(Erstes Blatt 154 Jahrgang Samstag 16. April 1904 m KD II ien. 1 1 1(1) 1(1) 1(1) 1) D 1) 3) »Aus Stadt und Land. Gießen, 16. April 1904. •• 'Ar Eröffnung des Kongresses für experi- mentei (>! Psychologie bringen wir den Teilnehmern, die aus (kchtchland und dem Auslande nach Gießen ge- konimen pU unseren herzlichsten WÄkommensgruß dar. Möge d<«i ^streben, durch methodische Untersuchung in die geistigen - Lig.pnge einzudringen, durch den Kongreß reiche ^örderur^uralten! Die Redaktion. öom 20. bis 26. Niij nmen ju 27 500 (iiilL M rblichkeil^ijfer: 28Z ion 8 Cnsiremben: ISS x We. 89 •rkllle nf täglich am Sonntags. De "l-ffrner Anzeiger n>erÄ»iiM Wechsel mit demi ilchen Landwirt die Wiener Familien- wlötijliz oiiftmal in der t fflte beigelegt. Rot> L: >Ldruck u. Verlag : ik 6 ra h l'schen Uni ^Wuch-u.8tein- bruixtin. ÖL Lang«. Bltiytoti'-ii, ttrpebttixm iri 95turferet: V!I t-lVratze 7. Adr'-«, Hrt Depeschenr «ittaKlgcr (Biegen. Ferne pldonschlußNr.6L .r( vn- & v y A WjVÄt nm: Ermachfene: ir. LW;- 1 mm am iz- IpriL 'M «“*5 : toübamri« <8 1 .'N **»« *«uif2s^ li'Tnt Wme ÄW. gebotene S.X’JvJ? n "L6*- ' S4 ,nnaJma. ■UmlH?:- “■ ecl 11 Ltt0 herb eine Hetzorbrut. «(J t!ehrmunb, 9Hto,. ib baf)ier. Am 1L V rlimhahnichajsnerch^it- 2 i’toncue alt t-?. 12. April. Lhnsliw L. uiri'lian Noll bahm.-^i Äauimann bafjn Beniner bahier. lall' t, Tochter des LiM» MI1 mii*1 SS' fen t*1 ,i Ächend-tzaKs- Later, - . cojnj« anb S «•■0W ni M * Vom Wirtshausbesuch der Primaner. Ueber einen bemerkenswerten pädagogischen Versuch berichtet der Jahresbericht des königlichen WilhelmS- Gymnasiums in Kassel. Unter den Mitteilungen an die Schüler ist zu lesen: „Die Lehrer-Konferenz des Wil- helms-G-ymnasiums hat am 8. Juli 1903 beschlossen, den Primanern bis aus weiteres den Besuch einer Anzahl Wirtschaften der Stadt Kassel sreizustellen, und zwar nach getaner Arbeit, also etwa nach dem Abendessen, bis spätestens 10 Uhr. Auf Sonntag erstreckt sich diese Erlaubnis nicht. Nach einem Spaziergang zur Erholung in einer auswärtigen Wirtschaft einzukehren, ist nach wie vor gestattet. Die erlaubten Wirtschaften sind: Residenz-Caf^ Palais-Restaurant, Cafv Schmoll, Kaiser-Cafs, Restaurant Schirmer, Herkules-Restaurant, Restaurant Fromm (Wll- helmshavener Allee 82), Cafs Koleflch. Auch der Besuch der Stadtpark- und Aue-Konzerte ist gestattet. Verboten bleibt, daß die Schüler in einem besonderen Zimmer sitzen; sie haben sich vielmehr in den allgemeinen öffentlichen Gastzimmern aufzuhalten. Vorausgesetzt wird, daß die Schüler sich anständig benehmen, die Besucher nicht belästigen, sich der Mäßigkeit befleißigen und sich aller Nachahmung studentischen Treibens enthalten. Es ist absichtlich kein bestimmter Tag in der Woche fteigegeben, damit nicht an diesem Tage eine größere Anzahl regelmäßig zusammenkommt. Vielmehr ist eine Verteilung der Schüler nach Zeit, Ort und Bedürfnis in aller Freiheit ersttebt. Daß cm Schüler das Bedürfnis haben sollte, täglich auszugehen, wird nicht angenommen. Das Ganze ist ein Versuch, die Schüler unserer obersten Klassen daran zu gewöhnen, sich selbst zu erziehen und von der Freiheit einen vernünfttgen Gebrauch zu machen. Wir hoffen, durch Beseitigung des Reizes des Verbotenen und durch Anerkennung des Triebes zur Geselligkeit einerseits dii schweren Mißstände zu verhüten, welche das Aufluchen versteckter Winkelkneipen mit sich zu bringen pflegt, andererseits überhaupt größere Mäßigkeit und verständigeres Verhalten im Genüsse alkoholischer Getränke bei unserem Schülern herbeizusüyren. Sollten wir uns in unseren Hoffnungen getäuscht haben, so müßten wir die gewährte Erlaubnis zurücknehmen." * Für Zigarettenraucher. Sehr beliebt sind bei den Rauchern Zigaretten mck vergoldeten Mundstücken, die namentlich aus Rußland bezogen werden. Nun stellt es ich heraus, daß diese Zigaretten durchaus nicht un- chädlich sind, denn die Vergoldung enthält auch ein gewisses Quantum Kupfer, das dem Zahnfleisch von großem Nachteile ist, namentlich wenn man die erwähnten Zigaretten oft raucht. In Warschau sind einige Fälle von Zahnfleischentzündung zu verzeichnen ge» wesen, die in Folge des Rauchens der Zigaretten mck ver-; goldeten Mundstücken entstanden waren. j Ausland. KikchemrHagen, 15. April. Die Könige von Eng- [ a litte in' Dänemark erhielten von einem Newyorker ■ui üti- welches 1000 lutherische Gesellschaften vertritt, ein eg Mir,, worin mitgeteilt wird, daß eine große Anzahl von ^Mistriimlungen in Newyork in der Osterwoche zu >unst M Finnlands abgehalten wurden. Die Könige werden e »nickt, dem Zaren dies mitzuteilen und ihn zu bittiL: Finnland milder zu behandeln. L j inb ;o n, 15. April. Das Gy angts e-Fort ist von dem tMi^.ischen Kommandanten und dem chinesischen General : fine weiteren Widerstand der Engländer ausgeliefert loordeM Leide kamen morgens dem anrückenden englischen Gerier UMl Macdonald entgegen und erklärten, es bliebe ihnen^ ia öoie Besatzung geflohen sei, nichts übrig, als die KaPifiklertion. ---vie die hiesigen Blätter berichten, hatten die En g- l ä n d im dem Gefechte gegen die Tibetaner am 10. Apprl r:ur 3 Tote, während auf gegnerischer Sei Tote und zahlreiche Verwundete zu ver- niinemMicen; außerdem wurden 70 Tibetaner gefangen genornüMtn. -ir-.c:, 15. April. Der Ministerrat beschäftigte sich mit dem AitMftedsgesuch des Obersten Marchand. Wie D iKJiitet, machte der Ministerrat sich dahin schlüssig, da > M iic.aiti) ein militärisches Vergehen begangen habe, iüm er ohne Zustimmung des Vorgesetzten einen letzthin^: -i i>er „Patrie" veröffentlichten Bries schrieb. Der Min;U"tEU soll der Ansicht gewesen sein, daß dieses Vergehen itr.c Disziplinär maßregel erforderlich mache, widjer: irulerhin die Entlassung Marchands folgen könne. ÄttuistErjident Combes benachrichtigte telegraphisch den Kriegs: ufier Andre, der zurzeit in Ärcachon wellt, vom Beschluß »'s Ministerrats. --Vu verlautet, hat die Regierung beschlossen, Oberst M ar ck ft 1 3 0 T a g e Arr e ft zu geben. Nach Verbüßung der ÄW.ji würde sein Abschiedsgesuch angenommen Norden.:. --L-ftdent Loubet unterzeichnete die Dekrete betreffend Neubcsc i|-.rc- der durch Rücktritt eines Richters am 0neichtt:l:!t in Bitte und dreier Friedensrichter j£ ei get m^ nen Stellen. Dies sind die einzigen Rückttllte v.uläßli'!.Liei? Entfernung religiöser Abzeichen. Roo-r 15. April. An der Flottenrevue in Neapel: 1 jui Eyren des Präsidenten Loubet nehmen von fraiuoft.IIP Seite 10 Panzer und 6 Panzertteu^r und seitens rettens 10 Panzer, 8 Panzerkreuzer, 9 Torpedo- z er stör cm- j Hochseetorpedoboote, 8 Torpedoboote und 4 Tran pum )i:.ffe teil. und Höhe des Honorars ist im Inseratenteile zu ersehen. — Anhänger der Schule S t o l z e - S ch r e y sind ebenfalls aufmerksam zu machen auf die im Inseratenteil der heutigen Nummer enthaltene Aufforderung des hiesigen Vereins für vereinfachte deutsche Stenographie (Einigungssystem Stolze-Schrey). )( Bahnbau Gr ünberg-Li ch. In Sachen der projektierten Linie Grünberg-Li ch hatten die Mitglieder des Bahnbaukomitees L. M o l l - Grünberg und Dekan Wagner-Grünberg beim Jinanzminister Gnauth eine Audienz. Die Bahnstrecken Butzbach-Lich und Grünberg- Lich sollen nach Fertigstellung miteinander verschmolzen werden. Der Staatszuschuß soll ev. 30 Prozent betragen. Die Landeshypothekenbank in Darmstadt ist bereit, das Obligationskapital zu 3s/4 Prozent den interessierten Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Frankfurt, 15. April. Der Kassier Jakob Fries vom Metzler'schen Banll)aus hatte sich, nachdem die von ihm begangenen Unterschlagungen und Fälschungen entdeckt waren, von hier entfernt. Gestern hat er sich der Polizei gestellt; er legte ein volles Geständnis ab und wurde in Hast genommen. — Wegen Mordversuchs, Unterschlagung uni> Urkundenfälschung wurde der Agent Paul Lane aus Graudenz, der sich seit vier Jahren unter dem Namen Christoph in Frankfurt aushält, hier verhaftet. Lane hatte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag seine Frau zu erfchießen versucht. Die Frau konnte sich, nachdem einige aus sie abgegebene Schüsse ihr Ziel verfehlt hatten, in Sicherheit bringen. — Heute morgen kurz nach sechs Uhr entgleiste an den Lagerhäusern beim Rangieren ein Güterzug und sperrte bis acht Uhr das Gleis. Der Personenverkehr nach dem Fahrtor mußte nach dem Hauplbabnyof geleitet werderi. Der Materialschaden ist unbedeutend. — In der letzten Nacht wurde ein Einbruch in die Metzgerei von Bühler, große Eschenheimersttaße 35, verübt. Der Eindringling kam durch den Torweg, stieg in das Kälberschlachthaus und steckte dort ein ganzes Kalb in einen Sack. Als er sich durch einen gerade heimkehrenden Metzgerburfchen überrascht sah, warf er seine Beute hin und floh nach dem Hinteren Hof nach der Schillersttaße. Dort schob er einen Rolladen hoch, zerttümmerte die Erkerscheibe und verschwand. — Hier kamen gestern und heute mehrere leichte H i tz s ch l ä g e vor. Verrnifchte». * Essen a. d. R., 15. April. Einem hiesigen Bauunternehmer wurden von dem Buchhalter Eduard Lingen etwa 30,000 Mark unterschlagen. Lingen erschoß ich heute in Duisburg. * Minden i. W., 15. April. Eine junge Dame aus Minden, eine Lehrerin, die vom Besuch einiger Verwandten heimkehrend, den Anschluß zur Weiterreise in Bielefeld abwartete, wurde dort auf dem Bahnhofe im Wartesaal 1. und 2. Klasse, wie es heißt auf Grund er- undener Angaben einer Dirne durch einen Kriminalbeamten arretiert. Im Poltteibureau mußte die Lehrerin ein peinliches Verhör über sich ergehen lassen, bis der Deutsches Reich. Lerllin, 15. April. Man meldet aus SyrakuS: Derr Rr. fer hörte heute den Vorttag des Chefs des ^/ui^ekckbinetts, v. Senderr-Bibran, und machte am Nach- nack' ^gnst <2k^OlöC Ausflug auf dem „Sleipner"' - Unter Führung des Oberleutnants v. Barsewisch sindi ncct,mittag 30 in die Schutztruppe für Südweft- a f r i!c zu übernehmende Mannschaften der Eisenbahn- brizisär non Berlin nach Hamburg abgegangen. --rirburg, 15. April. Zu den zurzeit verbreiteten Ger»Mtev vom Verkaufe des Schnelldampfers „Deut chf l am b" o»n der Hamburg-Amerika-Linie bemerkt die „Neue HanMrienhall^, daß dieselben jeglicher Begründ- 1 n (ig tnttbe br en, daß ebensowenig irgendwelche Ver^ niiuDoUigc-n scytveben oder beabsichtigt sind. Die „Deutsch- lanlE" wttd am 28. April die fahrplanmäßige Reise nach NetaMik nntreten. Mllheim (Rhein), _5. April. Hier sind die Verhand- imigi|fta ircc Aufsichtsbehörde mit den Krankenkassen- u 0 rn fiinti e n und Aerz ten gescheitert. Sämtliche 1. em t Lri.teverein angehorigen, in Mülheim ansässigen ler^tr siel len am 23. April ihre Tättgkeit für die Kranken- kasseM ein. Are Hden, 15. April. Der König empfing heute nittvng dciS Präsidium des zurzeit hier tagenden Deutsch e ff! 0 t t e nv erein s in Audienz. Später wurde das ^ijil'ium auch vom Kronprinzen empfangen. — Eseh. Hofrat Dietrich, Großindustrieller und , ?larlamentarier, ist infolge einer Herzkrankheit g e ftisto:b! n. - Wca i n schweig, 15. April. Einer Abordnung hiesi- icr ! Läinuekollekteure erklärte der preußische Frnanz-Mi- ni)tieie:te. v. Rheinbaben, daß er aus sinanzpoliti- m: üiälichten niemals für eine Freizügigkeit dei an v a a t li ch en Lo tterien. zu haben sein werde, uhli j>et für eine Interessengemeinschaft der beivii lä gebe der braunschweigischen Regierung anheim, Mil fntsprechenden Vorschlägen an iyn zu wenden. e äclchsun und Hessen verhandele er bereits in dieser .nißejükjtipöeit diensttuende Kommissar den Mißgriff erkannte. Der Vater der Dame, ein Siegierungsbeamter, hat wegen der Festnahme seiner Tochter Sttafantrag gestellt. * Hattingen, 15. April. Hier sind ebenfalls die schwarzen Pocken sestgestellt worden bei einem Lehrling, der in Bochum war. * Göttingen, 15. April. Der Schnellzug Hamburg- Frankfurt überfuhr bei Saarstadt eine Schafherde, der Schäfer und 24 Schafe wurden getötet. * Berlin, 15. April. In Potsdam ist Oberstleutnant v. Boddien, Kommandeur des Garde-Jäger-Bataillons, in der heutigen Nacht an den Folgen einer Schußverletzung gestorben, die er Ende Januar bei einer Jagd durch eine abprallende Kugel erhalte« hatte. — Ein 15iähriger Arbeitsbursche sprang in den Landwehrkanal, wurde jedoch von dem ihm sofort nachspringenden Leutnant im 2. Rbein. Husaren-Rcgiment Nr. 9 Erich Prögge gerettet uno nach dem Krankeichause Moabit gebracht. * Kalau, 15. April. Nach dem Passieren des Morgen- Schnellzuges Berkin-Breslau wurde gestern auf dem Bahnhose die Leiche einer etwa 20—30jäyrigen Dame ausgefunden. Tie Tote, anscheinend eine Modistin aus Berlin, ist vermutlich aus dem Zuge herausgestürzt. Da ein Verbrechen nicht ausgeschlossen ist, wurde der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. "Trient, 15. April. In unmittelbarer Nähe von Rongano fand infolge des heftigen andauernden Regens ein großer Erdrutsch statt. Verschiedene Häuser wurden zerstört, doch ist noch nicht bekannt, ob Menschen verunglückt sind. * Budapest, 15. April. Abendblätter melden eine neue Erkrankung der Gräfin Lonyay. Sie leide an schwerer Geistesdepression. * Budapest, 15. April. Bei einem heute zwischen dem Redakteur Legrady vom »Pester Hirlap" und dem Grafen Karolyi wegen einer Zeitungsnotiz veranlaßten Duell erlitt Karolyi eine leichte Venvundung. * Newyork, 15. April. Wegen der Katastrophe des Linienschiffes „Miss0uri" tourt)e ein Kriegsgericht einberufen. Vermutlich war das Bestreben, den Weltrekord im Schnellfeuern zu übertreffen, die Ursache des Unglücks. Unter den 31 Toten befinden sich 6 deutscher Abstammung. /BSSSaJ V Wf V monaMch7bP^vtertek- Gießener Anzeiger ui w General-Anzeiger ” ** MM Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MUZ ________________________________________________________________________ U zetqentell: Hans Beck. * Pittsburg, 15. Aprll. Carnegie stiftete 5 Millionen Doll, für die Hinterbliebenen olcher Personen, die bei der Lebensrettung elbst umgekommen sind und für die Lebensretter, )ie Verletzungen erlitten hoben. Der Fonds findet Anwendung bei Se6en3rettungen in den Vereinigten Staaten und Canada und den Gewässern beider Staaten. ""Zum Kongreß für experimentelle Psychologie wird der BahnhofSplatz, ferner der Eingang der Aula und der psychiatrischen Klinik wo die Ausstellung von Apparaten bei dem Kongreß staüsindet, von der Stadt und der Staatsbehörde entsprechend der Bitte des Lokal - Komitees festlich dekoriert. Die Verzierungen machen einen sehr freundlichen Eindruck. LU. Der Privatdozent Dr. Wilhelm Eidmann ist mit Wirkung vom 1. April d. IS. an anS dem Verbände der LandeS-Universität auSgeschieden, um eine vorteilhafte Stellung an der chemischen Fabrik Grieöheim „Elektron^ anzutreten. Der ihm erteilte Lehrauftrag für Nahrungsmittelchemie und technische Chemie ist damit erloschen. ** Philipp der Großmütige. In Erwiderung auf das „Eingesandtt in Nr. 87 witt) uns heute mitge- leilt, daß der Engere Senat der Landesuniversität bereits am 10. Januar 1903 beschlossen hat, daß aus Anlaß des 400jährige n Geburtstages Philipps des Großmütigen eine Universitätsfeier ftattfinbe. Der Termin dafür ist nach Beschluß vom 17. März d. I auf den 12. November festgesetzt. ** Promenadenkonzert findet morgen, Sonntag, UMV2I2 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre: Die Regimentstochter von Donizetti; 2. Meditation von Bach; 3. Maritana, Walzer, von Del- linger; 4. Finale a. d. Oper Aida von Verdi. — Unsere Regimentsmusik konzertiert morgen nachmittag im Neuen Saalbau. Abends im Cas6 Leib. Iw Nachmittag-Konzert kommen unter anderem zwei Werke eines unter uns lebenden Komponisten zu Gehör. Es sind dies: Schlafliedchen für Stteich-Quartett und Mazurka Caprice von Paul Eim. "" Ahlers Affentheater wird hier heute, Samstag, eintreffen und abends eine Eröffnungsvorstellung auf Oswalds- garten geben. Von auswärtigen Blättern wird das Unternehmen sehr gelobt. Das auftretende Künstler - Ensemble, alles vierfüßige und oierhändige Artisten, übertrifft durch Leistungsfähigkeiten selbst die verwöhntesten Ansprüche. Die poffierlichen und munteren Affen in ihren drolligen Kostümen geben beständige Veranlassung zu anhaltender Heiterkeit deS Publikums und entfachen insbesondere den lautesten Jubel der Kinderwelt. Das Nähere ist aus den Inseraten zu ersehen. ** Stenographie. Der GabelsbergerSteno- graphen-Verein beginnt am 22. d. M. einen neuen Kursus für Anfänger, auf den wir auch an dieser Stelle aufmerksam machen. Näheres Über Beg nn des Unterrichts il) KD 8) 8(5) 0 nmetn gesetzten ZW,!' refienbenkkanthnl $i» ! kommen. Kerichtssaal. th. Gießen, 1b. April. In ähnlicher Lage, wie der Weise Richter in Lessings Natan, der ergründen sollte, welcher von den drei Ringen der echte sei, befand sich gestern das Schöffengericht in einer Verhandlung, die sich gegen einen kaum 18- jäbrigen Burschen aus Reiskirchen richtete, der des D i e b st a h l s beschuldigt war. Auf dem Gerichtslisch lagen zum Beweise der Schuld oder Unschuld 8 Fingerringe, 1 goldener und 2 silberne, die letzteren mit goldener Platte, in welcher M. S. eingraviert war. Die Beweisaufnahme ergab folgendes Bild der Sachlage. Am ersten Weihnachtsfeiertaae war der Angeklagte mit mehreren Alters- Senoffen in der Küche emes Hauses, er hat dort Brot gegessen und ltilch getrunken und soll in dem Raum auffällig hin- und hergegangen sein. Zwei oder drei Tage nachher vermißte ein Mädchen im Hause ihr Portemonnaie, dessen Inhalt aus 10 Pfennig und einem goldenen Ring bestanden haben soll, dessen Platte mit H. 8. gezeichnet war. Ter Verdacht des Diebstahls fiel auf den Angeklagten, welcher am zweiten Weihnachtstage in der Spinnstube, wo auch getanzt worden ist, renommierend euien Ring am Finger gezeigt hat, den er in Gießen gekauft haben wollte. Mertwürdiger- weise fand später das Mädchen ihr Portemonnaie wieder und zwar nicht in der Küche an jenem Orte, wo sie es hingelegt hatte, son- dern auf dem Hofe dicht unter dem Küchenfenster. Ter Angeklagte erklärte vor dem Gericht, er sei qn dem fraglichen Diebstahl unschuldig. Jener Ring, den er am zweiten Weihnachtsseierlage getragen habe, habe feiner Schwester gehört, es sei auch kein goldener, sondern.ein silberner Reif mit einer Goldplatte gewesen, aut welcher der Name seiner Schwester M. 8. eingraviert war. Ein Zeuge bestätigte unter Eid, daß er tatsächlich einen solchen Ring, wie der Angeklagte angieot, an den Weihnachtstagen an dessen Finger gesehen hat; er bekundet-, daß er die Hand des Burschen gehalten hat, um dessen Ring zu betrachten, und daß er genau wisse, daß der Reif weiß, also silbern und nicht golden gewesen sei. Dem gegenüber behaupten mehrere Mädchen, welche in der Spinn- stube waren, sie hätten, zwar ans einiger Entfernung, einen goldenen Ring, dessen Platte H. 8. gezeichnet war, am zweite,: Feiertage am Finger des Angeklagten gesehen. Die Bestohlene erklärte als Zeugin, daß in dem Portemonnaie, als sie es wiederfand, zwar ein Ring enthalten war, welcher aber nicht identisch gewesen sei mit ihrem Eigentum: sie erkannte auch den goldenen Ring, welcher zu den Akten gegeben ist, nicht als den ihrigen an. Tie beiden anderen auf bem Gerichtstifche ausliegenden silbernen Ringe gehören der Schwester des Angeklagten, haben beide goldene, mit M. Lgravierte Platten. — In der Verhandlung wurde noch fest- gestellt, daß man bem jungen Menschen, der zwar des Diebstahls verdächtig ist, doch Schlechtes nicht nachsagen kann. Der Ainls- anroalt beantragte, wegen des Diebstahls auf eine Woche Gefängnis zu erkennen. Ter Gerichtshof fällte aber einen Freispruch mit der Begründung, daß die ganze Sachlage recht dunkel sei und zu wenig aufgeklärt erscheine, um trotz der vorliegenden Verdachtsmomente den noch unbestraften jungen Menschen mit Gefängnis bestrafen zu können. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 15. April 1904. (Mitaeteilt von der Bank für Haiidel und Industrie, Gießen.) Prioat-Diskont 28/< Prozent. Anfangs- u. Schlußkprse. Oest. Kredit.... 201.25 202.12 Deutsche Bank . . . 215.90 215.75 Darmstädter Bank . . 134.50 134.50 Bochumer Guß . . . 190.50 189.87 Harpener Bergbau . . 195.75 195.62 Tendenz: Lautlos. R. B. Darmstadt, 15. April. Die Frage des neu gegründeten Kohle n-Kontors und die damit ui Verbindung stehende abermalige bedeutende Steigerung der Kohlen preise beschäftigte in eingehendster Weise die Generalversammlung des hiesigen Handelsvereiiis. Kommerzienrat Jakobi legte dar, daß das Kohlen-Kontor eine Schöpfung des Kohlensyndikats sei. Alan müsse zugeben, daß das letztere ferne enorme Macht bisher nicht mißbraucht habe, denn es stehe z. B. fest, daß seit bem Bestehen bes Syndikats die Arbeitslöhne wesentlich mehr gestiegen feien, als die Kohlenpreise. An dem zetzt bestimmten Aufschlag von 80 Pfg. pro Tonne hätten die Schifssreder mehr Anteil als die Syudikats- angehörigen. Es komme hier allerdings wesentlich in Betracht, daß das Kohlensyndikat nicht Alleinherrscher sei, es habe namentlich in den Kohlengruben des preußischen Staates im Saarreoier eme scharfe Konkurrenz; auch die schlesische und die englische Kohle stehe ihm gegenüber. Die Stilllegung einer Anzahl Zechen durch das Syndikat sei sehr zu beklagen, zunächst müsse man jetzt ab- warlen, wie sich das am 1. April gebildete Kohlen-Kontor ent- wickeln werde. Wenn es sich in mäßigen Grenzen halte, so werde man daran denken müssen, einen allgemeinen Zusammenschluß der Kohlenhändler ins Ange zu fassen, um auf diese Welse im Interesse der Konsumenten ein entsprechendes Gegengewicht zu schaffen. — In der sich hieran anknüpfenden Debatte wurde namentlich beklagt, daß noch immer keine Preisnotierung vom Syndikat erfolgt fei. Die Schiffskohlen würden zweifellos durch die Preise der Reder teurer werden, das Kontor dürfte aber voraussichtlich die Preise für die einzelnen Städte festsetzen. — Von der Fassung einer Protestresolution wurde Abstand genommen, bis eine nähere Ueber- stcht über die Tätigkeit des Kohlen-Kontors möglich sei. Bom Stahlwerkverbaud. Wie die »Köln. Ztg/ hört, ist der Anschluß der Marthahütte in Kattowitz an den Stahlwerkoerband zustande gekommen. Mit dem Gußstahlwerk Döhlen sei eine Vereinbarung erzielt, wonach dessen Anschluß anzunehmen sei. Hinsichtlich der Westfälischen Stahlwerke gedenkt man die Entscheidung des „Phönix" abzuwarten, welchem Wahl gelassen ist zwischen Beitritt mit 516 000 Tonnen oder einem heftigen Jnter-ssen- kampf. Werde der .Phönix" hierdurch zum Beitritt nicht gezwungen, so werde der Verband sich auflösen. Ein Drittes gebe es nicht. Märkte. Gießen, 16.April. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.00—1.10 Mk^ Hühnereier 1 St. 6—7 Vfg., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Psg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsenpr. Liter 32 Pfg., Taubenpr.Paar0,80—l,00Mk., Hühner pr.St. 1,80—1,40 Mt., Hähne pr. Stück 0,80—1,70 Mt., Enten pr. Stück 1,70—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00—70 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pjd. 62—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,00—7,00 All., Weißkraut per Stück 9—12 Pfg., per Zentner 0.00—0.00 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 7,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepsel per Zentner 20 bis 25 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 35-40 Pfg. Marktzen 7—1 Uhr. Meteorologische Beobiichrungen der Station Gießen. April 1904. Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 15. 2” 739,3 + 23,0 8,8 42 SSE. 1 Sonnenschein 16. 9" 738,7 + 17,7 10,8 71 WNW. 1 Heller Himmel 16. 740,8 + 11,3 8,6 87 NW. 2 Sonnenschein Höchs e Tem peratnr am 4.—IE >. Apri + 24,0 - 0. DUebrigfte ■ 4.-15. „ + 13,3 UC. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst Voraussichtliche Witterung in Oberhessen für Sonntag, den 17. April 1904. Schwachwirrdtg, zeitweise wolkig und stellenweise Gewitter» bei sehr milder Nacht tagsüber Temperatur wenig verändert. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) S. u. L. Nach §4 des Telegraphen gejetzes (Verlag von Emil Roth in Gießen, Preis 20 Pfg.) ersetzt die Tele- grapheiiverwaltung den an den Baumpflanzungen verursachten Schaden und die Kosten der auf ihr Verlangen vorgenommenen Aiisästungen. Auch alles Weitere ersehen Sie aus dem genannten Gesetze. Neueste Meldinigen. Originaldrahtmcldnngen des Gießener Anzeigers. Berlin, 16. April. In den Ringkämpfen im Zirkus Busch gelangte der Entscheidungskampf zwischen dem Deutschen Heinrich Eberle und dem Spanier Pey- rouse zum Austrag. 20 Minuten währte der Kambs bis es Eberle gelang, seinen sich tapfer haltenden Gegner aus die Schulter zu legen. Eberle wurde ein Lorbcerkranz mit Schleife in den Badenser Farben überreicht. Frankenthal, 16. April. Nach einer Privatmeld- ung des „Fr. Tagebl." trifft der Wörmann-Dampfer mit dem erkrankten Ober st en Dürr, dem Leiter des südwe st afrikanisch en Expeditions-Korps, an Bord bereits am 28. April in Deutschland ein. Dürr ist also schon aus demHeimwege, ohne daß offiziös darüber etwas bekannt gegeben wäre. London, 16. April. Wie aus Tokio telegraphiert wird, schätzt man nach zuverlässigen Berichten aus der Mandschurei die dort befindliche Truppenmacht der Russen auf 200 000 Mann. Eine starke Besatzung befindet sich in Jvngwangchana. Die Hauptmacht konzentrier sich jedoch am Liaoyang südwestlich von Mukden. Am Ufer des Jalu ständen nur 10 000 Russen, die nicht hinreichen, um den Vormarsch der Japaner ernstlich aufzuhalten. Nach einer Meldung der St. James-E'azette ist der Brand im Kaiser-Palast auf Brandstiftung zurückzuführen. Die Täter sind wahrscheinlich K o r e a ne r, die I a p an s Einfluß aus Korea beanstanden. Bekanntmachung. Der bisherige Schutzmann Wilhelm Gemmecker ist zum Pfaudmeister der Stadt Gießen (Vollziehungsbeamten) ernannt, verpflichtet und heute in feinen Dienst eingewiefen worden. Gießen, den 14. April 1904. 8563 Großherzogucye Bürgermeisterei Gießen. Mecum. MtanzvomAechnungsjatjrl903 des tatoirWIidieii Koisuni-VerciiiS ArbMcich eingetr. Genosiensch. mit ambeschr. Haftpflicht. Aktiva. j!L $ Kasienbestand 272 72 Ausstände 1138 54 Inventar 4126 27 Mobilienwert 48 27 Passiva. Jt £ Kreditoren 2203 — Stammanteil 550 — Betriebsrücklage 680 98 Reservefond 924 30 Reingewinn 1227 52 5585 80 5585 80 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1902 110 Während 1903 gingen zu ... 6 116 , 1903 „ ab . . 7 Daher Stand der Mitglieder Ende 1903 109 3666 Der Borstand: I. Briegel. F. Stumps. H. Wehrum. I in Ilimil — IO ■TIWI MM WMM Für die uns anläßlich unserer silbernen chzeits- B «feier m so überaus großem Maße erwieset en Aufmerksamkeiten sagen wir Allen unfern he.zlichsten » ß Dank. Louis Bourgeois n. 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Ein Leitartikel der „Tribuna" einen Vergleich zwischen der Mittelmeersabrt u fer Wilhelms und der Romreise des Präfih^ Loubet und führt aus, daß die Tripel-Allianz nur ?' einen devensiven Zweck habe. Dann schreibt sie «v Wilhelm werde der erste sein, der sich über die anknüpfung der sranko-italienifchen Herzlichkeit freue ja auch den guten Beziehungen zwischen Franlreick'.,^ Deutschland zu statten käme. Die Freundsa-asi Italien und Frankreich habe nicht nur das Gute den T r ■ bund und Zweibund ein an d er zu nähern i dern auch den Erfolg, die Verpflichtungen Deutschlands'^ Rußlands gegenüber ihren Verbündeten beständig leichtern. Aus diesem Grunde herrsche heute keinerlei Mi' stimmung zwischen den Kaisersesten von Sizilien unk 2' Festen in Florenz. Petersburg, 16. April. Mit Rücksicht auf die Wendigkeit, die Finanzmittel des Staate^ moal'f' zur D e cku n g d e r Kr i e g s ko ste n zu verwenden iS ein Befehl desKarsers die zeitweilige Eins i r Q n. ung der Tätigkeit der Adels- und Bauei agrarbank vor. Moskau, 16. April. Der hiesige Universität P ro s e s s o r I w a n o w, der sich bei den freisinnigen denken sehr unbeliebt gemacht hat, fand eine V inbei- seinem Bett. Außerdem erhielt er Drohbr. won die revolutionäre Partei ihm mit dem Tode droht . 90.55 . 101.90 . 90.55 . 100.40 ' 101*80 Seidenstoffe ------- Muster portofreL — ■■ Fertige seidene Kostüm -Röcke, Jvpont, Blusen, haOftri Lt» Deutschlands grösstes Spezial-Seiden-Üesdiih Seidenbaus Michels & v!»-, Berlin SW 19 43 Leipziger Strasse 43 Bcke Markgratö-fltne» Mechanische Seidenstoffweberei in Krafeld ■ Darmstädter WööelfM. Großh. Heff. Hos-Mobelfabrik DamM. Bedeutendstes Einrichtungshaus MitteldeutschllindL — 200 Zimmereinrichtungen stets lieferserlig vonäiu. 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