T^r russische Konsul Tiedrichstn röstet den Damvser „Mimi" ^ur K oblcnvcrsorgung der russischen Ergänz- ungsslottc aus. Sie besteht aus einem Kreuzer, fünf Transportschiffen und fünf TnTV'fbrtbrnf<'n. Dänisch«' Staatslotsen übernehmen im Langeb^"'"t"»^ ^ö/'»"na her Russen. Nene russische Nnterschleife. Petersburg, 15. Nov. Bei der Verwaltung und Verkeilung der Rote K r e n - G c l d e r vnb Liebesgaben wurden ungeheure Unter schleife und Betrügereien entdeckt. Von den nach Hunderttansenden v"n Rubeln zählenden Beträgen wurden nur geringe Summen ihr"m eigentlichen Zw^ck entgegengeführt. Der iveitaus größte Teil floß in die Taschen von höheren Beamten Selbst Kleidungsstücke usw. wurden verlauft und her Erlös unterschlagen. Tic Stimmung in der Bevölkerung ist sehr erregt. Einberufeu. Nürnberg, 15. Nov. Zum russisch-javanischen Kriege erhielt der Cöernsänger Albrecht v. Ulmann, ein geborener Livländer, Mitglied des hiesigen Stadttheaters, eine Ein- berusunasardre p. Ulmann ist 33 Ialne alt und verheiratet. Di" GeU''il"n^.-."7-^r' jr ' Sn» CTntiftfpr fjq nn"rmartet. Kolonialvost. Johannesburg, 15. Nov. (Reuter.) Die 130 Buren, welche vorgestern von hier ausbrachen, um über Kapstadt nach dem Damaraland zu reisen und die Deutschen im Kampfe gegen die Hereros zu unterstützen, incrbcn nur als Transporteure fungieren. Es heißt, sie seien auf sechs Monate angeworben. Aus Stadt und Land. Gießen, 16. November 1904. " Kirchliche Personalien. S. K. H. der Groß- ^erzog haben der durch die Dekanatssynode des Dekanats Alzey für den Rest der im Jahre 1908 ablausenden Wahlperiode vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Stock zu Hangen - WeiSheim zum Stellvertreter des Dekan? des Dekanats Alzey die Bestätigung erteilt. — Dem Psarrver- walter Vogt zu Wahlen, Dekanat Alsfeld, wurde die dortige evangelische Pfarrstelle übertragen. "Schenkungen für Theater- und Saalbau. Am Dienstag vergangener Woche konnten wir mitteilen, daß bereits 130 000 Mk. für das große Projekt in Aussicht gestellt seien. Wir sind nun in den Stand gesetzt, diese Mit- eilung dahin zu ergänzen, daß der Reigen der Spender durch den Fabrikanten Sch affst a e dt eröffnet wurde, der in einem an, 6. d. Mts. an das Komitee gerichteten Schreiben 3 0 000 Mk. zur Verfügung stellte mit der Auflage, daß diese Sunnne zunächst zur Ausführung des ganzen Projekts, falls dieses aber nicht möglich fein ollte, ausschließlich zum Bau eines Theater? Verwendung finden sollte, damit endlich die dramatische Kunst ein würdiges Heim in Gießen finde. Diese Bedingung ist auch bei fast allen folgenden generösen Spenden gestellt worden, deren Summe im Augenblick schon nicht mehr weit von 200 000 Mk. entfernt ist. Somit dürfen wir bestimmt hoffen, daß Gießen zum minbeften einen würdigen Bau zur Aufnahme feine? Stadttheaters bald erhalten wird. — Das in der Kunsthandlung von Hirz ausgestellte Schaubild de§ vereinigten Theater- und Saalbau- vrojekts hat, wie wir vielfach beobachten konnten, nur bei Wenigen volle Anerkennung und Zustimmung erhalten. Die äußeren Formen dieses Baues würden nach unserer Meinung keinesfalls schon zu nennen (ein; die Vereinigung beider Projekte zu einem einzigen mußte von vornherein die bedenkliche Notwendigkeit zeitigen, daß •• . der äußerlichen Synwtrie Rechnung getragen werden mußte, als, wie es doch wünschens,vert wäre, auf reine architektonische Schönheit Bedacht zu nehmen. Die beiden gleichförmigen Häuser, die über die gesauste Anlage, wran der Vorbau mit dem .Hauptportal noch am gelungensten scheint, hoch hinaus- ragcn, sind sogar vielfach geschmacklos genannt worden, ja der mehrfach geäußerte Vergleich mit Fabrik- oder gar Ge- sängnisbauten darf nicht einmal alß völlig unberechtigt bezeichnet werden. Die innere Einrichtung freilich scheint praktisch zu sein und allen Anforderungen zu genügen. Wenn man aber an die Kosten denkt und an die Verzögerungen, die die Vollendung dieses Gesamtprojekts jedenfalls erleiden würde, kann man es verstehen, daß die n,eisten Spender glaubten, die oben erwähnte Bedingung machen zu sollen. Zweifellos ist n,ehr Stinnnung für einen Theaterbau als für einen Saalbau vorhanden. Und wenn nun schon beinahe 200000 Mk. der Kosten gesammelt sind, dürfte man die reudige Hoffnung hegen, daß der in den Vordergrund deL Vrojekts getretene Theaterbau mit allen Erfordernissen der Neuzeit auLgestattet und unserer Stadt einst zur wahren Zier gereichen werde. •• LandtagSa bg. Köhler und der Eberstädter KindeSrnord. Wie uns heute drahtlich aus Darmstadt mitgeteilt wird, gab heute in der soeben aus? neue ver- omn,eiten II. Kamm er der Abg. Kohler folgende Erklärung ab: Erklärung des A h .v K ö l) l c r in bei Sitzung ber 2. Kammer am 16. November 1904: Ick; haste micki verpflichtet, vor der hohen Kammer und dem Lande folgende Erlläruna abzugeben: ~ Am 16. Mai d. I. bah' ick; bei der zweiten Kammer der Stände eine Anfrage an die Grvßh. Regierung eingebracht, betreffend das Vorgehen der Staatsbehörden bei Untersuchung über den Kindesmord zu Eberßadt bei Lich in Oberhessen. Diese Anfrage war veranlaßt in erster Linie durch die außer gewöhnliche Erregung, die innerhalb aller Bevölkerungskreise meines Wahlbezirks in heftiger Weife zu tage getreten war: sie wurde in ihrer Wortfaffnng verschärft infolge der Erklärungen eines Arztes, der auf das Enlfchiedenste die Schuld der angeklagten Kind-suiärderin im verwiegenden sralle bestritt, verschärft durck' die Aussagen des Vat"rs der Angeklagten, nicht zuletzt aber auch durch die mir persönlich zu teil gewordenen Aussagen äußerst vertrauenswürdiger Personen, deren Namen ick, unter keinerlei llmftnnbm nennen kann, und die sämtlich von der Unschuld der Ang"klagten überzeugt zu sein mir erklärten. Die ?Xo(gc hat gezeigt, daß sämtliche dlussaa-'n ber B^ahrhest nickst entsprochen haben und demnach meine Anklagen gegen das Vorgehen der ^taatsbelwrden, namentlich der Herren Geheimrat Professor Dr. Psannenßiel. Ober-LandeSaerichtsrat Sandmann, Staatsanwalt Neuß und Med. Rat Dr. Haberkorn ^mbegründet waren. Indem ich dies vor aller Oessentlichkeit feftstelle, erkläre ich, daß mir nichts ferner gelegen hat, als die vorgenannten Herren in ihrer persönlichen Ehre zu kränken, sondern ich glaubte einzig und allein in Ausstlhrung meines Auftrags als Abgeordneter des Bezirks Hungen-Lich, zu dem Eberstadt gehört und, wie ich damals der Redaktion der Frankfurter Zeitung mitteilte, auch im Namen der Menschlichkeit zu handeln^ wenn ick, so schnell und so scharf als möglich Stellung zu ber Sache nahm. Handelnd unter dem Eindruck der heftigsten dleußerung ber Volksstimmung, beeinflusst durch die beftimmtesten Versicherungen eines Arztes, ber Bevölkerung Eberstadts und anderer Personen, verfaßte ich meine Interpellation und veröffentlichte sie. Tie Folge gab mir Unrecht. Ich aber stehe nicht an, frei n n b offen s u b e t e n n e n , da ß ich übereilt und unrichtig bandelte, als ich die Anfrage hinausgab und fein Vorwurf die genannten Herr'-n trifft, als sie in Ausübung ihres Amtes handelten. Indem ich das a"?ckühre, ziehe ich meine Anfrage Drucksache Nr. 389 hierdurch zurück. — ** Ein bi belieft er Wähler. Man schreibt ber „Frkf. Ztg/: Vei ber Frankfurter Stabtverorbnetenwahl würbe von einem unzufriedenen Schalk folgenber Wahlzettel abgegeben: Jesaia 41, Vers 24: Siehe ihr seid alls nicht?, unb euer Tun ist nichts, und euch zu wählen ist ein Greuel. ** Alle Wirte, Inhaber von Zapfstellen unb Besitzer von Bierpressionen werben auf die Bekanntmachung be? Großb. Polizeiamts hingewiesen, und baraus aufmerksam gemacht, baß nunmehr bie burch die neue Polizeiverorbnung vorgeschriebenen Aenberungen an ben Bierpressionen u. s. w. alsbalb vorgenommen werben müssen. Anderenfalls trifft Bestrafung oder noch unangenehmere Folgen bie Säumigen. ** Rache ist süß! In einem oberhessischen Dorfe gingen die Wogen der Gemeindera tswa hlen hoch. Langwierige Redeschlachten wurde in den allabendlich überfüllten Dorfschenken gehalten unb mancher sonst solibe Bürger mürbe daheim ob der langen Nachtfitzungen mit einer grauslichen Gardinenpredigt empfangen. Vieles konnte man in den Tagen detz Wahlkampfes begreifen, nur ein? nicht, nämlich daß der Bürgermeister selbst für die Kandidatur deS Orts- dieners eintrat, der bei der einige Wochen früher vollzogenen Bürgermeisterwahl gegen feinen Vorgesetzten lebhaft agitiert hatte, obwohl er gerade durch die Vermittlung des Bürgermeisters seine etwa 500 Mk. jährlich eintragende Stelle vor Jahren erhalten hatte. Nach Ansicht aller Bürger ta das Ortsoberhaupt, indem er den Polizeidiener in den Ge- mcinberat Haden wollte, etwas, waS gegen bie Verminst gehe. Man vertramste jedoch dem altbewährten Dorfmonarchen unb wählte neben Stimmenzahl zmn Gemeinderat. Nach der Wahl erklärte sich da? rätselhafte Verhalten deS Bürgermeisters. Im Vertrauen wegen feines Eintreten? für die Wahl des OrtsdienerS be- ragt, meinte er: „Als Ortsdiener Hot er im Iohr 500 Mk. Gehalt aus de Gememeidekass. Oliver al? Gemeinderatsmitglied derf er bie Stell eine? OrtsdienerS net mehr bekleide, —- ich such nur jetzt an annern! § Lau dach, 14. Nov. In dieser Woche finden hier große Treibjagden statt. Au? weiter Ferne find dazu hohe Herrsehasteu herbeigeeilt unb im Hotel Solmser-Hos abgestiegen. Heute würben 18 Hasen, 3 Rehe und eine Seltenheit ! — 1 schwarzes Eichhörnchen zur Strecke gebracht. Gr un berg, 11. Nov. Einem Wunsche des dem B a h n b a n - K o m i t e e L i ch — Gr ü n b e r g angehörigen' Assessors Löblein lseither in Lich, jetzt in Lanterbach) ent- prechend, war auf heute eine G e m e i n d e r a t s s i tz n n g anberanmt worden, die sich abermals mit der Uebernahme von Obligationen beschäftigte. Um das Bahnprojekt zustande zu bringen, empfahl Assessor Löhlein. — der übrigens gegen das einseitige, nicht von dem Gesamtkomitee ansgehende Vorgehen, die Bahn über Qneckborn, Lauter nach Wetter- eld zn führen, Protest eingelegt hatte, wenn nicht die ganze Summe von 85000 Mk., so doch einen Teil, etwa 4 5 000 M k.. zn übernehmen. Ein Beschluß wegen Neber- nahme von Obliaationen wurde auch beute nicht gefaßt. Bad-Nauheim, 15. Nvv. Die Firma Mengelund Schön wasser beklagt sieb neuerdings in einer Eingabe an bie IT. Kammer über die Nichtberücksichtigung ihrer Wünsche inbezug aus ihre Waschanstalt, hat indeß nicht die geringste Aussicht auf Gehör. 4- Ober-Erlenbach, 14. Nov. Fast sollte man meinen, als hätte bie grausige Mordtat in Heldenbergen bereits Früchte gezeitigt, denn in der vergangenen Nacht wurde auch hier ein Einbruch in das katholische Pfarrhaus versucht. Der Pfarrer erwachte mitten in der Nacht durch das plötzliche Bellen feines Hundes. Als er nach dem Grund sehen wollte, entdeckte er im Hofe einen Menschen, der gerade einzusteigen im Begriffe war. Der Pfarrer schlug sogleich Lärm, und es gelang, den Einbrecher zu erwischen und dingfest zu machen. Am Morgen sollte der Einbrecher, dessen Persönlichkeit noch nicht bekannt ist, nach dem Amtsgericht Vilbel transportiert werden. Er wurde deshalb geschlossen und von dem Polizeidiener begleitet. Wahrscheinlich war die Schließkette nicht fest genug zugezogen, denn es gelang dem Täter, sich plötzlich ihrer zu entledigen und querfeldein davon zu springen. Von den verschiedensten Seiten wurde sofort die Verfolgung aufgenommen und nach vielen Mühen gelang es, den Ausreißer wieder zu erwischen. Er hatte sich bei Groß- Karben im hohen Schilfe an der Nidda versteckt. Ob der Einbruch mit ber Helbenberger Affäre im Zusammenhang steht, konnte noch nicht sestgestellt werben, doch dürfte dies kaum anzunehmen sein. Es verlautet, der Einbrecher komme aus Rendel. Darm stadt, 16. Nov. Die frühere Großherzogin Viktoria Melitta kommt nach einer Blättermeldung heute nach Darmstadt, um am Todestage ihres Töchterchens, der Prinzessin Elisabeth, an deren Gruft zu fein. Die Großherzogin kehrt sofort nach Koburg zurück. Darmstadt, 15. Nov. Unter den unverkauft gebliebenen L o s e ti der 6. Klasse der Landeslotterie, welche an die Direktion nach Darmstadt ztirückgtngen, befand sich and) die Nummer, aus welche der Preis voii 1 5 0 0 0 0 Mark entfallen war. Dieser Gewinn gehört nunmehr dem h e s s i s ch e n S t a a t. , R. B. Darmstadt, 15. Nov. Noch unmittelbar vor dem Wiederbeginn der Kammerberatnngen, gestern und heute, war unter dem Vorsitz des Abg. v. Brentano noch der Gesetzgebung saus schuß ?u einer Beratnng zu- famniengetreten, um die nock) rückständigen Gesetzentwürfe sür die Plenarverhandlnngen fertigznstellen. Die Beratungen, die größtenteils in Anwesenheit des Iustizministers Dr. Dittmar und der Geheimräte Lorbacher, Fuchs und Milbrand stattfanden, drehten sich besonders um die G e b ü b r e ii o r d n u n g für Notar-e und die Vorlage über die Forstverwaltung, lieber beide Gesetzentwürfe wurde eine allgemeine Verständigung mit den Regierunosvertretern erzielt, wenngleich und) keine endgültigen Beschlüsse gefaßt wurden. Man hofft jedoch, daß dies in einer morgen nack)mittag stattfindenden Schlußsitzung des Ausschusses wird geschehen können. Mit der Abfassung des schriftlichen Berichts darüber wurde Abg. Reh beauftragt. Die Vorlage in betreff der Schlachtvieh v e r s i ch e r u n g wurde in der Weise, wie wir früh er schon berichteten, vom Ausschuß erledigt und zum Berichterstatter Abg. Selin g er ernannt: der Antrag Häusel aus Abänderung des Art. 61 des Gesetzes, betr dre Enteignung von Grundeigentum' wurde tm Ern- ve'-ständnis mit dem Berichterstatter sür erledigt erklärt, die Regierungsvorlage, betr. die Streubere ch t t g u n g dagegen der Kammer zur Annahme empfohlen. Schlreßluh wurde noch eine Vorstellnng der dentsch-katholrschen Gemeinde zn Mainz um Zulassung ihres Geistlichen als Mitglied des Sd)nlvorstandes daselbst abgelehnt. w. Wor m s, 15. Nov. Nach längerer außerordentlich erregter Debatte, an der sich n. A. der Reichstagsabgeordnete Freiherr Hepl zu Herrnsheim sowie ber Landtagsabg. Nein- hart beteiligten, beschloß die heutige Stadtverordneten-Ver- faimnlung, den Antrag des sozialdemokratischen Wahlvereins auf Ueberlassung des Theatersaales zu einer Volksversammlung mit einem bedeutenden Parteiredner ab zu lehnen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Se. Königl. Hoh. der Großherzog hat bestimmt, daß das Großh. Landeshospital Hof.heim künftighin den' Namen Großherzogliche Landesirrenanstalt ,^PHilipvshospital^ bei Goddelau zu führen hat — Wegen Unterschlagung im Amte wurde ber Beamte Zchmibt ber Fahrkartenausgabe be? Bahnhofes Fulda in Hanau verhaftet. vermischtes. * Eine ganze Pastorenfamilie ermordet. Wie von der fchlesisch' Stch-mi" dc'S l^iscnhohnhctriehes eiu Kunst und Wissenschaft. Offenburg i. Bad., 15. Nov. In Anwesenheit der Großherzogin fand heute hier der 5. Tubcrkulosekongreß, statt. Medizinalrat Battlchncr betonte das Entgegenkommen der Negierung bei den Bestrebungen bei Bekämpfung der Tuberkulose. Oberstabsarzt Riedner-Berlin besprach die Notwendigkeit der Ergänzung von Heilstätten und machte entsprechende Vorschläge Oberregierungsrat Lange wies statistisch nach, daß die Sterblichkeit an Tuberkulose in Baden seit dem Jahre 1890 abgenommen habe und bemerkte, daß Baden über dem Turchschnittsmaß von der Tuberkulose heimgesucht werde Nachdem noch einige Fragen der Großherzogin, die sich mit den Erfahrungen der einzelnen Bezirksausschüsse in der Bekämpfung der Tuberkulose beschäftigten, Erledigung aesunden batt"n. werden die Verbandlungen beendet. Kerichtssaal. Köln, 15 Nov. Der hiesige Metzger meist er Heinrich Esse wurde von der Strafkammer wegen Nahrungsmittelfälschung auf Grund des § 12 des Nahrungsmittelgesetzes, obschon er bisher unbestraft war, zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte 3 Monate Gefängnis beantragt Die Verurteilung erfolgte, weil der Angeklagte den hohen Zusatz von 0,7 Prozent Präservesalz gegeben hatte. M - G l a d b a ch , 15. Nov. Die Strafkammer verurteilte heute die Witwe I. Abele wegen Blutschande zu V/g Jahren Zuchthaus. Ihr 19 jähriger Sohu, der von seiner schamlosen Mutter verführt worden war, erhielt ein Jahr Gefängnis. Leipzig, 15. Nov. 200 Aktionäre der früheren Leipziger Bank reichten beim Landgericht Leipzig die Regreßklage gegen den Aufsichtsrat ein. Braunschweig, 15. Nov. Von der hiesigen Strafkammer wurde gestern der Schuhmacher Dannenbaum zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Ter Angeklagte hatte in der Schuhmacher- Werkstatt seinem Arbeitskollegen gegenüber eine ehrenrührige Aeußerung über den Kaiser und die Kaiserin gemacht. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 15. Nov. Heu- und Stroh- mar k t. Heu kostete heute Mk. 3.50—4.00, Stroh Mk. 2.20 bis Mk. 2.40. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest. ko. Frankfurt a. M., 16. Nov. Kartoffelmarkt. Man notierte: Mk. 5.50—6.00 per 100 Kilo. Limburg a. b. L., 15. Nov. Fruchtmarkt. Durch- schnittspreise pro Malter. Roter Weizen, neuer, 14.80 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn, altes, Mk. 00.00, neues 10.25 Mk., (Nerste 9.90 Mk., Haier 7.20 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Karosieln 0.00 Mk. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag, den 17. November 1904: Meist heiter, doch stellenweise Morgennebel, Temperatur wenig verändert (Frost), keine Niederschläge. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Uruelte MMnincn. R. B. Darmstadt, 16. Nov. (Eigener Drahtbericht.) Bei der heutigen K a m m e r t'a g u n g erfolgte nach der Abgabe der Köhlerschen Erklärung die Beratung der Vorlage über Bad-Nauheim. Nach längerer Debatte wurde der A u s s ch u ß a n tr a g auf Bewillig u n g d e r b e i d e n e r st en B a u r a t e n e i n st i m m i g angenommen. Ein Antrag Weidner, den Betrag für die Errichtung einer staatlichen Dampfwaschanstalt zu streichen, wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag Damm- Friedberg auf Streichung einer anderen Position. Morgen früh um 9 Uhr werden die Verhandlungen ihren Fortgang nehmen. Landau, 16. Nov. Die Straskammer beschloß in dem Weinsälschungsprozeß gegen den 50 Jahre alten Weinhändler Weil, zurzeit in einer Irrenanstalt befindlich, die Vernichtung von 54 000 Liter Rotwein. Ferner verurteilte die Strafkammer den Wcinhändler Ottenberg wegen Weinfälschung zu vier Tagen Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe. Paris, 16. Nov. Der neue Kriegsminister B e r t e a u x besitzt ein Vermögen von 30 Millionen. Er gehört zu den eifrigsten Mitgliedern des republikanischen Bloc. Bis zuletzt hat Berteaux den General Andre unterstützt und ist noch in der Debatte über die jüngste Interpellation Villeneuves auf der Rednertribüne für Andre eingetreten. Paris, 16. Nov. Der Gerichtsarzt Soquet hat fest- gestellt, daß die Verletzung des Kriegsministers Andre von einem stumpfen Werkzeug herrührt. — Gerüchtweise verlautet, daß eine Anzahl Radikaler dem General Andre ein im Seinedepartement erledigtes Senats Mandat anbieten wollen. — Andrs teilte gestern einem Berichterstatter mit, daß er nach einer Unterredung mit den sozialistischen Deputierten Gerault Richard und Thomson den Entschluß gefaßt habe, seine Demission zu nehmen, weil die r e p u b l i k a n i s ch e M a j o r i t ä t infolge der Treibereien der Opposition offenbar ihre Kaltblütigkeit und ihre Festigkeit verloren habe. Er sei glücklich, daß Berteaux zu seinem Nachfolger ernannt worden sei; denn dieser habe ein Anrecht auf das Vertrauen der Republik und der Armee. Ministerpräsident Eombes habe ihn bei seinem Abschied umarmt und gefragt, ob er die für die Verleihung des Großoffizierkreuzes der Ehrenlegion nötige Dienstzeit besitze. Die meisten radikalen Blätter widmen dem' General Andre sympathische Abschiedsworte und bezeichnen es als eine große Beruhigung für die Republik, daß Berteaux an die Spitze der Armee gestellt worden ist. Nur Senator Elemenceau in der „An> rore" und der Deputierte Maujean im „Radical", der als eventueller Nachfolger Andres genannt wurde, bezeichnen dre „Ausschiffung" Andres als eine edelmütige Handlung. Dre regierungsfeindliche Presse meint, das Ausscheiden des Generals Andre werde in nicht allzu langer Frist den Verfall und endgiltigen Sturz des Ministeriums Eombes Herbeifi:hren. Die „Republique Francaise" sagt, der Marineminister Pellet an werde die Erörterung des Budgets des Marrneministerii.uns nicht übernehmen. Der Finanz- mmrster Rouvier werde sich Ende dieses Jahres zurückziehen, und der Rücktritt Rouviers werde den des Ministers des Auswärtigen De le ässe, des Unterrichtsministers Chaprnie und des Ministers der öffentlichen! Arbeiten Maruejouls zur Folge haben. Der nationalistische Deputierte Guyot Billeneuve hat erklärt,' er werde die Debatte über das Budget des .Kriegsministeriums benutzen, um von Berteaux die Bestrafung aller derjenigen! Offiziere zu verlangen, die in die Tenunzmtionsaffäre verwickelt sind. New York, 16. Nov. Gestern gerieten die Viehhöfk in dem Newyorker Stadtteil Jersey City in Brand. 3000 lebende Schweine verbrannten, ferner geschlachtete Tiere. Einige Tausend Tiere stürmten wild durch die Viehhöfe und die Stadt. Tie Viehhöfe sind total eingeäschert.^ Während der Löschaktion ereigneten sich zahlreiche Unfälle. Der Schaden ist enorm. Washington, 15. Nov. Die zu der Feier der Ent> hüllung des Denkmals Friedrichs d. Gr. entsandten! deutschen Offiziere, General v. Löwenfeld und Major, v. Schmettow, sind hier eingetroffen. Vom Kriege. Köln, 16. Nov. Die „Köln. Ztg." meldet aus ©Öuh Japan beabsichtigt in Korea ein Arn, ee-Korps zu bilden, das die Russen der nordöstlichen koreanischen Provinz über den Tumen-Fluß zurückdrängen und auf Wladiwostok vorgehen soll. Die Truppen sollen bis aus 3 Divisionen gebracht werden. Die japanischen Militärbehörden bauen eine Eisenbahn zwischen Söul und Wönsan, ohne daß die koreanische Regierung um Erlaubnis gefragt wurde. Petersburg, 16. Nov. Alexejew wurde von dem Zaren empfangen und zur Tafel hinzugezogen. Die Unterredung war eine äußerst herzliche. Es steht fest, daß sich der Vizekönig die ganze Gunst des Zaren erhalten hat. Die Freunde Alexejews glauben, daß er für eine große Auszeichnung vorgeschlagen sei und wahrscheinlich zum Reichskanzler ernannt werden dürfte. — Der Generalstab berichtet nach weiterer Uebersicht der Listen der rufisch en Verluste während der Kämpfe am Schaho folgendes: Soldaten gelötet 4086, verwundet 23 542, durch sonstige Unfälle verletzt 313, verschwunden 5 327 irrt Ganzen 33268 Mann. Ossi-; ziere getötet 188, verwundet 700, durch sonstige Unfälle üer») letzt 66, verschwunden 39, im Ganzen 995. Tokio, 16. Nov. Von der 3. japanischen Armee vitt, Fusan wird berichtet: General Stössel sei verwundet worden und befinde sich im Hospital. Der General weigere sich, den Befehl über die Festung niederzulegen. Er soll erklärt haben, er wolle lieber getötet werden als sich ergeben. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste, der uns betroffen hat, sagen wir allen unseren innigsten Dank. [06942 Familie Karl Stadler. 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Salat, Rehrücken mit Kompott, Dessert. 06944