Nr. 314 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener ZamM end lütter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der .Hessische Landwirt" erscheint monaUich einmal. Rotationsdruck und Verlag der Brü hl 'sehen Unwersttätsdruckerei. R. Lange, Gleßen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.?. Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.; Anzeiger Gießen» Zweites Blatt. 1S4. Jahrgang Montag 12. September 1904 Gießener Anzeiger Keneral v. Trotyas Mißerfolge. Das Ergebnis der Einkreisung der Herero am Water- öerg, wovon sich General v. Trotha einen so großen Erfolg und eigentlich wohl die tatsächliche Niederwerfung des Aufstandes versprochen hatte, stellt sich allrnählich als noch viel geringer heraus, als es selbst nach den anfänglichen Nachrichten von dem gelungenen Durchbruch größerer Herero- Maffen erschien. Es wird immer klarer, daß der ganze Einkreisungsplan verfehlt war, weil er nicht genügend mit den schwierigen örtlichen Verhältnissen und der Eigenart dieser Neger gerechnet hatte. Nach dem Eintreffen General v. Trothas wurde recht abfällig über die Kriegführung Oberst Leutweins geurteilt. Jetzt scheint es aber doch, als ob der Leutweinsche Plan der weniger zeitraubende, weniger kostspielige und den örtlichen Verhältniffen und der Natur des Feindes mehr angepaßte gewesen sei. Hauptmann Dannenhauer, der einzige an Ort nnd Stelle befindliche Berichterstatter, spricht es jetzt ganz unverhohlen auS: die Expedition des Generals v. Trotha ist völlig gescheitert. Es sind nicht nur einzelne Trupps der Herero, sondern sie sind sämtlich nach Südosten entkommen und von ihren großen Viehherden ist so gut wie nichts in die Hände der deutschen Truppen gefallen. Wenn der Berichterstatter hofft, daß die einzeln im Lande umherziehenden Herero-Haufen schließlich durch Hunger zur Unterwerfung gezwungen werden, so ist das doch erstens nicht sicher und zweitens ist das eine recht weit ausschauende Erwartung, die in ihrem Werte noch dadurch eingeschränkt wird, daß schon jetzt als sicher angenommen wird, daß die Häuptlinge und alle die sonst Strafe zu fürchten haben, uns nicht in die Hände fallen, sondern sich auf englisches Gebiet in Scherheit bringen werden, dadurch für die Zukunft in der Lage, den Frieden im Schutzgebiet immer von neuem zu gefährden. Im „Militärwochenblatt" wird in einer zwölf Spalten füllenden Abhandlung eine Rechtfertigung der Kriegführung General v. Trothas unternommen, welche in dem merkwürdigen Satze gipfelt: die Herero wären strategisch eingekesselt gewesen, aber nicht taktisch. Letzteres sei nur möglich gewesen, wenn rundrum kleine Abteilungen ein Entweichen hinderten, starke Abteilungen sie von den Schlüsselpunkten zurückdrängten und dann der Kreis allmählich verengt wäre. Solcher Einschließung aber stand die Unmöglichkeit entgegen, die vordersten Abteilungen für längere Zeit mit Waffer und Verpflegung zu versehen. Es scheine, als ob die Truppen zu diesem Behuse nicht ausreichend mit Wafferwagen und sonstigen Beförderungsmitteln für Waffer versehen seien. Ein zutreffendes Bild von den Bewegungen der einzelnen Kolonnen aus der Verfolgung laffe sich auS den spärlichen Mitteilungen nicht entnehmen. Jetzt handele e8 sich nicht mehr um Verfolgung, sondern um ein Vorgehen gegen den in Stellungen bei Otjomaso und Okowindonabo lauernden Feind. Seit dem 3. d. Mts. stünden etwa 3000 Mann für frontales und beide Flügel des Feindes umsaffendes Vorgehen bereit. Hoffentlich sei der Feind zahlreich, und hoffentlich bleibe er stehen. „Die Kämpfe am Waterberge", meint das „Militär-Wochenbl." zusammenfassend, „bilden den erfolgreichen Beginn der Unterwerfung der. Herero und die Herstellung der Ueberlegenheit der Weißen über die schwarze Rasse". Die Ausführungen deS „M.-W." klingen nicht sehr zuversichtlich. Man kann daraus im besten Falle nur entnehmen, daß wir im Anfänge des Beginnes der Unterwerfung der Herero stehen. Und der Satz von der zwar strategisch gelungenen, taktisch aber fehlgeschlagenen Einkreisung heißt doch auf gut deutsch nichts anderes, als daß die Einkreisung nur auf dem Pavier vollzogen war. Für die künftige Kriegführung, meint der Berichterstatter des „L.-A.", werde für General v. Trotha und seinen Stab wenig mehr zu tun sein, da den einzelnen Abteilungen große Selbständigkeit gegeben werden muffe. Diese Ansicht ist auch von anderer Seite schon vertreren worden. Gouverneur L e u t w e i n meldet vom 10. d. M.: Die Abteilung Stempel rückte vor dem Eintreffen der Expedition Lengerke mit 84 Mann von Plattbeen aus, um die durch Morenga abgeschnittene Patrouille zu befreien. Er stieß am 30. August auf dem Wege von Kouas nach Langhas, westlich vom Schanzogberg, aus Morenga, welcher 70 bis 100 Ge° wehre stark war. Beim Ansturm fielen Leutnant Baron Stempel und Sergeant Stolle. Die Kompagnie Koppy ist zur Aufnahme der Abteilung Stempel am 1. September von Hasuur auSgerückt. Wo sich gegenwärtig die Abteilung Lengerke befindet, i st nicht gemeldet. Wie dem „Lokalanz." hierzu mitgeteilt wird, hat sich gleich nach Beendigung der Operationen gegen die Bondelzwarts in bem von Truppen entblößten Gebiete eine Bande von schlechten Elementen derHottentoten und anderer Stämme unter Führung eines Bastards gebildet. Am 1. ds. ging die Nachricht ein, daß diese Bande eine Herrn Müller von Berneck gehörende Farm im Bezirk Bethanien geplündert habe. Der Besitzer ist mit dem Leben davongekommen, und es werden wohl Teile der 3. Feldkompagnie, die in dem Gebiete steht, gegen die Bande ausgezogen sein. General v. Trotha meldet ferner aus Otjosondu vom 8. September: Am 3. September wurde Volkmanns Spitze auf dem Marsche von Okahitua nach Okosondusu von Herero- banden angegriffen. Viele Hereros, darunter zwei Groß l^eute, wurden getötet. Diesseits wurde ein Reiter verwundet. Am 5. Septbr. versprengte Deimling bei Okowindombo starke Kräfte des Feindes, der zahlreiche Tote hatte und viel Vieh verlor. Diesseits keine Verluste, v. Estorfs sagte den Feind von Okosondusa in die Flucht über Otjomasu-Otjimbinoe. Der Feind ist anscheinend nach O st en und Südosten gewichen. Für die Verfolgung nach Osten bieten sich überaus große Schwierigkeiten durch den Mangel anWasser und das völlig unerforschte Gelände. Ein langsames Vorfassen unter sorgfältiger Aufklärung wurde angeordnet, v. Estorff mit Volkmann steht 14 Kilometer östlich von Ötjimbinde, Deimling in engster Verbindung mit ihm geht von Okowindombo aus Epata. Reißenstein ist in Oflornasu, Meister im Marsch aus Oparakane- Ewaruse begriffen. Sodann liegt noch folgende amtliche Meldung vor: Reiter Hermann Z i e t l o w , geboren 24. September 1882 in Prütznow, Kreis Rügenwalde (Pommern), früher 1. Pommersches Feldart.- Regiment zu Belgard, ist am 6. ds. im Lazarett von Okosongohu, Sergeant Friedrich Kaylick aus Niebel, Kreis Zauche-Belzig, früher Regiment Garde du Corps, am 8. September im Lazarett von Okahandja am Typhus gestorben. Reiter Max Rinkleib, früher Trainbataillon Nr. 4, ist am 9. September im Lazarett von Okahandja, Reiter Johann August Moeßner am 8. September im Lazarett von Otjosondu am Typhus gestorben. — Kriegsfreiwilliger v. Reichel aus Terpen bei Saalfeld «Ostpreußen) ist am II. August bei Waterberq durch einen Streifschuß am linken Arm und durch einen Schuß in das rechte Knie verwundet worden. Der große Kreuzer „SSineto" erhielt Befehl, vom 19. November bis 3. Dezember Swakopmund anzulaufen, um dort den am 30. Oktober von Hamburg abgehenden Dampfer „Gertrud Wörmann" mit dem für die „Vineta" bestimmten Fähnrichstransport abznwarten. Das sind gleichfalls durchaus unerfreuliche Nachrichten. Wir erfahren, daß eine Patrouille abgeschnitten wurde und daß die zur Befreiung abgeschickte Expedition nicht nur Verluste hatte, sondern ebenso verschwunden ist wie die zu suchende Patrouille Nach einem für die Hereros Verlustteichen Gefecht Hut lman die Verfolgung wieder nicht aufnehmen können. Obendrein herrscht dort arg der Typhus, sodaß auf jeden zweiten Tag ein Toter kommt. Alles in allem ist danach der Ausb lick in die Lage in Südwestafrika recht unerfreulich, und es ist noch gar nicht abzusehen, wie viele Millionen und wie viele Opfer an Menschenleben die Unterwerfung der Herero noch kosten wird. Der uns noch bevorstehende Feldzug gegen die Ovambo soll, wie jetzt gemeldet wich, überhaupt gleich auf das nächste Jahr verschoben werden. Die Schutztruppe ist jetzt ungefähr 9000 Köpfe stärkt Um diese Menge beritten zu machen, wurden 6925 Pstrdel eingeführt. Außer den Pferden wurden noch 841 Maultiere eingefuhrt. Da von den Tieren infolge des ungewohnten Klimas und Futters, wie durch die großen Anstrengungen sehr viele zu Grunde gehen, so müssen immer neue Nachschübe nachgesandt werden. Die Ankäufe in Ostpreußen und Südafrika werden daher ununterbrochen fortgesetzt. Mit Ausnahme eines Transports von 1790 Pferden aus Ostpreußen, der im Juli dahin abgegangen ist, sind alle diese Tiere schon in den früheren Monaten dort eingettoffen, seitdem haben aber die Ankäufe keine Unterbrechung erlitten. Ueber die Buren aus Südafrika, die zur Einführung geregelten Ochsenttansportes gewonnen wurden, wird berichtet, daß außer dem Burenführer Maritz noch 10 Buren samt 200 eingeborenen Fahrern, 70 kapische Ochsenwagen nebst 1300 Zugochsen eingeführt worden sind. Aus allen diesen Angaben läßt sich leicht ermessen, daß allein für diesen Teil des Transportwesens jetzt schon eine Kostensumme erwachsen sein wird, die 10 Millionen! Mark übersteigt. Danach ist es unzweifelhaft, dag die angegebenen 50 Millionen Mark als Ausgabe für! den Aufstand nicht ausreichen werden.__________ Der Kaiser und seine Marine. Brunsbüttelkoog, 10. Sept. Heute vormittag hielt der Kaiser an Bord der „Hohenzollern" eine Besprechung des Flottenmanövers ab. Anwesend war das Offizierkorps der Schlachtslotte mit dem Admiral v. Köster an der Spitze, die Chefs der Marinebehörden und Prinz Heinrich von Preußen. Heute abend fand Paradetafel für die Marine bei dem Kaiser an Bord der „Mars" statt. Bei dem Paradediner hielt Admiral v. Koester folgende Ansprache: „Mit hellem Jubel wurde von Ew. Majestät aktiven Schlachtslotte der Befehl begrüßt, daß wir vor den Augen unseres allerhöchsten Kriegsherrn Zeugnis ablegen sollten von unseren Leistungen und jedermann vom Admiral bis zum jüngsten Mattoseu und Heizer war mit regem Eifer bestrebt, seiner gestellten Aufgabe gerecht zu werden und sich derselben wett zu erweisen. Hoch beglückt sind wir durch das Lob und die vielfachen Gnadenbeweise, die uns heute als höchste Anerkennung zu teil geworden sind. Vor allen Dingen ist es aber das GefüÄ tiefster Dankbarkeit, das uns heute beeselt, indem wir in Ew. Majestät den energischen, rastlos fürsorgenden Begründer der sich gedeihlich entwickelnden stets wachsenden Schlachtflotte sehen. Ew. Majestät haben uns aber nicht allein Personal und Material geschaffen, sondern auch unseren Reihen den Geist militärischer Tätigkeit eingeimpft, den Geist, der, so Gott will, zu vollen Erfolgen führen wird. Diesen Geist zu hegen und zu pflegen, ist unsere heilige Pflicht, der wir uns voll bewußt sind. Was wir sind, verdanken wir unserm Kaiser. In tiefster Dankbarkeit, in unentwegter Treue und Verehrung stimmen wir begeistett ein in den Jubelruf: Se. .Majestät, unser heißpeliebter Kaiser Hurra!" Der Kaiser erwiderte hierauf mit folgender Redet „Tiefbewegt durch die Wotte, welche Ew. Exzellenz soeben^ im Namen der aktiven Schlachtflotte mir entgegengebracht haben, beantworte ich dieselben von ganzem Heiden mit freudiger Zustimmung. . In die Marine und in meine Schlachtflotte ist der Geist hereingezogen, den ich hereingezogen zu sehen wünschte. Es ist das erreicht in Bezug auf das Verhältnis der Offizier? meiner Marine zu mir, was ich mir zum Ziel gesetzt hatte, als ich zur Regierung kam. Ich fand eine Marine vor, deren vortteff- lichcs Material in bezug auf das Offizierkorps nicht das volle Gefühl hatte der absoluten Zugehörigkeit zu der Person des allerhöchsten Kttegsherrn. Es konnte auch nicht anders sein bei Hin Ioikskunsttag in Darmstadt. R. B. Darmstadt, 11. Sept. Der Rhein-Mainische Verband für Vol^vorlesungen und verwandte Bestrebungen hatte für heute vormittag nach der Aula des alten Gymnasiums einen Volkskunst tag einberufcn, der sich eines zahlreichen Besuchs namentlich von feiten der hiesigen Künstlerwelt und der Dozenten der Teckwischen Hochschule zu erfreuen hatte. Den Vorsitz fühttc Staidtv. Tr. Flesch-Frankfurt. Als erster Redner sprach Prof. Dr. Mannheimer -Frankfurt über die Beziehungen zwischen Kunst und Volkstum, die er vom kulturgeschichtlichen Standpunkte aus beleuchtete. .Der. Redner wandte sich in längeren Ausfüfynmgen gegen die Aesthetik Kants und legte dar, daß die künstliche Empfindung bestimmend für die Lebensführung und das künstlerische Ideal wegweisend auf allen Gebieten des Lebens sei. Die Freude an der Knnst hänge mit der Befreiung des Volksgeistes, mit dem Wegfall des Druckes und der Bevormundung von oben, mit dem Erwachen des Bürgertums aus seiner Erschlaffung zusammen. Die Kunst sei nicht nur für die höheren Volksschichten da, sondern auch die breiten Volksmassen hätten volles Anrecht darauf. Schon die Kunst der römischen Kaiserzeit produziette nicht für die Bevorzugten im Reiche, sondern für alle Klassen der Gesellschaft. Zweiter Redner war da-> jtingste Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie, Dr. Greiner, der sich in längeren, interessanten Ausführungen Über die Frage verbreitete: W i e k a n n man im Volke Kunstinteresse wecken und fördern? Der Redner warf zuerst 'die Frage auf, ob denn int Volke wirklich ein Interesse für die Kunst vorhanden sei und antwortete mit einem entschiedenen Ja. Die Freude an der Kunst sei nicht an eine bestimmte Volksschicht gebunden, sie sei auch in den unteren Schichten vorhanden, auch wenn der Schein dagegen spreche. Ans dem Volk sei eine große Reihe hochbegabter, kräftiger, lebensvoller Künstlernaturen hcrvorgegangen und das beweise, daß die Kunst im Volke feste Wurzeln habe. ?lber der Trieb nach Schönheit könne und müffe noch geweckt unb gefördert werden, man erweise damit dem Volke eine Wohltat. Die Kunst ck!tnung d*s politischen und sozialen Lebens eines Volkes. Der in ebn er lr-leu^htet dann die mächtige Einwirkung der Kunst auf xm Menschen und führt dies an der Hand der Werke Böcklins, Segantiuis, Stucks u a. m. näher aus. Es sei nicht nur für die Kunst selber äußerst wertvoll, ihr ein größeres Arbeitsfeld zu sckwffen, sondern ihre Ausbreitung sei auch von größter Bedeutung für das Volk. Man müsse alles daran setzen, dem Volk die Kunst lieb und wett zu machen. Seine praktischen Vorschläge gingen dahin: Der Verband möge bei allem, was er veranstalte, darauf bedacht sein, es int künstlerischen Sinne ausstatten. Die Bucheinbände, die Zeitungsmappen, die Verbandszeitung selbst sollten in künstlerischer Ausstattung mit gutem Beispiel vorangehen. Das wichtigste wäre, das Volk mit den Bestrebungen der modernen Kunst verttaut zu machen, anstatt, loie es meist geschehe, es mit kunstgcschichtlichen Vorträgen über Dürer, Rembrandt usw. zu belehren. Man sollte große Partien Kunstblätter ankaufen und sie dem Arbeiter billig überlassen. So wie man dem Volk ftir seinen Verstand utrd sein Wissensbedürfnis Volks- bibliotheken errichte, so sollte man jeder dieser Bibliotheken sozusagen auch ein lleines Kupferstichkabinttt angliedern. Tie wenigen jetzt vorhandenen .Kunstsammlungen könnten nicht genügen. Durch Wanderausstellungen könnte viel Gutes gewirkt werden; aber sie sollte nur gan§ vorzügliche Werke aufwcisen, von denen 10—20 vollständig hinrerchend wären. Mit der Ausstellung sollten nachmittags oder abends Besprechungen über Kunst verbunden und dem Publikum leitende Gesichtspunkte für die Betrachtung der Kunstwerke gegeben werden. Ein weiterer Faktor seien die Votträge, dock sollte hierbei statt der geschichtlichen Themata gesprochen werden über die Bestrebungen der modernen Kunst, über die Eigenheiten bcS ve schieden en Materials, die Probleme in der Malerei, deS Lichts, der Farbeywirkung, über Plastik und über allgemeine Fragen in der Kunst. Kunst geschichtliche Votträge sollten stets an die heimatliche Kunst anknüpfen oder nur vor Originalwerken berühntier Meister stattfinden. Als weiteres Mittel empfahl der Redner Verallgemeinerung der Museumsbesuche, doch sei es schwer, dem Beschauer die Empfindungen des Künstlers in treffender Form wiederzu geben. Habe dock» ein berühmter Meister auf die Frage, was er fick bei Schaffung seines Werkes gedacht habe, die Antwort gegeben: Wenn ich es mit Morten anÄwücken könnte, hätte ich es nicht gemalt! Ueber „Die soziale Beben tu ng der VolkSku n ft" referierte dcnm nackt Dr. Stein, Geschäftsführer des sozialen MuseumS in Frankfurt. Er führte aus, daß das Voll in einer gewissen Wolsthäbigkeit sich befinden nuisse, wenn die Kunst als Massenerseheinung in das Volt ein bringen solle. Die soziale Frage sei nickt bloß Brotkragr, sondern sie umfasse den ganzen Meuscken in allen seinen Bedürfnissen, zu denen auch die Kunst empfiuduirg zälffe. Man müsse sich bcfh'ebcn, dws tägliche Leben des Volkes künstlerisch z« durck»webeu; in Frankfurt sei damit bei Ernck-timg der großen Baublockü der Anfang gemacht worden. An die Votträge sMotz sich noch eine lebhafte Debatte tic- anstaltetos Tirvlersest statt. — Frau Dr. Ida Fulda, die Gattin dest Ludwig Fullia die früher am Deullcken Theater in B-ttin unter dem Namen Fdr Tbninter engagiert war, hat flA en tf'N offen, wieder zur B'flme zurück;"kehren bat sich der Dtrekttou des neuen LuftspicllrauseS in Berlin verpflichtet. irr txfLn-^J.Yn unb brr urifitSrff&pBlttifdxe Entwickelung un jerrr S^chniLxcbt, Die e$ also mit sich gebracht nitb 0 ist mir, toie ich e<$ txiitr iUx'rsche ui jeher Be-iebmrg ^glückt. DaS Offizier- tinu* >e s1,\'dniwe ist mein Offizierkorp- iuri> btt* Herren sind meine Cfrijm* mtb meine Kameraden genwrden und da- durch, bau dieser enge und innige Zusammenhang catädu ist, gleich dem, her schon Ialytzunderte binburd) zn-ischen dem Offizier lorpS der Landtirrnee und ihren Königen besteht, i ft eS möglich gewesen, daß.diese großen Leistungen geboten werden konnten. Denn auch hier heißt es: Ter Buchstabe tötet, aber der (Seift macht lebendig. Derselbe hat sich auch hier tätig erwiesen und die herrlichsten Beispiele geliefert. Jdj begrübe in diesem Geist freudiger Hin ■ gäbe aufopfernder Arbeit dis ^borsams und der TiszGlin in den jüngeren Offizieren die frohe Qfcnnfefccit für die Z u - F u n f r, daß, welcher Ausgaben auch an die Marine herantreten werden, sie jrd) in jeder Beziehung ihnen gewachsen -eigen wird und als eine gute und zuverlässige Waffe in meiner Hand. Die Wurzeln ihreS LebcnS rridjcn :u die frühere Zeü zurück und ich hoffe, daß Se. Exzellenz Admiral v. Knorr aus diesen Tagen die Isitzcrzeugung ivird entnehmen tönnen, daß der Schneid und btc Tapferkeit und die fciiHjabc von Gut irnd Blut für Jftjriig und Vaterland, die er sckwn mit feinem Beispiele erwiesen dar, auch heute noch ebenso in der Marine lebendig sind. Daß dem immer so sei, darauf erhebe ich mein Glas und rufe: "Die aktive Scküachtslotte und meine Marche Hurra! 5>urra! Durra! Bruusbüttelkoog, 11. Sept. Die „Hoben^lleni" mit dem Kaiser an Bord ging heute firr) nach 8)i.ittcrnacht in den Kanal n ach Kiel unter dem Salut der gesamten Schlachtflotte, welche sämtliche Scheinwerfer spielen imb Raketenseuorwcrk steigen ließ. politische Wochenschau. Der deutsche Kronprinz hat sich mit der Herzogin Eecilie zu Mecklenburg-Sch werin verlobt. Zn der Herzogin Cecilie wird zum zweiten Male eine mecklen - durgische ^Prinzessin in die Reihe der preußischen Königinnen ein treten; die erste war Königin Luise aus dem Hause Mecklerrburg-Strelitz. Da die Herzogin Ceeilie sowohl zu den Höfen von Rußland, Tänemmck, Holland wie auch zu dem Hause Cumberland in enger verrpandtschaftlicher Beziehung steht, sind in der Presse gleich bei BÄarnrtgabe der Verlobung die verschiedensten Kombinationen laut geworden über die politischen Tendenzen, welche mit dieser Verlobung verbunden seien. Selbstverständlich läßt sich zurzeit nichts darüber sagen, ob die Verbindung, namentlich was den Herzog von Cumberland an geht, die Folge haben wird, daß eine versöhnlickiere Stimmung zwischen Berlin und Gmunden playgreifcn wird. Das deutsche Volk fühlt sich einig in dem Wunsche, daß die Verlobung des deutschen Dwnprinzen mit der Herzogin Cecilie dem jungen Brant' paare zum Glück und dem Vater lande zum Segen dienen möge. Die Verlobten weilen seit dem gestrigen Sonntag in Schwerin. Frhr. v. Mirbach hat wegen der Ungeschicklichkeiten, die er in der Sammlung für die Kirchenbanren begangen hat, dem Truck der öffentlichen Meinung weichen müssen. Diejenigen Kreise, welche sich für ihn ins Zeug legten und der Presse nichtsnutzige Verleumdung nachsagten, werden sich angesichts des Umstandes, daß Frhr. v. Mirbach der Stelle eines Sekretärs der Kaiserin und Verwalters ihrer Schatulle enthoben worden Lsr, wohl sagen müssen, daß die Auffassung der öffentlichen Meinung an maßgebender Stelle geteilt worden ist. Herr v. Mirbach soll gegenwärtig an einer Herzkrankheit leiben und diese Krankheu ist nach halboffiziöser Verkündigung der erste Vorbote für seine Verabschiedung als Oberhofmeister. Die Aufregungen? welche für Herrn v. Mirbach mit der ganzen Angelegenheit verknüpft waren, mögen schon derart gewesen fein, daß seine Gesundheit darunter gelitten hat. Frhr. v. Mirbach hat am Samstag auf ärztliches Anraten in Begleitung seiner Gattin eine längere Erholnngsreise nach dem Harz an getreten. Die Speyerer Protesta tionsfeierist nicht zur vollen Zufriedenheit der Evangelischen verlaufen. Tie Ab Wesenheit der protestantischen Fürsten, namentlich des Kaisers, hat verstimmt. Die Feier war ein Gedenktag des Jahres 1529, und jede Spitze gegen Rom ist ausdrücklich vermieden worden. Es war ein Gedenktag protestantischer Glaubens- und Gewiss en s freih ei t, dem eine größere Aw zahl gekrönter Häupter eine erhöhte Feierlichkeit gegeben haben würde. Der preußische Schulantrag hat die Junglibe- ralen auf ihrem Leipziger Vertretertag beschäftigt. Die dort gefaßte Resolution, deren wesentlichster Bestandteil die Forderung auf allgemeine Einführung her Simultanschule ist, stellt sich in erwünschtesten Gegensatz $u dem bekannten Schulkompromiß. Es steht zu hoffen, daß die Resolution für kommende Beratung der Schulvorlage maßgebend fein wird. Die Hauvtbedeutung der Leipziger Tagung liegt darin, daß sie Pir Evidenz bewiesen hat, wie sehr das Bestreben der Iungliberalen darauf gerichtet ist, die Schule von der Kirche zu befreien. Der 70. Geburtstag des Präsidenten des deutschen Reichstages, Grasen Balleftrem ist ohne Saug und Klang vorübergegangen. Der Reichskanzler hat in einem Telegramm dem Präsiden tert seine Glückwünsche ausgesprochen. Rcamens der Zentrumsfraktionen überbrachten die Avgg. Dr. Spahn, Dr. Bachem und Dr. Porsch die Glückwünsche. Die Parr-iblütter haben zumeist anerfannt, daß Graf Bellc- strem für das schwierige Präsidialamt befähigt ist, Objektivität wahrt und über einen Humor verfügt, der in Momenten einer kritischen Situation die Spannung der Gemüter auszulösen geeignet ist. Im ostaf iarischen Kriege ist die japanfreundliche Welt um eine Enttäuschung reicher. Schon seit Juli war sie darauf vorbereitet worden, daß die Japaner bei Liaujang eine, ja die Entscheidungsschlacht schlagen würden Nach unb nach meldeten sich auch -russische Stimmen, Die mit Zuversicht verkündeten, bei Liaujang werde sich das Blättchen wenden; die ruffijdjcn Soldaten seien der ewigen Rückzüge müoe und wurden sich bei Liaujang den Japanern stellen. Seit dem 23. August nun wurde in immer engerem Kreise tun Liaujang gekämpft; die Javaner gewannen oen Russen Schritt um Schritt die stark befestigten Stellungen unter großen eigenen Verlusten, die nach neue,ton Angaben japanischer Offiziere mehr als 20000 Mann betragen haben, und durch Verpflegungsschwierig- .i noch weiter verft u Bedingungen ab; wie nx_nig aber die Dinge nach japanischer Erwartung ihren ;ri7rLguu*j nahmen, zeigt der Umstand, daß die schon für Den L, dann für den 3. gemeldete Einnahme von Lüut- • ana erst am 1. September erfolgte. Inzwischen hatten üie ruj ischcu Oberbefehlshaber alle nötigen Rlaßnahmen < yiLu. er ;drv ct, ß er über den geschwollenen Tctttse- nuü.....m-.u ii . mußte, und Die Japaner hätten aut tt ^ntrum und linken Flügel den Russen bei dem uxbex xlj"* fCtjfc lasug re roen können; aber diese Zeile des japanischen HeepeS scheinen birrd) die Angriffe der Vvrher- gegan(jenen Tage so felrr der Rübe bedürftig gewesen zu sein, daß sie 5Vuro|xitfüi seine Brücken hiirter sich verbrennen und uuv er folgt abzieheu ließen. Vor der Ramm ung von Liaujang brannten die Russen auch die Magazine in der Nähe der Eisen bahn statt vu nieder, aber die Japaner erbeuteten doch, so scheint es, eine gewaltige Menge Vorräte und Munition. Eine fortgesetzte Bedrohung des russischen Rückzuges soll von dem rechten Flügel der Japaner ausgegangen sein. Doch zuverlässige Korrespondenten melden neuerdings aus dem russischen Hauptquartier in Mu Wen, daß die während des Rückganges eiiigctretene Un orbnung aufgchört hat. Die lebten Truppen der russis chen Armce und die letzten Triuisporttolounen Hütten in guter Ordnung Mukdeu erreicht. Der ganze rufjifdic Rückzug sei von den Japanern nur wenig belästigt worden, uuropatkin zeigte |idj also allen An- stvcngnngen seines Gegners Kuroki durch gesdMt getroffene DeckungSmaßregcln überlegen. Trotzdem nach allgemeiner Annahme die Jirpaner in chrcr Gesamtheit an Zahl und an Artillerie die Russen übertrafen, hat Kuro- patfin sein Heer aus der drohenden Umklammerung gerettet, wenn auch mit sdstvereu Verlusten. Okneral Kuroki berichtet, daß nach der Schlacht am Montag die Russen über 10 000 Verwundete nordwärts nach Mukoen (djafften und dreitausend Tote in der Umgebung von Liaujang zurückließen. So sehr auch die Japaner mit iljrem rechten Flügel gegen die RüsizugSlinie der Russen andrälrgteu und auf den dieselbe begleitenden Höl)enzügeu eine beherrschende Stellung einnahmen, vermochten sie dank der Widerstandskraft der russischen Deckungstruppe11 nicht eiiuiuü, Kuro- pettin in dem Gebronck- der Eisenbahn nad> Mukden zu hindern. Es ist den Japanern nicht einmal gelungen, diese sdstvcrfälligen Kolonnen, deren Wegscl-afsmig zumal auf den schlechten Wegen bei fortwährendem viegcu eine große Leistung war, abzusangcn. Dazu kommt, daß Port Arthur sichuoch immerfort hält, dessen Fall das japanische Volk sck)vn vor Monaten erwartet i-atll, wie sich aus den Vordereiiuugeu für die Feier des Siegesjubels ergab. Man weiß, daß die Besatzung dieser Festung um ein vielfaches kleiner ist, als die Bclagerungsarmee, daß dieser eine an Zahl überlegene -Jlrtilleric zur Verftiguug steht, dennock) find die Fortschritte der Belagerung für die Zei^ ihrer Dauer nicht groß, ja nmndK Wechselfälle bet den Sturmangriffen haben sich für die Belagerer als red)i peinlich errviescn. Kurz vor den großen Miinipfcn bei Liaujang konnte man ein Nachlassen der Angriffe und Besd)ießuugen auf Port Arthur bemerken; die Lässigkeit bet Japaner gegenüber Port Arthur ging sogar so wett, daß sie die Blockade des Hafens tatsächlich aushoben; so gelang es einem großen Dampfer, unbehelligt mit Proviant den Hasen zu erreichen; ivaS für dieses große Schiff gilt, gilt natürlich auch vou den zahlreid-en chinesischen Dschunken, die, gcsdftckt geleitet mit) schlau lavierenv, zur Nachtzeit den Russen Lebensrnittel ztiführen; dem gegenüber verschlägt cs nichts, wenn einmal eine Flottille solcher Dsdpui^ Een abgefangen wird. Ein japanischer Offizier, der auf der Rette nad) Tokio in ifingtau ourchgekoumren ist, erklärte obendrein, die Verluste der Japaner vor Port Arthur in den letzten Tatzen seien sehr schwer und ubersttegen 15000 Mann an Toten unb Verwundeten. Wenn man demnach von großen Erfolgen der Japaner redet, so ist das barer Unsinn. Dem Gouverneur von Kret a, dem Prinzen Georg von Griechenland, der mit diesem seinem Posten die Belohnung für ben Jon-ft unglücklich oerlaufencn ilincg Griechenlands gegen die Türket ein heimste, cmpfuibet offenbar Langeweile auf feinem Gouverneurstuhl und in setttem M- hüngigkeitsverhältnis vom Sultan. Der Prinz hat sich auf Reisen begeben, um an den Höfen Europas Stimmung für die Vereinigung Kretas mit dem Königreick) Gried)en- land zu macheii, also nachttäglich doch nod- die volle Ernte in die griechische Scheune zu legen, die burd) ben unglücklichen Ausgang des Krieges ganz verhagelt sck)icn. Man hat es hier mit einem diplomattsd)eu De bitt des jugendlichen KönigSsohues zu tun, der wohl weiß, daß Rußland den Griechen in neuester Zeit wieder tvenig wohl will, wenn es seinerzeit auch die Hauptursache »vor, daß der dem letzteu griechisch-turtisd-en Kriege zu Grunde liegenbe Wunsch, die Angliederung Kretas an Vas Königreich Hellas, wenigstens halb erfüllt wurde. Da nun Rußland augenblicklich andere Dinge zu tun hat, als Griechenland an der vollen Erfüllung seiner krctiscr-en Wünsche zu hindern, so saßt Prinz Georg Die Gelegenl-ett beim Sck)opfe, stteckt in Rom, Pans und Wien Fühler aus und will, nnc es heißt, auch in Petersburg beim Zaren direkt anklopsen. In Wien hat er sich bereits einen Korb geholt und dasselbe wird ihm wohl aud) in Petersburg passieren. Nad) Berlin wird er überhaupt nicht gehen, Demi er kennt das Urteil zu gut, welches dort von höchster Stolle über den damaligen Krieg und seine Urheber gefällt worden ist. 8. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Auszug. (Schluß.) 3. Prozeßkosten-Ersiattung an Ausländer. Tie Handelskammer in Leipzig hat in einem Sd-reiben an den Deutschen Handclstag daran, hingen-iefen, daß nach den Bc- ftinimungen der Jiviiprozeßoronung Der obsiegende Kläger nicht nur ftei von Genchtstoften bleibe, sondern aud) die Erstattung Der aufgewcndeten Auslagen usw. verlangen könne, wogegen die ausländischen Prozeßordnungen vielfach Bestimmungen enthielten, die dem Kläger troh seines Obsiegens eine beträchtliche Kostenpfliäü auferlcgen. Dadurch werbe dem Ausländer in Deutsästano im allgemeinen die .Geltendmachung feiner Forderungen bedeutend leidster als dem Deutschen im Auslande, und es eurpjhele fed) daher, .dem vor deutschen Gerichten obsiegenden auslänbischen Kläger die Kostenerstattung nur dann zuzugestehen, iveim der Staat, dem her betreffende Ausländer angehört, eine Kostenorstattungspflid)t in gleichem Umfange wie die deutsch Zivilprozeßordnung anerkenne. Da aud) aus dem hiesigen Bezirke derartige Beschwerden vorliegen, so besdstoß die Kammer die Anregung der Handelskammer Leipzig zu unterstützen. 4. Bekämpfung des unlauteren W e 11bewerbs. Während nach den Bestimmungen dcS Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes der Verrat von Be< 'ttebSgeheimnrssen und die Verleitung zum Verrat von Bctttebs- ocheimnissen unter Stra,c gestelll sind, enthält das (Gesetz keine Strafandrohung gegen den Versuch von Angestellten, an Dritte Betriebsgeheimnisse zu verraten. Da Derartige Fälle vorgekommen sind und uad Gesetz lfter eine x:üde aufweist, beschloß die Handelskammer einen Antrag Der Handelskammer zu Ulm auf Ernfct-altung einer Dagegen gettch- letcn Strafbestimmung zu unterstützen. — Tie Pfälzische Handelsund (bewerbekammer zu Ludwigshafen hac in cuicr an Das Bayer.scl>e Staatsminist .aim des 3mteni gerichteten Eingabe । im Ci-,, si.rung t - Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes vorgeschlagen, dalstngchend, daß jeder, der Angestellte besticht ober sie zu bestechen unternimmt und jeder Angestellte, Der ^ü:stechnngcn eutgegenmnu»t oder Anssordernng hierzu ergehen läßt, mit krimineller Strafe bedroht werden soll. Auch von lstesigen Firmen wird mitgeteilt, daß die Zuwendung von Geschenken und Geldsummen von feiten der Lieferanten an die mit dem Einkauf betrauten Angestellten in allen Branden zu den größten Mißstäiiden und zu einem unlauteren Wettbewerb geführt habe. Tie Kammer war der Ansicht, daß diesen Mißständen nur durch Strafbestimmungen entgegengetreten werden kann, wenn sie aud) die Schwierigkeiten, die sich einem foldjen Vorgehen entgegen stellen, nicht verkennt; sie beschloß Daher, die Anträge der Pfälzischen Handels- und Gewerbckammer zu unterstützen. 5. Verstümmelung v o n Telegrammen und Haftung der Telegrap henvcrwaltnng. Tie Handelskammer zu Tessau teilte mit, daß in ihrem Bezirke sehr häufig Verstümmelungen von Telegrammen vorkomme, und fragt an, ob is fid> empfehle, baß die Telcgraphenvcnvaltung Die Haftung für Verluste oder Entstellung Der Telegramme übernehme. Im hiesigen Bezirle sind Klagen über häufige Entstellung von Telegrammen nicht belaiint geworden; aud) konnte sich Die Kammer nidjt für eine Erweiterung der Haftpflicht der Telegraphenverwaltung ausspredien, da man sich gegen Verstümmelung ober Verlust durch Aerichtigimgslclegramme schützen kann, die nach d.'r Telegraphenordnung schon jetzt zulässig sind. 6. Entwurf eines Ortsstatuts für das Kaufmann s g c r i ch t z u Gießen. Von Der Groß!). Bürgermeisterei ist der Kammer mitgeteüt worden, daß sie DaS Ortsstatut des in Gießen zu errichtenden KaufiuannSgericlüS in engster Anlehiiung an das Ottsstatut des Gcwerbegcttclsts, das sich fclyr^ bewährt habe, aufzuftellen be- absicl'ttge. Tje Kammer erklärte sich lsiermit einverstanden, besclftoß aber zu bcfürwotteni a. Tie Ausdehnung des Gerichtsbezirks des Kaufmanns-Ge- ttclsts über ine Stadt Gießen lünaus auf die Gemeinden Groß- und Klein-Linden, Heuchelheim, Wicseck und Lollar. b. Tie Aufstellung und Offenlegung der Wählerlisten, c. Eine ziemlich niedrige Entsclxidignng für Zeiwcrsäumnis der Beisitzer, da die Beisitzer aus den Reihen der Angestellten in den meisten Fällen keinen Einnahmevcrlust für iljrc Tätigkeit crlcii>eit und von den meisten Prinzipalen auf eine hohe Entschädigung kein Wert gelegt wmöc. ^Eingänge. a. Gcsä-äsiSübersichl ber Eick)anstaltcn des Großherzogtnms Hessen im Jahre 1903. b. Jahresbericht Des Grvßh. Hessischen Landcswohnungs-Jn- ! pektorS für 1903. c. Protokoll Der Versammlung der Freien V er einig ung der Wescrschiffal)ttsinteresfcnten zu Kassel vom 11. Juni 1904. b. Protokoll der 14. Jahreshauptversammlung des deutschen Verbandes Kaufmänischer Vereine. e. Ucberficht der bis zum 31. Tezember 1903 in das Handelsregister des Kaiserl. Gerichts von Kiautschou eingetragenen Firmen. f. Von zuverlässiger Seite sind der Kammer Mitteilungen zugegangen Über die Beglaubiguna von Fakturen für die Ausfuhr mcdizinifther und chemischer Produkte nad) Ruß- laiid, über die sciiwedische Konkurrenz beim Absatz von Sägegattern nach Rußlaiid, über die Bestrebungen der Lodzer Baumwollsvinner zur Hebung des Absatzes ihrer fertigen Garne nach dem Äuslandc, über empfehlenswette Firnten in Kiew und Charkow, über die Deklaration von Getixben bei der Einfuhr nach Rumänien, über den Matz Deutscher Papiere nach Südafrika, über Matzgelegenheit für Heil- und Schutzmittel gegen Schafräude nach Süd- Aftika, Winke für den Export nach Beira (Portugiesisch Oftaftika), über die Konkurrenz der Vereinigten Staaten von Amerika im mexikanischen Staate Oaxaka, die Gründung Der iationa 1 - Äff oc i ation of Jmpotters in Newyork, den amerikanischen Tabakttuft und den Tabakmarkt in Vir- ginien, die Erzeugniffe der deutsdvn Kleineiseninduftrie auf dem Markte in Amazonas, die Anknüpfung von Gefchäftsver- binbungen mit Rio be Janeiro, die Entwickelung der Industrie in Chile, den Matz von Musikinstrumenten, 'Bapier und Papierwaren, Kartonagcn nach Chile, über die Wirkung deS ruffisch-japanischen Krieges auf die Ausfuhr von Rohseide aus Japan, ferner über zweifelhafte Firmen in Czeglöd (Ungarn), im Haag, Anrfter- dam, London, Newyork und frt Porto Alegre. Tie Eingänge können während der üblichen Geschäftszeit im Burau der Handelskammer ein gesehen werden. Gerichts saal. Frankfurt, 11. Sept.. Der Unteroffizier Borgsmüller vom 12. Hufarcnvegimcnt ist ebenso wie Der vielgenannte Fahn- rid) Hüfsenor der Ansicht, daß er das Recht habe, einen Soldaten, der dm nicht grüßt, auf dem Platze niederzustechen, und er hat aud) den Versuch gemad)t, diese Ansicht in die Tat umzusehen. Am Abend des 31. Juli wurde der Unteroffizier von dem Husaren Sch.llcnberger, der sich auf dem Wege in die Kaserne befand, auS Versehen angestoßen, und er stellte den Soldaten zur Rede, daß er an ihm vorboigcgangcn sei, ohne zu grüßen. „Ich habe den Herrn Unteroffizier gegrüßt", sagte der Husar. — „Halten Sie die Sdmauze!" rief dec Unteroffizier und schlug ibm zwei^ mal mit Der Faust ins Gesicht. AIS der Husar erwiderte, er werde Den Vorfall zur Meldung bringen, zog der Unteroffizier vom Leder unD setzte dem Manne die Spitze seines Säbels auf die Brust. Ter Husar flüdjtete darauf, wie die „Frks. Ztg." berichtet, tu eine benachbarte Wirtschaft. Ein Ehepaar, das in txrr f)?ähe vor seinem Haufe saß, meinte nicht anders, als Der Soldat sei gestochen worden. AIS ein Ofensetzer Dem Unteroffizier Vorhaltungen machte, daß er gegen einen einzelnen Mann den Säbel gezogen habe, rief dieser: „Wissen Sic nicht, daß ich das Rectst habe, wenn mich einer nicht grübt, ihn sofort nieder- zustechen?" Tie Frau deS Ofensetzers bekam einen