Nr. 295 Zweites Blatt 154. Jahrgang Rrichetnl KgNch mü Ausnahme de- Sonntags. Die „rietzener §amilienb!8tter" werden dem e9lnRetgei Mermal wöchentlich betgelegt. Der eSc||l|d)t tanörotrt*' erldjetnt nwnatitd) einmal. Redakttorr Expeditton u. Druckerei Schulstr.I. Der Nr 61 Lelegu-Ülbt.. ttln^etga Dietz«» Donnerstag 15. Dezember 1904 ? jA CkA A. AA A A A A ? A. . ... 8tx>taftonebrutf unt> tiertag Da vrühllch« IhlLnKilLL Zlü^r tOrF Ä 8an9‘’ ®,ef,Ofc General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn. «Deutsches Neich. Berlin, 14. Dez An der nächstjährigen Mittelnreer- eines Artikels im „Tag", der die Oldenburger Affären und den letzten „Residcnzboten"-Prozeß behandelte. , t Malchin, 14 Dez. Ter mecklenburgische Landtag nahm den Staatsvertrag zwischen Preußen einerseits und Mecklenburg- Strelitz andererseits, betreffend die L o t t e r i e g e m ei n s ch a f t gleichzeitig mit dem Entwurf, betreffend das Verbot des Spielens in nicht zugelassenen Lotterien an. • Gotha, 14. Dez. Bet dem Abschi e d s m a hl, das heute hier zu Ehren des Staatsministers Heutig stattfand, erklärte dieser, daß mit Genehmigung des Herzogs und des Regenten seine Aktivität als Staatsminister, die mit dem morgigen Tage ablaufen sollte, bis zum 15. Februar verlängert worden sei, damit er die neue Do m änen vorl a ge noch p e r s ö n l i ch vor dem im Januar zusammcntretenden Landtag vertreten könne. m Stuttgart, 14. Dez. Tie Kammer hat bei Beratung der Gemeindeordnung den fozialdemokratischcn Antrag, welcher die OrtSpolizei dem Gemeinderat übertragen wollte, abgelehnt, dagegen den Regierungsentwurf angenommen, nach welchem die Verwaltung der Ortspolizei dem Ortsvorstand verblei btz Ausland. Lond on, 14 Dez. Nach einer Meldung aus Durban ourde dein Dr. Leyd s, dem ehemaligen Staatssekretär von Transvaal, dort die Landung verboten. Dr. Leyds fuhr infolgedessen nach der Delagoa-Bai weiter. Paris, 14. Dez. In der Affäre Syveton spielt auch die Geldfrage eine Rolle. Wenige Tage vor seinem Tode bat Syveton seine Frau tun eine bedeutende Summe Geldes, die er für die bevorstebende Revision der von ihm verwalteten Kaffe des nationalistischen Vereins „La Patrie francaife" brauchte. Fran Syveton schlug, wahrscheinlich weil ihr bereits die Anschuldigungen ihres Schwiegersohnes bekannt ivaren, die Bitte rundweg ab und sandte tagS. daraus den größten Teil ihres Vermögens nach Brüssel. Das Dienstmädchen der Frau Syveton soll dem Untersuchungsrichter erklärt haben, Syveton sei nicht in seinem Arbeitszimmer, wo er aufgesunden wurde, gestorben, sondern in einem kleineren Zimmer in der Nähe, in welchem sich eine Badewanne befand, die mit Holz- spähnen geheizt wurde. Hierdurch hat sich ergeben, daß tatsächlich mit der Leiche Syvetons Komödie gespielt wurde und zwar seitens der Familienmitglieder. — Der Kriegsminister hat an alle Korps-Kommandeure eine Zirkularnote gerichtet, worin er sich darüber äußert, daß die Mitglieder der Armee ohne formelle Erlaubnis des Ministers sich nicht mit Politik beschäftigen und weder politischen noch religiösen Vereinen angehören dürfen. Madrid, 14. Dez. Das gesamte Kabinet gab heute nachmittag seine Demission. Ueber die Veranlassung dazu wird gemeldet: Der König hatte sich mit der Ernennung des Generals Lano zum Genera lstabs chef nicht einverstanden erklärt, wie sie ihm yom Kriegsminister vorgeschlagen wurde. Der Minister berichtete darüber dem Ministerpräsidenten Maura. Dieser begab sich nach der Besprechung mit den übrigen Ministern ins königliche Schloß und bot dem König die Demission des gesamten Kubinets an. Der König berief Romero Robledo ins Palais. Lid au, 14. Dez. Im hiesigen Kriegs hafen werden jetzt ununterbrochen starke Befestigungs- und Fortisikations- arbeiten ausgeführt, am Strande werden Wälle für Kanonen aufgeworfen, in der Umgebung werden kleine Forts gebaut. Der Kommandant der Festung hat einen Befehl aus Petersburg erhalten, in dem man ihm mitteilt, daß alle Arbeiten bis zum 1. März des Iahees 1905 beendet sein müssen. Santiago de Chile, 14. Dez. In Jsseno veranlaßten die dort zahlreich ansässigen Deutschen einen Zwischenfall, in denn sie die chilenische Flagge, die auf bsm Gouverneur-Palaste angebracht war, entfernten und durch eine deutsche Fahne ersetzten. Die Bevölkerung ist durch diesen Vorfall sehr aufgeregt und man befürchtet Ausschreitungen. Der Zufltand in Aeutsch-Südwekafrika. Weitere Verluste im Gefecht bei Warmbad. Zu den schweren Verlusten, die unsere südwestafrikanische Schutztruppe im Gefecht bei Warmbad am 28. November gegen den Hottentottenführer Morenga erlitten hat, kommen jetzt noch einige Nachträge, welche den Gesamtverlust auf 2 Offiziere und 11 Mcmn an Toten, 8 Verwundete und 2 Vermißte steigern. Es sind gefallen: Unteroffizier Nickel und die Reiter von der Fecht und Tresen; schwer verwundet: Gefreiter der Reserve Boltes und die Reiter Elias und Schäferlein, gen. Maier; vermißt: Gefreiter Siebel. Nm Typhus gestorben: Gefreiter Juettner mib die Reiter Ehlers und Gollert. Die flüchtigen Herero. Von kolonialer Seite wird geschrieben: Ist Südwestafrika tauchen jetzt mehrere Aufgaben auf, die uns neben der Niederwerfung der Aufstände und nach denselben obliegen. Zunächst brachten die letzten Meldungen wieder eine Mitteilung von den Ovambo. Ter unruhige Häuptling Nech ale, der einmal einen verunglückten Angriff auf die Station Amakoni machte, hat eine Schar flüchtiger Herero bei sich aufgenommen. Mit diesem Unruhestifter wird abgerechnet werden müssen. Die übrigen Ovambo auf unserem Gebiete Verhalten sich nach wie vor ganz ruhig. Bemerkenswert ist, daß die Betschuanen, im Osten einen größeren Trupp von Hereros nicht über die Grenze gelassen haben; diese Masse treibt sich also wieder ziel- und hilflos im deutschen Gebiete umher. Ueber die Menge des noch vorhandenen Hererovolkes sind wir heute noch mehr im Unklaren als je zuvor. Nach dem Briese des Reichskanzlers an die Barmer Mission soll die letztere zur Vermittlung bei der völligen Unterwerfung dieses zerrütteten und halb aufgeriebenen Volkes herangezogen werben. Ter Einfluß dieser Mission, der durch die wilden Leidenschaften des Aufstandes beseitigt worden war, wird sich jetzt angesichts des verzweifelten Zustandes der Herero wieder einigermaßen wirksam erweisen. Mit seiner Mfe wird wohl bald eine Beruhigung des Restes dieses Volkes erreicht werden. Wir müssen sie in bestimmten Landstrichen truppweise verteilen, ansässig machen, sie beschäftigen und verpflegen. Befremdlich wirkte die Nachricht, daß neuerdings kleinere Mteilungen Herero, die sich bei Mtlitärposten bettelnd eingefunden hatten, von diesen aus Anast vor Krankheiten abgewiesen worden sind. Den Soldaten kann man keinen^ Vorwurf daraus machen, aber man wird Vorsorge zu treffen haben, daß solchen am Ende ihrer Kräfte stehenden Haufen sofort Hilfe gewährt wird. Soldaten werden damit betraut werden können. Durch ihre Abweisung werden sie ihrem Untergänge entgegengetrieben, auch wird dadurch ihre Angst und ihre Entfremdung von uns immer größer. Die Bastarde von Nehobolh beteiligen sich jetzt auch au dem Kampfe gegen die Hottentotten. Ter Oberleutnant Böttlin, der nun schon seit einem Jahre im Felde steht, ist mit ihnen Ende Oktober wieder in Rehoboth eingetroffen und hat 450 Stück Beutenvieh mitgebracht. 96m 30. Oktober ist er mit 50 Mcmn aufgebroeben, um Nomtsas von den Räubern zu säubern, die den Bastards Meh ab genommen batten. . ....... j ■ ■■■ ~ ■ ....: -......—■—*— ■ --------— Aus Stadl und Land. G i c ß c n , 15. Dezember 1904. * * Ceuta B r ü, der Gast des Theatervereins am Freitag, ist gestern bereits zu den Proben zum „Frühlingsopfer" hier eingetrofsen. Die liebenswürdige und anmutige junge Künstlerin gehört, wie uns geschrieben wird, seit mehreren Jahren dem Thalia-Theater in Hamburg an und war vorher am Münchener Schauspielhause. Hier war sie so sehr der erklärte Liebling des Münchener Publikums, daß sie noch jetzt alljährlich zu einem längeren Gastspiel nach München zurückkehrt. Dann sind an jedem Abend alle Plätze des Schauspielhauses besetzt, und namentlich ist es die Münchener Studentenschaft, welche der Künstlerin zujubett, die früher häufig bei den Aufführungen des akademisch-dramatischen Vereins miiroiiffe. Ihre Beliebtheit in Hamburg steht der in München nicht nach: Ein neues Stück, in welchem Genta Brö mitwirkt, wird, wenn es auch Mängel hat, vom Hamburger Publikum immer gut ausgenommen. Centn Br4 ist eine ideale Vertreterin jugendlicher Mädchengestalten, ihr Aennchen in Halbe's Jugend und ihre Orti gehören zu den besten dieses Rollenfachs. Von der Nolle der Orti wird behauptet, daß Graf Keyserling sie geradezu für (Senta Br6 geschrieben habe. * * Von der Jagd. Ein von vielen Jägern ersehnter, aber auch — leider — vielleicht von noch mehr Jägern unwillkommen geheißener Tag ist der gestrige, 14. Dezember, gewesen, denn mit Ablauf dieses Tages hat die Schonzeit für weibliches Rehwild begonnen. Ja, gar mancher Jagdbeständer hat eigentlich noch nicht genug an dem Morden, bei welchem zum Schaden der Jagd so unendlich viel „Kindesmorde" verübt werden, aber es ist gut für das Rehwild, daß insoweit nun Hahn in Ruh ist. Allerdings werden diejenigen, die sich auf der Speisekarte im Hotel gern „vom Reh" heraussuchen, auch nicht so ganz damit einverstanden sein, daß der Preis nun sehr erheblich in die Höhe geht, aber das schadet weiter nichts, die Herren Feinschmecker mögen mehr Hasen essen, denn der Preis dieses Wildes wird vorcmS- siehtlich fallen, da bei dem schlechten Wetter bis jetzt nur wenig Hasenjagden waren. Nun kommen aber Jagden in Hülle und Fülle, denn bis zum 15. Januar müssen fast alle Hasen geschossen fein, sonst können sie nicht in Preußen abgesetzt werden. Nach dem neuen preuß. Wildschongesetz beginnt die Schonzeit bereits am 15. Januar, von welchem Tage an auch die Einfuhr hessischer Hasen verboten ist. Hoffentlich bringt uns unser dereinstiges neues Jagdgesetz auch einen derartigen frühen Beginn der Schonzeit für Hasen, denn bei unseren steten milden Wintern sind die Hasen von Mitte Januar ab derartig von „Familienereigniffen" in Anspruch genommen, daß die Schüsse der Herren Jäger recht „störend" wirken. * * Besitzwechsel. Gastwirt Konrad Häuser verkaufte das ihm gehörige Besitztum „Schiffend ergertal" an Herrn E. BNischen für 59 500 Mk. Die Üebergabe erfolgt Donnerstag, den 15. ds. Mts. — Rentner Ph. Lahr kaufte von Gg. Grünig dessen in der Stephanstraße 11 gelegenes Haus zum Preise von 40 000 Mk. * * Auszeichnung. Die bekannte alte hiesige Verlagsbuchhandlung von Emil Roth (Inhaber Otto Roth) hat auf der Weltausstellung in St. Louis für ihre Ausstellung in Lehrmitteln die goldene Medaille erhalten. • • Das Personalverzeichnis der LandeS- unioerfität für das Winterhalbjahr 1904/05 ist erschienen. ft- Grüningen, 14. Dez. Infolge der Amtsniederlegung des seitherigen Rechners wurde Peter Hch. Euler an dessen Stelle als Rechner der Heinrich Benderschen Stiftung verpflichtet und in sein Amt eingefüh'rt. 6. Aus dem Ohmtale, 14. Dez. Daß die Sozialdemokraten das Agitieren verstehen, muß ihnen jedermann lassen. So durchzogen am letzten Sonntage je zwei Mann unsere Ortschaften uud verteilten in jedem Hause ein Exemplar eines sozialdemokratischen Kalenders. Wenn man über den Zuwachs der sozialistischen Stimmen urteilt, dann muß man auch diese Kalenderverteilung mit in Beachtung ziehen. § Friedberg, 14. Dez. Heute nachmittag 3 Uhr fand in der Burgkirche eine Gedächtnisfeier statt zu- Ehren des verstorbenen früheren Direktors des hiesigen Prediger- seminars, Geh. Kirchenrat Pos. D. theol. Gustav Di egel. An der Feier nahmen teil: die Profefforen und Kandidaten des Predigerseminars, Bürgermeister Stahl, die Direktoren und viele Lehrer der hiesigen Lehranstalten, Kirchenrat Meyer, zahlreiche Geistliche aus nah und fern und hiesige Einwohner. Zur Einleitung der Feier fang der Chor des Lehrerseminars unter Leitung des Musikdirektors Schmidt: „Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben". Prof. D. Eger, ein früherer Schüler des Verstorbenen, hielt die Gedächtnisrede, welcher er die Worte Hebräer 13, VerS 7, zu Grunde legte. Er schildert den Wert seines Lebens und Wirkens als Lehrer und Leiter des Predigerseminars und als Prediger und Seelsorger der Stadt Friedberg. Der Entschlafene besaß eine große Wahrhaftigkeit in seiner Predigt und Lehre, er verachtete die religiöse Phrase und Phantasie, predigte schlicht und einfach, aber wirkungsvoll, wahr und ergreifend. Als Seelsorger war er allezeit eifrig tätig. Sein verdienstliches Wirken in gemeinnützigen Vereinen und Anstalten und vorzüglich in der Armenpflege sowie sein leutseliges Wesen erwarben ihm allgemeine Ächtung und Liebe. Vorbildlich wirkte er durch seine christliche Lebensführung, sein Leben war ein Christentum der Tat und Wahrheit. Der Redner schloß mit den Worten: „Folget ihrem Glauben nach." Nach einem Gebet und dem Gesang: „Jesus meine Zuversicht" schloß die einfache aber würdige Feier. Frankfurt, 14. Dez. Die JahreSrechnung bet Stadt Frankfurt für 1903 schließt mit einem Defizit von Mk. 95 000 ab, während man auf einen Fehlbetrag von Mk. 137 000 gerechnet hatte. Die Einwohnerzahl ist lalit Jahresbericht be8 Magistrats von 306 000 auf 313 000 gewachsen. Die Sterblichkeit war etwas höher, weil bte abnormen WitterungSverhältnisse ungünstig wirkten. Gut war das Wetter für den Fremdenverkehr. Wir hatten 483 000 Fremde gegen 452 000 im Vorjahr zu verzeichnen. Die Zahl der Einwohner ist nm 7600 gewachsen, die der Steuerzahler nm 6560. Von diesen neuen Steuerzahlern hatten ^roei Fünftel ein Einkommen von Mk. 900 bis 1200. — In einem Hause der Feldbergstraße war heute früh die Köchin mit Fensterputzen beschäftigt. Sie trat fehl und stürzte vom Fenster de§ zweiten Stocks m den gepslasterten H o f. Sie erlitt schwere innere Verletzungen und eine Gehirn- erschuttenmg. Die Rettungswache brachte die Schwerverletzte ins Bürgerspital. Ein Berliner Kindcrmord vor Gericht. Berlin, 14. Dez. Ter Agent Lenz, gegen den sich ursprünglich der ^erbacht, geridnet batte, das ed>ulfinb Lucie Berlin ermordet zu haben, erschien heute auf die ZeüungSnachrickst hin, daß er unauffindbar sei, in der Verhandlung gegen den Zuhälter Berger, der seit vorgestern unter der Anklage, jenen Mord begangen zu Haden, vor dem Schwurgericht steht. Lenz machte heute ausführliche Angaben über sein Alibi. Ter Verteidiger lstilt dem Zeugen vor, daß er bei seiner Vernehmung im Juni andere Angaben gemacht habe. Lenz (sehr erregt): Ich kann und) heute nibt mehr auf alles erinnern. Ich leibe infolge dieser Sache an Halluzinationen, ja geradezu an Verfolgungswahn. Meine ganze Existenz ist vernichtet. Tie Haupt fache ist doch mein UnsLuldsbewußtscin. ES ist bad) unmöglich, daß ich mich auf alle Einzell>eiten vom 9. Juni noch erinnern kann. — Bors.: Jedenfalls tonnen wir feststellen, daß der Angeklagte Berger ganz anders aussie-ht als der Zeuge Lenz, eine Verwechselung des Berger mit Lenz ist ausgeschlossen. — Bert.: Sie kannten die kleine Lucie Berlin? — Zeuge: Jawohl. — Bert.: Tie Lucie soll in der Wohnung der Seiler vielfach verkehrt, tiefer Gange besorgt und Ihnen auch 'oftmals Schnaps geholt haben? — Zeuge: Das ist richtig. — Bert.: Tie Lucie soll Ihnen einmal nicht den richtigen Schnaps gebracht baden, Sie sollen das Kind deshalb an der Hand genommen und mit ihm zwecks Nmtauschens des Schnapses den Sd-mapsladen betreten^ haben? — Zeuge: Das ist möglich. — Bert.: Einmal sollen Sie mit der Lucie nach den Klängen eines Leierkastens getanzt und Ihrer Freude Ausdruck gegeben haben, daß das Kind jo schön tanzt? — Zeuge: Auch das ist möglich. — Bert.: eie sollen eine ganz besondere Vorliebe für blinder gehabt haben? — Zeuge: Ich gebe zu, ich bin ein großer Kinderfreund. Tie Vernehmung des Lenz ist danach beendet. Herlchtsjaai. Leipzig, 14. Tez Vor dem vereinigten zweiten und rritten Strafsenat des Reichsgerichts begann heute vormittag der Landesverratsprozeß gegen den 47jährigen früheren Friseur Hense aus Luxemburg, zuletzt in Nancy wohnhaft. Hense brachte burd) 'Vermittelung des fianzüsiscl>en Grenztom- missars Benner den früheren Zeugfeldwebel Schütze mit dem Spionagechef in Nancy, Hauptmann Maugin, in Verbindung. 'Letzterer verlangte von Schütze Auskunft über Geschütze und ver- versprach für ein Buch 500 Ätk. Ter Angeklagte interessierte sich sehr für die Angelegenheit. Schütze, der als Zeuge vernommen wurde, bekundete, haß er Maugin nichts geliefert habe, sondern nur zum Schein auf dessen Anerbieten eingegangen sei. Um 12 Uhr wird die Oeffentlichkeit ausgeschlosscn. Tas Urteil lautete auf zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, Stellung unter Polizeiaufsicht, sowie Zahlung der Kosten des Verfahrens. Als strafinildernd galt erstens, daß der Angeklagte noch unbestraft ist, zweitens daß die Handlung nur cm Versuch war; als ftrafmWirfcnb die große Energie, mit der die Ausführung des Verbrechens in Aussicht genommen wurde und der Umstand, daß Hense dem Zeugen Schütze genaue Instruktionen gegeben hatte. Mons, 13. Dez Tas Schwurgericht verurteilte den Jagdaufseher Marck>cnrd, der am 14. Oktober einen Wilderer, den er auf freiem Felde getroffen, ohne jeden Grund erschossen hatte, zu 20 Jahren Zwangsarbeit. Marchand behauptete, er habe lich in der Notwehr befunden, aber verschiedene Zeugen sagten das Gegenteil aus. KiUldel und Werkeyr. Volkswirtschaft. Köln, 14. Tez. (W. B.) 9üif Anregung der Treuhänder der beiden Gläubigergruppen des ,,Helios", der Obligationäre und Banken, sowie von Mitgliedern der Schutzver- ciniaung von 1902 fand heute hier eine Besprechung der ver- schieoenen Glaubigergruppen statt. ES wurde eine Kommission gewählt, welche in ähnlicher Weise wie vor zwei Jahren die gemeinsamen Interessen der (Mibiger wahr nehmen und bereit Stellungnahme in den bevorstehenden Versammlungen borbereiten soll. In der Versammlung fand die Meinung emheitlid) Ausdruck, daß die L i q u i b a t i o n des „Helio s" beschlossen und den Siquibatorcn ein aus Vertretern der verschiedenen Gläu- bigergrnbbcn bestehender Ausschuß mit bestimmt zu formulierenden Befugnissen zur Veite gestellt werden müsse. Es s e n a. d. Ruhr, 14. Tez. In der Zechenbesitzerversammlung des Kohlensyndikats gab Geheimrat Kirrdorf eine Erklärung ab, in der er darauf hinwies daß sich bas Kohlen- syndikat an der Abwehr der Berstaatlichungsaktion betr. der „Hi- bernia" beteiligt habe. .Hierauf wurde folgende Resolution angenommen: „Die Zechenbesitzervcrsammlung bringt dem Aussicksts- rate und dem Vorstände ihr volles Vertrauen für ihr Vorgehen gegenüber der versuchten Verstaatlichung der Bergwerksgesellschast „Hibernia" zum Ausdruck. Märkte. th. Gießen, 14. Tez. T er dieswöchige V i e h m a r k t hatte einen Auftrieb von ca. 800 Stück Großvieh, darunter etwa 15 Paar Gaugocksten, 180 Kälber und ca. 300 Schweine. Obschon der Handel in schwarzbunten Milchkühen beim Vormarkt recht lebhaft war und gute Preise erzielt wurden, wickelte sich der Handel in Milchware beim Hauptmarkt dock) nur reckst langsam ab, sodaß ein geringes Weick-en der Preise bemerkbar war. Ter Handel in Fettvieh dagegen war recht gut zu nennen, besonders waren Rinder in guter Ware ?ehr gesuckst, sodaß der Vorrat den Bedarf nicht deckte und ein Anziehen der Prelle gegen die des letzten Marktes die Folge davon war. Das Geschäft in Kälbern tvar ebenfalls recht gut, da Frankfurt und Wiesbaden starken Bedarf hatten. Die Preise für Kälber blieben die des letzten Marktes. Für den kleinen Vorrat von Gangvieh herrschte feine Kauflust; es liegt dies an der Zeit da Fahrvieh nicht gebraucht wird. Tie verkauften wenigen Paare blieben in der Provinz. Ter Heine Vorrat in Schrveinen, welcher abgesetzt wurde, brachte, da es an Käufern nicht fehlte, ein geringes Steigen, besonders der Ferkelpreise, fertig. Unsere Landleute, welche fick) jetzt mehr mit der Schweinezucht befassen und mit Jungvieh den Gießener Markt befahren, klagen sehr, daß her Preis der Ware zu niedrig ge- nwrden sei, und behaupten, daß die Zucht bei den heutigen Verhältnissen recht unlohnend geworden sei. Gehandelt wurden: Kühe, frll'chmelkend und tragend, 1. Qual. 450—500 Mk., 2. Qual. 375—420 Mk., 3. Qual. 260—325 Mk., Mmelkkühe, geringere Ware, 200—225 Mk. ältere Tiere 160—180 Mk. per Stück. Es wurde verkauft der Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder 1 Qual. 65—67 Mk., 2. Qual. 62—64 Mk., fette Kühe 1. Qual. 63—65 Mk., 2. Qual. 59—61 Mk., halber 1. Sorte (über 60 Pfund wiegend) 72—77 Mk., 2. Sorte (zwischen 40—50 Pfund wiegend) 65—70 Mk., 3 Sorte (leichtere Tiere) 58—61 Mk. Gangochsen wurden pro Paar zwischen 700—800 Mk. abgegeben. Die Preise für Schweine stellten sich pro Paar: Ferkel, 10 Wochen alt, 26—34 Mk.: bis 16 Wochen alt 37—45 Mk.; leichte Lauser 50—78 Mk. schwere Läufer 86—110 Mk. Einleg- schweine waren nicht am Markt. Ter Markt wurde bis auf wenige Stück Rindvieh und einen geringen Rest Ferkel geräumt. Nächste Markttage am 10. und 11. Januar 1905. fe. Frankfurt a. M., 15. Tez. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen V i e b m a r f t- preise. Zum Verkaufe standen: 25 Ochsen, 2 aus Oesterreich, 2 Bullen, 00 aus Oesterreich, 42 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder. 0 auS Oesterreich, 692 Kälber, 870 Schafe und Hammel. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 68—70 Mk., 3. Qual. 59—63 Mk.; Bullen 1. Qual. 00—00, 2. Qual. 00—00; Luhe 1. Qualität 67-69 Mk., 2. Qual. 64-66 'Ulf., 3. Qual. 54-56 'Mk., 4. Qual. 45—47 'Mk., 5. Qual. 00—00 Alk. Kälber 1. Qual. 75—80 Pfg., Lebendgewicht 45—48 Pfg., 2. Qualität 59—62 Pfg., Lebendgewicht 43-45 Pfg., Schlachtgeiv. 57—61 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 68—70 Pfg., 2. Qual. 62—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand un- bebentenb; bei Kleinvieh gut, fein Ueberstand. Limburg a. d. L., 14. Dez. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen 14.95 Mk., weißer Weizen 00.00 Mf., Korn Pik. 10.50, Gerste 10.05 'Mk., Hafer 7.20 Mk„ Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Hitchtiche Aachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Hottesdiem» in Der Synagoge (püdanlage). Samstag, den 17. Dezember 1904: Vorabend 4.30 Nhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Schrifterklärung. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Hottesdieust. Sabbat h feier am 17. D ezemb er 1904. Freitag abend: 4.00 Uhr. Samstag vormittag: 8.30 Uhr. Samstag nachniittag: 3.30 Uhr. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Wochengottesdienst 7 morgens 7.10, abends 4.00. D.in ha H *8 iifLx werden zart und weich nur durch Ge- LldUlir brauch des an Feinheit unerreichten ftMÄ Myrrholinglycerin?'10 Kaufe „Fay s Sodener!" Das ist in dieser Jahreszeit der wichtigste Imperativ! Kaufe Fay's Sodener, denn du bist nie vor Erkältungen sicher, kaufe Fay's Sodener, denn du weißt nie, wann du sie nötig haben wirst, kaufe Fay's Sodener, denn die schützen dich vor allen den Erkältungen, die sie, wenn erst vorhanden, bekämpfen. Also präge dir'S ein und vergiß es nie: Kaufe Fay's Sodener! 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