Nr. 295 •rlftftnt ,»glich auf; et Sonntags Eem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Giehener Zamilien- »lütter viermal m bet Woche be,gelegt. Rotationsdruck il Der- lag der Brühl 1d)en Unwerl.-Buch-u. Stern- druckerei. R Bangt, Reoa^tton. ^xpehttto» uith Druckerei: Scholsteotze 7. Uhrefie für Deveichenr Anzeiger «tchen. ^emsprachcildtt'N Ar 61 bfftes Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 15. Dezember 1904 L 8 Vern gOpreiOi monall'ch7b iM., viertel» jährlich Mk. 2.20. durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Vf.. durch dteVott M 2.- mniel- läbrl auSschl Bestellst. Annahme von Anzeigen »in bte TageSnummer bt6 vormittag» 10 Uhr. ßeilenpretfl lokal 12Pi» auftroärtS 20 Pfg. verantwortlich <üi den poltt und aägem. Teil P Witt ko für .Stadt und ßanb* * und .Gerichtsfaal*: A ugust Goetz, lüt den An- zetgentetl £>nn9 Beck. Die Keutige Kummer nmfaüf 10 Seifen Volilische Tagesschau. Nach dem Skandal. Nach den unerhörten" Skandalszenen, deren Schauplatz arn Dienstag das ungarische Abgeordnetenhaus gewesen war, hegte man in den parlamentarischen Kreisen Ungarns die.größten Befürchtungen für den gestrigen Tag, an dem die durch die Tumulte verhinderte Eröffnung der neuen Session stattfinden sollte; man rechnete mit der Möglichkeit, daß es zu Blutvergießen kommen könnte, weil viele oppositionelle Abgeordnete, die schon am Dienstag- mit Revolvern bewaffnet erschienen waren, gedroht hatten, sie würden unter Umständen von der Waffe Gebrauch machen. Diese Befürchtungen haben sich jedoch nicht erfüllt; neue Exzesse sind nicht zu verzeichnen gewesen. Der Bericht! des offiziösen Depeschenbureaus lautet: Tie oppositionellen Abgeordneten erschienen in geschlossenem Zuge um 61/2 Uhr früh unter Führung von Apponhi und Kossuth im Mgeordnetenhause. Es hat sich in der Nacht das Gerücht verbreitet. daß die Regierungspartei schon um 7 Uhr morgens eine Sitzung abhalten wolle. Deshalb hatte die Opposition beschlossen, ihr zuvorzukommen. Im Saale fehlen die Ministersessel, auf dem Präsidcntenplatz steht ein gewöhnlicher Sessel, da der des Präsidenten gestern zertrümmert wurde. Die Parlaments- Wächter sind im Beratungssaale nicht anwesend: sie sind in einem anderen Saale untergebrächt. Tie Abgeordneten halten die Präsidentenestrade dicht besetzt und räumen sie nur, als Graf Theodor Andrassy (Dissident'' die Zusicherung erteilt, das; Perczcl n ich! präsidieren und die P a r l a m e n t s w a ch e nicht in den Saal kommen werde. Um 93A Uhr erschien Graf Tisza au der Spitze des Kabinetts im Saal und nimmt in der ersten Bank- reihe Platz, da die Ministersessel fehlen. Ter Einzug des Kabinetts vollzieht sich in vollständiger Ruhe. Punkt 10 Uhr erscheint Vizepräsident Jakapff auf der Präsidcntenestrade. Der Ministerpräsident meldet ein königliches Reskript an, das bei größter Stille verlesen wird. In dem königlichen Handschreiben wird die Eröffnung der Session kundgegeben. Das Haus nimmt dies mit Ehrfurcht zur Kenntnis und beschließt, das Handschreiben dem Oberhause zur Kenntnisnahme zu übersenden. Darauf wird die Sitzung ohne weiteren Zwischenfall geschlossen. Auf dem Platze vor dem Abgeordnetenhause hatte ein Ring von Polizisten und eine Abteilung berittener Polizei Aufstellung genommen. Gruppen Neugieriger standen dort, doch lvar die Ansammlung nicht bedeutend. Trotzdem müssen die parlamentarischen Zustände in Ungarn heillos sein, wenn sie den sturmgewohnten und kaltblütigen Ministerpräsidenten Tisza zu dem Ausruf veranlassen: „Das ist kein politischer Kampf mehr, das ist ein gewöhnliches Verbrochen!" Falls Graf Tisza sich nicht entschließt, den ungarischen Uebermut mit eiserner Faust niederzuwerfen, dann steigt eine die Gesamtmonarchie Aas Aauiuskonzert des Kietzcner Konzertvcrcins Gießen, den 15. Dezember 1904. In der halblcercn Stadtkirche gab gestern der Gießener Konzertverein sein erstes Chorkonzert, nach 12jähriger Pause Mendelssohns bestes Weck, den Paulus. Die Aufführung hätte einen besseren Besuch verdient; es wäre dem Konzertverein zu gönnen gewesen, auch einmal in einer guten Tageskasse den Erfolg für seine rührige Tätigkeit zu sehen, statt nur in der dankbaren Anerkennung deS engeren Kreises der Gießener Musikfreunde. Der geringe Besuch ist ja zum Teil wohl auf das bevorstehende Fest zurückzuführen, obschon wohl die 3 Stunden, die das Konzert dauerte, nicht zuviel Zeit bedeuten dürften für den, der auch Geist und Stimmung auf Weihnachten vorbereiten will. Zum großen Teil ist es sicherlich darin begründet, daß Mendelssohn-Bartholdy heute nicht mehr recht zieht. Der Romantiker gilt bei vielen als altmodisch, überlebt. Was zu einem kleinen Teil eine gewisse Berechtigung haben mag — vieles von Mendelssohn, das einstmals in UeberschStzung der sinnlichen, nach unserem heutigen Geschmack süßlichen Melodienfülle und deren Einkleidung in gefällige Formen gepriesen worden ist, will uns heute nicht mehr recht anziehen, so seine „Lieder ohne Worte", ein Teil seiner Kammermusikwerke u. a. — das wird in Unverstand und Unkenntnis übertrieben. Das ist sicher, Mendelssohns Name wird als der eines der Großen durch seine Wiedererweckung der Bachschen Matthäus-Passion, durch seine Oratorien „Paulus" und „Elias" für alle Zeiten erhalten bleiben. Wenn ich oben den „Paulus" sein bestes Werk genannt habe, so soll das, was eigentlich selbstverständlich ist, nur mein ganz persönlicher Geschmack sein, den ich niemandem aufdrängen will: ich stelle den „Paulus" über den „Elias", einmal weil er mir das Charakteristische der Mcndelssohn- schen Oratorienbehandlung, seiner Form und Auffassung gegenüber der des Altmeisters Händel ganz besonders zu entfalten scheint, sodann weil Mendelssohn mit ihm seinerzeit etwas Erstes, Neues schuf, während der „Elias" doch nnmer nur vielleicht eine Verbesserung, jedenfalls eine Nachahmung, ein zweiter Gedanke ist, allerdings em großartig gedachter Gedanke. e . Sei dem, wie es wolle, jedenfalls ist auch für uns heute noch der „Paulus" eines unserer größten nationalen Kunst- werke, die wir besitzen. Wir verstehen noch heute die schwärmerische Begeisterung, die Schumann nach der Wiener ersten Ausführung erfaßte und ihn dann immer iviedcr ui Briefen und Besprechungen aus „diese fortlaufende Kette von Schönheiten" Hinweisen ließ, den Jubel, mitwelchem die ganze musikalische Welt, kann man sagen, sein Erscheinen begrüßte. Es ist so viel damals und in der Folgezeit über den „PauluS" geschrieben worden, daß wohl alles gesagt ist, bedrohende politische Gefahr herauf. Läßt die Budapester Regierung die erforderliche Festigkeit vermissen, welcher Behandlung von magyarischer Seite muß da erst die Wiener Regierung gewärtig sein? Es ist ja offenes Geheimnis, daß gewisse politische Kreise Ungarns in Oesterreich ihren intimsten Gegner sehen, daß die ungarische Frage sich für Oesterreich verschärft. Doch das Großma^vrrrentum hiati einen Feind im eigenen Hause, der insgeheim nicht minder eifrig an der Arbeit ist: das Großkroatentum. Was die Ungarn in den österreichischen Wald birieinrufan, das schallt ihnen aus dem kroatischen zurück. Wie die Magvaren über den Ausgleich mit Oesterreich, so klagen die Kroaten über den ihrigen mit Ungarn. Von den Laibacher Unruhen im vorigen Jahre her dürste in Erinnerung sein, daß kroatische Abgeordnete, um Beschwerde über Ungarn zu führen und der staatlichen Loslösung von diesem das Wort zu reden, eine Audienz bei Kaiser Franz Josef nachsuchten, die aber verweigert wurde. Gleichwohl machten magyarische Blätter die Wiener Regierungs- und Hofkreise verantwortlich für das aufsässige Verhalten der Kroaten, eine Verdrehung der Tatsachen, die in Wien helle Empörung hervorrief. Ihre eigene herausfordernde Haltung gegen Oesterreich ist den ungarischen Heißspornen eine Sache der nationalen Ehre — wenn aber die Kroaten eine Abwehr der magyarischen Uebergrisfc versuchen, so wird das als staatsfeindliche, nichtswürdige Agitation gebrandmarkt. Der Budapester Regierung kann der Vorwurf nicht erspart werden, durch ihre schroffe Stellungnahme gegen die Kroaten den Chauvinismus im eigenen Lande gefördert zu haben. Sie sieht sich jetzt in die Notwendigkeit versetzt, die Anwendung von Gewaltmaßregeln gegen die parlamentarische Obstruktion .in Betracht zu ziehen. Derartige Zuck- urtgeit am österreich-ungarischen Staatskörper sind symto- matijch für die iitnerynliffsck^ der Monarchie. Icr itrieg. Port Arthur Tokio, 14. Dez. (Amtlich.) Ter Befehlshaber des Schiffsartilleriekorps vor Port Arthur melbct, daß die Beschießung am 13. Dezember sich hauptsächlich g-»gen das Arsenal und das Torpedolager auf der Tigerschwanzinsel sowie auf die in der Nähe liegeiwen Schiffe und Boote richtete. Tas T o r - pcdolager stand eine Stunde lang in Flammen.. Die Schiffe wurden z e r st ö r t, eines sank.. Auch die Gebäude sind schwer beschädigt. Tie indirekte Beschießung der sich außerhalb des Hafens anfhaltcnden „Sewastopol" wurde eingestellt. da das schlechte Wetter cs unmöglich machte, das Schiff zu beobachten. Admiral Togo meldet, daß die japanischen Torpedoboots- slottillen zweimal in der Nacht zum 12. T-ezember angegriffen haben. Tas Ergebnis ist ungewi»'. .Tie Torpedoboote begegneten jedesmal heftigem Feuer des Feindes: ein Torpedoboot ......... ■■ t III1 —IHWWF—M was über ihn gesagt werden kann, und eine eingehende Bekanntschaft mit seinen Schönheiten vorausgesetzt werden darf. Wenn ich mich daher zur gestrigen Aufführung wende, so soll zunächst festgestellt werden, daß sie in ihrer Gesamtwirkung würdig, stimmungsvoll und erhebend war. Das Haupt- verdienst davon gebührt neben dem Dirigenten, Herrn Musikdirektor Trautmann, dessen nicht ermüdender Arbeit und dessen hervorragender Leitung ja der schöne Erfolg in erster Linie zu verdanken ist, dem AkademischenGesangverein; seine Leistung war mustergiltig. Der Chor steht zur Zeit — möge es so bleiben I — auf einer so hohen Stufe, daß manche bedeutend größere Stadt uns um ihn beneiden dürfte. Präzision der Einsätze, Reinheit und Fülle des Tones, Zusammenklang, Aussprache und Ausdrtlcksfähigkcit waren vollendet; unermüdliche Begeisterung schien den Chor am Schluffe der anstrengenden Aufführung noch ebenso frisch und stark zu erhalten wie beim ersten Einsatz; wenigstens brachte der Sopran sein langes hohes a im Schlußchor mit unveränderter Reinheit und Stärke heraus. Einzelne der zahlreichen prächtigen Ehorsätze als besonders gelungen hervorzuheben, hieße den Gesateindruck abschwächen; nochmals: der Chor war vorzüglich. Das Orchester bot im Großen und Ganzen, sieht mein von Einzelheiten ab, auch eine recht gute Leistung. Die Ouvertüre, die noch in der Generalprobe stack an der Unreinheit dec Bläser litt, kam gestern zu schöner Wirkung. Tie Begleitung der Chöre und Soli zeigte bei den Rezitationen bisweilen kleine Schwankungen, wohl auch hier und da nicht tadellose Reinheit; trefflich gelangen dagegen die wiederholt cingestreutcn Violoncellstellen, die Vläserbegleitung zu dem Choral: „O Jesu Christ, wahres Licht", die Klarinetten- und Flötenbegleitung z-u dem Heidenchor „Seid uns gnädig" u. a.; das Streichquartett spielte durchweg gut; so kann man auch dem Orchester die verdiente Anerkennung nicht versagen. Nicht ganz- auf der Höhe des Werks und der Aufführung standen die Solisten, abgesehen von der Mtistin, Frl. Aschaffenburg - Frankftrrt a. M., deren wmnner, prächtiger Alt, durch musikalische Schulung und Sicherheit unterstützt und gehoben, nur das Bedauern auskommen ließ, daß Mendelssohn ihre Partie im „Paulus" so stiefmütterlich bedacht hat. Tie Sopranistin, Frau Tilly Hinken-Cahnbley, versüßt über eine süße Stimme von unbeschreiblichem Reiz; leider reicht sie aber für einen Raum wie die Stadtkirche nicht aus, sodaß man ihr int zweiten Teil die Ermüdung anmerkte — wohl begreiflich nach der anstrengenden Partie des ersten Teils —; aber auch schon von vornherein stärker wiederholtes Tremolieven, ja sogar kleine Stimmschwankungen und dadurch veranlaßte Unreinheiten einzelner Töne, wenn auch nur um kleine Schwingungen. Sie hatte dabei manche wiederholten Töne, so bei dem „Stehe aus!" in der berühmten Arie „Jerusalem", indem von den vier Solisten herrlich gesungenen Solo- hnrrbe kampfunfähig, wurde aber zurückgeschleppt. Tret andere erhielten ie einen Schuß. Ter ganze Verlust der Japaner betrug hierbei drei Vermnn^te. Tie Attaches. Ter japanische Gesandte in London Baron Hayashi b em eit» 11 e r t die vom „Standard" veröffentlichte, uns gestern tele- aravhierte Meldung eines in 9arbeit leb en dm russischen Ge- he'maacnten aus Kopenhagen über das Schicksal des deutschen unb des sranzLs'sch^r Militö'rattachees in Port Arthur. Nach "iner Meldung sollte der Gesandte aus Tokio die Mitteilung "rhalten haben, daß eine Dschunke unter französischer Flagge, worin sich di" Attachees befanden, den Versuch gemacht habe, aus Port Arthur zu entkommen: japanische Torpedoboote hätten auf die Dschunke geschossen und den deutschen Attachee sowie zwei Chinesen getötet. Nachdem hierauf die Dschunke von zwei javanischen Offizierm- durchsucht, sei sie von einem Torpedoboot in den Grund gebohrt worden, obgleich sich "der französische Attacke" an Bod befand. Die Nordseeaffäre. Paris, 14. Dez. Einem russischen Geheimagenten zufolge, dessen Bericht im „Echo de Varis" veröffentlicht worden ist, sind die Russen in der Nordsee tatsächlich 'von den Japanern angegriffen worden. Es handelt fich um in er Torpedoboote, welche mit Japanern und Engländern besetzt den Auftrag hatten, das russische Geschwader anzugreifen. Der Angriff geschah in der Nähe der Flämischen Küste und endigte mit einer Niederlage d.er Angreif er. Eines b"r Torpedoboote wurde in den.Grund gebohrt, ein zweites schwer beschädigt, die übrigen zwei wurden von den Russen verfolgt. Tie Torpedoboote eichielt"n Proviant von einem Fischerboot, welches am 4.. Juli gechartert war und welches mit TnrPpbpO^?;-'in-'>b'-s»-n pprseh^n war. £ver unb K otre. — Se. Durchl. Prinz Ludwig von Battenberg wurde zum Chef des zweiten englischen Kreuzer-Geschwaders ernannt. Aus Stfiiit und Land. Gießen, 15. Dezember 1904. Anr Beachtung. Im Interesse der sorgfältigen wirkungsvollen Herstellung der Anzeigen empfiehlt es sich, größere Anzeigen füc die Samstags-Ausgabe bis spätestens Freitag mittag auszugeben. Gießener Anzeiger. ** Der Raubmörder Hub de ist, wie wir aus gut unterrichteter hiestger Quelle erfahren, gestern mit ziemlicher Bestimmtheit in St. Goar gesehen worben und in der Richtung nach Bingerbrück weitergefahren; dort ist er spurlos verschwunden. Es ist nicht ausgeschlossen, baß er sich in der Nheinprovinz authätt. — Gleichzeitig wird uns dcaht- quartett; aber der Eindruck des — für diese große anstrengende Partie — Unzulänglichen überwog. Hoffentlich gibt "uns Frau Hinken in einem Kammermusikkonzert einmal Gelegenheit, uns durch die zweifellos vorhandenen Vorzüge ihrer Stimme im lyrischen Lied zu erfreuen. Ter T-arsteller des „Paulus", des „Chriskus" der Matthäus- Passion, Herr Professor Fr ey t a g-Bess er-Stuttgarts gab uns "eine durchdachte, von beseelter Empfindung getragene Darstellung von bisweilen erschütternder Wirkung: aber auch seine Stimme war in Umfang und Stärke den Aufgaben, die die anstrengende Partie stellt, nicht voll gewachsen. Der Tenorist endlich, Herr Noe-Leipzig, befriedigte am Wenigsten. Die in der Höhe gepreßt klingende Stimme war nicht ausgeglichen, tremolierte bisweilen stark und litt manchmal, so namentlich leider in der wunderbaren Arie „Sei getreu bis in den Tod", au stark unreinen Tongebung. Demgegenüber standen ergreifende Töne zum Beispiel in der Sterbeszene des Stepharms. War so die Aufführung des „Paulus" infolge der genannten Unvollkommenheiten keine ganz erstklassige Musterleistung — eine solche war z. B. seinerzeit die Wiedergabe der IX. Symphonie, deren sich Großstädte nicht hätteü zu schämeu brauchen —, so war sie doch eine r^cht gute, ja begeisternde, und löste alle die Stimmungen aus, die das große Ktmstwerk im Menschen aurust. Noch ein Wort zur Generalprobe. Das Eintrittsgeld war diesmal -auf 1.50 Mk. erhöht worden, betrug also 1 Mark weniger als das zum Konzert selbst. Das mag hingehen, wenn die Generalprobe wirklich das bedeutete, was sie in vielen Großstädten ist, das eigentliche musikalische Ereignes, die „Premiöre". Wenn aber, wie vorgestern wieder im zweiten Teil des Werks, fast in jedem Satze abgeklopft, wiederholt, wieder abgeklopft und wiederholt wird in lieblicher Fortsetzung, so müßte der Konzertverein eigentlich jedem Besucher die altcömische condictio causa data causa non sequente zugestehcn. Nun möchte ich um alles in der Welt nicht etwa veranlassen, daß die General- vroben nicht öffentlich und gegen Entree stattfinden sollen. Vielleicht gibt's einen anderen Ausweg?! i—n— * Der Kaiser nn d die Oper. Wir lesen im „B. B. C.": „Herrn Geh. Hofrat Max Staeg»?mann ist wahrend der ersten Aufführung der Oper „Der Roland von Berlin" eine besondere AuHzeicl)4tung zuteil geworden. Der Leipziger Bühnenleiter wurde im Zwischenakt vom Kaiser in seine Loge befohlen. Der Monarch, welcher die Einsicht und Urteilskraft deS Direktors Staegemaun allen musikalischen Neuerscheinungen gegenüber besonders schätzt, sprach sich in sehr eingehender Weise über die w ü n s d) e u s w orte Fortentwicklung der modernen Oper aus. ^seheimrat Staegemaun, wohl zur Zeit der erfahrenftc Bühnenleiter in Bezug auf daS Opern- weseu, inar lebhaft gefesselt durch die mannigfachen, fruchtbaren Anregungen." U 1 L ,E Giessen, den 15. DeaemlBor 1904. 8833 Herr Ludwig Kreuter unser langjähriger Maschinenmeister. Der Verstorbene hat sich durch seine Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Pilichttieue ein bleibendes Andenken bei uns erworben. Exportbier-Brauerei Friedel & Asprion. auch einen SprÖßling der Frankfurter Patklzter-Familie Guaita auf dem Gewissen haben soll. Der junge Mann, welcher als Einjähriger bei den Garde-Husaren in Potsdam stand, geriet in finanzielle Kalamität und ging später total auSgewuchert nach Amerika, wo er körperlich und moralisch gebrochen im tiefsten Elend starb. Ein ehemaliger Gardeleutnaut von Stoch, dessen großes Vermögen hauptsächlich Pferdeneppern in den Rachen geschleudert wurde, soll jetzt Fremdenführer in Nom sein. Elberfeld, 15. Dez. Wie das hiesige sozialdemokratische Organ mitteilt, soll Justizminister Schönstedt eine generelle Anweisung gegeben haben, überall da, wo es irgend angängig ist, den La n dsri e d en s b ru ch - Pa ra gra p b e n zur Bekämpfung deö Streikp ost en stehens in Anwendung zu bringen. Stuttgart, 15. Dez.. Der Professor der Literatur au der Techn. Hochschule in Darmstadt Haruack erhielt einen Ruf an die hiesige Techn. Hochschule als Nachfolger Weitbrechts. Paris, 14. Dez. Wie ein Gerücht besagt, steht die Verhaftung deS Schwiegersohnes Syvetons, Menards, dec Frau Syveton und des Dr. Eachet wegen Verbrechens gegen das keimende Leben, begangen an Frau Menard, bevor. Bom Kriege. London, 15. Dez „Daily Telegraph" meldet ans Tschifu von gestern: Die Japaner entsandten Agenten und Marineoffiziere nach dem Süden, nm'Pläne für die Beobachtung und den Empfang derBaltischen Flotte zu entwerfen. Am 13. Dezember kohlten ein japanisches Linienschiff, wabrscheiw lich d'e „Mikusa" nnb ein japanischer Kreuzer aus drei Schiffen, die südlich des Scbantungvorgebirges in einer Bucht verankert waren. Auch die „Nishi" und die „Kasuga" nahmen Koblen ein. Tie Mannschaft''n waren weiß gekleidet und trugen Tropenl)«lme. Ein englischer Zerstörer aus Weihaüuci suchte nach einer treibenden Mine bei der Mtcstcinsel. Wladiwostok soll noch immer offen gehalten werden. In Shanghai laden sechs Dampfer Kohlen und anderes Kriegsmaterial für die Baltische Flotte. London. 15. Dez. „Daily Tele'ra.ph" meldet aus Shanghai von gestern: Die Javaner nahmen am 13. d. M. den all- gemeinen A n a r i f f a n s Bart Arthur wieder auf. 8834 Giessen (Seltersweg 15), den 14. Dezember 1904. Die Beerdigung findet Samstag den 17. d. Mts., nachmittags %4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Friedhofes aus statt. Gestern verschied nach kurzem, schwerem Leiden infolge eines Ungliicksfalles im Alter von 44 Jahren. Wer die Liebe dieses guten Familienvaters kannte, wird unseren tiefen Schmerz zu würdigen wissen. Die tieftrauernde Gattin mit Kindern und Geschwistern. Heute entschlief sanft durch einen schweren Ungliicksfall unser innigst geliebter, treusorgender Gatte, Vater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Ludwig !(reuter, Maschinenmeister Telephonischer Kursbericht. 3*Wu Koiohuanleihe . . 101.65 3 do. . . 89.70 •U/,0' KonflolR . 101.45 3° do . . 89.60 H<*85ion . . 100.00 31 1 % OborheRS'm . —.— 4 % Oesterr. Goldre • - . 101.65 4* OPhterr. Silberrento 100 20 4°£ Ungar. Goldrento . . 99.80 4“' Italien Rente , . 104.30 4* 7 % Portni’ioft^r . . . 63.70 w l'urtn^ieeen.....62.70 1 % C. Türken .... —.— rarkenloee .... 127.60 4°/o Urieeh Monopo1.-Anl. 47.65 4*s?o iluasere Argentine' 45.20 Tendenz: 30/n Mexikaner . . 32.7t 4- von dell Qualen derHühneraugen, Hornhaut, Warzen durch (Llönlters Hühneraugentod, ä 35 Pfg. bei Gust. Walter, Mäusburg, Tel.386 Jakob Fischer u. Kinder Gießen, 15. Dezember 1904. 8889 Die trauernden Hinterbliebenen i. d. 9tamen: Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer unvergeßlichen Gattin, Mutter, Schwester, Schwägerin, Schwiegertochter und Tante sagen innigsten Dank Erstes Eichener Zargmagazm empfiehlt feine taunen-lackierte, cicheu-polierte, Metall-, Transport- und Kiudersärge zu billigilen Preisen. 8386 Georg Schmitt, ÄaMMe 27, Ecke Bahnhofstraße. 2 Fohlen Mittelschlag, zu verkaufen. Näheres im 07443 JagtiscäiSösschen Dutenhofen Kreis Wetzlar.' Friedr. 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