Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Umversitätsdructeret R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 5L Telegr^Adr.: Anzeiger Gieße«» 313 Drittes Blatt. 154. Jahrgang Samstag 1v. September 1904 Erscheint tüglich mit Ausnahme des Sonntags. y py, Die „Gießener ZamMenblätter" werden dem AMUM flPlr Wi AAA »t /W ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der MM M iK UM S P M W 'M D UW M H ^hesfisch« Landwirt' erscheint monattich einmal. SB 'Sr ™ xr General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Wom KandwerK. Auf den Handwerkcrtagen in Magdeburg uitb Lübeck find Klagen laut geworden über mangelnde Stäatshilfe. Als ob die staatliche Gesetzgebung nur einzugreifen brauche, unr dem Handwerk einen goldenen Boden zu sichern, den es im allgemeinen Sinne des Wortes kaum jemals gehabt hat. Auch in dem von ihm über Gebühr gepriesenen Mittelalter, wo sie die Konkurrenz der Maschine nicht zu füLchten hatten, hatten die Handwerker manchen harten Kampf ums Dasein zu führen, imb wo es einer geschlossenen Zunft vermöge der politischen Macht gelang, einer kleinen Zahl privilegierter Meister ein Monopol zu sichern, und leben Wettbewerb crusznschliesten, da war noch nicht jeder der Privilegierten vor Not gesichert, während es dem Nach^- Mrchs ost nur durch würdelose Jntriguen möglich wurde, sich eine selbständige Existenz zu gründen. Wer den Handwerkern lediglich vorredet, bloß eine falsche Gesetzgebung, eine falsche Freiheit sei schuld an der mächtigen Entwickelung der Industrie, die dem Handwerk immer mehr Boden abgräbt, der täuscht sich oder er täuschit andere. An dieser wirtschaftlichen Umwälzung ist nichts zu ändern; auch bei aller Organisation des Handwerks kann es sich die einmal verlorenen Gebiete nicht wieder zurückerobern. Mer dem Rad der Zeit in die Speichen fällt, hält seinen Gang nicht auf, sondern wird von ihm zermalmt. So wenig irgend eine Zunft die Frachtfuhrleute vor den Eisenbahnen geschützt hätte, so wenig kann eine Organisation oder ein Gesetz das Handwerk vor dem siegreichen Vordringen der Maschine siWtzen, die Handarbeit ersetzt. Aber wie sich auch die JNoustrie ausbreitet und ausbreiten muß, eine ganze Reihe von Handwerken wird immer ihre Selbständigkeit behaupten. Ja die fortschreitende Entwicklung schafft neue Handwerke. Die Installateure für elektrische, für Kanalisations-, Gas- und Wasserleitungsanlagen sind ein Produkt der modernen technischen Entwicklung. Die selbständigen Handwerke, die nicht unter der Konkurrenz der Maschine zu leiden haben, verlangen auch weit weniger zrach staatlichen Privilegien in der Lehrlingsausbildung, nach der gesetzlichen Schablonisierung des Befähigungsnachweises und strafferer zünftlerischer Organi- fation. Dadurch würde dem Handwerk nur manche lästige Fessel angelegt werden, die vielen Handwerkern mehr schaden als nützen würde. Viel dauernder und sicherer hilft verständige Gemeinsamkeit beim Einkauf der Materialien, bei der Herstellung von Waren, und die Organisation beim Verkauf der Erzeugnisse. Nützliche Neuerungen soll man nicht bekämpfen, sondern sich zu eigen machen. Wie viel läßt sich in dieser Hinsicht nicht noch für das Handwerk tun! Jede große und jede mittlere Stadt hat heilte wie Gießen ihre elektrische Zentrale. Wie leicht und nützlich wäre es nicht, den Handwerkern wohlseil elektrische Kraft zum Betrieb von Arberts Maschinen zuzuführen! Ihnen diese Kraft zu liefern, ihnen b'ie Anschaffung solcher Maschinen zu erleichtern, kann die Aufgabe einer weiten Sozialpolitik der Gemeindeverwaltung en sein. Auf vielen Gebieten wäre es damit den Handwerkern ermöglicht, die Vorzüge der Maschinenarbeit mit denen der Handarbeit zu verbinden und der Industrie gleichwertig zu bleiben. Mit solchen Reformen wäre dem Handwerk wirksamer gedient als mit den zweifelhaften Forderungen der sich besonders» als solche gebärenden Mittelstandspolitiker, deren bisherige Reformversuche sich, wie jeder unbefangene Zuschauer voraussagte, als Versuche mit untauglichen Mitteln erwiesen haben. NoMilcho Tagesschau. Ein brieflicher Bericht von der Tibet-Expedition. Von Mr. Ed. Candler, dem Spezial-Korrespondenten der Londoner „Daily Mail" bei der britischen Expedition nach Tibet, ist ein Bericht aus Toilung eingetroffen. Der Bericht ist an jenem bederrtungsvollen Tage geschrieben, an dem die Expedition zum ersten male die glänzenden Kuppeln der verbotenen Stadt erblickt hatte. Der Korrespondent ist daher noch nicht enttäuscht von dem echt astatischen Schmutz und der höchst prosaischen Unordnung im Innern der Stadt. „Die Tibetaner", sagt er in einigen allgemeinen Bemerkungen über Land und Leute, „sind nicht unzivilistert, aber ihre Zivilisation ist mittelalterlich. Die Regierungbform ist durch und durch feudal. Die Mönche sind die Herren und die Bauern ihre Sklaven. Die Armen werden hierzu etwa nicht gezwungen, ste werden auch nicht unterdrückt, sondern sie arbeiten willig und unermüdlich für die Geistlichkeit, der sie in blindem Gehorsam ergeben sind. Dabei sind sie nicht einmal unzufrieden, obwohl sie weit mehr als den „Zehnten" an die Kirche abgeben mästen. Diese sonderbaren Verhältniste erhalten dadurch eine Aufklärung, daß fast jede Familie eines ihrer Mitglieder unter der herrschenden Klaffe hat. Deshalb lehnt sich das Volk nicht gegen eine Klaffe auf, deren Interessen zwar andere sind als die seinen, die aber andererseits mit ihm durch die Bande der Blutsverwandtschaft verknüpft ist. Ohne Zweifel erhalten sich die Lamas durch einen gewissen geistigen Terrorismus in der Herrschaft, und wenn sie davon sprechen, daß durch unsere Expedition die Religion des Volkes verletzt und entheiligt wird, so meinen sie mit dieser Religion eben die bestehenden sozialen Verhältnisse. In der Tat ist es sehr fraglich, ob jemals in der Weltgeschichte Bigotterie und Götzendienerei so plötzlich und mit solcher Vehemenz vom Throne gestoßen worden sind." Der Korrespondent scheint fast geneigt, den Sieg des Modernen über da§ Mittelalterliche zu bedauern. „Morgen", sagte er am Schluffe seines Briefes, „werden wir Lhassa betreten und damit den Schleier von dem letzten Geheimniffe des Orients ziehen. Die Erde wird der letzten verbotenen Stadt beraubt, der Feldmeffer und Photograph bislang fern hatten bleiben müssen. Unsere Kinder werden über die modernen Reisebeschreibungen unserer Tage lachen, sie werden wieder zu den alten Geschichten von Gulliver und Harun al Raschid zurückkehren wüsten und auch dieser bald überdrüssig sein. Jetzt gibt es keine wirklichen Geheimniffe mehr, kein Traumland, kein Märchenland und keine Sagenstadt, alle derartigen Geschichten werden aus der modernen Literatur verbannt; wir werden kluge Kinder haben, die die Märchen nicht mehr glauben, ste nicht mehr lesen wollen. . . . Aber wir sind ja selbst Kinder! Warum konnten wir nicht eine einzige Stadt im sagenhaften Schleier des GeheirnniffeS außerhalb der Grenzen unseres Forschens und WiffenS lassen?" Keer und Motte. Dresden, 9. Sept. Es wird behauptet, daß die neue HeereSvorlage für das sächsische Kontingent zwei neue Kavallerie-Regimenter fordern werde. Rach Beendigung der großen Manöver wird, dem „Hannov. Kurier" zufolge der Chef detzGroßen Generalstabes Graf Schliessen seine In aktiv ität beantragen. Generalquartiermeister Generalleutnant Moltke gilt allgemein als sein Nachfolger. Weibliche Regimentschefs in der preußischen Armee. Durch die Ernennung der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin zum Chef des Leib-Grenadierregiments König Friedrich Wilhelm III. (1. Brandenburgisches) Nr. 8 ist die Zahl der im preußischen Heere vorhandenen weiblichen Regimentschefs auf dreizehn gestiegen. Bei dem Gardekorps sind deren drei vorhanden: die Großherzogin von Baden als Chef des Königin Augusta-Garde-Grenadier- Regiments Nr. 4 seit dem 1. September 1895, die Kaiserin Alexandra von Rußland als Chef des 2. GardeDragonerregiments seit dem 10. Mai 1896 und die Kronprinzessin von Griechenland als Chef des Königin Elisabeth Garde-Grenadierregiments Nr. 3 seit dem 26. Mai 1898. Von der Linieninfanterie besitzen 8 Regimenter weibliche Chefs, und zwar das Füsilierregiment Königin (Schleswig- Holst.) Nr. 86 die Kaiserin Auguste Viktoria, der das Regiment am 9. September 1890 bei den Kaisermanövern in Schleswig-Holstein verliehen wurde, ferner das Infanterie- Regiment Generalfeldmarschall Prinz Friedrich Karl von Preußen (8. Brandenb.) Nr. 64 die Herzogin von Connaught seit dem 14. September 1890, das Infanterie- Regiment Prinz Friedrich der Niederlande (2. Westfälisches) Nr. 15 seit dem 31. Mai 1892 die Königin-Mutter d er Niederlande, das Grenadierregiment König Friedrich IIL (2. Schlesisches) Nr. 11 seit 1896 die Erb- prinzessin von Sachsen-Meiningen, das Kur- hessische Jägerbataillon Nr. 11 seit dem 5. September 1897 die Königin-Mutter von Italien, das 5. Wests. Infanterieregiment Nr. 53 die Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe, das Füsilierregiment von Gersdorff (Kurhessisches) Nr. 30, dessen Chef die Kaiserin Friedrich bis zu ihrem Tode war, deren jüngste Tochter Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und das Leib-Grenadier- Regiment König Friedrich Wilhelm III. (1. Brandenburgisches) Nr. 8dieGroßherzoginvonMecklenburg Schwer rn, die zugleich auch Chef des 2. Großh. Mecklenburgischen Dragoner-Regiments Nr. 18 ist. Bei den Linien-Regimentern der Kavallerie giebt es drei weibliche Regimentschefs: die Prinzessin Friedrich Karl von Preußen, die am 16. Juni 1871, dem Tage des Siegeseinzuges in Berlin, zum Chef des Dragoner-Regiments v. Arnim (2. Brandenburgisches) Nr. 12, die Königin der Niederlande, die am 31. August 1898 zum Chef des Husaren-Regiments Königin Wilhelm der Niederlande (Hannoversches) Nr. 15, und die Großherzogin von Me ckl en bürg, die gelegentlich des Einzugs in Schwerin zum Chef des Dragoner- Regiments Nr. 18 ernannt wurde. Ans Stadt und Land. Gießen, den 10. September 1904. ** Von ber Hauptversam mlnng des Verbandes ber KreiSamts-Bureaubeamten des Großherzogtums, welche jüngst hier stattgesunden hat, sei nach der ,H. V.-Z." noch folgendes berichtet. Der Vor^ sitzende, Bureauvorsteher Schneider-Heppenheim, hielt einen Vortrag über: „Die Dienstverhältnisse der Kreis- amts-^Bureaubeam ten einst und jetzt und deren! Stellung nach außen." J^i seinem' interessanten Referat beleuchtete der Redner die frühere traurige Lage der K^is- amtsgehilfen. Im Anschluß daran ergriff Proviuzialdirey- tor Dr. Breid er t das Wort zu etwa folgenden Ausführungen: Im Hinblick darauf, daß die Arbeiten bei den Kreisamtern, welche in den letzten Jahrzehnten an Umfang und an Wichtigkeit erheblich zugenommen hätten, neben den akademisch gebildeten Beamten ein gut geschultes VureaubeaMtenversonal erheischten, habe sich eine Regelung der Verhältnisse der K^eisamtK-Buremlbeamten als notwendig erwiesen. Schon in seiner früheren Stellung als Kveisrat sei er für Einführung einer Prüfung für die Koeisamts-Bureaubeamten ein getreten. Damals habe er int Auftrage einer KreisratS-Konferenz einen Entwurf, die Einführung einer Prüfung bett., vorgelegt. Spater sei es ihm dann vergönnt gewesen, nicht nur für Einführung des Examens, sondern auch für den Erlaß weiterer verbessernder Bestimmungen tätig zu fein. Durch die Neuorganisation vom Jahre 1898 sei eine sehr wichtige Aenberung gegen die früheren Verhältnisse eingedretem, denn während früher der Kreisamtsgehilfe lediglich der Privatgehilfe des Kreisrats Kleines Aemsseton. — Aennchen von Tharau, das schöne, von Silchers reizender Melodie getragene, zum Volkslied gewordene Gedicht Simon Dachs, wird jetzt in Berlin wieder viel genannt. Die „Deutsche Volksbühne" hat ein verstaubtes Jugendstück Willibald Alexis', das den Titel „Aennchen von Tharau" führt, ausgegraben. Es ist merkwürdig, daß der märkische Walter Scott, der ein so hervorragendes historisches Feingefühl besaß, in seinem Schauspiel von dem histvrisckpen „Aennchen von Tharau" nichts als den Nauren des Mädchens und die arg verzerrte Gestalt des Professors Simon Dach. gibt. Alles andere ist freie, aber nicht sehr glückliche Erfindung. Aennchen von Tharau war nicht, wie es W. Alexis darstellt, ein Edelfräulein, sondern die Tochter des Pastors Neander aus dem Torf Tharau bei Pr. Eylau in Ost- preuheu .Sie heiratete den jungen Pastor Portatius, der eine Pfarre im Kirchdorf Tvempen bei Jwierburg erhalten hatte, und Simon Dach, damals fein alternder Manu, sondern 28 Jahre alt — im nächsten Jahre werden wir seinen 300jährigen Ge- buttstag feiern — dichtete zu dieser Hochzeitsfeier das mit Recht berühmt gewordene, von Herder aus dem Plattdeutsck-en ins Hochdeutsche übertragene Lied. Der glückliche Bräutigam des schönen Aennchen toar nicht, nnc AlexiS es darstellt, ein Dragoner- ttttmeister. Uebrigens gab es einen solchen #it jener Zeit gar nicht, beim die Tragcmerrittmeister kommen erst nach 1806 auf. Vis dahin hießen sie „Kapitäns". Am treuesten hat sich an die geschichtliche Wahrheit das niedliche epische Gedicht „Aennchen :»on Tharau" von Franz Hirsch gehalten. Es ist eine beliebte, vielfach aufgelegte, selbst inS Englisckie übersetzte Dichtung ge- ' wiben. Aucb hat eine von Heinrich Hofmann komponierte ' Dber „Aennchen hon Tharau" vielen Beifall gefimbm. Sehr komisch ist eine novellistische Behandlung des Stoffes, welck»e die s'acclMrinsüße Elise Polko in ihren einst vielgelesenen „Musi- !!alischen Märchen" verbrochen hat. Tvrt ist zu lesen, daß sich '?imon Dack in eine Wittenberger Mcke-Mochter Aennchen von 'Tcharau verlieb-t imb ihr das berühmte Lied gedichtet hat. Nun rill aber das selchne Aennchen niemals in Wittenberg gewesen. CFtilfe Polko, die nickvt wußte, tvo Tharau lag, schlug wahrscheinlich nin Ortslexikon aus, und da stand yn lesen: „Tharau, Dors bei -Wittenberg" Nur war mit diesem Wittenberg nickit die alt- ^rtilymte Resormationsstadt, sondern ein Tors in Ostpreußen gt eint, das in der Nähe dcS klemcreu Dorfes Tharau liegt.. — Ein neuer Kalender ist soeben zur Ausgabe gelangt, der von vielen Literaturfreunden willkommen geheißen werden wird. ,Er nennt sich H ebbe l-Kalender. Tas Bildnis des Dichters der „Maria Magdalena", der Hauptrolle der Irene Triesch, ist der Hauptschmuck des Heinen hübschen Bändchens, das im übrigen in buntem Wechsel ein Kalendarium für 1905 mit Raum für Notizen, Erzählungen und Gedickte, wiffenschaft- liche Mharrdlungen und Anekdoten, Briefe und Rezensionen bringt, denen allen das eine gemeinsam ist: ihre Beziehungen zu Hebbel. Das Büchelchen ist sehr geeignet, die Verehrung.für den großen Dichter in unserem Vaterlande zu verbreitern und zu Vertiefen und so das feinige beizutragen zur Veredelung des literarischen Geschmackes. Ahasver in der Dichtung. Wie sehr die alte gewaltige Gestalt des fluchbeladenen Schusters von Jerusalem die Poeten neuerer Zeit in vielen Ländern angeregt hat und nxie verschieden der ewige Jude hier und da aufgefaßt wird, darüber gibt eine interessante stoffgeschichtliche Studie be8' Prager Literarhistorikers Dr. Rudolf Fürst in den beiden letzten Heften des „Literarisckien Echos" reichen Auffchlust Schon int Mittel alter finden sich Berichte von einem Sünder, der den Heiland mißhandelte und deshalb zu ewigem ruhelosen Wandern ber^ urteilt wurde. Llber erst 1602 kam unser AhaSverus zur Welt. Da taucht eine „kurtze Beschreibung und Erzehlung von einem Juden ntft Namen Ahasverns" auf, eine Beschreibung, die fick auf die Autorität eines nachmaligen Bischofs von Schleswig, Paul von Eitzen«, beruft. Dieser Würdenträger selbst will den Schuster tfon Jerusalem, der. den kurze Rast heischenden Kreuz- träger von seiner Schwelle stieß, um 1542 als einen reumütigen und bescheidenen Büßer tonnen gelernt haben. Die erbauliche Historie mürbe bald zum „Volksbuch". Sie erlebte eine große Anzahl deutscher Drucke und Atlsgaben, fvwie einige fremd sprachige Uebersetzungen, sie batte eine endlose, je nach den Zeitläufen gefärbte apologetisck>-polemische Literatur im Gefolge, sie bewirkte, daß man bald aller Orten den ewigen Inden gesehen haben wollte. Auch über Deutschlands Grenzen reichte direkt oder indirekt die Anregung des Volksbuches. Bei der Mehrzahl her curoyfiifcben Völker bürgerte sich die Sacbge vom ewigen Juden ein (in Amerika will man ihn noch 1.868 aeseben haben). Besonders stark wirkte er aus die Volköpocsie in Frank reich, Belgien und die Niederlande, tvo er in Volksbüchern, Volks« Hebern und bildlichen Darsbelp»ugen lebendig wurde, auch in Italien, besonders in Sizilien, wo er noch "beute beim Voll sehr bekannt sein soll. .Große und Heine Poeten haben sich seiner bemäckitigt und chn in Drama, Epos und Roma:: behandelt; es seien hier von allen, die Fürst besptickÄ, nur Goethe, Schubart. AMm von Arnim, Franz Horn. Nikolaus Lenau, Cha- misso, Andersen, Wilhelm Hauff, Julius Mosen, Robert Hamer- ling, Carmen Sylva, Adolf Wilbrandt, Fritz Lienhard, und von Franzosen hauptsächlich $ Stanger, Edgar Ouinet und Eugene Scribe genannt Von ihnen suchten einige der Gestalt anthrv- pomorphistisch beizukommeu, andere haben den ewigen Juden zum Träger der verschiedensten Ideen und Tendenzen gemacht: fast allen aber war er der edle, nach Erlösung und Bekehrung strebende Büßer, der mitleidwürdige Märtyrer feiner Schuld. Hundertfach haben sich die Gefühle der Zeit in der Gestatt des AhaSverus. abgespiegelt. — Djörnstjerrre $8j6rnix>n Gesammelte Er* 3 a bl ungern Autorisierte Uebersetzung von Clare Greverus' Mjüeu. 31veitcr Band. Geheftet Mk. 3. Verlag von All>rrt Langen in München. Daß der Plan, Björnsons sämtliche Prosa- dichtuugen außer den großen Dramen und Romanen einmal in einet ckwonologisch geordneten GescmttauSgabe zu billigem Preise den: deutschen Publikum zugänglich zu marben, glücklich und z-cit- gemaß war, ,Ijnt die Ausnahme des ersten Barrdes betviescu. Jetzt liegt der zweite vor, .dem im Herbst der dritte rmd vierte folgen, womit diese Publikation abgeschloffen sein nrirb. Auch im zweiten Bande, der acht Erzählungez, enthält, zeigt sich Björuson kn eher aV der gleichseitig füitftferifd) twrncbmc und im besten Sinne volkstümliche große Dichter, dem in der Hinsicht in der gesamten Weltliteratur nicht so leicht ein zweiter an die Seite zn stellen ist. Frisch und rein wie ein Bergouell ist feine Kunst, und nichts Tann nninfrtxm^vcrfer sein, als daß sich recht viele Dentsck-e ihren Durst an solclxm Werken löschen möchten. — Lenbach und das Duell. 9cnbarf> äußerte fick eftics Tages in genialer Werse Über die LeisttlUiien eines seiner Müw chener Kollegen Der Betrofsime war aufs äußerste empört und beauftragte seinen Bruder, ehren nrin'wnierten Obersten, Lenbach auf Pistolen zn fordern. Der Meister war gerabv bei der Arbeit, als der toubate Kartellttager eintrat und die Forderung iwr- brachte. G.chMm bTeftte sich Lenbach Traft irm, schaute sich tvn und erwiderte dann: .Sagen S' Jhiem Herrn Bruder, 1 Inn fein .tiXiiumicr, 1 bin a Maler qrtivfcn fei feien seht bar Burvcmvorstrcher und her ango- ftfiTtx Ovbilfe StaaÄbctaitie. Sie bildeten ein wichtiges Mit o in dein großen ^crtpnlfTrngSaigxirat. Dem von dem Vorstand der Birreanl'eamden gestellten Anträge ans Ein firdnmg ber Einiälrrigenderechtials Vordeotn'sgnrg für die Zulassung zum Examen ständen erbebTtcf^c Bedenken entgegen. Elnnnrl liege kein (^nutb vor, strebsamen Volks- fdniTcnt diese Becnntenlanfbadn zu verschließen. Ans der Dvlkssckmle seien fein* tüchtige und vorzügliche Beamte dervorgegangen. Neberdies stehe die dessksche Volksschule auf so hoher* Stufe, daß sie s. E. vollständig mrsreicbend sei. (Gerade als Vorsitzender der Kreisschulkomlmission lege er Wert bvranif, befähigten Volksschülern die fraglichen Stellen zugänglich zu machen. Sehr wichtig für die tPrtixL amtx!:ihurso f. junge Leute v. 10—30 Ji»thron. Ausbildung r,ur kc.ufm. Praxis und Selbständigkeit. Schn!- nud Veneionntsrünnie in IropoMuutem Xe«hau mit allen man Uhren Elurlclilungea. iu der •ehOnetcn Lage der Stadt. Gute Verpfl» nunr nn«l BCKiMeu. hafte Itennfaichtlnng der Pensionäre. Au tfohrl. Prospekte unt Referenzen versendet kostenfrei Direktor A. 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