yrr. 265 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag LV. November 1904 Erscheint täglich mit Ausnahme de- Sonntags. Die „Gießener KamllienblStter- werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Notationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfttätsdruckerei. 8L Lange, Gießen. Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.?. Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen, General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen. Nolitische Tagesschau. Graf Ballestrem's Telegramm. -i- Berlin, 9. November. Der Reichstagspräsident Graf Ballcstrem wird in der bevorstehenden Parlamentstagung mit den Volksvertretern in eigener Sache sich auseinanderzusetzen haben. Cs besteht bekanntlich bei den Parteien der Linken des Hauses die Absicht, das Telegramm zur Spräche zu bringen, da§ Gras Ballestrem namens des Reichstages dein Kaiser sandte anläßlich der Verlobung des Kronprinzen. Man findet, daß die Worte dieses Glückwunsches allzusehr unter den: Gesichtspunkte der Devotion gewählt sind. Es ist eine heikle Angelegenheit, zu der sich zu äußern Gras Ballestrem freilich nicht ablehnen kann und auch lvohl nicht ablchnen wird. Möglicherweise aber einigt man sich, unter Vermeidung der Diskussion im Plenum, auf eine Aussprache im Seniorenkonvent, von deren Ergebnis die Fraktionen dann in Kenntnis gesetzt werden. Dec Vorwurf, das militärisch- aristokratische Verhältnis dem bürgerlich-parlamentarischen voranzustellen, ist gegen den Grafen Ballestrem bereits früher erhoben worden, weil er beim Elnpsang des Reichstagspräsidiums durch den Kaiser uicht im Frack, sondern in der Majorsuniform der schlesischen Leibkürajsiere erschienen war. * Die Wiederwahl Roosevelts ist mit überwältigender Majorität erfolgt und glänzender sein Erfolg als der Mac Kinleys war. Tas Stimnven- verhültnis beträgt 325 für Roosevelt gegen 151 für Parker. Tie Wahl erfolgte mit einer Mehrheit von einer Million Stimmen. In Newyork selbst blieb das Resultat hinter den Erwartungen etwas zurück. Man hatte auf eine Mehrheit von über 100 000 Stimmen gerechnet, sie betrug jedoch nur etwa 40 000 Stimmen. In allen anderen Staaten war jedoch die Mehrheit für Roosevelt bedeutend großer. Tic meisten Deutsch-Amerikaner stimmten, trotz Schurz, für Roosevelt. Die republikamsche Mehrheit im Repräsentantenhause berechnet man auf 75 Stimmen. Die Aufregung im Publikum in den großen Städten war bei weitem nrcht jo groß wie in d-en früheren Jahren!- Für Parker stimmten nur die Südstaaten. Die soz-ialisti- schen Stimmen weisen eine starke Zunahme auf. Tie Sozialdemokraten erhielten in der Stadt Newyork 25 000, im Staate Newyork 50 000, in Chicago 40 000 und in Milwaukee 17 000 Stimmen. Viele Anhänger von Bryan haben diesmal für Roosevelt gestimmt. Die Demokratie in ihrer bisherigen Parteiorganisation gilt als völlig vernichtet. Wrlliam Hearst, der Populisten-Kandidat Thomas Watson und Bryan gaben die Erklärung ab, sie würden auf den Trümmern der Demokratie eine radikale deutschfeindliche Partei bilden. Tie Frauen in den westlichen Staaten stimmten geschlossen für Roosevelt, wegen seiner Haltung in der Mormonenfrage. Präsident Roosevelt erhielt anläßlich seiner Wiederwahl vom deutschen Kaiser folgendes Telegramm: „Meine' aufrigtigsten Glückwünsche. Möge der Himmel Ihnen Segen verleihen. Quod. bonum ielix faustuinque sit populo americano.“ \ .... Roosevelt erklärte, nicht wieder kandrdreren zu wollen. . c ‘ . Tie republikanische Partei ist jetzt auf nnndestens drer Jahre im Besitze aller Regierungszweige. Dieser selbst die Republikaner überrajchenoe Erfolg ist zum teil auf die pittoreske Persönlichkeit des Präsidenten zur ückzu führen, zum teil auf die entschiedene Abneigung der Bevölkerung, jetzt im Zeitalter der Prosperität Experimente zu machen, was im Fall der Wahl Parkers ja unbedingt geschehen wäre, da die demokratische Partei in fast jeder Frage gespalten ist, mithin die Politik des Landes unter Parker Die Signatur der Unsicherheit und Unbeständigkeit erhalten hätte. Das Wahlresultat zeigt, daß die Bevölkerung gleichgiltig gegen die Warnungen der Antiimperialisten ist, urw es lviro zweifellos von ocii Jingos «als. eine Unterstützung ihres Strebens aufgefaßt werden. Wad) eingegangenen Berichten zeigt es sich, daß, abgesehen von Ruhestörungen bei den Wahlen in Colorado urw Kentucki drei Personen, in aiideren Staaten sieben Personen getötet wurden. Um den Sieg des Präsidenten Roosevelt zu feiern, zogen in Newyork und anderen großen Städten große Mengen Volks durch die Straßen und bliesen auf Hörnern. Angesichts der bengalischen Beleuchtung, in der das Land der Sterne und Streifen beim Wahlseuerwerk sich präsentiert, erscheint ein Hinweis daraus angezergt, oaß der Neu-Amerikanismus, dessen Eigentümlichkeiten besonders Roosevelt verkörpert, in keinem Lande der alten Welt so wenig Gegenstand der Bewunderung ist, als in dem, das dieselbe SlaatSverfafiung hat, wie die nordamerttamjche Union, nämlich in der französischen Republik Tatsache ist and), daß unter den in die Vereinigten Staaten Einwandernden verhältnismäßig wenig Franzosen fick) befinden, wie denn aud) ein französisches Schutzkomitee für Emigranten dort nicht existiert. Man muß unter „Republik" ui Europa also wohl etwas anderes verstehen als in Amerika, oder aber die Begriffe von „Freiheit und Gleichheit" sind bei den Rupublitanern der alten und der neuen Welt verschieden. Es wäre kein Fehler, wenn die Deutschen dem Ne u-Amer ikan ispi u s gegenüber, der ja durd) Roosevelts Wiederwahl auf weitere vier Jahre in Permanenz erklärt ist, derselben Zurückhaltung fiel) befleißigten, wie die Franzosen. Als Glieder eines monarchischen Staatswesens sollten sie es umsomehr, tun. * Drei Enten. In den gestrigen Berliner Abendblättern flattern drei Enten aus. Eine Meldung, aus Petersburg, wiederholt die chon früher dementierte Behauptung von einer Zusammenkunft Mischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren in SkierneVice, die angeblich in den nächsten Tagen stattfinden und von großer politischer Bedeutung sein soll. Ter Zar hat dem Hofminister Baron Fredericks und dem Direktor der Kanzlei des Hosministeriums General Mosselow gesagt: „Ich wünsche, daß der Empfang Kaiser Wilhelms einen außerordentlichen und allerherzlichsten Charakter trügt und in dieser Richtung außergewöhnliche Vorbereitungen getroffen werden." Wie ferner mitgeteilt wird, seien außer einer Truppenschau und Jagd keinerlei außergewöhnliche Festlichkeiten geplant, wohl aber spreche man von mancherlei politischen Kombinationen, deren Richtigkeit schwer zu prüfen ist. — Tie zweite Meldung bezeichnet zur Abwechslung wieder einmal den Rücktritt des Obersten Lcutwein von dem Gouverneurposten in Südwestafrika als nahe bevorstehend, auf Grund eines Gerüchts in kolonialen Kreisen. Auch diese Demission spukte schon vor Wochen, und es wurde damals, wie heute der Nach- folger Leutweins genannt. — .Endlich glaubt eine dritte Meldung versichern zu können, in der kommenden Militärvorlage werde die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit noch nicht erfolgen. Diese Neuigkeit erreicht entschieden den Höhepunkt der Information. Es ist nur zu verwundern, daß etliche Berliner Abendblätter ohne ein Wort des Zweifels eine so kühne Mitteilung wiedergeben. Selbstverstandlid) bringt die Militärvorlage die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienst- zeit. Rechtspflege. In scharfer Weise kritisierte der bekannte Strafrechtslehrer Professor Tr. v. Liszt in einem Vortrage, den er in Berlin hielt, unsere Strafrechtspflege, und zwar sowohl in bezug auf die Gesetzgebung als auch die Ausführung und den Vollzug. Er kommt besonders zu der Notwendigkeit der Umbildung der Strafkamme rn, zu einem erweiterten Schöffengericht. Wenn sich nur auch einmal für unsere Z i v i l p r o z e s s e ein Liszt finden würde, um den Mängeln abzuhelfen. Bekannt ift es, wie außerordentlich die Verschleppungen find, die durch zesses ist kaum abzufehen. So ziehen sich Prozesse oft Jahre lang hin und wenn schließlich der Prozeß gewonnen i)t, so stellt Richtermangel entstehen. Tas Ende des einfachsten Pro- sich häufig heraus, daß der Schuldner, der bei Einreichung der Klage noch zahlungsfähig war, inzwischen unpfändbar geworden ist, sodaß der Kläger nachdem er unter großen Aufregungen endlich sein Recht erstritten hat, trotzdem nicht nur leer ausgeht, sondern auch noch die Kosten tragen muß. Sollte da nicht analog den Schöffengerichten für Strafsachen sich auch ein solches für Zivil Prozesse bilden lassen? Sollte nicht wenigstens eine Art Schiedsgericht aus kaufmännischen und ind u stri ell en K r e is en unter Vorsitz eines Richters sich ins Leben rufen lassen, welches manche Angelegenheit erledigen oder zum Vergleich bringen könnte? Auf diese Weise feinte man vielleicht zu einer schnellen und billigeren Entscheidung und zu einer Entlastung des mit Arbeit überhäuften Richterstands. Deutsches Reich. Berlin, 9. Nov. Heute vormittag fand die Vereidigung der Rekruten der Garnison Potsdam statt. Derselben wohnten als Zusck)auer die zur Ausbildung bei der Garde-Maschincngewehravteilung kommandierten, nad) SüdwSstasrika' bestimmten Mannschaften bei. Die Fahnen der Garnison wurden von der Leibkompagnie des 1. Garderegiments, wobei Prinz Eitel Friedrich eingetreten war, nad) oem Exerzierschuppen gebracht. Der Vereidigung wohnten bei der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz und die in Potsdam anwesenden Prinzen unö Prinzessinnen. Garnisonprediger Keßler und der kath. Divisionspsarrer Dr. Middendorf hielten Ansprachen. Nach der Vereidigung hielt der Kaiser eine Rede, worauf der Kommandant von Potsdam, Generalleutnant Frhr. v. Lyncker ein Kaiserhoch ausbrachte. Die Fahnenkompagnie machte nad) Schluß der Feierlichkeit einen Vorbeimarsch vor dem Exerzier Hause. Im Regimentshause des 1. Garderegiments nahm der Kaiser sodann militärische Meldungen entgegen, darunter diejenige des Generals der Kavallerie a. D. v. Mbedyll, welchem die Uniform des Kürassierregiments der Königin verliehen wurde. Die Frühstückstafel fand um 1 Uhr im 'Neuen Palais statt. Zu derselben war anläßlich des Geburtstages des Königs von England der englisck)e Botschafter Sir Frank LaScelles geladen. — Die K a n a t k o m m i s s i o n beriet heute gemäß dem Anträge Am Zehnhofs über die Schi ff a y r t s ab g ab en auf natürlichen Wasserstraßen. Nack) dein Wunsche des Ministers v. Budde waren die Verhandlungen sttekg vertraulich. Sie dauerten den ganzen Vormittag über und wurden auck) am Nachmittag fortgesetzt. Aus Stadt und Kund. Gießen, 10. November 1904. ** Französische Vorträge. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, wird Lektor Goetjchy die für dieses Semester angekündigten fünf Vorträge schon am 16. d. Mts. beginnen. Die Stücke der französischen Dramatiker, die er besprechen loivb, sind nicht rein litterarischen Inhalts, sondern beziehen sich vielmehr aus gewisse sittliche und gesellschaftliche Znstände unserer Zeit. Sie behandeln Fragen, wie z. B. die der Erziehung, der Ehe, des Gründertums, des Kosmo- politismus, ivelche vielleicht heute mehr als je an der Tagesordnung sind. Wir dürfen daher diesen „Conferences" mit Interesse entgegcnsehen. ** 0cffentlief)c Lesehalle. Im Oktober wurden 2386 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 1082, Zeitschriften 516, Jugendschristen 263, Verdichtungen 80, Litteraturgeschichte 29, Länder- und Völkerkunde 57, Kulturgeschichte 27, Geschichte und Biographien 91, Kunstgeschichte 17, Naturwissenschaft und Technologie 123, Seewesen 19, Haus- und Landwirtschaft 13, GesundheitSlehre 10, Religion und Philosophie 30, Staats* Wissenschaft 11, Sprachwissenschaft 8, Fremdsprachliches 6 Bände. Nach auswärts kamen 77 Bände. ** Hessische H a n d w e rkskamme r. Von der Regierulig war, so berichtet mau uns, der Handwerkskammer der Entwurf von Bestlmmungeu über die Bekamps ung derBleigefahr im Anstreichergewerbe zur Aeußerung zugegangeu. Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer sind von der Kammer hierzu gehört 'worden. Es wurde dabei sestgestellt, oaß in Handwerksbetrieben z. Z. Bleiweiß oder bleihaltige Farbstoffe in trocknem Zustande fast nicht mehr zur Verwendung kommen, da das Material in gebrauchsfertigem Zustande von den Fabriken geliefert wird. Zn' den einzelnen Paragraphen wurden Abänderungsvorschläge gemacht, so insbesondere auch dazu, daß der Entwurf nicht nur für Neubauten pnd Wersten, sondern auch für Werkstätten besondere Räume für'Waschen und Ankleiden nebst besonderen Einrichtungen vorsieht. Für Werkstätten des Handwerks gehen aber diese Anforderungen zu weit, da diese Räume oft gar nicht gestellt werden können. Ebenso wurde die Stellung von Bürsten und Handbücher als zuweitgehend bezeichnet, oagegen sollen, Waschgelegenheiten nebst Wasser und Seife zur Verfügung' gestellt werden. Der Entwurf zu den Abänderungs- vorschlägen zu den einzelnen Paragraphen fand alsdann seitens Arbeitgeber und Arbeitnehmer Zustimmung, wobei noch ausgeführt wurde, daß allzu großer Wert den vorgesehenen Bestimmungen nicht beigemessen werden könne, da in Handwerksbetrieben die Gefahr der Bleierkrankungen nur eine geringe sei. Frankfurt a. M., 9. Nov. Im Palmengarten konzentriert sich das Interesse der Besucher jetzt wieder auf die Ausstellungen in den Glashäusern. In der Vorhalle dieses aus fünf Häusern und zwei verbindenden Hallen bestehenden Komplexes finden wir zur Zeit ein Sortiment Chrysanthemum aufgestellt, das in der guten Ausbildung der Blumen volle Beachtung verdient. Die Zahl der Varietäten ist im Laufe der Jahre eine ganz enorme geworden, das Bestreben der Züchter ist vor allem daranf gerichtet, möglichst große Blumen zu erzielen, und davon haben wir im Palmengarten jetzt ein schönes Beispiel. In den Gewächshäusern des Anzuchtgartens sehen wir noch reizende chinesische Primeln und Primula obsconica, ferner Erica graciliS und die aparte Kapuzinerkresse „Jsola bella"; die Alpenveilchen beginnen ihren Flor zu entfalten, eine reiche Sammlung von blühenden und Blattbegonien zeigt die vorzügliche Verwendbarkeit dieser arten- und formenreichen Gattung für den Winterschmuck der Gewächshäuser. In der Nordhalle sind üppig wachsende Sumpfpflanzen und Farne an einem hübschen Grottenbau zur Anschauung gebracht. Es erübrigt noch, auch auf das Palmenhaus, die Blütengalerie und die anderen Gewächshäuser hinzuweisen und in letzteren besonders auf die Kakteensammlung in Haus 2, die hübschen, rosa blühenden Begonia „Gloire de Lorraine" in Haus 4 und die Orchideen in Haus 6 aufmerksam zu machen. ______________________ Kcrichtsjaal. Hanau, 7. Nov. Vor der Strait ammer stand heutr der B r i e sZt r ä g e r Adam Schmidt, der innerhalb der letzten Zahre aut dem hiesigen Postamle eine Anzahl Briese entwendete dezw. imierschlng und ihren Inhalt an Geld oder Geldeswert an sich brachn. Auch seine Schwester und seine Frau, in diese Affäre verwickelt, saßen auf der Anklagebank. Die Anttage legte dem Adam Schmidt zur Last, in einer größeren Anzahl von Fällen und durch mindestens 30 selbständige Handlungen als Postbeamter Briese geöffnet bezw. unterdrückt, den geöffneten Briefen Checks und Dollarnoten entwendet und feine Schwester in 9 Fällen zur schweren Urkundenfälschung verleitet zu haben. Seine Schwester Alina Schmidt wurde beschuldigt, sick) in 9 Fällen der schweren Urkundenfälschung in Verbindung mit Betrug bezw. des Versuchs hierzu schuldig gemacht zu haben. Der Ehefrau Elise Schmidt wurde die Aiittäterschaft an zwei Urkultdenfalschungen zur^ Last gelegt. Die Angeklagten waren in vollem Umfange geständig. Das Gericht erkannte unter Annahme mildernder Umstände gegen Adam Schmidt auf 3 Jahre Gefängnis nnd Aberkennung der Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die gleiche Zeitdauer. 'Seine Frau erhielt 6 Wochen, seine Schwester 6 Monate Gefängnis. Todesurteile. Tas Cchrvurgericht Esseri hatte den Bergmalin Alt aus Gelserikircheli zmn Tode verurteilt und auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrerirechle auf 10 Jahre erkannt. Alt hatte am Abend des 14. Juni in Gelsenkirchen die 60jährige F r a u K r a f t Überfällen und ihr den Hals durchge- s ch ri i 11 e n, um sie zu berauben. Das Urteil wurde von der Staatsaiiwaltfchait mit dem Rechtstilei der Revision angegriffen, well rechtslrrtümlich auf einen zeitlichen Ehrverlust erkannt ist. Cs niiißte riach dem Gesetz nicht auf 10 Jahre, sondern auf dauernden Ehrverlust erkannt werden. Ta dieser Eimvand als begründet anzusehen war, das Reichsgericht aber prozessual nicht in der Lage ist, das Urteil nad) dieser Richtung abzuandern, so erfolgte die A u f h e b u n g des Urteils unter Zurückweisung an die Vorinstanz. — Wenn man dies lieft, wird man wieder an das Schicksal der beiden Fraiikfurter Raubmörder Groß u n d S t a f f o r st erinnert, die jetzt schon seit Juni rechtsgültig ziim Tode verurteilt sind und deren Hiiirichtung immer noch nicht erfolgte. Es entspricht dies Verfahren ethischen Grundsätzen wenig« Sport. Tie internationale A u t o m o b i l a u s st e l l u « g Berlin 19 0 5, die am 4. Februar durch den Kaiser eröffnet wird, wird alle ähnlichen Veranstaltungen der vergangenen Jahre um ein Bedeutendes überragen. Bisher sind annähernd 200 Anmeldungen eingelaufen und ein Raum von über 5000 Qm. für Ausstelinngsztoecke belegt. Ter Arbeitsausschuß, dem der Herzog von Ratibor alü Präsident vorsteht, setzt sich aus General Becker, Freiherrn von Brandenstein, Baurat Gause, Geheimrat Gold-» berget, Assessor Tr. Levin-Stölping, Geheimrat Lowe, Freihernr Aiolitvr von Mühlfeld, Graf Sierstorpsf Graf Talleyrand-P6- rigord, Willy Tischbein, Tireltor Vischer zusammen. 83/ X Ul 5 = - Beeng's kandierter 11 i Xern- o. jWalz-Xalet Vollkommenster Kaffee-Ersatz. •Packet ( ■ 80 Tassen) 20 Pfg. Bank für Handel und Industrie. (Darmstädter Bank.)______________________ Bekanntmachung1 betreffend Ausübung des Bezugsrechts auf nom. Hk. 13,200,000 neuer Aktien. Giessener Konzert-Verein. Sonntag den 13. November 1904^ abends 5'/| Uhr mit einer Hauptprobe vormittags 11 Uhr im grossen Saale des G esellschaftsvereins Zweites Konzert Erster Orchester-Abend 1. 0. L. van Beethoven Giltigkeit haben blaue, rote und rotweisse Karten, ungiltig sind gölbe und Das für Handel und Industrie Filiale der Bank und Handel Bank Depositenkasse Leipzig auf Aktien Kommandit-Gesellschaft Nordwestdeutsche hvaV, den Direktion der Bank für Handel und Industrie. Ausstellung Abstand nehmen zu wollen. 8324 Geräuschloser Gang! Das Rauchen der Öfen verhindert 8009 Johns Schornstein-Aufsatz. 8322 7748 für 99 99 99 99 99 2. 3. in Darmstadt _ Berlin Bremen Breslau Cöln Dortmund Dresden Halle a. S. Hamburg Heilbronn Mainz Mannheim München Neustadt a. H. Posen Stuttgart Wien Wismar Darmstadt, < Frankfurt a. M. Hannover Strassburg i. Els. Leipzig Stettin Giessen Offenbach a. M. Stettin Giessen Offenbach a. M. Karten. kleine PartitiS» Martin Dörr, LGchk»cißkr Dr. Karl Ebel, MIWckr August Faber, AMmsrimtkr Max Friedberger, Sujet» August Gabriel, WrikM Zißijrtt Dr. Gutfleisch, gfütwrirhrttt Rkdiiimlnt Dr. Haberkorn, Sttisnrji Theodor Haubach, Sfobtutrorbnctcr Sominirjinirat Heichelheim, ituöftittotiilittet H. E. Jughardt, gWfotrirhtftt Jean Kirch, gtoMierwintttr Eduard Krumm, 8Kdtmr«d«ktkr Karl Loos, Stnüfaeroriineter Louis Fetri II., MitwMtt ferner: in Die von der ersten allgemeinen Gießener Bürgerversammlung im „ßöroen* berufene Wahlkommission hat sich genieinsam mit den geladenen Vertretern der namhaftesten wirtschaftlichen und Standesvereinigungen der Stadt in gründlicher Arbeit ihrer Ausgabe entledigt. Sie ist bemüht gewesen, aus allen Ständen der Bevölkerung, unbekümmert um die Parteistellung, solche Männer herauszulescn, denen die Wählerschaft das Zutrauen entgegenbringen darf, daß sie das wichtige Amt des Stadtverordneten mit dem erforderlichen Pflichtgefühle, mit Selbstlosigkeit und sozialer Wärme bekleiden werden. Die Kommission glaubt in cindringenden Besprechungen mit den Vertretern jener Wirtschasts- und Berufsgruppen eine geeignete Grundlage gefunden zu haben für ein einträchtiges Zusammengehen dec gesamten Bürgerschaft, sofern diese sich bewußt geblieben ist, daß Sonderinteressen wohl zu berücksichtigen, aber dem Wohle des Ganzen in verständiger Mäßigung einzuordnen sind. Sie fordert in solcher Erwägung die Mitbürger auf, unter Vermeidung nutzloser Stimmenzersplitterung, die nur den unvernünftigen Zufall zum Herrscher machen würde, ihre Stimmen auf die unten genannten Herren zu vereinigen. Es sind dies: Mtmoriinktek-Wchl! Ich erkläre hiermit, daß ich die von der ersten Bürgerund Wählerversammlung angetragene Kandidatur zur Stadtverordnetenwahl als Vertreter der national gesinnten Arbeiter- schast nicht annehmen kann und bitte deshalb von meiner in jeder Preislage. Oefiiiuug des Saales 4*/a Uhr. dritte Konzert (Erster Künstler-Abend), Gast: Frau Karreno (Klavier), findet am 4. Dezember statt (Giltigkeit haben blaue, rote und rotweissc Karten, ungiltig sind gelbe Karten.) v7/u 99 95 99 Bank, Eintrittskarten für Nichtmitglieder zu Mk. 2.50 (Sperrsitz Mk. 3.50), sowie *■■■■■■■■■■«■• Ausgabe sind in der Musikalienhandlung von Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger) abends an der Kasse, für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Stork zu ermässigten Preisen zu haben. — Hauptprobe zu Mk. 1.—, Schülerkarten 50 Pfg. J. Ritsert Lackierer. Anmeldestellen: Bank für Handel und Industrie 99 99 99 ,, 99 99 Herren Hoben Warschauer & Co. Mitbürger! Wähler aller Stände und Parteien! 200 000 fach erprobt. Lieferung auch auf Probe. Emil Pistor Nachf., Marktstrasse 10. Breslauer Diskonto-Bank Herren Sal. Oppenheim jun. & Co. Nordwestdeutsche Bank, Kommandit-Gesellschaft auf Aktien Herren Albert Kuntze A Co. Herren Hermann Arnhold Max Friedberger, Kaufmann Aug. Gabriel, Fabrikant Mediffnalrat Dr. Haberkorn Friedrich Helm, Weinhändler. D"/" Wir bitten unsere Mitglieder und Mitbürger, nicht allein den obigen, seitherigen, altbewährten Stadtverordneten ihre Stimmen zu geben, sondern auch für unsere neu aufgestellten Kandidaten mit Energie einzutreten, da wir Männer aufgestellt haben, die uns Gewähr dafür bieten, daß unsere städtischen Interessen nach jeder Richtung hin durch diese gefördert werden. Der Vorstand.