Nr. 34 Zweites Matt. 1S4. Jahrgang Mittwoch 1V. Februar 1904 «Ilch-i-t «gNch mit Ausnahme des Sonntag-. O-V^M llniu-efitätsdeuck-eei. R. Lange, Btebea. Di- „®it6«tet L-mlllenblM«- waten dem k W MM If B 8 / I S Lj |l1L Redaktion, Expedition n.Deuck-e°i: Schnlstr.1. Ä"»*-vä»V<- General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Eießen. n geleitet. Für die chinesische Provinz Petschili iPeking, Tientsin, Tongku, Tschinwangtcnr^ werden die Sendungen nach wie vor über Sibirien befördert. Hessische Beteiligung für Aolüsüunde. Gießen, 10. Febr. Der letzte Vortragsabend im Cafb Wel am Montag war «nieder aut besucht. Bestürzung erregte zwar zuerst die Mitteilung des Vorsitzenden, Prof. Dr. Strack, daß der ersll Redner des Abends, Pfarrer Schulte aus Beuerr^ durw starkes Unwohlsein am Kommen verhindert ser. Doch konnte der persönliche Dortrag des Redners durchDerlesen der freundlichst zur Verfügung gestellten Riederschftnst wenigstens einigermaßen e^etzt werden. Der Verfasser führte mn die Höhen des Vogelsberges, nach dem Dorschen Engel- ^d, seinem früheren Pfarrsitz, und von da durch den ^eiliaenwald, dessen Name wohl auf altgermanischen Kult hinweist, hinauf zum Totentüppel bei Meiches. Dierm ganzen Vogelsberg als Wallfahrtsort bekannte äußerlich unscheinbare „T o ten kirche" wurde anfangs des ^-Jahrhunderts cm Stelle einer nur noch au genügen Steifen Lrkenllbaren spätgotischen Kapelle errichtet. ®ngel sollen fie einst von Rom oder aus dem heiligen Lande durch tue Lüste hierher getragen haben, in „Engelrud" Hütten sw da- maU aus geruht. Noch jetzt findet am 2. Pfm^stserertage üor diesem allen Bauernhelligtum ein Gottesdienst statt, zu dem Hunderte aus der näheren und weiteren Umgegend zuiauunenstromen. Aber nicht allem die Predigt llibrt sie her, sondern auch, das wunderkräfllge Wasser des allen geborstenen Taufsteins vor der Kirchentür, auf dem noch das Bild des Schutzheiligen der Kapelle St. Georg ru erkennen ist. Was in katholischer Zeit baS gewechte Taufwasser werkte, dos tut jetzt nach, dem Volks glauben das ' nie versiegende" Wasser aus dem Grunde des Beckens. Es ift gut für viele Krankheiten, beso^ers für Augenläden und die Besucher Men ihre Kruge mrt der me verderbenden Flüssigkeit zum Gebrauche daheirm Manches G'ldstück fällt cm diesem Tage in den altertümlichen ^ock aber auch an anderen Tagen kommen twu weither d^üeute ch^Danb- oder Blltopser in Gell) oder Naturalien aui'den/sänucklosen Altäre niederzulegen. Mn das Kirche lein ruhen sippenweise die Toten des Dorfes, uno oie MeichÄer hallln fest an dieser alten Begrabnisordnung. Wll treu sie muh sonst an ihren alten Sillen hangen, zeigt 1560 bis auf diesen Tag reichen. Neben chnen geben die ,-Gebräuche Recht und rOdnung" von 1701 Aufschluß über die eigenartigen und uns heute ost komisch anmutcnden mitten bei der Verlosung und dem nachfolgenden Mahre, die noch heute in Geltung sind. Mit besonderer Freude wurde die Zusage des Vortragenden begrüßt, nicht nur die Geschichte jenes eigenen Rechtsgeblldes ausführlicher in den „Hessll schen Blättern für Volkskunde" darzustellen, sondern chm auch bei der Neugestaltung des Grundbuches dieselbe Liebe entgegenzubringen, die aus seinem fesselnden Berichte über dieses Denkmal alter deutscher Dorfverfajsung sprach An der Diskussion, in der mancherlei Parallelen zum allgemeineren Verständnis angeführt wurden, beteiligten sich Pfarrer i. P. Hofmann, Reutamtmann Schäfer und Eustos Dr. Ebel. — Wilhelm Jordan. Wir lesen in der „Frkf. Ztg-"- Zu seinem 85. Geburtstag nahm Wilhelm Jordan selbst die Gratulationen von 100 Personen entgegen. Zahllose Glückwunschtelegramme und -Briefe sind eingelaufen, darunter eine Adresse der Stadt Insterburg, dem Geburtsort des Tichters. Die 1800 Mitglieder zählende Literarische Gesellschaft in Hamburg und ähnliche Vereine in Oberen Städten brachten ihre Glückwünsche dar. Ter Dichter verlebte den Tag mit Ausnahme der Mittagsstunde, m der er ermüdet schien, sehr rüstig. Er sicht frisch aus; er llagt aber tmrüber, id>aß er nicht mehr arbeiten könne, seit er den ersten Schlaganfall vor vier Jahren erlitten ijaJje. Berlin, 9. Febr. Im weiteren Verlaust der Verhandlungen des Verbandes deutscher Seeschisservereine machte Direllor Schausell-Hamburg nähtte Mitteilungen über im Jahre 1903 erfolgte ünterf uchnngen über das Sehvermögen. 16773 Personen hatten em genügendes Sehvermögen. Es waren nicht farbenblind 480 Kapitäne, 1492 Steuerleute,. 13 927 sonstiges Personal. Genügendes Sehvermögen besagen 15 Kapitäne, 30 Steuerleute, 515 sonstiges Personal. Farbenblind waren acht Kapitäne, sieben Steuerleute, 393 sonstiges Personal. eintreffen. Im Wtnterpalcris zu Petersburg versammelten s ch am Dikmstagnallfmlltag die Würderllräger, Hofchargen und die gesamten Ofsizllrkoips der Garnisonen von P.tnsburg, Zarskoje-Sselo, Gatschina und Petershof zur Teilnahme an dem vom Kaiser befohlenen Bittgottesdienst In feierlichem Zuge begab sich der Kaiser, die Kaiserin-Mutter führend, gefolgt von den sämtlichen Mll- gliedern des kaiserlichen Hauses, zur Kirche im Winter- Calais. Der Kaiser machte einen sehr ernsten Eindruck, der nk der Rückkehr aus der Kirche noch mehr hervortrat. Bevor der Kaiser nach den inneren Gemächern zuri ckkchrte, begrüßte er die Palastgrenadiere, ausgediente Mll.tärs aus der Zell Nikolaus I. in der Uniform jener Zell. Die Grenadiere brachen in begeisterte Hurrarufe aus, und alle Anwesenden stimmten enthusiastisch mit ein. Ohne eine Ansprache cm die Versammellen zu richten, verließ der Kinser odann die Säle. Vor dem Winterpalais halle sich emc große Menschenmenge angesammelt, die dem Kaiser begeisterte Huldigungen darbrachte. Von allen russischen Kompagnien werden 18 Mann em- gezogen zwecks rascher Bildung neuer für Oftasien bestimm- ter Regimenter. . a __ Der russische Marine-Attachö in Paris erklärte es für bedauerlich daß das aus 14 Schissen bestehende russ. Geschwader, das noch Ostosien unterwegs sei, infolge Havarie bei Diserta und Port Said ausgehalten worden sei Außerdem gehöre zu dem Geschwuder der 20 Jahre alte Kreuzer Dimitri Tonskoi, der nur 14 Knoten laufe und die anderen Schiffe zwinge, ihr Tempo zu mäßigen. Es werde nötig sein, das Schiff zurückzu- ihr Brauch chre Kirchweih mll jenem Pfingstgollesdieust an jenem Helligen Orte, nicht in der neueren Dorfkllche, zu eröffnen. Von der Rnhesiätte ihrer Verstorbenen steigen ~ie dann unmlltelbar zum Kirweötanz ins Dors hernieder. Die Totenkirche und chre religiöse Bedeutung für den Vogelsberg ift ein anschaulic^s Beispiel dafür, wie auch im Glauben unseres evangelischen Lanovolkes noch mancherlei Reste aus katholischer, ja aus altgermanischer Ber- gangenheü erhallen sind. In einer angeregten Diskussion machten u. a. Lchrer Krausmüller und Hebe Jean Böck noch äußerst fesselnde Mitteilungen über die Beziehungen der Totenkrrche zu ihren früheren Hellnatsortcn, die ebenso wie der Vorllag mll reichem Beifall gelohnt wurden. lieber ,chie Baumkircher oder Blasius-Gesellschaft zu Laubach, ein Rechtsgebilde aus alter Zeit" berichtete sodann der zweite Vortragende, Landgerichtsrat Schmeckenbecher. Anläßlich der Anlegung des neuen Grundbuchs hatte er sich auch mit den Rechtsverhältnissen dieser eigenartigen Genossen, chatt zu befassen. Aus einem der im 15. Jahrhundert durch den Äbt von Fulda zerstörten 5 Dörfer im Seental, dessen Lage noch heute die „Baumkircher Mühle" verrät, waren die Markgenossen nach Laubach übergesiedell und hüben bis auf diesen Tag innerhalb der Stadt gleichsam ein eigenes Gemeinwesen. Die alte Baumkllcher Gemeindeweide ift Gemeineigentum der Genossenschaft und wlld alljährlich am St. Blasiustag in 15 Losen abwechselnd unter dw 36 Genossen zur NuMing vertellt. Die Zugehörigkeit zur Gesellschaft und damit das Recht auf ein Los ift nicht persönlicher Natur, sondern getnüpst an den Besitz ein s Grundstücks llr der früher Baumkircher Gemarkung. Die Gesellschaft mußte jährlich 6 Gulden an den Junker von Merlau entrichten, die später auf Hessen nur Solms-Äauback),. zuletzt auf dieses allein übergingen. Sie waren am Bla,ms- tag Schlag 12 Uhr fällig und mll der zuletzt ganz unverständlich gewordenen Formel „^chreibenglisch" zu entrichten: in dieser Form sind sie noch biy zum Jahre 184 / in den gräflichen Renreibüchrrn eingetragen Die Geschäfte der Genossen verwaltet der „Schultheiß" und der Rat der Siebener". Eine 1727 angeserllgte Holzern Lade enthalt die Urkunden, besonders die Sitzungsprotokolle, die Von ziehen. Wie aus Tokio gemeldet wird, ist die Haltung der Bevölkerung den Fremden gegenüber bis jetzt im allgemeinen befriedigend. In gut unterrichteten Kreisen verlautet jedoch, daß, falls Japan in einem Krieg mit Rußland unterliegen sollte, die Stellung der Fremden ohne Ausnahme sehrgesährlich werden würde, da die meijten derselben von den unteren Bevölkernngsk.assen mit größter Mißachtung behandelt werden. Einer Statistik zufolge befinden sich in Japan gegenwärtig 4L0J Fremde, deren Eigen- tum und Kapllcllbelellchung in verschiedenen industriellen Unternehmungen sich auf 1400 Millionen $en beläuft. Ein Genueser Blatt meldet ans Santiago de Chile, daß Japan die chilenischen Kriegsschiffe Capitan Prat, Maca- buco und Allnllante Condell erworben hat und daß die Fal)rzeuge mll Munllion und Lebensmllteln ausgerüstet in wenigen Tagen in See stechen werden Reuter meldet ans Tientsin: In Schau Hai kW an wlld stündlich das Ellllresfeu eines französischen Transportschiffes erwartet, das ein Bataillon französischer Soldaten von Tonking dorthin bringe, nm dll Forts zu besetzen, welche die Russen räumten. Es heißt, daß die Trikolore über die Forts gehißt wurde, die nur von (toter einzigen Schildwache bewacht wurde. Der in Schanhaikwan stationierte britische Offizier erhob gegen die französische Olkupation Protest. Der General Dentrie, der die britischen Truppen in Nordchina befehligt, begab sich nach Schanhaikwan. Die deutsche Post nach Japan wird bis aus weiteres nicht über Sibirien, sondern über Amerika, dll Post nach Schanghai, Kiautschou und Tschifu über Suez Junkern ist dll Heimkehr gestattet worden. In Gensan kaufen dll Japaner Reis in großer Menge. Das Gerücht über dll nach einer Woche zu erwartende Ankunft japanischer Truppen und eines Geschwaders regt die B.vulkcr- ung auf. Dll Abreise deS japanischen Gesandten ans Petersburg soll heute (Mittwoch) abend nach Berlin erfolgen. Berlin dürfte der Gefcmdte am Donnerstag Man schreibt un's aus Berlin: In der Stunde, da Mars regiert, treten alle andere» Interessen zurück. Höchstens die finanziellen m< sich alsbald geltend, da ein Krieg Geld und immer wieder Geld kostet. Tie wirtschaftspolllischen Fragen aber smd mit einem Schlage inaktuell geworden, und auf diesem Gebiet gehört Deutschland zu den Leib tr agenben insofern, als an die Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland einstweilen schwerlich zu denken ist. W zeigt *id:i jetzt, daß dll Regierung gut daran tat, die Handels- Oertrage nickst zu kündigen. Auf der anderen Selle kann die Sache für Teillschland insofern e-me günstige Wendung nehmen, als England durch t>en, Krieg wtrt- schaftlich geschwächt, später also größere ^neigthell zeigen wird, die deutschen Bedinguntzen zu accepllereu. Mit der ganzen Wuckst der Ueberraschung h^ hier allenthalben der Beginn der Feindseligkeiten durch den fapanischen Angriff gewirkt. Im Reichstag gingen die K-irablätter von Hand zu Hand. Mit Besorgnis wurde übrigens auch in den Wandelgcmgen der fortgesetzte Rückgang der russischen Werte an der Börse besprochen, und die Frage aufgeworfen, ob nicht angesichts der Kopslosigkell des Publitums, dll saft alle Atartte in Mitleidenschaft zieht, zur Besonnenheit mahnende Aeußerungen der Regierung angezeigt seien? Wurde doch an der heutigen Berliner Börse die dreiprozentrge Reichsanleihe um ein volles Prozent herabgedrückt. Was soll daraus werden, wenn die Entwicklung so weiter geht? Jetzt treten noch die leitenden Banken mll Jnterventionskäufen auf, aber zuviel Risiko können sie natürlich auch nicht übernehmen. Wir sind der Meinung, daß gerade in diesen ersten besonders krllischen Tagen ein beruhigendes Wort von autoritativer Stelle zweckmäßigen Einfluß üben würde. Dazu Liegt insofern eine gewiffe moralische Verpflichtung vor, als doch wesentlich auf die immer wieder hoffnungsvoll lautenden offiziösen Stimmnn gs b e richll hin, spezllll derjenigen der Rordd. Allg. Ztg.", in den letzten Wochen das Publikum sich der Sicherhell hingegcben hatte, llmso heftiger mußte die Bestürzung werden. Merkwürdig schweigsam ist nunmehr mit einemmale dll „Nordd. Alig. Ztg.". Den Russen^ spendet heull abend das offiziöse Organ ob des ersten Erfolgs der Japaner folgenden nicht sehr überzeugende» Trost: „Dll strategische Tragwelle dllses Vorgangs ist nicht zu überschätzen; seine Bedeutung liegt aber darin, daß nunmehr dll Feindseligtellen eröffnet sind." Das ist eben eine höfliche Lufjajsung des ^Vorgangs". Tat- jachlich^ betrachtet man in militärischen Kreisen diesen Beginn zu Gunsten Japans als ein bedenkliches Vorzeichen für Rußland. Esscheine, daß die russische Flotte dem größeren „Man" der Japaner nicht gewachsen sei. Wenn dll russifchen Kriegsschiffe als ,cheschädiA"^ bezeichnet seien, so könne das minder schonend auSgedrückt nur heißen, daß dll Schisse gefechtsuntüchtig sind. — Als er» wenig günstiges Zeichen betrachtet dll „Sdat.-Ztg.", daß bereits jetzt in Port Arthur infolge mangelhafter Zufuhr dll Marktpreis efteigen. Demselben Lllllt wird, von einem mllllärifchen ÜJlitarbeüer geschrieben, es sei damll zu rechnen, daß dll gesamte lapanische Armee in spätestens zwei Monaten auf koreanischem Boden stehen könne. Dll ^6oj). Ztg." erörtert dll interessante Frage, ob Der ohne Kriegserklärung begonnene Krieg eine Verletzung des Völkerrechts enthalte. Pros. Worben. . , In Tschemnlpo wurden einige tausend japanische Gruppen ausgeschisst, obgllich zwei mssische Kriegsschiffe aiiwchend wa«m ^l.-Agentur" meldet aus Wladiwostok vom 9. Febr.: Das Küstengebiet, das Kwantunggebiet, Wladiwostok, Port Arthur und das längs der Lune der Osichinesischen Bahn ereignete Land ist. m Lnegs-Zu- stand erllärt worden. ..... Die Nachricht von der Kaperung rnssischer Lauffarteischifse durch die Japan er wiri» meh- icrnt englifthe» Blütern beftätigt .Euter Tepeschk tes „Duily Telegraph" aus Nuga-aü zufolge geschah Wegnahme vor Masauchho. Unter den gekappten ^tffro besaud sich ein Schiss, das mü Weis und Lohleu nach Pott Arthur unterwegs war, ferner zwei Schiffe, d-w von der russischen Zllgllrung zu Transportzweckeni gechartert-waren und im Begriff standen, eine für P"ri Arthur bestimmte Laduna von Kohlen und föonäten an Dori) zu nehmen. Dll Scknsfe leisteten feinen Widerstand und wurden von den ^.avanerrl unter ihre Deckung gebracht. Zwei wertere Fahrzeuge wurden angeblich nmy Sasch^ ges^epp^ Lari" erfährt aus Tschifu, es handle sich b«. der Wegnahm um sogencumll Waisrichfänger hie zwischen ^Korea und ^ovan ^Spionagedienste taten und außerdem Sluftuig hatten, Kubel zu zerstören. — Dasselbe Blatt meldet ferner aus Tschistü 60 Transportschiffe mit japanischen Toppen seien behufs Landung an verschiedenen ^ikt«r Koreas in gegangen. In Port Arthur ist das Grs zwei ^^er'ltotooie Wr-mj-" wird aus Pott Atthur tclegra. Jujolgr der beu MLcht-u uoiisizierten und von dirl°» «Eigreu strengcu Neutralität Koreas m d-m ruslrsch-taMuisaieu Kousütte wird augwlummcu, daß onuan das die Qteutralität ohne Anlaß verletzt hat, (eine S Geschütze und seine Infanterie-Komp-guten aus Soul werde zurüaziehen müssen. — Aus Ts chuntschu (Korea) wird gemeloet, die BevöUemng sei beunruhig durch dll Ankunft japanischer Soldaten, d»e Kasernen b^ull » sollen. Den in Japan wellenden koreanisck^n Aer Krieg -wischen Japan und Avßtand. Unser heutiges Frühblatt enthüll eine Anzahl von De- ^efcfyen, dll besagen, oaß die erste Seeschlacht im russ isch-japanischen Düege geliefert worden ist. Ohne offizielle Lciegserklärung hat Japan den Kriegsbrand gestiftet. Lrer Heber fall der Japaner auf die russische Flotte ist un- korrett und eine Verletzung des Völkerrechts. russische See stärke ist durch dll Wegnahme, Ans- stranosetzung und Beschädigung mehrerer Fahrzeuge, — tote es scheint, handelt es sich bisher um min* oestenS zwei toeggenommeue, drei auf Strand gesetzte und vier beschädigte, im ganzen also um neun Schis s e , — zweifellos schwächer getvorden, unddas ntffW Oberkommando war sehr unvorsichtig, sich; überraschen zu lassen. w . Dll „Agence HavaS" meldet ans Petersburg: Hier verlautet, daß dll javaniscke Flotte, welche in der letzten Ruckt die russischen Schiffe vor Port Arthur angriff, aus 17 Sckiffen bestand. Tw Panzerschiffe ^etwisaw undZäsarewitsch" sollen er n ftlich b eschLdigt und der Kreuzer „Pall ad a" angeblich gesunken sein. Gin dem Renllrschen Bureau aus Tschifu zugegangenes relegramm bemerkt nacy einer Beschreibung des An- griffs auf Port Arthur: Ter Lamps dauert aui eine Schußweill von drei Rllilen noch sort. erweise übte die Meldung von dem russischen Verlust einen herabstimmenden Eindruck auf die gesamte russische Kolonie der Reick)shauptstadt. Wie wir ferner erfahren, werden deutscherseits militärische S a ch- ver ständige zu Studwnzwecken in d i e H a up t q u armiere entsandt Werdau. Tie Beobachtung dieses Krieges wird von hohem militärischem Wert sein. Außerdem ist selbstverständlich dafür Sorge getragen, daß die Ereignisse auf Grund sorgfältigster Sammlung altes erreichbaren Materials fortgesetzt eine kritische Würdigung erfahren. Schließlich sei erwähnt, daß die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt, die von Deutschland eingenommene, nach beiden Seiten ehrlich neutrale Haltuug werde von den Organen der öffentlichen Meinunng fast ohne Ausnahme gebilligt • In unseren politischen Kreisen hält man durch die Ablenkung Rußlands die Gefahr des Wiederausbruchs der Balkan-Unruhen für wahrscheinlich. Es ist allerdings noch der andere „Balkanwächter", Oesterreich-Ungarn, da, und man glaubt Grund zur Annahme zu haben, daß die Uebertragung der balkanpolizeilichen Kollektiv - Vollmacht an Oesterreich-Ungarn bereits zum Gegenstand eines Rotenaus- tausches zwischen Petersburg und Wien gemacht wurde. Doch bei Ausübung dieser Vollmacht dürfte Oesterreich - Ungarn einen schweren Stand haben. Es besitzt nicht Autorität genug gegenüber den Baltänslaaten, und daß dem so ist, daran trägt wesentlich Rußland die Schuld. Systematisch arbeitete eS darauf hin, den Einfluß der Habsburgischen Monarchie zu schwächen, allenthalben mit Erfolg, in Rumänien vielleicht ausgenommen. Das dem Geist des Balkan - Abkommens widersprechende Verhalten Rußlands wird sich rächen, wenn es zu Unruhen im nahen Orient fonmit. Die zweite Gefahr ist, daß England die Zwangslage seines alten Gegners benutzen wird, um den Sultan gegen diesen „scharfzumachen". Die unausbleibliche Folge des oslasialischen Kortflikls wäre also eine Schwächung der politischen Stellung Rußlands in Europa, der Krieg mag zu Gunsten oder Un- gunften des Zarenreichs ausgehen. G * ♦ Ein hervorragendes Mitglied der Berliner japanischen Kolonie glaubt nicht recht daran, daß den Staatsmännern an der Newa das entschlossene Vorgehen Japans so völlig überraschend gekommen sei. Die betreffende Persönlichkeit erinnert an die Minierarbeit der Kriegspartei am Petersburger Hofe. Diese Partei habe mit dem Sturz Wckte's ihren ersten Erfolg errungen, an dessen Stelle der von der Kriegspartei unterstützte Herr v. Plehwe einrückte. 91 uf das Betreiben des letzteren wiederum seien die Befugnisse des Statthalters für Ostasien, Alexejew, derart erweitert worden, daß Japan das im Sinne einer Kriegsdrohung deuten mußte. EL habe dieserhalb auch Vorstellungen in Petersburg erhoben und daraufhin sei der Kriegsminister Kuropatkiu in Be- fchwichtigungSmission nach Japan entsandt worden. Der glänzende Empfang habe nicht darüber Hinwegtäuschen können, daß die Wahl gerade des Kriegsministers in Japan Befremden erregte und die Wachsamkeit verschärfte. * • • Endlich liegen noch folgende Nachrichten vor: Eine Note Hays an die Mächte soll, wie versichert -wird, in sich schließen, daß weder Rußland noch -Japan gestattet werden soll, einen Einfall in das leige u tlxdj e China zu machen. — Das Kabinett beschloß, absolute Neutralität zu bewahren. Vom Kampfe bei Port Arthur w.rü noch folgen» des gemeldet: Die russischen Forts feuerten am Morgen auf die etwa drei Meilen entfernt liegende japanische Flotte, die das Feuer erwiderte. Darauf lichteten andere russische Schstsse die Anker und kreuzten um die R.ede herum. Die Japaner kamen bis auf drei Mellen heran. Tie Seeschlacht begann. Die Japaner feuerten aus die Schiffe des Forts, welche das Feuer erwiderten. Die japanischen Geschosse trafen die russischen Schiffe nur unbedeutend. Das ^Feuer der Russen erreichte die gegnerischen Schisse nicht. Während der Kampf im Gange war, fuhr die Columbia davon, sah aber spater noch- wie die japanische Flotte anscheinend unbeschädigt in der Richtung nach Dalny abfuhr, wenn auch die Offiziere der „Coluinbia" sagen, die Zahl derangreifendenSchiffe Hube 17 betragen und man später nur 16 gesehen h at. Der Dampfer „Funtschau" aus Dalny, der am 9. Februar durch die japanische Flotte hiudurcbgefahren ist, berickstet, daß sie aus 6 Schlachtschifsen, 4 Kreuzern erster Klasse und 6 anderen Schiffen bestand und sich 18 Meilen von Port Arthur in südöstlicher Richtung bewegte. Drei japanische Kreuzer fuhren am Dienstag 10 Uhr vormittags an Port Arthur in Seh welle der russischen Flotte vorbei Letztere lichtete die Anker und brach zur Verfolgung auf, kehrte aber eine halbe Stunde später zurück. Nach einem weiteren Tel.gramm aus Tschifu sind die außer Gesecht gesetzten 6 russischen Schisse die Ählackftschiffe Poltawa, Cäfarewcksch, unD der Kreuzer Boyarin- Die auf dem Strande sitzenden Schiffe blockieren die Hafeneinfahrt, madjen den Kanenenboten die Hasenausfahrt unmöglich und hindern die Schlachlschstfe uno Kreuzer, -zur Kohleneinnahme in den Hasen einzufahren. Berlin, 10. Febr. Mehrere Morgenblätter melden, gestern abend fand in der Berliner japanischen Gesandtschaft ein Diner statt, an dem der Finanzminisier 'her Staatssekretär des Rllchspostamts und der Re.ch^bank- Präsident Dr. Koch teilnahmen. Bei dem r u s s i s ch e n Botschafter fand gleichfalls ein größeres Diner statt, an dem der Reichskanzler, der österreich-ungarische und »der französische Botschafter teilnahmen. Wien, 9. Febr. Die militärdienstpflichtigen russi- /scheu Untertanen, die in Lemberg uns Krakau an» isässig sind, erhielten Drahtbefehl, sich unverzüglich zum kDienstantritt nach Warschau. M begeben Kurz vor Redaktionsfchluß gingen noch folgende Telegramme ein: Petersburg, 11. Febr., 4.45 vorm. Der Stabs- ,ches des Admirals Alexejew telegraphiert aus Port Arthur vom 9. Febr.: Gegen 11 Uhr vormittags näherte sich ein aus 15 Panzerschiffen und Kreuzern bestehendes japanisches Geschwader Poll Allhur und eröffnete Feuer. Der Feind wurde von den Küstenbattellen und der Festung und dem Feuer unseres Geschwaders, das sich am Kampfe beteiligte, empfangen. Gegen Mittag stellten die Japaner das Feuer ein und dampften nach Süden. Auf unserer Seite sind 2 Marineoffiziere und 41 Marinesoldaten verwundet, 9 Mann getötet Von der Küstenbatterie ist ein Mann getötet und drei sind verwundet. Das Panzerschiff „Pultawa^ und der Kreuzer „Rovik" erhielten eine Beschädigung unter Wasserlinie. Die Beschädigungen der Festungen sind unbedeutend. London, 10. Febr. „Daily Mail" meldet aus Port 9lrthur: General Krastalinski geht morgen von Lianyang nach dem Palufluffe an der Spitze der 3. Artilleriebrigade ab, die 24 Geschütze und 3 Regimenter Infanterie umfaßt Die 3., 4. und 5. Brigade verschanzten sich längs der Eisenbahn in einer Entfernung von 40 Meilen von Haitscheng. 3 Batterien der 5. Brigade befinden sich in Kintschou. ^n§- gesamt stehen 3 ostsibirische Regimsnter in der Mandschurei. 4 Regimenter sind seit Donnerstag nach Wladiwostok in Bewegung gesetzt. London, 10. Febr. Daily Mail meldet aus Tientsin: Am Souutag erschien eine starke japanische Torpedo- divtsion in Begleitung von Kreuzern. Die Truppentransport- schiffe eskortierten plötzlich den Vorhafen von Tschemulpo. Auf Aufforderung des japanischen Kommandanten ergaben sich die im Hafen liegenden russischen Kreuzer Warsiag und Korjez, ohne einen Schutz abzugeben. Die Landung der japanischen Truppen ging schleunigst vor sich. 8000 Mann wurden schnell aus Land gebracht; die übrigen folgten. Die japanischen Truppen begannen den Vormarsch auf Seul, nm die Hauptstadt zu besetzen. Autzcr in Tschemulpo sind in allen Hafen - st adle n des südlichen und westlichen Korea japani- sche Truppen gelandet. Eine Division junger Garde hält Fusau und Masamfo beseht, wo sie ausgcjchifft waren Die russischen Kr eg-Zchifse in Wladiwostok jcheiurn durch Eis im Hafen eingeschlosieu zu sein. Zur Kandwcrkerftage. Von einem hessischen Reichstags Mitglieds wurde uns nachstehender Artikel zugesandt: Ueber die ^bekanntlich auch von Kommerzienrat Hey- ligen siaedt mitunlerzeichnete) nationallivrxale Int r- pcllation, die darauf hinausg ng, die R.gterung zu einer Erklärung darüber zu veranlassen, wie sie dem Wunsche nach einer obligatorischen Juvariditäts- und Allersver- lidjerung gegenüber sich verhallen, ist eine ganze Anzahl irreführender Berichte erschienen, weshalb es notwendig erscheint, einige aufflürenoe Notizen darüber zu mr.fstut- lichen. Daß der Handwerkerstano nach vielen Rmftung n hin schwer zu leiden hat, daß er heute an manchen Orten kaum noch lonhirren^iljig ist, bedarf Eemes w it ren Beweises, wenn uns die Statistik belehrt, daß von IiOjOcO deutscher Handwerker nahezu 900 GOj ein Einkommen un er 2000 Mart besitzen, daß sie also gewiß zu den wirtschafrllch Schwachen gerechnet werden mässen. Die Regierung selbst hat ja auch den Notstand der Handwerker längst anerkannt und deshalb zur Abhllse das Handwerkerorganifatioiisgesetz vom Jahre 1897 erlassen. Leider hat aber dieses Gesetz nicht gehallen, was man von ihm erwartet hatte, wenn auch nicht geleugnet wcrden darf, daß es in mancher Hinsicht beachtenswerte Forderung n enthüll, die wohl geeignet erscheinen durften, das H. nd- werk einer besseren Zpttunft entgegenzufiihr.n. Von der Notlage des HarrdwertS überzeugt, halten nun alle diejenigen Parteien, die die fogcnannie „Mittelsandspolllll" befürworten, zu Beginn der dicsinaiigen Leg slacurperiode Initiativanträge eingebracht, die dem Handwerk zu gute kommen sollten, darunter befanden sich mch.ere Antr..ge, die die obligatorische Atte.s- und I .v l dttcitt v.rsichcru g befürworteten, andere, die scg..r die obagatorischc Kranken- und Unfallversicherung ciugechhrt wissen wolllln. Der nationalliberalen Partei war es klar, daß alle derart gestellten Anträge vielleicht erst noch Jahr itnd Tag zur Verhandlung kommen wurden und da innerhalb der Fraktion die Meinung verbrellet war, daß dem Hanowercerstand nicht länger die Vortelle vorenthalten tocToen dürften, die dem Arbeiter schon längst durch das Alters- und Juvalidttäts- gesetz, zu dem der Arbellgeber seine Beiträge leisten muß, gewährleistet sind, so entschloß sich die Fraktion, durch Dr. Becker-Offenbach, der als langjähriger Vorsitzender eines größeren Ortsgewerbevereins und als Mitglied des Bczllkstages der Gewerbevereine einen genauen E.nblick in die Wünsche der Handwerker hat, eine Interpellation einbringen und vertreten zu lassen, da auf der Versammlung der Gewerbevereine Deulsch.ands in Mainz ausdrücklich und einstimmig der Wunsch geäußert worden war, man möge durch Eingabe an das Reichsamt des Innern die obligatorische Versicherung der Handwerker gegen Aller und Invalidität alsbald in die Wege leiten. Damit waren natürlich die Initiativanträge der übrigen Parteien gegenstandslos geworden. Tie Interpellation und die Vertretung war eine rein sachliche, es war von den Interpellanten nicht beabsichtigt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, sondern lediglich darzu- tun, daß int Interesse der Zukunft des Handwerkers eine derartige Versicl-erung geschaffen werden müsse. Sämtliche bürgerliche Parteien stellten sich in der Debatte auf den Boden der Jttterpellatiou, deren Grundgedanken sie auch in ihren respektiven Initiativanträgen befürwortet hatten. Tie Regierung verhielt sich in der Antwort zunächst außerordentlich kühl, wie das ja gewöhnlich geschieht, wenn es sich um die Unterstützung des Mittel- standes handelt, ja Graf Posadowsky glaubte sogar der Meinung Ausdruck verleihen zu müssen, daß wir mit einer Versicherung selbständiger Existenzen in den Zukunftsstaat des Herrn Bebel segeln würden! Tie Antragsteller waren sich selbstverständlich von vornherein über die finanzielle Schwierigkeit klar, aber wo ein Wille ist, da ist auch, ein Weg; überdies wird es ein leichtes sein, nachzuweisen, daß die finanziellen Bedenken gar nicht so große finb, wie man das gewöhnlich vom Regierungsbisch aus behauptet, denn der Staatszuschuß würde im äußersten Falle höchstens den zehnten Teil betragen von der Summe, die heute schon der Staat zu der Versicherung der Arbeiter beigciragcn hat; was man für den Arbeiter tut, sollte man doch billigerweise auch für den Arbeitgeber verlangen können. TÄe Idee der Versicherung ist nach Ansicht der Interpellanten folgende: 1. versicherungspflichlig sollen alle Handwerker sein; 2. die bestehende Arbeiterversicherungsgesetzgebung betr. Alter u'nd Jnvalidttät bleibt auch für den .Handwerker in Kraft und zwar mit denselben Beitragssätzen; 3. auf die bestehende Versicherung werden zwei Klassen aufgebaut von 2000—3000 und 3000—4000 Mk. Einkommen, d. h. A r b e i t s emkommen; 4. alle höheren Einkommen sind in der 4000 Mk.-Klasse versicherungspflichtig; 5. das Reich zahlt bei dem Arbetter zu jeder Rente 50 Mk. als Staatszuschuß. Wer diese Forderungen unparteiisch und vorurteilslos prüft, wird sich der Einsicht nicht verscyließen können, daß die nationalliberale Partei nur im Interesse des bedrängten Handwerkerstandes gehandelt hat, als sie diese Interpellation einbradjae, sie hat die feste Ueberzeugung, daß auch die Regierung zu der Einsicht kommen wird und muß, daß man mit solchen Maßnahmen nicht in den Zukunftsstaat der Sozialdemokraten segelt, sondern daß man im Gegenteil diesen Zulunftsstaar am besten dadurch bekämpft, daß man dem Treiben der „Genossen" eine gesunde Mittelüands- politik entgegensetzt. Diese Aufgabe zu erfüllen, wird auch in Zukunft das eifrige Bemühen der nationalliberalen Partei sein, die schon aus „nationalen" Gründen einen Untergang des Mittelpandes unter allen Umständen verhüten muß. Setzt sie sich damit auch manchmal in Widerspruch mit der Regierung, so ist das zwar zu bedauern, das Interesse der Allgemeinheit aber steht über den Wünschen und An- sichten der Regierung: die Partei hat dem Volkswohl in erster Linie zu dienen. (tomüHüjnaL Gießen, 10. Febr. Tie 1. Zivilkammer des hiesigen Landgerichts hat ein für D e l a i 111 ft c n wichtiges Urteil gefällt. Bürgermeisterei und Amtsgericht hauen der hiesigen Ortskranken kaffe zugestanden, daß der Koloniatwaren- händler 91. verpflichtet fei, fein Dienstmädchen als versicherungspflichtig bei dieser Kasse anzumelden. 91. Halle gegen dieses Urteil Berufung eingelegt und nun hat die Zivillammer entjchieden, daß die Orlslrankenlaße anzuerkemien habe, daß dem Kläger diese Pflicht nicht obliege. Tie Ortskrankenkasse hat die Kosten des 9iechlsslreltes beider Instanzen zu tragen. Tas Dienstmädchen Minna Gr. war von 91. gegen einen Monalsloyn von 16 Mk. angenommen. Tie Lrtstrantenlasse will die Berlicherungspftichl der G. daraus herleiten, dap sie nicht allein un Haushalt des Klägers, sondern daneben auch a t s L a d e n r e i n i g e r i n im Ha n d e l s- gero erbe des Klägers beschäftigt geivejen sei, und daß sie auch sür diesen Teil ißrer Beld)äitigung einen tolpi, beuchend in einem verhältiiismäßigeii Tell iyres GeiamUohnes, erhalten habe. Tas Urteil der Zivillamnier führt nun ans; „Rechtlich ist anzuerkennen, daß es für die Frage, ob eine Person in einem die Beriicherungs- pfllcht begründenden Betriebe beschäftigt ist, nicht darauf ankomint, ob sie in diesem Betriebe ihre Hauptbeichafligimg ftndel, daß vielmehr auch eine bloße 9lebenbejchäftiguiigili biejem Betriebe genügt, sofern es sich iiichl blos um eine gelegentliche und mithin vorübergehende oder zwar um eine dauernde, aber nach Leistung und Lohn derart geringfügige Tätigkeit handelt, dag sie um deswillen als eine Pefchaftiguiig un Sinne des § 1 des Kranten- versicherungsgejetjes nicht zu beurteilen ist. Im vorliegenden Fall ist nun aber Die Beschäftigung der Minna Gr. nu Handelsgewerbe des Klägers derart geringfügig gewesen, daß sie nicht wohl als Beschäftigung im Handelsbetrieb im Sinne der angeführten Geieyes- bestimmung in Betracht kommeii tanu. Tenn als derart geringfügig muß eine Beschäftigung erscheinen, die von der gesarruen Arbeitszeit der betrependen Person iiichl niehr als d u r ch s ch ii i 11- l i ch eine Stunde täglich ui Anspruch nimmt, und mehr als im Durchschnitt eine Stunde täglich haben die von der Gr. für das Haiidelsgeiverbe des Klägers geleisteten Arbeiten — alles m allem gerechnet — kemessalls erfordert, während das Aiädchen im Gaiizen etiva 14—15 Stunden täglich zu arbeiten halte. Insbesondere würde sich auch, wollte man einen Teil des deiii Aiädchen geivährten Lohnes als auf die für das Geschäft des Klägers geleisteten Arbeuen entfallend betrachten; für diese Arbeiten ein so überaus geringer Lohn ergeben, daß auch aus diesem Grunde die Befchäftigung nicht als unter § 1 des Krankenversicherungsgejeges fallend betrack)tel werden tonnte. Dazu kommt weiter, daß cm entlohntes gewerbliches Bejchäftigungsverhällms überhaupt nicht als gegeben angenommen werden kann. Ter dem Aiädchen gewährte Lohn von 15 Aik. rnoiiatlich überflieg nicht denjenigen Lohn- betrag, der in Gießen Dienstmädchen gewährt zu werden pflegt, und er würde zweifellos in gleicher Hohe verlangt und gewährt worden fein, wenn eine Befchäftigung des Mädchens im Gewerbebetrieb des Klägers nicht m Frage getommen tuare. Unterlag aber hiernach die Minna Gr. nicht der Krankenversicherimgspflicht, so bestand and) für den Kläger nicht die m Frage stehende Anmeldepflicht, und es ist sonach die Bellagte dein Klageantrag gemäß zu verurteilen, das Nichtbestehen dieser von ihr behaupteten Anmelde- pflicht des Klägers aiizuertennen " Kunst und Wissenschaft. — In eine in der „9t. Fr. Pr." veröffentlichte Betrachtung über den 90jährigen Philosophiegelehrten Eduard Zeller hatte der dem deutschen Reichskanzler persönlich befreundete Professor Ludwig Stein folgenden Satz eingesügk: „Wie man dem Grafen Bülow so häusig gesagt hat. er vertrete die Politik der „mittleren Linie", so könnte man die Philosophie Eduard Zellers als die Weltanschauung der Diagonale bezeichnen, aber nicht in malam partem (zu seinen Ungunftcnk Denn der Stammvater dieser Lehre von der Diagonale ist kein Geringerer als Aristoteles." Jetzt hat Graf Bülow folgendes Schreiben an Professor Stein gesanol: 9)1 ein lieber Herr Professor! Ich danke Ihnen für die freundliche Zusendung Ihrer oo* schöner Pietät zeugenden Auffätze über unseren verehrten Eduard Zeller und für die anerkennende Griindgesinnüng, mit der Sie bei dieser Gelegenheit der Bestimmung meiner politischen Psyche näher treten. Ihre Freundschaft bringt mich freilich in gar erhabene Zusammenhänge. Dem großen Stagiriten sd. h. Aristoteles) darf ich mich doch nur in dem Sinne verwandt fühlen, daß auch er ein Mann des staatlichen Lebens war, und daß vielleicht gerade feine politischen Erfahrungen ihm nahe- legten, das Richtige in allen menschlichen Dingen als ein Mittleres zwischen zwei E x t r e tn e n zu suchen. Was den guten Politiker macht, ist ja im Grunde nutzt das Ziel — das können Phantasten sich immer höher und schöner fteden, als je ein Staatsmann es zu erreichen vermag; — sondern die Benutzung der 'Mittel. Der rührige Erzieher des Niacedotiischen Imperators — .r4riatote qui remue toutes olivaes" ^Aristoteles, der alle Tinge bewegt», sagt 9)loiitaigne voil ihm — besaß eine Lebenserfahrung wie wenige Große im klassischen Altertum und verpflichtete sich auf einen nüchternen Wirkllchkeitssinn, der wohl mehr erworbener Charakter als natürliches Temperament mar. Wenn Sie ihn mit solchen Attributen als einen Lar familiaris (Familiengeist) ausstellen wollen, bin ich bereit, den Meister zu loben. Mll freundlichen Grüßeii auch von meiner Frau Ihr aufrichtig ergebener Bülo nx* unübertroffene Schön beite- und Gewndheils-Seife. viel tausendfach bewahrt. Aerztlich empfohlene Kinder-Seife, ernzic in ihrer All. Stuck 50 Pf. Erhältlich in Apotheken. Dro-ericn und Parfümerien wie auch das nicht fettende Myrrbolin-Glycerin. Ertötet Weisse, zarte Hande, reiner, schöner Teint. Beste Haut-Pflege-M-tteL xtra-Konzert der Grossherzogi Hessischen Kammersängerin Möbdfabrik-Laqer ergebenst einzuladen. Tagesordnung: Einzel - Möbel 1264 Ein grösserer Posten Kare Oa Klär & LT 0533 Billigste Preise. Färberei hier am Platze, daher schnelle Rücklieferung. 1. Erstattung des Geschäftsberichtes pro 1903. 2. Ersatzwahl statutengemäß ausscheidender Mitglieder des Aufsichtsrates. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahresrechnung und Bilanz und die dem Vorstande und Aussichtsrate zu erteilende Entlastung. 4. Verteilung des Reingewinnes. Gießen, am 6. Februar 1904. ewerbebank zu Giessen eingetr. 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