Nr. 12 Zweites Blatt. 164. Jahrgang Freitag 16. Januar 1904 Erschein. täglich mit Ausnahme des Sonntags. % „Gietzc v $amilienbl3tter“ werden dem .Anzeige, oicrmal wöchentlich beigelcgt Der ^hessische Landwirt'' erscheint monatluh einntaL Giehener Anzeiger verantwortlich für den allgemeinen Dell: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Umversuatsdruckerei (Prelsch Erben), Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. .Huyaw——iiiiirnnniwiinniiiiwii um i n ............................an—i———m——■■■—■——«—— Bekanntmachung. Betr.: Feldbcreinigu^g in der Gemarkung Ruttershausen. Ich bringe hiernrit zur öffentlichen Kenntnis, daß nach Beendigung sämtlicher Feldbereinigungsarbeiten gemäß Entschließung Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe zu Nr. M. d. I. III. 23 vom 4. l. Mts. die Vollzugskommission für obige Feldbereinigung aufgelöst worden ist. Friedberg, 7. Januar 1904. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommiffär. Spam er, Kreisamtmann. H'arLüm.nfarisches. Berlin, 14. Jan. Tie Budgetkommission des Reichstages genehmigte die Kapitel „Allgemeine Fonds" und „Zentralverwaliung der Kolonialverwaltung". Tie Forderung von 5000 Mk. als Beitrag zu den Kosten der Unterhaltung der kolonial chemisch en Abteilung des pharmazeutischen chemischen Jnsti- tuts in Dahlem wurde gestrichen. In der Abteilung: „Allgemeine Fonds" verlangt die Kommission Auskunft über den Begriff „Ko mmi s s iv n s ko st e n", unter dem 10000 Mk mehr gefordert werden. Kolonialdiretror Stübel weift aus die Notwendigkeit einer VermehrungdesPersonals hin zum Zwecke des Studiums der kolonialen Bestrebungen im Auslande, besonders in Paris und London. Tie Abgg. Arendt und S ü d e k u m sprechen sich gegen die Mehrsorderung aus. Muller-Fulda hält die Ausgabe für nützlich, wenn dadurch eine billigere Ver- wa ltungder Kolonien erreicht werde. England verwalte seine wotanien viel billiger. Tie letzte Behauptung bestreitet Kolonialdirektor Stübel. Kol-onialattachees in Paris und London seien erforderlich, um sich über die fremden Kolouialverwaltungeu zu informieren. Bei Kap. 2 der einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats wird die Position 8000 Mk. zur Erwerbung eines Grundstücks für eine Sommerwohnung des Gesandten in Th e heran mit allen gegen 11 Stimmen ab gelehnt. Tr. Müller-Sagan beantragt die vollständige Streichung des Titels „Kommissionsvosten". Tie Nationalliberaleu Tr. Paasche, Graf Ariola und Patzig schließen sich diesem Anträge an. Im Laufe der Debatte tadeln Tr. Paasche, Graf Oriola, Tr. Spahn und Frhr. v. Richthofen-Damsdors die Kolonialverwaltung wegen Verschleierung, da von den geforderten 35 000 Mk. nur ein geringer Teil für Kourmissionskosten, der größte Teil für Kolonialattachees verwendet werden solle. Singer und Bebel schließen sich diesen Ausführungen an. Kolonialdirektor Tr. St ü b e I führt aus, eine Verschleierung sei nicht beabsichtigt. Es handele sich nur um die kommissarische Entsendung von Attachees. Tie heutige Beratung sollte eben entscheiden, ob dre Kommissarien eine definitive Einrichtung werden sollten. Tie Kommission lehnt schließlich den ganzen Pvsum ,Lommissionskosten" einstimmig ab. Dre übrigen Posten des Kapitels 6 a, sowie Titel 1—9 des Kap. 2 (einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats des Auswärtigen Auttes) werden bewilligt. B e r l i n, 14. Jan. Tem Reichstage ging ein schleuniger Antrag Auer und Genossen zu auf Einstellung des gegen den Abg. Goldstein beim Amtsgericht Krim-- mitfchau wegen Beleidigung des Geschäftsführers Föritz Schumann in Krimmitschau schwebenden Strafverfahrens während der Tauer der gegenwärtigen Session. — Tem Reichstage ist der Gesetzentwurf betr. den Servistarif und die Klasseneinteilung der Orte zugegangen. Ter, Entwurf sicht vor, daß der Servistarif und dre Masseneinteilung ab 1. April 1904 bis zum 1. April 1913 gelten und dann alle zchn Jahre einer gawwaMfreaw i m i ijjMgmwnwi ...............im..... Feuilleton. EinNibelungen-Denk mal. Man schreibt uns aus Wien: In amutiger Landschaft, nicht fern von der Hauptstadt Oesrerreichs, dort, wo die Erlauf in den rnäch.- tigen Donaustrom mündet, liegt das Städtchen Pech- larn, „die alte Bechelaren". Hrer haben vor Jahrhmrder- ten unsere AlMen jene Lreder gesungen, die heute noch unsere Seele bewegerr, hier klang das Lied in den mächtigen Akkorden von der Nibelunge Not. Wer immer diesen hehren Sang von deutscher Kraft, Liebe und Treue kennt, sucht gern die Stätten auf, wohin, Krimhild, die Stolze, aus ihrer Brautfahrt gezogen, lvo her Markgraf Rüdiger im Kreise der Seinen deutsche Gastfreundschaft geübt, wo zum letztenrnale sorglose Festeslust die Recken vom Rhein und der Donau umrauschie, bevor sie im Reiche Etzels ihren blutigen Untergang sanden. Fürwahr ein Volk, das seiner großen Vergangenheit eingedenk ist, sollte alle Er- innerungsßäiten gewaltiger Zeiten heilig halten — es muß deshalb auch dao Donautal zum Wanderziel aller Freunde deutscher Geschichte, deutschen Volks- und Schrifttums machen. Vor allem aber verdient die Heimat Rüdigers ein Denkmal, nicht allein ihres Helden, des „Vaters aller Tugend", sondern ein Nibelungen-Denkmal als herrliches Wahrzeichen deutscher Macht und Stärke, als stolzes Mal deutsther Geschichte und Dichtung. Auch Festspiele au der Donau sollen uns jene gewaltigen Zeiten näherrücken. Um das zu ermöglichen, wurde der Nibelungeu-Tentmal- und Volksschauspiel-Verein „Bechelaren" gegründet,,Hessen Ausschuß sich nun an alle deutschen Stanrmesgenossen — Männer und Frauen — mit der Einladung wendet, rnitzu- arbeiten bei diesem schönen Werke dadurch, daß sie Mi^ glieder des Vereins werden und ihm neue Freunde und Gönner gewinnen. Spenden für die Errichtung des Ni- belungen-Tenknlals nimmt die Union-Bank, Wien, I.,Renn- gasse 1, entgegen. Anmeldungen zum Beitritt bitten wir an die Geschäftsstelle des Vereins in Wien, VII. ' ü usttst- «ralle 74. richten. allgemeinen Revision unterliegen sollen. Tie den einzelnen Servisklassen unterliegenden Stellen werden alljährlich durch das Etatsgesetz besttmmt. Ter Mehrbedarf im Gesamtbeträge von 2 181180 Mark tritt zu den entsprechenden Ausgabetiieln des Etats für 1904 hinzu. Tie Klasseneinteilung sieht u. a. für Worms und Homburg v. d. H. die Klasse 1, Nauheim und Höchst Klasse 2 vor. In Klasse 1 beträgt z. B der Wohnungsgeldzusckmß für höhere Beamte und Offiziere 660, in Klasse A 900 Mk., für mittlere Beamte in Klasse 1 432, in Klasse A 540 Mk. Berlin, 14. Jan. Ter Senioren-Konvent des Reichstages hielt heute eine Sitzung ab. Es wurde beschlossen, am Samstag wegen Eröffnung des preußischen Landtages keine Sitzung abzuhatten. Alsdann machte der Präsident Gras Ballescrem darauf auftnerksam, daß durch die langen Reden bei den Interpellationen iüe Fertigstellung des Etats bis Ostern gefährdet sei. Von allen Parteien wurde versprochen, nach Mög- lichkett dafür zu sorgen, daß die Mitglieder sich kürzer faßten. Vor Erledigung der zwecken Etatsberatung soll kein Schwerinstag mehr stattsinden. Braunschweig, 14. Jan. In dem dem Landtage zugegangenen Gesetzentwürfe, wonach den Gemeinden das Recht gegeben wird, Warenhäuser und Wanderlager zu einer besonderen Steuer heranzuziehen, wird bestimmt, daß die Steuer für Warenhäuser 2 Prozent, für Wanderlager 5 Prozent des Umsatzes nicht übersteigen darf. Das braunschweigische Vereins- und Versammlungsgesetz soll dahin geändert werden, daß auch weib liche gr o ßj äh- rige Personen an solchen Vereinen und Versammlungen teilnehmen dürfen, welche dem Zwecke der Nächstenliebe oder der Erziehung und des Unterrichtes weiblicher Personen dienen. Braunschweig, 14. Jan. Bei dem gestrigen Festmahl im Schlosse anläßlich derEröffnnngdesLand- tags hielt der Prinzregent eine Ansprache, in der er auch die Negentschastsfrage berührte. Der Regent erinnerte an den in der jüngsten Tagung aus Vorschlag der Regierung gefaßten Beschluß zur Beseitigung eines Zweisels über die Auslegung des Regentschasts- gesetzes und fuhr fort: Der damalige Beschluß entsprang einer klaren, objektiven und sachlichen Beurteilung der staatsrechtlichen Verhältnisse des Herzogtums. Ich würde ungern darauf verzichtet habm, meine Anerkennung dafür auszusprechen, und ich bezlveifle nicht, daß der Sinn, oer damals im Interesse des Wohles und der Sicherheit der Verhältnisse des Herzogtums den Beschluß der Landes-Versammlung leitete, dieselbe auch in dieser Tagung erfüllen wird, in der besonders auch die Schwierigkellen, die aus der wenig günstigen Finanzlage erwachsen, zu überwinden sind. München, 14. Jan. In der Kammer der Abgeordneten wurde heute gelegentlich der Beratung des Etats der Polizeidireklivn 'München die von Müller (Soz.) einer Kritik mtterzogene Beschlagnahme der letzten Zen- trumsnummer des „Simplicissim ns" weitererörtert. Lerno (Ztr.) betont, daß er seinerzeit nur das Kolportageverbot gefordert habe. Weite Kreist seien der Ansicht, daß gegen die Vergiftung unserer Jugend und gegen die Untergrabung der Autorität durch Witzblätter wie den „Simplicissttnus" etwas geschehen müsse. Minister Frhr. v. Feilitzsch hebt n. a hervor, daß die betreffende stummer des „Simplicissimus" von der Polizei Stuttgarts, wo das Blatt gedruckt werde, als Pflichtexemplar nach, München gesandt wurde, wo sich der Verlag des Blattes befinde. Bei der Beschlagnahme, welche das Gericht bestätigte, sei ganz korrekt verfahren worden. Mtt dem KolArtageverbot sei wenig zu erreichen. Eine Zensur nach den Wünschen der Sozialoemokraten sei unmöglich; denn der Zensor müsse die bestehenden Gesetze beobachten, und das wollten die Sozialdemokraten nicht. De in Hardt — Ein Aufruf zur Mitarbeit behufs Ermittlung noch heute gebrauch lrcher deutscher Namensformen für Orte in fremden Sprachgebieten wird von einer Reihe angesehener Männer der Wissenschaft erlassen, so den Professoren Kirchhofs-Halle, Hasse-Leipzig, Koser-Chartottendurg, Dahn-Breslau, Fischer-Marburg, Lamprecht-Leipzig, v. Mahr-München, Ad. Wagner-Berlin In Bezug aus den Gebrauch deutscher Namenssormen für Orte in fremdsprachiger Umgebung stimmen die Forscher aller in Betracht kommenden Wissensgebiete überein: nur solche deutsche Ortsnamen haben für die Gegenwart Be- recAigung, die noch im Boiksmunde lebendig sind, d. h. die noch heute zum Sprachschätze einer deutschen Minderheit der Einwohner oder zu dem der deutschen Nachbarn jensetts der Sprachgrenze gehören. Alle,-Luchnamen", die in früheren Jahrhunderten gebräuchlich waren, jetzt aber verklungen sind, haben nur geschichtlichen Wert. Die Sckstvierigkeit liegt aber in der zuverlässigen Feststellung der Namensforrnen, die heute noch gebraucht werden, der Wissenschaft und damit der Allgemeinheit aber uubeEannt sind. Hier droht kostbares altes deutsches Sprachgut verloren zu gehen, das die Mundarten treulich bewahrt haben, das die Schriftsprache aie§ einfacher Unkenntnis aber nicht übernommen hat. So ist z. B. lroch heute im deutschen Elsaß Ranzig der gebräuchliche Name für N an eh, noch heute fährt die Postkutsche aus Graubünden ins Veltlin rächt nach Chiavenn a, sondern nach Elä- v e n, noch heute heißt Maros Vasarhelh bei den l'iebenbürger Sachsen Reumad't, noch heute kennt die deutsche Muttersprache der Balten kein Pskow, sondern wie zur Hansezeit nur ein Pleskau. Es ist die höchste Zett, uns sichere Kenntnis dieser heute noch lebendigen deutschen Nameiisformeil zu verschaffen, um sie als Beleg vergangener Kotonisationstätigkett unteres Voltcs oder lebhafter deutscher Kulturbeziehungen über die Grenzen unseres Sprachgebietes hinaus in der deutschen Schriftsprache zur Geltung zu bringen, aus der sie bisher vlel.ach nur verbannt waren, weil man sie für verklungen hcelt. Es wird an alle, die sich an Ort und Stelle verläßliche Kemrt- nis des GegennstandeS verschafften, die Bitte gerichtet. (lib.) erklärt, die „Jugend" und der „Simplicissi- m u s" seien nach modernen Begriffen nicht u n moralisch Tie beschlagnahmte Nummer des „Simplicissimus" geißele jene Moral, die in Bayern vor hundert Jahren infolge der lange dauernden Herrschaft des Klerus herrschte. Wir wünschen nicht, sagt Rediter, daß jene Moral unter der Herrschaft des Ullramontanismus wieder neu etabliert werde. Politische Tagesschau. Verbrauch von Tabaksurrogateu. Die Preissteigerungen der guten Tabaksorten haben besonders seit Ende der siebziger Jahre eine starke Zunahme des Verbrauchs von Tabaksurrogaten hervorgerufen. Ten gröbsten Fälschungen mit Surrogaten und den Gefahren für die menschliche Gesundheit, die einige Tabaksurrogate in sich schließen, hat das letzte Tabaksteuer-Gesetz entgegenzuarbeiten versucht, indem es die Verwendung von Tabaksurrogaten im allgemeinen ganz verbietet und nur besondere Ausnahmen ausdrücklich zuläßt. Es sind das: Kirschblätter, Melilothenblüten (Steinklee), eingesalzeneRosenblätter, Veilchen- wurzelpuloer, Vanilleroots, Brennesseln, Baldrianwurzeln und Altheeblätter. Melilothenblüten, Rosenblätter und Veilchenwurzelpuloer werden ausschließlich bei der Herstellung von Schnupftabak, Weichselkirschblätter und gewöhnliche Kirschblätter vorwiegend bei der Bereitung geringerer Rauchtabake als Zusatz verwendet. Die Steuer von diesen Tabaksurrogaten beträgt 65 M. auf 100 Kilogramny und die Einnahmen aus ihr haben mit dem steigenden Verbrauch enorm zugenommen. So hat im Jahre 1880/81 diese Surrogatsteuer einen Ertrag von nur 15 365 M. geliefert, 1885/86 aber schon 22 597 M. 1890/91 27153 M., 1895/96 31 966 9)1., 1898/99 47 443 M., 1901 aber bann 60 635 M. und 1902, wofür eben die amtlichem Zahlen publiziert werden, 67 915 M. Bezeichnend ist, daß sich der Verbrauch vorwiegend auf einzelne ärmere Bezirke beschränkt. Der weitaus größte Betrag der erhobenen Surrogatsteuern entfällt auf Preußen: 1880/81 11323 M. 1898/99 33 065 M. und 1902 42 924 M. Dem Gewicht nach wurden in den Jahren 1901 und 1902 im Deutschen Reiche verwendet: Weichselkirschblätter 1902: 6142 Kg. (1901: 7017 Kg.), gewöhnliche Kirschblätter 40 264 Kg. (38 822), Melilothenblüten 25 058 (24 873), eingesalzene Rosenblätter 1267 (1154), Veilchenwurzelpulver 2015 (1802), Vanilleroots 26 710 (18 729), Brennesseln 2307 (820), Baldrianwurzeln 720 (55), Altheeblätter 50 (29). Eine besonders auffallende Zunahme zeigen also Brenneffeln und Baldrianwurzeln. Heber die Bao-Genossenschaften, soweit sie vom Reiche unterstützt werden, ist dem Reichstage eine Uebersicht zugegangen. Die Diitgliederzahl beträgt unter 100 bei 1 Genossenschaft, von 101 bis 500 bei 22 Genossenschaften, von 501 bis 1000 bei 5 Genossenschaften, von 1001 bis 5000 bei 4 Genossenschaften, über 5000 bei 1 Genossenschaft. Von den seit 1900 begründeten Genossenschaften haben 7 mehr als 500 Mitglieder. Unter 100 Wohnungen sind erstellt worden bei 22 Darlehnsempsängern, zwischen 100 und 499 bei 9 Darlehensempfängern, zwischen 500 und 999 bei 3 Darlehnsempsängern, über 1000 bei 1 Darlehnsempfänger. Die Anzahl der Wohnungen, die im Durchschnitt auf ein Haus entfallen, schwankt zwischen 1 und 13. Sie ist, von wenigen Zunahmen abgesehen, in den größeren Otten natur- ihre Beobachtungen dem Prof. Paul Langhans in Gotha mittetten zu Nwllen. Richard Wagner- und Mozart-Festspiele in München. Mau schreibt uns aus München: In diesem Jahre werden im Prinzregenten-Theater zu München vom 12. August bis 11. September 20 Festaufführungen folgender Richard Wagyerfcher Werke stattfinden: „Ter Ring des Nibeluagen", „Tristan und Isolde", „Ter fliegende Hollander", „Die Meistersinger von Mmberg". Äußerbem werden dort im Kgl. Residenz-Theater und Kgl. Hof- und Nattonal-Theater vom 1. bis 11. August 10 Fest- aufsührungen Moza rischer Opern ftattfinden und zwar: „T-ie Zauberslote", „Figaros Hochzeit", Entführung aus dem Seratt", „Ton Giovanni" und „Cosi fan tuttc". Bei den Festaufsührungen wird das gesamte Künstlerpersonal des Münchener Hof- und Nationattheaters in Verein mit hervorragenden auswärtigen Gästen mitwirken. Die Oberleitung der Regie ruht in den Händen des Kgl. Intendanten Professors Ernst von Possatt. Tie musikalische Leitung ist den Herren Generalmusikoircktor Felix Mottl, Professor Arthur Nikischf-Leipzig und Hoskapellmeifter Franz Fischer übertragen. Wie aus Hannover gemeldet wird, wurde den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der Garnison Hannover der Besuch von Beyerlein's „Zapfenstreich", der im Residenztheater zur Aufführung gelangt verboten. Berlin, 14. Jan. Auf eine Einladung der ger* manischen Sektion deutscher Philologen und Schulmänner um Weiterführung des Grimm scheu Wörterbuches hat der R e icys k a n z l e r geantwortet: „Die Neichsregieruug verfolgt die Arbeiten am deutschen Wörterbuch mit lebhaftem Interesse und teilt durchaus den Wunsch, daß dieses nationale Werk bald zum Abschluß gelangen möge. Es sind vor kurzem Erwägungen darüber ein geleitet worden, welche Maßnaahmen zur Erreichung dieses Zieles zu ergreifen sein möchten. Hierbei sollen die Vorschläge der germanischei: Sektton als schätzbares. Material Verwertung finden." gemäß höher als in den kleineren. Im Ganzen sind mit Reichsmitteln fertiggestellt worden 333, in Bau begriffen 218, in Vorbereitung befindlich 151 Häuser, 1268 Wohnungen erstellt, 1753 Wohnungen noch zu erstellen. Damit ist die Wohnungsfrage zwar noch nicht erledigt, aber doch immerhin praktisch in Angriff genommen. Zu dem Fall des Univerfitätsprofeffors Lehmauu-Hoheuberg in Kiel schreibt die „Straßburger Post": „Tas preußische Staatsministerium, die letzte Instanz in dem gegen den Gelehrten eingeleiteten Tisziplinarver- sahren wegen Beleidigung (des Kriegsministers v. Goßler, oes Justizministers Schönstedt usw.) hat in seiner Sitzung vom 28. Oktober v. I., an welcher die Staa..sminister Tr. Studt als Vorsitzender, Frhr. v. Haimnerstein und Möller teilgenommen haben, das frühere Urteil auf Entlassung aus dem Amte „mit der Maßgabe bestätigt, daß dem Angeschuldigten drei Viertel des vor: iijm zurzeit seiner Tienstentlaisung an Gehalt uni) Wohnungsgeldzuschluß bezogenen Betrags auf Lebenszeit als Unterstützung zu ver abrerchen sind." Am 23. Tezember o. I. soll das Urteil pom Kai, er bestätigt worden sein. Am 9. Januar d, I. ging es dem PMjessvr Lehmann-Hohenberg zu. Tas Urteil nimmt als zweifellos an, daß Profe,jor Lehrncum-Hohenberc sich g r ö b l r ch e r B e l e i d i g u n g s ch u l d i g gemacht habe. Als mildernde Umstände werden aneriannt „bit leidenschaftliche Erregung und Erbitterung, in welcher er das Offene Schreiben an den Reichskanzler verfaßt, und die in den von ihm in seiner Schrift „Tas Recht des öffentlichen Raubes" usw. niedergelegten schweren Person liehe Erfahrungen ihre subjektive Rechtfertigung fanden. Endlich fällt zu seinen Gun,ren die Tatsache ins Gewicht, daß er sich mit persönlichen beträchtlichen Opfern um dir Pflege der von ihm vertretenen Wissenschaft an der Universität Kiel besondere Verdienste erworben hat." Ter Verurteilte hat an Rektor und Senat der Universität Kiel einen A b s chi e d s b r i e f geschrieben, in Meyern es unter anderem folgendermaßen heißt: „Ich weicl)e jetzt der Gewalt, denn ich erachte das ganze Verfahren gegen mich als ungesetzlich. Ankläger und Beleidigte oder deren Kollegen können nicht zugleich Richter jein; man hättt die von mir nach Dutzenden als Beweis angebotenen Fällr — ein einziger konnte unter Umständen genügen — unter- sucl)en muffen und durste nicht von Einzelsällen sprechen. Tas ist eine Flucht vor der Oessentlichleit! Ter verstorbem H-istvriker Mommjen wurde freige,prochen, obwohl er den. Reichskanzler Fürsten Bismarck in öffentlicher V.r.atnmiun^ vorwarf, daß er eine Politik des Schwindels trcwe. Wollte man zusammcnstellen, was Prvjejsoren an kräftigen Worten gelegentlich gebrauchen, so niöchte wohl ein ariiges Ländchen zustande kommen. Wird ein sittliches Ur teil utib eine Tat, zu der mich mein dem Könige geleisteter Treueid verpflichtete, in diejer Weise geahndet, so erfahren Pro fessoren eine Behalidlung als Staatsbürger zweiter Klasse; denn ein nicht bcanueier Burger kann nicht ohne vorangogangeiie Unkeriuchung bestraft werden." Wrr haben es stets als einen Fehler bezeichnet, daß man gegen Professor Lehmann Hohenberg aus diszrplmarem Wege vorgegangen ich Raa) un.erer Ansicht hatte man ihn gerichrlich wr Rechenjchaft ziehen müssen. Richt als Professor, als Lehrer an einer deutschen Hochschule, hatte er diejenigen Handlungen begangen, welche das Einschreiten der Staatsbehörde veranlaßi.en, jondern als Schriftsteller, der zu öffentlich verhandelten Fragen öffentlich ^tetlung nahm. Fühlten sich die Staatsbehörden durch ihn be leidigt, jo war der Weg der Sühne unseres EraclZens für •jie klar vorgeschrieben: sie mußten den Schriftsteller Leh rnann-Hohenoerg vor den Str a s richt er zitieren." unO Alo.te. — Wie aus Düsseldorf berichtet wird, soll das dortige Ulanen-Regiment Nr. 5 im Lauft dieses fSornrners die Garni.on nut oem Ulanen-Negim^nt 14 in St. Avold wechseln. Stuttgart, 14. Jan. Tie Aenderungen von Offizierspaletots Drückens alte) und die Einführung der Achselsiüue für Generale und Stabsoffiziere treten au, königliaftn Befehl auch für Württemberg in Kraft. Milche uuü Schute. Ko bürg, 14. Jan. Ter Pfarrverein des Herzog tunrs Koburg sprach sich in seiner gestrigen Sitzung für die Feuerbestattung aus. Es wird in dem B.;chluß erklärt, daß der Feuerbestattung Bedenken in temer Lveift entgegenjiänden und baß >ie für die Zulun ft unabweisbar sei. Rur halte man es jetzt für inopportun, paß die Geistlichen sich agitaivrffch für p.e Feuerbe,>en und den Nachbarstaaten. Der Schornstcinfegermeisler Jimger aus Laasphe versuchte auf den von der Station Feudingen abgehenden Eisenbahnzug Kreuztal-Marburg noch aufzuspringen. Er rutschte ab, wurde überfahren und getötet. Vermischtes. • Brüssel, 13. Jan. In Namur wurde in der letzten Nacht gegen das Wohnhaus des Oberförsters Masson ein Dynamitattentat verübt. Die Dynamitpatrone explodierte in dem Augenblicke, als Masson das Haus verlaßen wollte; er wurde schwer verletzt. Der angerichtete Sachschaden ist bedeutend. * Toulon, 14. Jan. Ein Soldat namens Chretien, die Ordonnanz des Offiziers Trouille, war entlasten, weil er die Gemahlin des Offiziers belästigte. Er benutzte die Abwesenheit des Ofsiziers von seiner Wohnung, um dorthin zurückzukommen, schlug die Frau nach langem Rümpfe nieder und stürzte sie aus dem Fenster. Die Frau ist tot, der Mörder wurde verhaftet. • Agnes Sorina nnd Adolf von Menzel. Alt» meister Lllenzel hatte der Regie des 9leuen Theaters in Berlin für die Aufführung von ,9)Hnna von Barnhelm" beachtenswerte Angaben in bezug auf stilgerechte Ausstattung gemacht. Die Veranlassung hierzu gab ein Besuch, den Agnes Sorma in Begleitung von Direktor Reinhardt bei Professor v. Menzel machte. Als die beiden das Atelier des Meisters betraten, bot dieser den einzigen vorhandenen Stuhl der Frau Sorma an und entschuldigte sich bei Reinhardt mit den Worten: „Mein 2ltelier ist nicht für Besuche eingerichtet, ionbem für Einsamkeit". Dann erläuterte er an der Hand Ehodowieckischer Stiche, die Nlenzel, wie er bemerkte, durch Zufall sehr billig erworben hatte, die Trachten der Frideri- cianischen Zeit. Die Stiche stellte er Frau Sorma zur Verfügung, indem erjagte: „Vor Wasser und Feuer zu schützen." Frau Sorma fiel das im Atelier hängende unvollendete Bild Der Schlacht bei Leuthen auf und sie konnte die Frage nicht unterdrücken, weshal bder Meister das Gemälde nicht vollende. Ta sagte Rtenzel ernst: „Dieses Bild ist ein Torso und wird ein Torso bleiben", lieber das Pudern der Haare und das Tragen von Perücken zur Zeit Friedrichs II. sprach sich der Künstler dahin aus, daß Frauen, die schönes Haar befaßen, es auch damals nur puderten, dagegen Perücken nur bei mzureichendem Haarwuchs als Erjatz Verwendung fanden. Teshalb sollte sich Frau Sorma als Minna von Barnhelm 0 bequem als möglich frisieren und das Haar nur pudern. „Denn" — so sagte Menzel — „wenn Sie hübsch aussehen, wird man Ihnen alles glauben. Jammerschade ist es," meinte er schließlich, „daß ein so feiner Geist wie Friedrich Der Große Lessing nicht zu ,schmecken' verstand." Menzel ivohnte später einer Generalprobe des Stückes im Neuen Theater bei und machte jedem einzelnen Darsteller genaue Angaben über Maske und Kostüm. * Aus Dragas Sturm und Drang. Aus Belgrad wird der Wiener „Zeit" geschrieben: In der „Schtampa" plaudert eine der unglücklichen Königin Draga nahegestandene Dame über die Verlobung des Königs Aleüander, die sowohl ihm als auch seiner späteren (Satim so viel Unheil brachte. Tue Erzählung dieser Tame ist um so interessanter, als daraus heroorgehttz daß bei dieser Verlobung der gegenroärrige Seneraladjutant König Peters, Oberst Damjan Popowitjch, nebst dem Bruder der Königin Draga der einzige Zeuge Der Verlobung war. Als sich die ehemalige Witwe Draga Maschin vom Minister Gentschitsch verfolgt sah, flüchtete sie zu einer Tante und ließ in ihrer Wohnung ihren Briider Nikodim Lunjewitza zurück, dem sie auftrug, ihren Aufenthalt niemanden zu verraten. Eines Tages kam König Alexander, begleitet von seinem Adjutanten Damjan Popoivitsch, in die Wohnung Dragas. „Grüß' Gott, Schwager"" rief er dem nicht wenig überraschten Leutnant Lunjewitza zu und fügte gleich hinzu: „Wo i|t Draga?" Als Rlkodim antwortete, er wisse nicht, wo sich seine Schwester befinde, untersuchte Alexander, unterstützt von seinem Adjutanten, das ganze Haus und sah selbst unter den Möbeln nach, ob Draga nicht Dort jeriteeft sei. Tas Suchen blieb jedoch ohne Erfolg, worauf Der König sich in Positur stellte und Stitodim zurtef: „Jetzt befehle ich Tir als Dein König, mir zu sagen, wo Deine Schwester ist." Lunjewitza salutierte stramm und criüiDertc: „Zu Befehl, Majestät, sie ist zur Tante geflüchtet." Auf Befehl des Königs bestieg Nikodim Die vor dem Hause ivartende Hofegnipage und holte seine Schwester ab. 5115 Traga bald1 darauf kam, hielt König Alexander in aller Form um ihre Hand an. Traga weigerte sich lange, die Braut des Königs zu werden, willigte aber schließlich ein, worauf Tamjan Popowllsch Die milgebrachten VerlobiingS- ringc Dem Brautpaar übergab. • Woher kommt das Wort „Hagestolz"? In dem kurz vor dem Weihnachtsfeste erschienenen, von uns bereits wicDerholt erwähnten schönen Buche Des Gießener Univ.-Prof. Dr. L. Günther, „Deutsche Siechts- altertümerinunsererheutigendeutschen Sprache" (F/ W. Grünow in Leipzig) roirD ausgeführt, daß das Wort keineswegs nut „stolz" in Verbindung gebracht werden Darf. Vielmehr ist es abzuleiten oom althochdeutschen „Hag", Hag, d. h. umzäunter Grundbesitz, und „statt" (uom gotischen ftalDan — bestallen, besitzen), bedeutete also so viel ivie „Hagbesitzer". Besitzer eines wenig wertvollen Gutes. Ein solches wurde — nach uralter, bet Den Bauern noch heute vielfach geltender Sitte — häufig Den jüngeren Söhnen einer Familie gegeben, die Dann auch noch in einem 'Abhängigkeitsverhältnis zu Dem durch Den Besitz des Haupt Hofes (Herrenhofes) begünstigten ältesten Bruder standen und in der Regel unverheiratet blieben. Wegen dieses letzteren Umstandes wurde Dann der Ausdruck Hagestolz schon im frühen Mittelalter schlechthin für die Unverheirateten gebraucht. — Berliner Theaterbauten. Taß Berlin immer wieder eine theaterbaulustige Stadt ist uno daß für einen Tempel Thalias sich hier immer Geld und Kräfte jinben, ist ein 3a$, den die neuere Gejchichte unserer Hauptstadt durchaus bestätigt. Jetzt wird am ^embergsweg ein neues großes Nativnaltyeater gebaut. Ter Weinbergsweg T|i eine Straße des allen Berlins, die am Roscit- thaler Tor beginnt und -ick nach Rordosteu hinauf erureett Sehr günstige Aspekten würde man nach heutigen Begriffen einer Theaiergrundung in solcher Gegend nicht stellen, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß der Erfolg eines anderen belehrt. Cs hat nä.mUch an dieser Stelle schon einmal Ual.H *'*.3 ■'3' > '*3 '-£?!* 'Wenzel. Alt. Uen Theaters in ö_on Aarnhelin' ^chte Ausstattung den r ^binhardt bei ""das Atelier des vorhandenen Stuhl ) bn Aeinhardt mit öeW eingerichiet, e cr,Qn der Hand « bemerkte, durch * bet Frideri. 11tomm zur Per- 1 Teuer zu schützen.' >e unvollendeie Bild n!e d>e Frage nicht aalde^nicht vollende, ein Lvrso und wird Haare und das ll. sprach sich der önes haar besahen, Perücken nur bei Verwendung sanden, nna von Barnhelm haar nur pudern, die hübsch aussehen, iimerschade ist es,' Seift wie Friedrich verstand/ Menzel Stückes im Neuen i Darsteller genaue rang. Aus Belgrad Zn der .Schtampa' !raga nahcgeslandene tcüander, die sowohl piel Unheil brachte. ilereijanier, als da» ig der gegenwärtige LamM PapvMch, er einzige heuge^ der MweLragaAiaschin flüchtete sie zu einer hren Bruder Nikodnn hrcn Ausenthalt nie« im König Alexander, n Popoioitsch, m die vager" ries er dem Mitza zu und fügte llodun antivortele, er besinde, unterluchte nttn, d°s gMj°H°»S ob Trag« nicht vor ohne Erjolg, woran titodim zur.el: zu sagen, wo Lei e wie **L 3 -Sv: .®“ä'8o(C s ,$flll|dl ;Dt«d)e‘ * ü,b"* W-, ‘ golü®1' | ,ii»« ' J(ld «« * ? ein „tiiell«1 ® h-»te h i" 'S $«»l* '»"5 »uni»“ j ud-- b°' --K^S L,S-O Ws ( 6tilic 1 Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft. 1 1 1 S3 2 Wetter Bew. Himmel + 4,8 UC. r 4 6 1 1 1 KD 1 1 2 1 1 1 Kl) 1 1 2 .5 8 Tuberkulose der Knochen Darmkatarrh Krebs Zuckerkrankheit Gesäßentzündung Lungenemphysem Altersschwäche Masern __ Höchste Niedrigste Bywotiin-Ses fo unübertroffene SchönbeHs- und Oesundbeits-Seire. viel M-ndlach bewährt. Myrrholm-Olycerin. Erfolg« Weisse, zarte Hande, remer. schöner Teint. Beste Haut - Pflege - M itteL Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Kraickhert am von arrswärts nach Gießen gebrachte Kranke koirmren. Meteorotottlsche Beobachtungen der Station Gießen. Summe 9 (1) 7 (1) 1 JL w. SW. SW. Wetterbericht vom 14. Januar 1904. Berlaus der Witterung von Mittwoch bis Donnerstag. Das nordwestliche sehr kräftige Ties (unter 720 mm) hat sich noch mehr ostwärts ausgedehnt und das Hoch-nach dem äußerlten Südosten zurückgedrängt. Der Kern des -Tiefs lagert nördlich Schottland. Infolgedessen wird ganz Deutschland andauernd von südlichen Winden überweht, welche ergiebige Regenlalle verursachen. Das Tiefdruckgebiet erstreckt sich weit nach Westen, so daß rott sur einige Zeit unter {einem Einfluß bleiben. . Daher voraussichtliche Witterung für Freitag und S a m3» tag: Temperatur wenig verändert, mild, meist trüb, windig^ Rege ns alle. Keine Aussicht aus Besserung. Wetterdienst in Gießen : A. P e p p l e r. ein Theater gestanden, das denselben Namen führte und im Jahre 1878 abbrannte. Damals gab man Schauspiele daselbst. Tas neue Nationaltheater will' zunächst Bolks- ivpern und Singspiele geben; aus seiner Größe darf man 1 schließen, daß es dann mahl zu Ausstattungsstücken über- i geht. Ta ein Zuschauerraum von 3000 Sitzen geplant ist, wird das Theater das größte in Berlin werden. Bis 1890 war das größte Theater Berlins das Biktoriatheater an der , Münzstraße, das dann abgerissen wurde. Tas Nationaltheater wird von einem Garten für Svmmerkonzerte u. dgl. umgeben sein. Von den künstlerischen Leitern verlautet noch nichts. — Mit den zur Herstellung einer größeren Feuerficherheit am Opernhaus beabsichtigten Bauten bat man begonnen. Man bringt auf der Westseite des Gebäudes, die nach dem Opernplatze zu liegt, eiserne Treppen an, die nach den im Innern des Bühnenhauses gelegenen Künstlergarderoben führen. Im Fable eines Brandes sind dann die Künstler nicht mehr auf die aefährlickien alten hölzernen Treppen angewiesen. Tie Arbeiten werden sehr beschleunigt, da in seches Wochen alles fertig sein soll- Bis dahin spielt die Oper im Krollschen Theater im Tiergarten. Tas Kroltsche Theater wird in ber.eiben Weise als Stellvertreter in Kraft treten, wenn einige bauliche Veränderungen am Königlichen Sckiauspielhause ausgeführt werden, was Ende März oder Anfang April der Fall sein soll. * T e r Ausgeschlossene kommt fröhlicher Miene beim. Seine Frau: „Was ist Tir begegnet?" — Er: (eine Mode-Arie vor sich hinsummend): „Ich bin sehr zufrieden." _ ft rau- ,Tu hast wohl einen neuen Orden erhalten?' — Er- ,Jch pfeife auf die Orden! Komm, wir wollen einen kleinen Spaziergang zu zweien machen, es ist lange her, daß wir dazu gekommen sind." — Frau: „Ich verlange mir nichts besseres. So, ich bin bereit. (Sie verlassen das Haus.) Halt es ist kein schönes Wetter." — Er: „Kein schönes Wetter? Ich finde es entzückend." — Frau: „Achtung! Man wird Dich überfahren!" — Er: „Das war Zeit! Was für gemeine Jiidividueu find doch die,e Fialertutscher! Amüsieren sich damit, Fußgänger zu überfahren, gemeines Gezückck!" — Frau: „Entfernen wir uns, da klopft ein Lausmeister Teppiche aus und schüttelt uns den Staub ins Gesicht." - Er: „Und er lacht dabei, er findet das drollig, dieser schmutzige Kerl. Tas ist auch so eine Bane, bieie Hausmeister!" Frau (die von einem Bettler behelligt wird): „Hast Tu was für den armen Mann?" — Er: Tiejer arme Mann! Betrachte seine Nase. Er kommt von einem Glas Absinth und wünscht ein anderes zu trinken. Ich gebe iym nichts zur Befriedigung feiner Laster." — ft rau: „Aber das ist merkwürdig! Gestern noch mter- eifiertest Tu Dich für das Schicksal der Kutscher, beklagtest die Bettler und‘ verteidigtest die Hausmeister." — Er: Gewiß! Aber seit gestern hat sich etwas ereignet." — Frau: AVer was denn, lieber Freund?" — Er: „Ich wurde ganz einfach aus der sozialistischen Partei ausgeschlossen." - Frau: „Tu?" - Er: „Ja, ich. Und Am kannst Tir nicht vorstellen, was mir das für ein Vergnügen macht, nicht mehr gezwungen zu ) ein, die Meinung einer Partei zu haben und wiede wie die übrige Welt denken zu dürf en. u^au• Ls scheint mir wirtlich." — Er: „Zn denken, wie die übrige Welt. . . Komm, gehen wir nach der Avenue du Bois. Ta, sieh doch die vornehmen Leute, die schonen Vierde, die eleganten Automobile!" — Frau: „Wen grüßt im?" — Er: „Ten Vicomte von B. . ., einen charmanten Menschen." (Ter Spaziergang wird fortgesetzt.) — 9jtü die,em hübschen scherz glossiert der Pariser „rZigaro das Schicksal des früheren Ministers Millerand, der die,er Tage bekanntlich aus der französischen Sozialisten- parrei ausgeschlossen wurde. Berlin, 13. Jan. Ter Deutsche Tabakverein - hielt heute hier eine Sitzung ab, in welcher es sich u. a. darum handelte, neue Produktionserhebungen in die Wege zu leiten, und zwar in derselben Weise wie ür das Jahr 1898 auf Ersuchen des ReichAamtes des Innern Ermittlungen über die Mengen des verarbeiteten Rohtabaks, den Faiturenwert der daraus hergestellten Fabrikate und die Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte stattgefunden haben. Auch sollen die Hilfsindustrien (Kisten-, Etiketten- und Bandfabrikation) gebeten werden, die gleichen Feststellungen in Bezug auf den Umfang ihrer Beschäftigung für das deutsche Tabakgewerbe zu machen. Es kam bei der Beratung über diesen Gegenstand auch zu einer Aussprache über die wieder nahe gerückte Gefahr einer Aufrollung der Tabaksteuer- und -Zollfrage. Dabei wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, zu erklären, daß der Versuch einer Steigerung der Einnahmen des Reiches aus dem Tabak in anderer Weise als durch eine ungestörte gesunde Weiterentwicklung des deutschen Tabakgewerbes ohne eine schwere Beeinträchtigung aller beteiligten Erwerbszweige und Erwerbskreise, also vor allem auch der Arbeiter, nicht gemacht werden könne. Hamburg, 14. Jan. In der heutigen Aufsichtsratssitzung der Warenliquidatio nskasse wurde beschlossen, die Tividende auf 13 Prozent gegen 14 Prozent im Vorjahre festzusetzen. r Die Gothaer Feuerversichern ngsvank aus Gegenseitigkeit gewährt ihren Versicherten für 1903 aus dem Ueberschuß 75 Prozent (wie i. V.) der eingezahlten Prämien zurück. , .... Mechanische Buntweberei in Göppingen rn Konkurs. Aus den Einzelheiten, die über die Lage des Unternehmens bekannt werden, geht hervor, daß der Auf- sick.tsrat es an der nötigen Anfsichr fehlen ließ. Allerdings wohnte außer Leopold Guttmann fein Mitglied am Platz und mit seiner Person hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Tie Warenverschleuderungen hatten auffallen müssen und die siebener(a)einungen der Brandkatasirophe wären sicher wert gewesen, daß sich der Aufsichtsrat em- gehend damit beschäftigt hätte. Die Versicherungsgesell- ichaften machen bekanntlich geltend, daß die Einlagerung von 800 000 Mark Vorräten, die angeblich zerstört worden sein sollen, in die verbrannten Lagerräume überhaupt unmöglich gewesen sei. Jetzt ist man versucht, anzunehmen, daß es sich bei den verbrannten Waren um alte Warenbestände handelte, die Jahre hindurch in hoher Bewertung in den Bilanzen mitgeschleppt wurden und deren l)ohe Tarierung die anfänglichen hoben Tividenden ermöglichte. : Taö Lagerbuch, das darüber hätte Auskunft geben können, : ist bekanntlich mitverbrannt. , > Besserung in der Textilbranche. Wir haben ; in der letzten Zeit wiederholt von, der Textilbranche ange; 1 hörenden Aktienunternehmungen zu melden gehabt, daß 5 dieselben im letzten Jahre einen sehr erfreulichen Lws- schwunq gegen die Vorjahre genommen haben, ^n gleicher Lage befindet sich die — im Gegensatz zur Gladbacher Baumwollmanufaktur — Gladbacher Spinnerei uiu) Weberei, deren Aufsichtsrat nach Abschreibungen von 50000 Mark (wie i. B.) und nach Rücklagen von ca. 280 000 Mark, 10 Prozent (im V. 2i/2 Prozent) Tividende vorschlagt, bei einem Reingewinn von 280 000 Mark; im vergangenen ftahr mir 79 0,8 Mark. Diese ansehnliche Aufbesserung der Verhältnisse soll hauptsächlich, darauf zurückzufuhren sein, daß sich die Gesellschaft rechtzeitig mit RKmaterial deckte und aus der starken Steigerung der Preise Nutzen zog. Zur Lage. An der Börse schienen die Kriegsbesurckft- ungen gestern fast völlig geschwunden, als von Pans aus eine franzöjisch^nglische Intervention zu Gunsten des Frre- Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2,—15. Jahr dens in Aussicht gestellt wurde. Auf fast allen Gebietes fanden Kursaufbesserungen statt; doch, war die Kauflust äußerst gering. Das Publikum ist verschüchtert. Franzos ische Baumwollspinnereien. in Paris versammelten franz. Ba.umwollsp.nner haben sich der Mehrzahl nach für die Betriebseinschränkung nach eng- lichem Muster erklärt. Doch wurde von definitiven Beschlüssen vorläufig abgesehen, da die Spinnereien aus dem Osten des Landes nicht genügend vertreten waren. Für Ende des Monats ist eine neue Versammlung anberaumt; in welcher man sich wahrscheinlich in obigem Sinne ent* scheiden wird. __ WchluUiLTllcdkrM der TodrsM in dcr LIM Hießen 53. Woche. Vom 27.—31. Dezember 1903. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 linkl. 1600 Mann Militärs Sterblichkeitsziffer: 17,40 nach Abzug von 4 Ortsfremden: 15,26 °/co. Kinder Temperatur am 13. bis 14. Januar + 8,40 C. , , 13. , 14. „ - I anuar 1904. Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit 14. 216 729,2 + 7,0 4,8 65 14. 9’& 731,2 + 6,0 4,7 67 15. 71s 735.2 + 2,6 4,5 80 1,05 Mk. Mk. Kiefern- Fichten- Eichen- 8S 'S" Q u /z m lang | bezeichnete Gehölz a und b kann ge Nußkoks Nr. 1 Nußkoks Nr. 2 Bei Eutvahme von mindestens 200 Zentnern G <»- Inn u» | S-» passend zerkleinert: , Größe Nr. 1, etwas großer als durchschnittliche SlomgtöBe des Anchracck, gangbarste Sorte......... Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Konigröße des Anchracit...... ftür Koksabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um roeitere 5 Pfg. für den Zentner. Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Zeutne^^ Scheni das Verbringen der Koks — bis zu 6 Zentnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall je.) mit kemem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Sm Gaswerk findet nur ein Verkpitt von über » Zentner Koks statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der KleilUltlkauf der Gaskoks von 1 bis 5 Zentner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Bacheuheimer & Schaumberger, Marburgerstraße 22, Andreas Euler, Stemstraße 11, Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 34, Gebr. Kahl, Frankiurteritraße lol, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, iflcherslraße 2, August Struck, Bismarckslratze 6, Georg Unverzagt, Grünbergerstraße 13 Daniel Wirth s Nachf. (Th. Geflfus), Westanlage 38. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gaskoks samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Zenmeni. Die Preise unserer Gaskoks für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Oktroirückvergntnng von 4 Pfg. nie den Zentner. 42 Städtisches GaS- nnd Wasserwerk Gieße«. Zweites । WohnstlgkeitsKciizeri der Nritrn Sieger Kmbtz-GeMHiift zu Gunsten des warmen Frühstücks armer Schulkinder Ö Jirektion Essbiz o N Neuen Saalöau (Steins Garten) 861 ■08 2. 3. Sonate, E-dur, für Pfte. u. Violine J. 8. Bach. cm Durchm. — 56 fm 10 Buchen, 4—12 Esche, 4 RUDOLF (SOSSE-GiESSEB m SCHULSTRASSE 7 Fichten-Derbstangen (Sparren, Leiterbäume) = 52 fm SCHULSTRASSE 7 rm Fichten-Reisstangen (Latten). 596 Annoncen-Annahme für alle Zeitungen und Zeitschriften 90 22 frisch emgetrofjciu |U220 594 Unser Hausarzt sa»jbb Ivornehmste und angenehmste Mund- und Gurgclwasjer der Welt. 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Zeitung des Judentums Fliegende Blätter Kladderadatsch Lustige Blätter Gartenlaube lieber Land und Meer Westermanns Monatshefte Bazar Elegante Mode Wiener Mode Neue Musik-Zeitung Berliner Architekturwelt Architektonische Rundschau Giesserei-Zeitung Württembergische Bauzeitung Sondags-Nisse, Stockholm De Hollandsche Illustratie De Amsterdamer, Weekblad vor N. Magyar Salon - Otthon, Budapest Novi, St. Petersburg etc. etc. | Zum neuen Saalbau (früher Steins Garten). Sonntag den 17. Januar 1004: Grosses Extra-lllltär-Konzert MUigeführt von der 504 Kapelle des Hnsaren-Reglments Nr. 13, König Humbert von Italien unter persönlicher Leitung des Stabstrompeters Herrn Otto Heinrich. Anfang nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr. Eintritt 50 Pfrg. Sonntag den 17. Januar 1904, abends 5 Uhr. GasL'FräalHed^gSchweiCkBriuis Stuttgart Programm. 6) IM Ö " iisik-Abende in der grossen Aula der Universität- □ Nachstehende Zeitungen und Zeitschriften haben der Firma RUDOLF MÜSSE die ----- alleinige Inseraten-Annahme übertragen: Hei JlUsten, Heiserkeit, ■ Bgpa Verschleimung, Lungen-u. ■■mäI Brustkatarrh nehme mau nur die gesetzlich geschützten Eberenz’schen Husten - Dcctor - Bonbons. Aus reinem Malzextrakt hergestellt Paket ä 15 nod 30 Pfg. zu haben bei tiebr. Michel, Walltoretr. A. Noll, Bahnhofstr. [602 L Sorte Apfelsinen 10 Stück 75 Pfg., 2. Sorte 10 Stück 55 Pfg., 8. Sorte 10 Stück 46 Pfg. (Soldtrauben, Tafcläpfel und Tafclbtrue«, französisch, Kopfsalat, Spinat, Rosenkohl und Vlnmeukohl 4. Lieder am Klavier. 5. Trio in C-dur, Köchel 548 . W. A. Mozart Nipw Ä- Holz (Eichen) 3 Mk. frei ans Haus. 098> J.WeAhäfer, Marburgerstr. Kartoffeln. 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