WMSr ßfr welch iilhodidkimersleiikürlui lot. gibt mir Seronlafiung, :uet SU empjehlen. Neu? äugen am 21. d. Mli an- , Ä 0'3391 de la Brousse aiarbutga: Straße 38, mich im Wajcheo uni gel» bestens empfohlen. Ar. Otto, Liebigsir. 63 >eugras - äryuöerpa^ lAE^Neuenweg 16, ?Äüerteiä " jÄtiiitiitit ^lobte, 1033$ ^12.3unil90l lilfa z. i. 3m, _ dita^1 y^4en entt|uM eteiligung bis 40 Mitle an einem Eeschäst gesucht. Cfierten 3287 an die tzxped. d. Bl. bis 3000 ebn kleine Ä gegeben werden. Räh. Job. tig. Pfaff. Krankfurterftr. 62IL mlüuhem Rinsja^l« an aus prima HHchWhaus Bk 15000 Cfierten m. A. d. Zm- nt. 4923 a. d. Exp. ö. w* Samstag wurde ein slzDeitS A ,1 Wege z. Bahnhoi bin: infiniter Llraßevmom abends °li < • aeÄ^ kk. 10000 «lafteL Haus aus 2 Iah« gürgschast u. 4'/, geju^ 03299 an die Exp. d. r. 1904, ereinr4' irrt M M? »»** Ws «*> G. Atl-'A J/ i- Ci»^ ^ # ,rt * .„wurden*etsebabitt 'Jiamen HannaMsch^ rinber wird gebeten, - m D. ftüf Nr. 137 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Dienstag 14. Junil804 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die ^Siebener KamilienblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »lsisstjchn Laovwtrl" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Unwersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.f. Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen. Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Aie heutige Mummer umfaßt 8 Seiten. AKS Stadt und Land. Gießen, den 14. Juni 1904. •* Bezirkssparkasse Gießen. Aus dem Rechenschaftsbericht über Einnahmen und Ausgaben der Kasse für daS Jahr 1903 ist zu entnehmen, daß die Gesamtsltmme der Einnahmen 4 273 747.77 Mk. beträgt, nach dem Voranschlag waren nur 3 746 596.84 Mk. vorgesehen. Dieser Einnahme steht eine Gesamtausgabe von 3 991 126.73 Mk. gegenüber (nach dem Voranschlag 3 746 596.84 Mk. Es bleibt also ein Rest von 282 621.04 Mk. Die Einlagen sind zwar hinter dem erwarteten Ergebnis um 184 954.86 Mk. zurückgeblieben, sie haben sich aber gegen das Jahr 1902, zu dessen Ende sie 10 636 260.77 Mk. betrugen, am Ende deS Jahres 1903 vermehrt auf 11 636 738.15 Mk., worunter 20 657.20 Mk. Neueinlagen zur Pfennigsparkaffe enthalten sind. Die Zahl der Einlagebücher in Gießen betrug 6630 mit zusammen 5 281039.06 Mk.; die Gesamteinlagen der Landgemeinden betrugen 4 474 073.20 Mk. Die Summe der auSgeliehenen Kapitalien beträgt 11 636 738.15 Mk. gegen 10 636 260.77 Mark im Vorjahr. ** Allgem. Staatseisenbahnverein. Am Sonntag ging der zweite Teil deS diesjährigen SommerausflugeS des Allg. StaatseisenbahnvereinS, über dessen ersten Teil wir bereits berichteten, von statten. Die Beteiligung überbot diejenige vom vorletzten Sonntag noch um einige hundert Personen, so daß zwei schwer belastete Sonderzüge die Ausflügler ab 12 und 12.20 Uhr mittags nach Nidda beförderten. Nach Einlaufen des zweiten Zuges marschierte der Verein unter Vorantritt der Bauer'schen Musikkapelle durch die mit Ehrenpforten und Fahnen festlich geschmückten Straßen nach dem Festlokale der Kraft'schen Bierbrauerei. Vom besten Wetter begünstigt, verlief der Nachmittag in der fröhlichsten, angenehmsten Stimmung unter Konzertvorträgen und Tanz. Die gesamte Jugend der Stadt und umliegenden Ortschaften hatte sich eingefunden und das Leben auf dem Festplatze sowohl, als auch in den Straßen der Stadt glich mehr demjenigen eines allgemeinen Volksfestes als dem Besuch eines Vereins. Der Herr Bürgermeister und die Herren Stadträte beehrten den Verein im Festlokale mit ihrem Besuche. Die Bewirtung und Bedienung war ausgezeichnet, und alle Teilnehmer nahmen die Erinnerung mit, daß der diesjährige Ausflug an den beiden Sonntagen alle früheren in jeder Hinsicht übertroffen hat. •* Uebung macht den Meister. In einem Dörfchen Heffen-NaffauS hörten, so schreibt man uns, die an einem abseits gelegenen Häuschen Vorübergehenden abendlich ein dumpfes Rufen. Stehen bleibend, meinten etliche, die mysteriösen Töne kämen aus dem Keller des kleinen Gebäudes. Beim mutigen Eindringen in den verdächtigen Ort, fanden sie den Bewohner deS kleinen Anwesens, welcher in einer Hand eine ausgehöhlte Dickwurz schwang und dröhnend ausrief: „Es wird hiermit bekannt gemacht, daß morgen die Stammwiesen gemäht werden dürfen!" Der eifrige Ausrufer bemerkte die Ankömmlinge erst, als diese durch ein schallendes Lachen ihre Anwesenheit kund taten. Nach seinem sonderbaren Tun gefragt, meinte er: „Häi eaS doch die Ortsdienerstelle ausgeschriwe; ich hun mich drum gemcld', aber ich war meines Unternehmes näit sicher, ean do üb ich mich als oweds im Schelle ean Ausruffe!-" n. Laubach, 13. Juni. Zur Zeit sind Verhandlungen über die Frage im Gange, ob anstatt eines in Laubach notwendigen Neubaues des Gerichtsgebändes die Aufhebung des Amtsgerichts mehr im staatlichenJntereffe liegt. Wie diese Frage entschieden wird, läßt sich zur Zeit noch nicht sagen. Darmstadt, 13.Juni. Gestern tagte in der „Traube" in Lindenfels unter dem Vorsitze des Ministerialrats Braun-Darmstadt die von nahezu 400 Mitgliedern auS allen Teilen des KlubgebietS besuchte Hauptversammlung des Odenwaldklubs. Die Versammlung wurde von den Herren Kreisrat Dr. Eckstein namens der Verwaltungsbehörde, Schloßhauptmann Baur-Schönberg namens 2r. Durchl. des Fürsten zu Erbach-Schönberg, Bürgermeister Schnellbächer namens der Stadt und Oberförster Heimburger namens der Sektion Lindenfels des Klubs begrüßt. Auf ein Huldigungstelegramm an den Allerhöchsten Protektor des Klubs, Volltische Tagesschau. Die neue Militarvorlage. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt tmterm 13. Juni: Die Ausarbeitung der neuen Militärvorlage wird dem Vernehmen nach nicht vor dem Herbst in Angriff genommen werden, sodaß der Reichstag voraussichtlich erst am Anfang nächsten Jahres sich mit ihr zu beschäftigen haben würde. Hierfür kommen zwei Gründe in Betracht. Einmal will man, wie es heißt, den Verlauf der diesjährigen Kaisermanöver aVwarten. Militärische Kreise glauben, daß b'en Manövern Situationen zu Grunde gelegt werden, die solchen aus dem russischjapanischen Kriege entsprechen. Daraus erklärt sich die in großem Maßstab vorgesehene Beteiligung der Marine am Manöver. An der mecklenburgischen Küste z. B. sollen Landungsoperationen in Szene gesetzt werden unter Verwendung vieler Tausende von Marinemannschaften. Die bei diesem Manöver gemachten Erfahrungen werden in der Militarvorlage ihren Niederschlag finden, in Verbindung mit den Berichten der auf den Kriegsschauplatz in Ostasieu entsandten deutschen Offiziere. Die Berichte werden im Crroßert Generalstab bearbeitet, gelangen dann an das Militärkabinett und von diesem erst ans Kriegsministerium, das seinerseits auf das gesamte Material sich stützt bei Ausarbeitung der Begründung der Militarvorlage. Alles das nimmt geraume Zeit in Anspruch, und dementsprechend langwierig wird sich auch die parlamentarische Behandlung gestalten. Ein zweiter Grund für die voraussichtlich spatere Einbringung des Gesetzes über die Neuregelung der Friedenspräsenzstärke läßt sich aus den Handelsverträgen herleiten. Die Regierung will diese Verträge tunlichst zusammen dem Reichstag zugehen lassen,' und sie dürfte Mert darauf legen, daß die ersten Lesungen vor Weih na chten zu Ende geführt werden. Dann muß natürlich jede andere Vorlage zurück- treten, selbst die Generaldebatte zum Etat würde m den Januar verlegt werden müssen. Aus dieser Skizzierung ergibt sich, daß Militärvorlage und Handelsverträge die nächste Session des Reichstags beherrschen werden und auf die Vorlegung anderer Gesetzentwürfe wohl verzichtet werden wird. Abgesehen natürlich von denen, die in der laufenden Session unerledigt bleiben und in die neue hinübergenommen werden, sofern Vertagung erfolgt. Ein Schluß der Session würde die unerledigten Vorlagen in der Versenkung verschwinden^lassen. RohheitSverbrecheu. Die Verübung der beiden rasch aufeinander folgenden Mordein Berlin gibt der „Tagesztg." Veranlassung, die schon oft erhobene Forderung nach Einführung der P r ü g e l st r a f e zu wiederholen. Der Reichskanzler werde sich ein wahrhaftes Verdienst erwerben, wenn er seinen großen Einfluß zu Gunsten einer wirklichen Reform unseres Strafwesens einsetzte. t „ Eine .wirkliche" Strafrechtsreform mit der Prugel- Aeuisch-Afrika. Westafrika. W. T. B. meldet: Generalleutnant v. Trotha meldet unter dem 12. Juni: Ich bin am 11. Juni in Swa- kopmund eingetroffen. Nach einer Meldung des in Swakopmund befindlichen Majors v. Glasenapp soll der südlich vom Waterberg am Omurambowamatako vereinigte Feind vielleicht 6000 Gewehre stark sein. Ich bin am 13. Juni mittags in Okahandja. Man schreibt uns aus Berlin, 13. Juni: Die Frage der Entschädigung der südwestafrika- ttischen Ansiedler ist noch nicht abgetan. Die zur Geltendmachung der Ansiedler-Ansprüche in Berlin eingetroffene Farmer-Deputation zeigt sich überaus rührig und hat bereits das Interesse parlamentarischer Kreise auf sich gelenkt. Gleichwohl gibt sich die Deputation übertriebenen Hoffnungen hin, wenn sie ahiä der Anwesenheit von Zentrumsabgeordneten in der ersten Agitationsversammlung entnimmt, die ausschlaggebende Partei werde ihre bisherige Haltung dieser Frage gegenüber flugs ändern imb vielleicht gar die Initiative ergreifen, um den Ansiedlern zu ihrem Rechte zu verhelfen. Einen Rechtsanspruch der Geschädigten erkennt das Zentrum so wenig an wie die Regierung. Es handelt sich um eine m oralisch e Verpflichtung, die in ihrer materiellen Wirkung umfasiender gestaltet werden könnte. Zweckdienlich erscheint da aber kaum die Behauptung des Führers der Deputation, nur verfehlte Maßregeln des Gouvernements trügen die Schuld an dem Aufstande. Diese Auffassung teilt die Regierung bekanntlich nicht, und auch von anderen mit den Verhältnissen in Südwestafrika vertrauten Persönlichkeiten wird dem Verfahren der Händler bei der Eintreibung von Geldern zum mindesten ein Teil der Schuld zugeschrieben. Ostafrika. Brüssel, 13. Juni. Der in Antwerpen eingelaufene afrikanische Postdampfer brachte die Nachricht mit, daß Leutnant v. Eber st ein von der deutschostafrikanischen Schutztruppe an der Spitze von 9 0 Mann ein ton gonesisches Dorf am Rutschudu belegt habe und daß der belgische Hauptmann Eng mit vier weißen Offizieren und 300 Soldaten entgegenge- sandt werden solle. Die Gründe für diese Grenzüber> schreitung sind hier bis jetzt nicht bekannt. Berlin, 13. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Nach vorläufiger Feststellung betrug der Außenhandel des Deutsch-Ostafrikanischen Schutzgebietes für 1903 in der Einfuhr 11188 000 Mk. (1902 8 858 000 Mk.), in der Ausfuhr 7 040 000 Mk. (1902 5 283000 Mk.). Der Außenhandel Ostafrikas hat mit diesen Ziffern den Handel aller früheren Jahre, soweit statistische Aufzeichnungen vorliegen (seit 1892), übertroffen. strafe als Höhepunkt möchte wohl nur den Beifall weniger finden. Die Prügelstrafe, so haben wir bereits wiederholt an dieser Stelle geschrieben, übt nach unserer lleber- zeugung keinen bessernden Einfluß aus, sie wirkt nur verrohend. Man hat auch mit Recht geltend gemacht, daß die Verbrecher, bei denen die Prügelstrafe Anwendung finden soll, in ihrer Jugend meist so sehr an Mißhandlungen gewöhnt worden sind, daß der körperliche Schmerz wenig Schrecken für sie hat. Es erscheint ganz ausgeschlossen, daß Regierung und Reichstag für ein so barbarisches Mittel zu haben sein werden. Aber Die Frage ist wohl auszuwerfen/ ob nicht zu milde Gerichtsurteile bei Roheitsdelikten den Zweck der Strafe verfehlen? Eigentumsverbrechen, bei denen es sich vielleicht um Kleinigkeiten handelt, ziehen dem Rückfälligen Zuchthausstrafe zu; der Messerstecher, der einen Menschen zeitlebens siech und elend gemacht hat, oder Leute, die Kinder fast zum Tode gefoltert haben, kommen mit Gefängnisstrafe davon. Dre Polizei könnte auch n^ehr ihr Augenmerk richten auf die $ur Gewalttätigkeit neigenden Personen. Man sieht, wie die hervorragend organisierte Berliner Kriminalpolizei eine Menge von Triumphen feiert in der Aufspürung von allen möglichen kleineren, zum Teil „sensationellen" Fällen. Dagegen ist dort eine Reihe von Morden unaufgeklärt geblieben. Der Schutz des Eigentums, der Sittlichkeit usw. ist gewiß wertvoll. Höher steht am Ende doch die persönliche Sicherheit. S. K. H. den Großherzog, ging folgende Antwort eint Danke Ihnen und dem Verein herzlich für freundliche Grüße. Ernst Ludwig. Der Fürst zu Erbach-Schönberg sandte ein Begrüßungs-Telegramm; ebenso lief ein telegraphischer Glückwunsch de§ Erbgrasen zu Erbach-Schönberg ein. Der Klub zählt jetzt nahezu 6000 Mitglieder in 65 Sektionen, iff also letzthin wieder erheblich gewachsen. Die Hauptversammlung 1905 findet in Reinheim statt, der nächstjährige Ge- samtauSflug richtet sich nach Miltenberg, während Ziel deS diesjährigen Heidelberg, wo der Verband deutscher Touristen- Vereine im September tagt, ist. Größere Zuwendungen erhielten die Sektionen Heidelberg 500 Mk. (Weiße Stein- Turm) und Weinheim 400 Mk. (Hirschkopf-Turm). Der Zentral-Ausschuß wurde durch außerhalb Darmstadt wohnende, Mitglieder von 11 auf 17 verstärkt. — Ein sehr animiertes Esten zu säst 300 Gedecken im „Odenwald" schloß sich an.( Die ganze Tagung verlief ungemein befriedigend. (D. Ztg.)j Köngernheim, 13. Juni, lieber die Zigeunerschlacht, die von so schlimmen Folgen begleitet war, macht' die „Worms. Ztg." noch folgende Mitteilungen: In ber letzten Woche machten sich Zigeuner in einem Wagenpark vom 7 Fuhrwerken in Stärke von 70 Köpfen in der Gegend zwischen' Wörrstadt, Nieder-Olm und Bodenheim sehr unliebsam be*- merkbar. Am Freitag abend kam die Bande in Undenheim an und wollte dort in der Nähe der Bahnstation lagern.] Da aber rückte nach 8 Uhr die Feuerwehr auS, worauf die? braune Gesellschaft gegen Köngernheim zu ReißauS nahm.' Aber auch dort hatten sich bereits eine große Anzahl Männer und Burschen versammelt, welche die Karawane zum Rückzug zwangen. Die Undenheimer ließen sich aber auch den erneuten Versuch zur Lagerung absolut nicht gefallen und fo; mußten die Zigeuner wieder den Weg gegen Köngernheim j antreten, wo sie wiederum unliebsam empfangen wurden. Sie: trieben nun ihre Pferde mit Gewalt an, worauf es 4 Wagen- gelang, in Köngernheim einzufahren, während 3 Wagen linte1, auf die Straße gegen Hahnheim zu abbogen. Beide Züge wurden von einer vielköpfigen Schar verfolgt. Die ersten 4 Wagen durchfuhren deshalb in raschem Tempo Köngernheim, Nierstein zu, während die nach Hahnheim zu fahrenden Wagen etwa 400 Schritte vom Orte entfernt ihren 93er». folgern mit Karabinern, Revolvern, Säbeln und Dolchen stand hielten. Zunächst gaben sie einige blinde Schüste ab. Als-! bald aber fiel der im Vordertreffen stehende 21jahrige Barbier Daniel Kraus zu Boden. Zwei Kugeln waren ihm in den Kopf gedrungen, und außerdem erhielt er noch je einen Schrotschuß in Brust und Rücken. Er war sofort be». sinnungSlos und kam noch nicht zu sich. Seine Verletzungen sind indessen lebensgefährlich. Der 24jährige ledige Joh/ Landua, ein Sohn des Polizeidieners, erhielt einen Schrots schuß ins Auge. Er wurde gestern in die Augenklinik nach Wiesbaden gebracht. Der 28jährige ledige Ludwig Landua] erhielt eine Schrottadung ins Kinn: der 32jährige ledige Joh. Kröhler erhielt einen Schuß in die Wange; der erft kürzlich in Köngernheim in Dienst getretene Knecht des Joh. Held bekam einen Schuß ins Bein und der 14jährige Joh.] Jung aus Udenheim einen solchen in die Wangen. Daß bei einem solchen Blutbad die Verfolger den Rückzug antraten, darf nicht Wunder nehmen. Aber auch die Zigeuner nahmen, als sie sahen, was sie angestellt hatten, Reißaus gegen Hahn-, heim zu. Ein Radfahrer aber eilte ihnen auf einem Seiten-! weg vor und die Fliehenden wurden in Hahnheim festgehalten.] Aber die männlichen Zigeuner waren verschwunden. Sofort wurden alle benachbarten Gendarmen per Draht herbei-, gerufen und es gelang gestern, alle festzunehmen. Die ganze Gesellschaft wurde nach dem benachbarten Selzen gebracht, wo die gerichtlichen Aufnahmen gestern gemacht wurden. Ein ganz junger Pußtasohn soll sich als Hauptschuldiger bekannt haben. Dieser wurde festgehalten, die übrigen freigelaffen. Nach Lage der Sache muß angenommen werden, daß d ie; Köngernheimer nicht klug gehandelt haben. Aas Kordon-Wemrett-Kerrneu. (Nachdruck verboten.) S. u. H. Homburg v. d. H., 13. Juni. x Seit Sonntag steht der ganze Taunus im Zeichen des Automobils. Schon in Frankfurt imb Wiesbaden macht sich ber: frembe Zubrang in einer beängstigenden Weise bemerkbar und in Homburg ist an ein Unterkommen für den gewöhnlichen Sterblichen nicht zu denken, da dort selbst den Journalisten, die sich' die Berichterstattung über das Gordon-Bennett-Rennen angelegen fein lassen und unter denen sich auch eine Unzahl englischer/: französischer und amerikanischer Zeitungsleute befinden, für ein, Zimmer mit zwei Betten 45 Mk. pro Tag verlangt toerben. Die Englänber haben deshalb die Wohnungsfrage in ebenso sinnreicher wie einfacher Weise dadurch erledigt, daß sie ihr Wigwam in Form eines Leinwandzeltes auf ihren Automobilen mitfMreri und tn diesen mitsamt ihrer Sguaw die Nächte unter freiem] Himmel verbringen werden. Die östreichisch-ungarischen, eng/ lischen, französischen, belgischen, amerikanischen, schweizerischen und italienischen Automobilisten kommen in besonderen Gesellschaftsfahrten nach Homburg, ebenso auch ber Berliner Automobilklub und die automobilistischen Vereinigungen von Hamburg/! München, Hannover und Breslau. Der ursprünglich erhofftes starke Zuzug von französischen Automobilisten ish bisher ausgebliebeu. Es scheint, daß die französische Automobilindustrie, die ursprünglich den Markt beherrsche und die- bis zuletzt den Anspruch erhoben hat, aus diesem Grunde bett dem Gordon-Bennett-Rennen mit einer größeren Anzahl von: Wagen, als den jedem Lande bewilligten drei beteiligt zu werden- durch die Ablehnung dieser Forderung verschnupft ist. Die meisten Besucher des Festes logieren in Frank-, furt, Friedberg, Oberursel und den verschiedenen Tannusdörsern, die an der Rennstrecke liegen. Insgesamt rechnet man für den Haupttag des Rennens, den Freitag, auf einen Besuch von ca. 40 000 Personen. Um diese Mensckenmasse von der Rennstrecke fernzuhallen, sind eigenartige Vorbereitungen getroffen, worden, die sich nur durch die Besonderheit des Falles er» klären und rechtfertigen lassen. Abgesehen davon daß das Betreten der Rennstrecke am 17. Juni überhaupt übermann miti alleiniger Ausnahme von Aerzten absolut verboten ist, hat man auch noch in den Dörfern, durch welche der Weg die pfauchenden Automobilungetüme führen wird, die in diese einmündenden Straßen mit insgesamt 10 000 Meter langen Drahtzäunen verbarrikadiert und zur Ermöglichung wenigstens eines Fußgängerverkehrs in diesen Ortschaften besondere Brückenbauten über die Rennstraße hinweg errichtet. Am Renntage selbst sollen dann auch noch die Hausausgänge, welche an der Rennstraße Legen, in ähnlicher Weise ab g esperrt werden. Rur die größten Ortschaften sind „neutralisiert", d. h. sie müssen von den Fahrern in gemäßigtem Tempo passiert werden, da ein zeitweiliger Verkehr über die Straße doch nicht ganz zu umgehen fein dürste. In derselben Weise wird der Eisenbahnverkehr, soweit er die Rennstrecke berührt, abgelenkt werden. Zum Schutze der besonders gefährdeten Teile der Rennstrecke sind über 2000 Soldaten zur Hilfeleistung kommandiert und ferner wird die Frankfurter Schutzmannschaft einige hundert Beamte abordnen; auch ist für die Gendarmerie des Wiesbadener Kreises völlige Dienstbereisschaft für die ganze Dauer der Veranstaltung angeordnct. Schließlich ist noch die Hauptstraße von Homburg nach der Saalburg vollständig abge- sperrt, dafür hat man aber einen neuen Weg, der durch den Wald zur Saalburg führt, angelegt, wie denn überhaupt der deussche Automobilklub, dessen Generalsekretär, Baron v. Brandenstein, bereits seit Monaten seinen Sitz nach Homburg verlegt hat, mit ungeheuren Unkosten sowohl für die Bequemlichkeit der Rennfahrer, wie auch für die des die Veranstaltung besuchenden Publikums gesorgt hat, um namentlich dem Auslande gegenüber, dessen Aütomobilindustrie der unserigen bisher weit überlegen war, zu zeigen, daß Deusschland auch auf dem auto- mobilistsschen Gebiete in der Welt voran zu gehen sucht. Sonntag vormittag war Baron v. Brandenstein auf Schloß Wolfsgarten nach Darmstadt befohlen worden, um dem Großherzog von Hessen und dem Prinzen Heinrich von Preußen Vortrag über den Stand der Rennstrecke, den Bau der Tribünen usw. zu halten. Daraufhin trafen Prinz Heinrich und der Großherzog heute vormittag mit einem Benzwagen hier ein und fuhren zur Saalburg. Sie besichssgten eingehend die Saalburg-Tribüne und die sonstigen Vorbereitungen und sprachen sich ihrern Führern gegenüber über die getroffenen Maßnahmen in der anerkennenswertesten Weise aus. Vor der Saalburg hatte eine Anzahl deusscher, englsscher und französischer Rennwagen Aufstellung genommen, die von den kgl. Hoheiten ebenfalls mit großem Interesse eingehend besichtigt wurden. Der Großherzog und Prinz Heinrich nahmen auf der Saalburg mit den Komiteemitgliedern des Gordon-Bennett-Rennens, dem Fürsten v. Salm-Reifferscheidt und 'dem Freiherrn v. Brandenstein das Frühstück ein. Die Herrschaften fuhren um 1 Uhr mittels Automobil nach Wolfsgarten zurück. Um die unvermeidliche und für die Rennfahrer besonders gefährliche Staubentwicklung möglichst hintan zu halten, sind alle Straßen im Renngebiet mit Westrumit besprengt worden, einer öligen Flüssigkeit, die schon auf der Dresdener Städteausftellung mit nicht ganz unbestrittenem Erfolge als Staubdämpfer vorgeführt wurde. Die Rennstrecke erfordert mit ihrert Gefällen, ihren zahlreichen Neutralisationen usw. die ganze Aufmerksamkett und Ge- schicklichkett eines erftllassigen Automobilführers, und schon jetzt steht außer allem Zweifel, daß überhaupt nur die Wagen am Ziele erscheinen werden, deren Führer möglichst streckenkundig find und die denkbar größte Ruhe, Besonnenheit und Umsicht mit zum Start zu bringen. Daneben ist natürlich auch die Kon- ftruktion der Wagen und der Motoren von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Von deutscher Seite wird an erster Stelle der Sieger im vorjährigen Gordon-Bennett-Rennen, der Belgier Camttle Jen atz h als Führer des ersten Mercedes-Wagens der Daimler Motoren-Werke in Cannstatt in die Arena treten, während als Lenker des zweiten Wagens dieser Firma Baron de Caters in Vettacht kommt. Den dritten deutschen Wagen, den die Opel- Fahrrad-Werke in Rüsselsheim bei Frankfurt a. M. stellen, lenkt der Inhaber dieser Werke, der frühere Radrenn-Champion Fritz Opel. Von anderer Seite wird uns geschrieben: Auf der Gordon-Berrnett-Strecke wurden den Fahrern von jungen Burschen allerlei Hindernisse, wie Lattenstücke mit Nägeln usw. iu den Weg gelegt. Daß derarttge Freveltaten wenig geeignet sind, das Ansehen unserer gesamten Jugend im Auslände zu heben, versteht sich von selbst, abgesehen von den Folgen, die aus solchen „Scherzen" entstehen können. Alle 19 Konkurrenten sind jetzt in Homburg eingetroffen Die Strecke wird infolgedessen täglich belebter, und die Rennfahrer können aus Rücksicht für die zahlreichen Automobile, die die Bahn bevölkern, nicht in dem Tempo durcheilen, wie sie es gern wollten Es kommt ihnen zunächst auch nicht auf die Schnelligkeit an Erst wenn die Widerstandsfähigkeit der Rennwagen erprobt ist, und der einzelne genügend mit der Bahn vertraut ist, wird man das Tempo ändern Äis wird aber erst in den letzten Tagen vor dem eigentlichen Rennen geschehen, lieber die Beschaffenheit der Sttecke sind alle Fahrer des Lobes voll. Ebenso findet die Vorzüglichkeit der ganzen Organisation rückhaltloseste Anerkenn- ung. Jetzt stehen auch die Rastzeiten für die neutralisierten Orte fest. Sie müssen von den Fahrern genau innegehalten werden. Bei jeder Abfahrt wird die Zeit auf ein vorgedrucktes Formular geschrieben und von den Konttollcuren in den an jedem Wagen angebrachten Blechkasten geworfen. Nach Schluß des _ Rennens werden diese Zettel herausgen ommen und geprüft. Infolgedessen geben wir die Neuttalisassonszeiten in Minuten wieder; gleichzeitig fügen wir die Anzahl der an den betteffenden Stellen plazierten Radfahrerposten bei: Konttolle: Neutrale Zeit: Radfahrer: Usingen 5 Miu. 12 Weilburg 7 „ 14 Limburg 10 „ 15 Idstein 8 „ 12 Esch 5 „ 10 Königstein 8 „ 12 Oberursel 6 „ 10 Homburg 8 „ 15 Saalburg 9 ,,________________15____________ 56 Min. 115 Radfahrer. Die Post auf der Saalburg. Für das Gordon-Beimett-Rennen hat die Postverwaltung große Vorbereitungen mrf der Saalburg getroffen. Und wenn nicht alles trügt, hofft man, dem Verkehr im weitesten Maße Rechnung getragen zu haben. Zur Bewältigung des zweifellos enormen Depeschen- und Telephon-Verkehrs werden 70 Beamte auf die Saalburg kommandiert, die schon die Nacht über oben find und in Massenquartieren im Postgebäude Unterkunst finden. Für den Tepeschenverkehr sind 12 Hughes - Apparate ausgestellt. Daran schließt sich eine entsprechende Anzahl von Fernsprechleitungen. Man kann von der Saalburg nach allen größeren Centren des In- und Auslandes sprechen. Hierfür sind 10 Kabinen eingerichtet worden. Für die Beguemlichkeit des Publikums hat man Einzelschalter geschaffen, an denen Briefmarken zu haben sind und auch Postsachen, wie Eil-- und Einschreibe-Briefe, abgefertigt werden. Ein Extraschalter ist für Gesprächsanmeldungen bestimmt. Für Schreibgelegenheit ist in und außer dem Gebäude Vorsorge getroffen. In der Annahme, daß der riesige Fremdenverkehr es mit sich bringe, daß eine große Anzahl von postlagernden Sendungen nach der Saalburg geschickt wird, hat man die ständige Post in der porta decumana nach der Saalburg-Restauration verlegt, wo alle postlagernden Sachen verausgabt werden. Um schließlich für alle Fälle gewappnet zu fein, stehen alle Drähte in direkter Verbindung mit der Post in Homburg. Die Leitung des ganzen Pöst- und Telegraphenwesens ruht in den Händen eines höheren Postbeamten. ♦ Es besteht die falsche Annahme, die Saalburg sei für den ganzen Wagenverkehr von 7 Uhr morgens ab geschloffen. Tas ist nicht richtig. Tie Zufahrtstraßen sind vom frühen Morgen bis zum Abend vollständig frei, können also zu jeder beliebigen Zeit befahren werden. Ein rntereffanter „Shaw-* für jedermann wird die Vorführung der Rennwagen am 18. Juni, also am Tage nach dem Rennen, werden. Alle Rennwagen, die vorher nur im Fluge, auf Sekunden, zu beobachten waren, werden an diesem Tage, um einmal busschikos zu reden, „in Dreck und Speck" im Kurgarten ausgestellt. Man hat von morgens 9 bis mittags 4 Uhr Zeit genug, die Eigentümlichkeiten der einzelnen Renntypen zu studieren. Bei dieser Gelegenheit bringen wir die F a r b e n der einzelnen Nationen, mit denen die Wagen gestrichen sind und die für den Laten das einzige Erkennungszeichen bilden. Die deutschen Wagen sind weiß, die Schweizer rot-gelb, die Belgier gelb, die Oesterreicher schwarz-weiß, die französischen blau, die Italiener schwarz, die Engländer grün gestrichen. Ter Herzog von Ratibor, Präsident des Deutschen Automobilklubs, ist heute morgen hier eingetroffen und im Park- Hotel abgestiegen. Aer Internationale Irauen-Kongreß. (Nachdruck derboten.) n. B erlin, 13. Juni. Das Gesamtvrogramm für den Internationalen Frauenkongreß 1904 vom 13. bis 18. Juni umfaßt Frauenbildung, Sektion 1, unter dem Gesamtvorsitz von Helene Lange-Berlin; Frauenerwerb tmd Frauenberufe, Sektion 2, unter dem Gesamtvorsitz von Alice Salomon-Berlin; soziale Einrichtungen und Bestrebungen, Sektion 3, Gesamtvorstand Amta Edinger-Frankfurt a. M.; rechtliche Stellung der Frau, Sektion 4, Gesamtvorsitz Freiin Olga v. Beschwttz. In der heutigen Montagssitzung wurde der Kongreß durch die Vorsitzende des Bundes Deutscher Frauenvereine, Frau Marie Streit -Dresden im großen Saale der Philharmonie eröffnet. Vor allem, so führte Frau Streit aus, würde der Kongreß eine nachdrückliche Berichtigung des alten Irrtums bringen, daß die Frauenbewegung, indem sie für dieFrau gleiche Pflichten und gleiche Rechte fordere, die weibliche Eigenart vernichte. Im Gegenteil, diese Bewegung werde nur dazu dienen, die weibliche Eigenart zu erhöhen tmd zu veredeln (Stürmischer Beifall), denn sie habe nicht das Ziel, die Frau dem Manne als solchen gleich zu machen, sondern vielmehr die Frau mehr und mehr zu einer wahren Frau zu gestalten, damit sie als Frau und nur als Frau der Welt draußen einen anderen höheren Wert gebe, den ihr der Mann in ferner Eigenart niemals zu geben vermöge (Anhaltender Beifall). Lasten Sie uns, schließt die Rednerin, an die Arbeit gehen und für die freie starke mütterliche Frau der Zukunft eintrelen, immer eingedenk des Wortes: Fortiter in re, snaviter in modo! (Großer andauernder Beifall.) Nachdem hierauf noch die Präsidentin des International Council of Women, Lady Aderdee n-(Schottland) die Teilnehmerinnen begrüßt hatte, verteilten sich die Delegierten in d i e Sektion s» s i tz u n g e n. Der ersten Sektion für Frauenbildung präsidierte Frl. Helene Lange-Berlin. In ihrer Eröffnungsansprache betonte sie die Wichssgkeit der Frauenbildung unter Hinweis auf die Rolle, welche die Frau daheim im Hause spiele. Nur diejenige Frau, die im ei$enen £)aufe Autorität besitze, werde sich diese Autorität auch im öffentlichen Leben verschaffen können, in das voll einzutreten sich die Frau jetzt bemühe. Somit sei in erster Linie nötig die Bi Idung der Frau für denMutter- beruf (lebhafter Beifall). Bei uns in Deusschland habe das Jahr- hundert des Kindes schon im vorigen Jahrhundert begonnen, als Frödel das Wort aussprach: „Kommt, laßt uns unseren Rinbern leben!" Allein noch immer sei es nötig, das Familienleben mit Fröbelschem Geiste zu durchtränken, damit schon von der Kinderstube an der soziale Geist erweckt werde, aus den alle Kraft komme, auch oer Frauenbewegung weiter fortzuhelfen. (Stürmischer Beifall). Hierauf sprach Lady Aberdeen über die Frau als soziale Erzieherin und Frl. Adele Gerhardt -Berlin über „Frauenbildung und Mutter- s ch a st". Frau Henriette Goldschmidt - Leipzig behandelte die Bildung der Frau für ihren Mutterberuf im Lichte der Fröbel- schen Erziehung und Frl. Lilly Dröscher -Berlin die sozialen Aufgaben des Volkskindergartens. In der Sektion für Frauenerwerb und -Berufe führte Frl. Alice Salomon-München den Vorsitz. Zunächst sprach Counteß of Warwick (Präsidenttn der Londoner Frauenschule für Landwirsschaft) über „Die Frau in der Landwirtschaft', und Frau Besobecsoff - Rußland über die Stellung der russischen Landarbeiterinnen. Hierauf schilderte Frl. v. Kortzfleisch-Hannover die Notwendigkeit wirtschaftlicher Frauenschulen auf dem Lande. Unter großem Beifall führte sie aus, daß die Landwirtschaft schwer unter dem Mangel-an Menschenmaterial leide und es daher insbesondere gelte, ihr neue Arbeitskräfte zuzuführen und der Industrie fernzuhalten. Auf ben noch unbebauten Landftrecken seien Kolonien zu schaffen, wo nicht nur die kalte Spekulation hohe Schornsteine baue, sondern wo man wieder den warmen Herzschlag der deusschen Bäuerin spüre. Unter lebhaftem Interesse der Versammlung betrat sodann die sozialdemokratische Frauenrechtlerin Lilli Vraun-Gizyky die Rednertribüne. Sie führte aus: Nur von der gebildeten Frau sei bislang gesprochen worden, nie aber von dem schwer arbeitenden Dienstpersonal. Es sei das Wort gefallen, daß die Landwirsschaft den Frauen verloren gegangen sei, während tassächlich in Deutschland doch noch über 2 Millionen Frauen Landarbeit verrichteten; Frauen, die keinerlei Rechte und keinerlei Schutz besaßen, die deren aber mehr bedürften, als die bürgerliche Frau, mit der sich jetzt alles beschüfttge. Gewiß seien heute weite Land- ftreefen verödet, weil alles in die Städte dränge. Aber nicht das Vergnügen locke die Menschen dorthin, sondern mit eiserner Faust würden sie dahin gestoßen, die Hungerlöhne der Landwirtschaft drängten sie unbarmherzig vom Lande ab. Wohl würden die jetzigen Verhandlungen vielfach gute Resultate zeitigen, das Wichtigste aber fei die Gewährung des Koalitions- rechts, die Ausdehnung des Arbetterschutzes auf die landwirtschaftliche Bevölkerung. Würde der Kongreß dahin wirken, daß das volle Koalitionsrecht gewährt werde, so würde eines der besten Werke getan. (Lebhafter Beifall.) Unter stürmischem Beifall nahm hierauf eine Negerin Mrs. Mary ChurchTerrell, die in fließendem Deutsch spricht, das Wort. Sie ist eine anmutige, jugendliche Erscheinung mit schmalem geistvollen Gesicht, das schwarzes glatt gescheiteltes Haar umrahmt. Sie weist darauf hin, daß der farbige Dienstbote von liebenswürdiger Natur sei, von schneller Auffassungsgabe und von großer Anhänglichkeit an seine Herrschaft. Gelöst würde die Dienstboten frage nicht eher werden, so lange sich nicht die Frauen selbst mehr ihrer Unvollkommenheit bewußt würden, damit sie diejenige der Dienstboten weniger hart beurteile. (Lebhafter Beifall.) In der dritten Abteilung für soziale Einrichtungen und Bestrebungen, der Frau Prof. Edinger-Berlin präsidierte, verhandelte man über die Teilnahme der Frauen an der Armen-, Kranken- und Rekonvaleszentenfürsorge. Frau Mon- telius-Schweden verbreitete sich über die Grundsätze moderner Armenpflege. Ueber die Armenpflege in Oesterreich und das „District visiting-System" in Canada berichteten Frau von Sprung- Wien und Frau Luffa Thomson-Canada. Frau Dr. Harbon-Hoff- Dänemark gab Verhaltungsmaßregeln für die Bekämpfung der Tuberkulose im Kindesalter, während Frau F e l s ch - Frankfurt am Main die Hauspflege einer Besprechung unterzog^ Die Organisation der Armenpflege in Berlin und im Großherzogtum Baden schilderten Frl. Roloff-Berlin und Frau Bensheimer- Mannheim. Das größte Interesse fand die vierte Sektion, in der unter t)em Vorsitz von Frau Marie Stritt-Dresden über die rechtliche Stellung der Frau verhandelt wurde. Hier sah man die äußerste Linke her modernen Frauenbewegung versammelt. In ihrer Eröffnungsansprache führte Frau Stritt aus, daß die auf der Tagesordnung stehenden Fragen und ihre Sßeljanblung durch einen internationalen Kongreß die Nachwelt ebenso anmuten werde, wie unsere Zett der berühmte Kongreß von Macon, auf dem man ernsthaft die Frage verhandelt habe, ob die Frauen eine Seele hätten. (Heiterkeit und Beifall.) Tassächlich lei ja die Frau des 201/o Jahrhunderts! längst als fteie Rechtsperson anerkannt. Sie würden formell anerkannt im Strafrecht wie auch im bürgerlichen Recht, aber in ihrem vollen Umfange doch nur, solange die unverheiratete Frau in Betracht komme, während die Anerkennung der rechtlichen Gleichstellung der Fran im öffentlichen Recht, in Staat und Gemeinde, bisher nur in ganz wenigen Kulturländern erfolgt sei. Es werde deshalb die Aufgabe der Sektion bilden, darüber zu beraten, was die Frau zu ihrer allgemeinen Anerkennung aus logischen, ethischen, sozialen und wirtschaft- lichen Gesichtspunkten in Staat und Gemeinde zu fordern habe, angesichts der ihr auferlegten Beschränkungen im Zivilrecht, dem Eherecht und vor allem den güterrechtlichen Beschränkungen der Ehefrau. Hierauf sprach Frau Prof. Weber- Heidelberg über die historische Entwicklung des Eherechts. Sie zeigte, wie sich das heutige Eherecht aus benr ursprünglichen Gewaltrecht, dem Frauenraub und Frauenkauf heraus entwickelt hat und wie es sich noch weiter und höher entwickeln müsse, um als ein Bündnis zweier gleichwertiger, freier Menschen zu gelten. Miß Sheriff-Neuseeland berichtete, wie fortschrittlich sich die rechtlichen Verhältnisse in dem der Frauenbewegung als ideal geltenden Neuseeland gestaltet haben, während Frl. Dr. P o p o l in-Lüttich die belgischen Verhältnisse als höchst traurig schilderte. „Noch trauriger als bei uns in Deutschland! fügte Frau Stritt ihren Darlegungen hinzu, lieber das eheliche Güterrecht verbreitete sich ü. a. Frl. Dr. jur. Marie Raschke - Berlin. Sie beklagte es, daß mit dem Augenblick der Verheiratung die Frau in rechtlicher Beziehung auf das Niveau von Kindern und Geisteskranken herab- gebrüeft werde und daß das heutige Güterrecht die wirtschaftliche Zukunft der Ehefrau nicht sicherftelle. Am Nachmittage wurde der Kongreß vom Reichskanzler Grafen von Bülow und dem Staatssekretär von Posa- d o w s k y empfangen. Heute abend fanden unter dem Vorsitz von Helene v. Forster Vorträge über den Stand der Frauenbewegung in den Kulturländern von Vertreterinnen Deusschlands, den Vereinigten Staaten, Canada, Finnland, Italien, Ungarn und Australien Staaten, Canada, Finnland, Italien, Ungarn und Australien statt vermischte». * Großfürft Cyrill, dessen Gesundheitszustand der größten Schonung bedarf, wird einige Wochen in einem französischen Seebade verbringen, um sich einer Kur zu unterziehen. Ter Großfürst hat aber auch die Absicht, den in Cannes weilenden Großfürsten Michael Nikolajewitsch, seinen Oheim, sowie auch den im Auslande lebenden Großfürsten Paul, fernen Onkel, der feit seiner Verheiratung mit der geschiedenen Frau Piftolkors Rußland verlassen hat, zu besuchen. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte Großfürst Cyrill gegen Ende August nach Coburg zurückkehren, um in der Nähe der Großherzogin Melitta Viktoria der Ensscheidung seiner Angelegenheit entgegenzusehen. Die Reise der Großherzogin-Witwe von Sachsen-Koburg-Gotha nach London soll hauptsächlich das Ziel haben, König Eduard zu veranlassen, seinen großen Einffuß am Zarenhofe zu verwenden, um den Zaren zur Erteilung feiner Einwilligung zur Vermählung des Großfürsten Cyrill mit der Großherzogin Melitta Viktoria zu veranlassen. Die russische Kirche setzt dieser Vermählung keine Hindernisse entgegen. Die Vorrechte feiner Geburt werden durch seine Ehe mit einer Geschiedenen gar nicht tangiert Auch Großfürst Paul ehelichte in Italien nach russischem Ritus die geschiedene Offiziersftau Pistvlkors, und dennoch hatte er auf die Vorrechte seiner Geburt feinen Verzicht leisten müssen. Er wurde nur seiner Würden als Chef der Kavallerie und als Kommandant eines Regiments entkleidet. Auf die Ehe des Großfürsten Cyrill mit der geschiedenen Großherzogin dürfte bloß das russische Haus- und Hofgesetz Anwendung finden, wonach ein Mitglied des Zarenhauses, das Anwartschaft auf den Zaren- thron haben könnte, bei seiner Ehe mit einer Geschiedenen auf diese Anwartschaft verzichten muß. Ein großes Hindernis dürste darin erblickt werden, daß die Zarin Alexandra Feodorowna schwerlich sich dazu entschließen dürste, die gewesene Großherzogin als Mitglied der Zarenfamilie in Petersburg zu begrüßen. Daudet und Verkehr. Volkswirtschaft. Neue Zproz. Hessische Staatsanleihe. Die an ein Konsortium Deussche Bank, Oberrheinffche Bank, Deussche Vereinsbank, Württembergische Vereinsbank, Hannoversche Bank, L. Speyer-Ellissen u. Jac. S. H. Stern, wie bereits gemeldet, zu 87,43 Proz., haupssächlich zwecks Investierung bei der Hessischen Landeshypothekenbank, begebene Anleihe von 91/2 Mill. Mk. wird zu Beginn der nächsten Woche bei den übernehmenden Banken und deren Zweiganftalten, sowie an den hessischen Hauptplätzen, zur Zeichnung aufgelegt — Die ältere 3proz. hessische Anleihe notierte zuletzt 87,95 Proz., hält sich somit nicht unwesentlich unter dem Niveau der übrigen Zprozentigen deutschen Anleihen. So stehen Zproz. Reichanlseihe 90,20, Konsuls 90,10, Bayern 90,—, Baden 89,35, Sachsen 88,50- Elsaß-Lothringische Rente gar 92. — Während das Reich mit einer 3prozentigen Anleihe erstmals im Jahre 1890 und zwar um 87 Prozent herauskam, wählte Hessen erst im Jahre 189t> den 3prozentigen Typus, zu einem hierfür sehr geeigneten Zeitpunkt, sodaß die Emission zu 98,45 Prozent erfolgen fonnte. — Hinsichtlich der Qualität können die hessischen Anleihen den anderen deutschen Werten vollständig an die Sette gestellt werden. Nachstehende Ziffern lassen deren Sicherheit als ganz unbezweifelt erfdeinen. Die gesamte Staatsschuld Hessens betrug am 1. April 1903 347,8 Mill. Mark, wovon nicht weniger als 297 Mill, auf die Eisenbahnen entfallen, also produttive Schulden darstellen. Für Zins und Tilgung waren in 1902/03 10,26 Mill. Mark erforderlich, während schon die Eisenbahnen einen Ueberschuß von 10,7 Mill. Mark lieferten, wozu noch 2,3 Mill. Mark aus sonstigem werdendem Staatsvermögen (Forsten, Domänen) kamen. Newyork, 12. Juni. Infolge Herabsetzung bet Zwischendeckfahrpreise über den Atlantischen Ozean nahm die Einwanderung derartig zu, daß sich dic Arbeit der Einwanderungsbehörden nahezu verdoppelte. Durch die niedrigen Fahrpreise wurden Einwandererelemente berbeigezogen, welche den Behörden als unerwünschte gelten. Infolgedessen ist nahezu die Hälfte der in den letzten Tagen aus Europa eingetroffenen Zwischen deckreisenden angebalten worden, bis nähere Erhebungen über ihre Verhältnisse an- gestellt sind. Wahrscheinlich Dürften viele derselben nach den Einschiffungshäfen zurückgeschickt werden. Eiubrnchdiebstahl. Eine böse Ueberraschung, wenn man eines Morgens oder bei der Rückkehr von einem Spaziergang, einem kurzen Ausflug, einer längeren Reise die Wohnung von Einbrechern geplündert vorfindet. Erfahrungsgemäß gelangt der Bestohlene fast nie wieder in den Besitz seines Eigentums, selbst dann nicht, wenn die Verbrecher ermittelt werden. Es ist daher durchaus erklärlich, daß die Einbruchdiebstahl-Versichemng^m ganz kurzer Zeit eine große Verbreitung gefunden hat. garantiert dem Versicherten Schadloshaltung für das Gestohlene und für die Beschädigungen und läßt ihn darum mit Ruhe das Haus verlassen, mit Ruhe schlafen. Er wird sich hüten, unter Lebensgefahr Einbrechern entgegenzutreten, über deren Arveu er erwacht. Banken usw., die sich sonst schon durch alle möglichen Vorrichtungen gegen Einbrüche schützen, nehmen fast durm- toeg diese Versicherung, aber auch Privatwohnungen werden immer mehr versichert, ist doch die Gewißheit, vor Schaden durch Einbruch sicher zu fein, die geringe Prämie allein schon wert. Eine bedeutende Ausdehnung der Einbruchdiebstahl-Versicherung steht bevor, well jetzt auch die Victoria die Branche ausgenommen hat. Die Bedingungen der Victoria sind in verschiedenen Punkten für die Versicherten günstiger als die anderer Geseu- schaften, weil das bevorstehende Gesetz über den Versicherungsvertrag schon auf die Bedingungen der Victoria cingcroirft ijat. Bei einer Versicherungsdauer von mindestens 5 Jahren ist bet der Victoria die Zahlung der Prämie in Wochenraten zulässig. Todes-Anzeige Frau Rebecca Katz Stiefel Wwe heute morgen gegen 3 Uhr nach kurzem Kranksein im 78. Lebensjahre sanft entschlafen ist. 5230 Giessen, den 14. Juni 1904. -f .u.r'" .-■» a jwr ■ Tieferschüttert teilen wir hierdurch Verwandten, Freunden und Bekannten mit, dass unsere heissgeliebte, unvergessliche Mutter, Grossmutter, ürgrossmutter, Schwester und Tante Die Beerdigung findet Donnerstag den 16. Juni, vormittags 11 Uhr, vom Portale des alten Friedhofes aus statt. Blumenspenden dankend verbeten. Die tieftrauemden Hinterbliebenen. L d. N. Familie Moritz Strauss. ■ - •- • ' sind. phil. Mans Hamann 5222 Danksagung Familie Leidner. 03380 U Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Mutter, Schwiegermutter und Großmutter sagt herzlichen Dank geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet am 14. Juni 190H, nachmittags 2 Uhr, in Wolfskehlen statt. Die Studentenverbindung „Chattia^ I. A.: Ferd. Vetter, X X stud. phil. Unterfertigte erfüllt hiermit die traurige Pflicht, ihre lieben E. M. E. M., A. H. A. H., E. Ph. E. Ph. und A. M. A. M. von dem am 11. Juni 1904 erfolgten Ableben ihres unvergesslichen a. B. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste jagt vielen herzlichen Dank Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Susanns Weller. Gießen, Dammstraße 19, den 14. Juni 1904. (0338 Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste sagen nur vielen herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Dr: med: Georg Läebe’s Heilanstalt sirr Lungenkranke Wald hoi Elgershausen (Kreis Wetzlar). 310? Ausnahme auch von Kindern. Bürgerliche Preise. Prospekte. 5223 Familie Konrad Graulich. Louvertr mit §ima ss BrM'iÄe Universitäts-Druckerei. Sieben. Kreuzp’atz 13 Kreuzplatz 13 Unser Grosser Saison-Ausverkauf umfassend CD Q>: zn CD Cü £D Mittwoch den 15. 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Juni fra in Liaujan ein, die ftd geschlichen hatten. 5 Festung eng um Arthur genügend vott Das Vorgehen der Ru mützeln an. Im. ! Javanern getan vettegt war. Ein deutscher Kr unterrichteter Seite, d Mann bei der Erobe Petersburg, stätigung über Stössel emgetroffer Arthur haben zwei rus „Retwisan" armiert ro gelang ihnen, wem oi rückzukehren. 2 o n b o n, 14. Ju Arthur von irgend ein die englische Pacht von widert, durch die 189t zu, Weihaiwei uni) bie zu verpaßten, wie Port Weiter! Petersburg, kuropatkins an Heute morgen wurde Pulandian nach nachmittags stand dir degou bis zum Tale ruckenden Truppen b im Taschahotale m< eilte der Gegner Dörfer Tandiatum, s üblich von Wandeg, "der unsere Verl pinjier und mehrere lestgestellt, i>aß bie^t Quf den Dalinpah Petersburg, an ben Nacht j«m 12. | ^ Station Wasa ""den Meilen Nacht *^6 einem Ramvi, ; 65l>,n sv®y. |lQn war, (?e « t 9tla *’«ÄS RaiHelcr den W Q,n Novaen9! 3‘id)n)ai nb(l"n ui Wen Die: Ha't und 8l Men jje ?00 Tot.! DeW der getofA? 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