9lv. 265 Erftes Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag lO.9!o»em6ccl9O4 Schulstratzr 7. tlbrefie für Depeschen: Anzeiger Gießen. ^ernsprcchanschluß Nr 51. Eichener Anzeiger General-Anzeiger w Amis- und Mzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden irn Wechsel mit dem Kesflschen Landwirt die Siebener Zamilten- Hättet Dtermal in der Woche beigelegt. KotattonSdruck u. Verlag der Brühl 'sehen Unwers.-Buch-u. Stein« btudertl. Sl Lang«. vezngSPrelAt monatlich^ 93L viertel» jährlich Ml. SLO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch diePost Mt. ».---viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür bie TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf« auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den pofiL und augem. Teil: P. Wittko: für »Stadt und Land^ und »GerichtSsaal^: August Goetz; sür den Anzeigenteil: HanS Beck. §ie heutige Wummer umfaßt 10 Seiten. ■ 1 ' ' LJ----- ----- ■ ............. 1/ ■!■'"_■■■ —! Bekanntmachnng. Die Kreisstraßen Lang-Göns—Holzheim und Lang-Göns ^-Leihgestern werden wegen vorzunehmenden Umbaues bis auf Weiteres vom Mühlberg in der Ortsdurchfahrt Lang- Göns bis zur Bahnunterführung einschließlich für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Gießen, den 8. Noveinber 1904. Groß herzoglich es Kreisamt Gießen. I'. V.: Hechler. England und Wußtand. London, 9. Nov. Beim heutigen Lordmayors-Bankett in Guildhall führte der Staatssekretär des Auswärtigen Lansdowne folgendes aus: Das Hauptinteresse der Londoner City in Bezug auf die auswärtigen Beziehungen ist die Erhaltung des Friedens. IN diesem Augenblick gedenken wir nicht des Fortganges des schreÄichen Kampfes zwischen zwei tapferen ritterlichen Nationen im fernen Osten. Wir können uns keine schrecklichere Strafe denken, als die Gewissensbisse eines Ministers oder einer Körperschaft von Ministern, die aus Mangel an Gleichmut oder in dem Verlangen nach Popularität oder aus falscher Auffassung über, den Gegner über ihr Vaterland die Geißel und das Unheil eines unnötigen Krieges gebracht haben. An diesem glückverheißenden Tage der Geburt unseres Königs kann ich Ihnen von dieser Stelle aus sagen, daß der Friede unseres Landes nicht allein unverletzt ist, sondern, daß auch!, soweit sich voraussehen läßt, kein Grund vorhanden ist, weshalb er nicht ungebrochen bleiben sollte. Wir haben nicht allein das Glück gehabt, einen Krieg zu vermeiden, sondern durch strenge Wahrung der Neutralität Und weise internationale Abmachungen haben wir etwas dazu beigetragen, den Spielraum der Feindseligkeiten sür unser Land einzuschränken. Nichtsdestoweniger sind wir nicht gänzlich den Gefahren eines großen Krieges entronn en. In den letzten Tagen standen wir vor einem Zwischenfall, der das Volt dieses Landes in einer Weise erregt hat, wie wenige andere Zwischenfälle getan haben. Am 21. Oktober wurde in der Nordsee ein Angriff gemacht auf britische Bürger, ein Schimpf wurde der britischen Flagge zugefügt. Es ist nicht in Frage gekommen, daß dies beabsichtigt gewesen wäre. Wenn es gewesen wäre, so wollen wir lieber nicht die Folgen erwägen. Es war ein beklagenswerter unverantwortlicher Mißgriff. Wir haben jüngst in befriedigender Weise den Beweis erhalten, daß die russische Regierung den guten Glauben annahm, die Tatsachen wären ganz anders, als wir sie vermuteten. Die Kommission wird den unglücklichen Vorfall nach allen Richtungen untersuchen, einschließlich der Verantwortlichkeit und des Grades von Tadel, der diejenigen trifft, welche als die Verantwortlichen befunden werden. Eine Anzahl russischer Offiziere wurde in Vigo zurückbehalten. Man hat seine Ueberraschung über die geringe Zahl der Offiziere ausgedrückt. Es war nicht unsere Sache, die Verantwortung zu übernehmen für die Auswahl der Offiziere, auch wäre es ein großer Fehler, Rußland von dieser Verantwortung zu befreien. Wir haben in den allerletzten Tagen die bestimmte Versicherung erhalten, daß die zurückbehaltenen Offiziere diejenigen sind, welche zweifellos bei dem Vorfall in Betracht kommen und daß, wenn die Untersuchung ergeben sollte, daß andere Offiziere schuldig sind, diese ebenfalls angemessen bestraft werden. Wenn ich alles dieses zusammenfasse, frage ich, war es der Regierung und Sr. Majestät möglich, mehr zu erreichen, als sie erreicht haben? Es handelt sich um einen ganz unerwarteten, durchaus ungerechtfertigten Zwischenfall. .Was andere störende und erregende Zwischenfälle des Krieges betrifft, so haben während eines Krieges die Kriegführenden Rechte. Wir alle geben zu, es wäre unglücklich, wenn wir jetzt der Vorrechte Kriegführender verlustig gehen sollten, die wir selbst ausznüben wünschen dürften, wenn wir selbst im Kriege sind. Unsere sonstigen Bemühungen sind auch nicht ganz vergeblich gewesen. Wir haben Erfolg gehabt, es durchzusetzen, daß Nahrungsmittel und andere Artikel nicht ohne weiteres als Kriegskontrebande gerechnet werden, und von Rußland die Versicherung zu erlangen, daß ferne Marinebehörden in weniger vexatorischer Weise ihre Rechte ausüben werden. Obwohl verschiedene Fälle, tu denen britische Schiffe angehalten worden sind, große Erregung rn England hervorgerufen haben, ist es doch feit Juli nicht ein einziges Mal vorgekommen, daß ein britisches Schiff von einem russischen Kreuzer ausgebracht worden ist, wo hierzu das Recht nicht den Kriegführenden zugestanden hätte und wo wir nicht gezögert hätten, in derselben Weise zu verfahren. Ich bin sanguinisch genug, zu sagen, daß wahrscheinlich etwas gutes aus diesem Kampfe e n t st e h e n w i r d. Es ist meine Hoffnung und mein Glaube, daß dieser schreckliche Krieg dem vorhandenen Verlangen nach einer weniger plumpen und brutalen Methode der Regelung internationaler Streitfragen einen weiteren Antrieb geben wird. Ich habe fünf Schiedsverträge unterzeichnet, üher zwei weitere wird jetzt verhandelt. Erst gestern hat der amerikanische Botschafter Uhoate gefragt, ob wir zur Unterzeichnung eines derartigen Vertrages mit Amerika geneigt seien. Wir haben auch nicht das Ersuchen des Präsidenten Roosevelt um Teilnahme an der zweiten Haager Konferenz abgelehnt. Ist es nicht noch besser, die Dinge so zu regeln, daß überhaupt teilt Streit entsteht? Ich verweise in dieser Beziehung auf das Abkommen mit der uns befreundeten französischen Republik, welches, wie ich glaube, zwischen Rußland und ^Frankreich Beziehungen von vertraulichem, herzlichstem Charakter schaffend, eine bessere politische Atmosphäre erzeugen und beide Länder in Stand setzen wird, einen heilsamen friedlichen Einfluß auf andere Mächte auszuüben. Paris, 9. Nov. (Havas.) Die Sch w ieri g keiten, die zwischen der russischen und der englischen Regierung bezüglich der zur Untersuchung des Zwischenfalles in der Nordsee bestimmten Kommission entstanden, waren, ohne sehr ernster Natur zu sein, dochnichtunerheblich und gaben zu lebhaften Besprechungen Anlaß. Es handelte sich namentlich um die Frage, ob die in Vigo ausgeschifften russischen Offiziere von der Kommission als Zeugen oder als Verantwortliche anzusehen seien. Tie russische Regierung* ist der Ansicht, daß diese Offiziere je nach der Entwicklung der Untersuchung sowohl als Zeugen wie als Verantwortliche gelten, und daß außerdem noch andere Verantwortlichkeiten rn Frage kommen könnten. Man nimmt an, daß die Kommission in etwa vierzehn Tagen in Paris und zwar wahrscheinlich in demselben Saale des Ministeriums des Aeußeren zusam'mentreten wird, in welchem die Friedenskonferenz nach dem spanisch- amerikanischen Kriege tagte. Paris, 9. Nov. Es bestätigt sich, daß Vizeadmiral Fournier Frankreich bei der Hüller Untersuchungskommission vertreten wird. Petersburg, 10. Nov. (Rufs. Tel.-Ag.) Ein von heute datierter Tagesbefehl des Kommandanten des zweiten Parisischen Geschwaders, das sich auf der Reede von Vigo befand, an das Geschwader lautet: „Ter Kaiser hat uns huldvoll mit folgendem Telegramm beehrt: „Ich bin im Geiste und mit ganzer Seele bei Ihnen und meinem teuren Geschwader und bleibe dessen versichert, daß das Mißverständnis bald erledigt sein wird. Ganz Rußland blickt auf Euch mit Zuversicht und fester Hoffnung. Nikolaus." Ich habe dem Kaiser geantwortet: „Das Geschwader steht einmütig zum Throne Eurer Majestät." Nicht wahr, Kameraden? Was der Kaiser uns befiehlt, werden wir tun. .Hurra! ________________ Volttische Tagesschau. Einschränkung der russischen Getreideausfuhr? Aus Petersburg wird der »Deutschen Tagesztg." geschrieben: In Petersburg wird sich in den nächsten Wochen eine Konferenz versammeln, die wichtige Beschlüsse über die Getreidetarife zu fassen berufen ist. Diese Konferenz, die unter dem Vorsitz des Direktors des Eisenbahndepartements tagen wird, seht sich zusammen aus Vertretern der Negierung, der Landwirtschaft, der Mehlindustrie und der Börsenkomitees. Es wird besonders die Frage zur Entscheidung stehen, ob die Getreidetarife zu den Hafenstädten erhöht, für die inneren Märkte dagegen ermäßigt werden sollen. Es ist die Fortsetzung einer Debatte, welche vor drei Jahren auf den Sitzungen der gleichen Konferenz begann. Damals standen die landwirtschaftlichen Deputierten des Westens, des Nordens und eines Teiles des Zentrums denen des Ostens schroff gegenüber. Die letzteren namentlich haben sich mit aller Entschiedenheit gegen eine Erhöhung der Tarife zu den Ausfuhrhäfen ausgesprochen, weil sie fürchteten, alsdann genötigt zu sein, ihr Getreide im Inland zu den niedrigsten Preisen abzugeben. Die westlichen, nördlichen und viele neutrale Landwirte beklagten sich dagegen bitter über das billige Getreide aus dem Osten, das, wenn es in Massen zu ihnen käme, die Preise drücke. Infolge der gereizten Stimmung kam es auf der Konferenz zu lebhaften Erörterungen, und schließlich ging man. auseinander, ohne zu einem Ergebnis gekommen zu sein. Gegenwärtig wird die Frage der Erhöhung, beziehungsweise Ermäßigung der Getreidetarife wieder aufgenommen, und sie hat insofern allgemeine Bedeutung, als von der Entscheidung die Begünstigung oder Einschränkung der Getreideausfuhr abhängt. Noch läßt sieh nicht mit Sicherheit bestimmen, wie der Verlauf der Konferenz sein wird, aber es ist bezeichnend, daß die „Nowoje Wremja", die in ihrem Urteil sich sehr von den herrschenden Strömungen beeinflussen läßt, dieses Mal entschieden sür Ermäßigung der Tarife für die inneren Reichsteile und Erhöhung für die Ausfuhrhäfen eintritt. Das Blatt führt aus, die Bedeutung der Getreideausfuhr für das Reichsbudget sei ohne Zweifel nicht gering, niemals aber dür'e der einheimische Getreideproduzent so wie bisher hinter den ausländischen Gläubiger zurückgesetzt werden. Indirekt wird damit zugegeben, daß die Getreideausfuhr überhaupt nur die Balanzierung des Etats gestatte. Aus diesen Worten kann man folgern, daß die amtlichen Kreise sich mit dem Gedanken tragen, die übermäßige Getreideausfuhr tatsächlich einzuschränken; die Not der Bauern erreicht zu Zeiten einen solchen Grad, daß man das zur Ausfuhr bestimmte Getreide im Innern nicht mehr entbehren kann. Ob die Konferenz aber dementsprechende Beschlüsse faßt, steht gleichwohl noch sehr dahin. Jedenfalls darf man ihrem Zusammentritt und Verlauf nicht ohne Spannung entgegenblicken. Auch eine „Reform". R. Berlin, 9. Nov. Die „Verl. Polit. Nachricht.", die zwar nicht immer als „offiziös" gelten können, indem sie bisweilen nur die Wünsche großindustrieller Kreise widerspiegeln, kündigen sür den nächsten ReichSbauSbaltsetat die Wiederkehr einer Zuschuß anleihe an. Es bleibt aber zu wünschen, daß die Reichsfinanzen recht bald eine Gestalt erhalten, die die Heranziehung eines solchen Auskunftsmittels überflüssig machen. In diesem Falle sind die „Pol. Nachr." zweifellos an amtlicher Stelle unterrichtet worden. Der Hinweis auf die baldige Neugestaltung der Neichssinanzen enthält eine Vorbereitung der Oeffentlichkeit auf neue Reichssteuern. Daß solche Pläne im Gange sind, ist schon vor Monaten behauptet, jedoch von anderer Seite nachdrücklich bestritten worden. Schließlich wurde aber zugegeben, ein „kleines Brausteuerprojekt" befinde sich in Arbeit. Beileibe nicht etwa, um große Mehreinnahmen aus dem Bier zu erzielen. Nein, es handele sich um eine Staffelung der Malzsteuer, die den kleinen und mittleren Brauereien gegenüber den Großbrauereien das Leben erleichtern sollen. Also eine Reform, keine Belastung. Der selige Herr v. Miquel sprach als Finanzminister auch immer von seinen Steuer-„Neformen", obwohl die Wirkung dieser vorgeblichen Wohltat war und ist, daß der Steuerzahler das Doppelte und Dreifache gegen früher dem FiskuS entrichten muß. Das Wort Reform klang angenehmer in die Ohren als die deutlichere, mehr der Wirklichkeit entsprechende Bezeichnung „Anziehen der Steuerschraube". Aehnlich scheint es zu stehen mit dem scheinbar so uneigennützigen Liebeswerk für die kleinen Brauereien. Sollte da§ Reich in allen wichtigeren Betrieben sich die energische Inschutznahme des Schwächeren gegen den Starken angelegen sein lasten, so könnte der Reichstag sich ausschließlich mit „Reformen" beschäftigen. Wir glauben, daß bei der Verbesserung der Malzsteuer mehr beabsichtigt wird, als man einstweilen zugibt. Der konservative Abg. Rettich befürwortet heute im „Tag" eine ausgiebige Erhöhung der Malzsteuer. Allerdings bemerkt der Abg. Rettich, er spreche hier nur für seine Person, denn er wisse nicht, wie seine Partei darüber denke: er habe aber das Gefühl, daß sehr viele in Deutschland ebenso denken, daß sie sich aber scheuen, es auszusprechcn. Sollte wirklich der Mut der offenen Aussprache in Deutschland eine so selten anzutreffende Erscheinung sein, wie der Abg. Rettich meint? Doch davon abgesehen — es ist jedenfalls sehr bemerkenswert, daß ein in wirtschaftspolitischen Dingen einflußreiches Mitglied der Rechten die Initiative ergreift, der Regierung die Erhöhung der Malzsteuer auf dem Präsentierteller anzubieten. Täuscht nicht alles, so begegnen sich hier die Wünsche. Es ist wohl schon seitens der Regierung eine Erhöhung der Malzsteuer ins Auge gefaßt. Selbst der Abg. Rettich gibt zu, daß durch diese Erhöhung eine Verteuerung der Erzeugungskosten von 1 bis l^/z Pfg. auf den Liter sich ergeben würde. Das scheint uns mäßig gerechnet. Jrn Detailpreis kommt die Erhöhung der Herstellungskosten natürlich auch viel schärfer zum Ausdruck. Darüber tröstet sich der Abg. Rettich mit der Erwägung, daß dis Abnahme des Biergenusses um ein weniges vom hygienischen und sozialen Standpunkte nicht zu bedauern wäre. Die Zentrumspresse wendet sich einstweilen mit Spektakel gegen jede neue Reichs st euer. Aber auf diesen Protest ist durchaus kein Verlaß. * ' " Die Sozialdemokratie uud die Bauern. Tie Kalender^eit ist wieder gekommen; d. h. die Kn- lender für 1895 sind erschienen und die Kolporteure wandern nun von Ort zu Ort, um jene an den Mann zu. bringen. Allein sie können kaum noch Geschäfte machen, nicht einmal 10 Pfg. will mancher Bauer und Arbeiter noch für einen Kalender ausgeben: „Es wird nicht mehr lange dauern, dann kommen die Sozialdemokraten und bringen uns einen Kalender, der kostet gar nichts", so heißt es. In der Tat verbreitet alljährlich die Sozialdemokratie ihre Agitationskalender auf dem Lande, tfnt die Bauern für die rote Partei zu gewinnen. Und leider, das wissen wir in Oberhessen ja aus der letzten Reichstags- wahlzeit, nimmt mancher Bauer die Zukunftsmusik der Sozialdemokratie beifällig auf und giebt auch bei der nächsten Reichstagswahl so einem roten „Bauernfreunde" feine Stimme. Sozialdemokrat und Bauernfreund! Welch ein Gegen» sah! Hören wir, was die Fi'chrer der Soz-ialdemokratie vom! Bauer denken und sagen! Bebel sagte auf dem Dresdener Parteitage: „Für die Erhaltung des Bauernstandes einzutreten, haben wir keinen Grund, denn das könnte nur geschehen, indem Nnr sie in ihrem Besitz befestigen, also ganz entgegengesetzt verfahren wie sonst. — Wir wollen freilich 'auch den Kleinbesitzer gewinnen, jedoch nur, indem wir ihn überzeugen, daß er als Besitzer keine Zukunft hat, sondern daß seine Zukunft die des Proletariats ist". Und auch auf dem Breslauer Parteitag rief er: -Mit; können und wollen den Kleinbauer nicht erhaltvni." — Dr. Ellenbogen erklärte auf dem Parteitage zu Wien ün! Jahre 1895: „Nach unserem Programm sollen wir die Bodenkultur nicht heben, denn dadurch fördern wir die Interessen der Beicher: aber wir müssen den Bauern gegenüber wirtschaftlich reden, müsseq von Herabsetzung der Steirern reden, um sie zu gewinnen." Weiter sagte er: „Tie Sozialdemokratie hat nicht die Aufgabe, das Eigentum der Bauern zu schützen, sondern es ist "vielmehr in ihrem Interesse, wenn sie zu Grunde gehen." Tie „Sachs. Arb e iterztg." schrieb einmal: „Wir erklären nicht bloö den großen Gutsböfen, sondern auch den kleinsten Bauernhäusern den Krieg", unb ein andermal: „Wir werden immer und überall beftrebt fein, den Untergang des Kleingewerben 311 beschleunigen." — Friedrich En ge 1 ö schrieb .Wenn aber das Kapital die kleinen Handwerker unb Kau stellte vernichtet, so tut es ein gutes Wcrt^" Kolon» alpost die um Kaifeng tvasfnet. zu- daß der Herrscht Ruhe. — Ter Dekan der italienischen Fakultät suchte 6eteit§ Samstag beim Statthalter um Einstellung der Vorträge an der italienischen Fakultät nach. Trr_ Statthalter erklärte, die Einstellung ergebe sich aus den Umständen von selbst. Budapest, 9. Nov. Gestern fanden anläßlich des S tudentenumzuges Unruhen statt. Die Polizei griff mit blanker Waffe ein. Drei Studenten wurden verwundet, 50 verhaftet. Konstantinopel, 8. Nov. Die Untersuchung bezliglich eines Anschlages auf den Walt und Korpskommandanten von Adricmopel, Agrif-Pascha, ergab, daß der Täter Ibrahim ein wegen schlechter Führung im vorigen Jahr entlassener Gendarm ist. Nach seiner Aussage wollte er den Wale erschießen, weil der Gendarmerieoberst sich weigerte, ihm seinen rückständigen Sold auszuzahlen. Der verwundete Adintant in a U o r b e n. Zur geft. Beachtung! 3m Interesse einer schönen und zweckmäßigen 9lu5* siattung der Anzeigen werden unsere verehrten Kunden ersticht, größere Anzeigen für die Samstagsausgabe bis spätestens Freitag nachmittag aufgeben zu wollen. vermischtes. "Ein seltsames Ereignis hält die Kreise der Berliner russischen Sttldenten in Aufregung. Dieser Tage wurde die auf der Durchreise nach der Schweiz befindliche russische Studentin Janina Bereon in der Wohnung ihres Bräutigams unter großem Polizeiaufgebot verhaftet. Bei der Haussuchung wurde eine Anzahl anarchistischer Schriften mit Beschlag belegt, die aber nicht der Verhafteten, sondern ihrem Bräutigam gehörten. Dieser und seine Freunde taten sofort alle Schritte, die Ursache der Verhaftung zu erfahren und beantragten bei der Polizei, daß der Verhaftetes ein Verteidiger zur Seite gestellt werde. Die Polizei lehnte aber diesen Antrag mit dein Bemerken ab, daß ein Verteidiger unnötig sei, da Fräulein Janina sich keines gegen die deutschen Neichsgesetze verstoßenden Vergehens schuldig gemacht habe. Sie sei uicht verhaftet, sondern nur sestge- nomm en. * Kleine Tages chronik. In der Nacht vom Dienstag lauf Mittwoch 'wütete in Berlin ein heftiger Sturm, der Berlin, 9. Nov. Die infolge der Zeitungsnachrichten über Unruhen im Gebiet der Station Barnenda bei dem Gouverneur in Kamerun eingezogenen telegraphischen Erkundigungen haben ergeben, daß die Bastln ruhig sind, dagegen in der Nähe von Babadiu lokale Unruhen aus Anlaß des unter Leutnant Puttlitz stattfindenden Wegebaues entstanden waren. Bei dem am 18. September stattgehabten Gefecht verlor der Gegner seinen Häuptling und 30 Tote, wahrend auf unserer Seite keine Verluste zu verzeichnen waren. Der neue Häuptling hat auf der Station Barnenda seine Unterwerfung angeboten. Nach übereinstimmender Ansicht des stellvertretenden Gouverneurs und des Truppen- kommandeurS bietet die Lage keinen Anlaß zur Beunruhigung, da bei Babadju genügende Streitkräfte vorhanden sind, bei den Aufständischen Strafverhängung durchzuführen. London, 6. Nov. Einem Kapstädter Telegramm folge wird der „Cape Mail" aus Upington gemeldet, eine große Anzahl Hottentotten an der Grenze Kapkolonie erschienen, die eine Anzahl flüchtiger deutscher Mißt und Lnud. Gießen, beit 10. November 1904. *• Geschworenenliste. Zur Bildung der Spruchliste für am 5. Dez. 1904 vorm. 9V3 Uhr beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts wurden die Namen folgender Klug II., Landwirt in Altenbuseck. ** Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (Naturwissenschaftliche Abteilung). Mit Beginn des Wintersemesters nimmt die Naturwissenschaftliche Abteilung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde ihre Tätigkeit wieder auf mit einem laut Inserat nächsten Dienstag stattfindenden Vortrage des Professors Dr. Drude: „lieber Radium^. •• Der Wahlverein Zentrum veröffentlicht im Inseratenteil heute seinen Wahlaufruf, luomit den Wählern recht verständige, in Bürgerversammlungen gut geklärte Vorschläge gemacht werden. Folgende 6 neu zu wählende Herren werden vorgeschlagen: Herrn. Eichenauer, Wilhelm Hornberger, Will). Plank, Ang. Gabriel, Med.-Rat Dr. Haberkorn und F. Helm. Fünf dieser Kandidaten sind auch in dem gestrigen Wahlaufruf des Wahlbezirks Seltersberg und Niegelpsad genannt, welcher außerdem auch an der Liste der seitherigen, wieder zur Wahl in Vorschlag gebrachten Stadtverordneten Streichungen vorge- Ausland. Paris, 9. Nov. Der Cl>ef der Sickerheitsvolizet wollte Syveton verhaften, fand ihn aber nickt zu Hause. _ — Freunde des Deputierten S v v e t o n versichern, daß buicr sich in der Umgegend verborgen hält, um morgen ein ' neu mit Hauptmann de Gail auszufechten, daß er sich bann aber vor den Untersuchungsrichter stellen wird, der ihn wahrtcheinlutt nicht in Hast behalten wird. „ , , c — Wie aus Lorient berichtet wird, bestätigt jjrf) die Meldung, daß der B ü rger m ei st ervon Lorie ntSelbst mord begangen bat wegen der Enthüllungen, die über ihn in der Sacke des Angebers in der Armee gemacht worden sind. Wien, 9. Nov. Die Z o l l v er ha n d l u n g c n mit Deutschland werden nunmehr beschleunigt, aber trotzdem mehrere Wochen beanspruchen. Zur Vereinfachung des Vorganges wurden Spezial-Komitees für die Behandlung der Detail- stagen gebildet. Gestern und heute wurden in den Konferenzen der Referenten Gerste-, Malz- und Viehzölle verhandelt. Die Reise des Grafen Posadowskv nach Budapest gilt Besuchen deS Grafen Tisza und der übrigen Mitglieder des ungarischen Ministeriums. — Eine Versammlung der deutschen Studentenschaft beschloß eine Eingabe an den akademischen Senat, er möge aus Innsbruck zurückkehrenden italienischen S t u d e n t e u den Zutritt zur Wiener Universität versagen, da sich die deutschen Studenten nickt der Gefahr aussetzen wollten, von den Italienern angeschossen zu worden. Innsbruck, 9. Nov. Der deutsch-freiheitliche Hochsckulausschuß gibt bekannt, daß er mit Bezug auf die neuerlichen Attentate der Italiener und dem mangelhaften Schutz der Deutschen durch die Sick>erheitsbehörden auf diesen Schutz Hu verzichten gedenkt und von der gerechten Notwehr Gebrauch macken werde. — Privatmeldungen verzeichnen ein bisher nickt bestätigtes Gerückt von angeblichen Streitigkeiten zwischen b.eut - scheu und italienisch en S o l d a t e n in der Klosterkaserne: mehrere Soldaten hätten Verletzungen erlitten. In Innsbruck tobritd) erklirrte auch Dr. 2 u x auf den: BveSiauev Purrer- tage: „Denn ttnr Bauern schütz treiben, so heißt das unter den heutigen Verhältnissen nichts anderes, als Bauernfang treiben." — Selbst der „Vorwärts", das Zendralorgan der sozialdemokratischen Partei, schrieb einmal: „Uns Tarnt nicht in den Sinn kommen, den Privateigentums-Bestrebungen der Bauern auf QVnmb und Boden irgendwie förderlich zu sein. Die Ernte gehört nicht den Bauern, sondern allen Menschen; privates Eigentum an Grund und Boden ist niemand zuzubilligen. Demgemäß erklärte der Abg. Fischer auf dem Parteitag in Breslau stank und frei: „Die Sozialdemokratie kann der BaBer erst gewinnen, wenn er von seinem Eigentum losgelöst, bankerott gemacht ist" Darum frohlocken die Sozialdemokraten, trenn der Bauer und mit ihm der kleine Handwerker un!b lZlewcrbetreibende zu gründe geht und rühren keine Hand, hcn Untergang zu verhindern. So steht es also mit der Banernsteundlichkeit derSozial- bemokratie. Daran denkt, ihr Bauern, Handwerker und Kaufleute, wenn auch der sozialdemokratische Agitationskalender ins Haus gebracht wird, und merkt euch das Sprichwort: „9hir die allergrößten Kälber wählen ihren Metzger selber." nommen hat. EL dürfte feststehei., daß hinter den aus den verschiedensten Bürgergruppen gemeinsam vorge- chlagenen Kandidaten eine sehr große Wählerzahl steht. Möge man in Bürgerkreisen nur solche, von verschiedenen Kreisen vorgeschlagene Kandidaten wählen, um einer zu großen Stimmenzersplitterung vorzubeugen.— Der Bezirksverein Nord - Ost, der gestern abend im Restaurant „Transvaal" eine Generalversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Friedberger abhielt, empfahl die Wiederwahl der seitherigen Stadtverordneten und die Neuwahl der Herren Schlosser- meister Martin Dörr, Herrn. Eichenauer, M. Friedberger, Ang. Gabriel, Medizinalrat Dr. Haberkorn und Weinhändler Fr. Helm. C. Verhaftet. Wegen Vornahme unsittlicher Handlungen wurde gestern abend ein fremder Arbeiter in Haft genommen. C. DaS Fahrrad, von dem gestern gemeldet wurde, daß es gesunden worden sei, hat seinen Herrn gefunden. Es war am Sonntag vorher im Philosophenwald gestohlen worden. C. Unglück 8 sall. Heute vormittag geriet der Arbeiter Sparr aus Bersrod in der Fabrik von Seuling Nachfolger in die Transmission und wurde sofort getötet. ** Ein Rohrbruch der Wasserleitung tourbt. heute vormittag an der Ecke Schulstraße und Kaplaneigasse konstatiert. In großer Menge sprudelte das Wasser mitten aus der Schulstraße zwischeft den Pflastersteinen hervor. Das städt. Wasserwerk, das sogleich benachrichtigt wurde, ließ einige Steine wegnehmen, worauf die unterspülte Stelle teilweise zusammenbrach. Die Schulstraße wurde für den- Fuhrverkehr gesperrt und die Wasserleitung abgestellt. Die Stelle, wo der Rohrbrnch liegt, war nach 1 Uhr noch nicht: gefunden. Es ist möglich, daß die Herstellung nicht unerhebliche Arbeit macht. b. Klein-Linden, 10. Nov. Gestern sand hier die Gründung eines Gabels berg er'schen Stenographen- VereinS statt. Die Leitung hat einstweilen Lehrer Keil übernommen. Zu einem am nächsten Dienstag beginnenden Unterrichtskursus haben sich bereits neun Teinehmer gemeldet. Weiterer Zuwachs steht in sicherer Aussicht. R.-B. Darmstadt, 9. Nov. Aus Anlaß des Geburtstages des Königs von England fand heute im englischen O^esandtschaftshotel ein Dejeuner statt, welchem auch der Großherzog, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, Staatsminister Rothe, die Hofstaaten und die Mitglieder des diplomatischen Korps beiwohnten. — Als ein Wohltäter unserer Stadt erweist sich der jüngst in Hofheim verstorbene frühere Schornsteinfegermeister App. Er hat zum Universalerben seines über 100 000 Mk. betragenden Vermögens die hiesige Turngesellschaft eingesetzt und bestimmt, daß für eine zu errichtende Kleinkinderschule 10 000 Mk. und für das Ohlystift in Gräfenhausen, das Landkrankenhaus und den Seipel'schen Krankenkassenverein je 5000 Mk. auSgezahlt werden sollen. 8Ü. Darmstadt, 10. Nov. (EigenerDrahtbericht.) Der Regierungspräsident von Magdeburg, Dr. Balz, ist hier in besonderer Mission eingetroffen und wird vom Großherzog empfangen werden. (Hoffentlich erfährt man auch etwas über die „besondere Mission", sonst dürfte man annehmen, daß die Anwesenheit des Regierungspräsidenten nicht von sehr großer Bedeutung ist. D. Red.) [ ] Marburg, 9. Nov. Wie schon kurz erwähnt, traf am Sonntag nachmittag Herzog und HerzoginJohann Al brecht von Mecklenburg zum Besuche der Familie de8 Geheimrots Prof. Dr. Küster hier ein. Gestern nachmittag besichtigten die hohen Herrschaften die Institute des Geheimrats Prof. Dr. Exzellenz v. Behring wie auch dessen Gutshos in Marbach und abends wohnten sie dem Vortrag des Professors Dr. Fischer im Kolonialverein bei. Der Herzog ist bekanntlich Vorsitzender der deutschen Kolonialgesellschaft und es wurde ihm auch in dieser Eigenschaft durch den Vorsitzenden des hiesigen Zweigvereins, Prof. Dr. Andree, bei seinem Eintreten ins Physiologische Institut eine herzliche Begrüßung gewidmet. Professor Dr. Fischer, der durch seine verschiedenen Reisen nach Marokko Land und Leute dort genau kennt, gab dann den Zuhörern ein interessantes Bild über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse dieses nordafrikanischen Gebiets, und verband damit den Wunsch, daß Deutschland bei der wohl nicht auSbleibenden Aufteilung dieses letzten afrikanischen Landes nicht zu kurz komme. Durch Lichtbilder sand der Vortrag eine vorzügliche Ergänzung. Bei her nun folgenden gemütlichen Zusammenkunft im Hotel Pfeiffer hielt der Herzog eine Ansprache. Heute mittag um 2 Uhr reiften die Hoheiten wieder von hier weg. fc. Aschaffenburg, 9. Nov. Das Gemeinde* Collegium beschloß die Einführung einer Vergnügungssteuer zu gunften der Armenkasse. Es sollen erhoben werden für: Nedouten 20 Mk., Kostümfeste ohne Tanz 5 Mk., für Ausstellung großer Orchestrions 10 Mk., kleinere 3 Mk. pro Jahr u. s. w. Ausgenommen von der Vergnügungssteuer sind das Stadttheater und die Veranstaltungen in geschlossenen Vereinen. Ä Hauptgeschworenen aus der Jahresliste für 1904 gezogen: 1. Wilhelm Altbaus, Gemeindeeinnehmer in Großenbuseck, 2. Fritz Klingelhöffer, Oberförster in Gedern, 3. Karl Groß, Rentner in Friedberg, 4. Heinrich Nies IV., Landwirt in Mittel-Seemen, 5. Friedrich Köhler, Rechner in Freiensteinau, 6. JohS. Leister, Landwirt in Hemmen, 7. Moritz Zehner, Oekonom in Schwalheim, 8. Heinrich Kraft, Gutspächter in Vonhausen, 9. Ludwig Dörmer, Rechner in Lich, 1 (^Bernhard Fisch, Schreinermeister in Bad-Nauheim, 11. Karl Sievers II, Landwirt in Lehrbach, 12. Otto Fischer, Kaufmann in Nidda, 13. Heinrich Reif, Pächter in Dorheim, 14. Karl Roth, Landwirt in Muschenheim, 15. August Draudt, Pächter in Büdesheim, 16. Herrmann Kratz, Kaufmann in Laubach, 17. Ioh. Hrinrich Schudt, Mühlenbesitzer in Klein-Karben, 18. Peter Görnert III, Landwirt in Queckborn, 19. Otto Schäfer, Fabrikant in Büdingen, 20. Johannes Stock, Gastwirt in Steinsurt bei Herbstein, 21. Christian Grebe, Gutspächter in Aulendiebach, 22. Karl Uhl, Landwirt in Nodheim bei Hungen, 23. Rudols Quanz, Landwirt in Eichelsachsen, 24. Wilhelm Müller I., Beigeordneter in Eberstadt, 25. Heinrich Schudt II., Mühlenbesitzer' in Bruchenbrücken, 26. Anton Weickhardt, Buchbinder in Butzbach, 27. Eduard Sack II., Kaufmann in Gießen, 28. Georg Stammler, Fabrikant in Grünberg, 29. Georg Leopard, Landwirt in Melbach, 30. Friedrich I ntt big seien. Der Korrespondent sah anchpen General Stöffel, der ibm versickerte, daß fast 90 Prozent der japanischen Geschosse wirkungslos blieben. Paris, 9. Nov. Im hiesigen auSlvärftgen Amt ist man der Ansicht, daß die von den Japanern in Umlauf gesetzten Gerückte von dem Falle Port ArthurS keinen anderen Zweck verfolgen, als daS russische baltische Gesckiwader auf seiner Reise nach Ost- afieit aufzuhalten, und eS sogar zu bestimmen, seine Rückfahrt anzutreten. Von bestunterrickteter Seite wird mitgeteilt, daß Port Arthur sick poch lange halten könne, daß aber die Lage trotzdem kritisch sei. Kleine Meldun-en. AuS Mulden ivirb gemeldet, daß die beiden kämpfenden Parteien nach 'wie vor eine abwartende Haltung einnehmen. DaS vorgestrige Artilleriefeuer trug nur einen demonstrativen Charakter. Der dänische Marineagent DvermeS ist aus dem fernen Osten nach Petersburg zurltckgekehrt und erzählt, daß verschiedene fremdländische. M il i t är a t t a ch e e S den Kriegsschauplatz verlassen, da ihrer Ansicht nach vor de m F r ü h l in g keine ernste Aktion zu erwarten ist. Wladiwostok sei vorzüglich befestigt und würde bald eine drohende Festung werden. Petersburg, 9. Nov. Auf Ersuchen Kuropatkins sind in der letzten Zeit 450 Offiziere nach dem Kriegsschauplatz abgegangen. Petersburger Privatnachrichten melden zwei Eisenbahn- Attentate. Eins ereignete sich bei Irkutsk, wo 20 Wagen mit Kriegsnmterial gänzlich 'zerstört wurden: ein zweites bei Rakienaja, wo mehrere Personen getötet worden sein sollen. Odessa, 9. Nov. Sämtliche Sckisfe der russisck>en Freiwill i g e n - F l o t t e erlsielten Befehl, mit Mannschaften, Munition, Kohlen und sonstigem Kriegsmaterial an Bord v i a T a r- Tie Kosten einer modernen Schlacht. Was hat die Schlacht von Liaujang gekostet? Diese Frage berechnet ein Sachverständiger in einer englischen Zeitschrift wie olgt: 125 000 Russen und 150'000 Japaner haben an der Schlacht teilgenommeu. Bringt man davon die Reserven in Abzug und rechnet mit der Tatsacke, daß nicht alle Soldaten auf einmal kämpfen konnten, so kann man annehmen, daß etwa 60 000 Russen und 80 000 Japaner 60 Stunden lang gekämpft haben. Diese haben 1200 Patronen pro Mann gebraucht, oder gegen ICO 000 000 im ganzen, die 8000000 Mark wert sind. Die 300 in der Scklackt verwandten Kanonen haben etwa 450 000 (Wranateit zn durchschnittlich 8 Mark abgeseuert, was 3 600 000 Mark ausmackt. In diesen Summen sind natürlich nickt mit einbegriffen die Kosten für Ausbesserung der Gewehre und Kanonen: nach zwei oder drei Schlachten wie die bei Liaujang ist sie aber wingend nötig. Die japanischen Feldkanonen kosten je etwa 8000 Mark. Die großen Geschütze, die Port Artlmr verteidigen, kosten bis zn 800 000 Mark, und jeder einzelne Sckuß 1000 Mark, bis jetzt hat die iavaniscke Negierung 240 000 000 Mark ür Kriegsmaterial: die Russen haben da-S Doppelte anfgemandt, o daß im ganzen Material ft'ir 720 000 000 Mark aus den ver- chiedep.en Arsenalen Eurovgs und Asi«'n5 verbraucht worden ist. Tie Floiienbudgct^ der Großmächte. In der Novernber-AuSgabe bc$ „Chambers Journal" befindet sich eine interessante Aufstellung über die Flottenausgaben der Großmächte während der letzten fünf Jahre. Insgesamt verausgabten Großbritannien, Frankreich, Rußland, Deutschland, Italien, Oesterreich-Ungarn und die Vereinigten Staaten 29 Millionen Pfund Sterling mehr bezw. sie erhöhten ihren Flottenetat um 46 Proz. DaS vollständige Flottenbudget dieser Mächte für daS Jahr 1903/04 verschlang danellen nach Oftasien abzugchen. Shanghai, 9. Nov. Hier wird berichtet, daß mehrere Tausend Ausständische die Telegraphenlinien in der Provinz Hunan auf eine Länge von zehn Meilen zerstört.haben und in die Stadt eingedrringen sind. Die Ausständigen sind gut be- Kolonisten und 12 Mann der deutschen Schutztruppe vor sich Vertrieben. Die Flüchtlinge überschritten die deutsche Grenze. Obwohl es als unwahrscheinlich erachtet wird, daß die Hottentotten wagen werden, ihnen zu folgen, wurde die britische Grenzpolizei wesentlich verstärkt, um für jeden Fall gerüstet zu sein. Tas Gesuch der deutschen Schuhtruppler, nach Südwestafrika zurückkehren zu dürfen, wurde abgelehnt. — Von deutscher Selle liegt eine Meldung über diesen Vorgang nicht vor.__________ Aer Krieg zwischen Zapan uitö Zrutzland. Port Arthur. Tokio, 9. Nov. ''Reuter.') Dem Vernehmen nach brachten 5ie Japaner dieFortsErlungschan und Sungschusckan hei Port Arthur vollständig zum Schweigen und richten den Hauptangiisf jetzt gegen das Fort I tse sck an. Petersburg, 9. Nov. Von den im ganzen 26 detachierten Forts von Port Arthur, die wirklich permanent ausgebaut wurden, ist nach den liier vorliegenden Nackrichten bis Mir Stunde noch kein einziges gefallen. Das in die Hände der Japaner geratene sogen. Fort Kuropatkin war nur ein ut letzter Stunde provisorisch 'ausgebautes Werk, das etwa zwei Kilometer über die eigentliche Vefestigungslinie hinausgeschoben yoax. Mit großer Bestimmtheit versichert man: Port Arthur Habe bis Ende des Jahres Munition und Proviant, alle gegen- teiligen Nachrichten hält man für üble Zettelungen. London, 9. Nov. Aus Tschifu wird dem „Dailp Erpreß" fmtlMt: Tie Javaner verle nfte n jeftent 3 Tschrmken, vxlche mit Lebensmitteln für Port Arthur bestimmt waren. Logegen soll es 3anderen Dschunken gelungen fern, die B lockade ,u durchbrechen. Diese Dschunken waren mit Munition beladen. Die Javaner verwenden alle Arregsschrfse, um di- Blockade wirksamer zu gestalten. Bonbon, 9 Nov. Dem Korrespondenten eines Ehuagoer Blattes llst es gelungen, m einem lleimn Boote nach Port Arthur zu gelangen. Er beruhtet, daß ber ft teurer „Da - iatt" sowie da« 2 ckl a ch t ich i fs ,,B - r e s w> - t" unter dem Bombardement furchtoar gelitten hätten und gänzlra) kampf- 92 Mill. Pfd. Sterl. Tie Ziffern sind die folgenden: Zuwachs Proz. 3898 1903 Großbritannien 23 880 000 34 457 000 10 577 000 44.2 Frankreich 11 988 000 12 538 000 555 000 4.5 Rußland 9 028 000 12 349 000 3 321 000 36.7 Deutschland 6 083 000 10 252 000 4169 000 685 Italien 4 000 000 4710000 710 000 17.7 Oesterreich-Ungarn 1 200 000 2 030 000 830 000 69.1 Vereinigte Staaten 7 000 000 16 290 000 9 200 000 131.4 Insgesamt: 63 179 000 92 536 000 29 357 000 46.4 tucfj tagsüber anhielt und viel Schaden anrichtete, Dächer be- chadigte und Laternen zertrümmerte. In den Wäldern ist viel Windbruch zu beklagen. Von einem Neubau.wurde das Gerüst niedergerissen. Auf dem Müggelsee kenterte ein Segelboot, doch sind die Insassen gerettet. Ter telephonische Verkehr ist vielfach , gestört. — In Zürich 'stieß ein Automobil mit einem Fuhrwerk zusammen. Tie in dem Automobil befindlichen acht Personen wurden herausgeschleudert, eine Person sofort getötet und drei schwer verletzt. — In LeMans hat der Schiffsingenieur Fournier feine Frau und seine Schwiegermu tter durch Revolverschüsse getötet. Er war erst seit drei Monaten verheiratet und hatte bereits die Ehescheidungsklage angestrengt. — Gelegentlich einer Treibjagd beim Forstmeister Meier aus Gromsin (Brandenburg) wurde in der Nähe des Pluntsees die Leiche einer gut gekleideten Frau gefunden, die schon stark in Verwesung übergegangen war. Kopf und Beine waren von Raubtiere angefressen. Bei der Leiche wurde eine goldene Uhr mit Kette vorgefunden. Gerichtliche.Nachforschungen sind angestellt. — In CHarle roi (Belgien) verunglückten bei den elektrischen Werken zwei Arbeiter. Sie stürzten infolge Berührens des eilektrischen Trahtes in . einen Schacht und blieben tot. — Bei dem Erdbeben im südlichen Formosa sind mehrere Hundert Menschen umgekommen und über tausend Häuser zerstört worden. Herichlssaal. R. B. Darmstadt, 9. Nov. Die bekannten Vorgänge bei her Reichstags st ichwahl in Offenbach, aus welcher Tr. Becker-Sprendlingen mit großer Mehrheit als gewählt hervorging, bildeten heute den Gegenstand der Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer. Gegen die Giltigkeit der Wahl hatte der sozialdemokratische Landtagsabg. Orb-Offenbach einen Protest beim Reichstag eingelegt, worin behauptet wurde, es habe bei der Stichwahl Stimmenfang stattgefunden und der Fabrikant Böhm habe das. Geld hierzu gegeben. Orb erließ auch einen Aufruf im dortigen sozialdemokratischen Blatt, worin er alle aufforderte, die über den „Kauf von Stimmen durch eine natio- nalliberale Größe", Verabreichung von Freibier re. Auskunft geben könnten, sich bei ihm zu melden, um „das Register der Beeinflussungen, .Brutalitäten und Gesetzesverletzungen" möglichst vollständig vorführen zu können. Böhm erließ hierauf eine Erklärung, in welcher er zur Wahrung seiner Ehre „öffentlich gegen solch infame Insinuationen Verwahrung eiulegte und Orb den Vorwurf machte, daß er nicht den sittlichen Mut habe, sich vor Gericht zu verantworten, sondern sich hinter seine Immunität als Abgeordneter zurückziehe. Darauf erfolgte eine Erwiderung des Orb, die weitere persönliche Beschimvfungcn des Böhm enthielten und.in Abrede stellten, daß Orb sich hinter seine Immunität verschanzen werde. Nun reichte Böhm gegen Orb die Beleidigungsklage ein, Orb erhob Widerklage. Tas Schöffengericht Offenbach entschied in seiner Sitzung vom 3. Mai d. I., daß der von Orb für seine Behauptungen angetretene Wahrheitsbeweis vollständig mißglückt sei: es hätte, weder Stimmenkauf noch sonstige Bestechung durch Freibier oder dergl. stattgefunden, auch hätten unlaut'N'e Machinationen in keiner Weise konstatiert werden können. Angesichts der Schwere der Beleidigungen hatte das Gericht eine Geldstrafe von 600 Mk. event. ztoei Monate Gefängnis für Orb als eine angemessene Sühne erachtet, während Böhm in der Wahrung seiner angegriffenen Ehre der Schutz des § 193 zustehe und er deshalb freizusprechen sei. In d-er heutigen Verhandlung vor der Strafkammer als Berufungsinstanz erklärte sich der Kläger Böhm, dem Abg. Rechtsanwalt v. Brentano zur Seite stand, auf Befragen des Präsidenten zu einem Vergleich 'bereit, wenn der Beklagte seine Beleidigungen zurücknehme und eine angemessene Buße zahle. Nach längeren Bemühungen des Präsidenten kam folgender Vergleich zustande: Abg. Orb erklärt: Ich habe mich überzeugt, und zwar auf Grund der Verhandlimgen erster Instanz, daß. alle Behauptungen und Beschuldigungen, die ich in den beiden Nummern des Offenb. Abendbl. 285 und 293 gegen Herrn Böhm erhoben habe, tatsächlich unrichtig sind. Ich nehme daher diese Behauptungen ''nd Beschuldigungen hiermit zurück und erkläre mich bereit, an die Kasse des Offenbacher .Hilfsvereins im Laufe von vier Wochen 100 Mk. Buße zu zahlen. Herr Böhm gibt zu Protokoll: Ick erkläre, daß 'mir bei der in Nr. 298 8318 Gießen, den 9. November 1904. Danksagung. Für die uns bei dem Ableben unserer lieben Mutter Frau Marie Hessler bewiesene Teilnahme und Blumenspenden sagen aufrichtigen Dank Die rrauernden Hinterbliebenen. Leluunitmuchnttg. Unter dein Schweinebestand des Georg Ockel in Gießen /ft die Notlaufseuche ausgebrochen. Gehöftsperre ist angeordnet. Gießen, den 9. November 1904. Großherzogli-« • ■ umr Gießen. Herberg. Ktlrannlmachung. Unter dem Schweinebestand des Wilhelm Moser dahier /ft die Notlaufseuche ausgebrochen. Gehöftsperre ist angeordnet. Gießen, den 9. November 1904. Großherzogin' ' ouzerantt Gießen. _______Herberg _____ _ Bekannlmach ring. Samstag den 12. b. Mts. wird unsere ttnibersität den 400-jährigen Geburtstag des Landgrafen Philipp des Großmütigen festlich begehen und im Anschluß an diese Feier den Neubau der Universitätsbibliothek eiuweihen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog wird diese Festlichkeit mit seiner Gegenwart beehren. Soweit bis setzt ieststeht, wird der Großtzerzog gegen 10 Uhr morgens hier ankommen und vom Bahnhof durch die Bahnhofstraße, Liebigstraße, Franksurterstraße, Südaulage, Gartenstraße und Ludmigstvaße zur Universität fahren, gegen 12V4 Uhr sich von der Universität durch die Ludwig- und Bismarckstraße nach der Bibliothek begeben und nach Beendignng der dortigen Feier durch die Cteplmustraße, Gartenstraße, Südanlage, Fraitksurterstraße, Liebigstraße und Bahnhofstraße zum Bahnhof fahren. Die Bewohner unserer Stadt bitten wir, ihrer Freude über die Festlichkeit unserer Universität und den Besuch unseres Landes- Herrn durch -lnsschmttcken und Beflaggen der Häuser, nanient- lief) in den oben genannten Straßen, Ausdruck zu geben. Gicßeit, den 9. November 1904. B10/11 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. M e c u tn. Wollene Strickgarne (Marke M & K.) anerkannt bestes Fabrikat, empfiehlt in allen gangbaren Farben und Qualitäten billigst 7863 Robert Stuhl, Musick 23. der Offenb. Ztg. von mir veröffentllchren „Erklärung" jede Absicht, Herrn Orb zu beleidigen, fern lag und daß ich diese Aeußer- ungen zurücknehme. — Weiter verpflichtet sich Herr Orb, diesen Vergleich wörtlich in der Franks. Ztg., im Offenb. Abendbl. und in der Offenb. Ztg. auf seine Kosten zu veröffentlichen. Herr Orb übernimmt auch sämtliche Kosten des Verfahrens. Mainz, 9. Nov. Gestern hatte sich hier vor der Strafkammer der aus Darmstadt gebürtige, 72 Jahre alte Notar Wilhelm Bechtold, der in Alzey seinen Amtssitz hat, zu verantworten. Er war angeklagt, sich im Februar bei einem Auflassungsverfahren, der falschen Beurkundung dadurch schuldig gemacht zu haben, daß er, nachdem die Urkunde bereits vollzogen war, von seinem Gehilfen eine Aenderung vornehmen ließ, statt einen Nachtragsakt aufzunehmen. Gestern bestritt er vor der Strafkammer, sich einer falschen Beurkundung schuldig gemacht zu haben. Bei den Notaren seien derartige imbedeutende Abänderungen allgemein gebräuchlich. Tas Gericht war jedoch anderer Meinung und erkannte auf die Mindeststrase von einem Monat Kunst und Wissens^alt. H e i d e l be r g, 9. Nov. In der heutigen Sitzung des Bürgerausschusses teilte Bürgermeister Tr. Wilkens bezüglich des Otto Heinrichbaues mit, er habe von großh. Seite erfahren, daß sie bereit sei, eine n 0 ch m a l i g e P r ü f u n g in der Richtung vorzunehmen, ob der Bau nicht als Ruine erhalten werden könne, und daß sie zunächst der Vorlage des neuen Eggert- schen Gutachtens durch den Schloßverein entgegensetzen. Es sei also damit zu rechnen, daß sich schließlich doch eine Lösung finden werde, die dem in weiten Kreisen der Bürgerschaft gehegten Wunsche entspricht, daß der Otto Heinrichbau als Ruine erhalten werden möge. ______ Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. ~ Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 11. November 1904: wolkig, windig, erheblich kälter, noch geringe Niederschläge (Regen- oder Schneeschauer, je nach der Höhenlage) besonders im Nordosten. Näheres durch die Gießener Wetterkarte.____________ Märkte fc. Frankfurt a. M., 10. Nov. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkt- p reise. Zum Verkaufe standen: 29 Ochsen, 6 aus Oesterreich, 0 Bullen, 00 aus Oesterreich, 47 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oesterreich, 695 Kälber, 351 Schale und Hammel. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 68—70 Mk., 3. Qual. 59-63 Mk.; Bullen 1. Qual. 00—00, 2. Qual. 00—00; Kühe 1. Qualität 67-69 Alk., 2. Qual. 64—66 Mk., 3. Qual. 54—56 Mk., 4. Qual. 45—47 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 78—81 Pfg., Lebendgewicht 47—48 Pfg., 2. Qualität 74—76 Pfg., Lebendgewicht 43-46 Pfg., Schlachtgew. 57—61 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 68—70 Pfg., 2. Qual. 62—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Limburg a. d. L., 9. Nov. Fruchtnr arkt. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen, neuer, 14.80 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn, altes, Mk. 00.00, neues 00.00 Mk., Gerste 00.00 Mk., Hafer 7.27 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Kirchli HachVt Ulen. Evangelische Gemeinde. Freitag, den 11. November, nachmittags 51 /, Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädcken derLukasgemein'de imKonfir-- mandensaal der Lukasgemeinde, Liebigstr. 56. Pfarrer Euler. Neueste Weldnnueu. Berlin, 10. Nov. Es ist als sicher anz-unehmen, daß die Regierung den Reichstag zum 29. November einberufen wird. Die Tagesordnung für die erste Sitzung steht noch nicht fest, wird aber nach der offiziellen Einberufung bekannt gegeben. Paris, 10. Nov. Es heißt, zwischen dem nationalImeckaß Öen 8.^.1994 nachmittags 3 Uhr, wird auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Earl Buß und Ehefrau geb. Rumpf stehende Parzelle der Gemarkung Gießen Flur 1/516 — 243 qm Hofraite auf dem Marktplatz öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 26. Oktober 1904. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. _________ Gros. Ba710 Verdingung. Die Ausräumung von Flutgräben im Neustädterseld soll Mittwoch den 16. d. Mls., vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht auf. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. — Zuschlags- frist 14 Tage. b9/ 11 Gießen, den 8. Nov. 1904. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. Versteigerung. Samstag den 12. ds. MtS., nachmittags 2 Uhr versteigere ich Neustadt 55 dahier, auf Antrag derKonkursverwaltung desFriedr. Teivel zu Gießen gegenBarzahlung Vier fast neue Betten, Waschtisch, Stühle, Schränke usw. Die Versteigerung findet bestimmt statt. 8317 Born, Gerichtsvollzieher i. 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Gegründet 1826. liberalen Deputierten Syveton und dem Kavallerieritt^ meister de Gail werde heute in der Nähe von Paris das vorgestern angekündigte Pistolenduell ausgefochten werden. Von einer Syveton nahestehenden Seite wird mitgeteilt,^ Syveton werde sich sofort nach diesem Duelle dem Gerichte zur Verfügung stellen. Im Laufe der Untersuchung vor dem Gerichtshöfe werde Syveton mit allem Nachdrucke betonen, daß er mit Vorbedacht gehandelt habe. Er werde sich hierbei auf das Zeugnis zweier Minister berufen, die bereits zu, Beginn jener Kammersitzung am Freitag von seinen Absichten unterrichtet gewesen seien. Wien, 10. Nov. Aus Innsbruck wird berichtet, ev sei beschlossen worden, daß die italienische Fakultät in Innsbruck keinesfalls wieder eröffnet wird. Die Fakultät wird nach Trient verlegt. Chicago, 10. Nov. (Eigener Drahtbericht.) Der Korre* spondcnt der hiesigen „Daily News" erzählt, es sei ihm gelungen, in Port Arthur einzudringen. Im Hasen liegen 16 Kriegsschiffe, keines davon sei abgerLstet, nur mehrere Heine seien an Land. Die japanischen Granaten richteten große Verwüstungen an, obwohl von zehn nur eine treffe. Die Stadt sei im übrigen ruhig, die Läden seien offen und die Kinder spielten auf den Straßen. General Stössel erklärte ihm, er sei überrascht, daß Knropatkin sich in Mukden befände. Dann, so sagt er, giebt es keinen Ausweg; wir muffen sterben oder kommen nach Matsuyama (das ist das Lager der russischen Gefangenen in Japan). Täglich werden 10 Pferde geschlachtet, obwohl nur noch 100 Pferde vorhanden find. Vom Kriege. London, 10. Nov. Tas Reutersche Bureau erfährt, ba$‘, die Subskription auf die 5proz. japanische Anleihe von 80 Millionen Pen, die am 7. d. M. geschlossen wurde, nicht weniger als 242 Million en Den ergeben habe. — Ter „Standard" erfährt aus dem Hauptquartier des General Kuroki vom 8. d. M.: Die Russen unterhalten ein ununterbrochenes Artilleriefeuer gegen den linken japanischen Flügel. Ter Erfolg jedoch ist sehr gering. Die allgemeine Lage ist unverändert. — „Taily Expreß" meldet aus Tientsin bmn' 9. d. M.: Tie Chinesen ermordeten bei Kopangtse an der nordchinesischen Eisenbalm einen französischenMissionar. — „Daily Mail" meldet aus Tschifu von gestern: Den Japanern ist es unter großen Verlusten gelungen, eine Stellung zu gewinnen, durch'welche die Eroberung aller Verteidigungswerke nördlich der Tigerschwanz-^ Halbinsel gesichert ist. Mukden, 9. Nov. Die Ausdauer der russischen Soldaten ist bewundernswert. Viele derselben befinden sich seit drei Wochen in d en La ufg räb en , wo sie die ganze Zeit über in gebückter Stellung oder sitzend verweilen müssen, da sie jede Unvorsichtigkeit mit ihrem Leben büßen würden. Die Kälte ist se.hr groß. Tie Soldaten leiden hierunter ungemein, da sie keine Feuer anzünden dürfen. .Trotzdem tragen sie ihre Leiden mit Geduld und schicken sich ins Unvermeidliche. London, 10. Nov. Aus Tokio wird telegraphiert, daß Bürger, Freiwillige und Polizisten jetzt die Garnison von Port Arthur verstärken. Auf beiden Seiten fielen bei dem letzten Sturm der Japaner so viele Menschen, daß eine große Zahl Leichen tag el an g un beerdigt umher lagen. Sie wurden zuweilen von den aus Port Arthur entlaufenen Hunden angefressen, bis von Schauder ergriffene russische Scharffchützen die Tiere totschossen. Tie chinesische Neustadt ist fast ganz zerstört. Der größte Teil der Ausländern gehörigen Warenhäuser und Läden ist niedergebrannt. '------------—■— ■■ - ScFrirffi Tai ff macht die Haut spröde und rissig, dies -14iiiL vermeiden gebrauche man nur das krh' Myrrholinglycerin. br Gebrauchsfertig und in wenige« Minuten herstellbar sind sür 2 gute Teller vorzüglicher Suppe. Ohne weitere Zutat, nur mit Wasser zuzubereiten. Bestens empfohlen von C16/11 Johann Seibel, Ludwigsplatz 13. Akchcis. WW für Riililr- und Sciltuniie (Naturwissenschaftliche Abteilung.) Sitzung Dienstag den 15. November 1904, abends 8 Uhr, im großen Hörsaal des Physikalischen Instituts (Goethestraße 55). Tagesordnung: Herr Prof. Drude: Ueber Radium. Gäste willkommen. Der Vorstand* Es giebt jetzt nichts vorzüglicheres mehr znm Wichsen von besseren Schuhen als Galop-Cr6me Pilo. Dasselbe giebt rasch Glanz, erhält das Leder, färbt nicht ab und haben daher alle Dienstmädchen ihre Freude daran. CM/T WWnsir.45 E. Seuiing VWich.si Sämtliche Trikotagen nnd Kindcr-KostnmeS, gestrickte Herren- nnd Knaben-Westen, Hemden- nnd Rock- stanette, Bettkolter und Bieber-Betttücher in großer Auswahl zu denkbar billigsten Preisen. 8299 AgL von Herren - westen, Gamaschen, Strümpfe« vlliaili und Kniewärmern wird schnell uud billigst besorgt. Präcisions-Taschenuhren A. Laiuje s Siilinc,(ilashiille Sa? he