154« Jahrg Freitag, 15 April 1904 Slv« 88 Gießener Anzeiger Myttat «glich mtt DuSnahme M «annlags General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. v. 2Bal mit der aus- löupter zusammengenommen, beobachtet stets Uung. Wir sollten deshalb unsere Geschenk- Perjoimi w W von ö & L DD S S 9 wem: K * s -5 X X p 5 S Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.L. Tel. Nr. 6L Tetegr.-Adr. i Anzeiger Liest«' •s 5 c* 2 I Ni ..Siebener LmoMendliMer- werden den nhpdtrit. otennc wöchentlich beigelegt. Dc tanvi in4 «*6etnl monatlich einmal v s RolastonSdrnS und Verlag der Brfl 5 Heftet UnrversttLtSdruckerei. 8L Sange, «testen. * - ft 2 s 5> Hl s? 2.C <4 * *. lörn -er M ofregen bleiben unbr Ein Srundslück mu: i verboten. 2 er Lrrkehr erjorderlichr t r d I >cioniQ qi)/ l*i, ano.b / n i <53- s P 'S - s fp 56o V S 2°- cklandS. Tic amerikanische Politik sollte uns zum Muster d ioinkii,-Präsident Roosevelt, dessen Tätigkeit umfassender ist, als die i .Sädlidrer Staatsoberhi Ui ? ük i->E eilige Zurückhaltung. ____ ,. ) i.wi'ji! iiufgeben, namentlich da, wo man sie nicht wünscht. Für die ? ÄJtixität in Ostafien sind wir auch, niemals ist von sozialdcmo- k Miiriiijcr Seite auch nur angcdcutet worden, daß wir dort aktiv e «ntewt sollen. Wir meinen sogar, daß unsere Truppenmacht in £ 2fchct größer ist, als es unsere Interessen erfordern. Die Art di'.emtraliiierung Chinas gefällt mir nicht, da der Gegner an- n uuimen muß, daß dies zum Vorteil Rußlands geschieht. Auch ist (i lih: Loch nicht der Vasall Deutschlands. Wie stimmen ferner die G Säjfsu edchifc der Hamburg-Amerika-Linie an russische Firmen n in: innerer Neutralität? Hat die Linie vorher beim auswärtigen 81 Ihi ungefragt? Das wäre doch ihre Pflicht gewesen. Tas eine S «iß, )2as verkauft worden ist, kann jederzeit in ein Kriegsschiff v.wMiürelt werden. Also unsere eigenen maritimen Interessen wer- Helden mit heiler Haut entkommene Wilnaer Gouverneur chl (hört! hört!) gehört zu der verächtlichsten Gattung der Schergen im russischen Reich. (Sehr richtig! bei den Soz.) Diesmal war das heldenhafte Opfer des Lebens umsonst gebracht. DaS liebe Publikum half natürlich mit. den Rächer der mit Füßen getretenen Menschenwürde in die Krallen der Polizei zu bringen, auS der er wohl nicht wieder herauskommen wird. , Aber die einstweilig glücklich gerettete Kanaille wird sich hoffentlich den Fall als Warnung und Mahnung merken, daß in Rußland die Zeit der Herrschaft von ihresgleichen vorbei fft." — So also sehen die Herren aus, für welche sich der Herr Abg. Bebel so angelegentlich h-g. Bebel (Soz.): Unter dem Fürsten Bismarck war die aus- t BittiPolitik ein noli me tangere. Diese Praxis hat der Reichs- i dtz jctz verlassen. Das zeigt doch, daß der Reichstag mit der auS- i nnrftcm Politik nicht zufrieden ist. Der Abg. Graf Revcntlow s itr gestern einen Ton crx, der Wohl nur bei seinen Freunden An- i vL--: f.->nö, mit solcher Kannegießeret ist es nicht getan. Ich glaube i rc, Oiafe das englisch-frarizöfische Bündnis uns direkt schaden kann, ■ Ccq bitöeutet es vielleicht eine Schwächung des Dreibundes. Es i )i gleichgültig, welche Stellung in der Welt bei künftigen Kon- f jfcttp »DaS mächtige England einnimmt, und von diesem Gcsichts- k :rnh au5 bedeutet das Bündnis am Ende eine bleibende Isolierung Parlamentarische Perlianslunqen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 66. Sitzung vom 14. April. t Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt. Am Bundesratstisch: Gras v o n B ü l o w , Frhr. vonHam- antif ein, Dr. Niebcrdrng, Frhr. v. Richthofen u. a. Emgeaangen ist eine Interpellation Auer i mti.r.. (Soz.), welche Maßnahmen der Reichskanzler zu ergreifen i @ttrh angesichts der Außerbetriebsetzung von Kohlengruben. Die zweite Beratung des Etats des Reichskanzlers i ito ft-rtgesetzt beim Titel »Gehalt des Reichskanzlers". Äerzu ,st cingegangen em Antrag Dr. Müller-Meiningen f rfnm 63p.J, Die Reichsverfassung möge dahin ergänzt werden, daß ; r, ll: ereinftimmung der Reichstags- und Bundesratsbeschlüsie in t tsin rund derselben Legislaturperiode erfolgen iiz Praxis unserer Behörden Rußland gegenüber kann wahr- ! ,ch!f dazu beitragen, das Ansehen des Reiches zu heben, und lote 21 hl men sich unsere Universitätsbebörden ? In die Papiere der AusiÄfijMenen russischen Studenten wiro jetzt die Bemerkung hinein- gesLM-csni: „pp. war bis zu seiner Ausweisung Student". Das bebrtea ■ eine Brandmarkung schlimmster Art. Wenn sich ein t ;frtiltor-:b:er so etwas seinen Arbeitern gegenüber erlauben würde, so euere gegen ihn eingeschritten werden wegen Verrufscrllärung. SDZaäwiatlje, welche traurige und erbärmliche Rolle unsere Univer- sitär^ÜÄeden spielen. Auch die „Allg. deuffche Universitäts-Ztg.", dcre:ni^c:.rusgebcr, Geheimrat Küster, auf deutsch-nationalem Boden jstelÄssta den Mut gefunden, sich genau so zu äußern. Auf sämtlichem butschen Universitäten wird jetzt gegen die Ausländer eine PraM liuigcführt, die uns in den Augen der gesamten Kulturwelt der :8,::ctätung preisgibt. (Unruhe rechts.) Und wie stand es denn mit r tüschesloff? (Redner gibt nunmehr eine ausführliche Darstell ürheis Falles.) Unsere Behörden sind in so empörender Weise gegeLnÄiffcheSloff vorgegangen und haben soviel Unglück dadurch übc,2:i! a;anze Familie gebracht, daß vor einigen Tagen Frau von - Lidycyfoff zu mir sagte: »Das ist ja gerade wie bei uns tn NußHih (Hört, hört!) Ich glaubte, Deutschland wäre ein zivilisiert« -tctiat." (Hört, hört!) In der Tat, wir werden mit jedem Tagest ^isi sicher. h C iSraf Bülow sein Amt antrat und wir einen Angriff gegen ihn iflbtktn, da rief er uns zu: Was wollen Sie denn? Warten Sie^M.abl Wir haben den Herrn Grafen Bülow allerdings * wÄ «C':- tiliii, 6 .” H *» . r°^cne -.l ,. ^6$ n und ,st 7r- hte,. 8n4j.*ts S,9* itin ^chondura, u „ WtI i“ «tfanS Ä«fianbu °°" 4 ?oUan>a lnc§ Ichonen Mächn; r„ ' 4 «■ Wahrsagerin bcm Ausbruch u mbe Trancezustände, h 1 wäre in Port Aühn > Behandlung uni i’> ertläne sie auch, in Abtritt msolgedesien Jen- Diese Aussage Lauem, daß Nächst^!: - ' h ergaben, daß nchz- le. Tas versetzte bit; >e unglückliche Kchnk ungen umsonst geäi'.girc niederbrannten unu. Dann ttsien sie ty, Lchweis eines Pserdck c em Tode nahe war. 0. «lb'ctchtl Enffpricht dies den Interessen, ja auch nur der Ehre D Xnn" ,)jciü)§ 1 iill wir uns neulich über die Auslieferung der russischen SiLd.'urn beschwerten, hat Graf Bülow aus dem Aktrnschrank oes A Inicäiitiger. Amtes bewiesen, daß er nur die Politik des Fürsten NiiidiarlV hierin befolge. Dieser Beweis ist ihm glänzend ge- lu tiir:ir. Gleichzeitig aber hat er damit unsere Politik durch die V leo^ityg jener Stellen so schwer kompromnttert, wie noch nie ei mlPö.:stik kompromittiert woroen fft. (Sehr wahr! bei den Soz.) I n len 'Fällen Leo Deutsch und Mendelssohn konnte auch nicht der S ri-diet" eines Verdachts eines gemeinen Verbrechens nachgewiesen toiBClen. Und trotzdem die Auslieferung, aus einfacher Liebe- Di aciiit gegen Rußland! (Abg. von Riepcnhausen oetritt den S:ocl.) Gerade so geht es jetzt. Und dazu noch in häßlichster WWie hat man nicht über die Namen Mandelstamm und S iL'irrc cb gehöhnt! Was wußte man denn von diesen Männern? V, ba Liloerfarb weiß ich selbst nicht, viel, aber gerade das wenige ist; it^nenb, Silbcrfarv ist als Terrorist, als Anarchist ver- schiworden, er denkt nicht daran, es zu sein, er ist nicht ein- mi nÜLoiüalist, er ist Zionfft. (Heiterkeit.) Was Herrn Mandel- sta mr biürifst, so ist das ein Mann, vor dem wir die höchste Achtung m unr.i>fi'rt solllen. Herr Mandelstamm hat in den russischen Oft» seeMriLizen studiert, fft dort gegen die Russifizierungspolitik für ba Lkuffchtnm eingetreten. (Zuruf des Abg. Böckler: »Leider!") Vc siuKren f«nn man freilich nicht Gerechtigkeit gegen einen Juden be:ii-:en. Ihnen wäre eS am Ende lieber, er tritt gegen das Delvbriiim auf. Dann bat Herr Mandelstamm gedient und ist -u Muntwoffizler befördert worden, später wurde er bann Sozialist, er: Inn, tote das in Rußland sellistverständlich ist, bald mtt den BeüMem in Konflikt, geriet m Untersuchungshaft, was das in RiMnd bedeutet, ersehen Sie am besten daraus, daß von den 14! ed.'nsgenossen Mandelstamms 4 wahnsinnig wurden und Scelhrrrb verübten. (Hört! hört!) Mandelstamm hat in hero- fföbi« Krise alle Mißhandlungen ertragen. Vor solchen Leuten müÄjst tmr die größte Hochachtung empftnden, vor Leuten, die für >r^i Überzeugung mit ihrer Person und ihrem Leben eintreten; lel'ili;-: Zustimmung und Beifall bei den Soz.) und der ist ein :rb Blücher Wicht in meinen Äugen, der gegen solche Männer es na xg ci^en Stem zu erheben. (Große Unruhe rechts, lebhafte 3ir.rcpnt2ng bei den Soz.) kinbelftamm kam hierauf nach Sibirien. Der Offizier, der fen 'tu- h.upp zu transportieren batte, war ein erbärmlicher Schurke, bern p feinem Vergnügen Arrestanten niederschoß. Mandelstamm ’.jat b i jctoagt, sich dieser Bestie entgegenzustellen und dem ein Ende zu urien. Wer so handelt, ist ein Held! (Lebhafte Zustimmung beit 1: Soz.) 1903 kam bann Mandelstamm nach Deutschland, uma ja seinen Studien obzuliegen. Was dann toeiter geschah, ist lilternt. staat geschehen sollten. Die Frage der Handelsverträge ist sehr auSgicbig erörtert worden. Wir haben auch wieder das Wort von der Not und dem Elend der Landwirtschaft gehört. Tas Lied kennen wir schon. 1895 bei Beratung des Antrags Kanitz sagte Herr v. Kardorss, wenn wir den Antrag Kanitz nicht bekommen, ist die Landwirtschaft in 2 Jahren bankerott. Nun sind schon seit der Zeit beinahe 10 Jahre vergangen und der deuffchen Landwirtschaft geht es besser als es ihr jemals ergangen ist. (Lebhafter Widerspruch rechs.) In der ganzen traurigen Wirtschaftspolitik der Regierung ist das der einzige vernünftige Gedanke, daß sie die Handelsverträge noch nicht gekündigt hat. Tie Verantwortung dafür würde auch keiner von der Rechten übernehmen wollen. Die Vorgänge in Südwestafrika besprechen wir am besten beim Kolonialetat. Es scheint jetzt, daß man oiese Vorgänge ausschlachten will zum besten von großen Aufwendungen für Kolonie uiid Kolonialbauten. Sie werden aber sehen wie weit Sie mit der Finanzlage des Reiches kommen, denn auf die müssen Sie doch Rücksicht nehmen. Auf alle Fälle aber müssen die Opfer für diese Aujwendungen von den Klassen gebracht werden, die für Kolonialpolitik begeistern, und nicht von den Arbeitern. Jetzt wird wieder scharf gemacht gegen die Sozialdemokratie. Ja, was denken Sie Wohl, was wäre, wenn es keine Sozialdemokraten gäbe. Dann würden die Gegensätze innerhalb der bürgerlichen Parteien, die jetzt mühsam verkleistert werden, kraß und klaffend hervortreten. Schon jetzt kostet es ja die größte Mühe, zum Frieden zu mahnen. Frieden, Frieden, Frieden! so tönt es beruhigend im Zentrum, bei den National-Liberalen, bei den Konservativen. Der Schrecken vor der Sozialdemokratie ist es, der alles notdürftig zusammenhält. Das Zentrum dankt jetzt Gott dafür, daß es eine Sozialdemokratie gibt, sonst wären wir ja nach den neuesten Vorgängen, wenn sich alles so ausleben dürfte, wieder mitten tm schönsten Kulturkampf. Man höre nur, wie Herr Tr. Sattler sich jetzt gcberdet! Herr Dr. Sattler daklamiert, durch die Aufhebung des § 2 des Jesnitengesetzes seien die Gefühle des Volkes verletzt! Welches Volkes? Eines Teils des national-liberalen Volkes? Das Volk, das hinter dem Zentrum steht, hat sich gefreut I Und das Volk, das hinter uns steht, hat nichts dagegen! Wir sind sogar dafür, daß ganze Arbeit gemacht und das ganze Jesuitengesetz aufgehoben wird! Wirklich nicht ans Liebe zu den Jesuiten! Sondern aus Haß gegen jede Art von Ausnahmegesetzgebung I Das Leiborgan des Herrn Dr. Sattler, der „Hannoversche Courier", hat geschrieben: »Der Beschluß des Bundesrats auf Aufhebung des § 2 hat uns um die letzte Möglichkeit gebracht, von den Negierungen irgend etwas für die geistige Freiheit zu erwarten!" usw. ufto. Phrasen, nichts als Phrasen! Für wahre geistige Freiheit sind Sie ja doch nicht zu haben! Treten Sie ein für Trennung der Schule von der Kirche, für Hebung der Volksaufklärung? Der ganze Kampf um den § 2 war ja nur ein Windmühlenkampf! Sie (zu den National-Liberalen) wollten sich dadurch nur ein Air geben. Sic bleiben aber auf diesem Gebiet, wie auf allen anderen, Halbmenschen, auS lauter Halbheiten zusammengesetzt! (Heiterkeit.) Und wie können Sie es dem Reichskanzler zum Vorwurf machen, daß er Rücksicht nimmt auf die stärkste Partei beS Hauses? Ohne diese kann er doch nicht regierenl Er muß und soll es tun! Das ist konstitutionell! Hoffentlich wird er nun auch konsequent bleiben und den übrigen vom Hause angenommenen Anträgen Folge geben, z. B. auch dem auf Einführung von Diäten, und allen übrigen. Und wenn Graf Bülow noch das Glück haben sollte, im Amte zu fein, wenn wir die stärffte Partei im Reichstage geworden sind, dann wird er hoffentlich auch allen unseren Wünschen nachkommen. (Große Heiterkeit. Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichskanzler Graf Bülow: Bevor ich auf die gestrige Debatte zurückkomme, muß ich mich gegen die Ausführungen wenden, die wir soeben gehört Haven. Der Abg. Bebel hat mit einem großen Aufwand von Pathos und mit einem nicht geringeren Aufwand von Kraftworten sich über einige Ausweisungen verbreitet, die hier vor einiger Zeit statt- gesunden haben. Er hat dabei sogar von einer Art Zurückmauserung gesprochen, die bei mir stattgefunden hätte. Er hat gemeint, ich hätte mir im Auslande einen freieren Blick erworben, den ich aber in heimischen Verhältnissen wieder verloren hätte. Darauf erwidere ich ihm, daß, wenn ich im Auslande etwas gelernt habe, es das war, daß man als Kosmopolit, daß man als internattonaler Kosmopolit wohl ein ganz hervorragender Agitator sein kann, aber ein praktischer Staatsmann ist man nicht. (Beifall rechts.) Im übrigen kann ich dem Herrn Wg. Bebel nur raten, feine Studien über Mauserung lieber in seiner eigenen Partei vorzu- riehmen, und wenn er bei diesen Studien etwas an dcn Tag legt bon der Toleranz und Duldung, die er so schön gepredigt hat, so habe ich nichts dagegen. (Heiterkeit.) M. H., die Spezialfälle, welche der Abg. Bebel zur Sprache gebracht hat, werden von zuständiger Sette widerlegt werden. Ich möchte aber zweierlei hervorheben. Herr Bebel hat gesagt, die russischen Revolutionäre wären eigentlich ganz harmlose Menschen, sie wollten nut mtt gesetzlichen Mitteln vorgehen, sie dächten nicht daran, irgend etwas Anarchistisches zu unternehmen. Da möchte ich ihm doch einen Arttkel vorlesen aus einer solchen russischen revolutionären Broschüre. Ich bemerke dabei ausdrücklich, ich lese diese Artikel vor nach der Uebersetzung der „Leipziger Volkszeitung" (Hettcrkeit), die vielleicht von allen sozialdemokrattschen Blättern dasjenige ist, daS Herrn Bebel am nächsten steht. Denn ich erinnere mich, als im vergangenen Sommer allerlei Gegenscche hervortraten, da flüchtete sich Herr Bebel vom „Vorwärts" zur »Leipziger Volkszeitung". (Heiterkett.l Also gegen die wird er wohl nichts einzutoendcn haben. In dieser russischen nihilistischen Broschüre heißt es also: „Ob Nikolaus II. in einer MietSkutsche vom Kasanschen oder Schemcnowschen Platze abfährt, oder in einem Wagen unter schmutziger Wäsche versteckt toeggeführt wird, wie ein anderer Häuptling Der Reaktion während der Revolution — — das tolles interessiert unS wenig. Die Geschichte selbst wird daS Schicksal bestimmen, ob daS Schaffot Ludwigs XVI. oder der Frauenrock GuizotS dem Zaren zu teil wird, daS ist die Sache der Zukunft. Wir haben nicht darin hineinzusprechen." (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Na also!) .— Wenn Ihnen daS nicht genügt, so könnte ich Ihnen noch wettere Artikel aus der „Leipziger Volkszeitung" vorlesen. (Große Heiterkeit.) Die „Leipziger Volkszeitung" schreibt über das glücklicherweise mißlungene Attentat gegen den Gouverneur von Wilna: „Der leider aus der strafenden Hand ins Zeug legt. Was nun die stattgehabten Ausweisungen anbetrtfft, die auf meine Veranlassung erfolgt sind, so haben sich die Ausge- toiefenen ihr Schicksal selbst zuzusckrecken. (Sehr richttgl) Ich habe es hier vor einigen Wochen ausgeführt, daß fremde Studenten, die sich bei uns ruhig und anständig benehmen, ungestört unsere Bildungsanstalten besuchen und ihren Studien bei uns nachgehen können. Wie richtig das ist, können Sie schon daraus entnehmen, daß an der Universität Berlin in der letzten Zeit die Zahl der ftemden und speziell der russischen Studenten nickt ab- sondern zugenommen hat. (Hört! hört!!) Es scheint also den Herren bei uns gar nicht schlecht zu gefallen. Ich habe aber Wetter gesagt, daß wenn die fremden Sttidenten fick mausig machen würden, sie ausgewicsen werden würden. (Zusttmmung rechts.) Sie haben sich mausig gemacht (Sehr richtig!), sie haben die Zurückhaltung überschritten, welche überall ftemde Gäste einzuhalten haben, und wir haben einfach von dem Rechte jedes Hausherrn Gebrauch gemacht. Fremden, die sich lästtg machen und unangemessen benehmen, die Tür zu weisen. (Sehr richtig!) Sich öffentlich Grobheiten sagen zu lasten, das braucht sich weder die preußische Verwaltung gefallen zu lassen noch die preußische Polizei. (Sehr tintig!) DaS brauche ich mir auch nicht gefallen zu lasten. (Sehr richttgl) Ich möchte aber bei diesem Anlaß au chdie Bemerkung deS Herrn Bebel über den verewigten Fürsten Bismarck zurückweifen. Herr Bebel hat gemeint, daß die Aktenstücke, die ich neulich verlesen habe aus der Feder des Fürsten Bismarck das Andenken beS verewigten Fürsten kompromittiert hätten. (Sehr richtig bei den Soz.) Ich glaube im Gegenteil, und die Mehrhett dieses Hauses und die Mehrhett im Lande wird das mit mir glauben, daß dieses Attenstück nur beweist, mit welchem Ernst und wie unermüdlich auch am Abend seines Lebens der Fürst Bismarck sorgte für den Frieden und für die Sicherheit des Reiches, dessen Enfftehung in erster Linie seinem Genie zu danken ist. "(Beifall.! Ueber die o st asiatische Frage hat Herr Bebel mtt einer gewißen Feierlichkeit erklärt, eS dürfte in keiner Weise in dem jetzt stattfindenden Srieg in Ostafien Partei ergriffen werden für einen der beiden Kämpfenden. Mit Vergnügen fonftaüere ich, daß das ganz mit dem übereinstimmt, was ich vor einigen Tagen gesagt habe. Aber mit viel weniger Vergnügen konstattere ich, daß damit garnidjt stimmt die Sprache der sozialdemokrattschen Preffe, die in der gehässigsten, leidenschaftlichsten Weise gegen Rußland Partei nimmt (Sehr wahr!!, die unermüdlich bestrebt fft, unS mtt Rußland zu verfeinden. Das steht im Wrderfpruch mtt der Neu- ttalität, welche die Regierung beobachtet, weil sie den Jntereffe« deS Landes entspricht, und bei dieser Gelegenheit muß ich auch wieder darauf aufmerffam machen, wie häufig eS vorkommt, daß gerade die deuffche Sozialdemokratte in auswärtigen Fragen eine unkluge ober unpatriotische Haltung einnimmt, im Gegensatz zu ihren auslänbischen GesinnungSgenosten. Währenb bei unS die sozialdemokratische Presse in allen Tonarten gegen Rußland tobt, hält sich die ftanzösische Sozialdemokratie sehr viel reservierter und sehr viel vorsichttger, und als vor einigen Tagen der französische Ministerpreffrbent Herr Combes einem Bankett beiwohnte, ba8 'hm von französischen Radikalen und Sozialisten in Lyon gegeben wurde, da wurde seine Bemerkung, daß ganz Frankreich mit Rußland sympathisiere, von den anwesenden Radikalen und Sozialisten mit Beifall und Jubel aufgenommen. Herr Bebel hat auch gemeint, wir machten unS einer Verletzung der Neutralität schuldig, und zwar in zweierlei Weffe, einmal durch unser Eintreten für die Neutralisierung von China. Wenn er bei dieser Gelegenheit von einer Vergewalttgung Chinas gesprochen hat, so habe ich das niemals gehört, daß jemand vergewalttgt wird, der um etwas bittet, der etwas wünscht und eS dann erhält. Die Neutralisierung Chinas enffprach durchaus dem Wunsche deS chinesischen HofeS und der chine ischen Regierung, und noch weniger lag barm irgenb eine Verletzung von Japan, beim bie japanische Regierung hat sich beeilt, dem Beschluß der Mächte über die Neutralisierung von China beizutreten. Ich möchte also auch nach dieser Richtung Herrn Bebel bitten, nur nicht japanischer zu sein, als die Japaner selbst. (Hetterkett.) Herr Bebel hat auch von dem Verkaufe deutscher Schiffe an ausländische Firmen gesprochen. Nach der bisherigen Völkerrechtspraxis sind berartige Verkäufe inländischer Schiffe an ausländische Firmen zulässig. Jedenfalls ist die Frage sehr zweifelhaft, und ich bin in der Lage, mich auf eine Stimme aus Ihren Reihen (zu den Soz.) berufen zu können. Der „Vorwärts", der doch wohl noch immer bis zu einem gewissen Grade sozialistisch-offiziös, Bebel-offiziöS fft, schreibt: „Die Beurteilung der Verkäufe unter dem Gesichtspunkte der Neuttalttät ist nicht ganz zweifellos" — das ist für mich sehr beruhigend —. »Der moderne Grundsatz der Neuttalttät verbietet neutralen Staaten schlechter- bmgS jede direkte ober indirekte Unterstützung einer kriegführenden Macht." Hierher gehören insbesondere Lieferungen von KriegS- fdnffen und Schiffen zum TruppenttanSport. Es ist klar, baß eS NN oer den Kaufen der russischen Firmen um TruppenttanSport- bampfer handelt. Nur ist es eben nicht der Staat, sondern eine private Firma, von der die Schiffe verkauft wurden. Dementsprechend sind auch während des spanisch-amerikanischen Krieges die Schnelldampfer „Normannia" und „Columbia" von der Hamburg- Amerika-Lime an eine englische Schiffsmaklerfirma in London verbaust worden, von der sie in den Besitz der Compana Transatlantica in Barcelona übergingen. Von einer Parteinahme gegen Japan kann nach dieser (Richtung schon deshalb nicht die Rede sein, weil eS ja den Japanern fteisteht, auch bei uns Schiffe zu laufen. WaS die Kruppschen Waffenverkäufe während deZ südaftikanischen Krieges angeht, so haben wtt eben die strengere Auffassung, die ich damals zur Geltung brachte, nicht auftecht erhalten können, weil von allen andern Staaten auch Waffenverkäufe vorgenommen wurden. Herr Bebel hat auch von einer Isolierung Deutschlands gesprochen. Er scheint zu befürchten, daß wir einer voll- ftänbigung Isolierung entgegengehen. Darauf erwidere ich ihm, daß wir mtt zwei großen Mächten in einem sicheren Bundesverhältnis stehen, mit 6 anderen Mächten stehen wir in fteundschaft- lichen Beziehungen, während unser Verhältnis zu Frantteich ein ruhiges und friedliches ist und, soweit eS von unS abhängt, auch bleiben wird. Im übrigen, meine Herren, glaube ich, daß wir unS vor der Isolierung garnicht so sehr zu fürchten brauchen. (Lebhafte Zustimmung.) Deuffchland fft zu stark, um nicht bündniS- fäbig zu fein. (Beifall!) Für uns sind mancherlei Kombinationen möalich, und wenn wtt nur unser Schwert icfcsrf batten, so brauchen kennen gelernt und zwar von einer Seite, die wir niemals für eines möglich gehalten hätten. Wir haben ihn für einen modernen Mann gehalten und haben geglaubt, daß er während seines langen Aufenthalts im Auslände etwas gelernt habe. Dieses scheint der Herr Gras Bülow aber alles vergessen zu haben. Er hat sich wieder zuruckakklimatisieri tn den Geist des preußischen Junkertums. (®rofee Heiterkeit.) Wie steht es eigentlich nut Dem Prozeß in Königsberg? Ich glaube, die Herren Dort sind in großer Verlegenheit und wissen überhaupt nicht, was sie mit diesem Prozeß anfangen sollen. Wenn ich mein Urteil zusammenfasse, so kann ich nur sagen, daß die Angelegenheit der russischen Sttidenten Vorgänge gezeitigt hat, wie )ie nie und nimmermehr in einem Kultur- ich fcstgehalten , w . auch weiter fefthalten. Es handelt sich hier um ein Recht der Exekutive, auf das in einem monarchischen Staat keine Regierung verzichten kann. Gelangen wir ohne Kündigung der alten Verträge zu neuen Verträgen — desto besser für alle Beteiligten, nehmen die Vertragsverhandlungen nicht den von uns erwarteten und gewünschten Verlauf, so werden wir ohne Schwäche von unserem Kündigungsrecht Gebrauch machen. (Zuruf rechts: Wann?) Das kann ich nicht sagen. (Heiterkeit.) Was die Brüsseler Zuckerkonvention anlangt, (o glaube ich, wird von allen Seiten anerkannt werden, daß wir uns in einem gewissen Hebergangsstadium befinden, wo sich ein volles Urteil über die Konvention noch nicht gewinnen läßt. Wie weit schon heute dies möglich ist, darüber wird der Staatssekretär des Reichsschatzamts Ihnen jede wünschenswerte Aufklärung bei der Lesung des Zolletats geben. Ich möchte nochmals feststellen, daß unser Beitritt zur Brüsseler Konvention nicht hervorgcgangen ist aus irgend welcher Nachgiebigkeit gegen das Ausland, sondern aus der reiflichsten Erwägung deutscher Interessen, aus der gewissenhaften Prüfung namentlich der Interessen der Landwirtschaft, und ich muß auch meinerseits die gegen unsere Unterhändler in Brüssel gerichteten Angriffe als ungerechtfertigt zurückweisen. Wir wissen alle, daß sich unsere Unterhändler in Brüssel in einer schwierigen Lage befanden zwischen der Entwicklung unserer heimischen Industrie auf her einen Seite und der Haltung der anderen Staaten auf der anderen Seite. In dieser schwierigen Lage haben die Unterhändler getan, was ihnen möglich war, um für uns möglichst günstige Bedingungen zu erlangen. Ich halte die gegen sie erhobenen Bedenken nicht für gerechtfertigt. Ad vocem Unterhäiidler möchte ich mich bei diesem Anlaß auch gegen eine gestrige Bemerkung des Herrn Gothein wenden. Er sagte, wenn unsere Unterhändler mit den Minimalzöllen neue Handelsverträge zu stände bringen, so würden sie, wie er sich ausdrückte, Hebermenschen sein. Ich glaube nicht, daß es nützlich ist, so etwas öffentlich vor ben Ohren des Auslandes zu sagen. (Sehr richtigIj Deshalb trete ich aufs bestimmteste und entschieoenste dieser Bemerkung entgegen. Gewiß, cs ist keine ganz leichte Aufgabe, die unseren Unterhändlern übertragen worden ist. Gewiß haben die verbündeten Regierungen eine ernste Aufgabe auf sich genommen, als sie mit festgelegtcn Gctreidczöllcn in Vertragsverhandlungcn eingetreten sind. Sie find aber vollständig überzeugt, daß sich mit diesen Minimalzöllen sehr wohl Handelsverträge erreichen lassen, daß diese Minimalzölle in keiner Werse ein Hindernis für Handelsverträge sind, daß sich auf der Basis dieser Minimalzolle mit allen Staaten, mit denen wir in Unterhandlungen stehen, sehr wohl für beide Teile befriedigende Handelsverträge erreichen lasten. Ich komme kurz zu den Ausführungen des Abg. D r. Rickl i nl In seinem Streit mit dem Abg. Blumenthal werde ich^-mich nicht einmischen, aus dem Grunde, weil ich mich überhaupt nicht gern in Konflikte mische, die mich nichts angehen, und aus dem Grunde, weil ich es nicht mit jemand verderben möchte, der, wie der Abg. Gothein sagte, vielleicht einmal mein Nachfolger wird. (Große Heiterkeit.) Ich werde nun auf das cingehen, waS Herr 9hdtlin über die Beschlüste des LandeSausschusteS von Elsaß- Lothringcn auSgesuhrt hat. Diese Beschlüste bewegen sich in dreifacher Richtung. Sie verlangen einmal Ausgestaltung des Reichstages als gesetzgebenden Faktor für Elsatz-Lothringen, sie fordern Vertretung im Bundesrat bei Beratung von elsaß-lothringischen Angelegenheiten, und sie wünschen endlich die Zuteilung der Stelling und des Namens eines Landtages an den Lande Sausschutz. wir unS vor dem Alleinsein garnicht so sehr zu fürchten. (Beifall.) Also in dieser Beziehung: Bangemachen gilt nicht! Ich will Akt nehmen von der Erklärung, die Herr Bebel nun zum zweiten Mal hier abgegeben hat, daß er und seine Freunde dafür einstehen würden, daß kein Fußbreit deutschen Bodens vom Reich abgeristen würde. Ich hoffe, daß diese Erklärung sich auf das ganze Reichsgebiet im Westen, Osten und Norden bezieht. Es würde mir lieb sein, wenn Herr Bebel seinen Einfluß, der wahrscheinlich recht groß sein wird, auf seine fremden Gesinnungsgenossen auch anwenden würde, um sie aufzuhaltcn, an den deutschen Grenzen zu rütteln. Noch lieber würde ich es sehen, wenn er aus dieser Erklärung seine Konsequenzen zöge in seiner Stellung zu Heer- und Flottenforderungen. (Sehr gut! rechts. Abg. Bebel ruft: Nein! Heiterkeit.) Herr Bebel wird mir selbst zugeben, daß, wenn wir infolge mangelhafter Rüstungen erst vom Auslande besiegt werden, es uns nichts mehr hilft, wenn selbst der Herr Abgeordnete Bebel den Kubfuß auf die Schulter nimmt. Es kommt darauf an, daß wir so stark sind, daß sich niemand ungestraft an uns reiben lomu (Sehr richtig!) Ich möchte jetzt einiges sagen, was ich gestern nicht mehr gesagt habe, weil ich in vorgerückter Stunde die Geduld des hohen Hauses nicht noch in Anspruch nehmen wollte. Herr von Kardorff, dem ich aufrichtig dankbar bin für seine wohlwollende Beurteilung unserer auswärtigen Politik, hat von dunklen Mächten gesprochen, welche die Interessen der Landwirtschaft nachteilig beeinflußten. Daß es offene Gegner der Landwirtschaft gibt, wisten wir. Die okulten Machenschaften sind mir aber nicht bekannt, und jedenfalls haben sie auf mein amtliches Verhalten keinerlei Einfluß. Wie man mir den Vorwurf machen kann, daß ich es fehlen ließe an der nötigen Rücksichtnahme, Fürsorge und dem nötigen Entgegenkommen für die Landwirtschaft, verstehe ich nicht. Im Kampfe mit einem großen Teile dieses HauseS, nn Kampfe mit großen Parteien, im Kampfe mit einem großen Teil der öffentlichen Meinung und starken Strömungen habe ich einen landwirtschaftsfteundlichen Tarif vorgelegt und durchgeführt und mit diesem Handelsvertragsverhandlungen begonnen. Ich bin in diese Verhandlungen eingetreten mit dem festen Dorsatze, unseren neuen Handelsverträgen einen so landwirtschaftsfreundlichen Zuschnitt wie möglich zu geben. Das ist der erste Punkt der Instruktion, die ich unseren Unterhändlern mitgegr'jcn habe, und daran machen auch die Angriffe nicht irre, die gcf rn Herr Gothein gegen mich gerichtet hat, in denen er mir vorw« f, daß ich die Interessen der Industrie und des Handels wenig - pflege als die der Landwirffchaft. Ich bin überzeugt, daß diese meine Haltung eine richtige ist, nicht nur weil ich glaube, daß darin für die Landwirtschaft gesorgt wird, auch Industrie und Handel dabei gut fahren, sondern in voller Würdigung der schweren und harten Zetten, die die Landwirtschaft durchgemacht hat und in vielen Teilen unseres Vaterlandes heute noch durchmacht (Sehr wahr! rechts), in voller Würdigung auch nicht nur der wirffchaft- lichen, sondern auch der sozialpolitischen Bedeutung der Landwirtschaft, ihrer Wichtigkeit für die Kraft und die Schlagfertigkeit oes deutschen Volkes und für unsere monarchischen Institutionen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf einen Widerspruch aufmerksam machen. Wenn ich zu solchen Anfragen und Jnterpcllafionen schweige, dann heißt cs, warum ich Die facultas dicendi, die der Herr v. Hehdcbrandt mir so liebenswürdig zugesprochen hat, nicht benütze zu einem tröstenden und auftichtendcn Wort? Wenn ich mich aber im Interesse der Landwirtschaft aussprcche, so heißt es, warum ich e§ tue. Sie werden mir zugeben, daß es mir nicht leicht ist, aus diesem Dilemma hcrauszukommen. lieber den Stand der Handelsvertragsverhandlungen hat der Staatssekretär des Aeußern gestern Auskunft gegeben. Diese Auskunft hat den Grafen Reventlow nicht befriedigt. Ich möchte aber doch darauf aufmerksam machen, daß in keinem Parlament der Welt über schwebende lluterhandlungen Minister eingehend Auskunft zu geben in der Lage sind, und daß in vielen Parlamenten solche Anfragen über schwebende Verhandlungen überhaupt nicht gestellt werden. Was aber die Kündigung der Handelsverträge ängcht, so muß ich sagen: wir stehen m sehr schwierigen, in sehr verwickelten Handelsvertragsverhandlungen, die unser handelspolitisches Verhältnis zu unseren Nachbarn und der ganzen Welt neu regeln sollen. Die Verantwortung für den Fortgang, für den Ausgang dieser Verhandlungen trägt lediglich die Regierung. Da muß auch die Regierung bestimmen, wann ihr der Zeitpunkt gekommen zu sein scheint, Handelsverträge zu kündigen, und diesen Standpunkt habe ich festgchalten während der ganzen Zolltarifaktwn, daran muß ich Die Ausführung dieser Beschlüffe würde also einen tiefen Eingriff in die staatsrechtliche Stellung von Elsaß-Lothringen in sich schließen, die mit dieser staatsrechtlichen Stellung Zusammenhängen, und sind an und für sich schwierig und verwickelter Natur. Ich meine, es kann meines Erachtens nur allmählich erfolgen, nur Hand in Hand mit der Festigung des ReichSgeoankens. Nun hat .Herr Ricklin zu meiner Befriedigung hervorgehoben, daß der Reichsgedanke in Elsaß-Lothringen Fortschritte gemacht hat. Er wird aber wohl nicht erwarten, daß ich ohne weiteres zu seinen Vorschlägen Stellung nehmen soll. Seinen Forderungen stehen gewichtige Bedenken im Wege, Bedenken politischer und verwaltungstechnischer Natur. Sie bedürfen einer eingehenden Prüfung. Es kommi dazu, daß die Ansichten über die Zweckmäßigkeit der Maßnahmen, die eine Aendcrung der verfassungsmäßigen Stellung von Elsaß-Lothringen nach sich ziehen würden, auch im elsässichen Landesausschuste meines Mistens so geteilt sind, daß es nicht gewiß I ist, ob die Forderungen des Landcsausschustes dem einmütigen i Wunsche der Bevölkerung von Elsaß-Lothringen entsprechen. Was den dritten Punkt angeht, so möchte ich darauf aufmerksam machen, I daß mit Ausnahme des Jnterpellationsrechts dem Landesausschuß I von Elsaß-Lothringen schon jetzt alle Befugnisse zustehen, die ein | Landtag hat. Heber diese Frage, die eine innere elsaß-lothrigische , Frage ist, werden wir uns vielleicht mit Leichtigkeit verständigen । können. Ich weise aber weiter darauf bin, daß in der Verfassung von Elsaß-Lothringen sich feit der Wiedetvereinigung Elsah- Lothringens mit dem Reich eine große Anzahl von Aenoeriingcn vollzogen haben, die unseren Landsleuten dorl den Beweis liefern könnten und sollten, daß die Reichsrcgiernng immer bereit ist, ihren Wünschen entgegenzukornrnen, soweit sic berechtigt und durchführbar sind. Ich erinnere in dieser Beziehung nur an die Aufhebung des Tiktaturparagraphen vor zwei Jahren. Damals habe ich hier erklärt, daß für mich hinsichtlich der Stellung von Elsaß-Lothringen zum Reich hinsichtlich der weiteren Entwickelung von Elsaß- Lothringen zwei Gesichtspunkte maßgebend seien, einmal die Fürsorge für die Sicherheit deS Reiches in Bezug aus die europäische Gesamtlage und auf den eirrobmfd’en Frieden, und dann die Haltung der elsaß-lothringischen Bevölkerung gegenüber dem Deuffchen Reich, das Tempo ihrer Verschmelzimg mit dem Deutschen Reich. An dieser Auffassung halte ich auch beute fest und von diesen beiden Gesichtspunkten aus werde ich die Frage prüfen, ob der Zeitpunkt schon gekommen ist, den Forderungen des elsaß-lothringischen Lan- desauSschustes nähertreten zu können. Herr Graf von Reventlow hat gestern gemeint, daß das englisch-französische Abkommen und speziell derjenige Teil, der sich auf Marokko bezieht, in Deutschland mit Beschämung und Niedergeschlagenheit ausgenommen worden wäre. Er meinte, wir dürften nicht dulden, daß sich andere Mächte an der Nordküstc von Aftika größeren Einfluß sicherten, als wir. Das kann nur soviel heißen, als daß wir selbst ein Stück von Marokko fordern sollen. Ich möchte an den Herrn Grafen Reventlow eine einfache Frage richten: er ist mit mir der Ansicht, daß, wenn ein so großes Reich, wie das Deutsche Reich, eine Forderung stellt, c5 diese Forderung auch durchsetzen muß, coüte que coüte. Was würde er mir nun raten und Vorschlägen zu tun, wenn eine solche Forderung auf Widerstand stieße. Ich sage nicht, daß es sicher ist, daß sie auf Widerstand stößt, ich sage, daß es wahrscheinlich ist, ich sage nur, daß man eine solche Eventualität doch jedenfalls ins Auge fassen muß. Würde er mir dann den Rat geben, daß ich vorn Leder ziehen soll? Herr Graf Reventlow schweigt und ich verstehe das sehr wohl. (Heiterkeit.j Zu meiner großen Befriedigung haben die Führer aller Parteien, mit Ausnahme der Partei des Grafen Reventlow, sich dagegen ausgesprochen, daß wir iins ohne Not in irgendwelche Abenteuer stürzen sollten. Ich glaube, wenn ich das täte, würde Graf Reventlow, bei dem mir die kritische Ader stark ausgebildet zu sein scheint (Heiterkeit), mit derselben Lebhaftigkeit mir diese Taktik vorwerfen, mit der er jetzt meine Taktik getadelt hat. Ich glaube, daß gerade jetzt, wo im fernen Osten ein Krieg entbrannt ist, besten Rückwirkung noch unberechenbar ist (sehr wahr!l, daß gerade jetzt, wo im näheren Orient noch vieles ungeklärt ist, für uns eine Politik besonnener Ruhe und selbst der Reserve die den Interessen des Reiches nützlichste ist, und ich werde mir weder vom Auslande noch von übelwollenden oder ungeduldigen Kritikern im Jnlandc den Zeitpunkt vorschreiben lasten, wo wir aus unserer jetzigen Reserve hervortreten. Gras Reventlow hat auch weiter das Sprichwort zitiert: „Duobus litigantibus tertius gaudet I" Ich will es dahingestellt lassen, ob dieses Sprichwort immer zutrifft, und ob, wenn zwei aufhören, sich zu streiten, der dritte oder vierte immer tristis sein muß. Tas aber mochte ich doch Herrn Grafen Reventlow sagen, der mir ja entschieden Neigung zur Diplomatie zu haben scheint (Heiterkeit) — die Familie Reventlow hat ausgezeichnete Diplomaten hervorgebracht — daß, wenn man Reibungsflächen Hervorrufen will, man daS nicht über alle Dächer schreien muß, daß man nicht diesen Ral laut der Regierung geben muß. Friedrich der Große hat vielleicht hier und da einmal macchiavcllisfische Politik getrieben, aber er hat vorher den Antimacchiavcll geschrieben! (Heiterkeit.) Jedenfalls ist das Aufhören einer Reibungsfläche mit England und Frankreich durchaus nicht in Widerspruch mit unseren wohlverstandenen Interessen. Graf Reventlow hat zu meinem Bedauern auch außerordentlich scharfe-Angriffe gerichtet gegen unsere Vertreter im Auslande und namentlich gegen unsere konsularischen Vertreter. Ich bin immer der Ansicht gewesen, feit ich vor dreißig Jahren in den diplomatischen Dienst eingetreten bin, daß jeder Beamte im i Auslande vom Vizekonsul und vom Konsularagenten bis zum Ge- sandten und Botschafter in erster Linie dazu da ist, um für jede be- 1 reefrtigte deutsche Klage ein offenes Ohr und für jeden berechtigten 1 Anspruch eine tätige Hand zu haben. Ich bin kein Chauvinist in fremdländischem Sinne des Wortes. Ich dulde deshalb bei meinen । Unterhändlern kein unnützes Sporenklirren, aber allerdings sollen unsere Vertreter im Auslande, wenn sie Vertragsrechte, Völkerrechte 1 unter ihren Füßen haben, das Eigentum und die Interessen unserer deutschen Landsleute mit dem größten Nachdruck schützen. Das ent- 1 spricht den Traditionen, die seit langem in unserem auswärtigen ! Amt maßgebend sind, das enffpricht dem Geist der Instruktionen, ! die seit langem ergangen sind an unsere Vertreter im Auslande. Aber gerade deshalb, weil ich weiß, daß diese Instruktionen maß- । gebend sind für die sehr große Mehrheit unserer Vertretung im Auslande, darum muß ich diese pflichttreuen, arbcitstreuen und gewistenhaften Leute, die ich selbst oft an der Arbeit gesehen habe, in Schutz nehmen gegen Vorwürfe, wie sie Graf Reventlow geftem gegen sic erhoben hat. In jeder Herde wird einmal ein räudiges Schaf Vorkommen. Wenn Sie irgend einem meiner Untergebenen irgend welche Pflicht - \ Widrigkeit nachweisen können, namentlich Mangel an dem, waS ich von unseren Vertretern in allererster Linie verlange, nämlich stramm nationale Gesinnung — der fliegt hinaus. Da können Sie ganz ruhig fein. Aber ohne Beweis, auf vage Anschuldigungen hin gebe ich meine Untergebenen nicht preis. Wie einseitig übrigens in der Beziehung die Auffastung des Grafen Reventlow war, geht schon aus dem hervor, was er über deutsche Konsuln sagte, die der deutschen Sprache nicht mächtig wären. Wenn er eine Reise um die Welt antreten wollte — ich sage nicht, daß ich ihn dazu auf- fordcrc, ich freue mich, ihn hier zu sehen (Heiterkeit), aber eine solche Reise ist ja für jeden nützlich —, so würde er sich davon überzeugen, daß eS eine Menge französischer, englischer, spanischer, russischer Konsuln gibt, die der spanischen, russischen, englischen, italienischen Sprache nicht mächtig sind. Das kommt einfach daher, daß an einem Ort, wo wir keine Berufskonsuln haben und wo sich unter den eingesessenen Deuffchen keine geeigneten Elemente für Wahlkonsuln finden, wir da? Wahlkonsulat demjenigen einheimischen Kaufmann übertragen, der uns die beste Garantie dafür bietet, daß er die Interessen unserer Landsleute fördern und wahrnehmen wird. Auf die übrigen vom Grafen Reventlow vorgebrachtcn Fragen wird der Staatssekretär des Acußern und der Kolonialdirettor bei ihren betreffenden Etats eingehen. Ich komme noch einmal zurück auf die m den letzten Tagen so viel erörterte Frage der A u f h e k> u n g d e s § 2 deS gcseheS und ich möchte zunächst feststellen, wie schwierig eSift ’ bei aller Vorsicht hier so zu sprechen, daß man nicht imfeömM1' wird. Graf Reventlow meinte, ich hätte gesagt, ich mit dem Zentrum. Aehnliche Andeutungen Hal .Herr ©otbeir m? macht, und dieser Meinuno schien mir auch Herr Bebel (Aba I. fällt mir garnicht ein!) zuzuneigen. Ta nehme ich da- gern zurück. Was habe ich denn in Wirklichkeit gesagt? 'i* an ein verehrtes Mitglied dieses hohen Hauses, an Herrn die Frage gerichtet, ob es möglich wäre, daß ich die Geschäfts Reiches in verfassungsmäßiger und ersprießlicher Weise führte ' jede Rücksicht auf die stärkste Partei in diesem Hause Fch mich ebensowenig dem Zentrum mit Haut und Haaren beritfrri bcn, wie Herr Spahn gesagt hat, daS Zentrum wäre eine E rungspartei sans phrase geworden. Es gibt eine Reib, Fragen, wo ich anderer Ansicht bin, wie die Herren vom flenmtr cs gibt aber auch Fragen, wo ich mit den Herren vom Zenw^' zusammengehen kann. So geht eS mir mit allen Parteien d. in diesem Hause auf dem Boden der Verfassung ’ nr- bet bestehenden Ordnung der Tinge stehen. Herr Evahn hat gestern mit einem Seitenblick auf Herrn Sattler gesagt >ai, ■■ ihm zuviel mit den National-Liberalen kokettiere. (Heiterkeit) “■ meine Herren, machen liebenswürdige junge Tarnen dem &utn4 möchte mit der Gegenfrage antworten, welche Artikel bergen fassung, welches verfassungsmäßige Recht durch mein Vergehen verletzt worden ist. Ich glaube aber, ich kann einfach sagen, mar Verfahren würde doch nur bann in Widerspruch stehen__yj nicht, mit dem Buchstaben, aber mit dem Geist der Reichsveffass^ wenn ich entweder den Bundesrat überrumpelt hätte ober trer-, dieser heutige Reichstag zu der Frage der Aushebung deS $ anders stände als seine Vorgänger. Wie kann aber von einer Uebcrrumpelung oder einer Ueberraschung die Rede sein, iwr* ich vor 13 Monaten von dieser Stelle klar und deutlich vor *•*- sammeltem Kricgsvolk erklärt habe, daß ich die Beieitigmig bic § 2 für möglich und nützlich halte. WaS aber die Stellung ta heutigen Reichstages zur Frage der Beseitigung des § 2 ength so könnte man ja leicht die Gegenprobe anstellen, indem "von irgtrk einer Seite ein Antrag cingcbracht würde auf UBicbrrbcrftcHun; deS § 2. (Heiterkeit.) Dann würde sich ja zeigen, ob in diese: Beziehung der gegenwärtige Reichstag eine ander Stellung ein, nimmt, als fein Vorgänger. Im übrigen kommt eö m. (E. boj weniger darauf an, ob der Zeitpunkt für die Aushebung de- - J und ob die Modalität in diesem oder jenem Detail riebtig imt. sondern ob die Aushebung grundsätzlich richtig war und ob iic m Gebot der Staatsraison und der Gerechtigkeit war. Herr Spahn hat gestern gemeint, es hätte es ihm foeljt geta, daß ich für die Aushebung des § 2 nur Gründe der ®tom?ratfcn ins Feld geführt hätte und nicht auch Gründe der Gerechtigkeit pfür mich waren natürlich die Gründe der StaatSraison in erster Lime bestimmend, aber in diesem Falle widersprechen sich nach meiner Heberzeugung die Staatsraison und die Gerechtigkeit nick, ite übrigen habe ich von den Rednern, die sich gestern hier üb« die 8n und Weise unseres Vorgehens in der Frage des § 2 krbrrad haben, kein einziges sachliches Argument gegen die Beseitigmy M Paragraphen gehört. (Sehr richtig I) Daß die Aushebung nu?li«6 und richtig war, war die Ansicht der Mehrheit dieses Hauses mb der Regierungen, und nun möchte ich nur noch Herrn von Heobe. brandt danken für die Mahnung, die er gestern an untere etongtli« scheu Glaubensgenossen im Lande gerichtet hat, daß fit mchr *im6 eine, wie ich wohl weiß, tiefgehende, aber nach meiner immtci Heberzeugung nicht berechtigte Erregung über die PeWtftm? W § 2 sich zu einer Haltung drängen lasten, von der ich frn ulxurjgi bin, daß sic die Jnteresten beider Konfessionen, bit jirttti-’-r bH Landes schädigen wird. Keine Konfession hat ein ftnuu’i' die konfessionelle Streitaxt auSzugraben. Daran hat auch tarn Partei ein Interesse, wenigstens jedenfalls keine Parm, bit 3ii dem Boden der gegenwärtigen Ordnung der Dinge steht. Hen Sebe! hat eben davon gesprochen, daß gegen uns im Ausland«: kk end Abneigung, Feindschaft, Haß vorhanden wäre. Ich will bti mto bestreiten; ich will auch jetzt nicht untersuchen, worauf bit? zuführen ist. Ich weiß sehr wohl, daß es zum grotzm itiit Neid und Eifersucht beruht, daß Neid süßer ist als Rüleib. jedenfalls liegt darin eine Aufforderung für uns, die Rti^r. a schließen. Ich bin überzeugt, daß die Mehrheit dieses hohen Hmntf mit mir einverstanden sein wird, daß wir in dieser Zeit, wo m«m« ernsten Symptome am Horizonte unserer inneren und auch mnera auswärtigen Politik stehen, den konfessionellen Hader vennnM müssen (Bestall), der uns im Innern und nach außen schwaia würde. (Beifall.) Mg. Dr. Hieber (nl.): So lange die Soüaldeniokrattn in nationalen Fragen ihre Stellung ändern, sind alle ihre über die auswärtige Politik nichts wert. Ich habe einige W« vorzubringen über ungenügende Enffchädiyung der in Samoa. Die Wirren in Samoa sind schon 5 M her und noch nicht sind alle Entschädigungsau rr erfüllt. Das, waS der Reichskanzler über die gesagt hat, kann ich nur unterschreiben. Die Anarisic de? Spahn gegen meine Partei waren nicht geretfmemgt. unS befinden sich nur wenige, die den Kulwrkamps mag haben. Die Erhaltung des konfessionellen FnedenS bauen >v eine Notwendigkeit, und niemals werden wir und dazu oe die konfessionellen Streifigkeiten auf politischem Gebiete au. Die Verquickung von Polifik und Religion ist eben, was wi rnontanisinus nennen, und den werden wir stets bekamps haben aber stets Katholizismus und Ultromonüinidmuv schieden. Herr Spahn sagte gestern, jeder Kath nicht dem Zentrum angehöre, schädige seine snrae. das ist es ja, WaS wir bekämpfen, denn daS M .. Quittung von Religion und Polifik. Herr Spahn bat Worten den Stab über so viele Karholiken gem****' JLj Dr. Sattler hat aber mit keinem Worte etwas gew- ® Denkende verletzen könnte. Hnd wenn der Abg. Spaon _ feinem Angriff gegen Dr. Sattler einen Keil in bie eöa«flww treiben zu können, so irrt er sich. Die Evangelischen a • Staaten lehnen die Mithilfe deS Zentrums! danken- Minister, der im Abgeordnetenhause sagte: ffla« » xa» Geschreie? verkennt vollständig die ganze Beweg u war kein Geschrei, daS war nur eine ' Regung der nationalen Protestanfischen Bevölkerung. ß3t sich hier nicht um die Angst vor den Jesmttn. & nicht in Frage. Ich wußte wirklich nickst, was em P den Jesuiten für Angst haben sollte. (Sehr nchügP nfJ Wir haben keine Angst. Im Gegenteih mem © Nur herein mit der ganzen Jesuitengesellschali war Sache deS ProtestanfisrnuS nur förderlich fein. X£ waS jene Mißstimmung hervorrief. ES war diese Aufhebung ein Symptom für nnl^c,. ..# @fltb o» Lage darstelle, ein Glied in einer Kette, in btt »orgegaog^ Glied gefügt ist. (Sehr richfig!) .Die ganze Att, jrba ist, war so unglücklich gewählt, wie nur mogliw- Lcirr ct zugeben, mit Ausnahme oeS Zentrums, auf meiden, auch stehen mag. Der Eindruck mufete tnc ... s* daß es sich hier — Sie mögen den cfnt wollen — um ein Handelsgeschäft, eine Konzerns . Lwü rebung handle. Die ersten Organe der evange ',t Krieg zwischen Japan und Pußtand. Neber die Vorgänge bei Port Arthur Berlin, 14. April. Die freisinnige Volks- Partei mit der deutschen Volksparter stellten gern einfam zu Titel „Reichskanzler" den Antrag, der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage alsbald den Gesetzentwurf vorzulegen, der die Reichsverfassung dahin ergänzt, daß die zu einem Reichsgesetze erforderliche Uebereinstimmung der Mehrheitsbeschlüsse des Reichstages und des Bundesrates im Laufe derselben Legislaturperiode herbeizuführen ist. — Der Gesetzentwurf feetr. die Erweiterung unb Der» gung des Staatsbahnnetzes unb bie Se- bahnvorlage ging bent preuß. Abgeordneten- , a» 13 b. M. telegraphiert ber Korrespondent der „Times" i rm) Siwotschka, bes Dr. Wolkowitsch unb einiger Matrosen. T bc n am 13. auf eine nächtliche Expedition ausgesandten 1 7..-'inobooten wurde das Torpedoboot „Beßtrasch- ni-: das infolge schlechten Wetters sich von der Abteilung g :e tom.it hatte, von feindlichen Torpedobooten umzingelt u in gitn g im Kampfe mit ihnen unter. Fünf DMinm (nur) wurden gerettet. Nach dem Untergang o ökdcmzerschiffes „Petropawlowsk" übernahm ich das Amt d w&onimanbtercnben ber Flotte zeitweilig in B38itt:: e t u n g. Beim Manövrieren des Geschwaders erhielt d- w . n z e r s ch i f f „P o b e d a" durch eine Mine eine Be - s oiibiigung in der Mitte der rechten Seite. Das Panzer- sc W l ief ohne Hilfe in den Hafen ein. Niemand ist tot oi M verwundet. tisch, daß zum Namfolger Makarows der Kommandant der Schwarzen Meerflotte, Skrydlow, ernannt wurde. Der russische General Batianow, Mitglied des obersten Kriegsrates, erklärte in einem Interview, um den Verlust des Petropawlowsk auszuwetzen, müssen wir die Abfahrt des baltischen Geschwaders beschleunigen und es so stark wie möglich machen. — Die Nachricht wurde in Petersburg zuerst durch ein Telegramm bekannt, welches dem Großfürsten Wladimir von seinem Sohne Boris zugegangen ist. In demselben teilte Boris mit, daß er seinen Bruder Cyrill, welcher bei dem Ereignis verwundet worden fei, verpflege. — Man erwartet jeden Augenblick den Eingang von Nachrichten über ein neues Gefecht bei Port Arthur. In der Kathedrale zu Petersburg wurde am 14. d. M von der Admiralität ein Trauergottesdienst für Admiral Makarow, die Offiziere und Mannschaften, die an Bord des „Petropawlowsk" verunglückt sind, abgehalten. Der Feier wohnten der Kaiser, die Kaiserin-Mtwe, ber Großfürst-Thronfolger, die Großfürsten und die Großfürstinnen bei. Der Kaiser richtete an die Witwe Makarows huldvolle Beileidsworte. Nach aus Rom eingetroffenen Depeschen hat Kaiser Wilhelm an den Zaren gedrahtet: Russische Trauer sei deutsche Trauer und oer Tod Makarows sei ein Verlust für die Marinen der gan -- zenWelt.— Gleichzeitg versicherte Präsident L o u b e t den Kaiser von Rußland telegraphisch der lebhaften und aufrichtigen Anteilnahme, die Franueich für daS russische Volk und seine schwer getroffene Marine empfinde. Minister Delcasss gab dem russischen Botschafter Nelidow in Paris gegenüber ben gleichen Gefühlen Ausbruck. — Ferner zeichneten sich zahlreiche Persönlichkeiten, darunter ber Militär- gouberneur von Paris, General Dessirier, der frühere Kriegsminister Zurlinden, General Duchesne usw. auf ber russischen Botschaft ein. In Londoner Finanzkreisen verlautet, daß die Japaner ben jetzigen Erfolg bei Port Artchur zur Aufnahme einer Anleihe in London benutzen werden. Dieselbe war seinerzeit hinausgeschoben worden bis zu dem Zeitpunkt, wo die Japaner auf dem Kriegsschauplätze einen Erfolg erringen würden, um den englischen Kapitalisten mehr Vertrauen einzuflößen. Wie es heißt, werde bie Anleihe bereits am Montag aufgelegt werden. Admiral Makarow, ber ben Helbentob erlitten hat, war 1848 geboren. Er stand seit 1864 int russischen Militärdienst. Im russischtürkischen Kriege kommandierte er ben Dampfer „Großfürst Konstantin", der mehrere kühne Angriffe auf türkische Häfen aus führte. Im Jahre 1881 war er im Korps des Generals Skobelew im Feldzuge gegen die Achat-Turkmenen. Später in verschiedenen Stellungen wieder der Marine angehörig, zeichnete er sich besonders durch ^Einführung zahlreicher, von ihm selbst erfundener technischer Verbesserungen aus. In weiteren Kreisen wurde er durch die von ihm angegebene Konstruktion des 'Eisbrechers ,^Jermak" bekannt, mit dem er n. a. eine Winterexpedition nach dem Franz-Josefsland unternahm. Bon dem Posten eines Oberkornmandeurs des Kronstädter Hafens wurde MU- karow bald nach Beginn des gegenwärtigen Krieges als Nachfolger des Admirals Starck zum Befehlshaber der Flotte im Stillen Ozean ernannt. Die großen Erwartungen, die man in ihn setzte, hatte er, wie unsere Leser wissen, bereits zu erfüllen begonnen; das Geschwader von Port Arthur entwickelte feit seinem Eintreffen eine wett energischere Tätigkeit als zuvor. Ein russisches Meuteuer auf hoher See. Von einem kühnen Handstreich weiß ber Petersbürger Kvrrespondent der „Daily Mail" feinem Blatte zu berichten. „Sange Zeit hindurch", schreibt er, „hatte man angenommen, daß ber russische Küstenbarnpfer „Bett y" in die Hände ber Japaner gefallen sei, bis eines Tages aus Wladiwostok ein Telegramm kam, des Inhalts, daß der vermißte Dampfer sicher im Hafen läge. Auf der Reise dahin, schreibt der Kapitän, ein alter Seebär, hatte ba5 Schiff folgendes Abenteuer zu bestehen. Zwei Tage bevor die diplomatischen Beziehungen abgebrochen wurden, lag „Betty" im Hafen von Nagasaki. In der Nacht wurde ein Fluchtversuch gemacht, der damit endete, daß das Schiff von einem japanischen Kreuzer gekapert wurde. Zwei Offiziere und sechs Matrosen kamen an Bord und es wurde Befehl gegeben, daß das Schiff dem Kreuzer in ben Hafen folgen solle. Das Wetter war sehr stürmisch, unb schließlich stellte sich ein dichter Nebel ein, ber die beiden hintereinander herfahrenden Schiffe manchmal verhüllte. Aus diesem Umstande zog ber Kapitän Nutzen •ssgajV' LKW ■ Qtttiottai 'kj’foto! >-s’: TÄßI 'K'bL «njen tviff A1»® nid&t an,;. - w,' m v. fti < PUn3 be$ K 9 L- ^ir test rklart habe. w> halte. Da? : W btr Beseitigt? !C .Gegenprobe aMa,-.. emgcbrM würde ar^: dÄd- sich j8 ttge Reichstag eint S?« übrigen !e— ber Zeitpunkt für die in diesem oder jenem ig grundsätzlich richtig te- und der Gerechtigkeit % üern gemeint, es ng bes § 2 nur nd nicht auch Gründe ta fe e Gründe der Ctaatsray- n'em Kalle widerspreche-." k'raison und die Otr*.-- : Rednern, die sich geftrr - :oebens in der Frag? iübcs Argument gegen dö icbr ndrtigl) die b ie inftdn der Mehrheit li un möchte ich nur nat d- iabmmg, die er gestem c: im Lande gerickttt hat, !e •. ncigebrnde, aber reri chrigre Erregung über g drängen lassen, von bc en beider Konfessionen. Keine Konfession hat er m ausjugraben. Duc xmgftenS jedenfalls to rtigen Lrdnung der Ti? xn. daß gegen uns, in i Hatz vorhanden wäre. .■ jch nichr uniersuchen. K iebr wohl, daß eszr: uht, daß Reid M st«- ine Aufforderung tz » -eugi. daß die Rehrbw^- ein wird, daß vn m Horizonte unserer brn, den konfessiML > un§ im Innern unter. nL): So langt bie ihre Ladung aM.; ioliti! nichts >tntn m .1$ chi fmb 5 niemals und den wrrdm ikÄ der io irrt tyti- Milff c-ch Tokio melbete ber japanische Abmival Uriu in ei i>7 flarzen Depesche, baß bie Flotte des Abrnirals Togo ' "ch morgen Port Arthur angrifl unb ein russisches P schiss, Typ „Pettopawlowsr^, unb einen Tor- p mit äger zum Sinken brachte. Japanischer- ? < ü fein Verlust, außer einem Berwunbeten. Die N i:: cht bes Abmirals Togo von bem siebenten Angriff ai u^rt Arthur unb bem Untergänge bes „Petropawlowsk" w :.. ? in Tokio erst am Morgen bes 14. burch ein Privat- te . ninrn bekannt. Sie erregte in amtlichen Kreisen höchste ? ?i igung, besonbers bezüglich bes „Pettopawlowsk". ?f i.i: so sagt wenigstens bas englische Tepeschenbureau R '0! r man sprach fein Bebauern über ben Tov des tapferen ru r- ’ n Flottenführers aus Abmiral Makarow stanb bei de r panischen Gegnern in hoher Achtung. Sie bewunberten biiiilr:!, in ber er bas ruffische Geschwader nach ben ersten A: lnLien auf Port Arthur rehabilitierte unb in ber er de m inigleichen Kamps führte. I»;8 japanischer- Quelle verlautet ferner, baß ber 2ln- gr rr cnom Mittwoch auf Port Arthur folgendermaßen oer» i ic -|r ö'ei Tagesanbruch machten die Torpedoboote eine ®e* m. ar rtcQtion. Zu derselben Zeit legten sie Minen in deimiußeren Hafeneingang, zogen sich bann zurück unb ormqten sich mit bent Hauptgeschwader, das vorging, un an biet russische Flotte zum HerauSgehen zu bc tir?g:en. Dies geschah. Der ,,Petropawlowsk stieß auf eirM japanische Mine unb würbe zerstört. Luch Meldungen deS in Wei-hai-wei aus Niutschwong an£|t’:nnntenen englischen Kanonenbootes „Espigle" hat es sic j'f t um einen Torpedoangriff auf Port Arthur, sondern un ine.i Jagd auf ben aus der Jalu-Mündung kommenden r i uififnef) en Kreuzer „Bajan" gehandelt, ber aber an f blüent Schutze zweier von Port Arthur kommenden StiiUwi entkam, wenn auch nicht unbeschäbigt. Zu. der Katastrophe berichtet der Kriegskorresponbettt de S ikmrifer „Matin", daß seit bent Tode des Kommando^ Mn Stepanow nientanb wisse, an welchem Piinfftne bie Minen versenkt feien. In der 85er- müto.-ngit, welche feit bem ersten Angriff ber Japaner folgte, ha Kmm vergessen, einen Plan bieser Punkte auszu- “Situ „Russische DelegraphenageMur" erfährt authen- york Feuilleton. I t i t I H Das Weimarer ----- Weimarer T'heaterplan ist g e s ch e r t e r r. Verinischtes. • Mainzer Hütte zerstört. Nach einem an die Sektion Mainz des deutschen und österreichischen Alpen- vereinS gelangtem Telegramm ist die unter dem Namen angekommen. Norddeutscher Lloyd. Annr.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, rote vm der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auSwani naß) (Ließen gebrachte Kranke kommen. Schiffslmchrichten. Red Star Linie, Vertreter Carl Retter, Gießen,vleichfk.^ Der Postdampfer „Kroonland" der Red Star Linie'in Äni- werpen ist laut Telegramm am 12. April wohlbehalten m Jiero* Rose Bernd in Frankfurt. *) Der realistische Naturalismus hat seine ästhetische und kulturelle Mission erfüllt. Er hat uns erlöst von jener süßlichen, verlegenen Backfischenrvfindlichkeit, die vor jedem echten, voll ausslrömenden Gefühle ängstlich zurückschauderte, von der falschen Vornehmheit einer schematisch abgezirkelten Lehrbuch-Aesthetik, die dem seine eigenen Bahnen sich wählenden Genius die alte, künstlich ausgedachte, dem Künstlerischen enge Grenzen ziehenden Grammatik dom regelrecht Schönen strafend entgegenhält; er hat die Künstler wieder gelehrt, wie Dürer es schon lehrte, der Natur zu huldigen, treu und rein ihre Linien nachzuziehen in demütiger Wahrhaftigkeit. Das große, ersehnte Kunstwerk aber, das selbst zur unmittelbarsten Naturoffenbarung wird, haben jene tüchtigen Idealisten — denn das sind sie in ihrer ethischen Weltanschauung trotz ihres oppositionellen Radikalismus eigentlich gewesen — uns nicht geben können. Auch Gerhart Hauptmann, der in „Hannele", in der „Versunkenen Glocke" wie im „Armen Heinrich" den Sonnenflug zu kühnen Taten der schöpferischen Künstlerphantasie gewagt hat, ist wieder in „Rose Bernd" (Buchverlag von S. Fischer in Berlin) zu der liebevoll die Natur belauschenden Heimatkunst seiner früheren Epoche zurückgekehrt. Und die schlichte Ehrlichkeit, mit der er hier in seinem eigenen Stile bleibt, wirkt sympathisch; es ist Persönlichkeit in dem Werke, und dieses Prädikat kann man doch nur wenigen zeitgenössischen Werken zuerkennen. So bewundert man auch hier wieder die „Andacht zum Unbedeutenden", die so hingebungsvoll, so innig aus kleinsten Einzelzügen das Bild schlesischen Landlebens zusammensetzt, die unbedingt sichere und innerlich erschaute Charakteristik der Einzelgeftalten. Doch nicht nur das eigentlich Künstlerische in dem Werk, das uns im tiefsten ergreift, auch sein ethischer Gehalt macht uns den Dichter lieb und wert, das immer wieder durchklingende mitleidsvolle Erbarmen mit dem Leiden der Welt Wegen Raummangels verspätet. Berlin, 1 r panntfabinen», Amit Ws Kßr «d — Unter ü- • (mb nachmittag Afrika zu ub( ' brigade van Vei Hamburg d Gerüchten vom L land" von der ttzamb. Börsenha ung entbehr cdanolungen schw jiinh" wird im -.^wyork cm- 'etei Mülhe.m jjungen der Äufsi !>vorständen r tdem Aerzteverei . ..nzte stellen am kiasfen ein. Dresden, -mittag daö Präs Ischen Flotter das Präsidium a - Geh. Hc ftüherer Parlam« | > gestorben. Araunschtr : ger Lvtlmekolleli । . vis«r Frhr. v. R i > jchen Mclfichten bundesstaatl i wohl aber für ! jeiben. Er gebe jiü) mit enlspre jJiit Lachsen unb ■ Angelegenheit. — In Cleveland (Ohio) wurde em ^^koivs sches Theater mit einer Aufführung v „Uriel Acosta" eröffnet. der Regierung zur Erwägung übergeben. Kultusminister Dr. Merzäcker erklärte dabei, er werde gemeinschaftlich mit dem Ministerium des Innern eine Kommission zur weiteren Förderung dieser Angelegenheit einsetzen. mühens nicht vermeiden, in seinen sartasnschen, mahW\a spitzen Ton zu verfallen, der ihm oft vottreffluh, Y Übel zu Gesichte stand. Manchmal ?ber leuchtet^ .eine reine, alles verzeihende Herzensgute mit Echtheit aus diesem physiognomisch so atfl >p ö männlichen Tugendbilde heraus. Herr Diegcl ein kerniger, knorriger Vater Bernd, Herr : » y lüsterner Streckmann comme il saut,beide ube wahre Gestalten, mit künstlerischer Mersterschas 6 1 lebensechte Charaktere. Vortrefflich war drReg o Quincke, der auch red)t W^e ^anb^^^nftW gestellt hatte. - Tas Frankfurter ^blikum n^m^. tiefgreifende Tragödie, die ja frerlrch wud rum^Ü davon ablegt, um wie viel mehr eigentlich V " fer seinem Empfinden und Gestalten nach Am aus als Dramatiker ist, mit erstaunlrcher Zu h i Rr- n>etb«n’VLn £anb srÄEtt icudtrtL Aus Stadt und Kaud. Gießen, 15. April 1904. *• Personalien. S. K. H. der Großherzog haben am 10. Februar d. I. den Eisenbahnsekretär in der Hessisch- Preuß. Eisenbahngemeinschaft, Georg Harb zu Mainz, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. April 1904 an in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Dem Eisenbahnsekretär in der Hess.-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Wilhelm Sch ar mann zu Darmstadt, wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand der Charakter als „Rechnungsrat" erteilt. — S. K. H. der Großherzog haben den Bureauassistenten in der Hess.-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Franz Dürr zu Darmstadt, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. April 1904 an in den Ruhestand versetzt, ebenso den Kanzlisten in der Hessisch- Preuß. Eisenbahngemeinschaft, Georg Litt zu Darmstadt, und den Lokomotivführer in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft, Christian Huber zu Darmstadt, diesem unter Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens mit der Inschrift „Für treue Dienste". — Am 18. Januar d. I. wurde der Lokomotivführer in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft, Heinrich Jakob Kolb zu Gießen, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. April 1904 an in den Ruhestand versetzt. — S. K. H. der Großherzog haben den Weichenstellern in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Ludwig Kilian zu Reinheim und Franz Steinmetz zu Alzey, den Bahnwärtern in dieser Gemeinschaft Johann Adam Lochmann zu Berkach und Johann Georg Wolf zu Richen, sowie den Bremser in dieser Gemeinschaft Sebastian Reu sing zu Aschaffenburg, auS Anlaß ihrer Versetzung in den Ruhestand, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste" verliehen. — Dem Bahnwärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Heinrich Hamel in Zell wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste" verliehen. — Am 12. März d. Js. wurde der Wagenwärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Georg Schmidtmer zu Darmstadt wegen geschwächter Gesundheit in den Ruhestand versetzt. ♦♦ Robert Blum-Linde, lieber eine in Gießen vorhanden gewesene Robert Blum-Linde berichtet Professor Dr. Otto Buchner in seinem 1885 erschienenen „Führer durch Gießen und seine Umgebung" vom sogenannten Lädchen- Wäldchen, dem Gehölz zwischen der neuen Kaserne und der Stadt, indem er schreibt: Auch hier ist ein Erinnerungsbaum gepflanzt, die Robert Blum-Linde. Buchner fährt dann fort, zu erzählen, daß Gießen 1848 stark demokratisch gesinnt war, und als das Parlamentsmitglied Blum nach dem Kampfe des Volkes in Men gegen die Truppen am 26. Oktober 1848 und nach der Uebergabe Mens, gefangen wurde (am 4. November), ging durch das ganze demokratische Deutschland eine heftige Bewegung, die sich in lautem Schmerzensschrei kund gab, als Blum am 9. November 1849 in der Brigittenau standrechtlich erschossen wurde. In Gießen wurde damals Blum zu Ehren die Linde aepfanzt; trotz ihres Schutzes wurde sie, während der sehr bald ein- treteuden Reaktion, heimlich unter oer Krone abgesägt, doch schlug sie wieder aus und steht, — so berichtet Buchner, von 1885 — bis aus den heutigen Tag. Inzwischen sind 29 Jahre verflossen. In Gießen weiß man wobl, wo die Luther- und die Schillereiche stehen, ob und wo die Robert Blum-Linde noch steht oder nicht gestanden hat, kann niemand angeben. Es wäre eine dankbare Aufgabe des Geschichtsvereins, wenigstens den Platz sestzustellen, wo jener Baum gestanden hat und diesen vielleicht durch eine Tafel zu kennzeichnen. — In unserer Nachbarstadt Grünberg existiert übrigens sogar ein Robert Blum-Gedenk- ftein seit dem Jahre 1849. Kopenhaz, 1 land unb Dar Komitee, welches Telegramm, wori roil Lersammlun '-Insten öinnlan t den ersucht, den 1 bitten, Finn London,1 - dem tibetanischen ' neral ohne weite I: worden Beide f, "-"General Macdon ' 'hnen, da die Be ^"apitulatior - bie hi rift m dem April nur Z «jette 190 To zeichnen waren; c ^genommen. • Haris, 15. 2 Abschieds SS? hautet, m< ' ■’-QB Marcl-and ein JÄ 'Üdem er o -; l«Vtl)m m der U ""verrat Xfi S? elne Diszi läiet weiterhin ; -au^ideml LXVT* And ’ des Minsi verlaut S??b8OX( ^werden. v>urd< tiiuÄ:6eilen $ .'M der 6nt Wter10 Aus der Westerwälder Basaltbrüche, ®. m. b. H., und der Albert Hill unb Georg Wagner vereinigt. Vorsitzender d§?^ sichtSrats ist der Gewerke Friedrich HaaS in Eiserseld der Bruchbesitzer Albert Hill in Marburg. ' q . ..... .. National-Th--^^« Weimarer T'heaterplan ist geschertert. Ö1 ■ . do? in Berlin hat dem Großherzog nntgeteu, ^einun Vorhaben, ein Mustertheater der Modern mclen gründen, fallen gelassen habe, und zwar^S^ au6 geger gehässigen persönlichen Anarrfse, dre von Dcana- sie gerichtet n>ort>en seien. Die „W- Z-S;" kenne, müsse allerdings wissen, daß die au cd nirgend größer sein könne als dort. überwieg"^ verständige Leute, und die Behörden un Dumont den Mehrzahl der Bevölkerung hatten Ira -oIlen, zumal Weg so geebnet, daß sie ihn hatte b £tjnnlC/ daß de es kaum einem Zweifel mehr unterlieg , cfllicnen werde Großherzog dem Plane mit Wohlwollen bcg g & Es sei trostlos. Zm Beginn des bran de- großes Konzerthaus in Aussicht 0eB* Hoffnungen am Dumontsche Zurunftstheater, auchJbclI; biß ab Erbauung eines neuen Hoftheaters auf mindestens 50 Jahre vertagt werden m bleibe Weimar der Musen Witwensch- au; ^,7>ychol ?nirti:n flnb^lanb u: bqß V. Zierer eini ^tolt eni und des Einzelmenschen, das nur in der alles verzeihenden Liebe seine Erlösung sindet, dieselbe alle Nietzschesche Lebensphilosophie unbeoingt niederschlagende Gedankenwelt, die auch Tolstois oder Gorkis Dichtungen selbst dem sympathisch macht, der ihren Cinzellehren nicht folgen kann. Und mag diesmal der Dichter uns in dem Schicksale des unglücklichen Weibes gleich Furchtbares, in herbster Realistik zumuten, wie etwa Hebbel in „Maria Magdalena", um dieses herben Liebesleidliedes willen schätzen wir ihn mehr denn je als den empfindsamsten, den feinfühligsten unserer heutigen Poeten. So scheint uns auch das Msen des Stückes in jener ©jene zwischen Frau Flamm und August Keil zu liegen, wo die beiden still duldenden Naturen, die eine in gefestigter christlicher Glaubensanschauung, die andere in ihrem einsamen Denken zu dem gleichen Resultat verzeihender Duldung kommen, weil sie auch in dem anderen Paare, den leidenschaftlich genießenden und sündigenden Smnesmenschen, das Menschliche empfinden. Frl. Rottmann stellte die Rose, das moderne Gretchen vom Dorfe, dar. Sie' gab sichtlich ihr Bestes und Eigenstes. Ursprünglich ganz debbes, dralles Naturkind von gesunder Leidenschaftlichkeit, stark pulsierendem Blut, wuchs sie sich aus zu einer Dorftragödrn von erschütternder Wucht der Empfindungen. Die starke Unmittelbarkeit in fillen ihren Gefühlsäußerungen, den zartesten, aus dem Tiefsten kommenden, wie den robustesten, machte uns zu Bewunderern ihrer großen und großzügigen Kunst. Man hörte aus dem Innersten hervorsvrudelnde, brausende Naturlaute. Da vereinten sich ecyteftes Mitempfinden mit geistvollstem Studium. Den Dialekt beherrschte sie, wie fast alle Darsteller, durchaus nicht mit phonetischer Genauigkeit, aber sie ließ sick durch die unschöne Mundart in der Freihett ihrer Darstellung nicht im mindesten beirren. Alle übrigen Darsteller standen Nicht auf gleicher Höhe. Frl. Klinkhammer und Herr Bauer als Frau und Herr Flamm liehen sich beide auf einem senttmentalen Eheschisflein treiben, das ä la Ludwig Richter geartet, in dieses Milieu wenig paßte und das der Dichter auch nur der Gattin stellenweise zugemutet hat. Herr Bolz, der den Ävl- porte^r darzustellen hatte, konnte es trotz emsigsten Be- Jn Gießen vertreten durch Carl Loo-, ldrchenplatz. Bremen, 11. April. (Per transatlantischen lelrgrak.. Der Doppelschrauben - Postdampser „Brandenburg , »w E. Wollersdorfs, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, 9 111,1 6 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. All-flz wr dku Stm»rs>i»Isrt,istkni irr ätüt 8i(ira Wufatbott. Am 5. April. Joseph Hagele, Maschinist dahier mit Wagner in Leihgestern. Am 11. April. Georg Friedrich Lim^' Schlosser dahier mit Auguste Margarete Christiane '-Uoael hiei-S — Adam Kaiser, Bahnarbeiter dahier mit Atarie Hahn in seid. — Carl Lotz, Heizer dahier mit Elisabeths Geldsetzer in Ä” darf. — Karl Albert Wilke, Schutzmann in Worms mu ©ertn? Theodore Guldan dahier. Am 12. April. Heinrich Herrmann flr/i- straßenmeister dahier mit Anna Katharina Elijabethe Minna Hierselbst. — Wilhelm Best, Sergeant, Zahlmeister-Aspirant bnh i mit Louise Klotz Hierselbst. — Georg August Heinrich Todt, ftoni mann dahier mit Minna Vogt Hierselbst. Eheschließungen. Ani 9. April. Adam Rohn, Postbote dahier mit Katbarm-, Gertrude Wolff biersell'st. — Ludwig Heinrich Emil Daniel Postsekretär dahier mit Anna Alöhl Hierselbst. — Joseph Micka^ Aierz, prüft. Tierarzt in Glauchau mit Mathilde Kathmka (Si. beth Tribus dahier. Am 12. April. Georg Karl Emrich, Leuln>inn in Metz mit Aiarie Adolphine Fayet dahier. Am 14. Albrecht Karl Christian Ludwig Hahn, Reisender dahier mit GmiliZ Henriette Charlotte Harnickel Hierselbst. Geborene. Am 3. April. Dem Drechsler Wilhelm Walther ein Sobn_ Heinrich Georg. Am 6. April. Dem Taglöhner Otto Rausch em- Tochter, Elise Katharine. — Dem Kaufmann Wilhelm Baumom eine Tochter, Margarete Johanna Elisabethe. — Dem Bäckermeisie, Heinrich Friedrich Alüller etn Sohii, Adols. Am 7. April. Ten Hilisbrernser Heinrich Herr eine Tochter. — Dem Eisenbahn-Bureau gehilsen Heinrich Arnold eine Tochter, Elly Elisabeth Auguste. - Dem Schlosser Wilhelm Kahn ein Sohn, Karl. — Dem Lokomouv- Heizer Wilhelm Müller II. ein Sohn. — Dem Schreinereibesmn Karl Beil eine Tochter, Allnna Jrma. Am lO.Aprü. Dem Forum August Müller eine Tochter, Elijabethe Eleonore Aiargarete. Am 13. April. Dem Schlosser Otto Herb eine Tochter, (jltiabetlx Anna. Gestorbene. Am 10. April. Heinrich Lehrmund, 9 Monate alt, Sohn bt? Kellners Philipp Lehrmund dahier. Am 11. April. Berta Mler 7 Jahre all, Tochter des Eiselihahnschaffners Heinrich Aitlker babiei — Frieda Henriette Muhl, 2 Atonale alt, Tochter des Friseur? Karl Atuhl dahier. Am 12. April. Christian Noll, 1 Fahr alt Sohii des Tienstmanus Christian Noll dahier. — Heinrich Wunac Schmidt, 24 Jahre all, Kausmann dahier. Am 13. April, (jniü Stemberger, 84 Jahre alt, Rentner dahier. Am 14. April. Amn Schultheiß, 2 Jahre alt, Tochter des Dienstmädchens pelem Schultheiß dahier. IUöu,ratliüitlifbn|i^t ön LoöesMk m derSiadlSich«. 13. Woche. Vom 20. bis 26. März 1904. Einwohnerzahl: angenommen zu 27 bOO (infl. 1600 Atann Militäh Sterblichkeitsziffer: 28,35 nach Abzug von 8 Ortsiremden: 18,23 Im. Kinder Mainzer Hütte weitbekannte Schwarzenberghütte im Fuschertal, die von derSeküon Mainz unter Aufwendung bedeutender Mittel errichtet worden war, durch einen Lawinensturz vollständig zerstört. • Wien, 14. April. Der auS Westfalen gebürtige Geschäftsreisende Wiese ist hier verhaftet worden, weil er in Petersburg einen großen Juwelen-Diebstahl verübte. Petersburg, 14. April. In voriger Nacht brach in einem Zimmer des vierten Stocks des Nordhotels gegenüber dem Nikolaibahnhof Feuer aus. Ms die Feuerwehr in das Zimmer drang, fand sie alles in Flammen. Im Zimmer war eine arge Zerstörung angerichtet, die Fensterrahmen waren herausgeschlagen, die Dielen aufgerissen. Das Zimmer hatten vor einigen Tagen zwei zugereiste Herren gemietet. Einer Namens Kasenow wurde in dem brennenden Zimmer tot anfgefunben,_ der zweite ist verschwunden. Es weist alles daraus hin, daß der Brand infolge der Explosi on einer Höllenmaschine entstand, die durch unvorsichtiges Umgehen des Besitzers mit derselben explodierte. Kasenow ober Kasarkow war ber Sohn eines Generals. Die hiesigen Zeitungen würben übrigens ermahnt, nichts darüber zu bringen; die Warnung kam aber zu spät; die Zeitungen waren schon im Druck, und deshalb wurden alle gedruckten Exemplare konfisziert. Es heißt, die Polizei habe kompromittierende Dokumente und Pläne entdeckt. Washington, 14. April. Nach den neuesten Meldungen aus Pensacola sind bei der Explosion auf dem „Missouri" 29 Mann umgekommen. Ter Unfall ereignete sich gegen Mittag. Es erfolgten zwei Entzündungen. Zunächst bei einem linksseitigen zwölfzölligem Geschütz in dem hinteren Panzerturm während des Ladens, sodann fast sofort hinterher im Beüienuugsraume. Die Mannschaften des Turmes und des Bedienungsraumes wurden getötet. Man fand 25 Leichen auf einem Haufen innerhalb des Turmes nahe dem Ausgang völlig entblößt. Sie waren kaum wiederzuerkennen. Die Kleider waren am Leibe völlig verbrannt. * Wahnsinn oder Verbrechen? Eine seltsame Affäre beschäftigt die Polizei von Budapest, Berlin und Hannover. Im November vorigen Jahres kam ein Mann nach Budapest und flieg dort im Hotel Royal ab, wo er sich als „Ferdinanb Troll, Kaufmann aus Han- no ver" anmelbete. Als nach einer Woche, wie üblich, ber Hotelier ihm seine Rechnung vorlegen ließ, erklärte ber Fremde, die Rechnung würde sein Oberhofmeister bezahlen. Zur Erläuterung bemerkte er noch, man müsse doch wissen, daß er der deutsche Ka ifer sei, von dem man doch nicht die Bezahlung einer Rechnung verlangen könne. Die Sache endete damit, daß Herr Troll in die ungarische Landesirrenanstalt gebracht wurde. Seitdem ist es noch nicht gelungen, festzustellen, wer der mysteriöse Fremde ist. Die Polizei von Hannover hat ermittelt, daß aus Hannover überhaupt niemals ein Mann Namens Troll verschwunden ist, und die dort wohnenden Trolls konnten über die Angelegenheit gar feine Aufklärung geben. Die Photographien des Wahnsinnigen kamen von überall als „unbekannt" zurück. Zuletzt hat die Berliner Polizei gemeldet, daß ein Ferdinand Troll vor zwei Jahren in Berlin gestorben ist. Es sei nicht unmöglich, daß dessen Papiere gestohlen wurden. Das Interessanteste an der Sache ist, daß die Aerzte noch nicht seftstellen konnten, ob Troll tatsächlich geisteskrank ist, oder ob er nur simuliert. Er hat sehr oft lichte Momente, in denen er fast weinend die Worte wiederholt: „Mas habe ich getan, was habe ich getan!" — Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß ein schweres Verbrechen auf seinem Gewissen lastet. Die Ermittlungen in dieser Richtung haben bisher kein Resultat gezeittgt.______________________________ Handel und Verkehr. Uolkswittschast Hessische Laudes-Hypotheleubau», Darmstadt. Der Bestand an Hypotheken-Forderungen erhöhte sich im ersten Quartal von Mk. 9 250 000 auf Mk. 13 250 000 und an Kommunal-Darlehen von Mk. 2 900 000 auf Mk. 4150 000. Gleichzeitig hat sich der Umlauf an Hypotheken-Obligationen von Mk. 7 600 000 aut Mk. 10 700 000 und an Kommunal-Obligationen von Mk. 1 950 000 auf Mk. 2 850 090 gehoben, Die beiden Kammern der Stande haben genehmigt, daß ans staatlichen Mitteln zur Erhöhung des Betriebskapitals weitere Mk. 4 400 000 bei der Landes-Hypothekenbank in° vestlert werden, über welche durch Darlehensabschlüsse für das laufende Quartal zum größten Teile bereits verfügt werden konnte. Aktiengesellschaft Hessische Hartsteinwerke. Mit dem Sitze in Marburg wurden unter dieser Firma die im Kreise Biedenkopf belegenen Grünstein-, Syenit- und Diabasbrüche Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom Scharlach 1 1. Lebenswahr: 2.-15. Jahr 1 - Tuberkulose der Lungen 1(D KD — —■ Tuberkulose der Drüsen 1 —— — 1 Lungenentzündung 1 1 — — Aneurysma 1 1 Puerperalfieber 1(1) 1(1) — Blasenentzündung KD 1(1) Bauchsellentzündung 1(1) 1(1) —— ■ Krämpfen 2 — 2 Lebensschwäche 4(3) •— 4(8) - Altersschwäche KD 1(1) —• Summa: 15 (8) 8(5) 6(8) 1