Nr. 136 Montag, 13. Juni 1904 154. Jahrg. Erscheint »glich mtt vuSnahn« M Sonntag». Die .Strtzener ZamMenblütter- werden betr ,9bt|d#u otemw wöchentlich deigelegt. Dc tenO> tr • erschein monatlich einmal Gießener Anzeiger 8MoftiNt6bnttf und vertag bet Ekrü-ffch« UntoctfhätSbmdeteL 8L Lange. Ließen. Redaktion. Exvedition ».Druckerei: GchrklNr.il. Tel. Str. 6L Tetegr^Ldr. i Änzeiger Ließe». General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Parlamentarische Berhanvinngeii. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 96. Sitzung vom 11. Juni. 1 Uhr. Tas Haus ist äußerst schwach besetzt. Am Bundesralstisch: Niemand. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Wahlprüfungen. Ohne Debatte für gültig erklärt werden die Wahlen der Abgg. Dr. Stockmann (Rp.), von Oldenburg (lonf.), von Maltzan (lonf.), Mentz (lonf.), Mommsen (freis. Vgg.) und Meyer-Jobst ffreif. Vp.). Bewetterhebungen sollen veranstaltet werden über bie Wahlen der Abgg. Boltz (nat.-lib.), K o r f a n t h (Pole) und Fuchs (Ztr.). Die Wahl des Abg. D i r k s e n (Np.) wird auf Antrag des Dbg. Geyer (Soz.) von der Tagesordnung abgesetzt. Die Kommission beantragt sodann, über die Wahl des Abg. Eickhoff (freis. Vp.) Beweiserhebungen zu veranstalten. Abg. Dr. Müllcr-Sagan (freis. Vp.) beantragt, diese Wahl noch einmal an ine Kommission zurückzuverweiscn, da in dem Bericht der Kommission grobe Verstöße gegen das Einmaleins vorgekommen seien. Die Zahl der Stimmen, die Eickhoff erhalten, sei viel arößer, als cs in dem Bericht wiedergegeben sei. Ferner habe die Kommission ein Prinzip aufgestellt, als ob man aus den Bewegungen der Beine die Stimmabgabe der Wähler erkennen könne. Die Wahlzellen in Mühlhausen hätten nur aus einem Aufsatz auf dem Tisch bestanden, soday man die Beine sehen konnte. Dies habe die Kommission gerügt. Augenscheinlich hätte in der Kommission der Geist Isadora Duncans geherrscht (Heiterkeit), vielleicht hätte sic auch an gewisse Vorgänge beim Trcimännerslat gedacht, bei dem man auch aus der Stellung der Beine zuweilen sehen könne, wie man spielen soll. (Heiterkeit.) Die Wahl wird hierauf an die Kommission zurück- d e r w r e s e n. Ferner werden noch für gültig erklärt die Wahlen der Abgg. Horn-Goslar (natl.) und Dr. Potthoff (freis. Vg.). Es folgen Petitionen. Die Kommission beantragt, Petitionen betr. Aenderung des Gesetzes über bic Schlachtvieh- und Fleischbeschau, soweir sic Erleichterung der Einfuhr der Därme und des Pökelfleisches verlangen, als Material zu überweisen, soweit sie sich aber auf die Au f h e b u n g des Gesetzes beziehen, durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen. Abg. Held (natl.) spricht sich für eine möglichst strenge Durchführung des Gesetzes, namentlich an der Grenze, aus. Die Hausschlachtungen brauchten nicht untersucht zu werden, der Bauer sorge schon selbst dafür, daß sein Gesinde nur gutes Fleisch bekäme. Der Satz: „Rindfleesch und Plummen sind en gutes Essen, man kriegt cs nur nicht", habe schon lange keine Geltung mehr. Begreifen könnte er nicht, wie die Kommission die Petitionen nach Erleichterung in der Einfuhr ausländischen Fleisches als Material habe überweisen können. Schon im Interesse der Konsumenten, nn Interesse der VolkSaesundbeit mülle man strenae die Bestimmunoen über die Ein- 1 fuhr ausländischen, nicht gut untersuchten und ost gesundheitsschädlichen Fleisches aufrecht erhalten. Die kleinen Bauern lebten fast nur von der Viehzucht, da dürfe man nicht die Konkurrenz des Auslandes noch erleichtern. Die deutschen Bauern könnten den Konsum selbst decken. Er bedauere, daß man keine Mindestzölle für das Vich eingesetzt habe, hohe Gctreidezölle wolle et nicht, denn drei Millionen kleiner Bauern könnten kein Getreide verkaufen. Abg. Strombcck (Zentr.) beantragt, die Petitionen, soweit sie sich auf Erleichterungen in der Einstihr von Därmen und Pökelfleisch beziehen, zur Erwägung zu überweisen. Geheimrat Bumm widerspricht diesem Anträge, es fei mit dem Gesetze unvereinbar, daß Därme ohne Untersuchung eingcführt würden. Abg. Fischer-Sachsen (Soz.) polemisiert gegen den Abg. Held. Die Agrarier wollten das Fleischgesetz nur dazu benutzen, um sich die ausländische Konkurrenz fern zu halten und die Preise zu erhöhen. Wenn das Gesetz wirklich der Volksgesundheit dienen sollte, müßten auch die Hausschlachtungen untersucht werden. Abg. o. Staudy (Ions.) beantragt, über sämtliche Petitionen zur Tagesordnung überzugchen. Abg. Erzberger (Ztr.) erklärt sich für den Antrag Staudy und polemisiert gegen den Abg. Fischer. Dieser habe sich so scharf gegen Herrn Held gewandt, aber Herr Held sei noch lange nicht so schutz- zöllnerisch wie der Sozialdemokrat Schippel. Abg. Dr. Müllcr-Sagan (freis. Vp.) meint, die scharfe Darmuntersuchung fei ja doch nur eine Komödie. Abg. Graf Driola (natl.): Der Abg. Held hat lediglich von seinem Wahlkreis gesprochen. Tort wohnen in der Tat nur Viehzüchter, die an hohen Getreidczöllcn kein Interesse haben. Aber zweifellos sind auch diese bereit, den anderen Landwirten den ihnen so notwendigen Schutz angedeihen zu lassen. Geheimrat Bumm bestreitet, daß die Darmuntersuchung nur eine Komödie sei. Im Gegenteil, sie sei höchst notwendig und eine Pflichterfüllung. Abg. Fischer-Sachsen (Soz.) konstatiert gegenüber dem Grafen Oriola, daß der Abg. Held ausdrücklich erklärt habe: „Wir wollen keine Getrcidezöllci" Abg. Erzbcrgcr (Zentr.) erklärt, er wolle dem ?lbg. Schippel keine Schwierigkeiten machen: Dieser habe schon von seinen eigenen Parteigenossen genug auszustehen. Uebrigens sei Herr Schippel direkt zu bewundern, das; er cs gewagt habe, Herrn Bebel in der Chemnitzer Volksstimme so deutliche Wahrheiten zu sagen I Auch sonst gebe es genügend viele Schutzzöllner unter Den Sozialdemokraten: Greulich in der Schweiz, Karpeles in Oesterreich und die stanzösischen Sozialdemokraten. Abg. Dr. Müllcr-Sagan (freis. Vp.) beantragt nunmehr, den Gegenstand von der Tagesordnung abznsetzen. Es kommt zur A b st i m m u n g. Von den wenigen Mgeord- neten. die auf den fast leeren Bänken zu erblicken sind, erheben sich einige für den Antrag Müller-Sagan. Jemand ruft: „Die große Mehrheit!" (Schallende Heiterkeit.) Der Gegenstand wird, nachdem er zwei Stunden lang behandelt ist, von der Tagesordnung a b g e s e tz t. Es folgen noch mehrere persönliche Bemerkungen. Eine Petition, betr. die Einführung des Befähigungsnachweises für da§ Handwerk, ferner eine andere betr. die Unterdrückung schlechter Literatur - und Kunst- erzeugnisse, wird auf Antrag Müller-Sagan von der Tagesordnung abgesctzt. Eine Petition, Betr. Beseitigung der fortgesetzten Verunreinigung des Main- to a f f e r 8 mit Fabrikwässern und Kanalschmutz wird dem Bundesrat zur Erwägung überwiesen. Eine Petition betr. Aenderung der Zivilprozeßordnung und der Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher wird, soweit man über sie nicht zur Tagesordnung übergeht, dem Reichskanzler als Material für etwelche gesehgeberisthe Aktionen überwiesen. Eine Petition, betr. Gewährung von Jnvalidenwohl- taten, wird dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen. Eine weitere Petition betrifft die Aenderung der G e b ü h r e stör d n u n g für Zeugen und Sachverständige. Sie wird der Regierung zur Erwägung überwiesen. Andere Petitionen betreffen Militär-PensionSan- sprüche und Gewährung der Kriegsteilnehmerbeihilfe. Das Haus geht nicht, wie die Kommission es woSte, über alle diese Petitionen zur Tagesordnung über, sondern beschließt auf Antrag des Abg. Dr. Arendt, die betr. Petitionen der Regierung als Material zu überweisen. Eine Petition, die die Bestrafung der Homosexuellen aufgehoben sehen will, wird auf einen Antrag auS Zentrumskreisen von der Tagesordnung ab gesetzt. Das HauS tritt nunmehr in die Beratung einer Petition ein, die den Erlaß eines Gesetzes über Heranziehung deS Reichsfiskus zu den Gemeindelasten verlangt. Abg. Dr. Pachnicke (freis. Vg.) tritt für baldige gesetzliche Regelung dieser Materie ein. Die Petition wird entsprechend dem Kommissionsvorschlag der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Petitionen betreffend Aenderungen des Genossenschaftsgesetzes — verlangt wird ein Verbot des Verkaufs von Speisen und Getränken seitens der Ostizierkasinos außer dem Hause an Nichtmitglieder des Offizierkorps — werden dem Reichskanzler als Material überwiesen, desgleichen Petitionen, die etne Aufhebung des § 361,6 des Strafgesetzbuches (Sittenpolizeiliche Kontrolle unb Bestrafung der gewerbsmäßigen Unzucht) verlangen, und Petitionen, die eine Aenderung des § 35 der Gewerbeordnung (Kurierfreiheit) fordern. Eine Petition, die ein Flußschutzgesetz verlangt, wird zur Erwägung überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr. Tagesordnung: Münzgesehnovclle, afrikanische Babnen, Ser- vistarif-Gesetz und Kaufmannsgertchte, sowie Resolution Gröber, betr. Einquartierungslasten. Schluß 4V<. Uhr. UolMsche Wochenschau. Tie Berti n c r P a v i- r: t h-b. u i :c Tätigkeit wieder begonnen. Ader nicht ans lange. Es handelt sich nur um ein vvrübergeherides Interregnum, nach befielt Beendigung sich beide Körperschaften vertagen werden, um erst im Spätherbst ihre Beratungen wieder auszunehmen. Im Reichstage nahm man die Vorlage über Bekämpfung der Reblaus, das Münzgesetz und das Gesetz über die Kaufmannsgerichte in Angrist. Und zwar wurde bereits die erste Vorlage in dritter Lesung, die beiden anderen Gesetze bisher in zweiter Lesung angenommen. Am Samstag kamen verschißene Petitionen zur Besprechung. Morgen, Tienstag, sollen außer dem Münzgesetz und dem Ser Vistarif auch noch die Vorlagen über die projektierten Bahn Vorlagen in Ostafrika und Togo erledigt werden. 'Eine hübsche Ueberraschung steht den Reichsboten noch bevor, wenn wie angekündigt wird, in den nächsten Tagen ihnen die Nachtragsforderung für Südwestafrika vorgelegt wird. Wie es heißt, soll es sich um die bescheidene Summe von nur 20 Millionen Mark haiüteln. Wenn sich diese Nachricht bewahrheitet, werden die Redner der Linken sicher die günstige Gelegenheit nicht vorübergchen lassen, um der Leitung unserer kolonialen Angelegenheiten einige bittere Wahrheiten zu sagen. Was der unselige Hereroaufstand dem deutschen Volke bis jetzt gekostet bat, ersieht man aus einem flüchtigen Blick auf die bisher beivilligten Nachtrags- und Ergäuzungsetals. Danach betrugen die Forderungen für die beiden ersteren 1 326 000 und 3 197 000 Mark, und für die beiden letzten 1496 000 und 3 710 000 Mark, zusammen also fast schon 10 Millionen Mark. Wesentlich günstiger als in kolonialpolitifcher Beziehung lauten dafür die Nachrichten von den in die Wege geleiteten handelspolitischen Verhandlungen. Der Handelsvertrag mit Belgien ist erst vor kurzem von den Bevollmächtigten unterzeichnet worden unb bezüglich des deutsch-russischen Vertrags wurde mitgeteilt, daß die beiderseitigen Negierungen mit dem Austausch von Erklärungen beschäftigt seien, durch die zur Wiederaufnahme der mündlichen Verhandlungen, sei es in Petersburg oder in Berlin, der Grund gelegt werden konnte. Das klingt ja nicht gerade so, als ob sich der Abschluß des Vertrages mit Etlzugs- geschwindigkeit vollziehen wird, es wird im Gegenteil wohl noch geraunte Zeit bis zu feiner enbgUtigen unter Dach- und Fach- bringung dauern. Die Meldung eines Berliner Blattes, daß die deutsch - ö st r e i ch i s ch e n Handelsvertragsverh-andlungen ins Stocken geraten sein sollen, wird sowohl in Berlin als in Wien dementiert. Im preußischen Abgeordnetenhaufe hat man >leichzeitig mit dem Gesetzentwurf über die Erschwerung des outraktbruches der ländlichen Arbeiter begonnen, über dessen definitives Schicksal man bei der reaktionär-klerikalen Majorität, die dort ausschlaggebend ist, nicht im Unklaren sein kann. Der von liberaler Seite dagegen erhobene Einspruch war daher auch von vornherein aussichtslos. Die Sozialdemokraten wollen nod) einmal versuchen, diese Vorlage im Reichstage zur Erörterung zu bringen. Sie haben eine entsprechende Interpellation bereits eingebracht. Die zur Erledigung der wajserwirtsd-aftlichen Vorlagen gebildete Kommission des Abgeordnetenhauses hat ihre Beratungen Über den H och mässe r- gesetzentwurf beendet und wird nach den jetzt getroneuen Dispositionen morgen, Dienstag, in die Generaldebatte über die eigentliche Kanalvorlage eintreten. Die erfte hessische Kammer trat am Freitag zu einer Sitzung zusammen. Ter Gesetzentwurf betr. die Abänderung des Pollzeistrasgesetzes resp. Aufhebung des Artikels 227, 1 betr. die Sonntagsruhe, Offen Haltung der Schaufenster an Sonn- und Festtagen, wurde auf Antrag des Ausschuß- berrchterftatters Grafm Swlberg-ßioßla in der Faffung der zweiten Kammer gegen fünf Stimmen angenommen. Von den Negierungsvertretern wurde betont, daß ein Zurückweichen der Heilig- Haltung des Sonntags dadurch nicht stattsinden werde. So wird denn das Sountagsdild der „toten Stadt" demnächst aus den hessischen Gauen verschwinden. Auch die Regierungsvorlage betr. den Entwurf eines Feld- und Forst st rafgesetzes, sowie des Verfahrens in Forst- und Feldrügesachen wurde nach den Beschlüssen der zweiten Kammer angenommen. Frhr. v. Hehl ersuchte die Regierung, beim Bundesrat für eine reichs- gesetzlichc Regelung der Gefäugnisarbeiten einzutreten. Die Mehrbeit des vierten Ausschusses der zweiten hessischen Kammer hat sich verwunderlicherweise gegen den Antrag Reinhart mtb Genossen ausgesprochen, welcher die hessische Regierung ersucht, im Bundesrat gegen die Einführung von Schiffahrtsabgaben einzntteten. Also auch die eigennützigen unb mißgünstigen Herren Agrarier Hessens wollen der deutschen Industrie ein Bein stellen und den Mafsengütertransport auf den deutschen Wasserstraßen durch "Abgaben möglichst unrentabel gestalten. Es ist selbstverständlich, daß die hessische Regierung diesen Diehrheitsbeschluß des Ausschusses lächelnd znrück- roeifen wird. In der französischen Deputtertenkammer ist eine seltsame Bestechungsaffäre aufgedeckt worden. Dß Ministerpräsident C o m b e s hat erklärt, daß ihm von einem Vertreter des Kartäuser-Ordens zwei Millionen Francs angeboten worden seien, für den Fall, daß ein für die Kartäuser günstiger Gesetzentwurf in der Kammer eingebracht und von derselben angenommen würde. Natürlich hat diese Erklärung großes Aufsehen hervorgerufen. In den Wandelgängen der Kammer wurden bereits mehrere Namen genannt, welche sich auf den betreffenden Vermittler beziehen. Einerseits wurde erzählt, es handle sich um den verstorbenen Vureauchef des Kabinetts Walbeck-Rousseau, Temagny, andererseits will man wissen, daß es sich um einen noch im Amte befindlichen Abgeordneten handle. Die Pariser Blätter drücken die Ansicht ans, daß die von der Kammer ernannte 33gliedrige Kommission bald Klarheit schaffen werde. — Die Bestrebungen, die in Frankreich unausgesetzt auf der Tagesordnung stehen und die dahin zielen, die m i l i t ä r i s ch e Dienstzeit herabzusetzen, scheinen in der Tat von Erfolg gekrönt werden zu sollen, da, wie bei der letzthin in der Deputiertenkammer verhandelten Einführung der einjährigen Dienstzeit, der Lkriegsminister Andre erklärte, er hatte ein Jahr zur Ausbildung der Mannschaften für durchaus hinreichend. Wird die Einführung der einjährigen Dienstzeit in Frankreich wirklich zum Gesetz erhoben, so wirb dadurch voraussichtlich eine Verschlechterung in der Qualität der französischen Armee zutage treten, eine Tatsache, die wir Deutsche nur begrüßen könnten. Auf dem ost asiatischen Kriegsschauplätze scheint sich gegenwärtig nichts Geringeres vorzubereiten als der Fall von Port Arthur. Chinefenmeldungen von der Vernichtung der dritten japanischen Armee in einer für die Russen überaus günstig ausgegangenen Seeschlacht bei Port Arthur haben sich als erdichtet erwiesen. Mit gleicher Vorsicht sind darum aber auch spätere Meldungen von aus Port Arthur entwichenen Chinesen aufzunehmen, daß dort Munition und Lebensrnittel knapp zu werden beginnen unb die Zuversicht auf eine plötzliche Aenderung der Dinge auch schon ziemlich geschwunden sei. Ob in den letzten Tagen wirllich um Port Arthur gekämpft worden ist, weiß man immer noch nickst mit voller Bestimmtheit. Nach neuerdings aus Mukden eingetroffenen Depeschen soll dort seit vier Tagen ein erbitterter Kampf wüten. Bis jetzt sei es den Japanern trotz großer Verluste noch nicht gelungen, Vorteile zu erlangen. Auch mehrere japanische Schiffe sollen von den Stranbbatierien in den Grund gebohrt worden sein. Aus japanischer Quelle wird gemeldet: Infolge Kurokis anhaltender Offensive, um Kuropatkin festzuhatten, stockt der Südmarsch des Generals Stackelberg vollständig. Die Wegnahme Siujans und die Besetzung der Straße nach Wafangou durch die bei Takujan gelandete Division macht einen Entsatz Port Arthurs unmöglich. — Briefe, die in Tschifu von Geschäftsleuten in Port Arthur eingetroffen sind, berichten, an die russischen Behörden fei das Ansuchen gestellt worden, dem norwegischen Dampfer „Sentis" zu gestatten, die fremden Nichtkombattanten ans Port Arthurwegzuführest. Es werde erwartet, daß die Behörden dem zuftimnien. DasI Gesuch wird als Zeichen dafür angesehen, daß die Hafeneinfahrt zum Teil noch offen ist, da die „©enttö" ein großes Schiff ist. — Viel Zeit dazu aber werden die kleinen Gelbgesichter, die inzwischen ihre Operationsbafts nach Dalny und Taliemoaw verlegt haben, schwerlich lassen, und wenn endlich nach harten Kämpfen und unerhörten Opfern Port Arthur fallen sollte, so wäre das nicht nur für die Weltstellung Rußlands ein nie yt' überwindender Schlag, sondern würde auch die Seemachtstellmre-j Japans für die Dauer des Krieges ein für allemal festiegen,! well durch die Einnahme der Festung auch das Schicksal der noch im Hafen befindlichen russischen Kriegsschiffe besiegelt wäre und die Japaner infolgedessen der signalisierten Ankunft der baltischen Flotte mit Ruhe entgegensetzen könnten. Jedenfalls muß schon die nächste Zeit eine Entscheidung in diese die ganze Wett in Atem haltenden Fragen bringen. JaUamcittarisches. Gießen, den 13. Juni 1904. Der Abg. Köhler hat aufs neue einen Antrag, betreffend das Braunkohlen-Bergwerk bei Münster imi Kreis Gießen der 2. Kammer vorgelegt. Er wünscht, daß int Sinne des § 64 des Berggesetzes vom 28. Januar 187(y gegen den Bergwerkseigentümer vorgegangen und daß das! Bergwerkseigentum der Braunkohlengrube für den Staat erworben werde. Die Abg. Dr. Schmitt, Molthan und Genossen richten an die Großh. Regierung die Anfrage: Ist es der Großh. Regierung bekannt, daß durch die Maßnahmen des K o h l e n k o n l o r s das Publikum schwer g e schädigt wird und die kleineren und mittleren Kohlenhändlerin ihrer Existenz gefährdet werden? Ist) Großh. Regierung in der Lage, gegenüber diesem Vorgehen deiü Bürgern und Steuerzahlern Schutz zu gewähren? Was gebenfb die Großh. Regierung gegenüber dem Vorgehen des KohlenkontorA zu tun? Die Abg. Molthan und Genossen beantragen: Die Kammer wolle Großh. Negierung ersuchen, die geeigneten Verhandlungen einzuleiten und Maßnahmen zu treffen, um die Selztalbahn von Stadecken nach Nieder-Olm weiterzuführen. Der Abg. Weidner fragt bei der Großh. Negierung an: 1. Hat dieselbe Kenntnis davon, daß die Ausführung der Hochbauten an der Bahnstrecke Stockheim-Heldenbergen immer noch nicht zur Vergebung ausgeschrieben und damit eine sehr unliebsame Verzögerung der Inbetriebsetzung besagter Strecke zu befürchten ist? 2. Gedenkt die Großh. Negierung Schritte zu tun, welche geeignet sind, die. möglichst rasche Vergebung der Ausführung der Hochbauten an der in Rede stehenden Bahnstrecke in die Wege zu leiten? Die Abg. Weidner, Schmalbach und Köhler beantragen, die Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, demnächst dem gegenwärtigen Landtag eine Vorlage zu unterbreiten, welche eine Revision der allgemeinen Bauordnung bezwecke. ♦ * München, 11. Juni. Im Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer regte der Zentrumsabg. Obcrlandesgcrichtsrat Lcrno beim Etat der „Walhalla" an, es sollten die Büsten Tillys und Rückerts in die Walhalla ausgenommen werden. Der liberale Korreferent Bürgermeister Dr. Cassel- manu erklärte sich mit der Aufnahme Rückerts, ebenso mit der vom Landwirtschaftsrat angeregten Aufnahme des Chemikers Liebig einverstanden, erklärte aber die Aufnahme Tillys nicht als dringlich. Darüber kam es zu einer polemischen Auseinandersetzung, in welcher der Zentrumsabg. Dr. Pichler den Ton des Abg. Dr. Casselmann kritisierte, was sich letzterer verbat. Der Kultusminister erklärte, er werde die Anregungen prüfen. — Der Wirtschaftsausschuß der Abgeordnetenkammer hat die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion über den Arbeiterausschuß in den gewerblichen Staatsbetrieben abgelehnt und den klerikalen Antrag angenommen, die Staatsregierung möge die Dauer der Arbeitszeit und die Löhne prüfen und, wenn nötig, Besserungen herbeiführen. Aer Ausstand in Aeutsch-SüdwestasriLa. Mit bedächtiger Langsamkeit, aber unter Wahrung aller nur denkbaren Sicherheitsmaßnahmen läßt Oberst Leutwein seine Hauptabteilung nach Norden vorgehen. Wie bei der Stärke dieses Detachements nicht anders zu erwarten war, wird es nicht als einheitlicher Truppenkörper im ganzen vorgetrieben, sondern kompagnieweise nach und nach in Marsch gesetzt. Eine Vorbedingung für das Gelingen des jetzigen Vorstoßes, die Bereinigung der Nordabteilung mit der Besatzung in Grootfontein, ist schon jetzt erfüllt, was für den Fortgang der Operationen hoffenllich von guter Vorbedeutung ist. Die vorgesandte Witboi-Abteilung klärt die Linie Osire— Okahitua auf, erkundet für die vorgehende Hauptabteilung die geeigneten Wasserstellen und nimmt die Verbindung mit oem Detachement Estorfs auf. Die Kompagnie Brentano wurde am 10. d. M. nach Okatumba vorgeschickt, von wo am Morgen die Kompagnie Puder nach Otjikuoko vorrückte, um die Weiterlegung des Feldtelegraphen zu decken und Wasserstellen für die Hauptabteilung herzurichten. Oberst Leut wein wollte am 11. d. M. bereits mti dieser nach Okatumba abmarschieren. Er meldet: Die Nordabteilung v. Zuelow erreichte am 29. Mai Otawi und klärt auf Otjenga auf. Coblenzist von Volkmann wegen Wassermangels und Krankheit aufgegcben. Omurambo und Am ata to werden durch Spione beobachtet. Häuptling Nechale soll den Posten Namutoui zerstört und den Herero viel Munition verkauft haben. Die 9. Kompagnie ist noch unberitten in Okahandja. Sie soll den Verpflegungsnachschub decken. Die Nordabteilung unter Oberleutnant v. Zülow besteht aus der 8. Kompagnie (Fahr. v. Reibnitz), der Halbbatterie des Oberleutnants v. Madai und zwei Maschinengewehren unter Oberleutnant zur See Wossidlo. Sie war etwa Mitte Mai von Karibik aufgebrochen und am 23. in Outje eingetroffen. Ein größerer Transport von im Kampfe gegen die Hereros verwundeter deutscher Soldaten ist am 4. Juni von Swakopmund nach Hamburg abgegangen. ♦ Kurz nach der Ernennung des Generalleutnants von Trotha zum Generalissimus gegen die Hereros stand im ,^Lokalanz." eine gar seltsame Kabelmeldung aus Südwestafrika. Danach habe Gouverneur Leutwein erklärt, daß er sein Amt niederlegen werde, wenn Trotha ein- tresse, und daß man dann einen Aufstand aller Schwarzen fürchte. Der vorwärts" warf die Frage auf: Wie kommt das Telegramm in den „Lokal-Anzeiger"? Er behauptete, das könne nur mit Wissen und Wunsch des Auswärtigen Anrts geschehen sein. Die „Nordd. Allg. Ztg." brachte sofort ein Dementi. In der Wilhelmstraße habe man von dem Telegramm erst aus dem „Lokal-Anzeiger" erfahren. Darauf schrieb nun Harden in seiner neuesten „Z u - ku n f t", daß jenes „Dementi" der „Nordd. Allg. Ztg." „mindestens objektiv unwahr gewesen sei. „Denn der Bericht war vorher in der Wilhelmstraße gelesen worden; Herr Dannhauer hat in Windhuk sogar gesagt, er habe dafür gesorgt, daß seine Depesche zuerst „im Am?" gelesen werde. Und sie wurde nicht etwa von einem Geheimrat gelesen, sondern vom Kanzler selbst, bevor sie gedruckt wurde. Von dem Kanzler, der 24 Stunden vorher im Reichstag Trothas Ernennung für nötig erklärt hatte und nun die Veröffentlichung eines Berichtes erlaubte, dessen Zweck nur sein konnte, Trothas Entsendung zu hindern; eines Berichtes, der die Ausführung des vom Kaiser gefaßten Entschlusses „eine eminente Gefahr für ganz Deütsch--Südwestafrika" nannte. Daß öfsiziöse Angaben manchmal falsch sind, falsch sein müssen, ist nur den Naivsten neu; kluge Leute sorgen aber dafür, daß die Unwahrheit ihrer Angaben nicht öffentlich festgestellt werden kann. Und aus die politischen Zustände, in denen wir leben, füllt ein unfreundliches grelles Licht, wenn wir, nach der schroffen Ableugnung, erfahren, daß der Reichskanzler sich einer Zeitung — der einzigen, die, wie uns erzählt ward, der Kaiser täglich, nicht nur in zugerichteter Form, sondern in ihrer urwüchsigen Schönheit sieht — bedient, um einen kaiserlichen Entschluß, den er im Kronrat nicht zu hindern vermochte, durch das Telegramm eines Berichterstatters zu bekämpfen, den er öffentlich noch am selben Tage barsch für falsch unterrichtet erklären läßt." Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt dazu: In der Presse taucht abermals die Behauptung auf, daß die Depesche des Zeitungsberichterstatters Dannhauer, in der aus Windhuk unterm 8. Mai der angebliche Entschluß Leutweins, nach Deutschland zu rück zu kehren , als Folge der Entsendung Trothas gemeldet wird, nicht ohne vorherige Kenntnis des Reichskanzlers veröffentlicht wurde. Sie sei vorher in der Wilhelmstraße gelesen worden, nicht etwa von einem Geheimrat, sondern vom Reichskanzler selbst, ehe sie gedruckt worden sei. Wir stellen nochmals fest, daß der Reichskanzler von jener Depesche und ihrem Inhalte vor ihrer Veröffentlichung keinerlei Kenntnis gehabt hat. ♦ Berlin, 11. Juni. Eine aus Deutsch-Südwestafrika eingetroffene Abordnung von fünf deutschen Farmern hatte zu heute abend eine Anzahl Parlamentarier und Vertreter der Presse eingeladen, um denselben Aufklärungen über die Lage zu geben. Sie erklären, daß die Schuld an den Auf ständen nicht die Händler treffe, sondern die Regierung. Den Gesamtschaden durch den Aufstand beziffern die Ansiedler auf 6 bis 7Millionen. Etwa 10 0 An w e s e n seien t o t a l vernichtet. Der Charakter des ganzen Aufstandes sei nicht persönlichen, sondern nationalen Hasses. Man habe sehr beliebte Farmer ermordet, nur weil sie Deutsche gewesen, und sehr verhaßte geschont, die Buren und Engländer seien. Die Herero seien meist besser bewaffnet als die deutschen Ansiedler. Die Waffen seien ihnen von der Grenze der portugiesischen Kolonie her zugegangen. Kolonialpost. Berlin, 10. Juni. Rach zuverlässiger Mitteilung ist die Sendung des „Bussard" nach Deutsch-Ostafrika eine längst angcordnete Dislokation und nicht auf Unruhen zurückzuführen. Honolulu, 10. Juni. Der deutsche Dampfer „Prinz Sigismund" meldet, daß 500 Eingeborene in Kanoes die Käffeepflanzung von Waklen auf der DufourJnsel überfielen, den Leiter der Plantage, namens Reimers, töteten, die Gebäude niederbrannten und dann weiterzogen, um andere Inseln zu plündern. Die Mehrzahl der Teilnehmer an dem Raubzug kam jedoch durch den Untergang der Kanoes in einem Sturm ums Leben. Atts Atuöl und Land. Gießen, den 13. Juni 1904. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben der Gemeindehebamme Anna Marie Schütz, geb. Möller zu Götzen, im Kreise Schotten, die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens mit der Inschrift „Für fünfzigjährige treue Dienste" verliehen. ** Professor Robert Koch, der berühmte Bakteriologe, weilt z. Zt. in Bad Ems. Er verweilte auf der Rückreise von Südafrika, wo er über Jahr und Tag Studien zur Bekämpfung der Rindertuberkulose getrieben hat, einige Zeit in Rom, uin einen unvermittelten Uebergang nach dem heimatlichen Norden zu vermeiden. Der Forscher hat die Nachwirkungen einer Erkältung vollkommen überstanden und wird Ende dieser Woche — nach anderthalbjährigem Fernsein — an seine alte Wirkungsstätte Berlin zurückkehren. Sein Weg wird ihn über Höchst, Frankfurt a. M. und unser Gießen, wo er vielleicht einige Tage zum Besuche befreundeter Kollegen zubringen wird, nach der Reichshauptstadt führen. Ein besonderes Mißgeschick traf den Gelehrten übrigens dadurch, daß das Schiff, auf dem er Neapel verlassen hatte, bei der Weiterfahrt strandete und das Gepäck des Forschers durch das Seewasser litt. Hoffentlich sind die wertvollen wissenschaftlichen Sammlungen, die Geheimrat Koch als Ausbelite seiner großen Forschungsreise mitgebracht hat, vor dem Verderben gerettet worden. ** Bismarckfeier in Darmstadt. Die Darmstädter Studentenschaft wird am 21. Juni den Grundstein zu ihrer Bismarcksäule legen. Durch Sammlungen unter den Studierenden und Hospitanten der Technischen Hochschule zu Darmstadt, sowie durch die Reinerträgniffe mehrerer Bismarckfeste, ist der Fond so weit gewachsen, daß an den Bau der Säule gedacht werden kann. Diese wird sich auf dem Dommersberg, einem steil abfallenden Hügel südlich von Darmstadt erheben; der Platz ist von Haltestelle Böllenfalltor der elektrischen Bahn in etwa 8 Minuten bequem zu erreichen. Nach Errichtung der Säule wird sich dem Besucher ein prachtvoller Blick über den Odenwald und die Rheinebene bis zum Dommersberg und Feldberg im Taunus bieten. Es kamen nach dem Abbrennen des Probefeuers auf einem Holzturme von vielen Orten aus der Gegend von Frankfurt, dem Odenwald und von jenseits des Rheins Nachrichten, das Feuer sei deutlich gesehen worden. Die Studentenschaft wird die Grundsteinlegung mit einer Reihe von Festlichkeiten verbinden. Am Vorabend des Sonnenwendtages, am Montag, den 20. Juni, findet ein Fackelzug nebst einem sich anschließenden Kommers der gesamten Studentenschaft statt unter der Leitung des Vorsitzenden des Bismarckausschusses, cand. ing. Steinbrecher (Verein Deutscher Stlldenten). Am 21. Juni vormittags veranstalten die Chargierten sämtlicher Korporationen eine festliche Auffahrt durch die Straßen der Stadt, um sich dann zum Dommersberg zu begeben, wo um ll/*2 Uhr die feierliche Grundsteinlegung stattsindet. Infolge des beschränkten Platzes kann die Feier nur in einem engen Rahmen stattfinden. Mittags um 4 Uhr beginnt dann das große Waldfest am Oberwaldhaus. Dort wird der Besucher einen großen Jahrmarkt vorfinden, deffen Buden von den einzelnen Korporationen errichtet sind. Karussells, Schießbuden, Hippodrom, Gondelfahrten auf dem Steinbrücker Teich, Bier-, Wein- und Sektbuden, Schwarzwaldhaus und Sennhütte, Zigeunerlager, Tanzzelte, kurz alles ist da, was zu einem richtigen Jahrmarkt gehört. Da auf große Beteiligung gerechnet wird, sind die Eintrittspreise zu den Buden auf das geringste beschränkt. Das Fest wiederholt sich am Mittwoch, den 22. Juni; hoffentlich gestaltet es sich zu einem Fest der gesamten Bevölkerung. ** Ein Schinken wettbewerb. Ein Preiswettbewerb um die Herstellung bester deutscher Schinken wird von der „Allg. Fleischer-Ztg." in Berlin für die deutschen Schweine- mäster, Fleischerineister und Fleischwarenfabrikanten, veranstaltet. Landwirtschaftsminister v. Podbielski hat die Be- timmungen über die Ausführung des Schinkenwettbewerbs genehmigt und je vier silberne und bronzene Staats- Medaillen als Preise gestiftet. Nach der Entscheidung werden die Schinken in einer im „Hotel Kaiserhof" zu Berlin zu erichtenden Kosthalle für das Publikum ausgeschnitten, das dadurch Gelegenheit erhallen soll, selbst die Schinken zu prüfen und auf ihren Wert zu vergleichen. Bad-Nauheim, 12. Juni. Folgende Unterhaltungen finden in dieser Woche statt: Dienstag den 14. Juni, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends gegen 10 Uhr Feuerwerk auf der Terraffe und Parkbeleuchtung. Mittwoch den 15. Juni, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Madame Bonivard." Donnerstag nachmittag auf der Terraffe Konzert der Kapelle des Dragoner-Regiments Nr. 21 aus Bruchsal. Abends Konzert der Kurkapelle oder der Kapelle des Trag.-Regiments Nr. 21. Bei gutem Wetter von 7f/x bis 10 Ühr Konzert der Kapelle des Drag.-Regts. Nr. 21 auf der Teichinsel. Von 8 Uhr abends ab Lampionsbeleuchtung der Teichhausterraffe. Abends von 8—10 Uhr im Kurhaussaale Tanz. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Der Zigeuncrbaron." Samstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Komtesse Guckerl." Sonntag den 19. Juni: Konzert der italienischen „Banda Municipale di Pratola Preligna". Abends von 8—9*/, Uhr im Saale Symphonie konzert der Kurkapelle. § Betzenrod bei Schotten, 11. Juni. Der 12jährige Hütebube namens Göttert warf auf der Weide mit einem sogen. „Weidkn üpp el" nach dem Vieh und traf unglücklicherweise einen anderen Knaben am Kopfe derart, daß der Getroffene tot zu Boden stürzte. Als Leiche brachte man den hoffnungsvollen Sohn einer geachteten Familie nach Hause. Zu wünschen wäre, daß derartige Knüppel beim Viehhüten im Vogelsberge, durch die die Tiere sehr zu leiden haben, polizeilich verboten würden. G-. Nieder-Mockstadt, 10. Juni. Vor einigen Tagen kam es in dec Wirtschaft von G. Culmann zu einer Schlägerei. Hierbei wurden der Bürgermeister Kaufmann sowie der Nachtwächter, die zur Schlichtung einschritten, mit dicken Prügeln erheblich verletzt. Die Täter, zwei Brüder Otto und Karl Meub, wurden verhaftet. [ J Homberg a. Ohm, 12. Juni. Ein älterer Mann namens Greb aus Höingen geriet bei Nieder-Ofleiden in die Ohm und ertrank. Gestern wurde die Leiche des Mannes, der den Weg zum Bahnhof verfehlt und in die Ohmwiesen geraten war, gefunden. Waschen und Baden große Erfrischung, aber zu wahrem Genuß wird dies erst ) den gleichzeitigen Gebrauch der seit vielen Jahren beivah Milde und Feinheit unerreichten und für die ' Schönheitspflege unentbehrlichen Vl’i’hOlilboCnt** Myrrholin-Glyeerin Tube 50Pig., 1 ? 1 beiDlitirt bester Hautcreme, nicht fettend: Myrrholm-Puder -l. 1 bei Schwetßbildung. Hauptversammlung des Zrereinsvezirks Kietzen des Kveryesstschen Kbstöauvereins. Gießen, 13. Juni. Am Samstag nachmittag 3 Uhr fand die Versammlung im hiesigen Lenz'schen Felsenkeller statt. Das Kceisamt war vertreten durch Kreisamtmann Hechler. Professor Reiche l t - Friedberg begrüßte die Versammelten und widmete dem früheren Bezirksvorsitzenden, Regierungsrat Dr. Heinrichs, der nach Mainz versetzt wurde, einen warmen Nachruf. Er hob dessen Verdienste um die Hebung des Obstbaues im Kreise Gießen und seine Mitwirkung an den Vestrebungen des Oberhessischen Obstbauvereins hervor. Gleichzeitig forderte, er Ine Versammlung auf, nunmehr den Kreisamtmann Hechler zum Bezirksvorsitzennden zu wählen. Dies geschah denn auch durch Akklamation. Der Gewählte dankte für das Vertrauen und versprach, nach besten Kräften für Gedeihen und die Weiterentwicklung des Obstbaues im Kreise Gießen einzutreten. Die Bürgermeister der Gemeinden forderte er zu tatkräftiger Unterstützung auf und weist besonders auf die Stadt Lich hin, die nach fachkundigem Urteil im Obstbau mustergiltiges geleistet habe. Wünsche um Vorträge über Obstbau sollen jederzeit berücksichtigt werden. Professor Reich elt ergriff hierauf das Wort zu dem Vortrage: „Die Bekämpfung der Obstbaumschädlinge". Die Feinde des Obstbaues sind in erster Linie die schädlichen Insekten, Frosmachtspanner, gebuchteter Prachtkäfer, der Apfelblütstecher, Apfelwickler, die Blutläuse, Blattläuse, Schildläufe, ferner die Misteln und die Wühl- oder Schärrmäuse. Ern großer Schädling der jungen Birnbäume ist der gebuchtete Prachtkäfer, dessen Larve — ähnlich der des Weidenbohrers — unter der Rinde ihre gewundenen Gänge gräbt. Das Vertilgen der Blutläuse mulß energischer betrieben werden, ebenso das der Mistel. Gegen die Wühlmäuse, die besonders in der Gegend von Langsdorf austreten, schützt am besten eine fleißige Bodenbearbeitung. Auch empfiehlt es sich, auf das Fangen der Wühlmäuse eine Geldprämie zu setzen, dagegen den Maulwurf mehr zu fchonen, da er ein großer Feind der Wühlmaus ist. Am besten schützt man sich gegen die schädlichen Insekten durch das Anlegen von Kleb- und Fanggürteln, durch das Abkratzen und Kalken der Stämme und in erster Linie durch den Schutz unserer Vögel. Sperlinge, Stare, Amseln, leben den größten Teil des Jahres von Insekten, und zwar besonders im Frühling. Sehr nützliche Insektenfresser sind ferner die Meisen, Rotschwänzchen, Fliegenschnäpper, Schwalben u. a. Den Vögeln sollte der größte Schutz gewährt und ihnen — besonders den zuletzt genannten — günstige Nistgelegenheiten geboten werden durch Aushängen von Nistkästen. Die besten find die Berlepp- schen Nistkästen. Vom Oberhessischen Obstbauverein sollen in Zukunft auch solche Mstkästen bei Versammlungen zur Verlosung kommen. Der Vorsitzende dankte dem Referenten für seinen überaus lehrreichen Vortrag. Bei der nun folgenden Besprechung wurde allerseits das massenhafte Vorkommen der Blatt- und Schildläuse in diesem Frühjahr konstatiert. Man bringt dies mit dem gelinden Frühlingswetter und den warmen Nachtregen in Verbindung, die der Entwicklung dieses Ungeziefers sehr förderlich waren. Professor Reichelt referierte dann über „Die Obst- ausstellungen des Oberhessischen Obstbau- vereins im Jahre 1904." Er spricht zuerst über den Zweck der Ausstellungen, die einerseits einen erzieherischen, vorbildlichen Wert haben sollen, dann aber auch das oberhessische Obst auf dem Markt empfehlen sollen. Die seitherigen Ausstellungen hatten die besten Erfolge, Lberhesien hat bei allen Ausstellungen gut abgeschnitten, und sein Obst wird im In- und Auslände gern gekauft. Tie Obst- verwertungsstelle in Friedberg ist alljährlich kaum zur Hälfte im stände, allen Nachfragen zu genügen. Ter Vortragende forderte deshalb zu allgemeiner Beschickung de^ diesjährigen Ausstellungen auf. Etwa am 27. September ist eine Ausstellung in Friedberg, welche gleichsam euu Vormusterung zu der großen internationalen Obstausste - ung in Düsseldorf ist, die vom 8. bis 16. Oktober sta findet. Nachdem der Vorsitzende ebenfalls zur Betelttgu g an den Ausstellungen ausgeforderr halte, schloß er die ammlung. Geschäfts Eröffnung. Einem geehrten Publikum von wreseck und Umgegend zur Nachricht, daß ich am hiesigen Platze (Schulstrahe) eine E3a*ot- und FeäB&feäcBserei eröffnet habc-. ZHit der Bitte um geneigten Zuspruch empfehle ich mein neues Unternehmen. hochachtungsvoll Guftnv Weller, Wreseek Schrilstrahe 8. Frankfurter Hypothekenbank ^fandöriefvert'osung am 8. Juni 1904. Bei der am 8. Juni 1904 vor Notar stattgehabten Verlosung sind von unseren 3 V- % Pfandbriefen der Serien 12, 13 und 19 die folgenden Nummern zur Rückzahlung auf den 1. Oktober 1904, mit welchem Tage die Verzinsung endigt, gekündigt worden. Es beziehen sich diese Nummern auf sämtliche Literae, also auf alle Stücke, welche eine der Nummern tragen. No. 221, 376, 407, 477, 632, 824, 836, 904, 1009, 1111, 1189, 1288, 1475, 1541, 1856, 1860, 1943, 1983, 2008, 2106, 2199, 2473, 2476, 2625, 2666, 2677, 2805, 2876, 2952, 2979, 3133, 3173, 3355, 3527, 3571, 3596, 3744, 3931, 4021, 4057, 4418, 4457, 4477, 4590, 4674, 5248, 5301, 5532, 5701, 5902, 6640, 6654, 6914, 6968, 7040, 7147, 7271, 7337, 7618, 7767, 7792, 8003, 8197, 8446, 8466, 8654, 8932, 8935, 8937, 9123, 9184, 9205, 9356, 9384, 9428, 9582, 9680, 9766, 9932, 9968, 10014, 10016, 10086, 10102, 10522, 10552, 10684, 10686, 10714, 10921, 11608, 11622, 11751, 12326, 12379, 12442, 12897, 12906, 13127, 13329, 13666, 13679, 13846, 13965, 14056, 14256, 14360, 14406, 14880, 14969, 15136, 16028, 16038, 16141, 16583, 16639, 16711, 16730, 16757, 16778, 16810, 16828, 16832, 16979, 17023, 17301, 17482, 17501, 17519, 17528, 17556, 17895, 17931, 17977, 17996, 18001, 18027, 18074, 18225, 18309, 18390, 18572, 18702, 18738, 19129, 19152, 19163, 19267, 19342, 19434, 19435, 19526, 19547, 20240, 20265, 20364, 20423, 20430, 20509, 20535, 20539, 20584, 20640, 20759, 20955, 21202, 21215, 21579, 21719, 21835, 21850, 21939, 22286, 22420, 22540, 22550, 22562, 22710, 22799, 22800, 22816, 22852, 23239, 23291, 23352, 23648, 23738, 23756, 24034, 24085, 24110, 24308, 24439, 24538, 24614, 24644, 24802, 24911, 25179, 25246, 25318, 25398, 25468, 25506, 25522, 25553, 25784, 25827, 26083, 26122, 26202, 26231, 26476, 26552, 26553, 26630, 26944, 27036, 27038, 27080, 27457, 27798, 27945, 28050, 28245, 28294, 28405, 28568, 28576, 28691, 28837, 28899, 28904, 28954, 29061, 29066, 29428, 29705, 30364, 30438, 30477, 30585, 30605, 30854, 30900, 30926, 30935, 30960, 30995, 60168, 60238, 20465, 60653, 60675, 60683, 60841, 60908, 61025, 61982, 62216, 62534, 62559, 62617, 62709, 62848, 62886, 62923, 63311, 63415, 63656, 63657, 63757, 63766, 63876, 64303, 64351, 64645, 64654, 64716, 65080, 65177, 65237, 65528, 65633, 65722, 65752, 65867, 65987, 66052, 66056, 66101, 66104, 66127, 66579, 66585, 66614, 66725, 66767, 67132, 67161, 67278, 67335, 68124, 68323, 68552, 68604, 68742, 68869, 68871, 69094, 69313, 69903, 69915, 70154, 70450, 70688, 70726, 70894, 71081, 71590, 71779, 71951, 72021, 72111, 72271, 73056, 73123, 73171, 73517, 73527, 73537, 73598, 73678, 73783, 73856, 73999, 74165, 74405, 74847, 75597, 76023, 76265, 77394, 77802, 100375, 102314, 140133, 141921, 77850, 78041, 78337, 78406, 78702, 78998, 79421, 101828, 102860, 141406, 142576, 100029, 101854, 102982, 141868, 142618, 100296, 101951, 140020, 141916, 142723, 100517, 102388, 140265, 141939, 101187, 102497, 140612, 142073, 101399, 102522, 140826, 142292, 101532, 102598, 140981, 142411, 101779, 102630, 141132, 142526, 142831, 142904, 142905, 142915, 142918, 142991, 143052, 143169, 143285, 143334, 145258, 143363, 145298. 143572, 143607, 143844, 144103, 144125, 144312, 144956, Die Rückzahlung dieser heute gekündigten Pfandbriefe erfolgt vom 1. Oktober 1904 ab. Auf solche Stücke, welche erst nach dem 31. Oktober 1904 zur Einlösung gelangen, wird für die Zeit vom 1. Oktober 1904 ab bis auf weheres ein 2%iger Depositalzins vergütet. Aus früheren Verlosungen sind noch rückständig: Ser. 12, Lit. N. No. 9238. 18635. „ „ , P. „ 7053, 13304, 16227, 16237. , , „ R. , 9740, 10468, 16918. „ „ , Q. „ 9979, 12320, 16214. Ser. 13, Lit. N. No. 21049, 23123. „ „ „ 0. , 23179, 24278, 25437, 25923, 27373, 66673, 70909, 100380. „ „ „ P. , 20218, 24188, 64458, 67744, 102135. , „ v R. „ 20504, 23558, 26826, 26865, 27373, 78086. „ „ „ Q. „ 20218, 21282, 22858, 26565, 26865, 65324, 72200. Ser. 19, Lit. P. No. 141152. Die Einlösung erfolgt in Frankfurt a. M. an unserer Kasse, auswärts bei unseren Coupons-Einlösungsstellen, insbesondere: in Darmstadt bei der Bank für Handel und Industrie, „ Greben , Herrn A. Heichelheim, „ Mainz v Herren Schmitz, Heidelberger & Co. Ebendaselbst wird auf Wunsch der Umtausch der verlosten Stücke gegen neue 3V2%i9c Pfandbriefe der Serie 19, neue 4%ige Pfandbriefe der Serien 17 und 18, oder 3*/20/0igc Lominunal-Obligationen zum Tageskurs besorgt. Die Kontrolle über Verlosungen und Kündigungen unserer Pfandbriefe übernehmen wir auf Antrag kostenfrei; Antragsformulare, aus welchen die Bedingungen ersichtlich sind, können an unserer Kasse, sowie bei unseren Einlösungsstellen bezogen werden. Frankfurt a. M., den 8. Juni 1904. 5174 Frankfurter Hypothekenbank. Shampooiag (Damen kopjwaschen) mit den neuesten u. praktischsten Apparaten; verhindert den Haarausfall u. beseitigt die Schuppen. Mit Frisur 1 Mk. Zu besterAusführung empfiehlt sich Iruu Emil Koch, Krisrur 62 Bahnhofstraße 62. Bitte auf Firma und Hausnummer zu achten! 6026 müdem jjeste^eife '? Mh und fern? Backhausrnilch beste Säuglingsernährung! Fosco-M (Mmilch). Lj. Keif, Hofgut Affenheim, Telephon Friedberg 5. [45 5®** Niederlage in Gießen: Hirschapotheke. 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