srr. 187 ENchetvt »Saktch außer Sonntags. Dem Gteßener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gtehener Familien» hlätter viermal in der Woche beigelegt. KotatlonS druck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch-u. Stein* druckerei. R. Sang«, Redaktion, ErvedMoa und Druckerei. Schulslratze 7. Adresse sür Depeschen: «n-eiger Gieße«. Fernsprcchanschlußd^r 61 EttieS Blatt 154. Jahrgang Donnerstag 11. August 1904 Sietzener Anzeiger ** General-Anzeiger y ** S Amtz- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen _____ _______________ zeiqenteil: Hans Beck. Die yeulige Wummer umfaßt 8 Seilen. 5>er Krieg zwischen Japan und Kußland. Eine große Seeschlacht bei Port Arthur. Folgenschwere Ereignisse werden heute vom Kriegsschauplatz gemeldet. Wir erhielten heute früh folgende Telegramme: London, 11. Aug. Das Reuterbureau meldet aus Tschifu vou heute morgen 71/, UKr: Ein heute früh 5V2 Uhr ein- getroffener russischer Torpedobootszerstörer meldet, daß sechs russische Linienschiffe, vier Kreuzer und die Hälfte der Torpedoboote gestern um 10 Uhr morgens aus Port Arthur entkommen seien. Der Zerstörer verließ Port Arthur am 10. August abends; er hatte fünf Paffagiere an Bord. Diese berichten, die japanische Flotte verfolge die russische. Ein Kamps auf offener See sei zu erwarten. Tokio, 1L Aug. Das Renierbureau meldet: Die russische Flotte kam am Mittwoch aus Port Arthur heraus; es folgte ein schwerer Tageskampf. Die japanischen Zerstörer griffen in der Nacht au; das Resultat ist noch unbekannt. Ter „Ret- visau" und der „Pobjeda" wurden am Donnerstag morgen außer- halb Port Arthurs gesehen. Man hat nach diesen Meldungen mit Sicherheit anzu- nehrnen, daß eine große Sees chlacht stattgefunden hat. Schon die Veranlassung der russischen Flotte, plötzlich ans dem Hafen von Port Arthur einer großen japani schen Uebermacht zur See gegenüber aus-ubrechen, mu für die Lage Port Arthurs und die Russen seh r ern’ gewesen sein. Wenn auch kürzlich von Eifersüchteleien der japanischen Befehlshaber vor Prot Arthur und dadurch bewirkten «unerquicklichen Verhältnissen zu berichten war, so hat die japanische Flotte doch nicht ihre Wachsanrkett preis- gegeben, daß die russischen Schiffe ohne weiteres den Hafen hätten verlassen können. Im Gegenteil, dieser Tage wurde noch von amtlicher russischer Seite gerne [bet daß zwar einige Schiffe versucht hätten, japanische Torpedobootszerstörer abzufangen, daß sie aber, da die Japaner sofort Verstärkung erhielten, sich wieder zurüctziehen mußten. Ein Unterschied zwischen den beiden obigen Meldungen ist auch zu verzeichnen, der bezeichnend ist. Die russische Nachricht aus Tschifu lautet, daß die Flotte aus dem Hafen entkommen sei und die japanische Flotte die russische verfolge; die japanische Meldung dagegen weiß zuversichtlich, daß em „schwerer Tageskampf^ stattgefunden habe. Das ist denn auch ohne Weiteres anzunehmen. Das Re- sultat der Schlacht ist fteilich noch nicht bekannt, aber daß bei dieser kühnen Mion der Ruffen für diese nichts herauskommt, steht fest. Um die Lage Pott AtthurS selbst muß es für die Ruffen schlimmer stehen. Vielleicht ist die Feste bereits in den Händen der Japaner. Es ist heute nur eine Meldung über die Kämpfe bei Pott Atthur zu verzeichnen, diese ist im Marine- ministettum aus Tschifu eingetroffen nnd es heißt dann, die Japaner hätten drei weitere Angriffe am 29. Juli, 5. und 7. August auf Pott Atthur unternommen. Sie haben zahlreiche Positionen eingenommen und ihr Feuer hat sowohl in der Stadt wie auch in den Docks großen Schaden verursacht. Die Eroberung des Wolfshügels wird doch wohl am 27. Juli bereits erfolgt sein. Die gestern wiedergegebene Nachttcht Stöffels vom 27. Juli mag falsch datiert sein, und die russische Zeitung in Pott Atthur die Wahrheit bettchtet haben. Trotz der Zernierung der Festung durch die feindliche Belagerungsarmee findet der Kommandant von Pott Atthur, Generalleutnant Stöffel, immer noch Mittel und Wege, um Mitteilungen über den Stand der Dinge in dem seiner Obhut anvettrauten Platze an die Oberleitung der Armee und an den Zaren gelangen zu lassen. Naturgemäß vollzieht sich dieser Verkehr unter großen Schwierigkeiten und auf allerhand zeitraubenden Umwegen; nicht immer gelangen auch die Meldungen in derselben Reihenfolge, wie sie abgesandt worden sind an ihr Ziel, mitunter überholt eine spätere Nachricht die früher abgegangene, und je nach der ^>lrt und der Route der Beförderung, erreicht die eine prompt, fcic andere mit großer Verspätung das Hauptquartier. So erklätt c§- sich, daß gleichzeitig von Petersburg aus zwei Berichte Stössels bekannt wurden, die eine vom 27., die andere vom 30. Juli datiert. Irrtümer bei der Ausgabe des Datums mögen dabei nicht audgeschloffen sein. In der Mandschurei find wieder furchtbare Pla tzreg en aufgetreten. Alle Sttaßen sind in Sümpfe verwandelt.' Die japanischen Streitkräfte lonzeutrieren sich in drei Gruppen, eine bei SimutschÜng- H a i t s ch e n g - I n k a u, die andere bedroht die Richtung Anschatschang-Liaujang. Im Norden, auf der Straße nach Mukden, haben nur resultatlose kleine Feuergefechte stattgefunden. Nach amtlicher Verfügung werben die japanischen Kriegsgefangenen sämtlich nach der Stadt Pensa dort weiter in- europäische Rußland ver teilt zn werden. Russische Mobilisierungen. Vizeadmiral Tschuknin, der Nachfolger Skrydlows, hat b; sofortige N obilisierung der Reserven ein Gleitet Der Besuch des Jarcu in Ode ssa wird für yn 21 d. M. angekündigt. Der Zar iuirb bei dieser Ge legenheit di» zur Fron! abgehenden Truppen inspizieren rnd eine FlottLnschgu abhauen. Türkische Offiziere hn japanischen Hauptquartier. Oberst Pertew Bey, der als der befähigste türkische GeneralstabsoffiKier gilt und jahrelang eine Stellung in der deutschen Armee hatte, begibt sich im Aufttage her türkischen Regierung in das japanische Hauptquartier. Von einer Entsendung türkischer Offiziere in das russische Hauptquartier mußte abgesehen merben, da sie Rußland nicht genehm schien. Ein Telegramm Kaiser Wilhelms. Wie vertäutet, ließ Kaffer Wilhelm nach dem Tode des Generals Jamaguschi der deutschen Gesandtschaft in Tokio ein Telegramm zugeheu worin er seine Teilnahme an dem Hinscheiden des Generals besonders in Erinnerung an die von dem Verstorbenen wahrend der China-Wirren dem Grafen Waldersee gegenüber bewiesene Kameradschaft ansdrückt und anordntt, daß Oberstleutnant v. Förster au der Beerdigung teilzunehmen sowie dem Beileid des Kaisers Ausdruck zu geben habe. Wakdeck-Aouffeau Waldeck-Rouffeau, in deffen Befinden eine Verschlimmerung eingetreten war und deffen Kräfteznstand bedeutend abgenommen hatte, unterzog sich gestern, Mittwoch mittag, einer neuen Operation, die zwei Stunden dauerte und den Tod zur Folge hatte. Die Operation wurde ausgeführt von Profeffor Kehr-Halberstadt und Profeffor Armour- London unter Assistenz von zwei französischen Aerzten. Der Tod trat nm 2 Uhr 45 Min. ein. Ministerpräsident Lombes, der abends nach Pans zu fahren gedachte, hat wegen des Ablebens Waldeck-Rouffeaus seine Reise aufgegeben. Donnerstag wird ein Ministerrat abgehalten werden, der über die Begräbnisfeierlichkelten beraten wird. Die Regierung beabsichtigt, das Begräbnis Waldeck-Rouffeaus aufStaatskosten stattfinden zu laffen. Präsident Loubet und der Ministerpräsident Combes haben sehr warme Beileidstelegramme an Frau Waldeck gerichtet. Tie Beerdigung soll schon auf nächsten Sonntag festgesetzt sein. Präsident Loubet wird auS seinem Sommeraufenthalt nach Paris zurückkommen. Tas Ministettum Waldeck-Rouffeau war dasjenige, das in der 3. Republik .am längsten bestanden Hot: es regierte vom 22. ^zuni 1899 bis 4. Juni 1902 Waldeck R n'ffeau hat manchett 'i Verdienste sich erworben. Er brachtt durch die Begnadigung Treyfus die Affäre zur Ruhe, die Frankreich so lange beunruhigt hatte, und schuf den Franzosen das Vereinsgesetz, das dem Lande große Fortschritte brachte. Tos jetzige Ministettum Combes führt in der ften taten Frage nun das zum Ende, was Waldeck-Rouffeau angebahnt hatte. Politische Tagesschau. Die englische Flotte. Das englische Oberhaus hat sich soeben eingehend mit der Marinepolitik unter besonderer Breücksichttgung Deutschlands beschäftigt. Eine Zeit lang sind die Engländer mit ihrer Flotte sehr zufrieden gewesen. Das war nach der großen Reform des Admirals Fischer. Der erste Lord der Admiralität hat ost mit Nelson nur das gemeinsam, daß er seekrank wird, wenn er Seewasser riecht. Die ganze Reform der englischen Admiralität bestand eigentlich darin, die Federfuchser, wo sie allzu lästig in das tägliche Dienstgetriebe eingriffen, mit fester Hand in ihre Schranken zurücktzuweisen. Dahinter ist man allmählich gekommen Die mahnenden Stimmen der Fachleute werden jetzt wieder etwas williger gehört. Man verlangt jetzt allgemein, daß nicht nur gelegentliche Ansätze zu einem bischen Reform hier und einem bischen Reform da stattfinden. Man will eine grundlegende Modernisierung der Flotte d-rchgeführt wissen, die sie auf eine Stufe der Schlagfertigkeit mit der deuffchen Mattne bringen fort. Kiel und Plymouth haben Wunder gewirkt. Die Zwischenfälle im Roten Meer haben ein Crescendo dieser Stimmung IjerDor gerufen. Man ist es müde, Schiffe hinausgehen zu sehen, bei denen die Kanonen gut sind, aber nicht schießen Fotrnen, weil die Di- iere nicht passen^ oder bei denen die Disierenrrichtungen gut sind, aber die Geschütze zum Altmetall gehören. Man hegt Besorgnisse, die neuesten Torpedodivisionen, die nur 24 Knoten laufen, könnten eine ernstliche Konkurrenz mit denen fast aller Seemächte, die einen 30 Knotentypus angenommen haben, nicht aushalten. Es ffh tüchtig „enthüllt worden in letzter Zeit. So hat sich auch herausgestellt, daß die sanitären Vorkehmttgen für Kämpfe zur See ab- olut unzureichend sind. Man weiß jetzt ferner, daß die Erleichterung der Naturalisattotr für ftemde Seeleute, die ich der englischen Freiwilligenreserve einreihen lassen, — pekuliert war hauptsächlich auf konttnetttale unsichere Heerespffichtt'ge — die gewünschte Wirkung verfehlt hat. Auf Befehl des Königs paradiert jetzt zwar mitten in London der „Bussard", eine alte, harmlose Fregatte, als Freiwilligenschulschiff auf der Themse, um den Bemühungen der englischen Flottenwerbevereine als Rellame zu dienen. Mer mehr unb mehr sieht man ein, daß das Kinkerlitzchen sind, daß in Wrrllichkeit das jetzige System ratlos vor der Personalstage steht, sotvohl was die Ossi ziere, als was die Mannschaften bettifst. Die Agitation ür die Verbesserung und Vermehrung der Flotte ist eifriger denn je. Die Imperialisten geberden sich natürlich unverständig hypochondrisch und laut. Mer auch in gar nicht imperialistischen Kreisen, z. B. bei den Iren, die geiviß über den Verdacht des ^iugotum^ erhaben sind, regt sich die Kntik recht lebhaft. Dte Schiffe weichen nun einmal als des Jnselreiches wichtiger Schutz angesehen. Der Iren Ührer O'Eonnor sprach eines seiner zündenden Worte aus, als er kürzlich in leidenschaftlicher Sprache, aber mit nüchternem Material, znnl .Wmpf gegen Zustande austief, die au5 Nelsons uneinnehmbarem hölzernem Bollwerk eine „tönerne Flotte" gemacht hätten. Seine Sturmsaat ist aus fruchtbarem Boden gefallen. Man wird in Deutschlcmd' gut tun, die neueste Phase der britischen Flottenbeweguncl nicht aus den Augen zu lassen. Deutsches Deich. Berlin, 10. Aug. Heute abend um 6 Uhr traf bet Kaiser hier ein und begab sich nach dem königlichen ScUoß. — Reichstanzter Graf Bülow ist von Norderney hier ein* getroffen. — Ter „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz betreffend den Servistarif und die Klasseneinteilung der Orte vom 6. Juli 1904. ~ 2er „Voss. Ztg." zufolge richteten die Oberbürgermeffte^ und Bürgermeister der großen Städte eine Eingabe an dasi Staatsministerium, in welcher sie ersuchen, dem Entwurf »ur Abänderung des Gesetzes über die Ausführung der Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 28. Ium 1902 die Zustimmung zu vettagen. — Tie heutige Nummer der Gesetzsammlung enthält das Gesetz bettefsend die Erweiterung des H a fen s in R u hr o rt, bttreffend die Bildung „emer Genossenschaft zur Regelung der Vor flut und der MwafferreiniMMg im Emschergebiete und bettefsend die Abänderung des Gesetzes vom 25. Nov. 1899, betreffend die. ärztlichen Ehrengerichte, .das Umlagerecht und dir Kassen der Aerztekammem. — Ter „Genosse" Tr. Friedeberg, der, wie wir berichteten in einer großen Berliner Versammlung den General- sttttk befi":rwortete und dafür vom „Borwätts"^ in einem schatte« Artikel „Wirmis^^ angegriffen wurde, bemerkt nun im „Vor- watts" in einer kurzen Entgegnung, „daß die weitere sachllche Verttetting seiner Anschauungen auf dem Kongreßin Amsterdam und nachher ettolgen werde." Metz 10. Aug Heute irach-mittag ist hier der Verb an tag deutscher Bahnärzte eröffnet worden, nachdem gestrr» abend eine Empfangsfeierlichkeit uno heute früh eine NnSschuh- sitzung des Verbandes stattgefunden batte. Tie Eröffnungsrede hielt der Bezittsvorsitzeude Geheimer Smiitätsrat Tr. Schttcst hierauf antwortete der kaisettich^ Bezirkspräsident Graf Zeppelln- Aschhausen und, im Aufttage des beurlaubten Bürgermeisters, der Abgeordnete Sanitätsrat Lmtz. Es wurden mehrere Reden ge» halten. Tie anschließende Diskussion beschränkte sich nur auf wenige Minuten. München, 10. Aug. In der heuttgeu Sitzung der K a m m er der R e i ch s r ä t e teilte Brak Lerchenfeld mitt daß er cms Gesundheitsrücksichten sich veranlaßt gttehen habe, den PttnK- regenten zu bitten, für die nächste Seffion von feiner Person dS ersten Präsidenten der Kammer abzusehen. Ausland. Glasgow, 10. Aug. Die englische AdmiralttA forderte von den Schiffswerften am Clyde Offerten ein fßr Zwei Schlachtschiffe, die bezüglich Armierung unb Panzerung alles übertreffen sollen, ivas die SchiffSkon- siruktion bisher erreicht hat. Die Linienschiffe sollen 16 500 Tonnen groß sein und eine große Geschwindigkeit haben. Die Offerten sollen bis zum 20. September eingereicht fein, ein ungewöhnlich kurzer Termin für Schiffbauer, um die Kostenanschläge zu machen. London, 10. Aug. Auf eine Anfrage tat Unterhaus betreffend die angeregte Zusammenberufung einer kolonialen Konferenzzur Erörterung der fiskalischen Frage drückt Premiev- minister Palfour feine Anerkennung über den Wett tnm zwei Konferenzen aus, die bereits stattgefunden haben, und hofft, daß diese Konfn?enzen noch häufig ftattfinben werden. Er erklätt ober, er beabsichtige nicht, gegenwärtig Schritte hinsichtlich der Anftage des envälmtcn Gegenstandes zu tun. — Tas Unterhaus nahm die zweite Lttmrg der Vortage betteffettd die drahtlose Telegraphie an. — König Eduard ist heute mittag von Pott Bikwrta über Köln nach Mattenbad gereist. — Die Meldung, wonach die Vereinigten Staaten nut Denlsäb' land mtb England in eine gemeinsame Beratung der Frage der Kriegskontrebande eintreten würden, wird als irrt$ bezeichnet. Gibraltar, 10. Aug. Bei dem gestern abend tat Df ft* zierkasino veranstalteten Gästeabend, an dem sich auch deutsche Konsul beteiligte, wurde ein vom deutschen Kaiser angefettigtes^ BiId, überreicht. Tus Bild ist ein Geschenk des Kaisers an die Offiziere ber Festungsartillette zur Erinnerung cm feinen Besuch im Frühiahr und trägt in engllsck'er Spracbr die Widmung: „Wilhelm II. den Offizieren der ettglischen Gm> nisonsattillette 1904." Rom, 10. Aug. Die Handclsv ertrag ^Verhandlungen zwischen Italien und Oesterreich sind uttterbrochon worDen. Die österreichischen Delogtarten kehrten nach Wien zurück. Petersburg, 10. Aug. Gegenüber der Meldmrg auswärtiger Blätter,daß in Petersburg die Cholera aufgetreten sei, ist die Russische Telegravhenaqentur in der Luge, auS zuverlässigster Quelle ftstzustellen,'daß dort kein Choke r a f a 1 l vorgekommen fei Konstantinopel, 10. Aug. Die Pforte lehnte das Ansuchen Meneliks, das bisher vcnr Kopten unb Abeffi nicnr gemeinsam innegehabte Heiligtum Dairc Su! tan in Jerusalem gänzlich den Messym'ern zu überlassen, ab. Die hier eingetroffene außerordentliche Gesandschaft MenelikS vettucht nunmehr den Sultan zrr bewegen, die Entscheitam-p der Pforte rückgängig zu machen. Washington, 10. Aug. Das Kabinett beschloß in seiner gestrigen Sitzung, den Gesandten in Konst an t r n o p e l a b z u r u f e n und btiburd) die diplomatischen BeziehilNtwn zur Türkei abzubrechen, falls der Sultan dir amerikanischen Fordernugen ablehnt. DaS amerikanische (Nc- fchwaber wird nicht eher von Smvrna zuttickbenlsim werden, als bis eine endgiltige Reyelimg der zwischen der Türkei unb den Vereinigten Staaten schwebenden Fragen erreicht ist. Esopue ,?taat ^d-wyorkl, K). Aug. jn einer An- spraclre au idi< Abordmlugen bco dcnwkrattschen National- konventS, bic Parker seine ^i'ounnation (ür die Prä- (identschaft mitteilte, betonte letzterer die Notwendig keil mter angnnrfTenm Ttirifberab setzung und trat brr Ansicht entgegen, daß die bereinigten Staaten sich in alle An gelegendeiten, die sich zwischen anderen Mächte« abspietten ein mischen müßten. Ebenso bedürfe eS nicht der Schaffung einer Militärmacht, bic für solche Ztvecke nottvendig wurde. Aus Stadt und Land. Gießen, den 11. August 1904. w Der .SänqerkranzE machte über Sautstag, Sonntag und Montag einen hübschen Ausflug an den Rhein. Am EamStag nachmittag fuhr man nach Frankfurt, wobei sich schon wahrend der Fahrt daS bei dem musikalischen Charakter deS Vereins nicht ungewöhnliche Bedürfnis ein» -stellte, einen richtigen Musiksalon in einem Eisenbahnwagen einzurichten. Abends kam man im RochuS-Hotel an, wo ein gemeinsames Abendessen eingenommen und Vereinslieder gesungen wurden. Am Sonntag früh um 7 Uhr unternahm man eine prächtige Fahrt inS Nabetal nach Munster a. St. und der Ebernburg, beni alten Stammsitz Franz v. SickingenS, wo man, von der Höhe einen herrlichen Ausblick genießend, einige frohe Stunden verbrachte. Als man nach Bingen zurückgekehrt war, ging die Reise weiter per Schnelldampfer nach KönigSwinter. Die herrliche Rheinsiihrt war allen, wenn sie auch für viele nichts neues war, ein hoher Genuß. Als einem der Vergnügungsreisenden vom Winde der Hut in daS Wasser geführt wurde, hatte trotz Burgenromantik und Sagenbegeisterung jemand sogleich die Geistesgegenwart zu rufen: ,Hibb' enin". Ohne Hut aber nicht kopsloS zog der Teilnehmer, der der mutigen Weisung nicht die Unerschrockenheit gehabt hatte, Folge zu leisten, mit in KönigSwinter em. Die FesteSstimmung erreichte hier ihren Höhepunkt, da der Anfang gemacht wurde, den Verein durch cni6» wärtige Damen zu verstärken. Daß auch einige Mitglieder .verzottelt* gegangen waren, fiel daher nicht ins Gewicht. Am anderen Morgen erstieg man die Ruine Drachenfels, wobei oben photographische Ausnahmen einzelner Wettreiter gemacht wurden, die auf Pferden oder Eseln den Aufstieg unter» nommen hatten. UebrigenS wurde mich von anderen die Drahtseilbahn benutzt, und hierbei hotte man unterwegs daS überraschende Schauspiel, daß ein Reittier mit seinem Berittenen, als eS die keuchende Bahn erblickte, kurzerhand wieder umkebrte und den Berg hinabtrabte. Mit der Dampferfahrt nach Coblenz, Ehrenbreilstein und von da znm ,Roten Hahn* war daS Reiseprogramm erledigt. Die £>etinrctfe erfolgte unter viel Kurzweil, da mancherlei Erlebnisse zu reichlichen Scherzen und scherzhaften Unternehmungen Anlaß nahen. Ob wohl alles den zu Hause gebliebenen Ehefrauen erzählt worden ist? ♦* Ortsgewerbeverein Gießen. Gestern abend hielt der Ortsgewerbeverein seine satzungsgemäße Haupt- versannnlung im Restaurant Feidel ab, die reckt gut besucht war. D-er Vorsitzende, Kommerzi.'nrat H.yligenstaedt, erstattete ausführlichen Bericht über Ne Tätigkeit im verflossenen Jahre und dankte dabei den verschiedenen Ausschüssen für ihre entfaltete Tätigkeit, insbesondere hob er lobend die große Arbeit des GescllenvvüfungsauSschusses und seines Vorsitzenden hervor und bemerkte dabei, baß bis jetzt von diesem Ausschüsse über 400 Lehrlinge geprüft und zu Gesellen gesprochen worden wären. Weiter kam der Rechnungsabschluß 1903 04 und der Voranschlag für 190405 zum Vortrag, bei dem sich ein recht erfreuliches Bild der Finanzen des Vereins entwickelte. Dem Vorsitzen- den dankte für seine mühevolle Arbeit Schlossermeister Dörr namens der Versammlung. Die Herauf erfolgte Wahl von Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder ergab bic Wiederwahl der ausrusckeidenden Mitglieder durch Deklamation. Bezüglich der Versammtungsab'nde im kommende,i Winter wurde nach längerer Debatte der Donnerstag als der vassendste Abend bezeichnet, und die erste Dinterversamm- lung findet hiernach am 6. Oktober im Restaurant Feidel statt. Die bisher, so sollen auch im kommenden Winter wieder in Gemeinschaft mit dem Kaufmännilchen Verein die Vorträge in der bekannten Weise abgehalten werden. Einige Anfragen über Lehrlingswesen, bez. Lehrverttag- abscklüssc fanden ihre entsprechende Beantwortung. Hinsichtlich des neuzuerbauenden Gewerbeschulhauses gab der Vorsitzende der Meinung Ausdruck, daß voraussichtlich bereits rm~ kommenden Winter die Vorarbeiten hoffentlich in Angriff genommen werden könnten Hierauf wurde die Versammlung mit dem Wunsche, in Nidda zur Versamm. lnng des Landesgewerbevereins sich rege beteiligen zu wollen, um halb 12 Uhr geschlossen. ** Japanische Ordensverleihung. Dem Jnten- dantur-Sekretär a. T. Selz er ist vom Kaiser von Japan das Ritterkreuz 2. Klasse vom Orden des heiligen Schatzes verliehen worden. 7 8 Uhr-Ladenschluß. Die Inhaber der Ladengeschäfte des Sattlergewerbes werden, wie sie durch eine Annonce im heutigen Blatt ankündigen, vom 15. dS. Mts. um 8 Uhr abends ihre Läden schließen. UebrigenS haben auch bie Gold- und Silberwarenqeschäste und die Mehrheil der Uhrmacher in unserer Stadt schon seit Jahren den 8 Uhr» schluß eingeführt. Man hött, daß auch die Papiergeschäfte beabsichtigten, demnächst ein Abkommen über den 8 Uhrschluß zu treffen. " Wegen der Klärbeckenanlage scheint man sich beeilen zu wollen. Beamte des TiesbauamteS sind seit einigen Tagen hinter der Morgaretenhütte dabei, das Gelände für di« Baulichkeiten abzustecken, so daß mit der Ausführung der. selben wohl bald begonnen werden wird. ~ Doldene Hochzeit feierten, wie wir schon kurz berichteten, die Eheleute Joh. Bi er au in Wies eck/ Beide Ehegatten sind 7 8 Jahre alt. Am Sonntag fand im Kreist dec Angehörigen, im Beisein des Prinzipals, Fabrikaten Mueller und seiner Gemahlin eine schöne Feier statt. Herr Mueller spendete eine prachtvolle Standuhr. Im Anschluß an diese Feier lud der Jubilar sämtliche Arbeiter beider Fabriken auf Montag abend in die ,Stadt Marburg" ein, wo man nach Ansprachen die Freude hatte, den Jubilar und die Julnlarm sich im Tanze drehen zu sehen, sie mit dem Chef der Fabrik, er mit einer Arbeiterin. Diese seltene schöne Feter wird den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. ßt Gedern, 10. Aug. Bei der heute stattqehabten ^rnonzun^Swahl zum Gemeinderat wurde da? ' i i Trtnfreb Schrcinermeister Görlach wiedcrgewählt. /intnr(t wurden Buchbinder Limpert, Schloss nnegter Dstnheun und Kaufmann Meier Vöhl. Büdingen, 9. Aug. Durch Verfügung deS Großher- zogl. Ministeriums deS Innern, Abteilung für Schulangelegen, heilen, ist in Berücksichtigung deS Wunsches der Mehrzahl der beteiligten Eltern die Einführung deS Vormittagsunterrichts am hiesigen Gymnasium zunächst für daS Winterhalbjahr 1904/05 probeweise genehmigt worden. Auf die Anfrage der Großh. Direktion an die Eltern waren 165 Antworten eingegangen. Für die Aenderung erklärten sich 127, davon 46 Hiesige, dagegen 38, davon 22 Hiesige. Zwei Auswärtige wünschten die Einführung deS Vormittagsunterrichts nur für den Sommer, 1 Auswärtiger enthielt sich ausdrücklich der Abstimmung. (B. A. Z.) Darmstadt, 10. August. Der Großherzog wird in diesen Tagen auf den» bent Prinzen Heinrich von Preiißen gehörigen Sommersitz Hemmelmack dem Pcinzei^paar einen mehrwöchigen Besuch abstatten. fc. Neu-Isenburg, 10. Aug. Bei den Geme inde- ratSwahlcn wurden die sechs bürgerlichen Kandidaten mit 100 Stimmen Mehrheit gewählt. Damit ist die sozialdemokratische Majorität auS dem Gemeinderat verdrängt. DaS Verhältnis ist jetzt 10 bürgerliche und 5 sozialdemokratische Mitglieder. Offenbach, 10. Aug. Ein schweres Unglüd ereignete sich heute vormittag gegen 10 Uhr in der Wohnung eines Schlossers am Linscnbcrg. Hausbewohner bemerkten um die angegebene Zeit einen Brandgeruch und drangen in die int ersten Stock bcfinbHdje, von Rauch erfüllte Wohn- ung ein. Das fünfjähr ige Söhnchen hatte in ?lb- wesenheit der Mutter — der Vater ist in Oberrad in Arbeit — wahrscheinlich mit Streichhölzern gespielt und dabei einen neben dem .Herb stehenden, mit Tannäpfeln gefüllten Korb entAÜnbct. ES hat bann wohl versucht, die Flammen zu löschen und sich selbst dabei an Brust und Händen ftlrcktbar verbratmt; die hinzueilenden .Hausbewohner, die das Feuer fpfort löschten, fanden daS Kind bewußtlos neben dem Herd liegettb. Nach Anlegung von Notverbänden wurde eS inS KranfenhauS verbracht. (O. Ztg.) fc. Frankfurt a. M., 10. Ang. In dem Befinden beS Schutzmanns Kircher, ber, wie berichtet, in einem Bockenheimer Gehöft irrtümlich für einen Einbrecher gehalten unb burch mehrere Schüsse verletzt worben war, ist eine Besserung eingetreten. Der Vorarbeiter Grunbner, der bie Schüsse abgegeben hatte, würbe auf freien Fuß gefetzt, ba er sich in einem entschulbbaren Jrttnm bcfuiibcn hat. — Bei ber Feststellung beS Nachlasses ber btefer Tage im stäbtischcn Krankenhause verstorbenen .armen1 53jährigen Händlerin Elise Westenberger wurden 15 000 Mk. bar gefunden, davon 8000 Mk. in Gold, Silber, Nickel unb Kupfer. Heidelberg, 10. Aug. Heute unb morgen tagt hier >ic 41. Jahresvers amrnlung des Mittelrhei- nischen Gas-ttnd Wasserfachntüttner-VereinS, zu der ca. 125 Mitglieder eingt*tröffen sind. In ber heutüzcn Sitzung, der auch die Bürgcrntcister der Stadt und ein Vertreter der Großh. Regierung beiwohnten, wurden zunächst geschäftliche Angelegenheiten erledigt und dann folgte eine Reihe von Vorträgen und fachlichen Mitteilungen Für den zweiten Tag sieht das Programm eine Besichtigung bed Heidelberger GaS- und Elektri itätswerkes sowie bt» Depots der elektrischen Sttaßenbahn, ein gemeinschaftliches Frühstück sdargeboten von der Stadt unb einen Ausslug in das Neckartal vor. Als ^esammlungsort fiir das nächste Jahr wurde Mainz bestimmt. DcrmiiAte#. * Wien, 10. Aug. Nach einer Meldung auS Ragusa liat ber Fürst von Montenegro beschlosien, ben jüngsten seiner Söhne, ben Prinzen Peter, zur Fortsetzung seiner Stilbien bie Heidelberger Universität beziehen zii lasten. 'Dover, 10. Auq. Der Schwimmer Weidmann erledigte gestern die Schwimmt»»r von 20 Meilen von ber Mitte beS Kanals zur Küste in glänzenber Weise. Er schwamm durchschnittlich stündlich zwei Seemeilen. * Ein Kampf zwischett Verbannten und Polizisten in Sibirien, lieber einen blutigen Zusammenstoß zwischen politischen Verbannten und Polizisten in Sibirien wird der Neuen Freien Presse berichtet. Der Äonffikt ereignete sich vor zwei Monaten in Irkutsk. Diele Verbannte und einige Soldaten fielen als Opfer. Ter neue Oleneralgouvemeur von Irkutsk, Graf Kutais- sow, verfügte, daß mehrere politische Verbannte aus den Gouvernements Jennissei und Irkutsk nach dem Savie- tin-Gebiet^ einer wilden, wüsten Gegend, ttansvortiert werden. Die Ursache der grausamen Verfiigung ist nicht bekannt. Politische Verbannte aus Alexandrowsk, llstykut und anderen Städten wurden zusammengettieben, auf Schiffe verladen und auf den Lenafluß. verschisst, darunter zwei, Miffcha und Kitschouow, die ihre Strafe längst verbüßt hatten und rn ihre GeburtSstadt Wilna zurück- transportierl werden sollten. Der Kvmmandaut der Eskorte, ein Offizier aus JickutSk, war unerschöpflich iw Quälereien des Verbanntentransports; er ließ die Schiffe selten halten und die Gesan^enen nicht an Land gehen. Im Dorf Manowskoje, 180 Werst von Irkutsk, befdjioffen die Verbannten, gegen die Brutalität des Offiziers zu protestieren. Dafür ließ sie dieser an Händen und Füßen binden und 17 Werst weit treiben. Einer der Unglücklichen starb 50 Werst vor Kirensk; eine Frau wurde vom Offizier geschlagen, weil sie den Verbannten Eßwaren verkaufte. Als fid) diese der Frau annahmen, befahl der Offizier den Soldaten, auf die Leute zu feuern und sie mit den Gewehrkolben und Bajonetten tu mißhandeln. Die Verbannten verteidigten sich mit Stöcken; von ihnen wurde ein gewisser Liebermann getötet und zehn schwer verwundet. Wegen eines verbannten Mädchens kam es zu einer blutigen Schlägerei, in welcher der Offizier getötet wurde, außerdem zahlreiche Verbannte. Der Unteroffizier, der den Berid)t erstattete, meldete, das Bnehmen des Offiziers fei roh und gewalttätig gewesen. Leutnant ftodjmann aus K'ircnsk erhielt telegraphischen Befehl, die Eskorte weiter zu führen und die Führer der Verbannten zu verhaften. Als Totschläger des Offiziers wurde Menkcwsky festgesteNt. Im ganzen wurden 15 Verbannte getötet Ä richtslaat o ’ V*e « ' JO Dug. Da i Urteil gegen d*n Lendw-chmmnn fc01! Wrotrn o n n t' m Standg-ri<*t wegen Beleidig nng, Ncklungsverletzung und Ai-lt-gen eines Vorgesetzten zu 21 Togen streng n irrest verurteilt hatte, wurde von, Kriegs- abgcunbfrt, daß bic Strafe aus 12 Tage herabgesetzt würbe, tveil her Angeklagte ^vegen Beleidigung fteigesprochen sei. Ter ^ricktshof uxir der Ansicht, daß bte Mögliclckit nicht ausgeschlossen sei, daß L. mit der Bezeichnung „Pstaslerkasten" nicl)L ben zufällig vorübergehcnbcn Lazorettselbwebel, sonbern, tote er an gibt, seinen Nebenmann gemeint bat. Kiel, 10. Aug. Auf die Berufung des Gerichtsberrn Prinzen Heinrich verurteilte das Oberkri c gfl gericht beit Boots- mannsntaat UebcrfdMr vom Schulschiff „Moltke" wegen grausamer Mißhanblung von Scliifssjungcm aus der Auslandsreise zu vier Monaten Gefängnis und Degradation. Das vorinstanzliche Urteil hotte auf drei Monate Gefängnis gelautet. Glogau, 10. Aug. Dor dem Kriegsgericht der 9. Division statten sich gestern der Unteroffizier Emanuel Lux und der Gefreite Stanislmts Ktvasrng von der 7. Kompagnie des dortigen 58. Infanterie-Regiments wegen einer großen A n z a st l S o l d a t e n m i ß st a n d l u n g e n zu verantworten. Die Mißstaitdlungen wurden durch die Untersuchung eines Selbstmordes aufgedeckt, den der Musketier Klemmt ant 25. März dadurch begangen statte, daß er sich von einem Eiseubastitzuge überfahren ließ. Es wurde festgestellt, daß der Uirglückliche durch die systematischen Quälereien der beiden Angeklagten in den Tod getrieben worden ist. Nach langer Beratung verkündete der Gcrichits- stof folgendes Urteil: Der Uitterofsizier Lux wird wegen! Mißstandlmrg Untergebener in mindestens 229 Fällen, wegen vorschriftswidriger Bestandlung von Untergebenen in 12 Fällen, wegen >rorpervcrletzung in 10 Fällen, wegen Beleidigring in 2 Fällen, wegen Anmaßung der Dieustgewalt und mangcltider Deaufsichligung in je einem Falle zur Degradatio n und 1 Iahr6 Monaten Gefängnis, der Gefreite Kwasnia wegen Mißhandlung Untev- gebener in inindestens 110 Fallen, Körperverletzung in 31 Fällen unb vorschriftswidriger Behandlung von Untergebenen in mindestens 90 Fällen zu einem Jahre Ge- f ä n g n i s verurteilt. Arbeiterbewegung. Toulouse. 10. Aua. Etwa 2000 ausständige Kellner veranstalteten gefteni abend Wieberum Demo nstra- tioncn vor den Kasseehäusern. Sie drangen in bte Lokale ein unb zerschlugen Tische, Stühle ufro. Tie Gendarmerie schritt Tin unb nahm zahlreid-e Verhaftungen vor. Es verlautet. daß auch bic B ä ck c r g c h t l f en fick mit den streikenden Kellnern iobWiM erklären unb m den Attsstanb tteten wollen. gfliiiid und Verkehr. Uolkswirtschast. Vcrliner Börse vom 10. August 1904. (Mitaeteilt von ber Bank für Handel unb Industrie, Gießens Privat-DtSkont 2V, Prozent. AnfanqS- u. Schlußkurse. Ccft. Kredit .... 202.70 201.90 Deutsche Bank . . . 202.50 219.90 Darmstädter Bank • • 139.70 189.00 Bochumer Guß . • . 205.20 204.70 Harpeuer Bergbau . . 221.00 220.75 Tendenz: Matter. Essen, a. b. Ruhr. 10. Ang. Wie die ,Rheinifch-Dest- fälitdie Zeitung' meldet, ergab sich tm Monat Juli 1904 beim Abeinisch - Westfälischen K o h l e n f n n b 11 a t bei 26 Arbeitstagen eine Mindestförberung von 26,66° o gegen 22^32°,, im vorigen Monat. Die vorgesehene Einschränkung betrug nur 22°/, bie AeteitigungSzisscr betrug 6 830 391 Tonnen gegen 5 9 41 429 und der Absatz 4 642745 Tonnen gegen 4616017 Tonnen. Märkte. Limburg a. d. 8., 10. Aug. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen, neuer, 14.65 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn, alte«, Mk. 9.95, neues 10.28 Mk., Gerste 0.00 Mk.. vafer 7.10 Mk., Erbsen 0.00 Mk^ Kartoffeln 0.00 Mk. fc. Frankfurt, 10. Aug. (ArbeitspferdeMarkts Zum Verkauf standen heute m der Landwirtsckvftlichen Halle 1000 Arbeitspferde Tas Geschäft ging flott, besonders bei Webten unb mittler™ Arbeitspferden. Bezahlt wurden für leichte Arbeits Vfctbe 400 -800 Mk., für mittlere 800—1000 Mk., für ftfroerc 1200—1500 Mk. __ ______ cfanhrolrtftfiaft. ke. Gelnhausen, 10. Aug. Ter Landral deS hiesigen Kreises w a r n l im amtlichen Teil deS _Kreis-Blattes° die L a n d- wirte vomehmltd) die des DogelSbergS und de« FreigertchtS vor einer F r a n k s u r t e r F i r m a , die ein K r a ft f u 11 e r m e h l nnbietet, da« angeblich die Freßltrst bei Schweinen anregen soll. Der Breis betragt nro Pfund 75 Pfennig. Nach einem Gutachten ber landwirtschaftlichen Versuchsstation Marburg besitzt diese Ware f e t ne r ( e i Futterwert unb hat eilten wahren Wert von nur 8—10 Pfennigen. . Kirchliche Nachrichten. Pfarrer Etiler rvohnt oom 11. August an tm Pfarrhaus der LukaSgemetnde, Liebigstraße 56. Israelitische ReligionSgesettschaft. Kottesdleull. Sadbathfeier am 13. August 1904. Freitag abend: 7.15 Uhr. Samstag vormittag«: 8.00 Uhr. Nachmittag« 4 Uhr. Sabdathausgang 8.35 Uhr. WochengotteSdienst: morgen« 6.30 Uhr, __________________________abends 7.00 Uhr. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boranösichtliche Vitternng in Hessen für Freitag, den 12. August: Dorübcrgeheub ivolkig und stelleitweise unbedeutender Regelt^ später wieder nitfbeitemb, etwas wärmer, auch nachts etwas inllder. Noch kein allgemeiner Witterungsumschlag. ____________Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Nösi.siiMr Nkbkrsrtt dtt ssodrsWk ili dkr SladtGießkii 30. Woche. Dom 17. bis 28. Juli 1904. (Einwohnerzahl: angenommen zu 27 öOO iiukl. 1600 Mann Milttär) SterblichkeitSziffer: 13,23 nach Abzug von 3 Ortsfremden: 7,56 q/rn. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom Akuter Ttlberkulose KD 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr 1(1) - - Darmkatarrh 1 — 1 — Krämpfen 1 — 1 — Blinddarin- elttzündtlltg KD 1 (1) , > Alterssch>väd)e 2 2 _ — (Sdrinfeit ______ 1 (1) 1 <1) — — Alt tu.: Tic tu Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle ht der betreffenden Krankheit auf von nuSivärt« ttach Gießen gebrachte Krallte toututelt. , Schiffünnchlichleit. Norddeutfcher Lloyd. In Gießen vertreten btivd) Earl Loo«, Kirchen platz. Breme,', 10. August. Per trauSatlautischeu Telegrapb.l Der Doppel'chrgllbelt-Cckncslpostbampfer ^Kaiser Wilhelm der Große, Kavitän 0. Eiipper«, vom Norbdentschen Llonb in Bremen, ist gestent V Uhr vormittags wol)ldehalten in Newyork migtfonunen Neueste Meldungen. Origiiral-rahtmelditrigerr des Gießener Anzeigers. Berlin, 11. Aug. Der Kaiser hatte heute vormittag eine Konferenz mit dem Reichskanzler und empfing gegen mittag die südwe st afrikanischen Ansiedler in Gegenwart deS Reichskanzlers; spater empfing er den Erb- großherzog von Mecklenburg-Strelitz zur Notifikation des Regierungsantrittes des Großherzogs. Um 2 Uhr gedenkt der Kaiser nach Mlhelmshöhe abzureisen. Berlin, 11. Aug. In der Angelegenheit des Prinzen Fri tz Sayn-Wittgenstein dürfte die Darlegung des wirklichM Sachverhalts nun sehr bald erfolgen. Staatsminister Heutig, der neben Herrn von Mirbach und dem General v. Hüne zu den Pflegern des Prinzen gehörte, ist mit Unterbrechung seines Urlaubs in Gotha emgetroffen. Es ist anzunehmen, daß die beschleunigte Rückkehr des Ministers im Zusammenhänge mit der Affäre Wittgenstein steht und daß durch den Minister Aufklärung gegeben wird. Zu der von der Tremonia gebrachi- ten Darstellung von der Reise des Prinzen nach Berlin geht dem ^Lokalanz." folgende Information zu: Der Prinz toar majorenn geworden und die Pfelger mußten ihm Rechenschaft ablegen. Zu diesem Zweck sollte er nach Berlin kommen, aber der Prinz weigerte fid^ da er damals preußischer Offizier war und deshalb die Vermittelung des Milrtär- ^bmetts der vorgeschricbene Weg war, den zPr:nzen zur Erfüllung seiner Pflicht anzuhalten. Dem Prinzen wurde m Berlin einfach von Minister Hentig und Freiherrn von Mirbach die vom Pariser Dankhause aufgestellte Liste seiner dort verwahrten Vermögensobjekte ausgeliefert und er quittierte über den Empfang. Olmutz, 11. Aug. In der Gemeinde Hansdorf wurde eine Tropfsteinhöhle von ungeheurer Dimension entdeckt. Petersburg, 11. Aug. Die „Novoje Wremja" meldet aus Wladiwostok vom 10. ds.: das Prisengericht erklärte, der in der Nacht auf den 26. Juli versenkte Dampfer ,Thea" samt Ladung war eine gesetzliche Prise. Der Dampfer war seit dem 25. März auf neun Monate von der japanischen Compagnie Hokoi Sannio Gossi Koja gechartert worden und verkehrte zwischen den japanischen Häfen. Er genoß alle japanischen Handelsschiffen gewährten Vorrechte, büßte aber auch damit den neutralen Charakter ein. Die aus Fischen bestehende Ladung war feindliches Eigentum. Petersburg, 11. Aug. Ueber das Auftreten der Cholera wird mitgeteilt, daß zur heißen Jahreszeit in Petersburg fast alljährlich Fälle von echter Cholera zu verzeichnen sind. Diesmal sind bisher drei Erkrankungen, von denen Arbeiter betroffen sind, vorgekommen. Die Ursache der Erkrankung ist auf den Genuß schlechten Trrnk» wassers und unreifen Obstes zurückzuführen. Seitens der Behörden wird den Cholerafällen keine gefährliche Bedeutung für die Allgemeinheit beigemessen. Teiepiionischer Kursbericht. Frn 372% Reich «an lei he . . 102 20 3% do. ... 89.85 3V,% Konsole .... 102.00 3% do ..... 89.85 3‘/2% Hessen .... 100.30 37, % Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Go’drente . 161.75 4X!S% Oesterr. Silberrente 100 35 4% Ungar. Goldrente . . 100.60 40/- Italien Rente , . . 104.25 4i',% Portugieser , . . 63.00 3°/ Portugiesen.....61.25 1 % C. Türken .... —.— Türkenlose .... 127.60 4% G riech. Monopo’.-Anl. 47.20 4’ % Snwsere X rtens der Stadt nach besonderen ortsstatutarischen Bestimm u ngen hergestellt. S .10 Stoffe, wie Küchenabfälle, Kehrickst, Schutt, Asche und <-rg!erchen, die die Kanäle verstopfen oder besclwdigeu können, ' rfen nicht in den Kanal geleitet werden V1 • von der Baupolizei beauftragten Beamten ist r Vornahme regelmäßiger Ueberwachung der Entwässernngs lagen lederzejt der Zutritt zu gestatten. 8 12. Tie Verpsliclstung zur Zahlung von Shuinlbdträgen . rd durch besonderes Ortsstatut geregelt. Auf Grurrd des Art. 2 des Gesetzes vom 30. April 1881, die allgemeine Bauordnung betreffend, und der §§ 6 und 8 der Verordnung vom 1. Februar 1882, die Ausführung der allgemeinen Kauordnung betreffend, wird nach Anhörung der Stadt- veroichneten-Versammlung unter Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung Grvßh. Ministeriums des Innern vom 8. Juli 1904 zu Nr. M. d. I. 19 382 für die Provinzialhauptstadt Gießen verordnet wie folgt: Zu Art. 32 und 34 der allgemeinen Bauordnung. A. Allgemeine Vorschriften. Entwässerungspflicht. § 1- .Alle bebauten Grundstücke in dem Gebiete der allgemeinen Entwässerungsanlage der Stadt Gießen müssen nach folgenden Vorschriften entwässert werden. Falls es im öffentlichen Interesse erforderlich scheint, kann der Stadtvorstand diese Vorschrift auch auf unbebaute Grundstücke ausdehnen. Ausnahmsweise fann auf Orund besonderer Verhältnisse vom Bürgermeister bestimmt werden, daß von der Enttvässerung eines Anwesens in den Straßenkanal für kürzere oder längere Zeit ganz oder teilweise abzusehen ist. § 2. Bei genehmigungspflichtigen Neubauten müffen die Pläne für bie„ Entwässerungsanlage gleichzeitig mit dem Baugesuch, bei allen übrigen Neubauten 4 Wochen vor Baubeginn eingereicht werden. Siehe auch § .38. Die Entwässerungsanlage muß gleichseitig mit der Bauausführung angelegt werden. Vor erfolgter vorschriftsmäßiger Ausführung der Entwässerungsanlagen dürfen Neubauten nicht in Benutzung genommen werden. Siehe auch § 40. § 3. Von den angeschloffenen Grundstücken sind das Regen- and Schneewasser, .alle Haus-, Wirtschafts-, Stall- und sonstige Abwässer einschließlich der menschlichen Abgänge in die Straßenkanäle zu leiten. Alle 9lborte müffen als Spülaborte eingerichtet werden. Jede andere Art der Mleitung oben bezeichneter Wasser und Stoffe, sowie das Ausgießen von solchen in den Straßen- rinnstein ist verboten. einem Höhenplan aller Entwässerungsleitungen in dem Längenrnaßstab des Lageplanes und dem Höhenmoßstab 1:100, Angaben über die Art der zur Verwendung kommenden Spülvorrichtungen und Morteirrrichtungen. Die Pläne müssen von einem Sachkundigen entworfen, in Aktenformat aufgetragen sein und die Unterschriften des Grundstückseigentümers des Planverfertigers und etwaigen Bauleitenden, sowie den Tag der Eingabe tragen. Für eine Ausfertigung ist Pausleinwand, für die andere Pausleinen, dauerhaftes Papier oder eine auf Leinwand aufgezogene Lichtpause zu verwenden. Aus dem Plan muß llar und deutlich hervorgehen, was neu gebaut werden soll unb was bereits vorhanden ist; insbesondere muß zu ersehen fein die Lage des Grundstücks mit Bezug auf anstoßenden Anwesen, .die Lage sämtlicher EMwässerungsleitungen, der Entlüftungsrohre, .der Einläufe und ihre besondere Art (Küchenausguß, Spülabort, Wasch- oder Badeausguß irfm), die Zweckbestimmung der einzelnen Raume, die Richtung der oberirdischen Wasserläufe, die lichten Weiten und die Gefällsverhält- nffse der einzelnen Leitungen, die Lage und Tiefe des für den Anschluß in Betracht kommenden Straßenkanals, die Lage und Höhe des Einlaufstutzens im Straßenaverschnitt, die .Höhen der einzelnen Leitungsabzweige Gcfällsbrechpunkte unb Einläufe, wobei sämtliche Höhen auf Normal-Null (NN) zu beziehen sind. Eisenrohre sind blau, Bleirohre gelb, Tonrohre braun, Zementrohre neutral, Zinkrohre grau, bestehende Einrichtungen schwarz zu bezeichnen', w c gr fallende Leitungen rot zu durchstreichen. Tie für den Prüfungsvermerk dienende grüne Farbe darf in den Bau- Vorlagen nicht verwendet werden. Durchmesser der Leitungen. § 25. .Für die Rohrweiten sind Durchmeffer von 30, 40, 50, 70, 100, 125 und 150 Millimeter im Lichten vorgeschrieben. Zwisckengrößen, sowie Röhren unter 30 Millimeter Durchmeffer sind nicht zuläffig. Die Rohnvefte beträgt in der Regel jür die Hauptabteilung nach dem Straßensiel 150 Millimeter. Die übrigen Ableitungen erhalten: für gewöhnliche Kücheneingüsse, Wasch- und Pißbecken, Bäder-, Hof- Stall- und Keller-Einläufe usw. 100 Millimeter, für größere Küchen, Stritte usw. 125 und 150 Millimeter, für Regenwasser, 100, 125 und 150 Millimeter Durchmesser. Beim Zusammenfluß zweier NebenableiMngen muß der Durchmesser angemessen vergrößn't merben. Für Fallröhren werden im allgemeinen außer den Regew röhren nur Durchmeffer bis 100 und 125 Millimeter zu wählen ein. Im Einzelnen erhalten Fallröhren von einem einzelnen Einguß einen Durchmesser von 40 Millimeter, für mehrere Eingüsse Waschbecken, Pißbecken, einzelne Kück^neingüsse oder einzelne Bader 50 Vlillimeter, von mehreren Kücheneinaüffen und Badern 70 Millimeter, von ?Cbtritten von 100 und 125 Milli meter R^enfallröhren erhalten für kleinere Flächen, wie Balkone unb Vordächer 30 Millimeter, sonst 70, 100, 125 und höchstens 150 Millimeter Durchmesser. Größere Rohrweiten für Ableitungen und Fallrohren dürfen nur ansnahrnnn'ise, wenn die Notwendigkeft hierzu nadwtfmicfen wird, zur Verwendung gelangen. 3n der Abflnßrichtung dürfen Röhren größeren Durchmeffers nie in lolche feineren Durchmessers über gehen, llebergängc von -inem kleinen Durchmeffer in einen größeren sind durch be- onbere 11 ebergangSstücke htwznstellen. Entlüftung. § 26. Tie Entwässernngsanl- ober Kn Pf er röhren und glasierten Steinz en gröhren herzustellen. Zemcntröhren können ausnahmsweise unb mit besonderer Genehmigung für Regenkanäle in den getrennt entwässerten Gebieten zngelassen werden. Tie Eisenrohre sind mit Blei auf geölten Hanfstricken, die Steinzeugrohre mit Teerstricken und Asphaltkitt, die Zementröhren mit Zement zu dichten. Innerhalb der Gebäude dürfen für Fallröhren, Schräg- lei tungen, Haupt unb Nebenleitnngeu bei einem Tunbmcffer von 50 Millimeter unb mehr nur gußeiserne Röhren nennenM werden Diese sind einerseits bis zu einer Entfernung von 1. Meter außerhalb der Mtermaucrn, anderseits bis znm Ein- deckstück im Dach zn uenoenbt'n. Bei Durchmessern unter 50 Millimeter ist die Bcrlvendmrg von Bleiröhren gestattet; sie sind genügend zu unterstützen und vor Beschädtgungen zu flchern. Entlüftungsröhren über Dach nebst dem Eindeckftück im Dach dürfen aus starkem galvanisiertem Eisenblech, Kupfer ober Zinkblech Nr. 13 bestehen. Tie Verbindung von Bleirohren mit gußeisernen Leitungen muß burch vorschriftsmäßige Stutzen oder Flanschen, die von Eisenröhren mit Steinzeugröhren durch besondere eiserne Anschlußstücke erfolgen. Für Meitungen außerhalb der Gebäude werden Steinzeug- röhren, in wenig tragsähigem oder aufgefülltem Boden gußeiserne Muffenröhren verwendet. Tie Regenfallröhren sind bis zur Höhe von 2 Meter über Erdboden aus gußeisernen Röhren mit Bleidichtung herzustellen; oberhalb des 2 Meter hohen Stondrohres können hierfür Röhren, aus Zinkblech Nr. 13 gewählt werden, sofern sie auf ihre ganze Länge luftdicht hergestellt sind. Sämtliche Materialien müssen den für die Herstellung .von Hausentwässerungen aufgestellten Normalien des Verbandes deutscher Architekten und Ingenieur- Vereine entsprechen. Ableitungen. § 20. Tie Ableitungen sollen möglichst kurz und gradlinig geführt werden und mit ihren Nebenleitungen ein zweckmäßig angelegtes Entwässerungsnetz bilden. Tie Rehrverbindungen müffen durch besondere Verbindung^- röhren seitlich in einem Winkel von 60 Grad in der Abflußrichtung gemessen hergestellt werden. Ausnahmen biervou sind nur in besonderen Fällen nach ausdrücklich erteilter Genehmigung erlaubt. § 21. Ableitungen außerhalb der Gebäude müffen frostfrei, an ihrer höchsten Stelle 1,20 Meter unter der Oberfläche liegen. Alle Wasserverschlüs'e, Ablaufstutzen usw. Außerhalb der Gebäude müssen dieselbe Deckung erhalten. Ableitungen im Innern der Gebäude sollen, soweit das Gefälle nach beut Straßensiel es zuläßt, unter der Kellersohle angelegt werden. Innerhalb der Gebäude müssen alle Mleitungen, Fallrohren, Geruchverschlüsse usw. so angeorimet werden, bafc sie gegen tfrofi möglichst geschützt sind. Gefälle. § 22. Der Hauptstrang der Entwäfferungsleitungen ist auf bie ganze Länge in gleichmäßigem Gefälle von mindeuetts 1:30 zu verlegen. Aus besonderen Gründen können Gefällsbrüche rfirt flgSt 5 *#**\ m®^' M ** M*** fonbfo <* jrurtt lU ^rgcrl«^ üsduvi) *’ Mit bit front» Me ietn Uck>: durch rx ®ttid}H c ertobo- Mrr w Ätife de- b« Je — Sw|! isksoutich war oll Mav'at: MH 30TB htM hierbei mt die mz«< da p cud wie d Hetze» 1 €ott otbmug bemeßaiz hat. £n gebühr c nopieii- Verlretung. Mit Brauereien liierte Herren von altem groffem Hopfengeschäfte für Hcsscn-Rassau u. angrenz. Gebiete behufs Einführung ge- erfchluü bestehen uihd durch emc Sturz- püliing nad) ledcSmaligem Gebrauch vollkommen rem Vfpüll ink-n Tav Becken soll mit Spülrand verfc^n scm, fodast das T nülivaffer gleidnnäßig bcrtnlt wird. Tic Wasscrticfe un Äuf- nabmebccfen soll mindestens 20 Millimeter betragen- mittelbare Anschluss 'M die Wasferleitung ist verböten. Tu Cpül- ung bat aus blonderen Spülbehältern zu eNolgcn, .die von der Wasserleitung gespeist nxtinn und für leben . minbeftenÄ 8, aber nidM mehr als 12 Liter schütten. 4.cr topuibebalhr foU mindcstt'nS 2 Meter über km e\k\ angebracht sein und durch cmen kurzen Zug oder Truck in Söirtnitf gelebt werden. DaS Spülrohr zwischen Spülbehälter und Bcueu mutz einen Turch- mcsser von 35- 10 Millimeter erhalten. Aborte, in denen bic Auswurfstoffe durch medwnisch bewegte V.eile gel)en (Ztlapp- klosetts, KolbeullofettS nfm.) ebenso wie felbsttatige epüluorridH tungen z. B. solche, die durch die Tür den Teckel oder den Sitz bewegt werden, sind verboten. Tic Weite der Lxffnuna in der Schunel darf be'chstcnS 90 Millimeter betragen. Zivischen die Schüssel und das Zallrohr ist ein 2LasIerverschluh von mindestens 8 i Millimeter lichter Weite und mindettenS oO MUlimeter Tauch- 3 tiidjtiiit sdirciutiflcitllcn für dauernde Arbeit gesucht von Emil Schön, Ebelstraste 9. 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Regeneinläuse. $ "28 Für die Ablcttung des Regenwasier^ von Vvsen, «ärten. Degen usw. fmb besondere Regeneinläufe anzulegew Alle Lmläuse sind mü geeignetem Rost, mit oanb bezw. schlämm« und le.Ät he rm^si..nehmendem ed)lamutcimcr, un gcmaniam Gebiet außerdem mit o.en.dv.ridUünen »u versehen, föemau'ne Sdilamm- und Landsange, fowie bewegliche Uloden1 versLtüsse sind verboten. Zm getrennt entrcai erteil Gebiet, wo dr^e Einläufe nach ben Regenfielen führen, ist zu verhindern, böi Schmus-. Lüchen-, Stall- od:r s.nst.ge in den schmubwasscr kanal gebvngc Abwässer nach diesen Anlaufen gelangen. sind also in der 'Ausbildung der Oberslachc um die (rmlauic lr,c h-evu nötigen Vor!.hangen (wie ^r.nnrudcn Pflaster- und Ri'nngesäUe zu treffen; das Linschüttcn von vschmupwaiser ui diese Lingussc ist strengstens verdaten. . Schmutzwasfere m l ä u \ e. s 99 Tie touroaficrung von Laschkucuen, Kellern, ^tall- £naai und sonstigen olädxn, wv Sedmubwasscr »um Wbtlub kommt, geschieht durch -besonder^ Ettiläuse, die ebcnsalls,. wie bre Regeneinläufe, mit Ro», ogtu) und ^driamnuang, sowi Schfamn.eimcrn zu versehen smd. Tieje LinlLufe erhallen l.edoch einen Geruchoerschiust, dessen Äasieripiegel in srottsreier La« anzuorvnen ist. Tie Anlage dieser Linläufe ut nur bon gestattet, wo sie leiche zugänglich sind und die dauernde Unter- dallung des l^erud-verschlufses durch Einleitung von Wasser gc- licherr ist. 3m getrennt entwässerten Gebiet dursen Einlause sur SchmnLwasser nur don angelegt werden, wo eine Uebericblvemmung bnxä vocdwasser oder Regen unbedingt ausgeschloi,en HL Terart ge Elllläuse dürfen im getrennten Gebiet in der Regel «idt austerhalb der Gebäude angelegt werden. Ist bic5 iebod) erfordert & so mutz durch Ueberdachung, durch Überhöhtes Pslastcr oder durch Trennruaen Vorsorge getrossen werden, dav unter kernen U in ständen Regemvasser von einer gL bereu olacye als 5 Lütadrutmerer m sie gelangen kann. FettsLnge. 8 30 In die Sonderlellung von Raumen, meldK grob». ♦Rengee fettige oder seifige Abgänge luicrn (». B. großeJSäjdx- reren, Metzgereien, Lursttüchen nsw-) 'tt ium Jlbjangcn bet o«t- noüe ein geeigneter Ietttang einzuschaltcn. 4.1c (Vtltfangc müssen ans Ton cber Gußeisen bestehen, entsprechende rfühlslü^en besitzen und mll leicht möglichst vom freien zugänglichen ^rutzössnungen .ind reichlicher Lüftung versehen sein. Spülaborte. § 31 Menschliche Abgangs sind durch Spulaborte aufzu- sllngen und abzuletten. Tie Spülaborte müssen aus eincni 660V, -Ld)one ö 4* 3imni€i* Wohnung zu verm. 9'iewiadt 41. 6o311 TllicciliaBe 2rt, 2. Stocf, per foiort billig bis 1. April IVuö zu oeimieiciL Räherei Alieestrabe 31, pari lüin Hauoburfche gefucht [6796 V7v Ludwigsplatz 8. Solides Mädchen in Lindern, welches auch bügeln kann, per 1. September gefacht. »774 öübanlage 23. «He Fallrohren im Innern der Gebäude müssen alS Ent- tflfr n 4 hl ütk-t rach geführt nxi^m. Tit EntlüftungSröhien müssen leukrrchte Beilängerungen der Fallrohren bilben und den vollen rurdmieffer der onllrv^enm indes lens aber i0 Mitti- meter lurdMiieffcr ausiveiseu. auch wenn das Fallrohr selbst '"^Ter^ oberste Teil des SntlüftungSrohrs von 0,5 Meter unter Tad> an auswärts soll, wenn mäghd), im Durchmessei MiUinwte/grötzer fern, als der untere äeil Tie AuSmundung des"EnttUftungorohrS über Dach, sowie der zur Lüftung bicii.nb.u Regenrehie darf mdx in der Nähe von Zenttern ober sonstigen, unI Dem Innern der Gebäude in Verbindung stehenden Oesl- nungen angelegt werden. Von derartigen Oennungen mutz pus 'bere Rohrende mindestens zwei Meter entlemt sem, fjW tv me^ ^ls 1 Meter über die ööhe des ^cbstgelegenen Fenstersturze- hinausragt. ^aim dieser Vorschrift ba einem Sieflcnial.t.-ta n.dx genügt meinen fo erhält eS nnen schLntz. Entwüsfern mehrere Tadninncn nach einer ^ille ft kann vorgeschneben wenden, dast für die tiefer Agende Dachrinne ein bei anderes I-allrodr mit Oleruawerschluv augelegt urib Fallrr>dr der oberen Tadxrinn: . 3ur V1Tt“n? . gesittet w^rd. Tie AnSmundungen der ^.ufti.ng».rohriU.ftttd nitt ^'len Schutzhauben zu versehen; bewegliche Iaugevorrictttungcn find hierbei nicht geftattet In besonderen Allere Entlüftungseinridnungcn vorgejibnibcn 0?vr ^rhaebte die zur Lüftung von ch^ans- ober ^vohnraumen ob ,n Betrieb ober md,t dürfen nicht zur Sntlüftung der irntwüiserungsaillagen benutzt 04612] Kleine Wolmung zu ver- n. Gr. Mühlgaste 1". _ 6840| Stube, Küche u. Kammer Äu verm. Näh. Aiterweq 23, p. 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Bfinungen und Nnnigungüstubcu ntüllnt tinen luftbuvtcn M- hnhrn Tic über ber Erde liegenden ßcitnngen und sonsttge ^>ilc der Anlage dürfen iveber eingemauert noch verkleidet werden. Prüfung. , <>, ,f § 35. Tie gesamte Anlage unterliegt m allen Teilen rrälnenb der .Verstellung und vor der Jnbctriebnaden s iinoeu der hiermit beauftragten Beamten, «-er iSigiiitumcr ob r bev ausführcude llnteinehmcr hat auf besondere Aussorderung PrUng-n b°iiuw°hncn. Tk «u den Pr Mma-n morber- lidjcn «irbcitiMflc, «ernte Licht, Wasser nstv. \ bereit au stellen. Tie Ableitungen uno die vnschtteocnden a,uu der Fallröhren werden in der Regel durch Äa ser mit em m Truck bis Straffenhahc auf ihre Tätigkeit geprüft. Ti Prüfui g der übrigen Anlagen cinfdiliefflid) der (Äeriidwerschlusst erfolgt duick d e 9iaud)» ober Geruchprobe Zur D^rnalttne aller^Prob n Lft ut bic vauplleitung vor Eintritt in ben ila^ischeuSttaffen- . (örver ein Prüfungsslutzen «rechtwinkliger Abzweig- euizusdialt n. ber Schluffprüfung ist bicier Stutzen ui Gegenwart bcs ÄttcTp “W«. Lie .Prujuna ber. Anlage e^ülat (o u t hi« in* diesen Vorschriften entspricht. Unterirdische £cituiigui bunen 80 Millimeter lichter 48eue und mtnoeitetw ou tv*«“*"1»“ *““"■ f,‘r|b, c.'c" ^ucbm'guug nkbi vcrsnll, tv.rbett. Sie Söeiiufcun« ÄT“ *“ ** . ........ “4 • Ablaufrodr be» Spiilbehällers nicht beschädigt tmrchn kann, d ' ^.^'„deii Zustand erhalten, gehörig gereinigt und Boden unter ben ödnilieln muv au- ^J^bidrtem , glatten I ”°nung enuv beauftragen Beamten sind befugt, bic 9ln- Malerial hergcstellt oder mit wafterdichtem Belag ^lNiftui g rtU| ^en Zustanb zu prüfen, insbesonbere einer bcrglcidxn.) vcrsedcn tverbcn. rÄMM,n nllrl. ^u/rbrud- Rauch und Heriichprabc zu unterwerfen; etwaige ..ÄiaÄs.Ä”"- ss.ss"«?? sä & .• w* Se C. Ihbcrflangd-erftimmimo-n. auf ber Bürgermeisterei vorhanben. § 30 Tie Pläne für bie Entwäi'serung aller bei Inkrafttreten Spülung. dieser Vcrorbnuna bereits bebauten Grunbstucke tm Oicbiete ber ? 32. Tie Svülunjj jeder Entwässerung mufi entroeber butdt ncinnt Cnlwasi-rungsanlage sind spätestens brer Monate Anschlusj an du- luötudx Wa„erleilung ober burch eute^etpene. I ufforberuna botjuleflen. Äe Zussorbenmg erfolgt bauentb unter Truck stehenbe, mit einem mi1>*lty. n(0]lien ,5?'' durch ossentliche delanntmachi ng ober durch -äc"Q1^r('*V8*ln9 freien Behälter renebeue Wanerleituug liMergenellt »«.b" E,„cntiimer. .Sechs Monate nach enolgter Äenchmtgung ber allen Cingüffcn für Sdimubivojicr lind dotnhübiu bei Wasser q!lilni, muj,-en t>ic Entwässerungsanlagen vorschrittsmaljig aus- lettung jur Spülung uno 'Auffüllung de- lrlerudmcrschlusses an-1 :Q.)rt .-Clll jubnngen. Alle Spülvorrichtungen, sowohl bei «borten, wie bei ' ’£’e ( tlftvn tonnen aus Antrag verlängert werden. ®nmeü> bat wegen sdti'acben Gefälls zu ipulenbcn ^ohrslrangen mu uimen zum irüberen Ansckluff einzelner Grundstücke sollen nach io eingerichtet sein, baß f.c die vollkomnicne Abschwemmung^allei L^lid Int berudsiditigt werben. emgclcuclcn Absallttosfe und die Reinhaltung der Rohren Jt I inneren Einrichtungen in den Dausern sind den in ivährlcisten. • f ff l u i dieser Verordnung enthaltenen technischen Vorschriften nitsprcchend 8 33. Zwischen ieder Einyiilütette (Abort, Pissoir, Küchen umi^nbtrn widcrruslicher Weise kann d^r Bürgermeister und Wassersteineinguv, Bad ils.v und dem Dnschlutz der »u- ^Eingehender Prüfung gestatten, daff bestehende LnttvasserungS- gehörigen Ableitung in die Rohren muff cm ^udtomdHuL ün^ - ßlin. c,^r teilweise bcibcbaltcn jroerben. nngn'dxiUrt lucröcn Alle Geruclwcrsck-luuc nnb durch ll-oder I 4(, jyerb