General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen 0 Rotationsdruck und Verlag der Brüh!'schm Unwersttätsdruckeret. tft Lange, Gießen. Redaktton, Expedition u.Druckerei: Schulstr.L. Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. i Anzeiger Gießen. Syveton willen in die französischen Lüste fliegen, um ein paar herbstliche Mücken zu töten. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist bei dec Präsidentenwahl, ivic vorauszuseheu war, dem feinde plötzlich zu enragiertesten iVorkämpfern dieses wichtigen iVertehrsmittels geworden ist, während die Liberalen der neugeschafsenen Sachlage mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehen. Heute, Aiontag, wird der Kanal mitsamt dem Schleppmonopol in der Kommission wohl zur Annahme gelangen. Was das Plenum bringt, ist natürlich ungewiß. Tie letzte größere Tat des Abgeordnetenhauses vor seinem Auseinandergehen war die ohne große Formalitäten erfolgte Einsarg ung des vielberufenen Scherl- jchen Sparlotterieentlvurjfes, der dadurch wohl für längere Zeit von der politischen Bildfläche verschwinden dürfte. Der unglückselige Mtionalitätenhader, der fort und fort die Grundvesten des österreichischen Staates untergräbt, hat zum wer weiß wievielten Male wiederuni schwere Opfer gefordert. Auf Motive gestützt, die der Welt verborgen blieben, glaubte Ministerpräsident v. Körber berechtigt zu sein, der Hauptstadt des lern deutschen tiroler Landes, dem herrlich gelegenen Innsbruck, eine it alte jrri sch e Rechtsfatultät uufnötigeu zu können. Es kam aber anders, als die Regierung in ihrer Kurzsichtigkeit erwartet hatte. An dem Tage, an dem das geplante Institut eröffnet werden sollte, machte sich der allgemeine sBolkswille in einer elementaren Bewegung Luft. Es kam zu heftigen Straßentumultcn, wöbet ein Toter und zahlreiche iVer- wundete aus dem Platze blieben. Die aufangliche Un- zufrredenheit der Einwohnerschaft wich dadurch einer flam- menden Empörung, die ihren Niederschlag u. a. durch die großartige Beteiligung bei dem Begräbnis des getöteten Malers Pezzey sichtbaren Ausdruck fand. Die Folgen dieses unklugen Borgehens des Wiener Kabinetts sind nicht abzusehen. Die Ruhe läßt sich vorläufig nicht Herstellen. In der Wiener Universität finden fast täglich immer npch Demonstrationen der deutschen Studenten gegen slawische und italienische Studenten sowie gegen den Senat statt. Dre slawischen und italienischen Studenten wurden durchgeprügelt und aus der Aula hinausgeworsen. Die Italiener beklagen sich darüber beim Unterrichtsminister, der aber tadelt sie wegen ihres Revolvertragens. Das Rektorat der Wiener technischen Hochschule versicherte den deutschen Studenten, daß es gegen die an den Innsbrucker.Vorgängen beteiligten italienischen Hörer mit den schärfsten Maßnahmen vorgehen und die Ausnahme von anderen Hochschulen verwiesener italienischer Studenten verweigern würde. In Italien ist man empört und flucht über den „Barbarcnkampf gegen Die italienische Kultur". Tragikomödie der Weltgeschichte: Zwei mit vehementer Kraft ausgeteilte Ohrfeigen haben in Frankreich dem schon bedenklich wackelnden Kabinett Combes abermals eine erhebliche Mehrheit in der Deputicrtenkammcr verschafft. Die französische Kammer hat schon einmal eine Ohrfeigenaffäre erlebt. Das war im Jahre 1892, als der Minister Constans dem bonlangistischen Abg. Laur auf eine persönliche Anzapfung hin ein paar redlich verdiente Ohrfeigen applizierte. Bei der diesmaligen Ohrfeigenaffäre war wiederum ein Minister beteiligt, nur mit dem Unterschiede, daß diesmal der Minister, General Andr6, die Prügel erhielt, während der Täter ein Abgeordneter der nationalistischen Partei, Syveton, war. Die von empörender Roheit zeigende Tat, die ihrem feigen Urheber eine längere Gefängnisstrafe cintragen wird, lvurde von der überwältigenden Mehrheit des Hauses gebührend verurteilt, während sie zugleich die mittelbare Ursache war, die unmöglich gewordene Stellung des an den Folgen der Züchtigung immer noch leidenden Generals Andrä wieder zu befestigen. Das kann aber nicht hindern, die Handlungsweise des Kriegsministers, der die persönliche Uebcrwachung der in ihrer politischen Gesinnung verdächtige Offiziere der Armee angeordnet hatte, zu mißbilligen. Der General mochte selbst nicht so recht an die Reinheit seiner Verfügung geglaubt haben, denn seine Verteidigung auf die klerikal-nationalistischen Angriffe war schwächlich, so daß ihm von Rechts wegen nichts anderes übrig geblieben wäre, als seinen Abschied zu nehmen, bet seinem Fall auch die übrigen Minister, mit Combes an der Spitze, mit sich reißend. Durch die Syvetonsche Brutalität ist die als unvermeidlich angesehene Minister- bezw. Kabinettskrise wieder auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben worden. Die Armee aber beeilt lich, ihrem obersten Ches ihre Empörung über Syveton zu äußern. Der reaktionäre General Geslin de Bonr- gogne, ein heftiger politischer Gegner Andrös, erwähnte in einem Briefe an den Kriegsminister, daß sich die ganze Armee durch Syvetons Attentat entehrt fühle. Duellfordernngen ind in Paris nun mehr denn je auf der Tagesordnung. Der iiationalistische Abg. Gras de Rochthulon, Vertreter des Departements Vendee, sandte dem Leutnant Andre, dem Sohne des Kriegsininisters, einen Brief, worin er in beleidigenden Worten dessen Verhalten gegenüber Syveton kriti- ierten. Der junge Herr Andre hatte nämlich als gehorsamer Sohn dem Befehle seines Vaters, Syveton nicht der Ehre eines Duells mit ihm teilhaftig werden zu lassen, Folge geleistet. Diese Provokation des Grasen Rochthnlon aber konnte der junge Herr nicht auf sich sitzen lassen.' Er forderte also nun den Grafen statt des Buben Syveton und erhielt von dem Grafen am Samstag eine leichte Verwundung an der Hand. Edlere Teile wurden also nicht verletzt. Syveton choß sich inzwischen mit den: Hauptmann de Gail, beide Gegner blieben unverletzt. Die übrigen jüngeren Offiziere der Garnison des jungen Andrö, St. Vinzent, wollten alsdann einen Kanieraden auslosen zu einem weiteren Duell mit Syveton, ihre Vorgesetzten aber ließen diese Schießerei nicht bisherigen Präsidenten Theod. Roosevelt von seinen Mitbürgern die höchste Würde, die sie zu vergeben haben, übertragen worden. Richt vorauszusehen aber war, daß der Erwählte des Volkes eine so imponierende Stimmenzahl auf seine Person vereinigen würde. Ziim erstenmal seit dem Bestehen der Union hat eine so riesenhafte Wahlbeteiligung stattgefunden. Von den 14 Millionen abgegebenen Wahlstimmen fielen auf Roosevelt allein über 8 Millionen. In unzweideutiger Weise hat damit die Bevölkerung der Vereinigten Staaten ihren Willen kundgegeben, daß die bisher von Roosevelt befolgte Expansionspolitik, die eine Politik der Hochfinanz und der Großindustriellen ist, auch fernerhin in Geltung bleiben möge. Während seiner dreijährigen Regicrimgstätigkeit hatte der eheinalige Anführer der „Rauhen Reiter" au§ seinem imperialistischen Herzen niemals einen Hehl gemacht: mit der systematischen Unterdrückung und Ausrottung der unglücklichen Fillppinos ging eine beträchtliche Vermehrung des Heeres und der Marine Hand in Hand. Durch die jetzt erfolgte Wahl „Teddys" ivird die großamerikanische Annexionspolitik trotzdein sie der Union fast schon drei Milliarden gekostet hat, aiich in Zukunft sortgeführt werden, da die Demokraten, diirch ihre Hinneigung zum Radikalismus in Verruf geraten, vorläiifig als ernsthafte Gegner kaum in Betracht konnnen. Erst eine bereits in Aussicht genommene gründliche Reforni an Haupt und Gliedern dieser ehemals mit der republikanischen gleich starken Partei kann hier eine Besserung bringen. Der unterlegene Gegenkandidat hat den Demokraten die Mitteilung gemocht, daß er durch Vermittlung der Parte: fortfahren werde, die Trusts zu bekämpfen, daß er aber seine Kandidatur für die Präsidentschaft nicht mehr ausstellen werde. Roosevelt wird übrigens wahrscheinlich Cornelius Vanderbilt zum Sekretär der amerikamschen Botschaft in Berlin ernennen. Cornelius Vanderbilt ist von Kaiser Wilhelm persönlich wiederholt ausgezeichnet worden. Von: ost asiatischen Kriegsschauplatz sind auch diesmal wieder wichtige Begebenheiten nicht zu melden. In der Mandschurei stehen sich beide Gegner nach wie vor untätig gegenüber, während Port Arthur, dank seiner heroischen Verteidigung noch immer den verzweifelten Stürmen der Japaner trotzt. Doch scheint das Ende zu nahen. Furche uns schule. — Geschichte der katholischen Kirche in Hessen vom heil. Bonifatius bis zu deren Aufhebung durch Philipp den Großmütigen (722—1526) von Johann Bapt. R a d y, herausgegeben von Tr. Joh. Mich. Raich. Verlag der Mainzer Verlagsanstalt und Truckerei, A.-G., in Mainz. — Althessen, so lesen wir im Vorwort zu diesem Buche, ist der klassische Boden, den der hl. Bonifattus zum Mittelpunkte seiner apostolischen Tätigkeit gemacht, wo er Fulda gegründet und luo nach seinem Wunsche auch seine Gebeine ihre Ruhestätte finden sollten. Zu Althessen gehört ferner Marburg, wo die volkstümlichste Fürstin Teutschlands, die hl. Elisabeth gelebt hat und begraben ist. Auf demselben Flecken Erde stifteten die Landgrafen von Hessen und hessische Edelleute eine Reihe von Klöstern. Bisher hat dieses interessante Stück deutscher Kirchen- gefchichte, welches von protestantischer Seite wiederholt behandelt worden ist, noch leinen katholischen Bearbeiter gefunden. Mit außerordentlichem Fleiße hat jetzt I. B. Rady in den drei ersten Büchern ein Bild forlschreit'ender Entwickelung des kirchlichen Lebens innerhalb Hessens vom katholischen Standpunkte aus entworfen. Zurückhaltend mit dem eigenen Urteüe liebt es der Verfasser, allenthalben die Tatsachen sprechen zu lassen und die ozialen Fortschritte in übersichtlicher Gruppierung vor Augen zu führen. Tas vierte Buch bietet eine kirchliche Topographie der hessischen Archidiakonate mit Aufzählung der Altertümer, die sich in den einzelnen Orten erhalten haben — eine Arbeit, die den Freunden der Tenkmalpflege willkommen sein wird. Ten Schluß bildet dann im fünften Buche eine natürlich ganz einseitige und gehässige Schilderung, wie alle katholischen Institutionen in Hessen durch 'Philipp den Großmütigen aufgehoben wurden. Tem Verfasser lvar cs nicht beschiedcn, sein um- angreick>cs Werk selbst zum Drucke zu befördern. Unverhofft ist er 1901 in Aschaffenburg gestorben. Sein Freund, Tom- dekan T. I. M. Raich, hat nun dieses Werk der Oeffentlichkeit übergeben — just am Tage der großartigen Feier des 400. Geburtstages Philipps des Großmütigen. — Jüngst hat sich unter dem Vorsitz des Geh. Kirchenrats D. Pank eine größere Zahl angesehener und führender Männer aus alle:: Teilen des Reichs in Leipzig vereinigt, um die kirch- DoMische Wochenschau. _ . —?■ ,®ie&en, 14. Nov. 1904. , » Der glanzenden Philipps fei er am Samstage die lms Gießenern den großen Gorzng und die hohe Ehre des Besuches unseres Großherzogs brachte folgt morgen das bedeutendste Lotalcreignis^ des Jahres. Die ab verordnete nw ahlschlacht wird morgen ge- schlagen Dre aufgeregte Bürgerschaft steht seit Wochen unter dem Banne der Wahlagitation. Hoffen wir, daß das große Ereignis sich §,um Wohle unserer Stadt vollzieht, ^.aß ^lßcr V1 T5rent Ehrenamte bereits bewährten Männern ^äften in das, Stadthaus einzieht^ ^tsatz rn der Ausübung ihres städtischen Mandaten, das ihnen das Vertrau en ihrer Mitbürger schenkte, unseres großen Goethe Wort sein möge: „11 n- ergeunutztg zu fein in allem, ist meine höchste meine Maxime> meine Ausübung." Die kO^^rfchast hat aufs peinlichste zu prüfen, worunter den ihr rn Vorschlag gebrachten Kandidaten diesem Satze nicht zu genügen vermag, damit die geordneten städtischen Verhült- ntsfe aufrecht erhalten bleiben. Nur solche Männer gehören rn unser Stadtparlament, die über die Scheuklappen des engherzigen Egoismus hinwegzublicken vermögen. Jeder einzelne Wähler hat die Pflicht, dafür zu sorgen, damit namentlich unser Stadtparlament nicht der Boden parteipolitischer Kämpfe werde, daß kein Partei- haß in ihm auflodere, keine feindseligen Stimmungen ent- stehen, daß immer nur unpolitische Sachlichkeit ber den Beratungen walte. Der h e s s i s ch e L a n d t a g wird am nächsten Mittwoch zusammen treten, um zunächst eine Reihe von privaten Vorstellungen und minder wichtigen Anträgen einzelner Abgeordneter zu erledigen, die sich nie genug tun können, m langatmigen und mehr oder minder überflüssigen Schrift- stücken unbedeutende lokale Dinge aufzubauschen und das Arbeitsmaterial unseres Parlaments unnötig zu belasten. Won Wichtigkeit ist vorläufig einzig die Regierungsvorlage betr. die Erweiterungsbauten in Bad-Nauheim von ber man wohl annehmen darf, daß sie auch die Billigung des Plenums, wie des Ausschusses, finden wird. Das preußische Abgeordnetenhaus, das erst oor kurzem zusammengetreten war, hat sich schon nach einigen wenigen Sitzwigen wieder bis zum 21. November vertagt, nur zu dem Zweck, der Kan al ko mm i s f i o n genügend Zeit zu ihren Arbeiten zu lassen. Bon den in letzter Zeil gefaßten Beschlüssen war der interessanteste zweifellos der, daß sich die Kommission für das staatliche Schleppmonopol erklärte. Dadurch ist die Situation geschaffen, daß jetzt ein Teil der wütenden Kanal- Nr« Rsiwtes Birrtt. 154« Jerhrgcmq L4. November 1804 Erscheint Kgllch mit Ausnahme des Sonntags. ÄS ®te ..Gl-tzentk zamMenblätter" werden dem WM »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der » H iT UM ü i SL ü / H i i | K | S Elfisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal. || P I W' W» < SZ ,u. Immerhin wird wohl noch manche Kugel um des Herrn Ker Aing. Kriminal-Roman von O. Elfter. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Nach einer Weile erholte fich Kaminski. Mer das heiße Getränk hatte das Fieber nur noch erhöht, seine Wangen glühten, seine trockenen Lippen brannten und in seinen Augen ilackerte es wild und heiß auf. „Wem: der Narr, der Justizrat, nicht bald kommt, dann gehe ich ihm noch durch die Lappen", höhnte der Kranke. „Was willst Du eigentlich mit diesem Juftizrat Berner?" fragte seine Zrau nußtrauffch. „Er hat uns noch das bißchen Hausrat, welches wir besaßen, pfänden lassen. . ." , Tas hat er getan ... ja! Ah, wäre ich ge-sund geblieben, es wäre nicht dazu gekommen! Wir hatten gerade einen neuen Gimpel im Garn, den wir ordentlich rupfen wollten, als man $ „Tas' heißt, als man Eure Spielhölle aufhob! Adalbert, es dahin kommen ^ußte !" , , „Flenne nicht! Tas Spuck ist ein Handwerk, lute ledes andere, sagte der olle ehrliche Seemann feligen Angedenkens. Bin selbst iricher oll aerupft lvorden, mache mir deshalb auch lein Gewissen daraus, andere zu rupfen. , Tas ist nur ausglmchende Gerechtigkeit!" lachte er mit entsetzlichem Hohn. „Darüber wäre ich auch hinweggekommen — aber über das eme nicht . . . bamit belastet will im sterben . . . nein . . . Nicht sterben . . ." Seine Worte erl'tarben in einem undeutlichen Gemurmel. Er sank in die siü ■» tnid' fckne Äugen schloßen sich, eine fieber haß M A r lammte M ei,.g-s-ll°n-s Äeßcht, er röchelte sckMr. Seine ?itau b , besorgt über ihn. D, dieses arme Weib, was Dane [ie lL um ihrer Lrebe ivtlli-n flclutcn AlS gt.mj.nd«r Äavali» ,oa°" r ihr cntnWW »tcn. v-merüch hob, u.chalttmr lvar cin Leben sch-n gewesen, aber sie glaubte seinen Worten, daß er sich wieder emporarvciteu würde, wenn er nur festen Boden unter den Füßen fühlte. Vielleicht wäre es ihm auch gelungen, wenn er sich oem Willen ihres Paters gefügt und in dessen Geschäft, eine Weißioarenhandlnng, eingetreten wäre. Aber er wollte nicht hinter dem Ladentisch stehen, er wollte eine Stellung im Leben einnehmen, sein Schwiegervater sollte ihm ein Gut kaufen. Tas wollte nun der alte Leinwaren- häiidler nicht, und so schieden sie im Zorn voneinander. Anna hielt fest an ihrer Liebe. Sie vertraute dem Geliebten, der sich in der ersten Zeit ihrer Ehe auch bemühte, eine anständige Existenz zu erhalten. Aber das Spiel, der Trunk, die Rennbahn winltei: zu verlockend. Aus einem flotten Lebemann wurde ein Gewohnheitstrinker, ein Berufsspieler, ein gewerbsmäßiger Buchmacher! Unaufhaltsam nahm das Verhängnis seinen Lauf, bis der frühere glänzende Gardeoffizier zum Verbrecher herabgesunken war, den nur seine Krankl-eit vor den: Gefungnis bewahrte. „Tu bist katholisch, Adalbert, bat die Frau und erfaßte seine Hand, sie sanft küssend und mit ihren Tränen benetzend. Tann kniete sie neben fernem Bette nieder, lehnte die Stirn auf den Bettrand und brach in heftiges Schluchzen aus. Sein Blick ruhte lange auf der zuiammengesunkenen Frau, die obgleich kaum über dreißig Jahre hiiiaus den verkümmerten Eindruck einer Fünfzigjährigen machte. Sein Auge wurde feucht, in seinem Gesicht zuckte und arbeitete es. Er legte die Hand auf ihren Scheitel, saust und liebreich, wie er es lange nicht getan hatte. „Anna, Frau", flüsterte er mit heiserer Stimme, „ich danke Tir. . . Du haft llreu bei mir ausgehalten. . . warte nur noch kurze Zeit, dann bist Tu frei. . . und dann wird D'in Vater nicht mehr unbarmherzig sein. . . „Ach, Adalbert. . „Last mich sprechen, An::a.^ Ick habe, unrecht gegen Dich ge handelt, ich weist es. Ich durste Sich nicht aus den gesicherten Balmen Deines Lebens reißen — oder ich mußte mich dem Milieu T-eines Vaters beugen .... haha, es wäre vielleicht aus mir noch ein ganz tüchtiger Leinwandhandler gelvordeic! Weshalb auch nicht? Geschäft ist GefL-äft — und cin Kaufmann sagte mir einmal: der ist der beste Handelsmann, der am besten betrügen kann. Und betrogen habe ich ja genug in der Welt. . . ." „Tu/ lvarst leichtsinnig, Adalbert, über nicht schlecht." „Nein, Anna, wir wollen uns nicht mehr täuschen, ich war schlecht! Schlechter, !c.lls Tu Tir denken kannst — — — ich war ein Verbrecher, Anna . . ." (Fortsetzung folgt.) — Luigi Rasi: Tie T u s e. T«euLsch von M. Gagliardi. Mit 43 Abbildungen. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 3 Mk. Ein liebenswürdiges Buch! Ter Verfasser hat nicht nur die Laufbahn der berühmten Künstlerin in liebevollen Studien verfolgt: er kennt sie auch aus eigener Anschauung; er ist ein Kollege der Düse und hat ost mit ihr zusammen gespielt. Ta er eine nicht gewöhnliche schriftstellerische Begabung hat, fand er für sein Buch eine reizvolle Form: von eiiier bestimmten Theatervorstellung ausgehend, plaudert er, wie sich die Anknüpfungen ergeben, die Zeit hinauf und hinunter. Wir sehen die Tufe in ihrer armen Jugend, ein Thertterkind, das lrüh auf die Bühne kommt und manchmal hungert; die Anfänge ihrer Künstlerschast sind wie von einem dumpfen, trägen Truck befangen, aus dem sie nur manchmal blitzartig ausbricht, — bis schließlich ihr Genie, überraschend und neu, entschieden ist und alle Augen auf fich zunngt, zu immer tieferer Meisterschaft durchdringend. Wir sehen die große Künstlerin auf den Proben und bei Premieren, als Kollegin und als große Tarne, in ihrem Stolz und in ihrer hinreißenden Liebenswürdigkeit. Nasis Tarftelluug ist zugleich intim und diskret. 43 Bilder aus allen Lebensaltern der Künstlerin und in den verschiedensten Rollen illustrieren den Text. — F u l d a s v i e r a k t i g e s ^L> w a u s p i^e l „M a s k e r abcK wurde am Samstag iw F r a n kfurte i Schauspiel l^iuse nub int Wien er Burgtbeaur ;am erlern Male gegeben. Fuldas Beliebtheit und Die - Heilung erwirkten einen Erfolg. Ta- Stück streitet nut allen Mitteln gegen die bekannten Vorurteüe der Gesellschaft. Tas Heil kommt wieder vom freien Amerika. licke £a Q o TT C 'M < (si^ . C 77 O -7V V- w— c* o — CL 2. " 5" - x o % *5^ 5* A 2 n M •* 52. co o • _D: >— CO o 2- S* S" 2 2 £ s n ^0^35* ~z' Co ~ — co -7b V. TL o § " g 5 • p o s r- ei- c Öre y r> e. § --C-7 g 5 2 c ~ ™ o § er 2 cs er 5 - er es 75 Ti er 7T- 6 2- o a< g o .T*- — o er <-a ZT. “ T. ~ 5^ ■ Zur Berichtigung Das sozialdemokratische Flugblatt vom gestrigen Tage gibt uns Veranlassung zu folgender Er- Wähler! Ihr könnt keinen geeigneteren Männern Eure Stimme geben als den Herren: . d Eduard Krumm klärung: 1. Die Krankenkassen, der Sanitätsverein und Innungen hatten vom Bestehen des Volksbades an 50 pCt. Ermäßigung auf Wannen- und Heilbäder für ihre Mitglieder. 2. Mit dieser Begünstigung ist Mißbrauch getrieben worden, indem Karten an Nichtbcrechtigtc, Gutsituierte abgegeben wurden. Wir mußten uns deshalb entschließen, die Vergünstigung aufzuheben, gewähren aber nach wie vor auf Anweisung eines Arztes an wirklich Bedürftige Karten zu obigem Nachlaß. Der Vorstand o der Aktiengesellschaft Gießener Volksbad. Handwerker, Gewerbetreibende Von heute ab fast täglich (frisch) stillste geriiillherte Fraiikf. M in bekannter Güte. 7020 Schreines4 Seltersweg 65. Professor Wimmenauer August Faber Theodor Haubach Hermann Eichenauer. Earl Loos August Gabriel ... % ■': ■ > x: KommerzienratHeichelheim Wilhelm Hornberger M Jean Kirch Alle möglichen Jnteressentengruppen machen uns Vorschläge zur Stadtverordnetenwahl. Betrachten wir"uns diese Vorschläge, so werden wir finden, daß keiner derselben aus unseren Kreisen entstammt. Es ist allbekannte Tatsache, daß gerade in unseren Kreisen eine Einigung über geeignete Vertreter im Stadtverordneten-Kollegium so schwer zu Stande zu bringen ist. Schon von jeher hab Konkurrenzneid, die Unterstellung, als wenn die aufgestellten Kandidaten Streber seien u. a. ein Zustandekounnen geeigneter einmütiger Wahlvorschläge verhindert, lvas tief zu bedauern ist. Noch mehr zu bedauern ist, daß wir unsere Stimmen dadurch so sehr für die Kandidaten anderer Jnteressentengruppen vergeuden, anstatt in erster Linie für uns zu sorgen. 06875 Laßt deshalb alle Mißgunst, allen Neid, alle Vorurteile fallen und zeigt einmütig, daß wir uns von keinen politischen, Bezirks- oder Stammtischgruppen bevormunden lassen. Laßt uns in erster Linie den Männern unsere Stimmen geben, die dafür bekannt sind, daß sie allch wirklich in erster Linie unsere Interessen vertreten. Laßt uns die uns präsentierten Stimmzettel richtig prüfen und zu allererst solche Namen auf dieselben setzen, die obige Gewähr bieten. Laßt uns diesmal — im Gegensatz zu früheren Jahren — zeigen, daß wir auch eine Macht sind, und daß wir uns nicht von politischen, Stamm- tischpruppen re. beirren lassen. Daß diese Gruppen für die Vertretung unserer Kreise, die doch einen sehr großen Teil der Bewohner Gießens ausmachen, nichts übrig haben, geht daraus hervor, daß sie z. B. die Herren Martin Dörr und Klavier- in Willi. Melph Pianohandlg. u. Reparaturwerkstätte, Selters weg 91. Stimmen Reparieren Polieren tadelloser Ausführung durch D1 /8 Hygienische ss23/6 BkiMsslilMl Großart. Neuheit Preisliste gratis. Ad.Arras,lflannbtiml2. Militmmtcl ausrangierte, übersende, so lange Vorrat reicht, gegen Nachnahme ä Mk. 3.00, 4.50 und 6.00. [8348 F. W. Kinkel, Mainz. viele Wähler. 8283 Krokodil. Dienstag abend: Spansau« 06896 Couverts mit Hirma billigst SrW'sche Universitäts-Druckerei. SAUGGASMOTORE! Billigste Kraft! ca. 8/4 bis P/8 Pfennige pro Pferdekraft und Stunde« Motorenfabrik Oberursel Frankfbuer't a M. Stadtverordnetenwahl Georg Sinnen wenig oder gar nicht vorgeschlagen haben. Wir haben deshalb umso größere Verpflichtung, diese Namen in erster Linie auf unseren Stimmzettel zu setzen. Jetzt können wir zeigen, daß wir uns nicht von einer handvoll Leute solche Kandidaten aufoktroieren lassen, deren Namen nur genannt werden, um ihnen eine besondere Ehre aus verwandtschaftlichen oder sonstigen Gründen anzutun. Mitbürger! Von dem lebhaften Wunsche beseelt, an die Wähler nur mit solchen Vorschlägen heranzutreten, welche die Billigung aller Unparteiischen finden können, hat der unter* zeichnete Bezirk eine Versammlung einberufen, die überaus zahlreich besucht war. Nach eingehender, durchaus sachlicher Aussprache hat man alle Sonderwünsche zurück- .gestellt und die folgenden Herren, welche den verschiedensten Berufszweigen angehören und deren Aufstellung allen Stadtteilen Rechnung trägt, einstimmig nominiert. Indem wir nunmehr diesen Vorschlag der Oeffentlichkeit unterbreiten, bitten wir die verehrliche Wählerschaft, allseitig die Stimmen vereinigen zu wollen auf die Herren: MehrereHandwerlierBcwkrbetreldende und Landwirte. Bürger der Neustadt-Bahnhofstraße haben in ihrem Aufrufe: JOckt (entrinn! Ml Hort-Ost! Wicht Seite*}!“ dargetan, daß die politischen Parteien vorsichtig nieder Wahl der Kandidaten waren. Möchten nur alle Wähler dem Mahnrufe dieser $Cl folgen, die auch anerkennen, daß die Universität durch einen ordentlichen Professor m der Stadtverordnetenversammlung vertreten sein muß. « D,3/ll ßmer für Wele. Hermann Eichenauer August Gabriel Br. Gutfleisch, Ackvemdilkttt MckzillM Dr. Haberkorn Th. Haubach, Mhicroriiiicter Georg Hebstreit Fritz 'Helm KomerzieUllt S. Heichelheim, AMmMeter Wilhelm Hornberger Jean Kirch, StMlimckieter Ed. Krumm, SWtoriindcr 831 Carl Loos, Achivtkttkttcr Louis Petri II., Stotororiiiictcr Georg Simon Wilhelm Wallenfels, AMvmcklettt Pl'Wr Dr. Wimmenauer. Her MHezilk Seltersberg uiih Riegelchi. Stadtverordneten 8822 Zilstizrat Dr. Guistcisch, Theodor Haubach, fimnnierjimot Heichelheim, H. E. Jughardt, Jean Kirch, Ed. Krumm, Carl Loos, Louis Petri II., Wilh. Wallenfels, Hermann Eichenauer, Martin Dörr, ZMttmißcr Dr. Hari Ebal, Bidlisthkkr August Faber, Slaöfjttorliiitf« Max Friedberger, Sonjmm August Gabriel, MM Mist«* Dr. Gutfleisch, gtoMotrorbnrtcr MediziNlllii Dr. Säaberkorn, ftrcisnrjt Theodor Hambach, AMkmimtn fionutijitotai Heichelheim, Zt0timrdic!n H. E. Jughardt, AÄtvknrNktn Jean Kirch, efaitürerietitr Eduard Krumm, ttoMucrarimckr Karl Doos, LtÄmBueter Louis Fetri 21., Wtimrdietn Georg Simon, »animiirt, AidkHklißr 99 FUrikut Wilhelm Wallenfels, TtMmndnkter. Jie vm der erstell Kürzer- imi) WSHIerversziiillllllnz eiWefthte lUßhUioinmiffion. Max Friedberger, Kaiifimm Med.-Rat Dr. Habcrkorn, Kreisarzt Friedrich Habenicht, Kaasmaaa, Friedr. Helm, Keiahändler Dr. Wimmenauer, NalverWtzrMar. Wir empfehlen hiermit unseren Wählern in erster Linie die Wiederwahl >er - seitherigen Stadtverordneten, die ausnahmslos ihre Pflicht int weitesten Maße erfüllt haben, und denen man durch ihre Wiederwahl den Dank und die Anerkennung der Einwohnerschaft bekunden soll. Im klebrigen schlagen wir Männer aus den verschiedensten Berufszweigen und Bezirken der Stadt vor, von denen wir überzeugt sind, und die durch ihr seitheriges Wirken Gewähr dafür ictcn, daß sie auf Grund ihrer Erfahrungen und ihres Wissens mit Eifer und Pflichttreue ihres Amtes ivalten werden. Wenn es uns auch nicht gelungen sein wird, alle Wünsche der einzelnen Bürgcrkreise zu befriedigen, so bitten wir doch solche vielleicht wohlberechtigte Einzelwüusche zurücktrcten zu lassen und mit aller Entschiedenheit für die Wahl der genannten Herren einzutreten, damit eine das Gemeinwohl schädigende Stimmenzersplittemng vermieden lvird. v«zu N smstmigk Verein. Der nstionMbmie Verein. Am Dienstag, dem 15. November, von vormittags 11 bis 7 Uhr abends finden die Ergänzungswahlcn zur Stadtverordnetenversammlung statt. Bon 30 Mitgliedern des Stadtvorstandcs sind 16, also über die Hälfte neu zu wählen. Mitbürger! Bevor Ihr zur Wahl geht, prüft und wägt die Euch ft zahlreich vorgeschlageucn Kandidaten. Partei-, Konfessions-, Bezirks- und Berufs- Interessen haben zurückzutreten, wenn cs gilt, das Wohl unserer lieben Vaterstadt zu wahren und zu fördern. Fortgesetzt wachsen die Aufgaben der deutschen Städte, und ein heftiger Wettbewerb ist unter denselben entbrannt. Auch unsere Stadt hat in der nächsten Zeit große Aufgaben zu erfüllen, und gilt cs, Männer zu wählen, die bei weitem Blick doch die nötige Sparsamkeit üben, alle über- flüssigen Ausgaben vermeiden, nicht aber in der Verweigerung des Notwendigen der Entwicklung unserer aufstrebenden Stadt hindernd in den Weg treten. In unseren zahlreich besuchten Generalversammlungen wurden nachstehende Herren mit sehr großer Majorität als Kandidaten bezeichnet: Carl Aug. Faber, Stolotmimtkr Mitbürger! aller Stände und Parteien! Die von der ersten allgemeinen Gießener Bürgerversammlung im „Löwen* berufene Wahlkommission hat sich gemeinsam mit den geladenen Vertretern der namhaftesten wirtschaftlichen und Standesvereinigungen der Stadt in gründlicher Arbeit ihrer Aufgabe entledigt. Sie ist bemüht gewesen, aus allen Ständen der Bevölkerung, unbekümmert um die Parteistellung, solche Männer herauszulesen, denen die Wählerschaft das Zutrauen entgegenbringen darf, daß sie das wichtige Amt des Stadtverordneten mit dem erforderlichen Vflichtgefühle, mit Selbstlosigkeit und sozialer Wärme bekleideil werden. Die Kommission glaubt in cindringenden Besprechungen mit den Vertretern jener Wirtschafts- und Berufsgruppen eine geeignete Grundlage gefunden zu haben für ein ein» trächtiges Zusammengehen der gesamten Bürgerschaft, sofern diese sich bewußt geblieben ist, daß Sonderinteressen wohl zu berücksichtigen, aber dem Wohle des Ganzen in verständiger Mäßigung einzuordnen sind. Sie fordert in solcher Erwägung die Mitbürger auf, unter Vermeidung nutzloser Stuumenzersplitterung, die nur den unvernünftigen Zufall zum Herrscher machen würde, ihre Stimmen auf die unten genannten Herren zu vereinigen. Es sind dies: Zur Beachtung! Um Verwechslungen zu vermeiden die Erklärung, daß mit dem vorgeschlagenen Stadtverordneten-Kandidat Georg Simon, Muht Grabeustraste der Sohn des verstorbenen Stadtverordneter; Simon gemeint ist. 8323 bekomm Nkgiikr jnemliw feil M krSui zum Ii urirfmn Blatt t aus gut so heißt mit Zuc in bit hcui youv-m iii tbndo _ IvM tcorbit Cb W « DCTÜTt t nitft 5t Ihtte (fril in Mmn ifirnn Cöitr fl und Ta darin h idiebni Seiten Gewin. klang d Geuvmt tenig 6t unb rt rp er auf ' Verdienst toei't eir lehr zu Ter N - slhädi gefall L erfuctcn ge'onnn die Gntj Rmdoi- gendkn V Cftnt M bui finb Öpf d" frtr, .-R It ? 'Ne' ftajiei, Die die W- , Nt* hat ’(hb;r . r Air. xL »“S. ftötoli Via « Jlntr*1 btudtv und Zubehöre 8080 Z ,' zu Original-Fabrikpreisen. < , e Tuvkelkammer zur freien Benutzung. — Llatalog gratis. < \ PsstierhaiiilliUig Heinrich NoSI . Telephon 292. Mäusburg 7. J MaMIcht! lorgen Dienstag: ■ TchviHe 6initmi= unü Morgen Schlachtfest Poßpaket-Adressen mit Zirma Abends: Metzelsnppe. Berrüudigttug des Wahlresultats. liefen, billigst vrühl'fche llniversitätr-vruüerei, Sieben. Kummtjchlüuche füc alle Zwecke, sowie sämtliche iechuische »(rtifel fii b» 6iei$a*iäder Geoä’j 05960 21». Gietzen. SelterStocn °eutc t Lii)c'toi SS* *Ph"tä.r. «rti d,? Ur '«< ^eren Au«