Erstes Matt Samstag LZ.November 1904 Schulstratze 1. tlbrefie für Depeschen: Anzeiger Gtetzen. Fernsprechanschluß Nr. 51. 154. Jahrgang per. ÄO7 •rf»«int ta6U» außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Kamillen» Hättet viermal in der Woche beigelegL Rotationsdruck il Verlag der Brüh l'schen Untverf.-Buch-u. Stein- druckerei. 8t Lang», ilMnerAMiaer General-Anzeiger ® ** Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gietzen VezngspretSr monatli ch 75 Pf., viertel* jährlich Mk, 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dir Post M.2.—»irrrel- iährl. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich füt den pofit und allgern. Teil: P. Wittko- für »Stadt und Land^ und »GerichtLfaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. B ii Ium 400zährigen Heöurtstage 'Dßikipps des Großmütigen. (13. November 1504 — 13. November 1904.) „Zu Marburg am Sanct Brixen Tag Des Morgens nach dem fünften Schlag Im tausend fünfhundert und vierten Jahr Dieser Landgraf geboren war. Landgraf Philipp, von dem ich meldt, Der ist der groß und tapfere Heldt, Der mit großer fürstlicher Tat Gar namhaft gemachet hat Sich selbst und dieses Fürstentum In aller Welt mit Preis und Ruhm." 1 Die Erinnerungsfeier der 400jährigen Wiederkehr des Tages, an dem Philipp der Großmütige, der Stammvater der beiden Linien des Hauses Hessen, der mit Weisheit und Kraft ein halbes Jahrhundert ruhmvoll und erfolgreich die Geschichte seines Volkes geleitet hat, das Licht der Welt erblickte, begeht heute mit dem gesamten Hcsscnland die hessische Landes- universität in besonders festlicher Weise, beglückt durch die Teilnahme unseres Landesherrn, Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs Ernst Ludwig an den hiesigen Feierlichkeiten. Die Lebensschicksale Philipps des Großmütigen, dieses bedeutendsten Fürsten des Reformationszeitalters, sind nicht nur mit seiner Heimat, sondern mit dem gesamten deutschen Vaterlande, insbesondere mit dem protestantischen Deutschland, eng verknüpft, feiern wir doch in ihm den Helden seines Jahrhunderts, im Kampfe mit dem Schwerte wie im Kampfe mit dein Geiste. Zunr Gedenktage wollen wir daher im folgenden in kurzen Zügen das Lebensbild des großen Fürsten in die Erinnerung rufen. Am 13. November 1504 wurde auf dem Schlosse zu Marburg zur großen Freude des Landes und des hochbeglückten Vaters, dem Landgrafen Wilhelm II., „dem Mittleren", und seiner Gemahlin Anna von Mecklenburg, ein Thronerbe geboren, der bei der Taufe nach seinem Paten, dem Grafen von Waldeck, den Namen Philipp erhielt. Bei seiner Geburt war die Stellung der Gestirne so merkwürdig, daß ihm die Sterndeuter „bei kecken kriegerischen Thaten einen hohen, unbeugsamen Sinn, viel Mäßigkeit im Sieg, Sicherheit und Heimlichkeit der Maßregeln, Weisheit und hohe Vernunft in Gesehen urtb Urteilen und viele Liebe zn seinen Dienern prophezeiten". In zarter Kindheit, in noch nicht vollendetem 5. Lebens- *) Hessische Reim-Chronik bei Kuchenbecker annnL Hass. VI. lahre, sah sich der junge Prinz durch den frühzeitigen Tod des Landgrafen Wilhelm der Fmrsorge und des gesegneten Einflusses eines weisen urtb liebevollen Vaters beraubt. Der Tod des Landgrafen rief bei der Minderjährigkeit des Thronerben einen 9jährigen Streit über die Regentschaft hervor. Die Landgräsin Anna beanspruchte nach einer angeblich lehtwilligen Bestimmung ihres Gemahls für sich allein die Regierung, während die hessischen Landstände, gestützt auf eine frühere Willenserklärung des Landgrafen, einen Landtag beriefen und einen Regentschaftsausschuß wählten, der Ludwig von Bohneburg als Landhofmeister und die durch Erbverbrüderung mit Hessen verbundenen sächsischen Fürsten als Obervormünder ernannte. Ter junge Prinz wurde von seiner Mutter getrennt und dem Landhofmeister übergeben, der ihm nicht die allzu sorgfältigste Erziehung zuteil werden ließ. Erst auf Fürbitte beint Kaiser wurde d.er landgräflichen Mutter gestattet, etliche Male im Jahre ihren Sohn zu besuchen, „um Ergötzlichkeit mit ihm zu haben". Beim Volke erfreute sich die neue Regentschaft nur ge^ ringer Beliebtheit; die Städte Homberg und Treysa verweigerten die Erbhuldigung in die Hände des Landhof- meisters. Wenn es auch diesem gelang, die Widerspenstigen durch einen Kriegszug —, den man spottweise die Hühnerfehde nannte, weil es die Landsknechte hauptsächlich auf die Hühner abgesehen hatten, — zum Gehorsam' zu bringen,! so dauerte die Unzufriedenheit im Lande doch fort, namentlich über die mangelnde Rechnungsablage der «Verwaltung Auf einem Landtage zu Kassel, auf dem auch Anna erschien,! sollten die Beschwerden näher geprüft werden. Die tumul- tuarischen Kundgebungen der Bürger zu Kussel, die sich für die Landgräfin erklärten, zwangen den Landhofmeister v. Boyneburg zur Niederlegung der Regentschaft. Philipp wurde seiner Mutter übergeben, und diese trat die Regentschaft an, nachdem sie sich dieselbe von dem Kaiser, zu dent sie nach Innsbruck und Augsburg gereist war, hatte bestätigen lassen. Auf Bestreben der Ritterschaft, die einen, größeren Einfluß auf die Regierung des Landes erstrebte, wurde der noch nicht 14 Jahre alte Prinz Philipp vom. Kaiser Maximilian am 16. März 1518 für mündig und regierungsfähig erklärt. Unter schwierigen Verhältnissen ergriff der junge Fürst die Zügel der Regierung. Raubrittertum und Fehdewesen hatten während der Vormundschaft des jungen Prinzen auch in Hessen günstigen Boden gefunden. Adel und Ritterschaft erstrebten größere Selbständigkeit unter Schmälerung' des landesherrlichen Ansehens. Auch von außen drohte dem Laude schwere Gefahr. Ter hochstrebende und rauflustige F-ehderitter Franz von S i ck i n g e n, das Hauptz dec ritterschaftlicheu Vereine am Rhein, in Franken und Schwaben, sandte Philipp aus altem Groll gegen das landgräfliche Haus und wegen einer unbedeutenden Streitsache einen Fehdebrief. Sengend und brennend fiel Sickingew in die Grafschaft Katzenellenbogen ein, und bald stand er vor Darmstadt, in dem die Blüte des hessischen Mels lag/ Statt die vom Markgrafen von Brandenburg versprochen^ Hilfe abzuwarten, schloß man voreilig einen Vertrag mip Sickingen ab, in dessen Folge der Landgraf eine Kriegs-) entschüdigung von 35 000 fl. zahlen mußte, die auch ins! lauter Hellern nach Mainz abgeliefert wurde. Durch den) Sickingenschen Ueberfall war dem Lande ein Schaden von 300 000 Gold gülden erwachsen. .Bald sollte der junge Landgraf Gelegenheit finden',' Sickingen für seinen Uebermut zu bestrafen. Ms Sickingen nämlich bald darauf in das Erzbistum Trier einfiel unb; hier ebenfalls alles verwüstete und brandschatzte, eilt» Kleines Aeuilleton. — Gießener Erinnerungen an Philipv den Groß m ü tigen. Bei den unruhigen Zeiten, die Kindheit und Regierung des Landgrdfen Philivp erfüllten, weilte er oft und gern in seiner festen Stadt Gießen, die ihm mehr Sichcr- 1gkL bot wie seine Residenzen Kassel und Darmstadt. Auch seine Witter, die Landgräfin Anna sand während des heftigen Streites mit den Ständen über die Vormundschaft des jungen Prinzen in Osteßen Schutz. Während der Sickingenschen Fehde, die der Grafschaft Katzenellenbogen mit Darmstadt viel Schaden und Bedrängnis brachte, wohnte der junge Landgraf mit seiner Mutter längere Zeit in Gieren. Tie bewegte Zeit der Kirchen- Reformation brackte Gießen fortwährend angesehene Gäste. Luthers Rückkehr vom Reichstage von Worms 1521 erfolgte mit des Landgrafen starker Begleitung über Gießen nach Alsfeld. Als Philipv 1529 von Kassel mit zahlreichem Gefolge, das auf den Aermeln die Buchstaben V. D. M. I. A. (verbum Bei man et in aeternum: Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit) trug, zum Reichstag nach Speier zog, nahm er Aufenthalt in Gießen. Beim Besuche des Konvents zu Frankfurt im Jahre 1539 sah Landgraf Philipp die sächsischen Fürsten Moritz und Johann Friedrich von Sachsen bei sich zu Gaste in unserer Stadt. Eine besondere Fürsorge erfuhr Gießen, als es der Landgraf zu seinem weiteren Schutz in den Jahren 1530—1533 mit einem 40 Fuß hohen Wall und Graben, in den das Wasser der Lahn geleitet wurde, umgeben ließ. Auch erbaute Philipp hier ein Zeughaus, ein bedeutendes Arsenal für damalige Zeit, das an der Stelle der heutigen alten Kaserne stand. Ein „Jnventarium der .Festung Gießen" vom 23., 24., und 25. August 1568, also etwa ein ^ahr nach Philipps Tode aufgestellt, nennt 47 Geschütze, die hier stuft nähme sanden, darunter Kartaunen von 60 bis 70 Zentnern, ore 40 Pfund Eisen schossen. An Munition lagerten über -00 Ztr. Pulver, 100 Zentner Salpeter. Außer zahlreichen Formen zum Gießen gab cs über 100 Pulvermühlen. An Feuerwaffen nm reu weiter vorhanden 15 Feuerbüchseu und 492 „Handrohre . -Ehrend deS schmalkaldischen Krieges (1547) lagen in Gießen 4 Fähnlein Söldner, zu 400 Mann das Fähnlein dnrchschnittluh O „Schanzbaucrn" nach Gießen beordert. 1560 ließ der Landgraf die Befeßigungswcrke in Gießen, die 1547 infolge feiner Gestngennehmung hotten geschleift werden müssen, wieder Herstellen und den Bescstigungsring noch weiter vorschieben, ^as Erwerbsleben der Bürger der damaligen Stadt Gießen konzentrierte sich zum Teil um Festung und Zeughaus; fanden doch Gießener Meister, wie Schmiede, Schlosser, Zimmerleute, Wagner, „Bender", Seiler, Feldsattler in dem Zeughause beständige Beschäftigung. Auch sonst suchte der Landgraf Industrie pud Handwerk zu fördern. Unter seiner Regierung blühten in Gießen Wollindustrie und Tuchweberei. Landgraf Philipv ließ auch tm Jetzre 1530 deu Friedhof an der Licher Straße anlegen, weil mit der Erweiterung der Stadtbefestigung die Benutzung dec- Friedhofs am Seltersberg für die Festung Gießen störend war. Entziehen sich die weiteren Verdienste, die der Landgraf Philipv von Hessen sich um Gießen erworben, unserer Beurteil una, so wagen wir doch bestimmt auszusprecheu: Er hatte auch in Gießen den Manu aus dem Volke an sich hangen. Philipp de r G r O ß m ü t i g e a l s I ä g e r Hessens Fürsten lagen von jeher gern dem edlen Waidwerk ob. Schon die Vorgänger Philipps des Großmütigen, dessen besondere Freude an der Jagd bekannt ist, Ludwig I. und Ludwig II., waren rührige Jäger, die oft mit einem großen Trosse von Reitern, Sängern und Spielleuten zum fröhlichen Jagen auszogen. In den sumpfigen Niederungen, die damals ein Tritteil Hessens ausmachten, konnte sich das Bild außerordentlich vermehren, so daß die Besitzer des Landes zum Schutze ihrer Gebiete zur Ausübung der Jagd gezwungen waren. Philipp der Großmütige konnte sich rühmen, schon in der Jugend einen Bären e r l e g t zu haben. Ter Landgraf besaß treffliche Jagdhunde, meist Geschenke befreundeter Fürsten. Tie Hunde, die für Philipp ein Gegenstand besonderer Sorgfalt waren, vergaß er auch während seiner harten Gefangenschaft nicht. Taß Philipp ein tüchtiger Jäger war, zeigt die Tatsache, daß er innerhalb weniger Tage bei einer Hetze im Jahre 1559 über 1100 Stück Schwarzwild erlegte und bei einem Treibjagen 150 Hirsche fing. An einem Tage, im November 1562, wurden in Oberhessen bei Romrod allein 116 Wildschweine erlegt, wie denn die Beute des ganzen Jahres an Wildschweinen die stattliche Zahl 1221 äufweist. Landgraf Philipp hielt das Abhalten der Jagden in den verschiedenen Revieren seines Landes für notwendig, weil er dadurch Gelegenheit fände, die Stimmung der Bevölkerung über Regierung und Verwaltung kennen zu lernen, andererseits waren die fürstlichen Jagden den Landeskindern selbst erwünscht, weil sie hierbei ihren Fürsten ihre Bitten und Wünsche vortragen konnten. Tiesen Vorteil, auf diese Weife sich den Landeskindern zu nähern, empfiehlt er auch seinem Nachfolger in seinem Testamente, worin es heißt: „So ist's auch , gut, daß die Herren zu Zeiten sich verlustieren, die sonsten mit schweren Geschäften beladen sein. Die Herren vernehmen auch . viel, wan sie uff der Jagt und Jagtheusern fein, als wan sie stets am Hoflager weren, können auch dadurch ihre Grenzen selbst wissen, was ire ist, kann auch sonst mancher arme Mann vorkouimen, der nicht sonsten zugelassen wirdt. Darneben sollen sie den Leuten vergönnen, daß sie ohne Schaden des Wildprets ihre Früchte be- zeunen, auch zu etlichen Zeiten mit Hunden abhetzen und sonderlichen die wilden Seu, die den meisten Schaden thun. Wo auch das Wildpret der Armut so großen Schaden tut, sollen sie dagegen Erstattung thun, oder einen etwas an Rathen, Zehenden und Zinsen nachlassen." —6— — Z u r Landgraf Philipp-Literatur. Zur 400- jährigen Wiederkehr des Geburtstages Philipps des Großmütigen erscheint eine reiche Literatur. Die historischen Vereine für da.s Großherzogtum Hessen foiuie für Hessen-Kassel haben uns mit größeren Festgaben beschenkt. Wir müssen uns beschränken, aus den 24 Abschnitten der F e st s ch r i f t des historischen Vereins für das Gr o ß he r z o g t u mHessen: PhilipvderGroß- m ü t i g e, Bilder undGeschichten aus seinem Leben und seiner Zeit neben den schätzenswerten Arbeiten hauptsächlich Darmstädter Gelehrten einige verdienstvolle Beiträge hiesiger Mitarbeiter zu erwähnen, wie: Haupt, sozialistische und religiöse Volksbewegungen in Hess. Städten, 1525—1526; Köhler, Hessen und die Schweiz nach Zwinglis Tode pp., 1540 bis 1560: Vogt, Die Eroberung Darmstadts am 22. Dez. 1546: Ebel, das Obcrsürsteutum int Beginne des schmalkaldischen Krieges, 1546—1547; Schädel, Philipp der Großmütige im Weinbrenuerscheu Handel, 1547. Die Lokalgeschichte interessiert: Jost, das neue Schloß zu Gießen. Von den 14 Aufsätzen in der „F estschrift rum Gedächtnis Philipps des Großmütigen pp., herausgegeöen vom Verein für Hess. G e s ch. und Landeskunde" (Kommissionsverlag dort G. Tufahel-Kassel, Preis 6 Mk.) sind neben der Einführung zum Titelbilde vdn v. Drach als Arbeiten, die speziell den Kasseler Bezirk berühren, zu nennen: W. Dersch. das Vorspiel der ReformatiO't in Hersfeld: A. Hupskens, Philipp der Großmütige und die Deutschordensballei Hessen; Fr. Küch, Landgraf Philipp und die Einführung der Reformation in Hessen; Derselbe —, die Stellung des Landgrafen Philipp zum Kirchenbann int Jahre 1532; O. Merx, der Bauernkrieg in den Stiften Fulda und Hersseld und Landgraf Philipp der Großmütige; A. Hupskens, die ersten Marburger Prädikanten. — Von kleineren Festschriften zur Jubelfeier liegen uns öor: Fr. Wiegand, Philipp derGroßmÜtige alsevangelischerChrist. (Elwert'sche Buchhandlung, Marburg.) Festrede, gehalten im Rittersaale des Schlosses zu Marburg am 26. Juli "1904 gelegentlich der 70 jähr. Jahresversammlung für Hess. Gesch. und Landeskunde, eine Schilderung, die sich „über das innere Wesen Philipps ebenso offen als überzeugend ausspricht", ferner: E. R. Grebe, Philipp der Großmütige, Landgraf von Hessen, (Kassel, Verlag v. Vietor), ein Beitrag, der in allgemein verständlicher. Weise ein Lebensbild des hessischen Land- grafeit entwirft. — Tie im Dienste der Heimatgeschichte stehende Zeitschrift „H e s s e n l a n d", (Verlag von Fr. Scheel-Kassel), läßt zum Jubeltage ein Festheft, ausgegeben am 4. Nov. 1904, erscheinen. Von poetischen Festgaben der Jubelnummer sind anzuführen: G. A. Müller, Philipp dem Großmütigen, Schwie- ning, G., Ode an Philipp den Großmütigen, B., Philipps-Lied- Bertelmann, H., Landgraf Philipps Heimkehr, Brant, Marie,- Epilog. Ans dem Inhalt der Festschrift sind weiter zu erwähnen: Armbrust, £., Landgraf Philipp von Hessen, ein Umriß seines Wesens; Schwarzkopf, die Schlacht bei Lauffen am 13. Mai 1534; Seelig, Fr., Versuch einer kritischen Uebcrsicht der gesamten Literatur über Philivpum Magnanimum pp.; Eisemamt, O., lieber einige Bildnisse Philipps und die Beziehungen seiner Eltern zu Lukas Cranach; Weinmeister, P., Die Münzprätr- ungen Philipps des Großmütigen; Seelig, Landgraf Plnlipv in Kunst und Poesie: Treller, Fr., Landgraf Philipps erster Wafsengang. Hist. Skizze. Schreckenbach', „Anna von Hossm", ein tragisches Schauspiel in fünf Aufzügen von Birü An Abbildungen bringt die Festschrift: Landgraf Philipp nach dem Holzschnitt von Brosamer (1536), Landgraf Philipp nach dem Gemälde von Müller (157O\ Landgräsin Christine nach dem Staudbilde in der Martinskircbe in Kassel, Margarete von der Saal nach dem Originalgemälde im Königl. Museum zu Kassel, Landgraf Philipp in der Schlacht bei Lmlssen, Modell für ein Denkmal Philipps des Großmütigen von H. Brandt, Denkmal Philipps des Großmütigen zu Merxhausen v. H. Brandt. — • Schließlich sei noch hingewiesen auf das jüngst vielseits empfohlene Hessische Reformations-Büchlein für Sclmle und Haus von Fr. Herrmann (Verlag der^.Elwertscheu Buchhdl., Marburg), ein Volksbüchlein int wahren Sinne des Wortes, das neben populärer Darstellung eine reiche Ausstattung von Bildnissen de'- Träger der Reformation und Ansichten von althessi- scheu Städten bietet. — Allen Freunden der hessischen Heimat-' geschichte, die die Bedeutung Philipps des Großmütigen und seiner großen Reit zu würdigen wissen, können wir die vor- erlvähnten Schriften wärmstens empfehlen. allgemeine Sache des Evangeliums lang und breit örtert und zwei Stunden lang über die Eucharistie ungeheuren Ausgaben für Kriegszwecke —, kostete doch ein einziger Feldzug des Landgrafen 400—500 000 fl. —, wurde eine Landessteuer erhoben. Zur Abtragung der Schulden und zur Ablösung der Pfandschaften bewilligten 1553 die Stände die erste indirekte Steuer auf Wein, Bier, Branntwein, zunächst auf 8 Jahre, die auch später von der Ritterschaft geleistet werden mußte. Philipps weiser Finanzpolitik gelang cs, die Staatseinnahmen zu vermehren, ohne das Volk durch hohe jüngste, der A h n h e r r d c s h e s s e n - d a r m st ä d t i s che rr Hauses. Eine Verirrung war es, daß der Landgraf Philipp eine Neben ehe mit dem sächsischen Hoffräulein von der Saal einging. Er befand sich in einem theologischen Irrtum, wenn er glaubte, eine Doppelehe sei nirgends in der heiligen Schrift verboten. Luther und Melanchthon hatten die Schwäche, diesen Schritt des Landgrafen gut zu heißen. Aus dieser Nebenehe entstammten eine Tochter und sechs Söhne, die den Namen der Grafen von Diez erhielten und fast alle früh unverheiratet starben. Das Wohl der Kirche lag Philipp bis zuletzt am Herzen. In seinem hinterlassenen Testamente an seine vier Söhne empfahl er unter anderen weisen väterlichen Mahnungen, eine Annäherung der durch die Spaltung hervorgerufenen verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften zu ermöglichen, wenn cs heißt: „Ob unser Herr Gott Gnad gebe, daß sich die Papisten würden unserer Religion nehern, vnd da es zu enter Vergleichung kommen möchte, die nicht wider Gott vnd sein heiliges Wort, wollen wir treulich gerathen habens daß unsere Söhne mit Rath und Gelerten und Nngelerten, frommen vnd nicht eigennützigen Rüthen solche Vergleichung befördern Helffen vnd nicht ausschlagen." An einem Ostermontage, am 31. Mürz 1567, wohl vorbereitet nach Empfang des heiligen Abendmahles, schied Philipp mit den Worten: „Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist!" sanft und schmerzlos aus dem Leben. Von ihm. dem großen Helden, hat einmal Zwingli gesagt, daß er jenem Äcker sm ann gleiche, der die Hände an den Pflug legt und nicht zurückschaut. Sah Philipp auch nicht alle seine Wünsche in Erfüllung gehen, erwies sich ihm auch I manche Hoffnung als trügerisch, wahr wird immer bleiben, daß er das Wort, das er einst in jugendlicher Begeisterung an Luther schrieb: „Ich wi l l m e in e n H ess en h elfen."' bis zum letzten Atemzuge betätigt hat. r-e—. Permanente Ausstellung der Gießener Möbelfabrik (mit besteingerichtetenr Maschinenbetrieb) Th. Brück, Ecke Schloßgasse, Kanzleiberg, Brandplatz, gegr. 1858. Größtes Möbellager, 100 Zimmer - Einrichtungen, 10 Schaufenster, 1200 qm Ausstellungsräume. Durch Selbstfabrikation Garantie für nur erstklassige vorzttgl. Ausführung in geschmackvoll moderner Richtung. Lsrg. srko. jed. Bahnstat. eoent. dura) eig. Fuhrwerk. Telef. 373. Teppiche, Vorhänge, Linoleum, Metall-Betten, Patent-Matratzen, Bettfedern, Daunen, voll- lländ. Betten. C'% Zum 12. November 1904. Wenn heute rings im Vaterlande So weit ein deutsches Wort erklingt. Vereint durch reinem Glaubens Bande, Ein Dankcsmf zum Himmel dringt, So gilt er Landgraf Philipps Manen Der als ein Held, mit Schwert und Wort Entfaltet' deutsche Geistes Fahnen Der freien Christen starker Hort. Der schon als Knabe auserkoren. Zu lenken unfrei Land's Geschick, Den Sieger sah vor seinen Toren Verlassen von des Krieges Glück. Ein Jüngling aber, könnt er schwingen Das Schwert mit Macht, für Land und Ehr! Und Herrn Franziskus niederringcn. Entwinden ihm die blut'ge Wehr! Er stand an neuer Zeiten Schwelle, Ter Schwan von Wittenberg, er sang Und hoffnungsfreudig dämmert Helle, Gar fröhlich Huttens Streitruf klang. Noch lag in fest verstrickten Banden Im Schlummer uns'res Volkes Geist, Da sich die ersten Rufer fanden, Die Wort und Lied noch heute preist. Ms erster Fürst aus deutschem Stamme, Bot Landgraf Philipp starken Schutz Er hütete der Geister Flammen, Er wagte Papst und Kaiser Trutz. Er schützte deutschen Geistes Wehen; Ein Schirmherr deutscher Wissenschaft, Lies er in Marburg auserstehen Ein leuchtend Mal in stolzer Kraft. Sein scharfes Schwert zerschlug die Ketten, Die Trug um Württemberg geschürzt, Er Hub die Hand, den Freund zu retten, Den schmählich Habsburg Macht gestürzt. Er könnt im Glücke sich bescheiden, Wie mannhaft er das Unglück trug, Als welsche List zu schweren Leiden In engen Kerkers Haft ihn schlug. Er war ein Mann, drum unvergessen Bleibt die Erinnrung an ihn wach. Im Herzen aller treuen Hessen Klingt nach Jahrhunderten sie nach. Sind seine Taten auch gcschrtebcn Mit gold'ncr Schrift in Stein und Erz, Lebendig ist sein Bild geblieben. Noch heut schlägt ihm des Volkes Herz. F. Metzle r. und regieren und es halten solle, wie er es gegen Gott und kaiserliche Majestät zu verantworten sich getraue". Hiermit wurde die Grundlage der Rechtsgiltigkeit aller nachherigen Verhandlungen in kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Am 21. Oktober 1526 berief Philipp sämtliche Prälaten und.Geistliche, die Ritterschaft und die Städte von Hessen zu einer Landessynode nach Homberg an der Efze, um sich „in Sachen, den heiligen Glauben betreffend, zu vergleichen". Der gelehrte Theologe Franz Lambert vonAvignon und Philipps Hofprediger Adam Krafft trugen der Versammlung die Sätze der neuen Kirchenordnung vor. Die Hornberger Beschlüsse sind von welthistorischer Bedeutung, als sie gründ sätzlichdieLostrennung von der römischen Kircheentschicden. Wenn auch diese erste hessische Kirchenordnung, die die Einrichtung des Kultus und tdjer Verfassung der Kirche festsetzte, erst später bekannt gegeben wurde, auch die Kirche erst ihren Ausbau 1536 durch die Wittenberger Concordiensormel erfuhr, so bildete sie dennoch den Grundvertrag der hessischen Landeskirche. Als auf dem 2. Reichstage zu Speyer 1529 die Beschlüsse des ersten Speycrschen Reichstages von 1526, der jedem einzelnen Landesfürsten die Regelung der religiösen Angelegenheiten übertrug, zurückgcnommcn wurden, unter-1 zeichnete Philipp die „Protestatio n" der evangelischen Stände gegen jene Maßnahme. Stets zur Eintracht ge- »eigt, veranlaßte der hessische Landgraf, um eine Einigm«g der Lutheraner und Oberdeutschen herbeizuführen, das Reli- gionsgespräch zu Marburg (1529), dessen Zweck an Luthers Standpunkt über die Abendmahlslehre scheiterte. Auf die Beschlüsse des Augsburger Reichstags (1580) hin, der die Protestanten auffordcUe, „zur katholischen Lehre zurück- zukehren, wozu occ Kaiser alle Macht aufbieten werde", Hleue Wücher. tx-rrmann Sic, Frib, Seff. RcformationsbückMn für Schule und Daus Auf V-El-ssnng d M Cbafonfiftortan.« in Tarmstedt verfaßt. (91 S. mit vielen Jllustr.) ..imcjnrg, N. ®- S^ssUch-realen der. (Gr°ßh. Dessen.) Mit 6 Drigf- unYlifboar von Ernst Libermann in München. Red.: Prof. Tr Anthes in Darmstadt L^rg., Tmmstadt, h. Hohmann Land-Kalender f. d. Großh. Heß en. Juf b. ^abt der gnadenreichen Geburt Jesu Christi ^05.195 Jahrg. ( S. m rablr Abbild) Darmstadt, Großh. Jnvalwrn-Anstalt. 20 Pfg. Kunst Tie des Jahres, Deutsche Kunstausstellungen. 1904. (159 Folio-Abbild.) München, Verlagsanstalt F. Bruckmann. Geb. $ d^S^ch err Johs., Germania. 2 Jahrtausende deutschen Lebens kulturaeschichtl. "dargestellt. Neu berausg. von Hans Prütz. Lfg. 1 4° (S. 1—40 m. vielen Jllustr.) Stuttgart, Union. Jede Gedichte in Franks. Mundart. (96 S.) Frankfurt a. M-, Gebr. Fey. Boe.litz, Martin, Schöne alte Kinderlieber. Ern deutsches Hausbuch. (78 S. m. Bilden: v. Ad. Jöhnssen.) Nürnberg, E Nister. Geb. 4.50 Mk. — Meister Lampes lustige Streiche und Abenteuer. Für die Jugend bearbeitet. (70 S. m. Mbild. v. Max Liebenwern.) Ebda. geb. 3 Mk. die 1543 erließ der Landgraf eine Verordnung, die den Kirchen- er- besuch bei einer Strafe von 6 Schillingen anempfahl. ge- Die Förderung des Handwerks, des Gesprochen." " Iwerbes, die Verbesserung von Straßen und Eine entschiedene Stellungnahme bekundete Philipp 1525 Wegen, die Errichtung von Posten, die Beschränk- 6ei einer Zusammenkunft mit dem Kurfürsten Johann dem ung des Wuchers, die Erhaltung und Besser- Deständigen von Sachsen zu Kreuzburg an der Werra, bei ung der Wälder, die Erweiterung der Salzwerke, welcher Gelegenheit er erklärte: „Er wolle eher Leib und die Gewährung von Bergwertsfreiheiten ließ sich Leben, Land und Leute lassen, denn von Gottes Wort1 der Landgraf angelegen sein. Durch die musterhafte Be- weichen." 1526 schloß der Landgraf mit seinen Freunden wirtschaftung seiner eigenen Güter konnte er seinen Unter- das Torgauer Verteidigungsbündnis „zur Auftechterhaltung tauen ein anregendes Beispiel geben. Zur Bestreitung der des heiligen Werkes, zur Abstellung der Mißbräuche des Gottesdienstes, gegen alle Widersacher auf Leib und Gut, Land und Leute". Durch Philipps Einfluß kam auf dem Reichstage zu Speyer 1526 das Zugeständnis zustande, daß ein jeder Reichsfürst in Sachen der neuen Lehre „so leben Ab gaben zu drücken. Persönlich war Philipp eine „hervorragende, erfreu» liehe, offene und zuverlässige Erscheinung, warmherzig, empfindlich für alles Schöne und Wahre, furchtlos, duldsam gegen Andersdenkende, leutselig und zugänglich, eine ebenso bedeutsame wie anziehende Persönlichkeit". Alle Schreiben, die in die Welt hinausgingen, hat er selb st abgefaßt und geschrieben; er war fein eigener Minister und erledigte die Menge der Geschäfte mit wenigen Räten. Im 19. Lebensjahre verheiratete er sich mit Ehristine von Sachsen, aus welcher Ehe 4 Söhne und 5 Töchter entstammten. Wilhelm, der älteste Sohn, ist der Stifter der hesscn-kasselschen Linie, Georg, der *) In einem Briese des Landgrafen an Marg. v. b. Saal vom 21. Sept. 1546 heißt es: „ Wan wir ein anber treulich Helffen vnb nit einer au ff ben anbern vorzjht wirbts nit not Habben". Weiter in einem Briefe vom 21. Ort. 1546: „Wir Habben vor Jngelsla: groß gluck gehabt Helten wir es gebraucht vnb bet man meinen rat gefolgt Hje ba wjr her Zogen ba kam ein brjtteü des Keifers Volk an vnd warbt jn volle flucht bracht Hett man gebrückt So wers gesehen gewest." (Tuller, neue Beitr. zur Gesch. Phu. des Großm., ungedruckte Briese. Darmstadt 1842.) **) Doch warnte der Landgraf, wie aus einen: Briefe vom 16. Sept. 1552 hervorgeht, vor einer gewaltsamen Befteiung: „Kcnm ye mir nicht denckenn, wie euch möglich ein solchs großes Werck auszufuhren, Sondern mir vnd euch gesahr, Leibs vnnb guls baruff stehet, Unnb ob Ihr schonn mitt Kriegn viell ausrichtet, Wirth mir ganntz nicht darburch geholsfenn .... So ists omb ben Krieg als wan einer mit breien Wurffeln funflzehn | will werffen, geratenn kaume sechs. Ist ein vngewis gesehrlich | Ting omb ben Krieg K . . (Duller pp.) schloß Philipp Mit den evangelischen Ständen den S ch in' al-! kalber Bund. Der Friede zu Nürnberg (1532) und der zu Speyer (1544) gestand den Evangelischen vorläufig freie Religionsübung bis zum Ausgleich der kirchlichen Angelegenheiten auf einer allgemeinen Synode zu. Als aber, der Kaiser Karl V. durch den Frieden mit Frankreich freie1 Hand erhalten hatte, wandle, er sich gegen die Bekenner der neuen Lehre. Er erklärte die Häupter des Schrnalkaldcr Bundes, Joh. Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen als „Rebellen" in die N e i ch s a ch t. Die Protestanten erhoben sich; der Schrnalkaldcr Krieg brach aus. Durch die unentschlossene Haltung der verbündeten Fürsten, vor der Philipp vergebens malmte*^, bekam der Kaiser Zeit, seine Truppen aus Spanien und den Niederlanden heranzuziehen. Der Kurfürst von Sachsen trennte sich von den Verbündeten, da sein eigenes Land bedroht war: er verlor die Schlacht bei Mühlberg (1547), seine Freiheit und sein Land. Philipp ergab sich hierauf dem Kaiser auf Gnade und Ungnade, tat einen Fußfall in Halle und wurde widerrechtlich durch welsche List und Betrug gefangen genommen, lVergebens, daß Philipp nach den Vertragsbedingungen sofort 150000 fl. Buße bezahlte, vergebens, daß die Laud- | gräfin Ehristine vor dem Kaiser zur Befreiung ihres Ge- Philipp, der in Sickingcns Gebahnn eine O^cfährdlmp der fürstlichen Territorialgewalt und des Reichsregiments erblickte. dm: bedrängten Kurfürsten zur Hilfe. Nachdem sich dann Sickingeu, mit Bente beladen, auf seine Burg Nanp- stuhl in der Pfalz zurückgezogen hatte, rückte Philipp in Gemeinschaft mit dem hhtrfiirften von der Pfalz vor die Feste, „um ben Vogel int Neste zu greifen". Nach mehrtägiger Beschießung der Burg mußte sich Sickingen, tödlich vcrumndet, ergeben. Seinen sterbenden Gegner erinnerte Philipp an fenes höhnische Dort, das er gelegentlich über Pmlipps Person fallen ließ: „Einen Knaben versöhnt man mit einem Llpfcl!" Doch reichte der junge Landgraf Sickingen versöhnend die Hand, wie er auch seinen Anteil itn ben Eroberungen der Sicking en scheu Familie wieder zurückgab, damit er mit Ruhe und Sicherheit beten könne: ,J9^?raieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Sckmidigern!" Die Erhebung der Bauern gegen :hre Lehnsherren in Schwaben, Franken und Thüringen, die in Räuberbanden das Land durchzogen, griff auch nach Hessen über. In Fulda standen 10 000 Aufständische, und gegen Lllsfcld rückten 5000 vor. Ms Landgraf Philipp seine getreuen Stände nach Alsfeld bcfdyieb, fand er bei biefen ... — - . .. . , die wärmste Unterstützung. Mit ihrer Hilfe brachte er eine mahls cmen Fußfall tat, vergebens, daß Phtupp jecne bewaffnete Schar zusammen, die den Aufruhr in Hessen F-cstrmgen Kassel, Gießen, Rüsselsheim iofort schletfen l:eß; in ktirzer Zeit dämpfte. In den Unruhen der Wiedertäufer, er blieb gefangen, lieber Süddeutschland wurde er nach die das Land Georgs von Sachsen schwer heimsuchten, leistete Ondenarde und Mechcln ins Gefängnnis geschleppt und Philipp seinem Schwiegervater treuesten Beistand. Durch fünf Jahre in schmachvoller Kerkerhait gehalten. Ein Flucht- Philipvs Entschlosscnhcrt wurde Münzer und sein Anhang versuch scheiterte durch die Unbedachtsamkeit des landgraf- bei Frankenhauscn (1525'i vernichtet, wofür der Papst dem licheu Hoftarrcn. Philipps Lage hatte sich dadurch nur Landgrafen seine Anerkennung aussprach. verschlimmert; er wurde in eine 10 Fuß lange Kammer Den jungen Landgrafen bszeichnete Luther als treff- gezwängt, deren Fenster vernagelt wurden. Damals war sichen Krjegsmann. ,^Von Person klein, aber in: Rath und er so trübselig gestimmt, daß er wünschte, „man solle :hm jPerstand mächtig und glückselig. Nach feinem Alter ein in seinem Elende verkommen lassen". Nur ein Mittel blieb fürtrefftidier und freudiger Fürst, der ihm ratben und übrig, vom Kaiser mit Gewalt **) die Befteiung zu erjagen läßt. Und Wenns beschlossen ist, so säumet er nicht zwingen. Des Landgrafen Sohn Wilhelm schloß mit seinem lauge uni) exeguirts mit Fleiß. Darum wird er auch um Schwager Moritz von Sachsen und dem Könige von Frauk- solcher fürstlichen Tugend willen von den Widersachern ge- reich ein Bündnis gegen den Kaiser, überfielen diesen mit fürchte^'. starker Heercsmacht in Innsbruck. Nur mit Mühe gelang Als der Herzog Ulrich von Württemberg 1534 von es dem Kaiser, der Gefangenschaft zu entkommen. Sein seinem Oheim dem Kaiser geächtet, vom schwäbischen Bunde Bruder Ferdinand schloß mit den protestantischen^ Fürsten verfolgt, des Landes verwiesen, 7 Jahre umherirvte, ge- den Passauer Vertrag 1552, demzufolge die Gefangenen wahrte ihm Philipp auf seinen Schlössern Auerbach unb freigegeben würben. Der Augsburger Neligionsftiebe 1555 Bickenbach gastliche Aufnahme. Er tritt für eine gerechte gewährte ber Augsburger Konfession volle Religionsfteiheit. Sache ein, 'indem er sich verwahrt, „daß ein Fürst des Erst 48 Jahre alt, dem Geiste nach frisch, aber dem heiligen Reiches über alles Rechtserbieten seines Fürsten- Ansehen nach ein Greis, kehrte Philipp aus feiner Haft tums so gewaltig beraubt fein sollte". Mit 15 000 Mann zurück. 160 hessische Hakenschützen erwarteten ihn an ber unb 4000 Reitern führte er ben Herzog Ulrich wieder in vaterländischen Grenze. Am 10. September 1552 empfingen jein Land zurück. Diesem ritterlichen Zuge, der dem fügend- ihn auf dem Schlosse zu Marburg die Mitglieder der lichen Fürsten bei Freund und Feind Achtrmg verschaffte, Universität, unter denen Nie. Noding ihn in einer dich- verdcmkt auch Philipp den Beinamen „Magnanimus", das tcrischen Ansprache, als den Märtyrer deutscher Freihett Ehrende Beiwort eines Hochherzigen, eines Großmütigen, und der Religion feierte. Als er an einem Sonntage in Die Förderung der Reformation betrachtete Philipp Kassel anlangte, begab er sich in die Martinskirche, wo er ols seine Lebensaufgabe. Auf dem Reichstage zu vor dem Grabmal seiner 1549 verstorbenen Gemahlin Worms (1521) war er mit 600 Reisigen und einer statt- kniete und in dieser Stellung während der Predigt verblieb, tichen Anzahl erfahrener hessischer Ritter, die allgemeine Am 17. September feierte das ganze Land Philipps Rückkehr Beachtung erregten, erschienen, um vom Kaiser die Reichs- durch ein Dankfest. belehnung über die Landgrafschaft und das Fürstentum Nach seiner Rückkehr aus ber Gefangenschaft widmete Hessen zu empfangen. Auf das tief religiöse Gemüt des sich der Landgraf mit besonderem Eifer ber Wohlfahrt 17jährigen Fürsten hatte Luthers mannhaftes Auftreten seines Laubes. Währenb seiner ganzen Rcgierungszcit zeigte ernsten Eindruck gemacht. Er besuchte den kühnen Mönch er sich in der Verwaltung seiner Landgraffchaft als treff- in seiner Herberge, reichte ihm die Hand und sprach: „Hwbt licher Fürst. Neben der Rechtspflege, welcher der 20jährige Ihr Recht, Herr Doktor, so helfe Euch Gott!" Philipp nahm Regent schon 1524 durch eine Hofgericbtsordnung auszuhelfen sich des Geächteten au unb mit bes Lanbgrasen sicherem bemüht war, beschäftigte ihn bie Sittenpolizei. Zur Ein- Geleite reifte Luther nach Oberhesscn über Fricbberg, I sührung einer befonberen Zucht und Sitte erließ er 1524 Gießen, Grün b er g nach Alsfeld. Noch erklärte sich eine Verordnung gegen das „Zutrinken^, die Föllerei, Lästern, der junge Fürst nicht bestimmt für die neue Lehre. Erst Fluchen, Vagabundieren, übermäßigen Aufwand bei Hoch- durch eigenes Bibelstudium, durch das Lesen der Schriften zeiten und Kindtaufen". Luthers und Melanchthons Schreiben über die „Summe Im Oktober 1527 wurde auf einem1 Landtage die Eiu- der christlichen Lehre, von Gott selbst jctzü wiederum der Welt I richtung der Universität Marburg mit einem feminarium gegeben, an den Landgrafen von Hessen Philippus, auf stheologicum beschlossen, dem sich die anderen Fakultäten befien besondere Ä^ranlassung abgefaßt", wurde Philipp angliederu sollten. Die Hornberger Kirchenordnung sieht für das Werk der Reformation gewonnen. bie Errichtung von Knaben- unb Mädchenschulen vor. Zur Treffend ist das Urteil des aufgeklärten Urbanus Begründung von Volksschulen, sowie zu mildtätigen Nhegius zu Augsburg, der in einem Briefe an Luther über Zwecken sollte das freigewordene Klostcrgut verwendet den Landgrafen bemerkt: „Jüngst hin hat mich der Fürst werden. 1539 wurden die Klöster zu Haina, Merxhausen, der Hessen zum Frühstück eingeladen, ein Jüngling von Hosheim unb Gronau in Hospitäler unb Zusluchts- getoattigem Geiste unb ber heiligen Schrift mehr als ein stätten für gebrechliche unb hilslche Personen v er^w an b^ l t. anderer seines Standes beflissen. Ich habe mit ihm Neustadt IO. Neustadt IO. (Alleiniger Inhaber: Louis Weil) M 1 KU Z'^’V MH W .<>is-;rv MM UM- M MM! M r-' 1 ! 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Symphonie in G-dur (m. d. Paukenschlag’)....... . . . J. Haydn Adagio cantabile, Vivace assai — Andante — Menuette, Allegro motte — Finale, Allegro dimolto 2. Adelaide für eine Singstimmc und Pianoforte, op. 46.....L. van Beethoven 8, Symphonie in Es-dur (Köchel 513) .......W. A. Mozart Adagio, Allegro — Andante — Minuotto, Allegretto — Finale, Allegro 6. Lieder: a) Busslied, op. 48 No. 6 (erschienen 1803) . , , b) An die Hoffnung, op. 32 (erschienen 1805) c) Der Wachtelschlag, op. 24, komp. 1799 4, Symphonie No. I in G-dur, op. 21 (beendet 1800) Giltigkeit haben blaue, rote und rotweisse Karten, ungiltig sind gdlbe Karten. Eintrittskarten Nichtmitglieder zu Mk. 2.50 (Sperrsitz Mk. 8.50), sowie kleine Partitur- ■ii Ausgabe sind in der Musikalienhandlung von Ernst Challier ^Rudolphs Nachfolger) find abends au der Kasse, für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Stork zu ermässigten Preisen zu haben. — Hauptprobe zu Mk. 1.—, Schülerkarten 50 Pfg. Oelluuug des Saales 41/, Uhr. 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