Nr. 160 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint tügttch mit Ausnahme be8 Sonntags. Die „Gießener Zamiiienbikittvr" werden dem ^Anzeige, otermal wöchentlich beigelegt. Der »hesstich« Landwirt' erscheint «wnaUrch einmal Der Zusßand in Ie«tsch-Sü»Weüiifrika. Generalleutnant v. Trotha me(bct aus O kaha n dja: Beim Feinde südlich Waterberg anscheinend Bewegungen. Samuel Maharero nach Meldung v. Eftorsss mit den Grobleuten bei Otjahewita eingetroffen. Der Abzug t>om Omuranibafluß, insbesondere au- der Gegend Okosongoho- Okahitua scheint mit Viebmassen am 5. Jrcki begonnen zu Montag 11. Juli 1804 NotattonSdruct und Vertag da Brühl'ich«, Univerfltarsdruckerel R. Lang«, Dießen. Redaktion, Expedition u. Druckerei Schulst! ?. Tel 91t. 6L Tetegr.-Adr« r An^eiga Iayrcsvericht der Kr. Ka^delsLammer Kieken für 1903. L In dem Borbericht über die wirtschaftliche g e wrvd ausgefühtt, daß die in der zweiten Hälfte des Wahres 1902 eingetretene Llufwärtsbewegung der deutscher: Volks- wirttckaft im Berichtsjahre weitere, wenn auch langsame Fortschritte gemacht hat. haben. Feindliche Patrouillen noch dauernd am Omuramba- fluß. Patrouille von Oberleutnant v. Lekow überraschte b^ei Orutjiwa eine zurückgegangene Werst und nahm 30 stück Großvieh. Beim Feinde zahlreiche Tote und Verwundete. Diesseits keine Verluste, v. Estorff marschierte in der Nacht zum 7. von Karupuko in der Rich, tung auf Otjahewita ab, um sich dem feindlichen Abzug nach Nordosten vorzulegen. Hende auf Okaundia am Omuramba- slub. v. Glasenapp über Otjire-Orutjiwa auf Okosongoho in: Vormarsch. Ich begebe mich morgen, den 9. Juli, zur Abteilung v. Glasenapp. Reiter Jakob Frey, 2. Feldkompagnie Regiment 1, geboren in Weinsheim bei Worms, wurde am 5. Juli im Patrouillengesecht gegen Otjahewita verwundet. Er ist beim Rückmarsch verstorben. Der Oberleutnant der Schutztruppe und Adjutant des Gouverneurs Oberst Leutwein, Hans T echow, ist am 6. Juli in Windhuk an den Folgen schwerer, durch einen Unglücks- sall erlittenen Verletzungen g e st o rb e n. Valitische Tagesschau. Arbeiter als Gewerbeinspektionsbeamte. Zum erstenmale figurieren, worauf die „Schachs. Arb.° 3tg/ aufmerksam macht, in einem deutschen Fabrikinspektorenbericht Arbeiter als Jnspektionsbeamte. Es ist Württemberg. Ende 1903 sind bei der württembergischen Gewerbeinspektion vier neue Beamte angestellt und dadurch ihre Funktionäre von 8 auf 12 vermehrt worden. Die vier neuen Gewerbeinspektionsbeamten sind: der Eisendreher Bölz, der bis zu seiner Anstellung in einer Maschinenfabrik arbeitete; der Mechaniker und Monteur Psohmann, der in einer elektrotechnischen Werkstätte tätig war, und der Werkführer Müller, der in der Holzwerkzeugfabrik von Eßlinger u. Abt in Laupheim in Arbeit stand. Diese drei neuen Beamten tragen den Titel „Gewerbeinspektions- gehilfen", und jeder der drei Aufsichtsbezirke hat einen davon erhalten. Der vierte neue Beamte ist das Fräulein Welckcr, das vordem bei dem Schwäbischen Frauenverein tätig war. Sie heißt „Assistentin" und ist der zweite weib- iche Beamte der württembergischen Gewcrbeinspektion. Die beiden Assistentinnen haben in allen drei Aufsichtsbezirken ätig zu sein. Den vier neuen Beamten wurde vom Gewerbeinspektor Hardegg ein JnstruktionskursuS in wöchentlich vierstündigen Vorträgen erteilt, um sie in das Gebiet des Arbeiterschutzes einzuführen und ihnen daS Studium der umfangreichen Ar- beiterschutzgcsetzgebung zu erleichtern. Gegen Schluß des JahreS 1903 hat der Gewerbeinspektor mit den Gehilfen dreizehn und mit der neuen Assistentin nctm Revisionen ver- chiedener gewerblicher Betriebe vorgenomznen. Die neuen Hilfskräfte, führt Gewerbeinspektor Hardegg aus, bedeuten eine wertvolle Ergänzung der Gewerbeinspektion. Es wäre in Zukunft nicht möglich, den zahlreich andrängenden Aufgaben gerecht zu werden, nachdem mit 1. Januar 1904 auch daS Kmderschutzgesctz in Kraft getreten ist, das bei der ausgedehnten Hausindustrie, wie sie namentlich in der Gar- dinenstickerei besteht, viel Arbeit erfordern wird. Die haupt- ächlichste Tätigkeit des Gehilfen erstreckt sich auf die kleinen gewerblichen Anlagen. „Die neuen Beamten haben sich, soweit in dieser kurzen Zeit ein Urteil abgegeben werden kann, durch Fleiß und verständ- ni-volles Erfassen der dienstlichen Ausgaben die 3u- riedeubeit ihrer Vorgesetzten ernxorlxm/ Kammer die jetzt beendete Beratung als eine definitive betrachtet, weil jeder davon überzeugt ist, daß sie nur einen Notbehelf darstellt, um die Vorlage überhaupt an die erste Kammer gelangen zu laffen. Haben doch selbst die Führer des Zentrums und der Sozialdemokratie die feste Hoffnung ausgesprochen, daß bei der „Rückkehr der Vorlage" eine bessere Fassung verschiedener Bestimmungen und besonders eine gerechtere Wahlkreis-Abgrenzung in verschiedenen Landesteilen erzielt werden möge. Darin ist indirekt ganz deutlich noch der Wunsch enthalten, daß die erste Kammer die Vorlage nicht sans phrase acceeptieren, sondern auch ihrerseits den Rotstift des Zensors gebrauchen möchte. Denn nur im Falle von Abänderungen kann ja der Gesetzentwurf wieder „zur weiteren Beschlußfassung" zurückverwiesen werden. Von den Freunden der Vorlage werden also jetzt aller Augen auf die erste Kammer gtt richten sein. Die nächste Frage ist die, ob die StandeSherren schon in Bälde eine Sitzung abhalten und die Vorlage jetzt oder erst im Herbst einem Ausschuß znr Vorbereitung überweisen werden. Wenn der sich den Ausschuß der zweiten Kammer zum Vorbild dienen laffen und sich ebenfalls 1 */, Jahre Zeit zur Prüfung der Vorlage nehmen wollte, dann wäre es natürlich mit der vielgehegten Hoffnung und der auch im Gesetz festgelegten Bestimmung vorbei, daß die erste direkte Wahl zur zweiten Kammer schon im Herbst 1906 vor sich gehen soll. Diese halbseitige Erneuerung der Kammer durch die direkte Wahl (die Vorlage bestimmt bekanntlich, daß im Herbst 1905 28 und im Herbst 1908 27 Mitglieder neu gewählt werden sollen) ist nach unferm Dafürhalten auch ein Kapitel, daS einer ernsten Erörterung im Wahlrechtsausschuß wert gewesen wäre. Ist das direkte Wahlrecht wirklich eine so große Wohltat für daß Land, als welche man eS bei der großen Mehrheit der Kammer betrachtet, nun, warum läßt man sie dann nicht dem ganzen Lande gleichmäßig zu teil werden? Wir würden bei der Einführung deS direkten Wahlrechts, bei der „Mündigkeitserklärung des Volkes", wie eS ein bekannter Parlamentarier einmal nannte, eine Kammerauflösung und die eigentliche Vornahme der Wahl im ganzen Großherzogtum entschieden für daS Rationellste halten. Man denke sich nur die komische Situation, daß für die nächsten drei Jahre in buntem Durcheinander in der Kammer gleichzeitig die Produkte der direkten und der indirekten Wahl friedlich auf ihren Plätzen sitzen und neue Gesetze machen sollen! Wird man da nicht unwillkürlich an den wackeren Schwaben erinnert, von dem der Dichter nach dem mächtigen Schwertstreich auf den Reiter sagt: „Zur Rechten sieht man, wie zur Linken einen halben Türken heruntersinken?" Die Annahme, daß sich die Erste Kammer mit der Vorlage in verschiedenen Punkten nicht einverstanden erklären werde, herrscht nicht nur in Abgeordnetenkreisen, sondern auch bei hervorragenden Mitgliedern der Regierung vor. Schon die Streichung der Bestimmung in Art. 2, Absatz 10, daß dem Großherzog daß Recht zustehen soll, außer den zwölf „ausgezeichneten Staatsbürgern" noch drei Bürgermeister von Städten mit Städteordnung für die Dauer des Landtages in die Erste Kammer zu berufen, wird man sich in der letzteren kaum ruhig gefallen lassen, ganz abgesehen davon, daß man in der Streichung dieser Bestimmung mit Recht auch einen neuen Dorstoß der agrarischen Mehrheit gegen die Stadtevertret- ungen Überhaupt erblickt. Des werteren muß ^^^oie nach dcm Ausschußantrag beschlossene Besoldmrg der Mt- gl jeder der Ortswahlkommission'en, deren Amrbei der Reichstagswahl als Ehrenamt gilt, als ein entschiedener Mißgriff bei « achtet werden, unrsomehr, da auch hier wieder, wie bei Vervielsültigmng der Wühlerlisten und der Anschaffung der Wahlurnen die Kosten den einzelnen Gemeinden ausgebürdet wqxden sollen. .Icecht fraglich erscheint unS auch, ob die Erste Kammer auf die Festsetzung deS Wahltermins von 10—R Uhr eingehen wird, wie 1J im letzten Augenblick trotz dcS Widerspruchs der h'cßiicuno aus Antrag der Sozialdemokraten mit 19 gegen 1; stimmen beschlossen wurde. Warum soll denn nicht auch h er der doch sonst überall von den Herren Sozi angestrebte achtstündige RormalarbeitStag eingehalten werden? Die ländliche Wah lkreiseinteilun a für die drei Provinzen rst ja nach offi^etTer Feststellung mit 32 (also nicht 33) Stimmen gegen 12 Stimmen angenommen mor= ben|; es stimmten 8 Nationallibera.le, 3 Freisinnige und 1 Zentrumsmann dagegen. Aber bei der Abstimmung waren nicht anwesend die Wbgg. Brauer, Diehl, Leun, Roack, Schill und Schönberger, also sechs meist liberale Mttglreder, deren Gegnerschaft wohl zweifellos feststeht. Hatten auch diese Herren nicht aus irgend welchen Gründen rhr Fernbleiben von der Abstimmung für zweckmäßiger erachtet, so wäre die verfassungsmäßige Zweidrittel-Mehrheit doch überhaupt nicht erreicht worhen; auch die Herren Dr. David, Dr. Heidenreich und ein Zentrumsmann gaben die Erklärung ab, daß fie nur in Erwartung auf eine gerechtere Einteilung bei der Rückkehr der Vorlage für diesen Art. 19 stimmen könnten. alles sind doch Dinge, die auch die erste Kammer bei der Beurteilung der „Parteimache", wie ein freisinniger Abgeordneter die Wühlkreiseinteilung des AuZschusses nannte, sich kaum entgehen lassen wird und wenn Abg. Häusel noch am Schluß der Berattmg in der allgemeinen Unruhe des .Hauses dem Ausschuß für seine mühevolle Arbeit Dank aussprach, so darf man nicht vergessen, daß er gerade dasjenige Mitglied des Hauses war, dessen Mandat bei Ammhme des Ausschußantrags zu Art. 15, Streichung des Wortes „größten", unter allen Umständen verloren gewesen wäre. Angesichts dieser ganzen Situation hört man denn auch hier in politisch denkenden Kreisen die besttmmte Ueberzeugung aussprechen, daß die erste Kammer sich wohl mit keinem der jetzt gefaßten AbLnderungsbeschlüsse einverstanden erklären, sondern sich einfach auf bett Standpunkt der Regierungsvorlage stellen dürfte. Und wenn dann diese vielleicht noch mit einigen Wünschen der Standesherren belastet an die zweite Kümmer zurückkehrt, so wird derselben kaum noch etwas anderes übrig bleiben, als ihr Ja und Amen dazu zu geben. Nur so wird dann wenigstens das Prinzip des direkten Wahlrechts für Hessen gerettet werden können! Me ich erst nachträglich erfahre, so schreibt unser Darmstädter Mitarbeiter noch in einer anderen Sache, hat sich der journalistische Beirat und Kammerberichterstatter des „Mainzer Journals", Abg. M o l t h a n, gemüßigt gesehen, in einer sehr langen Elaboration die Richtigkeit meiner Mitteilungen über die Verhandlun gen im Wahlrechtsausschuß in betreff der Wahlkreiseinteilung zu bemängeln. Ich gestatte mir dagegen, mitzuteilen, daß ich meine sämtlichen Nachrichten darüber von zwei Ausschußmitgliedern direkt erhalten habe und daß diese Herren gern bereit sind. Ihnen die Richtigkeit meiner Angaben im vollen Umfang zu bestätigen. Meine beiden Gewährsmänner haben allerdings nicht den Vorzug, der Zentrums Partei anzugehören, welche ja den Grundsatz von Wahrhett, $reüjeit und Recht bekanntlich nur vom Standpunkt ihrer besonderen Parteimoral aufzufassen pflegen. Handels litt trotz größerer Umsätze unter der Ungunst der Preise. Ter Detailhande l in Vapür und Säueibinetcrialien war befricd-jgcnd. Tic L c i u c n w c b c rot hatte flotten Geschäftsgang, doch konnten die Preise der Fabrikate mebt immer gleichen Schritt halten mit den Notierungen tnr Rohstoffe. Der Groschandel mit u ch n nd B u ck - k i n halte ein bcfiiedigentvs i o M e n r o b u f t i o n , die im Fahre 1901 rund 107 825 COO Tonnen, int Jahre 1902 107 438 000 Tonnen Akraaen hatte, hob sich int Berichtsjahre auf 116 664 000 T. Gleichzeitig erhöhte sich der inländische Verbrauch an Stein- kohlen von rund 98856 000 Tonnen im Jahre 1901 und 97 762 000 T. im Jahre 1902 auf 106 041000 T. im Jahre 1903 Ein ähnliches Bild zeigt die deutsche Erzeugung und der Jnlarvdkonsum an Roheisen. Auch deutsche Außenhandel hatte im Berichtsjahr eine ansehnliche Steigerung aufzuweisen. Als ein weiteres Zeichen der fortschreitenden Besserung linb die gestiegenen Einnahmen der deutschen Eisenbahnen anzusehen. Auf dem deutschen Arbeitsmartt war in jedem Monat des Berichtsjahres die Nachfrage nach offenen Stellen geringer als im Vorjahre; die Bcschäfttgung war besser und die Arbeitslosigkeit geringer als im vergangenen Jahre. Wenn hiernach von einer regeren Lättgkeit zu berichten war, fo muß doch auf der anderen Seite konstattert werden, daß die Geichästsergebnisse hiermit nicht gleichen Schritt halten konnten. ?ie daben in vielen Geschäftszweigen zugenommerr, und dre Nachfrage, wie auch die Beschäftigung waren besser als im Vorjahre, doch wurde vielfach noch mit sehr bescheidenem Nutzen gearbeitet. Der Wettbewerb war überaus scharf unb gestattete nicht immer eine befriedigende Preisbildung. Hierunter litt auch Ine Grüudungstätigkeit. Wie weit da- über die allgememe wirtschaftliche Lage AuS- gefübrte für un s er en Bezirk gilt, ist aus den Branchenberichten ersichtlich. Im großen und ganzen ist auch Tyier das Urteil zutreffend: regere Tätigkett und grö^re Umsätze bei scharfem Wettbewerb und mäßigem Nutzen. Nach den eingegangenen Berichten ergibt sich sür den Gang der einzelueu Geschäftszweige folgendes Bild: $er Getreidebau del unseres Bezirkes hatte im Jahre 1903 einen etwas ungünstigeren Geschäftsgang als im Ja^e vorher. Der Handel mit Futtermitteln litt nach wie vor unter der Konkurrenz der landwirtschaftlichen Genoffen- schaften. Im Düngemittelhandel machte sich eine geringere Befferung bemerkbar, dock wird durck die Bevorzugung der landwittschaftlichen Vereine von feiten mancher Verkaufs- Vereinigungen der berufsmäßige Handel geschädigt. Der V i e h- bandel gestaltete sich in dem ersten Teile des Jahres befriedigend, litt aber später untcT den hohen Einkaufspreisen und den polizeilichen Beschränkungen. Die Müllerei unseres Bezirkes llagt auch in diesem.Jahre wieder über die Konknrrenz der großen und günstig gelegenen Handelsmühlen und die dadurch hervorgerufene Ueberproduktton an Mühlenfabrikaten. Die M o l k c r e i hatte unter der Einftlbr ausländischer Butter und der Margarine zu leiden. Die Umsätze der Bierbrauereien wurden durchs den k'ihlen Sommer ungünstig beeinflußt. Auch wurde dieser Industriezweig durch die übermäßige Kredftgewähr- ung an die Wirte und deren stets weitergehenden Anforderungen an die Brauereien in seiner gesunden Envvicklung be- einträchttgt. Auf die Branntwein- und Likörfabri- kation übte auch im Jahre 1903 die Preispolitik der Zen- trale für Spiritusverwertung einen nachteiligen Einfluß aus, während gleichzeitig die langsame ZahlungÄveise mancbcr Ab- nehmer den Geschäftsgang. sehr erschwerte. Im Kolonialwaren handel traten keine größeren Veränderungen ein. Tie Rauchtabakfabrikation wurde durch den zunehnrendenl Konsum billiger Tabake bei andauerird hohen Preisen der Rohtabake und den wachsenden Geschäftsimkosten weniger nutzbringend. Die Kautabakfabrikation konnte wieder einen flotten Ge- chäftsgang erzielen. In der Zi g arr enindu srri e, die in unserem Bezirk von hervorragender Bedeutung ist. trat erst in ber freiten Hälfte des Berichtsjahres eine Besserung ein. Teilweise mußte sogar mit lieberstrmden gearbeitet werden, und manche Firmen konnten ihre Betriebe ausdehnen. Das Erträgnis der Fabriken litt aber unter der scharfen Konkurrenz und den tvachsenden Ansprüchen der Kundschaft. Die Vorliebe des Publikums für fahle Deckblätter hat noch nicht nachgelassen und verteuert die Prodlktion. Im Zigarrenhandel traten keine wesentlichen Veränderungen ein. Ter direkte Verkauf mancher^ Fabrikanten an die Konsumenten und der Wettber<>erb der Versandgeschäfte beeinflußte den GesMftsgang ungünstig. Die Eisen e r z fö rde r u n!g in tnr Provinz Oderlvssen war im Jalwe 1903 größer als im Vorjahre. Der Kohlenhandel hatte nur unbesrjedjgcnde Erträgnisse. Tie B a s a l t i n d u st r i e des növdl. Vogelsberges batte ebenfalls einen recht ungünstigen Gesck>äftsgang, hervorgerufen bcfaitberS durch die schlechten satzverhältmsse. .Bei den Lahn kal kwer ken machte sich eine geringe Besserung bemerkbar. Die Ze men t wa re n fa d r i « k a t i o n litt unter sehr scharfer Konkurrenz der foilivübrenb neu entstehenden Fabriken. Der Handel mit Baumaterialien in Gießen ivar nnbefriedigerld. In der W e r k z e u g m a s ch i n e n» fabrikatioir ist keine erhebliche Wfcnma zu verzeichnen. Im Holzhandel aelany es, ein annehmbares Verhältnis zwischen Einkaufs uirb BerlanfspreiO'n ui erzielen, doch wird für das lausende Iain eine Ber-schlechterung befürchtet. Un- güusttg Ivar der (tzeschästS,mng in der Zigarrenkiftchen- f a b r i k a t i o n. Auch Nx* Ergediviö des Papier-Groh- Zur Kinsührung dcs direkten Waytrechts. R. B. Darm stadt, 10. Juli. Die hessische Wahlrechtsvorlage ist angenommen; die Zweite Kammer hat sich bis zum Herbst vertagt. Es war gewiß für keinen der Beteiligten eine angenehme Sache, in drückender Sommerhitze sich mit einem Thema zu beschäftigen, daS ohnedies stark genug die Gemüter erhitzen mußte und so atmete denn wohl Jeder, wie von einem schweren Albdruck glücklich befreit auf, als am Freitag abend der Präsident der Kammer nach der Annahme von Einleitung und Ueberschrift das inhaltsschwere Wort verkündete: „Damit ist die Wahlrechtsvorlage erledigt. Da eine zweite Lesung nicht beantragt ist, hat nach den Bestimmungen unserer Geschäftsordnung auch keine Schlußabstimmung über das ganze Gesetz stattzu- finden." Das letztere ist richtig, denn der Art. 44 der land- ständischen Geschäftsordnung lautet: „Bei der ersten Beratung erfolgt die Abstimmung nur artikelweise, nicht über da§ Ganze". Aber angesichts eines so schwerwiegenden Gesetzes, das auch einen der wichtigsten VerfaffungSgrundsätze über den Haufen wirft, wird sich doch gewiß Manchem die Frage aufdrängen: Warum ist hier von keiner Seite deS Hauses eine zweite Beratung „beantragt" worden? Man hat sie doch bei den Verhandlungen der Vorlage vor zwei Jahren für notwendig gehalten und jetzt, nachdem verschiedene wichtige Veränderungen, u. a. auch die Stteichung der Wahlpflicht darin vorgenommen, nicht? Die Antwort hierauf haben wir eigentlich schon in einer unserer letzten Betrachtttngen gegeben: Weil Niemand in der Zweites Blatt. 154. Jahrgang Gießener Anzeiger In der Betten- unbWäschebranche Ivar her OnWt&hmit besser; dre Manufakturwarenbrancke buttr gröKfre llmid(v bock litt bie Rentabilität unter dem Miß- nerbältm«?- zwecken Chnfauk^ und ^<*rLudvS Bankgeschäft einen belebenthm Einfluß an-. Ter Reut sdankd-skoitt staird zu Beginn beS BerichtsiahreS auf 4 Prozent, wurde am jl. Svfbruar ans 8l - Prozent ermäßigt wirt' am 9 ^uni wieder auf 4 Pn'zent erhöht, welchen Stand er bis uim Schlüsse d-'s Berick4siahres beibedielt. Lähmend inrrren nach w-e vor auf N'-5 Bankgeid^'t die Bestimmungen des Börfenges-^es und des Böriensteuergeseyes. Tas B a n g e s ch ä f t in Gießen ivar im Berichtsjahrt befriedigend GOjdöriflr» Siislungsfck dks Kriegervereius ,.^uvwig zur Jrcue" in Dollar. (b.) Lollar. 10. Juli. Wohl selten ist in unserem Torfe ein so glänzendes Fest gefeiert worden. Ter Kriegerverein .Ludwig zur Ireue", einer der ältesten Hessens, inerte sein 60 jäbrigcs Stiftungsfest und 25 i ä br i fl e 5 H a ssi a -I n b i l ä v m. Die ge- iamre Einwobnerfckaft nahm an dem Feste teil und gab dieser Seftteilnabmt durch reiches Sckfmücktn der Häuser Ausdruck. An ben Haurtomgängen des Torfes waren Ebrenpiorten errichtet. Tas Fest wurde gestern abend durch einen KommerS auf dem Festplav eröffnet. Heute fand von V,1 bis 2 Uhr Empfang der Sereine statt bie aus b-r d-'fischen und vrtußisclren llmgegend zadlre-ck creb-enen. Nm 2»? Ubr bewegte sich vom alten Bahnhof aus -in stattlicher Festzug burth die Hauptstraße des Torfes nach dem geräumigen Festplatze. Ter Sug wurde durch die Fcst> reifer, den Radfadrerverein und die Feuenvehr eröffnet, ihnen folgten die Schultugend, die Htstdarnrn. dann per Dagen der Vertreter der Regierung. RcgierungSrat Tr. Dagner und der Träfibnrt des strieaerverdandes Hassia, Cbrrfaniht/nt Eramolinn Darmstadt, der Evren vorsitzende des Bezirks (Ziesten, Sekretär Meier, der Ehrenvorsitzende des hiesigen KriegervereinS Bau mann-Köln. der Tire hm. Srrmecke vom Hüttenwerk und die Ebrenmitalieder: hieran schlossen fick die 29 teilnehmenden Ber- *re. Auf dem Festplatze begrüßte der Vorsitzende deS Verein-. Lehrer Ta ab, die Festte lnehmer. besonders auch bie Vertreter der Regierung und der Hassia. Begriffen stimmten die Kameraden in das Hurrah auf den obersten Kriegsherrn, den Kasf'r. ein. worauf .Leil Dir im Si gtrkranz" gelungen wurde RcgierungSrat Tr. Dagner betonte, daß er wohl schon oiel.n .^ricss?riestrn. aber noch nie einem von solcher Bedeutung wie daS Heurige beigenrobnt Habe Am 9. Juni 1844, dem C&e durtstag bei Grvßhersogs Ludwig ITT., sei >?r Verein von 15 Veteranen in alter Hessen treue gegründet und mit dem dedtutungsvollen Römer .Ludwig zur -treue" belegt worden. Tie alten Veteranen führten eine Stammrolle und der letzte ['m ihnen mußte Dien- Stammrolle dem ^oßderzoq über gehen. Ter letzte der Getreuen ist gestorben, und die fetzige ukneration Ha: ba* entfaltet, was jene geschaffen Haben: daS verleih! dem Feste eine besondere Deihe. In Anbetracht dieser Treue hat S. M. der Kaiser eine Fabnenschleife in den Rricks- sarben geschenkt. Eine zweite Sclüeife hat S. Kgl. H der Großherzig gestinrt mit der Widmung „Emst Ludwig Großberieg von Hessen dem Ariegerverein Ludwia zur Treue* in Lollar'* Cberftieutnan: Cramolini spricht feine Freude über die Auszeichnung durch Kaiser und Großherzog aus und übergibt Derr. Verein das Hassia-Tivlom für 25 jährige treue Zugehörigkeit zum HaEiaverbairb. 5tiulein Lina SeiPv überreicht in poetischen öorten eine Fahnew'cklrife, gestiftet von den Frauen und Jungfrauen Lollars Lehrer Daab hielt hierauf die Festrede, anschließend an die Sorte: ,.Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, /rwirb es. um eS zu besitzen". Interessant ist die Geschickte der jetzt 162 Jahre alten VereinS^ahne. Diese zeigt auf blauweistrotem Grunde einen Löwen und die Jahreszahl 1742. Sie stammt van der Bürgergarde, die sich in jener Zeit zum Sckutze gegen Räuberbanden hier gebildet hatte. 1814 wurde sie auf einem Speicher im iRistbaus „Einhorn" anfgefunben und kam 1845 bei der Beerdigung des Veteranen Aham Schmidt in den Besitz bei Kriegervereins. Es sprachen darauf Ehrenpräsident Baumann - Köln und der ' Lehrer Daab macht hierauf die Mitteilung, baß an den Großherzoa und den Kaiser Danktelegramme für bie Auszeichnungen abgesandt worden seien, waS sehr beifällig begrüßt wurde. Ein weiteres ErgebenheitStelcgramm wurde noch an den Großherzog gesandt. Später trug die erste Schulklasse ein schön 4 Festlied unter Leitung deS Herrn Daab vor, woran sich die Dekorierung von 18 Be r ein s v e t er a n e n schloß, die 25 Jahre dem Verein angehören. Abends nahm das Fest bei Konzert, Volksbelustigung und Tanz einen schönen Verlauf. Aus Stadt und Land. Gießen, den 11. Juli 1904. ** Personalien. Ernannt wurde der Gefangenwarter an der Zellenstra'anstatt Butzbach Wilhelm Stephan Ehinger zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt mit Wirkung vom 21. Juli. — Dem Weichensteller in der Heff.- Preuß. Eifenbahnqemeinfchast Beter Berg er zu Mainz wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift .Für treue Dienste * oer- liehen. — Der Lokomotivführer in der Heff.-Preuß. Eisen- bahngemeinfchaft Philipp Leiser zu Darmstadt wurde auf fein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste in den Ruhestand verseht. - Empfänge. S. st. h. der Großherzog empfingen am 9. Juli u. a. den Oberlehrer N ungesser von Alsfeld und den Forstmeister Köhler von Gießen. — Ausflug der 1851er und 1 8 5 2er. Gestern nachmittag unternahmen die Altersgenossen von 1852 mit Familienangehörigen einen Ausflug nach dem Windhof, wo der große Saal vollständig besetzt war. Stadto. Huhn begrüßte die Anwesenden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß alh Altersgenossen auf diese Weise noch oft gesund und froh benommen sein möchten. Der Maschinenbauergesangverein triK; etliche mit Beifall aufgenommene Lieder vor. Zur frohen St rnmung trugen auch die Mufikvorträge der Bauer'schen ''-ovelle bei. — Die 18 5 1er hatten im Hardtwäldchcn bei 'm v./' SPctc:frqunn em Waldfest arrangiert, bei dem es uroem ''l'ch herginq. Die Teilnehmer zogen von dort sogar mit Musikbegleitung nach Hautz. •* Gießener Radfahrerverein 1885. DaS gJiria/ T zurr ckest ft ,85er" verlief in schönster Weise, stürz nach 3 Uhr fuhren die Mitglieder des Vereins und 0>n u m rmer tattttchen Anzahl von Sommerwagen, begleitet txm den aftiöen Fahrern deS Vereins, unter den lustigen Klängen der Musik vom Vereinslokal (Steins Garten) ab. Die vom Wetter überaus begünstigte Fahrt führte über Lich nach dem Kloster Arnsburg. Ein Tänzchen, sowie die verschiedensten UnterhattungSspiele hielten die Teilnehmer bis zu dem gegen 8 Ubr erfolgten Aufbruch zusammen. Auf der Rückfahrt wurde noch eine kleinere Rast auf dem Forsthaus .Hochwarf gemacht, und dann ging eS mit den inzwischen durch SampionS herrlich geschmückten Wagen der Heimat 311. Eine gemütliche Zusammenkunft im Eafö Llmend bildete ben Schluß. *♦ Fahrraddi 01>sta bl? Einem auswärtigen Mitglied des Maschinenbauergesangvereins wurde abendo, während der (^esawgsübungen des Vereins, vom Hose deS 011^1 ofals sein F-ahrrad tpeggenommen. Trotz eifrigen Suchens fotnitc man das Vehikel noch nicht habhaft tver* den. Man vermutet Diebstahl ober einen schlechten Scherz. " Eisenbahnfreifahrt für Arbeiter. Zwischen Verwaltungen der Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen, der Badischen, Württembergischen und Sächsischen Staatseisen- bahnen und der Pfälzischen Eisenbahnen, sowie den Eisen« babnbirettionen in Mainz und Et. Johann-Saarbrücken ist bezüglich der Bewilligung freier Fahrt an Arbeiter ein neues Uebereinfommcn geschloffen worden, wonach diese Verwaltungen gegenseitig zu Reisen, wie Heimfahrt anläßlich beS TodeS oder schwerer Erkrankung von nächsten Angehörigen der 2lr- beitcr, zur Begleitung erkrankter Angehöriger oder zur Unterbringung eines KmdeS in eine Beschäftigung, zu ErholnngS- und Badereisen auf Gnmd ärztlicher Anordnung, für Reisen zur Regelung dringender Familienangelegenheiten und für Reisen zur Teilnahme an häuslichen Festlichkeiten bei den nächsten Angehörigen ^Großeltern, Ettern, Kinder und Ge- chwister) Freifahrt erhalten können. Im allgemeinen soll nur solchen Bediensteten fteie Fahrt gewährt werden, die eine dreijährige Eisenbahndienstzeit zurückgelegt haben. Beim Tode der Eltern und Geschwister kann freie Fahrt indes schon nach einjähriger Dienstzeit bewilligt werden. AuSgeschloffen von der Gewährung freier Fahrt sind Bahnagenten, Angehörige von Arbeitern und nichtständige Arbeiter. 2luch Arbeiterinnen kommen für die Gewährung freier Fahrt in Betracht. S. Rieder-Florstadt, 10. Juli. Bei der gestern hier stattgehabden B ü r g e r m e i st e r w a h l wurde der atberige Bürgermeister Alles mit 209 Stimmen wieder gewählt. Der O^egntfanbibat, ben bie Arbeiterpartei auf- bellte, bat es nur auf 147 Stimmen gebrackt. Dieburg, 8. Juli. In ber verflogenen Nacht wurden auf nicht weniger als drei versckiedenen Eisenbahnstationen in der näheren Umgegend Einbruchsdiebstähle unternommen. In Groß-Zimmern drangen die Spitzbuben von der Seite her durch ein Fenster ein, nachdem sie vorher den davor befindlichen Laden auSgeboben und die Scheiben herauSgenommen hatten. Im Bureau erbrachen sie die Schatterkaffe und entnahmen ihr baS dort befindliche, zum Auswechseln zurückgelaffene Kleingeld im Betrage von 10 Mk. Eine bedeutend größere Summe hatte der diensttuende Beamte abends spät mit nach Hause genommen. Weniger Erfolg hatten die Gauner im benachbarten Gundernhausen und Roßdorf. In der erstgenannten Station wurden sie durch daS wachsame Hündchen beS Stationsbeamten entdeckt und verscheucht, ohne etwas auSrichten zu können. Don ben Spitzbuben fehlt bis jetzt jegliche Spur. Dermifcbtes» ' Han nover, 9. Juli. Ein Revolver-Attentat verübte gestern ber Arbeiter Buchhagen. Er hatte sich wegen Beleibigunq vor Gericht zu verantworten unb war zu brci Tagen Gefängnis verurteilt worben. Nach dem Urteilsspruch überfiel er bie von ihm beleibigtc Frau unb feuerte auf biefelbe mehrere Reoolverschüffe ab, ohne zu treffen. Die Polizei verhaftete Buchhagen m seiner Wohnung, wo er sich oerbarrifabiert hatte. Im Gefängnis hat er sich heute Nacht erhängt. * Rouen, 9. Juli. Tie großen Warenlager am hiesigen Duai wurden in der letzten Nacht durch eine große Feuers- brunft zerstört. Ter Feuerwehr gelang eß erst nach großen Anstrengungen, baS Feuer auf seinen Herb zu beschränken. Man nimmt an, baß auch mehrere O,uai-Ardeiter, welche in ben Lagern zu übernächtigen pflegten, um gekommen sinb. 'Meran, 9. Juli. Hier würbe nachts bie auf ber Wandelbahn postierte Marmorbüste des Herzogs Karl Theodor von Bayern vom Sockel loSgerissen und in den Passer-Fluß hinab geworfen, wo sie in Stücke zerbrach. Von ben Tätern fehlt jebe Spur. 'Vom Dampfer ,910rge*. Einem Mitarbeiter der Stett. Adenbpost gab ein Lssizier beS in Sivinemünbe eingelaufenen PetroleumbampserS „Energie", ber mit einem Teil der Geretteten beS untergegangenen DauipferS „Norge" eintraf, eine ausführliche Schilderung deS Nettungtzwerkes. Die „Energiebefand sich am 3. Juli nachmittags 6 Uhr 13 Meilen nördlich von St. Kilbe. Wir sichteten, so heißt eS in beni Bericht, von hier auS ungefähr fünf Meilen entfernt von Schiffsbord ein Boot unter Segeln mit darüber gehißter Flagge. Da bas Schiff nicht ben Eindruck eines Schiffer- booteS machte, hielten wir darauf zu. Es war ein Rettungsboot mit Schiffbrüchigen des am 28. Juni untergegangenen „Norge". Im Boote befand sich ber Kapitän Gunbei, der 4. Maschinist deö Dampfers, sieden Mannschaften ber Besatzung unb 61 Passagiere, darunter 26 Kinder im Alter von l/t bis 9 Jahren. Da zur Zeit ber Katastrophe die meisten Paffagiere noch schliefen und daS Schiff sehr schnell sank, hatten fast alle nur daS nackte Leben gerettet. Traurig war der Anblick, den wir beim Anblick deS Bootes empfingen. Dicht aneinander gedrängt und nur mit den allernot wendig st enKleidungS stücken versehen, saßen und lagen auf unb unter den Bänken Männer und Frauen, rwischen ihren Füßen die vielen kleinen Kinder. Am Ruder war Kapitän Gundel, barfuß und barhäuptig in Hemdsärmeln. So hatten bie Aermsten 5Tag im Boote nuSgeljalten. Nur wenige waren im Stande, mit Hilfe der Leiter an Bord zu gelangen, fast alle mußten herauf getragen werden. Alle waren krank und ihre O)liedmaßen 'tark geschwollen. Ein achtjähriger Knabe war am Tage or der Rettung den Strapazen erlegen und muhte ins -01 e e r versenkt werden. Hkkichtssaak. Berlin, 9. Juli. DaS Ehepaar Vrofessor Meper bat erklärt, aus die Revision negcn bas gegen sie erkannte Urteil mi verzichten unb die Strafe antreten zu wollen. Dresden, 10. Juli. Am Freitag begann vor dem Land' gericht ein Sensationöprozeß gegen die bekannte P botog ra- vhenfirma I. Hoeffert. Auf der Anklagebank erschienen der Photograph und Leutnant d L L. Hoeffert und dessen Mutter, die Hosplwtograpbenwitwe Mila Hoeffert, uni sick wegen B e - t r u S zu verantworten. Sie tverden beschuldigt, unter Verschweigung ihrer scl>techten PermügenSlage in 15 Fällen Dar' leben in Höhe von 2.30 000 Mark erschwindelt zu haben. Ter Ehemann der Mila Hoeffert hat ein luxuriöses Leben geführt und 800000 Mark Schulden hinterlassen. Vor etwa 17 Jahren hat er ein fi'mfzehniährigeS Mädchen an der Riviera kennen gelernt und heiratete es, trotzdem seine Ehe noch nickt geschieden war. Hoeffert ersckwß sick bann. Die Angeklagten Ixiben trotz der Schuld.n die Grbfrbaft angetreten Sie mußten in den letzten Jahren jährlich 116 000 Mark an die Wucherzinsen und Damnum zahlen, wodurch die Sclmldenlast um weitere 400 000 Mark gesttcgen ist. Frau Hoeffert wurde zu drei Jahren, Ludwig Hoeffert zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt Michelstadt, 10. Juli. Okgcn das Gemeinderats- Mitglied Heinrich Walther III. zu Vürzbera, das dem früheren B ü r a e r m c i ft e r Georg Devrauch IL, während dieser noch im Amte war, allerhand llebtcd nachgesagt hatte, war von d r ?tiets7nw'ltschast zu Darmstadt auf Antrag deS KreiS- rtmt5 (frbad) Ank age wegen Beleidigung erh)ben werden. Walther wurde, obwohl der Amtsanwalt eine Gefängn sftrafc von einem Monat beantragt hatte, nur zu 40 Mk. Geldstrafe verurteilt. da er, wenn auch nickt für alle Beschuldigungen, so dock für die Mehrzahl d'N Wahrhe tsb'weis erbr chte In besonders eklatanter Werse gelang d^m Angellagten dies bezüglich seiner Be- Häuptling. Weyrauck habe bei der letzten Reichstaaswal)l bie Wahl 'nicht nach Vorschrift geleitet, sondern sie sogar gefälscht. Rach der eidlichen Aussage W Volizeidieners Löw zu Würzberg hat nämlick her Bürgermeister in seiner Eigenschaft als Wahl' Vorsteher, nachdem ein gewisser Heinrich TrnmnfHeller II. gewählt unb das Weinlokal verlassen Hatte, den als Wahlurne dienenden »lasten geöffnet, das WaHlkouvert mit dem Stimme zettel deS Trumvsheller HerauSgenommen, und als er gesehen, daß der Z'ttel ben Namen des sozialdemokratischen Kandi baten Ran trug, diesen WahNettel mit einem auf den Namen des nationalliberalen Kandidaten Haas lautenden vertauscht. DaS WaHlkouvert mit dem Wohlzettel HaaS hat dann der Bürgcr- meifler wieder in die Urne gelegt, während der auf den Namen Rau lautende Zettel auf Geheiß fred Bürgermeisters verbrannt wurde! Aniversttäts-^achrichten. Innsbruck, 9. Juli. Der bisherige Rektor der Universität, Brof. D e m eli u S , wurde heute einstimmig w jede r gewählt. ES ist dies ganz ungewöhnlich und durch die gegenwärtigen UniversitatSrerb-lttnsse bedingt, damit die Jta- lienerirage einheitlich und im bisherigen Sinne der Lösung zugefübrt werde. Jtunfl und ■25ilTenf(flaft. Berlin, 9. Juli Ein Komitee, bestehend ans ersten deutschen Gel, hrten und anderen bekannten Persönlichkeiten, versendet einen Aufruf zur Errichtung eines Denkmalsfür Professor Mommsen. Spielplan des Aroßß. Lurtgeaters Aad-Kauheim (Tirehion Steingoetter). Nanhetm: Montag ben 11. Juli: .Der Bettelfttident * Mittwoch den 18. Juli: ,Tie Tlär vom töpferen Sckneider- lein/ Freitag ben 15. Zuli: .Die Fledei-rnauS.^ EamStag den 16. Juli: ,fiifelort/ Marburg: Donnerstag ben 14. Juli: »Die Fledermaus" Sport. Kiel, 9. Juli. Der Besitzer der „Susanne", die den G 0 l d- Pokal des Königs von England gewann, hat zu Gunsten der Jacht der Kaiserin auf den Preis verzichtet. Hisenöahn-Zeitung. Eisenbahnminister v. Budde richtete ber „Halleschen Ztg" zufolge an sämtliche Eifenbahndirektionen einen Erlaß gegen die Beteiligung von Bahnbeamten an Konsumvereinen unter Empfehlung der Benutzung der Rabattspa r tf c r e i n e. Handel und Derkehr. Volkswittschast Verliuer Börse vom 9. Juli 1904. (Mitgeteilt von der Bank für Handel unb Jnbustrie, Gießen.) Prival-DiSkont 8l/4 Prozent. Anfangs- u. Cchlußkurfe. Ceft. Kredit . . . . 201.40 Deutfche Bank • . 219.25 Darmstadter Bank . . 137.60 Bochumer Guß . . . 187.80 Harpener Bergbau . . 198.00 Tendenz: Ruhig. 201.10 219.62 137.50 187.37 198.01 Märkte fc. Frankfurt a. M., 11. Juli. Mrig.-Telegr. bei „Gießen, ^lnz.") Amtliche Notierungen der heutigen Jruchtmarktpreif e: Weizen Mk. 17.25—00.00, Kurhefsischer Mk. 17.25—00.00, La Plata Mk. 17.00—17.25, KanfaS Mk. 17.75—18.50, Roggen (hiefiger) Mark 13.00—18.25, Gerste (Wetteraueri Mk. 15.00—15.50, Franken- felderMk. 15,75—00,00, Hafer12.25—14.00, Mais Mk. 11 50—12.00, Weizenmehl 0 Alk. 26.00—26.50, 2. Qualität Mk. 24.00 bis Dtk. 24.50, 3. Qualität Alk. 22.00-22.50, Roggenmehl 0 Mk. 22.00-22.50, 1. Qualität Mk. 19.50—20.00, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Mk. 9.26, Roggenkleie Mk. 9.50—10.00, Maiskeime Mk. 10.50 bi? Mk. 10.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—000.0. Alles per 100 Kg. ab hier. fr. Frankfurt n. M., 11. Juli. (Telcgr. Qrig.-Bericht des »Gieß. Anz/). Amtliche Notierrmgen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 575 Ochsen, 220 nu8 Oestreich, 61 Bullen, 2 aus Oestreich, 656 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 auS Oestreich, 243 Kälber, 158 Schafe und Hämmel, 1555 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Sckaflänuner. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 71—73 Mk., 2. Qual. 66-68 Mk., 3. Qual. 60-63Mk.: Bullen l.Qual. 63 bis 65 Mk., 2. Qual. 60-62 Mk.: Kühe 1. Qual. 70—72 Mk., 2. Qual. 65—67 Mk., 3. Qual. 60—62 Mk, 4. Qual. 47—49 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: l.Qual. 84—87 Pfg., Lebendgelvicht 50—52 Ps., 2. Qual. 75—80 Pfq., Lebendgewicht 45—48 Pfg., 3. Qual' 00—00 Pfq., Schlachtgeivicht 60—63 Pfg., Schafe: 1. Qual. 70—72 2. Qual. 62—64 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual, 59-00 Pfg., Lebendgew. 46 Pfg., 2. Qual. 58—00 Pfg., Lebendgewicht 45—00 Pfg., 3. Dual. 52—54 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand bedeutend- bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. zum WdMn der Mnnwihhelt bi Pfeiffer & Biller’8 Kaffee - Ehhcdz ha IlendoL »Seit 20 Jahren