Nv. 24O Zweites Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch LÄ. Oktober 1904 Kch«r Anzeige General-Anzeiger, Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'schm UnwerfttätSdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulftr.7. Tel. Nr. 6L Telegr«-Adr. i Anzeiger Gießen» Erscheint tSglich mü Ausnahme des Sonntags. Die ^Gießener Zamilienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hessische CattötotrF* erscheint monatlich einmal. KrKanntmachnng. Der Schwelnerotlauf in dem Gehöfte des Peter Stein in Climbach ist erloschen. Die Sperre ist aufgehoben. Gießen, den 6. Oktober 1904. Großherzocsiick Kreisamt Gießen. I. V.: Haberkorn. Keliannlmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die von der Gesindevermieterin Pitzer beanspruchte Gebühr beträgt: 1. für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach Gießen ...... Mk. 3,— 2. für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts ..... Mk. 5,— wovon der Dienstbote jemals Mk. 2,— zu entrichten hat. Gießen, den 10. Oktober 1904. Großherzogin ' >■> valiAcmmt Gießen. Herberg. Amtliche Nachrichten über Viehseuchen. Die unter dem Schweinebestande des Heinrich Herrmann zu Triebertshausen (Kreis Biedenkopf) ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen und die Gehöftssperre aufgehoben. Hubertusstvck, ben 1L Oktober. Wilhelm." Zum heutigen Tage hatte der Kaiser an Dr. Drtz- ander folgendes Telegramm gesandt: „Zum heutigen Festtage sende ich von ganzem Herzen meine Glückwünsche und erbitte Gottes ferneren e>egen für das Stift, Wie er ihn in so reichem Maße auf dasselbe ausgeschüttet hat. Mögen aus dem Stift stets Männer hervorgehen, die in den Geist des Evangeliums eindringend sich immer tiefer in die Person unseres Herrn und Heilandes und sein Leben versenken: ich empfehle Ihnen die nachstehenden Worte Luthers sich zum Leitfaden zu nehmen: ,Jcü halte diese Regel stets, daß ich solche Fragen, die uns hineinziehen in den Thron der göttlichen Majestät, umgehe, soweit ich kam: und ist viel besser und fixerer, daß man herunter stehen bleibe bei der Krippe des Herrn Christi, der Mensd) worden ist, denn so man sich verwirret mit der Gottheit, ist viel Gefahr dabei'. Ihnen habe ich zum Ausdruck meines Tankes für Ihr unermüdüclies Wirken den Titel Exzellenz verliehen." ¥ Auch die Kaiserin sandte telegraphisch Muck- und Segenswünsche. Nach Dankesworten Dryanders und einem Segenswunsche für den Kronprinzen und seiner Braut erhob sich Prinz Friedrich Heinrich zu einer An- Ias Jubiläum des Werlirrer JomLandlbatenstlfles. Berlin, 11. Oktober. Anläßlich der Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des königl. Domkandidatenstiftes wurde in der Kapelle des Stiftes Festgottesdienst abgehalten, dem als.Vertreter des Kaisers Prinz Friedrich Heinrich, ferner Kultusminister Dr. Studt, sowie hervorragende Geistliche und Universitäts- Professoren beiwohnten. Die Festpredigt hielt als Evhorus de^S tiftes Oberhofprediger Dryander; er gab folgendes Schreiben des Kaisers aus Huberlusstock bekannt: „Empfangen Sie meinen herzlichsten Tank für die Einsendung der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Torn- kandidatenstists und für die Versicherung treuer Anhänglichkeit, die Sie in dem Jmmediatschreiben vom 6. d. Di. im Namen der Stistsgemeinde zum Ausdrucke gebracht hoben. Wenn ich auch am heutigen Jubiläum zu meinem lebhaften Bedauern nicht persönlich tecknehmen kann und mit meiner Vertretung den Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen betraut habe, so kann ich es mir doch nicht versagen. Ihnen und allen Mitgliedern und Organen des Stifts zu diesem bedeutungsvollen Abschnitt in seiner Geschichte meine wärmsten Glückwünsche auszusprechen und meinen königlichen Gruß au entbieten. Gleich meinen erlauchten Vorgängern an der Krone nehme ich lebhaften AnteU an dem Gedeihen dieser HohenzoUern-Stiftung und freue mich des großen Segens, der dank der treuen Arbeit des berufenen Ephoren in den 50 Jahren des. Bestehens des Tomkandidatenstifts von ihm für unsere teuere evangeliscbL Kirche ausgegangen ist. Möge Gottes Schutz und Gnade dem Stift auch in feinem ferneren Wirken nimmer fehlen. Mögen aus ihm aUezeit nur glaubensstarke und treue Männer zur Arbeit im Reiche Gottes hervorgehen! Ier King. Kriminal-Roman von O. Elster. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Nein — doch ja, einmal! Er meinte kurz vor seinem Tode, ich sollte das Fräulein entlassen, es scheine ihm ein gefährlicher, unheimlicher Charakter zu sein." „Ah, sagte er das wirklich?" „Ich entsinne mich genau — ich fragte ihn erstaunt, weshalb er die Wirtschafterin nicht leiden könne? Sie sei ein stilles, pflichteifriges Mädchen. Er erwiderte, sie habe etwas Verstecktes ui ihrem Wesen; sie spüre ihm nach. Tann kamen wir nickst mehr auf das Thema zurück." „ n m „ „Hm — hm, es ist sicher, dahinter steckt etwas? Bekam Fräulein Wüllbrandt nicht öfter Briefe?" „Zuweilen. .Aber sehr selten." , „<5ie wissen natürlich nickst, woher diese kamen? „Nein — meistens aus Berlin, so viel ich mich entsinne. „Hat sie keine Verwandte?" , r. „Sie ist Waise. Ich engagierte sie in Berlin, nachdem fte sich auf eine Annonce von mir gemeldet hatte. Vorher war sie Wirtschafterin auf dem Rittergut Tutkowo in Polen gewesen, dann hatte sie einem alten Ehepaar in Berlin die Wirtschaft geführt. Ihr Vater war Schullehrer in Westpreußen gewesen, ich glaube in der Nähe von Brombeog. Sie war eine durchaus gebildete Pcisvn und hatte ihr Lehrerin-Examen gemacht. öte verstand Französisch und Englisch." , „Etwas viel für eine Wirtschafterin", lachte der Justrzrat. „Tie Schulmeisterei habe ihr nicht zugesagt, erklärte sie mir bei ihrem Engagement." „Verreiste sie niemals?' , , „Jldcs 3alyr einmal im Winter. Auch tm letzten Frühling war sie vierzehn Tage verreist. Während sie früher von diesen ig war, in Berlin, Wert, festzustellen, j vom Provinzial- VMische Tagesschau. Zum Berliner Schulstreit. schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": Tie BerhaN'dllungen und die Beschlüsse der Berliner Stadtverordnetenversammlung vom 6. Oktober in der Angelegenheit des sogen. Schulstreits weisen eine geradezu erstaunliche Unklarheit in der Auffassung der Sach- und Rechtslage auf. Es ist durchaus nickst geltendes Recht in Preußen, daß die öffentlichen Volksschulen, insotveit sie von daß der Berliner städtischen. Schulverwaltung v fchulkollegium eröffnet worden ist, daß die Ueberlassung der städtischen Schulgebäude, insbesondere der Turnaufsicht beschränkt ist, und zwar unter Stornierung von Machtbefugnissen für die Behörde, welche über die den Kommunalauf- sichtsbeyörden eingeräumten weit hinausgehen. In Frage konnte nur kommen, ob es notwendig und zweckmäßig war, in Berlin, wie geschehen, vorzugehen. Hierfür ist von r' ' r * ~ hallen, unzulässig sei: an den polnischen Turnverein- Falke, an den tschechischen Verein Sokol, an Schüler- abteilungen des sozialdemokratischen Turnvereins Fichte, an die freireligiöse Gemeinde zu Vorträgen fite Jugendliche. Nur um diese vier handele es sich. Es muß ver- wirrend auf die Herzen der Jugend, die Empfindungen der Lehrer und Eltern einwirken, wenn dieselben Räume, worin den obersten Grundsätzen der preußischen Volksschule gemäß gelehrt und gewirkt wird, zugleich zur Förderung von entgegengesetzten Bestrebungen verwendet werden. Ta die mehrjährigen Versuche, auf dem Wege vertraulicher persönlicher Beziehungen eine Lefeitigung der Mißstände herbeizuführen, gescheitert sind, bleiben nur auf rechtlicher Grundlage beruhende Maßnahmen. Tie Turchführung letzterer wird in entschieöener Weise erfolgen, unbeirrt durch den angekündigten Widerstand. Die preuß. Regierung wird also Leinenfalls nachgeben. Eine Erwiderung der Stadt Berlin auf diese Darlegung dürfte nicht ausbleiben. gltiier die ZL d.utung ö?r ^unOwtrl^dft finden wir beachtenswerte Aeußerungen an zwei Stellen. Die „Grenzboten" veröffentlichen einen Artikel über Weltpolitik, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Tie A r nt e e in Qualität und Quantität immer intakt zu erhalten, ist also die erste Bedingung für gedeihliches politisches Leben unseres Vaterlandes, die erste Bedingung, die immer erst erfüllt werden muß, ehe wir vernünftigerweise an Welt- Politik, Flottenpläne und koloniale Erwerb- ungen denken können. Gerade deshalb ist der mit allen möglichen Schlagwörtern angegriffene Schutz unserer heimischen Landwirtschaft unabweisbar. Sie ist es, die unserem Heere und unserer Marine auf absehbare Zeit einen körperlich und geistig unverdorbenen Ersatz liefern kann, und mit deren Hilfe mir uns in der Lebensmittelversorgung vom Auslände werden unabhängig erhalten können. . . . Die Grund wurzeln unserer Kraft werden nach wie vor in Deutschland selbst ruhen. Tiefes darf von den Kolonien nur im Bezüge der industriellen Rohstoffe, aber nie in der Lebensmittelversorguiig abhängig gemacht n-erdeu. Nie dürfen wir vergessen, daß unser Vaterland infolge seiner geographischen Lage eine Festung ist, die jeden Tag für eine Belagerung gerüstet fein muß. Je mehr die Negierungen in unermüdlicher Arbeit dafür sorgen, dag die jetzt noch brachliegenden Oedländer Deutschlands urbar gemacht werden, damit unsere Getreide- und Viehvroduktion gesteigert ivird, desto sicherer werden wir auch her Eventualität eines europäischen Krieges ins Auge sehen können, der uns bei ungenügenden Lebensmittel- norräten sonst wahrscheinlich die schlimmsten Gefahren, jedenfalls aber eine Preissteigerung ohnegleichen bringen würde." Die andere bemerkenswerte Aeußerung finden wir in dem nationalsozialen Wochenblatte „Pilatus". Hier spricht sich Dr. Walther Claaßen folgenderutaßen aus: „Ter Landwirt ist der ganze Mensch. In ihm liegt nichts brach. Hand, Arm, Kopf, Auge, Erde, Tier, Sonne und Wärme, kurz alles Dasein vereint sich in seinem Tun zu harmonischem Leben. Ter ganze Mensch spannt sich an, und so kann ungestraft auch der ganze Mensch genießen. Ter Stadtmensch arbeitet als Teilmensch, will aber als ganzer Mensch genießen. An diesem Widerspruch schon siecht er dahin. Alle Organe verkümmern, da sie nur genießen, nicht wirken, nur Eines bleibt: die ungeheuere Beweglichkeit, die Erfindsamkeit immer neuer Quellen des Profits (freilich nur wenige Generationen: bann ist auch das hin). Es regiert der Tärnon Kapital. Er bringt alle göttlichen und menschlichen Rechte unter seinen Fuß. Ter Landwirt strebt gar nicht nach Erhöhung feines Einkommens. Er will behalten, waS er hat. Sein Genuß befriedigt ihn wirklich. Darum ist er konservativ. „Allezeit ist Tugend am meisten und Fried am wertesten gewesen bei denen, die das Erdreich bauen", fo sagt der Reformator Ullrich Zwingli. . . . „Tie agrarische Weltanschauung ist die Wellanschauung deS „eisernen Rückgrats", des unbeugsamen Wlllens, der Tradüion, der Rangordnung. Ich freue mich, daß der „Pilatus" mir die sonst sehr seltene Gelegenheit gegeben, sie vor einem meist anders denkenoen Leserkreise zu vertreten. Mögen die Liberalen weiter die Zahl der Bauern vermindern, die Industriearbeiter vermehren. Ter Großindustrielle gräbt mit seiner Freihandelspolitik seinen eigenen Kindern das Grab. Heute mehr Profit, morgen kommen die „Arbeiterbataillone" und nehmen ihn. Er sammelt nicht für seine Kinder, sondern für den Zukunftsstaat. Mögen die Liberalen weiter fortfahren, dem Grundadel seinen Boden abzuaraben. T«er Rest, der trotz dieser Schwierigkeiten zurückbleibt auf dem Lande, seine Unabhängigkeit wahrt, diese Minderheit, sie wird eine Auslese der Unbeugsamsten sein. Diese Minderheit wird sich aus eigener Ueber- zeugung um den angestammten Thron scharen, mit dem Entschlüsse, ihre Pflicht zu tun gegen den Umsturz bis zum letzten Atemzug, mit dem Entschlüsse: zu siegen oder zu fallen." den politifchen Gemeinden unterhalten werden, als Gemeindeanstalten lediglich der Kommunalausfick>t unterstehen, sie sind vielmehr der staatlichen Schulaufsicht unterstellt. Diese überträgt nach § 18 der als gesetzliche Norm geltenden Regierungsinstruktion von 1817 den B/zirksregierungen unter anberm die Tirektion und Aufsicht über alle öffentlichen und Privatschulen, die Verwaltung des gesamten Elementarschulwesens, die Aufsicht über die Verwaltung sämtlicher äußeren Schul- angelegenheiten. Nach den Rechtsgrundfätzen des Oberverwallungs- gerichts unterliegt es keinem Zweifel, daß die Gemeindeautonomie in Ansehung der Schule durch Schul- anstelle der Kommunal- Reisen sehr aufgeräumt zurückkam, bemerkte ich nach der letzten Reise eine tiefe Niedergeschlagenheit bei ihr." „Eine Vertrauensfrage, Herr Groller", sagte der Anwalt. „Ich entsinne mich des Mädck)ens sehr wohl, es war von eigenartiger Schönheit —3 haben Sie nie . in näheren Beziehungen zu ihr gestanden?" Er legte die Hand auf das Knie Grollers und sah ihn mit schlauem Lächeln an. Ruhig und fest erwiderte Groller: „Niemals, Herr Justizrat. Ich hatte ganz andere Absichten." „Ja, ich weiß die kleine Pfarrerstocher. Mer hat die Wüllbrandt nicht etlva Absichten auf Sie gehabt? Tas kommt ja vor —" ,Hch denke nicht. .Ich entsinne mich allerdings, daß sie Fräulein Vollmar nicht leiden konnte." „Aha — ein anderes Judicium! — Nun, mein bester Herr Groller, wenn Sie wirklich diese Angelegenheit weiter verfolgen wollen, so ist es vor allem nötig, Fräulein Wüllbrandt beoback)ten zu lassen. Wohin hat sie sich gewandt?" „Ich weiß es nicht." „Tas ist ärgerlich. Wenn das Mädchen wirklich in die Mge- legenbeit verwickelt ist, wird sie sich^ verbergen. Aber heute verschwindet man nicht mehr spurlos. Sie wird aufzufinden sein. T>as ist unsere nächste Ausgabe. Ich bitte Sie morgen früh wieder zu mir zu kommen; ich werbe Sie dann mit einem Herrn bekannt machen, den ich schon mehrere Male mit solchen delikaten Aufgaben betraute." „Einem T-etektiv?" „Ja, so nennt man die Leute", entgegnete der Anwalt lächelnd. „Und ich Bann wohl sagen, daß mein Privatdetektiv die feinste Spürnase besitzt, die sich nur ein Jagdhund wünschen kann. Sie können ihm völliger? Vertrauen schenken. — Jetzt muß ich Sie aber bitten, mich zu entschuldigen, da ich zu einer Generalversammlung der Tcutschen Bank muß. Riorgen früh sehen wir uny wieder." Er erhob sich und schüttelte Ferdinand freundschaftlich die Hand. Tann begleitete er ihn bis zur Tür, wo er sich nochmals auf das Freundschaftlichste von ihm verabschiedete. Als Ferdinand das Zimmer verlassen, blieb er einen Augenblick in Nachdenken versunken stehen, dann Hingelte er und befahl seinem eintretenben Bnreauvorsteher: „Telephonieren Sie an Herrn Neugebaur, er soll sobald wie möglich zu mir kommen." Tarauf wandte er sich gleichmütig seinem Wenstudium wieder zu. 6. Kapftel. In Wendeffen war man sehr erstaunt, alsl nach einigen Tagen Ferdinand Groller zurückkehrte, obgleich er bei feiner Abreise Anordnungen für eine längere Abwesenheit getroffen hatte. Ter Verwalter Mejnert war am wenigsten zufrieden; „er stört mir nur die Arbeit durch sein fahriges Wesen", brummte er, „und wacht die Leute kopfscheu, die ihn noch immer in dem Verdacht haben, seinen Bruder erschossen zu haben." . „Latz ihn dock/", begütigte seine Frau. „Er ist doch nun einmal der Herr hier und um die Arbeiten kümmert er sich ja fast gar nickst mehr ,sondern überläßt alles Sir." . „Das ist lvahr", entgegnete Meinert. „Die Landwirtschaft scheint ilym ganz glcid>giltig geworden zu fein. Wenn ich nur roüßte, was er mit diesem rothaarigen Menschen, den er mit* gebracht hat, immer zusammenhockt. Ter Bursche lbrnutt mir verdächtig vor." „diengierig ist dieser Herr Sekretär Neugebaur ftellich über alle Maßen", lachte Frau Meinert. „Er spioniert überall umher und fragt bis Menschen aus. Weißt Tu, wenn ich nickst wüßte, daß der Prozeß vorüber und begraben ist, so würde ich ben Selrstär für einen Kriminalbeanttcn halten." w „Was braucht Herr Groller einen Sekretär?" brummte Meine ri. „Seine - schon allein besorgen. Na, mich gelst's nichts an, ic i tut und treibt. Aber wenn der Rothaarige sich au mich yeranmacht, bann wird er schon die richtige Antwort erhalten." spräche, gedachte der Wirksamkeit der Anstalt, der aus ihr hervorgegangenen Geistlichen, besonders des Oberhofpredigers Kögel, und sprach den Wunsch aus, das Stift möchte allezeit eine Stätte wahren evangelischen Glaubens sein. Zuletzt überbrachten die Vertreter der Behörden ihre Glüettvünsche. Der Minister teilte mit, er habe der Anstalt eine Anzahl Bilder der Weimarer Luther-Ausgabe überreichen lassen. Es wurden verschiedene Ordensauszeich- nungen verlieyen. Redebeschrankung im Reichstag. Bereits jetzt, sechs Wochen vor Medereröffnung des Reichstags, hebt in der Presse ein Meinungsaustausch darüber an, wie der Reichstag die iBielrederei einschränken könnte, ohne die Redefreiheit anzutasten. Daß im Reichstag — übrigens auch in der hessischen Kammer — viel kostbare Zeit mit Darlegungen verschwendet wird, die nicht dem Auditorium gelten, sondern zu Agitationszwecken zurft Fenster hinausgesprochen werden, ist eine allgemeine Uebar^ zeugung. Eigentlich müßten die Sozialdemokraten danach trachten, daß eine Beschränkung der Redezeit zur Ein> führrmg gelangt. Dtan weiß doch von den sozialdemokratischen Parteitagen her, wie außerordentlich gewandt sich die Redner mit dem streng gehandhabten Gebot abzufinden wissen, wie sie es verstehen, in den knappen Rahmew ganze Dtenge sachlicher Ausführungen zusammenHudrängeft und — obendrein noch allerlei gesalzene Bosheiten siir den Gegner unterzubringen! Angehörige anderer Parteien haben nicht soviel Uebung in per Kürze, die nach Shakespeare des Witzes Seele ist, nicht das Maß von Begabung, mit ein paar Strichen die Situation zu kenw- zeichnen, die Schlagfertigkeit, die gerade jene Debatten oft' so lebhaft, schneidig und anziehend macht. Also, käme die begrenzte Redezeit auf, die äußerste Linke würde allep Wahrscheinlichkeit nach am geschickteften die neue Forrft beherrschen. Selbst der Abg. Stadthagen, der ge- sürchtetste aller Dauerredner, entdeckte vielleicht das Talent in sich, mit wenig Worten, wenn nicht viel, so doch Manches sagen. Und statt zwei, höchstens drei Sprecher in einer Sitzung könnte die äußerste Linke die doppelte und dreifache Anzahl ins Feld führen. Aber vor allem die Zeitung s l e s e r, die sich bisher durch endlose Vorträge hindurcharbeiten Mußten, wie würden sie angeregt werden von dem raschen Tempo der Diskussion, von dev erfreulichen Abwechslung! Das b eben kli ch gesun kene Interesse am Parlamentarismus würde sich mit einem Schlage wieder heben. Die Tribünen-Zuhörer, pro letzt, hoffnungslos der Langeweile preisgegeben, das Wiederkommen feierlich verschwören, rissen sich um Einlaßkarten zum Reichstag. Die Zeitungen mit den ParlamentÄ berichten würden mit brennender Wißbegierde erwarteh Endlich, die Anziehungskraft des neuen Modus auf die Mitglieder des hohen Hauses! In den Parlamenten wird gern gelacht. Nun stelle man sich vor, wieviel heitere Szenen entstehen können, dadurch, daß mit der Uhr in der Jöxitb bet Gegner kontrvNiert wirb: diese matt Höfe Spannung, wenn daS Maß geradezu gefüllt ift, und der Redner erst den Anlauf genommen hat; dies Hochgefühl des TrimnPdS, schneidet die Glocke des Präsidenten, nachdem! die Fnfl verstrichen, erbmnnungSlos die Pointe entzwei! Wir mochten den sehen, der einen besseren Aufenthalt wüßte, als im ReichStagSsaal! Auch die Herren von der Regierung würden mit etwa 15 oder 20 Minuten Redezeit, abgesehen von der Einbringung wichtiger ^Vorlagen, ganz gut auskommen. Graf Bülow könnte immer noch genug Zitate einslechten. lleberhaupt pflegt ja die Regierung sich kurz zu fassen. Welch' Schauspiel, aber, ach, ein Schauspiel nur! (Man zittert unwillkürlich, wenn man vom Grafen Bülow spricht.) Seiber besteht nur wenig Hoffnung, daß die Reichstags- Mehrheit den entschlossenen Schritt tut, der so großes Heil allen Beteiligten bringen würde. Es Müßte beim sein, baß nochmals die Geduld auf so unerhörte Proben gestellt würde wie beim Zolltarifentwurf. Daun ist die Aussicht .einer Aenderung vorhanden. Bier- und Tabaksteuer. AuS einem Nachbarstädtchcn erhalten wir folgende Zuschrift: ,66 wird auch Ihnen schon aufgefallen sein, in welch verheer e n d e r Ar t nndWelse d e r K o n s n m v o n g e i st i g e n Getränken im Volk überhand nimmt. Das Fannlien- qlück und her Friede des Hauses wird durch die llnfitte des vielen trinkens zerstört. Wie oft ist es schon vorgekommen, daß Familien, vLter in der Trunkenheit Frau und Kinder Mißhandelten. Der Schaden, welchen das Volk in finanzieller Hinsicht durch die Sauferei erleidet, ist ganz unberechenbar. Wie viele, die im Irrenhaus schmachten, haben sich den I r r sinn nur d u r ch u «mäßiges Trinken von geistigen Getränken zugezogen. Immer wieder sollten die Leute gewarnt werden vor dem übermäßigen Geuuß geistiger Getränke. Ter Regierung sollte es nähergelegt werden, Bier und Schnaps noch höher zu b e st e u e r n.M Unseren Lesern wird es nicht entgangen fein, daß wir alle Bestrebungen auf Einschränkung des übermäßigen Alkoholgenusses nach Kräften unterstützen. Daß jedoch das Bier noch mehr bluten könne, ist eine Ansicht, die wir mit der Mehrheit des deutschen Reichstages bestreiten. Dagegen ist eine Brausteuerreform dringend notwendig, die eine höhere Belastung der größeren Betriebe, dagegen eine Entlastung der mittleren und kleinen Betriebe bezweckt. Dem Reiche sollen seine Einnahmen aus der Brausteuer gesichert werden; es mag auch dafür gesorgt werden, daß die Steuer sich in der bisherigen Weise weiter entwickelt. Aber darüber hinaus das Braugewerbe zu belasten, würde volkswirtschaftlich bedenklich sein. An eine Erhöhung der Branntweinsteuer ist z. Zt. überhaupt nicht zu denken. Sehr häufig aber wird in Gemeinschaft mit dem Bier von einer höheren Besteuerung des Tabaks gesprochen. Eine solche würde indes die gesamte Tabakindustrie aufs schwerste schädigen, und nicht nur vielen kleineren Fabrikanten, sondern auch Tausenden von Arbeitern das Brot nehmen. Außerdem stehen auch noch -technische Gründe einer Höherbesteuerung des Tabaks entgegen; die mit ihr notwendig verbundenen Plackereien in den Betrieben lassen sich gar nicht ermessen. Jeder Versuch, das Bier und den Tabak höher zu besteuern, würde im Reichstage zweifellos scheitern. * Wider die Schwurgerichte. Eine bemerkenswerte Kritik von Geschworenen-Wahr- sprüchen hat gelegentlich der letzten Sitzung der Schwur- gerichtsperiode in Bromberg seitens des Vorsitzenden statt gefunden. Bei der üblichen Abschiedsansprache an die Geschworenen nahm der Vorsitzende, Landgerichtsdirek- tor Alb inus das Wort, indem er zunächst eine Zusammenstellung über den Verlauf der bisherigen Srtzungs- tage machte. Sodann ging er auf eine Kritik der von den Geschworenen abgegebenen Verdikte in einzelnen Fallen ein und bemängelte sie. Es seien, so führte er aus, seitens der Geschworenen Sprüche erfolgt, die nach dem einstimmigen Urteil des Gerichtshofes als Fehlsprüche bezeichnet weichen müßten. Rach Aufführung der einzelnen Fälle betonte der Vorsitzende, daß er mntlich unb auch von anderer Stelle zu einer solchen Kritik berufen sei; dieses Recht nehme er für sich in Anspruch, zumal die Geschworenen durch ihre Sprüche im gewissen Sinne Kritik m: dem Gericht übten. In der Kritik seinerseits läge aber kein Vornmr; gegen die Geschworenen, sondern er träfe die Institution der ^'wurgerichte. Es werde wohl nicht mehr lange dauern, so schloß der Vorsitzende, daß an Stelle der Schwurgerichte, gegen die er persönlich kein Vorurteil habe, sondern die er vielmehr für eine dem Volke sympathische Jnsti- -tution halte, die vergrößerten Schöffengerichte treten würoeu, in denen Juristen bei der Beantwortung der Schuld- Trag^i Mitwirken würden. Tas sei schon vor 26 Jahren geplant gewesen. Hoffentlich würde er es noch in Bromberg erleben, wlche Gerichte zu erhalten, und er werde es sich dann in jedem zur Ehre rechnen, in diesen vergrößerten Schöffengerichten den Vorsitz ftchren zu können! I ES scheint bedenklich, daß der Vorsitzende eines Schwurgerichts in unmittelbarem Zusammenhang mit seinen Amtssunktionen eine derartige Kritik übt. der Sache selbst kann man ihm hingegen zustimmen._________ 5>tr jlujftanö in KtUisch-SüdweÜasrika. Sollten die aus Südwestasrika eingelaufenen Nachrichten über einen teilweisen Aufstand der Wittbo- leute und eine Beun ruhigun g des Distrikts Gideon sich bewahrheiten, so wäre damit leider einer der aussichtsreichsten, be st besiedelten und in der Kultur am iveitefUn vorgeschrittenen Bezirke deS Schutzgebietes betroffen worden. 2er Bezirk Gibeon allein umsaßte im April 1003 bereits 48 Farmen, welche bis auf wenige Eingcborenenplütze in Bewirtschaftung und zwar in hoher Kultur sich befinden. 60 Brunnen waren künstlich hergestellt, 17 Dammanlagen geschaffen worden. Auch die Vermessung ist in Gibeon ziemlich am weitesten vorgeschritten. Alle Farmen, bis auf einige Ausnahmen sind vermessen. Mit geringen Ausnahmen hat jeder Farmer sein Gärtchen, 0,2.j bis 2 Hektar groß, an seinem Wohnhause liegen. In Mitleidenschaft würde wahschemlich dann gezogene werden der Bezirk Maltahöhe, westlich von Gibeon, mit 26 Farmen und 34 Brun- nennnlagcn. Die Bevölkerung im Bezirk Gibeon betrug im Jahre 1903 614 Weiße und wies gegen das Vorjahr eine Zunahme von 108 Personen aus. Unter der weißen Bevölkerung befanden sich 373 Deutsche, 162 Engländer, 2 Holländer, 72 Bewohner ohne Staatsangehörigkeit und 6 nicht sestgestellte Bewohner. Dem Beruf nach gab es nach der letzten Zählung im Bezirk Gibeon 46 Regierungsbcainte, 4 Geistliche und Missionare, 13 Kaufleute und Händler, 145 Ansiedler und J-armer, 2 Landmesser, 14 Handwerker und 1 Arzt. Dem Geschlechte nach waren 351 weiße Männer und 255 weiße Frauen vorhanden. Nach einem Telegramm des Gouverneurs Leutwein wurde der Zivilpolizist Fieke aus Wilsdruff (Königreich Sachsen), früher Infanterieregiment Nr. 88, am 7. Oktober aus Station Kuis tot nufgefunben. Er hatte einen Schuß durch die Brust. Der An g r e i f e r war verschwunden. Kolonialpost. London, 11. Ott. Eine mit der dieswöchentlichen australischen Post eingegangene Depesche aus Brisbane meldet die Ankunft des Dampfers „Prinz Woldemar" mit Einzelheiten über die Ermordung von Priestern und Nonnen in Deutsche Neu-Guinea. Darnach scheint es, daß die Sklaverei in dem von den Missionaren bewohnten Distrikt üblich war und daß die Mxjjionare sich die Feindschaft der umwohnenden Stämme dadurch zuzogen, daß jte befreite Sklaven veranlaßten, sich aus threu Missionsstationen anzusiedeln. Daß es sich um einen wohlorganisierten Ueberfall gehandelt habe, beweist der gleichzeitige Angriff auf alle drei Stationen. Die Brüder und Nonnen wurden entweder niedergeschossen oder mit Texten und Keulen niedergeschlagen. Schwester Angela siel, als sie gerade den Altar zu schmücken im Begriffe stand. Man nimmt an, daß 30 Menschen ermordet worden sind. Der Sachschaden, der hauptsächlich durch Plünder- ung herbeigeführt wurde, wird auf 601)00 Mk. geschätzt. Aus tztadt unii Kunö. Gießen, 12. Oktober 1904. — Auszeichnung. S. K. H. der Großherzog haben dem evangelischen Pfarrer Alexander Schuch ar d zu Reinheim anläßlich seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Schulpersonalien. Lehrer Joh. Schmidt zu Steinberg bet Gedern, welcher eine Reihe von Jahren dort wirkte, wurde nach Groß-Hausen bei Bensheim versetzt. ** .Auf der internationalen Ob st aus st ell- ung zu Düsseldorf fielen nach einer Mitteilung des Hessischen LandwirtschastsratS auf die hessischen Aussteller ca. 70 Preise, barunter 18 erste, 20 zweite und 21 dritte Preise im Gesamtbetrag von ca. 2350 Mk., ferner eine große Anzahl von Medaillen, darunter 3 goldene und 10 silberne. In der großen Hauptkonkurrenzklasse, in welcher die verschiedenen Länder zusammen im Wettbewerb standen, erhielt Frankreich den ersten, Holland den zweiten, Hessen, das in dieser Klasse durch eine Ausstellung des Hessischen Landwirtschaftsrats gemeinsam repräsentiert war, den dritten Preis mit 300 Mark sowie einen Ehrenpreis als Zuschlagspreis für seine wissenschaftliche Leistung. Von auswärtigen Staaten konkurrierten außer den genannten Belgien, die Schweiz, Ungarn. Norwegen. X Hochbetagte Geschwister. In Udenheim und Schornsheim in Rheinhessen leben zurzeit 4 Geschwister, welche 79, 80, 82, 87, zusammen also 328 Jahre zählen. Die Hochbetagten sind alle noch geiftig frisch und leben in guten Verhältnissen bet ihren Kindern und Enkeln, deren Zahl recht stattlich ist. ** Große Geslügel- Vogel- und Kaninchen- Ausstellung. Der Geflügel- und Vogelzucht-Verein für Gießen und Umgegend, (eingetr. Verein) hält m den Tagen vom 10.—12. Dezember im Reuen Saalbau hier seine V. Allgemeine Geflügel- und Vogelausstellung ab, welche das erste Mal mit einer Kaninchen-Ausstellung verbunden fein wird. ** Bundestag der deutschen Bodenreform in e r. Am Sonntag wird die Tagung des Bundes der deutschen Bodenresormer in Darmstadt sich mit der Behandlung folgender Gegenstände befassen: 1. „Die Verstaatlichung der Wasserkräfte". Referent: Prof. Dr. Schär- Zürich. 2. „Bodenreform und Kolonialpolitik". Referent: Admiral Dr. Bo et er s-Eharlottenburg. Haben auch die für Samstag den 13. Oktober vorgesehenen Berhandlungs- gegenstünde mehr aktuelle Bedeutung, so stehen diesen die oben genannten doch an Wichtigkeit nicht nach. Die Namen der Referenten bürgen dafür, daß den Teilnehmern an der Tagung Erweiterung und Förderung ihres volkswirtschaftlichen Gedankenkreises in weitgehenoem Maße geboten wird. ** Jägerlatein. Von einem Handwerksmeister, einem gewaltigen Nimrod vor dem Herrn, wird, wie man uns schreibt, nachstehendes Stückchen erzählt: In Jügerkreisen wird dessen sprichwörtliches Pech auf dem Anstand damit erklärt, daß der schon ältere Herr, der sonst als guter Schütze bekannt ist, wenn er aus dem Anstand sich befindet, kaum eine Minute stille halten kann. Dieser Tage hatte der Jägersmann aber ganz gegen die Regel gewaltiges Glück; Obgleich es um diese Zeit schwer ist, einen Bock vor den Laus zu bekommen, erlegte der Weidmann deren zwei kurz hintereinander. Ein Jagofreund des Mannes, welcher Zeuge des Ereignisses war, erklärte gestern in einer Gesellschaft von Jägern, der Schütze habe aber an dem Tage aus dem Anstand sich so ruhig verhalten, daß ein Rotschwänzchen sich aus seine brennende Zigarre, die er vor Abgabe des Schusses im Munde trug, ganz behaglich niedergesetzt hätte. "DteStädteAlSseld, Friedberg und Bingen, bezw. die Gemeindevertretung mitsamt dec Bürgerschaft dieser Städte haben an die Erste Kammer eine Eingabe gerichtet, in der sie gegen die Aushebung des Privilegiums der Wahl eines eigenen Abgeordneten Protest einlegen und die Erste Kammer um Wiederherstellung bei' Regierungsvorlage in diesem Punkte ersuchen. ** Zur Herchenhainer Bürgermei st erwähl liegt uns heute ein längeres Schreiben vor, das von dem neuen Bürgermeister Heinrich Komp geschrieben und von dem Beigeordneten Adolph, drei Gemeinderatsmitgliedern und vier anderen Männern unterzeichnet ist. Es nimmt Bezug auf eine kurze Notiz in unserer 9lr. 235 und behauptet im wesentlichen folgendes: Es sei nicht richtig, daß der Wahl wochenlange Freizechen voransgeganaen seien. Richtig sei, baß bet den 5 Wahlversammlungen bas Bier von ben Bestellern und nicht von Herrn K o nt p (bein neuen Bürgermeister) bezahlt worben sei. Bet ber Bürger- meislerwahl vor 18 Jahren seien gattz andere Dinge vorgekommen; sie Halle dem damals Gewählten nach feiner eigenen Aussage Alt. 1560 gekostet. Daß Herr W e t b n e r auf seine Wiederwahl verzichtet habe, fei falsch. Herr Weidner hatte sich alle erdenkliche Mühe gegeben, für feine Wahlversammlung ein Lokal zu erhalten, was aber daran scheiterte, daß die beiden Wirte, mit denen Herr Weidner nicht im besten Einvernehmen stehe, chm ihre Lokalitäten verweigerten. Herr Weidner habe unter den weitgehendsten Versprechungen LetUe auf seine Seite zu bringen versucht, aber ohne Erfolg. Bei der Einberufung einer Versammlung in das von ihm bewohnte HauL seien ferne sieben Alaun erschienen. Ein Beleidigungsprozeß, zu dem Termin am 2. November anstehe, werde mancherlei Aufschlüsse bringen. (A.) Echzell, 11. Okt. In der Nacht vom 8. aus 9. Ott. ist aus dem in der hiesigen Gemarkung gelegenen Bingen- heimer Forsthau- (Jnstttut Präzeptor Lucius) ein schwerer EinbruchSdiebstahl verübt worden. Der Dieb ist durch das Abortscnster eingesttegen und hat ein im untern Stock befindliches Pult erbrochen, wodurch ihm der darin aufbewahrte Geldbetrag von 900 Vttrrk in die Hände gefallen ist. Wie man hört, soll der Dieb den Einbruch schon vor einigen Tagen beabstchttgt Huben, wobei er aber durch das Erwachen einiger Jnstttutszöglinge verscheucht wurde, die ihn im Dunkel der Nacht verschwinden sahen. Der Einbruch kann nur von einer mit den örtlichen Verhältnissen vertrauten Person begangen worden sein, der es sicherlich auch bekannt war, du.fi der Hausherr zurzeit verreist ish. Dem ^Vernetzmerr nach ist man dem Täter bereits auf der Spur^ t. Allertshausen, 10. Okt. Unsere alte baufällige und auch nicht mehr zeitgemäße Kapelle soll durch ein neues Kirchlein ersetzt werden. Sobald man sich über die Platzfrage für die neue Kapelle geeinigt haben wird, wird mit dem Bau begonnen werden. KB. Darmstadt, 11. Okt. Das frühere Geschäftsund Wohnhaus de§ falliten Bankhauses C. Schade in Damit begab sich Meinett in die Scheune, während Frau Memert emsig an ihrer Näherei weiter arbeitete. xie Antipathie der beiden einfachen alten Leute gegen Herrn xeugebaur, den neuen Sekretär Ferdinands, war wohl gerecht- tertigt, denn der neue Sekretär steckte fein schlaues Fuchsgesicht in alle Kinkel und Ecken, fragte mit überhöflichem Lächeln die Leute aus und ftrich in Wäld und Feld umher, als suchte er emen öetloieenen Gegenstand. Wenn man es sich am wenigsten r^ttah, tauchte ^plötzlich auf, erfchreckte durch sein unvermutetes Fragen und störte die Knechte bei ihrer Arbeit. jJcan Krollte oerneTtt haben, daß er sogar an der Türe lauschte, lTn Gesindezimmer versammelt waren oder die Knechte und Magoe abend- nach getaner Arbeit plaudernd Msammenftanden. v te* „rote Fuchs", wie Herr Neugebaur bald allgemein genamit wurde, war überall zu nnden, bald in der Küche, bald in den etällen, halb m dem Gatten, bald in ben Scheunen. Jean faxebiete unb fasste ihn unb nach kurzer Zeit verstummte ein jeber, wenn Herr Neugebaur austauchte Man beant- wortete ihm nur das Notwendigite drehte ihm auch wohl den Rücken, ohne ihn überhaupt einer Antwort zu würdigen Ter Sekretär lächelte dann gutmütigftpöttisch und entfernte suh mit höflichem Grutz. 1 - J’e batz Herr Broller ten Sekretär durchaus nicht mit Freundlichkeit und Achtung behandelte Sein Wesen war gereizter und ungebulbiger als je; ex sprach mit niemandem mehr, aber das Hausmäbchen erzählte, daß ber Herr oft heftig unb ärgerlich mit dem neuen Sekretär spräche, wenn sie beide abends in des Herrn Arbeitszimmer zusammen- jaßen. In der Tat reizte oas geheiinnisvolle Tun und Treiben Neu^ebaurs die Ungeduld Ferdinonbs auss äußerste, und endlich konnte cr sich nicht mehr mrückhalten. In ziemlich heftiger Weise trug er Neugebaur nach den Resultaten seiner Nachsorsaiungen. Mit ruhigem Lächeln sah ihn bet Selretär an. nW werden ungeduldig, Herr Groller", sagte er dann, „aber Sie tun mir unrecht. Ich habe neue Spuren entdeckt unb wenn ich sie Ihnen bislang nicht mitteilte, so kam bas daher, daß ich vorher ein besinitives Resultat erzielen wollte. Jetzt kann id) jeboch sprechen." ,Lch bitte Sie darum." (Fortsetzung folgt.) — Aus bem Frankfurter Kunst leb en. Bei ben ersten Eindrücken aller Kunst, die der jmrge Lenbach in Augsburg empfing, sagte er unter anderem: „Nichts überxasckste mich an diesen alten Bildern, ich fühlte mich unter ihnen sofort zu 5)ause, unb es mar mir, als hätte ich in alter 3eit, vor Hunderten vor Jahren selbst alles bas erbacht unb gemalt." Unb wie er in Augsburg gefühlt, so auch in Venebig mit Giorgone unb Titian, unb bie herrlichen 50 bei Herrn es ausgestellten Porträts sind selbstschöpferische, in ihrer Vollenbung bargestellte, keine nux bortxätierie Menschen. Diese Helden, Hexxsck-er, majestätische unb träumexische Fxauen, Künstlex unb Entbecker — tiefe kleine hier ausgestellte Zahl seiner zahllosen Arbellen — nrorben, wie tiefe alle. Verkörperet: von Mut unb Schönheit, Weisheit unb Idealismus bleiben, wenn die, bie dazu Modell gesessen, längst vergessen sinb — bis auf Bismarck — den der Künstler freilich nur zu kopieren brauchte, um eindrucksvollste Größe festzuhalten. — Richard Wagner an Mathilde Wesendont. Tagebuchblätter und Briefe. 1853—1871. Herausgegeben unb eingeleitet von Prof. Tr. Wolfgang Golther. 400 Seiten mit 4 Bildern unb 3 Faksimile. Geh. 5 Mk. — Diese Tagebuch- auszeichnungw Wagners gehören neben den künstlerisch wichtigen 2iolumentui, bie man fast auf jeber Seite findet, zu dem Zartesten, Innigster? und Stimmungsvollsten des ganzen Buches. Tas sind in Wah/.heit mehrfach Ticlstungen in Prosa, es sind Stimmen aus b l tiefsten Einsamkeit, in die er sich in Venedig vergraben hatte. ...ab nach tun st historischem Interesse ihm Wert verleiht, fit ber Einblick in bie Werkstatt eines Geistes, ber ein klares sollen besaß, ber jedem Werke einen Teil seines Selbst tnilgab. Hu dem Sinne wirb bas Buch auch auf anoeren Gebieten des Geistes und der Kunst unübertroffen dastehen. Wer es nicht kennt, ber kennt auch Richard Wagner nicht völlig. — Aus dem Wettbewerb für das von Luise Dumont unb Gustav Lindemann geplante Schau spie Ihaus, das in D ü s s e l b o r f erstehen wird, ist der Entwurf im strengen Souib XVI.-Stil des Berliner Architekten Sehring siegreich hervorgegangen. Es sind „nächtige dieuerungen bei Bühne unb Zu- schanexraurn" vorgesehen und ferner eine Erweiterung der Zwecke über bie Aufgaben bes Schauspiels hinaus zu einer Eimvickung auf die allgemeine geistige Kultur. Es handelt sich um „eine eigene Kombination ästhetischer Zwecke mit ethischen Zielen unb bis zu gewissem Grade mit Absichten, ähnlich denen ber „University extension"-Bewegung". Außer dieser „B o l k s a k a b e m i e" ist ein Saal für pädagogische Zwecke vorgesehen, wo nickst nur junge Talente für bie Bühne vorgebilbet werben sollen, sondern auch Unterricht im Sprechen unb Reden an Juristen, Philologen usw. erteilt wird. — Ein Telegramm aus Köln berichtet: „Kilometer- freHer", Schwank in brei Akten von Curt Kraatz", hatte am Kölner Resibenztheater bei ber Uraufführung großen Lacherfolg. Verfasser und Darsteller wurden nach jedem Akte sehr lebhaft gerufen. Berlin, 11. DEL Heber die Einführung der drahtlosen Telegraphie in den Bereinigten Staaten wirb die Nachricht verbreitet, daß die VergleichSversuche seitens der von der Negierung bestellten Sachverständigen über bie Einzelnen Sßsteme ber Wellentelegraphie nunmehr abgeschlossen seien, unb baß man sich Weber für Marconi, iwch für bas beutfdje Telefunkenshstem, sonbern für das Shstein von Tr. bc Forest entschieden habe. Demgegenüber wird von authentischer Seite mit* geteilt, baß bie Reihe von Experimenten, welche die Brauchbar* feit ber verschiedenen Systeme und deren Konstruktion in ein gehender Weise bar tim sollen, noch nicht abgeschlossen ist, und daß eine Entscheidung über bie Einführung irgend eines Systems der drahtlosen Telegraphie bisher noch nicht g e t r o f \ e u worden ist. der s^ätüpnraye 8 wurde von dem tjfepgett Welnrestaurateur Röhrig zum Preise von 69 000 Mk. erworben. ES wird in den früheren Geschästslokalitäten der Bank z. Z. ein elegantes Weinrestaurant eingerichtet. Kleine Mitteilun gen aus Hessenund den Nachbarstaaten. Aus dem Taunus wird geschrieben: Der Winter hat uns schon seine Visitenkarte zugeschickt: gestern mittag wurde der Feldberg von einem Schnee- gewand emgehüllt, während zu gleicher Zeit