Nr. 63 Montag, 14. März 1904 154. Jahrg Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen von Erscheint täglich mit Ausnahme be6 VonntagS. Die ^Gießener Zamilienblätter" werden berr ,Anzei-ic otermo wöchentlich beigelegt. De «hesstj(> Land' tr» * erschein! monatlich einmal Rotationsdruck rmb Vertag der Brühl'fch« UniverfttätSoruckerei. R. Lange, Eletzen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.?. Tel. Nr. 5L Tetegr^Adr.: Än-erg« Gießen. Marlamsntarisches aus Kessen. Die Abgg. Hirschel und Genossen beantragen, die Kammer wolle beschließen: Die Großh. Regierung zu er- suchc-n, im Einvernehmen mit dem Landtag das Hofjagd- vesen neu zu regeln und insbesondere dahin zu wirken, daß die zurzeit in Pacht der Großh. Hofjagdverwaltung befindlichen Jagden zum größeren Teil zur öffentlichen Aerst eigerung gelangen. he AKbach: he(f), 9a NW Parlamentarische Perl>auSliinge». Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. htnutzh.. 2 uja:. i a v. M-41av — 2,48 fm 6t, UVA u io b = 0,97 fin 6; ff« SÄme Jk®et beule einen F Qhrt oder einen SaGck < °en er für den l,mnn danim in btn *'e Rech^rechunc, tunb lehr ichars ge'ch^ ,»t, aber e5 ift'febrb ®Qn)Q6nunq§(o§(tor- lein ganzes üermö^ c men. Und ME- ;ften§ bie UnanneWfe i alle Fälle beiaMen tuj - Serien diese Mbrec? 't bie HalWcht-Veriirmir lemäfc bie gesetzliche Prozeß unb bezahlen nlli id) bie VictoriaKö'" i sehr schnell zu einem Ke? eben ben auch schon tert? eine völlig neue Romf’wtr stetig steigenden krtch-t-? ?riont- und SrnffM-t itliche Prämie, teeäl Nochen- ine solche nimm licht-Gesah.' schützt, die aus n bedrohl,und Deutscher Reichstag. 56. Sitzung vom 12. März. 11 Uhr. Das Haus ist sehr schwach beseht. Am Bundesrat-tisch: v. Einem u. a. Die Genehmigung zur Zeugenvernehmung des Dbg. S t a u d y (lonf.) vor dem Amtsgericht in Posen in dem Endell- Prozcß wird versagt. . Sodann wird die zweite Beratung des Militäretats beim Kapitel „Geldverpflegung der Truppen" fortgesetzt. Hier hat die Kommission 1000 Unteroffizierstellen gestrichen. Aba. Graf Oriola (nat.-lib.) beantragt, diese Stellen wieder herzustellen. r'b,lW „',e.lr. "9e Nichts [J hi» Dan ?'N, das; J« er WL -äS 5 fur .'bn beim Jfe. 15 ^meiner(Boibatbui. e^en zu dürfen. .$ bcmk Zaren zu te!, urben bereits geft^; seiner jetzigen Stellung berufen -worden sei. Ter Zeuge versucht zuerst in längeren Ausführungen über die Monsheimer Funde und lange zurückliegende Vorgänge nachzuweisen, daß Pros. Lepfius es häufiger mit der Wahrheit nicht genau genommen habe, und wird vom Präsidenten mehrmals ermahnt, zu der Anklage selber zu sprechen. Er führt dann aus, sein dienstliches Verhältnis habe sich bald sehr unerfreulich gestaltet; Prof. Lepfius habe ihm Vorwürfe gemacht, oaß er, Zeuge, gegen ihn intriguiere, und 'ihm auch gedroht, daß er ihn aus dem Museum hinauswerfen werde. Zeuge gibt dann eine Schilderung über den Besuch Lepfius' in Gegenwart zweier Zeugen, bei welchem er seine Aeußerungen über seinen Austritt aus dem Staatsdienst feststellte; er bleibt dabei, er habe nur erklärt, daß er nicht aus dem Staatsdienst austreten werde, wenn er nicht hinausgedrängt werde. Bezüglich der Gegnerschaft zwischen Lepfius und Back ist Zeuge der Ansicht, daß der letztere nicht aus persönlichen Motiven heraus gehandelt habe. Als nächster Zeuge wird der Inspektor des Naturalienkabinetts, Tr. Gottlieb v. Koch, vernommen. Auf ihn habe die Schenkung Stützels, als sie zuerst ausgebreitet da lag, einen sehr imponierenden Eindruck gemacht, weil eine so reiche Sammlung selten anzutreffen ist. Als er sie aber näher betrachtet, sei er erstaunt gewesen über die Unverschämtheit, mit der hier Fälschungen vollzogen worden waren; so sah er auf den ersten Blick, daß die Holzstiele an den Steinbeilen gefälscht waren, daß die Hirschhornstücke mit Raspel und anderem modernen Werkzeug bearbeitet waren usw., auch unter den Bronzen habe er sofort ver- schiedene Nachahmungen erkannt. Von dieser Wahrnehmung habe er dann Tr. Brack Mitteilung gemacht. Die Fälschungen seien geschickt ausgeführt worden von jemand, der Erfahrung darin hatte, er war aber so leichtfertig gewesen, nicht einmal die äußeren Spuren der Fälschung möglichst zu verdecken. Zur Erkennung der Unechtheit vieler Stücke genügten oft schon kleine Anzeichen, während die absolute Echtheit zu bezeugen auch für den größten Sachkenner häufig unmöglich ist. Als das Pfahlbaumodell zum Geschenk angeboten war, habe er Tr. Back den Entwurf eines Schreibens an Stützet übergeben, da er selber die Verantwortung nicht übernehmen wollte, in welchem Stütze! ersucht werden sollte, das Modell erst dann zu senden, wenn dasselbe einer Besichtigung unterzogen worden war. Es werden dem Zeugen verschiedene Stücke der Sammlung vorgelegt, woraus er erklärt, „wenn die Sachverständigen das für echt halten, dann ist die ganze Beurteilung wertlos." Auf die Frage bezüglich der Tifferenzen bemerkt Zeuge, er habe Lepfius nie etwas in den Weg gelegt, aber er könne beweisen, daß Lepfius sich gegen ihn mindestens unkollegial verhalten habe. Zeuge Tr. Haupt, zurzeit Assistent am Kaiser Fried- richs-Museum in Posen, war bis zum 4. Tez. 1903 hier Assistent in der Backschen Abteilung, lieber die ^tützeifchc Schenkung sei unter den Museumsbeamten natürlich, viel aesprochen worden, auch über das Verhältnis zwischen Lepsins und Back, namentlich, nachdem im Landtag Abg. Tavid eine Interpellation über das Verhalten der Museums^ beamten eingebracht hatte. Als Tr. Back vom Ministerium zum Bericht über die Angelegenheit aufgefordert wurde,! habe er ihm, dem Zeugen, das gesamte Material und feinen' Bericht zur Turcharbeitung übergeben. Die Taxierung der Stützelschen Schenkung habe nie eine Rolle gespielt, sondern! nur die Frage oer Echtheit der Steinbeile; die übrigen Stücke habe er überhaupt nur zweimal gesehen. Ter Zeuge versucht nun ttotz mehrfacher Ermahnungen des Vorsitzenden eine Kritik über den bisherigen Verlauf des Prozesses an^w* bringen, auch eine Beurteilung über die Aussagen der Sachverständigen zu geben, sodaß er vom Vorsitzenden ganzs energisch zurechtgewiesen und darauf aufmerksam gemacht werden muß, daß er nur als Zeuge und nicht als Experte hier stehe. Zeuge versichert schließlich noch feierlich, daß Tr. Back in oer Lepsius-Angelegenhett nie anders, als aus amtlichen Pflichten gehandelt habe. Staatsanwalt, Ministerialrat Braun rügt ebenfalls das Verhalten des letzteren Zeugen, der seine Stellung vor Gericht völlig verkannt habe. Die endgiltige Würdig- ung der Sachlage gebühre allein dem Gerichtshof, der Zeuge habe kein Rechi, hier Schlußfolgerungen zu ziehen. Zeuge Dr. List, Assistent am Landesmuseum macht einige Angaben über die Unterredung zwischen LepsiuS und Wittich. Damit ist die Zeugenvernehmung beendet. Rechtsanwalt Dr. Schmitt verliest darauf zwei Verfügungen des fNinisteriums vor über die der geologischen Abteilung zuzuweisenden Räume im neuen Museum. Ta der als Zeuge geladene Kommerzienrat Stütze! eine Vernehmung abgelehnt hat, werden die Protokolle der Aussagen Stützels und seine Korrespondenzen an Herrn Oberregierungsrat U fing er zur Verlesung gebracht. In einem dieser Schriftstücke drückt Stütze! sein Erstaunen über entdeckte Fälschungen in der Sammlung aus und- erklärt sich gern bereit, sofort echte Stücke dafür zu liefern; er habe mit Ausnahme der Steinbeilgriffe alle Stücke für echt gehalten, sei also selber getäuscht worden. Dann folgt ein scharfer Briefwechsel zwischen Stütze! und Lep- sius, weil letzterer nichts davon gehört haben wollte, daß St. ihn auf die Rekonsttuktton der Steinbeile aufmerksam gemacht habe. In einem Schreiben vom 26. Januar d. I. an den Verwaltungsgerichtshof erklärt St. jedoch, er halte es nicht für ausgeschlossen, daß L. seine nur gelegentlich gemachte Aeußerung über die rekonstruierten Steinbeilgriffe überhört haben könne. Darauf wird die Sitzung abgebrochen und die Ford setzung der «Verhandlung auf heute nachmittag 3 Uhr Auskunft erteilens Sisttllu« jgerung. iM aus den V cm Durchmess«. ^ imme 44 fm. 34*^ -17 m W .■< 796 5*^3/.^ 5 m Lange • „16,3, Kiefern JW 17 Kiefern)^ ? Ä;: M'"' * Jll I wfj? .ich» Der eine war, daß sich Schröter, in die Enge getrieben, plötzlich als Anhänger des Gesund betens deklarierte, der andre, daß eine Patientin, eine alte Frau die wider Schröter ausgesagt hatte, sich nicht zur Ableistung des Zeugeneides verstehen wollte. Obwohl der Vorsitzende bat und drohte, erklärte sie hartnäckig: Ich habe dem lieben Gott meine Seele verschrieben, wie kann man da noch verlangen, daß ich schwöre. Ich bin eine alte Frau, machen Sie mit mir, was Sie wollen. Und wenn Sie mich ins Gefängnis tun, ich schwöre nicht! Der Vorsitzende hält ihr vor, daß infolge ihrer Weigerung der ganze Prozeß auf zwei Monate vertagt und sie während dieser Zeit in Haft behalten werden könnte. Sie bleibt jedoch dabei, daß sie bei ihrem Alter nicht mehr schwören dürfe. Am nächten Tage gelang es endlich, die Bedenken der Greisin zu zerstören. Der Vorsitzende redete ihr in liebenswürdiger, sanfter Weise zu. Sie müsse den Eid doch schließlich ableisten und könnte vielleicht durch ihre Weigerung einen Menschen unglücklich machen. Die alte Frau brach darauf in Tränen aus und erklärte: Sie verstehe nach wie vor nicht, weshalb sie schwören solle. Wenn alle Menschen so wären wie sie, brauchte mau überhaupt kein Gericht. Auf nochmaliges Zureden leistete sie dann aber den Eid. Damit ist die Zeugenvernehmung beendet und es folgten das Generalgutachten der Sachverständigen Dr. Puppe, Dr. Behrendt, Dr. Lengnick, die selbstverständlich gegen den Angeklagten ausfallen. Auf Befragen bestätigte der Sachverständige Dr. Lengnick, daß der Angeklagte ani 5. Mai v. I. einen Fluchtversuch aus der Heilanstalt unternommen hat, indem er im Korridor des ersten Stockes ein Fenster öffnete, etwa zwei Meter hoch hinabsprang, und in Anstaltskleidern die Straße entlang lief, wo ihn ein Nachtschutzmann festnahm. Sodann beantragte der Staatsanwalt 31/, Jahre Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust unter Anrechnung von einem Jahre Untersuchung. Schröter wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung, versuchten und vollendeten Betrugs zu zwei Zahreu Gefängnis verurteilt. Ein Jahr und vier Monate werden auf die Untersuchung angerechnet. —T । "'—"""SS!? Aer Kauvmord in AranKsurt. Frankfurt, 13. März. Die neuesten Meldungen machen es fast zur Gewißheit, daß der in Hamburg verhaftete Kutscher Heinrich Friedrich Stafforst aus Goslar an der Mordtat Lichtenstein beteiligt und ein Komplize des Möbelträgers und früheren Metzgers Bruno Groß ist. Nach der Frks. Ztg. wurde er am Samstag eingehend vernommen. Er ist sehr niedergeschlagen und gibt ausweichende, unklare Antworten. Ein Geständnis hat er noch nicht abgelegt, die Indizienbeweise sind aber sehr belastend. Die Hamburger Polizei ist dem Schlupfwinkel Stafforsts auf der Spur. Die Polizei hatte für die Nachweisung der Wohnung eine Belohnung ausgesetzt. Die vollständige Aufklärung der Täterschaft in der Mordaffäre dürfte bald erfolgen. Die Untersuchung nach einer neuen Richtung ist im Gange. Es sollen Anhaltspunkte dafür vorhanden sein, daß Groß mit Stafforst vor der Mordtat in Hamburg war und daß dort der Plan für betv Lichtensteinschen Raubmord gefaßt wurde. Staf- 'orst leugnet Er wird Montag vormittag von zwei Beamten nach Frankfurt am Main gebracht. Seit etwa Mitte Dezember vorigen Jahres kehrte Groß täglich gegen elf Uhr morgens in dem Kaffeehaus der Witwe Bastel, Trierischegasse 29, ein. Auffällig war, daß er einmal in guten Kleidern, dann wieder im Metzgerkittel oder im Arbeitsrock kam. Mitte Februar brachte er einen Freund mit, der bessere Kleidung trug, aber nicht gerade vertrauenerweckend aussah. Es war Stafforst. Es war nun fein regelmäßiger Begleiter; sie saßen abseits von den Andern, sprachen vor- "ichtig, selten laut miteinander und gingen gewöhnlich nach einer Stunde fort. Am 25. Februar erschienen sie zum letzten mal. Am 26. Februar, am Tage der Mordtat, blieben sie aus. Das siel auf, da sie sonst so regelmäßig erschienen, daß man sie fast abpassen konnte. Der Schreibwarenhändler Grimm aus Offenbach kennt Groß und hat ihn und seinen Freund Stafforst oft beobachtet, da ihm die geheimnisvolle Art des Verkehrs auffiel. Als er von der Verhaftung des Groß erfuhr, fiel ihm dieses verdächtige Verhandeln wieder ein, und er machte die Polizei auf den Freniden, den er wiederholt bei Groß gesehen, aufmerksam. Nach der Schilderung kam die Polizei bald darauf, mit wem sie es zu tim hatte. Sie hatte schließlich erfahren, daß Stafforst, der oft den Aufenthalt wechselt, seit zwei Tagen in Hamburg weilte. Dort hat ihn sein Schicksal erreicht. Die Polizei hat keine Zweifel mehr, daß Stafforst genieinsam mit Groß den Raubmord ausgeführt hat. Besonders gravierend ist, daß Stafforst leugnet, den Groß zu kennen, während beider Bekanntschaft erwiesen sein soll. In Hamburg wurde Stafforst von Personen, die ihn von seinem früheren Aufenthalt kennen, am Tag vor der Verhaftung in anderen Kleidern gesehen, als er bei seiner Festnahme trug. Dadurch erscheint seine Angabe, er habe kein Logis gehabt, widerlegt und der Verdacht bestärkt, daß er in der Wohnung die geraubten Sachen verbirgt. Tie Polizei tour aufmerksam geworden, daß der Komplize des Oroß in irgend einer Verbindung mit Offenbach stehe. Die Wirtschaften Offenbachs wurden sämtlich durchsucht, ebenso die Kaffeehäuser. Endlich ermittelte man, daß Stafforst in einer kleinen Kaffeeschänke verkehrte und das letztemal etwa vor vier Wochen dort war. — Es scheint, daß das Fleckenwasser, von dem wiederholt die Rede war, noch eine Rolle in der Untersuchung spielen wird. Der Untersuchungsrichter besuchte, wie ein Berichterstatter der „Frkf. Ztg." meldet, bald nach der Festnahme von Groß die Schwarzburg-Drogerie, Eckenhei- mer Landstraße 124, wo Groß für 10 Pfg. Salmiakgeist gekauft haben soll. Der Besitzer Herr van der Hoeven erkannte Groß nicht, dem er gegenüberaestellt wurde. Dagegen wurde Groß von zwei anderen Personen bestimmt als der Käufer bezeichnet. Der Hergang ist folgender: Groß hielt sich zuletzt meistens bei seiner Braut auf, einem 28 jährigen Mädchen namens Koops, die mit einer jüngeren Schjwester in der Hansteinstraße wohnte, einer Straße zwischen Ecken Heimer Landstraße und Humboldt- straße. Groß besorgte während dieser Zeit hin und wieder die Einkäufe. In dem Viktualiengeschäst von Brändle, Hansteinstraße 4, gab er sich als Bruder von Frl. Koops aus. Am Montag nach der Mordtat kam er ohne Ueberzieher und Pantoffeln zu Brändle und kaufte ein halbes Pfund Tafelbutter und das gleiche Quantum Kaffee. Weiter verlangte er Salmiakgeist „zum Flecken herausmachen". Da der Ladeninhaber nur Lebensmittel führt, empfahl er Groß, in das van der Hoevensche Drogengeschäft zu gehen. Eine Frau Sckulz, die zufällig im Laden anwesend war, zeigte Groß die Drogerie, in die er sich direkt begab. Herr Brändle und Frau Schsulz erhielten dieser Tage eine dringende Vor- ladung. Frau Schulz wurden einige zwänz'g Photographien vorgelegt mit der Aufforderung, die Person herauszusuchen, der sie den Weg nach der Drogerie gewiesen hatte. Sie and sofort Groß heraus. Auch Herr Brändle erkannte in der Photographie seinen Kunden wieder. Groß selbst wurde mit den beiden Zeugen nicht konfrontiert. Vor kurzem frug die Familie Lichtenstein bei der Polizeibehörde an, ob es nicht ratsam sei, die ausgesetzte Belohnung von 1000 Mk. wesentlich zu erhöhen, vielleicht aus 5000 Mk. Tie Polizei soll erwidert haben, man möge vorläufig davon absehen, eine wichtige Spur werde verfolgt und es sei wahrscheinlich, daß die Entdeckung nicht ausbleiben werde. Tie Polizei war demnach schon seit einigen Tagen ihrer Sache re? t sicker, und sie hat Recht behalten. Aus Stadl und Land. Gießen, den 14. März 1904. •* Auf die Eingabe be£ Lahnkanalvereins, die mir am Samstag erwähnten, hat der preußische Der- kehrsminister erwidert, daß er „vorläufig nicht in der Lage sei, zur Frage der Lahnkanalisierung entscheidend Stellung zu nehmen, indessen nicht verfehlen werde, die An- gelegenheit zu prüfen. Dagegen würden an der MündungS- strecke des Flusses, wie den Interessenten viellcischt schon be- könnt sei, alsbald VerbefferungSarbciten in Angriff genommen werden." R. B. Darmstadt, 13. März. Se. königl. Hoheit der Großherzog wird, der „Darmst. Ztg." zufolge, seine Reise nach Italien, die schon seit Monaten festgesetzt war, am 23. d. Mts. antreten. (Durch diese Meldung deS Regierungsblattes wird die frühere Nachricht unseres Mitarbeiters, die von einem hiesigen, angeblich in offiziösen Dingen gut unterrichteten Blatte beharrlich bestritten wurde, bestätigt, daß der Großherzog im Frühjahr eine länger« Reise nach dem Süden antreten werde. vermischte». Breslau, 13. März. Der Klempnergeselle Klebitko in Königshütte (Oberschlesien) verletzte den Klempnergesellen Stuidcr und dessen Ehefrau durch Rev olverschüsse schwer und entleibte sich darauf selbst durch einen Schuß in den Mund. * Lyck, 13. März. Der Güterzug Nr. 6805 ist gestern in der Einfahrtsweiche 2 auf dem Bahnhofe Lyck mit der Maschine und 11 Wagen entgleist. Der Zugführer und ein Bremser wurden schwer verletzt. Der Materialschaden ist erheblich. Beide Gleise sind gesperrt. Die voraussichtliche Dauer der Sperrung beträgt 24 Stunden. Der Zugverkehr wird durch Umsteigen auftecht erhalten. Die Ursache der Entgleisung ist ein Bruch der Zungen des Drehstuhls der Weiche. Gießener StadUyealer. Papageno. Posse in 4 Akten von Rudolf K n e i s e l. Menn es wahr ist, daß Lachen gesund macht, dann ist die gestrige Papageno-Vorstelluna eine treffliche Kur für leidende Zuschauer gewesen. Doch auch den Gesunden wird sie gut bekommen sein. Ob die Papageno-Handlung möglich oder unmöglich ist, ob der Aufbau der Posse folgerichtige architektonische Gliederung besitzt u. dgl., das sind Fragen für kritische Seifensieder. Es sei nur soviel gesagt, daß der verstorbene ostpreußische Theaterdirektor Kneisel fein Publikum kannte. Wenn er auch kräftige Farbentöne auf seiner Platte hatte, so überschritt er doch die Grenzen des guten Tones nie. Im Grunde ist die Posse ein Muster von Harmlosigkeit und für alte Sünder eine wohl weniger heilsame als recht genießbare Pille gegen dumme Streiche. Man könnte fast verführt werden, ob der nahezu erstaunlichen Fähigkeit des Verfassers in der Ausnutzung der sich aus seinem Possenmotiv ergebenden komischen Momente dem Papageno die ehrenvolle Bezeichnung „Schwank" zu geben. So viel ich weiß, hatte die Posse ursprünglich den Titel ,®in verhängnisvoller Maskenball"; ihr geistiger Urheber hätte sie statt dessen auch „Zwei verhängnisvolle Dienstmädchen" oder statt „Papageno" „Tannhäuser im Venusberge zu Berlin" nennen tonnen. Wie die Mehrzahl der neueren Bühnenprodukte für den Tagesmarkt, die es zu etwas und oen Autor zu vielem, nämlich Gelde bringen wollen, spielt „Papageno" in Berlin, nebenbei bemerkt bald unternt Tisch, bald im Kleiderschrank. Selbstverständlich ist da zunächst der aus tausend anderen Possen bekannte alte Nußknacker, Hausbesitzer und -Tyrann, seinem Berufe nach ein Rentier, diesmal zur Abwechslung Bollwitz genannt, Stadtrats-Aspirant und tugendsamer Ehemann, hinter dem Rücken feiner fittigen Gattin aber ein Draufgänger, der gern mit schnell bekannten hübschen Mädchen soupiert und sich kein Gewissen daraus macht, unter dem Namen seines Schwiegersohnes, der ihm nicht sehr sympathisch ist, allerhand Dummheiten zu machen. In dieser Person des Rentiers Bollwitz gibt Kneisel alten Familienhäuptern die Belire: Schreibe niemals einem Dienstmädchen ein schlechtes Zeugnis, sonst ergeht es Dir schrecklich. Herr Bollwitz ist ws warnende Beispiel zur Erkenntnis dieses bitterernsten Lebensweisheitsspruches. Er schreibt das schlechte Zeugnis und das Schicksal ereilt ihn. Tie Rache der Küchenbertha ist die „Trehrolle", um die sich der dünne Faden der Handlung des Schwankes wickelt und verivickelt. Frau Bollwitz engagiert eine neue Kücyenfee, die natürlich eine von jenen schönen jungen Damen ist, die Herr Bollwitz von feinen nächtlichen Lokalinspektionen her kennt. Eines Tages sind die Damen des Hauses Bollwitz nicht zu Hause. Minna hat ihren neuen Dienst schon angetreten und Bertha ihren alten noch nicht verlassen. Die beiden Mädchen erhalten Besuch in der Person des Friseurs Trnecke, der mit feiner liebsten Minna noch an demselben Abeno als Papageno einen Maskenball zu besuchen gedenkt. Ta erscheint Herr Bollwitz. Minna er rennt in ihm ihren „lieben Arthur" wieder und Dollwitz sitzt in der Tinte. Die rachsüchtige Bertha, der Herr Voltwitz von Minna unter dem Namen feines Schwiegersohnes vorgestcllt wird, schickt ihren treuen Lerzenssusilrer Wurzel nach, Eharlottenburg zum Schfvieger- sohn des Herrn Bollwitz, um den wackeren Schwiegerpapa vor diesem zu blamieren. Nun wird auch noch der brave Tinecke eifersüchtig auf Bollwitz und läuft auch schnell nach Eharlottenburg, da er den Schwiegersohn des Herrn Bollwitz für seinen Nebenbuhler hält. Wurzel der Tapfere erzählt in der Schwiegersohnsfamilie, daß ein Mann rm Bollwitzschen Hause fein Unwesen treibe und nun wird ofort die Polizei geholt, die den gegenwärtigen Schwieger- ohn, den zukünftigen Schwiegersohn und den vergangenen Schwiegersohn — Pardon, den frisierenden Othello arretiert. Bollwitz aber, der gerade im Begriff steht, mit den beiden Küchendamen zum Maskenball zu gehen, verschwindet wie die Wurst im Spind, als seine Gattin mitsamt ihren unglückseligen Töchtern anrückt. Fürchterlich wird ihm Berthas Rache, als seine Gattin den Schwank öffnet, um ihren Hut abzulegen. Er reißt in seinem Papagenokostüm aus. Am andern Morgen wird der Füsilier zum Papageno- Pianino degradiert und der Madame Bollwitz als der unheimliche Mensch vor gestellt, der Maskenbälle in Kleiderschränken zu besuchen pflegt. Zu allen diesen Scherzen kommt natürlich noch das obligate Verlobungsterzett hinzu und „Papageno" steht als eine Posse da, die fast mehr als ein vollgerüttelt Maß von schätzenswerten Eigenschaften dieser schätzenswerten Art dramatischer Betätigung besitzt. Was soll man über dis Darstellung sagen! Solche possierlichen Rollen, wie sie Kneisel hier geschaffen hat, spielen sich von selbst. Selbstverständlich entfefielte der Benefiziant Herr Conradi mit seiner bekannten drasti- scken Komik, die etwas kurios Gemütliches an sich hat, wahre Lachsalven. Im Verein mit ihm, dem umsichtigen und manchmal durch dieses Amt von der Handlung etwas abgelenkten Regisseur, hatte Frl. Lembach als die blonde Küchiennemesis Bertha das ganze Stück zu tragen, und das gelang ihr mit ihrem teer zugreifenden Humor vortrefflich Herr Tamke war in Spiel und Maske als rasender Raseur so fi£ als Fex, von ausgelassenstem und zugleich wirksamstem Uebermut. In solchen Späßen findet Herr T. nicht so leicht seinesgleichen, Herr G r o n e r t zeigte sich als Liebhaber und Soldat gleich gut gedrillt und Frl. Großmüller als Guste — oder hieß sie am Ende Minna?, der gute Wurzel vergaß das von Sekunde zu Sekmide — sauber, niedlich und liebebedürftig. Die _ übriaen Personen traten wenig hervor, es sei nur gesagt, daß Herr Achterberg zu salopp in Haltung und Sprache und Frl. Schumann, eine noch am Emde der Saison neu erscheinende sympathische junge Dame von etwas larmoyanter Tonart, noch recht unfertig ift W. ♦ — Des niederländischen Dichters Heyermans, des Verfassers des ausgezeichjneten Dramas „Hoffnung", neuestes Schauspiel: „O r a e t £ ab o r a" wurde im Deutschen Theater zu Berlin sehr beifällig ausgenommen. Heyermans charakterisiert auch hier wieder scharf die Schifferbevölkerung, er gewinnt auch wieder für einzelne Gestalten menschliche Anteilnahme. Wieder leistet er Verzicht auf Handlung, wieder gibt er trübe, monotone Grau in Graumalerei. — Für Maeter lincks köstliche, feine humoristische Satire „Wunder des heiligen Auto- niu 5", die dem Heyer mansschen Drama folgten, hatte auch das Berliner'Publikum wio seinerzeit das Frank- urter, kein Verständnis. — In München fand „Die au le Marie", Schauspiel in vier Akten von Konrad Linde, ein Pseudonym, hinter dem sich Frau Sudermann verbergen soll, die als Romanschriftstellerin sich bereits wiederholt betätigt hat — sie war vor ihrer Ehc mit Sudermann an den Bürgermeister eines ostpreußischen Städtchens verheiratet — bei der Erstaufführung int Schauspielhaus in den ersten Akten eine freundliche Ausnahme, während der letzte, in dem die üble halb sentimentale, halb perverse Art dieser dramatisierten Marlitt-No- velle immer deutlicher wird, energisch abgelehnt wurde. — Aus Frankfurt a. M wird geschrieben: Dr. Max Pohl vom königlichen Schauspielhause in Berlin, der im „M eineidba uer" eine außerordentlich wirksame, aus einem Guß geschaffene Leistung bot, hat sein Gchspiel als Konsul Bernick in Jbsen's „Stützen der Gesell- schast" beschlossen. Dr. Pohl hat in den beiden Rollen eine seltene Vielgestaltigkeit gezeigt. Die hohe geylige Kraft, die er in allen Rollen zeigte, sand hier freudige und verständnisvolle Aufnahme. — Die Weimarische Theaterfrage. Zu ber Frage des Hostheater-Neubaues ist nunmehr dem werma- rischen Landtage ein umfangreiches Ministerialdekret zugegangen. Es geht daraus hervor, daß gewichtige Bedenken gegen den Umbau vorliegen. Man ist vielfach der Ansicht, daß durch eine Aufwendung von 100 000 Mk. und durch die Abänderungen im alten Theatergebäude die Frage emc* Neubaues auf mindestens ein halbes Jahrhundert vertagt würde. Danach wird also das große Magazingebäude, da- einen Malersaal, Musiksaal, Balletsaal, eine Tischlerwerkstatt, sowie ausgedehnte Lager für die Kulissen ufw. enthalten soll, für 100 000 Mk. gebaut werden. Nach W weiteren Ausführungen des DettetS ist es also entschieden, daß vorläufig weder ein Um- noch ein Neubau des vor’ theaters stattfindet, daß aber, wenn an einen Neubau in absehbarer Zett herangetreten werden muß, dieser nur an die Stelle des allten tommen wird. Damit ist wenigstens über die Zukunft deS Hoftheaters Klarheit geschaffen. Ter Plan, in Weimar ein modernes Mustertheater zu gründen, ist als enbgiltig gescheitert anzuseyeu. — Tas neue Nürnberger Stad11heater wir ein Bühnenbau nach den neuesten Erfahrungen auf dte,em Gebiete. Allein die elektrische Einrichtung des Aalers ersordert einen Kostenaufwand von rund IbOOOO mi. u ist den Siemens-Schuckert-Werkeii übertragen worden. — Von dem neuen (14.) Jahrgang der iWjf- $ ' Monatsschrift süp bte bnobeune Romaii- und nJ‘oOelie", Literatur des Auslandes „Aus fremden öm « (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) liegen uns bis pF 2 Hefte vor. Man findet darin außer dem durchlauf neapolitanischen Sittenroman „Sd)la ra s s en la n o Mathilde Sero o, der ein iarbenreiches Bild scheu Lebens vorführt, interessante und wertvolle 9 in lieber setzun gen aus dem sranzösischien, englischen, 9 scheu, russischen und niederländischen Schrifttum, Israel Zangwill's Novelle „S, Cohn und Sohn", Paul DA lardins „Das Gericht über eine e^ele und CyrielB YN „Der kleine Weller" besonder? herborgehoben zu verdienen. Beifall findet die vielseitige Jiluftnette RU schau mtt Ibiographischen Artikeln und ^affatze , rein belletristischen Tellen als Willkommens £#& bienen. 8 Die Wehstei Gäßchen ,A»f der? fationSarbrilen von 1 wcrks- und Fahrrad- Gießen, den Großherz . Tie am 2. d. I wird hiermit ausgeho! Gießen, den 1 Großherz, Nach § 36 * «er m-t parate", « wenn di- Beit oon 9 dieses ®e«>erbe 6'? betrieb« der juM unterzeichneten S» Unterlassung bei Ziffer 4 der Reichs, 150 Mk. und imUr geahndet werden. Die Anzeige^ triebe, die einze! und Spezereihändler Wir n ichen dii demHinwei', daß zi eine amtliche Kontre daß zu diesem Zweä der Verkaufs- un werden. Gießen, den Großheij Ä Die Sonnenfh Me wird wegen Voi heute an bis auf weite verkehr gesperrt. ließen, den 16 Grohherp git.63 werden ''' n £flnö®itt r»Bss wnwers.'Buw w*» Zer Krikfl W A Tie letzte bas Gesccbt bei . des hervor: Laut M • Aussen von dem I Japaner oeret- i beVr,^' 6°' ,,G t e r e 0 u t f ' U.ölieben. Man Meer ftürif6 x i ; ousgegeben 1 »ich, s"'scher 1 fefläbi t fei bet ® r Srite in9V-- W .»« bringt d°ß e R-S? 'Wurden draußen n plane Fran Kadi Weil * 7 ußx^enr m Pt Wai,»net?!&c0e5«i '^Srii^ten £ T'^b hL9e(eqteh -°uil Äpfeln