X Redaktion, Exvedttion u. Druckerei: Schulstr.V. Tel. Nr. 6L Lelegr.-Adr. r Anzeiger Gießen. Nr. 294 Zweites Blntt. 154. Jahrgang Mittwsm S 4. Dezember 1904 Erscheint tvKlich mit Ausnahme des Sonntags. zk aa a zX a aa Rotationsdruck und Vertag der Brühl'scha, —----- ß WA M jPk KOT /jrro Iw W ‘liWW Ära Unwersttätsdruckerei. ÖL Lange. Gießen. Die „Gießener Kamiliendlätter" werden dem U n y W fei/ W H qs -Ä ® 8 d ' »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegL Der W M R A äly B |L H K, 1 W «Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmaL & General-Anzeiger, Amts- und Anzeigrblatt für den Kreis Netzen. A r Kktttzenlurmf fißtt die Kcmeii dcumlagen. Nehmen wir zur Verdeutlichung des am Schlüsse des vorigen Artikels erwähnten Verhältnisses der Besteuerung der verschiedenen Vermögesobjekte zu dem Einkommen die Verhältnisse eines Landstädtchens, wie solche aus der dem Entwurf beigefügten Tabelle ersichtlich sind. Nach Art. 33 des Entwurfs ist's den Gemeinden ins Belieben gestellt, je nach ihren Bedürfnissen auf je einen Pfennig zu erhebender Steuer vom Grundbesitz, Gewerbebetrieb und dem Kapitalvermögen (das bekanntlich nur zur Hälfte herangezogen werden darf) 3,5 bis 7 Prozent Ausschlag aus die staatliche Einkomnren- steuer zu bilden. Wenn, wie es die Regel sein soll, die Einkommensteuer zur Realsteuer wie 1 :2 festgesetzt wird, so bedarf die von uns ins Auge gefaßte Gemeinde an Gemeinde- einkolnmensteuer 4,08 Prozent der staatlichen Einkommensteuer zu je 1 Psennig aus jeder der drei Aealsteuern. Die fragliche Gemeinde hat 50 000 Alk. urnzulegen, besitzt an Grundvermögen 89 041 hundert Mark, an Anlagc- und Betriebskapital 19774 hundert Mark und an Kapitalvermögen 19 354 hundert Mark. An staatlicher Einkonnnen- steuer hat sie 13951,7 Mk. aufzubringen. Tie Mindestzahlen der Realsteuern betragen nun (1 Pfennig von je 100 Mk. Grundbesitz und Betriebskapital und von je 200 Mk. Kapitalvermögen) 890,41 Mk. Grundsteuer, 197,74 Wik. Gewerbesteuer und 96,77 Alk. Kapitalsteuer, dazu 4,08 Prozent von 13951,7 Mk. staatlicher Einkommensteuer — 569,22 All. als Gemeindeeinkommensteuer. Um nun die Gesamtumlage von 50000 Mk. zu erlangen, wird's nötig sein, die eben berechnete Steuer 28,5 Mal zu nehmen. Die Gesamtsunnnen wurden dann sein 25 377 All. Grundsteuer, 5 636 Alk. Gewerbesteuer, 2 758 Mk. Vermögenssteuer und 116,3 Prozent Ausschlag auf die gesamte staatliche Einkommensteuer = 16 229 Gemeindeeinkommensteuer. Die nach dem alten Gesetz erhobenen Steuern der Gemeinde sind: Grundsteuer 26 912 Mark (+ 1 535 Mk.), Gewerbesteuer 5179 Alk. (— 457 Alk.), Vermögenssteuer 1877 Mk. (— 881 Alk.). Einkommensteuer 16 032 Alk. (— 197 Mk.) Der neue Entwurf bringt demnach auf Kosten aller anderen Vermögen und der Einkommen dem Grundbesitz Entlastung. Bei uns in Gießen würde sich die Besteuerung nach dem neuen Entwurf folgendermaßen gestalten: Tie jetzt giltigen Beträge setzen wir . m Klammern bei: Grundsteuer 201 356 Mk. (190 040 Alk.), Gewerbesteuer 89 279 Alt. (120 160 Mk.), Kapitalsteuer 90 886 Mk. (62 149 Alk.), Einkommensteuer 417 670 Alk. (417 951 Alk.). Die Verschiebung ist hier etwas anders, als in obiger Gemeinde, doch die Erhöhung der Kapitalsteuer bleibt. Der vorliegende Entwurf, der die Gemeindebesteuerung regeln soll, wird demnächst in der 2. Kammer zur Beratung gestellt, aber nach einer Generaldebatte dem Finanzausschuß überwiesen werden. Welche Veränderungen er dort erfahren wird, kann man bis jetzt noch nicht voraussehen, jedenfalls aber wird mancher Punkt, vielleicht zur Ueberraschung der Regierung, geändert werden. Zunächst werden dem Entwürfe Schwierigkeiten begegnen, weil er die Besteuerung des rauhen Vermögens vorsieht und einen Abzug der Schulden nicht zuläßt. So sehr die Regierung bei der gesetzlichen Festlegung der Staatssteuern den Grundscch dec Leistungsfähigkeit der Einzelnen sesthält und darum für dieselben die Einkommensteuer als die gründ- legende ansieht, während die Vermögenssteuer nur als Er- gänzungsstener gedacht ist, denn so sehr verficht sie für die Gemeindesteuern den Grundsatz von Leistung und Gegenleistung, stellt ihn in den Vordergrund und berücksichtigt nicht in gleichem Maße die Leistungsfähigkeit des Einzelnen. Große Gewerbeanlagen stellen an die Leistungen der Gemeinde hohe Forderungen in vermehrtem Schutz, Unterhaltung von Straßen u. dergl. Aehnlich steht es mit dem Grundbesitz. Die Aufwendungen sind von der Gemeinde zu machen, gleichviel, ob die gewerblichen Anlagen und Betriebe und der Grundbesitz verschuldet oder gar überschuldet sind oder nicht. Es erschiene in der Tat als unbillig, daß der vollständig verschuldete Grundbesitzer oder Gewerbetreibende, dessen Schuldzinsen sein Einkommen fast vollständig aufzehren, neben dem geringen Beitrag zu den Gemeindeumlageri, der aus sein Einkommen entfällt, auch nur geringfügige oder bei etwaiger völliger Einkommensteuerfreiheit überhaupt keine sonstigen öffentlichen Abgaben an die Gemeinde zahlt, obgleich er alle Einrichtungen der Gemeinde viel stärker in Anspruch nimmt und ihr viel mehr Kosten verursacht, als der unverschuldete Nachbar mit bescheidenem Grundbesitz und kleinem Gewerbebetrieb. Denn die Fälle sind so selten nicht, daß saft ausschließlich mit fremdem Kapital gearbeitet, aber wenig verdient wird, dabei aber der Gemeinde recht erhebliche Kosten verursacht werden. Wenn man dagegen einwendet, der Staat gestatte doch auch' den Abzug der Schulden, so kann diese Tatsache zum Vergleiche nicht herangezogen werden. In einer größeren Genicinschaft, die doch der Staat darstellt, gleichen sich solche Unebenheiten leichter aus, als es in den engen Grenzen einer Kommune der Fall sein kann. Aus derselben Erwägung heraus hatte vor drei Jahren die Regierung die völlige Befreiung des Kapitalvermögens für die Gemeindebesteuerung in Vorschlag gebracht. In Preußen ists auch tatsächlich durchgeführt. Denn der Rentner macht so gut wie keine Ansprüche an die Aufwendungen der Gemeinde. Dies ist jedoch an sich nicht ganz richtig. Auch der Rentner genießt die gemeindliche Einrichtungen, zu deren Bestreitung er nicht bloß nut seinem Einkommen herangezogen werden darf. Eine Befreiung von der Kapitalsteuer kaum schon ans sozialen Gründen nicht befürwortet werden. DaS einzige Moment, das hier angeführt werden kann, ist das der Konkurrenz. Es giebt nicht wenige Pensionäre, die den Ort ihres Wohnsitzes nach der Billigkeit aussuchen. Da nun in Preußen eine Kapitalsteuer nicht erhoben wird, besteht für die an der Grenze gelegenen Städte die Ge- f ahr, an die Scholle nicht gebundene Rentner zu verlieren oder fernzu halten. Das Kapitalvermögen soll nach dem neuen Entwurf daher im Vergleich zu dem im Grundbesitz und Anlage und Gewerbebetrieb angelegten Vermögen nur zur Hälfte besteuert werden. Ein Vergleich der Ergebnisse der Kapitalsteuer nach dem Entivnrf mit den tatsächlichen Ergebnissen, wie sie zur Zeit nach dem bestehenden Gesetz vorliegen, ergibt aber das merkwürdige Resultat, daß die Kapital steuer in den allermeisten Gemeinden zum Teil um ein Beträchtliches in die Höhe gegangen ist. Für Gießen betrügt die Erhöhung 28 7 37 Mark! Eine scharfe Revidiernng dieser Bestimmung ist daher zum Vorteile dec kleinen Rentner, die im Alter von ihren teuer ersparten Groschen leben, unbedingt erforderlich. Um auswärtigen Pensionären den Aufenthalt in Hessen angenehmer zu machen, sieht der Entwurf für die Gemeinden die Möglichkeit vor, wie einige Handelskammern seiner Zeit auch beantragt haben, nicht hesjijchen Persone n, die im Großherzogtum eine mit Erwerb verbundene Beschäftigung weder auSüben noch ausgeübt haben, für 3 Jahre von der Gem eindeeinkom m en st euer ganz oder teilweise zu befreien. Diese den Kommunen zugestandene freie Ver- n'igung hierüber kann bedenklich sein. Es wird dadurch eine Konkurrenz unter den hessischen Städten hervor- gerufen. Sonst aber spiegelt sich hier der soziale Geist wieder, der, wie bekannt, unsere hessische Regierung von vielen anderen so vorteilhaft auszeichnet. Einkommen bis zu 900 Alk. und Vermögen bis zu 3000 Mark, bei Minderjährigen, Erwerbsunfähigen und Witwen bis zu 10 000 Alk. können von der Besteuerung befreit werden. Es ist zu wünschen, daß davon recht ergiebiger Gebrauch gemacht wird. Die Befürchtung, daß man dadurch die nicht bemittelte Bevölkerung als Gemeindelast sich heranziehe trifft kaum zu, denn der Arbeitswillige geht der Arbeit nach und das Gesindel ist so wie so schon in den Städten, die doch fast ausschließlich von der gegebenen Möglichkeit Gebrauch niachen können. Große Freude über den Gesetzentwurf wird bei den Bodenreformern deshalb herrschen, daß der Grund- besitz nach dem gemeinen Wert geschätzt und besteuert werden soll. Sie glauben dadurch eine bedeutend höhere Steuer aus den sogenannten Spelulations^andstütten zu ziehen, die zurzeit nicht nach ihrem meist hohen Wert, jonbern nur nach ihrem mittleren Reinertrag, der bei den meisten äußerst gering ist, veranlagt werden. Unserer Ansicht nach wird Vie Erhöhung in der Besteuerung in der von den Bodenreformern erhvsiten Weise nicht geschehen, da die Abschätzung gar nicht so leicht und der Wert oft recht schwantend ist, wenn wir auch zugeben wollen, daß eine merkliche Veränderung eintreten wird. Gerade dieser Punkt wird wohl große Debatten in den Kammern Hervorrufen, und daß die Regierung die Grundstücke im Sinne der Bodenresormer auch nur annähernd besteuert wissen will, ist aus dem Wortlaut des Entwurfs nicht ersichtlich. Wir meinen, der Text müßte irgendwie daraus Bezug genommen haben. Und das tonnen wir nicht herausdeuten. Es ist nicht zu leugnen, daß in der jetzigen Art der Besteuerung der S p e t u l a t i o n s g r u n d st u ck e eine gewisse Ungerechtigkeit liegt nnd den K o m m u in e n d a d u r ch Tausende jährlich verloren gehens wir fürchten aber, wenn die Regierung sich dem bodenrejormerischen Streben anschlösse, die Kammern werden gewaltig opponieren. Und doch wäre hier ein Gebiet, oas, ms Auge gefaßt und richtig durchgeführt, die gegen früher um ein bedeutendes erhöhte Gemeindekapitacsteuer aus ihren entsprechenden Betrag reduziert werden könnte, was wir für unbedingt notwendig für die Gemeinden halten, die ihren Rentnern und Pensionären außer schlechtem Straßenpflaster und mangelhafter Straßenbeleuchtung so gut wie garnichts bieten. Daß die Gemeinden in den Fällen, wo die sich ergebende Gewerbesteuer in starkem Mißverhältnis zu den von der Gemeinde aufzubringenden Aufwendungen steht, das Recht einer gewissen Bewegungsfreiheit in Erhöhung oder Erniedrigung der Gewerbesteuer haben sollen, finden wir so begreiflich, daß wir uns darüber gar nicht weiter aus- zulasjen haben. Daß die Kommunen allzu rigoros vorgehen werden, wird ihnen die ortspolitische Klugheit verbieten. Zudem stehen den Steuerpflichtigen in diesem Falle die gleichen Rechtsmittel zur Dersügung, wie gegen die ordentliche Veranlagung. Ten Gemeinden mit Städteordnung steht ferner die Freiheit zu, durch Ortsstatut zu bestimmen, daß die Gewerbesteuer bei Gewerben und Bergbau nicht nach den gewöhnlichen Sätzen normiert werde, sondern daß die Veranlagung nach dem l^rtr^ eines bestimmten Zeitraums, nach der Zahl der beschäftigten Hilfskräfte, nach einer Verbindung von Ertrag, Hilf straften und Betriebskapital, oder nach anderen Merkmalen für den Umfang des Betriebs geschehen könne. Bei diesen an sich durch nichts einzuwendenden Bestinmmngen fragen wir, warum soll dieser Vorteil allein den Städten mit Städteordnung zustehen, und nicht auch den letzteren Gemeinden? Auch diesen können wie jenen technische Hilfskräfte zur Verfügung gestellt werden. Um so dringender halten wir eine Aendecung hier für angebracht, womit die Tatsache sest- steht, daß gerade die größeren Btrieve immer mehr das Rayon der Städte entweder freiwillig verlassen oder meiden, oder durch lokale Polizeibestimmnngen hinausgedrängl werden. Daß die St a ats e i sen b ah n e n in ihrem Einkommen vvli der Entrichtung der Gemeindeeinkonimensteuer befreit sein sollen, Wirb lebhaftem Widerspruch begegnen, wiewohl zuzugeben ist, daß ein alle befriedigender Weg zurzeit nicht vorhanden ist. Man hätte aber eine Verständigung in den Kammern, mit der auch die beteiligten Gemeinden zufrieden gewesen wären, auch die, in denen Abjertigungsstellen sich zurzeit nicht befinden. Wir haben einen Gesetzentwurf hier vor uns, der das bedeutendste Werk aus dein jetzigen Finanzmini ste r i u m barstellt. Er hat ja wohl, wie alles, einige Fehler unb Schwächen, aber ein g r o ß e r Z u g ist nicht verkennbar. Diesen gilts zu behalten und jene auszu- merzen und durch bessere Bestimmungen zu ersetzen; das ist Aufgabe der gesetzgebenden Körperschaften, der zweiten und ersten Kammer, und vor allem ihren Ausschüssen. Soiiükchr Tagesschau. Bom ländlichen Genossenschüftswesen. Nach längeren Verhandlungen, die zwischen der Preuß. Zentral-Genossenjchaftsrasse und den berufenen Vertretern des Reichs-Verbandes deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften unter der Leitung des Finanzininisters Freiherrn von Rheinbaben stattgefunden haben, ist efs, wie wir schon kurz mitteilten, in diesen Tagen gelungen, zwischen der Preußischen Z en tr a l g e n o s j en s ch afts- taffe und der Landwirtschaftlichen Reichsge- nvjsenschastsbank, e. G. m. b. §. zu Dfarmstadt, eine Vereinbarung über die Abgrenzung des beiderseitigen Interessengebietes und des g e - genseitigen Geschäftsverkehrs zu schaffen. In der Ueberzeugung, daß das moderne Genossenschaftswesen in seinem ganzen Umfange nur bei freier Selbstverwaltung unb Selostbepirnmung gebeihen kann, war es naturgemäß, daß bei den getroffenen Vereinbarungen die Selbfiändtgteit der Landwirtsa)aftlichen Reichsge- nossenschaftAbank, e. G. In. b. §■ W Darmstadt,- nicht beeinträchtigt, vielmehr das Selbstbestimmung s - unb Selbstverwaltungsrecht des ländlichen Genosfenschaftswesuis streng au f r e chter h al ten worden ist. In der Hauptsache bezwecken die getroffenen Vereinbarungen, einer mehrfachen, unkontrollierbaren Kreditgewährung auf Grund derselben genossenschaftlichen Unterlagen (Hastsummen) wie auch etwaigen Folgen einer nicht leicht übersehbaren Verkettung von Haftsummen und einer damit möglichen Kredituberspannung vorzubeugen, da sowohl die Preußische Zentralgenossenschaftseasse wie auch die leitenden und verantwortlichen Personen des Reichs- verbands der Ueberzeugung sind, daß darauf abzielende Vorkehrungen und Vorbeugungen für die Gesunderhaltung des ländlichen Genossenschaftswesens von größter Bedeutung sind. Es wurde angenommen, daß der von beiden Teilen beabsichtigte Zweck sich dadurch am besten würde erreichen lassen, daß der Preußischen Zentralgenossenschaftseasse der Gew- und Darlehnsverkehr mit den preußischen Verbandskassen Vorbehalten wird, während der Landwirtschaftlichen! Reichs gen oßsen sch astsbank, e. G. m. b. H. zu Darmstadt, der au ß er pr e u ß i s ch e Geld- und Kredrt- verkehr sowie der aus dem Warenumsätze stammende und durch ihn bedingte Geschäftsverkehr überlassen bleibt, und zwar letzterer auch insoweit, als p r en ß is ch e Zentral- Ein- und Verkaufsgenosjenschaften mit ihr in Geschäftsverbindung stehen. Um die zur Erreichung des beabsichtigten Zweckes für erforderlich gehaltene engere Fühlung zwischen der Preußischen Zentral-Genossenschastskasse unb der Landwirtschaftlichen Reichsgenosjenschastsbank, e. G. m. b. H. zu Darmstadt, herzustellen, ist fernerhin eine Kapitalbeteiligung dieser sowie der Verbandskassen bei der Preußischen Zentral-Genossenschaftskafse und ein weiterer Ausbau des Ausschusses der Preußischen Zentral-Genossenschaftskasfe ins Auge gefaßt worden. Wie die Sozialdemokratie Weihnachten feiert. In Neustadt-Atagbeburg werben seit einiger Zeit in einer Gastwirtschaft für Kinder, Knaben unb Mädchen, Gesangsübungen abgehalten, die von sozialdemokratischer Seite eingerichtet sind. Natürlich sollen die Kinder in sozialdemokratischen Liedern eingeübt werden. Für diese Uebungen ist u. a. auch das schöne, sinnige, ergreifende Weihnachtslied „Stille 9lacht, heilige Nacht" folgendermaßen verballhornisiert worden: Stille Nacht, heilige Nacht, Rmgs umher Lichlecpracht. In der Hülle nur Elend und Not, Kalt und öde, kein Licht und kein Brot, Schlaft die Armut auf Stroh. Stille Nacht, heilige Nacht, Drunten tief in dem Schacht Wetlerblitzen; in drückender Fron Gräbt der Bergmann um niedrigen Lohn Für die Reichen das Gold. Stille Nacht, heilige Nacht, Henkersknecht hält die Wacht! Kn bem Kerker gefesselt, aeächt, • Leidend, schmachtend für Wahrheit und Recht Mtttiger Kämpfer Schar. Stille Nacht, heilige Nacht, Älrbeitsvolk hält die Wacht. Stümpfe mutig mit heiliger Pflicht, Bis die Weihnacht der Menschheit anbricht, Bis die Freiheit i't da! Teutjches Neich. Berlin, 13. Dez. Ter Kaiser unternahm heute einen Spaziergang in der Umgebung des Neuen Palms unb hörte spater die Vorträge des Eyess des AtUttar- Kabinetts Getu-Adj. Graf HülftU-Haeseler und des Ehcss des Abutiralstabes, Admtral Büchsel. ^obann nahm der Kaiser militärische Melbungen entgegen, bar unter diejenigen bes Kapt. z. S. van Semmern, stellvertretenden Gouverneurs von Kiautschati des olelteralarztes m*. scheibe unb des Awjot-- .whaunc von der Ostafrtkanifmen Lrchutz- trnppe der Teilnehmer an der West-Jndien-Fahrt auf dem Tcunvser „Prinzessin Viktoria Luise" nnd empjing aus t»exu 1 Sünden des Hauptmanns v. Mtze die Orden des verstorbenen Generals v. E^öpe. — Ter „NeichSanz." veröffentlicht die Ernennung des llnterstaatssekretär-e des Reichsschatzurnts v. Fischer zum Wirk!, tzx-d. Rat mit dem Prädikat Exzellenz. — Ter „Staarsanz.' veröffentlicht das Ersetz vom 14. November bett', bie Llbänderung der Verordnung wegen Ausdehnung der preußischen Tis ipli n arge s e tz e auf die Beamten in beit neuerworbenen Landesteilen. — Tem Reichstage ging zur Merten Lesung des Etats eine Resolution Erzberger Beumer, unterstützt durch Mitglieder des Freisinns, der Freikonservattven, oer Na rionaltitu raten und des Zentrruns 311, welche verlangt, daß and) die Abiturienten der Ove r r e a l s ch ulen zu den ä r 3 t 1 i ch e 11 P r ilfungc n zügel a s s e n lv-erden. — Tic Budgett 0 mmisji 0 n des Reichstages be- endcte beute die Geueraldiskussivn der 9ii)i)cllc zum R e i d) s ft e m pe 1 - Gesetz e und vertagte sich aus den 12. Januar. Ans der Tagesordnung stehen Nachtragsetats. Loburg, 13. Tez. In dem Befinden der verwitwettn Herzogin A l e x a 'n d r i n c ist nach dem heutigen Bulle- rin seit gestern keine Besserung eingetreten. Göth a, 13. Tez. Stautsminister h e n t r g wird gegen den Verbreiter der Nachricht, er habe wegen eines am 10. Februar 1902 in einem Zivilprozeß ergangenen Urteils deS Reichsgerichts seine Temission als Advokat nehmen müssen, Klage erheben lassen. Heutig hat seine Tätigkeit als Rechtsanwalt bereits vor 12 Fahren beendet. Der Prozeß juunmr aus dieser Zeit. Kirche und z-chute. Eltern und Schüler. Tas Großh. Hess. Ministerium des Innern. Abteilung für Schulangelegenheitcar, hat nach der „Darmst. Ztg." an die ihm unterstellten Direktionen der höheren Lehranstalten und die Leiter der höheren Bürgerschulen unterm 28. November d. I. in Form eines Amtsblattes folgende B e r - rügnng gerichtet: An vielen Lehranstalten herrscht noch immer der Gebrauch, mangelhaft angefcrriate Schülerarbeiten, auch 'wo cs von den Eltern nicht gewünscht wird, diesen durch die Schüler zur Unterschrift vorlegien zu lassen. Dieser Gebrauch wird durch die Erfahrung verurteilt. Während er einerseits eine erhebliche Förderung der L-chAer, die sich auf anderem Wege nicht eben so gut errciwen ließe, wohl kaum jemals zur nachweislichen Folge hat, verleirer er andererseits die Schüler nicht selten zu Fälschungen und sonstigem Betrug und hat im Zusammenhang hiermit vereinzelt schon 511 den traurigsten Verwickelungen geführt. Wir sehet! uns daher veranlaßt, dies Verfahren hiermit für alle diejenigen Fälle, wo cs von den Eltern nicht etwa ausdrücklich erbeten worden ist, zu untersagen. Unberührt hiervon bleibt die Bestimmung unseres Amtsblattes vom 17. Mai 1882, wonach die Ellern oder Angehörigen der Schüler von jeder strengen Bestrafung, namentlich wenn cs sich um Arrest oder Karzerstrafe handelt, rechtzeitig benachrichtigt werden sollen. Dock) hat auch rn dielen und ebenso in au en übrigen Fallen, wo unerfreuliche Mitteilungen an das Elternhaus für notwendig gehalten werden, die Bestellung der 'Nachricht nickt durch die Schüler ielbst, sondern durch die. Pedellen oder durch die Post zu erfolgen. Uevrigenö empfiehlt cs sich, daß den Eltern aller Schüler zu Anfang eines jeden Halbjahres bekanntgegeden wird, an welchen Tagen jeder Woche sich die Hefte mit den verbesserten und beutteilten sännst- lieben Arbeiten in den Händen der Schüler befinden. Hierdurch wird den Wünschen derjenigen Eltern Rechnung getragen, welche Wett darauf legen, von den Fortlchritten ihrer Söhne oder Töchter durch Einsicht in deren schriftliche Leistungen fortlaufeiid Kenntnis zu nehmen. Daß eine solche für die Eltern bestimmte Mitteilung zu Beginn be» Halbjahres den Schülern gemacht wird, ist in den Jahresberichten zur -allgemeinen Kenntnis zu bringen. Ausland. Paris, 13. Dcz. Ter Senat nahm den Gesetzentwurf an, nach welchem der Artikel des Code civil abgeschafft wird, der dem wegen Ehebruchs Geschiedenen verbietet, seinen Mitschuldigen zu heiraten. Petersburg, 13. Dez. Bei dem Justizgebäude, wo z)eutc der Prozeß gegen die Mörder Plehwe's ftatt- fand, wuchs der Verkehr seit Mittag ungewöhnlich. Das Publikum nahm zusehends zu, doch beugte die in bedeutender Zahl anfgcbotene Polizei jeder Verkehrsstockung vor. Die Stimmung des Publikums, unter dem sich auch Studenten befanden, ivar sichtlich erregt. TaL Urteil wurde heute abend verkündet: Sasanom wurde zu lebenslänglicher und Kikorsky zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit v erurteilt. Newyork, 13. Dez. Der deutsche Botschafter Freiherr Speck von Stern bürg und die beiden deutschen Offiziere von Löwenseld und Graf Schmettow haben sich heute an Bord des Dampfers „Kaiser Wilhelm II.* nach Deutschland begeben. Aus Stadt und Land. 'Gießen, 14. Dezember 1904. ” Tie Hochzeit Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs mit I. D. der Prinzessin Eleonore zu Solnis-Lich wird nach unseren zuverlässigen Erkundigungen aller Voraussicht nach am 2. Februar n. I. in Darinstadt (nicht in Lich) stattfinden. ** Landcsunivcrsität. Eine Probevorlesung über: „Ter heutige Stand der Nachahmung von Statur- Erzeugnissen und -Vorgängen auf chemischen! Wege" wird Tr. Süd Thomae zum Zwecke der Habilitation für das Fach der Chemie morgen Donnerstag, nachmittags 6 Uhr c. t. in der kleinen Aula des Universitätsgebäudes halten. "Ein Bauer als Handelsmann. Ein Bauer 4u§ O. NN Vogelsberg hatte sich ein neues Haus gebaut und wollte seine alte Hosraitc verkaufen. Er forderte 1500 Mk. Em Kanflicbhabcr, der sich bei ihm cinsand, fragte ihn während der Verhandlungen, wie teuer cr (der Bauer) das Haus s. Zt. angekauft hätte. Ter Sohn des Bauern, der dabei ivar, antwortete: 1200 Mk. Ta fiel der Bauer erregt ein: „Woas, zivelef hunnert? noch mäi wie dausig!" w. Die Erste Gießener Weihnachtskass e, welche 1 nmehr ihr drittes Rechnungsjahr vollendet, zahlt, so schreibt man uns, nächsten Samstag abend ihren Mitgliedern die Spareinlagen des abgelaufenen Jahres, in Höhe von ca. Mk. 3000 nebst Zinsen, wieder zurück. Wie in dem vorhergehenden Jahre, so haben auch diesmal die Einlagen in erfreulich.-r Weise zugenommen und wenn sie auch nur em winzige^ Sümmchen gegenüber den Riesenbeträgen von üb<-c 2H, Millionen Mk., welche die Frankfurter Wcihnachts- rteiten, dacstellen, so wirb die Freude [ ■ r >■ IC a sicherlich bei der Verteilung die gleiche jein. - m Weihnachtsftste, dessen finanzielle Seite iu »nanch-n Familienvater nachdenklich stimmt, Hilst cm so unter der Haiid angesammelter kleiner Fonds in gar vielen Fällen über manche Fragen hinaus unb trägt zur Verschönerung unseres herrlichen Festes nicht unwesentlich bei. Nicht allein dem Familienvater oder der sorgenden Mutter kommt diese nachahmungswerte Einrichtung zu gute, sondern ailch den Kleinen mit all ihren Wünschen unb Bedürfnissen und nicht zuletzt den! GeschästSlnanne, denn alle für daß WeihnachtS- eft speziell gemachten Ersparnisse werden fast ausnahmslos vor den Feiertagen in Waren umgesetzt. Grün berg, 11. Dez. Heute nachmittag 4 Uhr fand im Gasthaus ,311111 Rappen" hier nach einer vorausgegangenen Uebung der hiesigen freiwilligen Feuerwehr unter dem Vor- itz des KreiSamimannö Dr. Kranzbühler ein KreiS- Feuerwchrtag statt, zu dem sich die Vertreter von etwa 40 Gemeinden eingefunden hatten. Bei Eröffnung der Ver- ammlung gab der Vorsitzende seiner Freude darüber Ausdruck, daß trotz der zumteil schlechten Verkchrsverhältnisse die Vertreter in so stattlicher Zahl erschienen seien, und begrüßte hierauf einen Jubilar der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, Herrn Christoph Bock, unter Ueberreichung des demselben von Sr. K. H. dem Großherzog verliehenen Ehrenzeichens für 25 jährige Tätigkeit als Feuerwehemann. Nach einem aus Se. Kgl. H. den Großherzog ausgebrachten Hoch, in das die Versammelten freudig einstimmten, nahm KreiS- feuerwehrinspektor L00S das Wort über das Thema ,K0 n- struktion der Feuerspritzen und deren Behandlung". Brandinspektor Traber auS Gießen hielt einen Vortrag über ^Aufbewahrung und Pflege der Fjeuerlöschgerätschasten". (Nach dem Gr. Anz.) ? Arnsburg, 13. Dez. Kürzlich statteten S. Kgl. H. der Großherzog nebst seiner hohen Brant, sowie Prinz Heinrich von Preußen uud die Fürstliche Familie von Lich unserem Kloster einen Besuch ab. Die hohen Herrschaften waren den schönen Waldweg zu Fuß von Lich herüber gekommen. Nachdem sie die Ruine besichtigt hatten, wurden sie beim Weggang überrascht durch eine Ovation der Kinder des Rettungshauses, welche das Hessenlied und einige andere Lieder sangen. g. Büdingen, 12. Dez. Der hiesige Kirchengesang- verein hielt gestern in der Stadtkirche fein 1. Konzert in dieser Saison ab. Der Chor leistet unter der Leitung des Lehrers Pebler vorzügliches. Besonders gefiel uns der Chor von Eccard. Ein seltener Genuß wurde uns durch die Alt- Soli der Fräulein Dcinet aus Frankfurt bereitet. Die beiden anderen Solistinnen, Frau L. Nut (9Ut) und Frl. Heutzen- röder (Sopran) von hier brachten mehrere Soli und ein Duett sehr ansprechend zu Gehör. Die WeihnachtLkantatc von Adam zeigte von hoher tünsilcrischer Lluffassung des Vortragenden (C. Ruth). Das Konzert war sehr start beucht. g. Büdingen, 12. Dez. Da die Bausummc für den Mathildenh 0 jpitalneubau immer noch nicht gesammelt ist, haben sich einige Herren von hier zur Llbhaltimg von öffentlichen Vorträgen bereit erklärt, deren Erträgnis dem Balifonds zufließen soll. Auch der Gesangverein Liedcrkranz beabsichtigt zu besten des Neubaues mitte Januar ein Konzert abzuhallen. Der Bau soll im Frühjahr in Angriff genommen werden. Dorn heim, 12. Dez. Im August v. I. brannte die Scheuer des L a n d w i r t s M i ch a e l F ü ck e l ab. Philipp Misch!ich, der von Fückel angeklagt ivar und einer Strafe entgegenzilsehen hatte, halte sie aus Rache angezündet. Dafür erhielt er 3 Jahre Zuchthaus. Oesters schreibt er Briefe nach Hause, in denen er seine Bruder zum Guten ermahnt. Bor 14 Tagen brannten 3 Scheuern und einige Stallungen nieder und heilte nndjt wurde die durch die Brände immer mehr geängstigte Bevolkerlmg von neuem m Aufregung versetzt. Tie kaum wieder aufgebautc Scheuer deS obengenannten Fückel )vurde ein Nallb der Flammen. Bald stellte sich heraus, daß dec 18 Jahre alte Brlid er des megen Brandstiftung mit Zuchthaus bestraften Mischlich am Abend vor dem Brande in einer Wirtschaft einem Spengler- unb einem Schreinergesellen gegenüber geäußert haben soll, „er wolle Flückels Hofraite heute obenb noch in bic Lust fliegen lassen." Man warnte ihn vor solcher Tat mit Hinweis auf bas Schicksal seines Brubcrs, unb er versprach auch, jein Vorhaben auszugeben. Doch balb barauf tönte schon Feuerlärm. Nun glaubt man, daß Mischlich auch noch den Brand vor 14 Tagen angelegt habe. Er wurde hellte abend verhaftet. (D. Z.) Offenbach, 13. Tcz. Tic spanischen Schwindler jind, wie wir her Ztg." entnehmen, noch immer unermüdlich an der Arbeit. Leiber scheinen sich trov aller Warnungen immer toieber einsaitige Leukc zu finden, bic auf beit dreisten Schwindel hcreinfallen unb ihr gutes Wclö nach Spanien jenden, es wäre sonst nicht möglich, das; die Schivindlcr Deutschland, Oeste-rreich und uie Schweiz derart mit Briesen überschwemmen könnten. Ein Schreiben, welches cm OfsenbaclM Geschäftsmann dieser Tage erhielt, ist tßpisch für diese Briese; zur erneuten Warnung sei es nachstehend veröffentlicht: r „_ „5. 12/4 Herr Wegen Vaukcrrolt hier in Gesangeuschast, frage ich bei Ihnen an, ob Sie mir nicht Helsen möchte, eine Summe von 51 2 0 0 0 Mark, zurückzuziehen welche ich in Teittschland liegen habe, ohne Jemand s vonwissen, und hier nach Spanien zu kommen, um sich der Papiere zu bemächtigen die unumgänglich notwendig sind, damit Sie die Summe zuruckziehen können. Als Entgelt, indem ohne Ihnen alles für mich verloren ist, würde ich e i n T r i t t e l der Summe an Sie abtreten. Ta ich!nicht sicher bin, ob der Brief richtig adressiert ist, erwarte ich Ihre Antwort, um meinen Namett Zeichnen unb Ihnen die ganze Sache anüirtraucn zu können. Ich tann Ihre Antwort nicht im Gefängnis erhalten, doch wollen Sie eine Tepes che an meinen Alten Ticncr absenden, der Sie mir in aller Gewißheit zugelangen lassen wird. Er wohnt in der Umgegend, uno seine Adresse ist! P r a t P. G. Maur esa Spanien. Ich erwarte mit Ungeduld ^yre Antwort, und Zeichne nur Nochmals: Nur Telegraphischer Bescheid ist erwünscht, da ein Brief mir nicht zugelangen würde." tc. Weilburg, 13. Dez. Ein hiesiger Gy 111 nasiast batte im September ds. Js. an den japanischen Vizeadmiral Kainiinura eme Ansichtskarte gesch 1 ckt. Jetzt erhielt der Gymnasiast von Kammiiira als Erwide- r u 11 g eine Ansichtskarte nut der Ausjchrfft: „Vom Kriegsschauplätze. Vielen Tank für Ihre Wünsche. Als Revanche sende Ihnen diese Karte. Kamimura, Vizeadmiral." Darunter in roter Farbe das Siegel des Äldmirals, dec viel Zeit zu haben jchcmt. Limburg, 13. Dez. Eine Versammlung des Vorlandes der Lah nkanalkommission sand im Preußischen Hof statt und war gut besucht. Sie wurde durch den Vor- itzenden, Generaldirektor Kaiser-Wetzlar eröffnet. Dr. Dahlem erstattete eingehend Bericht Über den gegenwärtigen Stand der Lahnkanalisation. Zur großen Freude konnte dem Vorstande mitgeteilt werden, daß der Minister, wie mitgcteilt, bereits 4 0 8 0 0 0 Mark bewilligt habe, um die Strecke der Lahn von Nieder-Lahnstein bis Eins zu kanalisieren. Diese Summe soll in zweijährigen Raten bewilligt werden. Somit ist große Hoffnung vorhanden, daß die Lahn ' p ä t e r a il ch n 0 ch b i S G i e ß e n k a n a l i s i e r t w i r d. * Strindberg u nd Riihirrat. Aiif den ersten Augenblick dürste es schwer fallen, zwischen dein schwedischen Dichter s?luguft Strindberg unb beni oldenburgischen Minister Rustrat eine Verbindung zu finden. Und doch bringt beide 0 verschiedenen Menschen das Spiel zusammen, und zwar das viel umstrittene Pokerspiel. Nuhslrat behauptete und behauptet wohl and) jetzt noch, daß „Pokern" kein Glückspiel sei, wogegen sich Strindberg folgendermaßen äiißert: „Unb dann kam bas Pokerspiel, Das Diebsspiel um Geld ohne Nachdenken." Diese Worte kann man in des Dichters neuestem Werke „Die gotischen Zimmer" (Verlag von Herin. Seemann Nachf. in Berlin) auf Seite 326 nachlesen. Wer mag wohl recht haben? * 9(u§ dem juristischen Examen. Professor deS Kirchenrcchts: „Herr Kandidat, ivas verstehen Sie unter „Clrcumskriptionsbnllc" ?" Kandidat (nach längerem Be- inneii): „Das ist ein Stier, der im Dorfe herumgeführt wird mit einer Liste, in die sich die Bauern einschreiben, die derartige Kühe haben." * Vor Gericht. Der „Frkf. Ztg." wird aus Kasse! geschrieben: Bei einer Schwurgerichtsverhandlung fragte der Vorsitzende eine als Zeugin geladene Kaufmannsfrau aus einem kleinen, Kasse! benachbarten Städtchen nach Personalien und Alter: „Sind Sie bic Ehefrau bcs Kaufmanns Souubso ans....?" Zeugin: „Ja." Boriitzenber: „Geboren?" Zeugin (errötend unb sehr leise): „Fünfmal." Tableau! Zlniverstläts-Nuchrlchten. Paris, 13. Tez. Ter aus Metz gebürtige Professor der Geschichte an der Sorbonne unb Mitarbeiter des „Temps", Henri M i ch e l ist beide im Alter von 47 Jahren g e st 0 r b e n. Kenchrsjiral. th. Gießen, 13. Tez. Heute verurteilte bic Straf* f a in nt c r den Schweinehirten und Latcrncuanzünber E. F. aus Lollar wegen an seiner Tochter begangener Blutschande zu 3 Jahren Zuchthaus unb lOjährigem Ehrverlust. Dem 27 Jahre alten Pröbchen würben niilbcrnoe Umstande zugebilligt unb es zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Tie Verhaublung fand unter Ausschluß der Ocffcntlichkeit statt. Berlin, 13. Tez Ter Redakteur Hussong von der „Tag!. Rmidsckian" wurde heute wegen Beleidigung des Er z- bischoss vo n Valencia vom Schöffengericht zu 50 Marr Geldstrafe verurteilt. c Dresden, 13. Tez. Die dritte Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurteilte den Gerichts-Assessor Hüttner aus Leipzig wegen Ehebruches zu 3 Monaten Gefängnis. . , , — Ein französischer Gymnasiallehrer vor einem deutschen Kriegsgericht. Tas Kriegsgericht zu Trier verurteilte den als Ochmnasiallehrer in französischen Diensten stehenden Tr. Ladrel! e wegen Fahnenflnch t zu der Mindestslrafc von sechs Monaten Gefängnis unb Ver- 1' iweitc Klasse bes Soldatenstanbes. Labrelle, ber [er bei Mülhausen i. E. geboren ist, wanderte nach seiner Entlassung aus der Elementarschule nach Frankreich aus. Er studierte in Belsort. 1900 stellte cr sich ber heimatlichen Ersatz- beljörbc und wurde als Gardeinfanterist ausgehoben. Ta er dauernd in Frankreich bleiben wollte, hielt er es nicht für notwendig, in Deutschland beim Militär cinjutrcten. Im September unternahm cr von seinem französischen Wohnort aus einen Spaziergang über die Grenze und wurde von einem Grcnzwachtcc verhaftet. Man stellte ihn beim Infanterieregiment Nr. 70 em, hielt, ihn aber bis jcyt in Untcrsiichungshaft. «LanDwirtschaft. — Zentrale für Kartoffeloerwertung. Der agrarische Wunsch, den Handel bei der Verwertung der landwirtschaftlichen Produitc möglichst ganz auszuschalten, hat -oeurebungen zur Errichtung einer Zentrale für Kartosselverwertung gezeitigt. Eine Anzahl von Gutsbesitzern im, Verein mit Professor Rnh- land sind 5u einer Kommission zusammcngctrctcn, die detaillierte Vorschläge ausarbeiten unb in der großen landwirtschaftlichen Woche im Februar 1905 den fVartoffelintere) enteil iwrtragen soll. Beabsichtigt ist eine Zentrale, die mit Hilfe der landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbändc, der Koriihausgenossenichaften, d-r landwirtschaftlichen Msad- unb Kreditgnwjsenschasten, tote dem Spiritusringe unb den geiiossciischastlichen ^t^kcsabrikeii den Absatz der Kartoffclii in die Hand nehmen soll. Ob die Achicht sich in die Wirklichkeit umjetat wird, bleibt abzuwarten Bei Feststel ung der verschiedenen Marktpreise scheint man die Htife der Zentral- noticrungsstrlie der Landwirtsckaflskammer auzscpalten zu wallen. Vom Professor Ruhlaitb wirb sein stattiinches Burean „Getretde- markt" sür diesen Zweck emvfohlen. Es hat sonnt nach der „K. Z." ganz den Anschein, als ob man es hier wieder mit einem Ruhlandschen Projekt zu tun, habe. Kandel und Drrtieiir. WolKswittschaft. Berlin, 13. Dcz. Die Subskription auf die 311 v Zeichnung ausgclcglcn nominell 40 M i l! i 0 ii c n ° A n t e i l c ber 0 st afrikanischen Eiscnbahngcs ellschaft hatte binvcubenben Erfolg, sodaß spekulative Zeichnungen mir nut geringen Prozentsätzen berücksichtigt weiden oder ganz ausiallen. — 91 e u c ru s s i s ch e A n l e i b e. Gegenüber allen Dementis beharrt der Londoner Eily-Bcrichtcrftattcr der „91. Hamb. B.-Halle" dabei, daß eine russische Anleihe mit 400 Mill. Mk. schon im Januar in Berlin zur Ausgabe gelangt. Es handle fiel) um 4 1/ proA. Schuldbriefe, während den Parisern 5 proz. Schatzbonds für^deii März ober April anibewahrt luerben. Diese Arrangements feien tatsächlich beschlossene Sache und es durste diesmal eine Abänderung weniger leicht criolgen, als sie bisher die fern anSge- beeften Pläne der für Rußland maßgebenden Finanzpotcntaten \o oit betroffen hat; beim für den Januar müssen doch die Ab- machnngen in ziemlich cubgültigev Forni festlieaen, wenn überhaupt etwas arrangiert ist. Tie Pariser haben sich nuöbebungcn, das; man sie erst dann mit neuen Russen beglückt, wenn sie ihre eigenen Emissionen in Ordnung nebracht haben, auch, wie verlautet, eine große portugiesische Emission unter Dach unb Fach gc- schafft ist. ___ ■ Eine hübsche Herren- oder Tameu-rajchen- MüSCMeiniB Uhr erhält Jedes, welches zusaminen 400 Ihn- -----sch läge von oüoth's Spiegclseifc, Gioth's gcin. Memjctte und Gioth's Schwanenjclsc (Toilettcufcijc) an den Fabrikanten I. Giolh. Hanau, cinicnbct hvll7* fetzung in 1876 in r Oii Preis! vorherige Bi I ' «)t, J "" V '? '»erben ,CB b,e üatjn "ft"' ''^editzen SUliniutt btln9t beide '- zwar WMett und ,c!» Slüikz, 1 äußert: senken.' "'len, Werke n1, Seemann e: lllQ9 wohl Nefior des n 2ie unter Engerem Be. derumgejührt ^''chreiben, bie aus Kassel n9 frogte ber annssrau aus 4 Personalien epftflor bti Ge- rems", Henri : rrptn. 2 tiai* Xi C. 6- aus tschande zu lern 27 Zähre hgt unb es zu mg sanb unter von der „lägt g bti Grp ;u 50 Mar! t des -iej'lgea it Lültner uatm Tr- U-Hrer vor > -pgsgmHt^u \n niM-ösischen nensluch t ru flni5 und w* i Melle, der • --nderte M 2n!reÄaus..Gr ^clllchen Eyak' -ho^n. 2c er ■5 mctii sür f' 3m Ä-tM jrujrt aus Ter yr landwrrt- '^esnebunyen \.c oetarltierte ^MchaNl«^ ■‘ vortragen , innöiwri* «S Säb< • rrtirfitli®8 »,°ber3^ i'J lvolltN- >rerde- ur-av '^tz her IlHH mc zu' wf • Ö’Ln "N ft. !$' m» ^<5 31 Sonnenstrasse 31 Giessen 14 Kreuzplatz 14 Grösstes Lager aller JKinder-Spielwaren am Platze. I 8778 in grosser Auswahl. LAW" Billigste Preise. 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