Uv. 87 Donnerstag, 14. April 1904 154. Jahrg. fctfy-tn! »glich mtt Ausnahme bei Sonntag«. tti ..Wietzener KamUiendliMer- werden den- ifirytni otennc wöchentlich betgelegt Dc ,*!#('h tttXDi fr * erschein' monatlich einmal Gießener Anzeiger RotationSdrnek unb Vertag der SrLhl'sthe» UnwersttLtSdruckeret. R. Lang«, Sietzen. Redaktion, Expedttion u. Druckerei: Schulstr.T« Tel. Nr. 5L Te1egr.-Ldr.: Nn-etger Stetze» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen. »—1^———————————■——■ ■ | ■ ■■■■!■ — Zeit nicht hätte geleiste werden können. Wir setzen alle« daran. gterung diejenige Beziehung Verdie r rcj L-deute. ülow betritt den Saal und wiesen; der Staats ekretär Köller hat zwar man zu solchen lären über die :euen, und die lieber schwarz aber in einer um zu neuen Verträgen zu kommen. Nun hat Herr v. Kardorff auch die Kündigungsfrage in ben Bereich seiner Erörterungen gezogen. Man wird es verstehen, wenn ich sage: Mitten in den schwebenden Verhandlungen ist es mir unmöglich, über diesen Punkt nähere Auskunft zu geben. Auch die Frage der Kündigung des Meistbegünstigungsverhältnisses liegt in diesem gesamten System und kann von demselben nicht losgelost werden. Daher kann ich auch auf diesen Punkt nicht antworten. Ich kann nur sagen, wir haben alles, was für die Kündigung der Verträge vorgebracht worden ist, auf das eingehendste erwogen. Diese Erwägungen haben aber dahin geführt, daß wir bisher eine Kündigung nicht eintreten lassen zu sollen glaubten. Die HandelS- vertragsverhandlungcn nehmen ihren Gang und ich hoffe, daß, wenn dem hohen Hause die Verträge borge legt werden, das Haus sehen wird, daß sie zu seiner Zufriedenheit und zum Wohle deS ganzen deutschen Volkes ausgefallen sind, daß es auch dann der Re- Anerkennung nicht versagen wird, die sie in dieser Beziehung verdient hat. Abg. Dr. Ricklin (elf. Landesp.): Die Aufhebung des § 2 deS Jesuitengesetzes wird ebenso heilsam wirken, wie die Aufhebung deS Diktaturparagraphen im Elsaß. Schade, daß dieser Paragraph nicht schon vor 20 Jahren aufgehoben istl Tann wäre auch bereits der diktatorische Geist gcschwundenl Redner verbreitet sich sodann über die staatsrechtliche Stellung Elsaß-Lothringens, die höchst unklar sei. Was ist denn Elsaß? Es ist keine Provinz, es ist aber auch kein Bundesstaat. Von letzterem hat es nur die Ehre, Mcrtrirular- Parlamentarische Perhandlungen. Düchidruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 66. Sitzung vom 13. April. 1 Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt. 8m Dundesratstisch: Graf v. Bütow, Frhr. v. Richt- ■ Ä«fcm, Dr. Nieberding, Graf v. Posadowsky, Frhr. ’ ».feiet ng e l, v. Koetler u. a. Tiic zweite Beratung des Etats des Reichskanzlers wird : Brat Titel „Gehalt des Reichskanzlers" fortgesetzt. Wg. v. Kardorff (Rp.): Ich beabsichtige keineswegs, dem Bei- ' M d?s Abg. Dr. Sattler zu folgen und mich über das heikle Ge- 77Ü der auswärtigen Polftik auszulassen. Die Antwort, die der : Nchstanzler gestern dem Dr. Sattler gab, konnte gar nicht anders . rrJfoEam, als sie ausgefallen ist. Ich glaube, daß das ganze Haus : rr ilulsnahme der Sozialdemokraten in der auswärtigen Politik ‘ Sctioucn zu der Regierung hat. Es liegt auch kein Grund für ■ uä va , uns besonders aufzuregen. Selbst die Ereignisse im Orient i Lmni uns nicht schrecken. Ich stehe hier ganz auf dem Standpunkt 1 lcs nü'ften Bismarck, der einmal gesagt hat, daß der ganze Wetter- 1 linltl i un Orient nicht die gesunden Knochen eines pommerschen • Hm-stiiers wert wäre. Von den Ereignissen in Ostasien bin ich t überrascht werden. Im vorigen Jahre hat schon Gras SIBdb* mir gesagt, daß dann und dann ein Krieg zwischen Japan L LüAiitzland ausbrechen würde, und das ist auch zu genau derselben ; Z°t ritgetroffen. Auch in der Frage der Aufhebung des § 2 des 4 Dinier lgcsetzes kann ich dem Herrn Abg. Dr. Sattler nicht zu- s tttonrei-.«. Ich habe jahrelang allein von meinen Freunden für die ' kichkbmng. des tz 2 gestimmt, weil ich der Meinung war, daß der 4 Hrannph eine Verletzung des Gefühls der katholischen Bevölke- Herr Dr. Sattler mag unS bekämpfen, das ist sein gutes Recht, einen ehrlichen Kampf kämpfen wir gerne, aber es ist nicht schön, wenn man Ausnahmegesetze will, um den Kampf zu führen. Herr Dr. Sattler hat dem Reichskanzler den Vorwurf gemacht, er hätte die Aufhebung des § 2 bewirkt aus zu großer Freundlichkeit gegen das Zentrum. Ich glaube das nicht, gibt es doch gar Leute, Die da meinen, der Reichskanzler zeige eine bedenkliche Hinneigung zu den National-Liberalen. Ganz unerhört ist der Vorwurf, daß wir einen Kuhhandel getrieben hätten. Ich kann auf das allerenergischste erklären, daß in unserer Fraktion niemals von Tauschgeschäften die Rede war. (Lachen bei Den Nat.-Lib.) Für die Stellungnahme meiner Frattion sind stets nur sachliche Gründe ausschlaggebend gewesen. Redner verbreitet sich sodann über Afrika. Er meint, in Nordafrika könnten nur geordnete Zustände eintreten, wenn die christlichen Staaten gemeinsam vorgingen, und zwar nur auf Grundlage der Christianisierung — unbeschadet aller Freundschaft zu dem Sultan von Marokko — und diese wieder habe zur Voraussetzung, daß im Innern das Christentum nicht gehemmt wird. Wir wollen eine volle Parität der christlichen Konfessionen. Justitia est funda- mentum regnorum! (Beifall im Zenft.) Abg. Dr. v. Heydebrand und der Lasa (lonf.) erklärt sich für Schiftahrtsabgaben auf natürlichen Strömen, aber so, daß dadurch der Verkehr nicht gehemmt wird. Der Art. 78 Der Reichsverfassung, auf den sich Dr. David gestern bezog, ist nicht glücklich gewählt. Meine Freunde sind bereit, chn zu modifizieren. Zunächst warten wir ab, welche Konsequenzen die preußische Regierung aus ihrem Standpunkt zieht. Wenn Dr. David durchblicken ließ, daß die Schiffahrtsabgaben als Konzession an meine Freunde für den Kanal geplant sind, so erwidere ich, daß wir sowohl in der Abgaben- wie in der Kanalfrage im Abgeordnetenhaus das tun werden, was uns richtig erscheinen wird. Was das Jesuttengesetz betrifft, so sind meine Freunde über die Aufhebung des § 2 geteilter Meinung. Aber alle mißbilligen entschieden die Art der Aufhebung. Und alle sind gegen eine weitere Abbröckelung des Gesetzes, und awar im Jnteresie des konfessionellen Friedens. Meine Freunde werden stets auf dem Posten sein, wenn es die Jnteresien der evangelischen Bevölkerung gilt. Zur Zett aber gilt es, zur Ruhe und zur Besonnenhett zu mahnen. Die Sache ist zur Genüge erörtert. Jetzt heißt eS, die Erregung nicht vergrößern, sondern Frieden schaffen. Eine Fortsetzung dieser Erörterungen würden wir daher für schädlich halten. Nun zu anderen Dingen: daß wir durchaus für die Maßnahmen unserer Regierung zur Wiederherstellung der Ordnung in Südwestaftika eintreten, ist selbstverständlich. Ist doch dort die deutsche Ehre engagiert. Gilt es doch dort deutsches Blut und deutsches Ansehen I Andererseits wird die Frage zu untersuchen sein, ob nicht wirklich schwere Fehler vorgekommen sind, die es bewirft haben, daß es Dort so wett gekommen ist. Diese Frage werden wir in einem späteren Zeitpunkt sehr zu erwägen haben. Mit der Haltung der Regierung zum ostasiatischen Krieg sind wir einverstanden. Anders st«Ht schon die Sache mit Marokko. Gewiß, wir sollen uns nicht um alles kümmern, was in der Welt geschieht I Aber man hat manchmal so die Empfindung, als ob wir doch bei gar zu vielenTingen bei Seite stehen und dann dasNachsehen haben! -Ich weiß nicht, ob das beim englisch-ftanzösischen Abkommen der Fall ist. Unmöglich scheint mir Das nicht. s pdiM Den anwesenden Staatssekretären Die Hand.) Es liegt uns c iifai doaan. Daß die Evangelischen und die Katholischen im Frieden r ntt c rmDcr leben. Wer hat denn Den Vorteil Davon, wenn sie sisstm ^en Haaren liegen? Einzig Die SozialDemokrcttie. Nie und n ntratii hätte sie eine Anzahl Wahlkreise gewonnen, wenn ihr nicht d-dakrncssionelle HaDer zu Hilfe gekommen wäre! Ist er Denn not» ixWci'.A Entspringt er Der wahren Gefühlen Des Volkes? Als ich ü imttn'i Wahlversammlung für Die Aufhebung Des 8 2 Des Jesutten- a 9^5; plattierte, erhob sich ein großer Sturm; unD nachher stellte e äältdi : eroitS, daß eigentlich niemand eine Ahnung hatte, was in d da Paragraphen drin steht. (Hetterkeit.) Man soll Die Gegen- fc infc nitft künstlich Hervorrufen. Ich beDaure es, daß man gestern tt rvtitt Kus Zentrum Die „Ultramontanen" genannt hat! Hat Denn d< im! Zentrum ultramontane Politik getrieben? Nein! Es hat d« ^dinntionale Politik getrieben, in Der Schaffung unserer Wehr- li kef, innferer Flotte, in Der Kolonialvolitik, im Zollkampf! (Be- ft sriüiatss Schmunzeln im Zenttum.) Es hat Die nationalen Inter- cs ’rrtMfi gehalten in seiner Fürsorge für Die LanDwirtschaft l ich geraDe hierbei bin, so muß ich den Wunsch aussprechen, de rimr ^besonders am Herzen liegt Weshalb hat der Reichskanzler di floatenden Handelsverträge noch nicht gekündigt? Die Lcmd- w' •ir’frti hat fett Jahrzehnten Die schönsten Versprechungen und V. ,Lozrmgen bekommen. Könnte man nur Davon satt toetDen! Jk ich: la: >en wir endlich einen halbwegs guten Zolltarif. Aber er tr li nicht in Kraft. Hätte Die Regierung chn sofort in Kraft gesetzt, da är. fcätitfe sie es jetzt nicht nötig, bei Den anderen Staaten um neue S» nd-ilä?-ertrage hausieren zu gehen, Dann wären die anderen <3: tiritit zu uns betteln gekommen. (Gelächter links.) Ja, Sie gl acüanes nicht Wer es ist doch so ganz natürlich. Denn Die übiiirctti E2änDet haben uns gegenüber eine aktive Handelsbilanz. Auf Deddfcir'ieler Zuckerkonvention haben wir ein schlechtes Geschäft ge- mc tri-, I Unsere Vertreter waren eben nicht jenügeitt informiert. Je chf lönnien wir uns Den SchaDen besehen. Schon kommt viel Kv- lor nrJiufler zu uns. Man ist bei uns immer so ängstlich und kommt Dal G-u nichts. Sticht einmal Den HanDelsbertrag mit Argentinien irxrentna.it zu kündigen. Das ist eine Angstmeierei, Die ich gar nicht betten kann! Für Die Landwirtschaft geschieht nichts. Tie Jn- du'M.'hrst glänzende Seiten gesehen. Die Beamtenschaft, Die Geist- lichM üit m ihren Gehältern gestiegen. Nur Die Landwirtschaft beftoent nichts. Warm wird Das endlich anders werden? (Lebh. BriW rttchtS.) La. Dr. Spahn (Ztt., schwer verständlich): Als das Jesutten- csrqaLisien tourbe, waren die National-Liberalen Die ausschlag- gebrsckc Partei. SeitDem haben sich Die Verhältnisse gründlich ge- änklta Als über Die Aufhebung Des § 2 zum letzten Mal hier ab^aflrnrmt hmrDe, war Der Reichstag fast einig Darin, daß er fallen :nümf. Herr Dr. Sattler hat sich letzt in Widerspruch gesetzt mit Der i llchi hett seiner Fraktion. Es ist doch nicht liberal, wenn man sich 1 Die Aufhebung eines Ausnahmegesetzes sperrt. Was Die iur njir'te Sette Der Frage betrifft. Die so Mel erörtert worden ist, ' hjmt es mir zweifellos, daß Der Bundesrat Die Aufhebung Des 8 2 ^liecht bejtnnmt hat. Solange Der Reichstag einen von ihm besc'Ecnen Initiativantrag mcht wieder aufgehoben hat, hat Der BuiÄitÄcit Die Befugnis, Durch seine Zustimmung Den Antrag zu emc-e-^setz zu erheben. Die Aufhebung des Jesuttengesetzes ist boni !rd Viertel DeS Deutschen Volkes verlangt. UnD Herr Dr. Gat atü wnll Diesem Willen keine Rechnung getragen wissen l Selbst FürnsflSmarck hat anerkannt. Daß eine Aenderung Des Jesutten- goseM rrttwenDig sei. Wenn jetzt eine künstliche Erregung bei Der AufA..-,; Des ß 2 hervorgerufen worden ist, so ist das ausschließlich erdienst Der national-l* ' — ' VerM. DeS “ “ Und endlich die Hauptflage: Wie steht es mit Der Kündigung Der Handelsverträge? Man weiß da rein gar nichts. Geschieht da überhaupt etwas? Weshalb ist nicht wenigstens der Meist- begünstigungsverirag mtt Nordamerika aufgehoben? Nun muß die deutsche Landwirtschaft wiederum Die Ernte eines ganzen Jahres unter Den Sätzen des alten Tarifs verkaufen. Wozu da der neue, vielgerühmte Tarif?, Ist das ein Eintreten für die Landwirtschaft? Man bedenke noch eines. Der Reichskanzler hat sich gegen einen gewaltsamen Kampf mtt der Sozialdemoftatie ausgesprochen. Man kann Darüber verschiedener Meinung fein. (Aha! bei den Soz.) Indessen, wenn Der Reichskanzler nun einmal Der Meinung ist, daß der Kampf gegen die Sozialdemoftatie nur geführt werden kann durch Selbsthilfe der bürgerlichen Parteien, so ist es doch seine Pflicht, daß er Diese bürgerlichen Parteien, daß er diese staatserhaltenden Elemente auch stärkt und stützt, und Das ist in erster Linie die landwirtschaftliche Bevölkerung, die das sicherste Bollwerk gegen den Umsturz hübet Wenn die Interessen der Landwirtschaft noch langer vernachlässigt werden, so heißt das geradezu die Interessen Des Vaterlandes einer Gefahr aussetzen. (Lebhafter Beifall rechts. Staatsseftetär Freiherr v. Richthofen: Die Unzufriedenheit >er Vertreter der Herren, die hier im landwirtschaftlichen Sinn gebrochen haben, mtt Dem Gange unserer Handelsvertragsverhandlungen, ist unbegründet, noch mehr aber der Vorwurf, daß die Regierung nicht genügend die Interessen der Landwirtschaft veriritt. Möge man doch bedenken, dast Die ganze Mion Darauf gerichtet ist, eben geraDe Durch Die HanDelsvertragsverhanDlungen für Die Land- toirtfdjafi bessere Zustände zu schaffen. Herr von Kardorff hat dem Reichskanzler sein Vertrauen ausgedrückt, diese seine Vertrauenserklärung aber nicht ausgedehnt auf die HandelsveriragsverhanD- lungen. Er scheint Dies damtt begründet zu haben, daß die Han- delsverftagsverhandlungen von denselben Unterhändlern geführt w^den wie die Verhandlungen bei der Brüsseler Konvention, und daß diese in der Konvention die Interessen Deutschlands sehr ungeschickt bertreten hätten. Ich muß. dieser Auffassung durchaus widersprechen Ich kann den Unterhändlern das beste Zeugnis geben. Sie sind in den Brüsseler Verhandlungen gerade gegenüber England bis an die äußerste Grenze gegangen. Sie find sowett gegangen, als es Das ZustanDekommen der Konvention überhaupt zu- fteß Ich nehme an, daß Herr von Kardorff durch das, was er über Die Unterhändler gesagt hat, den auswärtigen Mächten, mit Denen sie verhandelt haben, hat andeuten wollen, daß das, was die Unterhändler ihnen bieten, bereits das äußerste Zugeständnis Deutschlands darstelle, daß seine Wsicht also dahin ginge, die Stellung der Unterhändler in den Augen der auswärtigen Mächte zu starken. «Heiterkeit.) Wer die Unzufriedenheit mtt dem langsamen Gang der Handelsverftagsverhandlungen ist ungerecht. Ich glaube, daß man doch Die Mühe unD Arbeit sehr unterschätzt, die mit Diesen Ver- JanMungen verbunDen sinD. Man denke doch daran, welche verschiedenartigen Interessen es zu berücksichtigen gibt! Man sehe sich nur die Unzahl der Petitionen an! Schon technisch ist die Arbeit eme so große, daß sie in kürzerer Zeit garnicht hätte bewältigt werden können. Wir sind übrigens gern bereit, Auskunft zu geben über den gegenwärtigen Stand Der Verhandlungen. Wir sind, nachdem die Notarbeiten beendet sind, im August vorigen Jahres zuerst mit der russischen Regierung in Unterhandlungen getreten, sodann mtt den Regierungen von Italien, der Schweiz und Belgiens. Die Verbandlungen haben zunächst zum Abschluß eines Derirages mit Italien geführt. Die anderen Verträge sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Mit Oesterreich und Rumänien werden noch im Laufe dieses Monats die Ratifikationen bezüglich der Unterhändler auSgetauscht werden, also mit 6 von 8 Tarifstaaten sind wir schon mitten in den Verhandlungen, die zu einem gedeihlichen Ende führen werden. Wer das Maß der Arbeit lennt, die damtt verbunden ist, wird zugeben, daß mehr in der beiträge bezahlen zu Dürfen. Diese Stellung ist eines kulturell so hochstehenden Landes, wie Elsaß-Lothringen, unwürdig. An eine gewaltsame Losreißung Elsaß-Lothringens von Deutschland denft heute kein Mensch mehr. Die Sympathie, Die man in Elsaß-Loth- rmgen Dem französischen Volke entgegenbringt, beruht auf rein menschlichen Gefühlen. Wir können im Franzosen nicht Den Erbfeind erblicken, aber man denke von uns nicht, daß wir erst bann gute Deutsche sinb, wenn wir einen ostentativen Haß gegen Frankreich an ben Tag legen. Das wird nie geschehen. Notwendig ist die Aufhebung bes Gesetzes über Die aufrührerischen Rufe. Die Regierung sollte endlich unsere Wünsche erfüllen, sie würde sich dadurch den Dank der gesamten elsaß-lothringischen Bevölkerung erwerben mit Ausnahme Der Kreise, die der Abg. Blumenthal ver- treten hat, dessen Wahl nur zu stände gekommen ist durch ein Bündnis der Sozialdemokraten mtt den verhetzten Mitgliebern des lischen Bundes. Während hier ttn ~ ‘ ,* „ aller bürgerlichen Parteien gegen Die Sozialdemokraten geblafe wurde, hat sich Herr Blumenthal auf die Seite der Sozialdemo^ traten gestellt; er meinte, er wolle sich lieber durch das rote als durch das schwarze Meer überschwemmen lassen, und viele Beamte dächten ebenso. Ich konstatiere, daß Herr Blumenthal den Mund etwas voll genommen hat. Wer andererseits steht es fest, daß manche Beamte ähnlich denken. Das haben die letzten Wahlen er« liberalen Partei, ja ausschließich das Herrn Dr. Sattler. Der Herr Reichskanzler hat j - Dr. Sattler Das Kompliment gemacht, daß er ein - vü-ÜKt und gelehrter Historiker sei. Ich will bas nicht be- oe dr aber die Zett, in der Herr Dr. Sattler seine historischen Stusäh getrieben hat, liegt bereits lange zurück. (Heiterkeit im ■?cn üb. Die neuere Entwickelung scheint er nicht verfolgt zu babc« (I5meute Hetterkeit im Zentrum.) Die national-liberale Pre H!«: die Aufhcchung be5 § 2 benutzt, um den Reichskanzler, den ,:liWtag und tm speziellen die Katholiken in allerhäßlickster 2Bci umgreifen. Das sind dieselben National-Liberalen, die sich als l'btzcm der Ordnung hinstellen. (Sehr wahr im Zentrum.) Herre:st. t Sattler hat gestern die Zentrumsftattion die ultramontane FraieL- genannt mtt einer deutlich merkbaren Spitze. Ich will wer:: diuen, wir sind als Zentrumsmitalieder Reichsangehörige, etamnbe ehörioe und auch Katholtten, Katholiken in keinem anderen Simmitic! Die Kirche diese Bezeichnung ausstellt. Herr Dr. Sattler hat er freue sich Darüber, konstatieren zu können. Daß es vielem ich,ritten in SüdDeutschlanD gebe. Die zur national-liberalen Par >Äi Mren. Ich glaube. Daß dem so ist, ich will auch Den '!Ä4,, wenn sie noch immer nicht merken, daß der Kampf Dem Katkrib.ÄÄus selber gilt, so ist ihnen eben nicht zu helfen. Ich kann- hnr: Der Katholik, Der heute in Deutschland noch außerhalb Der üfc: des Zentrums ist, schädigt seine Kirche. (Lebhafte Zu- ftimrcrj j im Zentrum.) als rot. Der ober te 23eamte von Ober-Elsoch Wahlrede umgekehrt gesagt: lieber rot als schwarz. (Gut! gut!) Sind die elsässischen Sozialdemoftaten weniger staatsgefährlich und aufhetzend als im übrigen Deutschland? Was soll man zu solchen Wahlreden sagen? Wir werden die Wertschätzung, deren sie sich bet den , _________... Folgen werden sich bei den nächsten Wahlen zeigen. Herr Blumenthal wird sich bann erweisen als Teil von jener Kraft, die stet? das Böse will und doch das Gitte schafft. Abg. Gothein (frei). Vgg.): Wer die Rede des Vorredners anhörte, der mußte glauben, daß mcht Graf Bülow sondern Herr Blumenthal augenblicklich Kanzler des Deutschen Reiches ist. (Große Heiterkeit.) Nun, was nicht ist, kann ja noch werden. (Erneute Heiterkeit.) Gegen den Partikularismus, den Der Vorredner an den Tag gelegt hat, muß ich protestieren. Ich gebe mich Der Hoffnung hin. Daß es dem Reichskanzler gelingen wird, auch bet dem Abschluß von Handelsverträgen den deutschen Vorteil gegenüber dem Ausland zu wahren. Die fleundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Deutschland sind etwas erkaltet. Schuld Daran ist einmal die alldeutsche Presse, sodann aber auch der Schleuderexport infolge unserer Syndttate, wodurch gleichzettig Die schutzzollnerische Richtung in England etwas erstarkt ist. Die Aushebung des § 2 des Jesuttengesetzes billigen wir durchaus. Der § 2 war eine Durchbrechung der ^Verfassung und nichts Wetter, als ein erwünschter Agitationsstoff für das Zentrum. Dagegen scheint uns die Art Der Aufhebung sehr beDenklich: daß Die Regierung sich Beschlüsse Des Reichstages in die KommoDe legt, um sie hervorzuholen, wann es ihr paßt. Es wfld aufs heftigste bestritten, daß hier ein Kuhhandel vorliegt. Wer es scheint doch so, als ob die Sache gerade jetzt hervorgeholt ist, um durch ein kleines Geschenk Die FreunDschaft Des Zentrums zu erhalten. Weniger harmlos, als die Aufhebung des 8 2, ist die Zulassung der Marta- nischen Kongregationen. Derartige konfessionelle Schülerverbin- düngen verstoßen gegen den Zweck der Schule. Die Schiffahrtsabgaben zu sprechen, ^var nicht meine «Mtchr. Ich muß es aber Doch tun, um Dagegen zu protestieren, daß Diese Sache vor Das WgeorDnetenhaus gehört. Im Gegenteil, nach § 54 Der Verfassung gehört sie einzig unD allein tn Den Reichs- tag. Jetzt haben wir Drei verschieDene Erklärungen Der Regierung. Snie Drei hatten nur Den Zweck, zu beruhigen: die Des Reichskanzlers Das liberale Bürgertum, Die Des Ministers BuDDe Die Konser- vattven. Die Des Grafen PosaDowskh alle Welt. Tatsächlich haben Diese Erklärungen alles nur unklar gemacht, so Daß Die Beunruhi- gung jefet erft recht geschaffen ist. Die DeDuktion Des Grafen Posa- d?^sky über Den Begriff Der künstlichen Wasserstraßen ist vollstänDig hinfällig wenigstens für Preußen. Wir verstehen historisch unter Den natürlichen Wasserstraßen Die großen sog. schfffbaren Flüsse, deren Iknterhaltungspflicht seit Friedrich dem Großen hem Staate obliegt. Dieser Begriff ist für uns also bistornch festgelegt. Daß man Aenderungen in diesen Wasserstraße« vornimmt.d beeinftächtiqt Deren Charakter als natürliche Wasserstraßen keineswegs.. Schon FrieDrich Der Große hat Den Lauf der CDer durch Durchstiche um 27 Proz. verkürzt. Wenn Der Reichskanzler einmal mit mir eine Oderfahrt machen will, werde ich ihm das zeigen. (Heiterkeit.) Dadurch, daß man den Strom in ein anbereS Bett zwingt, hört er doch nicht auf, ein Strom zu sein, wird er doch noch kein Kanal. Freilich, Sckleusenabgaben dürfen für die kanalisierten Teile der Flüsse erhoben werden. Da hat kem ,Mensch was dawider. Wer keine Schiffabrtsabgaben. Da hat emz,g das Reich darüber zu entscheiden. Wenn Rhein und Elbe so auSaebaut werden würden, daß sie auch für große Seeschiffe gu brauchen wären. Dann würde wohl her Reichstag mit sich reden raffen und Preußen event. die Erhebung von Abgaben gestatten. Die gegenwärtige Lage, wie sie durch die drei Erklärungen geschaffen ist, ist beunruhigend. Es ist notwendig, daß her Reichskanzler Dur cheine unzweideutige Erklärung diese Beunruhigung aus her Welt schafft. Nun noch ein paar Worte über die HandelsvertragSverhand- lungen. Herr von Kardorff kennt die Statistik doch zu ungenau, wenn er sich auf Die aktive Handelsbilanz Der anDeren Staaten unS gegenüber beruft. Wir können Die anderen Staaten nicht zwingen. Schluß 6% Uhr. Es fft den Leuten tm Lande borgefpiegelf worden, als ob Seine Mawstcrt m irgend einer Weise den Wünschen der Welfen entgegenkomme. Das ist eine Täuschung. Was ich wünsche, ist der Friede im Lande, der Friede in den Herzen und der Friede in der Provinz Hannover Wenn die Herren, die dort einen Einfluß ausüben auf emen größeren Teil der Bevölkerung, in diesem Sinne wirken wollten, so wurden sie sich ein wirkliches Verdienst erwerben. Präsident Graf Ballestrcm: Der Herr Bevollmächtigte zum BundeSrat, der königlich preußische Staatsminister Frbr. v. Hammer- 'tew hat mit einem bezeichnenden Seitenblick auf diese Stelle (weist auf sich selbst, Heiterkeit) gesagt, daß es dem Abg. Grafen Bernstorff ohne Korrektur durchgegangen sei, daß er von dem Treubruch und Vergewaltigung ^es Jahres 1866 gesprochen habe. Das hat & ^if Bernstorff nicht getan. Er hat das Jahr 1866 nicht erwähnt. Er bat eS nur als ein Prinzip seiner Partei hingestellt, daß sie gegen Treubruch und Vergewaltigung sei. Was er sich dabei gedacht hat, das hat er nicht 'gesagt. (Heiterkeit.) Hatte er das ^ahr 1866 erwähnt, so hätte ich das nicht durchgeben laßen, wie ich das schon bei einer früheren Gelegenheit getan Sie doch niemals daran glauben, daß das mächtige Deutsche Reich, daß der mächtige Staat Preußen freiwillig einigen Leuten zu Gefallen eine Provinz herausgeben wird. Durch die Verfassung ist dies Preußen als sein Anteil an Deutschland gegeben und wer an diesem Anteil rüttelt, der rüttelt an der ganzen Reichsverfassung, an dem Bestände des preußischen Staates und an dem Bestehen des Deutschen Reichs. Der innere Kampf, den ein feder von uns kämpft, der früher dem Königreich Hannover angehört hat, wie ich auch, und der nun mit Freuden, mit ganzer Hingebung dem Königreich Preußen und dem Deutschen Reiche dient, dieser Kampf ist auch mir nicht erspart worden, und er ist vielleicht viel stärker gewesen als die Kämpfe, die die jüngeren unter den welfischen Agitatoren zu bestehen hatten. Wer sich noch der Zeit vor 1866 erinnert, der Zer- riffenheit des Vaterlandes, der politischen Ohnmacht Deutschlands, der weiß, daß er sich damals in seinem Herzen Ideale gemacht batte für die Vereinigung des Vaterlandes, für ein neues deutsches Vaterland. Keiner von diesen ist ohne solche Ideale ins Leben hinausgegangen, und'wenn nun in heißem Ringen in einer großen erhebenden Zeit alle Stämme Deutschlands einig sich erhoben haben gegen den auswärtigen Feind und mit Blut das neue Deutsche Reich gezimmert haben, so ist das eine Tat, die uns alle mit Freude erfüllen muß. (Beifall.) Sehen Sie nur, wie in Hannover die Städte blühen, wie der Handel gedeiht, wie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens Fortschritte gemacht werden. Aber was dieser meiner Heimat mangelt, das fft der innere Friede, und diesen inneren Frieden möchte ich, soviel an mir liegt, auch meiner Heimat ll.kben. Mein Herzblut wollte ich verspritzen, wenn es mir gelänge, eine Versöhnung herbeizuführen, aber die Agitation der welfiscKn Partei leistet dieser Versöhnung Widerstand. (Sehr richtig I) Hat doch noch kürzlich in einer Versa-'mlung ein Redner den Herzog von Cumberland den Herzog von Hannover genannt! Ter Herzog von Cumberland ist eine hochachtbare Person, vor der man sich in Ehrfurcht beugen kann, aber der Herzog von Hannover ist er nicht. Ich erinnere weiter daran, daß ein Herr, der ausdrücklich versprochen hat, er wolle das Familienfest des Herzogs von Cuniber- land nicht zu politischer Agitation benutzen, seine Rede mit politischen Anspielungen und Invektiven gegen Preußen gespickt hat. Das ist ^E..Kurückzufübren auf die bestimmte Person, sondern auf die welsische Partei. Es wurde da gesagt, wenn die Zeit des Umsturzes gekommen sei, dann würde die welfische Partei ihre Treue erweisen. Warten Sie etwa auf den Umsturz, um im Trüben zu fischen ? Wollen Sic dem König von Preußen erst dann Ihre Treue erweisen, wenn das Vaterland in Gefahr ist? Man kann zwischen L^eue gegen das Reich und Treue gegen den König nicht unterscheiden. Beides ist in Preußen und in Deutschland unauflöslich verbunden und die welsische Partei hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn, solange sie im Widerstand gegen den König verharrt, den der Uebe Gott ihr gesetzt hat (Gelächter bei den Soz.), die preußische Regierung ihr mit aller Entschiedenheit entgegentritt. Ich erinnere an den letzten Wahlkampf tn Lüneburg. habe. DaS toollte icy rem Herrn Bevollmächtioten um* < erwidert haben. (Beifall und Heiterkeit.) 9 3Um ^Mides^ Abg. Graf Rcvcntlow (Antis.) bittet den Rei-hs^.s Beschluß des Reichstages auf Gewährung von Diäten Sa'«?** nung zu tragen. Ferner wünscht er bessere Krie^sberiÄ^ cws Südwestafrika. Tie Nachrichten gehen fa -ueZ '^^ Wolffsche Tclegraphen-Bureau. Vber dieses Bureau i.> °n schästliches Unternehmen und macht auch Parlamentarisch?^^ Ich kam, diesen Berichten keinen großen Wert beilcaen ‘55 Dureau schon selbst nicht, denn es verkauft seine Stimm? fion für so Pf. Keinesfalls aber f°Me'mm °-in noch von Reichswegen unterstützen, wie e? jetzt aeschiebi s -relegrammc stets bevorzugt werden. Tie Sache bat ,cnS! politische Seite. Das Wolffsche Bureau beeinflußt öffentliche Meinung, es beherrscht die Hälfte aller ^citum,6 wird niemals etwas gegen die Regierung schreiben ''ffim- bergestelltc öffentliche Meinung bat aber doch ihre großen (LiX*16 Reichskanzler sagte. wir müßten uns freuen” £ Sfc neue Bündnis zwischen England und Frankreich viellei?? ■ Rcibungsfläche weniger würde. Welk,d» Ich verstehe nicht, waS wir für ein Interesse haben fniu t'cnn das eine Land fft unser erklärter Feind, bas anbm £ ' jeben Tag werden. Wenn die Anschauungen des * richtig waren, müßte man die Leitung der auswärtigenÄ hebet der Frau von euttner überlassen. Ueber Rußland tri?* Nichts saben, da? überlasse ich den Autoritäten auf sonaldem?'! * scher Leite. (Heiterkeit.) In Bezug auf die Entschädigung^' Transvaal, ist uns großes Unrecht geschehen, unsere Land-b,^ haben weniger erhalten als andere. Redner führt eine ? fallen an. „Unsere Vertreter sind nur da. wenn Kaisers Geb^ tag gefeiert oder wenn eine Kundgebung telegraphiert toirh T uns tun ne nitis," fo lauten die Urteile der SeschLen J? über unsere Konsuln tm Auslande wird viel geklagt viele ö-nf" ' Mren nur Briefbogen mit englischen Aufschriften, der «3 ;! 'S'obcr kann kein Wort Deutsch. Nach dem Bericht des rrfS ''Berliner Tageblatts" (Heiterkeit) hat Herr Speck von d'e Klagen über d,e Zollschikanen Amerikas seien nick Y ?Amerika doch mindestens die Hälfte des (L Halts die,es Herrn tragen. *’ w Denn es handelt sich da zum großen Teil um Waren, die wir gar nicht entbehren können. Die Ausführungen des Freiherrn von Richthofen waren eine glanzende Ehrenrettung für die Haltung der Limen m der Frage des Zolltarifs. Herr v. Richthofen setzte uns aus- ennmder, wie schwierig es sei, Handelsvertragsverhandlungen zu führen, welch einen enormen Aufwand an Zeit und Arbeit das kostet. Nun, das haben wir ja borausgesagt. Wir haben ja eben diesen vielgerühmten Zolltarif von vornherein als ein ungeeignetes Instrument zur Schaffung von Handelsvertragsverträgen bezeichnet. Die Praxi gibt uns jetzt Recht. Die Zumutung des Herrn von Kardorff, die bestehenden Verträge kurzerhand zu kündigen, ist von einer Naivetät sondergleichen. Aber sie ist gar nicht so naiv. Sie ist sehr raffiniert. Ganz verfehlt fft aber die Berufung auf das Interesse der landwirffchafilichen Arbeiter. Es ist nicht wahr, daß die Löhne der landwirtschaftlichen Arbeiter um so höher sind, je hoher die Getreidepreise. Das Gegenteil davon ist richtig. Der landwirffchaftliche Arbeiter hat kein Interesse an hohen Getreidepreisen. Das beweist das Beispiel Englands. Die hohen Zölle haben weiter keinen Zweck, als die Grundrente zu erhöhen. (Beifall links.) Abg. Graf von Bernstorfs-Uelzen (Welfe) tadelt es, daß bei den Wahlen in Hannover das Wahlgeheimnis dadurch verletzt wurde, daß die Behörden Nachforschungen darüber anstellten, welche Mitglieder von Kriegervereinen welfisch gesffmmt haben. Er hoffe, daß ein solcher Eingriff in die Wahlfreiheit vom Hause gemißbillgt werde. Der Mnister v. Hammerstein habe sogar die Welfen auf eine Stufe mft den Sozialdemokraten gestellt. Er könne versichern, daß die deuffch-hannoversche Partei keinen Krieg wolle, sondern sie habe fet§ erklärt, gut deutsch zu sein. Aber die Mitglieder der hannoverschen Partes könnten doch nickt das, was sie für Recht halten, für Unrecht erklären, und ihre Ueberzeugung verleugnen; sie seien treue Untertanen Deuffchlands und Preußens, und es werde dem Minister nicht möglich sein, chnen auch nur einen Verstoß gegen die Gesetze nachzuweisen; sie würden stets ihre Untertanenpflicht erfüllen und ihre Treue beweisen. Der Minister habe der deutsch-hannoverschen Partet schwere Vorwürfe gemacht, gegen die er hier feierlich Protest »inlege. Minffter Freiherr v. Hammerstein: Der Vorstand der Krieger- vereine in Hannover hat seine Mitglieder davor gewarnt, sich welfisch zu betäfigen, weil das mit dem Zweck und dem Charatter der Kriegervereine nicht übereinstimme. Ich kann nicht in Aussicht stellen, meinersefts irgendwelchen Einfluß darauf auszuüben, daß dtese Warnung abgeschwächt wird. Ich halte diese Warnung für sehr notwendig. Die preußischen Kriegervereine sind dazu da, daß dte Mitglieder die Gesinnung gegen chren König, dem sie gedient haben, auftechterhalten und hn Leben betätigen. Das tun aber ehemals königlich preußische Soldaten nicht, wenn sie sich attiv be- wiligen an welfischen anfipreußischen Demonstrationen. Das ist dwz der Sinn der Warnung, die im eigenen Interesse der Mitglieder erlassen fft, und die hoffentlich ihre wohltuende Wirkung ausüben wird. Unrichtig ist es, daß ich gesagt habe, die welfische Partei wdlle Preußen aufs neue den .Krieg erklären. Ich habe ausdrücklich WW, "«ne Partei, die noch immer Preußen den Krieg er- klart, ist die welfische". Ich habe die Worte, die ich in Hannover gesprochen habe, sehr reiflich erwogen. Es ist in der Tat ganz eigentümlich, daß heute hier im Reichstage von einem Mitgliede ohne Einspruch (mit einem Blick auf den Präsidenten) gesprochen werden kann von einem Protest gegen den Rechtsbruch und die Gewalt, die im Jahre 1866 dem Lande Hannover geschehen sei Differ „Rcchtsbruch" ist durch den Ablauf von 38 Jahren gewisser- maßen schon Recht geworden. (Lachen bei den Soz., Polen und ' 2Q>er.,c§ehxrr kem Rechtsbruch. Es war ein Krieg, also ern Gottesurteil, durch das Hannover an Preußen kam. (Lachen bei den Soz. Welfen und Polen.) Der Vorredner sprach von Treue gegen das Vaterland, aber durch die Taten der welfischen Partei werden diese Worte nicht bewiesen; jede einzelne Kund- i gebung fußt darauf: Wir wollen die Wiederberstestung des König- । rerchs Hannover. Ist das richtig oder nicht? (Zuruf: Ja!) Nun i bann müssen Sw anerkennen, baß eine solche Wiederherstellung nicht i durch einen großen Krieg. Ich halte Sie nicht : für Phantasten, sondern für Polifiker, aber als Polittker können I , _^UN zum Schluß noch mein ceterum censeo, die Handeln tragsverhandlimgen. Ich glaube nicht zu übertreiben, trenn iX? bafe zu unserer Regierung in wirtschastspolifischer Besscbunö 1^7 lebe Spur von Vertrauen geschwunden ist. Sie hat dieses boE daß sie jedes Versprechen durch ein neues zu erfüllen fuA Die dunklen Andeutungen, die uns von den fornwem^ F - gegeben worden, können uns gleichfalls nicht neniZ Men wir es doch ost erlebt, daß eine derartige Erscheinung, Sfr ecit einmal die Kassandrakleiduug abgelegt hat, als Kempner vor uns hmtrrtt. (Große Heiterkeit.) So wird^ Z h^aLrÄ fCl Handelsvertrag mit Italien ergehen, Ich habe deshall. diese Vermutung, weil die ttalienische Presse bte inJ€rfebIet-9an3 übermäßig lobt. Der Vertrag wird Jh wesentlichen tin Interesse Italiens gefaßt fein. Dafür bürgt m a“U'n d'e.PersonlichZeit unseres Staatssekretär Frb? enm£ler J.a, aU($ Zolltarif mehr die Interessen der m- Aschen Gemüsebauer als die der deutschen wahrgenommcn ä SBie haben aff o alle Garantie dafür, daß wir bei diesem.Handels, vertrage genau so abgeschnitten haben wie bei den Hanbcls^mÄa Verlängerung der jetzigen Knsss um,4 -^ahre kann die deuffche Landwirffchast nicht ertragen, ^ienn ni* fflebÄl? yeschiMdann ckrb^ Zslch'chte sagen, daß dieser Kanzler dem Mittelstände, start idm helfen, die letze Schaufel Erde nachgeschüttet hat. 7 ' Hierauf v e r t a g t das Haus die weitere Scrahmp m WmV?C V* fl8n1*rr■ (Mcrbcm Etat des Ausvärti:.-N ? Orrola betr. Militärpensic^ g e s e tz , Etat für O st a s r e n). Hofes her Boote ab, auf die unsere Schützen feuertet auf schlugen diese Boote den Rückweg ein. Ein Telegramm des Generals Kurvpatkin an den Zarbesagt: General Kaschtalinski meldet: Am Morgen w 12. April wurden bei einem Vorpostengefecht mit den ja- panern der Offizier des zwölften Regiments Temidc- witsch, Unteroffizier Luschkin, welcher bereit* zu pa Dekorierungen vorgeschlagen war, sowie zwei Lchichcn getötet, zwei Schützen verwundet. tur misch es Wetter mit Schneegestöber und in lwantung mit starkem Ziegen. Die Abteilungen der Vorhut der Japaner haben das linke Ufer des Jalu erreicht, Widschu und Jongampho besetzt und sich nach dem Flusse Pomaschua hin gezogen. Gegenüber Schachedsi verschanzen sie sich, dort arbeiten Leute in koreanischer Kleidung. Vom Gefecht auf der Znsel Somalin. ...Nach Erwähnung uo_> schon gemeldeten Gefechts eines > ruffischen Kund)chajterkonunandos mit den Japanern auf i her Insel Samotin meldet der offizielle russische Be-! per Krieg zwischen Japan und Ftußkand. Ein paar für die Russen höchst verhängnisvolle Nachrichten liegen vom Kriegsschauplätze vor. Ein gestern nachmittag auf der Redaktion eingetroffenes Telegramm, das wir in unserer gestrigen Stadtauflage noch veröffentlichen konnten, meldete den UutergMg des russischen Panzers „Petropawlowsk". Nach den schweren Einbußen, die das Geschwader schon in dem ersten Seekampfe davontrug, fällt diese neue Verminderung seines Bestandes an Schlachtschiffen, ganz abgesehen von den verloren gegangenen Menschenleben, recht schwer ins Gewicht. Das Telegramm berichtete uns über das Ereignis folgendes: Petersburg, 18. April. (1.14 mittags.) Vor Port Arthur ist das Panzerschiff „Pettopawlowsk" untergegangen. Nur vier Offiziere find gerettet, darunter Großfürst Cyrill Wladi- mirowitsch, der verwundet ist. In später Mendstunde traf alsdann noch folgendes Telegramm em: Petersburg, 13. April, 5.55 uachm. Der Hafen- kommandant Grigorowitsch telegraphiert von heute an den Kaiser: Das Panzerschiff „Petropawlotosk" geriet auf eine Mine, explodierte und kenterte. Das Geschwader liegt unter dem Goldenen Berge. Das japanische Geschwader nähert fich. Admiral Makarow ist anscheinend um gekommen. Großfürst Cyrill ist gerettet und leicht verwundet. Die drahtlichen Vorläufer und Ergänzer dieser Tele- yramme melden folgendes: - (Reuter.) Einem Privattelegramm Ms Port Arthur zufolge griffen die Japaner heute «S ^öksanbruch an. Die ganze Flotte unter Admrral Ma kar ow ging in See und vertrieb mit Unter» ftiHuing bet Fottts den Feind. Die Stadt erlitt keinen Maden. -Erne Wirkung der Beschießung der Forts oder Flotte wird nicht erwähnt . H^r ist das Gerücht im Umlauf, daß Admiral M a ka r o w t o t sei. . Es heißt, daß bereits für morgen ein Trauergottesdienst für Makarow und für die Offiziere des Panzerschiffes „Petro- tzawlowsk" angeordnet worden ist. London, 13. April. Das Bureau Reuter meldet aus Petersburg: Admiral Makarow ist beim Untergang des „Petropawlowsk" ertrunken; Großfürst Cvrill ist schwer verwundet. - „d et er s bürg, 13. April. Ein Telegramm des Statt- ,yalters Alexejew an den Kaiser aus Mukden vom -13. April lautet: Auf Grund eines soeben vom General- leutnant Stößel erhaltenen Telegramms berichte ich mit nefer Trauer alleruntertünigst Eurer Mujestät, daß die Flotte des Stillen Ozeans einen neuen schweren A>er lust erlitten hat in der Person des Vizeadmirals Mala r o w, ihres ruhmvollen erfahrenen Chefs, der m i t d e m Flaggschiff „Petr opawlowsk" zusammen unterging. — Hafeniommandant Grigorowitsch meldet 1 ferner an den Kaiser: von dem „Petropawlowsk" wurden i Port Sandel und Verkehr. VolkswirischA h»-. — Gewcrischaft Gießener Prauuftetobcrgwcnc nf , Feruie in Gießen. Nach dem Bericht über die Ergeon'!^ Petersbur g, 13. April. Nach den amtlichen Be-! verflossenen Geschäftsjahres hat die Gewerkschaft emm , Achten welche vom 8. bis zum 12. d. M. von dem Kriegs- von 700 676 Mk. .gegen Mark 409 291 t. B.). D'es ift um j chauplatz eingegangen sind, ist im Rayon der mandscbu- merkenswetter. als zu Anfang des Betriebsiahres neue v rischen Armee und in Port Arthur alles ruhig Aufträge für Dtt. 60,000 Vorlagen. ---- juü> es sind keinerlei Veränderungen im Laufe von drei Zagen eingetreten. Seit dem 8. herrscht in der Mandschurei AröettervewegUUg. .feRt>efi turmisches Sbettcr mit Schneegestöber und in! Mailand, 13. April. Die in Porbenone sei ' * ' ^'Weber, 4000 an der Zahl, demolierten dre Anlagen. Da weitere Unruhen befürchtet werden, dorthin entsandt. Msenvalin-Zeitung. * - Wie die „Frkf. Ztg." hört, sst es sehr wahrsche n. vom 1. Mai ab tue e r jt e Wagenklasse au s,et und Lokalzügen der Strecken Frankfurt Gi 1»s^ax per Frankfurt—Bebra—Berlin und nach anderen schwinden wird. nit f i * .„ A i™a®tc )a|>aJ0ann, ftießen vom rechten User oon 6er Seite M W r «L! ?4.a4. 0 L. e a. urückgezogen. Einzelheiten bofes her Boote os> m f 8^ ?.«. berichtet Kontteadmiral Fürst Uchkomski. Er hat zeitweilig das Kommando über das Geschwader übernommen s_ Pfsbnrg 13. April. Ein weiteres Telegramm des Statthalters Alexejew an den Kaiser meldet: Nach Berichten des Kommandanten von Port Arthur gingen die Vanzerschifse und Kreuzer unter der Flagge des Kommandanten in See, als der Feind sich zeigte. Sie verfolgten einen Teil t^r feindlichen Stteitkräfte und kehrten, da jene dreißig Schiffe vermehrten, auf die Reede I aeUqan’’flm‘i Abganges dieser Depesche feuie Berichte em. China sendet auch Mttttär nach der MonMe, aui ba J B 9 ' * Wege über Kalgan. Die dort lebenden Russtu beunruhig” httMl “ 0t,yet Staufen. Es sche bereits umfangreiche VorsichtemaSr-g-» >> — «Äbl0te? Panzerschiffe Zesarewitsch und Retwisan. Die " Personalien. S. Königl. Hoh. der (MW ?e!?/Ug ^00 Mann. Es ist ein Schwesterschiff von haben zum 1. April d. I. dem Rechtsanwalt Dr. Lchm''^ TbeU/ 6To SKTet ^schützen, 12 l^BentKer^u^ 10^TZentt^e^^Schnell^ T ??itdlicber ^-williger Feuerwehren wurde oerlichm feuerkanonen, 26 3,7 Z-ntimeter-Masasinengewch^ u^ü> dem Großhcrzog dem Mag-'-d-» 7 Torpedorohren. Er hatte einen Gürtelpanzer von 400 bis rotIIl9cn Feuerwehr zu Finthen Peter Steindrecy.^^ 150 Millimeter und einen Dectpanzer von 75 bis 40 Mm • - * " ------------ o^»?^^^^estern noch herrschte in der Gegend von Arthur völlige Sttlle, wie aus folgendem Telegramm her- I 1 i t t I i I I Dl । ein i ' sich die neuer . Schlachtschlffge • den Hafeneingc schießung. Ta man batte me , als eines Noi rcten daher eb damplie die )a der Torpebobo , wärts rotier Der i erid 1 folgende S arft 1 einander gettr ■ gannen einige i zwei Stunden „P r o n i o" ai Flöt te verlb zum Rückzu i von Osten for fangen, mit H i vereitelt woite i nische Verstärk i kehr in den h i sein Schiff „P ■ erlitt die beka Die aus l die Zahl der m I gegangenen i von denen mu Nach einer1 , ^LettvpawlowSk troffen worben. ftfjäbigtin bei 1 Wtfe paffierte bi j Großfürsten §yrtst Arthur an seinen wir einen auägt ' ^uerMben enss ,,vetTopatoIott)8f Die Fatastrv Minen liegt, w : schlechten - 1 worden lei. ® ■ dem Korrespond ' seinem Generals! : Plune untergega -ft- ° ,., ÄS di! m Gch-lßrU- vdresfe Kämpfers «hui «in ° Lchlachtscht . r Einer Meldi ofne begibt siü comteAokiin i land. 7. et en rieten ^?'.^ure h * ^d« bei A, A Berlin, I. •' iei Jtnijer jjjjf seiner Jacht r -m-?9nTarf,fe be; auf die ' 17,'.^.^Uenvill j.ia 1n Ti'enffgi Mendta , i V?men q ^Aentha) - ss'ff eii-T ^3 c i1\ ^ersehn "2taa • ys'??1»1 Zdr !'- :'r Enssch? ersff ' ' ' ffs n '^dung "''-litUch^ boM '- ' er < o ^'ereilte -;^b:n8 M Verch '61