Nr. 288 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Montag 10. Oktober 1904 Gießener Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Redaktton, Expedition u. Druckerei: Schulstr. F, Lei. Nr. 6L Lelegr.-Adr. r Anzeiger Gieße» Rotationsdruck und Verlag der Brühlstche» Unwersttätsdruckerei. St Lange, Gieß«. Die „©teßenet Zamilienbtätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hesstschr Landwirt- erscheint monatlich einmal. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. & KeKanntmachung. In dem Verfahren zur Anlegung des Grundbuchs und Berggrundbuchs für die Gemarkungen Bersrod und Winnerod beginnt die Anmeldungsfrist mit dem 15. Oktober 1904 und endigt mit dem 14. Januar 1905. Die Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten während der An- meldnngsfrist zu geschehen hat, können auf der Amtsstube des Gr. Ortsgerichtsvorstehers zu Bersrod und auH dem Anschlag an der dortigen Ortstafel ersehen werden. Gießen, den 8. Oktober 1904. Grohherzogliches Amtsgericht. MMlsche Wochenschau. Tie Thronstreitigkeiten in Lippe-Detmold haben durch das Eingreifen des Kaisers, das wahrscheinlich noch weittragende staatsrechtliche Folgen nach sich ziehen wird, eine Bedeutung erlangt, die ihnen sonst nicht entfernt zukommen würde. Ter springende Punkt in der Angelegenheit durch die jetzt geschaffene Lage ist der, ob die einzelnen Bundesstaaten in Zukunft .Herr im eigenen Hause sein werden oder sich Eingriffe itt ihre Selbständigkeit gefallen lassen, wobei es im Prinzip gleichgiltig ist, von toeMyer Seite diese Eingriffe ausgehen. Formell schien die Angelegenheit klar zu liegen. Der lippesche Landtag hatte 1898 die Erbfolgefrage im Fürstentum gesetzlich in der Weise geregelt, das; nach dem Tode des Grafregenten sein ältester Sohn Leopold die Regentschaft übernehmen solle. Es muß daher unverständlich bleiben, wenn der Kaiser in seinem Telegramm vom 26. September behaupten konnte, daß, da die Rechtslage in keiner Weise geklärt sei, er die Uebernahme der Regentschaft durch den Grafen Leopold nia-t anerkennen könne. War in der Umgebung des Kaisers niemand, der den Monarchen aufklärSn konnte? Freilich, Graf v. Bülow sitzt behaglich in Homburg, obwohl er dringende Ursache hätte, ein Lebenszeichen von sich zu geben. Ist er aus irgend welchen Gründen mit dem Tenor des kaiserlichen Telegramms einverstanden gewesen, so müßte er um seinen Abschied einkommen, da er damit die Verantwortung für eine inkonstitutionelle Kundgebung trüge; ist er aber — und dies ist das wal-rscheinlichere — nicht gefragt worden, so bliebe ihm erst recht nichts anderes übrig, als aus dem Amt zu stbeiden. Gras Bülow aber fällt es nicht ein, diese Konsequenzen zu ziehen, sondern vergnügt sich im spätherbstlichen Taunusbade bei guten Tiners. So fand dort am letzten Samstag bei ihm ein größeres Tiner in Ritters berühmtem Park-Hotel statt, an dem Prinz und Prinzessin Karl von Hessen, Prinz Arenberg, der Botschafter in Rom Graf MontS, der deutsche Gesandte in Kairo, Oberbürgermeister von Marx, sowie Kurdirektor Frhr. v. Malhahn teilnahmen. T«er Reichskanzler dürfte seinen Homburger Aufenthalt sogar, wie es neuerdings heißt, bis über den 20. Oktober ausdehnen. Alle Preßerörterungen über das kaiserliche Telegramm lassen ihn scheinbar kalt. Und doch hätte die Tepesche eine ministerielle Gegenzeichnung haben müffe, da sie sich durch die Inhibierung der Truppenvereidigung nicht als eine private Meinungsäußerung dokumentierte, als die man sie sonst vielleicht hätte auffassen können. Weit bedauerlicher aber als die Tatsache, daß daö Reick^oberhaupt sich nach dem BiS- marckscl-en Wort ohne ministerielle Bekleidung vor der Oeffent- lichkeit gezeigt hat, ist die Schädigung, die das kaiserliche Ansehen erfahren muß, wenn in der Folge ein neues Schiedsgericht den Spruch des alten Schiedsgerichts von 1897 wiederholen und dadurch die Biesterfelder Linie für absehbare Zeiten die Herrschaft in Lippe behaupten sollte. Bekanntlich besteht auch in Bayern eine Regentschaft, ebenso wie in Braunschweig, Sachsen-Coburg- Gotha und Reuß ä. L. Würden nun, wenn in diesen oder anderen Staaten den Regenten von entfernten Agnaten ebenfalls die An- sprüche trüf die Regierung bestritten würden, ähnliche Eingriffe, wie z. B. das Verbot der Truppenvereidigung usw., möglich sein? Es sollte in der unerquicklichen Lippeschen Angelegenheit alles vermieden werden, das' den Anschein haben könnte, als ob hier Familienintereffen eine größere Rolle zu spielen berufen seien als Recht und Gesetz. Tie Kommission deS lippeschen Landtages setzte übrigens ihre Sitzungen auS. Tie Pause wird mit Ver- handlnngen zwischen den Fraktionen ausgefüllt. Heute, Montag, tritt die Kommission wieder in Lage zusammen. Wahrscheinlich iindet heute nachmittag eine Plenarsitzung statt. Ter Entwurf des deutsch-rumänischen Handelsvertrags ist am 8. d. M. in Bukarest von den beiderseitigen Delegierten unterfertigt worden. Ob es indes gelingen wird, dem I Ende November zusammen tretenden Reichstage gleich zu Beginn die neuen Handelsverträge vorzulegen, ist zweifelhaft. Tie Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Oe st erreich und dem deutschen Reiche sind inzwischen auf Anfang November ver- ; schoben nmrdm, da die östreichische Zoll- und Handelskonferenz, der die Vorbereitungen für die neuen Verhandlungen obliegt, erst am 20. November zusammentrtten kann. Auch die Verband- Der Fling. Kriminal-Roman von O. Elster. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ter Anwalt lachte leicht auf. „Ricl-tig! Bei solchen geheimnisvollen Vorfällen ist stets eine Frau beteiligt. Aber, bester Herr Groller, die Frau, als Gattungsbegriff, hat im Leben Ihres Bruders eine solch bedeutende Nolle gespielt, daß es unmöglich ist, die richtige herauszufinden. Sie wissen selbst, daß nach dieser Richtung hin die eingehendsten Nachforschungen angestellt wurden — ohne Resultat." „Ich weiß es — und doch bin ich jetzt überzeugt, daß eine Frau beteiligt ist." „Ich teile Ihre Ueberzeugung, aber es handelt sich darum, diese Frau zu finden." „Ich habe sie gefunden!" „Alle Wetter! Tas wäre ja sehr interessant! Wollen Sie mir das Nähere mitteilen?" „Ja — deshalb kam ich her. — Sehen Sie hier! — Was ist das?" Er reichte dem Anwalt das kleine Etuis mit dem seltsam geformten Ning. Ter Iustizrat besah das Kästchen von allen Seiten. Dann sagte er lächelnd: „Ein sehr hübscht Etuis mit einem seltsam geformten Ning..." „Ja, aber bemerken Sie nicht noch etwas?" „Einen Wichtigen Rubin und einen Einschnitt ist dem Polster des Kästchens, in dem noch ein zweiter Ring gesteckt haben muß." „Gut. Und höchst wahrscheinlich ist dieser zweite Ring ebenso gesonnt ge-vcsen, wie der nocy vorhandene. Tenn in diesem Ringe befindet sich eine Inschrift: „Verbunden auf ewig in L^bca und Treue . . ." Tas läßt darauf schließen, daß die beiden Ringe angefertigt wurden zur Besiegelung eines Liebesbündnisses und jeder der beiden Liebenden einen Ring erhielt." „Ich kann mich der Richtigkeit Ihrer Schlüsse nickt entziehen. Aber ich sehe nicht ein, inwiefern das mit dem Tode Ihres Bruders in Verbindung steht. Ihr Bruder hat verschiedene Liebesverhältnisse gehabt. Es käme vor allem darauf an, die Besitzerin des zweiten Ringes zu finden. Aber auch das wäre kein Beweis. Ihr Bruder hat viele Ringe verschenkt." „Tie Besitzerin des zweiten Ringes «ist gefunden!" „9lh — "die Sache wird immer interessanter. Wer ist die Tmne?" „Fräulein Bertha Wüllbrandt..." „Wie? Ihre Wirtschafterin, welche so sehr zu Ihren Gunsten aussagte?" „Ja — dieselbe. Sie bat einige Tage nach meiner Rückkehr nach Wendessen um ihren Abschied, den ich ihr sofort erteilte. Als sie mir die Hand zum Mschied reichte, wobei sie seltsam bewegt war, bemerkte ich an itym Hand einen Ring — den gleichen Ring, wie Sie solchen jetzt vor sich sehen." „Hm, können Sie sich nicht getäuscht haben?" „Nein, — die Form deS Ringes, der blutrote Rubin fielen mir sofort auf. Ich hatte den Nirm noch nie an ihr bemerkt — als mir beim Ordnen des Nachlasses dann dieser Ning in die Hände fiel, erkannte ick ihn sofort wieder." „Tas ist allerdings seltsam. Mer Ihr Bruder hatte die nicht sehr löbliche Gewohnheit, seine Liebesbriefe aufzubewahren, haben tDte in den Briefen keinen von Fräulein Wüllbrandt gefunden? Ich entsinne mich nicht, daß das Gericht einen Brief des Fräuleins gefunden hat..." „T>as ist das Merkwürdige! Ich habe alle Briefe durchge- sehen, ich fand keinen Brief des Mädchens." „Seltsam, in der Tat! Mer worauf gründen Sie Ihren VerdacA, daß jenes Mädchen mit der Tat in Verbindung steht?" „Auf diese beiden Ringe und auf die Mitteilung des Pfarrers Vollmar, daß er meitrn Bruder und Bertha Wüllbrandt einige Male auf einsamen Wegen gesehen, sodaß er annimmt, mein Bruder habe zu dem Müdcl-cn in Beziehungen gestanden." lungen mit der Schw ei z find auf Schwierigkeiten gestoßen, sodaß auf ihren baldigen Abschluß nicht zu rechnen ist. Tie Hauptschwierigkeiten beziehen sich dabei auf die deutsche Konfektion und unter den schweizerischen EZportartikeln auf Maschinen, Seide und Baumwollenwaren. Neue Forderungen für S üd w e st a fr i ka werden an den Reichstag sicherlich he^antreten. Tie letzte Meldung des Generalleutnants v. Trohta ließ hoffen, daß es den deutschen Truppen gelungen sei, den Widerstand der aufsässigen Neger zu brechen. Jetzt aber kommt die Kunde, daß die W i t b o i - Hottentotten im Süden von Südwestafrika die Station Kuis angegriffen haben. Sie scheinen einen allgemeinen Aufstand ins Werk zu setzen. Auch die Station Hoachanas soll angegriffen sein. Tie Bastards von Rehoboth sollen Aufforderungsschreiben zum Aufstande erhalten haben. Oberst Leutwein stehen zur Verfügung: Zwei Kompagnien (270 Gewehre, abzüglich einer Detachierung in den Karrasbergen), eine Batterie unter Major von Lengerke in KeetmanshoP und eine Kompagnie (170 Mann) in Windhuk. Tie Gebirgsbcrtterie geht am 17. Oktober nach dem Süden des Schutzgebietes hinaus. Teimling ist auf die Meldung, daß zahlreiche HereroS bei Otjimanangombe-Ganas stehen, am 23. September von Epukiro auf Otjimanangvmbe ausgebrochen. Ombakaha, Sturmfeld imb Kalkfontein bleiben besetzt. Teimling versucht, lange Turststrecken durch Vorschicken von Wasser mit Ochsenwagen zu überwinden. — Man sieht, Ruhe und Frieden werden, so bald in die verwüstete Kolonie nicht einziehen, eS wird vielmehr noch gar sehr lange dauern, bis das immer auss neue wieder entfesselte Feuer «des Aufruhrs erstickt sein wird. Ter Gedanke einer Betriebsmittelgemeinschaft der deutschen Staatseisenbahnen ist in ein neues Stadium getreten. In Heidelberg wurde aus Antrag der süddeutschen Staaten eine Konferenz. der Eisenbahnverwaltungen abgehalten. Man einigte sich dahin, daß eine Betriebsmittelgemeinschaft angebahnt werden solle. Tiese Betriebsmittelgemeinschäft bezweckt die gemeinschaftliche Benutzung der Lokomotiven, sowie der Personen- und Güterwagen. Turch eine solche Gemeinschaft wird vermieden, daß z. B. ohne Grund Güterwagen leer hin und her laufen und daß auf den Uebergangsstationen wie bisher zum Zwecke besonderer Uebergabeverhandlungen ein Aufenthalt für die Güterwagen erttsteht. Joö Chamberlain hat nach längerer Pause seine Zollkampagne wieder aufgenommen. Am letzten Mittwoch hielt er in Lutton, in der Grafschaft Dredford, eine Rede über seine Tarifvorschläge, in der er besonders seine Uebereinstimmung mit der des Ministerpräsidenten Balfour in bezug auf den Protektionismus, wie er vor fünfzig Jahren bestand, betonte, den beide verwerfen. Was England brauche, sei Sicherheit für den einheimischen Fabrikanten. In der für England Zukunft hochwichtigen Frage der R e i ch s u n i o n begrüßte der ehemalige Kolonialnnnister von seinem imperialistischen Standpunkte auS den Vorschlag einer Konferenz mit den Kolonien natürlich aufs lebhafteste, wobei er es an Ausfällen gegen Rosebery und die Liberalen nicht fehlen ließ. Auf dem Kriegsschauplatz in der nördlichen Mandschure i scheinen sich die Verhältnisse immer mehr zuzuspitzen. Am 2. d M. haben die Japaner auf der Linie vom Hunhofluß biS zur Straße Mukden-Pönsihu die Offensive ergriffen, sind aber zurückgesck;ilagen wovden. Wahrscheinlich handelt eS sich hier auch nur um ein Vorpostengesecht größeren Stils, wie solche fast täglich stattfinden, und die nur die Einleitung zu der für die nächste Zeit angekündigten großen Scklacht bei Tieling zu bilden scheinen. Wie eS heißt, soll sich Kuropatkin jetzt endlich entsMoffen haben, aus seiner bisher beobachteten Reserve herauS- zutreten und geneigt sein, zu einem energischeren Angriff gegen ine Japaner unter Oyama vorzugehen. Augenscheinlich gedenken die Ruffen Tieling alS HauptbasiS zu benutzen, was sckwn auS den starken Befestigungen, die sie in der Umgegend errichten, schließen kann. Die augenblicklich bestehende Verteilung der russischen Streitkräfte kann nur die wiederholt ausgesprochene An- sicht bestärken, daß Kuropatkin beabstchttge, den Marsckall Oyama beim Ueberschreiten des Hunhofiusses sozusagen zu stellen, um ihn zu einer Schlacht in dem Gelände zu zwingen, das sich der ncffische Oberbefehlshaber selbst ausgesucht und demgemäß eingerichtet, b. h. befestigt hat. Tie japanische Einschließung Port Arthurs wfrd immer enger. Ten Japanern liegt sehr daran, Port Arthur am 8. November, dem Geburtstage des Mikados, zu nehmen. Ruffische Gefangene sagen aus: viele Tote liegen unbeerdigt innerhalb der Festung: die Hospitäler seien so voll, daß Verwundete an Bord der Schiffe im Hafen geschickt werden. Tie Garnison ist aus 10 000 kampffähige Männer reduziert. Tie Blockade wird strenger, die Nahrung ist knapp: Pferde werden bereits geschlachtet. 'In den letzten Tagen herrschte dort ein furchtbarer Sturm. Alle Verbindungen mit Port Arthur seien daher unterbrochen. Wie weiter verlautet, soll ein deutscher Tampfer bei Tsingwu Kohlenladungen der englischen Tampfer „Howik" und „Hall" über- nommcn und versucht haben, die Blockade zu durchbrechen. Ans Stadt und Land. Gießen, den 10. Oktober 1904. ** Empfänge. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 8. Oktober den Kreisschulinspektor Eck von Alsfeld und den Professor Dr. Vossius, Rektor der LandeS- unioersität Gießen. ** Auszeichnung. Se. Kgl. Hoh. der Großberzog haben dem Hauptmann a. D. v. Meier, seither Kompagniechef im Jnfanterie-Leib-Regiment Großherzogin (3. Großh. Hessisches) Rr. 117, das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen. •* Oeffentliehe Lesehalle. Im September wurden 2149 Bände auSgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 1090, Zeitschriften 411, Jugendschristen 218, Verdichtungen 22, Literaturgeschichte 17, Länder- und Völkerkunde 66, Kulturgeschichte 35, Geschichte und Biographien 71, Kunstgeschichte 14, Naturwissenschaft und Technologie 107, Seewesen 33, Haus- und Landwirtschaft 6, Gesundheitslehre 10, Religion und Philosophie 21, Staatswissenschaft 7, Sprachwissenschaft 6, Fremdsprachliches 15 Bände. Nach auswärts kamen 42 Bände. ** Tuberkulose-Bekämpfung in Hessen. In der Ernst Ludwig-Heilstätte (der Invaliden-Versicherungsanstalt Gr. Hessen gehörig) wurden im dritten Quartal dieses Jahres 145 männliche Lungenkranke neu zur Kur ausgenommen und die gleiche Zahl aus der Kur entlassen. Ende September befanden sich noch 118 Pfleglinge in der Heilstätte. Da die Heilstätte seit Monaten vollständig belegt ist, läßt die Invaliden - Verstchenmgsanstalt eine Anzahl Patienten in der Pension Kirchbaum in Eberbach verpflegen. 22 Personen« wurden dort im dritten Quartal ausgenommen. Die weiblichen Lungenkranken der Jnvaliden-Versicherungsanstalt werden in der Pension Göttmann in Reichelsheim L O. behandelt. Die Ernst Ludwig-Heilstätte und die Pension Göttmann sind auch in den Winter-Monaten geöffnet und nehmen — soweit Platz vorhanden — auch minderbemittelte Kranke, die der reichsgesetzlichen Jnvaliden-Versicherung nicht unterliegen, gegen mäßige Pensionssätze zur Verpflegung auf. L-:.** Heilstättenverein für Hessen. Der Bau der Lungenheilstätte des Vereins, welcher bei Winterkasten im Odenwald errichtet wird, schreitet Dank der günstigen Witterung rasch fort, sodaß die Haupt-Gebäude wohl noch vor Eintritt der strengen Jahreszeit und des Frostes unter Dach kommen werden. Der innere Ausbau und die Einrichtung sollen so gefördert werden, daß die Inbetriebnahme der Heilstätte im Herbst 1905 erfolgen kann. bä. Hochelheim, 9. Okt. Dieser Tage traf tmfel neuer Pfarrer Heep hier ein. Von zwei Mitgliedern^ deS Presbyteriums wurde er in einem Landauer von Wetzlars abgeholt. Gesangvereine und Schulkinder mit den Fahnen, begleitet von den Lehrern der Gemeinden Hochelheim und Dornholzhausen, gingen ihm entgegen und begrüßten ihn auf der Chaussee zwischen Hochelheim und Rechtenbach. Vor dem geschmückten Pfarrhause hatte sich eine zahlreiche Versammlung eingefunden. Die Vorsteher sowie die Mitglieder deS Presbyteriums beider Gemeinden hießen ihren neuen Pfarrer willkommen. Hierauf trug der Gesangverein unter Leitung des Lehrers Drescher das Lied vor: Mit dem Herrn fang' alles on*. Nach der Begrüßungsansprache des Lehrers Braun-' Hochelheim sang der Verein daS Lied: ,Die Himmel rühmen deS Ewigen Ehre^. Dann sprach Pfarrer Beck-Rechtenbach. Nach dem Gesang eines ChoraleS dankte Pfarrer Heep für die Ehrungen, worauf die Versammlung nach dem Gesang eines Schlußverses auseinander ging. Die Einführung in das Amt fand durch Superintendent Schoeler-Wetzlar statt» Herr Heep, der unter 30 Bewerbern fast einstimmig von beiden Gemeinden gewählt wurde, war im vorigen Jahre Synodal-' vikar in Wetzlar und seit dem 1. Januar d. Js. Pfarrer an der deutsch-evangelischen Kirche in Madrid. bk. Friedberg, 9. Okt. Vor einigen Tagen fand man den Metzger und Wirt Ph. Steinhäuser in seinem Apfelweinkeller bewußtlos vor. Man trug ihn ins „Der Herr Pfarrer hat wahrend der Untersuchung schon diesen Verdmcht geäußert. Wre ete wffsen, ist Fräulein Wüllbrandt danach gefragt, fte bestritt durchaus, nähere Beziehungen zu Ihrem Bruder gehabt zu haben. T'a keinerlei weitere Beweise Vorlagen^ rm Gegenteil Fräulein Wüllbrandt als durchaus moralischer Eha- rNkttr gelten konnte, ließ man diese Sache fallen. Mer ich bin mrßtvlnujich — ich glaube cm nichts und an alles — und weise dcLyalb auch Ihren Verdacht nicht von der Hand. Lasten Sie unS jedoch, elye loir weiter gehen, die Tatsack>en in das Gedächtnis' < fie uo chsdeutilich in der Erinnerung. Also Ihr. Bruder kam in dreiem Sommer, wie jedes Jahr, am ersten Ium, zu Ihnen zum Versuch Er war lustig unS guter Tinge^ nne immer, ene beide verkehrten sehr angenehm mit einander/ Grund zu Streitigkeiten lag nicht vor." „G^wiß nicht. Mein Bruder bot mir sogar ein unverzmS* liches Darlehen an." „Welches Anerbieten Sie Mehnttn." „Ja ich glaubte ohne dtisselbe auskommen zu können." (Fortsetzung folgt.) Gießener Stadttheater. Lieveömattvver. Don Kurt Kr a a tz und Frhrn. v. Schlicht. Wolf Gras v. B a u d i s s i n, der als Fvi)r. v. Schttchi unter die Literaten trat, ist ?Bt'rfasser einer Reihe größerer und kleinerer belletristischer Schriften auS dein! Militärleben der Owgenivart. In dicken Romanbürrden hat bisher seine D'aft versagt, aber er schien die flache rntbl harmlose Militär) re auf ein lwhercs Niveau bringe^ zu können. In unlängst unter der smumrlnden Starl- oartenlnschrist „Tie Fahiienkompaanie" (Müuel>en, Mievt Langen) erschienenen kleinen ledendiaen Bildern, von yrrie tmb holte Dr. Best, dem e« nach längerer Zeit gelang, den infolge der GärungSgase fnft Erstickten wieder inS Leben zurück zu rufen. — Dem Knaben, der am Sonntag bei der im Bürgfeld abgebaltenen Jagd angeschossen wurde, geht eS befiec. Es sind Venvundungcn der Beine und deS Leibes vorhanden. — In Stammheim wurde ein 40 Jahre alter Arbeiter im Steinbruch durch Zusammensturz von Stein- und Erdmassen erschlagen. Er sall seinen Tod selbst verschuldet haben. Frankfurt, 6. Oft. Der evangelische Kirchenvorstand sendet der Franks. Zeitung eine Zuschrift bezugnehmend auf eine s. Z. von dem Blatte gebrachten Notiz aus Hornburg v» H. über Freiherrn von Mirbach, in der behauptet wurde, daß er eine ihm für die Erlös er kirche in Hornburg übergebene Spende von 2 5000 Mk. nicht für diesen Zweck abgeliefert babe, sondern für einen seiner Vereine benutzt habe. In der Zuschrift erklärt der Krrchen- vorstand: Der hochherzige Geber der bezeichneten Spende hatte das Geld nach Berlin eingesandt, und dort war es durch Freih. v. Mirbach bei der Königl. See Handlung zinstragend angelegt worden. Somit ist die Behauptung, daß das Geld zu anderen Zwecken verwendet sein soll, unrichtig, da das Geld bei der Seehandlung niedergelegt^var. 5>et Wrand des Aascler Stadttveaters. Eine Feuersbrunst hat, wie bereits gemeldet, im Laufe der Nacht zum Freitag das Stadttheater von Basel gänzlich zerstört. Der Brand entstand, wie vermerkt wird, durch Kurzschluß. ITmi 2 Uhr morgens bemerkte der sammlung des Vereins der östreichischen Papierinteressenten in Wien wurde die ErWhung der Preise für alle Sorten Papiere, Papierwaren und Papiersäcke beschlossen. Tie Preiserhöhung, die sofort in Kraft tritt, ist dumh die seitens der Papiersabrikauten beschlossene durchschnittlich lOproz. Preissteigerung aller Papiersorten begründet. Vom G e ttd m a r k t. Tie Situation am Geldmarkt bleibt gespannt und die Befürchtungen »vegen einer event. Tiökont- erhöhimg der Deutschen Reickisbank bleiben bestehen. Andererseits^ ist aber doch anzunehmen, daß das letztgenannte Institut, ebenso wenig es sich seinerzeit zum Herabsetzen des Tiskontsatzes verleiten ließ, sich zu einer Erhöhung desselben bestimmen lassen wird, wenn nicht ganz besonders gewichtige Gründe vorliegen. Merdings im November machen sich gewöhnlich nochmals besonders große Geldbedürfm'sse, meist bei Grundbesitzern, geltend, und da ist es sctwn möglich, daß die Bant ilwe so zäh behauptete Position verläßt. _____________________________ _______- --------- । ■ ■■■■ Spielpltm der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. DienStag den 11. Oktober*): „Don Juan/ Mittwoch den 12. Oktobor: „Das Veilchenmädel." Donnerstag den 13. Oktober: „Die Afrikanerin." Freitag den 14. Oktober geschlossen. Samstag den 15. Oktober: „Hans Heilinq." Sonntag den 16. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Die Geisha." Abends 7 Uhr' Margarethe." Schauspielhaus. Dienstag den 11. Oktober: „Die Welt, in der man sich langweilt." Mittwoch den 12. Oktober: „Tie Karlsschüler." Donnerstag den 13. Oktober: „Faust", 1. Teil. Freitag den 14. Oktober: „Rose Bernd." Samstag den 15. Oktober: Zum ersten Male: „T r a u m n l u s." Sonntag den 16. Oktober, nach- mittcvgs halb 4 Uhr: „Miß Hobbs." Abends 7 Uhr: „Trau- mulus." Montag den 17. Oktober: „Die Welt, in der man sich langweilt." •) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. „Henneberg-Seide“ v. 9$ pt. an — kür alle Toiletten-Zweeke! — zollfrei! Muster an Jedermann 1 Die/10 Nur direkt v. Seidenfabrkt. Henneberg, Zürich. Professor Hugo Heermann’s Violinschule für höhere Ausbildung. Eröffnet seit I. Oktober 1904. Eintritt jeder Zeit. Anmeldung: Fürstenbergerstrasse 217, Frankfurt a. ML hv8/13 denen mehrere im „SimplizissimnS" zuerst veröffentlicht vTurden, bietet er sich als frischer Beobachter; scharfe, aber fein geführte Pointen geben mancher unter diesen gut erzählten kleinen Osfiziergeschichten Reiz und Wirkung. Ein Rest Nachdenklichkeit bleibt von dem lustigen Gelächter, und durch komische Szenen puS dem Leben der Subordi- natton geht die Ahnung ttagischer Konflitte. Bisweilen aber ist deS Frhrn. v. Schlicht Kunst zur Manier geworden und seine Sattre hat etwas Betriebsmäßiges. Am' unangenehmsten ^igt sich das in seinem höchst üblen Roman „Erstklassige Menschen", der wegen dieser Eigenschaften allseittge Beachtung fand. Nun hat er in Gemeinschaft mit Krantz, dem groben Hauptmacher des vom vorigen Jahre her hier bekannten „Hochtouristen", die ,>Liebesmanöve^ geschrieben. Davon zu sprechen ist Verlegenheit. Drei Paare treiben Liebesmanöver: eines Muster-Obersten Tochter, nach des Verfassers Andeutungen so schön, so rein, so hold, und ein Reserveleutnant, von dem man glauben soll, daß er, wenn er nicht im bunten Rock steckt, ein berühmter „babylonischer Mumienbuddler" alias Assyriologe ist. Des Obersten Nichte, mindestens dreimal so schön als ihre Cousine und Schneewittchen zusammen genommen, Großstadtdame, also geistteich, reizend, berückend, und ein akttver Leutnant, von dem wir glauben sollen, daß er, wenn er einmal aus seiner kleinen Garnison nach Berlin hinüberhüpft, von seiner Leutnantsgage die arme Witwe eines lieben Kameraden glänzend unterstützt. Der Oberst und seine Frau hangend nnb bangend in schwebender Pein zwischen Generalsfederbusch und Zylinderhut; m'ch sie treiben auf ihre alten Tage Liebesmanöver. Als der Zylinder unvermeidlich scheint, sinken sie sich gerührt in die Arme: Hab ich nur Deine Liebe. Wenn das Stück langsam und stockend einsetzt, taucht die heilige „Käkilick" auf, eine alte Tante, die die Liebenden verhetzt. Aber ein Onkel war schon früher, ist überhaupt immer da: einen bessern findst du nit. Dieser versöhnt alle Liebenden, nur sich nicht, als Major a. D., mit dem Bürgerrock. ^Das eigentliche Mißverständnis zwar wird durch einen Kadetten beseitigt, der nicht blos als Hosenrolle aufs Sonntagspublikum wirkt, sondern durch die ungenierte Mischung von jungenhafter Naivetät, militärischer Strammheit und Schwanknaseweisheit. Er schreit der Dame seines großen Bruders, des Leutnants, ins holde Angesicht, wie sehr sie diesen erstklassigen Menschen verkenne. Ter durch die Leutnantsgage glänzend unterstützten Witwe wurde nämlich eine unsittliche Bedeutung unterschoben. Der Reserveleutnant aber, natürlich auch ein Herr „von", — überhaupt stört kein bürgerlicher Name die aristokratische Harmonie — greift in die Handlung, als er bei der Besichtigung durch eine Exzellenz das ganze Regiment durch einander bringt, und so idem General Gelegenheit gibt, das Geschick deS Obersten zu erkennen, der im Nu seme Leute wieder in de r Hand hat. Aber jener Onkel bringt doch den poetischsten Moment des Abends. Er flucht fortwährend, woran man doch schon gleich den rauhen, aber braven freuen Krieger erkennt. Ihm sagt der General: a er ade die mißglückte Besichtigung habe ihm die hervvr- raaenbe Bceabung des OberstS gezeigt; und die t^enerals- hofen liegen verheißend in seine Worte verpackt. Da erhebt sich jener rauhe aber brave Krieger a. D. und pricht, indem er eine Träne auS seinem Auge auf den Blüsch seines Sessels wischt: Lieber Herrgott, daS hast Du wieder gut gewacht." In diesem Moment kommt dem andachtsvollen Zuschauer die ganze verinnerlichte Gemüts- Hefe dieses dramatischen Werkes $unt Bewußtsein. Die HerrenVe rfasser haben nach mutigem und erfolgreichem Ansturm auf den reichhaltigen deutschen Schwank- larnaß, nach radikaler Ausplünderung der alten Forts „Epidemisch", „Krieg in Frieden", ,Meilchenfresser" ic. pp., allerhand Terrainunebenheiten mit skrupelloser Grazie überwunden. Und so ist denn die Krittk >es Höchstkommandierenden, deS Publikums, gewiß ganz zu ihren Gunsten ausgefallen. Führer und Truppen durftenl gleich auf dem Manöverselde Auszeichnungen entgegennehmen, die mancher um so lieber austeilte, als er damit freudia der verhältnismäßigen Kürze deS Schwankes gedachte, eines Vorzugs, der gettost noch stärker hätte her- vortteten können. Man kann nicht gut sagen, die Aufführung der „LiebeS- manöver" sei verlorene Liebesmüh gewesen. Verriet sie doch nur in einzelnen Rollen Liebe, Fleiß und Talent. Frl. Gartner scheint im modernen Salonstück, wozu doch „LiebeSmanöoer" gern gezählt werden möchten, nicht am Platze. Etwas mehr Geschick dafür hat Frl. Dülser. Frl. Nus war als Kadett sehr nett, wenn auch, namentlich am Anfang, ohne die rechte Absicht, sonderlich natürlich zu wirken. Immerhin läßt ihr niedliches, im Laufe des Abends immer wirksamer sich gestaltendes Spiel auf hübsche Begabung schließen. Ihre gestrige Rolle, die zahmen Witzblättern und Backfischgeschichten, je zur Hälfte, entnommen ist, schließt ein sicheres Urteil über den Umfang ihres Talentes auS. Einst sagte man vorschnell, wir wären über diese Lieblingsfiguren der alten Berliner Poffe hinaus; es war ein eitler Irrtum. Die Damen Fischer und Jenny, in ihrer Art so überaus verschieden, sind von ftüher her bekannt und haben sich nicht verändert. Viel bester als die Damen schnitten gestern die Herren ab. Herr de Giorgi ist uns auch kein Fremdling mehr. Vor zwei Jahren war er bei Beginn der Spielzeit der sehr viel versprechende Charakterdarsteller. Namentlich war er in dem bekannten Schwank „Cornelius Voß" ein ganz prächtiger alter KabinetSrat und Dümling. Auch als Shylock erhob er sich über das Durchschnittsmaß. Leider aber mußte er damals Knall und Fall unserer Bühne Valet sagen. Der bunte Rock rief ihn zum Einjährigenjahr nach Wiesbaden. Die vorjährige Spielzeit hat er dann am Stadttheater in Krefeld zugebracht, und nun haben wir ihn wieder. Er war's gestern, der vorübergehend recht wirksame Komik in das „Lustspiel" brachte, der überhaupt im wesentlichen das Stück hielt und führte. Er schuf aus dem Major a. D. eine kräftig lebensvolle Charakterfigur. Ein klein wenig Mäßigung in seiner Barschheit hätte ihm am Anfang allerdings wohl noch bester gestanden. Herr Andreas, berDinar des „Talisman", zeigte auch gestern, daß er gute Mittel besitzt, angenehme Erscheinung und dito Organ, leichte, bewegliche, ausdrucksvolle, nicht übertrieben korrekte Sprechweise. Der Humor scheint nicht feine starke Seite zu sein, wenigstens war in (einer gestrigen Leistung nicht viel davon zu verspüren. Dafür aber zeigte er guten Anstand und Takt. In anderen Rollen und bei freierer Entwicklung feiner ansprechenden Mittel aber wird eS ihm dem Anschein nach gelingen, noch mehr zu internieren. Den unmöglichen „berühmten" Reserveoffizier Dr. v. Osten gab Herr Lütt jo Hann mit täppischer Lustigkeit und Ungezwungenheit. Die Herren Linz en und Henn. Stein- goetter vervollständigten angemesten daS Ensemble. W e — Im Frankfurter Schauspielhause wurde env, SamStag außer Sudermanns sattsam bekanntem „Johannis- euer, worin Frl. Lange jetzt als Nachfolgerin der Trtesch die Marikke mit schlichterer, feinerer und innigerer Kunst darstellt, HartlebenS „Sittliche Forderung" gegeben, eine höchst amüsante Satire auf spießbürgerliche Unmoral. Hier mimt Frl. Lange eine Sängerin vom Variete mit herzbrechender Vorgeschichte und führt den Ton graziösen leichten Spottes mit einem kleinen Uebermaß von Zierlichkeit durch. Und Herr Bolz giebt ihrem unfreiwillig komischen Jugendfreund, einem Kausmanne auS Rudolstadt, so viel an bürgerlicher Solidität und braver Unverfrorenheit, als er in feinem klugen Kopfe irgend auftreiben kann. Trotzdem aber wird doch leider keine Figur aus der Wirklichkeit daraus. ES ist ihm trotz heftigen Bemühens schlechterdings unmöglich, die Verehrer seiner reifen Kunst und seines scharfen Verstandes glauben zu machen an einen kleinmütigen und engherzigen Philister, dessen Begriffe nicht über die Rudolstädter Schul- und Gesellschaftsweisheit hinausragen. Linkische Gestikulation wirtt nun einmal bei ihm weniger komisch als unfrei. -o. __ Viktor Step Hany, der Regisseur des Hamburger Stadttheaters, hat ein Schauspiel beendet: „Alma mater“. DaS Stück spielt in korpsstudentischen greifen, die der Autor, als alter Korpsstudent, kennt. Der Autor hat es seinen Korpsbrüdern mit folgenden Worten gewidmet: Aus längst entschwund'nen sonn'gen Frühlingstagen Klingt mir im Ohre leis ein Lied: Ich seh' die alten Turme wieder ragen Vom Abendsonnengold umglüht; Es spiegeln wieder sich im klaren Sttome Die sanften Hügel, rebumkränzt, Und weit hinaus ins Land vom hohen Tome Die Kuppel mit dem Kreuz erglänzt. Ich sehe all die stillen Wmkel wieder, Wo wir so ost gelacht, gescherzt — Und jene Moosbank mitcrtn dust'gen Flieder, Wo ich mein Mädel keck geherzt! Der lieben ftreimbe buntbemutzte Menge Naht dort mit lachend-frohem Blick Und jubelnd schallen wieder die Gesänge Von Jugendlust und Jugendglück 1 Euch widm' ich diese Zeilen, teure Brüder, Genossen wonn'ger Maienzeit! Vergang'ner Liebeslenz ersteh' Euch wieder In rosendust'nem Blütenkleid! Dem Frühlingstraum verlieh ich schlichte Worte — Nun wende rückwärts sich der Blick: Ich führ' tmrd) der Erinn'rung gold'ne Pforte Ju Eure Jugend Euch zurück!