Nr. 136 Vrschetvt ««glich außer Sonntag». Dem Gießener Anzeige, werden im Wechsel mit dem KeMsche» Conbrotrt die Stetzener Zamiliea- Hätte, viermal in der Woche betgelegt. Notationödruck u. Verlag der Brüh lachen Untverf.-Buch-u. Steindruckerei. A. Lange. Redaktion, Trveditto« und Druckerei: Schulpratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Montag 13. Juni 1904 154. Jahrgang Erstes Blatt. 33 __ . VeHngsvrei», /"W MH © monatlich75P,..viertel- GictzenerAnMgcr v-* General-Anzeiger w w v ** den polit und allgem. Amts- und Anzeigeblatt fiir den Meis Gießen MUZ v zeigenteil: Hans Beck. Sie heutige Dummer umfaßt 10 Seiten, KeKanntmachmg. Samstag den 18. Juni 1904, vormittags 10V2 Uhr, finbet im Sitzungssaals des RegieruugSgebaudes Brandplatz Nr. 9 in Gießen eine öffentliche Sitzung des Proviuzial- tages bet Provinz Oberhessen mit folgenber TageSorb- nung statt: 1. Prüfung bet Rechnung bet Provinzialkaffe für 1902/03. 2. Feststellung beS Voranschlags bet Provinzialkaffe für 1904. 3. Wahl eines bürgerlichen Mitgliebes unb eines Ersatz- mitgliebeS bet verstärkten Ober-Ersatzkommisston für 1905/07. 4. Wahl eines ErsatzmitgliebeS bes ProvinzialauSschusies. Gießen, ben 6. Juui 1904. Der Vorsitzenbe beS ProvinzialtageL: Dr. Breidert. Gießen, ben 10. Juni 1904. Betr.: Das Gorbon-Bennet-Rennen bei Homburg v. b. H. Das GroMer)ogiiche Kreismnt Gießen an die OrtSpolizeidehörden und Gendarmerien des Kreises. Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung gleichen Betreffs vom 3. b. Mts. beauftragen wir Sie, von benjenigen Besitzern eine? Automobils, für bis eine ErkennungSnummer zu beschaffen ist, ben Betrag von 1 Mk. 50 Pfg. zu erheben. __________________I. V.: Hechler.___________________ Ier Krieg zwischen Japan und Ziußland. Pott Atthur. Petersburg, 12.Juni, 11.30 abenbS. Hier verlautet gerüchtweise, baß vor Port Arthur eine große Seeschlacht stattgefunben habe. Zwei russische unb vier japanische große Schiffe sollen untergegangen sein. Jeboch liegt bis jetzt keine amtliche Bestätigung vor. Petersburg, 11. Juni. Hier erhält sich das Gerücht, daß die Außenforts Von Port Atthur tatsächlich in die Hände der Japaner gefallen seien. Die Russen sollen drei ihrer Kriegsschiffe in den Grund gebohrt haben, dagegen sei es den übrigen Schiffen gelungen, das offene Meer zu erreichen. London, 11. Juni. Nach einer hier eingetroffenen Meldung läßt die japanische Regierung in Btttisch Kolumbien und Nordcrmettka 10000 Sack Mehl ankaufen, welches in sechs Wochen in Port Arthur zu liefern ist. Tie japanischen Agenten erklären, daß bis dahin der Lieferung in Port Arthur keinerlei Hindernisse mehr in den Weg stehen würden. Paris, 12. Juni. Der „Newport Herold" bettchtet aus Petersburg: Nachrichten über bereits von der Landseite her erfolgte Angriffe auf Port Arthur seitens der Japaner seien fatsch, da letztere noch längere Zeit bedürfen werden, um die Belagerungsgeschütze aufzustellen. London, 12. Juni. Nach hier aus Tschifu eiugelausenen Meldungen bestätigt sich die Pariser Meldung, daß die I a - paner die Außenforts von Port Arthur besetzt und drei russische Kriegsschiffe zum Sinken gebracht haben, nicht. Die noch brauchbare japamsche Flotte werde auf 18 größere und kleinere Kriegsschiffe sowie 17 Torpedoboote geschätzt. — Nach einem Bericht des Admirals Stössel wurden bei der Vernichtung von Minen in der Talienwan-Bai mehrere japanische Schiffe havariert. Berlin, 12. Juni Der Spezialberichterftatter des „Lok.- Anz." telegraphiett aus Tschifu unterm gestttgen Datum: Ich bin, als ich in einer Dschunke auf Pott Atthur lossteuerte, durch den japanischen Torpedobootszerstörer „Hayotott" in der Nähe des Einganges zum Hafen von Pott Atthur am Vormittag des 9. Juni gefangen genommen und nach Tschifu zurückdirigiert worden. Die meisten Korrespondenten werden augenblüllich noch in Tokio zurückgehalten. Weiteres vom Kriegsschauplätze. Paris, 12. Juni. Mehrere aus Petersburg eingelaufene Meldungen stimmen dattn überein, daß dort der Besetzung von Siujan und Saimatse durch die Japaner, welche sich an beiden Plätzen erheblich verstärken, ernsteste Bedeutung beigemcffen wird. Der Korrespondent des „New- Bork Herold", der mit den leitenden militättschen Kreisen Fühlung hat, spttcht sogar von der Wahrscheinlichkeit einer bevorstehenden Konzentrierung der Kuropatkinschen Armee nach.dem Norden. Die einzige Möglichkeit, daß sich Kuro- patkin in Liaujang behaupte, wäre das rasche Eintreffen der von ihm schon längst verlangten starken Truppenzüge. Der Sisupaß, der im Besitze der Japaner ist, gilt als höchst wich- HgcT strategischer Vorteil. Die japanische Aufstellung zu umgehen, kann Kuropatkin mit seiner jetzigen Macht nicht wagen; er nruß also darauf bedacht sein, sich nicht umgehen zu lassen. — Die Nachttcht, daß das amerikanische Unterseeboot „Proteetor" den Japanern überlassen wurde, erregt großen Unwillen. Gestern abend wurde in Petersburg bekannt, daß für Japan aus Südafrika 2000 Maultiere unterwegs find. Die feindlichen Heere. Petersburg, 11. Juni. Der Zar hat verfügt, daß von den mobilisierten Armeekorps so wenig wie möglich berittene Truppen nach dem Kriegsschauplätze entiandt werden sollen, da die Versendung der Pferde schwierig und außerdem sehr kostspielig ist. Die Versuche, die Truppen mit aus der Mandschurei requirierten Pferden zu versehen, sind mißglückt, da einerseits Pserde in der Mandschurei selten und andererseits für den Kriegsdienst untauglich sind. Mit P o r t A r t h u r wird ein regelmäßiger Br i e f t a u b e n di en st unterhalten. — Wie mitgeteilt wird, belaufen sich die Kosten des Krieges für Rußland täglich auf 1800000 Rubel. Petersburg, 11. Juni. Im russischen Generalftabe ist mau der Ansicht, daß nunmehr die gesamte japanische Armee gelandet, oder nach dem Kriegsschauplätze unterwegs ist. Die japanischen Streitkräfte belaufen sich mit Ausnahme der in Korea befindlichen auf 298 000 Mann, darunter 72 Schwadronen Kavallerie, 72 Kompagnien Genietruppen mit 176 Feldgeschützen, 228 Gebirgsgeschützen und 232 Belagerungsgeschützen; ine Zahl der Maximgeschütze ist nicht bekannt. Tote und Gefangene. Tokio, 12. Juni. Amtlich wird berichtet: General Oku meldet, die ht der Umgebung von Nanschau von den Japanern aufgefundenen russischen Gefallenen, 10 Offiziere und 664 Mann, wurden von der japanischen Militärverwaltung sorgsam und mit militärischen Ehren beerdigt. Außerdem wurden in der Nachbarschaft der Lagerplätze 30 Gefallene von den Japanern beerdigt. Petersburg, 12. Juni. Der Armee wurde ein Befehl Kuropatkins mitgeteilt, Achtung dem tapferen Gegner zu erweisen, und falls Tote, Verwundete ober Gefangene in russische Hände kommen, den Toten die militzärischenEhren zu erweisen und die Verwundeten gleich den eigenen sorgfältig zu pflegen. Paris, 12. Juni. Zwei russische I n f a n t e r i ft e n wurden furchtbar verstümmelt in einem Hause in Saimatse aufgefunden. Man schreibt diese Nichtachtung der Kriegsregeln dem Fanatismus zu, der angeblich in einem Teile des japanischen Heeres herrsche; doch liegen keine Beweise für die Urheberschaft der Japaner vor. Paris, 11. Juni. Im Moskauer Sergiuskloster werden die ht der nächsten Woche erwarteten zwanzig in Korea gefangenen japanische Offiziere und 600 Mann untergebracht werden. Japanische Kriegsanleihe. Tokio, 111 Juni. Die zweite innere japanische Kriegsanleihe ist am ersten Tage voll gezeichnet. Die Kaiserliche Pttvatschatulle und die Bank von Japan zeichneten jebe 20 Millionen Den, eine anbere Bank 10 Millionen Den, der Rest wurde von Privaten übernommen. Petersburg, 11. Juni. Der Minister des Innern erteilte deb „Peterburgskija Wiedomosti" eine zweite Verwarnung wegen grundloser Beunruhigung der öffentlichen Meinung durch ine Meldung, die Moskauer Kapitalisten hätten sich in bedeutendem Maße an der japanischen Kttegsanleihe be- t e i t i g t. Deutsches Reich. Berlin, 12. Juni. Der Kaiser besichtigte gestern aus dern Bornstedter Felde das Regiment Garde du Corps und das Leibgardehusarenregiment. Nachher fand Parademarsch der gesamten Truppen statt. Der Kaiser setzte sich an die Spitze des Regiments Garde du Corps, dessen Uniform er trug, und führte es dur^h die Stadt nach der Kaserne, wo er am Offizierskasino das Regiment vorbeidefilieren ließ. Darauf nahm er am Frühstück des Offizierkorps teil. 9Cnt Abend speiste der Kaiser beim Ossizier- kprps des Leibgardehusarenregiments. — Im Abgeordnetenhause wurde nach längerer Debatte der Gesetzentwurf betreffend Erhöhung des Grundkapitals der Seehandlung auf 100 Millionen an die Budgetkommission verwiesen und noch einige Berichte erledigt. — Die „Neue Pol. Korr." schreibt: Nachdem die hessischen und thüringischen Bundes st aaten in der Lotterieangelegenheit in eitle? Konferenz vor einigen Tagen zu gewissen Resultaten gekommen sind, werden dieserhalb Verhandlungen mit der preußischen Staatsregierung angeknüpft werden. Dresden, 12. Juni. Der Hofbericht meldet: Der König verbrachte die vergangene Nacht etwas besser. Metz, 12. Juni. Heute hielt hier der Verband für Kanalisierung der Mosel und Saar eine Verbandsversammlung ab. Dr. Tille hielt eine Rede, in der er an der Hand statistischen Materials die Notwendigkeit der Kanalisation der Mosel und der Saar nachwies. Nach ihm sprachen in gleichem Sinne Dr. Krenzkam und preuß. Landtagsabg. Landgerichtsrat Dr. Röchling. Es wurde schließlich einstimmig eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß die Kanalisation der Mosel von Metz bis Koblenz und der Saar von Brebach bis Konz für Schiffe von 600 Tonnen aus Wirtschaftlicken und nationalen Gründen eine unabweisbare Notwendigkeit ist und deshalb baldigst in Angriff genommen und so gefördert werden muß, daß ihre Vollendung gleichzeitig mit der Fertigstellung des Dortmund-Rhein-Kanals erfolgt. An den Kaiser wurde ein Telegramm abgesandt._____________ Mrche und Tchute. Stuttgart, 12. Juni. Die Regierung hatte den Kammern folgenden Gesetzentwurf vorgelegt: Die Orts- schulaufficht verbleibt den Geistlichen als Monopol, die Bezirks aufsicht soll in vereinzelten Bezirken im Nebenamt beseitigt und der Regierung das Recht gegeben werden, in die neugeschaffenen Hauptämter dieser wenigen Bezirke auch Fachleute (Schulmänner) zu berufen. Diese nur für einige größere Schnlkomplexe gemünzte Reform ist von der evangelischen Kirchenbehörde, von den hervorragendsten evangelischen Geistlichen befürwortet, aber von der katholischen Mehrheit des Herrenhauses verworfen worden, weil damit in das Privileg der geistlichen Aufsicht Bresche gelegt worden wäre. Mit Rücksicht auf das Scheitern der Volksschulnovelle hat jetzt der König an den Kultusminister Dr. v. Weizsäcker ein Handschreiben gerichtet, in welchem er seinem lebhaften Bedauern Ausdruck gibt, daß der mit dem Entwurf unternommene Versuch eine Ausgleichung der Gegensätze auf dem Gebiete des Verhältnisses von Staat und Kirche zur Schule herbeizuführen, vollständig ins Stocken geraten sei. Der König sprach dem Minister für seine vielen Bemühungen in dieser Sache seinen Dank aus, sowie sein volles Vertrauen. Aus Stadt und Sand. Gießen, 13. Juni 1904. • • Empfänge. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 11. Juni u. a. ben Schulrat a. D. Buß von Büdingen unb ben Oberlehrer Glaser von Butzbach. **Generalversammlu ng beSGleibergvereinS. Am Samstag wehten tagsüber von ber Burg Gleiberg bie beutschen Farben zum Willkonunengruß ben Mitgliedern des GleibergvereinS, welche zur Burg zogen, um im Luxemburger- Raum des Nassauer-Baues die alljährliche General-Versamm- lang abzuhalten. Ueberans zahlreich war die Versammlung diesesmal besucht. Der Vorsitzende, Provinzialdirektor Dr. Breidert, begrüßte die Versammlung und sprach besonders dem Königlichen Landrat Dr. SartoriuS-Wetzlar für dessen Erscheinen den Dank auS. Er verwies darauf, daß in den letzten beiden Jahren vom Verein ca. 10 000 Mk. aufgewendet worden feien, um u. a. die schönen Raume des Nassauer-BaueS und des Albettus-BaueS, deren Dächer schadhaft geworden waren, neu zu decken unb so bie Gebäude gegen bie Unbill bes Wetters zu schützen. Es sei nun die Zeit gekommen, für die Erhaltung und Ausbesserung der Ruine etwas zu tun, und in dieser Hinsicht ist Aussicht vorhanden, daß im Jahre 1905 Mittel hierzu bereit sein werdend Die Großh. Regierung hat, wie im Jahre 1903, auch für 1904 für den Gleiberg wieder 400 Mk. bewilligt. Geheimrat Lutsch als Vertreter der preuß. Regierung hat jüngst den Gleiberg einer Besichtigung unterzogen und dabei erklärt, daß für das laufende Jahr vom preußischen Staat auf eine Beihilfe für die Burg nicht zu hoffen sei, daß aber vom Jahre 1905 an Preußen für Arbeiten an der Ruine, aber auch nur für solche, jährlich der gleich hohe Betrag als Beihilfe in Aussicht gestellt werden könne, den der Verein selbst aus eigenen Mitteln für diesen Zweck vorsehen werde. Es> sei in Aussicht genommen, sich wegen Beihilfen für diese Arbeiten an die Provinz zu wenden, ebenso an die Kreise Wetzlar, Gießen unb Biebenkopf. ES sei aber auch nötig,, neue Mitglieder für den Verein zu werben, damit dieser in; der Lage sei, sonstigen Anforderungen an feine Kasse entsprechen zu können. Es sei erforderlich, einmal daran zu denken, das Garten-Mobiliar zu verbessern. Im laufenden: Jahre muß man sich auS Mangel an hinlänglichen Mitteln! darauf beschränken, dringend notwendige Arbeiten, zum, Schutze der Besucher, innerhalb der Ruine herHustellen.' Der Vorsitzende gedachte am Schlüsse feiner Dar-. legungen des Ablebens zweier langjähriger treuer Mitglieder des Vereins, nämlich des Uhrmachers Zimmer- und des Rentners Schreiber-Gießen, deren Andenken die Ver-i sammlung durch Erheben von den Platzen ehtte. Geheimer' Justizrat Schmidt erstattete darauf den Gefchäftsbericht,, wonach der Verein 137 ordentliche und 4 außerordentliches Mitglieder zählt. Im abgelaufenen Jahre vereinnahmte mam 1977 Mk. 60 Pfg., darunter 6 Eintrittsgelder ä. 20 Mk. und 416 Mk. Mitgliedsbeiträge, sowie 400 Mk. vom hessischen Staat. An Ausgaben stehen der Einnahme im ganzen 1167 Mk. 92 Pfg. gegenüber, darunter der Betrag von 440 Mk. Zinsen für ein Darlehen bei der Kreissparkaffe Wetzlar. Die Bautätigkeit des Vereins beschränkte sich im' letzten Jahre auf die Erhaltung alter Mauern, die dem Ein- stllrz drohten. Geheimrat Schmidt teilte mit, daß Quästor Orbig wegen Krankheit sein Amt als Rechner des Vereins, das er lange Jahre eifrig und uneigennützig innegehabt habe, habe niederlegen müssen. Ferner wird der Versammlimg Mit e'.lung gemacht, daß Graf zu Schlitz, genannt Görtz,' sowie Baron von Roeder 2 Wappenfenster gestiftet haben? (Es sind aber immer noch einige Fenster für solche Stiftungen! vorhanden). Die Rechnung 1903 unb ber Voranschlag für? 1904 werden von der Versammlung genehmigt, ebenso ist dieselbe damit einverstanden, daß der Verein eine Haftpflicht-; Versicherung abschließt. An Stelle OrbigS wird der Kreis-, kassenrechner Krauß als Rechner in den Vorstand gewählt.' Ferner wird beschlossen, zu den Vorstandssitzungen den Kreisbauinspektor Stiehl-Wetzlar einzuladen und, sobald eine Vakanz im Vorstand vorhanden ist, Herrn Stiehl aufzunehmen. Ein Rundgang durch die Burg bildete ben Schluß ber Versammlung. • • Der Kaufmännische Verein unternahm gestern,', etwa 80 Personen stark, einen Ausflug nach Münzenberg? Die Fahrt ging auf bem Hinweg über Butzbach. Am Bahnhof) Münzenberg würbe ber Verein von der Stadtkapelle abgcholt lind in das Restaurant Jäger geführt, wo gemcinfam der Kaffee eingenommen wurde. Dann gings hinan auf die alte Burg aus der Hohenstaufenzest, bie einer grünblichen Besichtigung unterzogen wurde. Ein Tänzchen füllte die Pausen' dis zum Abendbrot au§. Als ber Verein gegen 9 Uhr, die Musik voran, ben Weg zur Station antrat, um über Lich-, heimwärts zu steuern, sah man lauter recht vergnügte unb. befriebigte Gesichter. Angenehm empfunben würbe das Entgegenkommen der Eisenbahn Blltzbach—Lich, welche für die' Ausflügler extra Wagen referoiert hatte. * " Vom gestrigen Feldbergfeste ging uns heute folgender Drahtbericht zu: Es nahmen an dem Feste 51 Turnvereine mit 672 Turnern teil. In 12 Riegen wurde geturnt, unb 301 Preise waren ausgesetzt. Den 1. Preis erhielt Hauschlld-Psorzheim (39 y, Punkte), ben 2. Preis Otto Mühl-Mainz (391/2 P»), 3. Preis Otto Jäger-Rückingen bei einem großen Garten wahrlich viel heißen will. Musikdirektor Krauße hatte ebenfalls eine sehr hübsche Auswahl in seinem Programm getroffen. Wie denn auch nicht anders zu erwarten war, war der Festplatz vollständig besetzt. Die Jugend unterhielt man durch Sackhüpfen, wofür als Preise riesige Bretzeln in einem großen Korb bereitstanden, und die Erwachsenen vergnügten sich an Verlosungsständen u. dergl. 9(m späten Abend fand ein großes Schlachtentongemälde statt, woran sich die Militärmusik und eine Anzahl von Gewehr- chützen beteiligten. Der Parademarsch und die Kaiserhymne ieß in allen Anwesenden patriotische Begeisterung erklingen. Das festliche Treiben dauerte bei Tanz im Saale noch bis zu später Stunde. Zu erwähnen ist noch, daß der Wirt zum Neuen Saalbau es an nichts hat fehlen lassen, seine überaus zahlreichen Gäste zufriedenzustellen. Bemerkenswert ist auch ein sehr lustiges Vorkommnis, wobei die Kassierer am Eingang zum Garten von einem naiven Jüngling gefragt wurden, wo denn das große „Tongemälde" sei, das auf dem Programm siehe, das er aber nicht habe auffinden können. Der Einfältige mußte natürlich einen furchtbaren Heiterkeitsausbruch über sich ergehen lassen. Aaynenweihfest des Kießener Kardcvereins. Gießen, 13. Juni. Das Fahnenweihfest des Gaidevereins hat am Samstag mit einem großen Kommers begonnen, wozu sich viele Ehrengäste und zwar Se. Exc. Generalleutnant v. Schmidt, Vertreter des Regiments Kaiser Wilhelm, der Bezirkskommandeur Oberstleutnant ö. Merck, Vertreter des Kreisamts, der Bürgermeisterei und viele aktive Offiziere des Regiments Kaiser Wilhelm sowohl, als auch viele Reserve- und Landwehroffiziere und eine sehr große Anzahl Gaste aus vielen Vereinen Gießens und Deputationen von auswärtigen Vereinen eingefunden hatten, sodaß der große Saal des neuen Saalbaues vollständig besetzt war. In seiner Begrüßungsrede wies der 1. Vorfitzende Grünig darauf hin, daß es sich um ein besonders ehrenvolles Fest für den Gardeverein handele, nämlich um die Weihe einer Fahne, deren Führung dem Verein von Sr. Majestät dem Kaiser verliehen wurde, um eine Fahne mit fliegendem Adler, dem Gardeadler und mit Gardestern. Mit diesem heiligsten Wahrzeichen alter Soldaten wolle man ihr kein Unwürdiger nahen könne. Darauf verkündete der Vorsitzende, daß er von den Gardevereinen Essen und Metz, sowie von dem Verein ehemaliger Leibgardehusaren in Berlin beauftragt sei, unter entsprechenden Devisen die von ihnen gesandten Fahnennägel als Band der kameradschaftlichen Beziehungen unlösbar an dem Fahnenfchaft zu befestigen. Ein früherer Angehöriger des Vereins ehemal. Leibgardehusaren in Potsdam, das Mitglied Zahlmeister Hahn, hatte ebenfalls einen derartigen Auftrag von diesem Verein auszuführen, ebenso das Mitglied Ringe! einen solchen des Hassialb'ezirks-Ehren- vorsitzenden Mayer. Darauf wurden noch Fahnennägel unter kurzen Ansprachen, welche sich alle auf oie guten kameradschaftlichen Beziehungen der betr. Vereine mit dem festgebenden Verein bezogen, überreicht: vom Kriegerverein, dem Veteranenverein, der Kriegerkameradschaft, dem Marineverein, dem Artillerieverein, dem Verein ehemaliger Jäger und Schützen, dem Verein ehemaliger Pioniere, sämtlich zu Gießen, von den Gardevereinen Frankfurt a. M., Marburg und Hanau. Nach kurzen Dankesworten des Vorsitzenden an die Stifter, wobei er im Namen des Vereins wünschte, daß die kameradschaftlichen Beziehungen ferner nicht nur so bleiben, sondern noch enger werden möchten, und nach einem auf die Stifter-Vereine ausgebrachten Hoch übergab Fräulein Kl ein Henn eine kostbare Fahnenschleife im Auftrag der Damen des Gardevereins, dabei in poetischer Weise wünschend, daß die Fahne mit dieser Schleife nur zu ernsten, würdigen Gelegenheiten dem Verein voran wehen möchte und daß die Ehre der ihr Folgenden so rein bleiben möge, wie die Grundfarbe der Fahne und Schleife, dem Symbol der reinen unbefleckten Soldatenehre. Auch hierauf erwiderte der Vorsitzende mit DankeSworten, indem er bemerkte, daß der Verein geloben wolle, die Fahne mit der so hübschen Schleife immer so zu tragen, wie die Stifterinnen der Schleife wünschten. Auf die Damen brachte er am Schluß ein Hoch aus. Glückwunschtelegramme waren eingelaufen vom Hassia-Bezirksehrenvorsitzenden, vom Hassia-Deligiertentag, der zur Zeit in Groß-Umstadt tagte, von den Vereinen ehemaliger Garde-Kürassiere, I. Garde-Dragoner, II. Garde-Dragoner, von den Gardevereinen in Düsseldorf, Elberfeld, IV. Garde- regiment-Charlottenburg, Remscheid und vom kgl. sächsischen Militärverein Garde-Korps-Dresden. Außer diesen Telegrammen liegen noch sehr viele Glückwunschschreiben von Vereinen und hohen Persönlichkeiten auf. Hierauf wechselten Konzert und Gesang miteinander ab. Der Bauer'sche Gesangverein brachte seine Lieder wunderschön zum Vortrag, was bei einer solchen Menschenansammlung in den alten Wahrfpruch hochhalten und mit dieser Bekräftigung ein Hoch auf Kaiser und Großherzog ausbringen. Darauf ergriff Exz. Generalleutnant von Schmidt das Wort namens der Ehrengäste und dankte für die an sie ergangene Einladung. Dabei beleuchtete er in kernigen Worten, wie die Garde in vielen Schlachten ihren alten Wahrspruch „Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht" hochgehalten habe, wie sie gerade speziell mit der hessischen Division Seite an Seite bei Gravelotte-St. Privat große Lorbeeren errungen habe usw. Auch streifte Se. Exz. die Ziele der Kriegervereine und betonte, daß gerade in unserer leutigen Zeit diese Vereine einen so hübschen Zweck er- üllten. Ter Männergesangverein und ein Teil der Mitglieder des Bauerschen Gesangvereins brachten mehrere Lieder zum Vortrag, die einen freudigen Anklang bei der Festversammlung fanden, weshalb der Vorsitzende des Vereins nochmals speziell diesen beiden Vereinen den Dank des Garde-Vereins aussprach. Am Sonntag früh 6 Uhr wurde die Einwohnerschaft Gießens durch einen Weckruf auf den Hauptfesttag aufmerksam gemacht. Trotzdem der Himmel den ganzen Vormittag und bis zum Eintreffen des Festzugs auf dem Fest- ilatz, dem schönen, schattigen Garten des neuen Saalbaues, ein ganz bedenkliches Gesicht machte, hellte er sich nachher noch vollständig auf. Während des Frühkonzertes im Garten des Hotel Buschmann wurden die mit der Bohn ankommenden auswärtigen Vereine vom Bahnhof abgeholt. Das Frühkonzert war gut besucht; der Mittagstisch, woran ich ein großer Teil der Mitglieder auswärtiger Vereine und des Gardevereins beteiligte, fand starken Zuspruch. Von hier ab marschierte der festgebende Verein mit seiner von zwölf mit schwarz-weiß-roten Schürzen geschmückten Mädchen getragenen neuen Fahne in weißer Hülle, und den mit der Bahn angekommenen Vereinen nach dem Aufstellungsplatz, dem Ostvaldsgarten. An dem Festzug beteiligten sich 35 hiesige und auswärtige Vereine, und zwar waren die hiesigen Militär- Vereine alle und ziemlich zahlreich beteiligt. Von den Vereine des Hass aibezirks Gießen waren mehrere in ganz ansehnlicher Stärke vertreten. Andere haben wohl von der Beteiligung Abstand genommen, da sie glauben mochten, in Gießen müßten bei dem Fest die Zugteilnehmer Eintrittskarten lösen, was jedoch nicht der Fall war. Auch aus benachbarten preußischen Orten war ein Kriegerverein erschienen; aus weiterer Entfernung die Gardevereine Frankfurt a. M., Marburg, Hanau und Fechenheim; letztere beiden nr.lr als Deputationen. Ten Beginn des Festzuges machte die Radfahrgesellschaft „Wanderer"; die hiesige Regimentskapelle war in zwei Abteilungen geteilt. Die zu weihende Fahne, von hübsch geschmückten lleinen Damen des Vereins getragen, bildete eine schöne Gruppe des Festzuges. Die Straßen, die der Zug passierte, waren über Erwarten reich geschmückt, u. a. hatte der zweite Vorsitzende des Vereins, Kleinhenn, sein Haus mit sinnigen Kernsprüchen und reichem Fahnenschmuck versehen. Auf dem Fe st platz angekommen, fand kurze Pause statt. Nachdem der 2. Vorsitzende nach Begrüßung berEhren- gäste, Vereine und Gäste unter dem Ausdruck des Dankes für deren Erscheinen und die dadurch gegebene Verherrlichung des Festes, dem Ehrenmitglied Oberleutnant a. D. der Garde-Landwehr Professor Dr. Biermann das Wort erteilt hatte, vollzog dieser nach vorausgehenden längeren Ausführungen in ganz überraschend feierlicher Weise die Weihe der neuen Fahne. Der 1. Vorsitzende übernahm dann die neu geweihte Fahne unter Worten des Dankes, indem er dabei den Behörden und Kommandos, welche die Mtte des Vereins, an Se. Majestät, eine Fahne mit Gardeadler und Stern führen zu dürfen, so bereitwillig befürwortet haben, besonders dankte. Er ermahnte dann noch die Mitglieder des Vereins, so lange die Fahne hält, nach dem auf ihr zu lesenden Wahlspruch „Mit Gott für Kaiser und Reich, Großherzog und Vaterland" zu handeln. Dem Fahnenträger wurde dann die Fahne übergeben, und er mußte feierlichst durch Handschlag geloben, daß er sie stets als das höchste Heiligtum des Vereins so tragen wolle, daß Hin neuer Leichensund in Aertin. Berlin, 12. Juni. Noch ist der Leichenfund in Eharlottenburg nach keiner Richtung aufgellärt und schon wieder ist ein Verbrechen derselben Art entdeckt worden. Gestern morgen landete man gegenüber dem Reichstag aus der Spree den Rumps einer Mädchenleiche. Der Rumpf war noch belleidet mit einem weißen Hemd und zwei Unterröcken, einem weißen und einem roten. Er scheint noch nicht lange im Wasser ge* legen zu haben. Sehr rasch ist es gelungen, die Persönlichkeit der Toten festzustellen. Es ist die 1895 geborene Tochter Lucie des Zigarrenmachers Berlin, die in den letzten Tagen vermißt wurde. Der Vater erkannte auf den ersten Blick an dem Rumpf und den Kleidungsstücken seine verschwundene Tochter. Lucie Berlin spielte am Donnerstag mittag aus dem Hofe des von den Eltern bewohnten Hauses Acker- straße Nr. 130. Als sie der Mutter zu lange ausblieb, ries diese auf den Hof hinab nach ihr, erhielt aber keine Dit," wort, sondern erfuhr von Gespielinnen ihrer Tochter, datz diese mit zwei anderen Mädchen zu einem Kaufmann gegangen sei, um Bonbons zu kaufen. Seitdem fc^te von dem Mädchen jede Spur. Polizeipräsident v. Borries schule sofort an Ort und Stelle eine Belohnung von lu Mark aus. h = Der Rumpf wurde gestern nachmittag in YZegenwart ot Ersten Staatsanwalts Tr. Steinbrück von den Gerichtöarz^ Medizinalrat Tr. Mittenzweig, Prof. Dr. Straßmann un Dr. Schulz obduziert. Wie zu erwarten war, tonnr auch durch die Obduktion die Todesurfache nicht mit pol * tiver Sicherheit festgestellt werden. Die Gliedmaßen ftn wahrscheinlich erst nach dem Tode äbgetrennt worden. Schnitt in den Unterleib geht von unten nach oben; es st möglich, daß er dem unglücklichen Kinde schon bei ~eö« zeiten beigebracht wurde. Nach dem Mageninhalt wuro das Mädchen etwa eine Stmide nach seiner letzten Mayizci. umgebracht. Bei der Abtrennung der Gliedmaßen oe Der Internationale Irauen-Kongreß S. u. H. Berlin, 12. Juni. Mit einer Bcgrüßungsvcrsammlung im großen Festsaale bet Philharmonie wurde heute abend der 3. internationale Frauen- Kongreß unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung von Vertreterinnen der dem Frauen-Weltbunde angeschlossenen 19 Na- tional-Verbänden eröffnet. Der internationale Frauen-Kongreß erstrebt seinem 1880 in Washington zustande gekommenen Programm zufolge die internationale Organisation der bestehenden Frauenverbände aller Länder und aller Richtungen, um das Interesse der Frauen an der Hebung ihrer sozialen und toirt» chaftlichen Lage zu wecken und zu fördern. Er will es jedoch vermeiden, in der Befolgung dieses Zieles für irgend eine der verschiedenen Richtmrgen in der modernen Frauen-Bewegung Propaganda zu machen, unb er hat es daher auch abgelehnt, daß die internationale Frauen-Stimmrechts-Konferenz etwa als ein von ihm arrangiertes Unternehmen angesehen wird. Tie deutsche Frauenbewegung hat sich diesem internationalen Verbände im Jahre 1894, bald nach der Begründung des Bundes deutscher Frauenvereine, angeschlossen, und dieser Bund ist es auch, der den 3. internationalen Frauenkongreß nach Berlin eingeladen hat. Insgesamt umfaßt der Frauen-Weltbund heute ca. 7 Millionen Frauen in Deutschland, England, Frankreich, Amerika, Oesterreich, Norivegen, Holland, Ungarn, Tänemark, Finnland, Schweden, Belgien, Irland, der Schweiz, Neu-Seeland und Australien. Die Präsidentin des Bundes ist die nordamerikanische Sckulvorsteherin Mrs. May Wright Sewall aus Indianapolis; die zweite Präsidentin ist die Gattin des ftüheren Vizekönigs von Irland, Frau Tr. Jshbel Aberden, während das Amt der Schatzmeisterin Fräulein Helene Lange -Berlin- die Vorkämpferin für weibliche Gymnasialkurse in Deutschland innehat. Ter heutige Begrüßungsabend stand im Zeichen der geselliger Vereinigung. Fräulein Friederike Stritt sprach einen von Fräulein Anna Brunnemann verfaßten Prolog, worauf die Begrüßung der Tellnehmerinnen durch die Vorsitzende des Berliner Lokalkomitees erfolgte. Während des Abends konzertierte ein aus Damen gebildetes Streich-Orchester. In der General-Versammlung des Internationalen Frauenbundes kamen zwei bedeutsame Anträge zur Debatte. Der erste lautet in der von der Vorsitzenden Mrs. May Wright Sewall nach den Beschlüssen des Vorstandes vorgeschlagenen Fassung: „Da alle Regierungen, die unter ihnen lebenden Männer und Frauen in gleicher Weise beeinflussen, müssen unter allen Regierungen, seien sie republikanisch oder monarchisch, alle politischen Rechte oder Privilegien, welche den Männern zugebilligt werden, unter den gleichen Bedingungen auch den Frauen zugebilligt werden." Er ttmrbe mit einem Amendement, das vom Bunde des Frauenvereins von Großbritannien und Irland eingebracht worden war, „in allen Ländern, in denen eine Vollsvertretung existiert, energisch für das Frauenwahlrecht zu arbeiten", angenommen. Der zweite Antrag, eingebracht von der Vorsitzenden des Bundes der Vereinigten Staaten Mrs. Swift betrifft die Vertretung im Internationalen Frauenbund nach politischen und sozialen Ge- fichtspunften. Ter Antrag wurde einer Kommission übergeben, die in der nächstjährigen Vorstandssitzung darüber Berichte zu erstatten hat. Ferner wurde ein Antrag gegen den internationalen Mädchenhandel, der vom Bunde norwegischer Frauenvereine eingebracht war. mit, einem Amendement des Bundes der Frauenvereine von Großbritannien und Irland angenommen: „Der Internationale Frauenbund wird dringend ersucht, die Frage des Mädchenhandels bis zu ihrer endgiltigen Lesung auf sein Programm zu setzen; jeder Nationalverband soll aufgefordert werden, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln in seinem eigenen Lande an der Mschaffung des Mädchenhandels mitzuarbeiten". In einem zweiten Amendement des Bundes französischer Frauenvereine wird der Internationale Frauenbund ersucht, die Abschaffung der Reglementierung der Prostituierten auf sein Programm zu setzen. Dem Bericht der Schatzmeisterin Fräulein Helene Lange ist zu entnehmen, daß der Weltbund 22 349 Mark Einnahmen und 16 903 Mark Ausgaben hatte. Hanau (38% P.), 4. Preis C. Schwarz-Gießen 1 (371/2 P.). Auch der 12. (C. Müller) und der 14. Preis 1 (L. Bepler) sielen nach Gießen. • * Ein Besitzwechsel zwischen der Gerhardt'schen 5 Gärtnerei und Kommerzienrat Gail hat, unserer Mitteilung 1 vom Samstag entgegen, nicht stattgefunden. Es waren zwar | Unterhandlungen im Gange, die aber zu nichts geführt haben. • * Besitzwechsel. Die Stadt hat das am Marktplatz gelegene ehemals Cäsar'sche Haus für 50 000 Mk. von Uhrmacher Otto Schmidt erworben. Schmidt hatte dies Haus, die alte Hirschapotheke, bekanntlich unter dem Vorbehalt der Umbau-Erlaubnis von Apotheker Dr. Eäsar für den gleichen Preis gekauft. • * Stadttheater Gießen. Die morgige Aufführung des »Zigeunerbaron* findet bestimmt statt; doch ist sehr zu wünschen, daß sich das Abonnement bis zur Vorstellung noch heben möge. Weitere Abonnementsausgabe findet noch den ganzen Dienstag in der Musikalienhandlung von Ernst Challier statt. — Wie bereits bekannt gegeben wurde, sollen für gewöhnlich die Dienstage als Spieltage fest- gehalten werden; als folgende Vorstellungen sind vorgesehen: „Son Cäsar" und „Mikado", die letztere mit hervorragend schöner, gänzlich neuer Ausstattung. — Auf Oswaldsgarten gibt es zur Zeit etwas zu sehen. Das bekannte Zirkustheater Wallenda und ein Panoptikum, in welchem eine Reihe von Seltsamkeiten zu sehen sind, sind dort eröffnet worden. Beide hatten gestern einen überaus guten Besuch. Wer eine Gänsehaut hat, die der Anregung bedarf und wer kaltes Grausen gern über sich ergehen läßt, der gehe ins Panoptikum. Dort sind freilich auch Dinge, die der Belehrung dienen, ausgestellt, aber das Packendste und Angreifendste ist doch die Witwen- verbrennung im Reiche der Inder. Auf das Wallenda- Theater kommen wir zurück. R. B. Darmstadt, 12. Juni. Die eifrigen Nachforschungen der Kriminalbehörde nach dem Mörder des Architekten Döring haben zunächst zu der beruhigenden Feststellung geführt, daß bei der grausigen Freveltat nicht ein Raubmord, sondern ein schnöder Racheakt vorliegt, der höchst wahrscheinlich von dem eigenen Neffen des Ermordeten ausgeführt wurde. Obwohl Döring zu seinen hiesigen Bekannten immer nur von seinem vermögenden Bruder in Neuseeland sprach, ist festgestellt, daß er noch verschiedene engere Verwandte in Sachsen besaß, die in ärmlichen Verhältnissen leben. Döring, der als ein sehr sparsamer Herr bekannt war, hatte sich von diesen völlig zurückgezogen und auch jedes Ansuchen derselben um Unterstützung — er hatte 300000 Mk. Vermögen — zurückgewiesen, vielmehr sein ganzes Habe seinem Bruder vermacht. Unter den Papieren fand man nun einen schon vor 12 Jahren geschriebenen Bettelbrief aus Sachsen und der Verfasser dieses Briefes, der Neffe, ist auch feit einigen Tagen wiederholt hier in der Wohnung des Ermordeten - gewesen. Da dessen Personalien auch mit der Beschreibung der Person über den unmittelbar nach den Schüssen geflüchteten Mann übereinstimmen, so darf man wohl mit Recht annehmen, daß dieser sächsische Verwandte auch der Mörder ist. Die Polizei soll ihm auch bereits auf der Spur sein. Mainz, 12. Juni. Große Veruntreuungen hat sich der Zeug Haupt mann Künnemund von hier zu schulden kommen lassen und sitzt deshalb, wie wir schon meldeten, seit einigen Tagen in Untersuchungshaft. Hauptmann Künnemund ist beschuldigt, bei Lieferungen zu hohe Beträge eingeschrieben und auch nicht gelieferte Sachen in die Bücher eingetragen und das Geld für sich behalten zu haben. Es kommen noch Geschäftsleute in Betracht, die mit ihm die Manipulationen vorgenommen haben und gegen die ebenfalls Untersuchung eingeleitet ist. Außerdem hat Künnemund bei Versteigerungen stets die Beträge über den Steigerlös mit Blei eintragen lassen, mit dem Bemerken, wenn es regnete, könnte die Tinte verlaufen. Später soll er dann die Zahlen ausradiert und niedrigere Beträge eingeschrieben haben, während er die Differenz in seine Taschen fließen ließ. Eine Anzeige muß bereits vor einiger Zeit bei der vorgesetzten Behörde eingelaufen sein, da vor einem Monat ein Hauptmann und ein Zahlmeister hierher versetzt wurden, ohne daß eine Vakanz vorhanden war. Die beiden Herren haben bann im Geheimen Nachforschungen angestellt und die Verfehlungen entdeckt. Ein weiter in Betracht kommender Offizier soll früher ebenfalls einen höheren Verwaltungsposten in Mainz bekleidet haben. Eine große Menge Bücher und Akten sind beschlagnahmt und dem Gouvernementsgericht übergeben worden. Hauptmann Künnemund soll über seine Verhältnisse gelebt und ein ausschweifendes Leben geführt haben. Die Veruntreuungen haben im Laufe der Jahre eine Summe von 50 000 Mk. erreicht. (M. Tgb.) x. Mainz, 12. Juni. Die gesamte Gendarmerie, wie auch die sonstigen ländlichen Polizeiorgane Rh ein Hesse ns befinden sich in fieberhafter Tätigkeit, um die Zigeuner zu ermitteln, welche am vorgestrigen Abend auf verschiedene Bewohner von Gau-Köngernheim mehrere tätliche Schüsse abgegeben haben. Verschiedene Verhaftungen sind bereits vorgenommen worden, doch hat man noch keine Gewißheit, ob man die Täter hat, denn die Banden verlegen sich auf bartuäckiqes Schweigen. ' 9cthn,12.9» rer s eiTL„(anbeter; ern moIff Aumpfir die IS® 8 -.die» •■:. v biet" "Jls'; itr «#*'; SM fe‘flife, , $orniet»aL« » er ä«.Ä« t erbleU^ - 7-KO pAe!1 ulIg V»' . geqk^Aü chnlittaS^ 7eKP on Ä hi'fll ' r ;fr „S «nb, *** $ie ? «■ । :a*n, 5* 'S । ^'"tonqeJ; h."Sl. »"i°hl » H ! und bie Wrunq K"">° INI e„„,” EBllngen. ft f* *4- 1 9t*‘ fe Ä?Ä* d-n kfa*^- Merlin, 12 cv . ""srotzen wffi T&S*“ $™» Qe?}ltgung von Ph- ^geidjlofienen 19 £ ÄS? 5rQue”=^ongrei; S 9etommcnen s bchL Um bl3 J? sorialrn und wich 8 fr?““1.65 iebo^ Jur irgend eine dn ^ten mauen-Bewegung fc,01,(5 gelehnt, büß Mrenz Wva flß .J hrirb. Tie deutsch- natwnolen Verbände im i9 Ä deutscher Bund ist es andj, der JP\ Berlin eingeladen Wund heute ca. 7 M- b, Frankreich, Amerika, r, Dänemark, Finnland, uerz, Neu-Seeland und in die nordamerikanisik Sewall ms Jndiana- >attin des früheren Vize« el Aberden, während .elenc Lange-Lcrliw sialkurse in Deutschland jm Zeichen der geselliger Ztritt sprach einen vor Mafien Prolog, woraus durck die Vorsitzende des ib des Abends konzertierte ehester. Internationalen Fram' e zur Debatte. Der tritt drs. May Wright Small vorgeschlagenen Fassung', m lebenden Männer und müssen unter allen Rc- Mnarch'sch. alle poli- en, welche den Män- aleichen Beding- »iNigt werden." Er l Bunde des FranenverM- lebracht Mrden war, ,,in rtretung enstiert, energO mttn", genommen. 2n Vorsitzenden des Bunde- betrisst die Vertretung » litischen und sozmen ter Kommission ube^chm tzung darüber Berichte p , hen jnternationa- SSis ichafsung de- U ®”’"Sgä5 Mörder nicht so ktrnstgerecht KU Wer>e gegangen, toie in dem Charlottenburger Fall. Eine gewisse Äehnlichkeit, die vorzn- liegen schien, wurde durch die Obduktion nicht bestätigt. Die Kleidungsstücke waren besonders an den Stellen, wo sie die Wundflächen berührten, mit Blut stark getränkt. Es ist aber durch das Spreewasser zum Teil schon wieder ausgelaugt, während der Rumpf noch ziemlich viel Blut enthielt. Die polizeilichen Ermittelungen habenn bestimmte Anhaltspunkte über die Persönlichkeit des mutmaßlichen Mörders ergeben. Es liegen hierzu zwei positive, sich ergänzende Bekundungen zweier Zeugen vor. Die Vernehmung der Schulkinder der 17. Gemeindeschule brachte zunächst die außerordentlich wichtige Aussage der 13jährigen Anna Adamzik. Als das Mädchen mit einer Freundin kurz nach Mittag» an dem Hause Ackerstraße vorbeiging, wurde es von einem 40—50jährigen Mann angesprochen. Es entspann sich zwischen beiden folgendes Gespräch : Der Fremde: Kleine, komm doch mit mir mit, ich gebe Dir auch einen Sechser. Anna A.: Ich muß etwas für meine Mutter besorgen und habe keine Zeit. Der Fremde: Wo wohnst Du denn, und kommst Du bald zurück? Amur A: Ich wohne Gartenstraße 79 und komme in ungefähr einer Stunde zurück. (Das intelligente Mädchen hatte absichtlich eine falsche Adresse angegeben.) Der Fremde: Ich werde Dich am Gartenplatz erwarten, Du mußt aber auch kommen. Die kleine Zeugin gibt eine ausführliche Beschreibung der Person. Der Fremde ist etwa 40 bis 50 Jahre alt. Er hatte eine Menge kleinerer Flaschen bei sich. In einer derselben befand sich ein grünes Pulver. In der Hand hielt er noch eine Flasche, die in ZeitungsPapier gewickelt war. Eine hiermit fast übereinstimmende Schilderung über den mutmaßlichen Täter gibt der bei dem Friseur Fischer, Ackerstraße 129, angestellte Gehilfe. Dieser hat den unbekannten Mann längere Zeit beobachtet und den Vorgang mit der Anna A. bemerkt. Der Zeuge bemerkte, daß er auch auf der anderen Seite gehende Mädchen zu sich heranwinkte. Die Kinder glaubten aber wohl, daß der Mann drohe und liefen fort. Schließlich entfernte sich der Fremde, bei dem auch er die Flaschen bemerkt hatte, langsamen Schrittes nach dem Gartenplatz. Der Gehilfe hatte dann int Laden zu tun. Es wird nun angenommen, daß der Verdächtige sich nach dem Gartenplatz begeben hat, um dort die Adamnick zu erwarten und daß er, als diese nicht kam, zurückgekehrt tst. Hierauf deutet auch die Aussage der neunjährigen Grete Fischer, welche die Berlin in Begleitung eines unbekannten Mannes gesehen hat. Gestern fand eine Absuchung der Wasserfläche der Spree und des Spree-Kanals statt, weil man mit der Möglichkeit der Auffindung der fehlenden Leichenteile rechnete. Da die Gliedmaßen, falls sie ins Wasser geworfen sein sollten, schneller fortgeschwemmt sein dürften, als der aufgefundene schwerere Körperteil, so erstreckte sich die Besichtigung auch auf den unteren Teil des Flußlaufes, blieb jedoch ergebnislos. vermischte». ♦ Essen (Ruhr), 11. Juni. Bei der Verfolgung eines flüchtigen Verbrechers, in dem man den Borbecker Mörder vermutete, gab ein Kriminalbeamter scharfe Schüsse ab. Der Verbrecher wurde verletzt und verhaftet, aber auch ein Passant wurde durch einen Schuß verletzt. — Wie jetzt festgestellt ist, betragen die Unterschlagungen des Bank- direttors H o l l m a n n bei der Borbecker Sparbank 850 000 Mk Das Aktienkapital ist total verloren. * Chemnitz, 12. Juni. Gestern abend wurde auf einem Abort des hiesigen Hauptbahnhofs ein Leutnant von dem in Zwickau liegenden 133, Infanterieregiments mit zwei Schüssen in Kopf und Brust aufgefunden und schwer verletzt in das Garnisonlazarett verbracht. Der Offizier war kurz vorher mit einigen Kameraden aus Zwickau hier eingetroffen. • Madrid, 12. Juni. In der Kirche zu Paizas (Provinz Orense) platzte eine Bombe und richtete bedeutende Verwüstungen an. Drei Verhaftungen wurden voryenommen. • o m , 11. Juni. Die Affäre, betreffend bte Ermordung der Madame Bellomo, angeblichen Gräfin de la Valle, wird seitens der italienischen Behörden zu unterdrücken versucht, da sowohl italienische, wie auch sonstige diplomatische Persönlichkeiten in der Angelegenheit kompromittiert sein sollen. . * Trient, 11. Juni. Rach dem Genuß von giftigen Pilzen sind in Vestananuovo von einer Familie drei Personen gestorben. Zwei liegen hoffmmgslos darnieder. * Budapest, 12. Juni. Bei dem gestrigen ersten Stier- gefecht hier wurde der Torreador Pouly Fils, als er einem Kameraden zu Hilfe eilte, durch den wild gemachten Stier am Schenkel so s ck w e r v e r l e tz t, daß er acht bis zehn Tage bettlägerig sein wird und vorläufig an weiteren Sttergefechten nicht teilnehmen kann. Pouly wurde ins Spital befördert, wo die Wunde vernäht wurde. Das Publikum erfuhr erst nach der Vorstellung von dem Geschehenen. Die V o r st e l l u n g e n wurden heute fortgesetzt. n . * Von der Weltausstellung iN St. Louis. Zwei Braunschweiger Herren, die die Weltausstellung besuchten, wurden von dem Präsidenten Roosevelt empfangen. Der Präsident sagte u a folgendes: „Es kommen jetzt viele Deutsche, um unser Land zu sehen. Ich freue mich, sagen zu dürfen, daß die deutsche Ausstellung in St. Loms über alle M aßen großartig ausgefallen ist. Ich kann versichern, daß ich es auch gar nicht anders erwartete: denn die deutsche ^ndilstne und das deutsche Militärwesen haben von jeher in der Welt eine leitende Stellung eingenommen^ Sport. Berlin, 12. Juni. Dem heutigen ersten Tage der diesjährigen Ruderregatta des Berliner Regattavereins auf dem Langen See bei dem Vororte Grünau wohnte wie alljährlich das Kaiserpaar bei, das beim Eintreffen an Bord der kaiserlichen Dampfjacht „Alexandria" Mit brausenden Hoch- und Hipp-hiPP-hurra-Rufen begrüßt wurde. An Bord befanden sich u. a. auch Vizeadmiral v. Tirpitz und Minister Dr. Studt. Im Kaffervierer-Rennen um den silbernen Pokal Kaper Friedrichs war der Berliner Ruderklub „Hellas" Sieger. Zweiter wurde die Rudergesellschaft „Biktoria"-Berlin, Dritter der „Spindlersfelder Ruderverein". Jm Rennen um den Wanderpreis des Kaisers für akademische Vierer war wie im Vorjahre Sieger der Akademische Ruder- und Ballspielverein Hannover", Zweiter wurde die Ruderriege des akademischen Turnvereins „Arrnnna"- Berlin, Dritter der akademische Ruderklub-Berlin. .Das Kaiserpaar ließ sich die Siegermannschaften im Kaiserpreise vorstellen, händigte ihnen die Preise ein und kehrte dann nach Berlin iUnlm gris , 12. Juni. Präsident Loubet und Gemahlin, mehrere Minister imd Mitglieder des diplomatischen Korps, darunter der deutsche Botschafter Fürst v. Radolin, wohnten heute dem Rennen um den großen Preis von Parts bei. Bei dem Rennen wurde Ajax erster, Turenne zweiter, Macdonald ll. dritter. Drei zehn Pferde starteten. Herichtssaal. Zum Prozeß Hoensbroech-Dasbach wird berichtet, daß die Nachricht, Graf Hoensbroech habe bereits Berufung gegen das Urteil eingeleat, auf einem Irrtum beruht. Oppeln, 11 Juni. Das hiesige Schöffengericht hatte den großpolnische n Agitator Jakob Kanra zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er am letzten Geburtstage des Kaisers die Fahne eines Kriegervereins entwendet und sich mit ihr während des Kirchgangs des Krieger- vercins versteckt hatte. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte und der Staatsanwalt Berufung ein, die Berufung des Angeklagten wurde verworfen, die Berufung der Staatsanwaltschaft jedoch anerkannt und Kania zu sechs Monat en Gefängnis verurteilt. Chemnitz, 11. Juni. Wegen Zweikampfes mit tödlichen Waffen verurteilte das hiesige Landgericht die Schüler des Technikums Mittweida. Klingberg aus Beuthen und Ziemer aus Posen zu je drei Monaten Festung. Paris, 12. Juni. Das Schwurgericht in A j a c c i o auf Korsika verhandelte am Mittwoch in der geheimnisvollen Mord- a f f ä r e, bei der der Privatlehrer Dr. Meyer ums Leben gekommen war, gegen den des Mordes angeklagten Deutschen T i e m a n n. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch Tiemanns. Tas Publikum bereitete darauf dem Freigesprochenen eine sympathische Kundgebung. Barcelona, 11. Juni. Das Gericht verurteilte den Bedienten Arial, welcher am 12. April auf den Ministerpräsidenten M a u r a einen Mordanschlag verübte, zu siebenJahren vier Monaten Gefängnis. Arbeiterbewegung. Gera, 12. Juni. Der hiesige M a u r e r st r e i k ist jetzt in ein etwas milderes Stadium getreten. Ter fürstliche Gewerbe- inspettor Müller ist gestern im Namen der Streikenden an die Maurermeister herangetreten, um Eiuigungsverhandlungen einzuleiten. Dem Vernehmen nach sind demnächst Verhandlungen zwischen den Parteien zu erwarten. Budapest, 11. Juni. Um der Möglichkeit des Einttittes eines Schnitterausstandes vorzubeugen, hat die Regierung die Strafanstalten angewiesen, alles verfügbare Material für die Versetzung der Schnitterarbeiten bereit zu halten. Wie verlautet, wird auch Militär für diese Arbeiten in Aussicht genommen. Kunst und Wissenschaft. — Die Stadt Freiburg t B. hat zum Bau des neuen Theaters noch zwei Häuser gekauft, die 152000 Mark kosten. Hpietplau der vereinigten Frankfurter Stadttheater. OPernhans. Dienstag den 14. Juni, abends 6 Uhr: „Die Meistersinger von Nürnberg." Mittwoch den 15. Juni*): „Der Barbier von Sevilla." Donnerstag den 16. Juni, abends 7 Uhr: „Die Stumme von Portici." Freitag den 17. Juni geschlossen. Samstag den 18. Juni: „Der fliegende Hollander." Sonntag den 19. Juni: „Die Afrikanerin." Montag den 20. Juni geschloffen. Schauspielhaus. Dienstag den 14. Juni*): „Geschwister." Hierauf: „Die Laune des Verliebten." Zum Schluß: „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern." Mittwoch den 15. Juni: „Der eingebildete Kranke." Hierauf: „Flachsmann als Erzieher." Donnerstag den 16. Juni, abends halb 8 Uhr: „Salome/ Hieraus: „Wann wir altern." Zum Schluß: „Die Empfehlung." Freitag den 17. Juni: „Krieg im Frieden." Samstag den 18. Juni: „Alt-Heidelberg." Sonntag den 19. Juni: „Die Jungfrau von Orleans." Montag den 20. Juni: Anläßlich der 25jährigen Tätigkeit des Intendanten Emil Claar als Bühnenleiter in Frankfurt a. M. Neu einstudieri: „Demetrius-Fragment" in 2 Akten von Schiller. Hierauf: „Theater-Rede" von Emil Claar. Zum Schluß: „Götzvon Berlichingen." 2. Akt. *) Anfang, we nn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 11. Juni 1904. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 2’/8 Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 201.40 201.50 Deutsche Bank . . . 219.20 219.37 Darmstädter Bank ♦ . 137.50 137.90 Bochumer Guß . . . 189.50 —.— Harpener Bergbau . . 198.90 198.90 Tendenz: Ziemlich. — Rcichsbank. Am 20. Juni wird in Oldenburg eine von der Reichsbankhauptstelle in Bremen abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kaffeneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Wechsel auf Oldenburg, welche nach dem 19. Juni fällig sind, werden von jetzt von der Reichsbank angekauft. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 13. Juni. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heuttgen Fruchtmarktpreise: Weizen Mk. 17.25—00.00, Kurhessischer Mk. 17.25—00.00, La Plata Mk. 17.25—18.25, Kansas Mk. 17.75—18.50, Roggen (hiesiger) Mark 13.25—13.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.00—15.50, Frankenfelder Mk. 15,75—00,00, Hafer Mk. 12.25—14.00, Mais Mk. 11.50—12.00, Weizenmehl 0 Mk. 26.00—26.50, 2. Qualität Mk. 24.00 bis Mk. 24.50, 3. Qualität Mk. 22.00—22.50, Roggenmehl 0 Mk. 22.00—22.50,1. Qualität Mk. 19.50—20.00, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Mk. 9.25, Roggenkleie Mk. 9.50—10.00, Maiskeime Mk. 10.50 bis Mk. 10.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00-000.0. Alles per 100 Kg. ab hier. ko. Frankfurt a. M., 13. Juni. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notiertmgen der heuttgen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 529 Ochsen, 252 aus Oestreich, 70 Bullen, 2 aus Oestreich, 648 Kühe, Fersen, Sttere imd Rinder, 0 aus Oestreich, 292 Kälber, 196 Schafe und Hämmel, 1491 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1.Qualität 71—73 Mk., 2. Qual. 66—69 DU., 3. Qual. 60—63Mk.; Bullen l.Qual. 63 bis 65 Mk., 2. Qual. 60—62 Mk.; Kühe 1. Qual. 69—71 Mk., 2. Qual. 64—66 Mk., 3. Qual. 60—62 Mk, 4. Qual. 47—49 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: l.Qual. 79—87Pfg., Lebendgewicht 50—52 Pf., 2. Qual. 77—82 Pfg., Lebendgewicht 46—49 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 60—65 Pfg., Schafe: l.Qual. 68—70 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 54—00 Pfg„ Lebendgew. 42 Pfg., 2. Qual. 52—53 Pfg., Lebendgewicht 41—00 Pfg., 3. Qual. 45—47 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: gut. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst Voraussichtliche Witterung in Heffen für Dienstag, den 14. Juni 1904: Zunächst noch heiter, später zunehmende Bewölkung und stellenweise (Westen) Gewitterregen, zunächst wärmer (fchwül(, dann kühler. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Temperatur der Lahn und der Luft am 13. Juni 1904. Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 18°, Luft 22°. Albert Rübs amen. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener 2ln,zeigers. Berlin, 13. Jimi. Der Zentralvorstand der nationalen Partei hat unter dem Vorsitz seines Alters-Präsidenten Dr. Hammacher in einer hier stattgehabten Sitzung mit alten gegen 5 Stimmen folgende Resolution angenommen: Der Zentralvorstand erkennt an, daß der im preußischen Abgeordnetenhause eingebrachte S ch n l a n t r a g sich im Einklang befindet mit derjenigen Stellungnahme, welche die nationalliberale Landtags-Fraktton in Preußen in den Jahren 1892, 1896 und noch 1903 ohne Widerspruch in der Partei zu finden, in der Schulfrage eingenommen hat. Er spricht die durch alle Erklä^ ungen der Landtagsfraktion gerechtfertigte Erwartung ans, daß diese bei Umgestaltung des Gesetzentwurfs bestrebt sein wird, der Simultanschule eine rechtliche Stellung zu verschaffen, die nicht nur die gesetzlichen und tatsächlich bestehenden Simultanschulen unverändert auftecht erhält, sondern auch die Weiter-Entwickelung dieses Schulsystems auf der Linie seiner grundsätzlichen Gleichberechtigung möglich macht. Berlin, 13. Juni. Tas Ermitte lungs-Verfahren wegen der Ermordung die § u e i e D e r l i n ist am Sonntag durch die Bekundungen eines Droschkenkutschers wesentlich gefördert worden. Auf Grund der gegebenen Beschreibung hat sich der Verdacht der Täterschaft aus eine der Polizei bekannte Person gerichtet. Der gegenwärtige Stand des Ermittelungsverfahrens berechttgt zu der Hoffnung, daß die Verhaftung des Mörders- in den nächsten Tagen erfolgen wird. In der Gegend der elterlichen Wohnung des ermordeten Mädchens herrscht große Aufregung. Mehrfach mußte die Polizei wegen der großen Ansammlungen einschreiten und das Haus bewachen. Die C^har- lottenburger Mordsache ist noch immer in völliges Dunkel gehüllt, auch in Bezug auf die Getötete. Frankfurt a. M., 13. Juni. Bei einer Schlägerei, die vergangene Nackt in der Obermainanlage stattfand, wurde der Arbeiter Georg Höfner in den Main geworfen und ertrank. Als der Tat verdächtig wurde der Schlosser S ch ä - delver haftet. Kronberg, 13. Juni. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen waren gestern nachmittag per Automobil auf Schloß Friedrichs Hof ein getroffen und kehrten gegen Ackend nach Wolfsgarten zurück. Magdeburg, 12. Juni. Beim Rennen um das Goldene Rad von Magdeburg stießen die Motoren von Dangla und Demke zusammen. Sämtliche Fahrer sttirzten. Dangla wurde lebensgefährlich verletzt. Breslau, 13. Juni. Beim Rennen stürzte Leutnant von Saurma vom Leib-Kürassier-Regiment. Er erlitt einen Bruch des Schlüsselbeins. London, 13. Juni. Aus Tokio wird gemeldet, daß man täglich den Fall von Port Arthur erwartet. General Oku setzt das Bombardement fort und hat die äußeren Festungswerke und die Urlung-Höhen eingenommen. Kuroki bringt nach Norden vor, die R u f 1 e n weichen zurück. Liauiang ist bereits geräumt und das Hauptquartier nach Mukden verlegt. Tie Japaner stehen in unmittelbarer Nähe von Liaujang. Ferner wird ein großes Treffen südlich von Kaiping gemeldet, in welchem beide Teile sich den Sieg zuschreiben. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M.. 13. Juni. 3*/a% Reicheanleihe . . 102.15 3o/n do. ... 90.15 3V,°/c Koneole .... 101.95 3% do.....90.30 R*/g°/q Heesen .... 100.00 37,% Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . 101.10 47« 56 Oesterr. Silberrente 100.15 4% Unaar. Goldrente . . 99.50 4*V- Italien. Rente . . . 103.20 4tl1% Portugieser » . . 60.75 30/ Portugiesen.....60.00 1% C. Türken .... —.— Türkenlose......127.60 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 46.90 41/,% äussere Argentiner 43.60 3% Mexikaner .... 26.40 4V2% Chinesen .... 88.10 Electric. Schuckert . . . 103.60 Nordd. Lloyd . . . . 9880 Kreditaktien . . , . 201.30 Diskonto-Kommandit. . . 186 30 Darmstädter Bank . . . 137.30 Dresdener Bank .... 150.10 Berliner Handelsges. . . 152.25 Oesterr. Staatsbahn . . . 136.00 Lombarden.....16.50 Gotthardbahn.....191.80 Lanrahfltte...... 243.00 Bochum ....... 189.25 Harpener .... 199.10 Tendenz: fest. Eiubruchdiebstahl. Eine böse Ueberraschung, wenn man eines Morgens oder bei der Rückkehr von einem Spaziergang, einem kurzen Ausflug, einer längeren Reise die Wohnung von Einbrechern geplündert vorfindet. Erfahrungsgemäß gelangt der Bestohlene fast nie wieder in den Besitz seines Eigentums, selbst dann nicht, wenn die Verbrecher ermittelt werden. Es ist daher durchaus erllärlich, daß die Einbruchdiebstahl-Versicherung in ganz kurzer Zeit eine große Verbreitung gefunden hat. Sie garantiert dem Versicherten Schadloshaltung für das Gestohlene und für die Beschädigungen und läßt ihn darum mit Ruhe das Haus verlassen, mit Ruhe schlafen. Er wird sich hüten, unter Lebensgefahr Einbrechern entgegenzutteten, über deren Arbeit er erwacht. Banken usw., die sich sonst schon durch alle möglichen Vorrichtungen gegen Einbrüche schützen, nehmen fast durchweg diese Versicherimg, aber auch Privatwohnungen werden immer mehr versichert, ist doch die Gewißheit, vor Schaden durch Einbruch sicher zu sein, die geringe Prämie allein schon wert. Eine bedeutende Ausdehnung der Einbruckdiebstahl-Versicherung. steht bevor, weil jetzt auch die Victoria die Branche aufgenommen hat. Tie Bedingungen der Victoria sind in verschiedenen Punkten für die Versicherten günstiger als die anderer Gesellschaften, weil das bevorstehende Gesetz über den VersicherungK- verttag schon auf die Bedingungen der Virioria eingewirkt hat. Bei einer Versicherungsdauer von mindestens 5 Jahren ist bei der Victoria die Zahlung der Prämie in Wochenraten zulässig. dnmmnirrnrACCnn Pickeln, Mitesser und Hautunreinig- ijOninivI Spi U3Ö vH, feiten. Das beite und sicherste Mittel dagegen ist Oberweyers Herba-Seife. Stück 50 Pf. und 1 Mk. zu haben in allen Apotheken, Droguerien und Parfümerien. 3175 Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen wird, beginnend Mittwoch den 1. Juni, im Jmpflokale — Schulgebäude, Reustadt 61 — für die nächste« 5—6 Wochen jeden Mittwoch, nachmittags 5—6 Uhr, abgehalten werden. Jmpfpflichtig im lausenden Kalenderjahr find die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die Rückständigen aus früheren Jahren. Wir laden die hiesigen Einwohner, welche impspflichttge Kinder haben, zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines pflichttgen Kindes bis zum Jahresschlüsse auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine vierwöchentliche Frist zur Nachholung der Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird. Außer den Pflichtigen werden 'auch Kinder, welche im lau» senden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft. Alle in einem Termine geimpften Kinder müsieu in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nachschau nochmals erscheinen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Jmpfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden. Die Impflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Landesimpfinstitut geimpft. Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krankheiten herrschen, dürfen nicht in die Termine gebracht werden. Gießen, den 28. Mai 1904. 4761 Großherzoglicke Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Curschmann. Bekanntmachung. Samstag den 18. Juni, vormittags 11 Uhr, findet in dem Titznngssaal tut Bürgermeistereigcbäude die öffentliche Verpachtung der städtischen Sandgrube an der Rödger Straße auf die Dauer von drei Jahren statt. Gießen, den 10. Juni 1904. 5126 Großherzoglicke Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Curschmann. kaum Lennis - Turnier zu Gießen veranstaltet von dem LemisW „Liebigshöhe" m Zombciiö dem 2. Juli i). F., Uchmittsgs 3 Wr BBh |"oloeni)e Inge auf dem Temnsplch Liebigshöhe. Ausschreibungen: 1. Herren-Einzelspiel I. Klasse Wanderpreis, in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zu gewinnen. Ehrenpreis dem 1. und 2. Sieger. Offen für alle in Gießen wohnenden Spieler. Einsatz 6 Mark. 2. Damen-Einzelspiel L Klasse Ehrenpreis der 1. und 2. Siegerin. Offen für alle in Gießen wohnenden Spielerinnen. Einsatz 6 Mark. 8. Herren-Einzelspiel II. Klasse Ehrenpreis dem 1. und 2. Sieger. Offen für alle in Gießen wohnenden Spieler, die in Ausschreibung 1. nicht genannt haben. Einsatz 4 Mack. 4. Damen-Eiuzelspiel II. Klasse Ehrenpreis der 1. und 2. Siegerin. Offen für alle in Gießen wohnenden Spielerinnen, die in Ausschreibung 2. nicht genannt haben. Einsatz 3 Mark. 6. Herren-Doppelspiel Ehrenpreise den 1. und 2. Siegern. Offen für alle in Gießen wohnenden Spieler. Einsatz 4 Mark. 6. Gemischtes Doppelspiel Ehrenpreise den 1. und 2. Siegern. Offen für alle in Gießen wohnenden Spieler und Spielerinnen. Einsatz 4 Mark. Maßgebend sind die „Gesetze des Lawn Tennis-Spieles" von der Lawn Tennis- i Association, sowie das „Regulativ für die Durchführung von Lawn Tennis-Turnieren" von ider Lawn Tennis-Association. — Listen zum Einzeichnen der Beteiligung liegen aus: auf ;bec Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, beim Hauswart des Gießener Gcsellschaftsvereins, beim Hauswart der Großherzogl. Landesuniversität und beim Hauswart der chirurgischen Klinik. — Bei der Nennung hat gleichzeitig Zahlung des Einsatzes zu erfolgen. Nerrrmrrgsschluk am 23. Juni, abends 6 Uhr. Die Gegnerschaft wird ausgelost. Die Auslosung findet statt am 23. Juni, abends Uhr auf dem Tennisplätze Liebigshöhe. — Zur Verwendung kommen Slazenger's „Best*-Tennisbälle. — Der Tennisplatz ist für die Teilnehmer am Turnier 3 Tage vor Beginn desselben zur Benutzung geöffnet. Jede weitere Auskunft erteilt Herr Max Hamers, Restaurant Kaltwasser, Dienstags von 5—6 Uhr abends und Freitags von 12—1 Uhr mittags. Gießen, den 11. Juni 1904. 5203 Der Turnier-Ausschuß: Provinzialdirektor Dr. Breidert, Ehrenvorsitzender. Hauptmann Köttschau. Beigeordneter Curschmann. Privatdozent Dr. Kißkalt. Max HamerS. Hochfeine uene Mchrs-Heringe und M« um Sommer- «ilti-Strtiftll empfiehlt 5185 Christian W allenf eis 17 Marktplatz 17 Telephon 262. Gegründet 1826. ussboden-oellackfärbe FRflUENBB garantirt blei- u. giftfrei. 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