Skr. SIS GUscheirrt tLgltch außer Sonntags. Dem Dreßener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gteyener Familien. Hottet viermal in der Woche beigdegt RotattonSdruck u. Verlag der VrÜhl'schen Untvers.-Buch-u. Stein» druckerei. 8t Lang«. Redaktion, DrvedMou und Druckerei: Schulsteatze 1. Adresse für Depeschar: Anzeiger Gießen. Fern sprech aw chluß Nr 51. Erstes Blatt. 154. Jahrgang Dienstag 13. September 1904 Giehener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Ve-ugSpreiSr monatlich^ Ps^ viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Ml. 2.— viertel- fährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZetlenprelS: lokal 12 Pt, auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich für den potfal und allgern. TeU: P. Wittko: für „Stadt und Land^ und , Gerichts!aal*: August Goetz, für den Anzeigenteil: Hans Beck. Zie üeutige Kummer umfaßt 8 Setten. AenisHe Misstonare in den Südseeinseln ermordet. Nach einem gestern über Macasscrr ein gegangenen Dele- gramm des kaiserlichen Gouverneurs in Herberts höhe (Deutsch-Neu-Guinea) sind am 13. August die Missionsstationen St. Paul und Nacharunep und die Trap- Pisten-Nioderlassungen in den Bainingbergen auf der Ga- zellenhalbinsel durch Eingeborene überfallen worden. Da bei wurden getötet: die Patres Rascher und Nutten, die Brüder Bleh, Plaschaert und Schellekens, sowie die Schwestern Holler, Balka, Utsch, Schmidt und Rath. Die Polizeitruppe nahm sofort die Verfolgung der Mörder im Gebirge auf. Ein späteres, gleichfalls am heutigen Tage über Brisbane ein- getroffenes amtliches Telegramm des Gouverneurs von Deutsch-Neu-Guinea berichtet, daß in den Bainingbergen die Ruhe w iederhergestellt sei. 15 Eingeborene seien in dem Kamps erschossen und 21 gefangen genommen. Die Verfolgung dauert fort. Nach Privatmeldungen wurden alle Missionäre nieder- gemetzelt und für 60000 Mark Vorräte geplündert. Den Anlaß gab angeblich der Freikauf von Sklaven. Der Ueberfall erfolgte unerwartet um 9 Uhr morgens. Die Missionäre wurden bei ihrer Arbeit überrascht. In Sankt Paul wurde der Vorsteher Pater Mathias durch einen Gewehrschuß von dem von ihm befreiten und aufs beste behandelten Sklaven Tomari ermordet, ebenso der herbeieilende Bruder Joseph Bley und die Schwester Anna. Die Brüder Plaschaert und Schellekens, die Schwestern Sophia und Amatha wurden durch Deilhiebe, die Schwester Agnes auf der Hausveranda und die Schwester Angela an der Rückwand des Altars durch Keulenhiebe getötet. In Na- charmap wurde Pater Heinrich Rutalar geköpft. Die ferner geplante Ermordung der Missionäre von Marienburg wurde durch deren Abwesenheit vereitelt. Der Kapitän des „Waldems erzählt, ein Komplott zur Niedermachung aller Weißen sei im Juli entdeckt und vereitelt worden. Eine schreckliche Bluttat! Auf den Guinea-Inseln hatten sich, nachdem ein größerer Aufftandsversuch vor mehreren Jahren mit Energie niedergeschlagen worden war, die Eingeborenen anscheinend mit der deutschen Herrschaft zu befreunden begonnen: nur vereinzelt kamen noch Ausschreitungen vor. Im allgemeinen konnte Gouverneur Dr. Haal von der fortschreitenden Pazifizierung der Kolonie berichten. Jetzt scheint in diesen Zuständen wieder ein jäher Wechsel eingetreten zu sein. Daß ausschließlich» Mitglieder der katholischen Mission der Blutgier der Eingeborenen zum Opfer gefallen sind, dürfte auf die isolierte Lage ihrer Stationen zurückzuführen sein; die Absicht, allen Weißen das Leben zu nehmen, scheint an der Wachsamkeit der Deutschen gescheitert zu fern. Zum letzten Male hatten sich auf den Admiralitätsinseln die Eingeborenen einer Auflehnung gegen die Weißen schuldig gemacht, indem sie sich im März d. I. eines Schooners bemächtigten und einen Teil der Besatzung töteten. Die Bestrafung erfolgte prompt. Zu gleicher Zeit wurde auf der Durourinsel, im Norden von Kaiser-Wilhelmsland, die Station der Firma Heres- heim u. Komp, überfallen, wobei der Händler Reimers und zwei Chinesen getötet wurden. Auch auf dem englischen Nachbargebiete kamen mehrfach Ausschreitungen gegen Europäer vor. Die Wiederkehr derartiger Gräueltaten wurde damals von dem Kapitän des Lloyddampfers „Prinz Sigismund", der aus der Südsee heimkehrte, für unwahrscheinlich gehalten, jetzt ist dieser Optimismus durch die Ereignisse Lügen gestraft worden. Die ermordeten Missionare dürften ebenso wie die getöteten Schwestern entweder der „Kongregation zur Ausbreitung beS' göttlichen Wortes" an gehören, die in Stehl domiziliert oder zu den Pallottnern in Limburg zuständig sein. * Auch aus den zu Frankreich gehörenden neuen Hebriden sind Europäer ermordet worden. Dort sind vier französische Matrosen ermordet worden; ferner ermordeten Eingeborene der neuen Hebriden auf einem anderen französischen Schiff den Kapitän und einen Matrosen. Die „Köln. Volksztg." weiß folgendes" von den mörderischen Eingeborenen zu erzählen: Die am Fuße des Sinewit wohnenden Kanachen gehören zum Stamme der S ü d o st - B a i n i n g e r, die in den Quellgebieten des Torin und des Karawat sowie auf den Höhenzügen längs des St. Georgs-Kanals bis hinab zur weiten Bucht ansässig sind. Die einzelnen Siedelungen, au»- zehn bis zwölf runden Hütten bestehend, sind mit einer Menge von Holzklötzen umgehen zur Abwehr gegen die vielen Schweine; die einzelnen Hütten sind meist so hoch, daß man aufrecht darin stehen kann. Hin und wieder sieht man ein aus Holzstähen zusammengesetztes Bett. Unmittelbar unter dem Dache liegen Brennholz, Waffen, Kalk, Tragnetze, kleine viereckige Netze zum Fischen, ferner drei bis vier Meter lange, aus starken Schnüren angefertigte Netze zum Fange von Wildschweinen und-Kasuaren. Sonst herrscht überall Sckmutz und Unordnung. Während die Nordwest-Baininger auf jedwede Bekleidung verzichten, tragen die Männer im Südosten ein einfaches Stück Topa, das sie in Form eiib-'v Gürtels mit die Lenden schlagen, und die Frauen überdies noch eine Art Tragnctz, das, quer Mr die Brust 'geworfen, ihnen fast bis zu den .Knieen herabreM. Schmuck und Ver- Körperi scheinen Men unbekannt zu sein; Mr am Arme tragen sic ein aus gefarblen Lianen fein gewebtes Band. Vortrefflich unterscheiden sich die Südvst-Bäininger dadurch hnn ihren Stammes,^nossen im Nordwester, daß sie keine M en- sck> e ' -ess e r mehr sind; zur Nahrung verimmden sie meistens >' riesiger Größt KtlkoS und Arekapalmen solvie Brot ' 1 vorhani en; man holt sich die für das Betel kau n iwiim'ndigen Arekanüffe bei den Nordwest-Bainingern oder an den Usern des Torin. Hierhin oder zum St. Georgs-Kanal machen die Eingeborenen auch ihre Stteifzüge, um Kalk zu erlangen. Auf solchen Wanderungen stoßen öfter die einander fremden Stämme zusammen, wobei es dann regelmäßig zu Kämpfen komrnt, die mit Totschlag enden. Da wir annehmen müssen, daß die Mordtaten im Notdwesten, also im Gebiete der Menschenfresserei, ges'chehen sind, steht zu befürchten, daß es bei dem Mord allein nicht sein Bewenden gehabt hat. Aus Herbert shöhe kommt ferner erst heute folgende Nachricht von Ende Juli: Der hier eingetroffene ^Post- dampfer Prinz Sigismund brachte folgende Nachricht: In der Nähe der zwischen Neuguinea und Neupommern gelegenen Insel Ruk ist ein englisches Kohlenschiff lVier- master) auf den Riffen zerschellt. Die Mannschaft versuchte, sich an Land zu retten, von wo aus die Eingeborenen zuwinkten. Der Kapitän, der sich mit sechs Leuten in einem Boote befand, erkannte bald, daß den Eingeborenen nicht zu trauen sei., und fuhr deshalb auf die offene See hinaus. Ein paar Tage spater fand der Dampfer Siar der Neuguinea-Kompagnie das Boot mit den halb verhungerten Insassen. Von Neuguinea kamen die Schiffbriichigen nach Herbertsdöhe. Heute noch geht der Regierrmgsdampfer Seestern in See, um womöglich -die übrigen 20 Schiffbrüchigen zu retten. Es steht sehr zu befürchten, daß die Unglücklichen längst von den Eingeborenen erschlagen und gefressen sind. Der Aufstand in Aeutsch-Südwestafrika. R. Berlin, 12. Sept. Um für die Kosten des südwestafrikanischen Feldzuges den richtigen Maßstab zu gewinnen, weist man auf die Summen hin, die andere Kolonialstaaten für kriegerische Unternehmungen über See und besonders im dunklen Erdteil zu zahlen hatten. Für England und Frankreich ergeben sich da wett höhere Ziffern, und es ist richtig, daß das Ende beispielsweise des Somalifeldzuges sich ebenso wenig absehen läßt, wie das des südwestafrikanischen, obwohl er schon bisher an finanziellen Aufwendungen doppelt so viel erfordette wie der letztere. Unzweifelhaft steht auch Somaliland an Wett hinter Deutsch- südwestafttka zurück. Aber es darf auf der anderen Seite nicht vergeffen werden, daß England und auch Frankreich Kolonien ihr eigen nennen, aus denen sie bedeutende Gewinne ziehen, sodaß ihr gesamter Kolonialetat ttotz der hohen Kriegskosten mit Ueberschuß abschließt. Deutschland hat leider kein g ew in n b rin g en d es Schutzgebiet, und daß die Kriegskosten später einmal auf Grund höherer Erträge der Kolonien in die Reichskasse zurückfließen werden, dafür sind die Aussichten wahrlich nicht groß zu nennen. General von Trotha meldet rmter dem 10. d. Mts. vormittags aus Otjosondu: Estorff stieß am 9. September bei Owinaua-Naua auf abziehende Werft Samuel Mahareros, nahm sie nach kurzem Widerstand in dichtern Busch. 50 Herero tot, diesseits ein Reiter leicht verwundtt. Haripttrek der Herero anscheinend Flucht nach Südosten. Deimling im Vormarsch von Oparakane nach Osten; Estorff folgt über Okarupoko. Reitzenstein sperrt Wafferstellen Otjimbinde bis Okunjali. Meister folgt Deimling über Oparakane. Kommando Oparakane.__________________________________________ Politische Tagesschau. Das Schulkompromitz in Gefahr. -tt-. Berlin, 12. September. Die Ergebnisse deß Jungliberalen Delegiertentags sind, um es mit einem drastischen Ausdruck zu bezeichnen, Manchem ins Gebein gefahren. Zunächst sieht die preußische Regierung, die durch den Schulantrag der Mehr- heitspatteien alles aufs beste geordnet wähnte, sich in der Vorbereitung des Schulunterhaltungsgesetzes empfindlich gestört. Denn ob die nattonalliberale Fraktion an der Seite der Konservativen und des Zentrums stehen bleiben und die Konfessionsschule als Regel festsetzen will, das ist nicht die Frage, sondern vielmehr, ob die Fraktion nach dem Tag von Leipzig dies tun kann. Und das wird bezweifelt. Einen unrichtigen Entschluß zurückzunehmen, dazu gehört am Ende ein größerer moralischer Mut, als hatt- näckig bei einer Meinung zu bleiben, mir weil man sich durch Abmachungen mit anderen Parteien verpflichtet glaubt. Verpflichtungen hat eine Partei zuvörderst gegen sich selbst, gegen ihre Wähler, gegen ihre Ueberlieferungen. Wenn die „Nordd. Allg. Ztg." beschwörend vor der Gefahr einer Spaltung im nationalliberalen Lager warnt, so ist diese Sorge wohl kaum der „reinen Liebe" entsprungen, und wenn führende konservative Blätter, wie die „Kreuzztg.", den „alten" Nationalliberalen eifrig zusprechen, sich nicht vom JungliberalismuL verdrängen zu lassen, so geschieht auch dies nicht aus purer Hochschätzung der alten Nationalliberalen. Alle die Bemühungen, den letzteren das Rückgrat zu stärken, entspringen ausschließlich der Furcht, das Schulkompromiß köimte in die Brüche gehen. Die ernsteste Seite der Sache ist die, so offenbart die „Kreuzztg." des Herzens Kummer, ob die Regierung, falls die Jugendvereine mit ihren Richtlinien die Oberhand behielten und der Schulantrag dem ent* prechend von der Tagesordnung verschwände, geneigt wäre, "ich mit den Konservativen und dem Zentrum allein im Schulunterhattungsgesetz zu vereinbaren. Bis jetzt hat sie sick gegen diesep Gedanken allem Anschein nach ablehnend verhalten. Davon also rühren die tränen her, die um die Behandlung der alten Nationalliberalen durch die Jcmgliberalen geweint werden. Krokodilstränen! Der Krieg zwiscken Japan tmö Außland. Aus der Mandschurei. Kupantse, 11. Sept. (ReuterV Die Japaner stnd^ sehr enttäuscht barüber, daß der Plan ihrer Armee mißlungen ist, welcher darauf ausgrng, einens En tsch eidun g s kamp f bei Liauj an g zu er?» zwingen und dadurch die gegenwärtige russische Maw-^ dschureiarmee zu vernichten. Die Japaner schaffen indes tn jeder möglichen Weise Verstärkungen und Vorräte nach Norden. In dem Mündungsgebiet und auf den Nebenflüssen des Liauflusses benutzen sie Boote hierzu, während auf allen Sttaßen und Nebenwegen Getreide? und Schießbedarf auf zahllosen Schubkarren von Eingeborenen weitergeschafst werden. Marschall Oyama chah lein Hauptquartier in Liaujang aufgeschlagen, das sich allmählich in eine moderne japanische Stadt umwandelt. Alle Anzeichen sprechen dafiir, daß die Japaner, wenn möglich, eine entscheidende Schlacht auf russischem Gebiete annehmen bezw. erzwingen möchten. Diese Schlacht dürfte wahrscheinlich in einiger Entfernung von Mukden zustande kommen. Die Japcmer, welche bisher schon glaubten, daß die Rusien Dumdum- Patronen benutzten, da hin und wieder böse Verwundungen beobachtet wurden, behaupten, daß dies nunmehr bewiesen sei, da in Liaujang einige Dumdum- Pattonen gefunden worden seien. Der Beweis ist jedoch keineswegs schlüssig. Einige ständige Brücken, die noch nicht fertig waren, haben den Eindruck erweckt, daß die Russen die Eisenbahn zerstören. Die Bahnlinie ist indessen überall unversehrt, und die Rrrssen nehmen offenbar an, daß sie wieder zurückkehren. Sie haben längs der Bahnlinie eine Bekanntmachung angeschlagen, in der sie die chinesischje! Bevölkerung unter Androhung künftiger Bestrafung ermahnen, die Bahnlirrie nicht zu beschädigen. London, 12. Sept (Reuter.) Die japanische Gesandtschaft veröffentlicht folgende Nachricht ans Tokio: Nach einer Meldung der mandschurischen Armee wurden uitter der Beute bei Liaujang zwei Arten von Dum dum p atro neu gesunden, welche Patronen beneu für die russischen Gewehre, Modell 1890, glichen. Einige Verwundungen unserer Leute erregen den Verdacht, daß sie durch solche Patronen herbeigefirhrt worden sind. Tokio, 12. Sept Heute sind Einzelheiten über die Operationen des Generals Kuroki vom 28. August bis 5. Sept ein gegangen. Während dieser Zeit haben die Truppen beständig unter größten Entbehrungen gekämpft, da die Russen die Verbindungen der Armee Krrrokis ab geschnitten hatten. Die Truppen blieben während 2 4 Stunden ohne Trank und Speise und mußten sich mit wenig trockenem Reis begnügen. Mihrend des Nachtkampfes am 3 0. August bei Hsuchehaou gebrauchten die Russen Scheinwerfer, um das Terrain abzusuchen, und richteten ein furchtbares Feuer gegen die Stellungen der Japaner. Am Freitag abend besetzten die Japaner, nachdem sie den Angriff der Russen- zurückgeschlagen hatten, den in der Nähe der Grrrben von Jentai gelegenen Höhenzug, der sich westlich von Taha hinzieht. Am Nachmittag griffen die Japaner mit 16 Geschützen die Russen, welche Verstärkungen erhalten hatten, an. Die Japaner schoben eine bei Penschibu stehende Kolonne nach Pintaitsu vor. Nachdem sie hier eine Abteilung zurückgelassen hatten, rückten sie nach Westen vor. Die mittlere Streitmacht der Japaner besetzte am Nachmittag die Höhen im Westen von Heiyingtai, sah sich hier dem konzentrierten Feuer der Russen ausgesetzt und erlitt schwere Verluste, sodaß sie die Stellung nur mit großer Mühe behaupten konnte. Die Ruffen beschossen das Zentrum und den rechten Flügel der Japaner von zwei Seiten zugleich Die japanische Artillerie war jehr ungünstig aufgestellt und erlitt große Verluste. Am Freitag abend griffen drei ruffische Brigaden den japanischen rechten Flügel und das Zentrums an und wurden nur dadurch daß gerade zur rechten Zeit Truppen vom japanischen linken Flügel ein trafen, zurück-* geworfen. London, 12. Sept. Das Reutersche B^rreau meldet aus Mukden vom 10. Sept: Die Russen ziehen sich nach Tieling zurück: der japanische Vormarsch vollzieht sich langsam Die milttärffche Lage ist nicht ungünstig. Biele Kompaginen bestehni nur aus 30 Mann. Trotz der Widerwärttgkeiten beim Mckzng sind bis Truppen in gehobener Sttmmung. Petersburg, 12. Sept. Der Korrespondent der ^Sirshewija Wjedomosti" telegraphiert aus Tieling: Die Japaner, denen man nachsagte, daß sie langsam vorrücken, gehen jetzt sehr schnell vor. Sie vcr- stehen e s vorzüglich, ihre Nmgehun gs bewege ungen zu verschleiern. Die Vermehrung ihrer Truppen hilft den Russen wenig, dem: die Ia- paner erhalten Vorstarkunger? aus Jnkou. Außerdem droht Kurokis Flan kenmarsck nach Normen fortwährend unsere Verbindungen abzu- ch neid en. So wird die Initiative zum Handeln in den Händen der Japaner bleiben; dieses Manöver totrb sich »immer tmederftolen. Petersburg, 12. Sept. General Ssacharow meldet dem Generalstabe: Es ist ftstgestellt, daß nördlich von der Eisenbahn mich den Sttinkohlengrilbeir von Jentai keine bedeutenden japanischen Streitkräfte tohen. Weiter südtcmrts befiridrn fuT) in der RichtMvg auf Liaujang aiiv^-MnUc Viwal> Tokio, 12. Sept.. (Reuter. 1 Marschall Oyama meldet, daß sich große Massen russischer Kavallerie bei Ptvytmtze -ftkich von ^ciitat ge-pi-At hätten: russi- f ch>e Infanterie befände sich Mit ArtiUerir längß Der Eisens bn zwi f ch e ri Fe n tai u n d M u kd e n. Ovama: fü^rt hinzu. Cxiß die Russen wohl nur Fühlung be- halv'n wollen. London, 12. Sept- Auv Tokio wird depesdiicrt: Marschall Dhama hofft, eine weitere EntscheidungSschlacht zu liefern, ehe die Russen Chardin erreichen. Bedeutende Versttirkuntwn sind tnm Hrrvschima nach Riutschnxing unterwegs, von wo sie nach Liauiang gcfdüifi werden sollen. Kuroki lagert auf einem Plateau östlich von Mukden. die anderen inpanifdKit Armeen stehen südlich von Mukd^-n. ShirvWfin ist nach Inspektion der Besestiguugen von Tienling natb Mnkden zuruckgekelnt. Diese Arbeiten sind rwch nicht weit vorgeschritten wertxrn aber mit höchster Eile betrieb«. — Die Russen machen überlxmpt gtwltigc Anstrengungen. um den weiteren Vormarsch der Japaner zu behindern. Rach einem Gerücht, ba$ aus Sinminting hierher gemeldet wird, soll deswexren ein direkter Befehl des Zaren an Knio^ukin eryangen fern. Der Zar soll soyar perem torisch die Diedereroberun g von Liauiang geboten haben. Man erwartet nod> derselben Quelle eine Sclüadü bei Mukden. Am Freitay mürbe die ganze Rückzugs!inie der Russen südlich von Mukden von iapamfdtnL in bolyem Korn verlwrgenen Schistcen^ ang-rgriffcn. Russische, nach Tapingscban geschickte Truppen zogen sich mit schweren V e r l u st e n z n r ü cf. 'Biele vom Wege titxjefommcne Russen wurden von Tschuntsdulsen gefangen und zu Tode gefoltert. Unter den Eingeborenen, die von den Russen au sge pl ü n d e r t werden, herrsche Panik. Nnbesckrridlrcve Szenen spielen sich am Bahnhof von Mukden ab, wo Frauen undMänner miteinander kämpfen, um in die Züge zu gelangen, die aber alle für die Verwunderen gebraucht werden. Die von der Front Eintreffenden erzählen. das; die ^Japaner mit Trinmpdgosüngen vormarschieren. Tokio, 12. Sept. Die Russen haben bei ihrem Rückzuqe ihre sämtlichen Gescküpe gerettet, dagegen haben sie «rotze Mengen Munition in die Luft gesprengt. Zahlreiche Munitionsla''ren wurden in den ösiäben gefunden. Die Avantgarde nimmt eine Stellung ein, welche sich von Hsilibo nach Efastmtsu erstreckt. .Die Russen zerstörten eine Brücke über den Shr- Fluß. London, 12. Sept. Rach einer Tientfiner Standarb-De- oesibe rücken chinesische Truppen von diesseits und jenseits der großen Mauer in die Mandschurei, wo sie beide Ufer des Liao- Flusses besetzen. ES heitzt, datz diese Truppen zur Besepung des von den Japanern eroberten Territoriums venoendet werden sollen. Deutsche Offiziere seien entsandt, um die Richtigkeit dieser Tatsache sestznstrUett. .Da die chinesischen Truppen im Rücken deS Gebirges über Land marschieren, ist eS unmSgllck, deren Stärke festzu stellen. Petersburg, 12. Sept. In Tnefigm Militärkreisen glaubt man nicht, datz die Japaner fick verleiten lassen werden. Kurovat- kin nach Cbarbin^ tu folgen, da Hierdurch die japanische Verbindungslinie auf a—600 Kilometer entfernt würde, was für die Russen ein großer Vorteil sein würbe. London. 12. Sept. Sehr bedeutend ist die Wandlung, welche sich seit emrgen Tagen in den Berichten der englischen Presste über die Ereignisse ans dem Kriegsschauplätze vollzogen bat. T-ie_ letzten Meldungen der „Times" und des „Newcwrk Sverafi>'/ über die Schlacht bei Liauiang und deren Folgen zeigen eine bedeutend russenfretmdlichere Tendenz als früher. Es wird darin beiDürgeboben, datz die russischen Soldaten den japani- schen an Mut unb Ausdauer nichts nachgebm und datz Kuropatkin sehr baß) eine große Revanchesckstacht liefern werde. Port Arthur. Tokio, 12. Sept. Aus zuverlässiger Quelle wird berübtet, datz die japanischen Verluste vor Port Arthur mehr al« 9000 Tote nnd Verwundete betragen. Die zurück- ^stnrdten verwundeten Soldaten entroerfen grauenvolle Schreckens bilder von den Zuständen vor der Festung. Viele von ihnen haben das Augenlicht eingebützt, infolge des ungelöschten Kalkes, den die Runen in die Schüven- und Scbanz- gräben warfen. Da da« 53cnnbarbement unaufhörlich fortgele^t wird, so ist e« unmAglrch, die zahlreichen Toten zu be- erbigen. Jrckvlged-sien liegen die Toten überall bau- fenweise umher. In Japan macht sich eine regier* ungSleindliche Stimmung bemerkbar, weil die Behörden alle Rachri chten auS Port Arthur unterdrücken. — Täglich geben neue Truppensendungen auS Japan cch, namentlich aus der nördlichen Insel Jesso, vermutsich weil die dortige Bevölkerung am besten geeignet erf'beirrt, den Strapazen in dem bevorstehenden Dinterfeldzug zu trotzen Köln^, 12. Sept. Der „Köln. Ztg." wird aus Petersburg L>l7m 12. September gemeldet: In einer in Port Arthur jüngst -entdeckten geheimen Niederlage, welche von den Chinesen vor dem chinesifch-iapanischen Kriege angelegt mrrbe. wurden *>0000 bi« 100000 Granaten, einige himdert alte Krupp* geschütze, die noch tauglich sind, grvtze Mengen von Pulver von guter Bestbasfenbeit. angeblich auch Gewehre und Patronen in großen Mengen gefunden Japanische Spione. Petersburg, 12. Sept.^ In der russischen Hauptstadt wnrden zwei japanische Offiziere mit Namen Saratvri und Mamcnn wegen Spionage verhaft-rt. Tiefe, ursprünglich als Händler tätig, erklärten bei Ausbruch des Krieges, den griechisch- orthickoren Elen den annehmen zu wollen, blieben aber, wie eine gWim vorgenommene Haussuchung feststellte, ihrem Stand als ^urineoniziere treu. Ta« zutage geförderte belastende Material scheint v* als Urheber verschiedener Anschläge gegen die baltische Motte bloßzusteNen. Die baltische Flotte. Kopenhagen, 12. Sept. Ter hiesige russische Ofcv fanbfe reiste nach Dorn Holm ab und wird von dort der m.'sisichen Ostseeflotte nrit versiegelter Ordre entgegenfahren. San Sebastian, 12. Sevt Auf Englands Einspruch Deutete Spanien Rutzland, die baltische Flotte dürfl' nicht über -Isshntben in Coruna verweilen. Ein längerer Aufenthalt war beabsichtigt. Vermittelung? ‘ ^Ept. Wie das Berner internetioitalel rieben^bureau ans guter Quelle erfahrt, werden gegen-1 a™ CC ^xhintte bei mehreren auswärtigen! 1 nr 1 t> v -irn-i auf, datz der immrrhiu wahrscl/ Ikilil!)- IvHtifdM* Gewinn Fnpins auS diesem Kriege erlangt sein luirb durch einen nnverl>altnismätzig grauen Verlust an VolkSkraft. Dculschos Reich. Berlin, 12. Sept. Der Kaiser verlieh silberne Tafelpreise als bestes Schietzen mit der Schiffsartillerie der aktiven Schlachtflotte dem Linienschiff „Kaiser Wlllwlm H." nnd dein P^rn^erkrenrer „Prinz Heinrich". Der Kommandant des „Wdttin", Seekapitän v. Müller lmirdc zum dienstttienden Flügeladjutanten ernannt. *— Eine Kabinettsorde, tmtfert Bnmsbüttel, den 10. September an Bord der „Hohenzollern", verfügt: v. Köster, Adnural, wird von der Stellung als Chef des erste nOleschwaders entbunden' Fritze, Vizeadmiral, imrb von der Stellung als Chef der Ostsee- llation gestellt. Fisch el, Vizeadmiral, wird zum Chef des zweite« Est'schwaders ernannt. Cskcif v. Baudissin, Kontveadmiral, wird mit der Führung des ersten Geschwaders beauftragt. — Der Legationsrat F ü r st v. L i ch n o w s kv, Vortragender Rat int Auswärtigen Amt nnd Mitglied des Herrenhauses, hat sich vor kurzem verheiratet und mit )einer Okittiit den Einzug auf seiner Besitzung Kuchelna in Oberschlesien feierlich abgehalten. Bei dieser Gelegenheit hat er an die ihn begrüßenden Knegervereinc mehrere Ansprachen politischen Inhalts gehalten. Zunächst hat er die Warnung ausgesprochen, der Agitation der Radik-llpolen in Obergchlesicn E^ehör zu schenken, tvobei er hinwies auf die Fortschritte, die gerade Oberschlesien unter der preu- tzischen 5?errschatt gcnnacht habe. In einer anderen poli- tifdfKii Ansprache warnte er die Mitglieder der Krieger- Vereine vor „unerfüllbaren und trügerischen Verheißungen" der Bündler. Er glaube, daß mit Hilfe der Fürsorge der Regierung auch hinsichtlich der Landwirtschaft einer befriedigenden Ent- w i ck e lun g entgegen gesehen »verdetr dürfe. „Hüten Sie sich", rief Fürst v. Lichnowsll) den „Kameraden" zu, „vor einseitigen Forderungen, die keine Regierung erfüllen kann und darf, und trachten Sie durch erhöhte Einspannung Ihrer Kräfte Ihren Platz an der Sonne zu behalten." Hamburg, 12. Sept. Die „Hamb. Nachr." teilen mit, sie müßten zu ihrem größten 9kbauern heute bestätigen, daß FürstVismarckernstlich erkrankt ist und sein Zu staub zu Besorgnissen Anlaß gibt. — Nach der in Hamburg verbreiteten Ausiassung leidet Fürst Herbert Bismarck an Leberkrebs; sein Zu stand gilt als hoffnungslos. Dresden, 12. Sept. Der Parteitag der Deutschen Reformpartct wählte Zimmermann zum P a r t e i v o r ft a n d wieder und beschloß, dafür zu sorgen, datz bei Ädschlus; der Handelsverträge Beftinmningen getroffen werden, das; Ausländer beim Geschäftsbetrieb in Teutfchtaud nicht besser geftellt werden als Deutsche im Ausland. Ferner sollen paritätische AriwitSkaunnern geschaffen und den Ausländern der Besuch deutscher Hochschulen erschwert tverben. Straßburg, 12. Sept. Die 13. Hauptversammlung des Verbandes deutscher Gcwerbevercine, die heute hier zusammen trat, faßte nach längerer Erörterung folgenden Beschluß: „Die am 12. und 13. September in Straßbrcrg anwesenden Vertreter des Verbanbes deutscher Gewerbevereine erheben entschieden Widerspruch gegen die auf Einführung des allgemeinen obligatorischen Befähigungsnachweises für das Handwerk gerichteten Bestrebungen. Sie erblicken in der fortgesetzten Behandlung dieser Frage eine Störung der friedlichen Entwickelnng der Organisation des Handwerks, wie sie in der Gewerbe ordnun gsn ovelle vom 26. Juli 1897 beabsichtigt wurde, und crnxrrten von der Reichsregierung, datz sie folck-en mteberbo(tcn Störungsversuchen keine Folge geben werde. Die Versammlung empfiehlt jedoch, daß die im § 129 der Gewerbeordnung au [geführtem Rechte nur denjenigen vorbel-alten werden sollen, die den Meistortttel führen, unb datz bei Vergebung von öffentlichen Arbeiten der geprüfte Meister vor denjenigen der ungeprüften den Vorrang haben sollen." An der Beratung beteiligte sich n. a. ber Reichstagsabg. Dr. Becker-Offenbach. Stuttgart, 12. Sept. Baden und Hessen haben ihre Vertreter zzrr Beratung berFlußbaupläneMann- heim-Heilbronn ebenfalls ernannt. Sie werden nrit den wurttembergischen Delegierten anfangs Oktober in Heilbronn zu einer Kanalkonferenz zusammenlreten. Jafiresversammlunq des bayerischen Dauernvereins. Tuntenhausen, 12. September. Die alljährliche Versammlung deß Bauernvereins, welcher von dem Wallfahrtsort Tuntenhausen seinen Namen hat, gab auch diesmal Gelegenheit zu programmatischen Reden. Die Hanpirede hielt der Kammerpräsident Dr. v. Orterer. Er rühmte die Landtagsarbeit der ZentrnmSpartei. Der Landtag habe in alter Weise fest an den BundeSverträgen gehalten, treu zum Reiche. Herr v. Podenüls habe dafür zu sorgen, daß die Stellung Bayerns als zweiter Bnndesstaat nach allen Seiten hm aufrecht erhalten bleibe. Redner berührte die wirtschaftlichen Fragen und was für die Landwirtschaft geschehe. Was allenfalls die Kammer der ReichSräte in dieser Beziehung versäumt habe (Llblehnnng der nichtbäuerlichen Grundwertabgabe, der zufälligen Wertsteigerung re. re.) könne hoffentlich wieder eingeholt werden. Man könne nicht sagen, wie Graf Areo getan, daß daS Zentrum eine radikale Wirt- schastSpartei fei. Die Dnellfrage streifend meinte Redner, er stelle sich auf den Standpunkt des Fürsten Löwenstein, die Haltung des Kriegsministers von Asch sei befremdlich gewesen. Man komme darüber nicht hinweg. Vielleicht wären gewisse Freunde mit dem Abschied deS Herrn von Asch nicht unzufrieden gewesen, wenn Herr von Podewils mitgefallcn wäre. Der Redner kommt weiter ans die Wahlgesetz- Vorlage nnd ihr Schicksal zu sprechen. Man habe dafür sorgen müffen, datz daß Landvolk nicht von den Städten aufgeteilt werde. Die Liberalen und Bauernbündler müßten eß sich gefallen lassen, daß man sie für schuldig erkläre für den Fall des Wahlgesetzes. Sie würden die Folgen davon zu tragen haben in dem nächsten Wahlkampfe. Man müsse eine weitgehende Aenderung der bisherigen Wahlkreis- einteilnng verlangen. Die Mittel hierzu seien vorhanden. jefboe Wahlkreißeinteilung, den abgelehnten Wahlgejetz- entrouq. Man jage, baß Zentrum wolle mit den Sozialdemokraten ein Kompromiß machen. Er wiffe zur Stunde gar nichts. Möglich sei, daß man auS lokalen Gründen, und iveil man die Tyrannei der Minorität brechen wolle, mit jenen gehe, welche man selbst scharf bekämpfe. Die Liberalen batten daß anch schon getan. Dem Zentrlim gegenüber sage man, daß daS Zentrum gefährlicher sei, als die Sozialdemokratie. Mit dieser Entrüstung sollten ihm die Liberalen vom Halse bleiben. Dabei seien die Liberalen in religiösen Fragen intoleranter alß die Sozialdemokraten. Man sehe doch die Schulfordernngen der Jungliberalen, die sich den Sozialdemokraten sehr näherten. Die jimgliberalen „Richtlinien" in der Schulsrage könne Herr v. Vollmar mit unterschreiben. Daß sie (die Nationalliberalen) bei einem Kompromiß mit den Sozialdemokraten sich später wieder trennen würden, galt auch für das Zentrum. Daß Zentnmi werde alle Kräfte auf» bieten müssen, um auch bei einem schlechten Ausfall der Wahl* kreiSeinteilung sich zu behaupten. Die Möglichkeit, ein neues Wahlgesetz so bald zu erlangen, ist nicht wahrscheinlich. Bei den neuen Wahlen wird aber mit allen Kräften darauf hin m-arbeitet, um die entsprechende Mehrheit zu schaffen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 13. September 1904. ** Tic Universität ist vor einem schweren ihr drohenden Verlust bewahrt geblieben, Professor Drude hat den unter glänzenden Bedingungen an ihn ergangenen Rus an die Universität BreSlau abgelehnt. Vor zwei Jahren hat Professor Drude eine Berufung an die Universität Leipzig als Nachfolger von Boltzmann, kurz zuvor eine solche an die Universität Tübingen abgelehnt. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß das vortrefflich eingerichtete neue physikalische Institut unserer Universität Professor Drude mit bestimmt hat, der Ludooiciana treu zu bleiben. ** Juristisches Staatsexamen. Die zweite diesjährige Hailptprüfung für daß Justiz- und Venvaltungsfach beginnt Montag, den 17. Oktober. Meldungen müffen spätestens bis zum 8. Oktober bei der Prüfungs-Kommiffion eingereicht sein. Die Zulassimgsgcsuche find durch Vermittlung der Landgerichtspräsidenten, je nach Angehörigkeit zu der betreffenden Provinz, an die Prüfungskommission zu richten. Die Zahl der Teilnehmer wird dieses mal wieder eine ausnahmsweise große sein, da im Frühjahr mehrere Kandidaten von dem Examen zurückgetreten waren. • • Gefaßter Einbrecher. Gestern abend um 6Uhr wurde der von der Polizei schon längere Zeit wegen Diebstahls in wiederholtem Rückfall gesuchte obdachlose und arbeitsscheue Emil Zimm ermann aus Gießen in einem Hause in der Großen Muhlgaffe dahier von Schutzleuten feftgenommen, wobei er den heftigsten Widerstand leistete. ES ist dies dieselbe Person, welche sich vor einiger Zeit seiner Festnahme durch einen Sprung in die Lahn entzog. • • Prügelei. In der Rächt von Sonntag auf Montag wurde ein Bewohner der KaplanSgaffe von zwei Radau- Brüdern geschlagen und am Kopfe erheblich verletzt. Anzeige" wegen Körperverletzung ist erhoben. • * Unfall. DaS Pferd eines Wagens scheute gestern nachmittag auf dem Wiesecker Wege, fprang zur Seite und verletzte eine Frau nicht unerheblich am Fuße. Mainz, 12. ov ziemlich bejahrten Paares statt. Die Braut zählte 60, der Bräutigam noch ein Tutzenb Lenze mehr. Da die Ehe gemischt war, unb die zu erhoffenden" Kinber in ber Religion der Braut erzogen werdeti sollten, mutzte ber Bräutigam ein diesbezügliches Schriftstück unter* zeichnen. Vom amtierenden Pfarrer deswegen befragt, ob, er das wollte, verklärte sich zusehends das Gesicht des zungen (!) Bräutigams, und hofsnungSstrahlend sprach er:1 „Von Herze gern, Herr Parre!" Worms, 11. Sept. Der Deutsche Synvdaltag wird am 31. Oktober in W o r m abgehaltcn werden. Die Mitglieder aller Provinzial- und Landesstmoden werben durch beii Frankfurter Arbnteraussclniß schriftlich besonders ringe la btm, bic Mrt- glicber b?r Synoben unterer Instanzen generell durch Veröffentlichungen in der Presse. Anmeldungen sind an das Sekretariat in Frankfurt a. M., Musikantenweg.46, zu ricksten. Der Hauptzweck der Dersanuulung soll darin bestehen, den landeskirdstichen Einhri tsbe streb nngen, die „von oben" begonnen haben, durch eine zielglrichc Bewegung non unten her entgegenzukommen. Das kirchenrechtlich konsttnierte Dach soll sozusagen einen tragfähigen,' volkstümlichen Unterbau finden. In der grichlosienen Synodal- tierHandlung soll die Besprechung durch folgcnbe drei Referate eingeleitet werden: 1. Die gegenwärtige Lage der evangelischen ftiTxbc Deutschlands, namentlich im Hinblick auf das öffentliche Leben (die öffentlich' Mission der evangelischn Kird)eZ Referent: Pfarrer August Cordes-Hamburg. 2. Die freie Vereinigung von Synodalen und ber verfassungsmäßige Zusammenschluß der Landeskirchen. Referent: Professor v. Kird)enl-rim-Hridelberg. 3. Tic. Rückwirkungen einer solchen Organisation auf das evaugelische Bewußtsein, die Hebung des synodalen Lebens und die Belebung und Vertiefung evangelischer Gemrindearbrit. Referent: Pfarrer Th. Wahl-Langen, Grosch. Hessen. . Auf der Volksversammlung, lautet das gemeinsame Thema: Die Botschaft der evangelischen^ Kirche an bas Volk. ?kls Redner werben genannt: Superintendent Trümpelmann-Magdeburg. Justizrat Dr. LuriNs'-Mmnz, Pft. Julius Werner-Frankfurt a. M. f] Marburg, 12. Sept. Seck heute mittag ist unsere Stadt unb Umgebung stark mit Manövertruppcn ber 22. Division, wie Artillerie, Husaren, 32er Infanterie usw., belegt. Auch baß hier Itegcnbe Jägerbataillon Nr. 11 traf in später Nachmittagsstnnbe ein unb bezog für eine Nacht seine Kaserne. Morgen früh finben bie Manöver in bem Ge- länbe bei Kirchhain unb Amöneburg, wo bie letzten Schlachten beS siebenjährigen Krieges geschlagen würben, ihre Fortsetzung, unb beshalb rücken bie Truppen schon m aller Frühe wieder ab. Kleine M i t t c i l'n c c •> au H essen und den Nachbarstaaten. In Waldau bei Kassel starb Forstmeister Krause infolge Rauchoergistung, die durch eine s7btt >°ze s? »* J\Hen s bit 2’?^. .ti 2, * dm fl 011A r,r^te aus» ,bftNi. ,' e,n neue» w. 9ci -daraus bcr 1904. Eueren ihr 5)rube ergangenen ’ zwei r Universität “i;nt solche 1 wohl 5" ^omrisiich : UnivnsM nQ™ tnu zu zweite bieg. alwngZsach ^en müssen ^Kommission ^rch Vemittz Hörigkeit zu Immission zs mal roieber jok mehren |eit weger |te obbaW ?Btn in eam schwelende Lampe, welche int SchlaMmmeL Vvaunt^. entstanden wcrr Kunst und Wissenschaft. London, 12. „Sept. Noch dreijähr-iger AVWesenheit ist der Dampfer „Discoverh" ans dem antarktischen Meeve zurückgekehrt und gestern im Hafen von Portsnumch eingelanfen. Die Expedition hat großartige Erfolge sowohl in geologischer wie geographischer Hinsicht aufzuweisen. Das Schiff nahm Kurs nach dem Viktoria-Land und drang in bas große Eisgebiet ein, welches bis jetzt noch unentdeckt war, .und das den großen antarktischen Kontinent bildet. Die Forscher gelangten auf Schlitten bis zum Südpol (?). Der Fü^er der Expedition, Kapitän Scott, kam bis zum 82,17 Grad und schlug somit den Rekord um 384 Kilometer. Er teilt mit, daß er große gebirgige Gebiete entdeckt hat, welche sich bis 82,20 Grad südlicher Vreite erstrecken. Dies scheint darauf hinzuweisen, daß der Südpol in eine Reihe von Gebirgen ausl au st. Die Kosten der Expedition belaufen sich auf 125 000 Pfund. Während der Expedition,starb nur ein Mann. Zwei Hilfsdampfer waren nach dem Süden abgegangen, um der „Discoverv" Hilfe zu bringen. Ter König gab BefeU, eine goldene Medaille prägen zu lassen, die jedem Teilnehmer -ausgehändigt werden soll. Innsbruck, 12. Sept. In den Sektionssitzungen des .Juristentages wurden heute alle zur Beratung stehenden Fragen erledigt; das Ergebnis der Beratungen wird morgen dem 'Plenum. zur Kenntnisnahme vorgelegt. Der Juristentag hat, wie wir schon kurz meldeten, fast einstimmig eine Resolution angenommen, öw Vvil'le Koalitionsfreiheit für die Arbeiter verlangt. Gegen die Resolution sprach Rechtsanwalt Scharlach aus Hamburg. ,Ein Antrag Heymann-Hirsch, auch die Ausnutzung von Wohlfährtseinrichtungen zirr Terrorisierung der Wdeiter zu verbieten, fand keine Annahme. Wohl aber lorang ein Antrag durch, der.Rechtsfähigkeit,für Arbeiterorganisationen verlangt. Gegen Ausschreitungen der Kartelle soll hauptsächlich durch verwaltungspolitische „und iwtrtschaftsgesetzgeberische Maßnahmen, außerdem durch Schaffung von Pveiskommiffionen angekämpft werden. Bezüglich der K a r - Sellfrage ist es allerdings noch streitig, ob es nicht noch zu An er Debatte üm Plenum kommen dürfte. Unter den Rednern Des heutigen Tages, deren Ausführungen mit großem Beifall rufgenommen wurden, befanden sich Strohat, Enneccerus, Schneider, Kleinfaller, Cramer, Kraepelin, Kröhne, Puppe, Klein,, Lu- üchin und Grabmaher. Bon dem Ministerpräsidenten v. Körber i st dem Präsidenten des Juristentages, Geheimrat Brunner-Berlin, An Telegramm zugegangen, in welchem er den Beratungen die 5eften Erfolge wünstE. — Ueber das Befinden Gerhart Hauptmanns rneldet ein schlesisches Blatt, daß Hauptmann von der schweren Krankheit, die ihn im Winter im Süden befiel, noch nicht nieder völlig hergestellt ist. Ms er im Mai als Rekonvaleszent nach seinem Agnetendorfer Heim zurückkehrte, war noch eine nroße körperliche Schwäche zurückgeblieben; Hauptmann mußte n ärztlicher Behandlung bleiben, und es wurde ihm eine strenge Nachkur verordnet: jeder Bewegung mußte er fich enthalten, r nutzte das Bett hüten und durfte nur die kräftigste Kost zu sich nehmen. Trotzdem verlor er seinen Humor nicht, denn er druckte sich über die Behandlung, die er über sich ergehen lassen mußte, 'elb'st "recht gut gelaunt aus, indem er meinte, er befinde sich tzt „auf 5WC. Die ruhige Lebensart, zu der füh der Dichter - ?auenrte, hat denn auch erfreuliche Folgen gehabt: die Kräfte aben sich merklich gehoben, Hauptmann vernmg wieder im ' -arten des „Wiesenstein" zu promenieren, und von einer Gefahr ramt nicht mehr die Rede sein. Vermiete». • Trier, 12. Sept. In Gonzerathmosel äscherte ein $roffener 15 Gebäude ein. Ueber 70 Personen sind c bdachlos. * Gladbach, 11. Sept. Bei Kaldenkirchen wurde die 3^)jährige Frau eines Gärtners aus Viersen ermordet enfgefunden. ,Es handelt sich um einen Lustmord. • Hemelingen, 12. Sept. Die chemische Fabrik Dr. August Behrens u. Co.-Hemelingen, Inhaber Wilhelm Büsing in Bremen, hat den Konkurs angemeldet. Büsing soll Selbstmord begangen haben. "-Stettin, 10. Sept. In Zicher bei Köslin ist Grotz- feuer ausgebrochen. 15 Gebäude, viel Vieh und große Ernte- Vorräte find vernichtet worden. * Stettin, 12, Sept. In Schievelbein wurde aus-, nichtiger Ursache der Arbeiter Mittelstaedt, Vater einer großen Familie, von einem anderen Arbeiter erschlagen. Der Täter ist flüchtig. • Insterburg, 12. Sept. Der Oberlehrer Lang- b-agel in Georgenburg erschoß sich im Schulhaus. * Dettweiler, 12. Sept. (Amtlich.) Heute nach- niittag ist kurz an der Station Dettweiler von dem Schnellzuge 4 (Ostende—Basel) der am Schluß laufende dreiachsige Postwagen entgleist und umgesallen. Zwei vor dem Postwagen laufende vierachsige Wagen entgleisten mit je zwei Achsen. Ein Postbeamter und drei Reisende wurden leichtverletzt. Beide Hauptgeleise waren gesperrt. Der Personenverkehr wurde jedoch durch Umsteigen aufrechterhalten. Bis 6 Uhr abends war die Betriebsstörung beseitigt. • London, 12. Sept. Aus Vancouver wird berichtet, daß dort zum ersten Male in Kanada ein Eisenbahnzug von Räubern überfallen wurde. Die Räuber bedrohten den Zugführer mit dem Tode. Sie erbrachen die Postsäcke und entwendete 7 000 Dollar. * Lissabon, 12. Sept. Auf der hiesigen Rhede stießen gestern zwei englische Frachtdampser zusammen; einer derselben sank. Der 1. Offizier und sechs Mann der Besatzung sind ertrunken. * Salzburg, 12. Sept. Der Hausbesitzer Georg Reiter ans Großart ist vom Lichtensteinklamm 200 Meter tief a bgestürt. Er wurde tot aufgefunden. * Traut en au, 12. Sept. Das massive Pulverhaus an großen Steinbruch ist infolge einer Explosion des dort in Menge lagernden Zündstoffes in die Lust geflogen. Eine Person wurde hierbei getötet und zwei in der Nähe liegenden Hüuser arg verwüstet. Agram, 12. Sept. Einer Blättermeldung zufolge Murde der Gerichtsrat Cacic wegen Vergewaltigungsversuches einer Angeklagten seines Amtes eiiith ob en. * New-Pork, 12. Sept. New-Pork wurde durch eine neue Schandtat in Aufregung versetzt. Sechs Italiener ft^trümmerten mittels Bomben den Laden eines italienischen Mrbiers, weil der Besitzer die Erlegung von 500 Dollars iiaweigerte. Die Bomben verursachten einen Brand, der 200 Familien beinahe den Rettungsweg abschnitt. * Ausschreitungen gegen Juden in Rußland. 'm der russisch-polnischen Kreisstadt Kowno a. d. Memel 'Q nben Exzesse gegen Juden statt, die von Soldaten aus- hßcn, welche auf dem Markt mit jüdischen Obsthändlern in g-reit geraten waren. Die Soldaten rotteten sich zusammen, .^handelten die Inden und begannen die Hauser und Laben der Juden zu demolieren. Da sie den Offizieren den Gehorsam verweigerten, konnten sie erst mittels Feuerspritze vertrieben werden. In Sosnowiee kam es am jüdischen Neujahrs tage zu ernsten Judenkrawallen. Bei der Zeremonie des Taschlich bei einem nahen Wasser bewarfen Burschen die Juden mit Steinen; bei der Erwiderung wurde ein Kind leicht verletzt, was das Gerücht hervorrief, Juden hätten ein Kind getötet. Arbeitertrupps durchzogen abends die Straßen, zertrümmerten die Scheiben jüdischer Wohn- und Bethäuser und der Synagoge, sowie mehrerer Läden. Mehrere Juden, auch Frauen, wurden vom Pöbel durch Steine und Messer verletzt. Zehn Verhaftungen wurden vorgenommen. *'Selbstmörder. Das in Metz in Diensten stehende Kinderfräulein Martha Pester ist mitsamt ihrem Geliebten, einem gewissen August Rolfs, in einem Walde bei Mgringen erschossen cru f g e f u n de n worden. Beide stammen aus Düren. ,Es find Beweise dafür vorhanden, daß Rolfs sie intb dann süß selbst erschossen hat. Neueste Meldungen. Berlin, 13. Sept. Von unterrichteter Seite wird bestätigt, daß für die kommende parlamentarische Winter- Session eine Marinevorlage nicht zu erwarten ist' und daß sich die jetzigen Marinefordenmgen durchaus im Rahmen des Flottengesetzes halten werden. Erst für das Etatsjahr 1905/06 ist eine Marinevorlage geplant. — Zwei volle Kompagnien Eisenbahn truppen, bestehend aus 10 Offizieren, 40 Unteroffizieren und 400 Mann gehen am 28. September von Berlin nach Südwestafrika. Hauptmann von Seegmann-Eggebert und 2 Kompagniechefs der 4. Kompagnie des Eisenbahn-Regiments Nr. 3 werden als Chefs einer Kompagnie designiert. Für die andere Kompagnie-, hat sich aus der Eisenbahnbrigade noch kein Hauptmann- freiwillig gemeldet. Berlin, 13. Sept. Die Staatsanwaltschaft hat in Charlottenburg 800 Exemplare der Broschüre „Kaplan Anfangs- u. Schlußkurse. lich -50 000 -fein sollte. Telephonischer Kursbericht 102.00 ^/^"OSeterr. Silberrente 100.40- Dro^dOnor Bnnk . Berliner Heedetegee. -Anl. AXL % wittert* Artrerttittor 203.75 224.30 142.60 208.50 219.40 101.96 89.85- 10005 98.70 Nöfdd. Lloyd . . Kredit Aktion . . . Dibkonto-KommandiL-v Darmstädter Bank . Oteterr. Staatebahn Lombarden . . Gotthardbahn . . LawÄhiftto .. .» Boohern . . . .' 156 0. Tttrkon .' . Türkenlo« .... 4% 0riech. Monopol. ^ntcrcftcuk-M n»vUcn ixU- vevstrnmcn. Hibernia-Aktien der Dresdener Bank. Gelegent- der Verhandlung über den Arrestbeschluß in Bockium teilte . TT5.00 . 105.10 % 304-30 t 190.36 .142.50 . 154.20 . 161.00 . 137.40- . 18.70 . 18H50 100.10 104.80 62.20 61.30 . 204.10 . 224.75 . 142.60 . 208.75 . 28.1& . 90^0’! ReichÄänlelhe do. Konsole . do. . . HÖseen Oborhosstin T o'ckstkv, 12. Sept. (Reuter.) Ein Bericht vvü^deck'Mandschu- wei-Drmee beklagt den .Zu sd a n d d e r Nicht? v'm bn ttanteU 'in Sig der Stück 30—40 Pfg., per Zentner 0.00—0:00 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 8 bis 10 Mk., in Korben 00-00 Mg. Rüste 100 St. 00-00 Pfg. Urttar. Goldrente 40/0 Haben. Rente . Porfn^iortr . R©/ ■» Porhigieeen. . . 128.80 48,00’ .«.50 itigc l’oocvttcitvruug nicht ansfallen als sie im Durchschnitt veranschlagt war. Bewahrheitet sich dieses, so wäre, die Ernte ebenso groß, wie der glänzende Ertrag von 1898, wo Japan filr 10 Millionen Pen Rais exportierte. . Märkte. Gießen, 13. Sept. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Psd. 1.00—1.15 Mk., Hühnereier 1 St. 7—0Mg^ 2 Stck. 15—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Mg., Käse- vr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2Stck. 5—6 Mq. Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Die Haupt, und Schlichzichttug der 4. Hessisch rvürlugj- - - eiio am 20. Leptemder d. Js. Linseirpr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar0,80—0,90 Mk^ Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,60—1,20 M., Enten pr. Stück' tiari>ener . . .. . . . 250:50 207.00 3*8,44) Privat-Diskont 3 Prozent. Oest. Kredit . . . Deutsche Bank Darrnstädter Bank Bochumer Guß . Wlo -6°/o 8v;% W/a Harpener Bergbau . . 219.90 Tendenz: Schwächer. Geheimrat Müller von der Dresdener Bank mit, daß der Dresdener Bank 25 800 000 Mark Hibernia-Aktien eigentümlich gehören. In dieser Generalversammlung sei ein Kapital von 50 371400 Mark bei den Punten 3—5 der Tagesordnung vkertreten gewesen, was einer Beteiligung von rund 94 Prozent des gesamten Aktienkapitals entsprochen habe; die absolute Mehrheit dieses vertreten gewesenen Aktienkapitals betrage 25 185 700 Mark. Diese Mehrheit sei schon jetzt durch den Besitz der Dresdener Bank überschritten. Aus den angeführten Ziffern über den Aktienbesitz der Dresdener Bank ergibt sich, daß die Mehrheit der Generalversammlung, die die Kapitalserhöhung beschloß, eine reine Zufallsmehrheit gewesen sei, die nur dadurch zustande gekommen sei, daß Stücke der Dresdener Bank auf der Seite ihrer GeMer für die Erhöhung gestimmt hätten. Die Dresdener ^Bank stehe nach dem Resultat der Generalversammlung auf dem Standpunkt, daß die Verstaatlichung der Hibernia nur zu erreichen sei, infolge einer Verständigung mit den der Verwaltung nahestehenden Bankhäusern, die wohl stets über V4 des gesamten Kapitals verfügen würde und damit nach gesetzlicher Vorschrift in der Lage wären, die Verstaatlichung zu verhindern: dies hindere aber nicht die Berechtigung des Verlangens nach einer zweften Abstimmung über die Verstaatlichung, da die erste Abstimmung gemäß § 33 des Statuts nicht in Anwesenheft von 2/3 des gesamten Aktienkapitals erfolgt sei. Rheinisch-Westfälisches Kohlen syndikat. In der fimgst stattgehabten Beftatssitzung des Syndikats kam selbstverständlich auch die Verstaatlichungsfrage zur Sprache. Der Vorsitzende meinte, es wäre jetzt die geeignete Zeft, mit dem Fiskus, dem man früher einmal Sitz und Stimme im Syndikat angeboten hatte, der es aber damals äblehnte, deshalb wieder in Verhandlungen zu treten, da er nunmehr selbst darmsi Wert legt,^ feinen Beitritt zum Syndikat, sowie zum Abschluß eines diesbezüglichen Vertrags zu erteilen. Von der Frankfurter Ledermesse berichten wft kurz, daß der Besuch zwar ziemlich zahlreich ist, aber an die Freugenz früherer Jahre nicht mehr heranreicht. Die größten Gesckmfte wurden bereits in der Vorwoche gemacht. Die 'Zufuhren in die städtische Halle waren diesmal ganz unbedeutend und Rindsleder und sonstige Oberledersorten sanden bald Rehmer^ währerrd in Bodenleder fast garnichts gehandell wurde. Die Stinrmurrg blieb aber durchaus fest und es mußten für Oberleder ziemlich hohe Preise bewilligt werden, da Mangel an Ware vorhanden ist. Aktien der russischen Bank für auswärtigen Handel. Daß an eine baldige Beerrdigung das Krieges kaum zu denken ist, haben wÄ schon vor einiger Zeit gesagt. Rirssen-- werte bleiben fortgesetzt in guter Haltung und find von: Samstag bis Montag um 0,40 Prozent gestiegen, tirdt jetzt, da der Zar bestimmt seinen Willen kundgegeben haben soll, daß die russischen Rüstungen zu beschleunigen sind, ein Winterfelleng vorgesehen wird, hat die Petersburger Börse geradezu eine Hausse gewagt und sie hat damft Anllang gefimden. Namentlich bei den Llktien der Russischen Bank für auswärtigen Handel, die auch in' Berlin am Markt find, machte sich eine Steigerung bemerkbar' und sie sind auch in Berlin um rund 4 Proz. in die Höhe gegangen. .Daraus' ist wieder zu sehen, auf welcher Seite die Börse steht urrd welche Hoffnungen sie hegt. Reichs>bank. Am 8. Oktober wird an Stelle der jetzt bestehenden Reichsbanftrebenstelle in Remscheid eine ReichA- bankstelle daselbst errichtet, von welcher die Reichsbanknebenftellen Handel und Verkehr. Valkswirlschast. Berliner Börse vom 12. September 1904. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) scheu Staatdlotteri.- vcgt in Lerrnep, Ohligs- Solingen und Wermelskftchen abhängig sind. —- Am 17. Oktober wird in Angerburg (Ostpr.) eine von der Reichsbankstelle in Insterburg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtimg und beschränktem Giroverkehr eröffnet werdem Japans Reise-rncke. Guten Informationen zustlge dürfte die kommende japarrische $ erlernte 20 Prozent höher! . fehl des GeneralZ Linjetvitsch' in Ko r e iMte fwn toir* W Jrwr 50-74 P,g. Kartoffeln pr 100 ffflr. 7,00-8,00 Mk., Weißkraut per' der Sanner Wicncn fletotc upb deewwto« — - — ö---- " r - V. -----. : . - ■ ' .streu aber dafür verrmtwortuch. Es f6t bedanersim, daß auchl Richtkonibattanteu unter den Unbilden des Krieges -u leide« Dasbach und die Freundesliebe" konfisziert, nachdorm diese Schrift wochenlang durch den Buchhandel vertrieben; wurde. Die Beschlagnahme stützt sich angeblich daraus, daß Dasbach in der Broschüre beleidigt sei. Schwerin, 13. Sept. Heute früh fuhr der Kaiser: mittels Automobils ins Manövergelände; der Großherzog, folgte 2 Stunden später. München, 13. Sept. Die hiesige christlich-soziale Vereinigung hielt eine öffentliche Protest-Versammlung ab gegen die Einwanderung fremder: Juden in Bayern, die sie für die Folge verhindert oder doch einge» schränkt wissen will. Die Versammlung protestierte gegen das Verhalten der städtischen Verwaltung und gegen die magistratische Abweisung dieses Gesirches. Es wurde eine Resolution angenommen, in welcher der städtischen Verwaltung; und ihrer Finanzwirtschaft die schärfste Mißbilligung aus-' gesprochen und gelobt wird, alles aufzubieten, nm bei den nächsten Gemeindewahlen nur wahrhaft bürgerfreund- liche Kandidaten zu wählen. London, 13. Sept. Daily Telegraph berichtet, daß an Bord des Dampfers Andromeda eine Meuterei der Mannschaft ausgebrochen ist. Die Offiziere mußten von der Waffe- Gebrauch machen, wobei 2 Matrosen getötet wurden. Paris, 13. Sept. In der Angelegenheit der Prinzessin Luise von Koburg wftd berichtet, daß die Prinzessin dieWienerGeg en v o r s ch l 5 g e erhalten habe. Die Differenz- sei noch bedeutend. Man wird wohl zu einem Schiedsgericht' Zuflucht nehmen, das fich aus Vertrauensmännern beider; Teile zusammensetzt. Dieses Schiedsgericht wäre auch berufen,, der Prinzessin in Zukunft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Madrid, 12. Sept. In Verinna in Asturien explodierten beim Durchfahren eines Zuges mehrere Petarden. Etwas wefter wurde eine Bombe gefunden. Florenz, 13. Sept. Hauptm Zltrschiatzu kamen, stürzten sich in Liausang, als die Japcrnerj schon in vollem Vordringen waren- in wüste Vergnügungen. Am Morgen des großen japanischen Äeges wurden viele Soldaten und OfftKere an unwürdigen Stellen aus-' gefunden. Peters'b'urg, 13. Sept. Nach einer Depesche auA, Mnkden haben die Japaner J^esi^ai wiöedew- geräumt und konzentrieren sich b'ei Lianjanig, wo sie eifrig Befestigungen errichten. Dre Arbeiten werden Tag und' Nacht betrieben. Nach chinesischen Meldungen rüsten sich Die Japaner zum Wmterseldzug. Sie lassen sämkkche Winterklerdungen und Proviant nach Lianjang kommens Zwelschen 8.00-10.00 Mk. Marktzeit 7—1 Uhr. HlniVersttäts-Hlctchrichten. Der ordentliche Professor der Mineralogie und Petrographie^ urrd Direktor des rnineralogifch-petrographischen Instituts an der Marburger Universität, Geh. Regierungsrat, Dr. Bauer feiert am 13. Sept, den 70 Geburtstag. — Der außerordentkche Professor der inneren Medizin uub Assienstenzarzt von Geheimrat Erb an der medizinisclien Klinik der H e i d c l b e r g-er Universität,- Dr. Brauer ist uun außerordentlichen Professor und Direktor- der medizinischen Poliklinik an der Universität M a r b n r g ernannt' worden. Er tritt dort an Stelle von Prof. Dr. Rom b^e*rg„ der L. Kr e h l s Lehrstuhl in Tübingen übernommen hat. (Wkf$en-et laildwirtschastttcher Wetterdienst. BoranOfichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 14. September: Langsam aufheiternd, stellenweise Morgennebek, etwas kühler. ____________Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Familien Nachrichten. Gestorben. Irl. Paula Lorenz in Lauterbach. 051H4) 8-Zimmerwohnnng^ Ntan- sarde, zu verm. Ebelstrage 2. Neustadt 77 8-Zimmer-Wohnnng, Mansarde, per sofort zu venniclen. 16607 9kil). Kr. Krüger, Kl.-Linden, Gasthaus zur Teuhchen Eiche. Moltlestraße 24 6538 Mansardemvohnnng, 3 Zimmer mit Zubehör, per 1. Oktober zu verm. Näheres daselbst parterre. 7007] Brandplatz 14 Beletage, 8 schone Zimmer nut Erker, Log- giti und 2 Summern, event. auch Bad, sowie Bleichplay u. Lrocken- boden ist per Oktober zu verm. Näheres Frankmrteritraße 20. 3«3tniuicrwoyiiuiiQ Wasserleitung n. Zubehör, sofort zu vermieten, Sonnenstrage 3. 05158____L. 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Donnerstag den 15. d. M. JoU daS Obst von ca. 600 Äpsclbäumcn (feinstes Tasel- imd Keltervbst) meistbietend -öffentlich versteigert werden. Anfang vorm. 91/, Uhr an der Lhaufjee Reiskirchen—Winnerod, ca. 1 km vom Bahnhof Reiskirchen. 7256 Gutsverwaltung Winnerod. WnKeigeriiiig. Nächsten Mittwoch, den 14. September, mitt 1 Uhr, soll daS Cbft des Gräflichen PachrkonfortiumS, in der Gemarkung Arnsburg, öffentlich meistbietend versteigert werden. Anfang auf der Straße über Arnsburg. 7258 Muschenheim, 8. Sept. 1904. Der Vorstand: Elser. M»-ch-n14.Ä-t.l.Z. nach». 2 Uhr versteigere ich im Bickerfchen Saale Möbel aller Arten, 1 Piautno, Pvei geschnittene Eichenstamme, 2 Faß Wem, Regen- u. Sonnen- «knrme, 1 Schn ei d ernähm aschine, f^ahrräder, 1 Theke müMarmor- latie u. v. a. 7318 Geißler, Gerichtsvollzieher. Seinfte , Ea^llamarr- i laftllraubt* wieder emaetroffen al% »" Wltrn» 30 Df-. ce. L Vk3. 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